Neukonzeption Gemeinschaftshaus Langwasser
Bericht im Kulturausschuss am 09. Oktober 2020
„Das Gemeinschaftshaus Langwasser am Heinrich-Böll-Platz spielt im Bereich der quartiersbezogenen Lern- und Bildungslandschaft eine zentrale Rolle. Mit der Stadtteilbibliothek, den offenen Räumen für zahlreiche freie Gruppen und vielfältigen Veranstaltungs- und Freizeitangeboten ist es das Kulturzentrum im Stadtteil...“1
Nach knapp dreijähriger Sanierungszeit nimmt das Gemeinschaftshaus Langwasser seit September seinen Betrieb schrittweise wieder auf. Die offizielle Wiedereröffnung findet Anfang 2021 statt. Der Stadtteil erhält wieder Zugang zu seinem kulturellen Zentrum. Der Begriff „kulturelles Zentrum“ ist hierbei in zweierlei Hinsicht zu verstehen: Zum einen steht das Gemeinschaftshaus für die kulturelle Grundversorgung der Bürgerschaft in Langwasser mit nahezu 43.000 Einwohnenden2 und damit der Größenordnung einer Mittelstadt. Diese reicht von Veranstaltungen über Kursangebote, Treffen verschiedenster Gruppen, Zugang zu insgesamt 28.000 unterschiedlichsten Medien und Leseförderungsaktivitäten in der Stadtbibliothek bis hin zu einer Gastronomie mit Biergarten. Zum anderen steht das Haus als soziokulturelles Zentrum den diversen Besuchergruppen offen zur Teilhabe und als Ermöglichungsraum.
Diese Kernfunktionen hat das Gemeinschaftshaus bereits im Kulturausschussbericht vom 13.07.1999 formuliert. Im Rahmen der Neukonzeption wird jedoch die Rolle als soziokulturelles Zentrum, das die aktuellen sozialen und kulturellen Anforderungen des Stadtteils und der gesellschaftlichen Fragestellungen aufgreift und Perspektiven für die Weiterentwicklung des Stadtteils eröffnet, akzentuiert und weiter ausdifferenziert. Als Haus der „Kultur für alle“, das sich noch mehr dem zivilgesellschaftlichen Engagement öffnet, als Plattform für kreatives und künstlerisches Schaffen, als Knotenpunkt im Stadtteilnetzwerk. Während der Schließzeit wurden Angebot und Struktur des Gemeinschaftshauses angesichts dieser Rollen wie auch der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen überprüft und in der folgenden Neukonzeption modifiziert.3
Das Gemeinschaftshaus ist als einer von elf von KUF betriebenen Kulturläden soziokulturelle Stadtteileinrichtung und gleichzeitig eine von sechs Stadt(teil)bibliotheken im BCN-Verbund. Die Vorlage stellt insbesondere die seitens KUF angestellten Überlegungen dar, nimmt aber auch Bezug auf gemeinsame Planungen mit BCN/StB. In Punkt 4. werden die speziellen Überlegungen
1 Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept Nürnberg Südost. Vernetzen! (Nov. 2019, Hrsg. BgA, s. S. 86) 2 Mit Langwasser ist hier und im Folgenden das Stadtteilkulturgebiet Langwasser gemeint. Daten lt. StA-Statistikmonitor von 2019. 3 Die konzeptionellen Überlegungen gehen davon aus, dass die Einschränkungen aufgrund der Covid 19- Pandemie nicht dauerhaft sind. Alle Überlegungen müssen ggf. an aktuelle Rahmenbedingungen angepasst werden.
zur Arbeit der Stadt(teil)bibliothek vorgestellt. Die neuen Mietpreistarife für das Gemeinschaftshaus Langwasser werden in einer eigenen Vorlage vorgestellt.
1. Grundlagen der Neukonzeption des Gemeinschaftshauses
1.1 Kulturstrategie der Stadt Nürnberg
Den übergeordneten Rahmen für das neue Konzept gibt die vom Stadtrat im Januar 2018 beschlossene Kulturstrategie der Stadt Nürnberg vor. Sie dient als Richtlinie für die grundlegenden Ziele, Programmschwerpunkte und Aufgaben. Das Gemeinschaftshaus bezieht sich hierbei vor allem auf folgende Leitziele4: 5 „Stärkung der Nürnberger Kunst- und Kulturszene durch Möglichkeiten des Experimentierens im analogen wie digitalen Raum“, 6 „Stärkung der Stadtgesellschaft durch transkulturelle und generationenumspannende Ansätze sowie Förderung von Dialogräumen“ und 10 „Aktivierung von Akteurinnen und Akteuren aus unterschiedlichen Sparten, Sektoren und Ressorts durch Einbindung, Dialog und Wertschätzung“. Das Konzept nimmt ebenso Bezug auf das Handlungsfeld 2 („Diversität und Teilhabe stärken“), insbesondere auf das Ziel 1 „Empowerment der Nürnberger Stadtgesellschaft“ und Ziel 2 „Generationendialog gestalten“. In den folgenden Kapiteln 2 („Der künftige Zielrahmen) und 3 („Programmbausteine“) wird auf die einzelnen Leitziele und Maßnahmen konkret Bezug genommen.
1.2 Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept Nürnberg Südost (InSeK)
Ein weiterer wichtiger Bezugspunkt sind die „Handlungsempfehlungen auf lokaler Quartiersebene“ des Integrierten Stadtentwicklungsprojekts (INSEK5) Nürnberg Südost für die „Kultur- und Bildungslandschaften“ in Langwasser. Zahlreiche davon nimmt das Gemeinschaftshaus Langwasser schon seit langem und ab der Wiedereröffnung wieder verstärkt wahr. Hierzu gehören u.a.: „Lebenslanges Lernen ermöglichen: Bildung und Kultur sind integrativer Teil der Stadtentwicklung und wichtige Motoren für die Gestaltung zukunftsfähiger Quartiere. Ziel ist es, neue und innovative Formen des wohnortnahen, lebenslangen Lernens in Kombination mit Freizeit- und Kulturangeboten zu schaffen. […]. Heute ist das Gemeinschaftshaus bereits Knotenpunkt des weitreichenden bürgerschaftlichen Netzwerks im Südosten. Die Vernetzung über das Stadtteilforum Langwasser funktioniert sehr gut. Ausbaufähig sind kleinräumige Kooperationsstrukturen der sozialen, kulturellen und schulischen
4 Kulturstrategie der Stadt Nürnberg, S. 70. 5 Ansatz der INSEKS sind integrierte Ansätze über rein bauliche Planungen hinaus, um Antworten auf die komplexen Herausforderungen der Zukunft zu finden und eine nachhaltige, ökologisch und sozial ausgewogene Stadtentwicklung zu ermöglichen. Das integrierte Stadtentwicklungskonzept Nürnberg Südost von 2015 trägt den Untertitel VERNETZEN! Der Titel ist Programm und steht für die übergreifenden Themen dieses Gebiets. Gemeint ist damit nicht nur die räumliche Vernetzung, sondern ebenso die Vernetzung von Akteurinnen und Akteuren, Bürgerschaft, Verwaltung und Politik.
Einrichtungen in den Quartieren untereinander sowie deren Verknüpfung mit den stadtteilzentralen Gemeinschaftseinrichtungen […]. Dezentrale Strukturen und Netzwerke stärken: […] gilt es nun, das polyzentrische Grundprinzip der kulturellen, sozialen, sport- und bildungsorientierten Angebote neu zu aktivieren. Bereits bestehende soziale Infrastrukturen sollten durch bedarfsgerechte Nutzungsanreicherungen vernetzt, Gemeinschaftsräume für die Bewohner zugänglicher gemacht werden […]. Eine stärkere Belegung mit wohnungsnahen Dienstleistern ist ebenfalls denkbar, um neuen demographischen und sozialen Anforderungen zu genügen. Dazu zählen […] wohnungsnahe soziale und kulturelle Infrastrukturen, […] Zwischennutzungen, wie etwa mietbare Veranstaltungsräume, aber auch dauerhafte Einrichtungen wie Nachbarschafts- und Jugendtreffs könnten als Treffpunkte den sozialen Zusammenhalt der Nachbarschaften fördern [...].“6
1.3 Modellprojekt #LNGWSSR
Im Rahmen des Modellprojekts „Utopolis - Soziokultur im Quartier“7 – gefördert vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) – führt das Gemeinschaftshaus Langwasser das Projekt #LNGWSSR durch. Das vierjährige Förderprogramm (2018-2022) mit bundesweit sechzehn Projekten wurde erstmals gemeinsam von BMI und BKM initiiert, um der Fragestellung, „wie Kunst und Kultur für das Zusammenleben der Gesellschaft in den Stadtteilen genutzt werden kann“, durch die Förderung soziokultureller und partizipativer Projekte nachzugehen. Der Fokus des Projekts „liegt auf der Ermittlung geeigneter künstlerischer Methoden, um eine vielfältige Nachbarschaft zu erreichen und gerade auch Bewohnerinnen und Bewohner, die zuvor nur wenige Berührungspunkte mit Kunst und Kultur hatten, zur aktiven Mitgestaltung ihres Wohnund Lebensumfeldes anzuregen. Dabei spielt die Vernetzung mit Initiativen und Institutionen vor Ort eine große Rolle – mit dem Quartiersmanagement ebenso wie mit sozialen Vereinen, kommunaler Verwaltung oder auch Wirtschaftsunternehmen…“8 Die gewonnenen Erkenntnisse sollen sowohl vor Ort als auch im bundesweiten Austausch auf andere Stadtteile und Kulturzentren übertragen werden und dauerhaft wirken.
Auftaktprojekt war die Bürger/innenbeteiligung „Gemeinschaftshaus.Neu.Machen“, bei der in Zusammenarbeit mit dem städtischen E-Government-Büro erstmals ein Kulturthema mit einer Online-Beteiligung bearbeitet wurde. Ziel war, von den Menschen zu erfahren, welche Angebote sie sich vom Gemeinschaftshaus nach der Wiedereröffnung wünschen, aber auch was sie benötigen, um sich dort wohl zu fühlen und das Gemeinschaftshaus für sich zu nutzen. Zudem
6 Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept Nürnberg Südost. Vernetzen! (Nov. 2019, Hrsg. BgA, s. S. 86) 7 https://utopolis.online/ 8 https://utopolis.online/about/
waren alle Menschen, die in Zukunft ein eigenes Angebot ins Leben rufen, oder ehrenamtlich aktiv werden möchten aufgerufen, mit den Mitarbeitenden Kontakt aufzunehmen. Der Online-Beteiligungszeitraum war vom 24. Juni bis 26. Juli 2019. Neben der digitalen Beteiligungsmöglichkeit wurden über aufsuchende partizipative Angebote, Vor-Ort-Begehungen und -Veranstaltungen eine breite Gruppe an interessierten und engagierten Menschen angesprochen. Insgesamt wurden rund 1.500 Menschen erreicht, die in schriftlichen Beiträgen und Kommentaren insgesamt 4.973 Anliegen, Ideen und Wünsche formulierten9. Die Beteiligungsergebnisse10 sind - nach Überprüfung der konkreten Realisierbarkeit und unter Berücksichtigung von Kulturstrategie und INSEK – zusammen mit den anderen Teilprojekten (s.u.) von #LNGWSSR
- in das Gesamtkonzept eingeflossen.
1.4 Konzeptentwicklungsprozess
Nicht zuletzt hat das KUF-Gemeinschaftshaus-Team in einem zweijährigen Konzeptentwicklungsprozess mit externer Moderation aus den vorgenannten Grundlagen Ziele, Inhalte, Angebotsschwerpunkte, Personal- und Organisationsstrukturen für die künftige Arbeit entwickelt. Diese konzeptionellen Planungen wurden und werden kontinuierlich mit den Gremien des Stadtteilforums Langwasser abgestimmt und diskutiert. Der Prozess ist also nicht abgeschlossen, sondern die Entwicklung des Hauses wird weiterhin hinterfragt und ggf. modifiziert. Wichtig dabei sind vor allem der ständige Dialog mit dem Team der Stadtbibliothek und den Nutzer/innen (z.B. in regelmäßigen Besucher/innenversammlungen) und dem Stadtteil (Stadtteilforum, Bürgerverein, u.a.). Hierbei geben über die Ergebnisse von Gemeinschaftshaus.Neu.Machen hinaus die Erfahrungen aus den weiteren partizipativen Teilprojekten von #LNGWSSR wie das Betonliebe- Festival rund um Kunst im öffentlichen Raum, das genreübergreifende transkulturelle Theaterprojekt Wir.Schreiben.Geschichte, sowie die Bindung und Förderung von Ehrenamtlichen zu Stadtteilführenden im Projekt Langwasser.Neu.Entdecken (Projektbeschreibungen siehe Anhang) stete Impulse für die weitere Entwicklung und werden im Rahmen der folgenden Neukonzeption skizziert.
2. Der künftige Zielrahmen
Aufgabe der Stadtteilkulturarbeit des Gemeinschaftshauses ist es, ein vielfältiges Programm zu entwickeln und zu steuern, das sich an den Bedürfnissen der Stadtteilbevölkerung orientiert. Dabei geht es sowohl um rezeptionsorientierte Angebote zur kulturellen Grundversorgung wie auch um die Wahrnehmung der Funktion eines soziokulturellen Zentrums als Forum für Teilhabe, Aktivierung, Kooperation und Vernetzung.
9 509 Beiträge zu den Themen „Deine Wünsche für unser neues Programm“ und „Wohlfühlen in Deinem Gemeinschaftshaus“ mit 1643 Bewertungen und 66 Kommentaren. Damit fand ein besonders reger Austausch statt. 10 Siehe Anhang.
2.1 ERMÖGLICHEN
Das Gemeinschaftshaus nimmt künftig mit dem Ansatz „Teilhabe und Partizipation“ stärker die Rolle des Ermöglichers und Koordinators als die des Eigenveranstalters wahr. Die Nutzer/innen – sowohl Einzelpersonen als auch Einrichtungen/Organisationen, sowohl Profis als auch jene, die sich einfach „ausprobieren“ möchten – sollen eine Plattform erhalten und dabei unterstützt werden, ihre eigenen Ideen umzusetzen.11 Die Unterstützung des Gemeinschaftshauses reicht vom fachlichen Know-how der Mitarbeitenden, Qualifizierung und Beratung zur Eigeninitiative, Überlassung der Räumlichkeiten für selbstorganisierte Gruppen bis hin zur Bereitstellung von Infrastruktur und professionellen Auftrittsmöglichkeiten. Darüber hinaus steht den Nutzer/innen die Öffentlichkeitsarbeit des Hauses und das Netzwerk zur Verfügung. Neben der Beförderung von Einzelakteur/innen und kleinen Initiativen sind im Veranstaltungsbereich Angebote in Kooperation mit u.a. dem Mobilen Kino Nürnberg e.V., Bluepingu, dem AK Streetart Langwasser, LangwasserTV, BUNI u.v.m. geplant.
2.2 ERMÄCHTIGEN
Die zunehmende Ausdifferenzierung der sozialen und kulturellen städtischen Milieus verlangt nach neuen Wegen, um den eigenen Anspruch einzulösen, einen Querschnitt der gesamten Stadtteilbevölkerung zu erreichen. „Im Rahmen des Kulturstrategieprozesses wurde [...] deutlich, dass – wie in einem Großteil der deutschen Städte ...– nicht die gesamte Nürnberger Bürgerschaft in ihrer Diversität im Nürnberger Kulturbereich mit Blick auf das Programm sowie im Publikum und im Bereich des Personals repräsentiert ist. Die gezielte Ermächtigung von Menschen aus unterschiedlichen künstlerischen und kulturellen Milieus ist daher ein zentrales Ziel von Kulturentwicklung.“12 Eine effektive Antwort auf diese Herausforderung ist, das Empowerment der Stadt(teil)gesellschaft zu fördern. Das heißt, neue Ansätze zu entwickeln, um Menschen zum Besuch zu motivieren und insbesondere an der Produktion von kulturellen Angeboten zu beteiligen. Dabei ist es für das Gemeinschaftshaus besonders wichtig, bisher noch nicht aktive Akteur*innen zu gewinnen und einzubinden sowie diejenigen zu fördern, die besondere Unterstützung benötigen. Dafür sollen offene und kooperative Strukturen geschaffen werden, die die Eigenproduktion von Kulturangeboten genauso fördern wie den Diskurs, um gesellschaftliche Entwicklungen im Stadtteil zu ermöglichen.13
11 Kulturstrategie: „LZ 10. Akteure aus unterschiedlichen Sparten aktivieren durch Einbindung, Unterstützung und Wertschätzung“. 12 Kulturstrategie der Stadt Nürnberg, S. 102. 13 Beispiele: Raum für Diskussion und gegenseitige Beratung unter den Besuchenden. Siehe „Dritter Ort“. Selbsthilfetreffs, angeregte oder selbst entstandene Diskussionsrunden werden unterstützt. Im öffentlichen Raum kann es begleitende Angebote zu aktuellen Themen geben, z.B. Diskussionsrunden und Vorträge aus gesellschaftlichen Bereichen und qualitative Hilfe bei Problemlösungen.
Neben der geplanten verstärkten Zusammenarbeit mit dem Bildungszentrum m Kursbereich will das Gemeinschaftshaus alle Aktiven unterstützen, eigene Angebote zu veranstalten und umzusetzen. Hierzu soll es ein spezielles Weiterbildungsprogramm geben. Auch das Vermietungs- und Nutzungsangebot von Räumlichkeiten soll für Aktive ausgebaut werden: Für Interessierte (vor allem aus dem Bereich der Musik, Kunst- und Kulturvereine) sollen nicht nur Räume, sondern auch Beratung und Bewerbung der Angebote zur Verfügung gestellt werden. Hierbei stehen – im Sinne der Kulturstrategie - inklusive und transkulturelle Ansätze im Vordergrund.
Beispiele: Die Big Band Langwasser wird bei der Durchführung eigener Konzerte mit administrativem und technischem Veranstaltungs-Know-how sowie Instrumenten der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt. Menschen, die zu Hause nicht die räumlichen Möglichkeiten haben, werden bei der Gründung offener Werkstätten unterstützt. Kursleiter/innen erhalten Beratung und Fortbildungen, wie sie ihre Kurse selbst veranstalten können. Künstler/innen können den „Dritten Ort“14 niederschwellig nutzen, um dort Aktionen durchzuführen. Bei Disco-Veranstaltungen im Rahmen von OBA (Offener Behindertenarbeit) stehen die Teilhabe und das aktive Mitwirken behinderter Menschen im Vordergrund Beim Aufbau einer neuen Aktivengruppe für Stadtteilführungen werden die Erfahrungen der „alten“ Führer/innen an eine neue Generation weitergereicht. Bei der Planung der Öffnungszeiten der Stadtteilbibliothek wurden Zeitfenster für selbstorganisierte Bibliotheksangebote berücksichtigt, z.B. Leseclub, Vorlesegruppen, Sprachlerner, Elterntreff.
2.3 VERNETZEN
Der Stadtteil Langwasser zeichnet sich durch eine superdiverse Bevölkerung aus. In diesem Gebiet leben aktuell Menschen aus 115 Herkunftsländern, u.a. aus der Türkei, der Russischen Förderation, der Ukraine, Polen, Griechenland und Rumänien, um nur die größten Gruppierungen zu nennen. Diese Struktur prägt den Stadtteil und hat Auswirkungen auf die Kulturarbeit. So ist die kulturelle Vielfalt Grundlage für Begegnung und Austausch der Stadtteilbewohner/innen untereinander und gegenseitige Akzeptanz und damit kreativer Ausdruck für gesellschaftlichen Wandel. Gleichzeitig kann die Superdiversität auch zu Verständnisproblemen bei Besucher/innen, Vorurteilen oder bewusstem Vermeiden von Begegnung und Austausch zwischen verschiedenen
14 Siehe Fußnote 32.
Bevölkerungsgruppen führen. Das Gemeinschaftshaus will die Chance, den Reichtum der Bevölkerungsvielfalt zu erfahren und voneinander zu lernen, durch Begegnung und Dialog nachhaltig fördern und langfristig zu transkulturellen Formaten anregen. Hierfür ist es ebenso notwendig, den einzelnen Communities den Rahmen zu bieten, die „eigene Kultur“ zu leben und präsentieren zu können wie das Schaffen von Anlässen, sich untereinander kennen zu lernen, um gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Mehrsprachige oder sprachunabhängige Formate und Ausdrucksformen sowie die Bearbeitung universeller Themen sollen diesen Prozess fördern. Nicht zuletzt wird die Nutzung des Gemeinschaftshauses durch die verschiedenen Communities an die Bedingung des Austausches geknüpft, um dem diversitätsorientierten Ansatz Rechnung zu tragen. So forschen im Projekt „Wir.Schreiben.Geschichte“ unter dem Dach von #LNGWSSR Akteur/nnen verschiedener Kunstsparten mit Bürger/innen nach dem heutigen Gesicht des Stadtteils und entwickeln künstlerische Präsentationsformen für ein „Wir- Gefühl“.15 Hinsichtlich der Diversität des Publikums spielt auch die intergenerationelle Begegnung im Gemeinschaftshaus eine zunehmende Rolle. Aktuell weist Langwasser einen höheren Altersdurchschnitt als die Gesamtstadt auf.16 Nach aktuellen Prognosen wird sich die Bevölkerungsstruktur im Stadtteil jedoch in den nächsten Jahren verändern. Es wird mehr freier Wohnraum entstehen und viele junge Familien werden zuziehen. Diese Entwicklung hat bereits begonnen und macht sich auch in der Nachfrage nach kulturellen Angeboten bemerkbar (siehe Beteiligung bei „Gemeinschaftshaus.Neu.Machen“). Gleichzeitig befand sich auch das Publikum des Gemeinschaftshauses bereits in der Zeit vor der Schließungsphase in einem Generationenwechsel. Trotz einer großen Stammbesucherschaft, die zum Teil seit Beginn der soziokulturellen Arbeit kommt, ist der Altersdurchschnitt der Besucher/innen in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken.17 Sehr auffällig ist dies im Bereich des ehrenamtlichen Engagements, aus dem sich jahrzehntelange Stamm-Aktive zunehmend zurückziehen. Hier gilt es, neue Konzepte zu entwickeln, um den heutigen Voraussetzungen bürgerschaftlichen Engagements gerecht werden zu können. Jede Altersgruppe soll sich im Gemeinschaftshaus willkommen fühlen. Die Jüngeren müssen die Möglichkeit bekommen, das Haus zu „ihrem“ zu gestalten, die Älteren dürfen sich dabei nicht zurückgedrängt fühlen. Gleichzeitig wird angestrebt, dass möglichst viele der bisherigen Nutzer/innen auch künftig ihren Platz im Haus behalten. Neben altersspezifischen Angeboten kommt es also ebenso darauf an, den Dialog zwischen den Generationen mit dem nötigen Feingefühl zu befördern und den Austausch zu unterstützen. Ebenso muss eine adäquate Öffentlichkeitsarbeit die Kommunikations- und Informationskanäle der jeweiligen Zielgruppen „bespielen“.
15 Die niedrigschwellige, partizipative und inklusive Gestaltung von künstlerischen Produkten (Stadtteilzeitung, Objektlandschaften, künstlerische Bücher mit Langwasser-Geschichten und ein Bühnenstück) eröffnen einen neuen Blick auf den Stadtteil. Das Projekt erstreckt sich über drei Jahre. Eine Verstetigung wäre wünschenswert. 16 Anteil der über 50-jährigen in Langwasser: 46,6 % (Gesamtstadt: 40,2 %), vgl. http://sta0mv99/ASW/asw.exe?aw=/WP_Grundzahlen/WPG_BSDBm_03_kuf 17 Vgl. KUF/3-Kulturladenumfrage 2016
2.4 KOOPERIEREN
In der Stadtteilbibliothek liegt aufgrund der engen Zusammenarbeit mit Trägern der formalen und non-formalen Bildung der Anteil der regelmäßigen Nutzer/innen für die Gruppe der unter 18-jährigen bei 50%. Nicht nur in diesem Zusammenhang spielen Kooperationen in Zukunft eine noch größere Rolle, um durch Synergieeffekte aus unterschiedlichen Kompetenzen und Zielgruppen neue Angebote zu schaffen und Begegnung zu ermöglichen. Gemeinsam mit der Stadtteilbibliothek werden Programmbausteine im Bereich Literatur entwickelt werden und das gesamte Haus bespielt, um Infrastruktur und Expertise beider Einrichtungen optimal zu nutzen. Das Bildungszentrum wird mit eigenen Kursen in verschiedenen Sparten – von Sprachen über Digitalisierung- und IT- bis hin zu Bewegungsangeboten – ein dauerhafter Partner. Die Zusammenarbeit mit dem Kinder- und Jugendhaus „Geiza“ wird weiterhin intensiviert, um durch gemeinsame Aktivitäten die verschiedenen Zielgruppen in Kontakt zu bringen. Die seit über 30 Jahren bestehende Partnerschaft mit dem Krakauer Kulturzentrum Nowohuckie Centrum Kultury NCK bietet vielfältige Möglichkeiten, mehr Austausch der Zentren zu initiieren, die Veranstaltungsprofile der beiden Zentren mehr zu vernetzen und damit gerade im Kontext der Kulturhauptstadtbewerbung zu einer Stärkung der Kulturstadt Nürnberg als sichtbare Akteurin und Impulsgeberin auf europäischer und internationaler Ebene beizutragen. Nicht zuletzt kommt der Gastronomie im Gemeinschaftshaus eine wichtige Bedeutung zu. Die künftigen Pächter haben bereits mit der Namenswahl für die Gaststätte („EssKultur“) deutlich gemacht, dass sie sich mit den Zielen des Gemeinschaftshauses identifizieren und in enger Zusammenarbeit eigene Angebote entwickeln wollen.
3. Angebotsbausteine
3.1 „Dritter Ort“ 18
In den vergangenen Jahren haben sich verschiedenste Kulturinstitutionen mit der konzeptionellen Öffnung ihrer Häuser hinsichtlich der Beteiligung möglichst vielfältiger Gruppen beschäftigt. Zugleich weist das Konzept des „Dritten Ortes“ große Schnittmengen zu Aufgaben und Struktur eines soziokulturellen Zentrums auf - beispielsweise dem freien Zugang für die Öffentlichkeit, dem Miteinander der Gäste in zwanglosem und hierarchiefreiem Rahmen, Statusneutralität und allgemeine Niedrigschwelligkeit19 - und deckt sich zu großen Teilen mit den Überlegungen von Volkshochschulen und Bibliotheken, insbesondere auch dem Open- Library-Konzept20 der Nürnberger Stadtbibliothek.
18 Der Begriff „Dritter Ort“ wurde 1989 von dem Soziologen Ray Oldenburg geprägt. Er bezeichnet neben dem „Zuhause“ (1st place) und dem Arbeitsplatz (2nd place), einen Ort, der noch nicht mit den alltäglichen Verpflichtungen besetzt ist, einen Raum, der eine Auszeit bietet und gleichzeitig etwas Vertrautes und Sicheres, ein Wohlgefühl. Der Begriff 3rd Place steht somit allgemein für Plätze, an denen sich Menschen versammeln und begegnen, Orte, an denen man Erholung findet oder etwas erlebt. Vgl. „Statusbericht Weiterentwicklung der Kulturladenarbeit im Kulturausschuss“ am 11.10.2019 19 Vgl.https://www.zaknrw.de/files/redaktion/dossier07_zak_01apr2019.pdf 20 Siehe Kapitel 4 Stadtteilbibliothek Langwasser
Die damit gemeinsame Zielsetzung beider Partner im Gemeinschaftshaus soll nun realisiert werden, um durch die niedrigschwellige Begegnung diverser Besucher/innen noch mehr Zugang zum gesellschaftlichen Dialog und aktiver Teilhabe zu ermöglichen.21 Ein großer Teil der öffentlichen Fläche des Gemeinschaftshauses wird daher räumlich und konzeptuell als „Dritter Ort“ zusammengefasst und speziell ausgestattet. Mit der Umgestaltung des Foyers zum Begegnungsraum wird zudem zahlreichen Wünschen aus der Bürgerbeteiligung entsprochen.
Neben der künstlerischen Gestaltung des Eingangsbereichs und der Einrichtung eines Selbstbedienungs-Cafés zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität wird die gesamte Infrastruktur auf die möglichen Bedarfe der Nutzer/innen ausgerichtet. Hierzu gehören Ladesteckdosen und freies WLAN, Sitzgruppen und -nischen mit flexiblen Gestaltungsmöglichkeiten, Bereitstellung von Spielgeräten und ein Rückgabeautomat im Foyer für Medien der Bibliothek. Weiterhin werden Möglichkeiten zur Recherche und Mediennutzung vor Ort, (Computer-)Arbeitsplätze, Gesellschaftsspiele, Leseecken und eine Dachterrasse mit Sitzmöglichkeiten und Hochbeeten angeboten. Das Open-Library-Angebot der Stadtteilbibliothek und die Nutzung bestimmter Teile des Biergartens ohne Konsumzwang tragen zur freien niederschwelligen Nutzung weiter Teile des Gebäudes im Rahmen der geplanten erweiterten Öffnungszeiten bei. So soll das Haus von Montag bis Freitag von 8.30 bis 22 Uhr nahezu ganztägig geöffnet sein, an den Samstagen außerhalb der Schulferien von 10 bis 15 Uhr.22 Die vollumfängliche Nutzung der Bibliothek ist während der Regelöffnungszeiten (Dienstag bis Freitag von 11 bis 18 Uhr) möglich. Darüber hinaus ist sie am Samstag von 10.00 bis 15.00 Uhr sowie abends bis 22.00 Uhr als „Open-Library“ mit eingeschränkten Funktionen zugänglich (s. Abschnitt 4.).
Als Ort der Begegnung bietet der „Dritte Ort“ Möglichkeiten für den direkten Austausch der Gäste untereinander wie auch mit den Mitarbeitenden des Gemeinschaftshauses. Die diverse Teamstruktur ermöglicht den Kontakt in verschiedenen Sprachen. Der „Dritte Ort“ bietet Raum für Diskussion und gegenseitige Beratung unter den Besucher/innen und unterstützt Selbsthilfetreffs. Selbstorganisierte Gruppen können dort ihre Ideen und Aktivitäten einbringen und ggf. eigene Projekte durchführen, gemeinnützige Angebote können auf der Basis ehrenamtlichen Engagements unterstützt werden.
Darüber hinaus ist der „Dritte Ort“ sowohl Schnittstelle verschiedener Programmkomponenten im gesamten Haus (z.B. Ausstellungen, Hausgastronomie, Veranstaltungen) als auch eigenständiger
21 Vgl. u.a. LZ 6 „Stärkung der Stadtgesellschaft durch transkulturelle und generationenumspannende Ansätze sowie Förderung von Dialogräumen“, LZ 10 „Aktivierung von Akteurinnen und Akteuren aus unterschiedlichen Sparten, Sektoren und Ressorts durch Einbindung, Dialog und Wertschätzung“, HF2/Z1 „Diversität und Teilhabe stärken“, M1 „Bestehende Strukturen und Ansätze der kulturellen Teilhabe stärken“, HF 1/Z4 „Freiräume für kreatives und künstlerisches Schaffen ermöglichen“ 22 Die erweiterten Öffnungszeiten ziehen einen erhöhten Personalbedarf nach sich, wie in Kapitel 5 Personalstruktur beschrieben.
Veranstaltungs- und Aktionsort. Mit entsprechender Personalausstattung könnten dort auch transkulturelle Formate und Themen aus dem interkulturellen Kalender entwickelt und umgesetzt werden (z.B. interkulturelles Frühstück, Woche der internationalen Lyrik). Die Gartenbereiche bieten hohes Potential für weitere Aktivitäten im Außenbereich, z.B. durch einen „Nasch-Garten“, gemeinsam genutzte Hochbeete, eine Pausenwiese oder die Einbeziehung von Aktivitäten des Eltern-Kind-Hauses. Wünschenswert sind auch weitere partizipative und nachhaltige Formate, z.B. Flohmärkte, „Tauschrausch“ für Bekleidung und Bücher.23 Die Aktivierung, Förderung und Koordination ehrenamtlicher Akteure für diesen Bereich erfordert eine intensive Betreuung durch das Gemeinschaftshaus. Der damit verbundene erhöhte Personalaufwand wird in Kapitel 5 weiter ausgeführt.
3.2 Veranstaltungen
In allen Umfragen (insbesondere Gemeinschaftshaus.Neu.Machen, Kulturladenumfragen, etc.) werden Wünsche nach einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm im Gemeinschaftshaus geäußert. Im Folgenden werden Bausteine für eine „Grundversorgung“ des Stadtteils mit einem vielfältigen Veranstaltungsprogramm vorgestellt und die Basis für weiterführende soziokulturelle Entwicklungen formuliert. Ziel von KUF im Gemeinschaftshaus ist ein Veranstaltungsprofil, das sowohl die Bedürfnisse aus dem Stadtteil bedient als auch Strahlkraft in die Gesamtstadt und Region entfaltet. Eine Voraussetzung ist hierbei, die Veranstalterrolle abzugeben und in der Rolle als Ermöglicher kulturellen Akteuren aus dem Stadtteil und darüber hinaus die herausragende Infrastruktur des Hauses für eigene Kulturangebote zur Verfügung zu stellen. Aufgrund der personellen Ressourcen ist auch nur durch diese Akzentverschiebung vom Veranstalter zum Ermöglicher ein Programm in dieser Größenordnung denkbar.
PROJEKTION
Das „Kino im Gemeinschaftshaus“ ist in der Erinnerung zahlreicher Stadtteilbewohner/innen ein elementarer Bestandteil der eigenen Kindheit und Jugend. Es erlebte seine Blüte in den 1970-er und 1980-er Jahren. Nach dem Ausbau zentrumsnaher Kinokomplexe sank die Nachfrage, das Programm wurde daraufhin gegen Protest im Stadtteil eingestellt. Mit dem Mobilen Kino Nürnberg e.V. konnte ein kompetenter Kooperationspartner gewonnen werden, dem durch den neuen Indoor-Spielort Gemeinschaftshaus auch eine Wintersaison (Oktober bis März) ermöglicht wird. Die Formate reichen von speziellen Angeboten für Senior/innen über Familienkino bis hin zum klassischen Freitagabend-Programmkino. Die Veranstaltungen sind jeweils einer bestimmten Zielgruppe/Thematik24 gewidmet und finden in Zusammenarbeit mit zahlreichen weiteren Partnern,
23 vgl. hierzu auch die Ergebnisse von „Gemeinschaftshaus.Neu.Machen“ 24 Schwerpunkt-Themenreihen werden u.a. sein: Natur/Ökologie/Nachhaltigkeit, Urban Art, Hip Hop (Dance), Literatur, Interkultur sowie Inklusion, ergänzt durch die bekannte Reihe „Blickpunkt Erde“ (länderspezifische Live-Multivisionsvorträge).
z.B. dem Inter-Kultur-Büro, dem Seniorennetzwerk, Bluepingu (Agenda 21 Kino) oder der Gemeinschaftshaus-Gastronomie statt. Die Filmvorführungen sollen teilweise auch durch ein Rahmenprogramm wie Publikumsgespräche mit Filmschaffenden, Kreativangebote für ein jüngeres Publikum oder themenorientierte Ausstellungen ergänzt werden. Das niedrigschwellige Format Kino kann aktuelle Themen wie umweltbewusstes Handeln, kulturelle Öffnung etc. vermitteln. Filme im Original mit Untertiteln sind für die jeweiligen Muttersprachler/innen und deutschsprachige Besucher/innen gemeinsam erlebbar. Das Begleitprogramm ermöglicht Begegnungen und Austausch der Besuchenden untereinander wie auch Begegnungen mit den Kunstschaffenden. Weitere Dialogräume entstehen durch Gesprächsrunden, „Kaffee und Kuchen-Angebote“, zum Teil in Zusammenarbeit mit der Gastronomie des Gemeinschaftshauses.25
TANZ(EN)
Die Bürgerbeteiligung ergab, dass sich viele Menschen im Stadtteil einen Ort zum Tanzen am Wochenende wünschen. Diesem Bedarf wird künftig mit verschiedenen Angeboten entsprochen – von Disco für diverse Zielgruppen und wechselnden DJs u.a. von der inklusiven Einrichtung BUNI Kultur- und Freizeit-Treff bis hin zu Tanzabenden mit Live-Musik in Kooperation mit dem „1. Deutscher Boogie Woogie Club Nürnberg e.V.“, der Big Band Langwasser, der „All Star Band“ aus Langwasser oder auch dem Kinder- und Jugendhaus „Geiza“. Auch der Seniorentanz wird mit der Gastronomie als Veranstalter wieder eine Heimat im Gemeinschaftshaus haben. Das Format schafft weitere Möglichkeiten der Begegnung und Teilhabe im Stadtteil. Durch die Setzung interkultureller musikalischer Schwerpunkte und das aktive Mitwirken von Menschen mit Behinderung wird ein zwangloser Austausch verschiedenster Bevölkerungsgruppen gefördert.26 Das Format kann perspektivisch erweitert werden, z.B. durch eine höhere Veranstaltungszahl, jüngeres Publikum mit DJing Workshop, Tanzen mit Livemusik für jüngeres und älteres Publikum im Wechsel, Disco im kleinen Saal in Kooperation mit Streetwork und Jugendlichen.27
WORT
Der neue Schwerpunkt Literatur bildet insbesondere die enge Zusammenarbeit der beiden Partner im Haus – KUF und StB – ab. Lesungen erfolgreicher Autorinnen und Autoren verschiedenster Herkunft sollen dem Thema im Stadtteil und der Gesamtstadt mehr Aufmerksamkeit verleihen und dem Ziel der Stärkung der Literaturszene Nürnbergs auch dezentral Rechnung tragen. Die Auswahl der Themen/Länder orientiert sich an anderen Veranstaltungen des Gemeinschaftshauses. Die Lesungen werden mit Podiumsdiskussionen, Ausstellungsrundgängen oder
25 vgl. Kulturstrategie LZ 6 „Stärkung der Stadtgesellschaft durch transkulturelle und generationenumspannende Ansätze sowie Förderung von Dialogräumen“ 26 vgl. Kulturstrategie HF 2, Z 1, M 1a: „Diversität und kulturelle Teilhabe stärken“, „Inklusion und Interkulturalität“ 27 vgl. Kulturstrategie HF2, Z1, M1 „Empowerment“
Gesprächsrunden in kulinarischem Rahmen flankiert, um weitere Gelegenheit zur Kommunikation zu bieten.28 Eine diversitätsorientierte Auswahl der Autor/innen und Autoren steht hierbei im Vordergrund. Neben den „Bestseller“-Lesungen sollen kleine, junge Live-Literaturformate wie „Lesen für Bier“, „U20 Poetry Slam“ und Lesungen zu Ausstellungen an besonderen Orten im gesamten Gebäude eine weitere Plattform für die junge Literaturszene Nürnbergs bieten und mit ungewöhnlichen Formaten auch ein jüngeres Publikum anziehen.29 Eine enge Abstimmung mit der Koordinationsstelle Literatur am BCN und weiteren Partnern wie dem Kulturschockverein, dem KuNo und dem Literaturpreis der Nürnberger Kulturläden ist vorgesehen.
BILD
Ausstellungen bespielen zukünftig das gesamte Gemeinschaftshaus an den verschiedensten Orten und in unterschiedlichsten Formaten: Von Medienkunst im großen Saal über durchgehend zugängliche Formate im Außenbereich oder „in situ“-Arbeiten auf der Experimentierwand im Treppenhaus bis hin zu Ausstellungen in der Galerie des Lichthofs. Damit sollen hochwertige kulturelle Angebote auch professioneller Kunstschaffender niedrigschwellig zugänglich sein und das Gemeinschaftshaus zum Ort für experimentelle und digitale Formate werden. Neue Blickrichtungen sind u.a. Literatur (z.B. Konkrete Poesie, Comics, Buchkunst), Natur/Ökologie/Nachhaltigkeit, Inklusion. Eine Zusammenarbeit mit noris inklusion (Künstlergruppe „Chroma Omada“) dem Krakauer Partnerkulturzentrum Nowohuckie Centrum Kultury (NCK) sowie der Kuno Galerie Nord wird angestrebt. Das Geschichtsarchiv Langwasser stärkt mit seinen Ausstellungen die Identität der Langwasseraner/innen durch das gemeinsame Erinnern.30 Wie bei allen Programmbausteinen ist im Rahmenprogramm eine Verbindung zu den anderen Formaten und Themen des Gemeinschaftshauses – beispielsweise zu den bestehenden Aktivitäten im Bereich StreetArt geplant.
3.3 BEWÄHRTES
Neben den zahlreichen neuen Veranstaltungsformaten werden bisherige erfolgreiche Angebote des Gemeinschaftshauses wiederaufgenommen. Hierzu gehört die Kindertheaterreihe der Kulturläden im Rahmen der kulturellen Grundversorgung im Stadtteil. Das jährliche Sommerfest wird vermehrt in gemeinsamer organisatorischer Verantwortung zusammen mit den Hausgruppen entwickelt und umgesetzt. Das Hausfest wird auch künftig das Forum sein, um das Engagement der Aktiven im Haus und der Partner/innen zu würdigen.
28 vgl. Kulturstrategie: LZ 6 „Förderung von Dialogräumen“ 29 vgl. Kulturstrategie, LZ 5 „Stärkung der Nürnberger Kunst- und Kulturszene durch Möglichkeiten des Experimentierens“ 30 vgl. Kulturstrategie LZ 5 und HF1, Z4 „Freiräume für kreatives und künstlerisches Schaffen ermöglichen“
Der Weihnachtsmarkt wird – nach den sehr positiven Erfahrungen aus dem Jahr 2019 – künftig auf dem Gartenareal des Gemeinschaftshauses, des Biergartens und des „Geiza“ stattfinden. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt dabei auf dem Thema „Nachhaltigkeit“ und wird sich sowohl bei der Auswahl der Teilnehmer/innen, im Programm, den Verkaufsprodukten als auch in den gastronomischen Angeboten ausdrücken.
3.4 Neuorganisation regelmäßiger Angebote
Das Gemeinschaftshaus verfügt über eine große Zahl an Werk- und multifunktionalen Mehrzweckräumen mit zeitgemäßer technischer Ausstattung. Diese können regelmäßig von ca. 100 verschiedenen Kursen, Gruppen und Vereinen genutzt werden.
KURSE
Kurse spielen bei den regelmäßigen Nutzungen eine wichtige Rolle, als dezentrale Basisversorgung mit Angeboten zu Sprachen, Gymnastik und Tanz, Gesang, IT- und Kreativangeboten. Hierbei arbeitet das Gemeinschaftshaus zukünftig in enger Kooperation mit BCN. Ausgehend von der Expertise des Gemeinschaftshauses über Bedarfe im Stadtteil bringt das Bildungszentrum seine Kompetenzen in Nachfrage und Auswahl an Kursthemen sowie erfahrene professionelle Dozent/innen ein. Auf dieser Basis wird gemeinsam ein Kursprogramm entwickelt und in laufendem Austausch (z.B. durch regelmäßige Konzepttreffen) überprüft. Hinzu kommen individuelle Nischenangebote, um kulturelle Impulse in den Stadtteil zu tragen sowie Ideen der Bevölkerung einzuholen und umzusetzen. Sie sind für ein lebendiges, soziokulturelles Zentrum unerlässlich und schaffen bei den Nutzenden ein hohes Maß an Identifikation. Dazu könnten beispielsweise Fotoworkshops, ein Makerspace, Gruppen die sich zu Stadtteilführern ausbilden lassen, intuitives Bogenschießen und langfristig Literatur- und Schreibangebote sowie handwerkliche Techniken von antikem Tiefdruck bis zu ultramodernen Plotterprojekten zählen.
Im Zuge des Empowerments kommt es zu einer Neuorganisation der individuellen Kurs- und Gruppenangebote. Das Gemeinschaftshaus tritt aus der Rolle des Kursveranstalters zurück und unterstützt stattdessen die Dozent/innen, ihre Angebote eigenverantwortlich umzusetzen. Das bedeutet mehr Verantwortung für die Dozent/innen, zugleich mehr Gestaltungsspielraum in der Durchführung sowie engeren Kontakt zu den Teilnehmenden. Das Gemeinschaftshaus unterstützt die Dozenten u.a. mit Fortbildungen oder Workshops, bei denen rechtliche Hintergründe besprochen und praktische Fragen geklärt werden.31 Ebenso sind Formate, bei denen die Dozent/innen oder Gruppen sich austauschen und gegenseitig voneinander lernen, angestrebt. Die Überlassung der Mehrzweckräume erfolgt zu sehr günstigen Konditionen, das Gemeinschaftshaus übernimmt die Bewerbung der Angebote und sorgt für die notwendige Infrastruktur und
31 z.B. Wie nehme ich BuT Gutscheine an? (BuT = Bildung und Teilhabe)
unterstützt ggf. bei inhaltlichen Fragen.32 Dieses Gruppen- und Kursangebot ist seit vielen Jahren Bestandteil des Programms und hat einen festen Teilnehmendenkreis. Die Kursleitungen sind in das Stadtteilforum Langwasser eingebunden und übernehmen zum Teil ehrenamtliche AGs im Gemeinschaftshaus. Im Vergleich zum professionalisierten Angebot des Bildungszentrums steht hier die Anbindung an den Stadtteil und die Bürgerschaft im Vordergrund.
GRUPPEN
Neben dem Kursangebot stellt das Gemeinschaftshaus zahlreichen Gruppen seine Räume als Treffpunkt zur Verfügung. Hierdurch werden Begegnungsmöglichkeiten und Aufbau neuer Interessensgemeinschaften/Netzwerke aller Facetten des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens gefördert. Nutzer/innen sind zum einen freie Gruppen und Vereine. Sie erhalten Unterstützung bei der Infrastruktur und Bewerbung ihrer Angebote, arbeiten aber ansonsten frei und nach dem Prinzip, von- und miteinander zu lernen und in einer festen Gruppe ein gemeinsames Interesse zu verfolgen. Regelmäßiger Austausch sowie „Crossover Projekte“ zwischen den Gruppen werden gefördert und sind im Hinblick auf Begegnung und Dialog im Haus explizit gewünscht (z.B. Zusammenarbeit von Stadtteilführenden und Geschichtsarchiv, Bildung von Programmgruppen, gemeinsame Auftritte und Ausstellungen…). Außerdem initiiert und unterstützt das Gemeinschaftshaus ehrenamtliche Gruppen mit gemeinnützigen Angeboten. Diese orientieren sich stark an aktuellen gesellschaftlichen Themen und Bedarfen im Stadtteil (z.B. Bürgercafé, Flüchtlingshilfe, Computerberatung, Repaircafé). Nicht zuletzt steht ein neuer Makerspace mit offenen Werkstätten allen offen, die sehr individuelle Projekte umsetzen möchten - mit professioneller Infrastruktur und der Möglichkeit sowohl eigenständig zu arbeiten, als auch die Hilfe und Beratung der Gruppe zu nutzen. Daraus können regelmäßige Veranstaltungen entstehen, z.B. Repaircafé, um die Gruppen zu vernetzen und im Stadtteil bekannter zu machen. Hier gibt es auch Schnittstellen zum „Dritten Ort“ und zu Veranstaltungen (siehe dort). Allen diesen Angeboten gemeinsam ist das Anliegen, verschiedene Bevölkerungsgruppen über diese Angebote zusammenzubringen und einen transkulturellen Austausch zu befördern.
3.5 Das Gemeinschaftshaus im Öffentlichen Raum
„Nürnbergs grünster Stadtteil“ weist eine Vielzahl von Plätzen und Orten auf, die für eine kulturelle Belebung prädestiniert sind. Durch das Projekt #LNGWSSR hat sich noch einmal ein neuer Blick auf die Potentiale im öffentlichen Raum des Stadtteils entwickelt: Spielaktionen, Stadtteilpicknicks, Flohmärkte, Open-Air Kino oder kleine Konzerte bringen die Kultur direkt zu den Menschen in die
32 HF1, Z 2, M 3a
Wohnumgebung, stärken die Identifikation mit dem Stadtteil und tragen zu einer Erhöhung der Aufenthaltsqualität bei.33 Das mit finanzieller Unterstützung durch den Verfügungsfonds Langwasser im Rahmen der Stadterneuerung durchgeführte Projekt „Betonliebe“ soll zu einer dauerhaften Einrichtung im Stadtteil werden. Hierbei laden das Gemeinschaftshaus Langwasser und der AK Streetart Langwasser lokale und internationale Streetart-Künstler/innen ein, ausgewählte Wände im Stadtteil dauerhaft zu gestalten. Zusätzlich finden partizipative gestalterische Projekte und weitere Veranstaltungen zum Thema Streetart statt. Zentrales Ziel des Projekts ist es, die Identifikation der Bewohnerinnen und Bewohner mit ihrem Stadtteil zu erhöhen und Menschen in der Region und darüber hinaus für dieses Stadtviertel zu begeistern. Die Themen Vielfalt und Identität bilden den roten Faden aller Wandgestaltungen. Im Jahr 2019 gab es dazu eine Reihe von Wandprojekten im Stadtteil. Mit Unterstützung der wbg konnte ein ehemaliges Fahrradgeschäft als „Streetartzentrale“ für die Dauer von einem Jahr angemietet werden.34 In Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Streetart Langwasser und weiteren Kooperationspartnern sollen zukünftig regelmäßig weitere sogenannte „Murals“ entstehen. Anwohner/innen-Gespräche, Einweihungsfeiern und Rahmenprogramm (Filme, Vorträge, Künstlergespräche) regen zur Auseinandersetzung mit den entstandenen Kunstwerken an und binden die Bevölkerung in die Kunstprojekte ein. Durch entsprechende Künstler/innenauswahl können dabei auch die Städtepartnerschaften Nürnbergs (nicht nur mit Krakau) gestärkt und langfristig sichtbar werden. Der Bezug zur Kulturstrategie ist insbesondere durch das Handlungsfeld 1 gegeben.35 Mit dem Teilprojekt von #LNGWSSR „Langwasser.Neu.Entdecken“ werden ehrenamtliche Stadtteilführer/innen geschult und so die Kontinuität und Weiterentwicklung der beliebten Führungsreihe „Langwasser Entdecken“ gesichert. Die kostenfreien Angebote mit Themen zur Geschichte und Entwicklung des Stadtteils und seiner Bewohner/innen, Kunst, Wohnen und Umwelt tragen in hohem Maße zur Identifikation mit dem Stadtteil ein, stärken die Teilhabe und verfolgen einen intergenerationellen Ansatz: Ältere und Zeitzeugen teilen ihr Wissen über den Stadtteil mit Jüngeren oder neu dazu Gekommenen. Auch die Stadtteilbibliothek sieht Entwicklungspotential im öffentlichen Raum – beispielsweise Vorlesen im Park oder Literaturspaziergänge. Der Bezug zur Kulturstrategie ergibt sich insbesondere durch das Handlungsfeld 1.36 Perspektivisch gibt es gerade in Langwasser Nord mit dem Langwassersee und weiteren Grünflächen äußerst attraktive Orte für ein kleinformatiges Kulturprogramm in den Sub-Quartieren. Neben der notwendigen Aufwertung dieser Orte durch eine kulturelle Bespielung macht bereits die Größe des Gesamtgebiets Langwasser derartige „dezentrale“ Angebote außerhalb des Gemeinschaftshauses zwingend erforderlich, um die Bevölkerung zu erreichen und kulturell zu versorgen. Dieses kann allerdings – insbesondere nach Ablauf des Modellprojekts #LNGWSSR im
33 vgl. auch „…wohnungsnahe soziale und kulturelle Infrastruktur schaffen...“ (InSeK, S. 86) 34 Siehe Anhang. 35 „Städtepartnerschaften stärker kulturell akzentuieren“ und „Öffentlicher Raum als Potential (Sichtbarmachung von Kunst verstärken)“ 36 „Partizipative Formate“ und „Generationendialog gestalten“
Jahr 2022 und damit dem Wegfall einer 0,75 VK-Stelle – nur mit zusätzlichen Ressourcen realisiert werden.
3.6 Netzwerkarbeit / Stadtteilforum Langwasser
Das Stadtteilforum wurde 2017 als Zusammenschluss der sozialen und kulturellen Organisationen und Einrichtungen Langwassers gegründet. Nach Ende der Stadtteilkoordination Langwasser ging die Geschäftsführung an das Gemeinschaftshaus über. Das Gemeinschaftshaus koordiniert auch das „Geschäftsführende Gremium“ (GfG), in dem die Leitungen der Facharbeitskreise (z.B. „AK Jugend“, „Seniorennetzwerk“) und Themenfelder (z.B. Haus der Heimat für das Themenfeld „Integration“) zusammenarbeiten und die Netzwerkarbeit im Stadtteil steuern. Das Stadtteilforum reagiert auf Entwicklungen und Veränderungen in Langwasser und gibt immer wieder Impulse für Projekte oder neue Arbeitsfelder, z.B. Weihnachtsmarkt, „Langwasser ist bunt“ (als Gegenpol zu rechtsextremistischen Phänomenen), Geschichtsprojekt, Flüchtlingshilfe. Das Gemeinschaftshaus wird seine Rolle im Stadtteilforum wie bisher ausfüllen, kann aber den zunehmenden Herausforderungen wie demographischer Wandel, Zunahme rechtspopulistischer Wahlergebnisse, Zusammenarbeit mit Schulen, Aufwertung des öffentlichen Raums u.a. auch in Langwasser Nord nur in begrenztem Rahmen begegnen. Im Rahmen der Stadterneuerung Langwasser ist auch ein Quartiersmanagement im Stadtteil geplant - der Beginn ist derzeit jedoch noch ungewiss. Eine enge Verzahnung des Stadtteilforums mit dem Quartiersmanagement und den Gremien der Stadterneuerung wäre hierbei wünschenswert.
4. Stadtbibliothek Langwasser
Die Stadtbibliothek Langwasser ist ein aktiver Teil des Gemeinschaftshauses Langwasser und setzt ebenso wie der Kulturladen die oben beschriebenen Ziele in konkrete Angebote und Formate um. Dies betrifft sowohl den Medienbestand, bei dem ein Schwerpunkt auf russischsprachiger Literatur liegt, als auch die Veranstaltungen. Insbesondere durch die Leseförderaktionen wird die Schlüsselkompetenz Lesen gestärkt und damit der Zugang zu Wissen und Information ermöglicht. Darüber hinaus ist die Stadtbibliothek Langwasser konzeptionell in das Netz der Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg eingebunden. Mit der Neueröffnung des Gemeinschaftshauses werden für Kund/innen verschiedene Verbesserungen hinsichtlich Räumen, Einrichtung, Erreichbarkeit und Service angeboten: Mit der Einführung von Selbstverbuchungsautomaten in Langwasser bietet die Bibliothek mehr Datenschutz bei der Medienausleihe und –rückgabe, einen schnelleren Service und dadurch mehr Personalkapazität für Beratung und Information. Ein Rückgabeautomat im Erdgeschoss des Gemeinschaftshauses erweitert die Nutzungszeiten für die Medienrückgabe von 28 Stunden wöchentlich auf 72,5 Stunden in
der Woche (Montag bis Freitag von 8.30 bis 22 Uhr, Samstag von 10 bis 15 Uhr, abweichende Öffnungszeiten während der Schulferien sind möglich). Die Bibliotheksräume im 1. Obergeschoss sind mit Neueröffnung über einen Aufzug barrierefrei erreichbar. Als erste Bibliothek in Nürnberg bietet die Stadtbibliothek am Standort Langwasser mit einem Open-Library-Konzept erweiterte Öffnungszeiten zur eigenständigen Nutzung durch Bibliothekskund/innen an. So kann ohne Personalmehrung eine Öffnung an Samstagen und in den Abendstunden verwirklicht werden (Dienstag bis Freitag von 18 bis 22 Uhr und Samstag von 10 bis 15 Uhr). Eine elektronische Zugangskontrolle ermöglicht den Zugang mit gültigem Bibliotheksausweis für alle ab 16 Jahre (Kinder nur in Begleitung durch Erwachsene). Aufenthalt, Ausleihe und Rückgabe von Medien ist während der Open- Library-Zeiten möglich. Fachberatung, Ausstellen von Bibliotheksausweisen und Bezahlen von Gebühren wird während der regulären Öffnungszeiten – Dienstag bis Freitag von 11 – 18 Uhr – angeboten. In Übereinstimmung mit den Datenschutzrichtlinien und um die Sicherheit der Besucher/innen zu gewährleisten, ist eine Kameraüberwachung im Bibliotheksbereich (beschränkt auf die Open-Library-Zeiten) installiert. Zusätzlich steht im Gemeinschaftshaus auch immer eine Ansprechperson im Service zur Verfügung. Die Dachterrasse erhält neben ansprechenden Sitzplätzen Hochbeete mit Naschfrüchten, Kräutern, Blumen etc., die von allen Besucher/innen genutzt werden können. Auch die Beteiligung mit Pflanzen, Samen oder Mitarbeit bei der Pflege ist möglich und erwünscht. Angedacht ist zudem eine Samentauschbörse. Neben eigenen Veranstaltungen des Gemeinschaftshauses ist eine Nutzung der Dachterrasse für Kooperationspartner (Gruppen, Kurse) neu im Programm.
Nach 24 Monaten Bibliotheksbetrieb im Container auf dem Parkplatz hinter dem Gemeinschaftshaus wandern die Angebote der Stadtbibliothek zur Grundversorgung mit Medien und deren Vermittlung wieder zurück ins Gemeinschaftshaus. Die Einschränkungen in der Containerlösung hinsichtlich Veranstaltungsformaten und Aufenthaltsqualität sind aufgehoben und ermöglichen wieder einen Regelbetrieb mit allen Angeboten einer Basisversorgung im Stadtteil. Ein nach wie vor wesentlicher Teil der Arbeit widmet sich der Weiterführung und dem Ausbau der Zusammenarbeit mit den Kitas und Schulen vor Ort sowie der Leseförderung und dem Aufbau von Medienkompetenz entsprechend der Kulturstrategie. Daher bleiben die Zeiten vor 11 Uhr sowie der Montag vorrangig für Leseförderveranstaltungen und Gruppenbesuche reserviert und sind von der „Open Library“ ausgenommen. Besonders erfreulich ist, dass viele der im Bürgerbeteiligungsverfahren geäußerten Wünsche durch die baulichen Verbesserungen und geplanten Angebote bereits umgesetzt werden konnten: barrierefreier Zugang zur Bibliothek, Rückgabe von Medien außerhalb der Öffnungszeiten, erweiterte Öffnungszeiten und Samstagsöffnung, Dachbegrünung, Erhalt der Leseförderangebote.
Bereits vor der Corona-Krise wurden die digitalen Angebote der Stadtbibliothek kontinuierlich ausgebaut (Online-Benutzerkonto, Onleihe, Zugriff auf Datenbanken und Streamingdienste). Eine neue Herausforderung wird sein, mehr Veranstaltungsformate zu entwickeln, die sowohl digital als auch analog funktionieren oder sich gegenseitig ergänzen. Generell stehen die Räume der Stadtbibliothek allen Menschen als Ort der Teilhabe, des zwanglosen Aufenthalts und Austauschs sowie als Ort der Informationsbeschaffung und des Lernens ohne Bedingungen offen.
5. Personalstruktur
Die vollumfängliche Umsetzung des hier beschriebenen Konzepts ist für KUF nur mit einer erweiterten Personalstruktur machbar. Mit den vorhandenen Stellen könnte nur ein Teil der Vorhaben ab der Wiedereröffnung realisiert werden. Wie dargestellt sehen die neuen Öffnungszeiten eine regelmäßige Hausöffnung an Samstagen vor (jeweils 10 bis 15 Uhr, außer in den Ferien und an Feiertagen). Ein Teil der Samstagsdienste wird abwechselnd von den hauptamtlichen Mitarbeitenden von KUF und StB übernommen. Eine durchgehende Besetzung der Eingangstheke des Gemeinschaftshauses an Samstagen ist jedoch nur mit weiteren Kapazitäten in Höhe von 1,0 VK-Stelle in E3 zu gewährleisten. Aus Sicherheitsgründen ist an Samstagen und verschiedenen Abendterminen eine Einzelbesetzung der Infotheke nicht vertretbar. Für den Einsatz eines entsprechenden Kontroll- und Sicherheitsdienstes werden Sachmittel in Höhe von 5000 Euro benötigt.
Die Betreuung und Entwicklung eines transkulturellen „Dritten Ortes“ ist ebenfalls ein zusätzliches Angebot. Die durchgehende Besetzung der Infotheke sorgt hier für erste Information und Beratung. Für eine gezielte, regelmäßige Anwesenheit der pädagogischen Mitarbeitenden fehlen jedoch momentan die Kapazitäten. Die Arbeit mit freien Gruppen und Ehrenamtlichen erfordert einen vermehrten Betreuungsaufwand seitens der Einrichtung, um die sehr personalintensive Förderung von zivilgesellschaftlichem Engagement und Eigeninitiative, die inhaltliche Arbeit zum Aufbau transkultureller Anlässe, in der die verschiedenen Gruppen zusammenarbeiten und gemeinsam neue Formate der Begegnung entwickeln, zu erbringen. Ebenso sollte eine angemessene Öffentlichkeitsarbeit dem Profil wie auch den Kommunikationsbedürfnissen der verschiedenen Nutzer/innen gerecht werden. Hierbei sind mehr und unterschiedlichere Kanäle der Kommunikation notwendig als bisher bespielt werden können.
Nicht zuletzt kann das vom Stadtteil geforderte stärkere Engagement des Gemeinschaftshauses für mehr stadtteilkoordinierende Aufgaben, insbesondere in Langwasser Nord, nur mit einer personellen Aufstockung geleistet werden. Die bisherigen Angebote von #LNGWSSR im öffentlichen Raum – beispielsweise die Streetart-Aktivitäten „Betonliebe“- müssten mit Ablauf der drittmittelgeförderten 0,77 VK Projektstelle eingestellt werden
Die Erfüllung dieser Aufgaben erfordert mindestens die Schaffung von 1,0 VK in Eingruppierung E9b zur Mitarbeit in Planung, Organisation und Durchführung partizipativer Kultur- und Informationsveranstaltungen sowie Teilhabeangeboten, der Koordination und Betreuung des „Dritter Ortes“, für eine erweiterte Stadtteil- und Gremienarbeit und die Umsetzung einer nutzer/innenorientierten Öffentlichkeitsarbeit.
Schon vor der Generalsanierung wurde die Personalausstattung mit 7,45 Stellen (davon neben der Leitung lediglich 1,64 Stellenanteile im kulturpädagogischen Bereich, verteilt auf drei Teilzeitkräfte) der Größe des Gemeinschaftshauses nicht gerecht. Die zukünftige KUF-Teamstruktur soll sich an den Produktsparten mit jeweiliger Spartenverantwortung für Netzwerkarbeit, Gruppen/Kurse, Veranstaltungen, Hausmanagement incl. Vermietung und Verwaltung orientieren.37 Neben der Spartenverantwortung gibt es Querschnittsthemen, wie „Kinderkultur“, „Seniorenangebote“, „Integration und Interkultur“, die zusätzlich den pädagogischen Mitarbeitenden zugeordnet sind. Eine Auflistung der Aufgabenbereiche ist im angehängten Aufgabenstrukturplan abgebildet.
Anhang: Auswertung #LNGWSSR 20190404_Utopolis_Exposee_final.pdf Flyer „Betonliebe“ Aufgabenstrukturplan
37 siehe Anhang „Aufgabenstrukturplan“