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← Sitzung des Jugendhilfeausschusses (17.09.2020)

Sitzung gesamt

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Sitzungsunterlagen

Sitzung des

Jugendhilfeausschusses

17.09.2020

Inhaltsverzeichnis

Sitzungsdokumente 3 Tagesordnung -öffentlich- 3 Vorlagendokumente 5 TOP Ö 1 Bericht der Arbeitsgemeinschaft der Eltern-und Familienbildung gemäß §78 5 SGB VIII für die Jahre 2018 und 2019 und Konzept der Familienbildung in Nürnberg - Fortschreibung 2019 Sitzungsvorlage J/094/2020 5 Entscheidungsvorlage Familienbildung J/094/2020 9 Konzept Familienbildung 2020 JHA J/094/2020 17 TOP Ö 2 Dependance der städtischen Erziehungs- und Familienberatung in der Südstadt 139 Sitzungsvorlage J/095/2020 139 Entscheidungsvorlage J/095/2020 143 TOP Ö 3 Qualitative Weiterentwicklung der Krippen- und Kindergartenversorgung 146 Sitzungsvorlage J/096/2020 146 Entscheidungsvorlage QW J/096/2020 150 QW Maßnahmen J/096/2020 158 Antrag_Krippen- und Kindergartenversorgung_CSU J/096/2020 162 TOP Ö 4 Corona-Auswirkungen auf freie und freigemeinnützige Kita-Träger in Nürnberg 164 Bericht J/097/2020 164 Corona-Auswirkungen J/097/2020 168 Antrag_Corona- Auswirkungen auf die freien Träger von Kitas_Die Grünen J/097/2020 172 TOP Ö 5 Gute-Kita-Gesetz: Richtlinie zur Gewährung eines Leitungs- und 173 Verwaltungsbonus zur Stärkung von Kindertageseinrichtungen Bericht J/098/2020 173 Sachverhalt Gute Kita Gesetz J/098/2020 177 TOP Ö 6 Waldkindergarten in städtischer Trägerschaft 182 Sitzungsvorlage J/099/2020 182 Entscheidungsvorlage Waldkindergarten J/099/2020 186 TOP Ö 7 KiTas und Horte "klimafest" machen 191 Bericht J/100/2020 191 Kitas klimafest machen J/100/2020 194 Mitteilung Sommerliche Hitze J/100/2020 197 Antrag_klimafest Kita und Horte_SPD J/100/2020 206

TAGESORDNUNG

Sitzung

Sitzung des Jugendhilfeausschusses

Sitzungszeit

Donnerstag, 17.09.2020, 15:00 Uhr

Sitzungsort

Historischer Rathaussaal, Rathausplatz 2

TAGESORDNUNG

Öffentliche Sitzung

1. I. Konzept: Familienbildung in Nürnberg – Zweite Fortschreibung Beschluss

II. Bericht der Arbeitsgemeinschaft der Eltern- und J/094/2020

Familienbildung gemäß §78 SGB VIII für die Jahre 2018 und 2019

Ries, Elisabeth

2. Dependance der städtischen Erziehungs- und Familienberatung in Beschluss

der Südstadt J/095/2020

Ries, Elisabeth

3. Qualitative Weiterentwicklung der Krippen- und Beschluss

Kindergartenversorgung J/096/2020

hier: Antrag der CSU-Stadtratsfratkion vom 22.06.2020

Ries, Elisabeth

4. Corona-Auswirkungen auf freie und freigemeinnützige Kita-Träger Bericht

in Nürnberg J/097/2020

hier: Antrag der Stadtratsfraktion Bündnis90/Die Grünen vom

05.05.2020

Ries, Elisabeth

5. Gute-Kita-Gesetz: Richtlinie zur Gewährung eines Leitungs- und Bericht

Verwaltungsbonus zur Stärkung von Kindertageseinrichtungen J/098/2020

Ries, Elisabeth

6. Waldkindergarten in städtischer Trägerschaft Beschluss

Ries, Elisabeth

7. KiTas und Horte "klimafest" machen Bericht

hier: Antrag der SPD-Stadtratsfraktion vom 14.08.2019 J/100/2020

Ries, Elisabeth

  1. Genehmigung der Niederschrift der Sitzung vom 23.07.2020,

öffentlicher Teil

9. Mitteilungen

10. Auflagen

Beratung Datum Behandlung Ziel

Jugendhilfeausschuss 17.09.2020 öffentlich Beschluss

Betreff:

I. Konzept: Familienbildung in Nürnberg – Zweite Fortschreibung

II. Bericht der Arbeitsgemeinschaft der Eltern- und Familienbildung gemäß §78 SGB VIII für

die Jahre 2018 und 2019

Anlagen: Entscheidungsvorlage Familienbildung Konzept Familienbildung 2020 JHA

Sachverhalt (kurz):

Die Arbeitsgemeinschaft Eltern- und Familienbildung gem. § 78 SGB VIII (AG 78 Eltern- und Familienbildung) hat dem Jugendhilfeausschuss laut Geschäftsordnung mindestens jedes zweite Jahr über ihre Arbeit zu berichten. Auf Grundlage des „Eltern- und Familienbildungskonzepts der Stadt Nürnberg“ hat die AG 78 den vorliegenden Bericht verfasst. Er greift die im Familienbildungskonzept benannten Perspektiven und Handlungsansätze zur Weiterentwicklung der Familienbildung in Nürnberg auf und skizziert aktuelle Entwicklungen in ausgewählten Handlungsfeldern.

Außerdem wurde im Oktober 2019 gemeinsam mit den freien Trägern der AG 78 Eltern- und Familienbildung das seit 2015 gültige "Eltern- und Familienbildungskonzepts für die Stadt Nürnberg" auf Basis aktueller Daten überprüft und fortgeschrieben. Ergänzend zum Bericht der AG 78 Eltern- und Familienbildung legt die Verwaltung des Jugendamts diese zweite Fortschreibung zum Beschluss vor.

Die Fortschreibung des Familienbildungskonzepts hat Bezug zu folgenden Leitlinien des Orientierungsrahmens für eine nachhaltige Jugend-, Familien-, Bildungs- und Sozialpolitik: Leitlinie 1: Familie stärken, Erziehung unterstützen Leitlinie 3: Rechte von Kinder und Jugendlichen durchsetzen Leitlinie 5: Armut bekämpfen, Chancen eröffnen Leitlinie 9: Zuwanderung gestalten, interkulturelle Vielfalt leben

  1. Finanzielle Auswirkungen:

Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

(→ weiter bei 2.)

Nein (→ weiter bei 2.)

Ja

Kosten noch nicht bekannt

Kosten bekannt

Gesamtkosten € Folgekosten € pro Jahr

dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum

davon investiv € davon Sachkosten € pro Jahr

davon konsumtiv € davon Personalkosten € pro Jahr

Stehen Haushaltsmittel/Verpflichtungsermächtigungen ausreichend zur Verfügung?

(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:

Nein (→ weiter bei 3.)

Ja

Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans

Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)

Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt

2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)

Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

  1. Diversity-Relevanz:

Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja Die Angebote stehen grundsätzlich allen Familien offen. Allerdings werden die Angebote vorrangig von Frauen bzw. Müttern besucht. Eine stärkere Öffnung für die Zielgruppe der Väter wird angestrebt.

RA (verpflichtend bei Satzungen und Verordnungen)

AG Eltern- und Familienbildung gem. § 78 SGB VII

Beschlussvorschlag:

Der Jugendhilfeausschuss beschließt die zweite Fortschreibung des Eltern- und Familienbildungskonzepts der Stadt Nürnberg als Fachplan der Jugendhilfeplanung.

Entscheidungsvorlage

I. Eltern- und Familienbildungskonzept der Stadt Nürnberg – Zweite Fortschreibung

II. Bericht der Arbeitsgemeinschaft der Eltern- und Familienbildung gemäß § 78 SGB VIII für

die Jahre 2018 und 2019

I. Eltern- und Familienbildungskonzept der Stadt Nürnberg – Zweite Fortschreibung

1. Hintergrund und Zielsetzung der zweiten Fortschreibung im Jahr 2019

Gemeinsam mit den freien Trägern der Arbeitsgemeinschaft Eltern- und Familienbildung gem. § 78 SGB VIII (AG Eltern- und Familienbildung) legt die Verwaltung die zweite Fortschreibung des „Eltern- und Familienbildungskonzepts für die Stadt Nürnberg“ vor. Grundlegendes Rahmenwerk für das Nürnberger Eltern- und Familienbildungskonzept und die vorliegende Fortschreibung ist der „Orientierungsrahmen für eine nachhaltige Jugend-, Familien, Bildungs- und Sozialpolitik“ des Referats für Jugend, Familie und Soziales. Die zehn formulierten Leitlinien sind auch für die Ziel- und Handlungsperspektiven im Leistungsbereich Familienbildung leitend. Im Juli 2010 wurde im Jugendhilfeausschuss das erste „Eltern- und Familienbildungskonzept für die Stadt Nürnberg“ vorgelegt, welches einstimmig beschlossen wurde. Eine erste abgestimmte Fortschreibung erfolgte 2015, welche ebenfalls im JHA einstimmig verabschiedet wurde. Seither haben sich die Lebens- und Bedarfslagen der Familien weiter gewandelt, die familienbildende Angebotsstruktur hat sich verändert, Vernetzungsstrukturen wurden initiiert bzw. weiter ausgebaut und im Familienbildungskonzept 2010/2015 herausgearbeitete Zielperspektiven konnten erreicht werden. Auf der Grundlage neuer empirischer Erkenntnisse und der fachlichen Expertise sollten die 2010 und 2015 herausgearbeiteten Ziel- und Handlungsperspektiven zur Weiterentwicklung der Nürnberger Familienbildung überprüft und ggf. angepasst und erweitert werden. Die Teilnahme der Stadt Nürnberg am vom Bayerischen Freistaat geförderten Modellprojekt Familienstützpunkte (2010-2013) sowie am unmittelbar anschließenden bayernweiten Förderprogramm1 hat der Familienbildung in Nürnberg weitere Entwicklungsdynamik verliehen.

2. Familie und Elternschaft heute

Familie und Familienleben stehen immer in Abhängigkeit von gesellschaftlichen, politischen und sozialen Rahmungen. Bedarfsgerechte familienbegleitende und -unterstützende Angebote haben sich den gewandelten Lebensbedingungen anzupassen. Sozialwissenschaftliche Studien belegen insbesondere die folgenden Veränderungen bezüglich Elternschaft und Familie:  Eltern unter Druck – (Nicht-) Vereinbarkeit von Beruf und Familie: die zunehmenden Anforderungen des Arbeitsmarktes und die eigenen hohen Erwartungen an Elternschaft setzen Eltern, v.a. Mütter, zunehmend unter Druck.  Polarisierung familiärer Lebenslagen: Zunahme von Familien- und Kinderarmut, die die Bedingungen des Aufwachsens und der Sozialisation von Kindern nicht nur durch die objektiven Lebensbedingungen, sondern auch durch die subjektiven Bewertungen der Eltern prägt.  Kulturelle Diversifizierung - Familien mit Migrationshintergrund: Sie sind sehr heterogen, tragen aber insgesamt ein statistisch höheres Risiko in Armut zu leben.

1 Programm zur Förderung der strukturellen Weiterentwicklung kommunaler Familienbildung und von Familienstützpunkten des Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales

3. Familien in Nürnberg

Der 2019 veröffentlichte „Dritte Nürnberger Familienbericht“ des Bündnisses für Familie ermöglicht einen empirischen Blick auf die Familienstrukturen in Nürnberg. Dieser belegt die Vielfalt des Familienlebens in Nürnberg: Kinder wachsen in unterschiedlichen Familienformen, Lebenslagen und Sozialräumen auf. Knapp 64,5 % aller Kinder unter 18 Jahren haben einen Migrationshintergrund, das heißt sie haben eigene Zuwanderungserfahrung oder stammen aus Familien mit Zuwanderungserfahrung. 17,8 % aller Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren wächst in Armut auf. Überdurchschnittlich betroffen sind Haushalte von Alleinerziehenden und von kinderreichen Familien.

4. Zentrale Ergebnisse der Nürnberger Bestandserhebung zur Familienbildung

Der Träger der öffentlichen Jugendhilfe ist im Rahmen seiner Gesamt- und Planungsverantwortung nach dem SGB VIII dazu verpflichtet, eine bedarfs- und flächendeckende Angebotsstruktur sicher zu stellen. Die konkreten familienbildenden Angebote sollen jedoch vorrangig von freien Trägern der Jugendhilfe gemacht werden. In Nürnberg gibt es ein großes und vielfältiges Angebot an Familienbildung. Im Rahmen einer Bestandserhebung (Januar bis Mai 2019) wurde der Versuch unternommen, einen umfassenden Überblick über die Anbieter zu erhalten.  In Nürnberg gibt es neun zentrale Familienbildungsstellen. Diese Einrichtungen ordnen sich selbst explizit der Familienbildung zu und arbeiten als Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Familienbildung gem. § 78 SGB VIII eng mit dem Stab Familienbildung im Jugendamt zusammen.  An sieben dieser neun Familienbildungsstellen wurden Familienstützpunkte angegliedert. Dabei handelt es sich um vom StMAS geförderte Anlaufstellen für Familien, die im Wesentlichen folgende Aufgaben wahrnehmen:  Vorhaltung und Initiierung bedarfsgerechter familienbildender Angebote,  Allgemeine Beratung und Unterstützung von Familien gemäß §16 SGB VIII,  (Weiter-)Vermittlung ratsuchender Familien an geeignete weiterführende Einrichtungen,  Kooperation und Vernetzung mit relevanten Einrichtungen und Akteuren vor Ort sowie  Entwicklung und Umsetzung geeigneter Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit.  Familienbildung ist integraler Bestandteil zahlreicher Handlungsfelder der Kinder- und Jugendhilfe und ist vielfach in die Arbeit eingebettet, so beispielsweise beim Allgemeinen Sozialdienst, den Frühen Hilfen, der Erziehungsberatung, den Kindertageseinrichtungen, der Kinder- und Jugendarbeit sowie dem Programm Familienfreundliche Schule.  Darüber hinaus gibt es in Nürnberg zahlreiche weitere Angebote der institutionellen, informellen und medialen Familienbildung.

  1. Perspektiven und Handlungsansätze zur Weiterentwicklung der Familienbildung in Nürnberg Es wurde ein Abgleich und eine Bewertung der aktuellen Studienergebnisse, der Resultate der Nürnberger Familienberichterstattung sowie der Bestands- und Bedarfserhebung vor dem Hintergrund der folgenden beiden Leitziele vorgenommen: Leitziel 1: Familien haben niedrigschwellig Zugang zu passgenauen Angeboten. Leitziel 2: Die Angebotsstruktur in Nürnberg ist bedarfsgerecht. Daraus wurden folgende Aufträge zur Weiterentwicklung der Familienbildung herausgearbeitet: 1. Öffentlichkeitsarbeit und Transparenz verbessern: Zur Schaffung von Zugängen zur Familienbildung ist eine gute Bekanntheit der Leistung sowie der dazugehörigen Einrichtungen und ihrer Angebote bei Familien und Fachkräften unabdingbar. Deshalb bleibt die Kommunikationsstrategie mit ihren zentralen Zielsetzungen weiterhin Grundlage der Kampagne Familienbildung und wird fortgeschrieben. Der Internetauftritt der Nürnberger Familienbildung wird weiterhin regelmäßig überarbeitet und erweitert. Der Nürnberger Familienbildungstag als erfahrungsbasierte Öffentlichkeitsarbeit wird fortgeführt. Die kompakte Informationsbroschüre über die Einrichtungen der Familienbildung und deren Angebote wird regelmäßig aktualisiert. Die Information und Vernetzung von Multiplikatoren wird mit weiteren Formaten verbessert. 2. Familienstützpunkte und ihr Angebot bekannter machen: Die Informations-, Beratungs- und Lotsenfunktion der Nürnberger Familienstützpunkte ist bei Eltern und Multiplikatoren bekannter zu

machen, zu stärken und zielgruppenspezifisch auszubauen. Die Maßnahmen der Vergangenheit zeigen bereits gute Wirkung, daher geht es in Zukunft darum, diese Maßnahme zu verfeinern. 3. Zugangsproblematik offensiv angehen und zielgruppengerechte Zugänge schaffen: Die Teilnahme an familienbildenden Angeboten setzt nicht nur Kenntnisse zum Angebot voraus, sondern auch Zugänge. Eltern wünschen sich mehr Angebote an Veranstaltungsorten, die im Familienalltag bereits eine Rolle spielen. Angebote oder Beratungsleistungen sollten deshalb vermehrt auch in Kindertageseinrichtungen, in Schulen und relevanten Einrichtungen im Stadtteil stattfinden. Vor Ort arbeitende Multiplikatoren, die Beziehungen zu den Eltern haben, ihr Vertrauen genießen und über ihre Bedürfnisse Kenntnis haben, sind stärker in die Konzeption und Durchführung von Angeboten einzubeziehen. Weiterhin sollten sie über neue Entwicklungen in der Familienbildung informiert und dabei unterstützt werden, Hemmschwellen auf der Teilnehmerseite zu senken. Die Kooperation mit Kindertageseinrichtungen, Schulen (insbesondere Mitgliedsschulen im Programm familienfreundliche Schule) und zur Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) ist auszubauen. Pädagogische Fachkräfte werden weiterhin über das Programm Eltern- und Familienbildung und in Qualifizierungsmaßnahmen über die Angebote der AG 78 Eltern- und Familienbildung und Kurse für Eltern, Kinder und Jugendliche in Nürnberg informiert. Der Stab Familienbildung berichtet über die Arbeit der AG 78 Eltern- und Familienbildung außerdem in einer Vielzahl von Gremien und Arbeitsgruppen. 4. Erhalt und weiterer Aufbau von Netzwerken und Kooperationsstrukturen: Um Abstimmungsprozesse und fachlichen Austausch sicherzustellen sowie Zugänge zum familienbildenden Angebot zu schaffen, sollen – sowohl auf Planungsebene als auch auf Einrichtungsebene – weiterhin Vernetzungs- und Arbeitsstrukturen überprüft, gestärkt und ggf. ausgebaut werden. Auf Planungsebene wird die amtsinterne Projektgruppe Familienbildung, die AG 78 Eltern- und Familienbildung, die Kooperation mit der KoKi/den Frühen Hilfen sowie dem Fachgremium Kooperation Kindertageseinrichtungen und das Netzwerk Familienbildung der Großstadtjugendämter fortgeführt. Auf Einrichtungsebene wird die Vernetzung zwischen Institutionen der Familienbildung in Nürnberg sowie Einrichtungen anderer sozialer Arbeitsfelder initiiert und unterstützt. Dabei sind Kooperationen mit Multiplikatoren zur Schaffung zielgruppenspezifischer Zugänge zu Angeboten der Familienbildung und für die Verbesserung der Bedarfsgerechtigkeit unerlässlich. 5. Bedarfsgerechtigkeit des Angebots verbessern: Die Nürnberger Familienbildungsstellen und Familienstützpunkte werden weiterhin dafür sensibilisiert, ihre Angebote für bestimmte Familienformen, Zielgruppen und Themenschwerpunkte auszubauen. So sollen insbesondere Angebote für sozial benachteiligte Familien, für Familien mit Migrationshintergrund, mit Fluchterfahrung, für Alleinerziehende, für Väter, für Eltern mit pubertierenden Kindern und für Eltern mit Kindern mit erhöhtem Förderbedarf verstärkt werden. Die Angebote sollen an Orten stattfinden, die im Familienalltag bereits eine Rolle spielen, z.B. in Kitas und Schulen. 6. Einführung einer stärkeren Sozialraumorientierung in der Jugendhilfeplanung prüfen: Da die Mitglieder der AG 78 Eltern- und Familienbildung unterschiedliche Angebotsschwerpunkte entsprechend ihrer Zielgruppen haben, soll ergebnisoffen geprüft werden, ob eine Sozialraumorientierung der Nürnberger Familienbildung realisierbar ist und in welche Planungszonen das Stadtgebiet ggf. aufgeteilt werden kann. Die Fragestellung wird in den verschiedenen Gremien der Familienbildung sowie im Netzwerk Familienbildung der Großstadtjugendämter weiterhin verfolgt. 7. Familienbezogene Jugendarbeit unterstützen: Ansätze familienbezogener Arbeit sind weiterhin Bestandteil der Jugendhilfeplanung in der Nürnberger Jugendarbeit und werden kontinuierlich unterstützt. Der fachliche Austausch und die gegenseitige Information zwischen Vertretern der institutionellen Familienbildung und der Jugendarbeit werden gefördert, um die Zugänge zum institutionellen Angebot zu verbessern. Da die Jugendeinrichtungen ein passendes Setting für die Familienbildung mit jungen Müttern, Vätern bzw. Familien darstellen, werden Mutter-Vater-Kind-Gruppen vom Stab Familienbildung weiter begleitet und unterstützt und die Angebote der institutionellen Familienbildung werden für diese Zielgruppe bekannter gemacht. 8. Fachlichen Austausch und fachliche Weiterentwicklung fördern: Eines der zentralen Elemente von Qualitätssicherung und qualitativer Weiterentwicklung in sozialen und pädagogischen Handlungsfeldern ist die Fortentwicklung von Fachlichkeit. Die Maßnahmen des Stabs Familienbildung zur Stärkung der Fachlichkeit im Bereich Familienbildung sind fortzuführen und zu stärken: Qualifizierungen in Form von Fortbildungen, Workshops und Team-Coachings für Nürnberger Kinderta-

geseinrichtungen, Fachveranstaltungen und Netzwerktreffen zum fachlichen Austausch unter Fachkräften im Leistungsbereich Familienbildung. Im Jahr 2021 wird das Offene Forum Familie des Bündnisses für Familie wiederum den Schwerpunkt Familienbildung haben. 9. Berichtswesen, Dokumentation und Evaluation verbessern: Angesichts der unterschiedlichen träger- und einrichtungsspezifischen Dokumentationsweisen soll die Realisierung eines einheitlichen Dokumentationssystems geprüft und möglichst realisiert werden. Die Durchführung von Evaluationsstudien bzw. Wirksamkeitsmessungen im Bereich Familienbildung wird unterstützt. Aufgrund begrenzter finanzieller und personeller Ressourcen ist eine Priorisierung der Entwicklungsperspektiven und Handlungsschritte unerlässlich und wurde gemeinsam mit den Kooperationspartnern in der Arbeitsgemeinschaft Familienbildung vorgenommen. Demnach stehen mittelfristig insbesondere folgende Arbeitsschritte an: Die Verbesserung von Öffentlichkeitsarbeit und Transparenz, die Intensivierung der Kooperation von Familienbildungsstellen und Kindertageseinrichtungen sowie die Verbesserung des familienbildenden Angebots für benachteiligte Familien und die Optimierung von Zugängen für diese Zielgruppe.

Das umfassende Konzept Familienbildung in Nürnberg ist als Anlage diesem Bericht beigelegt.

II. Bericht der Arbeitsgemeinschaft der Eltern- und Familienbildung gemäß § 78 SGB VIII für

die Jahre 2018 und 2019

Eltern- und Familienbildung ist gem. § 16 SGB VIII eine präventive Leistung zur Förderung der Erziehung in der Familie. Sie wird als institutionelle, informelle oder mediale Familienbildung angeboten. In viele Handlungsfelder der Kinder- und Jugendhilfe sind zudem Elemente der Eltern- und Familienbildung integriert. Neun Anbieter institutioneller Familienbildung in Nürnberg bei anerkannten freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe und das Jugendamt als öffentlicher Träger haben sich 2001 zu einem Arbeitskreis zusammengeschlossen, der seit 2011 in einer Arbeitsgemeinschaft gem. § 78 SGB VIII institutionalisiert ist:  AWO Kreisverband Nürnberg e.V. - Elternbildungsprogramme  BRK Kreisverband Nürnberg Stadt - Familienzentrum  Deutscher Kinderschutzbund Kreisverband Nürnberg e.V.  Evang. Familien-Bildungsstätte Nürnberg  forum erwachsenenbildung - evang. bildungswerk nürnberg e.V.  pro familia Nürnberg e.V.  Treffpunkt e.V. - Familienbildung  Zentrum Kobergerstraße e.V. - Beratungsstelle für Schwangere, Eltern und Kinder  Zoff + Harmonie - Familienbildung der Kath. Stadtkirche  Jugendamt - Stab Familienbildung (Geschäftsführung). Die Arbeitsgemeinschaft der Eltern- und Familienbildung gem. § 78 SGB VIII hat dem Jugendhilfeausschuss laut Geschäftsordnung mindestens jedes zweite Jahr über ihre Arbeit zu berichten. Wesentlicher Inhalt der Arbeit der AG 78 Eltern- und Familienbildung war in den letzten beiden Jahren die Fortschreibung des „Konzepts Familienbildung in Nürnberg. Eltern- und Familienbildungskonzept der Stadt Nürnberg“, das im Oktober 2019 beim Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales im Rahmen des bayernweiten „Programms zur Förderung der strukturellen Weiterentwicklung kommunaler Familienbildung und von Familienstützpunkten“ eingereicht wurde (siehe Kapitel I.). Der vorliegende Bericht bezieht sich bereits auf die Perspektiven und Ansätze zur Weiterentwicklung der Familienbildung in diesem Konzept und zeigt aktuelle Entwicklungen in ausgewählten Handlungsfeldern auf.

A) Aktuelle Rahmenbedingungen institutioneller Familienbildung

Die Mitglieder der AG 78 Eltern- und Familienbildung unterscheiden sich deutlich hinsichtlich ihrer formalen Organisation, dem Grad ihrer Spezialisierung auf Familienbildung, ihrem Angebotsprofil, der Ressourcenausstattung sowie der Finanzierungsform (u. a. Höhe des städtischen Zuschusses bzw. Umfang

der Drittmittelakquise). Trägerübergreifend haben in den letzten Jahren zeitlich befristet finanzierte Projekte für neue Programmkonzepte an Relevanz gewonnen, denen öffentliche Aufmerksamkeit sicher ist. Diese Entwicklung ermöglicht es den Familienbildungsstellen einerseits neue Ansätze zu erproben, andererseits geht sie auch mit einem hohen Aufwand bei der Projektakquise und dem Projektmanagement sowie einer relativ geringen Planungssicherheit einher. Insbesondere sehr kurze Projektlaufzeiten stellen die Familienbildungsstellen vor Herausforderungen, denn Familienbildung ist ein „Vertrauensgut“ und die Zielgruppengewinnung und der Aufbau von Beziehungen zu den Eltern und Familien kostet viel Zeit und Ressourcen. Oft läuft die Projektfinanzierung jedoch gerade dann aus, wenn ein Angebot nach langer und intensiver Beziehungsarbeit angenommen wird.

Die höhere Berufsorientierung junger Mütter und der damit zusammenhängende frühere Einstieg in den Arbeitsmarkt nach Mutterschutz und Elternzeit führt auf Anbieterseite zu einer höheren Personalfluktuation mit deutlich größerem Organisations- und Verwaltungsaufwand. Auf Nutzerseite ist damit ein Rückgang in der Nachfrage nach festen Gruppen verbunden. Die Einrichtungen der Familienbildung haben darauf mit dem Ausbau von offenen Angeboten und einer Ausweitung der Angebotszeiten auf Nachmittags-, frühe Abendstunden oder Wochenenden reagiert. Angebote für spezielle Zielgruppen wie Familien mit Migrationshintergrund, von Armut betroffene oder Familien in schwierigen Lebenssituationen wurden weiter ausgebaut.

B) Aktivitäten zur Weiterentwicklung der Familienbildung

1) Bedarfsgerechtigkeit verbessern: Ausbau der Angebote für geflüchtete Familien

Im Zuge der Fluchtmigration kam es zu einer enormen Steigerung von familienbildenden Angeboten für Familien mit Fluchterfahrung. Die neu zugewanderten Eltern(teile) sollten bei der Erziehung ihrer Kinder unterstützt, über das hiesige Bildungssystem und die Infrastruktur für Familien informiert werden und es sollten Zugänge in die familienbildenden Regelangebote sowie zu anderen Diensten und Einrichtungen geschaffen werden. Der Ausbau dieser Angebote wurde vor allem über Drittmittelanträge finanziert, die inzwischen zum größten Teil ausgelaufen sind. Auch das Bundesmodellprogramm „Starke Netzwerke Elternbegleitung für geflüchtete Familien“, welches von 2017 bis 2020 vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) mit 50.000 € pro Jahr gefördert wird, verfolgt diese Zielsetzungen. Es baut auf den beiden BMFSFJ- Programmen „Elternchance ist Kinderchance“ und „Elternchance II – Familien früh für Bildung gewinnen“ auf. In beiden Programmen konnten sich in der Familienbildung tätige Fachkräfte zu zertifizierten Elternbegleiterinnen weiterqualifizieren lassen. Diese sollten nun dabei unterstützt werden, untereinander Kooperationsstrukturen auf- bzw. auszubauen, um gemeinsam neu zugewanderte Familien in Erziehungs- und Bildungsfragen zu begleiten und ihre gesellschaftliche Teilhabe zu fördern. Im „Netzwerk Elternchance Nürnberg - Elternbegleitung für geflüchtete Familien“, arbeiten unter der Netzwerkkoordination der AWO vier Familienbildungsstellen mit folgenden vernetzten Angeboten zusammen:  Die AWO - Elternbildungsprogramme bieten in enger Kooperation mit dem Deutschen Kinderschutzbund wöchentliche mehrsprachige Elterngesprächsgruppen in Gemeinschaftsunterkünften an. Dabei geht es um die Themen Erziehung, kindliche Entwicklung, Gesundheit und deutsches Bildungssystem. Es findet eine Auseinandersetzung mit Erziehungsthemen wie Grenzen setzen, Medienkonsum, Aufsichtspflicht, Rituale usw. sowie mit Themen zur Prävention von Kindeswohlgefährdung statt. Mit den Müttern werden entwicklungsfördernde Anregungen eingeübt. Es gibt die Möglichkeit, die deutsche Sprache und Kultur kennen zu lernen und eine rege Vermittlung der Eltern an Sprachkurse und Sprach-Cafés. Zudem werden mit den Familien Ausflüge zu den Angeboten der Netzwerkpartner oder zu anderen relevanten Einrichtungen in Nürnberg gemacht (Hemmschwellen senken). Im Jahr 2019 fanden 112 Elterngespräche in den GUs statt. Insgesamt wurden fünf GUs erreicht, wobei immer nur drei GUs zur selben Zeit besucht wurden.  Im Café Dunja macht die Evang. Familien-Bildungsstätte für geflüchteten Frauen und ihre Kinder das Angebot, gemeinsam spielerisch ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Zudem werden in dem offenen Angebot praktische Anregungen zur entwicklungsgerechten kindlichen Förderung gegeben und der Austausch sowie die Vernetzung der Mütter untereinander wird unterstützt.

 Treffpunkt e.V. bot bis Ende 2019 eine wöchentliche Hausaufgabenbetreuung an, um geflüchtete Familien an selbstständiges Lernen zu Hause heranzuführen. Eltern wurden zum einen bei ihren eigenen Hausaufgaben, die sie im Rahmen von Sprach- und Integrationskursen haben unterstützt, zum anderen erhielten sie eine Anleitung, wie sie selbst ihren Kindern beim Lernen helfen können. Mit dem Frauen-Integrationszentrum wurde zusätzlich jungen Müttern eine wertvolle Unterstützung geboten. Diese Angebote sind wegen anderer Schwerpunkte des Trägers ausgelaufen.  Ab 2020 ist pro familia im Rahmen des Projekts „Wert(e)volle Integration – Sexuelle Bildung für geflüchtete Menschen“ dabei. Die AWO ist außerdem mit dem Programm: „Kita-Einstieg Nürnberg: Brücken bauen in frühe Bildung“ in Gemeinschaftsunterkünften mit Eltern-Kind-Spielgruppen tätig, um Familien auf die Kita vorzubereiten.

2) Zugänge ausbauen: Intensivierung der Kooperation mit Kitas und Schulen

Eltern wünschen sich Angebote der Familienbildung vermehrt an Orten, die im Familienalltag schon eine große Rolle spielen. So kann ihnen der Zugang erleichtert werden. Besonders hervorzuheben sind hier Kindertageseinrichtungen und Schulen. Mit beiden Institutionen konnte die Kooperation in den letzten Jahren ausgebaut werden:  Um Kitas besser über die umfangreichen Angebote der Familienbildungsstellen zu informieren, wurde das jährlich erscheinende „Programm Eltern- und Familienbildung“ des Stabs Familienbildung um eine kompakte Übersicht über die von Kitas buchbaren Angebote der Familienbildungsstellen ergänzt. Die Übersicht der Kursangebote für Eltern in Nürnberg wurde auf Gruppen für Kinder und Jugendliche, die in Zusammenarbeit mit den Eltern stattfinden, erweitert. Jährlich findet ein Treffen der AG 78 Eltern- und Familienbildung mit dem Fachgremium Kooperation Kindertageseinrichtungen (FKK) zur Intensivierung der Zusammenarbeit statt. Im Rahmen einer Themenreihe zur Familienbildung, die in enger Zusammenarbeit mit J/B1 (Fachberatung kommunale Kitas) und J/B4 (Fachberatung Familienzentren und Orte für Familien) organisiert wurde, konnte das gegenseitige persönliche Kennenlernen und der fachliche Austausch von Fachkräften aus Kitas und Familienbildungsstellen gefördert werden. Die Workshops der Themenreihe fanden von November 2017 bis März 2019 statt. Ein neues Format der Zusammenarbeit ist in Vorbereitung. Fachkräfte aus Kitas werden auch bei den Qualifizierungsangeboten des Stabs Familienbildung (Fortbildungen, Workshops, Team-Coachings, Elternabende) über die Angebote der AG 78 Elternund Familienbildung informiert.  Eine Intensivierung der Zusammenarbeit mit allgemeinbildenden Schulen konnte insbesondere über das Programm Familienfreundliche Schule erreicht werden. So umfasst der Angebotskatalog für die Mitgliedsschulen eine wachsende Zahl von Angeboten der Familienbildungsstellen. Die Durchführung von Angeboten an Schulen ermöglicht es den Familienbildungsstellen, sich und ihr Angebot bei Eltern bekannter zu machen und evtl. vorhandene Hemmschwellen gegenüber Familienbildungsstellen auf Seiten der Eltern zu senken.

3) Gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit aufbauen

Um den Bekanntheitsgrad zu steigern, das Image der Familienbildung zu verbessern und Zugänge zu erleichtern, hat die AG 78 Eltern- und Familienbildung 2016 eine gemeinsame Öffentlichkeitskampagne erarbeitet und seitdem umgesetzt. Ermöglicht wurde dies durch eine enge Kooperation mit dem Bündnis für Familie sowie der finanziellen Unterstützung durch die Sparda-Bank. In der Kampagne wird bewusst auf Werbe-Bilder mit „perfekten Familien“ verzichtet. Stattdessen wird mit so genannten Knuddelmonstern gearbeitet, welche die Individualität der Familienmitglieder und die Vielfalt des Familienlebens widerspiegeln. Alle Elemente der Kampagne stehen unter dieser Dachidee.  In fünf Themenmotiven werden Fragen zum Familienleben und zur Erziehung von Kindern aufgegriffen (Poster, Postkarten, Citylights).  Ein kurzer Stopp-Motion-Film gibt die Kernbotschaft der Familienbildung wieder: „Hier steht die Tür für alle Familien offen“. Er wurde drei Monate lang im Kino gezeigt und ist jetzt auf der gemeinsamen Internetseite der Familienbildung zu sehen.  Statt reiner Informationsmaterialien wurde auf einen Mix aus Informationen und Spielspaß gesetzt: Die Broschüre "Hier sind Familien willkommen" liegt dem städtischen Willkommenspaket bei, das

alle Nürnberger Eltern von Neugeborenen erhalten. Mit lustigen Finger-Figuren und Gutscheinen wird auf das vielfältige Angebot der Familienbildung aufmerksam gemacht.  Ein Bastelbogen mit den Knuddelmonstern verbindet Informationen zur Familienbildung Nürnberg mit Bastelspaß für die Familie.  Buttons mit Abbildungen der Knuddelmonster und dem Link zur gemeinsamen Internetseite werden für Kinder als Anstecker und für Eltern als Magnet ausgegeben.  Die Präsenz der AG 78 Eltern- und Familienbildung auf öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen wird verbessert durch „Fambi“, das lebensgroße „Knuddelmonster“, sowie das Straßenspiel "Wer wird der Familienstar?", in dem Fragen zum Familienalltag mit kleinen Aufgaben verbunden werden.  Den Bastelbogen und das Familienspiel gibt es im September 2020 für Kinder und Eltern als Online- Ausgabe zur gemeinsamen Beschäftigung zu Hause anlässlich der durch die Covid-19-Krise nur online stattfindenden Feier zum Weltkindertag.

Im Rahmen der Öffentlichkeitskampagne wurde der gemeinsame Internetauftritt der AG 78 Eltern- und Familienbildung grundlegend überarbeitet und an das Kampagnendesign angepasst. Das lebensgroße Maskottchen und die Spiel- und Werbematerialien wurden in den letzten Jahren bei gemeinsamen oder einzelnen Veranstaltungen der Kooperationspartner der AG 78 Eltern- und Familienbildung eingesetzt, z.B. beim Weltkindertag, beim Sommernachtstraum, bei Tagen der Offenen Tür, bei Stadtteilfesten, beim Austeilen der Programme in der Fußgängerzone usw. Alles hat einen großen Wiedererkennungswert und wird inzwischen von den Kindern schon freudig begrüßt. Auch beim Nürnberger Familienbildungstag, der jährlichen Kooperationsveranstaltung der AG 78 Elternund Familienbildung als erfahrungsbasierte Öffentlichkeitsarbeit werden die Themenmotive der Kampagne in Form von Flyern, Plakaten, dem Auftritt des lebensgroßen Fambi-Maskottchens, Postkarten und Buttons als Give-Aways aufgegriffen. Erfreulich ist, dass sich der Nürnberger Familienbildungstag zunehmend großer Beliebtheit erfreut. Die Veranstaltungen der vergangenen Jahre waren jeweils bereits weit im Vorfeld ausgebucht. Durch die gute Zusammenarbeit mit dem Bündnis für Familie konnte in den letzten beiden Jahren jeweils das Thema des Familienbildungstags mit einem Artikel der Hauptreferenten im Familienblog des Bündnisses im Vorfeld beworben werden. Die Familienbildungsstellen machen auf ihre Angebote durch ihre Programme und persönliche Beratung auf der Info-Börse aufmerksam. Während ihrer vertiefenden Workshops besteht für die teilnehmenden Eltern die Möglichkeit, persönliche Erfahrungen mit der Arbeit der Familienbildungsstellen zu sammeln.

4) Familienstützpunkte

Über das bayernweite „Programms zur Förderung der strukturellen Weiterentwicklung kommunaler Familienbildung und von Familienstützpunkten“ wurden an sieben Familienbildungsstellen Familienstützpunkte eingerichtet. Diese stehen Eltern als niedrigschwellige Informations-, Beratungs- und Vermittlungsstellen zu anderen Einrichtungen in Nürnberg zur Verfügung. 2019 haben die Familienstützpunkte insgesamt rund 13.600 Anfragen von Eltern erreicht. Die meisten Anfragen wurden zu Angeboten und Einrichtungen gestellt, was die Wichtigkeit der Wegweiser- und Lotsenfunktion belegt. Alltags- und Erziehungskompetenzen, Problem- und Konfliktbewältigung, Integration und kindliche Entwicklung waren weitere Bereiche, in denen Anfragen an die Familienstützpunkte als kompetente Informations- und Beratungsstellen für Familien gestellt wurden. Differenziert man nach der Form der Kontaktaufnahme (persönlich, telefonisch, per E-Mail), so zeigt sich, dass Eltern (nach wie vor) den persönlichen Kontakt bevorzugen.

C) Familienbildungsangebote während der Covid-19-Krise

Familienbildung war auch und gerade in der Covid-19-Krise systemrelevant, und so standen alle neun institutionellen freien Träger der AG 78 Eltern- und Familienbildung und der Stab Familienbildung im Jugendamt Eltern und Familien auch in dieser Zeit hilfreich zur Seite. Von allen Einrichtungen wurde der Kontakt zu den Familien gehalten. Es gab Beratung per Telefon, Videochat, Messenger-Dienste und E-Mail und es wurden neue Formate entwickelt, um Angebote online durchführen zu können. So entstanden z.B. ein Virtueller Elterntreff zu Themen wie „Lernatmosphäre im Home-Schooling“, „Spielideen und Tipps für die Tagesstruktur“, „Stress- und Alltagsbewältigung“, „Streit, Pubertät, Ängste“ und weiteren Erziehungsthemen, und als Online Kurse z.B. Mutter-Vater-Kind-Gruppen, PEKIP, Kanga-Training sowie Säuglingspflege als Webinar. Es fanden Elternabende zu Erziehungs- und Familienthemen

und Padlets z. B. mit wichtigen Informationen zu Covid-19 und Beschäftigungsmöglichkeiten für Kinder statt sowie telefonische Eltern-Säugling-Kleinkinderberatung, Beratung rund um die Erziehung/Umgang mit Säuglingen und Rechtsberatung (Familienrecht), Digitales Café für Alleinerziehende und Telefonische Integrationskurse. Auf der gemeinsamen Internetseite der Nürnberger Familienbildung wurden diese neuen Angebote beworben und jede der Familienbildungsstellen machte auf ihrer eigenen Homepage auf zusätzliche Kontaktmöglichkeiten und Angebote aufmerksam. Der Nürnberger Familienbildungstag 2020 unter dem Motto "Wut, Aggression, Trotz - starke Gefühle! Und jetzt?" wurde mit dem gleichen Thema und Hauptreferenten sowie den Workshops der Familienbildungsstellen, die für die teilnehmenden Eltern zur Vertiefung des Themas angeboten werden, auf das kommende Jahr 2021 verschoben.

D) Zusammenfassung und Ausblick

In den letzten Jahren hat die AG Eltern- und Familienbildung gem. § 78 SGB VIII auf vielfältige Art und Weise ihre Einrichtungen und Angebote bekannter gemacht, bedarfsgerecht weiterentwickelt, hat vermehrt Zugänge für besonders benachteiligte Zielgruppen geschaffen und sich mit weiteren Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe vernetzt. In Zukunft wird es darum gehen, das Erreichte zu verstetigen, die Daten- und Wissensgrundlage zur Familienbildung fortlaufend zu aktualisieren und auf dieser Basis die Angebote weiter bedarfsgerecht anzupassen und auszubauen.

2020/2021 stehen insbesondere folgende Ziele im Fokus: Die weitere Verbesserung von Öffentlichkeitsarbeit und Transparenz, die Intensivierung der Kooperation von Familienbildungsstellen und Kindertageseinrichtungen, die weitere Öffnung der Angebote für geflüchtete Familien bzw. für Familien mit Migrationshintergrund und die Fortführung der Projekte „Netzwerk Elternchance Nürnberg – Elternbegleitung für geflüchtete Familien und Kita-Einstieg Nürnberg: Brücken bauen in frühe Bildung“, die Verbesserung des familienbildenden Angebots für von Armut betroffene bzw. sozial benachteiligte Familien sowie für junge Mütter, Alleinerziehende und Väter und die Optimierung von Zugängen für diese Zielgruppen.

Jugendamt

KONZEPT

FAMILIENBILDUNG IN NÜRNBERG

Eltern- und Familienbildungskonzept der Stadt Nürnberg

Zweite Fortschreibung

Lena Friedrich-Hubert, Stab Familienbildung Maria Lösl, Stab Familienbildung Karin Lüdtke, Stab Familienbildung Telefon (0911) 231 8292 (0911) 231 2283 Telefax (0911) 231 3488 E-Mail: maria.loesl@stadt.nuernberg.de karin.luedtke@stadt.nuernberg.de Internet: www.familienbildung.nuernberg.de

Bernd Kammerer, Leiter des Bereichs 2 Kinder- und Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit an Schulen, Familienbildung, Erziehungsberatung; Telefon (0911) 2 31–32 08 Telefax (0911) 2 31–34 88 E-Mail: bernd.kammerer@stadt.nuernberg.de Internet: www.jugendamt.nuernberg.de

Die Fortschreibung des Konzepts „Familienbildung in Nürnberg“ im Jahr 2019 wurde im Rahmen des vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales geförderten Programms zur Förderung der strukturellen Weiterentwicklung kommunaler Familienbildung und von Familienstützpunkten erarbeitet. Diese Fortschreibung baut auf dem Eltern- und Familienbildungskonzept der Stadt Nürnberg auf, das im Jugendhilfeausschuss (JHA) am 29.07.2010 und am 17.12.2015 (Fortschreibung) beschlossen wurde.

Stand: Oktober 2019

Gliederung

  1. Einführung .............................................................................................................................. 2 2. Familienbildung: Ausgangspunkt und Grundlagen ............................................................. 4 2.1 Familie und Elternschaft heute .......................................................................................... 4 2.2 Eltern unter Druck ............................................................................................................. 6 2.3 Gesetzliche Grundlagen der Familienbildung .................................................................... 9 2.4 Definition und Verständnis von Familienbildung .............................................................. 11 2.5 Familienbildung – ein weites Feld? .................................................................................. 13 2.6 Zielgruppen der Familienbildung ..................................................................................... 17 3. Familien in Nürnberg ........................................................................................................... 19 3.1 Familienformen und Familiengröße ................................................................................. 19 3.2 Lebenslagen von Familien............................................................................................... 20 3.3 Erwerbstätigkeit und Elternzeit ........................................................................................ 21 4. Bedarfsermittlung zur Familienbildung: Die Bedürfnisse Nürnberger Eltern .................. 22 4.1 Zentrale Ergebnisse der standardisierten Elternbefragungen .......................................... 22 4.2 Ergebnisse der qualitativen Elternbefragung ................................................................... 26 4.3 Ergebnisse der Experteninterviews ................................................................................. 27 4.4 Regelmäßiger Fachaustausch ......................................................................................... 28 5. Bestandsaufnahme: Familienbildende Einrichtungen in Nürnberg .................................. 29 5.1 Familienbildungsstellen in Nürnberg ................................................................................ 29 5.2 Familienstützpunkte ........................................................................................................ 41 5.3 Integrierte Familienbildung in Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe.................. 45 5.4 Weitere Akteure und Angebote der Familienbildung in Nürnberg .................................... 53 5.5 Kurse für Eltern, Kinder und Jugendliche in Nürnberg – eine Übersicht........................... 60 6. Bestandsaufnahme: Koordination und Vernetzung der Nürnberger Familienbildung .... 66 6.1 Der Stab Familienbildung im Jugendamt der Stadt Nürnberg .......................................... 66 6.2 Arbeits- und Vernetzungsstrukturen in der Familienbildung ............................................. 66 7. Perspektiven und Handlungsansätze zur Weiterentwicklung der Familienbildung ........ 71 7.1 Öffentlichkeitsarbeit und Transparenz verbessern ........................................................... 72 7.2 Familienstützpunkte und ihr Angebot bekannter machen ................................................ 73 7.3 Zugangsproblematik offensiv angehen, zielgruppengerechte Zugänge schaffen ............. 74 7.4 Erhalt und weiterer Aufbau von Netzwerken und Kooperationsstrukturen ....................... 75 7.5 Bedarfsgerechtigkeit des Angebots verbessern ............................................................... 76 7.6 Stärkere Sozialraumorientierung in der Jugendhilfeplanung prüfen ................................. 77 7.7 Familienbezogene Jugendarbeit unterstützen ................................................................. 78 7.8 Fachlichen Austausch und fachliche Weiterentwicklung fördern ...................................... 79 7.9 Berichtswesen, Dokumentation und Evaluation verbessern. ........................................... 80 8. Zusammenfassung der Arbeitsschritte .............................................................................. 82 9. Literaturverzeichnis ............................................................................................................. 85 Anhang ......................................................................................................................................... 87

1. Einführung

Im Rahmen der Organisationsreform 2006/2007 im Referat für Jugend, Familie und Soziales wurde der Leistungsbereich Familienbildung im Jugendamt der Stadt Nürnberg weiter institutionalisiert. Der Stab Familienbildung ist eine Koordinierungsstelle mit vorrangig planerischen und vernetzenden Aufgaben. Gemeinsam mit den freien Trägern der Familienbildung hat dieser Stab im Juli 2010 dem Jugendhilfeausschuss das erste „Eltern- und Familienbildungskonzept für die Stadt Nürnberg“ vorgelegt, welches einstimmig beschlossen wurde. Eine erste abgestimmte Fortschreibung erfolgte 2015, welche ebenfalls im JHA einstimmig verabschiedet wurde. Diesen Konzepten lag ein weites Verständnis von Familienbildung zugrunde. Erstmals wurden die unterschiedlichen Ansätze der Familienbildung in Nürnberg im Rahmen einer umfassenden Bestandserhebung dargestellt und darauf aufbauend Perspektiven, Ziele und Handlungsansätze im Sinne der Jugendhilfeplanung erarbeitet. Seither haben sich die Lebens- und Bedarfslagen der Familien weiter gewandelt, die familienbildende Angebotsstruktur hat sich verändert, Vernetzungsstrukturen wurden initiiert bzw. weiter ausgebaut und im Familienbildungskonzept 2010/2015 herausgearbeitete Zielperspektiven konnten erreicht werden, so wurde das Programm Nürnberger Elternbegleiterinnen eingeführt sowie die systematische und stadtweite Bewerbung der Elternbriefe sichergestellt. Die Teilnahme der Stadt Nürnberg am vom Bayerischen Sozialministerium geförderten Modellprojekt Familienstützpunkte (2010-2013) sowie am unmittelbar anschließenden bayernweiten Förderprogramm1, hat empirische Erhebungen möglich gemacht, die familienbildenden Strukturen um die Familienstützpunkte erweitert und der Familienbildung in Nürnberg weitere Entwicklungsdynamik verliehen. Vor diesem Hintergrund sollen in der vorliegenden zweiten Fortschreibung des Nürnberger Elternund Familienbildungskonzepts die 2010/2015 herausgearbeiteten Zielperspektiven für die Familienbildung auf der Grundlage neuer empirischer Erkenntnisse und der fachlichen Expertise überprüft sowie ggf. angepasst und erweitert werden. Grundlegendes Rahmenwerk für das Nürnberger Eltern- und Familienbildungskonzept und die vorliegende Fortschreibung ist der „Orientierungsrahmen für eine nachhaltige Jugend-, Familien-, Bildungs- und Sozialpolitik“ des Referats für Jugend, Familie und Soziales. Die zehn formulierten Leitlinien, Familie stärken, Erziehung unterstützen (Leitlinie 1), Bildung fördern, früh beginnen (Leitlinie 2), Rechte von Kindern und Jugendlichen durchsetzen (Leitlinie 3), Beschäftigung ermöglichen (Leitlinie 4), Armut bekämpfen, Chancen eröffnen (Leitlinie 5), eine alternde Stadtgesellschaft gestalten (Leitlinie 6), Bürgerschaftliches Engagement stärken (Leitlinie 7), Stadt als Lebensraum, Stadtteile sozial nachhaltig entwickeln (Leitlinie 8), Zuwanderung gestalten, interkulturelle Vielfalt leben (Leitlinie 9) sowie Geschlechtersensibel handeln, Gleichstellung verwirklichen (Leitlinie 10) sind auch für die Ziel- und Handlungsperspektiven im Leistungsbereich Familienbildung leitend. In diesem Zusammenhang zeigt sich, dass Ansätze zur Förderung von Erziehung in Gesellschaft und Familien sowie die Erarbeitung von Perspektiven und Zielen für die Familienbildung eng mit weiteren sozialpolitischen Feldern und Diskursen verbunden sind. Mindestens sechs Bezugsfelder sollen hier unterschieden werden:  Der Armutsdiskurs und die Frage, wie Kindern aus benachteiligten und gefährdeten Familien ein gelingendes und gesundes Aufwachsen gewährleistet werden kann.  Der Familien- und Generationendiskurs und die Frage, wie der gesellschaftliche Wert von Familie und eine bedarfsgerechte Unterstützung von Familien vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung sichergestellt werden kann.  Der Bildungsdiskurs und die Frage, wie die Chancengerechtigkeit im deutschen Bildungssystem verbessert werden kann.  Der Erziehungsdiskurs und die Frage, wie eine bedarfsgerechte, passgenaue und niedrigschwellige Unterstützung von Erziehenden entwickelt und realisiert werden kann.

1 Programm zur Förderung der strukturellen Weiterentwicklung kommunaler Familienbildung und von Familienstützpunkten

 Der Kinderschutzdiskurs und die Frage, wie ein präventiver Kinderschutz im Rahmen passgenauer Früher Hilfen sichergestellt werden kann.  Der Diskurs um die Voraussetzungen und die sozialen Folgen der wachsenden Stadt. In die Erarbeitung der vorliegenden Fortschreibung des Nürnberger Eltern- und Familienbildungskonzepts wurden diese leitenden Fragen integriert. Damit wird deutlich, dass Familienbildung als eine Querschnittsaufgabe verstanden wird, die Schnittstellen zu weiteren Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe sowie zahlreichen sozialpolitischen Leistungsbereichen hat. Die Fortschreibung des Eltern- und Familienbildungskonzept gliedert sich in fünf große Teile: Nach einer einleitenden Klärung der zentralen Begrifflichkeiten, wird – auf Basis des dritten Nürnberger Familienberichts des Bündnis‘ für Familie – ein Überblick über die Familienstrukturen in Nürnberg gegeben. Darauf aufbauend werden die zentralen Ergebnisse der Bedarfs- und Bestandserhebung zur Familienbildung vorgestellt und auf der Basis eines Abgleichs Perspektiven und Ziele zur Weiterentwicklung der Familienbildung in Nürnberg erarbeitet. Diese sind für die Arbeit des Stabs und der Träger der Familienbildung in den kommenden Jahren handlungsleitend. Unser Dank gilt dem Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales für die finanzielle Unterstützung der strukturellen Weiterentwicklung der Familienbildung in Nürnberg sowie der damit verbundenen Möglichkeit, die Arbeit der Familienstützpunkte fortzusetzen.

2. Familienbildung: Ausgangspunkt und Grundlagen

Grundlegende Voraussetzung für die Erarbeitung eines Konzepts zur Eltern- und Familienbildung ist die Klärung zentraler Begrifflichkeiten und die Erläuterung zugrundeliegender Annahmen. In diesem Zusammenhang stellen sich insbesondere die folgenden Fragen:  Welcher Familienbegriff liegt dem Konzept zugrunde?  Vor welchen Herausforderungen stehen Eltern heute und welche Unterstützung gibt Familienbildung?  Was ist unter Familienbildung zu verstehen und wie ist der Leistungsbereich im System der Sozialen Arbeit und der Jugendhilfe verortet?  Welche Ziele hat Familienbildung und an welche Zielgruppen richtet sie sich?  Wie können Eltern und Familien erreicht werden? In den folgenden einführenden Kapiteln werden diese Fragen aufgegriffen und erläutert. Damit werden die Grundlagen für die Analyse der Familienbildung in Nürnberg gelegt.

2.1 Familie und Elternschaft heute

In der wissenschaftlichen Forschung, der Sozialpolitik, der praktischen pädagogischen und sozialen Arbeit existieren zahlreiche Definitionen von Familie. Sie nehmen, ihrem Erkenntnisinteresse entsprechend, ganz unterschiedliche Perspektiven ein. So wird beispielsweise in makrosoziologischer Perspektive Familie als eine soziale Institution betrachtet, die unverzichtbare Leistungen für Gesellschaft und Wirtschaft erbringt bzw. zu erbringen hat: Familien erbringen Fürsorgeleistungen, stiften sozialen Zusammenhalt und ziehen die nachwachsenden Generationen auf. Familie ist in diesem Sinne als ein zentrales gesellschaftliches Strukturelement und als Produzent „öffentlicher Güter“ zum Nutzen der Allgemeinheit zu verstehen (Jurczyk/Klinkhardt 2014: 13). In mikrosoziologischer Perspektive wird Familie als eine soziale Gruppe der besonderen Art definiert, die sich durch eine spezifische Binnenstruktur auszeichnet, wie durch festgelegte soziale Rollen und eine bestimmte Qualität der Beziehungen ihrer Mitglieder. Da Familienbildung ein Leistungsbereich des SGB VIII ist (siehe dazu Kapitel 2.3), baut das vorliegende Konzept auf einem Familienbegriff auf, der sich am relativ weiten Familienverständnis des Gesetzgebers anlehnt. Demnach wird von Familie gesprochen, wenn Kinder mit Erwachsenen zusammenleben. Unter Erwachsene werden nicht nur leibliche Mütter und Väter subsumiert, sondern auch andere Erziehungsberechtigte, junge Menschen, Stiefmütter, Stiefväter, Pflegeeltern, nichteheliche Lebenspartner/innen sowie eingetragene Lebenspartnerschaften. Der Familienpsychologe Klaus Schneewind (2010) setzt hier an und verfasste eine sehr umfassende Definition von Familie, die auch dem vorliegenden Konzept zugrunde liegt: „Familien sind biologische, soziale oder rechtlich miteinander verbundene Einheiten von Personen, die – in welchem Zusammenhang auch immer – mindestens zwei Generationen umfassen und bestimmte Zwecke verfolgen. Familien qualifizieren sich dabei als Produzenten gemeinsamer, u.a. auch gesellschaftlich relevanter Güter (wie z. B. die Entscheidung für Kinder und deren Pflege, Erziehung und Bildung) sowie als Produzenten privater Güter, die auf die Befriedigung individueller und gemeinschaftlicher Bedürfnisse (wie z. B. Geborgenheit und Intimität) abzielen. Als Einheiten, die mehrere Personen und mehrere Generationen umfassen, bestehen Familien in der zeitlichen Abfolge von jeweils zwei Generationen aus Paar-, Eltern-Kind- und gegebenenfalls Geschwister- Konstellationen, die sich aus leiblichen, Adoptiv-, Pflege- oder Stiefeltern (Parentalgeneration) sowie leiblichen Adoptiv-, Pflege- oder Stiefkindern (Filialgeneration) zusammensetzen können“ (Schneewind 2010: 35). Darüber hinaus lassen sich drei weitere Charakteristika identifizieren, die für ein zeitgemäßes Verständnis von Familie zentral sind (Jurczyk/Klinkhardt 2014):  Familien sind als Lebenszusammenhang und Lernwelt von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu verstehen. Hier werden Persönlichkeiten geformt, Bildungs- und Lebenschancen eröffnet und für die Lebensführung zentrale Kompetenzen erworben. Für die kindliche Entwicklung ist Familie nach wie vor die wichtigste Erziehungs- und Bildungsinstanz.

Hier wird das Fundament für die Persönlichkeitsentwicklung gelegt und die Basis für psychosoziale Stabilität und Leistungsfähigkeit geschaffen. Die Kinder erwerben in ihren Familien die meisten psychomotorischen, sozialen, emotionalen und sprachlichen Kompetenzen. Auch für die Eltern bedeutet Erziehen und Bilden die Eröffnung eines kontinuierlichen Lernprozesses. „Familie ist ein Lernort für alle Generationen“ (BMFSFJ 2006: 274).  Familienleben entsteht heute nicht von alleine bzw. natürlich, sondern ist zunehmend als voraussetzungsvolles, gemeinschaftsbezogenes Handeln zu verstehen („Doing Familiy“). Diese Herstellungsleistung umfasst unterschiedliche Bereiche: Das organisatorische Vereinbarkeitsmanagement, die Entwicklung eines Gemeinschafts- bzw. Wir-Gefühls sowie die bewusste Inszenierung von Zusammengehörigkeit und Verbundenheit.  Familie ist ein Beziehungssystem, das sich im Lebensverlauf stetig wandelt. Die Familiengemeinschaft ist dabei nicht allein auf einen Haushalt begrenzt, sondern kann auch multilokal strukturiert sein. Das bedeutet: nicht das Wohnen in einem gemeinsamen Haushalt ist entscheidend, sondern die persönlichen Beziehungen und die Sorge füreinander. Familie und Familienleben stehen immer in Abhängigkeit von gesellschaftlichen, politischen und sozialen Rahmungen. Der Ursprung für die aktuelle Lebenssituation und Verfasstheit von Familie wird mit den gesellschaftlichen Entwicklungen seit den 60er- und 70er-Jahre in Verbindung gebracht. Zwei „Megatrends“ können für die sich weiter modernisierenden westeuropäischen Gesellschaften identifiziert werden: Individualisierung und Flexibilisierung (Jurczyk/Klinkhardt 2014: 12; Kapella et al. 2009). Im Zuge weitreichender Individualisierungsprozesse haben sich beispielsweise familienbezogene Werthaltungen und innerfamiliale Beziehungen stark gewandelt: Die Ansprüche an eine emotional erfüllende Partnerschaft sind gestiegen. Elternschaft, früher ein natürlicher Teil der Biografie von Frauen und Männern, ist heute eine Option neben anderen Lebenszielen und in den Lebensverläufen vieler Menschen nicht mehr selbstverständlich. Vielfach wird Elternschaft auch aufgeschoben, so dass Eltern immer älter werden (das Erstgebäralter steigt) und zunehmend reproduktionsmedizinische Unterstützung in Anspruch nehmen (Mayer-Lewis/Rupp 2015). Die Schwächung der Institution Ehe hat zudem zu einer zunehmenden Pluralisierung der Lebensformen geführt, dabei fallen soziale und leibliche Elternschaft vielfach auseinander. Der Wandel von Kindheit und die zunehmende Beachtung und Durchsetzung von Kinderrechten macht Kinder tendenziell zu Partnern der Eltern und fördert eine stärkere Gleichberechtigung in der Eltern-Kind-Beziehung. Gleichzeitig sind die Erwartungen an Rolle und Funktion von Eltern gestiegen. Die gesellschaftliche „Norm der verantworteten Elternschaft“ besagt, dass Kinder nur dann in die Welt gesetzt werden sollen, wenn ausreichend persönliche, finanzielle und zeitliche Ressourcen vorhanden sind. Sie macht es Eltern zunehmend schwer der Aufgabe mit einer gewissen Gelassenheit zu begegnen. Zu beobachten ist darüber hinaus eine zunehmende Pädagogisierung des vormals quasi-natürlichen Erziehungsverhaltens sowie ein Bedeutungsgewinn des Ideals einer gelingenden Erziehung. Die Norm der guten Mutter, die ganz für ihr Kind da sein soll, gilt nach wie vor als Leitfigur für junge Mütter. Die Erwartungen der Gesellschaft sowie der Väter an sich selbst sind gestiegen: Auch Väter wollen und sollen sich aktiv ins Familienleben und die Erziehung einbringen. In einer auf aktuellem Datenmaterial basierenden Studie unterscheiden Karin Jurczyk und Josefine Klinkhardt (2014) analytisch zwischen insgesamt acht Trends, die mit einer Zunahme der Herausforderungen bei der Gestaltung des Familienalltags und dem Aufwachsen von Kindern verbunden sind (siehe dazu auch Evangelische Aktionsgemeinschaft für Familienfragen in Bayern e.V. 2014):  Zunahme vielfältiger Lebensformen: Kinder wachsen heute seltener in einer so genannten „Normalfamilie“ auf und erleben mehr Übergänge von einer Familienform in die andere.  Erosion des konventionellen Ernährermodells: Die Bildungsexpansion und die damit einhergehende Zunahme der (außerhäusigen, bezahlten) Erwerbstätigkeit von Frauen hat zu weitreichenden Veränderungen in den Geschlechterverhältnissen und den Geschlechteridentitäten geführt. Dieser Wandel vervielfältigt die familialen Settings, in denen Kinder aufwachsen.

 Entgrenzung von Erwerbsbedingungen: Zunehmende zeitliche Flexibilitäts- und räumliche Mobilitätsanforderungen des Arbeitsmarktes fordern Eltern. Gelingt es ihnen nicht, die Grenzziehung zwischen Arbeits- und Familienzeit aufrechtzuerhalten, kann dies zu einer Minderung der Aufmerksamkeit und Zuwendung dem Partner und den Kindern gegenüber führen (Alt/Lange 2012, Jurczyk/Klinkhardt 2014).  Eltern unter Druck – (Nicht-) Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Den zunehmenden Anforderungen des Arbeitsmarktes sowie den hohen (eigenen; siehe dazu Kapitel 2.2) Erwartungen an Elternschaft gleichermaßen zu entsprechen, setzt viele Eltern unter Druck. Vor allem Mütter fühlen sich zu sehr gefordert.  Polarisierung der Lebenslagen: Zunahme von Familien- und Kinderarmut: Die Lebenslagen von Familien sowie die familiären Ressourcen zur Bewältigung des Alltags gehen zunehmend auseinander. Für die Kinder ist diese Entwicklung mit ungleichen Startchancen verbunden. Armut und soziale Benachteiligung sind zwar nicht automatisch mit einer prekären Kindheit verknüpft, finanzielle Sicherheit erhöht jedoch die Wahrscheinlichkeit eines gelingenden Aufwachsens von Kindern. Folgt man den Ergebnissen des empirischen Langzeitprojekts „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ ist das vergangene Jahrzehnt durch Prozesse der Entsicherung, Instabilisierung, des Orientierungs- und Richtungsverlusts geprägt (Heitmeyer 2012). Aufgrund ihrer mit dem Einkommen zusammenhängenden Chancen, die Folgen dieser Entsicherungsprozesse abfedern zu können, unterscheiden sich die subjektiv wahrgenommenen Lebensbedingungen und Reaktionen auf diese Prozesse: Menschen, die sich von den krisenhaften Ereignissen bedroht fühlen, deren Angst vor dem sozialen Abstieg und der Prekarisierung mit Gefühlen von Ohnmacht verbunden ist und nur über wenig soziale Einbindung und Unterstützung verfügen, neigen eher dazu, schwache Gruppen abzuwerten und zu diskriminieren. Die Bedingungen des Aufwachsens und der Sozialisation von Kindern werden nicht allein durch die „objektiven“ Lebensbedingungen, sondern auch die subjektiven Bewertungen der Eltern geprägt.  Kulturelle Diversifizierung – Familien mit Migrationshintergrund: Familien mit Zuwanderungsgeschichte haben wachsenden Anteil an der Bevölkerung in Deutschland. Sie zeichnen sich durch eine große Heterogenität aus, haben jedoch insgesamt gesehen ein höheres Risiko in Armut zu leben, als Familien ohne Migrationshintergrund.  Neue Gestaltungsräume von Kindheit: Kinder wachsen neben der Familie zunehmend in öffentlicher Verantwortung auf, so nimmt der Anteil der Kinder, die außerfamiliale Betreuungseinrichtungen, wie Krippen, Kindergärten oder Horte bzw. Ganztagesschulen, besuchen zu. Auch darüber hinaus bieten sich Kindern und Jugendlichen vielfältige Freizeitmöglichkeiten und Medien spielen im Alltag eine besonders große Rolle.  Schwindende Passfähigkeit von Infrastrukturen für Familien: Diese gesellschaftlichen Entwicklungen haben tiefgreifende Folgen für das Familienleben und damit auch für die familienunterstützenden Strukturen und Angebote. Diese müssen sich den Modernisierungsprozessen und den damit einhergehenden Veränderungen des Familienlebens und den Bedarfen anpassen, haben sich jedoch in den letzten Jahren nur unzureichend weiterentwickelt. Mit „institutional gap“ wird diese fehlende Passgenauigkeit der Infrastrukturen für Familien betitelt. Im vorliegenden Familienbildungskonzept werden auf der Grundlage verfügbarer Daten Perspektiven zur inhaltlichen und strukturellen Weiterentwicklung der Familienbildung in Nürnberg erarbeitet, um so der oben beschriebenen fehlenden Passgenauigkeit entgegenzuwirken. Dafür ist es auch wichtig, die Perspektive der Eltern selbst einzubeziehen.

2.2 Eltern unter Druck

In den letzten Jahren wurden zahlreiche Studien veröffentlicht, die sich mit der Perspektive der Eltern auf ihre eigene Lebenssituation befassen. Eine der ersten dieser Arbeiten war die Studie „Eltern unter Druck“: Die 2008 veröffentlichte sozialwissenschaftliche Untersuchung von Sinus Sociovision im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. (Huthmacher/Borchard 2008) hat großes Aufsehen erregt, zeigt sie doch ein eindrückliches Bild vom subjektiven Belastungsempfinden der Eltern. Zwei Fragestellungen waren erkenntnisleitend: Wie geht es Eltern und was brauchen Eltern?

Die Ergebnisse der Studie belegen, dass sich Eltern einem ständigen Druck ausgesetzt fühlen: Angst vor dem sozialen Abstieg ist bis weit in die Mittelschicht verbreitet. Dies hat, insbesondere in Mittelschichts-Milieus, zu einer deutlichen Zunahme des schulischen Erfolgsdrucks geführt. Das große Interesse am schulischen Erfolg der Kinder hat vielfach Folgen für die Eltern-Kind-Beziehung, die stark vom schulischen Erfolg geprägt bzw. zum Teil auch davon abhängig ist. Ein hohes Interesse am schulischen Erfolg der Kinder kann auch für Zuwanderungsmilieus festgestellt werden. Im Gegensatz zu Familien ohne Migrationshintergrund, können die Eltern ihre Kinder jedoch nicht so intensiv begleiten bzw. wissen nicht um die Bedeutung der elterlichen Unterstützung im deutschen Schulsystem. Vielfach werden die Kinder den hohen elterlichen Erwartungen jedoch nicht gerecht, so dass diese gezwungen sind, ihre Erwartungen an die veränderten Realitäten anzupassen. Trotz einem insgesamt großen Interesse der meisten Eltern am schulischen Erfolg ihrer Kinder hat ein Fünftel der Eltern keinerlei Interesse an diesem Thema. Kinder aus diesen Familien erfahren kaum Förderung und Unterstützung und müssen sich alleine behaupten. Neben dem schulischen Leistungsdruck stehen Eltern unter Zeit- und Organisationsdruck, was auch auf die Verhäuslichung und Verinselung von Kindheit zurückzuführen ist (Rupp et al. 2010). So findet Kindheit heute nicht mehr auf der Straße statt, sondern in geschlossenen, zweckgebundenen Räumlichkeiten. Freizeitaktivitäten müssen vielfach von den Eltern organisiert und geplant werden. Auch die Erziehung wird vielfach als eine Drucksituation erlebt. Widersprüchliche Aussagen in Erziehungsratgebern werden als wenig hilfreich erlebt, befördern die Verunsicherung und erhöhen so den Druck. Um diesen Entwicklungen entgegenzusteuern wurden im Rahmen der Studie der Ausbau passgenauer und bedarfsgerechter Unterstützungs-und Entlastungsangebote sowie eine Zunahme der gesellschaftlichen Wertschätzung elterlicher Leistungen gefordert. Auch neuere Studienergebnisse belegen diese Entwicklungstendenzen und zeigen, dass insbesondere der Zeitdruck, den Eltern empfinden, zugenommen hat. Im Auftrag der Zeitschrift Eltern führte das forsa-Institut im Oktober 2014 eine repräsentative Elternbefragung durch (Lewicki/Greiner-Zwarg 2015). Befragt wurden 1.006 Mütter und Väter von Kindern bis zu zwölf Jahren.2 Die Ergebnisse belegen, dass Eltern zeitlich sehr belastet sind, sehr hohe Ansprüche an sich stellen und sich damit selbst unter Druck setzen. Sie definieren ihre eigene Rolle als Eltern und Erziehende sehr aktiv, emotional unterstützend und bringen sich stark in den Alltag ihrer Kinder ein. Im Einzelnen sind es vor allem die folgenden Daten, welche diese Entwicklungen widerspiegeln:  62 % der befragten Mütter und Väter fühlen sich in ihrem Alltag gehetzt und stehen unter Zeitdruck, betrachtet man allein die Mütter, sind es sogar 67 %!  65 % der Befragten gaben an, sich durch sehr hohe Ansprüche an die eigene Person alltäglich unter Druck gesetzt zu fühlen. 62 % fühlen sich durch die hohen gesellschaftlichen Leistungsanforderungen unter Druck gesetzt und 46 % empfinden es als anstrengend, die vielen Freizeitaktivitäten ihrer Kinder zu organisieren.  Das Gefühl, den eigenen Ansprüchen an sich selbst im Alltag nicht gerecht zu werden bzw. mit sich selbst als Mutter bzw. Vater unzufrieden zu sein, haben 15 % der Befragten häufig und 55 % der Befragten gelegentlich, d.h. 70 % zweifeln immer wieder mal an sich selbst als Mutter bzw. Vater.  59 % der Eltern schätzen die Erwartungen und Anforderungen, die heute an Eltern gestellt werden, höher ein, als noch vor 30 Jahren. Offen nach den Erwartungen und Anforderungen befragt, die heute anders sind als früher, gaben 62 % gesellschaftliche Veränderungen an, wie z. B. Entwicklungen im Bildungssystem und die damit einhergehenden höheren Anforderungen sowie den allgemein höheren Leistungs- und Erfolgsdruck. 43 % führten Veränderungen in der Erziehung an, wie z. B. einen höheren Perfektionsanspruch oder höhere Anforderungen in Bezug auf eine möglichst frühe und optimale Förderung der Kinder.  Gute Eltern zu sein bedeutet aus Sicht von Müttern und Vätern heutzutage vor allem: Immer hinter seinem Kind zu stehen (54 %), dem Kind das Gefühl zu geben, dass es das Wichtigste

2 Leider enthalten die verfügbaren Materialien keine Informationen zur Stichprobenziehung und zur Merkmalsverteilung in der Stichprobe.

auf der Welt ist (47 %), dafür zu sorgen, dass das Kind ausreichend soziale Kontakte mit Gleichaltrigen hat (76 %), die eigenen Bedürfnisse in den ersten Monaten hinter die des Säuglings zu stellen (46 %), dem Kind in der Schule zu helfen (45 %), die Hobbies des Kindes ernst zu nehmen (44 %) sowie sich berufliche Freiräume zu schaffen, um mehr Zeit für das Kind zu haben (35 %). 44 % sehen auch die Sorge für sich selbst als wichtig an, um gute Eltern zu sein. Kindern materiellen Wohlstand zu bieten wird nur von 4 % der Befragten mit guter Elternschaft assoziiert.  Befragt nach Wünschen zur eigenen Entlastung wurden von den Eltern vorrangig mehr finanzielle Unterstützung durch den Staat (41 %), mehr innere Ausgeglichenheit, Lockerheit und Gelassenheit (38 %) sowie flexiblere Arbeitsbedingungen (Orte und Zeiten; 29 %) genannt. Hier wird deutlich, dass Eltern Ansatzpunkte zur Reduzierung des erlebten Stresses nicht nur in einer Verbesserung der strukturellen Rahmenbedingungen, sondern auch bei sich selbst und im eigenen Umgang mit den Anforderungen sehen. Ergänzend zur Elternbefragung gab das Magazin Eltern family eine Befragung von 727 Kindern von sechs bis zwölf Jahren in Auftrag (Lewicki/Greiner-Zwarg 2015).3 Die Ergebnisse zeigen, dass die befragten Kinder im Großen und Ganzen mit den Eltern und dem Familienleben zufrieden sind, belegen jedoch auch, dass Kinder die Lebensbedingungen ihrer Eltern ähnlich einschätzen, wie die Eltern selbst. Anforderungen, denen die Eltern aus Kindersicht gegenüberstehen sind: die finanzielle Situation (45 %), der Zeitmangel und das damit verbundene schlechte Gewissen (38 %), Sorgen (37 %), Stress, weil immer alles perfekt sein soll (37 %) sowie Stress und Zeitmangel aufgrund des Arbeitspensums (35 %) der Eltern. 21 % der befragten Kinder leben in einer Trennungs- bzw. Scheidungsfamilie. Von diesen Kindern gaben 66 % an, dass beide Elternteile trotz der Trennung für das Kind da sind, gleichzeitig bedeutet dieses Ergebnis aber auch, dass ein gutes Drittel der befragten Kinder nicht das Gefühl haben, beide Elternteile seien für sie da. Eine Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland befasste sich u. a. mit der elterlichen Inanspruchnahme von Informationsquellen bei Erziehungs- und Bildungsfragen (Vodafone Stiftung 2015).4 Die Stichprobe der Untersuchung umfasste 1.126 Eltern von Schulkindern, die eine allgemeinbildende Schule besuchen. Es zeigt sich, dass Eltern persönliche Informations- und Beratungsangebote bevorzugen. Bei Bildungs- und Erziehungsfragen werden vor allem unmittelbare Bezugspersonen, wie Lehrer und Beratungslehrer (70 %), andere Eltern (69 %) und z.T. auch die eigenen Eltern (30 %) um Rat gebeten. Institutionelle Beratungsstellen von Wohlfahrtsverbänden (5 %) oder die kirchlichen Stellen (3 %) werden deutlich seltener in Anspruch genommen. Überraschend häufig werden Haus- bzw. Kinder- und Jugendärzte um Rat in Bildungs- und Erziehungsfragen gefragt. Abgesehen von speziellen Ratgeberbüchern oder Broschüren (45 %) werden mediale Angebote selten genutzt: Nur 28 % der Eltern nutzen die Stichwortsuche über Suchmaschinen, 22 % spezielle Zeitschriften, 14 % Foren oder Blogs für Eltern und spezielle Apps werden nur von 1 % der befragten Eltern genutzt. Ausgebaut werden sollten nach Ansicht der Eltern vor allem Informationsangebote an Schulen (62 %) und an Beratungsstellen (26 %). Die Zusammenfassung aktueller Elternbefragungen zeigt deutlich, dass Eltern hohe Ansprüche an sich haben, vielfach unter großem Druck stehen und sich in ihrem Alltag gehetzt fühlen. Die Unsicherheit in Erziehungsfragen ist insgesamt hoch. Unterstützungsangebote wünschen sie sich vor allem in direkter Form, von vertrauten Personen und an Orten, die in ihrem Alltag bereits eine Rolle spielen, wie z. B. Schulen.

3 Auch zu dieser Studie gibt es in den zugänglichen Materialien keine Angaben zur Stichprobenziehung oder zur Zusammensetzung der Stichprobe. 4 Leider enthalten die verfügbaren Materialien ebenfalls keine Informationen zur Stichprobenziehung und zur Merkmalsverteilung in der Stichprobe.

2.3 Gesetzliche Grundlagen der Familienbildung

Die Familie steht gemäß Artikel 6 des Grundgesetzes unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung. Damit verbunden sind nicht nur Abwehrrechte. Vielmehr fordert der Schutz der Familie auch die Teilhabe an staatlichen Leistungen. Auch mit dem staatlichen Schutz elterlicher Erziehungsverantwortung, wie er in Art. 6 Abs. 2 GG formuliert ist, wird nicht nur die Ausübung des staatlichen Wächteramts verbunden, sondern es „[…] besteht der Auftrag, Bedingungen zu schaffen, die es Eltern ermöglichen, ihre Erziehungsverantwortung bestmöglich wahrzunehmen“ (Schindler 2011: 211). Eltern und andere Erziehende haben – diesen verfassungsrechtlichen Vorgaben zufolge

Unterstützungsleistungen für Familien werden u. a. im SGB VIII, dem Kinder- und Jugendhilfegesetz, normiert. Wie alle Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe, haben auch diese der Verwirklichung des Rechts jedes jungen Menschen auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen, gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu dienen (§ 1 SGB VIII). Dieser Anspruch gilt auch für die Familienbildung, welche als Leistung der allgemeinen Förderung der Erziehung in § 16 Abs. 2 Nr. 1 SGB VIII verortet ist.

§ 16 Allgemeine Förderung der Erziehung in der Familie

(1) Müttern, Vätern, anderen Erziehungsberechtigten und jungen Menschen sollen Leistungen der allgemeinen Förderung der Erziehung in der Familie angeboten werden. Sie sollen dazu beitragen, dass Mütter, Väter und andere Erziehungsberechtigte ihre Erziehungsverantwortung besser wahrnehmen können. Sie sollen auch Wege aufzeigen, wie Konfliktsituationen in der Familie gewaltfrei gelöst werden können. (2) Leistungen zur Förderung der Erziehung in der Familie sind insbesondere 1. Angebote der Familienbildung, die auf Bedürfnisse und Interessen sowie auf Erfahrungen von Familien in unterschiedlichen Lebenslagen und Erziehungssituationen eingehen, die Familien in ihrer Gesundheitskompetenz stärken, die Familie zur Mitarbeit in Erziehungseinrichtungen und in Formen der Selbst- und Nachbarschaftshilfe besser befähigen sowie junge Menschen auf Ehe, Partnerschaft und das Zusammenleben mit Kindern vorbereiten, 2. Angebote der Beratung in allgemeinen Fragen der Erziehung und Entwicklung junger Menschen, 3. Angebote der Familienfreizeit und der Familienerholung, insbesondere in belastenden Familiensituationen, die bei Bedarf die erzieherische Betreuung der Kinder einschließen. (3) Müttern und Vätern sowie schwangeren Frauen und werdenden Vätern sollen Beratung und Hilfe in Fragen der Partnerschaft und des Aufbaus elterlicher Erziehungs- und Beziehungskompetenzen angeboten werden. (4) Das Nähere über Inhalt und Umfang der Aufgaben regelt das Landesrecht.

Ziel der allgemeinen Förderung der Erziehung in der Familie „ist die Vermittlung erzieherischer Kompetenz sowie die Stärkung der Erziehungskraft und des Selbsthilfepotentials durch Bildungs-, Beratungs- und Erholungsangebote für Eltern und ihre Kinder“ (Schindler 2011: 212). Diesen Zielsetzungen liegt die Einsicht zugrunde, dass Erziehung und die Vermittlung grundlegender Fähigkeiten, die das Fundament für lebenslange Bildungsprozesse der nachwachsenden Generation darstellen, in der sozialen Einheit der Familie vermittelt werden, und die Erfüllung von Erziehungsaufgaben für Eltern und Erziehende mit hohen Anforderungen verbunden ist. Das Gesetz folgt dabei einem weiten Verständnis von Familie und basiert auf keinem bestimmten Familienbild: Adressaten des § 16 SGB VIII sind „Mütter, Väter, andere Erziehungsberechtigte und junge Menschen“. Mit diesem weiten Familienbegriff wird den sich stetig wandelnden Familienstrukturen und Lebenswirklichkeiten von Familien entsprochen. Leistungen zur allgemeinen Förderung der Erziehung in der Familie sind präventive Leistungen. Die erzieherischen Ressourcen sollen frühzeitig gestärkt werden, damit Probleme, Belastungen sowie ungünstige Bedingungen in den Familien, die das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen negativ beeinflussen, erst gar nicht entstehen (Wolf 2012: 70f.). Folglich ist die Inanspruchnahme familienbildender Leistungen auch an keinerlei Voraussetzungen und Bedingungen gebunden. Sie

stehen allen Familien offen, unabhängig von der Familienform, dem Vorhandensein einer Problemlage oder eines erzieherischen Bedarfs (Schindler 2011). In Absatz 2 des § 16 SGB VIII werden die einzelnen Leistungen zur Förderung der Erziehung in der Familie benannt, dabei handelt es sich um Angebote, die sich in der Praxis der Jugendhilfe herausgebildet haben. Sie können als drei typische Leistungen der Jugendhilfe im Bereich der allgemeinen Förderung der Erziehung angesehen werden. Der Begriff „insbesondere“ verdeutlicht, dass es sich um aktuelle, bestehende und bekannte Angebote handelt und die Auflistung nicht abschließend zu verstehen ist. Zu den Leistungen zählen im Einzelnen: die Familienbildung, als „basales Element“ (Rupp et. al. 2010: 46), Beratungsleistungen in allgemeinen Fragen der Erziehung und Entwicklung junger Menschen sowie Angebote der Familienfreizeit und Familienerholung. Im Gesetzestext wird Familienbildung weiter konkretisiert. Demnach soll sie vielfältige Angebote für unterschiedliche Bedarfslagen und Erziehungssituationen bereitstellen, Familien dabei unterstützen, in Erziehungseinrichtungen und in Formen der Selbst- und Nachbarschaftshilfe mitzuarbeiten sowie junge Menschen auf Ehe und Partnerschaft und das Leben mit Kindern vorbereiten. Darüber hinaus ist im Gesetzestext jedoch keine umfassende Definition enthalten (Rupp et al. 2010: 48), was die Erarbeitung einer eigenen auf den gesetzlichen Vorgaben aufbauenden Definition von Eltern- und Familienbildung nötig macht (siehe dazu Kapitel 2.4). Seit Einführung des Bundeskinderschutzgesetzes (2012) gehört auch die Vorbereitung, Beratung und Hilfe bzgl. Partnerschaft und im Aufbau von Erziehungs- und Beziehungskompetenzen in den Bereich der Allgemeinen Förderung der Erziehung (Mengel 2014: 19). In diesem Kontext ist darauf hinzuweisen, dass auch der Leistungsbereich Frühe Hilfen u. a. auf dem § 16 SGB VIII basiert, womit zwischen den beiden Bereichen eine große Schnittmenge besteht (siehe dazu auch Kapitel 2.5). Die Bereitstellung familienbildender Angebote wird als eine allgemeine Pflichtaufgabe des Trägers der öffentlichen Jugendhilfe verstanden. Im Rahmen seiner Gesamt- und Planungsverantwortung (§§ 3 Abs. 2 S. 2, 79, 80 SGB VIII) ist er dazu verpflichtet, eine bedarfs- und flächendeckende Angebotsstruktur sicherzustellen und hat dafür zu sorgen, dass Einrichtungen, Dienste und Veranstaltungen rechtzeitig und ausreichend zur Verfügung stehen. Die konkreten familienbildenden Angebote sollen vorrangig von freien Trägern der Jugendhilfe gemacht werden. Nach § 4 Abs. 2 SGB VIII hat der öffentliche Träger dann von eigenen Maßnahmen abzusehen, wenn diese durch freie Träger gemacht werden können (Subsidiaritätsprinzip). Dem öffentlichen Träger der Jugendhilfe kommen damit vorrangig „koordinierende, strukturierende und überwachende Aufgaben zu“ (Rupp et al. 2010: 49). Für über das bundesweit geltende SGB VIII hinausgehende Regelungen zur Familienbildung sind die Bundesländer zuständig. Das Bayerische Gesetz zur Ausführung der Sozialgesetze (BayAGSG) vom 08.12.2006 enthält jedoch keine – über Zuständigkeitsregelungen und den Vorrang freier Träger – hinausgehenden Bestimmungen zur Familienbildung. Neben dem SGB VIII ist auch das Gesetz zur Förderung der Erwachsenenbildung für die Familienbildung von Bedeutung: Zum einen gehören zu den (Haupt-)Adressaten vorrangig Eltern – und damit Erwachsene – und zum anderen ist Familienbildung auch in vielen Einrichtungen der Erwachsenenbildung fest verankert. Im Gegensatz zum SGB VIII hat die Erwachsenenbildung jedoch einen anderen Fokus auf Familienbildung: Hier steht weniger die Förderung der Entwicklung und die Erziehung der Kinder bzw. der jungen Menschen zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten durch die Eltern im Mittelpunkt, sondern vielmehr die Eltern als erwachsene Lernende (Rupp et. al. 2010). Durch diese Perspektive sowie die damit verbundenen unterschiedlichen Themen und Methoden bereichert die Erwachsenenbildung die kommunale familienbildende Angebotslandschaft. Das vorliegende Familienbildungskonzept baut auf der Prämisse auf, dass Familienbildung ein Aufgabengebiet der Kinder- und Jugendhilfe ist. Sie ist zwar vielfach nicht fachlich und institutionell in der Organisationsstruktur des Trägers der öffentlichen Jugendhilfe verankert, dennoch hat das örtliche Jugendamt die Gesamtverantwortung einschließlich der Planungsverantwortung für diesen Leistungsbereich. Bei der Ausübung der Planungsaufgaben sind die familienbildenden Angebote aus dem Bereich der Erwachsenenbildung jedoch unbedingt zu berücksichtigen.

2.4 Definition und Verständnis von Familienbildung

Wie bereits erläutert, enthält die gesetzliche Grundlage der Familienbildung (§ 16 Abs. 2 Nr. 1 SGB VIII) keine umfassende Definition. Auch eine übergreifende, einheitliche, bundesweit akzeptierte Definition von Familienbildung existiert bislang nicht. Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe sind somit gefordert, aufbauend auf den gesetzlichen Grundlagen und gemeinsam mit den Anbietern und vor Ort, ein von allen Akteuren geteiltes Verständnis von Familienbildung zu erarbeiten. Ausgehend von Textor (1996) werden im Folgenden die Themen, Inhalte und Ziele der Familienbildung herausgearbeitet, um darauf aufbauend eine Definition bzw. ein Verständnis von Familienbildung für die Stadt Nürnberg zu entwickeln. In seinen Erläuterungen zum § 16 SGB VIII betont Textor (1996), dass Familienerziehung und damit auch Maßnahmen zur allgemeinen Förderung der Erziehung in der Familie nicht isoliert gesehen werden können. Erziehung in der Familie und die darin eingebettete Entwicklung junger Menschen stehen in Abhängigkeit zahlreicher Prozesse und Bedingungen, die sich auch gegenseitig beeinflussen. Analytisch unterscheidet er zwischen folgenden individuellen, familialen und außerfamilialen Faktoren (siehe Abb. 1).

Abb. 1: Einflussfaktoren auf die Erziehung und Entwicklung junger Menschen

Abbildung 1

Quelle: Textor 1996: 35

Aus diesen beeinflussenden Faktoren lassen sich die folgenden Ansatzpunkte für Eltern- und Familienbildung herausarbeiten:  einzelne Phasen bzw. Übergänge im Familienzyklus,  einzelne Familienfunktionen bzw. Aufgabenbereiche (Erziehung, Ernährung, Hausarbeit, Freizeitgestaltung usw.),  besondere Lebenssituationen (z. B. Alleinerziehende, Stiefelternschaft oder Zusammenleben mehrerer Generationen) sowie

 besondere Familienbelastungen (z. B. Arbeitslosigkeit, Versorgung einer pflegebedürftigen Person, Geburt eines behinderten Kindes, Überschuldung). Ein Blick auf die historische Entwicklung von Familienbildung zeigt, dass die Themen, Inhalte und Methoden einem je aktuellen Problemverständnis familialer Existenz folgten. Ende des 19. Jahrhunderts führte die hohe Sterblichkeitsquote von Säuglingen zu Angeboten der Mütterbildung, welche die jungen Mütter in Hygienemaßnahmen unterrichtete. Später sollten junge Mädchen in Ehevorbereitungskursen Anleitung zur Haushaltsführung erlernen. Dann folgten familienbegleitende Programme und pädagogische Fragestellungen, die sich aber noch vorwiegend an den weiblichen Elternteil richteten. Mit der Hinterfragung von Erziehungsstilen und den veränderten vielfältigen Formen von Familie kam es auch zum Ausbau und einer Vielfalt an Themen in den Familienbildungseinrichtungen: Eltern-Kind-Gruppen in Kirchengemeinden, Projekte der Familienselbsthilfe, Kurse und Informationsveranstaltungen zu Gesundheitsthemen – auch im Zusammenhang mit der Umweltdiskussion – wurden ins Angebot aufgenommen. In den 80er Jahren folgte dann der Ausbau der Familienselbsthilfe, Fragen der Partizipation und der gesellschaftlichen Bedeutung von Familie und Erziehung sowie der Betreuung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf kamen auf. Heute gibt es im Arbeitsfeld der Eltern- und Familienbildung vielfältige Angebotskonzepte, die sich zahlreichen Inhalten widmen: In Kursen, offenen Veranstaltungen, Elternabenden, Informationsabenden, Beratungsgesprächen usw. spielen insbesondere die folgenden Themen eine Rolle:  Lernen, Familie zu leben – eine „Ungelerntenrolle“: Familie zu leben bringt es mit sich, dass verschiedene (hier idealtypisch dargestellte) Familienzyklen durchlebt werden: Es beginnt mit der Ablösung von den eigenen Eltern, der Werbungsphase und Kennenlernen eines Partners. Bei der Gründung eines gemeinsamen Haushaltes müssen dann eine Vielzahl von gemeinsamen Vereinbarungen getroffen werden. Schwangerschaft und Geburt leiten den dritten Zyklus der Familienphasen ein. Aufgaben wie die Vorbereitung auf die Geburt und die Übernahme der Elternrolle bei gleichzeitigem Erhalt der Partner-Rolle müssen bewältigt werden. Mit der Einschulung des Kindes erfährt die Familie eine Öffnung nach außen und auch mehr soziale Kontrolle. Die Kinder werden zunehmend selbständiger und erfahren andere Werte und Normen, als die von den Eltern vermittelten. Im folgenden Zyklus kommt es dann zur Ablösung der Kinder und deren eigene Partner- und Berufssuche. Nach dem Auszug der erwachsenen Kinder erfahren die (Ehe-)Partner eine neue Bedeutung, vielfach ist die Versorgung und Pflege der eigenen betagten Eltern sicherzustellen. Im letzten Familienzyklus steht die Gestaltung des Ruhestandes, die Beziehung zu den Enkelkindern und die eigene Auseinandersetzung mit den altersbedingten körperlichen und geistigen Veränderungen im Fokus. Schließlich steht die Auseinandersetzung mit der eigenen und der Endlichkeit des Partners an (Textor 1996).  Die Eltern sind Orientierung für die eigene Lebensführung: Die Vorstellungen vom Familienleben werden durch individuelle, familiale und außerfamiliale Faktoren beeinflusst. Neben den persönlichen Erfahrungen und dem Modell der eigenen Eltern spielen viele weitere außerhalb der Familie liegende Einflüsse eine Rolle.  Familienleben – Privatsache und öffentliches Interesse: Einerseits ist Familienleben Privatsache, so muss die Aufgabenverteilung innerhalb der Familie beispielsweise selbständig zwischen den Eltern ausgehandelt werden, andererseits werden Entscheidungsmöglichkeiten der Partner durch gesellschaftliche Rahmenbedingungen geprägt. An gelingender Elternschaft und gelingender Erziehung von Kindern und Jugendlichen besteht großes öffentliches Interesse. Damit besteht auch eine gesellschaftliche Verantwortung, Rücksicht auf kindliche und elterliche Belange zu nehmen. Rahmenbedingungen, die als „strukturelle Rücksichtslosigkeit gegenüber Familien“ (BMFSFJ 1994) beschrieben werden können, behindern Eltern dabei, das Beste für ihre Kinder zu leisten.  Individualisierung und Vielfalt: Die Familie ist starken Wandlungsprozessen unterworfen. Individualisierungsprozesse und die damit einhergehende Vielfalt der Familienformen stellen Erziehende vor neue Herausforderungen bei der sie Begleitung oder Unterstützung benötigen können. Die Anforderungen der Arbeitswelt führen häufig zu massiven Belastungen innerhalb der Familien. Räumliche, wie auch zeitliche Flexibilität bringen Eltern an die Grenzen der

Belastbarkeit. Gleichzeitig fehlen Netzwerke, zum Beispiel Großeltern und nahe Verwandte, die bei der Überbrückung von Engpässen zur Verfügung stehen.  Bildungs- und Lernmotivation: Familienerziehung in ihrer Bedeutung für das Lernen und das Verhalten der Kinder hat wesentlichen Anteil an der Qualität der Eltern-Kind-Beziehung. PISA und andere internationale Vergleichsstudien haben gezeigt, dass der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und schulischem Erfolg in keinem anderen Industrieland einen so engen Zusammenhang aufweist, wie in Deutschland. Besonders betroffen sind Kinder mit Migrationshintergrund.  Entwicklungsaufgaben, Erziehung und Beziehungskompetenzen: Das Erziehungsklima, die Persönlichkeitsmerkmale der Eltern sowie die Beziehung der Eltern zueinander haben großen Einfluss auf die Lernerfahrungen der Kinder. Familienbildung kann und soll also die Aufgaben, die begleitend zur Entwicklung der Kinder immer wieder zu neuen Herausforderungen führen, aufgreifen. Familienbildung hat folgerichtig die Eltern im Fokus bei der Förderung von Beziehungskompetenzen und Unterstützung bei der Erziehungsarbeit, ohne dabei die Kinder aus dem Blick zu verlieren. Aus den Themen und Inhalten der Familienbildung lassen sich allgemeine Ziele der Eltern- und Familienbildung ableiten: Abstrahiert formuliert dient Familienbildung der Stärkung bzw. Entwicklung  der elterlichen Erziehungskompetenz,  der Beziehungskompetenz,  der Alltagskompetenz,  der Medienkompetenz,  der Ernährung-, Bewegungs- und Gesundheitskompetenz,  der Mitwirkungs-, Gestaltungs- und Partizipationskompetenz. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen kann das Verständnis von Familienbildung in der Stadt Nürnberg, wie folgt zusammengefasst werden:

Eltern- und Familienbildung dient der Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz, d.h. der Unterstützung von Eltern bei der Wahrnehmung ihrer Erziehungsverantwortung. Dazu gehört, Eltern und Familien auf die Bewältigung des Familienalltags vorzubereiten und zu begleiten sowie sie bei, der Kinder- und Säuglingspflege, der Gesundheitsvorsorge, der Klärung von Ernährungsfragen, der Entwicklungsförderung und Bildung, der gesellschaftlichen Partizipation und Teilhabe sowie bei Vereinbarkeitsfragen und Haushaltsorganisation zu unterstützen. Dabei wird die Familie als Ganzes in den Blick genommen; Familienbildung richtet sich an alle Familienmitglieder, und begleitet und unterstützt in verschiedenen Lebensphasen, insbesondere in Übergangssituationen, wie z. B. im Übergang zur Elternschaft, wenn aus Partnern Eltern werden, in Trennungssituationen oder nach der aktiven Erziehungsphase, wenn die Kinder ausziehen. Familienbildung ist eine präventive Leistung der Kinder- und Jugendhilfe, durch frühzeitige Stärkung familialer Ressourcen soll die Entstehung von Problem- und Belastungssituationen mit negativen Auswirkungen auf das Aufwachsen von Kindern verhindert werden. Familienbildung ist von Angeboten der Unterhaltung sowie reinen Freizeitaktivitäten einerseits sowie von therapeutischer Intervention andererseits abzugrenzen, soll jedoch Übergänge in andere Formen der sozialen Unterstützung von Familien schaffen und ermöglichen.

2.5 Familienbildung – ein weites Feld?

Eltern- und Familienbildung findet in unterschiedlichen Formen statt. Analytisch wird zwischen drei Formen unterschieden (Rupp et. al. 2010). Die Übergänge zwischen den einzelnen Formen sind jedoch fließend.  Institutionelle Familienbildung findet in expliziten Bildungseinrichtungen der Familienbildung, der Erwachsenenbildung oder des Bildungs- und Betreuungssystems statt. In der Regel handelt es sich um Angebote der Wissensvermittlung, die auf einem Curriculum bzw. Konzept basieren. Klassische Beispiele sind Elternkurse oder Elterntrainings in Familienbildungsstätten,

Einrichtungen der Erwachsenenbildung, in Kindertageseinrichtungen oder anderen Einrichtungen in öffentlicher und freien Trägerschaft.  Informelle Familienbildung bzw. Familienselbsthilfe umfasst Wissens- und Erfahrungsaustausch, Information, Orientierung und Vernetzung unter Eltern oder die Weitergabe von Erfahrungswissen über die Generationen. Als Beispiele können Angebote der Familienselbsthilfe, wie Müttertreffs, Stammtische oder Nachbarschaftshilfe genannt werden.  Mediale Familienbildung umfasst Wissensvermittlung über Printmedien, wie z.B. über Bücher, Zeitschriften, Broschüren und Elternbriefe. Zunehmend Bedeutung gewinnen elektronische und digitale Medien, wie z. B. Chats und Foren für Eltern im Internet sowie Apps für Eltern. Heitkötter und Thiessen (2011) führen als vierte Form die mobile, aufsuchende Familienbildung ein, die sich vorrangig an Familien richtet, die mit den ersten drei Formen kaum erreicht werden. Die Angebote basieren auf einer Geh-Struktur, d. h. die Familien werden in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld, wie zu Hause (Hausbesuchsprogramme), an Spielplätzen oder im Supermarkt aufgesucht und unterstützt. Da aufsuchende Familienbildungsangebote jedoch in der Regel auf einem strukturierten Konzept beruhen und von Einrichtungen der institutionellen Familienbildung umgesetzt werden, wird diese Form im vorliegenden Konzept unter die institutionelle Familienbildung subsumiert. In der Praxis lassen sich die Formen der Familienbildung nicht immer streng voneinander abgrenzen, sondern es bestehen fließende Übergänge. So gibt es neben der institutionalisierten Elternund Familienbildung zahlreiche Handlungsfelder der Kinder- und Jugendhilfe, in denen Elemente der Eltern- und Familienbildung quasi mitlaufen bzw. integriert sind. Im Folgenden werden die Formen der Familienbildung näher erläutert.

Institutionelle Familienbildung

Die zentralen institutionellen Akteure der Familienbildung sind Familienbildungsstätten. Sie werden von Kirchen, Wohlfahrtsverbänden und klassischen Trägern der Kinder- und Jugendhilfe getragen. Ihre Programme und Angebote sind lokal ausgerichtet und orientieren sich an den Bedarfslagen und der Nachfrage vor Ort. Grundsätzlich sehen sie ihre Aufgabe darin, Familien, also Frauen, Männer und Kinder bei der Gestaltung ihres persönlichen und gemeinsamen Alltags in der Familie zu unterstützen. Die Angebote der Familienbildungsstätten orientieren sich am Familienzyklus. Meist liegt der Fokus jedoch auf der ersten Phase des Familienlebens, die der werdenden und jungen Eltern. Zur Angebotspalette gehören besonders Geburtsvorbereitung und -nachsorge, Rückbildung, Eltern-Kind-Programme (z.B. PEKiP) sowie Eltern-Kind-Gruppen. Aber auch Kurse, Seminare, Trainings, Gesprächsforen und Vorträge zu vielfältigen Themen der Erziehung, Elternschaft und Partnerschaft bereichern das Programm. Hinzu kommen Angebote zur gemeinsamen Freizeitgestaltung, Kurse zur religiösen Erziehung und Spiritualität, Selbsterfahrung und Selbstmanagement, Gesundheit, Bewegung und Entspannung, Haushalt, Ernährung und kreatives Gestalten. Mit spezifischen Angeboten werden Alleinerziehende, sozial benachteiligte Familien und Familien mit Migrationshintergrund angesprochen. Einen weiteren großen Bereich traditioneller Familienbildung stellen die Einrichtungen der Erwachsenenbildung (kommunale Volkshochschulen, Bildungswerke der kirchlichen Träger) dar. Hier ist die Familienbildung integraler Bestandteil eines umfassenderen Programms. Die Bildungsarbeit erfolgt dabei häufig in Zusammenarbeit mit den Kirchen- bzw. kommunalen Gemeinden vor Ort. Auch Beratungsstellen machen Angebote der institutionellen Familienbildung. Vielfach machen diese Einrichtungen jedoch nicht überwiegend Familienbildung. Sie ist integrierter Teil der Beratungsleistungen, darüber hinaus werden aber auch Kursangebote oder Gruppenangebote gemacht.

„Integrierte“ Familienbildung in Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe

Wie bereits oben erläutert, ist Familienbildung integraler Bestandteil in zahlreichen Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe, d.h. Elemente der Eltern- und Familienbildung laufen quasi mit und sind vielfach in die Leistungserbringung eingebunden. Im Folgenden werden einige dieser Handlungsfelder skizziert.

 Allgemeiner Sozialdienst (ASD): Der ASD hält grundsätzlich Beratungsleistung nach § 16 SGB VIII vor. In Bezug auf die Zugänge unterscheidet sich die Leistungserbringung des ASD von anderen Angeboten der Familienbildung: Die Beratung durch den ASD ist anlassbezogen und wird mit einer individuellen Problemstellung abgerufen. Der Zugang erfolgt schriftlich, persönlich oder telefonisch, der Erstkontakt findet direkt oder indirekt über Dritte (Schule, Tageseinrichtung, Polizei etc.) statt. Darüber hinaus bietet der ASD jedoch auch niedrigschwellige, feste Sprechzeiten an (unmittelbarer Zugang), zudem sind Terminvereinbarungen innerhalb der Dienstzeiten möglich (mittelbarer Zugang). Die Beratung selbst kann in den Räumen des ASD und in der häuslichen Umgebung der Klienten stattfinden.

 Frühe Hilfen: Auch die Frühen Hilfen sind ein Leistungsbereich der Kinder- und Jugendhilfe. Er wurde spätestens im Rahmen des Gesetzes zur Stärkung eines aktiven Schutzes von Kindern und Jugendlichen (Bundeskinderschutzgesetz – BKiSchG) fest im SGB VIII verankert (siehe dazu auch Kapitel 2.3). „Frühe Hilfen bilden lokale und regionale Unterstützungssysteme mit möglichst frühzeitigen, koordinierten und multiprofessionellen Hilfsangeboten für Eltern und Kinder ab Beginn der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren“ (Mengel 2014: 7). Frühe Hilfen sollen zum einen präventiv dazu beitragen, dass Risikofaktoren für die kindliche Entwicklung vermieden und die Sicherheit, Förderung und Bildung des Kindes und seiner Eltern unterstützt werden, zum anderen sollen sie aber auch Risiken für die Entwicklung des Kindes erkennen und belasteten Familien passgenaue Unterstützungsangebote machen (Nationales Zentrum Frühe Hilfen 2009). Der Leistungsbereich hat damit sowohl Schnittstellen mit der präventiv ausgerichteten Familienbildung als auch mit den erzieherischen Hilfen (siehe Abbildung 2). Frühe Hilfen grenzen sich insbesondere dann von der allgemeinen Förderung der Erziehung und damit der Familienbildung ab, sobald die Angebotsteilnahme für die betreffenden Elternteile bzw. Paare mit einer Bedarfsprüfung bzw. Antragsstellung verbunden ist, d.h. das Angebot steht nicht mehr allen Familien offen, sondern ist an eine Bedarfslage gebunden. Zu den Kernleistungen der Frühen Hilfen zählen: Multiprofessionelle Unterstützungsangebote für Familien mit Kindern von null bis drei Jahren, Erkennen von Belastungssituationen mit einer frühzeitigen Vermittlung passgenauer Hilfen sowie die Vernetzung und Kooperation der Akteure.

Abb. 2: Positionierung Früher Hilfen im SGB VIII

Abbildung 2

Quelle: Mengel (2014)

 Familienbildung bei den Erziehungsberatungsstellen: Bei den Erziehungsberatungsstellen ist die Schnittmenge zur Familienbildung ebenfalls groß, insbesondere bei den Gruppenangeboten, Kursen sowie Kooperationsprojekten in Kindertageseinrichtungen, mit Schulen und den Ansätzen der Stadtteilvernetzung. Kurse für den Übergang zur Elternschaft und zum Umgang mit dem/den Neugeborenen wurden insbesondere in den letzten Jahren, im Zusammenhang mit dem § 8a SGB VIII ausgebaut. Darüber hinaus bieten Erziehungsberatungsstellen auch Elterntrainings zur Pubertät an. Die Angebote werden auch in enger Kooperation mit Einrichtungen gemacht, die den Eltern bereits vertraut sind.

 Kindertageseinrichtungen: Familienbildung, Bildungs- und Erziehungspartnerschaften mit Eltern haben in Kindertageseinrichtungen eine lange Tradition. Gerade hier werden fast alle Eltern erreicht, denn Einrichtung und Personal sind den Eltern in der Regel vertraut, die Hemmschwelle, Unterstützungsangebote in Anspruch zu nehmen, ist niedriger. Erziehungsfragen, Entwicklungsaufgaben, Fragen der Ernährung, Gesundheit werden auf verschiedenen Wegen in Kindertageseinrichtungen thematisiert und sind fester Bestandteil der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Eltern. Als bedarfsgerechte Reaktion auf die Anforderungen, mit denen Eltern und Familien heute konfrontiert sind, haben sich in den letzten Jahren Kindertageseinrichtungen vielfach zu familienunterstützenden Einrichtungen, mit einem integrierten Angebotsspektrum weiterentwickelt. Ziel ist eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Eltern zum Wohle des Kindes. Die Konzepte und Namen dieser familienunterstützenden Einrichtungen unterscheiden sich bundesweit. In der Regel ist das Angebot auf die konkreten Bedürfnisse der Elternschaft im jeweiligen Sozialraum ausgerichtet und umfasst neben Bildungsund Betreuungsleistungen, Qualifizierungsangebote und alltagsentlastende, Dienstleistungen. Die Einrichtungen gehen Kooperationen mit Institutionen im Stadtteil ein und versuchen Ehrenamtliche und Eltern in die Arbeit einzubinden (Diller/Schelle 2006).

 Familienbildung in der Kinder- und Jugendarbeit und dem Jugendschutz: Familienbezogene Kinder- und Jugendarbeit ist zwar bislang noch nicht weit verbreitet, aber es gibt sie, beispielsweise im Kontext von Schwangerschaftsfragen bei jungen Mädchen oder sexualpädagogischen Ansätzen. Darüber hinaus beinhaltet die Behandlung von Zukunfts- und Lebensfragen immer auch Ehe-, Familien- und Partneraspekte. Ansatzpunkte für Familienbildung in der Jugendarbeit sind vielfach vorhanden: So stellen Fragen bezüglich der eigenen Rollenfindung und dem Umgang mit dem anderen Geschlecht wesentliche Entwicklungsaufgaben dieser Altersgruppe dar, hier bietet es sich an u. a. Genderfragen zu thematisieren. Die Auseinandersetzungen mit den eigenen Erziehungserfahrungen können zum Anlass genommen werden, sich über Erziehungsstile, Erziehungsaufgaben und Erziehungsverantwortung zu informieren und auszutauschen. Dabei können eigene Haltungen hinterfragt und neue Modelle überprüft werden. Gute Möglichkeiten bieten die Qualifizierung zu Babysittern oder die Vorbereitung ehrenamtlicher Helfer in der Ferienbetreuung.

Informelle Familienbildung

Informelle Familienbildung ist dadurch gekennzeichnet, dass sie außerhalb institutioneller Zusammenhänge und ohne professionelle Anleitung und Begleitung stattfindet. Die bekanntesten Akteure in diesem Bereich sind Mütter- und Familienzentren, die auf der Grundlage von Selbstorganisation, Selbstverwaltung und Hilfe zur Selbsthilfe organisiert sind. Im Rahmen ihres selbsthilfeorientierten Konzeptes, werden die Besucherinnen dazu ermuntert und ermutigt, sich in die Arbeit des Zentrums einzubringen. In der Regel wird eine angebotsbegleitende Kinderbetreuung angeboten. Neben Mütter- und Familienzentren zählt auch die Arbeit vieler Elternvereine oder der Erfahrungsaustausch von Eltern ohne professionelle Begleitung zur informellen Familienbildung. Der Übergang zur institutionellen Familienbildung ist fließend, so kann beispielsweise ein Elternstammtisch institutionell geplant und organisiert sein, jedoch ohne fachliche Begleitung stattfinden.

Mediale Familienbildung

Eltern erhalten in allen Medien Informationen zu Familien- und Erziehungsfragen: Vom Grundsatzartikel über die Bedeutung der musikalischen Früherziehung, von der Super-Nanny bis zum komplexen Elternratgeber. Eine Besonderheit stellen Elternbriefe dar, beispielsweise die vom Bayerischen Landesjugendamt entwickelten oder die des Arbeitskreises Neue Erziehung. Idealerweise werden sie den Eltern kontinuierlich und passend zum jeweiligen Alters- und Entwicklungsabschnitt des Kindes zugeschickt, um sie bei ihren Erziehungsaufgaben zu unterstützen. In Ergänzung zu den Eltern-Kind-Angeboten in Kirchengemeinden hat der Fachbereich Erwachsenen- und Familienbildung im Zentrum Bildung der Evangelischen Kirche in Hessen und

Nassau eine Internetseite mit Selbstlernmodulen rund um Erziehungsfragen und den Familienalltag aufgebaut. Im Online-Angebot erhalten Eltern digital Zugang zu nicht kommerziellen, fachlich fundierten Wissensinhalten (www.digitale-elternbildung.de). Auch die Bundesarbeitsgemeinschaft Familienbildung und Beratung e.V. hat ein e-learning-Programm zur Stärkung der Erziehungskompetenz entwickelt (Impact-Improving Parenting Competences). Das Programm basiert auf dem EFFEKT-Trainingskurs und wurde von der Universität Erlangen-Nürnberg evaluiert (www.impact-familienbildung.de). Zudem macht die Jugendhilfe mediale familienbildende Angebote, dazu gehören z. B. das online verfügbare Familienhandbuch (www.familienhandbuch.de), welches über Erziehung, familienpolitische Leistungen und mögliche Hilfsangebote informiert. Die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e.V. (BKE) bietet interaktive, professionelle und kostenlose Beratung für Eltern und Jugendliche über das Internet an. Darüber hinaus informieren zahlreiche Internetseiten zu Familienthemen: „Aktiv für Eltern“ gibt den Eltern eine Stimme und erlaubt es ihnen, sich über Erziehungsfragen auszutauschen. Mediale Kampagnen und Projekte, wie die bundesweit eingeführten über 550 Lokalen Bündnisse für Familie vermitteln über eine Vielzahl von kleinen und großen Projekten eine positive Bewertung der Familienarbeit. Das Land Bayern führt mit „Eltern im Netz“ (www.elternimnetz.de) über die Eingabe der Postleitzahl direkt zu einem Ansprechpartner. Die Internetseiten des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, wie auch des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales bieten ebenfalls umfassende Informationen für Eltern. Auch Zeitschriften und Elternverbände oder Vereine sind mit einem großen Angebot von Informationen im Internet vertreten. Beispielhaft zu nennen sind „Die deutsche Liga für das Kind“, "Eltern family.de", "Deutscher Elternverband" oder einfach "Umstaendehalber".

2.6 Zielgruppen der Familienbildung

Familienbildung ist eine komplexe Aufgabe, denn  Familie ist ein vielschichtiges und wechselwirksames System aus Erwachsenen und Kindern,  Eltern und Kinder sind Individuen und haben ihre eigenen Einstellungen, Fähigkeiten, Ressourcen, Bedürfnisse sowie Lern- und Handlungsmotive,  unterschiedliche Lebenslagen und Lebenssituationen prägen das Familienleben,  Erziehung ist teilweise bewusstes Handeln, findet zum Großteil jedoch eingebettet in den gemeinsamen Familienalltag statt und  Elternschaft kann kaum isoliert von anderen Aufgaben und Rollen Erwachsener gesehen werden (Rupp et al. 2010: 58). Pädagogische Bemühungen zur Förderung der Erziehungskraft in Familien haben diese komplexen und wechselseitigen Abhängigkeiten zu berücksichtigen und richten sich damit prinzipiell an das System Familie als Ganzes. Entsprechend gehören alle Familienmitglieder zu den Adressaten der Familienbildung. Textor (1996) unterscheidet insgesamt zehn Zielgruppen: 1. Jugendliche und Heranwachsende 2. junge Erwachsene mit (festem) Partner 3. Paare mit konkreter Heiratsabsicht 4. Ehepaare ohne Kinder (direkt nach der Heirat, nach Ablösung der Kinder, infertile Paare) 5. Ehepaare mit Kindern (weiter differenzierbar nach deren Alter) 6. ganze Familien 7. nichteheliche Lebensgemeinschaften (mit/ohne Kinder) 8. Alleinerziehende (mit nichtehelichen Kindern, nach Trennung/Scheidung, nach Verwitwung) 9. Zweitfamilien und Familien mit Gast-Stiefkindern 10. Familien mit behinderten, chronisch kranken, pflegebedürftigen, suchtkranken usw. Mitgliedern.

Für die Alltags- und Lebensgestaltung von Familien mindestens ebenso bedeutsam wie die Familienform ist jedoch die Lebenslage und ggf. die Belastungssituation, die mit unterschiedlichen Fragen und Bedürfnissen verbunden sind. So sind die Bedürfnisse von Familien mit einem behinderten oder pflegebedürftigen Familienmitglied andere, als die einer Familie im Scheidungsverfahren mit größeren finanziellen Problemen. Familienbildung richtet sich an Familien in allen Lebenslagen, d. h. unabhängig von ihrer Lebenssituation haben alle Familien das Recht auf präventive Unterstützung und Begleitung in Fragen zur Erziehung.

3. Familien in Nürnberg

Im März 2015 und 2019 veröffentlichte das Bündnis für Familie den ersten und dritten (umfassenden) Nürnberger Familienbericht. Anhand quantitativer und qualitativer Daten beleuchtet er die Lebenslagen von Familien und ermöglicht damit „einen umfassenden Blick auf das Leben von Familien in Nürnberg“ (Bündnis für Familie 2019: 5). Im Folgenden werden die für den Leistungsbereich Familienbildung relevanten Berichtsergebnisse vorgestellt und ggf. um verfügbare relevante weitere Daten ergänzt.

3.1 Familienformen und Familiengröße

Im Jahre 2017 gab es in Nürnberg insgesamt 282.589 Haushalte. 49.633 davon (17,6 %), sind Familienhaushalte, also Haushalte mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren. Jeder dritte Nürnberger lebt in einem solchen Familienhaushalt. Die Familienhaushalte verteilen sich unterschiedlich auf die Statistischen Bezirke5 im Nürnberger Stadtgebiet. Insgesamt gesehen, ist der Anteil an Familienhaushalten relativ hoch in Bezirken mit Stadtrandlage und einem hohen Anteil an Ein- und Zweifamilienhäusern sowie in innerstädtischen Bezirken mit einem hohen Anteil an gefördertem Wohnraum. Den höchsten Anteil an Familienhaushalten haben die Bezirke Katzwanger Straße (47,6 %) und Rangierbahnhof (35,2 %). Den geringsten Anteil an Familienhaushalten haben mit maximal 10 % innerstädtische Bezirke, wie St. Lorenz und St. Sebald (siehe Karte 1 im Anhang 1). Die Zahl der Familienhaushalte wird u a. durch die Geburtenzahlen geprägt. Erfreulicherweise steigt die Zahl der in Nürnberg Geborenen seit 2005 wieder an, so dass 2016 insgesamt 5.539 und 2017 insgesamt 5.482 Neugeborene gezählt werden konnten. Betrachtet man die Geburtenzahlen differenziert für die einzelnen statistischen Bezirke, wiesen 2013 Galgenhof, Glockenhof, St. Leonhard und Steinbühl (169) die höchsten Geburtenzahlen auf, während sie in Brunn, Maiach und Altenfurt Nord besonders niedrig sind. Das Familienleben in Nürnberg ist vielfältig. In der Familienforschung unterscheidet man eine Vielzahl unterschiedlicher Familienformen, z. B. Ein-Eltern-, Scheidungs-, Stief-, Patchwork-, Adoptiv- Pflege-, Mehrgenerationen- und Regenbogenfamilien. Nicht alle dieser Familienformen lassen sich auch statistisch identifizieren. In der Einwohnermeldestatistik ist eine Unterscheidung von Ehepaaren, nichtehelichen Lebensgemeinschaften und Alleinerziehenden möglich:6  Bei einem Großteil der Nürnberger Familienhaushalte (67,8 %) handelt es sich um Ehepaare mit Kindern. In 48,1 % dieser Haushalte lebt ein Kind, in 39,7 % zwei Kinder und in 12,2 % drei und mehr Kinder. Es ist jedoch zu bedenken, dass sich in dieser Kategorie eine Vielzahl unterschiedlicher Familienformen, wie z. B. Stief-Familien oder Patchwork-Familien, verbirgt.  Nichtehelich zusammenlebende Paare machen 9,3 % aller Familienhaushalte aus. Ein Großteil von ihnen lebt mit einem Kind (63,8 %) ein gutes Viertel mit zwei Kindern (27,1 %) und 9 % mit drei und mehr Kindern im Haushalt zusammen.  In knapp 23 % der Nürnberger Familienhaushalte wachsen Kinder bei Alleinerziehenden auf, in der Regel bei ihren Müttern. Der Anteil alleinerziehender Väter an allen Nürnberger Alleinerziehenden liegt bei 10 %. Der Großteil der Alleinerziehenden lebt mit einem Kind im Haushalt zusammen, insgesamt 66,2 % der alleinerziehenden Mütter und 78,1 % der alleinerziehenden Väter. Zwei Kinder wachsen bei 26,2 % der alleinerziehenden Mütter und 18,4 % der alleinerziehenden Väter auf. 6,9 % der alleinerziehenden Mütter und 3,5 % der alleinerziehenden Väter haben drei und mehr Kinder. Wie aus den Karten 2 und 3 im Anhang 1 zu erkennen ist, verteilen sich die Haushalte alleinerziehender Familien und die Familienhaushalte mit drei und mehr Kindern nicht gleichmäßig über das

5 Das Nürnberger Stadtgebiet ist in 87 statistische Bezirke untergliedert. Die einzelnen Bezirke setzen sich aus bis zu zehn statistischen Distrikten zusammen. 6 Um die Vielfalt des Familienlebens in Nürnberg sichtbar zu machen, werden im Nürnberger Familienbericht die quantitativen Daten zur Familienstruktur um Interviews mit Familien ergänzt, deren Lebensform statistisch nicht erfasst werden kann.

Stadtgebiet. Der Anteil Alleinerziehender ist mit jeweils über 30 % in Ludwigsfeld, Gibitzenhof, Dianastraße Schweinau, Schoppershof und Langwasser Südost besonders hoch. In Stadtrandlagen mit einem hohen Anteil Ein- und Zweifamilienhäusern ist er am niedrigsten. Den höchsten Anteil an Familienhaushalten mit drei und mehr Kindern haben Muggenhof (17,6 %) und Langwasser Nordost (17,5%). Dies sind Stadtteile mit größeren Wohnungen, die im Vergleich zu anderen Statistischen Bezirken relativ günstig sind. In Stadtrandlage fallen Buch und Buchenbühl, beides Bezirke mit einem hohen Anteil an 1- und 2-Familien-Häusern, mit einem Anteil kinderreicher Familien von 14,5 % und 14,0 % auf. Die Entwicklung der Familienformen im Zeitverlauf, zeigt einen relativ konstanten Verlauf. Der Anteil der Ehepaarfamilien ist seit 2008 von 68,5% auf 67,8% etwas zurückgegangen, der Anteil nichtehelicher Lebensgemeinschaften mit Kind ist im gleichen Zeitraum mit 2,8 Prozentpunkten leicht gestiegen und der Anteil alleinerziehender Mütter und Väter ist um 2 Prozentpunkte zurückgegangen.

3.2 Lebenslagen von Familien

Im Familienbericht werden die Lebenslagen von Familien anhand zwei Dimensionen beschrieben: dem Migrationshintergrund sowie der materiellen Lage. Vor dem Hintergrund der Integrationsleistungen gewinnt erstgenannte für die Gestaltung von Familienbildung nochmals an Bedeutung. In 55,4 % der Familienhaushalte hat die Bezugsperson einen Migrationshintergrund. Wählt man als Bezugsgröße Nürnberger Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, zeigt sich, dass ihr Anteil an dieser Altersgruppe bei knapp 65 % liegt (64,5%). Deutlich mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen in Nürnberg haben damit eigene Migrationserfahrung oder stammen aus einer Familie mit Migrationserfahrung. Bei den Familienhaushalten mit Migrationshintergrund ist der Anteil an Ehepaarfamilien etwas höher als bei den Familienhaushalten ohne Migrationshintergrund, der Anteil nichtehelicher Lebensgemeinschaften ist hingegen niedriger. Familienhaushalte mit Migrationshintergrund sind kinderreicher als Familien ohne Migrationshintergrund. Doch auch in der Hälfte der Familien mit Migrationshintergrund lebt nur ein Kind unter 18 Jahren (siehe Abbildung 1 im Anhang 1). Stadtteile mit einem besonders hohen Anteil von Kindern unter 15 Jahren mit Migrationshintergrund sind: Muggenhof mit 94,4%, Katzwanger Straße mit 94,3% sowie Tafelhof, Sandreuth, Rangierbahnhof, Dianatraße und Schweinau mit einem Anteil um die 90 %. Relativ niedrig ist der Anteil in den Statistischen Bezirken Neunhof, Almoshof, Großgründlach und Kraftshof mit Werten zwischen 19 und 24%. (siehe Karte 4 im Anhang 1). Zur Messung der materiellen Lage von Familien in Nürnberg wird im Nürnberger Familienbericht als zentraler Indikator der Bezug von Leistungen nach dem SGB II herangezogen. 8109 Familien erhielten zum Ende 2017 existenzsichernde Transferleistungen nach dem SGB II, dies sind 16,3 % aller Familien. Besonders häufig sind Alleinerziehende auf Leistungen nach dem SGB II angewiesen, ihr Anteil beträgt 39,0 %, während von den Paarfamilien „nur“ 9,6 % Leistungen beziehen. Mit zunehmender Zahl minderjähriger Kinder im Haushalt sind sowohl Alleinerziehende als auch Paarfamilien eher auf SGB II -Leistungen angewiesen, erstgenannte jedoch ausgehend von einem erheblich höherem Niveau: Während Paarfamilien mit drei Kindern zu 18,8% auf SGB II Leistungen angewiesen sind, beträgt der Anteil bei Alleinerziehenden mit einem Kind bereits 32,8 %. Alleinerziehende mit drei Kindern beziehen zu 63,9 % Leistungen nach dem SGB II, bei denjenigen mit vier und mehr Kindern sind es sogar 81,3 %. Mit zunehmendem Alter des jüngsten Kindes sinkt der Bezug von SGB-II-Leistungen. Gründe hierfür liegen u.a. in einer Verringerung der elterlichen Betreuungszeiten und der damit einhergehenden höheren Erwerbsbeteiligung der Eltern bzw. häufig der Mütter. Insgesamt lebten Ende 2017 insgesamt 14.546 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in einer Bedarfsgemeinschaft nach SGB II, das sind 17,8 % aller Minderjährigen! Betrachtet man die Verteilung von Bedarfsgemeinschaften mit Kindern über das Stadtgebiet, ist festzustellen, dass es sich hierbei um statistische Bezirke handelt, in denen auch der Anteil Alleinerziehender und der Anteil von Familien mit Migrationshintergrund besonders hoch ist. Einen besonders hohen Anteil an

SGB II-Bedarfsgemeinschaften gibt es in Tafelhof (52,9 %) sowie in den Bezirken Muggenhof, Dianastraße und Gostenhof. Die Quote in Bezirken in Stadtrandlage ist relativ niedrig und liegt meist unter dem städtischen Durchschnitt von 16,3 % (siehe Karte 5 im Anhang 1).

3.3 Erwerbstätigkeit und Elternzeit

Die Inanspruchnahme von Angeboten der Familienbildung ist u.a. abhängig von der verfügbaren Zeit der Eltern, welche u.a. von der Inanspruchnahme von Elternzeit und der Erwerbstätigkeit beeinflusst wird. So hat sich beispielsweise mit der Zunahme der mütterlichen Erwerbsneigung und schnelleren Eintritt in den Arbeitsmarkt nach der Geburt des Kindes, die Inanspruchnahme von Eltern-Kind-Gruppen in den Kirchengemeinden deutlich reduziert. Unterschiede zwischen Müttern und Vätern zeigen sich bei der Erwerbstätigkeit. So sind Väter deutlich häufiger Vollzeit erwerbstätig als Mütter. Während erstgenannte zu 81 % Vollzeit arbeiten, sind es 16 % bei letztgenannten. Der Unterschied zwischen Müttern in Paarfamilien und Alleinerziehenden ist dabei nur gering. Teilzeitbeschäftigungsverhältnisse7 sind bei Müttern deutlich häufiger als bei Vätern. Mütter in Paarfamilien gehen zu 43 % einer Teilzeitbeschäftigung nach, bei den alleinerziehenden Müttern sind es ebenso 43 %. Väter sind im Gegensatz dazu nur zu 3 % Teilzeit erwerbstätig. Der Anteil nicht-erwerbstätiger Väter in Paarfamilien ist ebenfalls relativ gering (12%), Mütter in Paarfamilien sind zu 33% und alleinerziehende Mütter zu 32% nicht erwerbstätig. Im Gegensatz zu Vätern in Paarfamilien hängt die Erwerbstätigkeit der Mütter in Paarfamilien und alleinerziehender Mütter stark vom Alter des jüngsten Kindes ab. Zwei Altersgrenzen sind hier besonders bedeutsam: das Erreichen des Kindergartenalters sowie die Beendigung der Grundschulzeit. Zum 1. Juli 2015 wurde das Elterngeld Plus eingeführt, die vorliegenden Zahlen zeigen, dass der weitaus größte Teil des Elterngeldbezugs nach wie vor auf die Mütter entfällt (2017). Frauen nutzen auch häufiger das Elterngeld Plus, das bedeutet die Möglichkeit, während des Bezugs des Elterngelds Teilzeit zu arbeiten und die Zeit des Bezugs zu verlängern.

7 Im Nürnberger Familienbericht wird bis zu einer Arbeitszeit von 35 Stunden pro Woche von Teilzeit gesprochen (Bündnis für Familie 2019: 47).

4. Bedarfsermittlung zur Familienbildung: Die Bedürfnisse Nürnberger Eltern

Zur Ermittlung des Bedarfs an familienbildenden Angeboten in Nürnberg erarbeitete das Institut für empirische Soziologie an der Universität Erlangen-Nürnberg (ifes) im Auftrag des Stabs Familienbildung 2011 eine empirische Studie. Diese umfasste:  eine standardisierte Elternbefragung,  40 qualitative Interviews (15 jeweils mit russisch- und türkischsprachigen Personen, 10 mit bildungsbenachteiligten Einheimischen) sowie  11 Experteninterviews. Die Resultate dieser Erhebungen werden im Folgenden zusammenfassend dargestellt und um einschlägige vorliegende Studienergebnisse ergänzt.

4.1 Zentrale Ergebnisse der standardisierten Elternbefragungen

Die Grundgesamtheit der Nürnberger Elternbefragung umfasste Eltern, die in Nürnberg mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren in einem Haushalt leben. Dieses Kriterium trifft auf insgesamt 47.846 Haushalte in Nürnberg zu (Bündnis für Familie 2015). 500 Nürnberger Eltern wurden zufällig ausgewählt und mittels eines standardisierten Fragebogens befragt.8 Eine Betrachtung der Stichprobe anhand ausgewählter soziodemografischer Merkmale der Befragten ergibt folgendes Bild:  73 % der Befragten sind Mütter, 27 % der Befragten Väter.  Ein Großteil der Befragten leben mit ihrem Partner zusammen (86 %). 13 % sind alleinerziehend.  Die Stichprobe setzt sich zu ungefähr 90 % aus Familien zusammen, die zu Hause hauptsächlich deutsch sprechen. Nur 9 % sprechen zu Hause vorrangig eine andere Sprache. 83 % der Befragten sind in Deutschland zur Schule gegangen.9  14 % der Befragten haben einen Mittelschul-, 29 % einen Realschulabschluss, 21 % verfügen über (Fach-) Abitur und 35 % über einen (Fach-) Hochschulabschluss. Nur 0,4 % der Befragten haben keinen Schulabschluss. Vergleicht man die Merkmalsverteilung in der Stichprobe mit der Grundgesamtheit, ist deutlich zu erkennen, dass die Nürnberger Elternbefragung, wie viele Elternbefragungen einen so genannten Bias aufweist (Mühling/Smolka 2007). Das bedeutet, bestimmte Gruppen sind in der Stichprobe überproportional vertreten, hier insbesondere höher gebildete Mütter ohne Migrationshintergrund, die in Paarhaushalten leben. Die Zusammensetzung der Stichprobe wird bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt. Die Elternbefragung stellt jedoch für globale Aussagen zum Bedarf an Familienbildung in Nürnberg eine nutzbare Datenbasis dar. Die Ergebnisse der Elternbefragung zeigen, dass Familienbildung in Nürnberg bekannt ist. 76 % der befragten Elternteile haben schon einmal von Angeboten der Familienbildung, wie z. B. Geburtsvorbereitungskursen, Mutter-Kind-Gruppen oder Vorträgen zu Erziehungsthemen gehört. Hier spielt sicherlich das vergleichbar hohe Bildungsniveau der Befragten eine Rolle. Es kann somit davon ausgegangen werden, dass familienbildende Angebote in höher gebildeten Bevölkerungsgruppen Nürnbergs bekannt sind.

8 Die Stichprobe wurde zufällig aus dem Nürnberger Telefonbuch gezogen. Um auch Familien zu erreichen, die nicht im Telefonbuch eingetragen sind, wurde das Randomized-Last-Digit-Verfahren eingesetzt. Hierbei werden bei den zufällig aus dem Telefonbuch gezogenen Nummern die letzten beiden Ziffern durch eine Zufallszahl zwischen 00 und 99 ersetzt (Svetlova 2011: 4). Der verwendete Fragebogen wurde vom ifb erstellt (Smolka et al. 2013: 89ff). 9 Der Migrationshintergrund der Befragten wurde mittels der Indikatoren „hauptsächlich zu Hause gesprochene Sprache“ und „Land, in dem der Schulabschluss erworben wurde“, erhoben.

Abb. 3: Anteil der Eltern, die schon einmal von Familienbildung gehört haben

Abbildung 3

Eigene Berechnung und Darstellung.

Befragt nach der Nutzung familienbildender Angebote zeigt sich ein anderes Bild: Gut die Hälfte der Befragten haben solche Angebote bereits genutzt, regelmäßig besuchen jedoch nur 10 % der befragten Elternteile die Veranstaltungen.

Abb. 4: Anteil der Eltern, die familienbildende Angebote bereits besucht haben

Abbildung 4

Eigene Berechnung und Darstellung.

Die Nichtteilnahme an familienbildenden Angeboten wurde unterschiedlich begründet (siehe Abb. 4). Häufig wurden die Gründe „kein Bedarf“ sowie keine Zeit angeführt. Die fehlende Bedürfnisgerechtigkeit der Angebote wurde 15 Mal benannt.

Abb. 4: Gründe, ein familienbildendes Angebot nicht wahrzunehmen (absolute Werte)

2 23 6 52
15 11
6 5 3 3 1 0

brauche ich nicht zu wenig Zeit. Themen entsprechen nicht… keine Angaben ungünstige Öffnungs- und Kurszeiten Themen interessieren nicht keine Angebote in der Nähe schlecht erreichbar keine Kinderbetreuungsmöglichkeit Angebote zu teuer Sonstiges

Eigene Darstellung.

Befragt nach dem Themenbereich der genutzten Angebote fällt auf, dass Angebote rund um Schwangerschaft und Geburt besonders häufig besucht werden. Drei Viertel der befragten Elternteile haben an einem solchen Angebot teilgenommen. Auch Mutter-Kind oder Eltern-Kind- Gruppen bzw. Treffen werden relativ häufig besucht, ein gutes Drittel der Befragten hat an einem solchen Angebot teilgenommen. 27 % besuchten Angebote rund um die kindliche Entwicklung, wie z.B. PEKiP-Kurse. Mit 14 % bzw. knapp 13 % gehören auch Angebote zur Gesundheitsförderung sowie zur Freizeitgestaltung in der Familie zu den besser in Anspruch genommenen Angeboten. Wenig Resonanz haben bislang Veranstaltungen rund um schulische Fragen (knapp 5 %) sowie das Thema Jugendliche und Pubertät (2 %) gefunden. Neben den Themen der besuchten Angebote wurden die Eltern auch nach gewünschten Inhalten gefragt: Die Ergebnisse zeigen, dass sich Eltern in Nürnberg mehr Angebote zu den Themen Jugendliche/Pubertät (72 %), Schule und schulische Fragen (61 %) und im Themenbereich Gesundheit (61 %) wünschen. Aber auch Erziehungsthemen und Angebote zur Verbesserung der Erziehungskompetenzen werden gewünscht (61 %). Darüber hinaus besteht Interesse an folgenden weiteren Themen: kindliche Entwicklung (58 %), Vereinbarkeit von Familie und Beruf (57 %) Freizeitgestaltung in bzw. mit der Familie (55 %), Sprachbildung und Sprachförderung für Eltern und Kinder (53 %) sowie zum Thema Problem- und Konfliktbewältigung bzw. Umgang mit belastenden Lebensereignissen (53 %). Knapp 50 % der Befragten wünscht sich auch Angebote mit Themen für Väter. Es ist hier jedoch zu berücksichtigen, dass es sich hierbei auch um Wünsche der Mütter und nicht ausschließlich um Wünsche der Väter selbst handeln dürfte, nur 27 % der Befragten sind männlich.

Abb. 5: Die sechs meist gewünschten Themen der Familienbildung (absolute Werte)

36 0 7
31 30 304 292 86
2

Jugendliche/Pubertät 1

Gesundheit

Erziehungsthemen/-kompetenzen

Schulische Fragen

Kindliche Entwicklung

Vereinbarkeit Familie und Beruf

Eigene Berechnung und Darstellung.

Vergleicht man die Themen, zu denen Eltern bereits familienbildende Veranstaltungen besucht haben, mit denen, zu denen sie sich mehr Angebote wünschen, lässt sich folgendes feststellen: Familienbildende Angebote werden vor allem rund um Schwangerschaft und Geburt und wenn das Kind/die Kinder noch klein sind besucht. Angebote für Eltern mit älteren Kindern, die sich mit schulischen Fragen und mit dem Thema Pubertät befassen, werden bislang deutlich seltener besucht, sie werden jedoch von den Eltern vermehrt gewünscht. Erst nach der Analyse der Bestandserhebung (siehe Kapitel 5) ist festzustellen, ob es in Nürnberg zu wenig Angebote für Eltern mit älteren Kindern gibt, diese unbekannt sind oder bislang einfach nicht in Anspruch genommen werden. Befragt nach der gewünschten Art der Informationsvermittlung bzw. nach der Art des Angebots, nannten knapp 79 % schriftliche Informationen und mediale Angebote, über die Hälfte der befragten Elternteile sprachen sich für Informationsabende (67 %) und Vorträge (67 %) aus und 55 % für Freizeit- oder Urlaubsangebote. Gut die Hälfte der Befragten favorisierte gemeinsame Gruppen für Eltern und Kinder (53 %) sowie Offene Treffpunkte (51 %). In der Bedarfserhebung wurden die Elternteile auch nach dem Ort gefragt, an welchem die besuchten familienbildenden Angebote stattgefunden haben. Hier zeigt sich, dass Pfarr- und Kirchengemeinden bzw. andere religiöse Gemeinschaften mit 76 Nennungen sowie Hebammenpraxen bzw. Geburtshäuser mit 74 Nennungen eine relativ große Bedeutung haben. Die genannten Orte entsprechen dem oben herausgearbeiteten Ergebnis, wonach Angebote der Familienbildung in Nürnberg vor allem in der Schwangerschaft, um die Geburt und in der Kleinkindphase besucht werden. Befragt nach den gewünschten Veranstaltungsorten, sprach sich ein Großteil der Eltern für wohnortnahe und bereits in anderen Kontexten genutzte Orte aus. So wünschen sich 82 % der Befragten familienbildende Angebote in Kindertageseinrichtungen und Nachbarschafts- bzw. Stadtteilzentren und 81 % in Schulen.

Abb. 6: Die sechs meist gewünschten Orte für familienbildende Angebote (absolute Werte)

38 382 381 378
342 347

Nachbarschafts- oder Stadtteilzentrum 4

Kindertagesstätte

Schule

Familienbildungsstätte

Mütter- oder Familienzentrum

Einrichtung der Erwachsenenbildung

Eigene Berechnung und Darstellung.

Die im Rahmen der Maßnahmen zur qualitativen Weiterentwicklung der Tagesbetreuung vom Jugendamt der Stadt Nürnberg durchgeführte trägerübergreifende Elternbefragung 2013 zeigt ähnliche Resultate. Befragt wurden alle Eltern, deren Kinder Ende 2013 eine Nürnberger Kindertageseinrichtung besuchten. Auswertungen zum Thema „Elternbeteiligung und Elternbildung in Kitas“ zeigen, dass 70 % der befragten Eltern die vorhandenen Angebote sehr gut bis befriedigend einschätzen. 47 % wünschen sich mehr und weitere Angebote der Elternbildung (Stadt Nürnberg 2015b). Neben den im Alltag von Familien eine große Rolle spielenden Einrichtungen werden aber auch Einrichtungen der engeren Familienbildung favorisiert. Auswertungen der Elternbefragung zu Familienbildung belegen, dass sich 81 % der Befragten Angebote in Familienbildungsstätten und 74 % in Mütter- bzw. Familienzentren wünschen. Eine stärkere Dezentralität der familienbildenden Angebote sollte somit nicht mit einer Auflösung zentraler Einrichtungen der institutionellen Familienbildung einhergehen. Die Anfahrtszeit zu den Veranstaltungsorten der Familienbildung sollte für 13 % der befragten Eltern eine Viertelstunde und für 28 % eine halbe Stunde nicht überschreiten. Nur wenige Eltern sind bereit eine Anfahrtszeit von mehr als 30 Minuten auf sich zu nehmen.10 Wenige der befragten Eltern wären bereit für die Teilnahme an einem familienbildenden Angebot einen hohen Betrag zu bezahlen. Knapp 15 % würden bis zu 5 Euro und 22 % 6 bis 10 Euro bezahlen. Nur knapp 14 % wären bereit über 20 Euro auszugeben.

4.2 Ergebnisse der qualitativen Elternbefragung

Die standardisierte telefonische Elternbefragung zum Bedarf an Familienbildung wurde um persönliche Interviews ergänzt. Ziel war es, Erkenntnisse zum Bedarf von den Elterngruppen zu erhalten, die in telefonischen Befragungen (erwartungsgemäß) unterrepräsentiert waren. Insgesamt wurden im Juli 2011 40 Interviews geführt: 15 mit türkischsprachigen, 15 mit russischsprachigen und 10 mit bildungsbenachteiligten Elternteilen. Die Interviews mit den türkisch- und russischsprachigen Elternteilen wurden in der jeweiligen Herkunftssprache geführt. Überraschenderweise gibt es große Übereinstimmungen zwischen den Ergebnissen der quantitativen und der qualitativen Teilstudie.

10 Es ist hier jedoch zu beachten, dass 266 bzw. 53 % der Befragten zu dieser Frage keine Angabe machten.

Auch in der qualitativ befragten Gruppe sind familienbildende Angebote recht bekannt, nur 7 von 40 Befragten haben noch nie von familienbildenden Angeboten gehört.11 Ein Großteil der Elternteile hat solche Angebote auch schon besucht. Die genannten Gründe für die Nichtnutzung unterscheiden sich kaum von den Ergebnissen der telefonischen Befragung. Einzig spielen fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten bei türkisch- und russischsprachigen sowie bildungsbenachteiligten Elternteilen eine größere Rolle. So wird eine Nichtteilnahme häufig mit fehlenden Kinderbetreuungsmöglichkeiten in Verbindung gebracht. Familienbildende Angebote werden ebenfalls vor allem um die Geburt und im Kleinkindalter in Anspruch genommen, so spielen Angebote rund um Schwangerschaft und Geburt sowie Eltern- Kind-Gruppen und Eltern-Kind-Treffs eine große Rolle. Im Vergleich zur quantitativen Teilstudie, hatten Angebote zu schulischen Fragen eine größere Bedeutung. Dieses Ergebnis kann mit der in sozialwissenschaftlichen Studien vielfach belegten hohen Bildungsaspiration von Familien mit Migrationshintergrund in Verbindung gebracht werden. Befragt nach den gewünschten Angeboten, wurden neben Angeboten zu schulischen Fragen, auch das wieder ein Beleg für die hohe Bildungsneigung von Familien mit Migrationshintergrund, überraschend häufig Themen für Väter genannt. Darüber hinaus spielten Themen wie Erziehung und Erziehungskompetenzen, kindliche Entwicklung sowie Jugendliche und Pubertät eine Rolle. Die besuchten familienbildenden Angebote fanden häufig in Hebammenpraxen und Geburtshäusern statt. Darüber hinaus wurden Veranstaltungen in Schulen, Kinderarzt- bzw. Arztpraxen oder therapeutischen Praxen besucht. Letztgenannte weisen auf eine hohe Bedeutung von Einrichtungen des Gesundheitswesens bei den befragten Zielgruppen hin. Gewünscht werden, ebenso wie in der quantitativen Teilstudie Angebote in Kindertageseinrichtungen und Schulen, also an Einrichtungen, die im Alltag von Eltern bereits eine große Relevanz haben. Über diese alltagsnahen Orte hinaus, wünschen sich die interviewten Eltern aber auch Angebote in Familienbildungsstätten. Befragt nach dem gewünschten Angebotsformat sprachen sich zahlreiche Befragte für regelmäßige Gesprächsgruppen, Informationsabende und schriftliche Informationen bzw. mediale Angebote aus. Aber auch gemeinsame Gruppen für Eltern mit Kindern wurden vielfach gewünscht. Vorträge fanden hingegen eine deutlich geringere Zustimmung als in der quantitativen Teilstudie.

4.3 Ergebnisse der Experteninterviews

Im Rahmen der Bedarfserhebung wurden zudem zehn leitfadengestützte Interviews mit Expertinnen für die Nürnberger Familienbildung geführt. Diese bezogen sich u. a. auf den Bedarf verschiedener Zielgruppen. Die Ergebnisse werden im Folgenden zusammengefasst: Themen, die speziell für Familien mit Migrationshintergrund als wichtig angesehen werden, sind: Das Kennenlernen des Betreuungs- und Schulsystems, die Rolle der Muttersprache für die Erziehung und die kindliche Entwicklung sowie Spannungen zwischen der Herkunftskultur und der Kultur im Aufnahmeland. Bei (schulisch) bildungsbenachteiligten Eltern stehen nach Auffassung der Expertinnen vor allem lebenspraktische Themen im Vordergrund: Wichtig sei es, die Problembereiche in die familienbildenden Angebote mit einzubeziehen, die den Eltern „auf den Nägeln brennen“. Die Bereitschaft sich mit Erziehungsfragen zu befassen, wenn z. B. finanzielle Fragen dringend zu lösen sind, wird als gering eingeschätzt. Familienbildende Angebote für (bildungs-) benachteiligte Familien sollten nach Ansicht der Expertinnen die Förderung der Erziehungskompetenz mit folgenden Themen verknüpfen: Finanzielle Fragen, Arbeit und Beruf, Orientierung im Sozialsystem und Umgang mit Behörden sowie Förderung von Alltagskompetenzen, wie Haushaltsführung oder Alltagsorganisation.

11 Es ist zu vermuten, dass bei der persönlichen Befragung die soziale Erwünschtheit des Antwortverhaltens eine größere Rolle spielt, als bei der telefonischen Befragung. Der Bekanntheitsgrad familienbildender Angebote dürfte geringer sein, als die Studienergebnisse es widergeben.

4.4 Regelmäßiger Fachaustausch

Die in der quantitativen und qualitativen Elternbefragung sowie den Experteninterviews erhaltenen Einschätzungen zur Bekanntheit, zu Angebots- und Themenstruktur der Nürnberger Eltern- und Familienbildung werden regelmäßig in den verschiedenen Gremien der Familienbildung (AG § 78, Stab Familienbildung, Projektgruppe) zusammen mit den Trägern unter Berücksichtigung der trägerspezifischen Auswertung und qualitätsorientierten Dokumentation reflektiert und bedarfsorientiert weiter entwickelt.

5. Bestandsaufnahme: Familienbildende Einrichtungen in Nürnberg

Wie in Kapitel 2.3 erläutert, ist der Träger der öffentlichen Jugendhilfe im Rahmen seiner Gesamtund Planungsverantwortung (§§ 3 Abs. 2 S. 2, 79, 80 SGB VIII) dazu verpflichtet, eine bedarfs- und flächendeckende Angebotsstruktur sicherzustellen. Die konkreten familienbildenden Angebote sollen jedoch vorrangig von freien Trägern der Jugendhilfe gemacht werden, denn nach § 4 Abs. 2 SGB VIII hat der öffentliche Träger dann von eigenen Maßnahmen abzusehen, wenn diese durch freie Träger erbracht werden können. In den folgenden Kapiteln wird der Versuch unternommen, einen umfassenden Überblick über die vielfältigen Anbieter von Familienbildung in Nürnberg zu geben. Dabei werden sowohl Akteure aus der familienbildnerischen Praxis, als auch solche, deren Funktionen eher im Bereich der Vernetzung und Koordination liegen, berücksichtigt. Die Daten wurden im Rahmen einer Bestandserhebung zwischen Januar und Mai 2019 aktualisiert12.

5.1 Familienbildungsstellen in Nürnberg

Neun Nürnberger Einrichtungen ordnen sich explizit der Familienbildung zu.13 Sie sind alle Mitglieder in der Arbeitsgemeinschaft Familienbildung nach § 78 SGB VIII und arbeiten eng mit dem Stab Familienbildung im Jugendamt zusammen. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Einrichtungen:  Evangelische Familien-Bildungsstätte Nürnberg,  Zoff + Harmonie – Familienbildung der Kath. Stadtkirche,  Bayerisches Rotes Kreuz Kreisverband Nürnberg-Stadt – Bereich Elternbildung,  Treffpunkt e.V.,  Zentrum Kobergerstraße – Beratungsstelle für Schwangere, Eltern und Kinder,  Deutscher Kinderschutzbund Kreisverband Nürnberg e.V. – Beratungsstelle- und Fachstelle für Kinder, Jugendliche, Eltern, Fachkräfte,  Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Nürnberg e.V. – Elternbildungsprogramme,  forum erwachsenenbildung – Evangelisches Bildungswerk Nürnberg e.V.,  pro familia Ortsverband Nürnberg e.V.,  (bis Juni 2019: Frauen- und Mädchen-Gesundheitszentrum (FMGZ))14 Die Einrichtungen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer formalen Organisation sowie dem Grad der Spezialisierung auf Familienbildung: Die Evangelische Familien-Bildungsstätte (Ev. FBS), Zoff + Harmonie, BRK-Elternbildung sowie die AWO-Elternbildung gehören zu den (klassischen) Familienbildungsstätten. Sie halten ausschließlich Familienbildungsangebote vor, wobei nicht allen ein großzügiges Gebäude zur Verfügung steht, was für klassische Familienbildungsstätten bislang üblich ist. Das Zentrum Kobergerstraße, der Deutsche Kinderschutzbund (DKSB) und pro familia sind Beratungsstellen mit punktuellen Familienbildungsangeboten, sie ordnen sich jedoch bewusst der Familienbildung zu. Das forum erwachsenenbildung ist eine Einrichtung der Erwachsenenbildung, Familienbildung stellt einen Teilbereich des gesamten erwachsenenbildnerischen Themenspektrums dar. Treffpunkt e.V. vereint unter seiner Trägerschaft Familienbildung, Jugend- und Straffälligenhilfe. Die genannten Einrichtungen differieren in zahlreichen weiteren Aspekten, wie nachfolgend dargestellt wird (siehe dazu auch die Übersichtstabellen im Anhang 2).

12 Die zentralen Nürnberger Familienbildungsstellen wurden mit dem vom ifb entwickelten Fragebogen befragt. Dieser wurde um Fragen zur Ressourcenausstattung der Einrichtungen ergänzt (siehe Anhang 2). 13 Im Rahmen der Kampagne Erziehung wurde eine Zusammenführung und Kooperation familienbildender Einrichtungen in Nürnberg angestrebt. Einem Runden Tisch Familienbildung ordneten sich anfangs acht, später elf Anbieter der Familienbildung zu. 2011 wurde der Runde Tisch Familienbildung in eine Arbeitsgemeinschaft nach § 78 SGB VIII überführt und damit institutionalisiert. Aufgrund veränderter Einrichtungsschwerpunkte haben das Bildungszentrum der Stadt Nürnberg 2013 und das Frauen- und Mädchen-Gesundheitszentrum (FMGZ) 2019 die AG Familienbildung nach § 78 SGB VIII verlassen. 14 Das FMGZ wird in den folgenden Darstellungen teilweise noch berücksichtigt, da sich etwa die Aussagen zur Ressourcenausstattung oder zu Teilnehmerzahlen auf das abgeschlossene vergangene Kalenderjahr beziehen, in dem das FMGZ noch Mitglied der AG Familienbildung nach § 78 SGB VIII war.

Ressourcenausstattung der Familienbildungsstellen

Rahmenbedingungen für die Erbringung familienbildender Leistungen werden für die Einrichtungen durch die Ressourcenausstattung gesetzt. Um einen Einblick in die finanzielle Ausstattung der Familienbildungsstellen zu erhalten, wurde in der Bestandserhebung nach dem Gesamtvolumen, dem Zuschuss der Stadt Nürnberg, den Eigenmitteln sowie weiteren Einnahmen, beispielsweise im Rahmen des Erwachsenenbildungsförderungsgesetzes oder aus Teilnehmerbeiträgen gefragt. Das Gesamtvolumen aller zehn im Jahr 2018 aktiven Familienbildungsstellen betrug insgesamt 3,29 Mio. €. Hier ist allerdings zu berücksichtigen, dass in einigen Fällen Zuwendungen der Frühen Hilfen sowie Mittel für die Beratungsarbeit der Beratungsstellen einbezogen wurden. Ein Gesamtvolumen allein für die Familienbildung auszuweisen, ist aufgrund von Schnittstellen zu anderen Bereichen schwierig, maximal beträgt es 2,25 Mio €. Das Jugendamt der Stadt Nürnberg förderte die zentralen familienbildenden Einrichtungen 2018 in einer Höhe von 905.600 €. Der Anteil der städtischen Zuschüsse am Gesamtvolumen der einzelnen Familienbildungsstellen lag zwischen 100 % und 0 %. So erhielten die Familienbildung des BRK sowie das forum erwachsenenbildung 2018 von der Stadt Nürnberg keine speziellen Zuschüsse zur Familienbildung. Die Beratungsstellen, pro familia, Zentrum Kobergerstraße und FMGZ wurden 2018 auch, bzw. im Falle des FMGZ ausschließlich, aus dem Gesundheitsetat gefördert. Sieben Familienbildungsstellen (AWO, BRK-Familienbildung, DKSB, Ev. FBS, Treffpunkt e.V., Zentrum Kobergerstraße und Zoff + Harmonie) erhalten als Familienstützpunkte auch Zuschüsse vom Freistaat Bayern. Die Förderhöhe orientiert sich an der 2011 bzw. 2013 eingereichten Konzeption und variiert zwischen den Einrichtungen. Neben Zuschüssen von Stadt und Land finanzieren sich die Familienbildungsstellen über weitere „Fördertöpfe“: Zuschüsse im Rahmen der Bundesstiftung Frühe Hilfen, Mittel auf Basis des Erwachsenenbildungsförderungsgesetzes, Teilnehmerbeiträge und Eigenmittel sind von Bedeutung. Der Anteil von Teilnehmerbeiträgen am Gesamtvolumen fällt sehr unterschiedlich aus: Das Spektrum reicht von „keine Teilnehmerbeiträge“ bis zu 25%. Der Einsatz von Eigenmitteln weist ebenfalls eine große Vielfalt auf. So finanzieren sich zwei klassische Familienbildungsstellen zu 67% und 60% über eigene Mittel, eine Beratungsstelle zu 59%, bei drei Einrichtungen liegt der Anteil zwischen 15% und 43% und bei den verbleibenden bei maximal 6%. Weitere Zuschüsse, z.B. Projektmittel oder bei kirchlichen Einrichtungen Förderung durch die Kirchen, ergänzen das Budget aller Familienbildungsstellen. Die personellen Ressourcen (pädagogische Fachkräfte) der zehn 2018 aktiven Familienbildungsstellen umfassten insgesamt 28,6 Vollzeitstellen. Auch hier ist zu berücksichtigen, dass (Vollzeit-) Stellen, die überwiegend in der Beratung tätig sind und ggf. nur zu geringen Anteilen im Bereich Familienbildung arbeiten, mit einbezogen wurden. Bemerkenswert ist darüber hinaus die große Zahl von Honorarkräften, freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Laienmitarbeitern und Ehrenamtlichen, die in den Familienbildungsstellen tätig sind und ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Attraktivität des Angebots leisten.

Zielgruppen und Angebotsspektrum der einzelnen Familienbildungsstellen

Das Angebot der Nürnberger Familienbildungsstellen ist sehr vielfältig. Jede Einrichtung hat ihr eigenes Profil und spricht andere Zielgruppen an. Das Einrichtungsprofil resultiert aus der Geschichte und dem Selbstverständnis der Einrichtung, ihrer sozialräumlichen Lage sowie den gewachsenen Angebotsschwerpunkten. Zahlreiche Familienbildungsstellen engagieren sich zudem im Bereich der Frühen Hilfen, was ihr Angebotsprofil in den vergangenen Jahren ebenfalls geprägt hat.

Die Angebote der Evangelischen Familien-Bildungsstätte richten sich vorwiegend an Eltern mit Kindern von der Geburt bis zum dritten Lebensjahr. Besonders im Fokus stehen dabei Familien mit Migrationshintergrund, sozial benachteiligte Familien bzw. Familien in schwierigen Lebenssituationen und mit besonderem Unterstützungsbedarf. Spezielle Formate wurden darüber hinaus auch für Alleinerziehende entwickelt.

Neben fortlaufenden Eltern-Kind-Gruppen bietet die Evangelische Familien-Bildungsstätte auch Einzelveranstaltungen wie Workshops zu Erziehungsfragen und spezielle Beratung bei Schlaf- und Schreiproblematik von Babys und Kleinkindern an. Darüber hinaus werden Angebote in niedrigschwelligen Formaten wie offene Treffs und zugehende Angebote gemacht. Die Veranstaltungsorte sind über das gesamte Nürnberger Stadtgebiet verteilt: Die Angebote werden in der eigenen Einrichtung in der Leonhardstraße in Gostenhof, an alltagsnahen Orten, wie Kindergärten oder dem Stadtteiltreff Nordost und bei Hausbesuchsprogrammen, wie dem wellcome-Projekt, auch im Privatbereich der teilnehmenden Familien gemacht. Zu den Angeboten der Evangelischen Familien-Bildungsstätte gehören im Einzelnen:  PEKiP-Kurse (Prager Eltern-Kind-Programm) und Babymassage für Eltern mit Kindern im 1. Lebensjahr,  Zwergensprache zur Unterstützung der Kommunikation für Eltern mit Kindern von 6 Monaten bis zu 2 Jahren,  Mini-Clubs für Eltern und Kinder zur ganzheitlichen Förderung der Kinder in den ersten drei Lebensjahren,  Kreativangebote wie z. B. der Kunstgarten für Kinder von 1,5 Jahren bis 4 Jahren,  Eltern-Kind-Bewegungs-Kurse zur Schulung der kindlichen Motorik und des Gleichgewichtssinns, wie Eltern-Kind-Turnen, Vater-Kind-Turnen, Musik und Tanzen,  Kurse zur gesunden Ernährung für Eltern mit Kleinkindern,  spielerische Förderangebote mit Bezug zum Jahreskreis, z. B. St. Martin, Advent/Weihnachten, Ostern, Frühling,  Familienfest zum Fasching,  Krabbelgottesdienste,  der offene Elterntreff Café Frische Brise zweimal pro Woche für Eltern mit Kindern von 0 bis zu 5 Jahren,  der offene Treff Café Dunya für geflüchtete Mütter mit ihren Kindern als Teil des Projektes Netzwerk Elternchance Nürnberg,  Einzelveranstaltungen zu Ernährungs- und Erziehungsthemen,  Deutschkurse speziell für Familien mit Migrationshintergrund (Integrationskurse und Integrationskurse mit Alphabetisierung, „Leben in Bayern“) sowie weitere interkulturelle Angebote,  das Sonntags stattfindende, pädagogisch begleitete Café Auszeit für Alleinerziehende mit günstigem Frühstück, Kinderbetreuung, Informations- und Beratungsmöglichkeiten,  die Eltern-Kind- und Kindergruppen am Nordostbahnhof, ein spezielles Angebot für sozial benachteiligte Familien,  der „FLORA“-Kinder-Second-Hand-Laden als niederschwelliger Zugang zum familienbildenden Angebot, insbesondere für sozial benachteiligte Familien,  das Entlastungsangebot „wellcome“, bei dem Familien nach der Geburt bis zum Ende des ersten Lebensjahrs des Kindes praktische Hilfe- und Unterstützungsleistungen durch Ehrenamtliche erhalten,  niedrigschwellige Beratungsleistungen wie die Schlaf- u. Schreisprechstunde,  Beratung zu allgemeinen Fragen der Erziehung und Entwicklung sowie  die in Kooperation mit der Erziehungs-, Paar- und Lebensberatung der Stadtmission Nürnberg e.V. angebotene offene Beratung.

Die Angebote von Zoff + Harmonie richten sich an Paare, Eltern und Familien (auch in besonderen Lebenssituationen), Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche, aber auch an ehren- und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Nürnberger Pfarrgemeinden sowie Fachkräfte aus Kindertageseinrichtungen. Neben Kursen und festen Gruppen organisiert Zoff + Harmonie offene Treffpunkte, Einzelveranstaltungen, wie Themenabende, Informationsveranstaltungen oder Vorträge, sowie spezielle Aktionen für Familien in den Pfarrgemeinden. Darüber hinaus werden Beratungsleistungen zu allgemeinen Fragen der Erziehung erbracht. Die Angebote werden stadtweit gemacht, sowohl in der eigenen Einrichtung, die zentral in der Altstadt gelegen ist, als auch dezentral in Nürnberger Stadtteilen, hier insbesondere in Kindertageseinrichtungen und Pfarreien. Das Angebotsspektrum von Zoff + Harmonie ist vielfältig und umfasst im Einzelnen:

 Kommunikationsprogramme für Paare, wie das vom Institut für Kommunikationstherapie in München entwickelte Partnerschaftliche Lernprogramm – EPL, welches Paare dabei unterstützt, ihr Zusammenleben positiv und kreativ zu gestalten sowie KEK–Kurse (Konstruktive Ehe und Kommunikation) für Paare mit längerer Beziehungsdauer,  Eheseminare für Paare, die kirchlich heiraten werden und sich mit ihrer Beziehung intensiver auseinandersetzen wollen, sowie einzelne Module mit thematischem Schwerpunkt für die Partnerschaftsbegleitung,  Elternkurse, „Kess-Erziehen“ und thematische Elternabende nach dem Kess-erziehen Konzept in KiTas,  Thematische Elternabende (Sichere Bindung, Achtsamkeit und Selbstfürsorge, Ernährung, Erste Hilfe...),  Babysitter-Ausbildung,  PEKiP-Kurse (Prager-Eltern-Kind-Programm),  FENKID-Kurse (Frühe Entwicklung von Kindern begleiten),  Eltern-Kind-Gruppen, mit unterschiedlichen Schwerpunkten: Bewegung, Musik und Rhythmus, Walderleben mit Therapiehund, Kletter- und Spielaktionen im Wald,  Vater-Kind-Angebote (Naturforscher, Abenteuer Wald, Trommeln...),  Unterstützungsangebote zur Bewältigung besonderer Familien- und Belastungssituationen, wie Wochenendangebot für Väter, die ein Kind verloren haben,  Workshops für Mütter und Väter zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf,  Beratung zu allgemeinen Fragen der Erziehung und Entwicklung, zu Partnerschaft, zu Beratungs-, Unterstützungs- und Vernetzungsangeboten in den Sozialräumen der Innenstadt und in den Stadtteilen.

Die Familienbildungsangebote des Bayerischen Roten Kreuzes, Kreisverband Nürnberg-Stadt wenden sich an (werdende) Eltern und Großeltern, Kinder sowie Jugendliche ab 15 Jahren. Besonders angesprochen werden Alleinerziehende sowie Bewohner aus dem Stadtteil. Neben Kursen und festen Gruppen bietet das Familienzentrum Themenabende, offene Angebote für Familien und allgemeine Beratungen an. Die Angebote finden vorrangig in der eigenen Einrichtung sowie im benachbarten Stadtteilcafé im Stadtteil Wöhrd statt. Zu den Angeboten zählen im Einzelnen:  Säuglingspflegekurse, in denen werdende oder junge Eltern(teile) über Entwicklung, Pflege und Ernährung der Babys sowie über Unfallverhütung informiert werden,  zahlreiche PEKiP-Kurse und Kurse für Eltern mit Kindern von 1 -2 Jahren,  sportliche Angebote für Kinder, Mütter und Familien, wie „Afro-Yoga für Mütter mit ihren Babys“, „Kreativer Kindertanz“, „DancingFeet!“ für die ganze Familie, sowie einen Workshop zum Ausprobieren verschiedener Entspannungstechniken,  regelmäßige Themenabende für Eltern und auch Großeltern, mit Themen zur Erziehung, Entwicklung, Ernährung und Gesundheit,  2-tägige Schulung „Fit fürs Babysitting“ einschließlich der Vermittlungsmöglichkeit von Babysittern an interessierte Eltern durch das Familienzentrum,  Beratung zu allgemeinen Fragen der Erziehung und Entwicklung von Kindern sowie systemische Familienberatung und  ein Baby- und Kinderflohmarkt mit Flohmarktcafé für Besucher und Verkäufer, der drei Mal jährlich stattfindet und niedrigschwellige Zugänge zum familienbildenden Angebot schafft.

Die Elternbildungsprogramme der Arbeiterwohlfahrt (AWO) sind aufsuchend konzipiert und richten sich speziell an Familien in besonderen bzw. belasteten Lebenssituationen. Zu den Zielgruppen zählen vorrangig Familien mit Migrationshintergrund, mitunter auch Flüchtlingsfamilien, aber auch Alleinerziehende, Familien mit erhöhtem Förderbedarf sowie Familien in finanzieller Notlage. Die AWO-Elternbildungsprogramme richten sich an Eltern mit Kindern im vorschulischen Alter, wobei  PAT – Parents as Teachers – von der Schwangerschaft bis zum dritten Lebensjahr des Kindes angesetzt ist,  HIPPY – Home Interaction for Parents of Preschool Youngsters – vom dritten bis sechsten Lebensjahr des Kindes dauert und

 die Nürnberger Elternbegleiterinnen für Eltern mit Kindern im Kindergartenalter, also von drei bis sechs Jahren, konzipiert wurde. PAT und HIPPY sind lizensierte, standardisierte Programme, die an wissenschaftlichen Instituten in den USA und Israel entwickelt wurden und deren Zielerreichung in zahlreichen Studien, auch für den deutschen bzw. Nürnberger Raum, belegt wurde.15 Ziel dieser Angebote ist es, den Bildungsort Familie zu stärken, den frühkindlichen Bildungs- und Entwicklungsprozess zu unterstützen, um so die schulischen Bildungschancen der Kinder zu verbessern. Sie sind langfristig angelegt (in der Regel 18 Monate bis zu drei Jahre), arbeiten nach einem klar strukturiertem Lehrplan und setzen sich aus unterschiedlichen Programmmodulen zusammen: PAT umfasst (mindestens monatliche) Hausbesuche durch eine zertifizierte Elterntrainerin, die in der Regel aus der gleichen Herkunftskultur stammt wie die teilnehmende Familie, regelmäßige Gruppentreffen der einzelnen Stadtteilgruppen, welche nicht nur der Wissensvermittlung, sondern auch der Vernetzung der Familien im Stadtteil dienen, Screenings zur allgemeinen Entwicklung sowie zum Sehen und Hören sowie ggf. die Weitervermittlung an passende Unterstützungsangebote im jeweiligen Stadtteil. Auch HIPPY baut auf den Modulen Hausbesuche durch Hausbesucherinnen (geschulte und begleitete Laienmitarbeiterinnen), Gruppentreffen und Weitervermittlung an passende Unterstützungsangebote im jeweiligen Stadtteil auf. Das Programm Nürnberger Elternbegleiterinnen ist für Kindertageseinrichtungen konzipiert worden. Speziell geschulte Elternbegleiterinnen (ebenfalls Laienmitarbeiterinnen) führen im Kindergarten Gruppentreffen durch und informieren die Eltern, wie sie ihre Kinder mit den HIPPY- Materialien spielerisch fördern und auf die Schule vorbereiten können. Ergänzend dazu führt die Elternbegleiterin in regelmäßigen Abständen, etwa alle sechs bis acht Wochen, Hausbesuche bei den teilnehmenden Familien durch. Bislang werden PAT und HIPPY schwerpunktmäßig in drei Nürnberger Stadtteilen (Gostenhof, St. Leonhard/Schweinau und Südstadt) angeboten, bei Bedarf werden Familien auch aus anderen Stadtteilen aufgenommen. Die Gruppentreffen finden an alltagsnahen Orten in den Stadtteilen, wie z. B. Nachbarschaftshäusern statt. Das Programm Nürnberger Elternbegleiterinnen (NEB) wird bislang in acht Nürnberger Kindertageseinrichtungen in unterschiedlicher Trägerschaft durchgeführt (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1: Am Programm NEB teilnehmende Kindertageseinrichtungen

Name der Kita Adresse Träger
Kindergarten St. Anton Adam-Klein-Str. 31 a/b Caritas
Kindergarten Wandererstraße Wandererstr. 170 Stadt Nürnberg
Kindergarten Herschelplatz Herschelplatz 3 Stadt Nürnberg
Kindergarten Nürbanum Allersbergerstr. 185/C1 AWO
Kindergarten Ossietzkystr. Ossietzkystr. 2 Stadt Nürnberg
Kindergarten Siegfriedstraße Siegfriedstr. 9 Kinderhaus Nürnberg e.V.
Kindergarten Südstadtsterne Gudrunstr. 51-53 Der Paritätische
St. Ludwig Haus für Kinder/Fami- lienzentrum Straßburgerstr. 10 Pfarreienverbund Gibit- zenhof/Gartenstadt

Eigene Darstellung.

Über diese Programme hinaus gehören auch Beratungsleistungen zu allgemeinen Fragen der Erziehung und Entwicklung zum familienbildenden Angebotsspektrum der AWO- Elternbildungsprogramme. Eine Unterstützung und Begleitung der Familien ist in insgesamt zehn

15 z.B. Bierschock/Dürnberger/Rupp (2008): Evaluation des HIPPY-Programms in Bayern, Bamberg: ifb; Wolf (2007): Spielend lernen in Familie und Stadtteil – Endbericht zur Evaluation des Programms. Bamberg: efms; Kiefl (1996): HIPPY. Bilanz eines Modellprojekts zur Integration von Aussiedler- und Ausländerfamilien in Deutschland. München: DJI.

Sprachen möglich: Neben Deutsch in Arabisch, Englisch, Französisch, Kurdisch, Russisch, Amharisch, Oromo, Lingala und Türkisch. Als zusätzliche Angebote wird seit 2017 das „Netzwerk Elternchance Nürnberg – Starke Netzwerke Elternbegleitung für geflüchtete Familien“ und „Kita-Einstieg Nürnberg: Brücken bauen in frühe Bildung“ durch die Arbeiterwohlfahrt angeboten. „Netzwerk Elternchance Nürnberg“ wird in enger Kooperation mit dem Treffpunkt e.V., der Evang. Familienbildungsstätte und dem Kinderschutzbund durchgeführt. Die Weiterentwicklung flüchtlingsbezogener Elternbegleitung wird von 2017 bis 2020 mit dem Modellprojekt durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Ziel ist es, Netzwerke von Elternbegleiterinnen und Elternbegleitern verschiedener Träger und Flüchtlingsfamilien zu stärken. Elternbegleitung soll dadurch nachhaltig im Sozialraum verankert werden. An bundesweit 50 Standorten unterstützen modellhaft lokale Elternbegleitungsnetzwerke zugewanderte Familien beim Ankommen und bei der Integration in der Kommune. Institutionen der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, in denen Elternbegleiterinnen und Elternbegleiter tätig sind, bilden im Rahmen des Programms ein Netzwerk mit wichtigen Partnern im Sozialraum und entwickeln in Abstimmung mit dem zuständigen Jugendamt niedrigschwellige Beratungs- und Begleitungsangebote für geflüchtete Familien. Durch die Elternbegleitungsnetzwerke erhalten neu zugewanderte Familien vor Ort wirksame Unterstützung bei der Integration, insbesondere für die Bildungschancen ihrer Kinder. Die AWO bietet in verschiedenen Gemeinschaftsunterkünften für geflüchtete Familien einmal pro Woche Elterngespräche an: Mehrsprachige Elternbegleiterinnen bieten Informationen zu verschiedenen Themen wie Erziehung, Gesundheit, dem deutschen (Schul-)System, Kinderschutz in Deutschland und die Aufsichtspflicht der Erziehungsberechtigten, an. Abhängig vom Thema werden auch Expertinnen für die unterschiedlichen Themen eingeladen. Außerdem werden die Familien einer GU anfangs abgeholt und zu den Angeboten der Netzwerkpartner (Hausaufgabenhilfe, Elterncafe) begleitet. Bei Bedarf organisieren die Elternbegleiterinnen Ausflüge zur Stadtbibliothek oder anderen relevanten Einrichtungen. Die Familien werden bei Bedarf zu Gesprächen mit Fachkräften aus Kindertagesstätten und Lehrkräften begleitet. Im Rahmen von „Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung“ bieten vier mehrsprachige Elterntrainerinnen mit Migrationshintergrund in sog. Anker-Kita’s Eltern-Kind-Gruppen für geflüchtete Familien, Familien mit Migrationshintergrund und/oder anderen Zugangshürden zur Kindertagesbetreuung, an. Durch dieses niedrigschwellige, frühpädagogische Angebot wird der Zugang zur Kindertagesbetreuung vorbereitet und unterstützend begleitet. Durch Einblicke in den Kita-Alltag können gegebenenfalls vorhandene Vorbehalte abgebaut und den Familien wichtige Informationen weitergegeben werden.

Treffpunkt e.V. ist ein Träger, der originär aus der sozialen Arbeit mit Angehörigen von Inhaftierten und Jugendhilfemaßnahmen entstanden ist. Seit 2010 engagiert sich der Verein zunehmend im Bereich der Prävention und Familienbildung. Ziel der Familienbildung von Treffpunkt e.V. ist die nachhaltige Stärkung von Familien, ihrer Erziehungskompetenz und Selbstfürsorge. Familien erfahren über offene, freiwillige Angebote eine niederschwellige, alltagsbezogene Bildung, die sich an der aktuellen Lebenssituation der Eltern und Kinder orientiert. Neben festen und offenen Gruppenformaten bietet Treffpunkt e.V. auch offene Treffpunkte, zugehende Angebote, Freizeitangebote, gemeinsame Unternehmungen, Themen- und Informationsabende, berufliche Aktivierungsangebote für junge Mütter sowie allgemeine Beratungen zu Fragen der Erziehung an. Die Angebote umfassen im Einzelnen:  ein wöchentliches offenes Beratungsangebot bei Fragen zur kindlichen Entwicklung, zur Erziehung, zu lebenspraktischen Themen, zur beruflichen Orientierung und bei familiären Konflikten,  MUT, eine wöchentlich stattfindende Mutter-Kind-Gruppe mit vertiefender Einzelbetreuung für junge Mütter/Schwangere bis 25 Jahre,  einmal monatlich stattfindende kostenlose Erstberatung in Familienrechtsfragen,  Thementage/Gesprächskreise rund um das Thema Familie nach Bedarf,  diverse „Werkstätten“ & Workshops für Familien z.B. Handarbeits-, Koch- Sing-, Schreib-, Sprach-, Näh-, Spielwerkstatt,

 Hausaufgabenhilfe für Eltern und ihre Kinder mit Fluchthintergrund im Rahmen von Netzwerk Elternchance Nürnberg,  Aktionstage & Workshops für Väter und ihre Kinder,  Offenes Café FIZ für Familien,  Kursreihe „Leben in Bayern“ für Migranten und Migrantinnen rund um die Themen Erziehung, Bildung und Gesundheit,  das Kursangebot Integrationspaten, ein offenes Angebot für Migranten und Migrantinnen, die ehrenamtlich aktiv sind oder es werden wollen,  MiA, für Mütter ab 18 Jahren mit Kindern unter 3 Jahren, die den beruflichen (Wieder-)Einstieg suchen,  Migram, ein Angebot für Migrantinnen mit Kindern zur beruflichen Orientierung und Aktivierung sowie  in unregelmäßigen Abständen und nach Bedarf Angebote durch Kooperationspartner.

Das Zentrum Kobergerstraße ist in erster Linie eine Beratungsstelle für Schwangere, Eltern und Kinder. Die Einrichtung hat ihren Schwerpunkt in der Begleitung von Eltern in den ersten drei Lebensjahren ihrer Kinder. Das familienbildende Angebot der Einrichtung umfasst Kurse, feste und offene Gruppen sowie ein allgemeines Beratungsangebot. Die Veranstaltungen werden in der Einrichtung in der Kobergerstraße im Nürnberger Norden durchgeführt, aber auch an alltagsnahen Orten im gesamten Stadtgebiet, insbesondere in Kindertageseinrichtungen. Sozialräumlich ist das Zentrum Kobergerstraße jedoch vorrangig auf die Nürnberger Nordstadt ausgerichtet. Zu den familienbildenden Angeboten der Beratungsstelle zählen insbesondere:  Gruppenangebote für Mütter mit Babys von vier Wochen bis zu vier Monaten, auch speziell für seelisch belastete Mütter und ihre Babys,  ein offenes, pädagogisch begleitetes Tagescafé für Mütter, Väter und Kinder bis zu 2 Jahren (Öffnungszeiten: Montag und Dienstag 15 bis 16:30 Uhr, Donnerstag 10:30 – 12 Uhr),  regelmäßige Abendveranstaltungen mit Vorträgen und Diskussionen zu Familien- und Erziehungsfragen, wie z. B. Umgang mit einem kranken Kind, der Familienalltag in Patchwork- Familien, Geschwistereifersucht, Ausdrucksformen kindlicher Sexualität,  Schlaf- und Schreisprechstunde,  Früherziehungsberatung für Eltern mit kleinen Kindern von null bis drei Jahren sowie  Väterarbeit in Form von Beratung und Workshops.

Die Beratungs- und Fachstelle des Deutschen Kinderschutzbundes richtet sich an Kinder, Jugendliche, Eltern mit und ohne Migrationshintergrund und Eltern in schwierigen Lebenslagen sowie pädagogische Fachkräfte. Neben Fachberatungen, insbesondere zu Gewalt gegen Kinder und sexuellem Missbrauch, macht sie auch Familienbildungsangebote. Dabei handelt es sich um Kurse, Themenabende, Informationsveranstaltungen, Vorträge und Beratungsangebote zu allgemeinen Fragen der Erziehung und Entwicklung. Die Veranstaltungen finden sowohl in der eigenen Einrichtung als auch an alltagsnahen Orten im gesamten Stadtgebiet statt, wie z. B. in Kindertageseinrichtungen und an Schulen (u. a. im Rahmen des Programms Familienfreundliche Schule; siehe Kapitel 5.3). Besonders hervorzuheben ist, dass der Deutsche Kinderschutzbund auch mit größeren Nürnberger Firmen kooperiert und Elternkurse auch dort stattfinden. Das familienbildende Angebot des Deutschen Kinderschutzbundes umfasst im Einzelnen:  Elternkurse „Starke Eltern – starke Kinder“ in verschiedenen Varianten, wie Vormittagskurse mit Kinderbetreuung, Abendkurse, Kurse in türkischer und russischer Sprache, „Ganz Praktisch“ für Eltern in besonderen Problemlagen sowie Kurse u a. in Firmen, in einer Beratungsstelle für Frauen mit Drogenerfahrung, Familienzentren, an Orten für Familien und in Kindertageseinrichtungen,  Elternabende zu erziehungsrelevanten Themen, wie Schutz der Kinder vor sexuellem Missbrauch, wie sich Kinder sicher im Internet bewegen können, sowie einzelne Themenbausteine aus dem Elternkurs Starke Eltern – Starke Kinder® (Erziehung heute, Streiten lernen, Erziehung ohne Strafen, Umgang mit Wut, Grenzen setzen, Konfliktlösung im Alltag),

 im Rahmen des Projektes Netzwerk Elternchance Nürnberg, Elternbegleitung für geflüchtete Familien Angebot von Elterngesprächsgruppen zum Thema Erziehung und interkulturelle Bildung,  die „ACHTUNG GRENZE“-Angebote umfassen u. a. einen Elternabend und sind für unterschiedliche Zielgruppen konzipiert, so für die Klassenstufen 3 bis 8 in Schulen, für Kinder und Jugendliche in Sportvereinen im Alter von 7 bis 16 Jahren (sports) sowie für Kinder und Jugendliche mit Behinderung („Ich bin Ich“),  Ausbildungen, Fortbildungen und Vorträge für pädagogische Fachkräfte und Interessierte, wie z. B. die Ausbildung zur ACHTUNG GRENZE-Referent/in sowie zu Themen, wie Gewalt an Kindern – Präventions- und Interventionsmöglichkeiten, anleitendes Erziehungsmodell und Umgang mit Nähe und Distanz – grenzwahrende Pädagogik.

Das Angebot des forum erwachsenenbildung im Bereich Miniclub und Familie richtet sich an Eltern mit Kindern zwischen null und drei Jahren sowie Eltern mit pubertierenden Kindern, an ältere Menschen in der Großelterngeneration sowie haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kirchengemeinden im Dekanat Nürnberg. Für Eltern macht das forum erwachsenenbildung Kursangebote, darüber hinaus werden familienbildende Angebote oder Themenabende an Eltern-Kind-Gruppen in den Kirchengemeinden vermittelt und den Eltern-Kind-Gruppenleiterinnen und Gruppenleitern (in der Regel sind es jedoch Leiterinnen) Fortbildungsangebote gemacht. Im Rahmen der Vermittlung von „Wunschgroßeltern“ werden Kontakttreffen organisiert. Die Angebote finden sowohl in der eigenen Einrichtung in der Burgstraße in der Nürnberger Altstadt als auch an alltagsnahen Orten wie Kindertageseinrichtungen und in den Kirchengemeinden statt. Zum familienbildenden Angebot des forums erwachsenenbildung zählt im Einzelnen:  Information über Eltern-Kind-Gruppen, Miniclubs und Krabbelgruppen in den Kirchengemeinden,  Beratung zur Initiierung und Umsetzung ehrenamtlich organisierter Miniclubs,  Qualifizierung und Beratung von ehrenamtlicher Eltern-Kind-Gruppenleiterinnen,  Vermittlung familienbildender Angebote an Eltern-Kind-Gruppen, vielfach mit jahreszeitlichem Bezug,  Fortbildungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Krippen und Kindertageseinrichtungen zur Eltern-Kind-Arbeit in der Altersgruppe der Null- bis Dreijährigen,  Abendseminare zu Erziehungsthemen wie z. B. zum Thema Kinderängste,  Durchführung und Vermittlung des Elternkurses „Ich bin so frei, wenn Kinder flügge werden“ für Eltern mit Kindern zwischen zwölf bis sechzehn Jahren,  Durchführung und Vermittlung des Elterntrainings „vertrauen, spielen, lernen“ für Eltern mit Kindern zwischen null und drei Jahren,  Information und Vermittlung von Wunschgroßeltern an Familien, ein Angebot des Vereins Großeltern stiften Zukunft e.V. Der Verein ist aus dem Bildungswerk heraus gegründet worden und eng mit der Familienbildung verschränkt.

pro familia Nürnberg engagiert sich in den Bereichen Schwangerenberatung, Paar- und Sexualberatung sowie Sexualpädagogik und sexueller Bildung. Die Angebote richten sich im erstgenannten Bereich insbesondere an Schwangere und Familien mit kleinen Kindern bis zu drei Jahren, im zweitgenannten Bereich vorrangig an Paare und im letztgenannten Bereich an Familien mit Kindern, Jugendliche jeden Alters sowie speziell an Menschen mit Behinderung und geflüchtete Menschen. Neben allgemeiner Beratung bietet pro familia Themenabende, Vorträge, Informations- und Diskussionsveranstaltungen an und führt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene ohne und mit Behinderung Gruppenangebote durch, auch im Schulbereich. Darüber hinaus werden speziell für Multiplikatorinnen in der Kinder-, Jugend-, Flüchtlings- und Behindertenhilfe Fortbildungen angeboten. Die Veranstaltungen finden sowohl in den eigenen Räumlichkeiten in der Nürnberger Südstadt (Sündersbühl) als auch in Einrichtungen im gesamten Stadtgebiet statt. Zum familienbildenden Angebot von pro familia gehört u. a. das Gruppenangebot „Elterngeld & Co“, in welchem Fragen zu Elterngeld und Elternzeit, aber auch zu Schwangerschaft und Geburt, finanziellen Hilfen und Kindschaftsrecht behandelt werden, sowie Vorträge und Veranstaltungen zum Thema „psychosexuelle Entwicklung".

Das Frauen und Mädchen Gesundheitszentrum, welches bis Juni 2019 Mitglied der AG Familienbildung nach § 78 SGB VIII war, ist eine Beratungsstelle für Frauen und Mädchen. Zu den Angeboten des Frauen- und Mädchen Gesundheitszentrums zählen insbesondere:  Informationsabende zur Frauengesundheit wie z. B. zur Verhütung oder Stressbewältigung,  Gruppenangebote z. B. für Frauen mit Depression,  Informationsangebote für Mädchen,  sexualpädagogische Angebote für Mädchen und Jungen mit einem ergänzenden Elternabend in Schulen und Jugendeinrichtungen sowie  Kurse zur Förderung der Gesundheit bzw. des Gesundheitsbewusstseins von Mädchen und Frauen.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Die Abfrage der Teilnehmerzahlen und Teilnehmerstruktur in den zehn 2018 aktiven Familienbildungsstellen war relativ schwierig, was sich auch in den heterogenen Angaben spiegelt. Die Teilnehmerzahlen sind nicht nur von der Zahl der Angebote abhängig, sondern werden auch maßgeblich von der Angebotsstruktur bestimmt: Die Teilnehmerzahlen fallen bei offenen Angeboten von Woche zu Woche unterschiedlich aus, während sie in einem mehrwöchigen Elternkurs oder einem mehrjährigen Programm (idealerweise bzw. in der Regel) kaum variieren. Erschwerend kommt eine heterogene Dokumentation der Teilnehmerzahlen durch die Träger hinzu, was sich mitunter auf die unterschiedlichen Förderstrukturen zurückführen lässt: Einige Einrichtungen arbeiten mit dem Konzept der Teilnehmerlehreinheiten (ein/e Teilnehmer/in pro 90 Minuten, wobei Teilnehmer Erwachsene, Jugendliche oder Kinder sein können), einige dokumentieren ausschließlich Teilnehmerzahlen und einige wechseln je nach Angebotsformat zwischen Teilnehmerlehreinheiten und reinen Teilnehmerzahlen. Trotz dieser Heterogenität soll hier der Versuch unternommen werden, die Angaben der Familienbildungsstellen zur Zusammensetzung der Teilnehmerschaft darzustellen, um zumindest einen Eindruck bzw. eine grobe Einschätzung zu vermitteln. Im Jahr 2018 konnten insgesamt 50.357 Teilnehmerlehreinheiten und 11756 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gezählt werden. Noch nicht einbezogen wurden hier die Zahlen zu den offenen Beratungen zu allgemeinen Fragen der Erziehung und kindlichen Entwicklung (siehe dazu Kapitel 5.2). Ein Großteil der erwachsenen Teilnehmer war 2018 weiblich. Frauen haben insgesamt einen Anteil von etwa 60-70% an allen Teilnehmenden. Alle befragten Einrichtungen gaben an, auch Eltern mit Migrationshintergrund mit ihren Angeboten anzusprechen, wobei die geschätzten Anteile, sofern angegeben, deutlich variieren: Bei der AWO liegt der Migrantenanteil bei ca. 95 %, die Ev. FBS, die Familienbildung des Bayerischen Roten Kreuzes sowie das Zentrum Kobergerstraße schätzen ihn auf 35 % bzw. 1/3 der Teilnehmerschaft. Bezüglich des sozio-ökonomischen Hintergrunds der Teilnehmenden unterscheiden sich die Einrichtungen ebenfalls deutlich voneinander: Über die Hälfte der Familien in den Elternbildungsprogrammen der AWO, sowie bei den Angeboten von Treffpunkt e.V. beziehen Sozialleistungen. Etwa 40 % der Besucherinnen und Besucher der Ev. FBS kommen aus schwierigen sozioökonomischen Verhältnissen. Aus den Angaben der anderen Einrichtungen lässt sich entnehmen, dass die Struktur der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehr heterogen ist, d. h. sozio-ökonomisch benachteiligte Familien nehmen die Angebote wahr, sind jedoch in diesen Einrichtungen nicht überrepräsentiert. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen bei allen Familienbildungsstellen aus dem gesamten Stadtgebiet, also sowohl aus dem unmittelbaren Nahraum, dem Stadtteil und benachbarten Stadtteilen als auch aus allen restlichen Nürnberger Stadtteilen. Fünf Familienbildungsstellen sprechen auch Eltern(teile) aus benachbarten Städten (Fürth, Erlangen, Bamberg) bzw. aus der Region (Metropolregion, Raum Mittelfranken) an.

Öffentlichkeitsarbeit

Um Eltern und Familien auf Ihre Angebote aufmerksam zu machen, nutzen die Familienbildungsstellen unterschiedliche Wege der Öffentlichkeitsarbeit. Alle Einrichtungen informieren über Angebotsbeschreibungen im Internet und fast alle über organisierte Informationsveranstaltungen sowie

über Aushänge und Flyer. Als Orte für Aushänge wurden Arztpraxen, Kindertageseinrichtungen, andere Familienbildungsstellen und Beratungsstellen am häufigsten genannt. Mehr als die Hälfte legt Informationen im Jugendamt aus und vereinzelt werden weitere Ämter, Kirchengemeinden, Geschäfte, Kliniken, Schulen oder Stadtteilläden genutzt. Ein Großteil versendet das Programm, lädt ein über persönliche Ansprache und veröffentlicht Ankündigungen in der regionalen Presse, um über Veranstaltungen zu informieren. Regionale Rundfunksender werden von der Hälfte in Anspruch genommen, seltener werden Anzeigen in kostenlosen Anzeigeblättern geschaltet. Als neuer Weg der Ansprache kam die Bewerbung von Angeboten über Facebook hinzu. Die Hälfte der Einrichtungen ist in diesem sozialen Netzwerk aktiv. Einzelne Einrichtungen nutzten zudem Mailingaktionen oder einen Newsletter. Diese vielfältigen Wege der Öffentlichkeitsarbeit werden seit 2016 durch eine gemeinsame Kommunikationsstrategie ergänzt. Um den Bekanntheitsgrad zu steigern und das Image der Familienbildung zu verbessern, hat der Stab Familienbildung und die AG Familienbildung gemäß § 78 SGB VIII in Kooperation mit dem Bündnis für Familie eine gemeinsame Öffentlichkeitskampagne erarbeitet und umgesetzt. Dabei wurde bewusst von normierten und idealisierten Familiendarstellungen abgesehen und stattdessen mit so genannten Knuddelmonstern gearbeitet, welche Individualität und Vielfalt wiederspiegeln. Um Zugänge zu schaffen und Inhalte niederschwellig und kurzweilig zu präsentieren wurden Informationen mit Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten kombiniert. Die Kampagne umfasste folgende Elemente:  30-Sek.-Stopp-Motion-Film zur Familienbildung mit der Kernbotschaft „Hier steht für alle Familien die Tür offen“, der auf der Homepage zu sehen ist und 3 Monate lang im Kino gezeigt wurde,  informativer Schnippelbogen mit Bastelangebot für Kinder als Alternative zu einer reinen Informationsbroschüre für Eltern,  informative Willkommensbroschüre im Willkommenspaket der Stadt Nürnberg für Eltern von Neugeborenen mit Fingerfiguren und Gutscheinen der Familienbildungsstellen,  Anpassung ans Kampagnendesign und grundlegende Überarbeitung der Homepage Familienbildung des Jugendamtes,  Verbesserung der Präsenz der Familienbildung auf Veranstaltungen für Familien durch ein lebensgroßes Knuddelmonster und ein Straßenspiel zum Thema Familienleben. Am 05.12.2016 wurde die Kampagne offiziell gestartet. Seitdem wurden die genannten Elemente auf zahlreichen Veranstaltungen für Familien eingesetzt, z.B. Stadtteilfesten, Tagen der Offenen Tür der Familienbildungsstellen sowie Veranstaltungen des Jugendamtes oder des Bündnisses für Familie.

Herausforderungen der letzten Jahre

Betrachtet man die angeführten Veränderungen der letzten Jahre in den Familienbildungsstellen, lassen sich allgemeine Entwicklungstrends und spezifische einrichtungsbezogene Umstrukturierungen unterscheiden. Allgemeine Entwicklungstrends beziehen sich auf die Aspekte Finanzierung, höhere Berufsorientierung der Nutzerinnen sowie die Angebotsstruktur:  Angebote der Familienbildung werden nach wie vor zu großen Teilen über zeitlich befristete Fördergelder finanziert. Eine Finanzierung über die Projektphase hinaus ist in der Regel nur mit erheblichem Aufwand der Träger sicherzustellen – wenn überhaupt, denn Fördergelder fließen häufig nur für neu entwickelte Programmkonzepte, denen öffentliche Aufmerksamkeit sicher ist. Familienbildung ist jedoch, wie viele Leistungen im sozialen Bereich, ein „Vertrauensgut“ (Christa 2014). Die Inanspruchnahme solcher Angebote ist damit mit einem Vertrauensaufbau, d. h. mit Beziehungsarbeit verbunden. Erst wenn Programme über Mund-zu-Mund-Propaganda weiterempfohlen werden, haben sie sich etabliert. Dieser Prozess braucht Zeit: Von der Initiierung eines Angebots bis zur Etablierung können vielfach Jahre vergehen. Meistens läuft die Projektfinanzierung jedoch genau dann aus, wenn ein Angebot nach langer und intensiver

Beziehungsarbeit angenommen wird. Dies führt nicht nur zu Frustrationen der Träger, sondern hat auch Folgen für Akzeptanz und Inanspruchnahme familienbildender Angebote durch die Adressaten, denn mit dem Wegfall eines Angebots geht auch immer Vertrauen und das Gefühl verlässlicher Unterstützung verloren.  Die höhere Berufsorientierung junger Mütter und der damit zusammenhängende frühere Einstieg in den Arbeitsmarkt nach Mutterschutz und Elternzeit hat Konsequenzen für die Familienbildung. So werden die klassischen Eltern-Kind-Gruppenangebote deutlich kürzer in Anspruch genommen, als noch vor einigen Jahren. Die Nachfrage geht folglich zurück. Konsequenzen dieser Entwicklung lassen sich jedoch auch auf Anbieterseite verzeichnen, denn auch die Gruppenleitungen, die sich z. T. ehrenamtlich engagieren oder auf Honorarbasis arbeiten, steigen früher wieder in ihren Beruf ein und stehen der Familienbildung seltener oder nicht mehr zur Verfügung. Dadurch hat sich die Personalfluktuation erhöht, was für die Familienbildungsstellen mit einem deutlich höheren Organisations- und Verwaltungsaufwand verbunden ist.  Vor diesem Hintergrund hat sich die familienbildende Angebotsstruktur in den letzten Jahren verändert, so wurden vor allem offene Angebote ausgebaut, die vielfach statt vormittags am Nachmittag oder sogar am Wochenende stattfinden und bei denen die Nutzer keine große Verbindlichkeit und Verpflichtung eingehen.  Angebote für spezielle Zielgruppen, wie Familien mit Migrationshintergrund, Familien, die von Armut betroffen sind und sich in schwierigen Lebenssituationen befinden, wurden ausgebaut. Im Zuge der Fluchtmigration, kam es zu einer enormen Steigerung von Beratung von Familien mit Fluchterfahrung. Neben diesen allgemeinen Entwicklungstrends hat jede Einrichtung in den letzten fünf Jahren spezielle Veränderungen erfahren:  Mit vier zusätzlichen PAT-Gruppen hat die AWO 2017 auf den hohen Unterstützungsbedarf von geflüchteten Familien in Gemeinschaftsunterkünften reagiert. Zwei Gruppen wurden mit Auslaufen der Finanzierung im Dezember 2018 wieder eingestellt. Zudem wurde die AWO ab 2017 im Rahmen der Projekte „Netzwerk Elternchance Nürnberg - Elternbegleitung für geflüchtete Familien“ und „Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung“ tätig.  Die BRK-Familienbildung hat ihr Kursangebot erweitert und weitere Honorarkräfte gewonnen. Sie verfolgt weiterhin den Ausbau des Familienzentrums.  Der DKSB konnte sein Fortbildungsangebot ausweiten sowie die Ausbildung von „Achtung Grenze!“ Referenten/innen realisieren. Es konnten weitere Elternkurse, insbesondere für spezielle Zielgruppen, wie etwa Mütter mit Drogenerfahrung und Familien mit Fluchterfahrung in Gemeinschaftsunterkünften geschaffen werden. Auch der DKSB beteiligt sich am „Netzwerk Elternchance Nürnberg“. Zudem berichtet der DKSB über weiterhin steigende Nachfrage an Beratung von Fachkräften.  Die Ev. FBS hält verstärkt offene Angebote vor und hat ihr Programm mit neuen Kursen auf die Bedarfe der Zielgruppe angepasst. Am Programm „Netzwerk Elternchance Nürnberg“ beteiligt sich die Ev. FBS mit dem Cafe Dunya.  Das forum erwachsenenbildung konnte das Programm „Wunschgroßeltern“ stark ausweiten und so der sinkenden Zahl von Eltern-Kind-Gruppen einen neuen Weg der Familienentlastung und – stärkung entgegensetzen.  pro familia hat mit dem Projekt „wert(e)volle Integration – sexuelle Bildung für geflüchtete Menschen“ sein Angebot bedarfsgerecht erweitert. Zudem fand eine deutliche Ausweitung der Beratung zu Elterngeld, Elternzeit und der damit verbundenen Lebensplanung statt. Beratung und sexuelle Bildung zu geschlechtlicher Vielfalt wurde als neuer Bedarf identifiziert.  Treffpunkt e.V. konnte seine offenen Angebote ausweiten und die Vernetzung mit Kooperationspartnern im Stadtteil vertiefen. Mit dem Frauenintegrationzentrum (FIZ) wurde ein breites Angebot für geflüchtete Frauen und ihre Kinder geschaffen. Auch im Rahmen von „Netzwerk Elternchance Nürnberg“ ist Treffpunkt e.V. aktiv.  Das Zentrum Kobergerstraße verzeichnete eine Steigerung der Nachfrage von Vätern nach Beratung, Gruppenangeboten und Workshops. Das Elterntraining Wiege wurde zum Herbst 2018 eingestellt.

 Zoff + Harmonie hat die Kooperation mit Kindertageseinrichtungen vertieft und die Zusammenarbeit mit einer offenen Ganztagsschule aufgenommen. Neue thematische Elternabende und eine Ausweitung der Angebote in den Bereichen Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Partnerschaft ergänzen das Programm.

Fazit

Die neun Familienbildungsstellen können als zentrale Akteure der Nürnberger Familienbildung angesehen werden. Sie arbeiten seit Jahren eng mit dem Stab Familienbildung im Jugendamt zusammen und bringen sich in die Prozesse zur Weiterentwicklung der Familienbildung in Nürnberg ein. Betrachtet man das Angebotsspektrum der zentralen familienbildenden Einrichtungen in Nürnberg, ist festzuhalten, dass ihre Leistungen durch eine große Vielfalt geprägt sind, sowohl hinsichtlich der Angebotsinhalte als auch hinsichtlich der Angebotsformate. Dies kommt der Vielfalt der Familien und ihren Lebenssituationen entgegen, denn die Unterstützungsbedarfe von Familien sind äußerst unterschiedlich. Besonders hervorzuheben ist, dass nahezu alle Einrichtungen auch dezentral arbeiten. Das heißt, Veranstaltungsorte sind nicht allein die jeweiligen Einrichtungen, sondern es werden im gesamten Stadtgebiet Räumlichkeiten und Orte genutzt bzw. stadtweit wird mit Kindertageseinrichtungen und Schulen kooperiert. In der Regel handelt es sich hierbei um einmalige Veranstaltungen bzw. einmalige Veranstaltungsreihen. Einige Familienbildungsstellen machen jedoch auch feste Angebote außerhalb ihrer Einrichtungen an alltagsnahen Orten, so finden die AWO- Elternbildungsprogramme z. B. in der Südstadt, in Gostenhof und St. Leonhard/Schweinau statt. Sofern Plätze frei sind, können natürlich auch Eltern aus anderen Nürnberger Stadtteilen teilnehmen, dies ist jedoch sowohl für die Hausbesucherin als auch für die Eltern selbst mit längeren Anfahrtszeiten verbunden. Die Evang. FBS hat feste Angebote im Stadtteiltreffpunkt Nordostbahnhof und Zoff + Harmonie bietet ein Angebot an der offenen Ganztagsschule der Maria Ward Schule. Hinsichtlich der Zielgruppen lässt sich festhalten, dass sich die Familienbildungsstellen nicht allein auf die Zielgruppe der Eltern konzentrieren, sondern auch Fortbildungsangebote für Fachkräfte und Multiplikatoren machen. Bei den Eltern ist jedoch eine eindeutige Schwerpunktsetzung auf die frühe Elternschaft bzw. auf Eltern mit Kindern im Vorschulalter zu erkennen, insbesondere von der Geburtsvorbereitungsphase bis zum Alter von drei Jahren. Der Übergang vom Paar zum Elternsein sowie die Entwicklung und Förderung des Kindes in den ersten Lebensjahren stehen damit im Mittelpunkt des Angebots der Familienbildungsstellen und belegen damit einmal mehr die große Schnittmenge zwischen dem Leistungsbereich Familienbildung und den Frühen Hilfen. Spezielle Angebote für Väter werden vermehrt geschaffen. Damit soll spezifischen Bedarfen und Formen der Ansprache Rechnung getragen werden und den Effekten starker Unterrepräsentanz in gemischten Kursen entgegengewirkt werden. Auf bestimmte Familienformen ausgerichtete Angebotsformate gibt es vorrangig für die Gruppe der Alleinerziehenden. Niedrigschwellige Konzepte für bestimmte Lebens- und Belastungssituationen werden insbesondere für Familien mit Fluchterfahrung und Familien mit Migrationshintergrund, für von Armut betroffene bzw. sozial benachteiligte Familien sowie junge Mütter, insbesondere im Übergang von Elternzeit zur Berufstätigkeit sowie im Kontext beruflicher Aktivierung angeboten. Dies ist ein Ergebnis des in den letzten Jahren verstärkt vorangetriebenen Ausbaus von Angeboten für „schwerer erreichbare Zielgruppen“. Besonders Familienbildungsstellen, die in Stadtteilen mit hohem Migrantenanteil verortet sind, bauten dieses Angebot deutlich aus. Hierbei ist in der Regel viel Ausdauer nötig, denn Vertrauen muss vielfach erst aufgebaut werden, damit die Angebote angenommen werden. Die neun Familienbildungsstellen können sich über eine rege Inanspruchnahme ihrer Angebote freuen, was auch die Teilnehmerstatistik belegt. Die Teilnehmerstruktur ist abhängig vom Angebotsprofil der Einrichtung, hier gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Einrichtungen. Insgesamt ist festzuhalten, dass es einigen Familienbildungsstellen sehr gut gelingt Familien zu erreichen, die in der Fachliteratur gerne als „schwer erreichbar“ bezeichnet werden, wie z. B. Familien mit Migrationshintergrund und sozial benachteiligte Familien.

5.2 Familienstützpunkte

Im Rahmen des Modellprojekts „Familienstützpunkte“ wurde die Stadt Nürnberg als einer von elf Modellstandorten von April 2010 bis Juni 2013 bei der Weiterentwicklung der Familienbildung nach § 16 SGB VIII vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales unterstützt. Die zentralen Zielsetzungen des Modellprojekts waren:  die – auf den Empfehlungen des ifb basierende16 – mit den zentralen freien Trägern der Familienbildung abgestimmte Entwicklung planerischer und konzeptioneller Grundlagen für die Familienbildung sowie  die Einrichtung und praktische Erprobung von Familienstützpunkten. Mit der Überführung des Modellprojekts in ein bayernweites Förderprogramm (Programm zur Förderung der strukturellen Weiterentwicklung kommunaler Familienbildung und von Familienstützpunkten) wurde die staatliche Förderung im Juni 2013 verstetigt. Sie unterliegt jedoch dem Haushaltsvorbehalt. Die Fortsetzung der finanziellen Unterstützung stellt für den Stab Familienbildung und die in der Modellphase eingerichteten Familienstützpunkte ein Gewinn an Planungssicherheit und eine Verbesserung der finanziellen Rahmenbedingungen dar. Familienstützpunkte sind wohnortnahe Kontakt- und Anlaufstellen für Familien. Sie werden an etablierten familienbildenden Einrichtungen angegliedert und sollen im Wesentlichen folgende fünf Aufgaben wahrnehmen:  Vorhaltung und Initiierung bedarfsgerechter familienbildender Angebote,  Allgemeine Beratung und Unterstützung von Familien gemäß § 16 SGB VIII,  (Weiter-)Vermittlung ratsuchender Familien an geeignete weiterführende Einrichtungen,  Kooperation und Vernetzung mit relevanten Einrichtungen und Akteuren vor Ort sowie  Entwicklung und Umsetzung geeigneter Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit. Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Familienbildung gemäß § 78 SGB VIII waren von Anfang an in die Steuerung des Modellprojekts eingebunden und hatten 2011 alle die Möglichkeit, Familienstützpunkt zu werden. So wurde sichergestellt, dass es sich um etablierte familienbildende Einrichtungen handelte, die stadtweit operieren, gut vernetzt sind und über langjährige und gefestigte Kooperationsbeziehungen zum Stab Familienbildung verfügen. Interessierte Einrichtungen haben auf der Grundlage der vom Bayerischen Sozialministerium vorgegebenen Qualitätskriterien ein Familienstützpunkt-Konzept erarbeitet und sich damit beim Stab Familienbildung beworben. Nach Prüfung und Begutachtung durch die Steuerungsgruppe sowie in Abstimmung mit dem Sozialministerium und dem ifb wurden in zwei Wellen (2011 und 2013) an folgenden sieben Familienbildungsstätten Familienstützpunkte eingerichtet:  Familienstützpunkt – AWO Elternbildungsprogramme, Marientorgraben 9,  Familienstützpunkt – Bayerisches Rotes Kreuz Elternbildung, Sulzbacherstraße 42,  Familienstützpunkt – Deutscher Kinderschutzbund, Rothenburger Straße 11,  Familienstützpunkt – Evangelische Familien-Bildungsstätte, Leonhardstraße 13,  Familienstützpunkt – Treffpunkt e.V., Fürther Str. 212,  Familienstützpunkt – Zentrum Kobergerstraße e.V., Kobergerstraße 79 sowie  Familienstützpunkt – Zoff + Harmonie, Vordere Sterngasse 1. Da die Familienstützpunkte in Nürnberg alle an etablierten Familienbildungsstellen angegliedert wurden, verfügten sie bereits über gute Ausgangsvoraussetzungen und kamen dem Profil eines Familienstützpunkts (siehe oben) von Anfang an sehr nahe: Alle Einrichtungen machten Angebote der Familienbildung, waren sowohl stadtweit als auch im jeweiligen Sozialraum gut vernetzt und betrieben zielgruppenspezifische Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit, auch unter Einsatz neuer Medien. Beratungsangebote gemäß § 16 SGB VIII sowie Angebote der passgenauen Weitervermittlung wurden en passant gemacht, waren aber bislang nicht explizit konzipiert und beworben worden. Um den Anforderungen an Familienstützpunkte gerecht zu werden (siehe oben), musste der Großteil der Familienbildungsstellen damit vor allem die Beratungs- und Lotsenfunktionen neu konzipieren und

16 Die Empfehlungen wurden im Rahmen eines Leitfadens (Rupp et al. 2009) und eines Handbuchs (Rupp et al. 2010) veröffentlicht und den Modellstandorten zur Verfügung gestellt.

offensiver wahrnehmen. Im Folgenden werden die sieben Familienstützpunkte kurz dargestellt. Da sie, wie vom Staatsministerium vorgesehen, an bestehenden familienbildenden Einrichtungen angegliedert wurden, sind die Familienstützpunktprofile stark von den Ausgangseinrichtungen geprägt.

Der Familienstützpunkt AWO – Elternbildungsprogramme richtet sich vorrangig an Familien mit Migrationshintergrund sowie Familien in benachteiligten Lebenslagen. Die standardisierten Angebote für Eltern und ihre Kinder im Alter von 0 bis 6 Jahren zielen darauf ab, die elterliche Erziehungskompetenz zu unterstützen, den Lernort Familie zu stärken und den Kindern gute Ausgangsvoraussetzungen für den Eintritt in die Schule mitzugeben (siehe Kapitel 5.1). Über das familienbildende Angebot hinaus bietet der Familienstützpunkt an allen Werktagen von 9 bis 11 Uhr sowie einmal in der Woche am Nachmittag von 14 bis 15:30 Uhr niedrigschwellige Einzelberatungen zu allgemeinen Fragen der Erziehung und Entwicklung (§ 16 SGB VIII) an und vermittelt Familien bei Bedarf passgenau an weiterführende Einrichtungen. Übersetzungshilfen sind in türkisch, arabisch, kurdisch, englisch, französisch, russisch, oromo und amharisch möglich. Um auch Familien zu erreichen, die Angebote der Elternbildung bislang nicht kennen oder Hemmungen haben, diese zu besuchen, wurde am AWO-Familienstützpunkt eine besondere Strategie erarbeitet: Regelmäßig werden die PAT- und HIPPY-Gruppentreffen in den Nürnberger Stadtteilen für Besucher geöffnet. In einer Art „Schnupperstunde“ können sich Eltern über Erziehungsthemen beraten lassen, über die Angebote der Familienbildung informieren und untereinander austauschen. Begleitend wird Kinderbetreuung angeboten. Bei den „Schnupperstunden“-Teilnehmer/innen handelt es sich vielfach um Verwandte, Bekannte und Freunde von Eltern(teilen), die an PAT – Mit Eltern lernen oder HIPPY teilnehmen. Der Besuch eines offenen Gruppentreffens ermöglicht es ihnen, sich unter dem Begriff Elternbildung etwas Konkretes vorstellen zu können und Hemmschwellen abzubauen. Da auch für die offenen Gruppentreffen Übersetzungshilfen möglich sind oder sie, je nach Zusammensetzung der Teilnehmerschaft, in der Herkunftssprache durchgeführt werden, sprechen sie insbesondere schwer zu erreichende Zielgruppen an und schaffen Zugänge zur Familienbildung. Über diese erfahrungsbasierte Form der Öffentlichkeitsarbeit hinaus werden virtuelle Plattformen und Handzettel genutzt, um über die Angebote zu informieren. Die wichtigste Öffentlichkeitsarbeit, um die Zielgruppe des AWO- Familienstützpunkts (Familien mit Migrationshintergrund sowie Familien in benachteiligten Lebenslagen) zu erreichen, ist jedoch die Mund-zu-Mund-Propaganda.

Der Familienstützpunkt des Bayerischen Roten Kreuzes, Kreisverband Nürnberg-Stadt arbeitet eng mit dem Familienzentrum zusammen und richtet sich vorrangig an werdende Eltern, Eltern mit Kindern in den ersten Lebensjahren, Alleinerziehende, Großeltern und Jugendliche. Das Angebotsspektrum erstreckt sich auf Bildungs-, Erziehungs- und Gesundheitsthemen (siehe Kapitel 5.1). Familien haben Montag bis Mittwoch von 9.00 bis 12.00 Uhr und Donnerstag von 12.00 bis 14.30 Uhr die Möglichkeit sich zu allgemeinen Erziehungs- und Entwicklungsfragen sowie Angeboten der Familienbildung beraten zu lassen. Durch die Zusatzqualifikation einer Familienstützpunkt-Mitarbeiterin kann auch auf der Basis eines systemischen Ansatzes vorgegangen werden. Am Wochenende und abends sind Beratungs- und Vermittlungsgespräche vor oder nach Kursen und Veranstaltungen möglich. Durch engen Kontakt zu den 11 trägereigenen Kindertagesstätten, vier davon in unmittelbarer Nachbarschaft zum Familienzentrum, werden viele Eltern auf das Angebot des Familienstützpunktes aufmerksam. Das Konzept der Öffentlichkeitsarbeit umfasst ein zweimal jährlich erscheinendes Kursprogramm mit einer jeweiligen Auflage von 2.000 Exemplaren und einem umfassenden Internetauftritt.

Zu den Zielgruppen des Familienstützpunkts des Deutschen Kinderschutzbundes gehören alle Kinder, Jugendlichen und Eltern. Spezielle familienbildendende Angebote, insbesondere die Elternkurse Starke Eltern – Starke Kinder®, werden für türkisch- und russischsprachige Migranten sowie Eltern in schwierigen Lebenslagen gemacht. Darüber hinaus richtet sich der Familienstützpunkt mit Beratungs- und Fortbildungsangeboten auch explizit an pädagogische Fach- und Lehrkräfte (siehe Kapitel 5.1). Beratungen zu allgemeinen Fragen der Erziehung und kindlichen Entwicklung sowie zu familienbildenden Angeboten in Nürnberg sind von Montag bis Freitag zwischen 9 und 13 Uhr möglich. Einmal im Monat wird die sozialpädagogische Beratung durch eine Rechtsberatung, durchgeführt von einer Rechtsanwältin, ergänzt. Im Rahmen öffentlichkeitswirksamer Maßnahmen wie Aushänge und Faltblätter, Ankündigen in der regionalen Presse und durch regionale Rundfunksender,

Informationsveranstaltungen, einem umfassenden Internetauftritt sowie dem mit dem Familienstützpunktlogo beklebten Auto des Kinderschutzbundes wird auf die Angebote aufmerksam gemacht.

Der Familienstützpunkt der Evangelischen Familien-Bildungsstätte ist grundsätzlich für alle Familien da – unabhängig von der jeweiligen Lebensphase, sozialen Lage, kulturellen oder religiösen Herkunft. Die familienbildende Angebotspalette richtet sich schwerpunktmäßig an Eltern mit Kindern zwischen null und drei Jahren, besonders niedrigschwellige Angebote werden für Familien mit Migrationshintergrund sowie Familien mit besonderem Unterstützungsbedarf gemacht (siehe Kapitel 5.1). Das pädagogische Team steht von Montag bis Freitag 9:00 bis 18:00 Uhr und am Sonntag von 10:00 bis ca. 15:00 Uhr für Beratungen zu allgemeinen Fragen der Erziehung und kindlichen Entwicklung sowie Fragen nach passenden Angeboten der Familienbildung zur Verfügung. Bei Bedarf können sich Familien auch in türkischer Sprache Unterstützung holen. Eine besondere Bedeutung kommt den offenen Eltern-Kind-Cafés zu. Café Dunya ist offen für geflüchtete Frauen mit ihren Kindern und hat zusätzlich zur pädagogischen Leitung auch eine mehrsprachige Ansprechpartnerin. Das Café Frische Brise ist zweimal pro Woche geöffnet und bietet durch die pädagogische Leitung Austausch und Unterstützung in Fragen rund um die Erziehung. Der Second-Hand-Laden „FLORA“ ermöglicht Familien einen niedrigschwelligen Zugang zu den Angeboten des Familienstützpunkts. Das Öffentlichkeitskonzept des Familienstützpunkts der Evangelischen Familienbildungsstätte sieht je nach Zielgruppe unterschiedliche Maßnahmen vor: Neben einem dreimal jährlich erscheinenden Kursprogramm, einer umfassenden und stets aktuellen Homepage, Aushängen und Faltblättern, Teilnahme an Stadtteilfesten, Ankündigungen in den regionalen Medien sowie über einen E-Mail- Verteiler werden auch Kooperationspartner und Multiplikatoren informiert, damit diese wiederum die Familien über passende Angebote informieren.

Der Familienstützpunkt Treffpunkt e.V. ist Anlauf- und Beratungsstelle sowie Begegnungs- und Familienbildungsstätte. Ziel des Familienstützpunktes ist die nachhaltige Stärkung von Familien, ihrer Erziehungskompetenz und Selbstfürsorge. Familien erfahren über offene, freiwillige Angebote eine niederschwellige, alltagsbezogene Bildung, die sich an der aktuellen Lebenssituation der Eltern und Kinder orientiert. Die Begleitung der Familien ist individuell und entwicklungsorientiert. Die Angebote beziehen sich bedarfs- und sozialraumorientiert auf die verschiedenen Lebensphasen der Eltern, wie Schwangerschaft, neue Elternschaft, Existenzsicherung, Pflege von Angehörigen, etc. Aufgrund der besonderen Trägerkompetenz sind mit dem Familienstützpunkt auch die Beratungs- und Hilfsangebote für junge Mütter verknüpft. Räumlich integriert sind auch die beruflichen Aktivierungsmaßnahmen für junge Mütter und Mütter mit Migrationshintergrund. Zielgruppe sind angestammte - bereits seit längerem ansässige -, wie auch neu zugezogene Familien aus dem Stadtteil bzw. den Stadtteilen im Nürnberger Westen. Angestrebt wird eine ausgewogene Mischung aus Familien mit und ohne Flucht-/ Migrationshintergrund. Die Angebote für die Zielgruppe sind offen und freiwillig. Bei Bedarf wird auch aufsuchend bzw. abholend gearbeitet, um den Zugang der gesamten Zielgruppe zum Familienstützpunkt und anderen Zielorten zu gewährleisten. Methodisch wird neben praxis- und handlungsorientierten Methoden vor allem das Lernen durch gegenseitiges Lehren bzw. Lernen voneinander eingesetzt. Der Familienstützpunkt wirbt für seine Angebote durch vielfältige Öffentlichkeitsarbeit. Neben den üblichen Online- und Printwerbungen beteiligt sich der Familienstützpunkt gezielt an Kampagnen und Aktionen der Familienbildung Nürnberg, dem Bündnis für Familie und den Aktionen im Stadtteil. Darüber hinaus ist er eng vernetzt und in die städtischen Strukturen eingebunden.

Der Familienstützpunkt Zentrum Kobergerstraße e.V. ist angegliedert an die staatliche Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen und richtet sich demzufolge an alle Einzelpersonen und Familien in der Phase der Schwangerschaft sowie den ersten Lebensjahren des Kindes. Entsprechend greifen die familienbildenden Angebote vorrangig Themen auf, die für diese Familienphasen relevant sind. Das Vernetzungsangebot des Stützpunktes ist für das Klientel der Beratungsstelle eine wichtige Hilfestellung, um Angebote außerhalb zu finden. Dieses Vernetzungsangebot reicht von Empfehlungen für Erziehungsberatung über Informationen zu familienpolitischen Leistungen und deren Beantragung bis zu Unterstützung bei der Findung von Betreuungseinrichtungen. Beratungen sind während der Öffnungszeiten (Montag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 9:00 bis 12:30 Uhr und von 13.30 bis 16 Uhr sowie am Dienstag von 14 bis 18 Uhr) oder nach Vereinbarung möglich. Die

Öffentlichkeitsarbeit des Familienstützpunkts Zentrum Kobergerstraße ist Bestandteil des Internetauftritts und der jährlich erscheinenden Printmedien.

Auch bei Zoff + Harmonie, Familienbildung der Katholischen Stadtkirche wurde ein Familienstützpunkt angegliedert. Dieser richtet sich grundsätzlich an alle Familien, unabhängig von Nationalität, religiöser Zugehörigkeit und Lebensform. Ziel ist die Begleitung von Paaren, die Förderung der Erziehungskompetenz von Müttern und Vätern sowie die Unterstützung bei der Bewältigung und Gestaltung der Herausforderungen des Familienlebens. Das Familienbildungsangebot umfasst Kommunikationstrainings für Paare, Angebote zur Förderung der elterlichen Erziehungskompetenz sowie Erlebnisangebote für Eltern und Kinder bzw. speziell für Väter und ihre Kinder. Über das Angebotsspektrum hinaus können sich Familien von Montag bis Freitag, jeweils von 9 bis 12 Uhr, zu allgemeinen Fragen der Erziehung und Entwicklung der Kinder, zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie passenden Angeboten beraten lassen. Die Öffentlichkeitsarbeit des Familienstützpunkts Zoff + Harmonie umfasst unterschiedliche Maßnahmen: Das Angebot wird hauptsächlich in einem Halbjahresprogramm (in Printform und im Internet) veröffentlicht. Auch durch Aushänge und Flyer, Ankündigungen in den regionalen Medien, Informationsveranstaltungen sowie persönliche Einladungen wird informiert. Seit Herbst 2018 wird 3 x jährlich ein Newsletter versendet, auch werden aktuell Angebote über einen Facebookauftritt beworben.

Die kurze Darstellung belegt, dass mit den Familienstützpunkten das Angebotsspektrum der Nürnberger Familienbildungsstellen insbesondere im Bereich Beratung und Vermittlung noch einmal erweitert wurde. Die Familienstützpunkte führen seit 2014 als Nachweis für das Staatsministerium eine Dokumentation ihrer durchgeführten Beratungsgespräche sowie eine Dokumentation der durchgeführten Angebote. Diese zeigen für das Jahr 2018 folgendes Bild: Auch wenn es aufgrund der unterschiedlichen Dokumentationsweisen, der verschiedenen Angebotsformaten und Laufzeiten schwierig ist, die Anzahl der Angebote an den Familienstützpunkten zu berechnen, soll dieser Versuch unternommen werden. Insgesamt wurden 2018 an den sieben Familienstützpunkten mindestens 890 Angebote der Familienbildung gemacht. Dabei handelt es sich um 301 Angebote in Form von Kursreihen und Einzelveranstaltungen, 12 fortlaufende Angebote - ein oder zweimal wöchentlich stattfindend, sowie 6 verschiedene Angebote nach Terminvereinbarung. An allen Angeboten haben mindestens 8.112 Erwachsene und 4.382 Kinder teilgenommen. Die Familienstützpunkte haben 14.272 Anfragen von Eltern bzw. anderen Familienmitgliedern entgegengenommen, wobei zu beachten ist, dass diese Zahl die Beratungsdauer nicht berücksichtigt. Differenziert man die Anfragen nach der Art der Kontaktaufnahme, zeigt sich, dass der Großteil persönlich an die Familienstützpunkte gerichtet wurde (siehe Abb. 8) und die Zahl der telefonischen und E-Mail-Anfragen deutlich geringer ist. Begründen lässt sich die hohe Zahl persönlicher Beratungen v. a. damit, dass persönliche Beratungsgespräche vielfach im Anschluss oder vor Beginn einer familienbildenden Veranstaltung stattfinden (Tür- und Angelgespräche). Unterscheidet man die Themenbereiche der Beratungs- und Informationsleistungen, zeigt sich, dass der Großteil der Beratungen weitere Angebote und Einrichtungen betroffen hat, in der Regel erfolgte eine passgenaue Weitervermittlung ratsuchender Familien. Auch zu den Themen Integration und Alltagskompetenz bestand ein hoher Bedarf. Geringer ist die Zahl von Beratungen im Bereich Erziehungskompetenz und kindliche Entwicklung. Relativ wenig Anfragen erhalten die Familienstützpunkte zu den Themenbereichen Partnerschaft, Freizeitgestaltung sowie (überraschend) Schwangerschaft und Geburt (siehe Abb. 9).

Abb. 8: Anfragen von Eltern differenziert nach Art der Kontaktaufnahme (absolute Werte)

2.214

Persönliche Anfrage Telefonische Anfrage 2.909 E-Mail-Anfrage 9.149

Eigene Berechnung und Darstellung.

Abb. 9: Anfragen von Eltern differenziert nach dem Themenschwerpunkten (absolute Werte)

Angebote / Einrichtungen 2.763 Sonstige Themen Integration Alltagskompetenzen Kindliche Entwicklung Erziehungskompetenzen Problem-/Konfliktbewältigung Gesundheit Schwangerschaft/Geburt Freizeitgestaltung 775 Partnerschaft 624

Eigene Berechnung und Darstellung.

Mit dem Ziel, die Transparenz im Bereich des familienbildenden Angebots in Nürnberg für Eltern und Fachkräfte zu verbessern, wurde im Rahmen des Modellprojektes, neben den sieben „realen“ Familienstützpunkten auch ein „virtueller“ Familienstützpunkt, d. h. ein internetbasierter Veranstaltungskalender eingerichtet. Dieser wurde in den Internetauftritt der Nürnberger Familienbildung (www.familienbildung.nuernberg.de) überführt. Die Homepage ermöglicht es somit, sich über die zentralen Nürnberger Familienbildungsstellen und Familienstützpunkte zu informieren und gezielt nach einzelnen familienbildenden Angeboten zu suchen (siehe dazu Kapitel 5.4).

5.3 Integrierte Familienbildung in Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe

Neben den sieben Familienstützpunkten und den neun zentralen Familienbildungsstellen der Arbeitsgemeinschaft Familienbildung nach § 78 SGB VIII gibt es in Nürnberg weitere Anbieter familienbildender Angebote. Darunter auch Formen der Eltern- und Familienbildung, welche in anderen

Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe integriert sind. Auch diese Angebotspalette zur Unterstützung der Erziehungskompetenz zeichnet sich durch eine große Vielseitigkeit aus. Im Folgenden werden diese Ansätze kurz vorgestellt.

Beratung und Familienbildung beim Allgemeinen Sozialdienst

Beratung nach § 16 ist eine eigenständige Aufgabe und eine Kernkompetenz des ASD. Sie hat eine überaus wichtige Funktion im Angebotsportfolio des ASD, steht im direkten Zusammenhang und Kontext zum Krisenmanagement im Kinderschutz und der Steuerung von Hilfen zur Erziehung. Die Beratung nach § 16 ist Beratung in Fragen der Erziehung und Entwicklung junger Menschen und ihrer Familien. Sie bezieht sich auf die ganze Bandbreite familialer Bedürfnisse und Problemlagen. Sie umfasst Fragen von zwischenmenschlichen Beziehungen, Entwicklungen von Lebensentwürfen, Hilfen in konkreten Konfliktsituationen und bietet Unterstützung und Beratung in belastenden sozialen und ökonomischen Situationen. Beratung nach § 16 kann/muss auch in einem sehr umfassenden Ansatz im Kontext der „Hilfen zur Erziehung“ durchgeführt werden. Gerade im Vorfeld und im Anschluss einer Hilfe zur Erziehung kommt dieser Art von Beratung bzgl. der Nachhaltigkeit richtungsweisende und entscheidende Bedeutung zu. Auch Informationen über Gewalt zwischen Eltern sind Anlass für Beratung. Dabei werden Eltern sensibilisiert, wie Kinder unter der Gewalt zwischen Eltern leiden und in ihrer Entwicklung beeinträchtigt werden, auch wenn sie selbst nicht direkt von dieser Gewalt betroffen sind. Eltern werden angeleitet und unterstützt, ein anderes, konstruktives Konfliktlösungsverhalten zu erlernen. Die Begleitung und Unterstützung an den Übergängen der Entwicklung von Kindern, Jugendlichen und Familien (Partnerschaft/Elternschaft, Kindergarten/Schule, Schule/Beruf) ist Bestandteil der Beratungsarbeit und oftmals deren Ausgangspunkt. Um Familien frühzeitig zu erreichen, sind niedrigschwellige, aufsuchende, präventiv orientierte, unterstützende, fördernde und entlastende sozialpädagogische Angebote nötig. Dabei spielt die Information über die vielfältigen Angebote der „Frühen Hilfen“ eine entscheidende Rolle, ebenso wie die Vermittlung der passgenauen „Frühen Hilfe“. Diese Unterstützung richtet sich auch an werdende Eltern mit der Information über die Angebote niederschwelliger Hilfen rund um die Geburt. Das Beratungsangebot ist offen und passgenau an den Bedürfnissen der Familien orientiert. Es richtet sich an Eltern und sonstige Erziehungspersonen. Generell wird ein u.U. „abwesender“ Elternteil in seiner Bedeutung mitgedacht und in den Beratungsprozess einbezogen. Dabei ist ein aktives „Werben“ um die Beteiligung beider Elternteile im Beratungsprozess notwendig. Die individuelle Beratung wird eng mit den Angeboten des Sozialraums verknüpft, z.B. mit Angeboten von Bildung und Teilhabe, beruflichen Qualifizierungs-/Ausbildungsangeboten usw. Im Beratungskontext gilt „Empowerment“ als grundsätzlicher Beratungsansatz mit präventiven und aufsuchenden Elementen. Aus eigener Kraft sollen die Unüberschaubarkeiten, Komplikationen und Belastungen des Lebens bewältigt werden. Zielsetzung ist eine Veränderung, ein Wechsel in der bisherigen Lebensgestaltung und im speziellen der Erziehungshaltung. Über eine Förderung der Selbstbestimmung durch Berater sollen Selbstbefähigungsanteile und eigene Ressourcen erkannt und erhöht werden, um mittelfristig eigenverantwortlich in der eigenen Lebensgestaltung zu wirken und eine verantwortliche Erziehungshaltung aufzubauen. Dazu gehört auch die Aktivierung von Selbsthilfekräften. Die für Selbstbefähigungsprozesse notwendige Motivation (i.d.R. „Intrinsische Motivation“) entsteht im Beratungsprozess ausschließlich durch eine intensive Beziehungsarbeit. Dieser Schlüssel zum Erfolg – Beziehungsarbeit - hat mehrere wesentliche und notwendige Bestandteile. So sind Hausbesuche, die Kenntnis des Lebensumfeldes der Erziehungspersonen und des Sozialraums sowie die fachliche intensive Vernetzung mit Kooperationspartnern unabdingbar notwendiges „Handwerkszeug“.

Familienbildung im Rahmen von Perspektiven für Familien

„Perspektiven für Familien: Beschäftigung und Jugendhilfe im Tandem“ war ein Modellprojekt. Es wurde vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales von 2010 – 2016 gefördert. In der 1. Phase wurde das Projekt durch das Deutsche Jugendinstitut wissenschaftlich begleitet. Zielgruppe waren Eltern mit Kindern und Alleinerziehende mit vielfältigen Handlungsbedarfen. Seit Anfang 2017 wurde die Maßnahme verstetigt und in die Regelstrukturen von Jobcenter und Jugendamt Nürnberg übernommen. Es sollen Ziele auf nachfolgenden drei Ebenen erreicht werden:  Auf der individuellen Ebene soll eine verfestigte Beschäftigungslosigkeit durchbrochen und beendet, stabile Alltagsstrukturen hergestellt und Beschäftigungsfähigkeit gestärkt werden.  Auf der Ebene der Familie sollen Bildung, Betreuung und Teilhabe von Anfang an unterstützt, Stigmatisierungen verhindert und gelingendes Aufwachsen ermöglicht werden.  Auf der Verwaltungsebene soll die Kooperation zwischen den Rechtskreisen SGB II – Beschäftigungsförderung - und SGB VIII - Jugendhilfe - intensiviert, Arbeitsabläufe und Schnittstellen optimiert werden. Die positiven Erfahrungen und Arbeitsweisen wurden in die Regelstrukturen übernommen. Kernelement der praktischen Umsetzung von „Perspektiven für Familie“ sind die drei „Fachkräfte- Tandems“, bestehend jeweils aus Mitarbeitern des Jobcenters und Sozialpädagogen des Jugendamtes, Allgemeiner Sozialdienst. Alle drei Tandems sind im Jobcenter–West in der Nicolaistr. 14 in Nürnberg im Einsatz. Wesentlich ist der zugrundeliegende ganzheitliche Ansatz. Ziel ist eine Vermittlung in den 1. Arbeitsmarkt, die u.a. durch verschiedene Maßnahmen wie Qualifizierung, Ausbildung/Umschulung, Bewerbungstraining, Stellensuche, Fördermöglichkeiten für Arbeitgeber und -nehmer, Einsatz in Praktika erreicht werden sollen. Nachhaltige Beschäftigung soll erreicht werden. Parallel wird die Familie bedarfsgerecht begleitet, erhält Unterstützung zur Bewältigung des Familienalltags (z.B. Stärkung der Erziehungsfähigkeit, Verbesserung der Entwicklungsfähigkeit) und zur Förderung der Kinder (z.B. Lernförderung).

Familienbildung im Rahmen der Frühen Hilfen

Vor dem Hintergrund des Bekanntwerdens erschreckender Fälle von Kindesvernachlässigung, Misshandlung und Tötung in Deutschland hat der Jugendhilfeausschuss der Stadt Nürnberg 2006 den Aufbau eines sozialen Frühwarnsystems in Nürnberg beschlossen. Ziel war es, den Schutz von Neugeborenen und Kleinkindern vor Misshandlung und Vernachlässigung zu überprüfen und ggf. zu verbessern. Das Vorhaben wurde als Kooperationsprojekt zwischen der städtischen Jugend- und Gesundheitshilfe konzipiert. Im Oktober 2008 wurde im gemeinsamen Gesundheits- und Jugendhilfeausschuss das Konzept „Soziales Frühwarnsystem und Frühe Hilfen für Eltern und Kinder in Nürnberg“ beschlossen. Dieses Paket umfasst unterschiedliche Maßnahmen, die darauf ausgerichtet sind, Kindeswohlgefährdungen, besondere Risikolagen und erhöhte Förderbedarfe frühzeitig zu erkennen und Kinder – insbesondere durch präventive Maßnahmen – vor Gefahren für ihr Wohl zu schützen. Die Maßnahmen lassen sich folgenden Handlungsbereichen zuordnen:  Förderung einer „neuen Kultur des Hinsehens“ durch entsprechende Sensibilisierung der Öffentlichkeit und Information der verschiedenen Institutionen,  frühzeitiges Erkennen, Verbesserung und Vereinfachung der Zugänge zum Jugendhilfe- und Gesundheitssystem sowie  individuelles und zielgenaues Handeln mit einem differenzierten Beratungs-, Förder-, Unterstützungs- und Hilfeangebot. Insbesondere im letztgenannten Bereich gibt es eine große Schnittmenge zur Familienbildung, denn der Nürnberger Weg sieht vor, nicht nur gezielt Entlastungsangebote und Hilfen für überforderte Eltern auszubauen, sondern auch die präventiven Unterstützungsangebote für alle Eltern bedarfsgerecht zu erweitern, um riskanten Entwicklungen von vornherein zu begegnen.

Kernelement des sozialen Frühwarnsystems und der Frühen Hilfen ist die Koordinierende Kinderschutzstelle (KoKi), die im Jugendamt im Bereich „Soziale Dienste und erzieherische Hilfen“, gemäß der Förderrichtlinie des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales eingerichtet wurde. Zu ihren Aufgaben zählen u. a.:  Vernetzung der Fachkräfte aus allen relevanten Bereichen rund um Schwangerschaft, Geburt und Kleinkindzeit (Nürnberger Netzwerk Frühe Hilfen),  Leitung von Gremien und Arbeitskreisen,  Planung, Implementierung und Finanzierung von Unterstützungsangeboten für Eltern mit Kindern von null bis drei Jahren,  passgenaue Vermittlung belasteter Familien an Anbieter Früher Hilfen (Navigationsfunktion),  Beratung von Familien und Fachkräften im Themenbereich Frühe Hilfen,  Entgegennahme und Weiterleitung von Hinweisen auf Kindeswohlgefährdungen (Hotline „Frühe Hilfen und Kinderschutz“),  Beratung und Sensibilisierung von Fachkräften im Themenbereich Frühe Hilfen und Kinderschutz,  Einsatzsteuerung und fachliche Begleitung von Familienhebammen und Familienkinderkrankenschwestern sowie  Öffentlichkeitsarbeit. Zu den spezifischen Angeboten im Bereich Frühe Hilfen zählen unter anderem:  Willkommenspaket für Eltern von Neugeborenen,  „Starterpaket Familienpflege“,  Aufsuchende Gesundheitshilfe,  Einsatz von Familienhebammen,  Sozialpädagogische Familienhilfe vor der Geburt,  Kurse und Gruppen für sehr junge Mütter (MUT), Zwillingseltern und Väter,  Elterntraining „Parents as Teachers“ (PAT),  Beratung bei Regulationsstörungen sowie  Ehrenamtliche Patenschaften rund um die Geburt.

Familienbildung in der Erziehungsberatung

Neben allgemeinen Beratungsleistungen nach §16 SGB VIII bieten die Nürnberger Erziehungsberatungsstellen auch Kurse zur Stärkung der Erziehungskompetenz an. In Nürnberg gibt es insgesamt sieben Erziehungsberatungsstellen, die im Stadtgebiet verteilt sind: Die Erziehungsberatungsstellen in Schoppershof, St. Johannis, St. Leonhard und Eibach in städtischer Trägerschaft und die Einrichtungen in der Nordstadt (Stadtmission e.V.), der Innenstadt (Caritasverband Nürnberg ev. V.) sowie in Langwasser (Caritasverband Eichstätt e.V.) in freier Trägerschaft. Das familienbildende Kurs- und Gruppenangebot in den Erziehungsberatungsstellen ist vielfältig, dazu gehören:  Gruppen, Kurse und Trainings für Eltern, Großeltern, Mütter und Väter u. a. für spezielle Zielgruppen, z. B. für Frauen und Männer in einer Trennungs- und Scheidungskrise, für psychisch erkrankte Eltern, für Väter in der JVA, für Väter, die getrennt von ihren Kindern leben, für Eltern mit Migrationshintergrund (Übersicht im Anhang),  Gruppenangebote für Kinder und Jugendliche oft unter Einbeziehung der Eltern, z. B. zur Förderung sozialer Kompetenz, für Kinder aus Trennungs- und Scheidungsfamilien, mit psychisch erkranktem Elternteil (Übersicht im Anhang),  integrative Eltern-Säuglings-/Kleinkind-Beratungsangebote,  virtuelle Beratung im Rahmen des Angebots der Bundeskonferenz Erziehungsberatung e.V. (bke) sowie  Angebote zur Umsetzung in Kitas, z. B. zur Gewaltprävention (Faires Raufen).

Um Eltern zeitnah qualifizierte Beratung zu Erziehungsfragen anbieten zu können, gibt es in Nürnberg bei den städtischen Erziehungsberatungsstellen schon seit dem Modellprojekt Kampagne Erziehung (2001-2004) das niedrigschwellige Angebot des „Rat und Hilfe Telefons“ an 5 Werktagen jeweils von 12 bis 14 Uhr. Die Erziehungsberatung des Caritasverbands Eichstätt e.V. in Nürnberg Langwasser hat drei Mal wöchentlich Telefonsprechstunden im Angebot. Weiterhin bieten die städtischen Erziehungsberatungsstellen offene Sprechstunden an 4 Werktagen zu unterschiedlichen Zeiten an. Bei der Erziehungsberatungsstelle der Stadtmission e.V. gibt es wöchentliche offene Sprechstunden in der Evangelischen Familien-Bildungsstätte. Besonders hervorzuheben ist, dass die Angebote der Erziehungsberatungsstellen vielfach auch in unterschiedlichen Sprachen gemacht werden.

Familienbildung in Kindertageseinrichtungen

Auch Kindertageseinrichtungen gehören zu den familienbildenden und familienunterstützenden Einrichtungen. Sie begleiten und unterstützen Eltern und Familien auf vielfältige Weise: Neben den wichtigen Tür- und Angelgesprächen finden in Kindertageseinrichtungen mindestens einmal jährlich Elterngespräche zur Entwicklung des Kindes sowie regelmäßig Elternabende, Informationsangebote oder Unternehmungen statt. Im Bedarfsfall werden Eltern passgenau an Fachdienste und Beratungsstellen weitervermittelt. In zahlreichen Kindertageseinrichtungen gehören offene Angebote für Eltern, wie ein Elterncafé oder ein Elternfrühstück zum Programm und es finden Kurse und andere familienbildende Angebotsformate statt, manchmal auch in Kooperation mit den Nürnberger Familienbildungsstellen und/oder anderen Anbietern. Die bestehenden Kooperationsbeziehungen zwischen Kitas und Familienbildungsstellen stehen vielfach im Kontext einer Stärkung und zunehmenden Integration von Familienbildung in die Arbeit einer Kindertageseinrichtung. Im Folgenden lassen sich verschiedene Entwicklungen darstellen: Die Weiterentwicklung von Kindertageseinrichtungen zu Orten für Familien und Familienzentren, die Umsetzung familienbildender Angebote bzw. die Umsetzung von Projekten mit einzelnen Modulen zur Familienbildung sowie die Weiterqualifizierung von Erzieherinnen und Erziehern zu Themen rund um Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit Eltern und Familienbildung – hier explizit die Weiterbildung zur Elternbegleitung durch das Bundesprogramm Elternchance II – Familien früh für Bildung gewinnen. Der ursprünglich 2008 vom Bündnis für Familie initiierte Ausbau von Kindertageseinrichtungen zu „Kitas als Orte für Familien“ und Familienzentren schreitet inzwischen wieder voran. Mittlerweile gibt es in Nürnberg 29 Orte für Familie (ab 09/2020 sind es 31) und 12 Familienzentren in vielfältiger Trägerschaft. Darüber hinaus gibt es viele Einrichtungen, die sich gezielt für familienunterstützende Angebote geöffnet haben und unterschiedliche Maßnahmen zur Begegnung und Elternbildung initiiert und zum Teil auch bereits etabliert haben.  „Kindertageseinrichtungen als Orte für Familien“ haben auf der Basis ihrer individuellen Ressourcen und des spezifischen Bedarfs im Stadtteil verschiedene Strategien für ihre Arbeit mit den Familien entwickelt. Sie verstehen sich als Orte, an denen Mütter und Väter willkommen sind. Eine Öffnung in den Stadtteil wird angestrebt und bedeutet eine verbindliche Kooperation mit den im Stadtteil vorhandenen sozialen und familienbezogenen Diensten. Die Mitwirkung von Eltern ist ausdrücklich gewünscht: Hier können Familien ihre Fähigkeiten einbringen und sich aktiv an der Gestaltung der „Kindertageseinrichtung als Ort für Familien“ beteiligen. Damit wird die Kindertageseinrichtung zum Ort der Begegnung von Familien und unterstützt die Familien bei Fragen der Alltagsorganisation und bei Erziehungsthemen. Ergänzt wird dies durch spezifische (Bildungs-) Angebote für Eltern bzw. für Familien in und mit der Kita.  Das Ziel eines Familienzentrums ist die Bereitstellung von niedrigschwelligen Angeboten zur Förderung und Unterstützung von allen Kindern und allen Familien im Stadtteil. Während bei „Kindertageseinrichtungen als Orte für Familien“ einzelne familienintegrative Maßnahmen im Rahmen des Angebotsspektrums „Kindertageseinrichtung“ realisiert werden, zeichnen sich Familienzentren durch ein systematisches und regelmäßiges Angebotsspektrum aus, das den Familien über das klassische Programm der Kindertageseinrichtung hinaus verlässlich zur Verfügung steht. Familienzentren verfolgen dabei einen familienorientierten Ansatz, indem sie die ganze Familie ansprechen und einen Lebensraum für Kinder und Familien bieten. In den

Familienzentren findet eine enge Vernetzung mit den Angeboten und Diensten der Jugendhilfe statt (insbesondere ASD, Familienbildung, Erziehungsberatung etc.). Als wesentliche Kernbereiche sozialpädagogischen Handelns in Familienzentren lassen sich drei Leistungsbereiche beschreiben: Erstens die Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern, zweitens die Integration von familienrelevanten Angeboten und drittens die Kooperation und lokale Vernetzung (Kooperation mit anderen Institutionen wie dem Allgemeinen Sozialdienst, Förderung des bürgerschaftlichen Engagements/ Ehrenamtes, Unterstützung von Familien für Familien). Die Familienzentren haben gemeinsam einen Leistungskatalog mit Standards für die Umsetzung der familienintegrierten Arbeit in Kindertageseinrichtungen erarbeitet. Die Stadt Nürnberg fördert die ausgewählten Standorte mit Personal- und Projektmitteln. Seit dem Jahr 2015 gibt es im Jugendamt der Stadt Nürnberg eine Fachberatung für alltagsintegrierte Familienarbeit in Kindertageseinrichtungen zur Beratung und Unterstützung der Träger und Einrichtungen und zur fachlichen Weiterentwicklung der familienintegrierten Arbeit in Kindertageseinrichtungen. Darüber hinaus werden in Kindertageseinrichtungen auch konkrete familienbildende Angebote durchgeführt (z. B. Elternkurse, offene Elterntreffs oder Kochkurse) sowie Programme mit einzelnen Modulen zur Familienbildung umgesetzt. Dazu gehören beispielsweise das Elternbildungsprogramm PAT – Mit Eltern lernen (siehe Kapitel 5.1) oder die im folgenden beschriebenen Projekte der Bildungsbegleitung. Die Begleitung von Familien im Übergang von Kita zur Grundschule gehört inzwischen bei (fast) allen Kitas zum festen Jahresprogramm. Unterschiedliche Konzepte existieren, um diesen wichtigen Schritt für Kind und Eltern zu erleichtern. Ein wichtiger Schwerpunkt dabei ist das Thema „Einbindung und Beteiligung der Eltern“ beispielsweise durch gemeinsame Eltern-Kind-Nachmittage zum Thema Wahrnehmung, Zahlen etc. Im letzten Kindergartenjahr werden Eltern bzw. Familien gezielt zum Thema Schule und Übergangsbewältigung beraten. Ein Besuch der Schule im Sprengel ist fast überall Standard. Das Projekt „Gemeinsam leicht starten“ hat in den letzten Jahren eine Grundlage geschaffen, auf die nun mit der Erarbeitung eines Tool-Koffers aufgebaut werden kann. Diese Zusammenstellung soll Methoden, Informationen und Ansprechpartner, Formulare für die Kooperation mit der Schule und Eltern und vieles mehr enthalten.

Das Projekt „Mama und Papa starten durch“, welches die Weiterentwicklung des Projektes „Mama

n einer kleinen Gruppe lebensprakti-
sche Themen zur Erweiterung der Alltagskompetenzen zu behandeln. Der Kurs dient ebenfalls der
Erweiterung der Kenntnisse der deutschen Sprache, zum Kennenlernen der Kultur in Deutschland,
zum Knüpfen von Kontakten mit anderen Müttern und Vätern sowie zum Ankommen und Wohlfühlen
im Stadtteil.

Das Projekt „Schultüte“ findet in der Kita statt und richtet sich an Eltern mit Migrationshintergrund und deren Vorschulkinder. Die Familien erhalten in einem dreiteiligen Kurs alle wichtigen Informationen über die anstehende Einschulung und das bayerische Schulsystem: Schulanmeldung und Schulweg; Bedeutung von (Vor-) Lesen und Erzählen sowie Umgang mit Zahlen und den Ritualen und der Ausstattung zum Schulbeginn z.B. der Schultüte für den ersten Schultag, Schulmaterialien, gesundes Pausenbrot, Hausaufgaben oder Orte für die nachschulische Betreuung.

Die ehrenamtlich tätigen Kulturfreunde ermöglichen kleinen Gruppen von Kindern und deren Eltern Einblicke in unbekannte Kultur-Welten, wie Theater, Museum, Konzerte u.v.m. Kulturfreunde ist ein Ehrenamtsprojekt für Kitas in Stadtteilen mit Entwicklungsbedarf. Das Projekt wird von der Stabstelle Bürgerschaftliches Engagement und dem Zentrum Aktiver Bürger koordiniert, begleitet und durch Sponsoren gestützt.

Die Kulturerklärerinnen und – erklärer vom Zentrum Aktiver Bürger sprechen Deutsch und mindestens eine andere Sprache flüssig. Sie übersetzen und unterstützen in Kitas und Schulen in mehrsprachigen Situationen. Doch sie sind nicht nur Dolmetscher, sondern wichtige Vermittler und Brü-

ckenbauer zwischen den Kulturen. Im Moment sind 36 Sprachen im Angebot. Diese Integrationsleitung wird von Ehrenamtlichen getragen. Das Projekt wird vom Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert. Angebote zur Weiterqualifizierung von Erzieherinnen und Erziehern zu Themen rund um Bildungsund Erziehungspartnerschaft mit Eltern sowie Familienbildung gibt es zahlreiche: Ein- bzw. mehrtägigen Fortbildungen, wie sie im Fortbildungsprogramm des Referats für Jugend, Familie und Soziales auch vom Stab Familienbildung angeboten werden, begleiten den gesetzlichen Auftrag der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit Eltern in der Kita. Eine umfangreichere Qualifizierung bietet das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und dem Europäischen Sozialfonds geförderte Programm "Elternchance II – Familien früh für Bildung gewinnen“. Dieses Weiterqualifizierungsprogramm richtet sich zum einen an Fachkräfte familienbildender Einrichtungen, also auch an Fachkräfte in Kitas, zum anderen an interessierte Ehrenamtliche, die sich für ihren Einsatz eine fundierte Handlungsgrundlage wünschen. Bei der Ausbildung zu Elternbegleiterinnen und Elternbegleitern wird vermittelt, wie Eltern besser bei den Lern- und Bildungswegen ihrer Kinder begleitet werden können. In Nürnberg wurden inzwischen ca. 50 Fachkräfte aus Kitas zu Elternbegleiterinnen und Elternbegleitern ausgebildet.

Familienbildung am Übergang zur Kindertagesbetreuung im Rahmen von Kita-Einstieg Nürn-

berg: Brücken bauen in frühe Bildung

Mit dem Bundesprogramm „Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung“ fördert das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend niedrigschwellige Angebote, die den Zugang zur Kindertagesbetreuung vorbereiten, begleiten und Hürden abbauen. Die Angebote richten sich gezielt an Familien, die bisher nur unzureichend von Kindertagesbetreuung erreicht werden. Von 2017 bis 2020 erhalten die geförderten Standorte dafür jeweils bis zu 150.000 Euro pro Jahr. Das Bundesprogramm Kita-Einstieg am Standort Nürnberg bietet vielfältige Angebote in unterschiedlichen Stadtteilen an, um Familien in das frühkindliche Betreuungssystem zu integrieren. In Kooperation mit der Diakoneo17, AWO, ISKA, Stadt Nürnberg und GKG sind insgesamt 15 Anker- Kitas, eine Koordinations- und Netzwerkkraft und acht Übergangsbegleiterinnen für das Bundesprogramm in Nürnberg vertreten. An den Standorten finden unterschiedliche Angebote für Familien statt. Neben Eltern-Kind-Gruppen für Familien die noch keinen Betreuungsplatz haben, gibt es auch an insgesamt sechs Standorten individuelle Beratung und Begleitungen von Familien in das System. Außerdem wurden Kooperationen zu anderen Angeboten (Café Dunja, First Steps und Café Arabica) aufgebaut, mit denen gemeinsam mehr Transparenz für Familien im Betreuungssystem geschaffen werden soll. Damit die Angebote in einer Region effektiv aufeinander abgestimmt sind und eine gute Brücke in das Regelsystem bilden, werden sie durch eine Koordinations- und Netzwerkstelle gesteuert und koordiniert. Diese arbeitet dabei eng mit lokalen Akteurinnen und Akteuren zusammen und vernetzt die vielfältigen Angebote für den Kita-Einstieg in der Region. Die Eltern-Kind-Gruppen werden von jeweils einer Übergangsbegleiterin geleitet und sollen die Familien an das Kita-System heranführen. Der Aufbau und die Inhalte der Gruppe ähneln dem Kita- Alltag. Die Kinder haben demnach bereits vor Eintritt in die Kita Sozialkontakte, lernen den Tagesablauf kennen und unterschiedliche Spiel- und Bastelmaterialien. Für die Eltern bietet die Gruppe eine Plattform, um sich auszutauschen, Fragen zu stellen und andere Familien aus der Umgebung kennenzulernen. Sie erfahren wichtige Informationen rund um das Thema frühkindliches Betreuungssystem in Nürnberg. Die individuelle Begleitung und Beratung hat das Ziel, Familien auf dem Weg in das Betreuungssystem zu unterstützen und vorhandene Hürden abzubauen. Dabei geht es auch darum, in den Kitas

17 Aus der Fusion des Evangelisch-Lutherischen Diakoniewerks Neuendettelsau und des Evangelischen Diakoniewerks Schwäbisch Hall ist Diakoneo als neues Diakonisches Unternehmen hervorgegangen.

die Hürden und Ängste abzubauen und die Fachkräfte und Eltern bei den formalen Barrieren der Aufnahme zu begleiten und zu beraten, damit eine möglichst frühe Betreuung vieler Kinder in Nürnberg langfristig sichergestellt werden kann.

Die familienfreundliche Schule – Erziehungs- und Bildungspartnerschaft in Nürnberg Auf Initiative des Bündnis für Familie der Stadt Nürnberg und in enger Kooperation mit dem Staatlichen Schulamt in der Stadt Nürnberg ist das Modellprojekt „Neue Wege zur Erziehungspartnerschaft: Die familienfreundliche Schule“ im Oktober 2004 gestartet worden. Nach einer dreijährigen Projektphase wurde das Modellprojekt 2007 von der Stadt Nürnberg verstetigt und finanziell abgesichert. Die Koordination des Programms „Die familienfreundliche Schule“ ist mittlerweile organisatorisch im Stab der Amtsleitung des Jugendamts angesiedelt. Mitglied im Verbund der familienfreundlichen Schule sind Nürnberger Grund- und Mittelschulen sowie Förderzentren. Ziel des Programms „Die familienfreundliche Schule“ ist eine gelingende Erziehungs- und Bildungspartnerschaft von Eltern, Schule, Jugendhilfe und Kooperationspartnern. Im Zusammenwirken soll den Schülerinnen und Schülern die bestmögliche Bildung, Förderung der Begabungen und damit eine gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht werden. Das Programm „Die familienfreundliche Schule“ unterstützt derzeit ca. 30 Mitgliedsschulen (weitere stehen auf der Warteliste) auf ihrem Weg zu einer gelingenden Erziehungs- und Bildungspartnerschaft. Dies geschieht auf unterschiedliche Weise, wobei sich die Mitgliedsschulen dabei an den gemeinsam entwickelten fünf Qualitätsstandards (QS) orientieren: QS 1: Familienfreundlicher Lebensraum; QS 2: Öffnung der Schule – Kooperation und Vernetzung; QS 3: Beteiligung und Mitwirkung der Eltern; QS 4: Familienbildung: Fortbildung und Qualifizierung für alle Eltern; QS 5: Lehrerfortbildung und Qualifizierung für alle an Erziehung und Unterricht Beteiligten. Für die Umsetzung der Qualitätsstandards QS 4 und QS 5 können Mitgliedsschulen auf ein umfangreiches Veranstaltungsangebot zugreifen, welches in einem Angebotskatalog gebündelt ist und nur ihnen offen steht. Das vorrangige Ziel des Qualitätsstandards 4 (Familienbildung: Fortbildung und Qualifizierung für alle Eltern) ist, die elterlichen Erziehungs- und Bildungskompetenzen zu stärken und weiterzuentwickeln, damit Eltern ihre Kinder besser unterstützen und gleichberechtigte Partner der Schule sein können. Da die Gruppe der Eltern nicht homogen ist und möglichst viele Eltern erreicht werden sollen, wurden unterschiedliche Veranstaltungsformate entwickelt. So nehmen an Vorträgen mit anschließenden Diskussionen zu Erziehungs- und Bildungsthemen vorwiegend Eltern teil, die sich über ein spezielles Thema (zum Beispiel Medien oder Pubertät) informieren wollen. Eltern, die noch tiefer in ein Thema einsteigen wollen, können Elternkurse belegen und Eltern, die sich bereits in der Schule engagieren, können Seminare für Elternvertreter/-innen besuchen. Vor allem für Eltern, die über diese kognitiven Angebote nur schwer erreicht werden können, werden Veranstaltungen auf der Handlungsebene angeboten. Dabei handelt es sich um Eltern-Kind-Aktionen oder um Projekte an denen Eltern, Lehrkräfte, pädagogische Mitarbeiter/-innen und Kinder gemeinsam teilnehmen können. Hier wird beispielsweise miteinander gekocht, getanzt und vor allem miteinander gespielt. Auch auf diese Weise können Kompetenzen vermittelt und Hemmschwellen abgebaut werden. Darüber hinaus unterstützen all diese Angebote ein gegenseitiges Kennenlernen und eine Kommunikation auf Augenhöhe. Ganz nebenbei tragen sie zur Identifikation mit der Schule und zu einem positiven Schulklima bei. Die Angebote im Rahmen des Programms „Die familienfreundliche Schule“ sind inzwischen an den Mitgliedsschulen etabliert. Sie sind in der Regel für die Eltern kostenfrei (um keine finanziellen Hürden aufzubauen) und werden evaluiert. Der Angebotskatalog wird jährlich modifiziert und erweitert. Für die Bereitstellung der Angebote arbeitet die Koordinationsstelle der familienfreundlichen Schule mit vielen Kooperationspartnern zusammen. Hierzu zählen unter anderem Erziehungsberatungsstellen, Familienbildungsstellen und weitere Organisationen.

Familienbildung in der Offenen Jugendarbeit: Mutter-Kind-Gruppen in Jugendtreffs und

Kinder- und Jugendhäusern

Ansätze der Familienbildung, verstanden als familienbezogene Jugendarbeit, sind auch Bestandteil der Offenen Kinder- und Jugendarbeit der Stadt Nürnberg – vorausgesetzt, es wird ein Bedarf bei der Zielgruppe der jeweiligen Einrichtung oder im Stadtteil identifiziert. Beispielhaft dafür sind Mutter- Kind-Gruppen im Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, wie z. B. im Jugendtreff Johannis. Dort wurde bereits im Rahmen der Kampagne Erziehung ein Angebot konzipiert, dass sich in erster Linie an werdende und junge Mütter aus dem Kreis der Besucherinnen wendet. Von Beginn an wurden junge Mütter aus dem Umkreis der Zielgruppe des Jugendtreffs erreicht. Es handelt sich dabei vor allem um junge Frauen mit Migrationshintergrund und geringen Bildungschancen. Diese Zielgruppe fühlt sich erfahrungsgemäß durch Angebote in Familienbildungsstätten oder Kirchengemeinden kaum angesprochen. Es ist die persönliche Kontaktaufnahme mit einigen Vorabgesprächen unter vier Augen, die es möglich macht, die jungen Frauen für die Gruppenteilnahme zu gewinnen. Die pädagogisch begleiteten Gruppentreffen finden einmal wöchentlich in einem zwanglosen Rahmen im Jugendtreff statt. Vielfach wird zu Beginn gemeinsam ein gesundes Frühstück vorbereitet, um modellhaft das Thema gesunde Ernährung zu vermitteln. Die Teilnehmerinnen tauschen gemeinsame Erfahrungen aus und erhalten von der Kursleitung Informationen zu Schwangerschaft, Geburt, Ernährung, Gesundheit und Kindererziehung. Außerdem werden Themen der Alltagsbewältigung und Zukunftsfragen besprochen. Kinderbetreuung ermöglicht den Frauen sich auf den Austausch zu konzentrieren. Die jungen Mütter bekommen konkrete Hilfsangebote, knüpfen Kontakte zu anderen betroffenen Frauen und helfen sich gegenseitig. Sie werden angeregt und unterstützt selbst aktiv zu werden (z. B. bei der Suche nach einem Kinderbetreuungsplatz oder beim Nachholen des Schulabschlusses), werden motiviert, ihre Kinder altersspezifisch zu fördern und erhalten Zuspruch und Anerkennung. Darüber hinaus werden Zugänge zu weiterführenden Angeboten geschaffen, z. B. durch die gemeinsame Teilnahme an einem Erziehungskurs oder gemeinsame Freizeitaktivitäten, die sie dann auch selbständig mit ihren Kindern wahrnehmen können. Die Gruppe im Jugendtreff St. Johannis findet bis heute statt. Gegenwärtig hat im Kinder- und Jugendhaus Bertha seit 2018 eine Gruppe Bestand. Im Kinder- und Jugendhaus ALF im Stadtteil Altenfurt läuft gegenwärtig eine Mutter-(Vater)-Kind-Gruppe, die offener konzipiert ist und sich an alle interessierten (werdenden) Mütter des Stadtteils richtet.

5.4 Weitere Akteure und Angebote der Familienbildung in Nürnberg

Über die bislang beschriebenen Akteure und Einrichtungen hinaus gibt es in Nürnberg eine Vielzahl weiterer Unterstützungsangebote zu Erziehungs- und Familienfragen, die z. T. auch über die Frühen Hilfen finanziert werden. Die Angebote lassen sich der institutionellen, informellen und medialen Familienbildung zuordnen. In Anbetracht der großen Zahl kann an dieser Stelle kein Anspruch auf Vollständigkeit bestehen, vielmehr geht es darum, ausgewählte Anbieter vorzustellen, um einen Eindruck vom Spektrum der Familienbildung in Nürnberg zu vermitteln.

Weitere Anbieter institutioneller Familienbildung

Zu den weiteren Anbietern institutioneller Familienbildung zählen Einrichtungen in städtischer und freier Trägerschaft. Zu den städtischen Akteuren gehören z. B. das Stadtteilhaus FiSch, das Amt für Kultur und Freizeit (KUF), das Bildungszentrum, das Nürnberger Elternbüro des Instituts für Pädagogik und Schulpsychologie der Stadt Nürnberg, das Klinikum Nürnberg, die Noris-Arbeit gGmbH sowie der Stab Familienbildung im Jugendamt. Das Stadtteilhaus FiSch (Familienhilfe in Schniegling) gehört inzwischen zum Bereich 2 des Jugendamtes. Familienbildung ist ein wesentlicher Bestandteil seines Bildungsprogramms. Zu den Angeboten zählen offene Treffs, Gruppenangebote und Kurse zur musikalischen Früherziehung. Besonders hervorzuheben ist, dass das Stadtteilhaus zahlreiche Angebote speziell für Väter macht:

neben einem Vater-Kind-Frühstück, gibt es einen Väter-Stammtisch, eine Vater-Kind-Fahrt sowie Bastel- und Heimwerker-Angebote für Väter und ihre Kinder. Auch in den vom Amt für Kultur und Freizeit (KUF) betriebenen Kulturläden, Gemeinschaftshäusern und Kulturbüros in den Nürnberger Stadtteilen gibt es Angebote für Familien und Kinder, die teilweise der Familienbildung zugeordnet werden können. So bietet KUF im Südpunkt beispielsweise eine Mutter-Kind-Gruppe zum Deutsch lernen (Mu(c)Kis) sowie eine Lernwerkstatt für Eltern und Kinder an, in der sie sich gemeinsam spielerisch mit Buchstaben, Zahlen und Formen befassen und Schule und Stadtteil erkunden können. Darüber hinaus macht auch der von russischsprachigen Familien gegründete Verein Mischpaha e.V. im Südpunkt Angebote, die u. a. der Vernetzung vorrangig russischsprachiger Familien dienen. Auch das Bildungszentrum macht punktuell familienbildende Angebote, z. B. im Rahmen des Programmbausteins Lernwelten. Hier geht es vorrangig um den kindlichen Lernprozess und die Frage, wie Eltern ihre Kinder bestmöglich unterstützen können. Ein neues Format sind die 2019 in Kooperation von Bildungszentrum, Amt für Kultur und Freizeit und Stadtbibliothek im Südpunkt erstmalig angebotenen Familientage mit Angeboten für Kinder, Jugendliche, Eltern und Großeltern. Das Nürnberger Elternbüro Schulerfolg und Teilhabe (NEST) ist ein Angebot für Eltern mit Migrationshintergrund sowie Lehr- und Fachkräfte an Nürnberger Schulen. Ziel ist die Förderung der Kommunikation zwischen Eltern und den schulischen Vertreterinnen und Vertretern, die Stärkung von Eltern in ihrer Erziehungskompetenz im Hinblick auf den Schulerfolg ihrer Kinder, die Unterstützung der Eltern bei Fragen zum Bayerischen Schulsystem sowie die Vernetzung von Schulen und gemeinsame Bearbeitung interkultureller Fragen. Die Arbeit des Elternbüros, an welches sich Eltern mit schulischen Fragen wenden können, wird durch speziell ausgewählte und ausgebildete Elternlotsen, die selbst einen Migrationshintergrund haben und jeweils die Herkunftssprachen der Familien sprechen, unterstützt. Elternlotsen fungieren als Mittler zwischen Eltern und Lehrern. Sie beantworten schulische Fragen der Eltern, organisieren Elterncafés an Schulen und können bei Bedarf auch Hausbesuche machen. Die Elternlotsen werden fortlaufend fortgebildet und nehmen an Supervisionen teil. Das Klinikum Nürnberg hält für alle Eltern Informationsabende und Kurse rund um Schwangerschaft und Geburt und zusätzlich für Eltern von frühgeborenen Babys ein psychosoziales und familienorientiertes Unterstützungs- und Beratungsangebot bereit. Außerdem bietet das Klinikum - wenn nötig – eine Aufnahme in die Tagesklinik Süd der Kinder- und Jugendpsychiatrie für Kinder von 2-5 Jahren mit Regulationsstörungen, Interaktionsstörungen und Entwicklungsproblemen zusammen mit deren Eltern, die bis zum Alter von 2,5 Jahren des Kindes mit aufgenommen werden. Zusätzlich gibt es hier die Mutter-Kind-Tagesklinik und -Ambulanz für Mütter von Säuglingen und Kleinkindern bis zu 1,5 Jahren, die wegen psychiatrischer Erkrankungen oder einer Wochenbettdepression Hilfe und Unterstützung brauchen. Das Projekt LEMI-Lernangebote für Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte leistet ebenfalls stellenweise Familienbildung. Im Februar 2019 hat das Lerncafé LeMi der Noris-Arbeit gGmbH seinen Betrieb aufgenommen. Mit Unterstützung der Entwicklungsbank des Europarates (Council of Europe Development Bank – CEB) und der Stadt Nürnberg bietet ein Team aus Lehrern und Sozialpädagogen Sprach- und Grundbildung sowie Hilfe bei Alltagsproblemen für Erwachsene und Kinder mit und ohne Migrationshintergrund. Das Lerncafé LeMi wurde sowohl als festes Angebot der Bildungsberatung im Südstadtforum verankert, als auch von mobilen Teams in ganz Nürnberg bei verschiedenen Institutionen, wie Kitas, Schulen, Kirchen und Vereinen durchgeführt. So finden etwa Deutschkurse in Kitas für jene Migrantinnen und Migranten satt, die keine zentral gesteuerten Deutschkurse erhalten. LeMi richtet sich an Menschen mit oder ohne Einwanderungsgeschichte und ist – neben den Lern- und Hilfsangeboten – ein Ort, um Kontakte zu knüpfen und Informationen auszutauschen. Der Stab Familienbildung im Jugendamt der Stadt Nürnberg (siehe dazu Kapitel 6.1) vermittelt zu elf unterschiedlichen Erziehungsthemen Elternabende an Nürnberger Kindertageseinrichtungen:  Kinder brauchen Grenzen … und Erwachsene auch!,  ACHT SACHEN, die Erziehung stark machen,  Fernsehen, Computerspiele, Internet – Familien leben mit Medien,  Spieleabend für Eltern – Digitale Spiele und empfehlenswerte Apps selbst ausprobieren,

 Leistungsdruck – von Lernlust und Lernfrust,  Hausaufgaben ohne Kampf und Familienkrieg,  Liebe geben und Grenzen setzen als Grundbausteine einer gelingenden Erziehung,  Rituale in der Familienerziehung,  Jungen und Mädchen – Müssen Jungen und Mädchen unterschiedlich behandelt und erzogen werden oder ist Gleichbehandlung die Lösung?,  Essstörungen bei Kindern,  Umgang mit aggressivem Verhalten sowie  Erziehung zur Selbständigkeit und Selbstverantwortung. Die Elternabende werden von erfahrenen Referentinnen und Referenten durchgeführt und beinhalten eine abwechslungsreiche Mischung aus Kurzvorträgen, Diskussionen, Partner- und Kleingruppenübungen. Teilnehmende Eltern sollen motiviert werden, sich aktiv zu beteiligen. Ab einer Zahl von zehn Teilnehmenden übernimmt der Stab Familienbildung die Kosten der Veranstaltung. Über die Elternabende hinaus führt der Stab Familienbildung auch Qualifizierungen zur Familienbildung für Fachkräfte aus Kindertageseinrichtungen im Nürnberger Stadtgebiet durch. Die Fortbildungen, Workshops, Team- und Fall-Coachings vermitteln konzeptionelle Grundlagen der Zusammenarbeit mit Eltern im Sinne einer Erziehungspartnerschaft auf „Augenhöhe“. Es geht um Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung, über die Bedeutung der Eltern-Kind-Bindung, die derzeitige Situation von Eltern in Deutschland und um die Grundlagen systemischer Familienberatung. Gemeinsam werden Kommunikationsmodelle und Techniken der Gesprächsführung erarbeitet. Zur Vertiefung und zum Transfer der Fortbildungsinhalte in die jeweilige Einrichtung werden zahlreiche praktische Übungen durchgeführt. Derzeit werden Qualifizierungen zu folgenden Themen angeboten:  Beratung von Eltern (drei aufeinander aufbauende Module),  Tipps und kollegialer Austausch zur Stressprävention in der Kinderkrippe,  Stressprävention in der Kinderkrippe. Wie lässt sich die Stressbelastung für Fachkräfte und Kinder senken?,  Sichere Bindung und Feinfühligkeit: Basis einer stabilen Beziehung zum Kind und Qualitätsstandard für Kitas,  Persönlichkeitsstärkung von Kindern in der Kita,  Fernsehen, Internet und Co.: Erziehung im Medienzeitalter sowie  Medienerziehung praktisch – Digitale Spielewelten von Kindern kennen und verstehen. Workshops finden zu folgenden Themen statt:  Helikopter-Eltern und andere schwierige Eltern,  Belastung und Entlastung in pädagogischen Berufen und  Essstörungen bei Kindern. Darüber hinaus bietet der Stab Familienbildung Fall-Coachings nach Bedarf und Team-Coachings zu nachfolgenden Themen:  Zusammenarbeit mit den Eltern in der Kita,  Beziehung, Bindung, Feinfühligkeit - Beziehungsgestaltung in der Kita,  Umgang mit Medien in der Kita,  Leistungsdruck – Eltern und Kinder unterstützen. Neben den städtischen gibt es in Nürnberg zahlreiche weitere Anbieter institutioneller Familienbildung, dazu zählen u. a. die Evangelische Fachstelle Alleinerziehende, das Mehrgenerationenhaus Schweinau, das Zentrum aktiver Bürger (ZAB), die Stadtmission, die Nichtregierungsorganisation Frauen ohne Grenzen, Klabautermann e.V., das St. Theresien Krankenhaus, die Hebammenpraxis & Familienzentrum der Klinik Hallerwiese sowie der private Anbieter Knirpse & Co. Die Evangelische Fachstelle Alleinerziehende ist eine zentrale Kontakt- und Anlaufstelle für alleinerziehende Mütter und Väter, für jung verwitwete Mütter und Väter, für Patchworkfamilien, für getrennt lebende Eltern und für Mütter und Väter, die getrennt von ihren Kindern leben in Nürnberg und Nordbayern. Familienbildung ist ein wesentlicher Tätigkeitsbereich der Fachstelle. Das Programm richtet sich bislang noch vorrangig an alleinerziehende Mütter, enthält aber auch Angebote speziell für alleinerziehende bzw. geschieden oder getrennt von ihrer Familie lebende Väter sowie Angebote

für Väter und Mütter. Die Fachstelle bietet psychosoziale (Erst-)Beratung und Information z.B. in den schwierigen Phasen vor und nach einer Trennung/Scheidung, nach dem Tod eines Partners/einer Partnerin, bei spezifischen Fragen und Problemen Alleinerziehender, bei der Bewältigung des Alltags und vermittelt Mediation und weitere Unterstützungsangebote. Neben der Einzelberatung finden Seminare und Workshops als Gruppenangebote sowie offene Treffs und entlastende Angebote, wie ein Samstagsbrunch mit Entspannungselementen statt. Immer wird Kinderbetreuung angeboten. Dabei werden Mütter und Väter sowohl mit kleinen Kindern als auch mit älteren Kindern angesprochen. Neu ist die konzeptionelle Beratung und Begleitung von evangelischen Kirchengemeinden und Dekanaten Nordbayerns bei der Entwicklung von Projekten für Alleinerziehende. Das Mehrgenerationenhaus Schweinau ist ein Kooperationsprojekt von SOS Kinderdorf e.V. und dem Zentrum aktiver Bürger (ZAB; siehe unten). Es bietet Gelegenheiten zu Kontakt, Austausch und Aktivitäten für Menschen jeden Alters. Zu den Angeboten speziell für Eltern zählen ein Baby- Treff/Krabbelgruppe sowie ein Eltern-Kind-Café. Einige Ansätze der institutionellen Familienbildung verknüpfen die Stärkung und Unterstützung von Familien mit der Förderung des Ehrenamts. Zwei dieser Projekte sollen hier beispielhaft angeführt werden: die Familienpaten von ZAB sowie die Stadtteilmütter der Stadtmission. Das Zentrum Aktiver Bürger (ZAB) ist ein Projekt des Instituts für Soziale und Kulturelle Arbeit in Nürnberg gGmbH (ISKA e.V.). ZAB ist zentrale Anlaufstelle für Ehrenamt und freiwilliges Engagement in Nürnberg. Wesentliche Ziele des Zentrums sind die Projektentwicklung sowie die Förderung, Unterstützung und Vermittlung von Ehrenamtlichen. Seit 2003 engagiert sich ZAB mit dem Projekt „Familienpaten“ auch im Bereich Familienbildung. „Familienpaten“ ist ein niedrigschwelliges Entlastungs- und Unterstützungsangebot für belastete Mütter, Väter und andere Erziehungsberechtigte. Diese sollen dabei unterstützt werden, ihre Erziehungsverantwortung bewusster wahrzunehmen und ihren Familienalltag besser zu bewältigen. Überforderungssituationen und Belastungssituationen sollen verhindert und Ressourcen zur Bewältigung des Alltags aktiviert werden. Die teilnehmenden Familien erhalten zeitlich befristet praktische Unterstützung und Entlastung durch so genannte Familienpaten. Dabei handelt es sich um Ehrenamtliche, die im Rahmen einer Schulung auf ihre Arbeit vorbereitet und von einer pädagogischen Fachkraft und Koordinationsstelle unterstützt werden. Neben dem Projekt „Familienpaten“ koordiniert ZAB das Angebot „Familienpaten für psychisch kranke Eltern“, hier geht es jedoch primär um die Stärkung der Kinder in der Familie durch eine ehrenamtliche Bezugsperson. Auch das Projekt Stadtteilmütter, das die Stadtmission seit 2010 (z.T. auch mit Kooperationspartnern) im Rahmen des Programms „Chancen für junge Menschen“ koordiniert, ist ein Ansatz, der Unterstützung von Familien mit der Förderung des Ehrenamts verbindet. Stadtteilmütter haben selbst Migrationserfahrung, die Zuwanderungssituation bewältigt und sich in Nürnberg gut eingelebt. Sie besuchen benachteiligte Familien zu Hause und unterstützen auf Augenhöhe – in der Herkunftssprache – in den Bereichen, in denen Hilfe am dringendsten gebraucht wird, z. B. bei schulischen, kulturellen und sprachlichen Fragen, Erziehungs- und Betreuungsfragen, Behördengängen oder Arztbesuchen. Darüber hinaus vermitteln sie Familien ggf. an passende weiterführende Unterstützungseinrichtungen. Stadtteilmütter bauen Brücken zwischen Neuzuwanderern und der Aufnahmegesellschaft, nehmen den Migrantenfamilien Ängste und Hemmungen und helfen ihnen aus der Isolation. Besonders wirksam ist dabei der kulturell und sprachlich gleiche oder ähnliche Hintergrund der Familien und ihrer ehrenamtlichen Helferinnen. Das Projekt Stadtteilmütter wird derzeit in zwei Nürnberger Stadtteilen umgesetzt (St. Leonhard/Schweinau und St. Johannis). Die Stadtmission setzt sich derzeit für einen Ausbau und stadtweiten Einsatz der Stadtteilmütter ein (Stadtmission Nürnberg 2014). Nürnberg ist seit Januar 2019 ein Standort des Modellprojektes MotherSchools: Parenting for Peace!. Die MotherSchools wurden von Frauen ohne Grenzen, einer unabhängigen Nichtregierungsorganisation (NGO) aus Wien, mit dem Ziel der Radikalisierungsprävention entwickelt und seit 2012 erfolgreich in 15 Ländern implementiert. Seit 2017 gibt es die MotherSchools auch in Deutschland. Im Mittelpunkt der MotherSchools Workshops steht die Familie: Als Herzstück der Familie sind Mütter bestens positioniert, um ihre Familien und Gemeinschaften zu stärken und Präventionsarbeit zu leisten. In den MotherSchools geht es daher um den Aufbau von Selbstvertrauen, Entwicklungspsychologie und Eltern-Kind-Dynamiken sowie die Sensibilisierung für erste Anzeichen und Prozesse von Radikalisierung. So bieten die MotherSchools strukturelle und emotionale Unterstützung,

um Heranwachsende durch die herausfordernde Zeit der Adoleszenz zu begleiten und sie vor Ideologisierung zu schützen. Der gemeinsame Erfahrungsaustausch bietet den Müttern außerdem die Möglichkeit, sich gegenseitig zu stärken und zu vernetzen. Frauen ohne Grenzen trainiert Lehrerinnen aus den Communities für das 10-wöchige Training mit besorgten Müttern. Die MotherSchools werden vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie leben! gefördert. Auch Einrichtungen und Organisationen des Gesundheitsbereichs, engagieren sich im Bereich Familienbildung. Vom Verein Klabautermann e.V. bekommen chronisch kranke Kinder und ihre Eltern vielfältige Unterstützung während ihres Krankenhausaufenthalts und auch in der Nachsorge zu Hause, häufig in Zusammenarbeit mit weiteren Kooperationspartnern. Außerdem hat der Verein Projekte zur Unfallverhütung von Kindern ins Leben gerufen. Das St. Theresien-Krankenhaus verfügt über eine sogenannte Elternschule, zu deren Angebot neben Informationen rund um Schwangerschaft und Geburt auch Kurse zur Säuglingspflege, zum Stillen oder zu Ernährungsthemen (z. B. Beikost) und in Zusammenarbeit mit dem Caritasverband Nürnberg und dem Verein Donum Vitae auch Beratung für Schwangere zählen. Die familienbande, Hebammenpraxis und „Familienzentrum“ an der Geburtsklinik Hallerwiese bietet seit 2001 ein umfangreiches Angebot an Kursen rund um Schwangerschaft, Geburt, und Elternsein. Angebote wie PEKiP, Einfach Eltern – Babysteps und Krabbelgruppen sind als familienbildende Angebote ebenfalls Teil des Portfolios. Eine ähnliche Kursauswahl bietet auch Knirpse & Co., ein privater Anbieter von Familienbildung in Nürnberg. Zahlreiche Kurse, aber auch Beratung und Workshops zu den Themen Schwangerschaft, Geburt, Säuglingspflege, Ernährung, Sport, Tanz und Yoga sowohl für Mütter als auch Kinder, Spielgruppen, PEKiP, musikalische und weitere Angebote werden bereitgehalten. Ergänzt wird das Angebot durch einen Second-Hand-Laden, offene Erzähl-, Still- und Mutter-Kind- Cafés und einen Blog. Das überwiegend kostenpflichtige Angebot spricht bevorzugt Familien in materiell gesicherten Verhältnissen an.

Anbieter informeller Familienbildung

Angebote der informellen Familienbildung sind aus der Familienselbsthilfe entstanden und dienen vielfach dem Wissens- und Erfahrungsaustausch sowie der Vernetzung von Eltern. Zu den Anbietern informeller Familienbildung in Nürnberg gehören u. a. Treff-FA (Treff für Familien in Nürnberg Langwasser) sowie zahlreiche Selbsthilfegruppen und Selbstorganisationen. Treff-FA ist aus einem Modellprojekt des Deutschen Jugendinstituts (1990 bis 1993) heraus entstanden. Bis heute bildet er in Langwasser einen wichtigen und geschätzten Anlaufpunkt für Familien und Kinder. Das Besondere ist, dass es sich hier um Familienselbsthilfe unter dem Dach der Verwaltung handelt. Räume und Ausstattung wurden zur Verfügung gestellt und für die umfassende Arbeit steht ein selbstverwaltetes jährliches Budget zur Verfügung. Für Familien wurden Rahmenbedingungen geschaffen, damit sie die für sie geeigneten und benötigten Selbsthilfemaßnahmen ermöglichen können. Treff-FA bietet Kindergruppen, einen Kindersecondhandladen sowie ein kleines Café, in welchem vormittags Frühstück und nachmittags Kaffee und Kuchen angeboten werden. Darüber hinaus werden zahlreiche Angebote von den Eltern selbst gemacht. Auch zahlreiche Selbsthilfegruppen befassen sich (z.T. am Rande) mit familien- und erziehungsrelevanten Themen und leisten informelle Familienbildung. So gibt es in Nürnberg z. B. Selbsthilfegruppen für Eltern von hyperaktiven oder autistischen Kindern, von drogenabhängigen Jugendlichen und viele weitere Gruppen für Eltern, deren Kinder mit Krankheiten oder Behinderungen leben. Eine Selbsthilfegruppe für Patchwork-Familien findet sich in Erlangen, eine Gruppe für Eltern mit Pflegekindern sowie eine für Mehrlingseltern in Ansbach18 und eine Regenbogen-Familiengruppe wurde 2019 in Nürnberg neu gegründet.

18 URL: http://www.kiss-mfr.de [letzter Zugriff am 09.09.2019]

Auch Migrantenselbstorganisationen widmen sich familienbildungsrelevanten Themen und machen Angebote für Familien, so z. B. der “Türkisch-Deutsche Verein zur Integration behinderter Menschen (TIM e.V.)“, der Elternberatung und gemeinsam mit der Lebenshilfe Nürnberg e.V. eine türkische Eltern-Kind-Gruppe für Kinder mit Handicap anbietet19 oder die Vereine „Mischpaha“, der sich speziell für russischsprachige Familien in Nürnberg engagiert20 und „Die Sputniks e.V“21. für russischsprachige Eltern von Kindern mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Anbieter medialer Familienbildung

Mediale Familienbildung umfasst Wissensvermittlung über Printmedien, wie z. B. über Bücher, Zeitschriften, Broschüren und Elternbriefe. Zunehmende Bedeutung haben digitale Medien gewonnen. Eine Vielzahl von Onlinemagazinen, Webseiten, Blogs, Podcasts, Videoreihen, Chats, Foren, Apps und andere Online-Dienstleistungen bieten heute Informationen und Orientierung für Familien. Die Auswahl fundierter und geeigneter Plattformen gewinnt daher an Bedeutung. Einige ausgewählte, mediale Angebote aus Nürnberg, die sich der Familienbildung zuordnen lassen bzw. einen Bezug zur Familienbildung haben werden nachfolgend dargestellt. Elternbriefe sind ein klassisches Instrument medialer Familienbildung. Die Stadt Nürnberg legt dem Willkommenspaket, welches Eltern bei der Anmeldung ihres Neugeborenen im Bürgeramt erhalten, die ersten beiden Elternbriefe des Bayerischen Landesjugendamts bei. Darüber hinaus erhalten sie einen Informationsflyer, der ausweist, wo Eltern die Elternbriefe abonnieren können. Auf diese Weise werden alle Familien mit Neugeborenen in Nürnberg auf dieses Angebot aufmerksam gemacht. Mit dem 2019 gestarteten Familienblog bietet das Nürnberger Bündnis für Familie ein zeitgemäßes mediales Informationsangebot. Wissenswertes und Anregungen für das Familienleben werden niedrigschwellig und mit Unterhaltungswert aufbereitet und einem breiten Publikum zugänglich. So bietet der Familienblog knappe und kurzweilige Blogbeiträge zu nachfolgenden Kategorien: „Eltern werden, Eltern sein“, „Familie und Beruf – Alles gut vereinbar?!“, „Freizeit!!!“, „Miteinander leben, streiten, wachsen“, „Mutmachgeschichten für Alleinerziehende“, „Nudeln mit ohne Soße!“ und „Sagen Sie mal…“. Zu den Autoren des Blogs zählen sowohl Fachkräfte als auch Eltern. Zu den Printmedien, die u. a. über Erziehungsthemen informieren und auf Veranstaltungen für Familien hinweisen, gehört das kommerzielle Magazin Frankenkids. Das Klinikum Nürnberg hat die App „Baby & Ich“ entwickelt. Diese beantwortet jeweils für Mütter, für Väter oder Mütter und Väter gemeinsam Fragen zu Themen, die in der Schwangerschaft relevant werden, macht auf Kurse rund um Schwangerschaft, Geburt & Babypflege aufmerksam, enthält Hintergrundinformationen zu U-Untersuchungen und Impfungen sowie Adressen von Beratungsstellen, Unterstützungsangeboten und Wickelplätzen in und um Nürnberg. Außerdem macht sie es mit zahlreichen weiteren Features möglich, die eigene Schwangerschaft individuell zu dokumentieren. Für die ersten Tage nach der Geburt hat das Klinikum Nürnberg in Zusammenarbeit mit dem Verein Klabautermann e.V. das Video „Die ersten Tage nach der Geburt: Tipps und Tricks für Eltern“ gedreht und auf ihre Homepage gestellt, in dem Eltern Wissenswertes für die gesunde Entwicklung ihres Säuglings vermittelt wird. Auch im Willkommenspaket, das Eltern von Neugeborenen von der Stadt Nürnberg bei der Anmeldung des Kindes bekommen, befindet sich ein Video mit hilfreichen Tipps für die erste Zeit nach der Geburt. Die App „Teoleo mobil“ der Stiftung Kinderförderung von playmobil und der Initiative für frühe Bildung strebt eine Verschränkung von klassischer Eltern-Kind-Gruppe und digitaler Informationsvermittlung an. Mithilfe der App sollen Eltern in den Teoleo Mobil Entdeckerkursen aber auch zu Hause

19 URL: http://timev.de/angebote/kurse-und-gruppen/ [letzter Zugriff am 09.09.2019] 20 URL: http://mischpacha.org/wordpress/deutsch/ueber-uns// [letzter Zugriff am 09.09.2019] 21 URL: http://die-sputniks.de/bayern/ [letzter Zugriff am 09.09.2019]

unterstützt werden, die Entwicklung ihrer Kinder spielerisch zu fördern. Dafür werden täglich eine umgrenzte Auswahl an Beschäftigungsideen, wie Bastelanleitungen, Spiele, Lieder, Geschichten oder Experimente gepaart mit knappen Ausführungen zu Erziehungsthemen bereitgestellt. Die App ist unabhängig von einer Kursteilnahme kostenfrei zugänglich.

5.5 Kurse für Eltern, Kinder und Jugendliche in Nürnberg – eine Übersicht

Bislang wurde der Fokus der Bestandserhebung vorrangig auf die familienbildenden Einrichtungen gelegt. Darauf aufbauend, widmet sich das folgende Kapitel der Angebotsebene, hier speziell den in Nürnberg stattfindenden Kursen für Eltern, Kinder und Jugendliche. Die Gruppen für Kinder und Jugendliche unterstützen Eltern in der Erziehung, indem sie sie in Form von Beratung oder begleitenden Elternabenden mit einbeziehen. Die Kurse stellen eine traditionelle Veranstaltungsform der institutionellen Familienbildung dar, basieren in der Regel auf standardisierten Konzepten und haben eine klare Programmstruktur. In Nürnberg werden eine ganze Reihe unterschiedlicher Kurse für verschiedene Zielgruppen angeboten (siehe Übersicht im Anhang 3). Im Folgenden werden die Angebote kurz vorgestellt. Die Übersicht basiert auf einer Bestandserhebung bei den Trägern von Kursen für das Jahr 2019.

Kursangebot für werdende Eltern und Eltern mit Säuglingen bis zum 1. Lebensjahr

Für werdende Eltern findet in Nürnberg „SAFETY I – Geborgen bei mir“ statt. Die Zielgruppe sind werdende Eltern sowie Eltern im ersten Lebensjahr des Kindes. Der Kurs begleitet Eltern, um eine sichere Bindung zu unterstützen, die Wahrnehmung der Gefühle und Bedürfnisse des Kindes zu verbessern sowie über die Entwicklungsphasen und -prozesse in der frühen Kindheit zu informieren. Hilfen zum Umgang mit schwierigen Situationen im Alltag sowie mit Stress sind ebenfalls Inhalt des Elternkurses. SAFETY I wird angeboten von der Katholischen Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen und der Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Caritasverbands Nürnberg e.V.

Kurse für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern

„Geborgenheit schenken“ für getrennt lebende Väter mit Babys im ersten Lebensjahr, „Vertrauen – Spielen – Lernen“, „SAFETY II – Geborgen bei mir“, „Kess-erziehen: Von Anfang an“ für Eltern mit Kindern im Alter von 0 bis 2 Jahren sowie „Fenkid: Frühe Entwicklung von Kindern begleiten“ sind Kurse für Eltern mit Kindern bis zum 3. Lebensjahr, sie werden im Folgenden kurz vorgestellt. Der Elternkurs „Geborgenheit schenken“ soll umgangsberechtigte Väter beim Aufbau einer sicheren Bindung und den sich daraus ergebenden Fragen zu einem feinfühligen Umgang mit ihrem Kind unterstützen. Angeboten wird dieser Kurs von der Erziehungs- und Familienberatung des Jugendamts der Stadt Nürnberg in der Johannisstraße 58. Der Elternkurs „Vertrauen-Spielen-Lernen“ wurde für Mütter und Väter (aber auch Großeltern) von Kindern bis zu 3 Jahren konzipiert. Er vermittelt handlungsorientiert Basiswissen aus der Entwicklungspsychologie, der Gehirnforschung und der Bindungstheorie und ergänzt dieses durch praktische Übungen, Entspannungselemente und Anregungen zur religiösen Erziehung. Darüber hinaus soll der Austausch mit anderen Eltern in der Gruppe gefördert werden. „Vertrauen-Spielen-Lernen“ wird vom forum erwachsenenbildung in Kooperation mit den Kirchengemeinden vor Ort umgesetzt. „SAFETY II – Geborgen bei mir“ lehnt sich inhaltlich stark an Safety I (siehe oben) an, richtet sich jedoch an Eltern mit Kindern im zweiten und dritten Lebensjahr. Auch dieses Konzept wird von der Katholischen Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen und der Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Caritasverbands Nürnberg e.V. angeboten. „Kess-erziehen: Von Anfang an“ richtet sich an Eltern von Kindern bis zu zwei Jahren. Der Kurs setzt am Lebensalltag von Familien mit kleinen Kindern an und behandelt folgende Inhalte: Stärkung der Eltern-Kind-Beziehung, die Förderung der Selbstständigkeit des Kindes, die Lösung von Konfliktsituationen, die Stärkung von Gemeinschaft sowie die gemeinsame Gestaltung des Alltags. Kess-erziehen wird von Zoff + Harmonie, Familienbildung der Katholischen Stadtkirche angeboten. Das Konzept von „Fenkid: Frühe Entwicklung von Kindern begleiten“ orientiert sich an der Pädagogik von Maria Montessori, Emmi Pikler, Elfriede Hengstenberg und Jesper Juul. Im Mittelpunkt steht das aufmerksame Beobachten des eigenen Babys - das Baby „lesen zu lernen“ - in einer vorbereiteten und geschützten Umgebung. Schnelles Verständnis bringt dem Baby die sichere und geborgene Erfüllung seiner Grundbedürfnisse. Eltern haben in diesem Kurs außerdem die Möglichkeit,

Themen anzusprechen, die Sie im Umgang mit Ihrem Kind gerade besonders beschäftigen (Pflege, Ernährung, Schlafen, Alltagsbewältigung...). Dem Erfahrungsaustausch in der Gruppe wird besonderer Wert beigemessen. Auch diesen Kurs veranstaltet Zoff + Harmonie, Familienbildung der Katholischen Stadtkirche.

Altersübergreifende Elternkurse

Neben den beschriebenen altersbezogenen Elternkursen gibt es in Nürnberg auch altersübergreifende Angebote. Zu dieser Kategorie zählen das „Elterntraining STARK“, das „Nürnberger Eltern Training N.E.T.“, der Elternkurs „Starke Eltern – starke Kinder“, die Kess-Erziehen-Kurse, sowie die „A-E-G Achtsamkeitsgruppe für Eltern“, die Gruppe „Hören, wie die Stille klingt“ und der „Kurs für Väter mit wenig Kontakt zu ihren Kindern“. Speziell für Eltern in Krisensituationen werden oft von mehreren Trägern Gruppen angeboten, so z.B. zum Thema Trennung/Scheidung die Kurse: „Kinder im Blick“, „Wir sind stark – trotz Trennung“, „Trennung/Scheidung – Neue Perspektiven finden“ und für psychisch erkrankte Eltern(teile) „Als Eltern stark sein – Gruppe für seelisch erkrankte Eltern“. Außerdem gibt es speziell für Eltern mit Migrationshintergrund Gruppen in der eigenen Muttersprache: „Kurs für rumänische Eltern mit Erziehungsthemen“ und „Russischsprachiger Elternclub“. Das Elterntraining „STARK“ spricht Eltern mit Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren an. Schwerpunktthemen des Kurses sind die Förderung positiver Beziehungen in der Familie, Erziehungsthemen, der Umgang mit Problemverhalten und Stressmanagement. Darüber hinaus werden Hilfestellungen für das Thema Schule und Hausaufgaben gegeben. STARK wird von der Erziehungs- und Familienberatungsstelle des Jugendamts der Stadt Nürnberg, Schoppershofstrasse 25, angeboten. „Nürnberger Eltern-Training N.E.T.“ richtet sich an alle Eltern, die positive Strategien für den Erziehungsalltag und den Umgang in ihrer Familie stärken möchten. Neben der Förderung positiver Beziehungen zu den Kindern, stehen die Themen gelungene Kommunikation, Förderung wünschenswerter Verhaltensweisen, die Unterstützung von Struktur und Ordnung in der Familie, der Umgang mit schwierigen Erziehungssituationen sowie der Umgang mit Stress und Risikosituationen im Fokus. N.E.T. wird von der Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Caritasverbands Nürnberg e.V. durchgeführt. Der Elternkurs „Starke Eltern – Starke Kinder“ begleitet Eltern in ihrer Erziehungsverantwortung und gibt Raum für Austausch und Reflektion. Schritt für Schritt erarbeiten sich die Eltern die Stufen des anleitenden Erziehungsmodells und nehmen sich Zeit über ihre eigenen Wertvorstellungen nachzudenken, ihre Selbstkenntnis und die Klarheit ihrer Identität zu vertiefen, das eigene Verhalten in Problemsituationen zu hinterfragen, ihre Fähigkeit zu verbessern, Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken sowie ihre Kooperationsfähigkeit zu entwickeln und Konflikte mit Beteiligung der Kinder zu lösen. „Starke Eltern - Starke Kinder“ wird vom Deutschen Kinderschutzbund Nürnberg angeboten, auch in türkischer und russischer Sprache. Für Eltern in besonderen Problemlagen gibt es den „Elternkurs ganz praktisch“ Die Elternkurse können außerdem auch von Kindertageseinrichtungen gebucht werden (siehe Kapitel 5.1). „Kess-erziehen“ gibt es nicht nur für Eltern von Kindern bis zu zwei Jahren, sondern auch für Eltern von Kindern zwischen drei und zehn Jahren sowie speziell zu religiösen Fragen mit dem Titel „Staunen. Fragen. Gott entdecken.“ für Eltern von Kindern im Alter von 2 bis 10 Jahren. Ziel des erstgenannten Kurses ist es, Eltern in einer kooperativen, ermutigenden sozialen und situationsorientierten Erziehungshaltung zu bestärken. Behandelt werden folgende Themen: respektvoller Umgang, Förderung der kindlichen Selbstverantwortung, Gelassenheit, Grenzen setzen, Konfliktlösungen, Freiräume für die Eltern sowie für das Familiengefühl förderliche Momente. Neben Informationen über die Entwicklung und die Bedürfnisse von Kindern, werden kurze Übungen durchgeführt und Anregungen zur Selbstreflexionen und für die Praxis zu Hause gegeben. „Kess erziehen: Staunen. Fragen. Gott entdecken“ ist für Eltern von Kindern im Alter von 2 bis 10 Jahren konzipiert. Der Kurs unterstützt Eltern dabei, mit einer wertschätzenden Erziehung das positive Lebensgefühl ihres Kindes zu stärken, christlichen Traditionen und Spiritualität im Familienalltag Raum zu geben, sich mit dem Kind auf die fragende Seite nach Gott zu stellen und kindliche Gottesbilder zu achten. Beide

beschriebenen altersübergreifenden Kess-Elternkurse werden von Zoff + Harmonie, Familienbildung der Katholischen Stadtkirche angeboten. Die „A-E-G Achtsamkeitsgruppe für Eltern“ zeigt Eltern Wege zu größerer Wachheit, Klarheit und Akzeptanz im Alltag auf sowohl für sich selbst wie auch in ihrer Elternrolle. Die Erfahrungen in der Gruppe befähigen Eltern auch in Stresssituationen oder bei besonders belastenden Problemen Ruhe, Lebensfreude und das innere Gleichgewicht wieder zu finden. Die Gruppe wird von der Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Caritasverbands Nürnberg e.V. geleitet. „Hören, wie die Stille klingt“ ist ein weiteres Angebot dieses Trägers um Eltern in der Gruppe intensive Erfahrungen mit Meditation und Achtsamkeit an einem ganzen Tag zu ermöglichen. Der „Kurs für Väter mit wenig Kontakt zu ihren Kindern“ bietet Vätern, die ihre Kinder selten sehen, Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch und Unterstützung bei der Auseinandersetzung mit ihrer Vaterrolle: zur Gestaltung des Kontakts mit ihren Kindern auch in Abstimmung mit dem anderen Elternteil, zur Wahrnehmung der eigenen und der Bedürfnisse ihrer Kinder und zur Verbesserung der Beziehung zu ihnen. Die Gruppe wird von der Erziehungs- und Familienberatungsstelle des Jugendamts der Stadt Nürnberg, Philipp-Körber-Weg 2 angeboten. „Kinder im Blick“ ist ein Seminar speziell für getrenntlebende oder bereits geschiedene Eltern, die ihrem Kind helfen wollen, besser mit der Trennung zurecht zu kommen. Charakteristisches Kennzeichen des Kurses ist, dass Mütter und Väter jeweils getrennt an einem der beiden parallel laufenden Kurse teilnehmen. Inhalte des Elterntrainings sind neben Informationen zu den Auswirkungen von Trennung und Scheidung auf die Entwicklung der Kinder, konkret die Bedürfnisse und Belastungen des eigenen Kindes sowie erfolgversprechende Unterstützungsmöglichkeiten. Es geht weiterhin um Selbstfürsorge und den Blick in die eigene Lebensplanung unter Einbeziehung des Kindes. Schließlich gibt es Unterstützung zur Gestaltung des Kontakts mit dem anderen Elternteil. In der Kleingruppe ist der Erfahrungsaustausch und die Erprobung praktischer Tipps besonders gut möglich. Der Elternkurs wird von verschiedenen Mitarbeitenden der Erziehungs- und Familienberatung des Jugendamts der Stadt Nürnberg jeweils im Tandem als Trainerpaar angeboten. Der Kurs „Wir sind stark – trotz Trennung“ gibt der ganzen Familie getrennt für die Eltern und die Kinder nach Trennung und Scheidung die Möglichkeit, die Situation zu verarbeiten und zu ihren Stärken und Ressourcen zurück zu finden. An einem ganzen Samstag geht es sowohl um die Information über die Auswirkungen der Trennung/Scheidung, wie auch um die emotionale Aufarbeitung der veränderten Familiensituation. Eingesetzt werden dabei kommunikative und kreative Methoden. Der Kurs wird von der Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Caritasverbands Nürnberg e.V. durchgeführt. „Trennung/Scheidung – Neue Perspektiven finden“ ist eine Gruppe für Eltern, um die Trennung und Scheidung zu verarbeiten und neue Perspektiven zu entwickeln. Selbstfürsorge und auch die Unterstützung der Kinder im Prozess sind Inhalte des Kurses, in dem Eltern in ihren Kompetenzen gestärkt werden sollen. Der Erfahrungsaustausch in der Gruppe ist wesentlicher Bestandteil des Angebots der Erziehungs-, Paar- und Lebensberatung der Stadtmission Nürnberg e.V.. Der Kurs „Als Eltern stark sein – Gruppe für seelisch erkrankte Eltern“ unterstützt Eltern mit psychischen Erkrankungen in ihrer Erziehungskompetenz und hilft ihnen, Krisen besser zu überstehen. Dabei spielt die Vermittlung zu weiteren Unterstützungsmöglichkeiten einige wichtige Rolle. Die Gruppe ist ein Angebot der Erziehungs-, Paar- und Lebensberatung der Stadtmission Nürnberg e.V. Für Eltern von Kindern im Alter von 3-10 Jahren, die aus Rumänien stammen, wird der „Kurs für rumänische Eltern mit Erziehungsthemen“ angeboten. Hier geht es um fachliche Unterstützung sowohl bei Alltagsthemen, wie auch um die Bedürfnisse von Kindern, ihre Rechte und konstruktive Fördermöglichkeiten und die Stärkung der Erziehungskompetenz der Eltern. Dem Austausch und der Vernetzung mit anderen Eltern wird viel Wert beigemessen. Die Gruppe wird von der Erziehungs- und Familienberatungsstelle des Jugendamts der Stadt Nürnberg, Philipp-Körber-Weg 2 geleitet. Der „Russischsprachige Elternclub“ ist ein muttersprachliches Angebot für Eltern zu Beziehungsund Erziehungsfragen. Die moderierten offenen Elterntreffen bauen auf einem Input zum Thema auf, der von den Eltern in der Diskussion weiterentwickelt wird und ihnen so die Möglichkeit zum

Austausch und zur Stärkung ihrer Erziehungskompetenz gibt. Die Gruppe wird von der Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Caritasverbands Nürnberg e.V. angeboten.

Kurse für Eltern mit Kindern und Jugendlichen in der Pubertät

In Nürnberg werden unterschiedliche Kurse für Eltern mit Kindern in der Pubertät angeboten, dazu zählen der Elternkurs „Hilfe mein Kind rebelliert…“, das Nürnberger Eltern-Training N.E.T. für Eltern von Jugendlichen in der Pubertät, „Starke Eltern - Starke Kinder“ für Eltern mit pubertierenden Kindern, „Ich bin so frei - wenn Kinder flügge werden“ sowie „Kess-erziehen – Abenteuer Pubertät“. „Hilfe mein Kind rebelliert…“ zielt darauf ab, Eltern mit fachlichen Impulsen zu unterstützen und ihnen Raum für den Austausch mit anderen Eltern zu geben. Eingespielte, für die Beziehung zum Jugendlichen schwierige Verhaltensmuster sollen erkannt und verändert werden. Der Blick soll wieder auf die Stärken des Kindes gerichtet werden. Eltern werden dabei unterstützt, mit dem Gefühl der Machtlosigkeit umzugehen und auch Neues zu wagen. „Hilfe mein Kind rebelliert“ wird von der Erziehungs- und Familienberatung des Jugendamts der Stadt Nürnberg in der Johannisstraße 58 angeboten. Das „Nürnberger Eltern-Training N.E.T.“ gibt es nicht nur als altersübergreifenden Kurs (siehe oben) sondern auch speziell für Eltern von pubertierenden Kindern. Ziel des Kurses ist es, positive Beziehungen und eine gelingende Kommunikation in der Familie zu stärken und Eltern dabei zu unterstützen, mit schwierigen Situationen und Stress gut umzugehen. Der Kurs wird von der Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Caritasverbands Nürnberg e.V. geleitet. „Starke Eltern - Starke Kinder“ gibt es speziell für Eltern mit pubertierenden Kindern. Auch hier wird das Zusammenleben in der Familie in den Blick genommen. Gemeinsam wird geklärt, wie es gelingen kann, mit den Jugendlichen in Verbindung zu bleiben und trotzdem loszulassen. Die Eltern bekommen Anregungen zur klaren Kommunikation und lernen, wie sie Kindern bei der Lösung ihrer Schwierigkeiten helfen können und unvermeidliche Konflikte in der Familie ohne Gewinner und Verlierer lösen können. Ein wesentlicher Bestandteil des Elternkurses ist der Austausch mit anderen Eltern. „Starke Eltern - Starke Kinder“ für Eltern mit pubertierenden Kindern wird vom Deutschen Kinderschutzbund angeboten. „Ich bin so frei - wenn Kinder flügge werden“ behandelt Verunsicherungen, Probleme, Ängste und Fragen von Eltern, die mit der Pubertät und der Ablösung von den Eltern einhergehen: Was dürfen Eltern erlauben, was können sie verbieten, wie können sie ihr Kind vor Gefahren schützen und wie können sie mit den ihnen oft unverständlichen Freiheiten, die sich ihr Kind herausnimmt, umgehen? Eltern erhalten Informationen, Orientierung und Begleitung, um gemeinsam mit ihren Kindern die Pubertätszeit zu bewältigen. „Ich bin so frei – wenn Kinder flügge werden“ wird angeboten von dem forum erwachsenenbildung – auch in einzelnen Kirchengemeinden. „Kess-erziehen – Abenteuer Pubertät“ heißt der Kess-Kurs speziell für die Zielgruppe der Eltern mit pubertierenden Kindern. Auch hier steht die Förderung einer kooperierenden, ermutigenden, sozialen und situationsorientierten Erziehungshaltung im Vordergrund. Darüber hinaus werden gemeinsam folgende Inhalte behandelt: Veränderungen wahrnehmen – die sozialen Grundbedürfnisse der Jugendlichen sehen, Achtsamkeit entwickeln – Position beziehen, dem Jugendlichen das Leben zutrauen – Halt geben, positives Lebensgefühl stärken – Konflikte entschärfen sowie Kompetenzen sehen – das Leben gestalten. „Kess-erziehen – Abenteuer Pubertät“ wird angeboten von Zoff + Harmonie, Familienbildung der Katholischen Stadtkirche.

Kurse für Kinder und Jugendliche

Auch für Kinder und Jugendliche gibt es in Nürnberg Kurse und Gruppen, die ihre Entwicklung fördern, ihnen helfen, Krisenzeiten besser zu überstehen und durch die Einbeziehung der Eltern deren Erziehungskompetenz stärken und das Familienleben erleichtern.

Im Vorschulalter

Für diese Altersgruppe gibt es die Kurse „Psychomotorik für Vorschulkinder“ und „Faires Raufen“. In der Gruppe „Psychomotorik für Vorschulkinder“ geht es um die Förderung der grobmotorischen Fähigkeiten, der Wahrnehmung und der Sozialkompetenz durch gemeinsame Bewegungsaufgaben und Erfahrungen von Vorschulkindern in einer Kleingruppe. Eltern und Fachkräfte aus Kitas werden mit einbezogen. Angeboten wird die Gruppe von der Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Caritasverbands Eichstätt e.V., Gisbertsstraße 67b. „Faires Raufen“ ist ein Angebot zur Gewaltprävention in Kitas. In sog. „Raufstunden“ mit festen Regeln kann Faires Raufen als respektvolles, freundschaftliches Kräftemessen erlebt werden. Körper- und Sinneserfahrungen, Selbst- und Fremdeinschätzung und soziale Kompetenz werden thematisiert und gefördert. Diese Kurse bietet die Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche vom Caritasverband Eichstätt e.V., Gisbertsstraße 67b an.

Im Grundschulalter

Kurse zur Förderung der Sozialen Kompetenz bieten alle Familienberatungsstellen in Nürnberg an: „Gruppe Soziale Kompetenz für Jungen“ (im Alter von 9 bis 10 Jahren), „Gruppen zur Förderung der emotionalen und sozialen Kompetenz für Grundschüler“ und „Soziales Kompetenztrainings für Kinder“, „Training sozialer Kompetenzen für Grundschüler“. Daneben gibt es für Kinder im Grundschulalter auch eine „Präventionsgruppe für Kinder aus Trennungs- und Scheidungsfamilien sowie eine Gruppe für Kinder mit psychisch kranken Eltern „Schöne Zeiten – Schlimme Zeiten (SZSZ) Gruppe für 8 -12jährige Kinder von seelisch belasteten Kindern“. Die „Gruppe Soziale Kompetenz für Jungen“ (im Alter von 9 bis 10 Jahren) bietet für Jungen von 9- 10 Jahren die Möglichkeit, in einem geschützten Rahmen neue Handlungsweisen zur Lösung von Konflikten in Gruppen zu erlernen und auszuprobieren. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wird als Voraussetzung für prosoziales Verhalten gesehen. Elterngespräche sind obligatorisch zur Teilnahme an dieser Gruppe, die von der Erziehungs- und Familienberatung des Jugendamts der Stadt Nürnberg im Fürreuthweg 95 angeboten wird. In den „Gruppen zur Förderung der emotionalen und sozialen Kompetenz für Grundschüler“ geht es für Kinder im Grundschulalter um die Wahrnehmung und Regulation von eigenen Gefühlen, um darauf aufbauend die eigene Resilienz zu verbessern und soziale Konflikte lösen zu lernen. Der Kurs wird von der Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Caritasverbands Nürnberg e.V. durchgeführt. Das „Soziale Kompetenztrainings für Kinder“ bietet für Kindern von 7-8 Jahren die Möglichkeit soziales Verhalten durch Gruppenerfahrungen im Rahmen von musischen und kreativen Angeboten zu erlernen und zu üben. Geleitet wird dieser Kurs von der Erziehungs-, Paar- und Lebensberatung der Stadtmission Nürnberg e.V. Im „Training sozialer Kompetenzen für Grundschüler“ wird ausgehend von individuellen Konfliktsituationen, die mit Kindern und Eltern erarbeitet werden, die Wahrnehmung von Gefühlen bei sich selbst und anderen und der Aufbau von Kontakten und Beziehungen geübt. Weiterhin geht es um das Erlernen von Konfliktlösestrategien. Die Zusammenarbeit mit den Eltern und ggf. Kitas oder Schulen ist Voraussetzung zur Teilnahme der Kinder. Diese Gruppe wird von der Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Caritasverbands Eichstätt e.V., Gisbertsstraße 67b, angeboten. Die „Präventionsgruppe für Kinder aus Trennungs- und Scheidungsfamilien“ soll Kindern helfen, die Familienkrise zu verarbeiten. Es geht sowohl um die kognitive Verarbeitung, wie auch um die Auseinandersetzung mit den damit verbundenen Gefühlen und das Üben neuer Verhaltensstrategien für die veränderte Familiensituation. Begleitende Elternarbeit wird als wichtig zur Unterstützung der Kinder gesehen. Der Kurs ist ein Angebot der Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Caritasverbands Nürnberg e.V. In der „Schöne Zeiten – Schlimme Zeiten (SZSZ) Gruppe für 8 -12jährige Kinder von seelisch belasteten Eltern“ wird den Kindern von Eltern mit psychisch kranken Eltern Unterstützung angebo-

ten durch Information über die Krankheit der Eltern, Förderung der Persönlichkeitsentwicklung, Entlastung von Verantwortung und Schuldgefühlen und durch unbeschwerte Gruppenerlebnisse. Diese Gruppe wird von der Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Caritasverbands Nürnberg e.V. geleitet.

Für Jugendliche

Für Jugendliche gibt es die Kurse „Powergirls: Mädchengruppe zur Entdeckung und Erprobung eigener Stärken und Fähigkeiten“ und die „Gruppe für Jugendliche mit seelisch erkranktem Elternteil“ Die „Powergirls: Mädchengruppe zur Entdeckung und Erprobung eigener Stärken und Fähigkeiten“ bietet Mädchen von 13-15 Jahren einen geschützten Rahmen mit wertschätzender Atmosphäre zur Auseinandersetzung mit ihren Bedürfnissen, zur Wahrnehmung der eigenen Stärken und Ressourcen sowie zur Entwicklung von Strategien zum Umgang mit anderen. Durchgeführt wird dieser Kurs von der Erziehungs-, Paar- und Lebensberatung der Stadtmission Nürnberg e.V. Der Erfahrungsaustausch mit anderen Jugendlichen in ähnlicher Situation und die Leitung des Kurses durch Fachkräfte hilft Jugendlichen von 13-17 Jahren in der „Gruppe für Jugendliche mit seelisch erkranktem Elternteil“ in ihrer Familiensituation mit psychisch kranken Eltern von Verantwortungs- und Schuldgefühlen entlastet zu werden, Information über die Krankheit des Elternteils und Unterstützung bei Handlungsstrategien zu bekommen. Diese Gruppe bietet die Erziehungs-, Paarund Lebensberatung der Stadtmission Nürnberg e.V. an.

6. Bestandsaufnahme: Koordination und Vernetzung der Nürnberger Familienbildung

Die Vielfalt familienbildender Einrichtungen und Angebote macht Koordinations- und Vernetzungsstrukturen erforderlich. Diese wurden in Nürnberg vor allem im Rahmen der Kampagne Erziehung initiiert und seither vom Stab Familienbildung stetig weiterentwickelt.

6.1 Der Stab Familienbildung im Jugendamt der Stadt Nürnberg

Seit Jahren ist der Leistungsbereich Familienbildung im Jugendamt der Stadt Nürnberg institutionalisiert. Zuständige Einheit ist der Stab Familienbildung, welcher organisatorisch der Bereichsleitung 2 „Kinder- und Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit an Schulen, Familienbildung und Erziehungsberatung“ zugeordnet ist. Der Stab Familienbildung setzt sich aus zwei Planstellen zusammen und hat vorrangig koordinierende und planerische Funktionen. Im koordinierenden und planerischen Bereich nimmt der Stab Familienbildung insbesondere folgende Aufgaben wahr:  Jugendhilfeplanung nach § 78 ff. SGB VIII für das Handlungsfeld Familienbildung, Bestandsaufnahmen, Bedarfsanalysen, Entwicklung von Strategien zur Weiterentwicklung der Familienbildung und Konzepterstellung,  Vernetzung der Akteure im Bereich Familienbildung und angrenzender Leistungsbereiche, u. a. Geschäftsführung der AG Familienbildung nach § 78 SGB VIII und des Großstädtenetzwerks Familienbildung,  Erarbeitung von Konzepten für Angebote, Fachveranstaltungen, Team-Coachings und Fortbildungen im Bereich Familienbildung und Familienerholung,  Fachliche Begleitung der Familienstützpunkte sowie ausgewählter familienbildender Projekte, wie z. B. der Mutter-Kind-Gruppe im Jugendtreff St. Johannis, des Rat & Hilfe – Telefons bei Erziehungsfragen sowie des Willkommenspakets der Stadt Nürnberg,  Informations- und Öffentlichkeitsarbeit für die Familienbildung, z. B. Fortsetzung der Kampagne Familienbildung, Präsenz auf Fachtagungen und Messen sowie Pflege der Homepage Familienbildung des Jugendamtes,  Evaluation und Dokumentation der Entwicklungen im Bereich Familienbildung,  Erarbeitung fachlicher Stellungnahmen und Berichterstattung in unterschiedlichen Gremien. Neben den dargestellten planerisch-konzeptionellen und koordinierenden Aufgaben ist der Stab Familienbildung auch operativ tätig. Jedoch ausschließlich in Bereichen, in denen übergreifende Aufgaben zu erfüllen sind, die von keinem anderen Träger oder Anbieter wahrgenommen werden können. Im Einzelnen gehören dazu folgende Aufgaben:  Organisation und Durchführung öffentlichkeitswirksamer Großveranstaltungen und Fachveranstaltungen in den Bereichen Familienbildung und Familienerholung,  Organisation und Durchführung von Fortbildungen zu Erziehungsthemen für Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe als Teil des vom Referat für Jugend, Familie und Soziales herausgegebenen Bildungsprogramms und mit Unterstützung von der Fachstelle PEF:SB,  Team-Coachings für Fachkräfte aus Kindertageseinrichtungen zum Thema Erziehungs- und Bildungspartnerschaft mit Eltern,  Vermittlung von kostenfreien Elternabenden zu Erziehungsthemen an alle Nürnberger Kindertageseinrichtungen (freie und städtische Träger).

6.2 Arbeits- und Vernetzungsstrukturen in der Familienbildung

Der Stab Familienbildung ist sowohl innerhalb des Leistungsbereichs als auch mit den angrenzenden Arbeitsfeldern gut vernetzt: Zum einen wirkt der Stab aktiv in unterschiedlichen Gremien mit Schnittstellen zur Familienbildung mit, hierzu zählen der erweiterte Stab Familie des Bündnisses für Familie sowie das Netzwerk „Jungen und Männer“ mit dem AK „Väterarbeit“ auf Referatsebene, der AK „Gesundheit von Anfang“, das „Präventionsnetz St. Leonhard Schweinau“ sowie der Fachbeirat

Frühe Hilfen. Zum anderen hat er auf unterschiedlichen Ebenen eigene Arbeitsstrukturen initiiert. Diese dienen der Abstimmung, fachlichen Planung und Steuerung sowie der gegenseitigen Information. Sie werden im Folgenden kurz beschrieben.

Steuerungsgruppe

Die Steuerungsgruppe ist ein zentrales Planungs- und Steuerungsgremium. Hier werden alle planerischen und operativen Entscheidungen getroffen. Die Gruppe setzt sich zusammen aus dem Stab Familienbildung sowie der Leitung des Bereichs 2 „Kinder- und Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit an Schulen, Familienbildung und Erziehungsberatung“.

Amtsinterne Projektgruppe Familienbildung

Für einen kontinuierlichen Informationstransfer und die erforderliche Abstimmung zwischen den relevanten Arbeitsbereichen innerhalb des Jugendamts sorgt die amtsinterne Projektgruppe Familienbildung. Vertreten sind, neben dem Stab Familienbildung und seiner Bereichsleitung, Vertreterinnen und Vertreter weiterer Arbeitsbereiche des Jugendamts, wie z. B. der Erziehungs- und Familienberatung, des Allgemeinen Sozialdienstes, der Kindertageseinrichtungen, der Familienfreundlichen Schule, der Frühen Hilfen/KoKi, der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, der Regiestelle Polizei-Jugendhilfe-Schule und der Jugendhilfeplanung sowie des Stabs Familie vom Bündnis für Familie und die Regiestelle Sozialraumentwicklung des Referats.

Arbeitsgemeinschaft Familienbildung nach § 78 SGB VIII

Die Arbeitsgemeinschaft Familienbildung nach § 78 SGB VIII ist aus dem Runden Tisch Familienbildung hervorgegangen, der sich 2001 mit Beginn der Kampagne Erziehung gegründet hat. Von Beginn an hatte das Jugendamt die Koordination und Moderation übernommen. Eine Weiterführung über die Modellphase (2001 – 2004) der Kampagne Erziehung hinaus sowie eine stärkere Institutionalisierung wurde von den freien Trägern ausdrücklich gewünscht. Mit Beschluss des Jugendhilfeausschusses vom 06.10.2011 wurde dieser Arbeitskreis in eine Arbeitsgemeinschaft der Elternund Familienbildung gemäß § 78 SGB VIII überführt und damit institutionalisiert. Die Geschäftsführung hat der Stab Familienbildung inne. Zu den weiteren Teilnehmern zählen die neun zentralen Einrichtungen der Familienbildung (siehe Kapitel 5.1) und damit auch alle sieben Familienstützpunkte (siehe Kapitel 5.2). Das städtische Bildungszentrum ist Ende 2013, das Frauen- und Mädchen-Gesundheitszentrum zum Juni 2019 aus dem Gremium ausgetreten, da Familienbildung nicht mehr zu ihren Veranstaltungsangeboten zählt. Die Arbeitsgemeinschaft Familienbildung trifft sich regelmäßig, durchschnittlich fünf Mal im Jahr. Im Rahmen der dreistündigen Treffen werden:  bei der Jugendhilfeplanung für den Leistungsbereich Familienbildung mitgewirkt,  zielgruppenspezifische Bedarfslagen diskutiert,  fachliche und relevante gesellschaftliche Entwicklungen und Fragen reflektiert,  Informationen über Neuerungen in den Einrichtungen oder im Angebot ausgetauscht,  familienbildende Angebote aufeinander abgestimmt sowie  der jährliche Familienbildungstag, die große Kooperationsveranstaltung für Nürnberger Eltern, vorbereitet. Zu den zentralen Erfolgen des Gremiums zählen:  Die langjährig gefestigte und vertrauensvolle Kooperation zwischen den Einrichtungen in unterschiedlicher Trägerschaft,  die Institutionalisierung des Arbeitskreises in eine Arbeitsgemeinschaft gemäß § 78 SGB VIII,  die erfolgreiche Mitwirkung am Eltern- und Familienbildungskonzept der Stadt Nürnberg, d. h. die aktive Beteiligung an der strategischen und operativen Zielentwicklung für die Eltern- und Familienbildung in Nürnberg,  die gemeinsame Kampagne Familienbildung als einheitliche Kommunikationsstrategie, einschließlich der Erarbeitung gemeinsamer Materialien und Publikationen,

 der Aufbau der Homepage www.familienbildung.nuernberg.de mit den Angeboten der Familienbildung,  die Abstimmung der Angebote,  das Wissen um die Angebote der Kooperationspartner und die damit verbundene Möglichkeit Eltern und Familien gezielt weiter zu vermitteln sowie  die Durchführung des Nürnberger Familienbildungstags, welcher dieses Jahr zum 17. Mal erfolgreich stattfand und sich dem Thema „Glückliche Kindheit in der Leistungsgesellschaft. Was brauchen Kinder heute?“ widmete. Über die Erhaltung des bislang Erreichten hinaus, hat sich das Gremium für die Zukunft folgende Ziele gesetzt:  Familienbildung stärker ins öffentliche und politische Bewusstsein bringen sowie die Angebotsnutzung selbstverständlicher machen,  Intensivierung der gemeinsamen Öffentlichkeitsarbeit,  Verbesserung der Bedarfsgerechtigkeit der Angebotsstruktur,  Auseinandersetzung mit fachlichen und einrichtungsbezogenen Fragen zur Weiterentwicklung der Familienbildung, wie z. B. Fachkräfte gewinnen und halten, Entwicklung innovativer zielgruppenspezifischer Angebote, passgenaue Wege der Zielgruppenerreichung sowie Schaffung von Zugängen. Zur Abstimmung mit anderen Leistungsbereichen sowie zur fachlichen Beratung und Information lädt die Arbeitsgemeinschaft regelmäßig Gäste aus angrenzenden Arbeitsbereichen ein.

Gemeinsame Sitzungen der AG Familienbildung mit dem Fachgremium Kooperation Kinder-

tageseinrichtungen

Seit 2013 finden regelmäßig Arbeitstreffen zwischen der Arbeitsgemeinschaft Familienbildung gemäß § 78 SGB VIII sowie dem Fachgremium Kooperation Kindertageseinrichtungen statt. In letztgenanntem Gremium haben sich die Fachplanerinnen und Fachplaner der Träger von Kindertageseinrichtungen in Nürnberg zusammengeschlossen. Ziel der gemeinsamen Treffen ist es, die Zusammenarbeit mit dem Bereich Kindertagesbetreuung zu verbessern, um für Eltern niedrigschwellig Zugänge zu den Angeboten der Familienbildung zu schaffen und vorhandene Ressourcen effektiver zu nutzen. Im Einzelnen dienen die Kooperationstreffen  dem persönlichen Kontakt und dem Aufbau von stabilen Kooperationsstrukturen zwischen den Mitgliedern der beiden Arbeitsgemeinschaften,  der gegenseitigen Information über aktuelle Entwicklungen des Familienlebens sowie im Kitaund Familienbildungsbereich,  dem fachlichen Austausch und der fachlichen Weiterentwicklung,  der Information der Fachplanerinnen und Fachplaner über die Angebote der Familienbildungsstellen,  der Information der Familienbildungsstellen über die Bedarfe der Eltern,  der Unterstützung von Kooperationen auf Einrichtungsebene.  der Entwicklung neuer/gemeinsamer Angebote und Kooperationsveranstaltungen,  der Abstimmung der Unterstützungsleistungen für Familien sowie  der gemeinsamen Interessenvertretung.

Arbeitsgruppe Familienstützpunkte

Mit der Einrichtung von Familienstützpunkten ist in Nürnberg eine neue Arbeitsstruktur entstanden. Sie besteht aus den Leiterinnen der sieben Familienstützpunkte und einer Vertreterin des Stabs Familienbildung. Die Gruppe dient u. a.:  der Weitergabe von Informationen aus dem Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales,  der Klärung konzeptioneller und finanzieller Fragen,

 der Angebotsabstimmung,  dem fachlichen Austausch sowie  der gemeinsamen und abgestimmten Öffentlichkeitsarbeit. Da alle Familienstützpunkte in der AG Familienbildung vertreten sind, trifft sich die Arbeitsgruppe im halbjährlichen Abstand und anlassbezogen bzw. bei Klärungsbedarf.

Netzwerk Familienbildung der Großstadtjugendämter

Das vom Stab Familienbildung 2011 initiierte Netzwerk Familienbildung der Großstadtjugendämter dient dem Austausch von Planungs-, Praxis- und Erfahrungswissen sowie der gegenseitigen Information über Entwicklungen und Herausforderungen im Bereich Familienbildung (Kammerer 2013). Im Einzelnen hat sich das Gremium die folgenden Ziele und Aufgaben gesetzt:  Das Netzwerk leistet einen Beitrag zur bedarfsgerechten strukturellen und inhaltlichen Weiterentwicklung der Familienbildung (überörtlich und vor Ort),  es verbessert die Sichtbarkeit von Familienbildung in Politik, Verwaltung, Fachöffentlichkeit und breiter Öffentlichkeit und stärkt das Bewusstsein für den gesellschaftlichen Wert und ökonomischen Nutzen von Familienbildung als präventiver Leistung der Kinder- und Jugendhilfe  und setzt sich für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für Familienbildung, insbesondere der finanziellen Voraussetzungen, ein. Um diese Ziele zu erreichen, werden in den gemeinsamen Sitzungen  (systematisch) Planungs-, Praxis- und Erfahrungswissen ausgetauscht,  gesellschaftliche Wandlungsprozesse und damit einhergehende Anforderungen an die Familienbildung diskutiert und gemeinsame Positionspapiere und Empfehlungen veröffentlicht,  gemeinsame Fachveranstaltungen ggf. in Kooperation mit anderen einschlägigen Akteuren organisiert sowie  an einer stärkeren Außendarstellung und einer größeren Präsenz in der (Fach)Öffentlichkeit gearbeitet, beispielsweise in Form der Repräsentation des Netzwerks in überörtlichen Gremien- und Arbeitsstrukturen von Politik, Verwaltung und Fachwelt oder einer gemeinsamen Homepage. Derzeit engagieren sich Vertreterinnen und Vertreter aus insgesamt 18 deutschen Großstädten im Netzwerk (siehe Tabelle 3). Die Geschäftsführung des Gremiums hat der Stab Familienbildung inne. Eine verstärkte Institutionalisierung wurde durch die Erarbeitung eines gemeinsamen Selbstverständnispapieres erreicht. Rotierend finden die Treffen in den verschiedenen teilnehmenden Städten statt, um einen Einblick in die familienbildenden Angebote der gastgebenden Städte zu erhalten. Seit Beginn fanden 12 Treffen statt.

Tabelle 3: Übersicht über die am Großstädtenetzwerk beteiligten Städte

Stadt Bundesland
Augsburg Bayern
Dortmund Nordrhein-Westfalen
Dresden Sachsen
Düsseldorf Nordrhein-Westfalen
Duisburg Nordrhein-Westfalen
Essen Nordrhein-Westfalen
Frankfurt a. M. Hessen
Gelsenkirchen Nordrhein-Westfalen
Hamm Nordrhein-Westfalen
Hannover Niedersachsen
Karlsruhe Baden-Württemberg
Köln Nordrhein-Westfalen
Leipzig Sachsen
München Bayern
Nürnberg Bayern
Potsdam Brandenburg
Regensburg Bayern
Wiesbaden Hessen

Eigene Darstellung.

7. Perspektiven und Handlungsansätze zur Weiterentwicklung der Familienbildung

Voraussetzung für die Erarbeitung von Perspektiven und Handlungsansätzen zur Weiterentwicklung der Familienbildung in Nürnberg ist die Festlegung übergeordneter Zielsetzungen, so genannter Leitziele, vor deren Hintergrund die Ergebnisse der Bestands- und Bedarfsanalysen abzugleichen und zu bewerten sind (Rupp et al. 2010). Gemeinsam mit den relevanten Akteuren wurden für die Familienbildung in Nürnberg zwei Leitziele formuliert: Leitziel 1: Alle Familien haben niederschwellig Zugang zu passgenauen Angeboten. Leitziel 2: Die Angebotsstruktur in Nürnberg ist bedarfsgerecht. Leitziel 1 liegt die Erkenntnis zugrunde, dass die Teilnahme an Angeboten der (institutionellen) Familienbildung voraussetzungsvoll ist: Der eigene Bedarf muss erkannt werden, familienbildende Angebote müssen bekannt sein, sie müssen mit den eigenen Interessen übereinstimmen und bereits vor der Teilnahme als vielversprechend, nützlich und hilfreich bewertet werden. Eigeninitiativ ist der Besuch anzugehen, was ein Zutrauen in die eigene Lernfähigkeit voraussetzt. Auch die zeitlichen und finanziellen Rahmenbedingungen dürfen einer Teilnahme nicht im Wege stehen (Mengel 2007). Nicht alle Adressaten der Familienbildung verfügen über diese Ressourcen und Voraussetzungen. Aus diesem Grund hat die Schaffung zielgruppenspezifischer Zugänge zur Familienbildung eine große Bedeutung. Leitlinie 2 basiert auf der Überzeugung, dass Familienbildung eine Leistung für alle Familien ist. Sie ist den Wünschen, Interessen, Bedürfnissen und Fragen der Eltern und Familien entsprechend zu gestalten. Maßgeblich für die Angebotsstruktur sollen damit vorrangig die Bedürfnisse der Eltern und weniger die Bedarfseinschätzungen und Interessen der Träger sein. Der Anspruch, eine Leistung für alle Familien zu sein, setzt jedoch auch voraus, den Gruppen von Eltern und Familien ansprechende Angebote zu machen, die bislang unter den Teilnehmenden unterrepräsentiert sind. Diese Unterrepräsentanz ist ausdrücklich nicht als Unvermögen und Schwäche der Adressaten zu verstehen, sondern vielmehr ein Hinweis darauf, dass die passenden Angebotsformate, Themen und Inhalte noch zu wenig bedient werden bzw. in diesen Bereichen weitere Entwicklungsarbeit nötig ist. Vor dem Hintergrund der beiden Leitziele ergibt die Bewertung und der Abgleich der aktuellen Studienergebnisse, der Resultate der Nürnberger Familienberichterstattung sowie der Bestands- und Bedarfserhebungen folgende Aufträge zur Weiterentwicklung der Familienbildung: 11. Öffentlichkeitsarbeit und Transparenz verbessern, 12. Familienstützpunkte und ihr Angebot bekannter machen, 13. Zugangsproblematik offensiv angehen, zielgruppengerechte Zugänge schaffen, 14. Erhalt und weiterer Aufbau von Netzwerken und Kooperationsstrukturen, 15. Bedarfsgerechtigkeit des Angebots verbessern, 16. Einführung einer stärkeren Sozialraumorientierung in der Jugendhilfeplanung prüfen, 17. familienbezogene Jugendarbeit unterstützen, 18. fachlichen Austausch und fachliche Weiterentwicklung fördern sowie 19. Berichtswesen, Dokumentation und Evaluation verbessern. Nicht alle benannten Aufträge sind trennscharf einem Leitziel zuzuordnen, dennoch lassen sich Schwerpunkte erkennen: Während sich die ersten drei Aufträge schwerpunktmäßig dem Leitziel 1, und der fünfte und sechste Auftrag schwerpunktmäßig dem Leitziel 2 zuordnen lassen, dient der Auftrag vier, Erhalt und weiterer Aufbau von Netzwerken und Kooperationsstrukturen, beiden Zielsetzungen gleichermaßen. Bei Auftrag sieben und acht handelt es sich um wichtige Rahmenbedingungen zur Unterstützung von Fachlichkeit und Qualität in der Familienbildung (Rupp et al. 2010: 146ff.). Im Folgenden sollen die acht Aufträge in konkrete Handlungsziele und Arbeitsschritte überführt werden. Dies erleichtert das Umsetzungscontrolling, die Feststellung der Zielerreichung und damit auch die nächste Fortschreibung des Familienbildungskonzepts.

7.1 Öffentlichkeitsarbeit und Transparenz verbessern

Wesentliche Voraussetzung zur Schaffung von Zugängen zur Familienbildung ist eine gute Bekanntheit der Leistung, der dazugehörigen Einrichtungen und deren Angebot. Die empirischen Ergebnisse der Nürnberger Bedarfserhebung sowie die Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass  die Begriffe Eltern- bzw. Familienbildung bei Nürnberger Eltern relativ bekannt sind. Welche Angebote dem Bereich Eltern- und Familienbildung zugeordnet werden und welches Image Familienbildung bei den Adressaten hat, war leider nicht Inhalt der Befragung. Aus der Praxis ist bekannt, dass Eltern und Familien, die bislang noch nicht an entsprechend ausgewiesenen Angeboten teilgenommen haben, mit dem Begriff Familienbildung kaum etwas verbinden können. Vielen Eltern und Familien fehlt der Überblick über die Angebotslandschaft.  Fachkräfte und Multiplikatoren aus der Kinder- und Jugendhilfe die Begrifflichkeiten und die Leistungen der Eltern- und Familienbildung in der Regel kennen, ihnen jedoch vielfach ebenfalls der Überblick über die in diesem Bereich tätigen Einrichtungen und ihre Angebote fehlt.  Fachkräfte aus anderen Tätigkeitskontexten, wie z. B. dem Gesundheitsbereich, die ebenfalls wichtige Multiplikatoren für die Familienbildung sind, mit den Begriffen „Eltern- und Familienbildung“ zum Teil etwas verbinden können. Einen Überblick über die Einrichtungen und Angebote hat jedoch kaum jemand. Gemeinsam mit den Trägern der Familienbildung wurde eine mehrere Ebenen umfassende und nachhaltige Kommunikationsstrategie entwickelt und umgesetzt, die den Begriff Familienbildung konkretisiert bzw. inhaltlich besetzt, den positiven individuellen, familiären und gesellschaftlichen Nutzen kommuniziert und der Familienbildung ein ansprechendes Image gibt. Die Basis wurde im Rahmen eines eintägigen, professionell angeleiteten Workshops mit den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Familienbildung gemäß § 78 SGB VIII erarbeitet. Darauf aufbauend wurde ein Konzept für eine Kampagne Familienbildung geschaffen. Die Kommunikationsstrategie zur Umsetzung wurde von einer professionellen Agentur entwickelt. Finanziert wurde die Kampagne Familienbildung durch ein Sponsoring der Sparda-Bank in Zusammenarbeit mit dem Bündnis für Familie.

Arbeitsschritt Die Kommunikationsstrategie mit ihren zentralen Zielsetzungen bleibt weiterhin Grundlage der Kampagne Familienbildung und wird fortgeschrieben.

Neben der Verbesserung der Bekanntheit von Familienbildung ist auch die Transparenz im Leistungsbereich Familienbildung weiter zu optimieren. Hierfür sind Ansätze auf unterschiedlichen Ebenen erforderlich:  Der Internetauftritt wurde übersichtlicher, nutzerfreundlicher, aktueller gestaltet und umfassender aufgestellt. Angebote der Familienbildungsstellen wurden zielgruppenspezifisch dargestellt. Da für den Bereich Frühe Hilfen eine eigene Homepage geplant ist, soll eng mit der Koordinierenden Kinderschutzstelle/den Frühen Hilfen zusammengearbeitet werden, um Doppelstrukturen zu vermeiden.  Mit dem Nürnberger Familienbildungstag wurde ein Ansatz erfahrungsbasierter Öffentlichkeitsarbeit und persönlicher Information und Beratung etabliert. Entwicklungsziel soll weiterhin sein, noch größere Publikumsresonanz zu erfahren und noch mehr Personen ohne Bezug zur Familienbildung zu erreichen.  Auch Fachkräfte und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren informieren sich gerne persönlich über die Angebote der Familienbildung. Für pädagogische Fachkräfte aus städtischen Kindertageseinrichtungen und aus Nürnberger Familienbildungsstellen wurde 2017 bis 2019 eine Workshop-Reihe „Let’s talk about“ angeboten, die die Zusammenarbeit über die gemeinsame Bearbeitung eines Themas sowie zusätzliche Informationen zur Familienbildung in Nürnberg fördern sollte. Beim letzten der jährlichen Treffen der AG Familienbildung nach § 78 SGB VIII mit dem Arbeitskreis Fachgremium Kooperation Kindertageseinrichtungen (FKK) wurden mit der Methode der Zukunftswerkstatt Visionen der möglichen Zusammenarbeit entwickelt. Gemeinsam mit den Kooperationspartnern im Bereich Familienbildung ist weiterhin zu prüfen, welche Angebotsformate sich zum persönlichen Kennenlernen und der gegenseitigen Information eignen. Sie sollten sich ohne allzu großen Ressourceneinsatz umsetzen lassen. Darüber hinaus benötigen

Fachkräfte und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren übersichtliche, handliche, konkrete und kompakte Informationsbroschüren über die Nürnberger Familienbildung. 2016 wurde die Broschüre „Sie haben starke Partner“ mit der Darstellung der 10 Nürnberger Familienbildungsstellen und ihrer Angebote entwickelt und an pädagogische Fachkräfte in Nürnberg verteilt. Arbeitsschritte Der Internetauftritt der Nürnberger Familienbildung wird weiterhin regelmäßig überarbeitet und erweitert. Der Familienbildungstag wird fortgeführt. Es werden auch in Zukunft Möglichkeiten gesucht und erprobt, den Teilnehmerkreis zu erweitern. Gemeinsam mit den Kooperationspartnern im Bereich Familienbildung werden weitere Formate zur Verbesserung der Information von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren und zur Vernetzung mit Fachkräften aus angrenzenden Leistungsbereichen entwickelt. Die kompakte Informationsbroschüre über die Einrichtungen der Familienbildung und ihre Angebote wird regelmäßig aktualisiert.

7.2 Familienstützpunkte und ihr Angebot bekannter machen

Familienstützpunkte sind eine relativ neue Struktur in der Nürnberger Familienbildungslandschaft: Die ersten fünf Familienstützpunkte wurden 2011, die letzten 2013 eingerichtet. Bedenkt man, dass Familienbildung, wie viele Leistungen der sozialen Arbeit, ein „Vertrauensgut“ ist (Christa 2014) und die besten Werbeträger begeisterte Nutzerinnen und Nutzer sind, die in ihrem Bekannten-, Freundes- und Familienkreis ihre Zufriedenheit äußern und dazu motiviere, die Angebote selbst einmal zu besuchen (Mund-zu-Mund-Propaganda), wird klar, dass die Etablierung neuer Strukturen und Angebote Zeit braucht. Erschwerend kommt hinzu, dass die familienbildenden Einrichtungen in Nürnberg dem Anforderungsprofil eines Familienstützpunkts bereits sehr nahe kamen, so dass den Endnutzern, die sich verständlicherweise nicht mit Feinheiten des Familienstützpunktkonzepts befassen, relativ schwer zu vermitteln ist, was sich genau durch den Familienstützpunkt geändert hat. Die empirischen Auswertungen zeigen jedoch, dass durch die Familienstützpunkte insbesondere das Beratungsangebot zu allgemeinen Fragen der Erziehung und der kindlichen Entwicklung neu konzipiert und ausgebaut wurde (siehe dazu Kap. 5.2). Die im Vorfeld erläuterten empirischen Ergebnisse aus den Elternbefragungen (siehe dazu Kapitel 4) sowie die Auswertung der Familienstützpunkt-Anfragestatistik (siehe dazu Kapitel 5.2) zeigen zudem, dass:  die Transparenz im Bereich der familienbildenden Angebote für Eltern und Familien zu verbessern ist und  Eltern und Familien den persönlichen Kontakt bei allgemeinen Fragen zur Erziehung und kindlichen Entwicklung sowie bei der Suche nach passenden familienbildenden Angeboten bevorzugen. Von Dezember 2017 bis einschließlich November 2018 wurden in den sieben Nürnberger Familienstützpunkten insgesamt 14.272 Anfragen bearbeitet. Das sind rund 14 % mehr Anfragen als im Vorjahr, in dem auch schon eine Steigerung um 20 % zu verzeichnen war. Die weitaus meisten Anfragen erhielten die Familienstützpunkte zu Angeboten und Einrichtungen, was die Wichtigkeit der Wegweiser- und Lotsenfunktion belegt. In diesem Bereich besteht die Chance, die Familienstützpunkte bei den Eltern mit einem neuen und bereichernden Angebot zu verknüpfen, den Gewinn der Familienstützpunkte für die Stadt Nürnberg öffentlichkeitswirksam zu kommunizieren sowie Zugänge zu weiteren Angeboten der Nürnberger Familienstützpunkte zu schaffen. Entsprechend ist insbesondere die Informations-, Beratungs- und Lotsenfunktion der Familienstützpunkte bekannter zu machen, zu stärken und zielgruppenspezifisch auszubauen. Gemeinsam mit den Leiterinnen der Familienstützpunkte sind zielgruppenspezifische Wege zu finden, wie die Informations-, Beratungs- und Lotsenfunktion der Familienstützpunkte öffentlichkeitswirksam kommuniziert werden und auch bei Multiplikatoren bekannter gemacht werden kann.

Arbeitsschritt Nachdem die Anfragestatistik eindrucksvoll die Steigerung der Inanspruchnahme des Angebots der Informations-, Beratungs- und Lotsenfunktion durch Eltern belegt, geht es in Zukunft darum, diese Maßnahme zu verfeinern. Gemeinsam mit den Familienstützpunkt-Leiterinnen wird hierzu ein Konzept erarbeitet.

7.3 Zugangsproblematik offensiv angehen, zielgruppengerechte Zugänge schaffen

Die Teilnahme an familienbildenden Angeboten setzt nicht nur Kenntnisse zum Angebot voraus, sondern auch Zugänge. Unsere in den vorangegangenen Kapiteln dargestellten Auswertungen zeigen, dass:  Eltern und Familien besonders häufig rund um die Geburt und im Säuglingsalter des Kindes Zugang zur Familienbildung finden. Mit zunehmendem Alter der Kinder nimmt dieser jedoch deutlich ab.  die gewählten Veranstaltungsorte eine große Bedeutung haben. Eltern und Familien wünschen sich mehr Angebote an Orten, die in ihrem Leben bereits eine große Rolle spielen, z. B. Kindertageseinrichtungen und Schulen.  vor allem Eltern und Familien in benachteiligten Lebenslagen mit und ohne Migrationshintergrund schwerer Zugang zu Angeboten der Eltern- und Familienbildung finden. Die Familienberichterstattung für Nürnberg zeigt, dass diese Familien einen großen Anteil an allen Nürnberger Familien haben. Auch wenn die empirischen Ergebnisse für Nürnberg belegen, dass es den Familienbildungseinrichtungen vergleichsweise gut gelingt, auch benachteiligte Familien zu erreichen, sind sie in Relation zu ihrem Anteil an der Bevölkerung in der Familienbildung leider nach wie vor unterrepräsentiert. Um die Zugangsproblematik anzugehen, sind Ansätze auf zwei Ebenen notwendig: auf der Ebene der Veranstaltungsorte sowie der Ebene der Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Familienbildung muss an den Orten, die im Familienalltag eine Rolle spielen, präsenter werden, d. h. Angebot oder Beratungsleistungen sollten insbesondere in Kindertageseinrichtungen, in Schulen und relevanten Einrichtungen im Stadtteil stattfinden. Hierbei ist darauf zu achten, die vor Ort arbeitenden Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die Beziehungen zu den Eltern haben, ihr Vertrauen genießen und über ihre Bedürfnisse und Fragen Kenntnis haben, in die Konzeption und evtl. auch Durchführung von Angeboten einzubeziehen (Passgenauigkeit der Angebote verbessern).

Arbeitsschritte Zur Intensivierung der Kooperation von Familienbildungsstellen und Kitas wird weiterhin gemeinsam mit der fachlichen Planung für städtische Kitas, mit der Fachplanung für Kitas als Orte für Familien und Familienzentren sowie unter Beteiligung von Fachkräften aus der Praxis ein Konzept bzw. Maßnahmenpaket mit verschiedenen Formaten erarbeitet und erprobt (siehe Kap. 7.1.). Auf Basis der Erfahrungen bei der Intensivierung der Kooperationen zwischen Familienbildungsstellen und Kindertageseinrichtungen soll ein Konzept bzw. Maßnahmenpaket zur Stärkung der Kooperation von Familienbildungsstellen und Schulen erarbeitet werden. Auch hier sind schulische Akteure von Anfang an einzubeziehen. Zu berücksichtigen sind insbesondere die Mitgliedsschulen im Programm familienfreundliche Schule sowie die Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS).

Wichtig für die Schaffung niedrigschwelliger, zielgruppenspezifischer Zugänge zur Familienbildung ist die Information von Fachkräften und Multiplikatoren, insbesondere der Multiplikatoren, die mit sozial benachteiligten Zielgruppen arbeiten, wie z. B. der ASD oder Beratungsstellen. Das Thema Familienbildung ist bei ihnen präsent zu halten, sie sind stets über neue Entwicklungen zu informieren und sollten dabei unterstützt werden, Familien zur Teilnahme an familienbildenden Angeboten zu motivieren und Hemmschwellen auf Teilnehmerseite zu senken.

Arbeitsschritte Die vom Stab Familienbildung erstellte und jährlich aktualisierte Übersicht zu Kursen für Eltern, Kinder und Jugendliche in Nürnberg wird den Multiplikatorinnen und Multiplikatoren weiterhin jedes Jahr zur Verfügung gestellt. Gemeinsam mit den zentralen Akteuren der Familienbildung wird weiterhin eine

plikatorinnen und Multiplikatoren laufend bzw. in regelmäßigen Abständen über aktuelle Entwicklungen im Bereich Familienbildung zu informieren. Der Stab Familienbildung wirkt in einer Vielzahl von Gremien und Arbeitsgruppen mit, in denen die anderen Mitglieder über Neuigkeiten in der Familienbildung in Kenntnis gesetzt werden. Pädagogische Fachkräfte aus dem Kita-Bereich werden während Qualifizierungsmaßnahmen (Fortbildungen und Coachings) über Angebote der Familienbildung informiert.

7.4 Erhalt und weiterer Aufbau von Netzwerken und Kooperationsstrukturen

Eine maßgebliche Aufgabe des Stabs Familienbildung im Jugendamt besteht darin, passende und funktionstüchtige Vernetzungsstrukturen zu initiieren und zu koordinieren, um so Abstimmungsprozesse und fachlichen Austausch sicherzustellen sowie Zugänge zum familienbildenden Angebot zu schaffen. Zu unterscheiden ist hier zwischen Vernetzungs- und Arbeitsstrukturen auf Planungsebene und solchen auf Einrichtungsebene. Auf Planungsebene bestehen bereits heute zahlreiche fest etablierte Vernetzungs- und Arbeitsstrukturen, die zu erhalten bzw. auszubauen sind.  Die amtsinterne Projektgruppe, in der alle Handlungsfelder des Jugendamts vertreten sind, die sich im Bereich Familienbildung engagieren, ist weiterzuführen. Die Stadtteilkoordination ist in diesen Arbeitskreis zu integrieren.  Die enge Kooperation mit der KoKi/den Frühen Hilfen ist fortzuführen, um Planungen aufeinander abzustimmen.  Die Arbeitsgemeinschaft Familienbildung gemäß § 78 SGB VIII ist weiterzuführen. Da die Vertreterinnen der Arbeitsgemeinschaft laut Satzung die Interessen aller familienbildenden Einrichtungen vertreten sollen, ist Zusammensetzung und Struktur des Netzwerks in regelmäßigen Abständen, vor dem Hintergrund der Nürnberger Anbieterstruktur zu reflektieren. Gemeinsam mit den teilnehmenden Trägern und Einrichtungen ist zu klären, ob wichtige Repräsentanten der Nürnberger Familienbildung einzubinden und neue Strukturen zu etablieren sind. Überprüft werden sollen in diesem Zusammenhang auch die Kriterien für einen Eintritt in den Arbeitskreis.  Die gemeinsamen Sitzungen der Arbeitsgemeinschaft Familienbildung und des Fachgremiums Kooperation Kindertageseinrichtungen sind regelmäßig weiterzuführen.  Das Netzwerk Familienbildung der Großstadtjugendämter hat sich mittlerweile etabliert, besteht aus einem festen Mitgliederstamm und hat eine Satzung erarbeitet. Der Arbeitskreis kann jedoch noch um weitere Großstädte, die im Bereich Familienbildung engagiert sind, erweitert werden. Arbeitsschritte Die amtsinterne Projektgruppe Familienbildung ist unter Einbeziehung der Stadtteilkoordination weiter zu führen. Die Arbeitsgemeinschaft Familienbildung reflektiert die Zusammensetzung und Struktur ihres Netzwerks und überprüft die Aufnahmekriterien. Das Großstädtenetzwerk wird gemäß seiner konzeptionellen Grundlagen weitergeführt. Weitere im Bereich Familienbildung aktive Großstädte werden zu den Netzwerktreffen eingeladen.

Neben den Vernetzungsstrukturen auf planerischen Ebenen hat sich der Stab Familienbildung auch um die Vernetzung auf Einrichtungs- bzw. Angebotsebenen zu bemühen. Wie bereits erläutert, sind Kooperationen mit Multiplikatoren zur Schaffung zielgruppengerechter Zugänge zu Angeboten der Familienbildung sowie für die Verbesserung der Bedarfsgerechtigkeit des Angebots unerlässlich. Der Stab Familienbildung verfolgt das Ziel, die Entstehung von Kooperationen zwischen einzelnen Einrichtungen der Familienbildung und Einrichtungen anderer sozialer Arbeitsfelder zu initiieren und

zu unterstützen. Gemeinsam mit der Fachplanung städtischer Kindertageseinrichtungen (J/B1-FP) sowie der Fachplanung für die Orte für Familien sowie die Familienzentren wird weiter an einem Konzept zur Förderung der Kooperationen zwischen Kindertageseinrichtungen und Familienbildungsstellen gearbeitet. Auf Basis dieser Erfahrungen soll die Vernetzung auf Einrichtungsebene auf weitere Bereiche, z. B. den Schulbereich, übertragen werden.

Darüber hinaus ist der Vernetzungsgedanke weiterhin mit den vom Stab Familienbildung organisierten „Elternabenden auf Abruf“ und den Qualifizierungsangeboten für Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen zu verknüpfen. Die Angebote sind Anlass, um in den Kindertageseinrichtungen für den Mehrwert einer Kooperation mit Familienbildungsstellen zu werben. Die Vernetzungsarbeit wird damit quasi von außen initiiert.

Arbeitsschritte Gemeinsam mit den Fachplanerinnen für städtische Kitas und Orte für Familien/Familienzentren sowie unter Einbezug von Vertreterinnen und Vertretern aus der Praxis wird ein Konzept/Maßnahmenplan zur Förderung der Kooperation von Familienbildungsstellen und Kitas erarbeitet.

Die Referentinnen und Referenten informieren und werben anlässlich der Qualifizierungsangebote für Fachkräfte und Eltern in Nürnberger Kindertageseinrichtungen für Angebote der Familienbildungsstellen.

7.5 Bedarfsgerechtigkeit des Angebots verbessern

Eine Vielzahl unterschiedlicher Akteure macht in Nürnberg Familienbildung und trägt zur Attraktivität und Vielseitigkeit der Angebotslandschaft bei. Die Ergebnisse einschlägiger Studien der Familienberichterstattung, der Bestands- und Bedarfserhebungen geben jedoch Hinweise auf Lücken bzw. Unstimmigkeiten im Nürnberger Familienbildungsangebot und zwar bezüglich der Themenschwerpunkte, der Orte und der Zielgruppen.  Familienleben in Nürnberg ist vielfältig: Familien leben (wieder) in ganz unterschiedlichen Formen zusammen. Diese stellen spezifische Anforderungen an die Familienmitglieder, so haben z. B. Patchwork-Familien andere Herausforderungen zu meistern als Großfamilien, Alleinerziehende oder Stieffamilien. Während familienbildende Angebote speziell für Alleinerziehende mittlerweile häufiger gemacht werden, sind Angebote für andere Familienformen eher selten. Die Konzeption und Durchführung familienbildender Angebote speziell für bestimmte Familienformen ist zu unterstützen und zu fördern.  Auch wenn es den Nürnberger Familienbildungsstellen und Familienstützpunkten mittlerweile relativ gut gelingt, mit ihren Angeboten sozial benachteiligte Familien mit und ohne Migrationshintergrund zu erreichen, sind diese in Relation zu ihrem Anteil an der Nürnberger Bevölkerung in der Familienbildung noch immer unterrepräsentiert: So belegt der Nürnberger Familienbericht zum einen, dass knapp ein Fünftel der Kinder in Nürnberg in Armut aufwächst und Kinder mit Migrationshintergrund oder Kinder aus Alleinerziehenden-Haushalten ein besonders hohes Armutsrisiko haben. Insbesondere vor diesem Hintergrund sind erfolgreiche Angebote für sozial benachteiligte Familien mit und ohne Migrationshintergrund weiter auszubauen und neue Programmkonzepte zu erproben. Die Erfahrungen zeigen, dass die Entwicklung einer vertrauensvollen Beziehung eine wichtige Voraussetzung für die Inanspruchnahme familienbildender Angebote darstellt, insbesondere bei verunsicherten Eltern(teilen) mit schlechten Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Institutionen. Wichtig ist zudem, dass die Angebote an den Interessen, Ressourcen, aktuellen Problemlagen und konkreten Bedürfnissen der Familien ansetzen und eine entlastende Funktion haben (Bird/Hübner 2013). Beim Ausbau von Angeboten für benachteiligte Familien besonders zu berücksichtigen sind niedrigschwellige Angebote für benachteiligte Familien, insbesondere mit Kindern im Schulalter sowie für den Übergang von der Schule in den Beruf. Auch die Entwicklung und Umsetzung integrierter Angebote, die berufliche Fragen, lebenspraktische Themen und die Bewältigung von Problemlagen mit Erziehungsthemen kombinieren sind intensiver zu fördern.  Die Ergebnisse der Bestands- und Bedarfserhebungen machen deutlich, dass es in Nürnberg Unstimmigkeiten bezüglich der Angebote für Eltern mit älteren, pubertierenden Kindern gibt: Sie

werden von den Eltern gewünscht, von den Familienbildungsstellen gemacht, fallen jedoch häufig aus. Es ist zu untersuchen, welche Faktoren bei der Teilnahme an Angeboten zum Thema Pubertät eine Rolle spielen und wie die Attraktivität und Niedrigschwelligkeit dieser Angebote verbessert werden kann. In diesem Zusammenhang sind auch Elternbildungsangebote zu schulischen Themen zu berücksichtigen. Diese werden von Eltern explizit gewünscht.  Eltern wünschen sich mehr Angebote an Orten, die in ihrem alltäglichen Leben eine Rolle spielen, beispielsweise in Kindertageseinrichtungen, Schulen und Stadtteil- bzw. Nachbarschaftshäusern. Die Umsetzung familienbildender Angebote an diesen Veranstaltungsorten ist weiter zu unterstützen und verstärkt zu fördern. Angebote der Familienbildung vermehrt an Kindertageseinrichtungen anzubieten, ist ein Ziel des Konzepts zur Förderung der Kooperation von Kindertageseinrichtungen und Familienbildungsstellen (siehe oben). Ein erster Schritt war die Erfassung der Angebote der Familienbildungsstellen, die diese vor Ort in den Nürnberger Kindertageseinrichtungen anbieten würden und die Bewerbung im Programm Eltern- und Familienbildung und auf der Homepage.  Väter wollen sich heute aktiv an der Erziehung ihrer Kinder beteiligen und ihr Aufwachsen begleiten. Dies spiegelt sich auch in den Ergebnissen der standardisierten Elternbefragung: Die befragten Elternteile wünschen sich mehr Angebote speziell für Väter. Entsprechend sind familienbildende Angebote für Väter auszubauen, die Zugänge zielgruppenspezifisch zu verbessern sowie die Sensibilität der Einrichtungen für Genderfragen zu fördern. So können „stärker männlich geprägte Settings“, die es Vätern leichter machen, sich wohl zu fühlen, die Inanspruchnahme familienbildender Angebote erhöhen (Gesterkamp 2014). In diesem Zusammenhang ist auch die Förderung der Beschäftigung von männlichen Fachkräften in der Familienbildung zu bedenken. Der AK Väter hat Institutionen zusammengeführt und schon zwei Mal eine „Väterwoche“ mit einer Vielzahl von Angeboten bereitgestellt.  Es ist zu erwarten, dass mit der praktischen Umsetzung der Inklusionsleitlinien auch für die Familienbildung ein wichtiges Handlungsfeld an Bedeutung gewinnt: Die Begleitung und Versicherung von Eltern, deren Kinder einen besonderen Förderbedarf haben. Aufbauend auf einer Bestands- und Bedarfserhebung sind in einem ersten Schritt Angebotslücken zu identifizieren.  Die weitere Entwicklung der Zuwanderung in Nürnberg ist zu beobachten. Mit Auslaufen des Bundesprogramms „Starke Netzwerke Elternbegleitung für geflüchtete Familien“ wird die weitere Finanzierung zu klären sein. Arbeitsschritte Die Familienbildungsstellen und Familienstützpunkte werden weiterhin dafür sensibilisiert, mehr Angebote für bestimmte Familienformen und Zielgruppen, insbesondere für Väter, zu machen. Es wird untersucht, ob es Angebotslücken im familienbildenden Angebot für Eltern mit Kindern mit erhöhtem Förderbedarf gibt. Die Teilnahmebarrieren bzgl. der Angebote für Eltern mit pubertierenden Kindern werden untersucht und die Anbieter darüber informiert. Der Ausbau von Angeboten für sozial benachteiligte Familien wird intensiver unterstützt, insbesondere für die Zielgruppe der Eltern mit älteren Kindern und für den Übergang von der Schule in den Beruf.

Das Angebot für Menschen mit Fluchterfahrung ist weiterhin bedarfsgerecht anzupassen und soll fortgeführt werden.

7.6 Stärkere Sozialraumorientierung in der Jugendhilfeplanung prüfen

Eine wichtige Voraussetzung für die Sicherstellung der Bedarfsgerechtigkeit des familienbildenden Gesamtangebots in Nürnberg ist eine differenzierte Jugendhilfeplanung nach § 78 ff. SGB VIII. In zahlreichen Leistungsbereichen der Kinder- und Jugendhilfe sind Planungsprozesse sozialraumorientiert ausgerichtet und berücksichtigen die unterschiedlichen sozialökologischen Lebensverhältnisse und soziokulturellen Lebenswelten von Familien. Die Planungen für die Familienbildung wurden bisher aus folgenden Gründen auf den gesamten städtischen Raum bezogen:

 Im Bereich Familienbildung gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Akteure (siehe dazu Kapitel 5), die sich in ihrer Angebotsplanung an unterschiedlichen Planungszonen orientieren.  Die Teilnahme an Angeboten der Familienbildung ist (u. a.) vom Träger abhängig, so sind einige Familien durchaus bereit, für ein passendes Angebot in einen anderen Stadtteil zu fahren, andere hingegen lehnen es ab, das Angebot des Trägers im eigenen Stadtteil zu besuchen.  Darüber hinaus haben die Familienbildungsstellen und Familienstützpunkte unterschiedliche Angebotsschwerpunkte, d. h. sie sind eher auf bestimmte Zielgruppen als auf bestimmte Sozialräume ausgerichtet. Die Nutzerstatistik zeigt, dass alle Familienbildungsstellen und Familienstützpunkte von Eltern und Familien aus dem gesamten Stadtgebiet besucht werden.  Die familienbildenden Angebote der einzelnen Familienbildungsstellen und Familienstützpunkte werden zu einem hohen Anteil über Eigenmittel der Träger finanziert. Die städtischen Steuerungsmöglichkeiten sind damit äußerst begrenzt.  Darüber hinaus spielen im Alltag von Eltern je nach Alter der Kinder unterschiedliche Orte eine Rolle. Während für Eltern mit Kindern im vorschulischen Alter beispielsweise die Kindertageseinrichtung im Stadtteil einen wichtigen Orientierungspunkt darstellt, ist es für Eltern mit Schulkindern die nicht mehr im eigenen Stadtteil liegende Schule. Zu Bedenken ist jedoch auch, dass eine sozialräumliche Erfassung der Wünsche und Bedürfnisse von Eltern sowie eine entsprechende Angebotssteuerung die Bedarfsgerechtigkeit des familienbildenden Angebots in Nürnberg verbessern würde. Die Ergebnisse der Bedarfserhebungen zeigen zudem, dass sich Eltern mehr familienbildende Angebote im Stadtteil sowie an alltagsnahen Orten wünschen und insgesamt eher abgeneigt sind, für eine Angebotsteilnahme lange Wege in Kauf zu nehmen. Aus diesem Grund soll gemeinsam mit den relevanten Akteuren aus den bestehenden Netzwerken, insbesondere der amtsinternen Projektgruppe Familienbildung und der Arbeitsgemeinschaft Familienbildung, ergebnisoffen geprüft werden, inwiefern eine sozialräumliche Orientierung für die Planung der Nürnberger Familienbildung realisierbar ist und in welche Planungszonen das Stadtgebiet ggf. aufgeteilt werden kann. Bei der Bearbeitung der Frage sollen die Erfahrungen und Strategien anderer deutscher Großstädte berücksichtigt werden. Auch die Organisation eines Workshops mit Beteiligung von Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft und Forschung ist in Erwägung zu ziehen.

Arbeitsschritte Das Thema sozialräumliche Jugendhilfeplanung wird im Netzwerk Familienbildung der Großstadtjugendämter diskutiert. Die Fragestellung wird in den verschiedenen Gremien der Familienbildung weiterhin verfolgt.

7.7 Familienbezogene Jugendarbeit unterstützen

Charakteristisch für die Jugendphase ist eine ambivalente Haltung der Familie gegenüber: Einerseits streben die Jugendlichen nach Autonomie und befreien sich aus dem Familienkorsett, andererseits sind sie nach wie vor materiell und emotional abhängig, brauchen Schutz, das Gefühl der Nestwärme, Sicherheit und Vorbilder. Mit zunehmendem Alter füllen andere Instanzen, wie z. B. die Peer-Group, diese Funktion aus und nehmen so eine wichtige Rolle bei der Identitätsfindung ein, indem sie beispielsweise Identifikationsmöglichkeiten bieten. Die Jugendarbeit steht damit auf den ersten Blick in Abgrenzung zum Elternhaus und zur Familie. Als Gegenwelt zur Familie bietet sie Jugendlichen einen weitgehend repressionsfreien Raum, in dem andere Regeln gelten als im Elternhaus und der ihnen Möglichkeiten gibt, in Ruhe gelassen zu werden und sich auszuprobieren. Trotz dieser Ablösungs- und Veränderungsprozesse, bleiben Jugendliche jedoch Familienmitglieder. Aus systemischer Perspektive kann die Familie nicht außen vorgelassen werden. In zahlreichen Fällen nimmt die Jugendarbeit eine wichtige Brückenfunktion zum Elternhaus wahr: Sie gibt Jugendlichen die Möglichkeit familiäre Erfahrungen und Probleme anzusprechen, ihre Situation zu reflektieren, bezieht Eltern anlassbezogen und mit ausdrücklichem Einverständnis der Jugendlichen ein und macht familienbezogene Angebote, wie z. B. im Bereich der Erlebnispädagogik (Friedrich/Menzke 2015). Darüber hinaus spielen familienbezogene Themen in der Jugendarbeit (Liebe,

Freundschaft, Bindungen, Beziehungen, Ehe, Sexualität, Kinder, Schwangerschaft, Zukunft) stets eine Rolle. Familienbildung hat damit auch in diesem Leistungsbereich Bedeutung. Informationen über die familienbezogenen Ansätze in der Nürnberger Jugendarbeit sind anzustreben, um diese Angebote bei den Familienbildungsstellen und Familienstützpunkten bekannt zu machen, den fachlichen Austausch und das „Voneinander-Lernen“ zu fördern und Zugänge zur institutionellen Familienbildung zu schaffen.

Arbeitsschritte Ansätze familienbezogener Arbeit sind weiterhin Bestandteil der Jugendhilfeplanung in der Nürnberger Jugendarbeit und werden kontinuierlich unterstützt. Der fachliche Austausch und die gegenseitige Information zwischen Vertretern der institutionellen Familienbildung und der Jugendarbeit werden gefördert, um die Zugänge zum institutionellen Angebot zu verbessern.

Neben der Familienorientierung in der Jugendarbeit stellen die Jugendeinrichtungen auch ein passendes Setting für die Familienbildung mit jungen Müttern, Vätern bzw. Familien dar22. Sehr junge Mädchen werden oft überraschend und unvorbereitet schwanger, haben hohe Hemmschwellen andere familienbildende Angebote zu besuchen bzw. empfinden diese Anlaufstellen für sich als unpassend. Die Jugendeinrichtungen sind bei dieser Zielgruppe meist positiv besetzt und es bestehen Beziehungen zum pädagogischen Team, die für den Zugang zum Angebot äußerst wichtig sind. In Nürnberg gibt es derzeit drei Einrichtungen der Jugendarbeit, die sich in diesem Bereich engagieren (der Jugendtreff Johannis, das Kinder- und Jugendhaus Berta in Sünderbühl/St. Leonhard sowie das Kinder- und Jugendhaus ALF in Altenfurt). Die Arbeit der Jugendhäuser schließt eine Lücke in der familienbildenden Angebotsstruktur und wird vom Stab Familienbildung weiter begleitet und unterstützt.

Arbeitsschritt Die Mutter-Kind-Gruppen in den Jugendeinrichtungen werden fachlich begleitet und unterstützt, Angebote der institutionellen Familienbildung werden bekannter gemacht.

7.8 Fachlichen Austausch und fachliche Weiterentwicklung fördern

Eines der zentralen Elemente von Qualitätssicherung und qualitativer Weiterentwicklung in sozialen und pädagogischen Handlungsfeldern ist die Fortentwicklung von Fachlichkeit. Sie wird maßgeblich bestimmt durch das Qualifikationsprofil sowie das Ausmaß an Berufserfahrung. Zu den Maßnahmen der Weiterentwicklung von Fachlichkeit gehören z. B. Teambesprechungen, Personalgespräche, Supervision, kollegiale Anleitung, fachlicher Austausch und Weiterbildung (Rupp et al. 2010: 148). Zahlreiche der genannten Maßnahmen werden in den Einrichtungen der Familienbildung durchgeführt und gewährleisten die hohe Fachlichkeit des Angebots. Der Stab Familienbildung unterstützt die Träger und Einrichtungen durch folgende Angebote:  Qualifizierungsmaßnahmen (Fortbildungen, Workshops und Team-Coachings) zur Bildungsund Erziehungspartnerschaft mit Eltern für pädagogische Fachkräfte in Nürnberger Kindertageseinrichtungen,  Fachveranstaltungen sowie  den fachlichen Austausch zum Thema Familienbildung. Alle genannten Maßnahmen sollen weitergeführt bzw. ausgebaut werden: derzeit bietet der Stab Familienbildung neun unterschiedliche Fortbildungen, Team-Coachings zu vier Themen und Workshops zu drei Themen an, die alle nach wie vor sehr gut nachgefragt werden. Seit 2018 wird die Fortbildung „Fernsehen, Internet & Co.: Erziehung im Medienzeitalter“ ergänzt durch die Fortbildung „Medienerziehung praktisch – Digitale Spielewelten von Kindern kennen und verstehen“. Weiterhin

22 Die Zielgruppe der Jugendarbeit umfasst junge Menschen bis 27 Jahre.

wird das Thema „Stressprävention in der Kindergruppe in zwei Formaten mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung angeboten. Im Anschluss an die Fortbildung „Sichere Bindung und Feinfühligkeit: Basis einer stabilen Beziehung zum Kind und Qualitätsstandard für Kitas“ kann von den Teilnehmenden zur Vertiefung der Inhalte und zur Verbesserung des Praxistranfers ein Team-Coaching gebucht werden. Diese Fortbildung baut auf den Inhalten der vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales geförderten Fortbildung „sibe“ für Mitarbeitende in Familienstützpunkten und Koordinierungsstellen der Familienbildung in den Jugendämtern auf. Größere Fachveranstaltungen werden vom Stab Familienbildung in regelmäßigen zeitlichen Abständen durchgeführt, ggf. in Kooperation mit anderen Akteuren, z. B. dem Stab Familie des Nürnberger Bündnis für Familie im Sozialreferat. Themen der Familienbildung sollen regelmäßig im Offenen Forum Familie bearbeitet werden. 2021 wird sich das Offene Forum Familie wiederum diesem Schwerpunkt widmen. Im Rahmen von Netzwerktreffen und Workshops zu aktuellen Themen wird die Weiterentwicklung und der fachliche Austausch der Familienbildungsstellen und Familienstützpunkte kontinuierlich unterstützt. Neben den Netzwerktreffen der Arbeitsgemeinschaft Familienbildung gibt es jährlich eine gemeinsame Sitzung der Arbeitsgemeinschaft Familienbildung und des Fachgremiums Kooperation Kindertageseinrichtungen. Darüber hinaus sollen unterschiedliche Formate zu aktuellen Themen für Fachkräfte aus dem Leistungsbereich Familienbildung organisiert werden, die auch Vernetzungsprozesse auf Einrichtungsebene fördern. Relevante Themen sind mit den Familienbildungsstellen und Familienstützpunkten abzustimmen.

Arbeitsschritte Die Qualifizierungsangebote des Stabs Familienbildung werden fortgeführt und entsprechend dem Bedarf der Fachkräfte/Einrichtungen um Formate zu aktuellen Themen erweitert. Das Offene Forum Familie 2021 wird gemeinsam vom Stab Familie im Nürnberger Bündnis für Familie des Sozialreferats, den Familienbildungsstellen und dem Stab Familienbildung konzeptioniert. Die Weiterentwicklung und der fachliche Austausch der Familienbildungsstellen und Familienstützpunkte wird durch Netzwerktreffen und Qualifizierungsangebote zu aktuellen Themen unterstützt.

7.9 Berichtswesen, Dokumentation und Evaluation verbessern. Qualitätssicherung umfasst neben der Fachlichkeit auch das Berichtswesen, die Dokumentation und Maßnahmen der Evaluation. Wie im Rahmen der Bestandserhebung ersichtlich wurde, dokumentieren die im Bereich Familienbildung tätigen Einrichtungen ihre Arbeit auf ganz unterschiedliche Weisen. Dabei spielen nicht nur Vorgaben und Kriterien der Förderer eine Rolle, sondern auch Interessen und Routinen der Träger und Einrichtungen. Die Einführung eines gemeinsamen Dokumentations- und Berichtssystems für die familienbildenden Einrichtungen würde dabei helfen,  einen Überblick über die Zahl der Angebote, der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie der erreichten Bevölkerungsgruppen zu erhalten und  die Arbeit der familienbildenden Einrichtungen transparent zu machen und öffentlichkeitswirksam kommunizieren zu können. Zunächst soll für den relativ kleinen Kreis der Arbeitsgemeinschaft Familienbildung geprüft werden, ob und mit welchem Aufwand ein gemeinsames Dokumentations- und Berichtswesen für die Familienbildung eingeführt werden kann. Da dieses auf den bisherigen Ansätzen aufbauen sollte, ist zunächst eine Übersicht über die unterschiedlichen Dokumentationsverfahren der Familienbildungsstellen und Familienstützpunkte zu erstellen. Auf dieser Grundlage kann der Aufwand und die Realisierbarkeit eines gemeinsamen Berichtssystems geprüft werden. Erst nach einem positiven Ausgang der Machbarkeitsprüfung werden gemeinsam Begriffe und Kennziffern im Handlungsfeld Familienbildung definiert (scheinbar banal, aber nicht ganz einfach: was ist ein Teilnehmer/eine Teilnehmerin in einem Kurs/in einem offenen Angebot?).

Neben der Leistungsdokumentation ist auch die Durchführung von Evaluationsstudien bzw. Wirksamkeitsmessungen im Bereich Familienbildung zu unterstützen. So liegen für Deutschland nur wenige einschlägige und methodisch anspruchsvolle Evaluationsstudien vor. Je besser die Effekte und der individuelle, familiäre und gesellschaftliche Nutzen von Familienbildung auch wissenschaftlich belegt sind, desto größer ist die Chance der Eltern- und Familienbildung, ihr Angebotsspektrum bedarfsgerecht (in quantitativer und qualitativer Hinsicht) auszubauen.

Arbeitsschritte Angesichts der unterschiedlichen träger- und einrichtungsspezifischen Dokumentationsweisen soll die Realisierung eines einheitlichen Dokumentationssystems geprüft und möglichst realisiert werden. Wirksamkeitsmessungen im Bereich Familienbildung werden unterstützt.

8. Zusammenfassung der Arbeitsschritte

Aufbauend auf den Erkenntnissen aktueller Studien und empirischer Erhebungen wurden vor dem Hintergrund zweier Leitziele Perspektiven und Handlungsansätze zur Weiterentwicklung der Nürnberger Familienbildung erarbeitet und in konkrete Arbeitsschritte überführt. In Anbetracht der zur Verfügung stehenden finanziellen und personellen Ressourcen können nicht alle Arbeitsschritte parallel angegangen werden. Eine Priorisierung ist unerlässlich und wurde gemeinsam mit den Kooperationspartnern in der Arbeitsgemeinschaft Familienbildung vorgenommen. Tabelle 4 gibt einen Überblick über die erforderlichen Arbeitsschritte und deren Priorisierung, wobei die „1“ für höchste Priorität, die „2“ für hohe Priorität und die „3“ für mittlere Priorität steht.

Tab. 4: Übersicht über die Arbeitsschritte zur Weiterentwicklung der Familienbildung

Auftrag Arbeitsschritte Priorität
Öffentlichkeitsarbeit und Transparenz ver- bessern Öffentlichkeitsarbeit Die Kommunikationsstrategie mit ihren zentralen Ziel- 1
und Transparenz ver- setzungen bleibt weiterhin Grundlage der Kampagne
bessern Familienbildung und wird fortgeschrieben.
Der Internetauftritt der Nürnberger Familienbildung 1
wird weiterhin regelmäßig überarbeitet und erweitert.
Der Familienbildungstag wird fortgeführt. Es werden 1
auch in Zukunft Möglichkeiten gesucht und erprobt,
den Teilnehmerkreis zu erweitern.
Gemeinsam mit den Kooperationspartnern im Bereich 2
Familienbildung werden weitere Formate zur Verbes-
serung der Information von Multiplikatorinnen und Mul-
tiplikatoren und zur Vernetzung mit Fachkräften aus
angrenzenden Leistungsbereichen entwickelt.
Die kompakte Informationsbroschüre über die Einrich- 1
tungen der Familienbildung und ihre Angebote wird re-
gelmäßig aktualisiert.
Familienstützpunkte und ihr Angebot be- kannter machen Nachdem die Anfragestatistik eindrucksvoll die Steige- 1
rung der Inanspruchnahme des Angebots der Informa-
tions-, Beratungs- und Lotsenfunktion durch Eltern be-
legt, geht es in Zukunft darum, diese Maßname zu ver-
feinern. Gemeinsam mit den Familienstützpunkt-Leite-
rinnen wird hierzu ein Konzept erarbeitet.
Zugangsproblematik offensiv angehen, Ziel- gruppengerechte Zu- gänge schaffen Zur Intensivierung der Kooperation von Familienbil- 1
dungsstellen und Kitas wird weiterhin gemeinsam mit
der fachlichen Planung für städtische Kitas, mit der
Fachplanung für Kitas als Orte für Familien und Fami-
lienzentren sowie unter Beteiligung von Fachkräften
aus der Praxis ein Konzept bzw. Maßnahmenpaket er-
arbeitet und erprobt (siehe Kap.7.1).
Auf Basis der Erfahrungen bei der Intensivierung der 2
Kooperationen zwischen Familienbildungsstellen und
Kindertageseinrichtungen soll ein Konzept bzw. Maß-
nahmenpaket zur Stärkung der Kooperation von Fami-
lienbildungsstellen und Schulen erarbeitet werden.
Auch hier sind schulische Akteure von Anfang an ein-
zubeziehen. Zu berücksichtigen sind insbesondere die
Mitgliedsschulen im Programm familienfreundliche
Schule sowie die Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS).

Familienstützpunkte

und ihr Angebot be-

kannter machen

Zugangsproblematik

offensiv angehen, Ziel-

gruppengerechte Zu-

gänge schaffen

Die vom Stab Familienbildung erstellte Übersicht zu 1
Kursen für Eltern, Kinder und Jugendliche in Nürnberg
wird den Multiplikatorinnen und Multiplikatoren weiter-
hin jedes Jahr zur Verfügung gestellt.
Gemeinsam mit den zentralen Akteuren der Familien- 2
bildung wird weiterhin eine – ohne großen Ressour-
ceneinsatz – umsetzbare Strategie verfolgt, um Multi-
plikatorinnen und Multiplikatoren laufend bzw. in regel-
mäßigen Abständen über aktuelle Entwicklungen im
Bereich Familienbildung zu informieren. Der Stab Fa-
milienbildung wirkt in einer Vielzahl von Gremien und
Arbeitsgruppen mit, in denen die anderen Mitglieder
über Neuigkeiten in der Familienbildung in Kenntnis
gesetzt werden. Pädagogische Fachkräfte aus dem
Kita-Bereich werden während Qualifizierungsmaßnah-
men (Fortbildungen und Coachings) über Angebote
der Familienbildung informiert.
Erhalt und Ausbau von Kooperations- und Ver- netzungsstrukturen Die amtsinterne Projektgruppe Familienbildung ist un- 1
ter Einbeziehung der Stadtteilkoordination weiter zu
führen.
Die Arbeitsgemeinschaft Familienbildung reflektiert die 2
Zusammensetzung und Struktur ihres Netzwerks und
überprüft die Aufnahmekriterien.
Das Großstädtenetzwerk wird gemäß seiner konzepti- 3
onellen Grundlagen weitergeführt. Weitere im Bereich
Familienbildung aktive Großstädte werden zu den
Netzwerktreffen eingeladen.
Gemeinsam mit den Fachplanerinnen für städtische 1
Kitas und Orte für Familien/Familienzentren sowie un-
ter Einbezug von Vertreterinnen und Vertretern aus der
Praxis wird ein Konzept/Maßnahmenplan zur Förde-
rung der Kooperation von Familienbildungsstellen und
Kitas erarbeitet.
Die Referentinnen und Referenten informieren und 1
werben anlässlich der Qualifizierungsangebote für
Fachkräfte und Eltern in Nürnberger Kindertagesein-
richtungen für Angebote der Familienbildungsstellen.
Bedarfsgerechtigkeit des Angebots verbes- sern Die Familienbildungsstellen und Familienstützpunkte 1
werden weiterhin dafür sensibilisiert, mehr Angebote
für bestimmte Familienformen und Zielgruppen, insbe-
sondere für Väter zu machen.
Es wird untersucht, ob es Angebotslücken im familien- 1
bildenden Angebot für Eltern mit Kindern mit erhöhtem
Förderbedarf gibt.
Die Teilnahmebarrieren bzgl. der Angebote für Eltern 2
mit pubertierenden Kindern werden untersucht und die
Anbieter darüber informiert.
Der Ausbau von Angeboten für sozial benachteiligte 2
Familien wird intensiver unterstützt, insbesondere für
die Zielgruppe der Eltern mit älteren Kindern sowie für
den Übergang von der Schule in den Beruf.

Erhalt und Ausbau von

Kooperations- und Ver-

netzungsstrukturen

Bedarfsgerechtigkeit

des Angebots verbes-

sern

Das Angebot für Menschen mit Fluchterfahrung ist wei- 1
terhin bedarfsgerecht anzupassen und soll fortgeführt
werden.
Stärkere Sozialraum- orientierung in der Ju- gendhilfeplanung prü- fen Das Thema sozialräumliche Jugendhilfeplanung wird 2
im Netzwerk Familienbildung der Großstadtjugendäm-
ter diskutiert.
Die Fragestellung wird in den verschiedenen Gremien 2
der Familienbildung weiterhin verfolgt.
Familienbezogene Ju- gendarbeit unterstüt- zen Ansätze familienbezogener Arbeit sind weiterhin Be- 3
standteil der Jugendhilfeplanung in der Nürnberger Ju-
gendarbeit und werden kontinuierlich unterstützt.
Der fachliche Austausch und die gegenseitige Informa- 3
tion zwischen Vertretern der institutionellen Familien-
bildung und der Jugendarbeit werden gefördert, um die
Zugänge zum institutionellen Angebot zu verbessern.
Die Mutter-Kind-Gruppen in den Jugendeinrichtungen 1
werden fachlich begleitet und unterstützt, Angebote
der institutionellen Familienbildung werden bekannter
gemacht.
Fachlichen Austausch und fachliche Weiter- entwicklung fördern Die Qualifizierungsangebote des Stabs Familienbil- 1
dung werden fortgeführt und entsprechend dem Be-
darf der Fachkräfte/Einrichtungen um Formate zu ak-
tuellen Themen erweitert.
Das Offene Forum Familie 2021 wird gemeinsam vom 1
Stab Familie im Nürnberger Bündnis für Familie des
Sozialreferats, den Familienbildungsstellen und dem
Stab Familienbildung konzeptioniert.
Die Weiterentwicklung und der fachliche Austausch 1
der Familienbildungsstellen und Familienstützpunkte
wird durch Netzwerktreffen und Qualifizierungsange-
bote zu aktuellen Themen unterstützt.
Berichtswesen, Doku- mentation und Evalua- tion Angesichts der unterschiedlichen träger- und einrich- 2
tungsspezifischen Dokumentationsweisen soll die Re-
alisierung eines einheitlichen Dokumentationssystems
geprüft und möglichst realisiert werden.
Wirksamkeitsmessungen im Bereich Familienbildung 1
werden unterstützt.

Stärkere Sozialraum-

orientierung in der Ju-

gendhilfeplanung prü-

fen

Familienbezogene Ju-

gendarbeit unterstüt-

zen

Fachlichen Austausch

und fachliche Weiter-

entwicklung fördern

Berichtswesen, Doku-

mentation und Evalua-

tion

Eigene Darstellung.

9. Literaturverzeichnis

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Anhang

Anhang 1: Familien in Nürnberg

Anhang 2: Bestandserhebung – zehn zentrale Familienbildungsstellen

Anhang 3: Kurse für Eltern, Kinder und Jugendliche in Nürnberg 2019

Anhang 1: Familien in Nürnberg

Karte 1: Anteil der Familienhaushalte nach Statistischen Bezirken

Abbildung 5

Quelle: Bündnis für Familie 2019: 59

Karte 2: Anteil Alleinerziehender nach Statistischen Bezirken

Abbildung 6

Quelle: Bündnis für Familie 2019: 60

Karte 3: Anteil Familienhaushalte mit 3 u. mehr Kindern nach Statistischen Bezirken

Abbildung 7

Quelle: Bündnis für Familie 2019: 61

Abbildung 1: Familienhaushalte in Nürnberg nach Migrationshintergrund der Bezugsperson im Haushalt und Zahl der Kinder im Haushalt (31.12.2017).

Abbildung 8

Quelle: Bündnis für Familie 2019: 25; Datenquelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth, eigene Berechnungen.

Karte 4: Anteil der Kinder unter 15 Jahre mit Migrationshintergrund an allen Kindern nach statistischen Distrikten

Abbildung 9

Quelle: Bündnis für Familie 2019: 62

Karte 5: Anteil der Bedarfsgemeinschaften mit Kindern an allen Haushalten mit Kindern nach statischem Bezirk

Abbildung 10

Quelle: Bündnis für Familie 2019: 63

Anhang 2: Bestandserhebung – zehn zentrale Familienbildungsstellen

Bezeichnung der Einrichtung Träger Elternbildungsprogramme der AWO
HIPPY, „PAT – Mit Eltern lernen“
Marientorgraben 9, 90402 Nürnberg
AWO-Kreisverband Nürnberg e.V.
Einrichtung liegt im Stadtteil Innenstadt
Angaben zum familienbildenden Angebot
Angebote der Familienbildung PAT – Mit Eltern Lernen, HIPPY – Spiel und Lernprogramm, Nürnberger Elternbegleiterinnen, Netzwerk Elternchance, Netzwerk Kita-Einstieg, Familienstützpunkt
Zielgruppen (Familienform, Fami- lien- und Lebensphase, Lebens- und Belastungssituation) Familien in belasteten Lebenssituationen, beispielsweise Familien mit Migrationshintergrund, Alleinerziehende, Familien mit erhöhtem Förder- bedarf, Familien in finanzieller Notlage, geflüchtete Familien und Flücht- lingsfamilien in Gemeinschaftsunterkünften PAT: Für Familien ab der Schwangerschaft bis zum 3. Lebensjahr des Kindes HIPPY: Für Familien mit Vorschulkindern (3-6 J.) Nürnberger Elternbegleiterinnen: Für Familien mit Kindern von 3-6 J.
Veranstaltungsformen Kurse (z. B. Erziehungskurse, Sprachkurse zum Thema Familie) Feste Gruppen (z. B. Elterngruppen, Eltern-Kind-Gruppen) Offene Gruppen (z. B. Spieltreffs) Offene Treffpunkte (z. B. Elterncafés, Stammtische) zugehende Angebote (z. B. (Haus-)Besuchsprogramme) Freizeit-/Urlaubsangebote (z. B. Ausflüge, Familienurlaub) Themenabende, Infoveranstaltungen, Vorträge Allgemeine Beratung Andere, und zwar:
Wo werden die Angebote durch- geführt? In der eigenen Einrichtung „Angedockt“ an einem alltagsnahen Ort (z. B. Kindergarten o.ä.) Im Privatbereich der Teilnehmer/innen An einem anderen Ort, und zwar _____________________________________
In welchen Nürnberger Stadttei- len finden die familienbildenden Angebote statt? Schwerpunktmäßig in Gostenhof, St. Leonhard/Schweinau, Südstadt, aber auch bei Bedarf im gesamten Stadtgebiet (dort, wo die Familien wohnen)
Welche Möglichkeiten nutzen Sie, um über das familienbil- dende Angebot Ihrer Einrichtung zu informieren? (Mehrfachnen- nungen möglich) Informationsveranstaltungen Ankündigungen in der regionalen Presse Ankündigungen über regionale Rundfunksender Ankündigungen in kostenlosen Anzeigeblättern/Postwurfsendungen Angebotsbeschreibungen im Internet Aushänge/Flyer an zentralen Orten (Mehrfachnennungen möglich): in Kindergärten, Kindertageseinrichtungen in Schulen in Familienbildungsstätten in Geschäften in Arztpraxen in Kliniken in Beratungsstellen im Jugendamt in Stadt- oder Gemeindeämtern in der Kirchengemeinde an anderen Orten, und zwar: Gesundheitsamt persönliche Einladungen bzw. Ansprache Programmversand Andere, und zwar: facebook Weiß nicht/ Keine Angabe

Bezeichnung der Einrichtung

Träger

Angaben zu den Teilnehmenden
Teilnehmerzahlen (ggf. Teilnehmerlehreinheiten 1 TN. pro 90 min. + Kinder + Ju- gendliche) Ca. 570 Familien-aufgeteilt in Stadtteilgruppen HIPPY: 15 Gruppen / à ca. 16 Teilnehmer= ca. 240 Fam. (Gruppendauer 18 Monate): Hausbesuche und Gruppentreffen PAT: 8 Gruppen / seit 2019 6 Gruppen mit ca. à 20-30 TN Familien = ca. 200 Familien pro Jahr, Programmlaufzeit bis zu 3 Jahren; Hausbesuche und Gruppentreffen; Nürnberger Elternbegleiterinnen: 10 Gruppen / à ca.10 TN Familien= ca. 110 Fam. pro Jahr im Gruppentreffen; Netzwerk Elternchance: 126 Termine mit insgesamt 728 Müttern und 458 Kindern
Beschreibung der Teilnehmen- den (Geschlecht, Alter, sozio-ökon. Hintergrund, Migrationserfahrung) Familien mit Kindern ab Schwangerschaft bis zur Einschulung, über 95% der Familien haben Migrationshintergrund und kommen aus fast 50 ver- sch. Ländern, davon sind fast 60% Flüchtlingsfamilien, von denen sehr viele noch in Gemeinschaftsunterkünften wohnen; Die große Mehrheit der Fam. hat einen Nürnberg Pass, d. h. sie beziehen Sozialleistungen, mind. Wohngeld.
Aus welchem Einzugsgebiet kommen die Nutzer(innen) Ihrer Angebote überwiegend? Nur aus dem Nahraum um die Einrichtung Aus dem Nahraum und dem übrigen Stadtteil Aus dem Stadtteil u. benachbarten Stadtteilen Aus der gesamten Stadt Andere Herkunft:________________________________________ Weiß nicht
Rückblick und Vorschau
Wesentliche Veränderungen in den letzten 5 Jahren Im Nov. 2013 nahm eine Familienhebamme ihre Arbeit auf. Ab Juli 2014 übernahm die Auerbach Stiftung die Finanzierung einer zu- sätzlichen Gruppe „Nürnberger Elternbegleiterinnen“ für ein Jahr. Die Auerbachstiftung hat die Finanzierung einer Gruppe nach einem Jahr beendet. Ab 2015 große Nachfrage bei PAT durch geflüchtete Familien, deshalb Beantragung zusätzlicher Mittel bei Stiftung Zukunft und der Fernsehlot- terie. Beide Anträge wurden bewilligt, deshalb 2017 Beginn mit vier zu- sätzlichen PAT-Gruppen für geflüchtete Familien, die in Gemeinschafts- unterkünften leben. Im Dez. 2018 wurden zwei der vier zusätzlichen PAT-Gruppen beendet, da die Finanzierung ausgelaufen ist. Ab 2017 zusätzliche Angebote (gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend): „Netzwerk Elternchance Nürnberg - Elternbegleitung für geflüchtete Familien“ und „Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung“
Perspektive für die nächsten Jahre Das Angebot im jetzigen Umfang ist nicht bedarfsgerecht. Die Anzahl der Familien, die sich für die Programme interessieren, ist deutlich höher als wir Plätze anbieten können. Außerdem werben wir nur in den Stadtteilen Gostenhof, St. Leonhard/Schweinau und in der Südstadt. Tatsächlich wäre der Bedarf um ein Vielfaches höher, wenn wir auch in anderen Stadtteilen, wie z. B. Nordost Bahnhof, Mögeldorf, Nordstadt oder Lang- wasser aktiv in den Kita’s werben würden.
Bezeichnung der Einrichtung Träger Bayerisches Rotes Kreuz
Kreisverband Nürnberg-Stadt
Sulzbacher Straße 42
90489 Nürnberg
Einrichtung liegt im Stadtteil Wöhrd
Angaben zum familienbildenden Angebot
Angebote der Familienbildung Kurse und Veranstaltungen:  für werdende Eltern: „Fit fürs Baby – Säuglingspflege“;  für Eltern mit ihren Kindern: PEKiP, Musikküken, Afro-Yoga für Baby und Mama, „Mit kleinen Schritten in die große Welt“ für El- tern mit Kindern von 1 -2 Jahre, Experimente für Groß und Klein; Elterncafè  für Jugendliche ab 15 und Junggebliebene „Fit fürs Babysitting“,  für Eltern und Großeltern: Ernährungskurse; Elternabende zu Er- ziehungs- und Familienthemen; Auszeitabende für Mütter sowie „GroßElternTreff“  für Fitness und Wohlbefinden: „DancingFeet“ (Tanz und Yoga) für die ganze Familie; Workshop zu verschiedenen Entspan- nungsmethoden  Systemische Familienberatung  Babysittervermittlung  Baby- und Kinderflohmarkt mit Flohmarktcafé
Zielgruppen (Familienform, Fami- lien- und Lebensphase, Lebens- und Belastungssituation) Kinder, Eltern, Alleinerziehende, Jugendliche ab 15 Jahren, Großeltern, Bewohner aus dem Stadtteil, Bildungsgutscheine werden anerkannt
Veranstaltungsformen Kurse (z. B. Erziehungskurse, Sprachkurse zum Thema Familie) Feste Gruppen (z. B. Elterngruppen, Eltern-Kind-Gruppen) Offene Gruppen (z. B. Spieltreffs) Offene Treffpunkte (z. B. Elterncafés, Stammtische) zugehende Angebote (z. B. (Haus-)Besuchsprogramme) Freizeit-/Urlaubsangebote (z. B. Ausflüge, Familienurlaub) Themenabende, Infoveranstaltungen, Vorträge Allgemeine Beratung Andere, und zwar: Systemische Familienberatung
Wo werden die Angebote durchge- führt? In der eigenen Einrichtung „Angedockt“ an einem alltagsnahen Ort (z. B. Kindergarten o.ä.) Im Privatbereich der Teilnehmer/innen An einem anderen Ort, und zwar ___________________________
In welchen Nürnberger Stadtteilen finden die familienbildenden An- gebote statt? Wöhrd
Welche Möglichkeiten nutzen Sie, um über das familienbildende An- gebot Ihrer Einrichtung zu infor- mieren? (Mehrfachnennungen mög- lich) Informationsveranstaltungen Ankündigungen in der regionalen Presse Ankündigungen über regionale Rundfunksender Ankündigungen in kostenlosen Anzeigeblättern/Postwurfsendungen Angebotsbeschreibungen im Internet Aushänge/Flyer an zentralen Orten (Mehrfachnennungen möglich): in Kindergärten, Kindertageseinrichtungen in Schulen in Familienbildungsstätten in Geschäften in Arztpraxen in Kliniken in Beratungsstellen im Jugendamt in Stadt- oder Gemeindeämtern in der Kirchengemeinde an anderen Orten, und zwar:_________________________ persönliche Einladungen bzw. Ansprache Programmversand Andere, und zwar: _ _____________________________________

Bezeichnung der Einrichtung

Träger

Angaben zu den Teilnehmenden
Teilnehmerzahlen (ggf. Teilnehmerlehreinheiten 1 TN. pro 90 min. + Kinder + Jugend- liche) 1.055 ( = 1 TN pro 90 Min + Kinder + Jugendliche)
Beschreibung der Teilnehmenden (Geschlecht, Alter, sozio-ökon. Hin- tergrund, Migrationserfahrung) Ca. 80 % Frauen/Mädchen, Alter: ab 15 – ca. 50 Jahre; eher Mittelschicht; Migrantenanteil ca. 35 %
Aus welchem Einzugsgebiet kom- men die Nutzer(innen) Ihrer Ange- bote überwiegend? Nur aus dem Nahraum um die Einrichtung Aus dem Nahraum und dem übrigen Stadtteil Aus dem Stadtteil u. benachbarten Stadtteilen Aus der gesamten Stadt Andere Herkunft: Umland, angrenzende Städte und Gemeinden Weiß nicht
Rückblick und Vorschau
Wesentliche Veränderungen in den letzten 5 Jahren Erweitertes Kursprogramm sowie weitere Honorarkräfte Neugestaltung der Broschüre „BRK Familienzentrum – Kurse und Ver- anstaltungen“, erscheint 2x jährlich
Perspektive für die nächsten Jahre Weiterer Ausbau des Familienzentrums: Personelle Entwicklung: je nach Kursangeboten weitere Honorarkräfte und Referenten. Finanzielle Entwicklung: abhängig von allgemeinen Zuschüssen.
Bezeichnung der Einrichtung Träger Deutscher Kinderschutzbund
Kreisverband Nürnberg e.V.
Fachberatungsstelle für Kinder, Jugendliche, Eltern, Fachkräfte
Rothenburger Str. 11, 90443 Nürnberg
Einrichtung liegt im Stadtteil Gostenhof
Angaben zum familienbildenden Angebot
Angebote der Familienbildung Bundesweit evaluierte Elternkurse Starke Eltern - Starke Kinder ® auch in Kooperation mit Familienzentren, Firmen, ASD, auch in türkischer und in russischer Sprache und „Ganz praktisch“ für bildungsferne El- tern; Angebot eines internen Elternkurses bei Lillith e.V. für Mütter mit Drogenproblematik, Elternabende und Fortbildungen zum Thema Er- ziehung; Themenreihe über Erziehung an Schulen; Elterngesprächs- gruppen in Gemeinschaftsunterkünften in Kooperation mit Netzwerk für geflüchtete Familien, speziell AWO Nürnberg, Gewaltpräventionsangebote bestehend aus: ACHTUNG GRENZE!®(in Schulen und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe), ACHTUNG GRENZE!®!Ich bin Ich (für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen), ACHTUNG GRENZE!®!sports (für Kinder und Jugendliche aus dem Sport) inklusive Fortbildungen und Elternabende; Fortbildung und Beratung für Fachkräfte u. a. zum Schutzauftrag Kin- deswohlgefährdung § 8a SGBVII; Medienkompetenzkurse
Zielgruppen (Familienform, Familien- und Lebensphase, Lebens- und Belas- tungssituation) Kinder, Jugendliche, Eltern, pädagogische Fachkräfte, Eltern mit türki- scher Sprache, Eltern in besonderen Problemlagen („bildungsfern“), Angebot für russisch sprechende Eltern, Eltern in Gemeinschaftsunter- künften
Veranstaltungsformen Kurse (z. B. Erziehungskurse, Sprachkurse Thema Familie) Feste Gruppen (z. B. Elterngruppen, Eltern-Kind-Gruppen) Offene Gruppen (z. B. Spieltreffs) Offene Treffpunkte (z. B. Elterncafés, Stammtische) zugehende Angebote (z. B. (Haus-)Besuchsprogramme) Freizeit-/Urlaubsangebote (z. B. Ausflüge, Familienurlaub) Themenabende, Infoveranstaltungen, Vorträge Allgemeine Beratung Andere, und zwar: Fortbildungen, Vorträge
Wo werden die Angebote durchge- führt? In der eigenen Einrichtung „Angedockt“ an einem alltagsnahen Ort (z. B. Kindergarten, Stadt- teiltreff o.ä.) Im Privatbereich der Teilnehmer/innen An einem anderen Ort, und zwar Firma
In welchen Nürnberger Stadtteilen finden die familienbildenden Ange- bote statt? Im ganzen Stadtgebiet und Umland
Welche Möglichkeiten nutzen Sie, um über das familienbildende Ange- bot Ihrer Einrichtung zu informie- ren? (Mehrfachnennungen möglich) Informationsveranstaltungen Ankündigungen in der regionalen Presse Ankündigungen über regionale Rundfunksender Ankündigungen in kostenlosen Anzeigeblättern Angebotsbeschreibungen im Internet Aushänge/Flyer an zentralen Orten (Mehrfachnennungen möglich): in Kindergärten, Kindertageseinrichtungen in Schulen in Familienbildungsstätten in Geschäften in Arztpraxen in Kliniken in Beratungsstellen im Jugendamt in Stadt- oder Gemeindeämtern in der Kirchengemeinde

Bezeichnung der Einrichtung

Träger

an anderen Orten, und zwar:____________________ persönliche Einladungen bzw. Ansprache Programmversand Andere, und zwar: facebook Weiß nicht/ Keine Angabe
Angaben zu den Teilnehmenden
Teilnehmerzahlen (ggf. Teilnehmerlehreinheiten 1 TN. pro 90 min. + Kinder + Jugendli- che) Elternkurse Starke Eltern – Starke Kinder® je 27h: 97 Eltern; „Achtung Grenze“ 2017/2018: 604Kinder je 10h; 245 Eltern je 1,5h; 75 Lehrer/päd. Fachkräfte je 3h; Elternabende diverse Themen je 2h: 411 Eltern Elterngesprächsrunden in Gemeinschaftsunterkünften je 2h: 78 Eltern Fortbildungen 2018 je 3h: 58 Fachkräfte
Beschreibung der Teilnehmenden (Geschlecht, Alter, sozio-ökon. Hinter- grund, Migrationserfahrung) Spiegelt Nürnberger Stadtgesellschaft prozentual wieder
Aus welchem Einzugsgebiet kom- men die Nutzer(innen) Ihrer Ange- bote überwiegend? Nur aus dem Nahraum um die Einrichtung Aus dem Nahraum und dem übrigen Stadtteil Aus dem Stadtteil u. benachbarten Stadtteilen Aus der gesamten Stadt Andere Herkunft: Region Mittelfranken Weiß nicht
Rückblick und Vorschau
Wesentliche Veränderungen in den letzten 5 Jahren Angebote „Achtung Grenze!®“ und „Achtung Grenze!®“Ich bin Ich mit großer Nachfrage; Durchführung des Angebots „Achtung Grenze!®“sports in Sportvereinen. Durchführung der Ausbildung zum/ zur „Achtung Grenze!®“ Referen- ten/in; Neue Grundlagenfortbildung im Rahmen von „Achtung Grenze!®“ zum Thema Sexualpädagogik; Gestiegene Anfragen Beratung § 8a Kindeswohlgefährdung; Tendenz steigend Anfragen von Fachkräften nach Beratung; Ausweitung der Elternkurse: in Firmen, in türkischer Sprache, in russi- scher Sprache, Ganz praktisch (besondere Problemlagen), Angebote auch in Familienzentren; Elternkursangebot für Mütter mit Drogener- fahrung, Elternangebote für Familien mit Fluchterfahrung in Gemein- schaftsunterkünften. Gestiegene Anfragen von Kitas und Schulen nach pädagogischen El- ternveranstaltungen, Elterncafés und Elternabenden. Finanzielle Unsicherheit und Gegenfinanzierung der Personalkosten immer schwieriger
Perspektive für die nächsten Jahre Schwerpunkt finanzielle Stabilität der Projekte bzw. der MA, um der Nachfrage gerechter zu werden, Weiterer Ausbau der Fortbildungen für alle Bereiche; Ausweitung Organisations- und Institutionsberatung im Bereich Parti- zipation und Kinderschutz.
Bezeichnung der Einrichtung Träger Evangelische Familien-Bildungsstätte gGmbH Nürnberg
Leonhardstr.13, 90443 Nürnberg
FrauenWerk Stein e.V. in der Ev.-luth.Kirche in Bayern
Deutenbacher Hauptstr. 1, Stein bei Nürnberg
Einrichtung liegt im Stadtteil Gostenhof
Angaben zum familienbildenden Angebot
Angebote der Familienbildung Erziehungsbegleitung durch Workshops, offene Treffs, Eltern-Kind-Kurse, Eltern-Kind-Gruppen für benachteiligte Familien am Nordostbahnhof, Deutschkurse (Integrationskurse, “Leben in Bay- ern“) und interkulturelle Angebote, niederschwellige Beratung: Schlaf- u. Schreisprechstunde/ Erziehungs- und Familienberatung, Café Auszeit für Alleinerziehende jeden Sonntag mit Kinderbetreu- ung, günstigem Frühstück und Informationsangeboten/ wellcome praktische Hilfe für Familie nach der Geburt/ FLORA- Kinder-Second- Hand-Laden
Zielgruppen (Familienform, Fami- lien- und Lebensphase, Lebens- und Belastungssituation) Mütter und Väter mit Babys und Kleinkindern / Familien mit Migrati- onshintergrund / Familien mit sozialer Benachteiligung bzw. besonde- rem Bedarf / Erwachsene, Kinder, Alleinerziehende
Veranstaltungsformen Kurse (z. B. Erziehungskurse, Sprachkurse, Alphabetisierungs- kurse) Feste Gruppen (z. B. Elterngruppen, Eltern-Kind-Gruppen, Ge- sprächskreise) Offene Gruppen (z. B. Spieltreffs) Offene Treffpunkte (z. B. Elterncafés, Stammtische) zugehende Angebote (z. B. (Haus-)Besuchsprogramme) Freizeit-/Urlaubsangebote (z. B. Ausflüge, Familienurlaub) Themenabende, Infoveranstaltungen, Vorträge Allgemeine Beratung Andere, und zwar: Beratung bei Regulationsstörungen (Schlaf- und Schreiberatung)
Wo werden die Angebote durch- geführt? In der eigenen Einrichtung „Angedockt“ an einem alltagsnahen Ort (z. B. Kindergarten, Stadt- teiltreff o.ä.) Im Privatbereich der Teilnehmer/innen An einem anderen Ort, und zwar ________________________
In welchen Nürnberger Stadttei- len finden die familienbildenden Angebote statt? Die FBS befindet sich im Stadtteil Gostenhof, sie wird von Familien aus dem ganzen Stadtgebiet genutzt.. Im Stadtteil Nordostbahnhof finden 3 Gruppenangebote f. Familien in Kooperation mit den Stadtteiltreffpunkt statt
Welche Möglichkeiten nutzen Sie, um über das familienbil- dende Angebot Ihrer Einrichtung zu informieren? (Mehrfachnen- nungen möglich) Informationsveranstaltungen Ankündigungen in der regionalen Presse Ankündigungen über regionale Rundfunksender Ankündigungen in kostenlosen Anzeigeblättern Angebotsbeschreibungen im Internet Aushänge/Flyer an zentralen Orten (Mehrfachnennungen): in Kindergärten, Kindertageseinrichtungen in Schulen in Familienbildungsstätten in Geschäften in Arztpraxen in Kliniken in Beratungsstellen im Jugendamt in Stadt- oder Gemeindeämtern in der Kirchengemeinde an anderen Orten, und zwar: Kulturläden persönliche Einladungen bzw. Ansprache Programmversand Andere, und zwar: Emailverteiler, Facebook, Stadtteilfeste, Ar- beitskreise Weiß nicht/ Keine Angabe

Bezeichnung der Einrichtung

Träger

Angaben zu den Teilnehmenden
Teilnehmerzahlen (ggf. Teilnehmerlehreinheiten 1 TN. pro 90 min. + Kinder + Ju- gendliche) gesamt 4.467 (ca.2/3 Erwachsene/ca.1/3 Kinder) 20.219 TN-Lehreinheiten (weniger TN-Lehreinheiten, da mehr offene Treffs mit Beratung)
Beschreibung der Teilnehmen- den (Geschlecht, Alter, sozio-ökon. Hintergrund, Migrationserfahrung) Ca. 70 % der TN weiblich, Erwachsene im Alter von 18 – 80, Kinder von 0–14 Jahre Unterschiedlicher sozio-ökonomischer Hintergrund, ca. 60 % gute so- ziale Lage, ca. 40 % schlechte soziale Lage, ca. 35 % mit Migrations- erfahrung
Aus welchem Einzugsgebiet kommen die Nutzer(innen) Ihrer Angebote überwiegend? Nur aus dem Nahraum um die Einrichtung Aus dem Nahraum und dem übrigen Stadtteil Aus dem Stadtteil u. benachbarten Stadtteilen Aus der gesamten Stadt Andere Herkunft:_____________________________________ Weiß nicht
Rückblick und Vorschau
Wesentliche Veränderungen in den letzten 5 Jahren Durch den Ausbau der Krippenplätze und den frühen Wiedereinstieg von Müttern in den Beruf sind unsere fortlaufenden Eltern-Kind-Kurse wie PEKiP, Mini-Club weiterhin zurückgegangen. Veränderung unserer Angebotsstruktur: Erweiterung unseres Kursan- gebots für Eltern mit Babys und Kleinkindern am Nachmittag, statt am Vormittag. Erweiterung unserer offenen Angebote für junge Familien, z.B. offe- nes Eltern-Kind-Cafe, Ausbau unseres Sonntagstreffs für Alleinerzie- hende und von Projekten, z. B. FLORA für Familien, die von Armut betroffen bzw. bedroht sind. Erweiterung unseres Angebots für geflüchtete Familien (Café Dunya) Als Familienstützpunkt wurde informelle Beratung und Unterstützung von Familien ausgebaut. Zusammenarbeit mit Kindertageseinrichtungen, insbesondere in Gos- tenhof wurde aufgenommen und entwickelt. Im Bereich Sprachkurse erfolgte zunächst Zunahme, dann Stagnation bzw. rückläufige Tendenz bei Sprachkursen, v.a. für Geflüchtete. Die FBS wurde im Dezember 2018 zertifiziert QVB Stufe B.
Perspektive für die nächsten Jahre Sicherung unseres Standortes als gute Anlaufstelle für Familien. Entsprechend der veränderten Bedürfnisse von Familien mit Kleinst- kindern ist eine Anpassung unseres Programms für junge Familien erforderlich, v.a. Ausbau unserer informellen Kontakt- und Lernräume für Familien. Ferner steht an: Zusammenarbeit mit Kindertageseinrichtungen weiter entwickeln. Angebote für Familien mit besonderem Bedarf (Migrationshinter- grund, Alleinerziehende, bildungsferne Familien) weiterentwickeln. Integrationsfördernde Angebote für geflüchtete Familien weiterentwi- ckeln.
Bezeichnung der Einrichtung Frauen & Mädchen Gesundheitszentrum Nürnberg e.V.
Träger Fürther Str. 154
90429 Nürnberg
Einrichtung liegt im Stadtteil
Angaben zum familienbildenden Angebot
Angebote der Familienbildung
Zielgruppen (Familienform, Fami- lien- und Lebensphase, Lebens- und Belastungssituation) Frauen und Mädchen, Mädchen und Jungen im Sexualpädagogikan- gebot
Veranstaltungsformen Kurse (z. B. Erziehungskurse, Sprachkurse Thema Familie) Feste Gruppen (z. B. Elterngruppen, Eltern-Kind-Gruppen, Ge- sprächskreise) Offene Gruppen (z. B. Spieltreffs) Offene Treffpunkte (z. B. Elterncafés, Stammtische) zugehende Angebote (z. B. (Haus-)Besuchsprogramme) Freizeit-/Urlaubsangebote (z. B. Ausflüge, Familienurlaub) Themenabende, Infoveranstaltungen, Vorträge Allgemeine Beratung Andere, und zwar:
Wo werden die Angebote durch- geführt? In der eigenen Einrichtung „Angedockt“ an einem alltagsnahen Ort (z. B. Kindergarten o.ä.) Im Privatbereich der Teilnehmer/innen An einem anderen Ort, und zwar _______________________
In welchen Nürnberger Stadttei- len finden die familienbildenden Angebote statt?
Welche Möglichkeiten nutzen Sie, um über das familienbildende An- gebot Ihrer Einrichtung zu infor- mieren? (Mehrfachnennungen möglich) Informationsveranstaltungen Ankündigungen in der regionalen Presse Ankündigungen über regionale Rundfunksender Ankündigungen in kostenlosen Anzeigeblättern oder Postwurfsen- dungen Angebotsbeschreibungen im Internet Aushänge oder Flyer an zentralen Orten (Mehrfachnennungen): in Kindergärten, Kindertageseinrichtungen in Schulen in Familienbildungsstätten in Geschäften in Arztpraxen in Kliniken in Beratungsstellen im Jugendamt in Stadt- oder Gemeindeämtern in der Kirchengemeinde an anderen Orten, und zwar:____________________ persönliche Einladungen bzw. Ansprache Programmversand Andere, und zwar: __________________________________ Weiß nicht/ Keine Angabe
Angaben zu den Teilnehmenden
Teilnehmerzahlen (ggf. Teilnehmerlehreinheiten 1 TN. pro 90 min. + Kinder + Ju- gendliche) Siehe Jahresbericht 2015, 2016, 2017, 2018 E-Mailberatung: Besucherinnen im offenen Bereich: Kurse und Einzelveranstaltungen: Sex.päd. Veranstaltungen: Klientinnen Beratung;
Beschreibung der Teilnehmen- den (Geschlecht, Alter, sozio-ökon. Hintergrund, Migrationserfahrung)
Aus welchem Einzugsgebiet kom- men die Nutzer(innen) Ihrer Ange- bote überwiegend? Nur aus dem Nahraum um die Einrichtung Aus dem Nahraum und dem übrigen Stadtteil Aus dem Stadtteil u. benachbarten Stadtteilen Aus der gesamten Stadt Andere Herkunft: Bezirk Mittelfrangen, Bayern Weiß nicht
Rückblick und Vorschau
Wesentliche Veränderungen in den letzten 5 Jahren
Perspektive für die nächsten Jahre Angebot für Frauen mit Migrationshintergrund verstetigt
Bezeichnung der Einrichtung forum erwachsenenbildung –
Träger Evang. Bildungswerk Nürnberg e.V.
Burgstr. 1 – 3, 90403 Nürnberg
Einrichtung liegt im Stadtteil
Angaben zum familienbildenden Angebot
Angebote der Familienbildung Qualifizierung und Beratung von ehrenamtlichen Gruppenleiterinnen. Großeltern stiften Zukunft e.V. Dieser Verein wurde aus dem Bil- dungswerk heraus gegründet und ist in vielen Angeboten mit dem Be- reich der Familienbildung verschränkt
Zielgruppen (Familienform, Fami- lien- und Lebensphase, Lebens- und Belastungssituation) Teilnehmer in den selbstorganisierten Eltern-Kind-Gruppen im Deka- nat Nürnberg / ehren- und hauptamtliche Mitarbeiterinnen der Famili- enbildung in den Kirchengemeinden / Eltern von Kindern in den ersten 3 Lebensjahren und Kindern in der Pubertät / Menschen der Großel- terngeneration
Veranstaltungsformen Kurse (z. B. Erziehungskurse, Sprachkurse zum Thema Familie) Feste Gruppen (z. B. Elterngruppen, Eltern-Kind-Gruppen) Offene Gruppen (z. B. Spieltreffs) Offene Treffpunkte (z. B. Elterncafés, Stammtische) zugehende Angebote (z. B. (Haus-)Besuchsprogramme) Freizeit-/Urlaubsangebote (z. B. Ausflüge, Familienurlaub) Themenabende, Infoveranstaltungen, Vorträge Allgemeine Beratung Andere, und zwar: Kontakttreffen Wunschgroßeltern
Wo werden die Angebote durch- geführt? In der eigenen Einrichtung „Angedockt“ an einem alltagsnahen Ort (z. B. Kindergarten o.ä.) Im Privatbereich der Teilnehmer/innen An einem anderen Ort, und zwar Gemeinden
In welchen Nürnberger Stadttei- len finden die familienbildenden Angebote statt? In allen Stadtteilen
Welche Möglichkeiten nutzen Sie, um über das familienbil- dende Angebot Ihrer Einrichtung zu informieren? (Mehrfachnen- nungen möglich) Informationsveranstaltungen Ankündigungen in der regionalen Presse Ankündigungen über regionale Rundfunksender Ankündigungen in kostenlosen Anzeigeblättern oder Postwurfsen- dungen Angebotsbeschreibungen im Internet Aushänge oder Flyer an zentralen Orten (Mehrfachnennungen möglich): in Kindergärten, Kindertageseinrichtungen in Schulen in Familienbildungsstätten in Geschäften in Arztpraxen in Kliniken in Beratungsstellen im Jugendamt in Stadt- oder Gemeindeämtern in der Kirchengemeinde an anderen Orten, und zwar:____________________ persönliche Einladungen bzw. Ansprache Programmversand Andere, und zwar: ___________________________________ Weiß nicht/ Keine Angabe
Angaben zu den Teilnehmenden
Teilnehmerzahlen (ggf. Teilnehmerlehreinheiten 1 TN. pro 90 min. + Kinder + Ju- gendlichen) Ca 40 Eltern-Kind-Gruppen mit durchschnittlich 6-8 Erwachsenen und 6-8 Kindern / wöchentlich (Ferien ausgeschlossen)
Beschreibung der Teilnehmen- den (Geschlecht, Alter, sozio-ökon. Hintergrund, Migrationserfahrung) Vorwiegend weibliche Teilnehmerinnen im Alter zwischen 25 und 40 Jahren und deren Kinder, z. T. mit Migrationshintergrund
Aus welchem Einzugsgebiet kommen die Nutzer(innen) Ihrer Angebote überwiegend? Nur aus dem Nahraum um die Einrichtung Aus dem Nahraum und dem übrigen Stadtteil Aus dem Stadtteil u. benachbarten Stadtteilen Aus der gesamten Stadt Andere Herkunft:____________________________________ Weiß nicht
Rückblick und Vorschau
Wesentliche Veränderungen in den letzten 5 Jahren Die Zahl der Eltern-Kind-Gruppen hat weiter abgenommen, auf ca 40 Gruppen im Dekanat Nürnberg. Neben den Gruppenangeboten haben sich in Kooperation mit dem Großeltern stiften Zukunft e. V. andere Formen von familienstützen- den Maßnahmen stark ausgeweitet v. a. das Wunschgroßelternpro- jekt.
Perspektive für die nächsten Jahre Es besteht Bedarf, die Stelle zu erweitern, da das Wunschgroßeltern- projekt sehr arbeitsintensiv ist. Es ist zwar ein ehrenamtliches Projekt, braucht aber viele Stunden hauptamtliche Begleitung. Der große Ver- mittlungsbedarf der Eltern an Wunschgroßeltern kann noch lange nicht gedeckt werden.
Bezeichnung der Einrichtung Träger pro familia Nürnberg
Staatlich anerkannte Beratungsstelle
für Schwangerschaftsfragen
Tafelfeldstr. 13
pro familia Ortsverein Nürnberg e.V.
Einrichtung liegt im Stadtteil Südstadt/Sündersbühl
Angaben zum familienbildenden Angebot
Angebote der Familienbildung
Zielgruppen (Familienform, Fami- lien- und Lebensphase, Lebens- und Belastungssituation) Schwangere und Familien mit kleinen Kindern bis 3 Jahre / im Be- reich Sexualpädagogik: Familien mit Kindern und Jugendlichen jeden Alters / im Bereich Sexualpädagogik für Menschen mit Behinderung: Familien, EFLB: vorrangig Paare
Veranstaltungsformen Kurse (z. B. Erziehungskurse, Sprachkurse Thema Familie) Feste Gruppen (z. B. Elterngruppen, Eltern-Kind-Gruppen) Offene Gruppen (z. B. Spieltreffs) Offene Treffpunkte (z. B. Elterncafés, Stammtische) zugehende Angebote (z. B. (Haus-)Besuchsprogramme) Freizeit-/Urlaubsangebote (z. B. Ausflüge, Familienurlaub) Themenabende, Infoveranstaltungen, Vorträge, Diskussionsver- anstaltungen Allgemeine Beratung Andere, und zwar: Gruppenangebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit und ohne Behinderungen, Fortbildungen für Multipli- kator/-innen der Kinder-, Jugend- und Behindertenhilfe
Wo werden die Angebote durch- geführt? In der eigenen Einrichtung „Angedockt“ an einem alltagsnahen Ort (z. B. Kindergarten o.ä.) Im Privatbereich der Teilnehmer/innen An einem anderen Ort, und zwar ________________
In welchen Nürnberger Stadttei- len finden die familienbildenden Angebote statt? Verteilt über ganz Nürnberg
Welche Möglichkeiten nutzen Sie, um über das familienbildende An- gebot Ihrer Einrichtung zu infor- mieren? (Mehrfachnennungen möglich) Informationsveranstaltungen Ankündigungen in der regionalen Presse Ankündigungen über regionale Rundfunksender Ankündigungen in kostenlosen Anzeigeblättern oder Postwurf- sendungen Angebotsbeschreibungen im Internet Aushänge oder Flyer an zentralen Orten (Mehrfachnennungen möglich): in Kindergärten, Kindertageseinrichtungen in Schulen in Familienbildungsstätten in Geschäften in Arztpraxen in Kliniken in Beratungsstellen im Jugendamt in Stadt- oder Gemeindeämtern in der Kirchengemeinde an anderen Orten, und zwar:___________________ persönliche Einladungen bzw. Ansprache Programmversand Andere, und zwar: Mailingaktionen Weiß nicht/ Keine Angabe
Angaben zu den Teilnehmenden
Teilnehmerzahlen (ggf. Teilnehmerlehreinheiten 1 TN. pro 90 min. + Kinder + Ju- gendlichen) Insgesamt Veranstaltungen 2018: 221 mit 3363TN Kinder/Jugendliche: 134 Veranstaltungen mit 2315 TN Multiplikator/-innen: 22 Veranstaltungen mit 341 TN Erwachsene und Eltern: 46 Veranstaltungen mit 501 TN und 171,25 Stunden Zusätzlich: Schwangere und Paare: 16 Veranstaltungen mit 206 TN

Bezeichnung der Einrichtung

Träger

Beschreibung der Teilnehmen- den (Geschlecht, Alter, sozio-ökon. Hin- tergrund, Migrationserfahrung) Diversive Struktur
Aus welchem Einzugsgebiet kommen die Nutzer(innen) Ihrer Angebote überwiegend? Nur aus dem Nahraum um die Einrichtung Aus dem Nahraum und dem übrigen Stadtteil Aus dem Stadtteil u. benachbarten Stadtteilen Aus der gesamten Stadt Andere Herkunft: mittelfränkischer Raum Weiß nicht
Rückblick und Vorschau
Wesentliche Veränderungen in den letzten 5 Jahren Die Anfragen im Bereich Sexualpädagogik und sexuelle Bildung stei- gen kontinuierlich an und finden ihre Grenzen in den personellen Ressourcen. Sexualpädagogische Angebote umfassen Angebote für Kinder / Jugendliche, deren Eltern (vornehmlich Elternabende) und Multiplikatorenschulung (von Teamberatung bis mehrtägige Fortbil- dung) Die Beratung zu Elterngeld und Elternzeit und die damit verbundene Lebensplanung sind immens angestiegen. U.a. durch unser Projekt von Aktion Mensch haben sich die Angebote für geflüchtete Menschen erweitert und ausgebaut. Vermehrte Anfragen in der Beratung und sexuellen Bildung zu ge- schlechtlicher Vielfalt.
Perspektive für die nächsten Jahre Der Arbeitsbereich Sexualpädagogik muss der Anfrage entspre- chend ausgebaut werden, die Zielgruppen erweitern sich beständig, unser gemischtgeschlechtliches Team ist sehr gefragt. Auch die Anfragen von Multiplikatoren sind gleichbleibend hoch. "Familien in sehr prekären Lebenssituationen" und "bezahlbarer Wohnraum" sind zentrale Themen, die die Beratungsarbeit sehr prä- gen. Weiterhin sollen die Angebote zu geschlechtlicher Vielfalt aus- gebaut werden.
Bezeichnung der Einrichtung Träger Treffpunkt e. V. Familienbildung Fürther Str. 212, 90429 Nürnberg
Einrichtung liegt im Stadtteil Muggenhof
Angaben zum familienbildenden Angebot
Angebote der Familienbildung - Offene Beratung (telefonische, persönliche oder via Mail, z. B. zur kindlichen Entwicklung und Erziehung, allen Fragen rund um Familie, Gesundheit und beruflichen Orientierung, auch innerfamiliären Kon- flikten und Problemen) - Weitervermittlung (Unterstützung bei der Suche nach professionel- len Fachberatungsstellen) - Offene Freizeit- und Spielangebote für Eltern und Kinder - Gesprächskreise und Thementage - Spezielle Mutter-Kind-Gruppenangebote und –programme (für junge Mütter MUT) - Hausaufgabenhilfe für Geflüchtete - offene Cafézeiten
Zielgruppen (Familienform, Fami- lien- und Lebensphase, Lebens- und Belastungssituation) Alle Familienmitglieder z.B. Mütter, Väter, Großeltern insbesondere Alleinerziehende, junge Mütter, Familien mit Flucht- bzw. Migrations- hintergrund, Frauen im Übergang von Elternzeit zum Beruf,
Veranstaltungsformen Kurse (z. B. Erziehungskurse, Sprachkurse zum Thema Familie) Feste Gruppen (z. B. Elterngruppen, Eltern-Kind-Gruppen) Offene Gruppen (z. B. Spieltreffs) Offene Treffpunkte (z. B. Elterncafés, Stammtische) zugehende Angebote (z. B. (Haus-)Besuchsprogramme) Freizeit-/Urlaubsangebote (z. B. Unternehmungen, Ausflüge, Fa- milienurlaub) Themenabende, Infoveranstaltungen, Vorträge Allgemeine Beratung Andere, und zwar: berufliche Aktivierung der Mütter
Wo werden die Angebote durch- geführt? In der eigenen Einrichtung „Angedockt“ an einem alltagsnahen Ort (z. B. Kindergarten o.ä.) Im Privatbereich der Teilnehmer/innen An einem anderen Ort, und zwar ____________________
In welchen Nürnberger Stadttei- len finden die familienbildenden Angebote statt? Muggenhof, Eberhardshof
Welche Möglichkeiten nutzen Sie, um über das familienbil- dende Angebot Ihrer Einrichtung zu informieren? (Mehrfachnen- nungen möglich) Informationsveranstaltungen Ankündigungen in der regionalen Presse Ankündigungen über regionale Rundfunksender Ankündigungen in kostenlosen Anzeigeblättern Angebotsbeschreibungen im Internet Aushänge/Flyer an zentralen Orten (Mehrfachnennungen): in Kindergärten, Kindertageseinrichtungen in Schulen in Familienbildungsstätten in Geschäften in Arztpraxen in Kliniken in Beratungsstellen im Jugendamt in Stadt- oder Gemeindeämtern in der Kirchengemeinde an anderen Orten, und zwar: auf AEG, Stadtteilbüro persönliche Einladungen bzw. Ansprache Programmversand Andere, und zwar: regelmäßige Besucher/-innen des Hauses, newsletter Weiß nicht/ Keine Angabe

Bezeichnung der Einrichtung

Träger

Treffpunkt e. V.

Familienbildung

Fürther Str. 212, 90429 Nürnberg

Angaben zu den Teilnehmenden
Teilnehmerzahlen Offene Beratung 350 Erw. Kreativ-, Freizeit- und Spielangebote 180 Erw.+80 Ki. spez. Angebote für Geflüchtete/Migrantinnen 100 Erw. + 80 Ki. Fortlaufendes Angebot MUT: wöchentlich ca. 8 Erw. +6 Ki. 1100 Besucherinnen im Cafe des Frauenintegrationszentrum (FIZ) für geflüchtete Frauen
Beschreibung der Teilnehmen- den (Geschlecht, Alter, sozio-ökon. Hintergrund, Migrationserfahrung) Überwiegend weibliche Teilnehmerinnen (ca. 16 bis 40 Jahre); über- wiegender Anteil Empfänger von Sozialleistungen, Alleinerziehende und in Partnerschaft lebende Besucher/-innen, hoher Anteil mit Mig- rationshintergrund
Aus welchem Einzugsgebiet kommen die Nutzer(innen) Ihrer Angebote überwiegend? Nur aus dem Nahraum um die Einrichtung Aus dem Nahraum und dem übrigen Stadtteil Aus dem Stadtteil u. benachbarten Stadtteilen Aus der gesamten Stadt Andere Herkunft: _____________________________________ Weiß nicht
Rückblick und Vorschau
Wesentliche Veränderungen in den letzten 5 Jahren Durch die Einrichtung des Familienstützpunktes: Steigende Zahl der offenen Beratungen, Profil der offenen Angebote auf Stadtteil und Kli- entel zugeschnitten, halbjährliches Programm und Aktions-/ Ferienan- gebote, zunehmend Raumanfragen von Kooperationspartner für Fa- milien-/Stadtteilangebote
Perspektive für die nächsten Jahre Den Familienstützpunkt ausbauen und passgenaue Angebote in Ko- operation mit anderen Trägern und Stellen konzipieren. Der Familienstützpunkt soll künftig als Plattform bzw. Angebotsfläche agieren und stärker unterschiedlichste Netzwerkpartner, Projekte und Engagierte mit Angeboten für Familien bzw. Eltern einbinden.
Bezeichnung der Einrichtung Träger Zentrum Kobergerstraße
Beratungsstelle für Schwangere, Eltern u. Kinder,
staatl. anerkannte Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen
Koberger Str. 79, 90408 Nürnberg
Einrichtung liegt im Stadtteil
Angaben zum familienbildenden Angebot
Angebote der Familienbil- dung Mo, Di, von 15 - 16:30 Tagescafébetrieb mit päd. Begleitung, Schlaf- und Schreisprechstunde, Früherziehungsberatung Abendveranstaltungen zu Familienfragen, Mutter-Kind-Gruppen
Zielgruppen (Familienform, Fa- milien- und Lebensphase, Le- bens- und Belastungssituation) Schwangere, Eltern und Kinder bis zu 3 Jahren
Veranstaltungsformen Kurse (z. B. Erziehungskurse, Paarkurse) Feste Gruppen (z. B. Elterngruppen, Eltern-Kind-Gruppen) Offene Gruppen (z. B. Spieltreffs) Offene Treffpunkte (z. B. Elterncafés, Stammtische) zugehende Angebote (z. B. (Haus-)Besuchsprogramme) Freizeit-/Urlaubsangebote (z. B. Ausflüge, Familienurlaub) Themenabende, Infoveranstaltungen, Vorträge Allgemeine Beratung Andere, und zwar:
Wo werden die Angebote durchgeführt? In der eigenen Einrichtung „Angedockt“ an einem alltagsnahen Ort (z. B. Kindergarten o.ä.) Im Privatbereich der Teilnehmer/innen An einem anderen Ort, und zwar ______________________
In welchen Nürnberger Stadt- teilen finden die familienbil- denden Angebote statt? Nordstadt
Welche Möglichkeiten nutzen Sie, um über das familienbil- dende Angebot Ihrer Einrich- tung zu informieren? (Mehr- fachnennungen möglich) Informationsveranstaltungen Ankündigungen in der regionalen Presse Ankündigungen über regionale Rundfunksender Ankündigungen in kostenlosen Anzeigeblättern Angebotsbeschreibungen im Internet Aushänge/Flyer an zentralen Orten (Mehrfachnennungen): in Kindergärten, Kindertageseinrichtungen in Schulen in Familienbildungsstätten in Geschäften in Arztpraxen in Kliniken in Beratungsstellen im Jugendamt in Stadt- oder Gemeindeämtern in der Kirchengemeinde an anderen Orten, und zwar:____________________ persönliche Einladungen bzw. Ansprache Programmversand Andere, und zwar: facebook Weiß nicht/ Keine Angabe
Angaben zu den Teilnehmenden
Teilnehmerzahlen (ggf. Teilnehmerlehreinheiten 1 TN. pro 90 min. + Kinder + Ju- gendlichen) 2000 Teilnehmerlehreinheiten Erwachsene
Beschreibung der Teilneh- menden (Geschlecht, Alter, so- zio-ökon. Hintergrund, Migrati- onserfahrung) Die Teilnehmer/-innen kommen aus allen Schichten der Bevölkerung, wobei sich die Geschlechterverteilung wie folgt darstellt: 65 % Frauen, 35 % Männer, 1/3 der Besucher/-innen haben einen Migrationshintergrund

Bezeichnung der Einrichtung

Träger

Aus welchem Einzugsgebiet kommen die Nutzer(innen) Ih- rer Angebote überwiegend? Nur aus dem Nahraum um die Einrichtung Aus dem Nahraum und dem übrigen Stadtteil Aus dem Stadtteil u. benachbarten Stadtteilen Aus der gesamten Stadt Andere Herkunft:____________________________________ Weiß nicht
Rückblick und Vorschau
Wesentliche Veränderungen in den letzten 5 Jahren Das Elterntraining Wiege (regionales Konzept) zu etablieren ist geschei- tert und wurde ab Herbst 2018 nicht mehr angeboten. Im Bereich der Schlaf-Schrei-Sprechstunde ist der Bedarf weiterhin sehr hoch. Durch kontinuierliche Ausbildung von weiteren Fachkräften im Großraum konnte die Beratungskapazität ausgebaut werden, so konnte die Wartezeit auf einen Beratungstermin gesenkt werden. Eltern können nun in der Regel zeitnah (ca. 1,5 Wochen) zur Beratung kommen. Die Nachfrage nach finanzieller Unterstützung ist seit 2018 zurückgegan- gen, Ob dies wirklich ein Indiz für die tatsächliche Verbesserung der Ein- kommenssituation ist oder vielmehr den veränderten Stiftungsrichtlinien geschuldet ist, kann nicht zuverlässig beantwortet werden. Die Bitte um Unterstützung bei der Suche nach einem Kinderbetreuungs- platz (vorrangig für Kinder unter 3 Jahren) ist trotz verstärktem Krippen- ausbau ungebrochen. Auch das Anliegen von Ratsuchenden, sie bei der Wohnungssuche zu unterstützen, hat zugenommen. (Gegenwärtig sind in Nürnberg über 8000 Frauen, Männer und Familien beim Wohnungsamt als Wohnungs- suchende gemeldet). Seit der Einführung der Elternzeit hat sich die Nachfrage von Vätern mit Babys und Kleinkindern nach Beratung, Gruppenangeboten und Work- shops erhöht.
Perspektive für die nächsten Jahre Das Beratungsangebot Schlaf-Schrei-Sprechstunde und Früherzie- hungsberatung weiterhin bedarfsgerecht auszustatten. Das Angebot für Väter mit Babys und kleinen Kindern bedarfsgerecht auszustatten. Die Kooperation mit Kindertageseinrichtungen zu pflegen und auszu- bauen und die gute Vernetzung mit anderen Einrichtungen der Familien- bildung fortzuführen.
Bezeichnung der Einrichtung Zoff + Harmonie
Träger Familienbildung der Kath. Stadtkirche
Vordere Sterngasse 1, 90402 Nürnberg
Einrichtung liegt im Stadtteil
Angaben zum familienbildenden Angebot
Angebote der Familienbildung Angebot für Familien, für Eltern (u. a. Elternkurse), für Väter (Väter- workshops, erlebnispädagogische Angebote für Väter mit Kindern, Angebote für Väter, die ein Kind verloren haben), Babysitterausbil- dung
Zielgruppen (Familienform, Fami- lien- und Lebensphase, Lebens- und Belastungssituation) Paare, Männer, Frauen, Eltern, Familien (auch in besonderen Le- benssituationen), Kinder, Jugendliche (ehrenamtliche) Mitarbeiter/in- nen in den Pfarrgemeinden, die Familien begleiten und unterstützen, Pädag. Fachkräfte in KiTas
Veranstaltungsformen Kurse (z. B. Erziehungskurse, Sprachkurse zum Thema Familie) Feste Gruppen (z. B. Elterngruppen, Eltern-Kind-Gruppen) Offene Gruppen (z. B. Spieltreffs) Offene Treffpunkte (z. B. Elterncafés, Stammtische) zugehende Angebote (z. B. (Haus-)Besuchsprogramme) Freizeit-/Urlaubsangebote (z. B. Ausflüge, Familienurlaub) Themenabende, Infoveranstaltungen, Vorträge Allgemeine Beratung Andere, und zwar: Familienaktionen in den Pfarrgemeinden
Wo werden die Angebote durch- geführt? In der eigenen Einrichtung „Angedockt“ an einem alltagsnahen Ort (z. B. Kindergarten o.ä.) Im Privatbereich der Teilnehmer/innen An einem anderen Ort, und zwar: in Bildungshäusern
In welchen Nürnberger Stadttei- len finden die familienbildenden Angebote statt? Innenstadt, Gostenhof-West, Nordstadt, Südstadt, Stadtrand (Kat- zwang, Röthenbach, Eibach usw.)
Welche Möglichkeiten nutzen Sie, um über das familienbil- dende Angebot Ihrer Einrich- tung zu informieren? (Mehrfach- nennungen möglich) Informationsveranstaltungen Ankündigungen in der regionalen Presse Ankündigungen über regionale Rundfunksender Ankündigungen in kostenlosen Anzeigeblättern oder Postwurf- sendungen Angebotsbeschreibungen im Internet Aushänge/Flyer an zentralen Orten (Mehrfachnennungen): in Kindergärten, Kindertageseinrichtungen in Schulen in Familienbildungsstätten in Geschäften in Arztpraxen in Kliniken in Beratungsstellen im Jugendamt in Stadt- oder Gemeindeämtern in der Kirchengemeinde an anderen Orten, und zwar: Cafes, Statteilläden persönliche Einladungen bzw. Ansprache Programmversand Andere, und zwar: Facebook, newsletter Weiß nicht/ Keine Angabe
Angaben zu den Teilnehmenden
Teilnehmerzahlen (ggf. Teilnehmerlehreinheiten 1 TN. pro 90 min. + Kinder + Ju- gendlichen) 1071 Teilnehmer - 770 Erwachsene, 301 Kinder, 4.780,4 TN-Lehreinheiten (3.057,8 Erw., 1.722,6 Kinder),
Beschreibung der Teilnehmen- den (Geschlecht, Alter, sozio- ökon. Hintergrund, Migrationser- fahrung) In der Mehrzahl Frauen (Altersdurchschnitt 25 - 35 Jahre) mit unter- schiedlichem sozialem und kulturellem Hintergrund;
Aus welchem Einzugsgebiet kommen die Nutzer(innen) Ihrer Angebote überwiegend? Nur aus dem Nahraum um die Einrichtung Aus dem Nahraum und dem übrigen Stadtteil Aus dem Stadtteil u. benachbarten Stadtteilen Aus der gesamten Stadt Andere Herkunft: Erlangen, Fürth, Bayreuth, Bamberg…bayern- weit, v. a. bei Ehekollegs und Gesprächstrainings Weiß nicht
Rückblick und Vorschau
Wesentliche Veränderungen in den letzten 5 Jahren
Perspektive für die nächsten Jahre Die thematischen Elternabende sowie die Väter-Angebote werden kontinuierlich ausgebaut (auch in Kooperation mit KiTas); Ausbau von kreativen Angeboten für die ganze Familie in Kooperation mit KiTas und Pfarreien; Ausbau der Gesprächstrainings für Paare und generell der Paarangebote; Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte in Kooperation mit dem Caritasverband;

Anhang 3: Kurse für Eltern, Kinder und Jugendliche in Nürnberg 2019

Kurse für Eltern in Nürnberg
Titel Kursleiter/in Zielgruppe Besonderheiten Einheiten Kosten Einrichtung
Kurse für werdende Eltern und Eltern mit Säuglingen bis zum 1. Lebensjahr
SAFETY I Geborgen bei mir Beate Böhm Hiltrud Schmeußer für werdende Eltern bis z. 1. Lebensjahr des Kindes auch in Einrichtungen wie Mutter-Kind-Haus, auch für minderjährige Mütter, auch bei Risiko- geburten/ Frühgeborenen 5x wöchentlich u. 1 Familiensamstag freitags,14-15.30 Uhr (Anmeldung: ab dem letz- ten Schwangerschafts- drittel möglich)  auf Wunsch werden Videoaufnahmen von Spiel-, Wickel- oder Füttersituatio- nen mit dem eige- nen Kind in Einzel- sitzungen analysiert  bei Bedarf nachge- hende Einzel- und Paarberatung kostenfrei mit Kinderbetreu- ung Caritasverband Nürnberg e.V. Kath. Beratungsstelle für Schwan- gerschaftsfragen und Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche Tucherstraße 15, 90403 Nürnberg Tel.: 09 11/2 35 42 31 und 2 35 42 41 Fax: 09 11/2 35 42 39 E-Mail: schwangerenberatung@ caritas-nuernberg.de oder erziehungsberatung@ caritas-nuernberg.de www.caritas.nuernberg.de
Kurse für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern
Geborgenheit schenken Väterkurs zur Förderung einer sicheren Bindung Brigitte Polziehn für getrennt lebende Väter von Babys 4x wöchentlich und 1 Nachtreffen 15€ Stadt Nürnberg Erziehungs- und Familienberatung Johannisstr.58, 90402 Nürnberg Tel.: 09 11/2 31-38 86 und -38 87 Fax: 09 11/2 31-69 73 E-Mail: eb-johannisstrasse@ stadt.nuernberg.de www.jugendamt.nuernberg.de
Vertrauen-Spielen-Lernen Koordination Yasmin Chaudhri für Eltern mit Kindern von 0-3 Jahren auf Nachfrage auch in Kitas und Kirchen-ge- meinden 4x wöchentlich oder 14tägig 30€ Person 50€ Paar forum erwachsenenbildung (im eckstein, Haus der ev.-luth. kir- che) Burgstr. 1-3, 90403 Nürnberg Tel.: 09 11/2 14 21 31 Fax: 09 11/2 14 21 22 E-Mail: feb.bildungswerk@ eckstein-evangelisch.de www.feb-nuernberg.de
SAFETY II – Geborgen bei mir Beate Böhm Hiltrud Schmeußer für Eltern mit Kindern von 1-3 Jahren auch in Einrichtungen wie Mutter-Kind-Haus, Kinder- und Jugendhaus, auch für minderjährige Mütter, auch bei Kindern mit gesundheitlichen Problemen 5x wöchentlich u. 1 Familiensamstag freitags, 14-15.30 Uhr  auf Wunsch werden Videoaufnahmen von Spiel-, Wickel- oder Füttersituatio- nen mit dem eige- nen Kind in Einzel- sitzungen analysiert  bei Bedarf nachge- hende Einzel- und Paarberatung kostenfrei mit Kinderbetreu- ung Caritasverband Nürnberg e.V. Kath. Beratungsstelle für Schwan- gerschaftsfragen und Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche Tucherstraße 15, 90403 Nürnberg Tel.: 09 11/2 35 42 31 und 2 35 42 41 Fax: 09 11/2 35 42 39 E-Mail: schwangerenberatung@ caritas-nuernberg.de oder erziehungsberatung@ caritas-nuernberg.de www.caritas.nuernberg.de
Kess – erziehen: Von Anfang an Kerstin Mathes für Eltern mit Kindern von 0 – 2 Jahren auf Nachfrage auch in Kinderkrippen auch Kesse Elternabende in Kinderkrippen 5x 25€ Person 40€ Paar incl. Handbuch Ermäßigung möglich Zoff + Harmonie Familienbildung der Kath. Stadtkir- che Vordere Sterngasse 1 90402 Nürnberg Tel.: 09 11/24 44 94 93 Fax: 09 11/24 44 94 99 E-Mail: zoff-harmonie@ stadtkirche-nuernberg.de www.zoff-harmonie.de
FenKid: Frühe Entwicklung von Kindern begleiten Nina Lutz für Eltern mit Babys ab dem 3. Lebensmonat 11x 88€ (incl. El- ternabend) für 1 Erwachs. m. 1 Kind, m. Zwillingen 50% mehr Ermäßigung möglich Zoff + Harmonie Familienbildung der Kath. Stadtkir- che Vordere Sterngasse 1 90402 Nürnberg Tel.: 09 11/24 44 94 93 Fax: 09 11/24 44 94 99 E-Mail: zoff-harmonie@ stadtkirche-nuernberg.de www.zoff-harmonie.de
Titel Kursleiter/in Zielgruppe Besonderheiten Einheiten Kosten Einrichtung
Elternkurse altersübergreifend
Kinder im Blick Kirsten Wildhagen Christoph Scholz Ilse Birkmann-Reiß Rainer Herzog Ilse Birkmann-Reiß Kurt Wieser Eva Rhode Yüksel Akkanat für getrennt lebende El- tern jeweils 2 parallele Grup- pen, getrennt für jedes El- ternteil auch Gruppen mit einzel- nen Eltern 7x wöchentlich, 3 Std., verschiedene Wo- chentage 45€ m. Kurs-mappe u. Imbiss/ Ge- tränken Ermäßigung möglich Stadt Nürnberg Erziehungs- und Familienberatung Philipp-Körber-Weg 2, 90439 Nürnberg Tel. : 09 11/09 11/2 31-2 30 50 Fax : 09 11/37 66 93 930 E-Mail : eb-philippkoerberweg@ stadt.nuernberg.de Johannisstr.58, 90402 Nürnberg Tel.: 09 11/2 31-38 86 und -38 87 Fax: 09 11/2 31-69 73 E-Mail: eb-johannisstrasse@ stadt.nuernberg.de Schoppershofstr. 25, 90489 Nürn- berg Tel.: 09 11/2 31-29 85 Fax: 09 11/2 31-58 79 E-Mail: eb-schoppershofstrasse@ stadt.nuernberg.de www.jugendamt.nuernberg.de
Kurs für Nürnberger Väter mit wenig Kontakt zu ihren Kindern Kurt Wieser für Väter, die getrennt von ihren Kindern leben Stadt Nürnberg Erziehungs- und Familienberatung Philipp-Körber-Weg 2, 90439 Nürnberg Tel. : 09 11/09 11/2 31-2 30 50 Fax : 09 11/37 66 93 930 E-Mail : eb-philippkoerberweg@ stadt.nuernberg.de www.jugendamt.nuernberg.de
STARK Eva Rhode für Eltern mit Schulkin- dern von 6-12 Jahren 5x wöchentlich donnerstags, 9.30-12 Uhr 12€ Ermäßigung möglich, f. Hartz-IV Empf. frei Stadt Nürnberg Erziehungs- und Familienberatung Schoppershofstr. 25, 90489 Nürnberg Tel.: 09 11/2 31-29 85 Fax: 09 11/2 31-58 79 E-Mail: eb-schoppershofstrasse@ stadt.nuernberg.de www.jugendamt.nuernberg.de
Nürnberger Eltern-Training N.E.T. 1-2 Kursleiter: Gerlinde Kern-Sekatzek Ilona Jankowiak Veranika Madorskaya Felicitas Runge Hiltrud Schmeußer auch in polnischer und russischer Sprache auf Anfrage auch in Kitas auch für Firmen 6x wöchentlich oder 1 ganzer Tag 40€ Person 50€ Paar Ermäßigung mit Nbg.-Pass Caritasverband Nürnberg e.V. Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche Tucherstr. 15, 90403 Nürnberg Tel.: 09 11/2 35 42 41 Fax: 09 11/2 35 42 39 E-Mail: erziehungsberatung@ caritas-nuernberg.de www.caritas-nuernberg.de
Achtsamkeitsgruppe für Eltern (A-E-G) Gerlinde Kern-Sekatzek Felicitas Runge kostenfrei
Hören, wie die Stille klingt Gerlinde Kern-Sekatzek Meditationsangebot für Eltern 1 Tag 10 – 16 Uhr 15 € pro Paar m. Mittagessen
Wir sind stark – trotz Trennung Gerlinde Kern-Sekatzek Michael Kutsch-Meyer Eltern-Kind-Samstag für Familien nach Trennung und Scheidung 1 Tag 10 – 17 Uhr 15€ pro Fami- lie Caritasverband Nürnberg e.V. Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche Tucherstr. 15, 90403 Nürnberg Tel.: 09 11/2 35 42 41 Fax: 09 11/2 35 42 39 E-Mail: erziehungsberatung@ caritas-nuernberg.de www.caritas-nuernberg.de
Trennung / Scheidung – Gruppe Neue Perspektiven finden Katharina Böttger-Linck Wolfram Gail für Eltern, die in Tren- nung oder Scheidung le- ben 14-tägig 8 x in der Zeit von 19 – 21 Uhr € 50,-- Ermäßigung möglich Stadtmission Nürnberg e.V. Erziehungs-, Paar- und Lebensbera- tung Rieterstr. 23, 90419 Nürnberg Tel. 09 11/35 24 00 Fax. 09 11/35 24 06 E-Mail: eb@stadtmission-nuern- berg.de www.eb-stadtmission-nuernberg.de
Titel Kursleiter/in Zielgruppe Besonderheiten Einheiten Kosten Einrichtung
Elternkurse altersübergreifend
Als Eltern stark sein Gruppe für seelisch er- krankte Eltern Anke Frers Johannes Werkshage für seelisch erkrankte El- tern Termine auf Anfrage kostenfrei Stadtmission Nürnberg e.V. Sozialpsychiatrischer Dienst mit Erziehungs-, Paar- und Lebensbera- tung Rieterstr. 23, 90419 Nürnberg Tel. 09 11/35 24 00 Fax. 09 11/35 24 06 E-Mail: eb@stadtmission-nuern- berg.de www.eb-stadtmission-nuernberg.de
Gruppe für rumänische El- tern mit Erziehungsthemen Gudrun Engelmann für rumänische Eltern mit Kindern von 3-10 Jahren 3x 1,5 Std. Stadt Nürnberg Erziehungs- und Familienberatung Philipp-Körber-Weg 2, 90439 Nürnberg Tel. : 09 11/09 11/2 31-2 30 50 Fax : 09 11/37 66 93 930 E-Mail : eb-philippkoerberweg@ stadt.nuernberg.de
Russischsprachiger Elternclub Veranika Madorskaya für russischsprachige El- tern jeden 1. Freitag im Monat 10-12 Uhr Caritasverband Nürnberg e.V. Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche Tucherstr. 15, 90403 Nürnberg Tel.: 09 11/2 35 42 41 Fax: 09 11/2 35 42 39 E-Mail: erziehungsberatung@ caritas-nuernberg.de www.caritas-nuernberg.de
Starke Eltern – Starke Kinder® Koordinatorin Elke Riedel-Schmelz - auch in türkischer und russischer Sprache - auch in Familienzentren, Orten für Familien und für Firmen - passgenau für alle Erziehenden - für Eltern in besonderen Problemlagen der „El- ternkurs ganz praktisch“ 12x wöchentlich oder 14tägig 60€ Person 95€ Paar Kinderbetreu- ung am Vormit- tag 20 € 24€ Person Dt. Kinderschutzbund KV Nürnberg e.V. Rothenburger Str. 11, 90443 Nürn- berg Tel.: 09 11/92 91 90-07 Fax: 09 11/28 66 27 E-Mail: kontakt@ kinderschutzbund-nuernberg.de www.kinderschutzbund-nuern- berg.de
Kess - erziehen Katja Potyra für Eltern mit Kindern von 3 – 10 Jahren auf Nachfrage auch in Kitas auch Kesse Elternabende in Kitas 5x wöchentlich 25€ Person 40€ Paar incl. Handbuch Ermäßigung möglich Zoff + Harmonie Familienbildung der Kath. Stadtkir- che Vordere Sterngasse 1 90402 Nürnberg Tel.: 09 11/24 44 94 93 Fax: 09 11/24 44 94 99 E-Mail: zoff-harmonie@ stadtkirche-nuernberg.de www.zoff-harmonie.de
Kess – erziehen. Staunen. Fragen. Gott entdecken. für Eltern mit Kindern von 2 – 10 Jahren auf Nachfrage auch in Kitas auch Kesse Elternabende in Kitas 5x wöchentlich 25€ Person 40 € Paar incl. Handbuch
Titel Kursleiter/in Zielgruppe Besonderheiten Einheiten Kosten Einrichtung
Kurse für Eltern mit Kindern und Jugendlichen in der Pubertät
Hilfe, mein Kind rebelliert… Marija Bakula Yüksel Akkanat für Eltern von pubertie- renden Kindern und Ju- gendlichen von 13-15 Jahren 5x wöchentlich + 1 Nachtreffen 15€ Person m. Kurs-unter- lagen u. Im- biss/ Getränken Ermäßigung möglich Stadt Nürnberg Erziehungs- und Familienberatung Johannisstr.58, 90402 Nürnberg Tel.: 09 11/2 31-38 86 und -38 87 Fax: 09 11/2 31-69 73 E-Mail: eb-johannisstrasse@ stadt.nuernberg.de www.jugendamt.nuernberg.de
Nürnberger Eltern-Training N.E.T. Gerlinde Kern-Sekatzek und andere für Eltern von Jugendli- chen von 12-17 Jahren auch in polnischer und russischer Sprache 6-8x wöchentlich oder 1 ganzer Tag 40€ Person 50€ Paar Caritasverband Nürnberg e.V. Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche Tucherstr. 15, 90403 Nürnberg Tel.: 09 11/2 35 42 41 Fax: 09 11/2 35 42 39 E-Mail: erziehungsberatung@ caritas-nuernberg.de www.caritas-nuernberg.de
Starke Eltern – Starke Kinder ® Koordinatorin: Elke Riedel-Schmelz für Eltern mit pubertieren- den Kindern und Jugend- lichen 8x wöchentlich 45€ Person 60€ Paar Dt. Kinderschutzbund KV Nürnberg e.V. Rothenburger Str. 11, 90443 Nürn- berg Tel.: 09 11/92 91 90-07 Fax: 09 11/28 66 27 E-Mail: kontakt@ kinderschutzbund-nuernberg.de www.kinderschutzbund-nuern- berg.de
Ich bin so frei – wenn Kin- der flügge werden Koordination Yasmin Chaudhri für Eltern von Jugendli- chen von 12-16 Jahren auf Nachfrage auch in Kirchengemeinden 4x wöchentlich 30€ Person 50€ Paar Ermäßi-gung möglich forum erwachsenenbildung (im eckstein, Haus der ev.-luth. Kir- che) Burgstr. 1-3, 90403 Nürnberg Tel.: 09 11/2 14 21 31 Fax: 09 11/2 14 21 22 E-Mail: feb.bildungswerk@ eckstein-evangelisch.de www.feb-nuernberg.de
Kess – erziehen - Abenteuer Pubertät für Eltern mit Kindern in der Pubertät auf Nachfrage auch in Kitas auch Kesse Elternabende in Kitas 5x wöchentlich 25€ Person 40€ Paar zzgl. 8€ Eltern- handbuch Zoff + Harmonie Familienbildung der Kath. Stadtkir- che Vordere Sterngasse 1 90402 Nürnberg Tel.: 09 11/24 44 94 93 Fax: 09 11/24 44 94 99 E-Mail: zoff-harmonie@ stadtkirche-nuernberg.de www.zoff-harmonie.de
Kurse für Kinder und Jugendliche in Nürnberg
Titel Kursleiter/in Zielgruppe Besonderheiten Einheiten Kosten Einrichtung
Kurse für Kinder im Vorschulalter
Psychomotorik Elisabeth Niemeyer Kinder im Vorschulalter Kleingruppe: max. 4 Kinder Eltern werden einbezo- gen u. m. deren Zustim- mung Bezugspersonen i. d. Kita ca. 20x, 1x wöchent- lich nächste Gruppe: auf Anfrage kostenfrei Caritasverband Eichstätt e.V. Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche Giesbertsstraße 67 b 90473 Nürnberg Tel: 09 11/800 11 09 Fax: 09 11/89 06 42 e-mail: erziehungsberatung@ caritas-nuernberg-sued.de www.erziehungsberatung-nuern- berg-sued.de
Faires Raufen Elisabeth Niemeyer Angebot für Kindertages- stätten auf Anfrage durch KITA kostenfrei Caritasverband Eichstätt e.V. Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche Giesbertsstraße 67 b 90473 Nürnberg Tel: 09 11/800 11 09 Fax: 09 11/89 06 42 e-mail: erziehungsberatung@ caritas-nuernberg-sued.de www.erziehungsberatung-nuern- berg-sued.de
Gruppe Soziale Kompetenz für Jun- gen Christoph Scholz Rainer Herzog Jungen von 9 bis 10 Jah- ren 10 – 12x 2 Elterngespräche donnerstags 16 - 17.15 Uhr 15 €, Ermäß. mögl. Stadt Nürnberg Erziehungs- und Familienberatung Fürreuthweg 95, 90489 Nürnberg Tel.: 09 11/64 40 94 Fax: 09 11/ 6 43 36 44 E-Mail: eb-fuerreuthweg@ stadt.nuernberg.de www.jugendamt.nuernberg.de
Gruppe zur Förderung der emotionalen und sozialen Kompetenz für Grundschü- ler Lisa Rettelbach Veranika Madorskaya Grundschüler/innen 8x mittwochs von 15.30 bis 16.30 Uhr kostenfrei Caritasverband Nürnberg e.V. Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche Tucherstr. 15, 90403 Nürnberg Tel.: 09 11/2 35 42 41 Fax: 09 11/2 35 42 39 E-Mail: erziehungsberatung@ caritas-nuernberg.de www.caritas-nuernberg.de
Soziales Kompetenztraining für Kinder Sabine Dylla Frieder Rumold 7 bis 8-jährige Kinder 8x dienstags von 14 bis 15.30 € 20,-- Ermäßigung möglich Stadtmission Nürnberg e.V. Erziehungs-, Paar- und Lebensbera- tung Rieterstr. 23, 90419 Nürnberg Tel. 09 11/35 24 00 Fax. 09 11/35 24 06 E-Mail: eb@stadtmission-nuern- berg.de www.eb-stadtmission-nuernberg.de
Training sozialer Kompeten- zen Kinder im Grundschulal- ter, begleitende Eltern- gruppe m. Zustimmung d. Eltern werden Bezugspersonen v. Kita u. Schule einbezo- gen Ca. 15x, 1x wöchentl. Kindergruppe (ca. 1,5 Std.) mit anschl. Eltern- gruppe kostenfrei Caritasverband Eichstätt e.V. Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche Giesbertsstraße 67 b 90473 Nürnberg Tel: 09 11/800 11 09 Fax: 09 11/89 06 42 e-mail: erziehungsberatung@ caritas-nuernberg-sued.de www.erziehungsberatung-nuern- berg-sued.de
Präventionsgruppe für Kin- der aus Trennungs- und Scheidungsfamilien Ilona Schürgers und andere Kinder von 7 bis 9 Jahren 6-8 Kinder m. 2 Kursleiter/innen 12x wöchentlich dienstags 14 – 15.30 Uhr Caritasverband Nürnberg e.V. Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche Tucherstr. 15, 90403 Nürnberg Tel.: 09 11/2 35 42 41 Fax: 09 11/2 35 42 39 E-Mail: erziehungsberatung@ caritas-nuernberg.de www.caritas-nuernberg.de
Titel Kursleiter/in Zielgruppe Besonderheiten Einheiten Kosten Einrichtung
Kurse für Kinder im Grundschulalter
Schöne Zeiten - Schlimme Zeiten (SZSZ) Gruppe für Kinder von see- lisch belasteten Eltern Felicitas Runge Hiltrud Schmeußer Kinder von 8 bis 12 Jahren 10x wöchentlich vorbereitende und be- gleitende Elterngespräche kostenfrei Caritasverband Nürnberg e.V. Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche Tucherstr. 15, 90403 Nürnberg Tel.: 09 11/2 35 42 41 Fax: 09 11/2 35 42 39 E-Mail: erziehungsberatung@ caritas-nuernberg.de www.caritas-nuernberg.de
Kurse für Jugendliche
Powergirls Mädchengruppe zur Entde- ckung und Erprobung eige- ner Stärken und Fähigkeiten Uschi Eberle Mädchen von 13 bis 15 Jahren 8x in der Zeit von 16 bis 17.30 Uhr kostenfrei Stadtmission Nürnberg e.V. Erziehungs-, Paar- und Lebensbera- tung Rieterstr. 23, 90419 Nürnberg Tel. 09 11/35 24 00 Fax. 09 11/35 24 06 E-Mail: eb@stadtmission-nuern- berg.de www.eb-stadtmission-nuernberg.de
Gruppe für Jugendliche mit seelisch erkranktem Eltern- teil Danica Harder Mehmet Eryasar Jugendliche von 13 bis 17 Jahren 3x jeweils von 17 bis 19 Uhr kostenfrei Stadtmission Nürnberg e.V. Erziehungs-, Paar- und Lebensbera- tung Rieterstr. 23, 90419 Nürnberg Tel. 09 11/35 24 00 Fax. 09 11/35 24 06 E-Mail: eb@stadtmission-nuern- berg.de www.eb-stadtmission-nuernberg.de

Eigene Darstellung.

Herausgegeben von: Stadt Nürnberg · Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt Stab Familienbildung · Dietzstraße 4, 90443 Nürnberg

Gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales

Beratung Datum Behandlung Ziel

Jugendhilfeausschuss 17.09.2020 öffentlich Beschluss

Betreff:

Dependance der städtischen Erziehungs- und Familienberatung in der Südstadt

Anlagen: Entscheidungsvorlage

Sachverhalt (kurz):

Zur Umsetzung der Jugendhilfeplanung Erziehungs- und Familienberatung in Nürnberg soll eine Dependance in der Südstadt geschaffen werden. Hierzu wurden im Stellungschaffungsverfahren zum Haushalt 2021 zwei Sozialpädagog/innen und 0,5 Verwaltungskraftstellen beantragt

Bezug zum Orientierungsrahmen für eine nachhaltige Jugend-, Familien-, Bildungs- und Sozialpolitik: Leitlinie 1: Familie stärken, Erziehung unterstützen Leitlinie 3: Rechte von Kinder und Jugendlichen durchsetzen Leitlinie 5: Armut bekämpfen, Chancen eröffnen Leitlinie 8: Stadt als Lebensraum, Stadtteile sozial nachhaltig entwickeln Leitlinie 9: Zuwanderung gestalten, interkulturelle Vielfalt leben

  1. Finanzielle Auswirkungen:

Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

(→ weiter bei 2.)

Nein (→ weiter bei 2.)

Ja

Kosten noch nicht bekannt

Kosten bekannt

Gesamtkosten € Folgekosten € pro Jahr

dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum

davon investiv € davon Sachkosten € pro Jahr

davon konsumtiv € davon Personalkosten € pro Jahr

Stehen Haushaltsmittel/Verpflichtungsermächtigungen ausreichend zur Verfügung?

(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:

Nein (→ weiter bei 3.)

Ja

Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans

Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von 2,5 Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)

Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt

2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)

Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Stellenschaffung im Haushalt

  1. Diversity-Relevanz:

Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja Geschlecht, ethische Herkunft, Behinderung, Alter und die soziale Lage von Kindern, Jugendlichen und Familien werden berücksichtigt; siehe Darstellung in der Entscheidungsvorlage.

RA (verpflichtend bei Satzungen und Verordnungen)

Beschlussvorschlag:

Der Jugendhilfeausschuss befürwortet den Vorschlag der Verwaltung, eine Dependance der städtischen Erziehungsberatungsstelle in der Südstadt aufzubauen, und beauftragt die Verwaltung des Jugendamts, die dafür notwendigen Ressourcen zum Haushalt zu beantragen. Über eine endgültige Bereitstellung der Mittel und Stellen wird bei den Haushaltsberatungen entschieden.

zur Sitzung des Jugendhilfeausschusses vom 17.09.2020

Entscheidungsvorlage

Dependance der städtischen Erziehungs- und Familienberatung in der Südstadt - ein Beitrag

zur Schließung sozialräumlicher Versorgungslücken in Nürnberg

Am 29.09.2016, also vor fast genau vier Jahren, wurde die Fortschreibung der Jugendhilfeplanung „Erziehungs- und Familienberatung in Nürnberg“ in einem umfassenden Bericht vorgelegt und einstimmig verabschiedet.

Dabei wurde deutlich herausgearbeitet, dass für eine bedarfsgerechte Weiterentwicklung dieses niedrigschwelligen Beratungsangebots zusätzliche personelle Ressourcen erforderlich sind. Auf Seite 3 der Entscheidungsvorlage wird ausgeführt: „Vor dem Hintergrund des erwartbaren Anstiegs der Nachfrage aufgrund der demografischen Entwicklung sowie einer besseren Ausschöpfung der präventiven Chancen und Potenziale der Erziehungs- und Familienberatung sind im Sinne einer bedarfsgerechten Weiterentwicklung dieses Leistungsbereiches der Kinder-und Jugendhilfe als nächster Schritt abhängig von den Möglichkeiten im städtischen Haushalt zusätzliche Stellenschaffungen angezeigt. Als Orientierungswert für erforderliche Ausbauziele kann die Empfehlung der bke1 mit vier Fachkräften in Vollzeit pro 10 Tsd. unter 18 Jährige herangezogen werden. Durch zusätzliche Personalressourcen würden sich neue Handlungsoptionen insb. in den Bereichen der stadtteilorientierten Präventionsarbeit, der Arbeit mit psychisch erkrankten Eltern, mit hochstrittigen Eltern im Kontext von Trennung und Scheidung sowie mit Flüchtlingsfamilien sowie zum Ausbau des Beratungsangebotes insb. im Nürnberger Süden zur Schließung sozialräumlicher Versorgungslücken ergeben.“

Welche Unterstützung bietet die Erziehungs- und Familienberatung?

Die Fachkräfte in den Erziehungs- und Familienberatungsstellen unterstützen gemäß § 28 SGB VIII Kinder, Jugendliche und deren Eltern sowie andere relevante Bezugspersonen von Familien bei der Klärung und Bewältigung individueller und familienbezogener Probleme sowie bei Trennung und Scheidung und sind eine zentrale Leistung der Kinder- und Jugendhilfe. Das Angebot ist für die Ratsuchenden grundsätzlich kostenfrei.

Die Fachkräfte unterliegen der Pflicht zur Verschwiegenheit (§ 203 StGB, § 65 SGB VIII) und die Beratung kann direkt, d.h. ohne eine formale Beantragung einer Hilfe zur Erziehung in Anspruch genommen werden. Die Beratung orientiert sich an den individuellen Lebenswirklichkeiten der Familien und versucht, durch beraterisch-therapeutische Methoden die Ressourcen in den Familien zu aktivieren und wirkungsvolle Lösungen für die jeweiligen Anliegen zu erarbeiten.

Ziel dabei ist es immer, die Menschen, die sich an die Beratungsstelle wenden, in ihrer Selbstwirksamkeit, ihrer Erziehungskompetenz und in ihren sozialen Bezügen zu stärken. Dabei werden sowohl Einzeltermine, Paar- und Elternberatungen sowie Gespräche mit der ganzen Familie oder auch gruppentherapeutischen Settings angeboten. Die Erziehungsberatung mit ihren multidisziplinären Teams (Sozialpädagoginnen und -Pädagogen, Diplom- Pädagoginnen und -Pädagogen, Diplom-Psychologinnen und -Psychologen) bietet mit dem Hintergrund an beraterischem und therapeutischem Knowhow sowie ihrer Vernetzung zwischen anderen bedeutenden Helfern, die für Kinder und deren Familien Relevanz haben (z.B. ASD, Schule, Jugendsozialarbeit an Schulen, Gesundheitswesen und Familiengericht), eine vertrauliche, kompetente und lösungsorientierte Unterstützung an. Ein frühzeitiges Erkennen und Angehen von belastenden Themen und Situationen kann dabei helfen, die Verfestigung von Problemlagen zu vermeiden und familiäres Leid und Leiden zu mildern oder gar zu beenden.

1 bke: Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e.V.

Die Erziehungs- und Familienberatung ist als eine präventive wie auch beraterisch-therapeutische Maßnahme im Vergleich zu anderen, weit intensiveren Jugendhilfemaßnahmen (wie z.B. Heimunterbringung, Erziehungsbeistandschaft etc.) eine günstige und niedrigschwellige Hilfe für belastete Familiensysteme. Auch bei psychischen Krisen sind die Erziehungsberatungsstellen mit ihrem therapeutischen Angebot eine mögliche Anlaufstelle für betroffene Familien. Der Zugang zur Hilfe bedarf keiner psychiatrischen Diagnose, was die Inanspruchnahme erleichtert und einer möglichen Selbststigmatisierung vorbeugt.

Wenn auch das Kerngeschäft der Erziehungs- und Familienberatung darauf ausgerichtet ist, Eltern und jungen Menschen in einzel-, paar- und gruppentherapeutischen Settings wirkungsvolle und problemlösende Unterstützung zukommen zu lassen, beschränkt sie sich jedoch nicht nur auf Einzelfallhilfe. Ihre vielfältigen präventiven Angebote und Vernetzungsaktivitäten zwischen Familienbildung, Jugendamt, Schule, Gesundheitswesen und Familiengericht tragen dazu bei, dass Problemlagen vermieden oder frühzeitig erkannt und bearbeitet werden. Damit wird auch ein Beitrag gegen die Verfestigung von Problemlagen geleistet, die ansonsten zu einem späteren Zeitpunkt umfangreichere und kostenintensivere Hilfen erforderlich machen würden. Als präventive und niedrigschwellige Form der Hilfen zur Erziehung stellen Erziehungs- und Familienberatungsstellen mit ihren pädagogischen und therapeutischen Maßnahmen somit eine wichtige Säule in der Angebotslandschaft kommunaler Familienförderung dar. Ebenso sind sie ein wichtiger Bestandteil der örtlichen psychosozialen Grundversorgung sowie der Krisenhilfe für junge Menschen und Familien.

Zum aktuellen Stand in Nürnberg:

In Nürnberg gibt es aktuell 7 Erziehungsberatungsstellen:

 Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche (Erziehungsberatungsstelle) Caritasverband für die Diözese Eichstätt e.V., Giesbertstraße 67b, 90473 Nürnberg  Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche Caritasverband Nürnberg e.V., Tucherstraße 15, 90403 Nürnberg  Erziehungs-, Paar- und Lebensberatung, Stadtmission Nürnberg e.V. Rieterstraße 23, 90419 Nürnberg  Erziehungs- und Familienberatungsstelle, Jugendamt Stadt Nürnberg

Bereits in der JHA-Sitzung im September 2016 wurde der Bevölkerungszuwachs in Nürnberg als Herausforderung benannt. Es wurde ein quantitativer Mehrbedarf an fünf Vollzeitstellen in den Nürnberger Erziehungsberatungsstellen festgehalten. Die Situation hat sich in den letzten vier Jahren noch verschärft: Die Zahl der unter 18-Jährigen ist weiter angestiegen und betrug Ende 2019 83.081, bei gleichbleibend 26 Fachkräften (Vollzeitäquivalent) über alle sieben EB-Teams hinweg. Bei einem empfohlenen Schlüssel von vier Vollzeitkräften pro 10.000 Minderjährigen wären hingegen knapp über 33 Vollzeitkräfte notwendig, um den Bedarf adäquat zu decken. Das entspricht einem aktuellen Mehrbedarf an sieben Vollzeitkräften.

Und Nürnberg wächst weiter und erwartet einen weiteren Zuwachs an Kindern, Jugendlichen und Familien. Auf die entsprechenden Zahlen im Rahmen der aktuellen Bevölkerungsprognosen von StA wird verwiesen (Aktuelle Bevölkerungsvorausberechnung 2019 – 2035 Auswirkungen auf Kita-Ausbau und Schulraumplanung; TOP 4 Stadtrat vom 04.03.2020), ebenso auf die aktualisierten Zahlen der im Rahmen der Schulentwicklungs- und Jugendhilfeplanung formulierten Bedarfe (zuletzt Fortschreibung Bedarfs- und Ausbauplanung Kita 2020, JHA 18.06.2020). Damit verschärft sich auch die Versorgungslage mit Beratungsstellen. Ohne Erweiterung der Fachkräfteressourcen werden Familien mit Beratungsbedarf nicht mehr zeitnah und niedrigschwellig versorgt werden können.

Wie die Statistiken zur Fallzahlenentwicklung belegen, sind die Teams der städtischen EB, aber auch die der freien Träger (EB Stadtmission Rieterstraße, EB Tucherstraße, EB Giesbertstraße in

Nürnberg-Langwasser) personell ausgelastet. Auf die vier städtischen Teams bezogen kann eine Steigerung der Fallzahlen über die letzten Jahre verzeichnet werden: Während es in 2017 insgesamt 1.546 betreute Fälle gab, sind es im Jahr 2019 insgesamt 1.725 betreute Fälle gewesen. Ein weiterer Fallanstieg kann ressourcenbedingt nicht mehr bearbeitet werden und ginge zwangsläufig zu Lasten der Qualität der Arbeit.

Nachdem zum Haushalt 2020 keine fachlich begründeten Stellenschaffungen möglich waren, soll nun ab dem 2021 eine Dependance einer EB in der Südstadt realisiert und mit entsprechenden personellen Ressourcen ausgestattet werden.

EB-Dependance in der Südstadt

Schon in der Fortschreibung der Jugendhilfeplanung 2016 wird die Südstadt als ein Stadtteil benannt, der mit einem verstärkten Angebot vor Ort durch die Erziehungs- und Familienberatung besser versorgt werden soll. Die Südstadt ist ein Ort mit hoher Dichte an Familien und geprägt von kultureller Vielfalt. Außerdem haben sozial schwach gestellte Familien, die in engen Wohnverhältnissen wohnen, mit geringen finanziellen Mitteln ausgestattet und alleinerziehend sind, ein noch höheres Risiko einer zusätzlichen psychosozialen Belastung und Spannung in ihrer familiären Wirklichkeit. Oft sind längere Wegstrecken z.B. zu einer Beratungsstelle für multipel belastete und derart geschwächte Familien (mit hohem Resignationspotential) zu weit. Deswegen braucht es kurze Wege für die Familien in der Südstadt, also eine direkte Anlaufstelle mit entsprechenden Ressourcen, die auch Sprechstunden und mehr zugehendes Arbeiten ermöglichen. Dabei spielt auch die Vernetzung mit Schule, Kita, JaS etc. eine große Rolle, damit Vermittlungshemmnisse für die Familien beseitigt werden und auch den Fachkräften vor Ort in den Einrichtungen Beratung ermöglicht wird.

Dem JHA wurde im Februar (13.02.2020) ein Bericht zum sozialen Stadtteilkonzept Galgenhof/Steinbühl vorgestellt. Darin heißt es genauer: „In einzelnen Kitas werden stundenweise EB-Beratungen angeboten, das kann dem Bedarf aber nicht wirklich gerecht werden. Der Bedarf für die Einrichtung einer Erziehungsberatungsstelle in der Südstadt wird seitens des Jugendamtes bekräftigt. Derzeit wird vom Jugendamt der Standort im ehemaligen Horten am Aufseßplatz geprüft und favorisiert.“ Der Bericht wurde positiv aufgenommen und Bedarfe für die EB im Rahmen der Diskussion von allen Seiten unterstrichen.

Aktuell besteht die Möglichkeit, dass eine Dependance der städtischen EB im Zuge der Neubeplanung des ehemaligen Horten-Geländes am Aufseßplatz realisiert werden könnte. Allerdings kann nicht bis zur baulichen Umsetzung an diesem Standort abgewartet werden. Daher stellte die Verwaltung des Jugendamts für eine Dependance in der Südstadt Stellenschaffungsanträge für zwei Vollzeitstellen (Sozialpädagogik) und eine Verwaltungskraft in Teilzeit zum Haushalt 2021. Die Mitarbeiter/innen werden fachlich in das Team Philipp-Koerber-Weg eingebunden und erhalten von dort auch Unterstützung durch die Leitung und Teamsitzungen. Im Team Philipp-Koerber-Weg arbeitet auch ein Psychologe, der gegebenenfalls diagnostische Abklärungen (z.B. Entwicklungsverzögerungen, psychische Erkrankungen) vornehmen kann und evtl. dann zu anderen Stellen und Institutionen in der Jugendhilfe oder im Gesundheitsbereich vermitteln kann. Durch die Präsenz vor Ort werden schnelle Terminvergaben ermöglicht. Das neue Dependance-Team kann bis zur Realisierung einer Außenstelle am Aufseßplatz entweder in angemieteten Räumen oder übergangsweise am Standort Philipp-Körber- Weg arbeiten.

Die zwei Fachkräfte sollen in einer kleinen Außenstelle in gut erreichbaren und barrierefreien Räumen in der Südstadt Elternpaare, alleinerziehende Elternteile, Familien, Jugendliche und junge Erwachsene beraten, sowie Kinder und Jugendliche im Rahmen der Möglichkeiten der Jugendhilfe auch mit kurzzeittherapeutischen Angeboten unterstützen. Durch die ständige Präsenz der Fachkräfte in der Südstadt wird eine bessere Vernetzung mit anderen Trägern der Jugendhilfe vor Ort möglich sein. Durch die Standortnähe zu Familienzentren, Schulen und Kitas in der Südstadt können mittelfristig mehr Klienten erreicht werden, die den Weg zu einer Erziehungsberatungsstelle gegenwärtig nicht schaffen. Dies ist natürlich das Anliegen, Vermittlungshemmnisse zu beseitigen und auch die Fachkräfte vor Ort in den Einrichtungen zu unterstützen.

Beratung Datum Behandlung Ziel

Jugendhilfeausschuss 17.09.2020 öffentlich Beschluss

Betreff:

Qualitative Weiterentwicklung der Krippen- und Kindergartenversorgung

hier: Antrag der CSU-Stadtratsfratkion vom 22.06.2020

Anlagen: Entscheidungsvorlage QW QW Maßnahmen Antrag_Krippen- und Kindergartenversorgung_CSU

Sachverhalt (kurz):

Dem Jugendhilfeausschuss wird vorgeschlagen, die dargestellten Förderbereiche entsprechend für den Planungszeitraum 2021 fortzuschreiben.

Bezug zum Orientierungsrahmen für eine nachhaltige Jugend-, Familien-, Bildungs- und Sozialpolitik: Leitlinie 1: Familie stärken, Erziehung unterstützen Leitlinie 2: Bildung fördern, früh beginnen Leitlinie 3: Rechte von Kinder und Jugendlichen durchsetzen Leitlinie 5: Armut bekämpfen, Chancen eröffnen Leitlinie 9: Zuwanderung gestalten, interkulturelle Vielfalt leben

  1. Finanzielle Auswirkungen:

Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

(→ weiter bei 2.)

Nein (→ weiter bei 2.)

Ja

Kosten noch nicht bekannt

Kosten bekannt

Gesamtkosten € Folgekosten € pro Jahr

dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum

davon investiv € davon Sachkosten € pro Jahr

davon konsumtiv € davon Personalkosten 59.320 € pro Jahr

Stehen Haushaltsmittel/Verpflichtungsermächtigungen ausreichend zur Verfügung?

(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:

Nein (→ weiter bei 3.)

Ja

Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans

Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von 1,04 Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)

Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt

2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)

Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Abgleich - mit aktuellen Schaffungsanträgen

  1. Diversity-Relevanz:

Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja Die Planungen gelten für junge Menschen, unabhängig der Herkunft, Religion, sexuellen Orientierung. Bedürfnisse von Mädchen und Jungen sowie von Kindern mit Behinderung sind Bestandteil der Planungen.

RA (verpflichtend bei Satzungen und Verordnungen)

Untergruppe der AG Kitas gem. § 78 SGB VIII

Beschlussvorschlag:

Der Jugendhilfeausschuss unterstützt die vorgeschlagenen Maßnahmen des Konzepts der qualitativen Weiterentwicklung und beauftragt die Verwaltung, diese entsprechend umzusetzen und die notwendigen Kapazitäten zum Haushalt anzumelden.

Über eine endgültige Bereitstellung der Mittel und Stellen wird bei den Haushaltsberatungen entschieden.

Entscheidungsvorlage

Qualitative Weiterentwicklung der Kindertagesbetreuung in Nürnberg -

Fortschreibung 2021

1. Grundlagen und Aufgaben kommunaler Jugendhilfe- und Familienpolitik

Auftrag und Ziele der Jugendhilfe und damit auch der Qualitativen Weiterentwicklung der Kindertagesbetreuung in Nürnberg lassen sich ableiten aus dem Achten Sozialgesetzbuch (§ 22 Abs. 2 SGB VIII), dem Bayerischen Bildungs- und Betreuungsgesetz (Art. 10 ff. BayKiBiG), dem Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan und nicht zuletzt auch dem „Orientierungsrahmen für eine nachhaltige Jugend-, Familien-, Bildungs- und Sozialpolitik in Nürnberg“ des Referats für Jugend, Familie und Soziales. Kindertageseinrichtungen leisten in Ergänzung zu den Erziehungsberechtigten einen sehr wichtigen Beitrag zur Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern. Diese Arbeit wird seit 2008 mit Maßnahmen der Qualitativen Weiterentwicklung von der Stadt Nürnberg unterstützt, seit 2013 im Umfang von rd. 2,5 Mio. Euro pro Jahr.

2. Förderziele und Fördermaßnahmen

Das Maßnahmenprogramm zur Qualitativen Weiterentwicklung für die Jahre 2019 und 2020 wurde im Jugendhilfeausschuss am 04.10.2018 beschlossen. Vorangegangen war ein Beschluss mit dem mittelfristigen Zeitraum von 2013 - 2018. Die Hoffnung, dass mit der Umsetzung des Gute-Kita-Gesetzes im größeren Umfang Maßnahmen zur qualitativen Weiterentwicklung in Kindertageseinrichtungen gefördert werden, hat sich leider nur teilweise erfüllt. Das bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales fördert über den Leitungsbonus eine Entlastung von Leitungen von Verwaltungsaufgaben (siehe JHA TOP 5 am 17.09.2020) und den Einsatz von Assistenzkräften in den Randzeiten (siehe JHA vom 23.07.2020), ein Großteil der Bundesmittel fließen aber in die Beitragsentlastung der Eltern.

In der aktuellen Corona-Krise und vor dem Hintergrund der aktuellen Haushaltssituation wird in Abstimmung mit den freigemeinnützigen und sonstigen Trägern vorgeschlagen, das bewährte Maßnahmenpaket der Qualitativen Weiterentwicklung im bisherigen Budgetrahmen für ein Jahr, also für das Haushaltsjahr 2021, fortzuschreiben. Für die geplante Weiterentwicklung der interkulturellen Arbeit in Kitas (siehe JHA vom 19.12.2019), die auf einer entsprechenden Befragung von 2019 basiert, werden unter Beteiligung der freien Träger ab Herbst 2020 Inhalte und Maßnahmen erarbeitet, die dann erst ab dem Haushaltsjahr 2022 zum Tragen kommen sollen.

Durch Umschichtungen im bestehenden Gesamtbudgetrahmen können als neue Schwerpunkte die Maßnahmen „Mama & Papa starten durch“ und „Schultüte“ aufgenommen und weitere Orte für Kinder realisiert werden. Außerdem ist eine weitere Ausweitung von Elternbegleiterinnen und Elternbegleitern sowie von Hortklassen möglich, und die Qualifizierungsförderung für Kinderpflegerinnen und Kinderpfleger kann aufgestockt werden. Die Verwaltung des Jugendamts schlägt im Einzelnen vor, folgende Förderziele und Fördermaßnahmen fortzuschreiben bzw. zu ergänzen:

A) Sicherung der Bildungs- und Erziehungsqualität für Kinder und Unterstützung der

Familien (übergreifende Ziele und Maßnahmen)

A) 1. Kitaförderung plus

Wie bereits 2014 festgelegt, ist mit der Kitaförderung plus beabsichtigt, hoch engagierte und innovative Einrichtungen und Träger finanziell zu fördern, die aufgrund sozialräumlicher Bedingungen und Herausforderungen besonders belastet sind. Bei der Antragstellung werden die konkret geplanten Projekte, die Zielgruppen, die Ziele der Maßnahmen und die geplanten Kosten benannt. Beim Verwendungsnachweis wird dann über die Zielerreichung Auskunft gegebenen. Die Maßnahmen und Ergebnisse dieser Angebote sollen in das Monitoring des Arbeitsprogramms einfließen. Den freien Trägern stehen für 2021 271.710 Euro und dem städtischen Träger 47.000 Euro für die Kitaförderung plus zur Verfügung (Gesamtbudget: 318.710

Euro). Im Vergleich zum Vorjahr wird der Ansatz um rd. 123.000 Euro zu Gunsten der unten genannten konkreten neuen bzw. erweiterten Maßnahmenangebote reduziert.

A) 2. Elternbegleiterinnen und Elternbegleiter

Elternbegleiterinnen und -begleiter fördern und unterstützen die integrierte Familienarbeit in Regeleinrichtungen und verbessern so die Rahmenbedingungen zur Sicherung ihrer Qualität. Über das Bundesprogramm „Elternchance ist Kinderchance“ wurden in Nürnberg viele Kita- Fachkräfte als Elternbegleiterinnen und -begleiter geschult. Pro Elternbegleiterin bzw. -begleiter werden zwei Wochenarbeitsstunden über die Qualitative Weiterentwicklung finanziert, damit sie die über ihren Kita-Alltag hinausgehenden Aufgaben umsetzen können: Es sollen ab 2021 50 Einrichtungen (plus 17 Einrichtungen) in freier Trägerschaft (146.250 Euro) und 27 Einrichtungen (plus 10 Einrichtungen) in städtischer Trägerschaft (78.975 Euro) gefördert werden (gesamt: 225.225 Euro).1 Die Stellenkapazitäten für den städtischen Träger im Umfang von 0,5 VK (10 x 2 Wochenarbeitsstunden) sind über das Stellenschaffungsverfahren zum Haushalt 2021 zu beantragen.

A) 3. frühstart

frühstart ist ein Konzept, das bis Ende 2016 als umfangreiches Qualifizierungsprogramm über die gemeinnützige Hertie-Stiftung Frankfurt gefördert wurde (siehe JHA vom 12.02.2015). Das Konzept legt besonderen Wert auf den Theorie- und Praxis-Transfer im ganzen Kita-Team. Eine wichtige Rolle spielen die frühstart-Teamtrainerinnen bzw. -trainer, die über die Hertie- Stiftung geschult wurden und die Kita während der gesamten Programmlaufzeit fachlich sehr erfolgreich begleiten. Nachhaltige Verbesserungen und Weiterentwicklungen zeigen sich vor allem bei den frühstart-Themenbereichen Vielfalt, der Zusammenarbeit mit den Eltern, der Förderung von Sprache, Beobachtung und Dokumentation und die Weiterentwicklung von Teamstrukturen. Das Angebot ist besonders erfolgreich und wurde mit dem JHA-Beschluss vom 04.10.2018 verstetigt. Trainerinnen und Trainer begleiten parallel zehn Teams im Umfang von jährlich 20 Stunden. Die Fachstelle PEF:SB des Referats für Jugend, Familie und Soziales bietet die Inhouse-Fortbildungen mit Coaching-Prozess in Kooperation mit der WERTSTATT, Institut für Neues Lernen. Die WERTSTATT – Institut für Neues Lernen leistet 18 Arbeitsstunden im Jahr für die fachliche Begleitung und Weiterentwicklung (1.500 Euro). Insgesamt entstehen Sachkosten i. H. v. jährlich 15.000 Euro für die Begleitung von Kita-Teams in städtischer und freier Trägerschaft.

A) 4. Gewinnung und Qualifizierung von Fachkräften

Der Fachkräftemangel nimmt in Nürnberg mit dem steigenden Kita-Ausbau, aber auch durch Risikogruppen in Folge der Pandemie immer mehr zu. Die Qualifizierungsförderung von Kinderpflegerinnen bzw. Kinderpflegern durch die Stadt Nürnberg ist ein wichtiges Instrument, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Aufgrund des geringen Einkommens dieser Berufsgruppe überwindet die Qualifizierungsförderung aus Mitteln der Qualitativen Weiterentwicklung die hohe finanzielle Hürde, eine solche Ausbildung zu beginnen. Insgesamt stehen hierfür 40.000 Euro für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter freier Träger zur Verfügung. Dieser Ansatz wird wegen der hohen Nachfrage im Vergleich zu 2020 um 10.000 Euro erhöht.

A) 5. Projekt: Mama & Papa starten durch

Bei diesem Integrationsprojekt für Eltern mit Flucht- bzw. Migrationshintergrund handelt es sich um einen Einführungskurs in die deutsche Kultur, Sprache und hiesigen Gepflogenheiten, den Umgang mit Ämtern und in den Nürnberger Familienalltag, wobei sich die Inhalte schwerpunktmäßig an den Bedürfnissen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer orientieren, die mithilfe des Kurses ihre Alltagskompetenzen erweitern. Das Projekt zielt darauf ab, Kindern aus Flüchtlingsfamilien ein gutes und sicheres Aufwachsen zu ermöglichen sowie ihren Bildungsprozess und ihre Zukunftschancen zu verbessern. Der Projektname wurde nach dem zweiten Durchlauf von „Mama & Papa lernen deutsch“ auf „Mama & Papa starten durch“ geändert, da der ursprünglich angedachte Titel die Erwartung an eine reine Sprachvermittlung weckte. Das

bereits früher entwickelte und umgesetzte Projekt wurde anlässlich des Flüchtlingszuwanderung konzeptionell angepasst und 2017 wiedereingeführt und bis 2020 umgesetzt. Als Kooperationspartner konnte der AWO Kreisverband Nürnberg gewonnen werden, der sowohl die Koordination, die fachliche Begleitung als auch die Durchführung mithilfe von externen Referentinnen sicherstellte. Die bei der AWO beschäftigten Referentinnen sind mit dem Thema „Integration“ gut vertraut, weil sie selbst nach Deutschland zugewandert sind und als Muttersprache türkisch oder arabisch, teilweise auch noch andere Fremdsprachen sprechen. Der Referententätigkeit ging eine Schulung in Bezug auf die Inhalte voraus. Die Kurse finden in der teilnehmenden Kindertageseinrichtung statt. Die Kursinhalte werden den Eltern in acht Kurseinheiten pro Durchgang im Tandem durch die Referentinnen und eine Fachkraft aus der jeweiligen Kindertageseinrichtung vermittelt. Die Zukunftsstiftung der Sparkasse Nürnberg bewilligte für den Förderzeitraum 01.10.2016 bis 30.09.2018 gegenüber dem Referat für Jugend, Familie und Soziales der Stadt Nürnberg ein Antragspaket mit insgesamt sechs unterschiedlichen Bausteinen zur nachhaltigen Integration. Mit diesen Mitteln konnte das Projekt bis 2020 realisiert werden. Das Projekt „Mama & Papa starten durch“ wurde sehr positiv von den Einrichtungen und den Eltern angenommen und auch vom Jugendamt als sehr gewinnbringend bewertet. Aus diesem Grund befürwortet das Jugendamt der Stadt Nürnberg in Abstimmung mit den freigemeinnützigen und sonstigen Trägern die Fortführung des Angebots. Die Kosten i.H.v. jährlich rund 12.000 Euro sollen aus der Kitaförderung plus finanziert werden.

A) 6. Projekt: Schultüte

Das Projekt „Schultüte“ richtet sich ebenfalls an Eltern mit Fluchterfahrung und/oder Migrationshintergrund und deren Vorschulkinder und verfolgt die gleichen Ziele wie das vorangegangene Projekt. Im Rahmen von „Schultüte“ erhalten die Familien wichtige Informationen über das deutsche Schulsystem und werden gezielt auf die Einschulung vorbereitet. Die Eltern, wie auch die Kinder, sollen einen direkten Bezug zur bevorstehenden Einschulung entwickeln. Auch dieses Projekt startete erstmalig 2017. Auch hier konnte als Kooperationspartner der AWO Kreisverband Nürnberg für die Koordination, fachliche Begleitung und für die Durchführung mithilfe von externen Referentinnen mit Integrationserfahrung und Mehrsprachigkeit gewonnen werden. Die Kursinhalte wurden in drei Kurseinheiten pro Durchgang, im Tandem durch die externen Referentinnen und eine Fachkraft aus der Kindertageseinrichtung den Eltern vermittelt. Die Kurse finden in der jeweils teilnehmenden Kindertageseinrichtung statt, wobei die Vorschulkinder aktiv mit einbezogen wurden. Auch hier flossen Mittel der Zukunftsstiftung der Sparkasse Nürnberg für den Förderzeitraum 01.10.2016 bis 30.09.2018 ein. Mit den vorhandenen Restmitteln wurde nach Rücksprache mit der Zukunftsstiftung vereinbart, das Projekt bis ins Jahr 2020 fortzuführen. Auch das Projekt „Schultüte“ wurde von den Einrichtungen und den Eltern als überaus gewinnbringend beurteilt. Deshalb schlägt das Jugendamt in Abstimmung mit den freigemeinnützigen und sonstigen Trägern vor, das Projekt zu verstetigen und die Finanzierung i.H.v. jährlich rund 12.000 Euro ebenfalls aus der Kitaförderung plus zu finanzieren. Die beiden neuen Projekte der Qualitativen Weiterentwicklung sollen gegenseitig deckungsfähig sein.

B) Qualität für die verschiedenen Formen von Bildung, Erziehung und Betreuung von

Kindern (spezifische Ziele und Maßnahmen)

B) 1. Förderung „Kita als Ort für Familien“ und „Kita als Familienzentrum“

Es besteht bekanntlich ein enger Zusammenhang zwischen Armut einerseits und Bildungsund Entwicklungschancen andererseits. Vielfach wirken die Eltern bei der Alltagsgestaltung unsicher oder verfügen über zu wenig Wissen und Kompetenzen, um ihre Kinder wirksam zu unterstützen. Deshalb wurden die Praxismodelle „Orte für Familien“ und „Familienzentren“ entwickelt. 2019 und 2020 wurden, wie im JHA vom 04.10.2018 beschlossen, sechs neue Orte für Familien realisiert, davon fünf durch freie Träger und einen durch den städtischen Träger. Der Budgetansatz bietet die Möglichkeit, im Jahr 2020 noch zwei Orte für Familien, jeweils einer bei den freien und einer beim städtischen Träger, sowie im Jahr 2021 eine weitere Kindertageseinrichtung in freier und freigemeinnütziger Trägerschaft als Ort für Familien zu fördern. Als neue Orte für Familien in freier Trägerschaft werden das Haus für Kinder Krakauer

Str. 6 (Parikita) und Bärenschanzstraße 10 (ISKA) vorgeschlagen. Der Ort für Familien in städtischer Trägerschaft steht zum Zeitpunkt der Berichtserstellung noch nicht fest, dafür werden 0,54 VK im Stellenschaffungsverfahren beantragt.

B) 2. Zusätzliche Fachkraft in Horten

Über diese Maßnahme werden in Horten Fachkräfte (an Stelle von Kinderpflegerinnen oder Kinderpflegern) finanziert, um die Qualität der Betreuung zu steigern. Ein höherer Fachkräfteanteil ist fachlich geboten, um die Kinder im Bildungsprozess stärker fördern zu können. Ziel der Jugendhilfe ist es, im Zusammenhang mit der geplanten Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbildung für Schulkinder im Grundschulalter, bestehende Fachkräftestandards nicht aufzuweichen. Allerdings erscheint es auch im Hinblick auf den zunehmenden Fachkräftemangel nicht wahrscheinlich, dass sich der Standard, ausschließlich oder deutlich mehr Fachkräfte in Horten einzusetzen, halten lassen wird, obwohl dies in Horten pädagogisch geboten wäre. Es wird vorgeschlagen, die Förderung von zusätzlichen Fachkräften für Horte im bisherigen Umfang bis auf Weiteres fortzusetzen (120.000 Euro) und die Entwicklung auf dem Fachkräftemarkt weiter im Blick zu behalten.

B) 3. Hortklassen

Ziel des Konzepts ist es, die Klassenbildung so zu gestalten, dass alle Kinder einer Klasse auch den gleichen Hort besuchen. Diese sogenannten Hortklassen werden in der Schule von einer Lehrkraft und im Hort von pädagogischen Fachkräften betreut, die eng zusammenarbeiten. Ziel ist eine abgestimmte, integrierte und ganztägige Bildung, die Bildungs- und Chancengleichheit der Kinder erhöht, die Kinder zum Lernen motiviert und Erziehung und Bildung als gemeinsame Aufgabe von Grundschule und Hort versteht, bei der beide Systeme miteinander auf Augenhöhe kooperieren. Das Konzept wurde bereits im gemeinsamen Jugendhilfe- und Schulausschuss am 03.07.2014 sowie im gemeinsamen Schul- und Jugendhilfeausschuss am 30.11.2017 vorgestellt und am 04.10.2018 im JHA fortgeschrieben. Die Umsetzung des Hortklassen-Konzepts erfordert zusätzliche personelle Ressourcen. Das Staatliche Schulamt der Stadt Nürnberg unterstützt das Hortklassen-Konzept durch zusätzliche Zuweisungen von Lehrerwochenstunden im Rahmen des Lehrerbudgets, sofern dies möglich ist. Das erfolgreiche Angebot an Hortklassen in Nürnberg soll abgesichert, verstetigt und moderat ausgebaut werden. Dazu sind drei Wochenarbeitsstunden pro Hortklasse erforderlich. Für 2020/2021 gibt es weiterhin 14 städtische Hortklassen. Für bis zu sechs Hortklassen in freigemeinnütziger und sonstiger Trägerschaft sind 17.600 Euro für das Jahr 2021 vorgesehen. Bisher konnten erst zwei Hortklassen in freier Trägerschaft beantragt und umgesetzt werden, das Interesse der Träger ist weiterhin hoch und weitere Hortklassen sind in Planung bzw. Vorbereitung.

3. Gesamtfinanzierung

Unter Berücksichtigung der Umwidmungen von finanziellen Mitteln soll die Förderung der freien und freigemeinnützigen Träger sowie der städtischen Einrichtungen über die Qualitative Weiterentwicklung im bisherigen Umfang fortgeführt werden.

Gesamt 2020 G esamt 2021
Sachkosten städt. K1 Sachkosten f r . Träger K3 Sachkosten städt. K1 Sachkosten f r . Träger K3
Gesamtansatz 2.533.960 249.820 2.284.140 2.533.960 320.820 2.213.140
Veränderung 2021-2020 0 71.000 -71.000

Sachkosten

städt.

K1

Sachkosten

f r . Träger

K3

Sachkosten

städt.

K1

Sachkosten

f r . Träger

K3

Die Berechnung der Förderhöhen basiert, wie in den Vorjahren, auf den durchschnittlichen Personalkosten der Stadt Nürnberg (hier: dPK 2020). Näheres zu Antragsmodalitäten, Berechnungsgrundlagen, Bewilligungskriterien der künftigen Konzeption sowie zu den Kosten werden in einer separaten Tabelle zusammengestellt (s. Beilage 3.3).

  1. Forcierte qualitative Weiterentwicklung der Krippen- und Kindergartenversorgung

Im CSU-Antrag vom 22.06.2020 wird auf die Sitzung des Jugendhilfeausschusses vom 18.06.2020 Bezug genommen, bei der die Fortschreibung der Kitaplanung behandelt wurde. Der CSU-Antrag verweist darauf, dass in der Nürnberger Südstadt, in der Weststadt und z.T. im Nürnberger Norden eine Unterversorgung mit Plätzen im dreistelligen Bereich besteht. Letztere ist zwar bei den Kindergärten nur zeitlich befristet zu erwarten, jedoch trotzdem erheblich. In den übrigen Stadtteilen v.a. im Nordosten, Osten und Südosten besteht kein langfristiger Kita-Bedarf in Krippen und Kindergärten mehr, der über die bisherigen Planungen hinausgeht. Um der Unterversorgung entgegen zu wirken, wurde das Kita-Notprogramm, das im gleichen Ausschuss vorgelegt wurde, gezielt für die Planungsregionen im Westen und Süden aufgelegt. Während im Nürnberger Westen bereits zahlreiche Maßnahmen konkret in Planung sind, reichen im Nürnberger Süden die geplanten Maßnahmen noch nicht annähernd aus, um den langfristigen Bedarf zu decken. Es wurde deshalb in aller Deutlichkeit darauf hingewiesen, dass für einen ausreichenden Ausbau insbesondere im Krippen-, aber besonders im Kindergartenbereich in der Südstadt der Ankauf, die Erbpacht oder allgemein die Sicherung von Gemeinbedarfsflächen durch die Stadt Nürnberg unerlässlich ist, weil hier selbst freie Investoren keine ausreichenden Flächen für neue Kindertageseinrichtungen finden oder nicht dafür entwickeln wollen.

Mit folgenden Maßnahmen versucht die Stadt Nürnberg trotz der großen Herausforderungen die Bedingungen für eine gute Integrationsarbeit in diesen Gebieten zu verbessern:  Am Aufseßplatz gibt es Planungen für einen Kindergarten mit 75 Plätzen. Darüber hinaus wird das Jugendamt dem Bauträger vorschlagen, zusätzliche Räume für ein Familienzentrum zu berücksichtigen. Ein Familienzentrum könnte in dieser zentralen und gut zugänglichen Lage der Südstadt eine wichtige Bildungs- und Beratungsfunktion einnehmen.  An der Dianastraße wird für den städtischen Kindergarten an der Heisterstraße mit 50 Plätzen ein Ersatzneubau geschaffen, der auf 75 Plätze aufgestockt werden wird, um den örtlichen Bedarf teilweise mit abzudecken.  An der Volkmannstraße soll eine große Kindertageseinrichtung, ein Ersatzstandort für das marode Kinder- und Jugendhaus „Linie 6“ in der Brehmstraße sowie auch für den Aktivspielplatz Südstadtinsel errichtet werden, der wegen des geplanten Ausbaus des Frankenschnellwegs für längere Zeit seinen Standort verlieren wird. Diese Planungen sind noch nicht gesichert und das Ansinnen sollte dringend von allen Seiten weiter unterstützt werden. Mit einem Kita-Neubau könnte die Platzzahl nicht nur dort, sondern auch am Herschelplatz erweitert werden, indem der bestehende Kindergarten nicht nur durch einen Neubau an der Volkmannstraße ersetzt, sondern am jetzigen Standort auch um 50 Plätze erweitert werden könnte.  Überdies ist es in der Gibitzenhofstraße gelungen, dass eine aufgegebene stark sanierungsbedürftige Kindertageseinrichtung doch noch durch einen Investor generalsaniert wird. Dadurch können 50 Plätze gesichert werden.  Einen sehr wichtigen Beitrag für die Kita-Versorgung in der Südstadt leistet auch das Haus für Kinder von Kinderhaus Nürnberger gGmbH in der Unteren Mentergasse 2. Hier werden seit der Inbetriebnahme 2015 25 Krippen-, 75 Kindergarten- und 50 Hortplätze angeboten.  Außerdem wurden die Einrichtung der evangelischen Christusgemeinde an der Tafelfeldstraße 67 generalsaniert, 2018 mit 66 Kindergarten- und 44 Hortkindern in Betrieb genommen und mittlerweile auch zum Ort für Familien weiterentwickelt. Ab 1. September 2020 wird das Mengengerüst aufgrund der erhöhten Nachfrage im Kindergartenbereich auf 75 Kindergarten- und 35 Hortplätze geändert.  Auch im Westen werden zahlreiche Kindertageseinrichtungen geplant und realisiert. Dazu zählt das städtische Familienzentrum in der Rothenburger Straße, das 2018 nach seiner Auslagerung und Sanierung wieder in Betrieb ging.  Im Frühjahr 2021 werden zwei sogenannte Regionalkindergärten in der Großreuther Straße (Nordstadt) und der Zugspitzstraße (Langwasser) in Betrieb gehen, die auch den überregionalen Kindergartenbedarf abdecken sollen und nachrangig zu den dortigen Bestandseinrichtungen unversorgte Kinder aufnehmen sollen. Leider ist es trotz erheblicher

Bemühungen nicht gelungen, auch in der Süd- und Weststadt einen solchen Regionalkindergarten zu realisieren, weil keine geeigneten Flächen akquiriert werden konnten

Überlegungen, Kindergartenkinder mit Hilfe von Fahrdiensten in weiter entfernte Kindertageseinrichtungen zu bringen, wurden wieder verworfen. Anders als bei den Zentralhortlösungen findet dieser Ansatz bei den Eltern keine Akzeptanz: Die Eltern waren anlässlich der Generalsanierung des städtischen Kindergartens Am Stadtpark höchst besorgt um ihre Kinder und haben den Transport in eine weiter entfernte Einrichtung abgelehnt. Neben den Sicherheitsbedenken der Eltern gab es auch große Unterschiede bei den Buchungszeiten und den damit verbundenen logistischen Herausforderungen. Die Kinder werden nun in einem Hortcontainer auf dem Gelände der Friedrich-Hegel-Schule betreut, während die Hortkinder in die Zwischenlösung gefahren werden. Abgesehen von den hohen Transportkosten ist es sehr schwer, die Eltern von solchen Betreuungskonzepten mit weiter entfernt liegenden Kitas mit Fahrdienst zu überzeugen.

Wie bereits dargestellt, fehlt es vor allem in der Südstadt überhaupt an den Möglichkeiten für den Kita-Ausbau. Dieser Mangel lässt sich für die Kinder nicht adäquat und im notwendigen Umfang durch qualitative Maßnahmen kompensieren. Der qualitative Ausbau und die Weiterentwicklung der pädagogischen Qualität liegt uns jedoch sehr am Herzen und hat eine tragende Bedeutung in der Kindertagesbetreuung. Gerade in der Süd- und Weststadt kommen besonders viele Maßnahmen, Angebote und Konzepte, die von der jeweiligen Kindertageseinrichtung an die Familien gerichtet sind, zum Einsatz: Insgesamt gibt es in der Stadt Nürnberg aktuell 31 Orte für Familien und 12 Familienzentren. Davon sind in der Planungsregion Weststadt 8 Orte für Familien und 5 Familienzentren eingerichtet worden. In der Planungsregion Südstadt wurden insgesamt 6 Kindertageseinrichtungen zu Orten für Familien und 4 Kitas zu Familienzentren entwickelt, u.a., um die Eltern bei ihrer Erziehungsaufgabe, aber auch bei der Bewältigung anderer persönlicher und wirtschaftlicher Herausforderungen zu unterstützen oder auch um passende Angebote für die Erwachsenenbildung durchzuführen. Zusammen mit den neuen Orten für Familien, die 2020 und 2021 an den Start gehen werden (siehe oben B) 1.), werden mehr als die Hälfte der Orte für Familien und nahezu alle Familienzentren im westlichen und südlichen Stadtteilen Nürnbergs verortet sein. Es gibt jedoch nach wie vor hochverdichtete Stadtteile innerhalb der Südstadt wie Galgenhof und Steinbühl, in denen es noch kein Familienzentrum gibt und wo noch Ausbaubedarf besteht.

Ergänzend dazu wird in den nächsten Monaten sukzessive die Fachstelle Inklusion beim Jugendamt/Bereich 3 eingerichtet und weiterentwickelt, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kitas u.a. bei herausfordernden Fällen der Kinderbetreuung und Familienberatung, besonders aber bei der Inklusion und Integration von Kindern in der Einrichtung beraten und unterstützen. Auch dieses Angebot wird sich zunächst auf Einrichtungen in den Gebieten mit besonderen Belastungen richten. Daneben werden beim städtischen Träger auch Sprachberaterinnen und Sprachberater eingestellt, die den Bereich der sprachlichen Entwicklung in den Kitas vor Ort unterstützen werden.

V.a. im Nürnberger Westen wurde das oben unter B) 3. beschriebene Konzept der Hortklassen umgesetzt. Als die wichtigsten Standorte, an denen das Konzept entwickelt wurde, gelten die Horte in der Wanderer- und Grünewaldstraße. Aber auch an der Ossietzkystraße wurde das Konzept bereits umgesetzt. Neu hinzu kommt u.a. der Hort Herriedener Straße. Bei den freien Trägern wird das Konzept im Westen durch das Haus für Kinder Frauenholzstraße 10 und im Süden durch das Haus für Kinder in der Straßburger Straße 10 mit der jeweiligen Schule umgesetzt. Wie oben bereits dargestellt, ist für 2021 der weitere Ausbau vorgesehen. Ideal wäre es, wenn an Grundschulen der Südstadt wie der Kopernikus-, Wiesen- oder Herschelschule ebenfalls das Konzept der Hortklassen zum Einsatz käme.

In den genannten Stadtgebieten wird darüber hinaus besonderes Augenmerk darauf gerichtet, dass die dort vertretenen Institutionen und Vereine bestmöglich miteinander vernetzt sind, u.a. in Stadtteilarbeitskreisen und auch durch die Betreuung von Stadtteilkoordinatorinnen, um die

bestehenden Ressourcen im Sinne einer guten Zusammenarbeit mit den Kindern und Familien zielgerecht zu koordinieren und zu bündeln.

Eine sehr wichtige Unterstützung bei pädagogischen, persönlichen und anderen Fragen stellt die Erziehungsberatung dar, die in den jeweiligen Standorten und Stadtteilen ebenfalls ein wichtiger Player im sozialen Netzwerk darstellt und in der Kooperation mit den Kindertageseinrichtungen hochgeschätzt sind. Hier ist trotz ihres sehr hohen Bedarfs die Südstadt bisher unterversorgt geblieben. Jetzt eröffnet sich am Aufseßplatz u.U. die Möglichkeit, dass für die außerordentlich dringend benötigte Beratungsstelle geeignete Räumlichkeiten geschaffen werden könnten, unter TOP 2 des JHA vom 17.09.2020 wird dem Ausschuss dazu ein Bericht und ein fachlicher Beschluss vorgelegt.

Darüber hinaus wird von den zwei Betriebsträgern STAPF und Stadtmission forciert, jeweils eine Heilpädagogische Tagesstätte für Kinder im Kindergartenalter im Süden und Westen in Betrieb zu nehmen. Diese Einrichtungen werden von Kindern besucht, die einen besonders hohen Förderbedarf haben und oft selbst in dem besonderen fachlichen und personellen Setting einer integrativen Kindertageseinrichtung nicht mehr adäquat gefördert werden können. Bisher müssen die Kinder in die Einrichtungen in der Pilotystraße oder Schafhofstraße der Stadtmission gebracht werden. Diese große räumliche Entfernung stellt für viele Familie eine nicht zu überwindende Hürde dar. Die Verwaltung hofft daher sehr, dass die beiden Standorte realisiert werden können.

Es gibt im Umfeld vieler Gemeinschaftsunterkünfte (GUs) für die dort lebenden Kinder kein ausreichendes Angebot an Kindertageseinrichtungen. Deshalb wurden an diesen GUs mit einem hohen Anteil von Kindern im Kita-Alter betreute Spielgruppen eingerichtet. In der Erstaufnahmestelle in den Grundigtürmen (Süden) sind die zwei Spielgruppen mit vier Tagespflegepersonen ab August 2020 wieder angelaufen. Die Finanzierung erfolgt wie bisher über das Staatsministerium bzw. die Regierung von Mittelfranken. Die Spielgruppe in der Erstaufnahmestelle Witschelstraße (Süden) kann leider nicht wiederaufgenommen werden, weil bedingt durch die eingeschränkten räumlichen Gegebenheiten - notwendige Hygienemaßnahmen nicht eingehalten werden können. Bereits ab 01.07.2020 sind die Spielgruppen in den städtischen Gemeinschaftsunterkünften Vogelweiherstraße (Süden) und Andernacher Straße (Norden) wieder angelaufen, wo die Kinder dreimal wöchentlich ein Spielangebot erhalten. Vor allem über die Sozialdienste der GUs wird der ggf. vorhandene weitere Bedarf gemeldet, so dass das Angebot von Spielgruppen ausgeweitet werden kann, wenn räumliche und personelle Voraussetzungen erfüllt werden.

Darüber hinaus werden auch über das Bundesprojekt Kita-Einstieg durch St. Ludwig in der Südstadt und der ISKA in der Weststadt vom Bund geförderte Übergangsbegleiterinnen eingestellt, die mehrfach die Woche Kindergruppen anbieten bzw. mit bestehenden Eltern-Kindgruppen kooperieren und den Familien das System der Kindertagesbetreuung näherbringen. Das Bundesprogramm wurde bis Ende 2022 verlängert und soll ggf. verstetigt werden.

Einhellige Meinung unter den Fachleuten ist es, dass in der Süd- und Weststadt möglichst keine weiteren kurzfristigen Projekte initiiert und umgesetzt werden sollten, die dann vielfach aus finanziellen Gründen nicht verstetigt werden können. Vielmehr sind langfristige und finanziell abgesicherte Maßnahmen erforderlich, um den hohen Entwicklungsbedarf zu decken.

Unabhängig von den genannten Maßnahmen besteht in der West- und Südstadt ein sehr hoher Bedarf an Bewegungsangeboten, Spielplätzen und Sportplätzen und ein hoher Beratungsund Angebotsbedarf auch in Bezug auf die offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Insbesondere der Jugendtreff Anna am Annapark sollte sich zu einem Kinder- und Jugendhaus entwickeln. Die Einrichtung soll personell zu einem Kinder- und Jugendhaus erweitert werden. Mit innovativen Konzepten wird dieses Kinder-und Jugendhaus im Herzen der hochverdichteten Südstadt den hohen Beratungs- und Förderbedarf sowohl für Kinder als auch für Jugendliche durch Streetwork und zahlreiche andere Angebotsformen aufgreifen und abdecken.

In den Einrichtungen der frühkindlichen Betreuung, Erziehung und Bildung, der Offenen Kinder- und Jugendarbeit sowie auf Spiel- und Sportflächen werden wesentliche Integrationsleistungen erbracht. Hier scheitern wichtige Planungen sehr oft an der Verfügbarkeit geeigneter Flächen und Räume. Umso wichtiger ist es im Sinne der hier aufwachsenden Kinder, dass aufgesetzte Planungen, wie etwa am Aufseßplatz oder in der Volkmannstraße, realisiert werden können.

Konkretisierung der Maßnahmen und Umsetzung – Qualitative Weiterentwicklung der Kindertagesbetreuung – Fortschreibung 2021

Maßnahme/ Höhe der Fördermittel Verteilungsquote Verfahren Vergabekriterien
Zielsetzung
A) 1 Kitaförderung Plus Gesamtfördermittel in 2021: 271.710 € freie Träger 47,000 € städt. Träger Einzelförderung pro Platz / Jahr: 30 € (durchschnittlich belegte Plätze zum 31.12. des Vorjah- res), jedoch mindestens 1.000 € pro Einrichtung pro Jahr Die Fördermittel werden wie folgt verteilt: Sozialraumzugehörigkeit: - 70 Prozent für Kinderta- geseinrichtungen mit be- sonderem Entwicklungsbe- darf (Sozialraumtyp 3) und mit Entwicklungsbedarf (Sozialraumtyp 2) - 30 Prozent für Kinderta- geseinrichtungen in ande- ren Stadtteilen - Antragstellung durch Träger inklusive Angabe über konkret geplante Projekte, Ziele der Maßnahmen und geplante Kosten bis zum 30.09. für das Folgejahr - Überprüfung der Anspruchsberechtigung und Auswertung der Anträge nach den Kriterien durch die Verwaltung, evtl. Beratung zur Über- arbeitung des Antrages durch die Fachbera- tungen, um Förderfähigkeit zu erreichen - Abstimmung über geplante Projekte mit der AG QW im November des Vorjahres - Mitteilung über Förderung im Folgejahr - Verbescheidung der Anträge im April des För- derjahres - Evtl. Rücksprache mit dem Jugendamt über Änderungen bei der Durchführung der Pro- jekte und Genehmigung - Verwendungsnachweis inklusive Rechnungen (als förderfähige Kosten bei geänderten Pro- jekten werden nur solche anerkannt, die mit dem Jugendamt abgesprochen und geneh- migt waren) und Darstellung der Zielerrei- chung; nicht ausgegebene Mittel werden zu- rückerstattet. Fehlende Verwendungsnach- weise können zu einer Rückforderung der ge- samten Förderung führen. Innerhalb der Sozialraumzuge- hörigkeit wird eine Priorisierung nach dem Anteil 1. des Gewichtungsfaktors 1,3 und 2. der Anzahl der Kinder mit Kita-Gebührenübernahme- bescheid im Verhältnis zu den durch- schnittlich belegten Plätzen der Einrichtung vorgenommen. Nach einer Förderperiode soll anderen Einrichtungen vorrangig eine Förderung gewährt werden Förderfähig sind Angebote, Pro- jekte, Referenten und Fortbil- dungen. In begründeten Einzel- fällen können Sachmittel zur An- schaffung von Mobiliar und Ge- räten gewährt werden.
A) 2 Elternbegleiter- innen und El- ternbegleiter Ausbau um 17 von 33 auf 50 Einrichtungen freier Träger Gesamtfördersumme 2020: 96.700 € 2021: 146.250 € Förderung pro Einrichtung: Kos- ten entsprechend 2 WAS ein- gruppiert in S8a für die Freistel- lung der ausgebildeten Elternbe- gleiter; Städt. Träger Ausbau um 10 von 17 auf 27 Einrichtungen Gesamtfördersumme 2020: 49.800 € 2021: 78.975 € Keine Quotierung, Vergabe nach Antragseingang - Antragstellung durch Träger bis zum 30.09.für das Folgejahr - Im November eines jeden Jahres erfolgt eine Mitteilung über die Förderfähigkeit - April Zugang des Förderbescheides nach Ge- nehmigung des Haushaltes durch die Regie- rung Mittelfranken - Zum 31.03. des Folgejahres Abgabe des Ver- wendungsnachweises Priorisierung nach Sozialraum- typ 2 und 3
Maßnahme/ Höhe der Fördermittel Verteilungsquote Verfahren Vergabekriterien
Zielsetzung
A) 3 Frühstart 15.000 € für Fortbildungen in Einrichtungen freier Träger und städtischen Einrichtungen Ausschreibung und Vergabe über Fachstelle PEF:SB Vorrangig für Einrichtungen, die bisher keine Frühstart-Beratung erhalten haben
A) 4 Qualifizie- rungsförde- rung Gesamtfördermittel pro Jahr: 40.000 € Einzelförderung: Für die Teil- nahme an einem Qualifizie- rungskurs ist eine Bezuschus- sung in Höhe der Kosten der Qualifizierungsmaßnahme abzü- glich eines Eigenanteils von 500 € möglich; maximal jedoch 2.000 € Keine Quotierung, Vergabe nach Antragseingang - Ganzjährige Antragstellung durch interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer möglich, je- doch muss Antragstellung vor Beginn der Qualifizierungsmaßnahme eingegangen sein. - Mitteilung über Förderfähigkeit - Verbescheidung des Antrages und Auszah- lung eines Anteiles der Förderung zu Beginn der Qualifizierungsmaßnahme. - Mitteilung über Änderungen in Bezug auf An- schrift, Kontodaten, beschäftigter Einrichtung, Abbruch der Qualifizierungsmaßnahme - Nach Abschluss der Qualifizierungsmaß- nahme Zusendung des Verwendungsnachwei- ses - Evtl. Rückforderung bei Wechsel zu einer Ein- richtung, die sich nicht in Nürnberg befindet, kein Abschluss oder Abbruch der Qualifizie- rungsmaßnahme Folgende Voraussetzung für die Bezuschussung müssen erfüllt werden: 1. Zusage für eine Qualifizie- rungsmaßnahme mit Ab- schluss zur Anrechnung als pädagogische Fachkraft 2. Eigenanteil der Antragstelle- rin/ des Antragstellers an den Kursgebühren i. H. v. 500 € 3. Befürwortung durch den Trä- ger bei dem die Antragstelle- rin/ der Antragsteller beschäf- tigt ist 4. Nachträglich kann die Förde- rung gekürzt werden, wenn die Antragstellerin/ der Antrag- steller nicht mehr im Stadtge- biet Nürnberg beschäftigt ist. 50 % im ersten Jahr und 25 % im zweiten Jahr nach Ab- schluss des Berufspraktikums
A) 5 Mama und Papa starten durch 2021: 12.000 € Ausschreibung an die städt. und Kitas freier Trä- ger durch J/B4-2: im Juli Umsetzung: Oktober/November Vorwiegend Familien mit Flucht- und Migrationshintergrund 7-10 Teilnehmer*innen Priorisierung nach der höchsten Teilnehmer*innenzahl; Priorisierung nach Sozialregion, - war beides bisher nicht erfor- derlich
A) 6 Schultüte 2021: 12.000 € Ausschreibung an die städt. und Kitas freier Trä- ger durch J/B4-2: im Oktober/November vor Um- setzung Umsetzung: Jan/Feb des jeweiligen Jahres Vorwiegend Familien mit Flucht- und Migrations- hintergrund 7-10 Teilnehmer*innen 1. Priorisierung nach der höchs- ten Teilnehmer*innenzahl; 2. Priorisierung nach Sozialre- gion - war beides bisher nicht erfor- derlich
B) 1 Kita als „Ort für Fami- lien“ Förderung der bestehenden städtischen Orte für Familien (ab 2021: Ausbau um einen Standort von 14 auf 15 Einrich- tungen) und Orte für Familien freier Träger (ab 2021: Ausbau um 2 Standorte von 18 auf 20 Einrichtungen) Projektmittel pro Einrichtung: 40 € pro durchschnittlich beleg- ten Plätzen zum 31.12. des Vor- jahres, mindestens jedoch 2.500 €; Zuschuss zur Verbesserung des Anstellungs-schlüssels von 1:10,5 auf 1:10,0 Zuschuss zur Teilfreistellung der Leitung i. H. v. fünf WAS (2021 max.7.300 €); Berechnung an- hand der städt. Durchschnitts- personalkosten EG S8a (57.038 €) Für den Ausbau waren/ sind fol- gende Stadtteile/ Bezirke vorge- sehen: Muggenhof (Bezirk 65), Himpfelshof (Bezirk 5), Schweinau (Bezirk 19), Steinbühl (Bezirk 16), Gugelstraße (Bezirk 15), Sandreuth (Bezirk 18), Dianastraße (Bezirk 43) St. Leonhard (Bezirk 20) Röthenbach Ost (Bezirk 52) Galgenhof (Bezirk 13) Großreuth bei Schweinau (Be- zirk 60) Eberhardshof (Bezirk 64) Entscheidend sind zudem die Anzahl der Kinder mit Gewich- tungsfaktor 1,3 und die Anzahl der Kinder mit Kita-Gebühren- übernahmebescheid in der je- weiligen Einrichtung - Ausschreibungsverfahren für Einrichtungen in den ausgewählten Stadtteilen: - Antragstellung mit Kurzkonzept (inhaltliche Schwerpunktsetzung, geplantes Leistungsan- gebot, mögliche/geplante Kooperations- partner, besondere Zielgruppe und ggf. Raum- konzept), Absichtserklärung des Trägers zur Umsetzung des Konzeptes und Bereitstellung der personellen Ressourcen (Anstellungs- schlüssel von 1:10,5) - Vorabprüfung und Bewertung der Anträge so- wie Erstellung einer Vorschlagsliste durch Verwaltung - Abstimmung der Vorschlagsliste mit der AG QW und Entscheidung. Verbescheidung der Anträge. - Verwendungsnachweis (Sachbericht, zahlen- mäßiger Nachweis inklusive Einzelaufstellung der Zahlungsvorgänge) Bei der Auswahl der neuen Standorte werden folgende Kri- terien bewertet: 1. Erfüllung der formalen Vo- raussetzungen. 2. Trägervielfalt im Stadtteil. 3. Geeignetheit des Kurzkon- zepts zur Erfüllung der Stan- dards (Kitas als Ort für Fami- lien) 4. Realisierungspotenzial Die Auswahl der neuen Stand- orte ist abhängig von der Ge- samtbewertung der o.g. Krite- rien.
B) 1 Kita als „Fami- lien-zentrum“ Förderung der bestehenden städtischen Familienzentren (5 Einrichtungen) und Familien- zentren freier Träger (7 Einrichtungen) Projektmittel: pro Einrichtung: 140 € Projektmittel pro durch- schnittlich belegten Plätzen zum 31.12. des Vorjahres, maximal jedoch 12.000 €; Zuschuss zur Verbesserung des Anstellungsschlüssels von 1:10,5 auf 1:10,0 Freistellung der Leitung: Berechnung anhand der städt. Durchschnittspersonalkosten EG S8a (57.038 €) Coaching- prozesse bis zu 1.000€ pro Jahr können über das Projektmittel- budget finanziert werden; An- schaffungen von Geräten und Mobiliar sind im Regelfall bis zu 20 % der Gesamtprojektmittel pro Einrichtung möglich Zeitraum der Förderung: fortlau- fend mit jährlicher Beantragung
B) 2 Zusätzliche Fachkräfte in Horten und Kindergärten 2021: 120.000 € ausschließlich für Fachkräfte in Horten freier Träger Förderung pro Einrichtung: 5.600 € pro Vollzeitstelle; es können bis zu 10 % Erhöhung des Fachkraftanteils (über dem gesetzlich geforderten Fach- kraftanteils) beantragt werden, dies wird dann auf halbe Stellen gerundet gefördert. - Bisher förderberechtigte Einrichtungen können Anträge im üblichen Umfang zum. 30.09. stel- len - Im November eines jeden Jahres erfolgt eine Mitteilung über die Förderfähigkeit - April des Jahres: Zugang Förderbescheid nach Genehmigung des Haushaltes durch die Regierung Mittelfranken - Zum 31.03. des Folgejahres Abgabe des Ver- wendungsnachweises inklusive der Angabe der tatsächlichen Personalkosten der förderfä- higen Fachkraft sowie der Angabe der Kosten einer Ergänzungskraft bei Neuanstellung - Evtl. Rückforderung, falls Differenz der ange- gebenen Kosten im Verwendungsnachweis unter 5.600 € liegen Bei Neuanträgen wird analog der KitaPlus-Förderung abhän- gig vom Sozialraum, dem Anteil der Kinder mit Migrationshinter- grund und der Anzahl der Kinder mit Kita-Gebührenübernahme- bescheid ein Ranking erstellt.
B) 3 Hortklassen Gesamtfördersumme für freie Träger: 2021: 17.600 € Förderung pro Einrichtung: Kos- ten entsprechend 3 WAS ein- gruppiert in S8a für die Freistel- lung der Fachkräfte Gesamtfördersumme für städti- sche Einrichtungen: 2021: 61.600 € - Antragstellung durch Träger bis zum 30.09. für das Folgejahr - Im November eines jeden Jahres erfolgt eine Mitteilung über die Förderfähigkeit - April Zugang des Förderbescheides nach Ge- nehmigung des Haushaltes durch die Regie- rung Mittelfranken - Zum 31.03. des Folgejahres Abgabe des Ver- wendungsnachweises Bei der Auswahl der neuen Standorte werden folgende Kri- terien bewertet: 1. Umsetzungskonzept 2. Geeignetheit des Standortes 3. Trägervielfalt im Stadtteil

Fraktion der Christlich-Sozialen Union im Stadtrat zu Nürnberg

CSU-Stadtratsfraktion Rathausplatz 2 90403 Nürnberg Wolffscher Bau des Rathauses Zimmer 222 Herrn Oberbürgermeister Rathausplatz 2 Marcus König 90403 Nürnberg Rathausplatz 2 Telefon: 0911 231-2907 90403 Nürnberg Telefax: 0911 231-4051 E-Mail: csu@stadt.nuernberg.de www.csu-stadtratsfraktion.nuernberg.de

22.06.2020 Prof. Dr. Scheurlen

J

Forcierte qualitative Weiterentwicklung der Krippen- und Kindergartenversorgung

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

in der ersten Sitzung des JHA der aktuellen Stadtratsperiode wurde die prospektive kleinräumige Bedarfsent­ wicklung von Versorgungsplätzen von KiTa, Tagespflege und Kindergarten vorgestellt.

Dabei zeigt sich, dass in den neu vorgestellten zehn Planungsregionen insbesondere in der Nürnberger Südstadt, im Westen und z.T. im Norden Nürnbergs eine dreistellige Unterversorgen besteht bzw. sich innerhalb der nächs­ ten Jahre entwickeln wird.

Das ist zum einen ein rein quantitatives Problem von Betreuungseinrichtungen, das sich bekannter Weise in den fehlenden umsetzbaren Betreuungseinrichtungen, Immobilien oder Baugrundstücken gründet.

Auf der anderen Seite ist festzustellen, dass gerade in den angesprochenen Regionen auf Grund der dort beste­ henden Bildungs- und Sozialstrukturen die frühkindliche Bildung auch außerhalb der Familien von allergrößter Bedeutung ist, um den heranwachsenden Kindern und Jugendlichen einigermaßen gleichwertige Bildungschan­ cen zu ermöglichen.

Ist dies nicht gewährleistet, so erhöht sich die Gefahr, dass sich bildungspolitische und sozialpolitische Probleme und Defizite über weitere Generationen „vererben". Dieses Problem ist nicht hinnehmbar.

Die CSU-Stadtratsfraktion stellt daher zur Behandlung im zuständigen Ausschuss folgenden

Antrag:

Das Jugendamt stellt die aktuellen Aktivitäten dar, wie in welchen Bereichen in Form von Notpro­ grammen der Problematik kleinräumig (!) entgegengewirkt wird.

Welche der oben angesprochenen Bereiche werden noch nicht hinreichend erfasst?

A20061800 Kitaentwicklung.docx

Das Jugendamt entwickelt kurzfristig weitere Konzepte, wie die frühkindliche Bildung von Kindern und Jugendlichen vorrangig in den oben angesprochenen Regionen verbessert werden kann. Dies kann z. B. darin bestehen, dass größere Aktivitäten bei kindgerechten Transporten in andere Ein­ richtungen entwickelt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Krieglstein Fraktionsvorsitzender

A20061800 Kitaentwicklung.docx

Beratung Datum Behandlung Ziel

Jugendhilfeausschuss 17.09.2020 öffentlich Bericht

Betreff:

Corona-Auswirkungen auf freie und freigemeinnützige Kita-Träger in Nürnberg

hier: Antrag der Stadtratsfraktion Bündnis90/Die Grünen vom 05.05.2020

Anlagen: Corona-Auswirkungen Antrag_Corona- Auswirkungen auf die freien Träger von Kitas_Die Grünen

Bericht:

Die Corona-Pandemie sowie der damit verbundene Lock-Down führten in den Kindertageseinrichtungen zu grundlegenden Einschnitten: Auf Weisung des Freistaats Bayern wurde der Regelbetrieb ab Mitte März 2020 eingestellt, nur Angebote der Notbetreuung waren bis zum 1. Juli 2020 zulässig. Die Regelförderung des Freistaats Bayern und der Stadt Nürnberg flossen während dieser Zeit in voller Höhe weiter. Um die Einnahmeausfälle bei den Elternbeiträgen auszugleichen und die Eltern zu entlasten, gewährt der Freistaat Bayern auf Intervention der Träger und des Städtetags hin für die Monate April bis Juni 2020 außerdem einen nach Einrichtungsart gestaffelten Elternbeitragszuschuss. Die nun gewährten pauschalen staatlichen Zuschüsse des Freistaats Bayern reichen allerdings nach Aussage der freien und freigemeinnützigen Träger in vielen Fällen nicht aus, die Einnahme- und Forderungsausfälle komplett zu kompensieren. Daher wandten sich die Träger an die Stadt Nürnberg, mit der Bitte, hier einen weiteren finanziellen Ausgleich zu schaffen. Der Stadtspitze ist die angespannte finanzielle Lage einiger Träger bewusst. Nach intensiven verwaltungsinternen Beratungen mit Herrn Oberbürgermeister und dem Kämmerer sieht die Stadt Nürnberg vor dem Hintergrund der extrem schwierigen Haushaltssituation aber keine Möglichkeit, einen freiwilligen Zuschuss an die Kita-Träger zu gewähren.

Bezug zum Orientierungsrahmen für eine nachhaltige Jugend-, Familien-, Bildungs- und Sozialpolitik: Leitlinie 1: Familie stärken, Erziehung unterstützen Leitlinie 2: Bildung fördern, früh beginnen

  1. Finanzielle Auswirkungen:

Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

(→ weiter bei 2.)

Nein (→ weiter bei 2.)

Ja

Kosten noch nicht bekannt

Kosten bekannt

Gesamtkosten € Folgekosten € pro Jahr

dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum

davon investiv € davon Sachkosten € pro Jahr

davon konsumtiv € davon Personalkosten € pro Jahr

Stehen Haushaltsmittel/Verpflichtungsermächtigungen ausreichend zur Verfügung?

(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:

Nein (→ weiter bei 3.)

Ja

Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans

Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)

Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt

2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)

Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

  1. Diversity-Relevanz:

Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja

RA (verpflichtend bei Satzungen und Verordnungen)

Ref. I/II

Bericht

Corona-Auswirkungen auf freie und freigemeinnützige Kita-Träger in Nürnberg

1. Ausgangssituation

Die Corona-Pandemie sowie der damit verbundene Lock-Down führten in den Kindertageseinrichtungen zu grundlegenden Einschnitten: Auf Weisung des Freistaats Bayern wurde der Regelbetrieb ab Mitte März 2020 eingestellt, nur Angebote der Notbetreuung waren noch zulässig. Das verhängte Betretungsverbot wurde erst zum 1. Juli 2020 aufgehoben, seitdem (Sachstand Ende August) befinden sich die Einrichtungen im sog. eingeschränkten Regelbetrieb, d.h. alle Kinder, die keine Krankheitssymptome aufweisen, die in den letzten 14 Tagen keinen Kontakt zu einer infizierten Person hatten und nicht unter Quarantäne stehen, dürfen die Einrichtungen wieder regulär und zu den üblichen Buchungszeiten besuchen.

2. Laufende Finanzierung und zusätzliche Fördermaßnahmen für Kita-Träger

Parallel zum verhängten Betretungsverbot in Kindertageseinrichtungen informierte das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales (StMAS) Mitte März, dass die staatliche Regelförderung für Kitas, die sich an der Einrichtungsart (Buchungsfaktor) und den Buchungszeiten orientiert, während des Betretungsverbots weitergewährt wird, unabhängig davon, ob bzw. in welchem Umfang Kinder eine Einrichtung besuchen. Entsprechend leisteten die Kommunen in gleicher Höhe wie der Freistaat Bayern ihren Anteil an der Kita-Regelförderung. Auch weitere Förderelemente, wie z.B. der Qualitätsbonus, der nur vom Freistaat getragen wird, wurden weitergewährt. Im Vergleich zu anderen Rettungsschirmen, die zwischen 60% und 80% Umsatzeinbußen o.ä. abdecken, liegt diese „Rettungsmaßnahme“ durch Weiterfinanzierung der staatlichen und kommunalen Regelförderung für viele Einrichtungen bereits in einer vergleichbaren Größenordnung.

Auf intensive Intervention der Träger und des Städtetags hin hat, nach einer entsprechenden Ankündigung des Ministerpräsidenten Ende April, der Freistaat am 2. Juni 2020 die Richtlinie zur Erstattung von Elternbeiträgen in der Kindertagesbetreuung und der Tagespflege mit einem Gesamtvolumen von rd. 170 Mio. EUR erlassen. Hintergrund ist, dass in den Entgeltvereinbarungen bzw. Satzungen häufig Rückerstattungsansprüche der Eltern gegenüber den Trägern enthalten sind, so dass die Elternbeiträge von Mitte März bis Ende Juni 2020 nicht erhoben werden können. So drohten nicht unerhebliche Einnahmeausfälle bei allen Trägern zu entstehen. Der Freistaat Bayern erstattet nun einmalig für jeden regulär belegten Platz, der nicht als Notbetreuungsplatz von Eltern in Anspruch genommen wurde, für die Monate April bis Juni 2020 300 EUR für einen Krippenplatz, 50 EUR für einen Kindergartenplatz, 100 EUR für einen Hortplatz sowie 200 EUR für einen Platz in der Tagespflege. Außerdem werden die 100 EUR Elternbeitragszuschuss für alle Kindergartenkinder, unabhängig von der Notbetreuung, den Trägern weiterhin ausbezahlt, so dass die Erstattung für Kindergartenplätze de facto 150 EUR pro Platz beträgt. Voraussetzung für die Inanspruchnahme der pauschalen Erstattungen durch den Freistaat ist, dass Träger sich insgesamt verpflichten, auf Elternbeiträge in den Monaten April bis Juni 2020 zu verzichten.

Darüber hinaus besteht für Träger der Jugendhilfe die Möglichkeit, Kurzarbeit zu beantragen. Weiterhin hat der Bundesgesetzgeber bzw. der Freistaat Bayern Schutzmaßnahmen für die bayerische Sozialwirtschaft aufgelegt: das Sozialdienstleister-Einsatzgesetz (SodEG) des Bundes und das bayerische Soforthilfeprogramm Corona für gemeinnützige Einrichtungen mit bis zu 250 Beschäftigten. Ganz aktuell startete jetzt noch das Corona-Kreditprogramm für gemeinnützige Organisationen in Bayern. Diese Rettungsschirme sollen Jugendhilfeträger stützen, falls diese insgesamt in eine finanziell existenzgefährdende Situation kommen. Die

Stadt Nürnberg hat darüber hinaus allen Trägern angeboten, durch vorgezogene Abschlagszahlungen o.ä. Liquiditätsengpässe zu überbrücken.

Auch die Eltern, die ggf. wegen Kurzarbeit oder Verlust des Arbeitsplatzes in finanzielle Nöte kamen und kommen, werden unbürokratisch und auf schnellem Weg unterstützt: Für die Beantragung des Kinderzuschlags (KiZ und Notfall-KiZ), von Leistungen nach dem SGB III und SGB II sowie beim Wohngeld gibt es vereinfachte Anträge, die meist nur noch auf die aktuellen Einkünfte abstellen. So können Eltern kurzfristig finanzielle Leistungen erhalten, und die Gewährung dieser Leistungen führt parallel zu einer kompletten Gebührenübernahme durch die Stadt Nürnberg – dies allerdings nur für den Zeitraum, in dem das Kind die Kindertageseinrichtung besucht, sei es in der Notbetreuung oder regulär. Alleine die Zahl der Kinder, die einen Kinderzuschlag erhalten, liegt in Nordbayern laut Familienkasse aktuell um den Faktor vier über dem Vorjahr. Aufgrund der Gebührenentlastung der Eltern durch den Freistaat Bayern bis einschließlich Juni gehen erst jetzt zeitlich verzögert die Anträge auf Gebührenübernahme beim Jugendamt ein. Die Verwaltung des Jugendamts rechnet aber auch hier mit einem deutlichen Anstieg von Anträgen und Ausgaben im Laufe des Herbstes.

3. Forderungen der Träger

Die freien und freigemeinnützigen Träger, aber auch die Stadt Nürnberg als Träger von 140 Kitas sowie der Tagespflege setzten sich in der frühen Phase des Betretungsverbots dafür ein, dass der Freistaat Bayern bei den Elternbeiträgen einen Ausgleich schafft. Dies wurde Anfang Juni erreicht. Die nun gewährten pauschalen staatlichen Zuschüsse des Freistaats Bayern reichen allerdings nach Aussage der freien und freigemeinnützigen Träger insbesondere in den Großstädten nicht in allen Fällen aus, die Einnahme- und Forderungsausfälle komplett zu kompensieren. Zum einen erheben Träger teilweise an sich bereits höhere Entgelte, um ihre laufenden Kosten zu decken, zum anderen buchen Eltern in Städten in der Regel längere Betreuungszeiten als in ländlichen Gebieten. Außerdem übernimmt der Freistaat Bayern für Familien, die nur einen Tag im Monat die Notbetreuung nutzten, keine Entgelte, vertraglich kann aber in diesen Fällen nicht in allen Fällen das gesamte Monatsentgelt von den Eltern verlangt werden. Darüber hinaus rechnen die Träger auch insgesamt mit höheren Forderungsausfällen.

Daher wandten sich Trägervertreter direkt an Herrn OBM sowie über die Kreis-Arbeitsgemeinschaft und die Arbeitsgemeinschaft Kita gem. § 78 SGB VIII mit der Bitte, hier einen über die Regelfinanzierung und die staatliche Pauschalerstattung hinausgehenden weiteren finanziellen Ausgleich zu schaffen. In einzelnen Beispielberechnungen legten sie dar, dass je nach Größe der Einrichtung, den Kosten und den Buchungskonstellationen Defizite im fünfstelligen Bereich über die 3,5 Monate entstehen können. Diese Lücke sei, so die Argumentation, schwer zu kompensieren, zugleich habe die Stadt Nürnberg aufgrund entfallender Gebührenübernahmen für Kinder im Rahmen der Wirtschaftlichen Jugendhilfe ihrerseits geringere Ausgaben, sodass hier finanzieller Spielraum für eine freiwillige Leistung der Stadt Nürnberg gegenüber den Kita-Trägern bestünde.

4. Bewertung der Forderungen und Entscheidung

Die Stadt Nürnberg (im Bereich der Wirtschaftlichen Jugendhilfe – Gebührenübernahme) wird ebenso wie Eltern dadurch entlastet, dass die Erhebung der Elternbeiträge durch die Träger ausgesetzt wird. Die Stadt Nürnberg übernahm mit Stand März 2020 in Kitas freier Träger in rd. 4.300 Fällen die Entgelte für Eltern in voller Höhe und in rd. 900 Fällen in anteiliger Höhe. Für Kinder, die die Notbetreuung besuchten, übernimmt die Stadt Nürnberg weiterhin die kompletten Entgelte (im April wurden rd. 5% der Kinder notbetreut, im Mai rd. 20% und im Juni rd. 35%), in diesen Fällen sind die kompletten Einnahmen der Träger gesichert. Für alle

anderen Kinder müssen die freien Träger allerdings die Entgelte an die Stadt zurücküberweisen, wenn sie den Zuschuss des Freistaats Bayern nutzen wollen. Dadurch entstehen der Stadt grob hochgerechnet rd. 1,2 Mio. EUR weniger Ausgaben für die Monate April bis Juni. Eine genaue Berechnung der Minderausgaben könnte allerdings erst nach Vorliegen der Endabrechnungen Anfang 2021 erfolgen.

Die Verwaltung erwartet, dass ein Teil dieser Minderausgaben in der Gebührenübernahme in den Monaten April bis Juni ab dem Beginn des neuen Kitas-Jahres durch ungeplante Mehrausgaben wieder ausgeglichen wird.

Darüber hinaus ist insgesamt festzuhalten, dass der Stadt Nürnberg durch die Coronapandemie erhebliche Mehrausgaben und große Einnahmeausfälle bereits entstanden sind und in den kommenden Jahren weiter zu erwarten sind. Das Bayerische Staatsministerium des Inneren, für Sport und Integration teilte bereits mit Schreiben vom 7. April 2020 unter der Überschrift „3. Sicherung der Haushaltswirtschaft“ mit, dass über- und außerplanmäßige Ausweitungen freiwilliger Leistungen in der gegenwärtigen Situation unter keinen Umständen vertretbar wären. Seither hat sich an der kurz- und mittelfristigen Einschätzung einer sehr schwierigen Haushaltslage nichts geändert. Ein wie oben geforderte Leistung wäre eine rein freiwillige Leistung der Stadt Nürnberg.

Der Stadtspitze ist die angespannte finanzielle Lage einiger Träger bewusst, die durch die nicht vollumfängliche Übernahme der entfallenen Elternbeiträge seitens des Staatsministeriums nicht gänzlich behoben werden kann. Nach intensiven verwaltungsinternen Beratungen mit Herrn Oberbürgermeister und dem Kämmerer sieht die Stadt Nürnberg aber keine Möglichkeit, einen freiwilligen Zuschuss an die Kita-Träger zu gewähren. Herr Ref. I/II wies in den Sommermonaten im Vorfeld der Haushaltsberatungen darauf hin, dass bereits im laufenden Jahr 2020 bei gleichzeitigen Mehrausgaben die Einnahmeerwartungen nach unten korrigiert werden müssen und dass für 2021 erhebliche Einschnitte zu erwarten sind. Damit bietet sich keinerlei Spielraum für freiwillige Leistungen.

Zugleich besteht bereits aufgrund der uneingeschränkten Weiterzahlung der laufenden Betriebskostenzuschüsse durch Freistaat und Kommune ein „Rettungsschirm“ für freie und freigemeinnützige Kita-Träger, der durch den pauschalen Beitragsersatz weiter aufgestockt wird. Die Forderung nach einer vollständigen Kompensation der Einnahmeausfälle muss auch im Vergleich mit anderen sozialen und gesellschaftlichen Teilbereichen und in Zusammenhang mit anderen finanziellen Verpflichtungen der öffentlichen Hand abgelehnt werden. Zugleich wird allen gesellschaftlichen Teilbereichen zugemutet, Verluste zu tragen und diese wo immer möglich durch Gegensteuern zu minimieren; dies kann, wie Beispiele zeigen, im Bereich der Kindertageseinrichtungen durch Kurzarbeit, spätere Nachbesetzung offener Stellen, Sachkostenersparnis oder Erstattungen für Freistellungen schwangerer Kolleginnen erfolgen. Damit können die Ausfälle teilweise ausgeglichen werden.

In dieser Gesamtabwägung erscheint die Ausstattung der durchgängigen und einmaligen Kita-Förderung aus Sicht der Stadt Nürnberg in ihrer Höhe vertretbar. Neben der regulären Basisförderung durch den Freistaat Bayern und der Stadt fließen über die staatliche Sonderförderung rd. 5,1 Mio. EUR und durch die Beibehaltung des 100 EUR-Zuschusses für Kindergartenkinder nochmals rd. 3,7 Mio. EUR (davon rd. 3 Mio. EUR für nicht notbetreute Kinder) an die freien Träger in Nürnberg, also insgesamt fast 9 Mio. EUR.

Ein zusätzlicher städtischer Zuschuss wäre dazu im Vergleich eher ein symbolischer Beitrag, der in seiner Abwicklung aber, ganz unabhängig von der gewählten Verteilmethode, erheblichen Verwaltungsaufwand mit sich brächte.

Gerade unter den für alle schwierigen Rahmenbedingungen zur Bewältigung der Coronapandemie und ihrer Folgen bleibt es das mittel- und langfristige, mit hoher Priorität versehene Ziel der Stadt Nürnberg, gemeinsam mit den freien Trägern die Kindertagesbetreuung quantitativ und qualitativ weiter auszubauen und zu entwickeln, um Kindern in Nürnberg und ihren Familien ein gutes Aufwachsen zu ermöglichen. Dies wird unter den bereits beschriebenen finanziellen Bedingungen nicht einfacher werden. Die Verwaltung wird sich dafür einsetzen, dass bestehende freiwillige Zuschüsse für Kita-Träger, wie z.B. über die Qualitative Weiterentwicklung, aber auch bei der Erstausstattungspauschale ungekürzt weiter zur Verfügung stehen. Statt eines einmaligen Effekts partizipieren Träger daran über einen längeren Zeitraum.

Die besondere Herausforderung durch Covid 19 stellt alle gesellschaftlichen Teilbereiche, Organisationen und Individuen vor enorme Herausforderungen, so auch Kinder, Eltern, Mitarbeitende und Trägerverantwortliche in den Kindertageseinrichtungen. Große Hochachtung gilt allen, die auch unter schwierigsten Rahmenbedingungen den Notbetrieb und den aktuellen eingeschränkten Regelbetrieb gemeistert haben und weiter meistern werden. Die Stadt Nürnberg schätzt diesen Einsatz und das Engagement sehr.

FRAKTION B' 90/DIE GRÜNEN, RATHAUSPLATZ 2, 90403 NÜRNBERG BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Stadtratsfraktion Nürnberg

An den Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg Marcus König Rathausplatz 2 Rathaus 90403 Nürnberg

>Ö_R

90403 Nürnberg Tel: (0911) 231-5091 Fax: (0911) 231-2930 gruene@stadt.nuernberg.de

Bus: Linie 36,46,47 (Rathaus) Kts. [4 Antwort vor Absen- U-Bahn: Linie 1 (Lorenzkirche) X, "AA YC''OwAn p 5 Antwort zur Unter- Nürnberg, 5. Mai 2020 z.w.V. schritt vorlegen

Corona- Auswirkungen auf die freien Träger von Kitas

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

aufgrund der Corona-Krise mussten alle Kitas geschlossen werden. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf Kinder und deren Familien, die vor enorme Herausforderungen gestellt werden. Auch die freien Träger der Kitas haben ein massives Problem: Da der Freistaat bislang nur eine pauschalisierte Kompensation der Elternbeiträge anbietet, ist bei vielen Trägern, deren Elternbeiträge über dieser Pauschale liegen, ein großes Defizit entstanden. In einigen bayrischen Kommunen existieren sogenannte Defizitvereinbarungen zwischen Stadt und den freien Trägern - Nürnberg hat dazu bislang keine Vereinbarung. Aktuell übernimmt das Land aktuell die Gebühren für die wirtschaftliche Jugendhilfe, weshalb die Stadt diese Einsparung an die freien Träger weitergeben könnte.

Wir stellen deshalb zur Behandlung im zuständigen Ausschuss folgenden Antrag:

freien Trägern.

Mit freundlichen Grüßen

Andrea Bielmeier Stadträtin

wvwv.gruene.rathaus.nuernberg.de

Beratung Datum Behandlung Ziel

Jugendhilfeausschuss 17.09.2020 öffentlich Bericht

Betreff: Gute-Kita-Gesetz: Richtlinie zur Gewährung eines Leitungs- und Verwaltungsbonus zur

Stärkung von Kindertageseinrichtungen

Bericht:

Die Bundesregierung und die Bayerische Staatsregierung unterstützen mit dem Gute-KiTa- Gesetz die Qualität in der Kindertagesbetreuung. Dafür investiert der Bund in den kommenden Jahren 5,5 Milliarden Euro. Jedes Bundesland hat seine eigenen Stärken und Entwicklungsbedarfe. Darum ist das Gesetz wie ein Instrumentenkasten aufgebaut: Die Länder entscheiden selbst, in welche der vom Bund benannten 10 Handlungsfelder und Maßnahmen investiert werden soll. In einem Vertrag halten der Bund und das jeweilige Bundesland fest, wie das Gute-KiTa- Gesetz vor Ort umgesetzt werden soll und wie es die jeweils eingesetzten Landesmittel ergänzt. Für die bayerischen Kindertageseinrichtungen stehen rund 861 Millionen Euro bis 2022 für Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung in Kitas und zur Entlastung der Eltern zur Verfügung. Zwischenzeitlich sind mit allen 16 Bundesländern die Verträge geschlossen, in Bayern wurde im März 2020 die Richtlinie zur Gewährung eines Leitungs- und Verwaltungsbonus zur Stärkung der Kitaeinrichtungen vorgelegt. Die Verwaltung berichtet über die geplante Umsetzung für die städtischen Kindertageseinrichtungen.

Bezug zum Orientierungsrahmen für eine nachhaltige Jugend-, Familien-, Bildungs- und Sozialpolitik:

Leitlinie 2: Bildung fördern, früh beginnen

  1. Finanzielle Auswirkungen:

Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

(→ weiter bei 2.)

Nein (→ weiter bei 2.)

Ja

Kosten noch nicht bekannt

Kosten bekannt

Gesamtkosten 770.000 € Folgekosten € pro Jahr

dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum

davon investiv € davon Sachkosten 170.000 € pro Jahr

davon konsumtiv 770.000 € davon Personalkosten 600.000 € pro Jahr

Stehen Haushaltsmittel/Verpflichtungsermächtigungen ausreichend zur Verfügung?

(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Kosten werden komplett aus der Landesförderung finanziert.

2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:

Nein (→ weiter bei 3.)

Ja

Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans

Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)

Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt

2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)

Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

  1. Diversity-Relevanz:

Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja

RA (verpflichtend bei Satzungen und Verordnungen)

Gute-Kita-Gesetz – Richtlinie zur Gewährung eines Leitungs- und Verwaltungsbonus zur Stär-

kung von Kindertageseinrichtungen

1. Gute-KiTa-Gesetz

Die Bundesregierung und die Bayerische Staatsregierung unterstützen mit dem Gute-KiTa-Gesetz die Qualität in der Kindertagesbetreuung. Dafür investiert der Bund in den kommenden Jahren 5,5 Milliarden Euro. Die Ausgangslage und die Bedarfe sind von Bundesland zu Bundesland verschieden, daher ist das Gesetz wie ein Instrumentenkasten aufgebaut: Die Länder entscheiden selbst, in welche der vom Bund benannten 10 Handlungsfeldern und Maßnahmen investiert werden soll. In einem Vertrag halten der Bund und das jeweilige Bundesland fest, wie das Gute-KiTa-Gesetz vor Ort umgesetzt werden soll und wie es die jeweils eingesetzten Landesmittel ergänzt.

Für die bayerischen Kindertageseinrichtungen stehen rund 861 Millionen Euro bis 2022 zur Verfügung. Die politische Priorität der bayerischen Staatsregierung liegt darin, diese Gelder zu einem erheblichen Anteil für eine Beitragsentlastung der Eltern einzusetzen. Für folgende Maßnahmen werden die Mittel in Bayern konkret eingesetzt:

Ausweitung der Beitragsfreiheit

Mit der Ausweitung des Beitragszuschusses auf die gesamte Kindergartenzeit werden Familien entlastet und mögliche Hürden für die Inanspruchnahme von Angeboten der Kindertagesbetreuung im Kindergartenalter abgebaut. Bis zum 31.03.2019 wurde ein Beitragszuschuss von 100 Euro pro Monat für das letzte Kindergartenjahr vor der Einschulung gewährt. Mit Wirkung ab dem 01.04.2019 wurde der Beitragszuschuss auf die gesamte Kindergartenzeit ausgeweitet. Die Ergänzung des Leistungszeitraums um die dem letzten Kindergartenjahr vor der Einschulung vorausgehenden Kindergartenjahre wird zum Teil mit den Mitteln aus dem Gute-KiTa-Gesetz finanziert.1

Stärkung der Kita-Leitung

Durch den geplanten Leitungs- und Verwaltungsbonus erhalten Träger von Kindertageseinrichtungen die Möglichkeit, die Leitungsperson durch zusätzlichen Personaleinsatz zugunsten der vom Träger zu definierenden Leitungsaufgaben von sonstigen Tätigkeiten (bspw. vom Gruppendienst oder von Verwaltungstätigkeiten) freizustellen. Der Träger kann dabei durch Definition des Leitungsprofils individuell entscheiden, welche Aufgaben er als Leitungsaufgaben ansieht und welche Aufgaben von dem zusätzlich eingesetzten Personal übernommen werden sollen.

Stärkung der Kindertagespflege (siehe JHA vom 23.07.2020)

Durch einen zusätzlichen Fördertatbestand für Träger von Kindertageseinrichtungen und für Träger der öffentlichen Jugendhilfe, die Tagespflegepersonen im Rahmen einer Festanstellung beschäftigen, sollen zusätzliche Personenkreise für die Tätigkeit als Tagespflegeperson gewonnen werden. Die Tagespflegepersonen können einerseits in Kindertageseinrichtungen eingesetzt werden und dort beispielsweise Randzeitenbetreuung übernehmen, darüber hinaus aber auch ganztägig das pädagogische Personal entlasten. Andererseits können die Tagespflegepersonen beim Träger der öffentlichen Jugendhilfe beschäftigt und von diesem in der Kindertagespflege eingesetzt werden.

Zwischenzeitlich sind mit allen 16 Bundesländern die Verträge geschlossen. In Bayern wurden für die beiden Maßnahmen zur Stärkung der Kita-Leitungen2 und zur Stärkung der Tagespflege die Richtlinien im März 2020 vorgelegt.

Ursprünglich gab es für die Priorisierung von Maßnahmen innerhalb der 10 Handlungsfelder eine trägerübergreifende Arbeitsgruppe unter Federführung des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales. Letztendlich wurde aber dann eine Vorfestlegung auf die zwei Maßnahmen „Stärkung der Kita-Leitungen“ und „Stärkung der Kindertagespflege“3 innerhalb des Ministeriums getroffen, die ausgewählten Träger wurden dann nur noch abschließend zur Beratung der beiden Richtlinien eingeladen.

  1. Richtlinie zur Gewährung eines Leitungs- und Verwaltungsbonus zur Stärkung von Kinderta-

geseinrichtungen

Die Richtlinie trat zum 01.03.2020 in Kraft, mit einer Laufzeit bis 31.12.2021, eine Verlängerung bis längstens 31.12.2023 ist in Aussicht gestellt. Zweck der Förderung ist, die Einrichtungsleitungen beispielsweise durch den zusätzlichen Einsatz von Personal von nichtpädagogischen Aufgaben direkt zu entlasten oder Verwaltungsaufgaben zentral zu organisieren. Dieser vom Freistaat Bayern gewährte Bonus soll Maßnahmen ermöglichen, um die Arbeitsbedingungen unmittelbar oder mittelbar für die Teams vor Ort zu verbessern und insgesamt die Attraktivität der Tätigkeit einer Kita-Leitung zu steigern.

Die Höhe des jährlichen Bonus richtet sich nach der Summe sowie Höhe der Buchungszeiten der in der Einrichtung geförderten Kinder. Es handelt sich um eine rein staatliche Förderung und kann auch nur von Kinderkrippen und Kindergärten sowie Häusern für Kinder4 beantragt werden. Die schulkindbetreuenden Kindertageseinrichtungen sind von der Förderung aktuell ausgenommen.5 In der Richtlinie sind folgende Voraussetzungen für die Gewährleistung des Leitungs- und Verwaltungsbonus genannt: Vorliegen eines a) ein Leitungs- und Aufgabenprofils, b) einer Dokumentation, über die Entwicklung der zusätzlich geplanten Maßnahmen zur Entlastung der Leitungen, unter Beteiligung der pädagogischen Leitung sowie die c) Festlegung eines Zeitkontingents für die Leitungsaufgaben und d) eines Qualifizierungsniveaus für Leitungskräfte.

Grundsätzlich sind alle Träger bzw. Einrichtungen anspruchsberechtigt, sofern sie die in der Richtlinie genannten Voraussetzungen erfüllen.

Bislang wurden für die freien Träger 246 Anträge auf Leitungs- und Verwaltungsbonus bewilligt. Das Gesamtvolumen der bewilligten Anträge beläuft sich auf 2,4 Mio. €. Zwölf Anträge wurden bislang noch nicht vom Ministerium bewilligt. Als zu erwartende Fördersumme wurde im KiBiG.web für diese zwölf Anträge rd. 100 T€ ausgewiesen, zusammen ergibt sich eine Fördersumme für die Einrichtungen in freier Trägerschaft von 2,5 Mio. €.

3. Geplante Umsetzung der Maßnahme für städtische Kindertageseinrichtungen

Das Jugendamt hat für die anspruchsberechtigten 62 kommunalen Kindertageseinrichtungen die Mittel für den Zeitraum März bis Dezember 2020 beantragt, bewilligt wurde eine Gesamtförderung für das Jahr 2020 in Höhe von rund 770.000 Euro. Pro 25 Plätze/Kinder beträgt der Bonus etwa 5.000 €, dafür können rund 3,5 Wochenarbeitsstunden einer Fachkraft in S8a6 finanziert werden. So erhält beispielsweise der Kindergarten Adam-Kraft-Straße mit 50 Plätzen einen staatlichen Bonus in Höhe von

2 Richtlinie zur Gewährung eines Leitungs- und Verwaltungsbonus zur Stärkung von Kindertageseinrichtungen v. 27.02.2020 3 siehe Bericht und Beschluss JHA am 23.07.2020 4 Anteilig für die Krippen- und Kindergartenkinder 5 Priorisierung zugunsten des vorschulischen Bereichs wurde vom Staatsministerium vorgenommen 6 Bruttopersonalkosten für Neuschaffungen, Durchschnittspersonalkosten Budget 2020 v. 02.01.2020

10.633,12 €, der Kindergarten Olgastraße mit 100 Plätzen 18.344 €. Für die Umsetzung der personellen Entlastung wurden bereits im Jahr 2019 für das Jahr 2020 12 Vollzeitstellen beantragt und vom Stadtrat beschlossen, die bewilligten Mittel decken die Personalkosten für diese zwölf Stellen. Je nach Platzzahl der Einrichtung können zwischen 3 bis 26 Wochenarbeitsstunden zusätzlich für die Entlastung der Leitungen zur Verfügung gestellt werden.

Für die laut Richtlinie vorgeschriebene partizipative Entwicklung der Maßnahmen wurden aus den anspruchsberechtigten städtischen Einrichtungen acht Leitungskräfte als Vertretungen ausgewählt. Gemeinsam mit den Verantwortlichen des Fachbereichs und der Personalvertretung fanden dann zwei Workshops statt:

  1. Workshop am 06.05.2020: In einem ersten Schritt wurde anhand des bereits erarbeiteten Leitungsund Aufgabenprofils für städtische Kita-Leitungen die Bedarfe und Wünsche zur Entlastung bei Leitungs- und Verwaltungstätigkeiten erhoben und erste Ideen entwickelt und vorpriorisiert, wie die Entlastung umgesetzt werden könnte.

Herausgearbeitet wurde, dass der größte zeitliche Aufwand bei den Verwaltungsaufgaben vor allem in der laufenden Finanzverwaltung, bei der Bearbeitung des Kita-Portals und in den Fachanwendungen Kibig.web und SAP liegen. Darüber hinaus wurde angeregt, die technische Ausstattung der Kitas weiterzuentwickeln7 und zu verbessern, um auch pädagogische Aufgaben wie beispielsweise die Beobachtung und das Führen von Entwicklungsbögen unter Verwendung der entsprechenden Software und mobiler Geräte durchführen zu können. Für die personelle Entlastung der Leitungen wurden einerseits zusätzliche Fachkraftstunden als Möglichkeit benannt, um als Leitung über feste Zeiten für Verwaltungsaufgaben zu verfügen, die nicht zu Lasten des Kinderdienstes gehen. Vorstellbar ist aber auch der Einsatz von tatsächlichen Verwaltungskräften, auch einrichtungsübergreifend, die ausschließlich stundenweise für die Bearbeitung der Verwaltungsaufgaben in die Einrichtung kommen. Überlegt wurde auch, ob beispielsweise pädagogische Fachkräfte, die entweder eine Alternative zum Kinderdienst suchen oder bereits eine einschlägige Verwaltungsausbildung mitbringen, mit einem entsprechenden Stundenkontingent aus dem Anstellungsschlüssel genommen werden, um anteilig oder komplett für Verwaltungsaufgaben eingesetzt zu werden.

  1. Workshop am 19.05.2020: Im zweiten Schritt wurden dann die zu entlastenden Verwaltungsaufgaben konkret benannt, mit folgendem Ergebnis:

 Fortlaufende Datenerfassung, -pflege und –bearbeitung im Kita-Portal  Dateneingabe und –pflege in den Fachanwendungen kibig.web und SAP  Finanzen: Führen der Handkasse und Budgetüberwachung

Danach folgte die zeitliche Abschätzung des jeweiligen Arbeitsaufkommens anhand von Wochenstunden (durchschnittliche Bearbeitung übers gesamte Jahr verteilt – Stoßzeiten und geringere Bearbeitungszeiten zusammengenommen). Die Angaben waren unabhängig von der Einrichtungsgröße sehr heterogen, daher wurde ein Durchschnittswert auf Grundlage der gemachten Angaben vorgenommen:

 Fortlaufende Datenpflege Kita-Portal: gemachte Angaben berechnet auf je 25 Plätze von 0,5 bis 6,7 WAS  statistisch errechneter Durchschnittswert: pro 25 Plätze 2,4 WAS

 Dateneingaben kibig.web und SAP: gemachte Angaben berechnet auf 25 Plätze von 0,5 bis 2,0 WAS  statistisch berechneter Durchschnittswert: pro 25 Plätze 1,1 WAS

 Bearbeitungszeiten Handkasse und Budgetüberwachung: hier zeigt sich, dass die gemachten Angaben völlig unabhängig von der Einrichtungsgröße sehr eng bei aneinander liegen (1 Einkauf / 1 Anschaffung = 1 Beleg unabhängig von Anzahl der betreuten Kinder) – aufgerundet liegt die Bearbeitungszeit hier durchschnittlich bei 1 WAS pro gesamter Einrichtung

7 MS-Teams für alle, Smartphones, W-Lan, Laptops und Tablets für mittelbare Aufgaben etc.

In der Hochrechnung ergibt das für 25 Plätze 3,5 WAS pro 25 Plätze plus jeweils 1 Wochenarbeitsstunde pauschal pro Einrichtung für das Führen der Handkasse und die Budgetüberwachung. Impliziert wurde, dass aufgrund der unterschiedlichen Arbeitsaufkommen während des Kita-Jahres auch die Erstellung von Statistiken, Abfragen und dergleichen mehr Teil des Aufgaben-Portfolio sind.

Für die Entlastung bei den Verwaltungsaufgaben wurde sich auf folgende Instrumente verständigt:  Freistellung der Leitung – Kompensation durch Fachkraftstunden  Übernahme von Verwaltungsaufgaben anteilig/vollständig von Fachkräften, ggf. auch für mehrere Einrichtungen  Einsatz von Verwaltungskräfte oder speziell ausgebildeten Kita-Verwaltungskräften

Der zeitlich begrenzte Förderzeitraum bietet hier die gute Möglichkeit, mehrere Varianten gleichzeitig in den unterschiedlichen städtischen Kindertageseinrichtungen zu erproben.

Für die technische Ausstattung wurde sich auf die Anschaffung von Tablets verständigt, für pädagogische Aufgabenstellungen sowie pilotmäßig die entsprechende Beschaffung einer Beobachtungssoftware.

Die Steuerung und Umsetzung der Maßnahmen wird innerhalb des Bereichs Städtische Kindertageseinrichtungen liegen, dafür werden rund 10 Wochenarbeitsstunden benötigt, finanziert aus den Bonusmitteln.

Der für die städtischen Einrichtungen bewilligte Zuschuss in Höhe von 770.000 € soll für 2020 mit einem Anteil von 170.000 € in die technische Ausstattung und 600.000 € in die personelle Verwaltungsentlastung fließen.

  1. Aktueller Stand der Umsetzung:

  2. Die Hochrechnungen wurden hinsichtlich ihrer Refinanzierung über das Gute-Kita-Gesetz entsprechend angepasst: im Kalenderjahr können mit den Fördermitteln insgesamt 3 WAS pro 25 Plätze für Leitungs- und Verwaltungstätigkeiten zur Verfügung gestellt werden.

  3. Die partizipativ erarbeiteten Vorschläge zur personellen Leitungsentlastung wurden von J mit PA, DIP und Ref. I/II-CC abgestimmt. Sollten Fachkräfte überwiegend als Verwaltungskräfte eingesetzt werden, muss die bisherige Eingruppierung8 mit Blick auf die Wertigkeit der Verwaltungstätigkeit geprüft werden.

  4. Die Einrichtungenleitungen wurden einzeln abgefragt, wie die konkrete Entlastung bzw. personelle Unterstützung aussehen soll. Circa 50 Prozent der Einrichtungen möchten die Verwaltungsaufgaben weiterhin selbst oder im Tandem mit Stellvertretung übernehmen und für die eigene Freistellung zusätzliche Fachkraftstunden erhalten. Weitere 40 Prozent möchten die Aufgaben auf eine oder mehrere Personen ihrer Einrichtung – je nach Größe - verteilen, der dadurch entstehende Ausfall im Kinderdienst wird durch Fachkraftstunden ausgeglichen. Die verbleibenden 10 Prozent wünschen sich tatsächlich eine externe Verwaltungskraft für diese Aufgaben, entsprechend der zur Verfügung stehenden zusätzlichen Stunden. J prüft gerade mit PA die Bereitstellung von Verwaltungsstunden sowie die Eingruppierung dieser Stellen.

  5. Für die technische Ausstattung ist J mit ZD in der Abstimmung, um die Beschaffung noch in diesem Jahr möglich machen zu können.

8 Pädagogische Fachkräfte sind in der Regel in S8a eingruppiert, Verwaltungsaufgaben, ohne entsprechende Grundqualifizierung, sind darunter eingruppiert.

  1. Die Bereitstellung der zusätzlichen Wochenarbeitsstunden für die einzelnen Einrichtungen ist ab September 2020 geplant, sofern die dafür notwendigen zusätzlichen Fachkräfte gewonnen werden können.

  2. Die geplante Steuerung der Maßnahmen soll an eine bestehende Verwaltungskraft angedockt werden.

Zwischenfazit zum Gute-Kita-Gesetz:

Das lange angekündigte und sich zeitlich immer wieder verschobene Gute-Kita-Gesetz ist nun endlich da, zumindest für die Jahre 2020 und 2021. Bedauerlicherweise steht von den ursprünglichen Mitteln zur qualitativen Stärkung der Kinderbetreuung nur noch ein deutlich abgesenkter Anteil für die qualitative Weiterentwicklung der Kindertageseinrichtungen zur Verfügung, da ein Großteil der zur Verfügung gestellten Bundesmittel in Bayern für die Beitragsentlastung der Familien verwendet wird. Damit können jetzt lediglich noch zwei Handlungsfelder bzw. qualitative Maßnahmen konkretisiert werden und aufgrund der vom Staatsministerium vorgenommenen notwendigen Priorisierung nicht alle Kindertageseinrichtungen berücksichtigt werden, was zu Lasten der Kinderhorte bzw. Schulkindbetreuung geht.

Auch wenn die Erwartungen an das Gesetz weit höher waren, stellt zumindest die jetzt mögliche personelle Entlastung ein wichtiges Signal an die Leitungen und Teams vor Ort dar. Der Freistaat stellt Mittel zur Verfügung, die nicht in die klassische Personalausstattung fließen, sondern gezielt zur Entlastung der Leitungen zu verwenden sind. Darüber hinaus müssen die Führungskräfte an der Entwicklung der Maßnahmen beteiligt werden. Dies stärkt insgesamt die Einrichtungsleitungen und führt dann hoffentlich auch perspektivisch zu einer spürbaren Entlastung, fördert die Anerkennung und trägt hoffentlich etwas zur Attraktivität der so wichtigen Leitungstätigkeit bei.

Ein nächster wichtiger qualitativer Schritt in dieser Hinsicht wäre eine Ausweitung der Freistellung für die immer wichtiger werdenden Aufgaben Personal- und Teamentwicklung sowie Kooperation und Vernetzung, um zukunftsfähige Konzepte für die immer vielschichtigeren Herausforderungen in der Frühpädagogik bereit stellen zu können.

Beratung Datum Behandlung Ziel

Jugendhilfeausschuss 17.09.2020 öffentlich Beschluss

Betreff:

Waldkindergarten in städtischer Trägerschaft

Anlagen: Entscheidungsvorlage Waldkindergarten

Sachverhalt (kurz):

Im Rahmen des Kindergarten-Notprogramms ist ein Waldkindergarten mit 22 Plätzen in städtischer Trägerschaft in konkreter Planung. In Kooperation mit dem Nürnberger Tiergarten wurde ein Standort für die beiden Bauwagen in der Schmausenbuckstraße festgelegt. Die Vorlage stellt den aktuellen Stand der Planung dar sowie die organisatorischen und pädagogischen Rahmenbedingungen. Für die Personalausstattung wird ein Soll- Anstellungsschlüssel von 1 : 8,0 beantragt.

Bezug zum Orientierungsrahmen für eine nachhaltige Jugend-, Familien-, Bildungs- und Sozialpolitik: Leitlinie 2: Bildung fördern, früh beginnen

  1. Finanzielle Auswirkungen:

Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Der finanzielle Aufwand bezieht sich auf die Verbesserung des Soll-Anstellungsschlüssel von 1 :10,0 auf 1 : 8,0.

(→ weiter bei 2.)

Nein (→ weiter bei 2.)

Ja

Kosten noch nicht bekannt

Kosten bekannt

Gesamtkosten 28.500 € Folgekosten 28.500 € pro Jahr

dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum

davon investiv € davon Sachkosten € pro Jahr

davon konsumtiv € davon Personalkosten 28.500 € pro Jahr

Stehen Haushaltsmittel/Verpflichtungsermächtigungen ausreichend zur Verfügung?

(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:

Nein (→ weiter bei 3.)

Ja

Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans

Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von 0,3 Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)

Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt

2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)

Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

  1. Diversity-Relevanz:

Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja Das Angebot steht grundsätzlich allen Kindern und Familien offen, unabhängig ihrer Herkunft, kulturellen, religiösen und/oder sexuellen Orientierung.

RA (verpflichtend bei Satzungen und Verordnungen)

Beschlussvorschlag:

Der Jugendhilfeausschluß beschließt für städtische Wald- und Naturkindergärten einen Soll- Anstellungsschlüssel von 1 : 8,0.

Entscheidungsvorlage: Waldkindergarten in städtischer Trägerschaft

Im Rahmen des Kindergarten-Notprogramms hat das DLZ Kita-Ausbau große Anstrengungen unternommen, weitere Standorte für Kindertageseinrichtungen zu finden. Außerdem werden auch alternative Konzepte geprüft, wie z.B. Waldkindergärten oder sogenannte Streunergruppen. Während Waldkindergärten eine bereits seit vielen Jahren etablierte naturnahe Betreuungsform ist, sind Streunergruppen eine relativ neue Idee. Auf Hinweis der SOKE e.V., der Dachorganisation der selbstorganisierten Kindertageseinrichtungen e.V. in Nürnberg, hat das DLZ Kita-Ausbau mit Augsburg Kontakt aufgenommen, um die dort initiierten Streunergruppen kennen zu lernen. Aktuell wird geprüft, inwieweit dieses Konzept an die Nürnberger Gegebenheiten angepasst und umgesetzt werden kann.

Deutlich konkreter ausgearbeitet ist der geplante neue Waldkindergarten für Nürnberg. Das DLZ Kita- Ausbau unterstützt den städtischen Träger bei seinen Bemühungen, erstmals einen eigenen städtischen Waldkindergarten in Betrieb zu nehmen. Inzwischen konnte in einer innerstädtischen Kooperation mit dem Nürnberger Tiergarten und mit Unterstützung von Stpl und H ein Standort für einen Waldkindergarten mit 22 Betreuungsplätzen gefunden und auf den Weg gebracht werden. Sowohl vonseiten der Fachkräfte als auch der Familien wird der Wunsch nach einer naturnahen Betreuung und Bildung von Kindern immer stärker zum Ausdruck gebracht.

Bislang gibt es in Nürnberg zwei Waldkindergärten: Der Naturkindergarten Waldwichtel e.V., Schmausenbuck 188, www.waldwichtel-nuernberg.de, hat im September 2000 seinen Betrieb aufgenommen. Das ehemalige Pumpenhaus der Nürnberger Energie- und Wasserversorgung (EWAG) wurde umgebaut und somit 50 Plätze als Waldkindergarten geschaffen. Im Mai 2013 ging der Waldkindergarten Schnirkelschnecke, www.schnirkelschnecken.de, mit 18 Plätzen in Betrieb. In der Stadenstraße 0 in der Nähe des Krankenhauses Martha Maria steht der Bauwagen mit danebenstehender Komposttoilette des Waldkindergartens. Selbstverständlich wird der Bereich städtische Kitas vor Inbetriebnahme auf die Einrichtungen zugehen, um sich kennen zu lernen, auszutauschen und, falls notwendig, Aufenthaltsbereiche im Wald abzustimmen.

1. Das Konzept der Waldkindergärten

Die ursprüngliche Idee von Wald- und Naturkindergarten stammt aus Dänemark, dort entstanden bereits in den 1950-er Jahren. Zwischenzeitlich gehört dieses Alternativangebot in Dänemark genauso zum Standardangebot und leistet einen Anteil zur bedarfsgerechten Versorgung. In Deutschland selbst entstand der erste staatlich anerkannte Waldkindergarten erst im Jahr 1993, zwischenzeitlich liegt die Anzahl bei rund 1.000 Einrichtungen. Die Grundidee des Konzeptes der Waldkindergärten ist nach wie vor, die Kinderbetreuung gänzlich in die natürliche Umgebung zu integrieren. Dies entspricht der pädagogischen Annahme, dass Kinder viel Raum und Bewegung benötigen, um sich gesund zu entwickeln – auch und gerade im kognitiven Bereich. Studien belegen seit Jahren, dass das Spielen und Lernen in der Natur insbesondere die Kompetenzen im Bereich Konfliktlösung, Motorik und Sprachentwicklung stärken (vgl. bspw. Häfner 2002 u. Kiener 2003). Zudem zeigen sich Waldkindergartenkinder beim Übergang in die Schule resilient und leistungsfähig.

In einer immer stärker verdichteten Stadt werden die Entfaltungs- bzw. Frei-Räume für Kinder immer enger und umkämpfter (s. C. Richard-Elsner, „Draußen spielen“, 2018). Gerade deshalb ist es dem Bereich städtische Kitas ein großes Anliegen, Kindern ausreichend Naturräume für ihre Entwicklung zur Verfügung zu stellen und im Sinne der Nachhaltigkeit an einen bewussten Umgang mit der Umwelt heran zu führen.

Dieses Ansinnen verbindet den Bereich Städtische Kindertageseinrichtungen mit dem Tiergarten, weshalb in der gemeinsamen Kooperation das Ziel formuliert ist, „Kindern vielfältige und entwicklungsangemessene Bildungs- und Erfahrungsmöglichkeiten insbesondere im Bereich Natur, Natur- und Artenschutz sowie Umweltschutz zu bieten und das familiäre Umfeld für diese Belange zu sensibilisieren.“

Waldkindergärten verzichten in der Regel auf geschlossene Unterkünfte und verlagern die Bildung, Betreuung und Erziehung in die Natur. Eine Verortung innerhalb eines Waldes ist nicht obligatorisch, bietet sich jedoch aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten, die ein Wald bietet, an. Eine Besonderheit in Deutschland ist aber, dass eine anerkannte Betreuungseinrichtung keinesfalls auf feste Gebäude verzichten darf, deshalb sind Bauwagen, Waldhütten oder auch feste Gebäude wichtig, um eine Betreuung auch bei schlechtem Wetter zu ermöglichen. Auch wird weitestgehend auf den Einsatz von künstlichen Spielmaterialien verzichtet, stattdessen sollen die Materialien zum Spielen und Lernen verwendet werden, die die Natur selbst liefert und anbietet.

2. Standort des geplanten Waldkindergartens

Der geplante städtische Waldkindergarten mit 22 Betreuungsplätzen für Kinder von 3 Jahren bis zur Einschulung wird in der Schmausenbuckstraße 95 am Rande des Tiergarten-Parkplatzes seinen festen Standort haben, ausgestattet mit zwei Bauwagen, die Ausgangspunkt für die täglichen Waldaufenthalte sind. Bei besonders widrigen Wetterverhältnissen können Aufenthaltsräume des Tiergartens mitbenutzt werden, bei extremen Wetterlagen wird der Kinderhort Viatisstraße vormittags als Notquartier genutzt. Mittels Solarpaneelen wird eigener Strom für Beleuchtung erzeugt, Wassertanks und Komposttoiletten stellen die sanitäre Ausstattung sicher. Aufgrund der guten Erschließung können die Waldkindergartenkinder an der zentralen Essensversorgung teilnehmen und dabei von einer Hauswirtschaftskraft unterstützt werden.

Ein Ortstermin mit dem zuständigen Förster bezüglich der Hauptaufenthaltsorte im Wald fand bereits statt, eine fortlaufende Abstimmung vor und nach Inbetriebnahme ist verabredet. Das noch zu gewinnende pädagogische Team wird durch entsprechende Fort- und Weiterbildung für die besonderen Herausforderungen und pädagogischen Ansätze der Waldkindergartenpädagogik eigens geschult werden und es ist beabsichtigt, in den Bayerischen Landesverband der Waldkindergärten einzutreten, um fachlich und organisatorisch an den aktuellen Entwicklungen teilzuhaben. Selbstverständlich werden die Vorgaben des Kommunalen Unfallversicherungsverbandes für Natur- und Waldkindergärten umgesetzt und mit der Regierung von Mittelfranken als Aufsichtsbehörde alle betriebserlaubnisrelevanten Voraussetzungen bearbeitet.

3. Pädagogische Zielsetzungen und geplante Umsetzung

Die städtischen Kindertageseinrichtungen arbeiten nach dem lebensweltorientierten Ansatz1, der aktuell gemeinsam mit den Einrichtungen weiterentwickelt wird. Dabei wurden die Nürnberger Prinzipien der Lebensweltorientierung erarbeitet. Wichtige Inhalte hieraus sind für die Arbeit in einem Waldkindergarten vor allem das Selbstverständnis, ein Ort für den Erwerb von Kompetenzen zu sein, sich als aktiver Begleiter für die jeweils anstehenden Entwicklungsaufgaben zu sehen, die Kinder zu schützen, zu stärken und angemessen zu fördern und im Sinne der Nachhaltigkeit gezielte pädagogische Schwerpunkte zu setzen. In der Trias Raum – Zeit – Beziehungen sollen „Kita“-Räume nicht nur Lernsondern auch Lebensräume sein, mit Struktur und Rhythmen zur Stabilisierung und förderlichen Beziehungen der Kinder untereinander, ebenso zwischen Fachkräften und Kindern und deren Familien beitragen. Die Waldkindergartenpädagogik bietet hier vielfache Anknüpfungspunkte, um mit den Kindern eingebettet in den Jahreskreis der Natur Erfahrungsräume zu erschließen, die sie in ihrer körperlichen, kognitiven und sozialen Entwicklung unterstützen.

Allen städtischen Kitas ist auf Grundlage der Lebensweltorientierung die Umsetzung der Kinderrechte ein großes Anliegen. Gerade im Artikel 31 der Kinderrechtskonvention wird das Recht auf Ruhe und Freizeit, auf Spiel und altersgemäße aktive Erholung sowie auf freie Teilnahme am kulturellen und

1 vgl. H. Thiersch „Lebensweltorientierte Soziale Arbeit – revisited“, 2020, S.179 ff.)

künstlerischen Leben formuliert. Seit 2013 wird vom UN-Ausschuss hierzu angemerkt, welche hohe Bedeutung das eigenständige Spiel im Freien für die Entwicklung der Kinder hat. Und dies nicht nur bezogen auf die körperliche Gesundheit, sondern eben auch und gerade für den Erwerb kognitiver und sozialer Kompetenzen.

Das pädagogische Konzept des Waldkindergartens stellt den besonderen Fokus auf das kindliche Erleben der Natur mit allen Sinnen. Entsprechend des regelmäßigen Aufenthalts in der Natur, sollen die Kinder im naturnahen Umgang für die Wahrnehmung von Pflanzen und Tieren als achtungs- und schützenswerte Lebewesen sensibilisiert werden. Darüber hinaus sollen die Kinder lernen, dass Positive an natürlichen Prozessen zu erkennen, beispielsweise welche Bedeutung „schlechtes“ Wetter mit Regen für die Natur hat. Darüber hinaus erfahren die Kinder im täglichen Spielen und Lernen ökologische Zusammenhänge, die Bedeutung des Umgangs mit Ressourcen, auch mit Blick auf Nachhaltigkeit und den Wechsel der Jahreszeiten und die Auswirkungen auf Mensch und Natur. Selbstverständlich stellt die Bewegungsförderung einen weiteren wichtigen Aspekt in der pädagogischen Zielsetzung dar, wobei es letztendlich auch immer darum geht, die Kinder in allen relevanten Entwicklungsbereichen zu fördern und zu unterstützen.

Sämtliche Ziele des Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplans lassen sich in der Natur wie in jeder anderen Kindertageseinrichtung umsetzen, gerade aber im Bereich Sinnes- und Körperwahrnehmung oder im Bereich Naturwissenschaft und Technik können Lerninhalte ohne „künstliche“ Settings direkt erfahrbar gemacht werden. Aufgrund der notwendigen Verhaltensregeln beim Aufenthalt im Wald werden darüber hinaus verstärkt soziale Kompetenzen gefördert, durch täglich neue Situationen alltagsintegrierte Sprachförderung durchgängig praktiziert und unter aktiver Beteiligung der Kinder lösungsorientiertes Handeln tagtäglich geübt. Der Tagesablauf gibt einerseits feste und verlässliche Strukturen vor, andererseits wird den Kindern bei allen Exkursionen viel Freiraum geboten und sowohl vorhersehbare als auch überraschende Gegebenheiten in der Natur aufgegriffen und dem Interesse der Kinder folgend bearbeitet. Dabei kommt immer die besondere Bedeutung des Spiels für die Persönlichkeits- und Wissensbildung zum Tragen.

Eine weitere konzeptionelle Besonderheit in der Waldkindergartenpädagogik ist die intensive Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit den Eltern, so ist eine aktive Mitgestaltung bei Bauwagen und festen Aufenthaltsorten im Wald sowie eine starke Beteiligung bei besonderen Ausflügen und dergleichen mehr vorgesehen. Darauf zielt auch die Kooperation mit dem Tiergarten, die Familien mit den besonderen Belangen von Natur-, Arten- und Umweltschutz vertraut zu machen. Das Bedürfnis nach Naturerleben stärkt sowohl das gemeinsame Miteinander als auch die Sensibilität für nachhaltiges Handeln.

4. Rahmenbedingungen

4.1 Zielgruppe Grundsätzlich ist die Einrichtung für alle interessierten Familien offen, mit Kindern mit Altern von drei Jahren bis zur Einschulung, die eine naturnahe Erziehung für ihre Kinder wünschen. Die Aufnahme und Vergabe der Plätze sowie die Kosten für die Betreuung und die Verpflegung erfolgen nach den städtischen Satzungskriterien für Kindergärten.

4.2 Öffnungszeiten Der Waldkindergarten bietet eine Betreuung von Montag bis Freitag an, sowie in den Ferien, mit einer Regelbetreuungszeit von 7.30 bis voraussichtlich 16.00 Uhr, aufgrund der Lichtverhältnisse in der Winterzeit.

4.3 Tagesablauf und Verpflegung Das Konzept von Waldkindergärten sieht eine ausgeprägte und umfangreiche Spielzeit in der Natur vor. Nach der Bringzeit wird gemeinsam mit den Kindern abgestimmt, wie der Tagesablauf gestaltet werden soll. Bereits das Frühstück wird dann im Freien eingenommen, meist an der ausgewählten Waldspielfläche. Das Spiel im Wald findet sowohl frei wie auch angeleitet statt. Die Fachkräfte begleiten die Kinder beim Spielen, regen an und bieten gezielte Aktionen und Projekte an, die sich an dem

orientieren, was die Kinder entdecken und den aktuell im Fokus stehenden Bildungsschwerpunkt bereichern.

Zum warmen Mittagessen treffen sich die Kinder wieder am Bauwagen, das städtische Verpflegungskonzept „Gemeinsam am Tisch“ kann regulär umgesetzt werden, unter Einsatz einer Hauswirtschaftskraft und der Beachtung der Hygienevorgaben für Naturkindergärten des Bayer. Gesundheitsministeriums. Abweichend von vielen anderen Waldkindergärten wird der städtische Waldkindergarten auch am frühen Nachmittag eine Betreuung anbieten. Bei Bedarf können die Kinder nach dem Mittagessen eine Ruhephase einlegen, daran schließen sich dann wieder Freispiel und pädagogische Angebote an.

4.4 Elternbeteiligung Die Erziehungs- und Konzeptionsarbeit im Waldkindergarten ist seit den Anfängen stark auf die Mitwirkung der Eltern ausgerichtet. Sie sind vom ersten Tag an stark in die Tages- und Wochenabläufe eingebunden, denn wichtige Voraussetzung für einen gelingenden Kita-Tag ist auch die jeweils angepasste wetterfeste Kleidung und persönliche Ausstattung. Zudem ist der Aufenthaltsort der Kinder unterschiedlich, daher sind die Eltern immer zu informieren, was gerade wo geplant ist. Daneben ist auch die tatkräftige Unterstützung der Familien gefragt, sei es bei der Mithilfe zur Pflege der Waldspielbereiche, der Projektumsetzung von Holz-Klang- / Bewegungs- oder Kunstobjekten. Und die Begleitung durch Eltern bei besonderen Ausflügen zur Umweltstation usw. oder gemeinsamen Aktionen im Tiergarten ist ausdrücklich gewünscht.

4.5 Bauwagen und Ausgestaltung Die Bauwagen stellen alle notwendigen Funktionen bzgl. Essen, Sanitär, Ruhen, Trocknen usw. sicher. Dabei wird abgesehen von Garderoben und Sanitärbereichen ein Wagen verstärkt für Gruppenaktivitäten und Essenszubereitung (Frühstück, Snack) genutzt und ist entsprechend mit Tischen, Sitztruhen und Küchenzeile ausgestattet. Der zweite Bauwagen dient vor allem dem Ruhen bzw. Schlafen, der intensiven Kleingruppenarbeit und den Vorbereitungszeiten des pädagogischen Personals bzw. Elterngesprächen. Beide Wagen haben an einer Seite eine zweite Ebene, um einerseits Rückzugsmöglichkeiten für die Kinder und andererseits Lager- / Trocknungsflächen für die notwendige Wechselkleidung und dergleichen zur Verfügung zu haben. Die Ausstattung mit robusten und natürlichen Werkstoffen, insbesondere Holz, ist selbsterklärend, die Spielmaterialien werden auf ein Minimum begrenzt, um den kreativen Umgang mit natürlich vorhandenen Materialien zu fördern und Ressourcen zu schonen.

Die Bauwagen werden mit Wassertanks usw. unterbaut, um keine weiteren Flächen zu beanspruchen. An den Wagen angebrachte Markisen sorgen für den notwendigen Sonnenschutz. In der Anschaffung geplant sind zudem Lastenfahrräder für Einkäufe und Besorgungen sowie Bollerwagen für den Waldaufenthalt und andere Exkursionen.

5. Personelle Ausstattung

Wald- und Naturkindergartenkinder entdecken und erforschen ihre Umwelt tagtäglich in einer sich permanent wandelnden Landschaft – diese Möglichkeiten stellen pädagogische Fachkräfte vor ebenso viele tagtägliche Herausforderungen. Anders als im fest gerahmten und gestalteten Außengelände einer Regel-Kita muss die Sicherheit im Gelände, hinsichtlich der Vegetation, des Wetters usw. ständig neu beobachtet, bewertet und in den Tagesablauf integriert werden.

Dabei zeigt sich, dass im Aufenthaltsort Wald höhere Anforderungen an die Aufsichtspflicht gestellt werden als in Regeleinrichtungen. Natur- und Waldkindergärten unterliegen gemäß des Kommunalen Unfallversicherungsverbandes Bayern (KUVB) besonderen Anforderungen bezüglich der Aufsichtspflicht, der Organisation und zusätzlicher Maßnahmen zur Gefährdungsvermeidung. Die besonderen Anforderungen an die Aufsichtspflicht liegen vor allem an den besonderen Gegebenheiten des Angebots:

 Überwiegender Aufenthalt im Freien, bei allen Wetterlagen;  Beaufsichtigung der Kinder in unbegrenzten Frei- und Waldflächen;

 Unbeaufsichtigtes Spielen oder Rückzugsmöglichkeiten für Kinder sind nicht vorhanden;  Betreuung von Klein- und Vorschulkindern mit differenzierten Unterstützungsbedarfen etc.

Darüber hinaus sind täglich bzw. fortlaufende Maßnahmen zur Vermeidung von Unfällen, Gefährdungen und weiteren sicherheitsrelevanten Themen durch das Fachpersonal umzusetzen.

Um diese Anforderungen und die Sicherheit der Kinder gewährleisten zu können, wird grundsätzlich in der Fachliteratur wie auch in der Praxis ein höherer Personalbedarf in Naturkindergärten benannt und als notwendig erachtet. Dieser Personalbedarf liegt aufgrund der oben genannten Anforderungen über dem eines Regelkindergarten. Das Jugendamt sieht für die Waldkindergartengruppe einen Anstellungsschlüssel von 1 : 8,02 als zwingend notwendig an. Im Vergleich zu einem Regelkindergarten bedeutet dies circa ein Mehr an 19,5 Wochenarbeitsstunden. Die Ausstattung sieht insgesamt eine Leitung vor, etwa eine halbe Fachkraftstelle, eine volle Ergänzungskraft sowie eine Berufspraktiumsstelle vor. Zusätzlich wird das Team durch eine Hauswirtschaftskraft mit rund 10 Wochenstunden ergänzt.

6. Kooperation zwischen Waldkindergarten und Nürnberger Tiergarten

Wie eingangs bereits beschrieben, besteht das gemeinsame Ziel darin, Kindern vielfältige und entwicklungsangemessene Bildungs- und Erfahrungsmöglichkeiten insbesondere im Bereich Natur, Natur- und Artenschutz sowie Umweltschutz zu bieten und das familiäre Umfeld für diese Belange zu sensibilisieren. Dieses Ziel konkretisieren die Kooperationspartner in einem jährlichen Abstimmungsgespräch und setzen dazu inhaltliche und projektbezogene Schwerpunkte. Zur Umsetzung dieser Projekte können vorhandene Ressourcen gemeinsam genutzt werden. Die pädagogischen Fachkräfte beider Einrichtungen werden dabei hinsichtlich ihrer Fortbildungsbedarfe unterstützt.

7. Zeitliche Umsetzung

Der Standort soll im Frühjahr 2021 an den Start gehen. Aktuell wird die Ausschreibung für die Bauwagen und die Ausstattung vorbereitet. Eine Veröffentlichung des Betreuungsangebots und damit die Möglichkeit für die Beantragung eines Platzes ist ab Spätherbst 2020 vorgesehen.

2 Regelausstattung in Kindergärten mit 25 Plätzen liegt bei 1 : 10,0

Beratung Datum Behandlung Ziel

Jugendhilfeausschuss 17.09.2020 öffentlich Bericht

Betreff:

KiTas und Horte "klimafest" machen

hier: Antrag der SPD-Stadtratsfraktion vom 14.08.2019

Anlagen: Kitas klimafest machen Mitteilung Sommerliche Hitze Antrag_klimafest Kita und Horte_SPD

Bericht:

Die Verwaltung des Jugendamts berichtet über den sommerlichen Wärmeschutz bei Neubauten und Sanierungsprojekten sowie bei den Außenanlagen der städtischen Kindertageseinrichtungen.

  1. Finanzielle Auswirkungen:

Noch offen, ob finanzielle Auswirkungen Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

(→ weiter bei 2.)

Nein (→ weiter bei 2.)

Ja

Kosten noch nicht bekannt

Kosten bekannt

Gesamtkosten € Folgekosten € pro Jahr

dauerhaft nur für einen begrenzten Zeitraum

davon investiv € davon Sachkosten € pro Jahr

davon konsumtiv € davon Personalkosten € pro Jahr

Stehen Haushaltsmittel/Verpflichtungsermächtigungen ausreichend zur Verfügung?

(mit Ref. I/II / Stk - entsprechend der vereinbarten Haushaltsregelungen - abgestimmt, ansonsten Ref. I/II / Stk in Kenntnis gesetzt) Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

2a. Auswirkungen auf den Stellenplan:

Nein (→ weiter bei 3.)

Ja

Deckung im Rahmen des bestehenden Stellenplans

Auswirkungen auf den Stellenplan im Umfang von Vollkraftstellen (Einbringung und Prüfung im Rahmen des Stellenschaffungsverfahrens)

Siehe gesonderte Darstellung im Sachverhalt

2b. Abstimmung mit DIP ist erfolgt (Nur bei Auswirkungen auf den Stellenplan auszufüllen)

Ja Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich:

  1. Diversity-Relevanz:

Nein Kurze Begründung durch den anmeldenden Geschäftsbereich: Ja

RA (verpflichtend bei Satzungen und Verordnungen)

H

Kitas klimafest machen

Beim Neubau und auch bei Sanierungen von Kindertageseinrichtungen ist es grundsätzlich ein wichtiges Ziel, eine gute Aufenthaltsqualität in den Räumen, aber auch in den Außenbereichen für die Kinder wie die Mitarbeitenden zu erreichen. Außerdem hat sich die Stadt Nürnberg bereits 2009 zum Ziel gesetzt, energieeffizient, wirtschaftlich und nachhaltig zu bauen und zu sanieren, um so ihren Anteil an der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe zu leisten, dem Klimawandel entgegenzuwirken, Ressourcenschutz zu betreiben und somit konsequent nach den Prinzipien einer umfassenden Nachhaltigkeit zu handeln. In den letzten besonders heißen und trockenen Sommern zeigte sich, wo diese Standards gut greifen, wo es aber auch noch Nachsteuerungsbedarf vor Ort in den Kitas gibt.

Baulicher Umgang mit Hitze bei Neubauten und Sanierungsprojekten, geplant und ge-

baut durch das Hochbauamt oder die wbg-k

Die aktuell geltenden, am 17.11.2009 beschlossenen „Leitlinien zum energieeffizienten Bauen und Sanieren bei städtischen Hochbaumaßnahmen“ wurden im Jahr 2019 einer Prüfung unterzogen und im Hinblick auf die Zielsetzungen des Hitzeschutzes ein Vorschlag zur Anpassung erarbeitet (Anlage 1 Mitteilung Sommerliche Hitze, 01.07.2019).

Ein gebäudespezifisches Konzept zum sommerlichen Wärmeschutz heißt bei Neubau- oder umfassenden Sanierungsmaßahmen, dass ein umfassender sommerlicher Wärmeschutz auf der Grundlage passiver Maßnahmen umgesetzt wird. Neubauten werden hinsichtlich Orientierung, Zonierung, Anteil der Glasflächen, Sonnenschutz, Nachtlüftung und Speichermassen so konzipiert, dass möglichst keine aktive Kühlung erforderlich wird.

Bei der technischen Nachrüstung von Gebäuden sind die Handlungsspielräume deutlich kleiner als im Neubau. Wirkungsvolle Maßnahmen sind die Nachrüstung eines außenliegenden Sonnenschutzes an den Fenstern und die Verbesserung der Lüftungsmöglichkeiten, insbesondere der Einbau von Fenstern mit Nachtlüftungsmöglichkeit. Nach Einschätzung des Hochbauamtes ist dagegen die Wirkung von sogenannten Hitzeschutzfolien an den Fenstern in der Praxis häufig sehr begrenzt und daher nur in Ausnahmefällen mit Einzelfallbetrachtung sinnvoll. Die nachträgliche Anbringung eines außenliegenden Sonnenschutzes ist – wie der Austausch von Fenstern – aus gestalterischen und arbeitsökonomischen Gründen in der Regel nur für alle Fenster einer Gebäudeseite oder für die gesamte Fassadenfläche zweckmäßig. Der Sonnenschutz an den Fenstern wird bei Neubauten über Sonnen- und Windschutzwächter geregelt.

Außenanlagen in städtischen Kitas

Das Thema Sonnenschutz im Außenbereich wird bei Kitas bereits im Planungsprozess berücksichtigt und standortbezogen umgesetzt. Planungsziel ist es in der Regel, einen ausreichend großen Flächenanteil mit Bäumen zu beschatten. Außerdem wird auf eine Minimierung der Versiegelungsflächen geachtet sowie die Entsiegelung und Rückhaltung bzw. Versickerung von Regenwasser umgesetzt.

Beim Sonnenschutz ist zu unterscheiden:

 Der Sonnenschutz direkt am Gebäude über Terrassen – dieser ist z.B. in Form von elektrisch betriebenen Markisen bauseits zu berücksichtigen.

 Der Sonnenschutz im Gelände ist abhängig von der Gestaltung des Außengeländes. In jedem Fall müssen die Spielbereiche ausreichend Schatten haben. Es muss mit einem entsprechenden Sonnenschutz gewährleistet sein, dass das Außengelände ganzjährig genutzt werden kann. Dies betrifft vor allem den Sandspielbereich. Darüber hinaus ist je nach Situierung und Lage der Spiel- und Klettergeräte und der Rutsche eine entsprechende Sonnensegelanlage erforderlich, die den gesamten Spielbereich überstellt.

Der Sonnenschutz muss für die Kita-Mitarbeiterinnen handhabbar bzw. leicht bedienbar sein und nötigenfalls elektrisch betrieben werden. Die Segel in den Kitas müssen in der Regel täglich vom pädagogischen Personal abends eingerollt bzw. eingeholt werden, um Schäden durch Vandalismus, Fehlnutzung aber auch Wind zu vermeiden.

Beim Neubau von Kindertagesstätten wird die Beschattung von Terrassen und gebäudenahen Aufenthaltsflächen in der Regel durch mit dem Gebäude verbundenen Segeln realisiert. In den Freianlagen ist das Ziel möglichst durch Bäume zu beschatten. Ist dies nicht möglich, sollten Spielflächen mit Sonnensegel verschattet werden. Allerdings ist der sog. Kostenkennwert für Außenanlagen seit Jahren konstant und müsste angepasst werden, da der Bedarf nach Beschattung wächst. Bei großen Maßnahmen mit umfangreichen Spielgeräten und entsprechendem Sonnenschutz reichen die Mittel oftmals nicht aus. In der Konsequenz entfallen dadurch entweder Teile des Sonnenschutzes oder der Spielgeräte, um den Rahmen der Baukosten einzuhalten. Die Erfahrung zeigt, dass diese dann später häufig nachgerüstet werden müssen.

Eine nachträgliche Ausstattung bzw. Beschattung der Außenanlagen von Kindertagestätten sollte im planerischen Kontext mit Sanierungsmaßnahmen erfolgen, da nur so eine sinnvolle gestalterische und funktionale Anordnung z.B. der Gehölze gewährleistet werden kann. Jedoch hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass die ursprünglich geplante Beschattung nicht die gewünschte Wirkung bringt, so dass dann eine Nachrüstung zwingend erforderlich wurde. Eine kurzfristige Nachrüstung der Freiflächen mit Bäumen hat kaum eine Wirkung, da nur hochgewachsene bzw. große Bäume einen schattenspendenden Effekt haben. Von daher sind andere Lösungen, wie z.B. das Aufstellen großer Schirme oder das Anbringen von Sonnensegeln, zu prüfen und zu realisieren. Grundsätzlich ist die Beschattung bestehender Anlagen stets individuell zu prüfen und zu beurteilen. In der Regel sind Nachrüstungen jedoch möglich.

Kindertageseinrichtungen im Betrieb

Die warmen und zum Teil heißen Sommermonate der letzten Jahre wurden bzw. sind für viele Einrichtungen, je nach baulicher Beschaffenheit, eine zunehmend größer werdende Herausforderung. So wurden in städtischen Kitas beispielsweise im Sommer 2018 Temperaturen von knapp 30 Grad in den Innenräumen erreicht, analog der Außentemperatur, was zur Folge hatte, dass Räume temporär gesperrt werden mussten. Zwar verfügen alle städtischen Kitas über Außenflächen, aber es ist bei den immer häufiger werdenden heißen Sommerwo-

chen kein dauerhaftes Aufhalten im Freien möglich. Hier können folgende Maßnahmen helfen, einerseits die Innentemperaturen abzusenken, um auch die Räume für Essen und Schlafen nutzen zu können, anderseits aber auch und das Spielen der Kinder im Außenbereich, unabhängig von der Tageszeit, Jahreszeit und vom Sonnenstand, gut zu ermöglichen:

 Die Einrichtungen werden in ein richtiges Lüftungsverhalten eingewiesen. Die Querlüftung erfolgt in den kühlen Morgenstunden: Die Fenster und Türen in allen Räumen einer Etage sind, so früh wie möglich, für mindestens 20 – 30 Minuten ganz zu öffnen. Dies erfolgt möglichst bevor die Kinder in die Einrichtungen kommen. Die Zeiten für die Lüftung müssen zusätzlich im Dienstplan der Einrichtung ausgewiesen werden.

 Die Einrichtungen verfügen über Lüftungsvorrichtungen und Ventilatoren.

 Trinkwasser ist in den Kitas dauerhaft verfügbar: In den Bestandskitas findet dies in der Regel durch Einkäufe oder die Verwendung von aufbereitetem Leitungswasser statt. In den Neubauten werden mittlerweile Anschlüsse für Trinkstationen geplant. Der Bedarf nach festen Trinkstationen wird zunehmend von vielen Einrichtungen nachgefragt.

 Nachträgliches Anbringen von Sonnensegeln und besonderen Beschattungsmaßnahmen, wo keine ausreichende Beschattung besteht. So wurden beispielsweise in den vergangenen Jahren an verschiedenen Bestandsstandorten schattenspendende Maßnahmen nachträglich umgesetzt: 2018: Hort Fischbacher Str., Familienzentrum Imbusschstraße, Hort Heroldsberger Weg, Kiga Osternoher Straße, Kindergarten Leonhardstraße, Familienzentrum Schoppershofstraße, Hort Welserstraße; 2019: Kindergarten Sorger Weg, Kindergarten Frankenstraße, Kindergarten Hansastraße, Hort Neunhofer Hauptstraße, und Hort Kronacher Straße; 2020: Kindergarten Heisterstraße, Kindergarten Reutersbrunnenstraße und Haus für Kinder Muggenhofer Straße.

Aktuelle Anträge für weitere schattenspendende Maßnahmen, also für Markisen, Sonnenschirme, Sonnensegel, UV-Folien etc. liegen für folgende städtische Kitas vor: Haus für Kinder Viatisstraße, Kindergarten Beckstraße, Krippe Dörflerstraße, Hort Merseburger Straße, Familienzentrum Imbuschstraße, Hort Zugspitzstraße und Kindergarten Olgastraße.

Grundsätzlich sollte zukünftig bei der Planung neuer Einrichtungen noch mehr auf eine naturnahe Gestaltung der Außenfläche, die Ausrichtung der Gruppenhaupträume auf weniger sonnenintensive Seiten, eine umfängliche Beschattung von großen Glas- und Außenflächen sowie Dachterrassen geachtet werden. Bei Flachbauten ist eine mögliche Dachbegrünung zu prüfen. Zusammen mit effektiven Lüftungskonzepten sind dies sinnvolle Maßnahmen, um der Hitze in den Räumen wirksam zu begegnen und die Außenflächen auch an heißen und sehr sonnigen Tagen lange nutzbar zu machen. In Bestandsgebäuden sind diese Maßnahmen bei Bedarf auch weiterhin nachträglich umzusetzen.

Nur für den inneren Dienstgebrauch Stadt Nürnberg

Referat für Finanzen,

Personal, IT und

Organisation

Mitteilung

Ansprechpartner

Herr Sembritzki

Tel.: 09 11 / 2 31- 77 5 78

Nummer/Verteiler: 30/ A

01.07.2019

Sommerliche Hitze

Mit 80 Sommertagen und 27 Hitzetagen mit Temperaturen über 30 °C war der Sommer 2018 einer der heißesten Sommer in Nürnberg seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Im August 2018 wurde durch Ref. I/II eine Arbeitsgruppe unter Beteiligung von Ref. I/II-ASi, ZD, PA, Gh, H/ZA- KEM, GPR und GSBV eingesetzt, die sich mit den Auswirkungen der Sommerhitze auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung beschäftigen sollte. Ziel des Projekts ist es, bestehende Regelungen auf ihre Tauglichkeit bei Hitzeperioden zu überprüfen und ggf. notwendige Anpassungen zu veranlassen. Dadurch sollen Unsicherheiten bei Umsetzung von Maßnahmen zur Reduzierung hitzebedingter Belastungen möglichst reduziert werden. Außerdem sollten mögliche bauliche Maßnahmen betrachtet werden, die die Hitzebelastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter reduzieren können.

  1. Umgang mit Hitze bei der Arbeit in Gebäuden

Die im Umlauf befindlichen Merkblätter verschiedener Dienststellen wurden gesichtet und in Abstimmung mit der Arbeitssicherheit, dem Gesundheitsamt und dem kommunalen Energiemanagement und Bauphysik (H/ZA-KEM) um weitere Hinweise ergänzt und zu einem einheitlichen Merkblatt zusammengefasst. Um die Umsetzbarkeit der Verhaltensregeln zu gewährleisten, wurden innerdienstliche Regelungen auf ihre Zweckmäßigkeit geprüft und soweit erforderlich angepasst. Dies betrifft vor allem die Frage Nachtlüftung. Das Merkblatt liegt als Anlage 1 bei.

  1. Hitzeschutz bei der Arbeit im Freien

Auf Grundlage der bisher bei SÖR verwendeten Betriebsanweisung wurde eine Musteranweisung entwickelt, die für alle im Freien beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingesetzt werden kann. U. a. sind folgende Maßnahmen enthalten: 1. Regelungen zur Verteilung von körperlich anstrengenden Arbeiten in kühlere Tageszeiten 2. Regelungen zu Arbeitspausen 3. Regelungen zu Arbeits- und Schutzkleidung sowie Schutzausrüstung und -mittel 4. Regelungen zur Verfügbarkeit von Getränken Die Musterbetriebsanweisung liegt als Anlage 2 bei.

  1. Bereitstellung von Trinkwasser

Grundsätzlich ist Leitungswasser gesundheitlich unbedenklich und für den menschlichen Genuss gut geeignet. Im Allgemeinen wird empfohlen, bei der Entnahme nach Öffnen des Wasserauslaufs zunächst abzuwarten, bis das Wasser merklich kühler aus der Leitung strömt, bevor ein Trinkgefäß gefüllt wird, um die Frische des entnommenen Wassers zu gewährleisten. Da mitunter Bedenken im Hinblick auf die in die Jahre gekommenen Leitungsnetze einzelner Gebäude bestehen und zum Teil auch keine geeigneten Entnahmestellen zum Befüllen von Flaschen, Karaffen u. ä. Gefäßen in den Diensträumen vorhanden sind, werden die hausverwaltenden Dienststellen mittelfristig in städtischen Gebäuden mindestens eine allgemein zugängliche, geeignete Entnahmemöglichkeit schaffen, die regelmäßig auf ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit hin untersucht wird. Diese Entnahmestellen werden einheitlich gekennzeichnet. Die Umsetzung dieser Maßnahme kann jedoch nur Schritt für Schritt erfolgen. Die Aufstellung von sogenannten Trinkwasserbrunnen soll wegen des damit verbundenen technischen Aufwands und der laufenden Kosten nur im Ausnahmefall erfolgen. Für außerhalb von Gebäuden beschäftigte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen – soweit technisch möglich – ebenfalls Trinkwasserentnahmestellen an geeigneter Stelle eingerichtet werden. Die Bereitstellung erfolgt durch die jeweiligen Dienststellen und Eigenbetriebe. In Ausnahmefällen – vor allem wenn die Versorgung aus dem Leitungsnetz nicht möglich ist – können städtische Dienststellen bei Hitze geeignete Getränke (z. B. Mineralwasser) in Flaschen zur Verfügung stellen. Die Beschaffung ist durch die Dienststellen zu organisieren und zu finanzieren. ZD wird hierzu in Kürze Informationen zu Bestellmöglichkeiten (Lieferdienst) zur Verfügung stellen. Die Lieferung von Getränken durch den städtischen Transportdienst ist grundsätzlich nicht möglich.

  1. Gestaltung der Arbeitszeit

Die Rahmenvereinbarung über die Regelung und Flexibilisierung der Arbeitszeit bei der Stadt Nürnberg (Rahmen-DV, HdV Nr. 120.65) lässt Abweichungen von den stadtweit geltenden Regelungen zu. Die Zuständigkeit für die Gestaltung der Arbeitszeit liegt grundsätzlich bei den Dienststellen. Von den grundsätzlichen Festlegungen zur Lage der Arbeitszeit kann im Falle einer Hitzewelle insbesondere von den allgemein festgesetzten üblichen Arbeitszeitrahmen (§ 5 Abs. 1,2 Rahmen-DV) oder Kernzeiten (§ 6 Abs. 2 Rahmen-DV) abgewichen werden. Denkbare Maßnahmen im Zusammenhang mit dem in der Stadtverwaltung verbreiteten Gleitzeitmodell sind: 1. Früherer Dienstbeginn (frühestens ab 6:00 Uhr) 2. Verlängerung oder Verlegung der Mittagspause 3. Späteres Dienstende (längstens bis 20:00 Uhr) Inwieweit bei festen Arbeitszeiten oder Dienstplanarbeit abweichende Arbeitszeiten möglich sind, wäre in den Dienststellen gesondert zu prüfen. Abweichungen von den üblichen Regelungen müssen sowohl mit der Personalvertretung (Ausnahme: in Einzelfällen) wie auch mit der Hausverwaltung (Schließdienst) abgestimmt werden. Eine gesonderte Dienstvereinbarung ist dafür nicht erforderlich. Eine frühzeitige Abstimmung zu den bei Hitze geltenden Regelungen wird empfohlen, um im Bedarfsfall schnell handlungsfähig zu sein. Soweit es die dienstlichen Belange zulassen, soll die Gewährung von Urlaub oder Gleitzeit während Hitzeperioden durch die Dienststellen großzügig gehandhabt werden und ggf. auch kurzfristig erfolgen. Zudem können in Abstimmung mit den Vorgesetzten zur Erholung und Wiederherstellung der Konzentrationsfähigkeit kurze Arbeitsunterbrechungen erfolgen, bei denen kühlere Stellen im oder am Gebäude aufgesucht werden.

Unabhängig von diesen Regelungen ist die Einhaltung der Vorschriften zur Arbeitszeit und zur Dienstzeit durch die Dienststellen und Betriebe zu gewährleisten.

  1. Überprüfung der Standards für Neubauten und Sanierungsprojekte und Maßnahmen zur Reduzierung von Hitzebelastungen in Bestandgebäuden

Die aktuell geltenden, am 17.11.2009 beschlossenen „Leitlinien zum energieeffizienten Bauen und Sanieren bei städtischen Hochbaumaßnahmen“ wurden einer Prüfung unterzogen und im Hinblick auf die o. g. Zielsetzungen des „Hitzeschutzes“ angepasst. Die baulichen Maßnahmen und Ergänzungen wurden in einem Arbeitspapier (Anlage 3) zusammengestellt. Im nächsten Schritt wird eine Beschlussfassung im Bau- und Vergabeausschuss angestrebt, um die Verbindlichkeit der neuen Standards herzustellen.

Bei der technischen Nachrüstung von Gebäuden sind die Handlungsspielräume deutlich kleiner als im Neubau. Wirkungsvolle Maßnahmen sind die Nachrüstung eines außenliegenden Sonnenschutzes an den Fenstern und die Verbesserung der Lüftungsmöglichkeiten, insbesondere der Einbau von Fenstern mit Nachtlüftungsmöglichkeit. Nach Einschätzung der Projektgruppe ist dagegen die Wirkung von sogenannten Hitzeschutzfolien an den Fenstern in der Praxis häufig sehr begrenzt und daher nur in Ausnahmefällen mit Einzelfallbetrachtung sinnvoll. Die nachträgliche Anbringung eines außenliegenden Sonnenschutzes ist – wie der Austausch von Fenstern – aus gestalterischen und arbeitsökonomischen Gründen in der Regel nur für alle Fenster einer Gebäudeseite oder für die gesamte Fassadenfläche zweckmäßig. Außerdem können bei der Nachrüstung eines außenliegenden Sonnenschutzes ebenso wie beim Fensteraustausch Aspekte des Denkmalschutzes eine Rolle spielen. Die Umsetzung derartiger Maßnahmen ist deshalb in der Regel nur mittel- bis langfristig möglich.

Für den Umgang mit Hitze in Bestandsgebäuden wurde deshalb ein Verfahrensablauf definiert. Dieser sieht insgesamt 6 Schritte vor.

  1. Beschreibung der Situation durch die nutzende Dienststelle und Weitergabe an die zuständige hausverwaltende Dienststelle bzw. HVE Schule oder HVE Kultur, Soziales und Verwaltung. 2. Beauftragung des Hochbauamts (H/ZA-KEM) mit der Prüfung und Bewertung der Situation. 3. Ortstermin H/ZA-KEM mit den Verantwortlichen der hvD und der nutzenden Dienststelle. 4. Aufnahme der Bestandssituation, ggf. Temperaturmessungen durch H/ZA-KEM, Kurzbericht an die Auftraggeber mit Bewertung der Situation. Erarbeitung von situations- und gebäudespezifischen Vorschlägen für Verbesserungsmaßnahmen (z. B. Sonnenschutz nachrüsten, Lüftungsmöglichkeiten verbessern, Nachtlüftungsmöglichkeiten nachrüsten). 5. Bereitstellung der erforderlichen Finanzmittel durch die hvD bzw. HVE oder Anmeldung der Maßnahme zum Haushalt (ggf. Hochbaupauschale, BIC/MIP). 6. Umsetzung der Verbesserungsmaßnahmen durch HVE oder Hochbauamt.

Unabhängig von den vorstehenden Regelungen ist die Einhaltung einschlägiger Vorschriften (z. B. zur Arbeitssicherheit und zum Gesundheitsschutz) durch die Dienststellen-, Schul- und Werkleitungen zu gewährleisten. Für jugendliche, schwangere und schwerbehinderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind soweit erforderlich Gefährdungsbeurteilungen zu erstellen und ggf. gesonderte Maßnahmen zu ergreifen.

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Sommerhitze bei der Arbeit in Gebäuden

Empfehlungen zur Vermeidung übermäßiger Aufheizung von Räumlichkeiten und

den Umgang mit Hitze

1. Richtiges Lüftungsverhalten

 Querlüftung in den kühlen Morgenstunden: Die Fenster und Türen in allen Räumen einer Etage sind, so früh wie möglich, für mindestens 20 – 30 Minuten ganz zu öffnen. Alle Fenster zum Lüften benutzen und auch die Zimmer von (noch) nicht anwesenden Kollegen nicht vergessen. Unter Umständen kann es sinnvoll sein, für einzelne Organisationseinheiten einen „Lüftungsdienst“ einzuteilen. Sobald die Außentemperatur über die Zimmertemperatur ansteigt, sind die Fenster ganz zu schließen und geschlossen zu halten, damit die warme Außenluft nicht ins Gebäude dringt.  Tagsüber sollten die Fenster nur kurzzeitig zur Frischluftzufuhr geöffnet werden.  Bei sommerlichen Hitzeperioden sollte Kipplüftung zur Unterstützung der Nachtauskühlung eingesetzt werden. Hierbei sind die örtlichen Gegebenheiten, der Einbruchschutz und die prognostizierten nächtlichen Witterungsverhältnisse zu berücksichtigen. Die Entscheidung, ob und welche Fenster während der Nachtstunden gekippt bleiben dürfen, liegt im Ermessen der Dienststellen-, Schul- oder Werkleitungen. In Zweifelsfällen oder Fragen der technischen Nachrüstung können die Hausverwaltungen beigezogen werden.  In Gebäuden mit Lüftungsanlagen sollte die Möglichkeit der Nachlüftung geprüft werden, um die kühlere Nachtluft ins Gebäude einzubringen.

2. Umgang mit Sonnenschutzeinrichtungen

 Sobald die Sonne hereinscheint, sollten die Fenster ganz geschlossen und der (im besten Fall außenliegende) Sonnenschutz (Jalousien, Rollos, Fensterläden) verwendet werden, um eine Aufheizung durch direkte Sonneneinstrahlung zu verhindern.  Es ist zu empfehlen, den Sonnenschutz schon bei nicht direkter Einstrahlung zu schließen, da auch diffuse Sonnenstrahlung zur Erwärmung führt.  Wenn die Möglichkeit besteht, sollten die Verschattungselemente über Nacht geschlossen bleiben, um eine Aufheizung der Räume durch Abend- oder Morgensonne außerhalb der Dienstzeiten zu vermeiden.  In einmal aufgeheizten Räumen lassen sich die Temperaturen bei fortdauernder warmer Witterung nur schwer wieder senken!

3. Aktive Hitzebewältigung

 Es ist auf ausreichendes Trinken (empfohlen werden mindestens 2 Liter am Tag) und Zuführung von Mineralien (z. B. über salzhaltige Speisen) zu achten.  Die Kleidung sollte den Witterungsverhältnissen entsprechend angepasst sein.  Erfrischung verschafft auch die Kühlung von Körperteilen (z. B. kaltes Fußbad oder kühles Tuch auf Nacken und Kopf).  (Verzichtbare) interne elektrische Wärmequellen (z. B. PC, Drucker, Beleuchtung) sind gar nicht erst einzuschalten – oder zumindest in Pausenzeiten abzuschalten. In Einzelfällen kann die Umrüstung der Beleuchtung auf LED-Technik sinnvoll sein.  Wenn die Möglichkeit besteht, sollten kühlere Räume innerhalb der Dienststelle genutzt werden. So können nordseitige sowie vormittags westseitige und nachmittags ostseitige Diensträume genutzt werden, die z. B. wegen Urlaub, Teilzeitarbeit u. ä. gerade nicht belegt sind.  Der Einsatz von Ventilatoren kann sinnvoll sein, um die Raumluft in Bewegung zu halten oder kühlere Luft aus anderen Gebäudeteilen (Flur) in den Raum zu befördern. Zudem wird durch die Luftbewegung die Verdunstungskühlung auf der Haut verbessert. Die Beschaffung von Ventilatoren wird aus den Budgets der Dienststellen finanziert. Klimageräte kommen vor allem aus ökologischen Gründen und wegen des hohen Energieverbrauchs grundsätzlich nicht zum Einsatz.

Sommerhitze bei der Arbeit in Gebäuden

 Bei besonders hohen Temperaturen kann es sinnvoll sein, die Arbeit zeitweilig zu unterbrechen, um zur kurzen Erholung („Trinkpause“) einen kühleren Bereich des Gebäudes (z. B. Sozialraum, Flur, Innenhof) aufzusuchen. Dies kann zur dauerhaften Erhaltung der Konzentrationsfähigkeit beitragen. Umfang und Gestaltung der Arbeitsunterbrechungen sind mit der bzw. dem unmittelbaren Vorgesetzten abzustimmen.

4. Verhalten in Notfällen

Anzeichen für hitzebedingte Gesundheitsstörungen können sein:  starke Mundtrockenheit  starkes Schwitzen, Krämpfe durch Flüssigkeits- und Mineralienverlust  Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, gerötete Haut oder hochroter Kopf  Schwäche, Schwindel, Übelkeit, Verwirrtheit, Benommenheit, Bewusstlosigkeit  Herzklopfen, schneller Puls, Übelkeit, Erbrechen

Bereits bei ersten Anzeichen von hitzebedingten Gesundheitsstörungen:  Arbeit unterbrechen und betroffene Person an einen kühleren, schattigen Ort bringen  ausreichend Flüssigkeit (kein Alkohol) in kleinen Mengen und mit Pausen zuführen  bei Schwindel hinlegen  kühle, feuchte Tücher auf Stirn, Nacken, Arme, Beine legen  Betroffene Person weiter beobachten  Erste Hilfe (Ersthelferinnen und Ersthelfer) sofort anfordern (Notruf 112)  Bei Bewusstlosigkeit den Betroffenen in die stabile Seitenlage bringen

Die aufgeführten Punkte sind als Empfehlungen zu verstehen und je nach persönlicher Situation am Arbeitsplatz anzupassen.

Bauliche Maßnahmen

(bei Neubau und Sanierungen, geplant und gebaut durch das Hochbauamt oder die wbg-k)

Die vorhandene Klimasituation innerhalb der Stadt Nürnberg und weitergehende Klimaprognosen erfordern für Neubauplanungen und bei der Beschäftigung mit Bestandssituationen eine Auseinandersetzung mit möglichen Extremwetterereignissen wie Sommerhitze, Trockenperioden, Starkregen und Sturmereignissen.  Um die Auswirkungen von Extremwetterereignissen auf den Menschen und die Umwelt abzumildern und um die Bausubstanz zu schützen, sollen zusätzlich zu städtebaulichen Maßnahmen auch im Bereich des Hochbaus Maßnahmen zur Klimaanpassung entwurfsabhängig je nach Einzelfall getroffen werden.  Gebäudespezifisches Konzept zum sommerlichen Wärmeschutz: bei Neubau- oder umfassenden Sanierungsmaßahmen ist ein Konzept für einen umfassenden sommerlichen Wärmeschutz auf der Grundlage passiver Maßnahmen zu erarbeiten. Das Gebäude ist hinsichtlich Orientierung, Zonierung, Anteil der Glasflächen, Sonnenschutz, Nachtlüftung und Speichermassen so zu konzipieren, dass keine aktive Kühlung erforderlich wird.  Anzustrebendes Ziel ist, dass die Grenze von 26°C in den Nutzungszeiten nicht überschritten wird. Bei einer längeren sommerlichen Hitzeperiode soll während der üblichen Nutzungszeit die Raumtemperatur jeweils etwa 3 Kelvin unter der Außenlufttemperatur liegen.  Wenn sich in Sonderfällen dennoch Kühlbedarf ergibt, dann ist ein energieeffizientes und wirtschaftliches Kühlkonzept, ggf. auch unter Einsatz erneuerbarer Energien, zu erarbeiten.  Konventionelle Kühlung und Befeuchtung sind i. d. R. nicht zulässig. Ausnahmen gelten aus konservatorischen oder medizinischen Gründen bzw. bei besonderen Veranstaltungsräumen oder verfahrenstechnischen Prozessen.  Dach- und Fassadenbegrünung: bei Neubaumaßnahmen ist zu prüfen, ob Dach- oder Fassadenbegrünung einen Beitrag zum sommerlichen Wärmeschutz, zur Regenwasserrückhaltung und zum lokalen Stadtklima leisten kann. Dach- und Fassadenbegrünung soll in den Eingriffsausgleich nach BauGB einbezogen werden.  Außenbereich: o Begrünung der Freiflächen mit Bäumen u.a. zur Verschattung und Verdunstungskühlung (Großer Baum verdunstet: 100-300 Liter/Tag -> Kühlleistung: 0,6 kWh/Liter) o Verschattungseinrichtungen im Außenbereich wie z.B. Sonnensegel u.ä. o Minimierung der Versiegelungsflächen sowie Entsiegelung und Rückhaltung / Versickerung von Regenwasser  Albedogerechte Farbwahl: dunkle Flächen heizen sich im Sommer deutlich stärker auf als helle Flächen. Im Zuge der Verbesserung des sommerlichen Wärmeschutzes ist in jedem Fall zu prüfen, ob insbesondere die Farbgebung von Dächern albedogerecht optimiert werden kann. Zusätzlich ist bei der Wahl von notwendigen Bodenbelägen in den Freianlagen sicherzustellen, dass Materialien verwendet werden, die sie sich möglichst wenig aufheizen.

Details:  Die Fensterflächenanteile sollen optimiert werden. Kriterien sind dabei Tageslichtnutzung, Belüftung, solare Gewinne und Wärmeverluste in der Heizperiode sowie der sommerliche Wärmeschutz. Raumhohe Verglasungen sind aus energetischer Sicht i.d.R. nicht sinnvoll, weil sie die Tageslichtnutzung und Lüftung kaum verbessern.  Ein ausreichender Luftwechsel ist erforderlich, um hygienische Raumluftverhältnisse sicher zu stellen.  Auch beim Einsatz einer mechanischen Lüftungsanlage muss in jedem Fall für alle Aufenthaltsbereiche ein ausreichender Luftwechsel über zu öffnende Fenster möglich sein, die auch beim Ausfall der Anlage oder bei kombinierten Lüftungskonzepten hygienische Raumluftverhältnisse gewährleisten. Die Nachweise sind entsprechend zu führen.  Zur Vereinfachung des Verfahrens gelten folgende Richtwerte für den freien Lüftungsquerschnitt: 0,2 bis 0,3 m² zu öffnende Fensterfläche pro Person oder 10 bis 15% der Raumgrundfläche.  Komponenten für einen angemessenen Sonnenschutz sind: o Aktive Sonnenschutzmaßnahmen: Der Sonnenschutz soll möglichst außenliegend und hinterlüftet mit hohen Reflexionsgraden und mit Lichtlenkfunktion oder, in begründeten Fällen, zwischen den Scheiben angeordnet werden. Er muss windstabil bis Windstärke 7 (Beaufort; entspricht etwa 13 bis 15 m/s) ausgeführt sein. Blendschutz und/oder Verdunkelungsanforderungen sind gesondert zu beachten. Wann immer die Art oder Nutzung des Gebäudes es zulassen, sollten die Sonnenschutzeinrichtungen manuell gesteuert (Nutzeraufklärung- und Verantwortung) und bedient werden (Kurbel, Schiebeelemente u.a.), um eine hohe Ausfallsicherheit, Lebensdauer und optimierte Betriebskosten sicherzustellen. o Speichermassen: Die thermische Speicherfähigkeit der Gebäude ist im Rahmen der Planung unter Beachtung der raumakustischen Belange zu berücksichtigen. Die Flächenbelegung mit raumakustisch notwendigen Maßnahmen ist so zu optimieren, dass möglichst viel freie massive Decken- und Wandflächen zur Aktivierung der Speichermasse verfügbar bleiben. Innenwände sollen unter Berücksichtigung von Variabilität und Flexibilität der Grundrisse in Massivbauweise errichtet werden. Dies verbessert zudem den Schallschutz. o Nachtlüftung zur Nachtauskühlung: Es sind vorzugsweise manuelle Nachtlüftungsmöglichkeiten, z.B. über kippbare Fenster und/oder Lüftungsklappen, etc., möglichst als Querlüftung oder über Fassade-Dach mit thermischem Auftrieb zu planen. Wetter-, Einbruch- und Insektenschutz muss gewährleistet sein. Für eine Variante ohne Querlüftungsmöglichkeit soll der freie Lüftungsquerschnitt z.B. je Unterrichtsraum/Gruppenraum etwa 5% der Raumgrundfläche betragen. Bei Querlüftungsmöglichkeit oder mit thermischem Auftrieb ist ein freier Lüftungsquerschnitt, alle Öffnungen addiert, von etwa 4% der Raumgrundfläche ausreichend. Alternativ ist eine Nachtlüftung mit mechanischer Abluftunterstützung möglich. Bei dieser Variante ist ein freier Lüftungsquerschnitt von etwa 2% ausreichend. Die Nachtlüftungsflügel sind bei der Fassadengestaltung zu berücksichtigen, sie können bei entsprechender Planung und unter Einbeziehung der Nutzer auch mit zur Taglüftung eingesetzt werden. Tatsächliche örtliche Klimabedingungen sind gemäß Stadtklimakarte zu berücksichtigen. Notfalls ist die Nachtkühlung auch über den Normalbetrieb der mechanischen Lüftungsanlage möglich.  Sonnenschutzsteuerung (wenn keine manuelle Variante möglich / sinnvoll sein sollte): Für die Sonnenschutzsteuerung ist im Rahmen der Entwurfs- und Ausführungsplanung eine integrale Planung von Architekt (einschließlich Tageslicht), den Fachplanern für Elektro (einschließlich Kunstlicht) und evtl. Gebäudeautomation (Mess-, Steuer- und Regelungstechnik) notwendig.

In einer gemeinsam erstellten Funktionsbeschreibung ist folgendes festzulegen bzw. zu beachten: o Definition der Art der Steuerung: zentral oder dezentral; bei zentraler Steuerung ist festzulegen, welches Gewerk (Elektro oder Gebäudeautomation) diese Funktion ab einer klar zu definierenden Schnittstelle übernimmt. o Definition aller notwendigen Betriebsarten und Funktionen: o Verschattung, auch außerhalb der Nutzungszeiten, o manuelle Übersteuerung mit Rückschaltfunktion in Automatikbetrieb (mit veränderbarem Zeitraum); evtl. Blockierung der Rückschaltfunktion über Präsenzmelder, o Steuerung, evtl. zonenweise bzw. nach Himmelsrichtung, o Definition der Grenzwerte für Öffnungs- und Schließfunktion mit einstellbarer Zeitverzögerung, o ev. notwendige frei programmierbare Nutzzeiten, o ev. Definition weiterer Funktionen, z.B. Reinigungsstellung, o Definition der Sicherheitsfunktionen: Windwächter- o. Frostschutzüberwachung, evtl. Regen- oder Hagelüberwachung, o Definition der Motorkonfiguration (Antriebsart, Signale, Laufzeiten usw.) für die geplante Motoransteuerung zur Ausschreibung der Motorantriebe. o Definition der Schnittstellen zwischen den Gewerken Rollladenarbeiten, Elektrotechnik und evtl. Gebäudeautomation; Hilfestellung kann hierzu ev. die AMEV-EltAnlagen- 2015 7.5 Sonnenschutz geben. o Notwendig ist eine gemeinsame Inbetriebnahme aller Firmen der beteiligten Gewerke und anschließender Funktionsprüfung mit den Firmen der vorgenannten Gewerke unter Beteiligung der Fachplaner. Beides ist zu protokollieren

H/ZA-KEM

19.03.2019

Nürnberg Betriebsanweisung* für Maschinen, Geräte, Werkzeuge und Arbeitsverfahren BA_ Seite 1 von 1
1. Anwendungsbereich Arbeiten im Freien bei Hitze
2. Gefahren  Gefahren durch hohe Temperaturen, Hitze (Temp. > 25°C)  Sonnenstich, Hitzeerschöpfung, Hitzschlag  Beeinträchtigung der Konzentration und der körperlichen Leistungsfähigkeit. Erhöhung der Unfallgefahr!  Gefahren durch Sonnenstrahlung/UV-Strahlung  Gefahr von Sonnenbrand  Erhöhtes Risiko für Hautkrebs  Bindehautentzündung (Augen) möglich  Gefahren durch hohe Ozonbelastung  Augenbrennen, Reizgefühl in Hals und Rachen, Atemnot und Kopfschmerzen  Gefahren durch Zusammenwirkung von UV-Strahlung und bestimmten chemischen Substanzen (z.B. Pflanzenschutzmittel)  Überempfindlichkeitsreaktion der Haut (phototoxische / photoallergische Reaktionen)
3. Schutzmaßnahmen, Verhaltensregeln/-empfehlungen  Helle, leichte und weite/langärmlige, für UV-Strahlen undurchlässige Kleidung tragen, die atmungsaktiv ist. (Tragepflicht von Warnkleidung beachten!)  Wenn möglich Arbeiten so planen, dass natürliche Schattenflächen genutzt werden können und/oder Schattenspender (Sonnenschirm, Sonnendach etc.) aufstellen.  Helle Kopfbedeckung und Sonnenbrille tragen.  Sonnenschutzcreme verwenden (wasserfest, hoher Lichtschutzfaktor).  Leichte Mahlzeiten einnehmen.  Für Verfügbarkeit von Getränken sorgen (z.B. Wasser, Früchtetee oder verdünnte Fruchtsäfte). Regelmäßig und in genügender Menge trinken.  Körperlich anstrengende Arbeiten nach Möglichkeit nicht in der Mittagshitze durchführen.  Bei Hitze sind angemessene Arbeitspausen einzulegen.  Arbeitspausen im Schatten verbringen.
4. Verhalten bei Gesundheitsstörungen  Auf Symptome achten:  Sonnenstich: Hochroter heißer Kopf, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Nackensteifigkeit, Bewusst- seinstrübung  Hitzeerschöpfung: Kopfschmerzen, Übelkeit, Schüttelfrost, starkes Schwitzen, Hautblässe, schneller Puls, Blutdruckabfall (Schockzeichen)  Hitzschlag: Heiße, trockene, rote Haut, stark erhöhte Körpertemperatur, taumelnder Gang, Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit  Bereits bei ersten Anzeichen von hitzebedingten Gesundheitsstörungen:  Arbeit unterbrechen und in Begleitung in Schatten begeben (Kühlung)  bei Schwindel hinlegen, bei Übelkeit auf die Seite legen  Flüssigkeit trinken (langsam in kleinen Schlucken)
5. Verhalten bei Unfällen, Erste Hilfe Arzt: Klinikum Nürnberg 3980* Notruf: 112* Prof.-Ernst-Nathan-Str. 1 (KNN) Breslauer Str. 201 (KNS) * An städt. Telefonanlage die 0 vorwählen Ersthelfer: Erste Hilfe-Kasten: Kfz-Verbandkasten im Fahrzeug  Bei Sonnenstich und Hitzschlag besteht Lebensgefahr: Rettungsdienst alarmieren / Notruf!  Lebensrettende Sofortmaßnahmen, wie „Stabile Seitenlage“, „Herz-Lungen-Wiederbelebung“, „Schockbekämpfung“ situationsabhängig durchführen. Ersthelfer informieren.  Betroffenen in den Schatten bringen, Kopf und Nacken mit nassen Tüchern kühlen.  Bei Sonnenstich: Betroffenen zusätzlich mit leicht erhöhtem Kopf lagern.  Bei Hitzeerschöpfung: Betroffenen zusätzlich mit leicht erhöhtem Kopf und erhöhten Beinen lagern.  Bei Hitzschlag: Betroffenen schwere Kleidung ausziehen und mit (kühlem) Wasser begießen. Notruf: 112* Arzt: Klinikum Nürnberg 3980* Prof.-Ernst-Nathan-Str. 1 (KNN) Breslauer Str. 201 (KNS)

* Bestandteil der Beurteilung der Arbeitsbedingungen nach § 5 ArbSchG

Erstellt bzw. geändert: Geprüft und freigegeben/Unterschrift Gültig ab:
Datum: Entwurf Mai 2019 Datum:

SPD spd@stadt.nuernberg.de U1, U11 Lorenzkirche Rathaus Tel 0911 /231-2906 STADTRATSFRÖÖAK T I77ON www spd-stadtratsfraktion. nuemberg de Bus 36, 46, 47 Rathaus 90403 Nürnberg Fax 0911 / 231-3895 NÜRNBERG

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SPD Stadtratsfraktion | Rathaus | 90403 Nürnberg

An den Oberbürgermeister OBERBURGER M EIS T E R der Stadt Nürnberg

14. AUG. 2019

Dr. Ulrich Maly ..Nr. Rathaus i 90403 Nürnberg \A Zur Zur ötGllungiiahme Kts. s- /'.i..von vor Abs®n- Uinrj vorlogen b Arrtu'ürt zitr Urtter- ,/v schrift vorf-iIQQfnbei^, 14. August 2019 Yilmaz

KiTas und Horte „klimafest“ machen

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

die Tendenz zu trockenen und heißen Sommern nimmt zu, weshalb auch in den nächsten Jahren mit Hitzewellen in der Stadt gerechnet werden muss. Dies hat auch Auswirkungen auf das Thema Spielen in KiTas und Horten in der Stadt. Dabei stellt sich die Frage, ob zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden müssen, damit die Räume auch bei Hitzewellen für die Kinder nutzbar bleiben. Viele Einrichtungen verfügen außerdem auch über eigene Außenspielflächen, welche für die Bewegung und Entfaltung der Kinder wichtig sind. Immer wichtiger wird es jedoch zu schauen, ob diese Flächen ausreichend beschattet sind und so ein Spielen in den Sommermonaten auch künftig möglich sein wird. Extreme Sonneneinstrahlung auf versiegelte Flächen gilt es zu vermeiden.

Aus diesem Grund stellt die SPD-Stadtratsfraktion zur Behandlung im zuständigen Ausschuss folgenden

Antrag:

  1. Die Verwaltung berichtet über die Ausstattung städtischer KiTas und Horte bezüglich des Hitzeschutzes. Dabei wird insbesondere auch auf die Schattensituation im Bereich der Außenspielflächen eingegangen.

  2. Die Verwaltung berichtet zudem über Maßnahmen, welche für einen verbesserten Hitzeschutz ergriffen werden können und erarbeitet ein entsprechendes Konzept.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Anja Prölß-Kammerer Fraktionsvorsitzende Stadtratsfraktion Nürnberg

SPD

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