HaushaltssperreBeta

← Sitzung des Kulturausschusses (13.03.2020)

Werkstattbericht Weststadt (1)

Anlage · 13.03.2020 · PDF ansehen · Originaldokument im RIS ↗

Maschinell extrahierter Text. Verbindlich ist das Originaldokument.

B ILDUNGSBERICHTERSTATTUNG DER
S N TADT ÜRNBERG
B L - B EITRÄGE ZUR ERN UND ILDUNGSLANDSCHAFT
D N W IN ER ÜRNBERGER ESTSTADT
W – T 1 ERKSTATTBERICHT EIL
F B , B E RÜHKINDLICHE ILDUNG ETREUUNG UND RZIEHUNG UND
- B M NON FORMALE ILDUNG JUNGER ENSCHEN
Stadt Nürnberg Bürgermeisteramt / Bildungsbüro 3. BM – Geschäftsbereich Schule und Sport Ref. IV / KuF – Amt für Kultur und Freizeit Ref. V / Referat für Jugend, Familie und Soziales; Jugendamt Stand: 04.11.2019

Inhalt

Vorwort ..................................................................................................................................... 3

1 Einleitung ................................................................................................................................... 4 1.1 Wandel in der Nürnberger Weststadt ............................................................................... 4 1.2 Bildung im Kontext einer integrierten Stadtentwicklung .................................................... 5 1.3 Vorausgegangenes Forschungsprojekt „Educational governance“ .................................. 6 1.4 Zielsetzung ...................................................................................................................... 7 1.5 Methodisches Vorgehen .................................................................................................. 8

2 Rahmenbedingungen ................................................................................................................. 9 2.1 Demografische Entwicklungen in der Nürnberger Weststadt ........................................... 9 2.2 Sozioökonomische Entwicklung in der Nürnberger Weststadt........................................ 16 2.3 Fazit und Empfehlungen ................................................................................................ 22

3 Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung ..................................................................... 23 3.1 Einrichtungen in der Nürnberger Weststadt ................................................................... 24 3.2 Versorgungssituation in der Nürnberger Weststadt ........................................................ 25 3.3 Bildungsbeteiligung in den Einrichtungen in der Nürnberger Weststadt ......................... 26 3.3.1. Belegungssituation ............................................................................................... 27 3.3.2 Besuchsdauer ...................................................................................................... 30 3.3.3 Sprachbildung ...................................................................................................... 30 3.3.4 Übergang Kindergarten-Grundschule ................................................................... 31 3.4 Bedarfsprognose und Ausbauplanung ........................................................................... 33 3.4.1 Ausbauplanung für unter 3-Jährige ...................................................................... 33 3.4.2 Ausbauplanung im Bereich der Regelförderung ................................................... 34 3.5 Zusammenfassung und Empfehlungen .......................................................................... 34

4 Non-formale Bildung junger Menschen ..................................................................................... 37 4.1 Bestandserhebung zu Angeboten non-formaler Bildung im Stadtteil – eine schrittweise Annäherung .................................................................................................................. 37 4.2 Ergebnisse zur Bestandserhebung in den ausgewählten Lernfeldern ............................ 43 4.2.1 Lernfeld „Kulturelle Bildung“ .................................................................................. 44 4.2.2 Lernfeld „Sprachbildung und Literacy“ ................................................................... 50 4.2.3 Lernfeld „Gesundheitliche Bildung“ ....................................................................... 53 4.2.4 Portraits ausgewählter Einrichtungen non-formaler Bildung in der Nürnberger Weststadt ............................................................................................................. 58 4.3 Fazit und Empfehlungen ................................................................................................ 59

5 Vernetzung der Bildungseinrichtungen ..................................................................................... 60 5.1 Netzwerkmonitoring – ein Feedbackinstrument zur lokalen Netzwerkarbeit ................... 60 5.2 Netzwerkmonitoring Gostenhof und Muggenhof/Eberhardshof 2017 ............................. 61 5.3 Fazit und Empfehlungen ................................................................................................ 64 6 Zusammenfassung ................................................................................................................... 65

Anhang ................................................................................................................................... 71 Tabellenverzeichnis ......................................................................................................................... 84 Abbildungsverzeichnis ..................................................................................................................... 84

Vorwort

Die Entwicklung der Lern- und Bildungslandschaft in der Nürnberger Weststadt ist in einem hochdynamischen Prozess begriffen: In den letzten Jahren wurden neue Kindertageseinrichtungen geschaffen, wurden Kulturbüro, KinderKunstRaum und Musikschule in der Kulturwerkstatt eingerichtet, ein Kinder- und Jugendhaus und ein Aktivspielplatz neu eröffnet, Spielplätze unter intensiver Nutzerbeteiligung errichtet, Netzwerke aufgebaut und stabilisiert, Stadtteilpaten für bessere Bildungschancen von Weststadtkindern gewonnen, Kindertagesstätten als Familienzentren oder Orte für Familien qualifiziert, alle allgemeinbildenden Schulen als familienfreundliche Schulen aktiv, usw. Und weitere Entwicklungen stehen an: An vielen Stellen in der Nürnberger Weststadt wird gebaut; alleine auf dem Quelle-Areal und dem ehemaligen AEG-Gelände werden in den nächsten Jahren mehrere tausend neue Wohneinheiten geschaffen. Die Infrastrukturen in den Bereichen Bildung und Soziales sind in der Weststadt stark gefordert, mit der dynamischen Bevölkerungsentwicklung Schritt zu halten. Es gibt somit auch und gerade in der von Armut stark betroffenen Weststadt regen Anlass für fachliche Diskussionen und gemeinsame Anstrengungen, den hier aufwachsenden Kindern und Jugendlichen sowohl im quantitativen wie auch qualitativem Sinne bedarfsgerechte Bildungsangebote zu unterbreiten. Die drei mit Bildungsfragen befassten Geschäftsbereiche haben sich ausgehend von den Projekten „koopstadt“ und „Educational Governance“ mit Unterstützung durch das Bildungsbüro deshalb auf den Weg gemacht, die Lern- und Bildungslandschaft für junge Menschen in der Nürnberger Weststadt näher zu beschreiben und Hinweise zu deren Weiterentwicklung abzuleiten. Nunmehr liegt der erste Werkstattbericht vor, der sich dem Schwerpunktthema „Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung und non-formale Bildung junger Menschen“ widmet. Ein zweiter Werkstattbericht mit dem Schwerpunktthema „Bildung im Schulalter“ unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklungen zur Ganztagsbildung im Grundschulalter ist bereits in Planung und soll im Jahr 2020 vorgelegt werden. Beide Teilberichte nehmen zwar unterschiedliche Bereiche der Lernund Bildungslandschaft für junge Menschen in den Fokus, gehören aber zusammen und folgen dem gemeinsamen Anliegen der ganzheitlichen Betrachtung des Bildungsangebots und der Bildungsteilhabe im Stadtteil. Die zeitlich getrennte Berichterstattung erfolgt vor dem Hintergrund des ab 2025 geplanten Rechtsanspruchs auf Ganztagesbetreuung von Kindern im Grundschulalter sowie des Ausbaus der Ganztagsgrundschulen in Bayern. Da dies im Primarbereich umfassendere Veränderungen nach sich ziehen wird, macht eine Berichterstattung zu den damit verbundenen Entwicklungspotenzialen für den Stadtteil erst dann Sinn, wenn die Rahmenbedingungen zur Umsetzung bekannt sind. Mehr Klarheit wird hierzu bis Ende des Jahres erwartet. Es bleibt somit spannend und wir sind uns sicher, dass die kleinräumige Berichterstattung zur Lernund Bildungslandschaft junger Menschen in der Weststadt eine gute Grundlage für gemeinsame Entwicklungen ist. Schon der Begriff „Werkstattbericht“ macht deutlich: Es handelt sich hier keinesfalls um einen Schlusspunkt, sondern vielmehr um einen Auftakt zur Intensivierung der fachlichen Diskussion auf allen Ebenen und in allen Bereichen der lokalen Lern- und Bildungslandschaft. Dazu laden wir Sie sehr herzlich ein.

Dr. Klemens Gsell Prof. Dr. Julia Lehner Reiner Prölß 3. Bürgermeister Berufsmäßige Stadträtin Berufsmäßiger Stadtrat Kulturreferentin Referent für Jugend, Familie und Soziales

1 Einleitung

Bildung bestimmt Lebens- und Teilhabechancen junger Menschen maßgeblich. Für den formalen Bereich der Bildung, wie er etwa durch Schulen geleistet wird, ist dies unmittelbar ersichtlich. In der Aachener Erklärung des Deutschen Städtetages von 2007 wird ein Bildungsverständnis programmatisch entfaltet, das für Betrachtung und Analyse einer kommunalen Bildungspraxis auch heute noch geeignet erscheint: „Bildung ist mehr als Schule! Kognitives, soziales und emotionales Lernen müssen miteinander verbunden und in verbindliche Vernetzungsstrukturen einbezogen werden.“ Bildung im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes zur Persönlichkeitsentwicklung erfolgt somit in einem Wechselspiel von formaler, non-formaler und informeller Bildung. Dazu die Aachener Erklärung: „Ausgangspunkt für Bildungsprozesse in den verschiedenen Lebensphasen ist die kommunale Ebene. Hier entscheidet sich Erfolg oder Misserfolg von Bildung, werden die Grundlagen für berufliche Perspektiven, gesellschaftliche Teilhabe und gleichzeitig die Zukunftsfähigkeit einer Region gelegt. Die Städte prägen mit ihren vielfältigen Einrichtungen die Bildungslandschaft Deutschlands: Kindertagesstätten, Familienzentren, Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit, Schulen, Volkshochschulen und zahlreiche Kultureinrichtungen sind Eckpfeiler der öffentlichen Infrastruktur in der Bildung.“1 Häufig finden Bildungsprozesse in der näheren Umgebung, im Sozialraum, statt. Dies trifft insbesondere für Kinder und Jugendliche zu. Die Ausgestaltung der Bildungslandschaft im Sozialraum entfaltet somit eine prägende Wirkung auf die Möglichkeiten der Bildungsteilhabe. Der erste Teil eines sozialräumlichen Werkstattberichts zur Lern- und Bildungslandschaft der Nürnberger Weststadt reiht sich ein in Entwicklungen infolge der in den 2000ern begonnenen Stadtentwicklungsmaßnahmen. Im Rahmen dieses Prozesses wurden sechs Stadtbereiche mit hohen Entwicklungsbedarfen, unter anderem auch die Weststadt identifiziert und zu Gebieten einer integrierten Stadtentwicklung ernannt.2 Schon damals wurde die Entwicklung einer Lern- und Bildungslandschaft in der Nürnberger Weststadt als ein zentrales Ziel der Maßnahmen festgeschrieben und infolgedessen eine Beteiligung am Projekt „Educational governance“ initiiert (vgl. Abschnitt 1.3). Die Weststadt qualifiziert sich des Weiteren, da das Gebiet schon immer schnelllebigen Wandungsprozessen unterworfen war. Ein regelmäßiger datengestützter Blick auf Veränderungen scheint daher nötig und sinnvoll, um mögliche Handlungserfordernisse ableiten zu können. Das INSEK-Gebiet Weststadt (nach dem Erweiterungsbeschluss) wurde auch hier als Betrachtungsraum ausgewählt: Das Gebiet grenzt „im Osten an die Altstadt und reicht im Westen bis zur Stadtgrenze zwischen Nürnberg und Fürth. Im Süden wird es durch die parallel verlaufende Bahntrasse und den Frankenschnellweg gefasst. Im Norden bildet das Pegnitztal eine natürliche Grenze.“3 Im Abschnitt zu den Rahmenbedingungen wird die Weststadt anhand der fünf statistischen Bezirke Gostenhof, Himpfelshof, Bärenschanze, Eberhardshof und Muggenhof betrachtet.

1.1 Wandel in der Nürnberger Weststadt

Charakteristisch für die Nürnberger Weststadt sind eine geradezu umweglose Verbindungsstraße zwischen Nürnberg und Fürth sowie eine Reihe stattlicher Gewerbegebäude. Gefehlt haben lange Zeit städtebauliche Akzente, grüne Plätze und attraktive Begegnungs- und Verweilorte. Der „ferne Westen“ war kein Stadtteil, der eigene Identität und Traditionen ausgeprägt hat; die Fürther Straße

1 Aachener Erklärung des Deutschen Städtetages anlässlich des Kongresses „Bildung in der Stadt“ am 22./23. November

2 Stadt Nürnberg, Wirtschaftsreferat, Amt für Wohnen und Stadtentwicklung; „Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept Weststadt“ S.12 ff 3 siehe Stadt Nürnberg, Wirtschaftsreferat, Amt für Wohnen und Stadtentwicklung; „Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept Weststadt“ S.23

schon immer ein Verkehrs- und Nutzweg, der vorrangig ökonomischen Zwecken zu dienen hatte. Als Wohn- und Aufenthaltsort war dieses Stadtgebiet im gesamtstädtischen Kontext lange Zeit vergessen. Aber: In Stadtgebieten mit nur wenigen Traditionen, fallen auch Verpflichtungen weg, fehlen Sentimentalitäten.4 Und das macht offen für Transformation und Veränderung. Spätestens seit den 1970er Jahren vollzieht sich in der Nürnberger Weststadt ein Strukturwandel, der in den vergangenen zehn Jahren noch an Fahrt gewonnen hat. Aber genau betrachtet haben Veränderung und Anpassung die Weststadt schon immer begleitet. Zum Beispiel in den sogenannten Wirtschaftswunderjahren, für die die Quelle geradezu paradigmatisch stand. Aber auch Aufschwung und Niedergang der AEG passen ins Bild. Und so sind auch die neuen Zeichen der Zeit hier schnell sichtbar geworden: der Strukturwandel hin zur Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft mit veränderten Anforderungen an die Bildungsqualifikationen. So konnten auch gerade hier am Standort Experimentierfelder einer innovativen Kultur- und Kreativwirtschaft entstehen. Ob und wie dieser Strukturwandel auch weiterhin gelingt, hängt nicht nur davon ab, welche weiteren Nutzungen künftig in die prägenden Gewerbebauten wie dem vormaligen Quelle-und AEG-Gelände einziehen. Vielmehr muss auch eine Lebens- und Aufenthaltsqualität im Stadtgebiet entwickelt werden und vor allem müssen die hier lebenden Menschen auf diesem Weg einer Quartiersentwicklung mitgenommen werden. Verbesserungen müssen für sie spürbar werden. Zur Quartiersentwicklung hat das Integrierte Stadtteilentwicklungskonzept (INSEK) Weststadt Entwicklungslinien aufgezeigt und mit Hilfe des Städtebauförderungsprogramms "Stadtumbau West" konnten bereits wichtige Infrastrukturen, insbesondere Bildungseinrichtungen ergänzt werden. Gute Anfänge sind also gemacht und Voraussetzungen für Veränderungsprozesse sind geschaffen!

1.2 Bildung im Kontext einer integrierten Stadtentwicklung

Rahmenbedingungen für positiv wirksame Bildungsprozesse zu initiieren und zu stärken, muss Bestandteil einer zukunftsgerichteten Stadtpolitik sein. Diese Bedingungen beziehen sich nicht nur auf die Ausstattung und das Funktionieren einzelner Bildungseinrichtungen, sondern müssen das Zusammenspiel sämtlicher Akteure (nicht nur der Bildungsinstitutionen) und besonders auch der Bürgerinnen und Bürger vor Ort im Sinne einer Lern- und Bildungslandschaft im Blick haben. Strukturwandel zu gestalten und Stadträume zu entwickeln heißt einerseits, in leer stehenden Gebäuden und auf brach gefallenen Flächen mit unkonventionellen Zwischennutzformaten innovative Dienstleistungen zu etablieren; es muss aber vor allem auch heißen, lebenswerte Quartiere zu entwickeln: ein ebenso geschütztes wie anregungsreiches Wohnumfeld für die hier Heranwachsenden, Orte der Begegnung und des Austauschs, unterstützende und sorgende Strukturen für alle, die in ihrer Lebenslage eher immobil sind, oder auch niedrigschwellige Bildungsangebote. Der Ansatz einer integrierten Stadtentwicklung macht es deshalb zum Handlungsprinzip, geschäftsbereichsübergreifend zu denken, für aktuelle Herausforderungen bestmögliche Lösungsansätze zu gewinnen. So wurden im „Integrierten Stadtteilentwicklungskonzept" (INSEK) für die Nürnberger Weststadt folgende fünf Konzeptbausteine erarbeitet:  Grün- und Freiraumkonzept  Profilierung des Wohnstandorts  Stadtidee Fürther Straße  Profilierung des Gewerbestandorts  Lern- und Bildungslandschaft Weststadt.

4 "Die Fürther Straße ist deshalb eine zugleich unsentimentale und lebhafte Straße, deren neutraler Charakter zugelassen hat, daß sie sich stets der neuesten Entwicklung anpassen konnte." Klaus-Jürgen Sembach in Aufriss, Schriftenreihe des Centrum Industriekultur, Nr. 5, 1985A

Gelingende Stadtentwicklung (zumal in einem von Gewerbe und Wohnen geprägten Gebiet) muss also dafür sorgen, dass sich Lebens- und Aufenthaltsqualität, städtebauliche Entwicklungen, Produktions- und Dienstleistungsbedingungen sowie Bildungs- und Teilhabechancen der hier wohnenden Bevölkerung nicht nur gleichberechtigt entwickeln, sondern besser noch aktiv aufeinander beziehen. Im INSEK Weststadt wurde die Zielsetzung, eine Lern- und Bildungslandschaft gestalten zu wollen, wie folgt begründet: „Bildung ist mittel- und langfristig die beste Armutsprävention und eine wesentliche Ressource der Wissensgesellschaft. Bildung zu ermöglichen und Bildungszugänge zu schaffen sind gesamtgesellschaftliche Aufgaben. Schon seit längerem kooperieren viele Sozial-, Bildungs- und Kultureinrichtungen und ihre Akteure in der Weststadt miteinander. Sie stehen für eine auf den Sozialraum Stadt orientierte integrierte Entwicklungsstrategie. Ziel ist es, die Lern- und Bildungslandschaft in der Weststadt so aufzustellen, dass sie vor Ort Bildungszugänge öffnet, Bildungsteilhabe ermöglicht und die besonderen Potentiale einer jungen, internationalen und an Kindern reichen Stadtgesellschaft zum Tragen bringt." 5 Besonderes Augenmerk liegt auf den Angeboten für die kleineren Kinder, eine bedarfsgerechte Ganztagsbildung und -betreuung, die Betreuung von Übergängen, auf dem Angebot von Spiel- und Erfahrungsräumen für Kinder und Jugendliche sowie auf den Möglichkeiten einer guten Integration von Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationshintergrund.

1.3 Vorausgegangenes Forschungsprojekt „Educational governance“

Wie können die Nürnberger Politik und Verwaltung gemeinsam mit weiteren Partnerinnen und Partnern die Lern- und Bildungslandschaft der Nürnberger Weststadt gestalten, um (insbesondere jungen Menschen) bessere Bildungs-, Lebens- und berufliche Perspektiven zu eröffnen? Mit dieser Fragestellung haben sich drei der mit Bildungsfragen in der Stadt Nürnberg beschäftigten Geschäftsbereiche – 3. BM Schule & Sport, Kultur sowie Jugend, Familie und Soziales – von 2010 bis 2014 am Forschungsprojekt „Educational governance“ unter Leitung von Prof. Olk, Universität Halle- Wittenberg, beteiligt. Im 2014 vorgelegten Forschungsbericht werden Umstrukturierungs- und Steuerungsprozesse im Kontext der Gestaltung lokaler Bildungslandschaften beschrieben, analysiert und verglichen. Neben einer gesamtstädtischen Perspektive waren vor allem stadtteil- und quartiersbezogene Konzepte im Bildungsbereich auffallend. Diese waren zunächst von den drei genannten Ressorts im je eigenen Zuständigkeitsbereich den jeweiligen Fachstrategien folgend initiiert und umgesetzt worden. Förderlich war aus Sicht der wissenschaftlichen Begleitung, dass die Bemühungen um eine Lernund Bildungslandschaft in der Nürnberger Weststadt in einen umfassenden Stadtteilentwicklungsprozess eingebettet werden konnten. So war zum einen durch die Beteiligung am nationalen Stadtentwicklungsvorhaben koopstadt6 ein interkommunaler Austausch möglich. Und so konnten zum anderen, ausgestattet mit Stadterneuerungs- und mit zusätzlichen Strukturfördermitteln, stadtteilzentrale Einrichtungen im sozialen und kulturellen Bereich – Orte der Begegnung, der Integration, Orte non-formaler Bildung – geschaffen werden. Während der Projektlaufzeit wurden die Planungen für die Kulturwerkstatt „Auf AEG“ und deren Einrichtungen – das Kulturbüro Muggenhof, der Kinder- KunstRaum, die städtische Musikschule und das Centro Español – sowie für das Kinder- und Jugendhaus TetriX und den Aktivspielplatz Fuchsbau, für Spielplätze am Leiblsteg und am Heinickeplatz vorangetrieben.

5 Aus "Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept Weststadt, Stadt Nürnberg, 2012 6 Kooperationsprojekt von Leipzig, Bremen und Nürnberg im Rahmen der Initiative Nationale Stadtentwicklungspolitik 2006 bis 2015. Ziel war es, einen interkommunalen Erfahrungsaustausch zum Umgang mit aktuellen Herausforderungen der Stadtentwicklung zu initiieren.

Schließlich war auf operativer Ebene die sehr gute Vernetzung der örtlichen Akteure im Stadtteil augenfällig geworden, die sich auch in vielfältigen gelungenen Kooperationen zeigt – in Tandem-Fortbildungen von Grundschule und Kindertageseinrichtungen, in Familienzentren und Kindertageseinrichtungen als Orte für Familien, in der Unterstützung durch Stadtteilpaten oder in vielfältigem ehrenamtlichen Engagement zur Förderung von Kindern in Kindertageseinrichtungen und Schulen. Insgesamt bescheinigte das Forschungsteam eine Vorgehensweise, „die von herkömmlichen Managementkonzepten abweicht und auf eine Kultur der Vernetzung und der Bildung von Vertrauen zwischen Akteuren unterschiedlicher Bereiche und Handlungsfelder setzt.“7 Es wird aber durchaus zu Bedenken gegeben, dass zwar in einer Anfangsphase die „orientierende Wirkung relativ allgemein gehaltener Ziele – wie zum Beispiel „kein Kind darf verloren gehen“ oder „Denken in Biografien“ – durchaus ausreichend sein kann, dass aber auf Dauer auch „in einer Strategie der langfristig angelegten Vernetzung die Formulierung von Teilzielen und Zeitplänen und die Entwicklung von konkreten Maßnahmen und Projekten vorausgesetzt sein sollte“.8 Kurz gesagt: der Nürnberger Weststadt wurde viel Potential bescheinigt: neue, ebenso wie lange bewährte Bildungseinrichtungen, engagierte Akteure, effiziente Netzwerkstrukturen, gute Konzepte, viele gute Maßnahmen und Projekte, tatkräftige Unterstützer – was fehlt ist eine gemeinsame strategische Ausrichtung, eine Verständigung auf Bildungsziele und Maßnahmen zu deren Erreichung. Empfohlen wird auch die Einrichtung eines sozialraumbezogenen Bildungsmonitoring. Dieses sollte ein regelmäßig angewandtes Instrument zur Beobachtung von Bildungsangebot und Bildungsteilhabe in der Nürnberger Weststadt sein. Entwicklungen sollen somit sichtbar werden und für Verantwortliche als wichtige Entscheidungs- und Steuerungshilfe für die Handlungsebene dienen.

1.4 Zielsetzung

Vor dem Hintergrund der bisherigen Prozesse zu einer integrierten Stadtteilentwicklung und auf Basis des Projekts „Educational governance“ soll die Lern- und Bildungslandschaft junger Menschen in der Nürnberger Weststadt weiter verbessert werden. Mit der vorliegenden stadtteilbezogenen Bildungsberichterstattung soll hierzu ein Beitrag geleistet werden, in dem die spezifischen Bildungsherausforderungen für Kinder und Jugendliche im Stadtteil aufgezeigt, Stärken und Lücken im Stadtteilangebot sichtbar gemacht und Ansätze zur Weiterentwicklung der Lern- und Bildungslandschaft sichtbar werden. Hierzu bedarf es der Auseinandersetzung mit folgenden Fragestellungen:  Wie lässt sich die Bildungslandschaft der Nürnberger Weststadt unter Berücksichtigung der soziodemografischen und -ökonomischen Rahmenbedingungen beschreiben?  Welche formalen und non-formalen Bildungsangebote stehen in der Nürnberger Weststadt zur Verfügung und wie werden diese von den Kindern und Jugendlichen vor Ort genutzt?  Wie werden generell Vernetzung und Kooperation durch die Bildungsakteure in der Nürnberger Weststadt bewertet?  Welche Entwicklungspotenziale werden zur Verbesserung der Bildungsteilhabe und Bildungschancen junger Menschen in der Nürnberger Weststadt gesehen? Der erste hier vorliegende Werkstattbericht liefert eine Beschreibung der Lern- und Bildungslandschaft fokussiert auf die Bereiche der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung sowie der nonformalen Bildung für Kinder- und Jugendliche im Stadtteil. Im Sinne eines kleinräumigen Bildungsmonitorings wird für beide Bildungsbereiche aufgezeigt, welche Angebote Kindern und Jugendlichen in der Nürnberger Weststadt zur Verfügung stehen und wie diese vor Ort genutzt werden. Insbesondere für den immer wichtiger werdenden Bereich der non-formalen Bildung eröffnet der Bericht mit einer

7Prof. Olk, Universität Halle-Wittenberg: Educational governance, Endbericht Nürnberg, 2014 (unveröffentlicht), S. 165 f. 8 ebenda Seite 166

Strukturierung nach Lernfeldern eine neue Perspektive zur Erfassung und Bewertung der Angebotsstrukturen. Darüber hinaus werden Einschätzungen der lokalen Bildungsakteure zur praktizierten Vernetzung und Kooperation vor Ort wiedergegeben. Im geplanten zweiten Werkstattbericht werden dann die Bildungsangebote im Schulalter mit besonderem Fokus auf die Ganztagsbildung im Grundschulalter näher beleuchtet. Im Vorwort wurde bereits die inhaltliche Zweiteilung der Werkstattberichte begründet. Neben Politik und Verwaltung, sollen beide Berichte vor allem den Akteuren vor Ort als datengestützte Informationsquelle zur Bewertung des Bildungsangebots und der Bildungsteilhabe junger Menschen dienen. Auf deren Grundlage sollen entsprechende Veränderungen in Quantität und Qualität abgestimmt und eingeleitet werden. Sozialräumliche Bildungsberichterstattung versteht sich somit als Mittel zur Stadtteilentwicklung und als Entscheidungs- und Steuerungshilfe, um Bildungsund Teilhabechancen der Bevölkerung vor Ort zu verbessern. Darüber hinaus stellt der Werkstattbericht insgesamt einen methodischen Beitrag zur kleinräumigen Bildungsberichterstattung dar, auf den Analysen anderer Stadtteile und Quartiere aufbauen können.

1.5 Methodisches Vorgehen

Durch eine Kombination verschiedener methodischer und analytischer Zugänge erfolgt eine Annäherung an die Lern- und Bildungslandschaft in der Nürnberger Weststadt wie folgt: Auswertung von Kennzahlen und Indikatoren Aufbauend auf der langjährigen Erfahrung des Bildungsbüros in der datengestützten Darstellung des Bildungsgeschehens für die Gesamtstadt, konnten schon gemeinsam mit Prof. Olk Indikatoren für ein sozialraumbezogenes Bildungsmonitoring entwickelt werden. In Anknüpfung daran wurde im vorliegenden Bericht das Indikatorenset unter Berücksichtigung sozialräumlicher Bezüge und mit dem Fokus auf junge Menschen erweitert. Auf dieser Grundlage erfolgt eine empirische Beschreibung der soziodemografischen und sozioökonomischen Rahmenbedingungen einer Lern- und Bildungslandschaft. Methodisches Vorgehen im Bereich der formalen Bildung Im Bereich der formalen Bildung wird in diesem Werkstattbericht die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung auf Stadtteilebene näher analysiert. Analog der Bildungsberichterstattung für die Gesamtstadt werden die kleinräumig verfügbaren Informationen zur Einrichtungs- und Trägerstruktur, Versorgungssituation und Bildungsbeteiligung in der Nürnberger Weststadt aufbereitet. Methodisches Vorgehen im Bereich der non-formalen Bildung Die Datengrundlage für die non-formale Bildung ist generell sehr eingeschränkt. Daher werden ausgewählte Angebote dargestellt. Die Auswahl strukturiert sich nach Lernfeldern, wobei der Schwerpunkt auf (i) kulturelle Bildung, (ii) Gesundheitsbildung und (iii) sprachliche Bildung liegt. Aufgelistet werden Angebote, die verlässlich vorgehalten und kommunal verantwortet oder gefördert werden, die eine große Reichweite besitzen und im Idealfall kooperativ umgesetzt sind. Ebenso werden Angebote aufgeführt, die besondere Zugangswege zur Zielgruppe nutzen. Ergänzt werden die Darstellungen der Angebote im Anhang um Porträts ausgewählter Einrichtungen, die diese anbieten. Netzwerkmonitoring Die Ergebnisse eines durch die Regiestelle für Sozialraumentwicklung der Stadt Nürnberg in Auftrag gegebenen Netzwerkmonitorings geben Aufschluss über Kooperationen im Stadtteil sowie über Zufriedenheit mit Qualität und Effizienz der lokalen Netzwerkarbeit. Darüber hinaus weisen sie auf die Bedeutsamkeit verschiedener inhaltlicher Schwerpunkte hin. In lokalen Auswertungsworkshops wurden erste Vorschläge zur Weiterentwicklung der lokalen Zusammenarbeit formuliert.

2 Rahmenbedingungen

Kommunales Bildungsmanagement muss demografische und ökonomische Rahmenbedingungen im Blick haben und in Planung und Steuerung berücksichtigen. Diese variieren nach Stadtteil und Quartier, wodurch sich auch unterschiedliche Handlungsbedarfe in Sachen Bildung ergeben können. Daten zur demografischen Entwicklung bilden die Grundlage, um die aktuelle und künftige Bildungsnachfrage abschätzen zu können. Eine weitere wichtige Voraussetzung für Bildungsteilhabe und Bildungschancen ist die soziale und ökonomische Situation der Bevölkerung. So sind etwa Menschen, die vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind bzw. sich schwertun, dort Fuß zu fassen, oftmals auf staatliche Hilfen angewiesen und ihre gesellschaftliche Teilhabe ist häufiger eingeschränkt. Dies wirkt sich auch negativ auf die Bildungsbiografien der Kinder und Jugendlichen aus, die in solch benachteiligten Familien aufwachsen. Der starke Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und sozialer Herkunft in Deutschland ist weithin bekannt.9

2.1 Demografische Entwicklungen in der Nürnberger Weststadt

Da dieser Bericht die Lern- und Bildungslandschaft für Kinder und Jugendliche in den Fokus nimmt, werden vorwiegend demografische Entwicklungstrends im Kinder- und Jugendalter betrachtet. Bevölkerungsstruktur In der Nürnberger Weststadt leben Ende 2017 37.440 Menschen. Dies entspricht einem Anteil von gut 7 % der gesamtstädtischen Bevölkerung. Vor allem in Muggenhof und Himpfelshof leben dabei weniger Menschen, als in den Bezirken Gostenhof, Bärenschanze und Eberhardshof. Tabelle 1: Übersicht zur Bevölkerungsstruktur im Stadtteil, 2017

*statistischer Bezirk Bevölkerung Gesamt Anteil in %
Bevölkerung ohne Migrationshintergrund Bevölkerung mit Migrationshintergrund
Deutsch mit Migra- tionshintergrund Ausländer Ge- samt
Gostenhof* 9.544 35,9% 16,9% 47,1% 64,1%
Himpfelshof* 6.041 57,7% 17,0% 25,4% 42,3%
Bärenschanze* 9.881 37,8% 19,7% 42,5% 62,2%
Eberhardshof* 9.249 39,1% 23,9% 37,0% 60,9%
Muggenhof* 2.725 22,0% 19,9% 58,1% 78,0%
Nürnberger Weststadt 37.440 39,7% 19,6% 40,7% 60,3%
Nürnberg Gesamt 532.194 54,4% 22,6% 22,9% 45,6%

Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Einwohnermelderegister. Stand ist der 31.12.2017 Die Bevölkerungsstruktur in der Nürnberger Weststadt ist durch Internationalisierung und Zuwanderung geprägt. Dort leben Ende 2017 Menschen aus 128 Nationen. Der Anteil der Bewohnerinnen und Bewohner mit Zuwanderungsgeschichte ist mit gut 60 % vergleichsweise hoch (Gesamtstadt knapp 46 %).10 Besonders in Muggenhof ist der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund (78 %) überdurchschnittlich hoch. Hier fällt im Vergleich zu den anderen Bezirken vor allem der hohe Anteil der ausländischen Bevölkerung besonders ins Gewicht. Der Bezirk Himpfelshof fällt dagegen durch vergleichsweise niedrige Werte auf. Sowohl der Anteil der ausländischen Bevölkerung (ca. 25 %) als auch der Anteil der deutschen Bevölkerung mit Migrationshintergrund (17 %) sind im Vergleich zur restlichen Weststadt niedrig. Der Wert bei Deutschen mit Migrationshintergrund liegt

9 Autorengruppe Bildungsberichterstattung (Hg.), „Bildung in Deutschland 2018. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Wirkung und Erträgen von Bildung, Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Bielefeld 2018, S. 5 10 Innerhalb der Bezirke unterscheiden sich die Anteile weiterhin, was hier aus Platzgründen nicht näher ausgeführt wird.

dabei sogar unter dem gesamtstädtischen Wert von 22,6 %. Die Anteile der Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Gostenhof, Bärenschanze und Eberhardshof liegen nahe am gesamtstädtischen Wert, allerdings mit jeweils deutlich überdurchschnittlichen Anteilen an ausländischer Bevölkerung. Abbildung 1: Ausländische Bevölkerung nach ausgewählten Nationalitätengruppen im Stadtteil, 2017

883
898
690 369 777
617 445
364
481
2.308 354 2.668 216
383
167
181 1.796 97
830 887

Übriges Ausland

Herkunftsländer 2500 Asylbewerber

Türkei

500 EU (ohne Deutschland)

04 Gostenhof 05 Himpfelshof 22 Bärenschanze64 Eberhardshof 65 Muggenhof Die Herkunftsländer Asylbewerber beziehen sich auf folgende Staaten: Eritrea, Äthiopien, Armenien, Afghanistan, Aserbaidschan, Irak, Iran, Pakistan, Syrien Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Einwohnermelderegister. Stand ist jeweils der 31.12

Ein Großteil der ausländischen Bevölkerung im Stadtteil weist eine europäische Staatsangehörigkeit auf (55,7 %  Gesamtstadt 47,5 %). Überdurchschnittlich hoch ist der Bevölkerungsanteil mit europäischer Herkunft mit 63,5 % vor allem in Bärenschanze. Der Anteil Staatsangehöriger aus den „typischen“ nichteuropäischen Herkunftsländern der jüngsten Fluchtzuwanderung variiert innerhalb der Weststadt stark, liegt aber insgesamt mit 13 % nur knapp über dem gesamtstädtischen Wert (11,9 %). Himpfelshof, Bärenschanze und Eberhardshof weisen Werte unter dem städtischen Anteil auf, die Anteile in Gostenhof (15,3 %) und Muggenhof (24,2 %) sind deutlich höher. Bevölkerungsbewegung im Stadtteil Die Bevölkerungsbewegung setzt sich aus dem räumlichen Wanderungsgeschehen (außerstädtische Zu- und Wegzüge sowie innerstädtische Umzüge) und der natürlichen Bevölkerungsbewegung (Geburten- und Sterbefälle) zusammen. Zum einen sind in der Nürnberger Weststadt in den letzten Jahren starke außerstädtische Wanderungsgewinne zu beobachten, während sich bezüglich der innerstädtischen Umzüge ein Wanderungsverlust ergibt. Für die Entwicklung der Zahl der Kleinkinder hat dagegen die Geburtenentwicklung den größten Einfluss. Abbildung 2: Geburten und Sterbefälle in der Nürnberger Weststadt, 2007 bis 2017

Anzahl

2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 Geburten Sterbefälle

Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Einwohnermelderegister. Stand ist jeweils der 31.12.

Wie in der Gesamtstadt ist auch in der Nürnberger Weststadt ein deutlicher Geburtenanstieg zu verzeichnen, der vor allem seit dem Jahr 2014 in besonderem Ausmaß sichtbar wird (Abb. 2). Der Anstieg der Geburtenzahl fällt dabei in der Nürnberger Weststadt (+18,3 %) deutlich stärker aus als in der Gesamtstadt (7,2 %). Bei anhaltend hohen Geburtenzahlen ist ein erhöhter Bedarf an Bildungsinfrastruktur gerade für junge Menschen abzusehen. Die Nürnberger Weststadt verzeichnet seit 2010 eine deutliche Zunahme innerstädtischer sowie außerstädtischer Wanderungen. Bezüglich der außerstädtischen Wanderungen ist dabei ein deutlicher Zugewinn zu verzeichnen, da mit Ausnahme des Jahres 2016 jedes Jahr mehr Personen zu- als abgewandert sind. Ein Großteil der außerstädtischen Wanderungsgewinne ist dabei durch Zuwanderung aus dem Ausland zu erklären. Bezieht man auch die innerstädtischen Umzüge mit ein, so zeigt sich, dass sich die Bevölkerungsanzahl in der Weststadt in den vergangenen Jahren durch Wanderungen kaum verändert hat (vgl. Abb. 3). Dabei ist sowohl die Anzahl der Personen, die in den Stadtteil zuwanderten, als auch die derjenigen, die ihn verließen, in den Jahren 2010 bis 2016 deutlich angestiegen. Mit anderen Worten: Die Wanderungsintensität hat stark zugenommen, ohne dass es zu starken Bevölkerungsgewinnen oder -verlusten gekommen ist. Zuletzt sind im Jahr 2017 knapp 7.800 Personen in die Nürnberger Weststadt gezogen, während ihn im selben Jahr knapp 8.100 Personen verlassen haben. Somit ergibt sich ein leicht negativer Wanderungssaldo von gut 300 Personen. Abbildung 3: Außer- und innerstädtische Zu- und Wegzüge in der Nürnberger Weststadt, 2007 bis

-500 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017

Wanderungssaldo Wegzüge Zuzüge

Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Einwohnermelderegister. Anmerkung: Enthalten sind außerstädtische sowie innerstädtische Zu- und Wegzüge.

Der Wanderungssaldo gibt Hinweise darauf, ob das Wanderungsgeschehen in einer Region zur Zuoder Abnahme der Bevölkerungszahl beiträgt. Eine andere Facette der Diskussion beleuchtet der Blick auf das Bruttowanderungsgeschehen.11 Die Zahl gibt Hinweise auf die Bevölkerungsmobilität. Demnach liegt die Bruttowanderungsrate der Nürnberger Weststadt im Jahr 2017 bei knapp 425 „Wandernden“ je 1.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Im Vergleich zur Gesamtstadt (Nürnberg = 290) zeichnet sich die Bevölkerung der Weststadt also durch ein hohes Maß an Mobilität aus. Auch diese Befunde sind für eine Lern- und Bildungslandschaft wichtig und werfen Fragen auf: Was bedeutet eine überdurchschnittlich hohe Mobilität für die (In)Stabilität sozialer Netzwerke und Nachbarschaften, für die Identifikation und das Engagement im Stadtteil? Betrachtet man zusätzlich die Altersstruktur der Zu- und Wegwandernden, fällt auf, dass die Nürnberger Weststadt vor allem für die Altersgruppe der 18- bis unter 30-Jährigen einen interessanten

11 Dabei werden die Zu- und die Fortzüge eines Jahres addiert und auf 1.000 Einwohner/-innen der Bevölkerung zum Ende des Vorjahres bezogen.

Wohnort darstellt. Im Jahr 2017 lag der Wanderungssaldo in dieser Altersgruppe bei +454 Personen. Bei den unter 18-Jährigen sowie bei den über 30-Jährigen konnten hingegen nur sehr geringe Zugewinne festgestellt werden. Bevölkerungsentwicklung im Stadtteil In der Nürnberger Weststadt ist in den vergangenen zehn Jahren ähnlich wie in der Gesamtstadt ein deutliches Bevölkerungswachstum festzustellen (vgl. Abb. 4). Abbildung 4: Bevölkerung in der Nürnberger Weststadt nach Migrationshintergrund, 2008 bis 2017

6278 6355 6034 6106 6767 6705 6752
6278
6689 6476 6372 7088 7578 8134 8223 8479
6347
5565
4802 4732 4859
6267 6521 6635 6911 6976 7130 7217 7276 7404 7340
14915 15099 15209 15367 15502 15514 15385 15337 15067 14869

Ausländer (nicht-EU)

Ausländer (EU)

15000 Deutsch mit Migrationshintergrund

5000 Deutsch ohne Migrationshintergrund

2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017

Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Einwohnermelderegister. Stand ist jeweils der 31.12.

So lebten Ende 2017 mit 37.440 Einwohnerinnen und Einwohnern über 4.500 Menschen mehr in der Weststadt, als dies Ende 2008 der Fall war. Dies entspricht einem Wachstum von 14,6 %. Im Vergleich zur Gesamtstadt, die im gleichen Zeitraum ein Bevölkerungswachstum von 7,4 % zu verzeichnen hatte, weist die Nürnberger Weststadt somit ein deutlich stärkeres Wachstum auf. Dabei haben sich die Bevölkerungsgruppen je nach Migrationshintergrund unterschiedlich entwickelt. Stark zugenommen haben vor allem die Deutschen mit Migrationshintergrund (Weststadt: 17,1 %; Nürnberg: +14,0 %) und Personen aus dem EU-Ausland (Weststadt: +67,6 %; Nürnberg: +98,3 %). Das starke gesamtstädtische Wachstum vor allem bei den EU-Ausländerinnen und -Ausländern darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Anteil der EU-Ausländer im Stadtteil Ende 2017 mit 23 % mehr als doppelt so hoch ist wie in der Gesamtstadt (11 %). Neben der aktuellen Zusammensetzung der Bevölkerung der Weststadt und den Veränderungen der letzten Jahre ist für die Bildungsplanung auch die zu erwartende zukünftige Entwicklung der Bevölkerung im Stadtteil von Interesse. Während für die Gesamtstadt bis 2030 nur ein leichtes Wachstum von rund 2 % (entspricht rund 10.400 Personen) prognostiziert wird, wird für die Nürnberger Weststadt von einem stärkeren Wachstum von über 6 % (entspricht knapp 2.400 Menschen) ausgegangen (vgl. Abb. 5). Das Bevölkerungswachstum konzentriert sich dabei laut Bevölkerungsvorhersage vor allem auf den Bezirk Eberhardshof. Dort wird durch umfassende Bauaktivitäten in großem Ausmaß neuer Wohnraum geschaffen, allen voran auf dem ehemaligen Quelle-Areal mit ca. 1.000 Wohneinheiten (entspricht ca. 2.400 Neubaubeziehern). In Folge dessen wird die Einwohnerzahl entsprechend ansteigen. Eine ähnliche Entwicklung ist perspektivisch für Muggenhof zu erwarten: dort werden nach neueren Planungen im AEG-Nord-Areal ebenfalls ca. 1.000 neue Wohnungen entstehen.12 In den übrigen Bezirken der Nürnberger Weststadt werden die Einwohnerzahlen voraussichtlich eher stagnieren.

12 Die Planungen für AEG-Nord sind in der Bevölkerungsvorausberechnung noch nicht berücksichtigt.

Demografische Entwicklungstrends bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen Da die kleinräumige Bildungsberichterstattung zur Nürnberger Weststadt auf das Kindes- und Jugendalter fokussiert, werden im Folgenden die demografischen Daten für diese Zielgruppe näher dargestellt. Als Basis zur Bewertung der aktuellen Versorgungssituation und zur Einschätzung der quantitativen und qualitativen Bedarfsentwicklung in der Nürnberger Weststadt für frühkindliche Bildungs- und Betreuungsangebote (Kapitel 3) sowie für non-formale Bildungsangebote (Kapitel 4) werden die Entwicklungen zu folgenden Altersgruppen dargestellt:  unter 3-Jährige (Frühförderung, Krippenalter, non-formale Bildung)  3- bis unter 6-Jährige (Kindergartenalter, non-formale Bildung)  6- bis unter 10-Jährige sowie 10- bis unter 16-Jährige aus Sicht der non-formalen Bildung

Die Gruppe der 6 bis unter 16-Jährigen ist für den geplanten zweiten Werkstattbericht mit dem

Schwerpunkt „Bildung im Schulalter“ die zentrale Altersgruppe. Diese Altersgruppe wird hier den-

noch betrachtet, da sie auch für Angebote non-formaler Bildung wichtig ist.

 für alle weiteren Formen vor allem non-formaler Bildung im Jugendalter (z.B. Angebote der Kinder- und Jugendarbeit, der kulturellen Bildung usw.) die 16- bis unter 21-Jährigen (zugleich auch Basis für den zweiten Werkstattbericht mit Fokus „Bildung im Schulalter“). Abbildung 5: Entwicklung der Altersgruppen im Kindes- und Jugendalter im Stadtteil, 2007-2017

Abbildung 1

Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Einwohnermelderegister. Stand je 31.12.

 Kinder bis unter 6 Jahre Der stadtweite Trend des Anstiegs der Kinderzahlen aufgrund steigender Geburten sowie durch Zuwanderungsgewinne in den vergangenen Jahren zeigt sich auch für die Nürnberger Weststadt. Ende 2017 lebten dort 1.273 Kinder im Alter von unter drei Jahren und 1.043 Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren. Das entspricht gegenüber dem Jahr 2007 bei den unter 3-Jährigen einer Steigerung um 26,7 % (+268 Kinder) und bei den 3- bis unter 6-Jährigen einer Steigerung um 16,5 % (+148 Kinder). Die prozentualen Anstiege liegen über denen für die Gesamtstadt.  Kinder und Jugendliche von 6 bis unter 16 Jahre Der gleiche Trend zeigt sich sowohl in der Altersgruppe der 6- bis unter 10-Jährigen, welche die typischen Altersjahrgänge in der Primarstufe darstellen, als auch bei den 10- bis unter 16-Jährigen, die sich zumeist in der Sekundarstufe I befinden. In der primartypischen Altersstufe ist die Anzahl der Kinder in der Weststadt von 2007 bis 2017 um 19,5 % auf 1.317 gestiegen. Der Zuwachs ist damit deutlich stärker als in der Gesamtstadt, der sich im gleichen Zeitraum auf 8 % belief. Bei den Kindern und Jugendlichen im Alter der Sekundarstufe ist im Vergleich zur Gesamtstadt (+4,3 %) ebenso ein deutlich stärkerer Zuwachs um 17,8 % auf 1.887 Kinder zu beobachten.

 Jugendliche und junge Erwachsene Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 16 bis unter 21 Jahren haben in der Nürnberger Weststadt zwischen 2007 und 2017 zahlenmäßig um gut 100 Personen auf zuletzt 1.837 zugenommen. Dies entspricht einem prozentualen Zuwachs von +6,1 %. Die Nürnberger Weststadt war und ist ein dynamisch wachsender Stadtteil, wodurch auch der Anpassungsdruck auf Bildungsinfrastrukturen in den letzten Jahren hoch war. Für die weitere Planung der Angebotsstruktur ist mit Blick auf die künftig zu erwartende Bevölkerungsentwicklung zu prüfen, wie sich die Nachfragesituation im Stadtteil in den nächsten Jahren voraussichtlich entwickeln wird. Die aktuellen Befunde zur Bevölkerungsvorausberechnung13 verweisen darauf, dass die Nachfrage nach Bildungsangeboten im Kindes- und Jugendalter auch künftig nicht abnehmen wird. Über alle Altersgruppen hinweg ist auch für die nächsten Jahre mit einem Anstieg der Bevölkerungszahlen zu rechnen. Insgesamt wird im Stadtteil bis 2030 mit einem Wachstum der jungen Altersgruppen bis unter 21 Jahren um +8 % gerechnet. Gesamtstädtisch wird dagegen mit einem Zuwachs der Altersgruppe von ca. +4 % gerechnet. Abbildung 6: Bevölkerungsvorausberechnung Nürnberger Weststadt (ausgewählte Altersgruppen)

Abbildung 2

Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Kleinräumige Bevölkerungsvorausberechnung, Stand 10/2018. Der wesentliche Zuwachs an Kindern unter 3 Jahren hat sich vor allem in den vergangenen Jahren vollzogen. Das Amt für Statistik und Stadtforschung geht bei den aktuellen Annahmen zur künftigen Bevölkerungsentwicklung davon aus, dass sich die weitere Entwicklung der Geburtenzahlen auf einem deutlich niedrigeren Niveau einpendeln wird, als dies in den vergangenen Jahren der Fall war14. Aus planerischer Sicht stellen insbesondere die in den letzten Jahren stark gewachsenen Jahrgänge der unter 3-Jährigen, die in den Folgejahren nun sukzessive zuerst ins Kindergarten- und dann ins Grundschulalter reinwachsen werden, eine besondere Herausforderung dar. Dies wird in den nächsten Jahren einen hohen Versorgungsdruck auf die Bildungsinfrastrukturen im Stadtteil, zur Folge haben (vgl. Kapitel 3). Die kleinräumige Analyse auf Ebene der Bezirke zeigt, dass vor allem aufgrund der umfassenden Wohnraumentwicklungen in Eberhardshof und Muggenhof (insb. auf dem ehemaligen Quelleareal sowie dem AEG-Nord-Areal) die Anzahl der Kinder- und Jugendlichen dort am deutlichsten ansteigen wird.

13 Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth: Prognose ohne Flüchtlinge in Gemeinschaftsunterkünften; diese sind im Bevölkerungsbestand 2017 berücksichtigt, nicht aber in der Vorausberechnung. 14 Vgl. Bericht im Jugendhilfeausschuss 4/2018 zur Kindergartenbedarfsplanung.

Migrations- und Zuwanderungshintergrund junger Menschen im Stadtteil Neben der Bevölkerungsentwicklung ist für Bildungsfragen auch der Migrations- und Zuwanderungshintergrund der Kinder und Jugendlichen näher zu betrachten, da sich hieraus spezifische Anforderungen an die Lern- und Bildungslandschaft ergeben. Es ist durch Studien einschlägig belegt, dass sich Bildungsteilhabe und Erfolgschancen nach der Herkunft unterschiedlich darstellen können. Auch wenn Migrationshintergrund und ausländische Herkunft an sich nichts über Leistungsfähigkeit oder Leistungsbereitschaft aussagen, zeigt sich immer wieder ein Zusammenhang mit dem Bildungserfolg. Zu vermuten ist, dass sich sowohl bei Kindern mit Migrationshintergrund als auch bei Kindern ohne deutsche Staatsangehörigkeit bestimmte Faktoren akkumulieren, welche zu schlechteren Teilhabe- und Erfolgschancen im Bildungssystem führen. So wachsen junge Menschen mit Migrationshintergrund beispielsweise häufiger in sozioökonomisch belasteten Haushalten auf und erfahren Benachteiligungen aufgrund fehlender Sprachkenntnisse. Zudem wissen ihre Eltern oft weniger über das deutsche Bildungssystem und haben alleine daher schlechtere Chancen, sich im System der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung sowie im stark formalisierten Schulsystem zurecht zu finden und in Folge auch Schwierigkeiten, die Bildungswege ihrer Kinder kompetent zu begleiten.15 Tabelle 2: Übersicht zur Bevölkerungsstruktur in der Nürnberger Weststadt, 2017

Altersgruppen Deutsch ohne Migrationshinter- grund Bevölkerung mit Migrationshintergrund
Deutsch mit Migrations- hintergrund Ausländer (EU) Ausländer (nicht-EU) Gesamt
unter 3 Jahre 24,4% 40,3% 22,0% 13,3% 75,6%
3 bis unter 6 Jahre 24,1% 44,3% 19,4% 12,3% 76,0%
6 bis unter 10 Jahre 20,7% 45,4% 20,8% 13,1% 79,3%
10 bis unter 16 Jahre 18,0% 47,9% 20,9% 13,2% 82,0%
16 bis unter 21 Jahre 25,2% 27,6% 24,5% 22,8% 74,9%

Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Einwohnermelderegister, Stand 31.12./2018. Die Zahlen zeigen: Die Nürnberger Weststadt ist von ethnischer und kultureller Vielfalt geprägt. Der überwiegende Anteil der unter 3-Jährigen sowie die 3- bis unter 6-Jährigen weist Ende 2017 mit je ca. 75 % einen Migrationshintergrund aus, der über dem städtischen Durchschnitt liegt (rd. 65 %). Im Vergleich zur Gesamtstadt sticht der hohe Anteil ausländischer Kinder ins Auge, wonach der Schluss naheliegt, dass der Stadtteil ein besonderer Zuzugsort für Neuzuwandererfamilien aus dem Ausland darstellt. Dabei ist der Anteil von EU-Ausländern deutlich höher als der Anteil von Ausländern aus den typischen nicht-europäischen Asylherkunftsländern.16 Gleiches gilt für die Kinder und Jugendlichen im Schulalter: sowohl bei den 6- bis unter 10-Jährigen, als auch bei der Altersgruppe der 10- bis unter 16-Jährigen übersteigt der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund (rund 80 %) den der Gesamtstadt deutlich (rund 65 %). In beiden Altersgruppen haben somit 4 von 5 Kindern einen Migrationshintergrund. Bei den 16- bis unter 21-Jährigen weisen drei Viertel der Personen einen Migrationshintergrund auf (Gesamtstadt gut 54 %). Zwischen den Bezirken gibt es mitunter deutliche Unterschiede. Während in Himpfelshof der Anteil junger Menschen mit Migrationshintergrund vergleichsweise niedrig ausfällt, zeigen sich für Muggenhof und Gostenhof auffällig hohe Werte. In Muggenhof haben beispielsweise Ende 2017 über 90 % der 6- bis unter 10-Jährigen sowie der 10- bis unter 16-Jährigen einen Migrationshintergrund.

15 Autorengruppe Bildungsberichterstattung (2016): Bildung in Deutschland 2016. Ein indikatorengestützer Bericht mit einer Analyse zu Bildung und Migration. Bielefeld; Cremer, G. (2016): Armut in Deutschland. Bonn, S. 34 ff. 16 Anteile Ausländer EU Ende 2017: Nürnberger Weststadt: 0 bis unter 3 Jahre = 22 %, 3 bis unter 6 Jahre = 11 %; Nürnberg gesamt: 0 bis unter 3 Jahre = 19 %, 3 bis unter 6 Jahre = 9 %; Die Herkunftsländer Asylbewerber beziehen sich auf folgende Staaten: Eritrea, Äthiopien, Armenien, Afghanistan, Aserbaidschan, Irak, Iran, Pakistan, Syrien

2.2 Sozioökonomische Entwicklung in der Nürnberger Weststadt

Der Zusammenhang zwischen Bildung und Armut ist ein doppelter: Einerseits kann niedrige Bildung eine Ursache für Armutslagen sein, andererseits verringert Armut Bildungschancen. Es kann viele Gründe geben, warum Menschen in Armut leben oder von Armut gefährdet sind: fehlender (Aus-)Bildungsabschluss, geringe Löhne, persönliche Krisen (z.B. Scheidungs- und Trennungssituationen), Überschuldungen, schwere Krankheiten oder Unfälle können zu Armutsproblemen führen. Die Folgen können sich in Einschränkungen in der materiellen, sozialen, gesundheitlichen und kulturellen Lebensgestaltung zeigen.17 Armut wird vor allem vor Ort, in der Nachbarschaft, im Quartier sicht- und spürbar.18 So gibt es Sozialräume, in denen überdurchschnittlich viele Menschen in Armut oder Armutsnähe leben, Kinder in beengten Verhältnissen in einem anregungsarmen Umfeld aufwachsen und Jugendliche überproportional häufig Schule oder Ausbildung abbrechen. Die Nürnberger Weststadt setzt sich nach der Sozialraumtypisierung des Amtes für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth mehrheitlich aus „sozial angespannten Quartieren“ zusammen.19 Allerdings gibt es innerhalb des Stadtteils auch deutliche Unterschiede in unmittelbarer Nachbarschaft. Bildungsstand Bildung ist die beste Voraussetzung für eine auskömmliche Beschäftigung. Wo das allgemeine Bildungsniveau niedriger ist, da steigen auch Armutsgefährdungen. Umgekehrt gilt: Wo Bildungserfolge zu verzeichnen sind, sinkt das Risiko einer Armutsgefährdung. Der Bildungsstand der Bevölkerung in der Weststadt wird mittels der alle zwei Jahre durchgeführten Wohnungs- und Haushaltsbefragung erhoben. Der Bevölkerungsanteil, der über Abitur oder eine abgeschlossene Ausbildung verfügt, fällt in der Weststadt etwas geringer aus als in der Gesamtstadt, wohingegen die Häufigkeit eines abgeschlossenen Studiums bzw. Fachschulabschlusses nur knapp unter dem gesamtstädtischen Wert liegt. Insofern zeigt sich ein ambivalentes Bild für die Weststadt. Abbildung 7: Bildungsstand der Bevölkerung, 2017 100% Studium oder Fachschule 80%

43,2 45,4
39,8 45,4
17,1
9,2

60% Abitur oder Ausbildung 40%

20% bis Haupt-/Realschulabschl., ohne 0% Ausb. Weststadt Nürnberg insgesamt Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth, Wohnungs- und Haushalteerhebung „Leben in Nürnberg 2017“.

17 Vgl. AWO (2012): „Von alleine wächst sich nichts aus…“ Berlin; Laubstein, C./Holz, G./Seddig, N. (2016): Armutsfolgen für Kinder und Jugendliche. Gütersloh 18 Fachstelle für sozialraumorientierte Armutsbekämpfung (2017): Armut im Sozialraum. Gelsenkirchen 19 In der Typisierung wird unterschieden zwischen „City-/Dienstleistungsquartieren“, „sozial angespannten Quartieren“, „gemäßigten Quartieren“, „etablierten Familienquartieren“, „neue Wohnquartiere/Insellagen“ und „keine Typisierung“.

Beschäftigung und Arbeitslosigkeit Arbeit ist der wirksamste Schutz vor (Einkommens-)Armut. Nachfolgend wird daher vor allem auf die Entwicklung von Arbeit und Leistungsbezug im Stadtteil eingegangen. In der Nürnberger Weststadt sind Ende 2016 ca. 14.400 Einwohner/innen sozialversicherungspflichtig beschäftigt.20 Das sind gut 4.000 Personen mehr als Ende 2005. Die Beschäftigungsquote beläuft sich Ende 2016 auf knapp 53 %. Von je 100 Personen von 15 bis unter 65 Jahren sind somit rechnerisch 53 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Zum Vergleich: Die Beschäftigungsquote der Gesamtstadt beläuft sich zum selben Zeitpunkt auf gut 58 %. Das Spiegelbild zunehmender Beschäftigung ist abnehmende Arbeitslosigkeit. In Nürnberg hat sich die Arbeitslosenzahl seit 2005 nahezu halbiert. Im Stadtteil beträgt die prozentuale Abnahme der Arbeitslosenzahlen von 2005 bis 2017 -45 %. Der Rückgang ist dabei in Himpfelshof besonders hoch (-55 %), in Muggenhof deutlich geringer (-21 %). In Muggenhof ist zuletzt von Ende 2016 zu Ende 2017 wieder ein leichter Anstieg von 160 auf 177 Personen zu verzeichnen. Abbildung 8: Anteil Arbeitslose an Einwohner/-innen von 15 bis unter 65 Jahren (je Jahresende)

Abbildung 3

Anmerkung: Kleinräumige Arbeitslosenquoten können nicht berechnet werden, da nötige Bezugsdaten nicht vorliegen. Zur Annäherung ist es üblich, eine Hilfsquote zu berechnen. Dabei wird die Zahl der Arbeitslosen auf alle Einwohnerinnen und Einwohner von 15 bis unter 65 Jahren bezogen. Diese Hilfsquoten fallen niedriger aus, als die üblichen Arbeitslosenquoten, da hier auch Personen berücksichtigt werden, die dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen. Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Arbeitsmarktdaten und Einwohnermelderegister.

Die vorstehende Abbildung verdeutlicht, dass die relative Arbeitslosigkeit von 2005 bis 2017 in der Nürnberger Weststadt deutlich abgenommen hat und sich somit Arbeit und Beschäftigung als Schutz vor bzw. Ausweg aus (Einkommens-)Armut grundsätzlich positiv entwickeln. Es wird allerdings ebenfalls deutlich, dass die Arbeitslosigkeit im Stadtteil nach wie vor deutlich über der relativen Arbeitslosigkeit der Gesamtstadt liegt. Die Bekämpfung von Armut und wirtschaftlichen Mangellagen muss frühzeitig ansetzen. Insofern ist auch und gerade mit Blick auf die Zielsetzung dieses Berichts die Analyse der Jugendarbeitslosigkeit wichtig. Eine Annäherung geschieht hier ebenfalls, indem die Zahl der Arbeitslosen im Alter von unter 25 Jahren auf die jeweilige Gesamtbevölkerung im Alter von 15 bis unter 25 Jahren bezogen wird. Die Jugendarbeitslosigkeit in der Weststadt liegt in diesem Sinne ebenfalls über der Quote der Gesamtstadt. Auch wenn die längerfristige Entwicklung hier eine Tendenz zu einer Abnahme der Jugendarbeitslosigkeit zeigt, so wird deutlich, dass gewisse Wellenbewegungen auftreten. Dies ist durchaus plausibel, da wir hier von einer besonders mobilen Altersgruppe sprechen. Eine Veränderung der Wohnbevölkerung kann sich naheliegender Weise auch in veränderten Arbeitslosenzahlen spiegeln.

20 Die Daten beziehen sich hier abweichend zum Rest des Textes auf das Jahr 2016, da für 2017 noch keine kleinräumigen Daten vorliegen.

Abbildung 9: Anteil Arbeitslose unter 25 Jahren an Einwohner/-innen von 15 bis unter 25 Jahren

Abbildung 4

Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Arbeitsmarktdaten und Einwohnermelderegister. Stand ist jeweils Dezember. Auch bei der Analyse der Arbeitslosigkeit von Ausländer/innen in der Nürnberger Weststadt bleibt es bei dem skizzierten Bild: Die Arbeitslosigkeit der ausländischen Einwohner/innen im Stadtteil liegt über dem gesamtstädtischen Wert (Abb. 10). Ein Abwärtstrend der relativen Arbeitslosigkeit ist im Zeitverlauf deutlich erkennbar. Auch wenn hier keine spezifischen Zahlen zur Jugendarbeitslosigkeit von ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern vorliegen, so wird nichtsdestotrotz deutlich: Wenn die relative Arbeitslosigkeit von Ausländer/innen im Stadtteil überdurchschnittlich hoch ist, dann machen auch überdurchschnittlich viele Kinder mit ausländischen Wurzeln Erfahrungen mit Armutslagen. Aus der Forschung ist hinlänglich bekannt, dass die Teilnahme an Bildung in Deutschland nach wie vor stark vom beruflichen und sozialen Status der Eltern abhängt. Somit bleiben auch und gerade für nichtdeutsche Kinder und Jugendliche in der Nürnberger Weststadt besondere Anstrengungen erforderlich, Zugänge zu Bildungsangeboten zu ermöglichen, um „Armutsbiografien“ möglichst frühzeitig wirksam entgegenzusteuern. Abbildung 10: Anteil arbeitslose Ausländer/innen an allen ausländischen Einwohner/innen von 15 bis unter 65 Jahren

Abbildung 5

Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Arbeitsmarktdaten und Einwohnermelderegister. Stand ist jeweils Dezember.

Leistungsbezug als Hinweis auf Armutslagen Ein einzelner Indikator, der der Komplexität von Armut gerecht wird, ist nicht in Sicht, auch wenn in der Debatte gerne der verkürzte Blick auf die Armutsgefährdungsquote gerichtet wird. Die Armutsgefährdungsquote wird auf der Grundlage von Befragungsdaten errechnet und misst nicht tatsächliche Armut, sondern eher Ungleichheit von Einkommen.21 Gerade für die kommunale Sozialberichterstattung ist die Mindestsicherungsquote ein geeigneterer Indikator zur Beleuchtung der monetären

21 In der Sitzung des Stadtrats vom 11.04.2018 wurde ausführlich über die „Entwicklung der Armutsgefährdung in Nürnberg“ berichtet. https://online-service2.nuernberg.de/Eris/CalendarPanel/proceed?action=select&meet ingId=4704 (Abrufdatum: 19.07.2018)

Dimension von Armut.22 Die Mindestsicherungsquote ist definiert als Anteil der leistungsbeziehenden Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung.23 Die nachstehende Abbildung macht deutlich, dass die Mindestsicherungsquote in der Nürnberger Weststadt über der Gesamtstadt liegt. Mit anderen Worten: Der Bevölkerungsanteil, der auf Transferleistungen angewiesen ist, ist in der Weststadt überdurchschnittlich hoch. Allerdings gibt es auch positive Entwicklungen. So nimmt die Mindestsicherungsquote in der Weststadt unter Berücksichtigung kleinerer Schwankungen im Zeitverlauf zumindest leicht ab. Nicht in der Abbildung ersichtlich, aber als Anmerkung hier geliefert: Die Tendenz für die gesamte Weststadt gilt nicht für Muggenhof, wo seit 2012 eine spürbare Zunahme der Bevölkerung im Transferleistungsbezug zu beobachten ist.24

Abbildung 11: Entwicklung der Mindestsicherungsquote 2010-2017*

Mindestsicherungsquote (in %)

Nürnberger Westen 25 Nürnberg gesamt 20 20,1 18,9

10 11,4 11,2

2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg u. Fürth; Amt für Existenzsicherung und soziale Integration; Arbeitsmarktdaten/Einwohnermelderegister. Stand je Dezember. Eigene Berechnung. *Vgl. Anmerkungen vorherige Fußnote.

Die Zahl der Empfängerinnen und Empfänger von Transferleistungen in der Weststadt beläuft sich Ende 2017 auf 7.080 Personen. Bezogen auf die Bevölkerung beträgt der Anteil ca. 19 %. Ende 2016 waren es noch 7.516 Personen. Ende 2010 jedoch 6.648 Personen. Die mit Abstand meisten Leistungsberechtigten beziehen Leistungen nach SGB II. Ende 2017 werden im Stadtteil gut 5.700 Personen in gut 2.900 SGB II-Bedarfsgemeinschaften gezählt. Dies entspricht 81 % aller Transferleistungsempfängerinnen und -empfängern in der Weststadt.25 Es zeigt sich, dass Kinder und Jugendliche in der Nürnberger Weststadt nach wie vor überdurchschnittlich oft von Transferleistungsbezug betroffen sind. Insgesamt lebten Ende 2017 gut 30 % der unter 16-Jährigen in SGB II Bedarfsgemeinschaften gegenüber knapp 19 % in der Gesamtstadt. Dabei gibt es Unterschiede zwischen den Altersgruppen, aber vor allem auch zwischen den Bezirken des Stadtteils. So ist die Betroffenheit in Muggenhof und Gostenhof besonders hoch. Dort beläuft sich die SGB II-Quote für die bis unter 16-Jährigen Ende 2017 auf 40 % (Muggenhof) bzw. knapp 39 % (Gostenhof). Mehr als jedes dritte Kind wächst dort in einer Bedarfsgemeinschaft auf. Abbildung 12 zeigt, dass in der Nürnberger Weststadt die Anteile der Kinder und Jugendlichen in Bedarfsgemeinschaften (SGB II) deutlich höher sind als in der Gesamtstadt. Kinder und Jugendliche

22 Munz-König, E. (2013): Armutsgefährdungsquote und Mindestsicherungsquote. In: Sozialer Fortschritt 5/2013, S. 123- 131; Arbeitskreis Armutsforschung (2017): Erklärung zum Armutsbegriff. In: Soziale Sicherheit 4/2017, S. 151-155 23 Berücksichtigt werden SGB II-Leistungen, Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach SGB XII, laufende Hilfen zum Lebensunterhalt außerhalb von Einrichtungen nach SGB XII und Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Üblicherweise werden sowohl bei den Leistungen nach SGB II als auch nach dem Asylbewerberleistungsgesetz die Regelleistungsberechtigten betrachtet. Auf kleinräumiger Ebene liegen diese Daten jedoch an dieser Stelle nicht vor. Daher wurden zur Annäherung jeweils die Zahl der gesamten Leistungsempfänger genutzt. Für die Analyse der grundsätzlichen Entwicklungen ergeben sich jedoch dadurch keine Änderungen. Die Beträge der Mindestsicherungsquote werden somit – wenn überhaupt – im Bereich der Nachkommastelle geringfügig überschätzt. 24 Die Mindestsicherungsquote beläuft sich in Muggenhof Ende Dezember 2012 auf 21,8 % und Ende 2017 auf 27,7 %. 25 Für eine Analyse der genaueren Zusammensetzung der Bedarfsgemeinschaften liegen zum Redaktionsschluss lediglich kleinräumige Daten für 2016 vor.

im Stadtteil sind somit besonders häufig von Armut betroffen. Zum anderen zeigen sich altersgruppenspezifische Entwicklungen. Während vor einigen Jahren vor allem in der Nürnberger Weststadt die unter 6-Jährigen besonders häufig betroffen waren, haben die Anteile mit der Zeit erkennbar abgenommen. Die größten Anteile sind zuletzt bei den 6- bis unter 10-Jährigen zu beobachten. Abbildung 12: Anteil der Kinder und Jugendlichen bis unter 21 Jahren in Bedarfsgemeinschaften (SGB II) an allen Kindern und Jugendlichen der Altersgruppe

Abbildung 6

Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Arbeitsmarktdaten/Einwohnermelderegister. Stand ist jeweils Dezember. Eigene Berechnung. Neben dem Bezug von Transferleistungen, der die materielle Dimension von Armut in den Blick nimmt, gibt es weitere Säulen kommunaler Armutsprävention und -bekämpfung. Beispiele sind der Nürnberg-Pass und gerade für Kinder und Jugendliche das Bildungs- und Teilhabepaket sowie die Regelangebote der Kinder- und Jugendhilfe. Zusammengeführt werden zentrale Aktivitäten im kommunalen Arbeitsprogramm gegen Kinder- und Jugendarmut. Für den Bereich der Bildung sollen an dieser Stelle Zahlen zu Leistungen des Bildungs- und Teilhabepakets für die Nürnberger Weststadt26 auszugsweise skizziert werden. Mit diesen Leistungen unterstützt die Stadt Nürnberg Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus Familien mit geringem Einkommen. Das Bildungs- und Teilhabepaket umfasst insgesamt folgende Leistungen: Zuschüsse zum Mittagessen in der Kindertageseinrichtung oder Schule, Kostenübernahme für Ausflüge/mehrtägige Fahrten in der Kindertageseinrichtung oder Schule, Lernförderung, Schulpauschale, Schülerbeförderung und soziale und kulturelle Teilhabe.27 Die Forschungsstelle des Paritätischen Wohlfahrtsverbands hat zur Umsetzung des Bildungs- und Teilhabepakets im Jahr 2018 die Quoten der 6- bis 15-Jährigen an den soziokulturellen Teilhabeleistungen in allen Landkreisen und kreisfreien Städten untersucht. Nürnberg steht dabei an der Spitze aller bundesdeutschen großen Großstädte und an fünfter Stelle insgesamt. Der Studie zufolge erreichen die Leistungen zur Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben bundesweit nur knapp 15 % der Berechtigten. In Nürnberg sind es 75,9 % der entsprechenden Jahrgänge. Erfolgreicher sind nur die beiden nordrhein-westfälischen Städte Hamm (ca. 120.000 Einwohner) mit 91,3 % und Münster (ca. 310.000 Einwohner) mit 80,4 % sowie die Landkreise Verden (Niedersachsen) mit 91,3 Prozent und Steinfurt (Nordrhein-Westfalen) mit 78,6 %.28

26 Maßgeblich ist die aktuelle Adresse der Leistungsberechtigten. Eine räumliche Zuordnung zum Zeitpunkt der Gutscheinvergabe ist rückwirkend nicht möglich. 27 Anspruchsberechtigt für Leistungen des Bildungs- und Teilhabepakets sind alle Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, wenn sie selbst oder ihre Eltern eine der folgenden Sozialleistungen erhalten: Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld nach dem Sozialgesetzbuch II, Kinderzuschlag nach dem Bundeskindergeldgesetz, Wohngeld nach dem Wohngeldgesetz und Kindergeld, Hilfe zum Lebensunterhalt oder Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach dem Sozialgesetzbuch XII, Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. 28 Vgl. Aust, A./Dehmer, M./Schabram, G. (2018): Empirische Befunde zum Bildungs- und Teilhabepaket: Teilhabequoten im Fokus. Kurzexpertise Nr. 4/2018, Der Paritätische, Paritätische Forschungsstelle, Berlin

Im Weiteren stehen die Angebote zur sozialen und kulturellen Teilhabe im Mittelpunkt. Tabelle 3: Leistungsberechtigte Bildungs- und Teilhabepaket in der Nürnberger Weststadt

Gutscheinart Gutschein Dez. 2014 Dez. 2015 Dez. 2016
„Teilhabe“ … beantragt 1.284 1.620 1.757
… abgerechnet 272 358 241

Anmerkung: Die ausgegebenen Gutscheine sind in der Regel länger als einen Monat gültig. Es wurden hier sowohl bei den ausgegebenen wie bei den abgerechneten Gutscheinen die Leistungsberechtigten gezählt, bei denen sich der Gültigkeitszeitraum des Gutscheins mit dem Auswertungsmonat überschneidet. Quelle: SHA

Gutscheine für soziale und kulturelle Teilhabe werden hauptsächlich für Freizeitgestaltung verwendet und können bis acht Monate nach Ablauf des auf dem Gutschein benannten Zeitraums eingesetzt werden. Die Zahlen der Tabelle können somit nur näherungsweise in Beziehung gesetzt werden. Auch wenn der beschriebene Nutzungszeitraum zu beachten ist, so gibt es einen hohen Anteil an Leistungsberechtigten, die ihre beantragten Gutscheine nicht nutzen. Die Gründe für eine Nichtinanspruchnahme sind vielfältig. Häufige Gründe sind: keine oder mangelhafte Informationen, kein Interesse/kein Bedarf, Anbieter nimmt keine Gutscheine, Zuzahlung zu teuer oder andere Gründe.29 Für soziale und kulturelle Teilhabe werden im Stadtteil beim Sozialamt 52 Anbieter (Juli 2018) geführt, die Gutscheine annehmen und abrechnen. Im Bereich Sport & Bewegung sind es drei, im Bereich Bildung & Freizeit 25 und im Bereich Kunst & Kultur 19 Anbieter. Für eine hohe Nutzungsquote von BuT-Leistungen ist eine Information und Begleitung der Berechtigten zentral, was insbesondere bei dem beschriebenen hohen Anteil von ausländischen Familien eine größere Herausforderung darstellen kann, wenn es bspw. um Sprachkenntnisse aber auch um Kenntnisse des Bildungs- und Fördersystems geht. In Nürnberg gibt es zwei Dienstleistungszentren, über die Leistungen beantragt werden können. Eine Beratung der Familien zu den Leistungen erfolgt bei persönlicher Beantragung vor Ort, ansonsten über die Beratungshotline. Im Rahmen von Beratungsgesprächen, Informationsveranstaltungen und Fortbildungen erfolgt eine Information für potentielle Anbieter und Multiplikatoren. Darüber hinaus gibt es weitere Informationswege.30 Um die Reichweite der Leistungen weiter zu erhöhen, werden sowohl die verwaltungsinternen Kooperationen als auch die Netzwerkarbeit mit externen Akteuren und Anbietern laufend reflektiert und weiterentwickelt. So soll auch in Gesprächen mit den Kooperationspartnern im Stadtteil geprüft werden, wie Familien bzw. deren Kindern der Zugang zu den Leistungen insbesondere der sozialen und kulturellen Teilhabe noch weiter verbreitert werden kann.

29 Vgl. die Akzeptanzstudie aus dem Jahr 2016: Stadt Nürnberg, Amt für Existenzsicherung und soziale Integration – Sozialamt (SHA) (2016): Das Bildungs- und Teilhabepaket in Nürnberg – Eine Akzeptanzstudie. Nürnberg 30 So können sich Familien bzw. alle Interessierten auf der Website informieren und finden dort entsprechende Formulare zur sicheren Datenübermittlung. Weiteres Informationsmaterial steht in Form von Flyern und Plakaten zur Verfügung. Das Bildungs- und Teilhabepaket wird im öffentlichen Raum in regelmäßigen Abständen über Plakate beworben.

2.3 Fazit und Empfehlungen

Zu den Rahmenbedingungen für Bildung vor Ort lassen sich für die Diskurse zur Weiterentwicklung der Lern- und Bildungslandschaft für junge Menschen folgende zentrale Befunde festhalten: Vielfalt in der Stadtteilgesellschaft Die Bevölkerung in der Weststadt ist bunt: Dort leben viele Menschen mit Migrationshintergrund. Insbesondere EU- aber auch Fluchtzuwanderung spielen hierbei eine Rolle. Dies stellt besondere Anforderungen an die Ausstattung der Lern- und Bildungslandschaft insbesondere im Kontext der sprachlichen, sozialen und kulturellen Integration der Stadtteilbevölkerung. Hohe Mobilität Der Stadtteil ist geprägt durch ein überdurchschnittlich hohes Maß an Zu- und Abwanderungen: Eine hohe Mobilität kann in der Folge zur Instabilität von sozialen Gruppen, Beziehungen und Netzwerken für ehrenamtliches Engagement führen, mit denen Lern- und Bildungseinrichtungen in der Alltagspraxis umgehen müssen. Dynamisches Bevölkerungswachstum Der Stadtteil ist geprägt durch ein dynamisches Bevölkerungswachstum: Gründe hierfür sind eine überdurchschnittliche Zuwanderung und hohe Geburtenzahlen in den letzten Jahren. Und auch in Zukunft wird die Bevölkerung im Stadtteil aufgrund umfassender Neubauaktivitäten weiter anwachsen. Der damit verbundene Anstieg der jungen Stadtteilbevölkerung hat zur Folge, dass die Bedarfe an die Bildungsinfrastrukturen im Stadtteil weiter steigen werden. Die Lern- und Bildungslandschaft ist gefordert, hierauf quantitativ und qualitativ zu reagieren. Hohe Armutsbetroffenheit Der Stadtteil ist überdurchschnittlich stark von Armut betroffen: Zwar hat in den letzten Jahren die Armutsbetroffenheit der Stadtteilbevölkerung abgenommen, sie ist jedoch immer noch signifikant höher als in der Gesamtstadt und vor allem Kinder und Jugendliche sind davon im besonderen Maße betroffen. Handlungsbedarf für den Ausbau der Lern- und Bildungslandschaft im Stadtteil besteht vor allem darin, Teilhabebarrieren von benachteiligten jungen Menschen abzubauen und deren Bildungswege zu begleiten, um ihnen damit die Chance für einen Ausstieg aus einer drohenden Armutsspirale zu geben. Reichweite von Förderangeboten ausbauen Vor dem Hintergrund der sozioökonomischen Lebenslagen sollten auch und gerade in der Nürnberger Weststadt die Zugangsmöglichkeiten zu Förderangeboten wie bspw. dem Bildungs- und Teilhabepaket stets reflektiert und zusammen mit den Kooperationspartnern weiterentwickelt werden, um die Reichweiten bestehender Unterstützungsangebote weiter zu erhöhen.

3 Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung

Die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung hat als Bestandteil der kommunalen Bildungslandschaft in den vergangenen Jahrzehnten enorm an Bedeutung gewonnen. In den Jahren vor der Einschulung nehmen heute fast alle Kinder ein Betreuungsangebot wahr, und auch unter den jüngeren Kindern ist die Beteiligung stark gestiegen31. Dabei geht es längst nicht mehr nur um die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Denn spätestens seit PISA ist Konsens: Kindertagesstätten sind auch Bildungseinrichtungen.32 Bereits in den ersten Lebensjahren werden bei Kindern die Grundlagen für späteres erfolgreiches Lernen und damit für gute Entwicklungs-, Teilhabe- und Aufstiegschancen gelegt. Durch Sprach- und Wissensvermittlung, verschiedene Angebote von Musik-, Kunst- und Bewegungserziehung sowie eine qualitativ hochwertige Betreuung wird nachweislich ein positiver Beitrag für eine gute sprachliche, kognitive und soziale Entwicklung von Kindern geleistet. Betont wird in diesem Zusammenhang häufig auch der sozialpolitische Auftrag von Kindertagesstätten. Vor allem Kinder aus sozial belasteten Familien profitieren von frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung außerhalb der Familie. Sie sind ein wirksames Mittel, um spätere Schulabbrüche zu verhindern und den späteren beruflichen Erfolg zu verbessern, die Gesundheit zu fördern sowie das künftige Einkommen und die soziale Mobilität zu erhöhen. So kommt den Angeboten auch eine wichtige Schutz- und Investitionsfunktion zu.33 Der Ausbau eines bedarfsgerechten und qualitativ hochwertigen Angebots an Kindertagesbetreuung ist seit Jahren ein vorrangiges kommunalpolitisches Ziel in Nürnberg. Vor dem Hintergrund der geltenden Rechtsansprüche auf einen Kita-Platz für Kinder ab dem ersten Lebensjahr bis zur Einschulung stehen die örtlichen Jugendämter gemäß § 80 Sozialgesetzbuch (SGB) Achtes Buch (VIII) in der Planungs- und Gewährleistungspflicht, ein solches Angebot bereitzustellen. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, gibt es in Nürnberg seit 2007 das Investitionsprogramm zum „Ausbau der Nürnberger Kindertageseinrichtungen und Tagespflege“. Es umfasst den Auftrag, bis zum Jahr 2026 das vorhandene Versorgungsangebot bedarfsdeckend und wohnortnah auszubauen. Folgend wird entsprechend der Zielsetzung des vorliegenden Berichtes zur Beschreibung der kommunalen Lern- und Bildungslandschaft die kleinräumige Situation im Bereich der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung für die Nürnberger Weststadt näher beleuchtet. Neben der Beschreibung der Einrichtungs- und Trägerstrukturen steht die Analyse der Versorgungssituation und Bildungsbeteiligung im Fokus. Anschließend werden die Angebote der Sprachbildung und zum Übergang vom Kindergarten in die Grundschule näher betrachtet. Einen Ausblick auf die weitere Bedarfsentwicklung und Ausbauplanung der Infrastrukturen im Bereich der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung leitet abschließend über zu Perspektiven der Weiterentwicklung der Lernund Bildungslandschaft im Stadtteil.

31 Rauschenbach, T. / Meiner-Teubner, C. (2019): Kita-Ausbau in Deutschland: erstaunliche Erfolge, beträchtliche Herausforderungen. In: Deutsches Jugendinstitut e.V. (Hrsg.): DJI impulse 1/19. München, S. 3-9 32 Autorengruppe Bildungsberichterstattung (2018): Bildung in Deutschland 2018. Bielefeld; Klinkhammer, N. / Erhard. K.C. (2018): Politische Initiativen und Reformen. Mehr und bessere Angebote frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung in Deutschland und Europa. Online verfügbar unter: www.bpb.de/gesellschaft/bildung/zukunft-bildung/278901/initativenund-reformen (Abruf 09.07.2019). 33 Heckman, J. (2008): The Case for Investing in Disadvantaged Young Children. In: CESifo DICE Report 06, H. 2, S. 3–8. Online verfügbar unter: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/166932/1/ifo-dice-report-v06-y2008-i2-p03-08.pdf (Abruf 09.07.2019); Textor, M. R. (2016/2008): Erziehungs- und Bildungspläne. In: Das Kita-Handbuch. Online verfügbar unter: www.kindergartenpaedagogik.de/1951.html (Abruf 09.07.2019); Volkert, W. (2008). Die Kindertagesstätte als Bildungseinrichtung. Neue Konzepte zur Professionalisierung in der Pädagogik der frühen Kindheit. Wiesbaden; Dieckbreder, F. / Koschmider, S.M. / Sauer, M. (2014): Kita-Management. Haltungen - Methoden - Perspektiven. Göttingen; Klinkhammer/ Erhard 2018 a. a. O.

3.1 Einrichtungen in der Nürnberger Weststadt

Im Stadtteil gibt es Ende 2017 insgesamt 33 Kindertageseinrichtungen, davon sieben Krippen, 16 Kindergärten und zehn Häuser für Kinder:  Kinder unter drei Jahren werden in sieben Krippen und neun altersgemischten Einrichtungen (Häusern für Kinder) betreut. Ergänzt wird das Betreuungsangebot für unter 3-Jährige durch elf Tagespflegestellen im Stadtteil.  Kinder im Bereich der Regelförderung, sprich vom dritten Lebensjahr bis zur Einschulung, werden in 16 Kindergärten und zehn altersgemischten Einrichtungen (Häusern für Kinder) betreut.

Abbildung 13: Trägerstruktur nach Einrichtungen34

4 4 3
1 1

Kinderkrippen Kindergarten Haus für Kinder

Öffentlicher Träger gemeinn. Träger (nicht-kirchlich) gemeinn. Träger (kirchlich) Sonstiger Träger

Quelle: Stadt Nürnberg / Jugendamt (Stand12/2017)

Alle solitären Krippen im Stadtteil werden durch freie Träger betrieben. Bei den Kindergärten ist das Verhältnis der Betriebsträgerschaft zwischen Stadt und freien Trägern ausgeglichen, beide stellen je acht Einrichtungen. Bei den Häusern für Kindern stellen die freien Träger 2/3 aller Einrichtungen, die Stadt 1/3 aller Einrichtungen. Eine besondere Rolle im Stadtteil spielen die gemeinnützigen Träger in nichtkirchlicher Trägerschaft, die nahezu die Hälfte aller Einrichtungen stellen. Vergleicht man die Werte der Verteilung nach Trägerschaft mit denen zur Gesamtstadt, so fällt auf, dass in der Nürnberger Weststadt vor allem der Anteil der Kindergärten in kommunaler Trägerschaft überdurchschnittlich hoch ist. Als Einrichtungen mit besonderem Profil im Stadtteil sind 2017/2018 der Betrieb von zwei Einrichtungen als „Familienzentren“ (städtischer Kindergarten in der Reutersbrunnenstraße 40 und Haus für Kinder in freier Trägerschaft in der Hillerstraße 25) sowie eines städtischen Kindergartens als „Orte für Familien“ (in der Wandererstraße 170) und eines Kindergartens in freier Trägerschaft als „Netz für Kinder“ (in der Gostenhofer Hauptstraße 61) zu nennen. Der Ausbau von Kindertageseinrichtungen zu „Familienzentren“ (in 2018 elf Einrichtungen stadtweit) und „Kitas als Orte für Familien" (in 2018 25 Einrichtungen stadtweit) erfolgt in Nürnberg seit dem Jahr 2008, um gezielt auch sozial belastete Familien besser erreichen und unterstützen zu können. Einrichtungen nach diesem Betriebskonzept erweitern das reguläre Angebot der Kindertageseinrichtung – Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern – um spezifische, auf Familien bezogene Unterstützungsangebote. Dazu zählen unter anderem Information und Beratung durch Fachdienste,

34 Dem kommunalen Träger sind alle Einrichtungen des Jugendamts Nürnberg zugeordnet. Freigemeinnützige Träger sind sonstige juristische Personen des öffentlichen und solche des privaten Rechts, deren Tätigkeit nicht auf Gewinnerzielung gerichtet ist; hier wird unterschieden zwischen kirchlichen Trägern (ev., kath., sonstige) und nichtkirchlichen Trägern (AWO, DRK, Paritäter etc.). Sonstige Träger sind insbesondere Elterninitiativen, privatwirtschaftliche Initiativen, nichtrechtsfähige Vereine und natürliche Personen.

Angebote der Familienbildung als auch Angebote zur Unterstützung am Übergang Kindergarten- Grundschule. Außerdem finden eine verstärkte Kooperation mit anderen Einrichtungen und Institutionen im Stadtteil sowie eine Vernetzung der Angebote für Familien im Stadtteil statt. Für diese Aufgaben erhalten die Einrichtungen zusätzliche Ressourcen, um im Sinne einer „positiven Diskriminierung“ vor Ort niedrigschwellig zugängliche Angebote zur Förderung der Partizipation insbesondere für benachteiligte Familien vorhalten zu können. Netz für Kinder-Einrichtungen sind Kindertagesstätten für Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren. Das Konzept beruht auf der Basis von Elternmitarbeit. Die Gruppen mit in der Regel 15 Kindern werden von einer pädagogischen Fachkraft und Eltern, die auf Honorarbasis mitarbeiten, betreut. Auch diese Einrichtungsart trägt zur Förderung und Einbindung von sozial belasteten Familien im Stadtteil in besonderem Maße bei.

3.2 Versorgungssituation in der Nürnberger Weststadt

Zum Betriebsjahr 2017/2018 stehen im Stadtteil für 35 % der unter 3-Jährigen, für 102 % der Kinder im Alter von drei Jahren bis zur Einschulung Plätze in Kindertageseinrichtungen bzw. der Tagespflege zur Verfügung. Tabelle 4: Versorgungssituation in Nürnberg (12/2017)

Weststadt Gesamtstadt
unter 3-Jährige Kinderzahl 1.273 15.400
Plätze in Kinderkrippen / Häusern für Kinder 394 4.487
Plätze in Tagespflege / Großtagespflege 52 1.046
Versorgungsquote 35% 36%
3- bis 6,5-Jährige Kinderzahl 1.216 16.200
Plätze in Kindergärten/Häusern für Kinder 1.228 15.077
Versorgungsquote* 102% 93%

Quelle: Stadt Nürnberg / Jugendamt (Stand: 12/2017) *Anmerkung: Basis für die Berechnung der Versorgungsquote für Kinder von 3 Jahren bis zur Einschulung sind 3,5 Jahrgänge.

Ergänzend zu den Regeleinrichtungen der Kindertagesbetreuung gibt es im Stadtteil zwei ansässige Schulvorbereitende Einrichtungen (SVE) mit überregionalem Einzugsgebiet (Bezirkseinrichtungen):  Schulvorbereitende Einrichtung an der Paul-Ritter-Schule, Förderzentrum mit Förderschwerpunkt Hören (32 Plätze)  Sonderpädagogisches Förderzentrum Nürnberg „An der Bärenschanze“ (22 Plätze) Die Versorgungsquote für die unter 3-Jährigen in der Nürnberger Weststadt entspricht der für die Gesamtstadt. Aktuell kann mit der vorhandenen Infrastruktur an Plätzen in Krippen, Häusern für Kinder und Tagespflege die auf einem Rechtsanspruch begründete Nachfrage im Stadtteil bedient werden. Die Versorgungsquote im Bereich der Regelförderung liegt mit 102 % über dem städtischen Durchschnittswert von 93%. Rein in Zahlen gesprochen weist dies zunächst einmal auf eine sehr gute Infrastrukturversorgung über den bestehenden Bedarf hinaus hin, insbesondere ausgehend von der Annahme, dass eine 95 %-ige Versorgungsquote aktuell als bedarfsdeckend anzusehen ist. Bei der Bewertung der Zahlen gilt es jedoch zu berücksichtigen, dass aktuell ein Teil der Plätze in Gostenhof zur Bedarfsdeckung des angrenzenden Stadtteils Steinbühl beiträgt. Aussagen zum Wohnort der Kinder, die die Einrichtungen besuchen, sind auf Basis der verfügbaren Daten des Abrechnungsportals KiBiG.web nicht möglich (vgl. dazu Abschnitt 3.3). Das Jugendamt strebt eine ausgewogene und vielfältige Trägerstruktur in Nürnberg an. Ziel ist es, Familien ein breites Angebot an Kindertageseinrichtungen mit verschiedenen pädagogischen Ausrichtungen anzubieten. Die Gewährleistung der Trägervielfalt ist zudem gesetzlich verankert. Ge-

mäß § 3 Abs. 1 SGB VIII ist die „Jugendhilfe gekennzeichnet durch die Vielfalt von Trägern unterschiedlicher Wertorientierungen und die Vielfalt von Inhalten, Methoden und Arbeitsformen.“ Zudem gilt gemäß dem Subsidiaritätsprinzip der Vorrang freier Träger in Sachen Betriebsträgerschaft. Abbildung 14: Trägerstruktur nach Altersgruppen (Verteilung der Plätze in %)

43% 35% 22%
18% 74% 3 %

3 Jahre bis Einschulung (KiGa/HfK)

unter 3-Jährige (Krippen/HfK; ohne Tagspflege) 5%

0% 25% 50% 75% 100%

Öffentlicher Träger gemeinn. Träger (nicht-kirchlich) gemeinn. Träger (kirchlich) Sonstiger Träger

Quelle: Stadt Nürnberg / Jugendamt (Stand: 12/2017) Die Daten zur Trägerstruktur in der Nürnberger Weststadt belegen, dass die Ziele der Trägervielfalt und der Subsidiarität hier grundsätzlich erreicht werden. Jedoch zeigen sich markante Unterschiede zu den Werten, die stadtweit Geltung haben:  Im Bereich der Betreuung unter 3-Jähriger spielen die kirchlichen Träger (stadtweit stellen diese rund 30 % der Plätze) kaum eine Rolle (3 % der Plätze im Stadtteil). Der Anteil der Plätze in kommunaler Trägerschaft ist mit 18 % doppelt so hoch wie in der Gesamtstadt (9 %). Und der Anteil der Plätze in gemeinnütziger Trägerschaft (ohne Kirchen) liegt mit 74 % ebenfalls deutlich über dem gesamtstädtischen Anteilswert von 57 %.  Für die Regelförderung zeigt sich, dass die Rolle des kommunalen Trägers (43 % der Plätze) deutlich stärker ausgeprägt ist als in der Gesamtstadt (19 %) und umgekehrt die Rolle der kirchlichen Träger im Stadtteilteil (mit 22 % der Plätze) eine deutlich geringere Relevanz hat als im Vergleich zur Gesamtstadt (52 %). Für beide Trägerschaften zeigt sich also im Vergleich untereinander ein jeweils umgekehrtes Verhältnis. Einhergehend mit dem überdurchschnittlichen Anteil kommunaler Einrichtungen gibt es im Stadtteil eine Vielzahl von nichtkonfessionellen Einrichtungen. Dies minimiert evtl. Zugangsbarrieren insbesondere für solche Familien mit Migrationshintergrund, die aufgrund ihres religiösen Hintergrundes ihre Kinder lieber in solchen Einrichtungen betreuen lassen.

3.3 Bildungsbeteiligung in den Einrichtungen in der Nürnberger Weststadt

Auf Basis der Daten der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik sowie des onlinegestützten Abrechnungsportals KiBiG.web können keine Aussagen zum Wohnort der Kinder, die die jeweiligen Einrichtungen besuchen, gemacht werden. Dementsprechend lassen sich auch keine genauen Aussagen darüber treffen, wie viele Kinder aus der Nürnberger Weststadt die dort ansässigen Kindertageseinrichtungen besuchen bzw. wie viele Kinder aus angrenzenden Stadtteilen Einrichtungen der Weststadt besuchen. Umgekehrt gilt auch der Fall, dass Kinder aus der Nürnberger Weststadt Einrichtungen in angrenzenden Stadtteilen besuchen. Eine genaue Bezifferung des Umfangs aufgrund der aktuellen Datenlage ist momentan nicht möglich. Gleiches gilt für die Tagespflege: Auch dort werden Kinder betreut, die nicht in der Nürnberger Weststadt wohnen. Das liegt zum einen daran, dass die Tagespflegeplätze in den umliegenden Stadtteilen (insb. Johannis und Nordstadt) oft belegt sind und nicht ausreichen, so dass die Eltern auf Angebote im Stadtteil ausweichen. Und zum anderen daran, dass es in Gostenhof zwei Tagespflegestellen gibt, die ausschließlich im Rahmen von Sprachkursen Kinder betreuen (und deren Eltern aus unterschiedlichen Stadtteilen kommen). Einer groben Schätzung zu Folge kann davon ausgegangen werden, dass weniger als ein Drittel der Kinder, die in der Nürnberger Weststadt in Tagespflege betreut werden, auch hier leben. Umgekehrt gibt es aber auch einige Kinder (mindestens 25), die zwar in der Nürnberger Weststadt leben, aber in einem anderen Stadtteil in Tagespflege betreut werden.

Mit der Einführung des Kita-Portal Nürnberg – ein trägerübergreifendes Online-Portal zur Suche, Anmeldung, Vergabe und Verwaltung von Betreuungsplätzen in Krippen, Kindergärten, Häusern und Kindern und auch Horten – wird es künftig möglich sein, Besuchsquoten stadtteilscharf abzubilden. Bis zum Jahr 2020 sollen alle Einrichtungen ihre Plätze über dieses Portal verwalten; entsprechende Informationen zur Belegungssituation einschließlich des Wohnortes der Kinder können dann für kleinräumige Planungszwecke und Bildungsberichterstattungen durch das Jugendamt abgerufen werden. Im vorliegenden Bericht wird auf die Datenbasis der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik und vom KiBiG.web zurückgegriffen und folgend die dort auf Stadtteilebene verfügbaren Informationen beschrieben.

3.3.1. Belegungssituation

Allgemein Im Jahr 2017 belegten im Jahresdurchschnitt rund 370 Kinder die verfügbaren Krippenplätze im Stadtteil. Dies entspricht einer Auslastungsquote der vorhandenen Plätze in Höhe von 94 %. Im Bereich der Regelförderung belegten im Jahresdurchschnitt rund 1.160 Kinder die vorhandenen Plätze in Kindergärten und Häusern für Kinder; dies entspricht einer Auslastungsquote von 95 %. Diese Werte entsprechen dem gesamtstädtischen Durchschnitt. Nicht belegte Kita-Plätze in einer Größenordnung von 4-5% der Gesamtplatzzahl sind aber auf keinen Fall ein Indikator dafür, dass trotz hoher Nachfrage Kindern freie Plätze vorenthalten werden. Es gibt eine Reihe von Gründen, warum nicht alle genehmigten Kita-Plätze voll ausgelastet werden: So erreichen bspw. neu an den Start gegangene Einrichtungen (z.T. unterjährig eröffnet) erst zum zweiten Betriebsjahr eine Vollauslastung, oder Einrichtungen, die saniert oder umgebaut werden, müssen zeitweise ihre Platzzahlen reduzieren, weil während einer Sanierung oder eines Umbaus nicht alle Räumlichkeiten zur Verfügung stehen. Zudem bestehen für Einrichtungen mit Inklusionskindern Sondervereinbarungen für Platzreduktionen, damit mit dem vorhandenen Personal den besonderen Förderbedarfen der Kinder besser Rechnung getragen werden kann. Personalmangel oder Personalprobleme wie z.B. langfristige Krankheitsausfälle, sind weitere Gründe, temporär die Belegung möglicher Plätze zu reduzieren. Zudem führen unterjährige Fluktuationen (Wegzüge, Fluktuation bei Flüchtlingskindern) zu temporär nicht besetzten Plätzen in den Einrichtungen. Kinder mit Migrationshintergrund Den Kindertageseinrichtungen wird gemäß dem BaKiBiG für Kinder mit Migrationshintergrund – sprich Kinder, deren Eltern beide nichtdeutschsprachiger Herkunft sind – aufgrund des erhöhten Bildungs-, Erziehungs- oder Betreuungsaufwand eine erhöhte Förderung gewährt. In diesem Sinne sind Kinder mit Migrationshintergrund in der Statistik des Abrechnungsportals KiBiG.web erfasst. Folgende Auswertungen beziehen sich auf diese Datenbasis.

Abbildung 15: Anteile Kinder mit Migrationshintergrund in Kindertageseinrichtungen 64% 60%

40%

20%

0% unter 3-Jährige 3 Jahre bis Einschulung Westen Gesamtstadt

Quelle: Stadt Nürnberg / Jugendamt (Stand: Belegung im Jahresdurchschnitt 2017)

Im Bereich der Betreuung für unter 3-Jährige beträgt der Anteil der betreuten Kinder mit Migrationshintergrund in der Weststadt 20% und liegt damit unter dem Anteilswert für die Gesamtstadt (=28 %). Bei der Betrachtung der Anteilswerte nach den Einrichtungsarten fällt auf, dass in solitären Krippen der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund mit 8 % deutlich niedriger ist als in Häusern für Kindern (=27 %). Der Befund, dass Kinder mit Migrationshintergrund in diesem Segment der Elementarbildung unterrepräsentiert sind und somit deutlich später Kindertageseinrichtungen besuchen als Kinder ohne Migrationshintergrund ist nicht neu; sowohl in der bundesweiten wie auch gesamtstädtischen Bildungsberichterstattung wird hier seit Jahren auf Handlungsbedarf hingewiesen. Dennoch überrascht das Ergebnis im Stadtteil. Selbst in der Weststadt, in der drei von vier Kindern einen Migrationshintergrund haben (siehe Abschnitt 2.1, Tabelle 2), sind in den Krippen Kinder aus Zuwandererfamilien unterrepräsentiert. Anders sieht es aus für den Bereich der Regelförderung von Kindern ab 3 Jahren bis zur Einschulung. Hier liegt der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund in den Einrichtungen bei 64 %, und somit deutlich über dem städtischen Durchschnittswert (=46 %). Dies entspricht in etwa auch den Verhältnissen der höheren Anteile von Kindern mit Migrationshintergrund an der gleichaltrigen Gesamtbevölkerung im Stadtteil verglichen mit dem der Gesamtstadt. Bezogen auf die Einrichtungsarten – Kindergarten und Häuser für Kinder – unterscheiden sich die Anteilswerte kaum voneinander. Auffällig sind jedoch die Unterschiede zwischen Trägern in kommunaler und freier Trägerschaft. Während in kommunalen Kindergärten und Häusern für Kindern der Anteil der Migrationskinder jeweils rund 80 % beträgt, zeigt sich bei den Einrichtungen in freier Trägerschaft mit rund 50 % ein deutlich geringerer Anteilswert. Im Vergleich zu den Werten für die Gesamtstadt (=60 % kommunaler Träger / 40 % freie Träger) sind diese in der Weststadt weniger ausgeglichen, sprich die Verteilung der Migrationskinder konzentriert sich in der Weststadt deutlich stärker auf die kommunalen Einrichtungen. Exkurs: Integration von Neuzugewanderten in Kindertagesstätten Die Integration von neu nach Nürnberg zugewanderten Familien stellt vor allem die Einrichtungen im Bereich der Regelförderung vor besondere Herausforderungen. Sie sind Bildungsorte, an denen Kinder und Eltern in Kontakt mit Familien der Stadt(teil)gesellschaft kommen und soziale Teilhabe erleben. Die frühzeitige vorschulische Bildung und Sprachförderung im Kindergarten unterstützt zudem die Verbesserung der Startchancen von Kindern aus Zuwandererfamilien beim Eintritt ins deutsche Bildungssystem. Und Flüchtlingskindern bieten sie ein Umfeld, das von Sicherheit und Planbarkeit geprägt ist. Sie geben den Kindern die Chance, zur Ruhe zu kommen und bieten ihnen einen Schutzraum, in dem sie einfach nur Kind sein und sich gut entwickeln können. Auf Basis der Daten der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik sowie des onlinegestützten Abrechnungsportals KiBiG.web können allerdings bislang keine Aussagen über den Zuwanderungshintergrund von Migrantenfamilien, deren Kinder eine Kita besuchen, getroffen werden. Um jedoch den Integrationsbeitrag von Kindertageseinrichtungen besser abbilden und steuern zu können, bedarf es einer differenzierten Erfassung der Herkunftssituation von Kindern aus Migrantenfamilien sowie der damit korrespondierenden Integrations- und Unterstützungsbedarfe in den Kindertageseinrichtungen. Hierzu fand eine Befragung durch das Jugendamt Nürnberg statt, welche im Zeitraum 12/2018- 3/2019 in allen Einrichtungen der Regelförderung durchgeführt wurde. In Bezug auf die Einrichtungen im Stadtteil zeigt sich, dass mit 60 % ein Großteil der Kinder mit Migrationshintergrund familiäre Wurzeln in nicht-europäischen Herkunftsländern haben bzw. selbst von dort nach Nürnberg zugewandert bzw. geflüchtet sind. An der Spitze der Herkunftsländer liegt mit rund 15 % die Türkei, gefolgt von Irak und Syrien mit je rund 10 % und eine Vielzahl weiterer Länder wie Afghanistan, Pakistan, Iran Äthiopien, Nigeria, Eritrea, Somalia, Serbien, Kosovo, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina, Albanien und Armenien. Die am häufigsten vertretenen Herkunftsländer innerhalb der EU sind die EU 2-Staaten (Bulgarien und Rumänien) zusammen mit rund 10% sowie Griechenland ebenfalls mit rund 10 %. Neben den Herausforderungen fluchtbedingter Migration

spielen im Kontext von Arbeitsmigration häufig auch sozioökonomische Herausforderungen (Bildungsgrad, Ausbildungsniveau, Sprachkompetenzen etc.) in den Familien eine Rolle, die Benachteiligungen in der Arbeitsmarktintegration nach sich ziehen, wodurch letztlich die Armutsgefährdung gerade für Ausländerinnen und Ausländer überdurchschnittlich hoch ist. Bildungsrelevante Herausforderungen, mit welchen die Einrichtungen im Arbeitsalltag konfrontiert sind, werden wie folgt bewertet: Abbildung 16: Bewertung bildungsrelevanter Herausforderungen im Arbeitsalltag

47% 47%
7% 0% 0%

60%

40%

20% 0% 0% Mangel Kenntnisse Sprachliche Verständigung Deutscher Spracherwerb Spezieller pädagogischer Bildungssystem Kinder Förderbedarf hoch mittel gering

Quelle: Stadt Nürnberg / Jugendamt (Stand: Befragung 12/2018-3/2019) Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass neben dem besonderen pädagogischen Förderbedarf die Themen Sprache und Kenntnisse der Eltern zu deutschen Bildungssystem eine zentrale Rolle spielen.

Zusätzlich zu den oben dargestellten Herausforderungen wurden die Einrichtungen auch zu ihren Unterstützungsbedarfen in diesen Bereichen befragt: Bei der alltagsintegrierten Sprachförderung in der Kita äußern rund die Hälfte der befragten Einrichtungen einen hohen und ein weiteres Drittel einen mittleren Unterstützungsbedarf. Begleitend dazu sehen ein Drittel der Einrichtungen einen hohen Bedarf für eine bessere Information der Eltern zum hiesigen Bildungssystem. Ebenso wünscht sich gut ein Drittel der Einrichtungen eine bessere Vernetzung zu anderen Bildungsinstitutionen im Bereich der Integrationsarbeit. Insbesondere im Bereich der Sprachbildung weichen die Werte deutlich von denen für die Gesamtstadt ab – sprich in der Nürnberger Weststadt besteht ein erkennbar höherer Unterstützungsbedarf.

Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf Ein Teil der Kinder, die behindert oder von Behinderung bedroht sind, besuchen Kindertageseinrichtungen. Um den sonderpädagogischen Bedarfen dieser Kinder gerecht werden zu können, erhalten auch hier die Einrichtungen pro Kind eine gesonderte Förderung. Somit können diese Kinder zusätzlich zur normalen Betreuung und Förderung in der Einrichtung bis zu 50 Stunden pro Jahr Eingliederungshilfe durch einen Fachdienst erhalten, zudem bekommen die Einrichtungen zusätzliches Betreuungspersonal finanziert. Im Durchschnitt des Betriebsjahres 2017 wurden drei Kinder solcher unter 3 Jahren und 25 Kinder von 3 Jahren bis zur Einschulung in Kindertageseinrichtungen der Weststadt betreut. Die Anteilswerte entsprechen in etwa denen der Gesamtstadt. Der gesamtstädtische Trend, dass die Anzahl der Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf zunimmt, dürfte auch für die Weststadt Bestand haben. Das Angebot wurde auch hier sukzessive ausgebaut und wird in Zukunft vor dem Hintergrund der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention weitere Bedarfe nach sich ziehen. Als Voraussetzung für den Besuch in einer Kita müssen die Eltern für ihr behindertes oder von einer Behinderung bedrohtes Kind beim Bezirk Mittelfranken einen Antrag auf Gewährung von Eingliederungshilfe stellen. Häufig bittet der Bezirk daraufhin das Gesundheitsamt um eine Begutachtung und fordert die Eltern auf, mit diesem in Kontakt zu treten. Zuständig beim Gesundheitsamt der Stadt

Nürnberg ist die Zentrale Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche mit Entwicklungsauffälligkeiten und Behinderung (ZEBBEK). Mit Blick auf den hohen Anteil von Kindern aus sozial belasteten Familien im Stadtteil kann zudem davon ausgegangen werden, dass auch ein nicht unerheblicher Anteil von Kindern mit einen erhöhten Förderbedarf die Kitas besuchen, ohne entsprechende Diagnosen vorzuweisen. Das ist nicht unproblematisch für die Einrichtungen vor Ort, da in diesen Fällen kein Anspruch auf Eingliederungshilfe nach § 53 Abs. 1 SGB XII sowie § 35a SGB VIII zur Betreuung in einer Kindertageseinrichtung besteht und somit auch keine zusätzliche Förderung nach dem BayKiBiG gemäß Artikel 21 für diese Kinder abgerufen werden kann.

3.3.2 Besuchsdauer

Erhebungen zur Schuleingangsuntersuchung geben Aufschluss über die Besuchsdauer von Kindern in Kindertageseinrichtungen. Vergleicht man die Befunde für die Weststadt mit denen der Gesamtstadt, zeigt sich folgendes Bild:  Das Gros der Kinder (66,3 %) in der Weststadt besucht Kindertageseinrichtungen für die Dauer von 3 Jahren, somit überwiegend im Bereich der Regelförderung, sprich ab dem dritten Lebensjahr bis zur Einschulung.  Die 3-jährige Besuchsdauer ist im Stadtteil stärker ausgeprägt, als in der Gesamtstadt.  Umgekehrt verhält es sich bei einer Besuchsdauer, die über 3 Jahre hinausgeht und somit auch den Bereich der Bildung, Betreuung und Erziehung unter 3-Jähriger umfasst. Hier liegen die Werte für die Weststadt unter denen der Gesamtstadt, sprich Kinder aus der Weststadt weisen im Vergleich zur Gesamtstadt eine kürzere Besuchsdauer in Kindertageseinrichtungen aus. Dies dürfte sich vor allem durch den überdurchschnittlich hohen Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund im Stadtteil erklären, da Kinder aus dieser Gruppe deutlich später und somit in der Dauer kürzer Angebote der Einrichtungen frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung in Anspruch nehmen.

Abbildung 17: Besuchsdauer von Kindern in Kindertageseinrichtungen

4 Jahre und mehr

3 Jahre 66,3% 6,4% 2 Jahre 5,9% 5,7% unter 2 Jahren ,4%

Nürnberg Gesamt Nürnberger Weststadt

Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Schuleingangsuntersuchung des Gesundheitsamtes der Stadt Nürnberg (Stand: 2016/2017) Anmerkungen: Zu 149 Kindern liegen keine Angaben zur Besuchsdauer vor. Nur Kinder mit Hauptwohnsitz Nürnberg, bei denen tatsächlich eine Untersuchung stattfand.

3.3.3 Sprachbildung

Kindertageseinrichtungen haben nach dem BayKiBiG den Auftrag der besonderen Sprachförderung von Kindern mit unzureichenden Deutschkenntnissen. Ein Baustein dafür ist der Vorkurs "Deutsch 240". Hierbei handelt es sich um ein Landesprogramm zur Verbesserung der Sprachkompetenzen von Vorschulkindern, insbesondere für Kinder, deren beide Elternteile nichtdeutschsprachiger Herkunft sind. Es werden aber auch Kinder mit Deutsch als Erstsprache gefördert, wenn sie den ent-

sprechenden sprachlichen Förderbedarf aufweisen. Die Vorkurse ergänzen und unterstützen die Tätigkeit der pädagogischen Fachkräfte in den Kindertageseinrichtungen im Bereich der sprachlichen Bildung. Von den insgesamt 240 Fördereinheiten wird je die Hälfte von der Kita und von der Grundschule durchgeführt, beginnend in der zweiten Hälfte des vorletzten Kindergartenjahres. Voraussetzung für die Teilnahme ist, dass beim Kind durch die pädagogischen Fachkräfte mittels Sprachstanderhebung ein besonderer Sprachförderbedarf festgestellt wird. Alle Kinder werden im vorletzten Kindergartenjahr (ab Januar) getestet und die Ergebnisse werden mit den Eltern jeden Kindes besprochen. Den Eltern von Kindern mit Förderbedarf wird empfohlen, ihre Kinder am Vorkurs "Deutsch 240" teilnehmen zu lassen, die Teilnahme ist jedoch nicht verpflichtend. Die Grundschule intensiviert in enger Kooperation mit der Kita die Förderung der Kinder durch "Deutsch 240" ab September des letzten Kindergartenjahres. Auswertungen zur Inanspruchnahme in der Nürnberger Weststadt auf Datenbasis von KiBiG.web verdeutlichen den erhöhten Sprachförderbedarf im Stadtteil: Knapp die Hälfte aller betreuten Kinder im anspruchsberechtigten Alter (sprich ab der 2. Hälfte des vorletzten Kindergartenjahres) nehmen am Vorkurs "Deutsch 240" teil (stadtweit sind es rund 30%). Der vergleichsweise hohe Wert erklärt sich am überdurchschnittlich hohen Anteil von betreuten Kindern im Stadtteil, deren Elternteile nichtdeutschsprachiger Herkunft sind. Neben dem formal verankerten Vorkurs "Deutsch 240" gibt es weitere zusätzliche Angebote zur Sprachbildung im Kindergartenalter. Zu nennen sind hier das eigens vom Jugendamt entwickelte Programm „SpiKi – Sprachliche Bildung in kommunalen Kindertageseinrichtungen“ sowie das Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ (nähere Informationen hierzu siehe Kapitel Non-Formale-Bildung unter 4.2.2).

3.3.4 Übergang Kindergarten-Grundschule

Die Förderung von Vorschulkindern beim Übergang in die Grundschule ist im Stadtteil seit vielen Jahren ein Fokusthema. Im Regionalen Arbeitskreis Nürnberg West (Gostenhof, Muggenhof, Eberhardshof, Schniegling, Johannis) stehen Kindertageseinrichtungen und Schulen seit mehr als 30 Jahren im regelmäßigen kollegialen Austausch: In mehrmals jährlich stattfindenden Treffen werden auch rund um das Thema Übergang Kindergarten-Grundschule neue Projektvorhaben vorgestellt, gemeinsame Fortbildungen angeregt, Fachreferenten eingeladen und thematische Schwerpunkte gesetzt sowie Kooperationen verabredet und vertieft. Übrigens: Bereits 1983 (!) fand der erste gemeinsame Elternabend vom Kindergarten St. Anton und der damaligen Grundschule Preißlerstraße statt. Seit dem Jahr 2011 gibt es zudem mit dem „Steuerungskreis Übergang Kindergarten-Grundschule“ eine Initiative zur Verstetigung des Übergangs, die gemeinsam durch das Staatliche Schulamt, das Jugendamt, die kommunale Schulverwaltung, das Bildungsbüro und Vertreterinnen und Vertreter der freigemeinnützigen Träger gefördert und fachlich begleitet wird. Mit dem kommunalen Programm „Gemeinsam leicht starten“ wurde ein Angebot verstetigt, das zum Ziel hat flächendeckend und systematisch die Zusammenarbeit von Kindergarten und Grundschule vor Ort im Sprengel zu verbessern. Es sollen verlässliche Sprengel-Netzwerke gebildet werden, die aus der jeweiligen Grundschule und den umliegenden Kindertageseinrichtungen bestehen. Diesen steht ganzjährig ein ausgebildetes Trainerinnentandem zur Seite. Gemeinsam werden Angebote zum Thema Einschulung für Kinder und Eltern initiiert und die Fachkräfte stehen den Eltern bei Fragen zur Verfügung. Seit 2006 haben stadtweit 14 Grundschulen jeweils mit den umliegenden Kindergärten am Programm teilgenommen, darunter auch die Friedrich-Wanderer-Schule aus der Nürnberger Weststadt.

Der bildungsbiographisch wichtige Übergang zwischen frühkindlicher und schulischer Bildung wird auch durch MUBIKIN unterstützt. Die Musikpädagogen/innen der Musikschule verstehen sich dabei als Bindeglied und fördern aktiv die Zusammenarbeit im Schulsprengel. Anknüpfungspunkte sind ein institutionsübergreifender Spiel- und Liedschatz und regelmäßige gemeinsame Aktivitäten. Gemeinsame Fortbildungen für Erzieher/innen und Lehrer/innen stärken die Kooperation innerhalb und außerhalb von MUBIKIN. Daran beteiligen sich im Stadtteil 19 Kitas, die Schulvorbereitende Einrichtung für sprachbehinderte Kinder in der Lortzingstr. 10, das Sonderpädagogische Förderzentrum an der Bärenschanze sowie die Grundschule Knauer-Schule und Friedrich-Wanderer-Schule. Um herauszufinden, welche Angebote insgesamt (auch über das Programm „Gemeinsam leicht starten“ hinaus) zur Unterstützung des Übergangs in den jeweiligen Grundschulsprengeln angeboten werden, fand zwischen 12/2018 und 3/2019 eine Befragung von Kindertageseinrichtungen und Grundschulen durch das Jugendamt Nürnberg statt. Die Befragungsergebnisse geben erstmals im Sinne einer Bestandserhebung Aufschluss, wo die Stadt Nürnberg beim Thema „Übergang Kindergarten-Schule“ steht. Von den zum Zeitpunkt der Befragung im Stadtteil 27 ansässigen Kitas mit Betreuungsplätzen im Bereich der Regelförderung nahmen 21 an der Befragung teil (Rücklaufquote = 78 % in der Weststadt / Stadtweit = 75 %) (nähere Informationen zu den stadtweiten Befragungsergebnissen siehe Bericht „Übergang Kindergarten – Grundschule“ im JHA/SchulA vom 27.06.2019). Im Vergleich zur Gesamtstadt zeigen sich folgende Ergebnisse: Tabelle 5: Angebote Übergang Kindergarten - Grundschule

Angebote Übergang Kindergarten - Grundschule Weststadt Stadt Gesamt
Erziehungspartnerschaft mit Eltern
Elterninfoblätter zur Einschulung bzw. zum Übergang 74% 60%
Elterninfoveranstaltungen 74% 76%
Informelle Elterntreffen, z.B. Elternstammtisch 11% 20%
Feste und Feiern mit KiGa gemeinsam 30% 21%
Eltern-Kind-Nachmittage (mit Grundschule gemeinsam) 26% 24%
Elterngespräche und -beratung gemeinsam mit Lehrkraft 44% 26%
Externe Angebote zum Übergang z.B. Projekt Schultüte 15% 12%
Kinder lernen Schule kennen
Schulhaus-Rallye, Besichtigung des Schulhauses 52% 51%
Besuche der Lehrkraft im Kindergarten 48% 59%
„Schnupperunterricht“, Besuch und Hospitation der Kinder in der Schule 85% 80%
Mobile Lernwerkstatt, gemeinsames Vormittagsangebot mit Lehrkraft 11% 11%
Schulkinder als Tutoren/Paten 7% 9%
Erzieherin/Erzieher besucht im 1. Schulhalbjahr ehemalige Kinder 7% 19%
Fachliche Kooperationen
Gemeinsames Verständnis von Schulfähigkeit ist abgestimmt 63% 56%
Kooperationspartner sind benannt 78% 71%
Verfahren rund um den Übergang Kindergarten-Grundschule sind geregelt 78% 63%
Gemeins. Konzeption besteht und Kooperationsvereinbarung ist vorhanden 52% 25%
Regelmäßige Treffen zur Abstimmung zwischen Kita und Schule 82% 63%

Quelle: Stadt Nürnberg/Jugendamt (5/2019)

Die Angaben geben eine Übersicht, welche Angebote weit verbreitet sind und welche eher die Ausnahme darstellen. Im Bereich „Erziehungspartnerschaft mit Eltern“ stellt die Informationsarbeit den Schwerpunkt dar. Auffällig im Vergleich zu den gesamtstädtischen Ergebnissen ist, dass die Kooperationsangebote mit den Schulen (insb. Elterngespräche und -beratung gemeinsam mit der Lehrkraft) stärker zum Tragen kommen. Im Bereich „Kinder lernen Schule kennen“ ist der Schnupperunterricht bzw. Besuche und Hospitationen der Kinder in der Schule das häufigste Angebot, gefolgt von Schulhaus-Rallyes und Besichtigungen des Schulhauses sowie Besuche der Lehrkraft im Kindergarten. Bei den „Fachlichen Kooperationen“ fällt auf, dass alle Angebote in der Weststadt eine deutlich höhere Relevanz haben als im Vergleich zur Gesamtstadt. Der deutlichste Unterschied zeigt sich in Bezug auf das Vorhandensein einer gemeinsamen Konzeption und Kooperationsverein-

barung zur Gestaltung des Übergangs Kindergarten-Grundschule. Die Ergebnisse für die Nürnberger Weststadt machen deutlich, dass die Unterstützung von Kindern beim bildungsbiografisch bedeutsamen Übergang vom Kindergarten in die Grundschule einen hohen Stellenwert in den Kooperationsbeziehungen zwischen Kita und Schule einnimmt. Im Stadtteil scheint es, nicht zuletzt auch positiv befördert durch die Praxiserfahrungen im Programm „Gemeinsam leicht starten“ und des Engagements des regionalen Arbeitskreises Nürnberg West, etablierte Förder- und Netzwerkstrukturen für diesen Bereich zu geben.

3.4 Bedarfsprognose und Ausbauplanung

Befunde der zum Zeitpunkt der Berichtslegung aktuell vorliegenden Bevölkerungsvorausberechnung des Amts für Stadtforschung und Statistik verweisen darauf, dass die Nachfrage nach Angeboten der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung auch in Zukunft nicht abnehmen wird. Mit Blick auf die Nürnberger Weststadt ergeben sich kleinräumig unterschiedliche Entwicklungen, mit unterschiedlichen Konsequenzen für den weiteren Ausbau der Infrastruktur in diesem Bereich. Während auf Basis heutiger Annahmen in Gostenhof die Anzahl der Kinder sowohl im Krippen- wie auch Kindergartenalter eher leicht abnehmen wird, steigt diese insbesondere aufgrund der erwartbaren Wohnraumentwicklungen in Eberhardshof (insb. auf dem ehemaligen Quelleareal) dagegen nochmals deutlich an. Der Versorgungsdruck wird sich dabei insbesondere im Kindergartenbereich deutlich erhöhen. Geplante Entwicklungen zum Wohnungsbau auf dem AEG-Gelände sind in der Prognose noch nicht berücksichtigt, werden aber perspektivisch eine weitere Nachfrage nach Kita-Plätzen zur Folge haben. Folgende Darstellung gibt einen Überblick zu den damit verbundenen Herausforderungen für eine bedarfsgerechte Ausbauplanung in der Nürnberger Weststadt: Tabelle 6: Ausbauplanung Nürnberger Weststadt

Bestand 2017 Bedarfsprog- nose 2030 Aktuelle Planungen
unter 3-Jährige Kinderzahl 1.273 ~ 1.270 Insgesamt: 72 Plätze  24 Plätze/Haus für Kinder/Quelle-Areal  24 Plätze/FamZ/Rothenburger Str. 4 (ab 9/2018)  24 Plätze/Krippe/Feuerwache Reutersbrunnstr.
Plätze 446 ~ 600
Versorgungsquote 35% 48% 40%
3- bis 6,5-Jährige Kinderzahl 1.126 ~ 1.300 Insgesamt: 100 Plätze  75 Plätze/Haus für Kinder/Quelle-Areal  25 Plätze/FamZ/Rothenburger Str. 45 (ab 9/2018)
Plätze 1.228 ~ 1.300
Versorgungsquote 102% 100-102% 102%

Quelle: Stadt Nürnberg / Jugendamt (Stand: 12/ 2017)

3.4.1 Ausbauplanung für unter 3-Jährige

Per Beschluss des Jugendhilfeausschusses vom 29.09.2016 gilt es als Planungsgröße für den weiteren Ausbau von Krippenplätzen bis zum Jahr 2026 stadtweit eine Versorgungsquote von 48 % zu erreichen. Dieses Versorgungsziel wurde Ende 2015 auf Basis einer repräsentativen Elternumfrage durch das Jugendamt ermittelt. Legt man diese Versorgungsquote als Ausbauziel für die Nürnberger Weststadt zugrunde, so besteht perspektivisch im Stadtteil ein zusätzlicher Bedarf an rund 150 Plätzen. In Planung befinden sich aktuell 72 Krippenplätze, 48 davon bis 2021 und folgend weitere 24 Plätze bis zum Jahr 2026. Damit wäre eine Versorgungsquote von rund 40 % im Stadtteil erreicht. In Stadtteilen mit einer überdurchschnittlichen sozioökonomischen Belastung – also solchen wie der Nürnberger Weststadt – besteht eine besondere Verpflichtung, den Ausbau der frühkindlichen Bildungsangebote voranzutreiben. Ob jedoch in allen Stadtteilen längerfristig gleichermaßen die Realisierung von einer 48 %igen Versorgungsquote sinnvoll ist, hängt im starken Maße von der Entwicklung des Nachfrageverhaltens der Eltern ab, welches sich sozialräumlich durchaus unterscheidet. Dies gilt es im weiteren

Zeitverlauf zu beobachten und planerisch zu berücksichtigen. Ein jährliches Monitoring der Anmeldezahlen sowie der Auslastungssituation in den Einrichtungen hilft dabei, die Bedarfsentwicklungen stadtteilbezogen besser einschätzen zu können. Das Jugendamt wird 2020 zudem eine Wiederholungsbefragung bei Eltern zur ihren Betreuungsbedarfen durchführen, auf deren Basis die Ausbaustrategie entsprechend sozialräumlicher Unterschiede kleinräumig überprüft und fortgeschrieben werden soll.

3.4.2 Ausbauplanung im Bereich der Regelförderung

Für den Bereich der Kinder von 3 Jahren bis zur Einschulung und dem damit seit nunmehr über 20 Jahren verbundenen Rechtsanspruch besteht die Pflicht der Vollversorgung. Bisher galt auf Basis von bundesweiten und länderspezifischen Erhebungen zur Inanspruchnahme und den Bedarfen von Eltern die Annahme, dass eine 95 %-ige Versorgungsquote hier als bedarfsdeckend anzusehen ist. Dies bestätigt sich auch für Nürnberg laut den Befunden der städtischen Bildungsberichterstattung. Demnach besuchten in Nürnberg im Jahr 2016 91 % der 3 bis 6-Jährigen einen Kindergarten (davon 85 % der 3-Jährigen, 93% der 4-Jährigen und 95% der 5-Jährigen); rechnet man die Besuchsquote auf die planungsrelevanten 3,5 Jahrgänge hoch, so dürfte sich der Wert bei der anspruchsberechtigten Altersgruppe bei knapp 95 % einpendeln.35 Das Platzangebot in der Nürnberger Weststadt stellt aktuell ein Versorgungsniveau von 95% sicher. Doch aufgrund der in den letzten Jahren stark gewachsenen Jahrgänge der unter 3-Jährigen, die in den Folgejahren nun sukzessive ins Kindergartenalter reinwachsen werden sowie weiterer Anstiege der Kinderzahlen durch Neubauaktivitäten, allen voran auf dem ehemaligen Quelle-Areal und AEG- Gelände, sind weitere Platzschaffungen nötig. Zudem wird es langfristig zur Erreichung der angestrebten Vollversorgung nicht ausreichen, nur für 95 % der Kinder im Stadtteil zu planen. Unterschiedliche Faktoren, wie die Anzahl von Kindern mit besonderem Förderbedarf, temporäre Platzreduktionen bei Sanierungen oder fehlendem Personal, schrittweise Belegungen der Plätze bei Neubauten sowie unterjährige Aufnahmen und Austritte tragen dazu bei, dass die potenziell verfügbaren Plätze in den Einrichtungen nicht voll belegt werden können. Auswertungen zur Auslastung der Plätze in Einrichtungen für Vorschulkinder mittels der Datenbank KiBiG.web belegen, dass unter Berücksichtigung dieser Faktoren langfristig ein Versorgungsgrad von 100-102 % erforderlich sein wird, um für alle Kinder einen Betreuungsplatz vorhalten zu können. An diesem Ziel soll mit Blick auf die langfristige Planung in Nürnberg festgehalten werden – somit auch in der Weststadt. Unter Berücksichtigung der aktuell laufenden Planungen zur Schaffung weiterer 100 Plätze im Stadtteil, davon alleine 75 Plätze in einer neuen Einrichtung auf dem ehemaligen Quelleareal, könnte ausgehend vom heutigen Wissenstand zur Bevölkerungsentwicklung künftig die Vollversorgung (=102%) im Stadtteil sichergestellt werden.

3.5 Zusammenfassung und Empfehlungen

Die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung hat als Bestandteil der kommunalen Bildungslandschaft in der Nürnberger Weststadt eine besondere Bedeutung. Sie ist das Fundament für alle weiteren Bildungsstationen, hier werden entscheidende Weichen für die weitere Bildungsbiografie gestellt. Der frühe Zugang zu öffentlichen Bildungsinstitutionen bzw. bildungsfördernden Lebenswelten wirkt sich insbesondere für Kinder, die in belasteten Lebenslagen aufwachsen, positiv aus. Denn wenn Entwicklungs- und Lernanreize in den Familien nicht ausreichend vorhanden sind, können sie

35 Stadt Nürnberg (2017): Vierter Bildungsbericht der Stadt Nürnberg. Nürnberg; Stadt Nürnberg (2018). Jugendhilfeplanung 2018: Angebote der Kindertagesbetreuung in Nürnberg - Fortschreibung der kleinräumigen Bedarfsplanung bis 2026. Bericht im Jugendhilfeausschuss vom 19.04.2018

mit einer hochwertigen Kindertagesbetreuung geschaffen und die sozialen wie sprachlichen Fähigkeiten benachteiligter Kinder gefördert werden. Die demografische Entwicklung und die sozioökonomischen Lebenslagen der Familien im Stadtteil signalisieren erhebliche Herausforderungen für den Bereich der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung. Wenn Kitas das Aufwachsen der Kinder im Stadtteil in den ersten Jahren gut begleiten und unterstützen sollen, wenn Frühe Bildung für alle Kinder gelingen soll, wenn von Benachteiligung bedrohte Kinder spürbar besser gefördert werden sollen, muss der Ausbau von Kita-Plätzen Hand in Hand mit der Weiterentwicklung der Qualität in der Kindertagesbetreuung einhergehen. Die Stadt Nürnberg investiert hierzu bereits seit Jahren gezielt in ein umfangreiches Maßnahmenprogramm zur qualitativen Weiterentwicklung der Bildung, Betreuung und Erziehung in Kindertageseinrichtungen, welches auch der Nürnberger Weststadt zugutekommt. Im Mittelpunkt stehen dabei Maßnahmen, die in Regeleinrichtungen die Familienarbeit unterstützen und die Qualifizierung sowie Weiterentwicklung der Fachkräfte fördern. Durch den Zuschuss im Bereich der „Kitaförderung plus“ können Einrichtungen, die aufgrund sozialräumlicher Aspekte belastet sind, zusätzlich finanziell gefördert und unterstützt werden. Diese finanzielle Unterstützung nahmen in jüngerer Vergangenheit fünf Einrichtungen aus dem Stadtteil in Anspruch, mittels derer sie Projekte und Maßnahmen mit dem Fokus „Bildung“, u.a. zur Förderung der Sprach-, Medien- und Gesundheitskompetenz durchführen konnten. Die Kitas als Orte für Familien und Familienzentrum erhielten auch zusätzliche Projektmittel. Und auch zur Verbesserung der Partizipation von Eltern im Krippenbereich wie auch der Qualifizierungsförderung von Kita-Fachkräften flossen bisher Mittel in ausgewählte Einrichtungen der Nürnberger Weststadt. Für die Jahre 2019 und 2020 beschloss der Jugendhilfeausschuss die bewährten Instrumente der letzten Jahre im Wesentlichen beizubehalten und zu ergänzen. Als neue Schwerpunkte sollen die Maßnahmen „Elternbegleiterinnen und Elternbegleiter“ und das Projekt „frühstart“ in den Förderkatalog aufgenommen werden36. Und durch das jüngst verabschiedete „Gute-Kita-Gesetz“ besteht zudem Anlass zur Hoffnung, dass den Kitas in den nächsten Jahren noch weitere Mittel für die Qualitätsentwicklung zur Verfügung gestellt werden37. Für die Lern- und Bildungslandschaft im Bereich frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung ergeben sich mit Blick auf die Nürnberger Weststadt folgende Entwicklungsperspektiven: Kita-Ausbau Für einen bedarfsgerechten Ausbau der Kindertageseinrichtungen sind im Stadtteil auf Basis der vorliegenden Bevölkerungsprognosen die notwendigen Planungen aufgesetzt. Insbesondere durch die Inbetriebnahme des neuen Familienzentrums in der Rothenburger Str. wurde ein wichtiger Beitrag zur Beteiligung und Förderung benachteiligter Kinder und Familien im Stadtteil geleistet. Zur gemeinsamen Gestaltung von Bildung, Betreuung, Beratung und Erziehung befinden sich im Haus eine Kinderkrippe (eine Gruppe), ein Kindergarten (zwei Gruppen), ein Hort (drei Gruppen) mit Beratungsräumen sowie eine Mittagsbetreuung und Büroräume des Allgemeinen Sozialdienstes. Und mit dem geplanten Haus für Kinder auf dem Quelle-Areal entsteht eine weitere große Einrichtung im Stadtteil. Eine weitere Einrichtung wird zu schaffen sein, wenn die Wohnbebauung auf dem AEG- Gelände kommt. Auf Grund der sozioökonomischen Lebenslagen der Familien vor Ort wird empfohlen, mindestens eine der neuen Einrichtungen als Familienzentren zu konzipieren. Fokus Migration und Integration Die Kindertageseinrichtungen vor Ort sind überdurchschnittlich mit Integrationserfordernissen im Kontext von Flucht- und Arbeitsmarktmigration konfrontiert und bedürfen besonderer Unterstützung. Die Arbeit mit Kindern aus Familien mit Migrationshintergrund ist längst Alltag in den Einrichtungen. Neben den besonderen pädagogischen Förderbedarfen spielt das Thema Sprachbildung eine zentrale Rolle. Auch wenn hier schon vieles in den Einrichtungen passiert, besteht aus Sicht der Kitas

36 Vgl. Stadt Nürnberg, Qualitative Weiterentwicklung der Kindertagesbetreuung in Nürnberg – Fortschreibung 2019-2020, Vorlage zum Jugendhilfeausschuss am 4.10.2018. 37 Vgl. https://www.bmfsfj.de/gute-kita-gesetz

noch Beratungs- und Handlungsbedarf zur Weiterentwicklung der sprachpädagogischen Arbeit mit den Kindern. Flankierend sollten den Eltern Sprachangebote zur Verfügung gestellt werden. Die Befunde zur Bildungsbeteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund verweisen zudem darauf, dass diese Angebote der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung deutlich später und somit auch deutlich kürzer in Anspruch nehmen als Kinder ohne Migrationshintergrund. Im Sinne der Sprachförderungs- und Integrationsbedarfe im Vorschulalter sind Strategien zur Erhöhung der Besuchsdauer von Kindern mit Migrationshintergrund von Nöten. Ein Schlüssel dazu stellt die Förderung niedrigschwelliger Zugänge für Neuzugewanderte in Kindertageseinrichtungen dar. Mit dem Bundesprogramm „Kita-Einstieg – Brücken bauen in frühe Bildung“ werden hierzu wichtige Erfahrungen im Stadtteil gesammelt. Kindertagesbetreuung als Bestandteil der Armutsprävention Die Befunde zu den sozioökonomischen Lebenslagen junger Menschen in der Nürnberger Weststadt verweisen darauf, dass eine nicht unerhebliche Anzahl der dort lebenden Kinder aus sozial belasteten Familien stammt und besonderer Unterstützung bedürfen. In der Fortschreibung des kommunalen Arbeitsprogramms gegen Kinder- und Jugendarmut wurden hierzu bereits die Entwicklungsaufgaben für die nächsten Jahre benannt.38 Erforderlich sind demnach zusätzliche Personalund Projektmittelausstattungen für Kindertageseinrichtungen vor Ort zur Förderung von Projekten und Maßnahmen mit dem Fokus „Alltagsbildung“, insbesondere zur Förderung der Sprach-, Medienund Gesundheitskompetenz. Fachkräfte müssen für diese Aufgaben auch entsprechend qualifiziert werden. Darüber hinaus gilt es die Zugänge zu Angeboten des Bildungs- und Teilhabepakets insbesondere für unter 3-jährige Kinder zu verbessern und insgesamt die Nutzerquote in diesem Bereich zu erhöhen. Die etablierten und gut funktionierenden Strukturen und Angebote zur Förderung von Vorschulkindern beim Übergang Kindergarten-Schule stellen eine weitere wichtige Säule zur Unterstützung von Kindern aus bildungsfernen Familien dar und müssen aufrecht erhalten bleiben. Inklusion in Kitas fördern Ein in Zukunft immer wichtiger werdendes Thema ist die Inklusion in Kitas, denn die Anzahl der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf nimmt stetig zu. Dementsprechend gilt es auch in der Nürnberger Weststadt die Schaffung von integrativen Einrichtungen als auch durch den Ausbau der Einzelintegrationsplätze vorantreiben. Offen ist jedoch die Frage zum Umgang mit Kindern vor allem aus bildungsfernen Schichten, die einen erhöhten Förderbedarf ohne entsprechende Diagnosen ausweisen. Die Einrichtungen können für diese Kinder keine zusätzlichen Fördermittel nach dem BayKiBiG abrufen und bedürfen deshalb einer zusätzlichen Unterstützung.

38 Stadt Nürnberg, Referat für Jugend, Familie und Soziales (2018): Weiterentwicklung des Arbeitsprogramms gegen Kinderarmut in Nürnberg zum "Nürnberger Arbeitsprogramm gegen Kinder- und Jugendarmut. Bericht im Jugendhilfeausschuss vom 19.04.2018

4 Non-formale Bildung junger Menschen

4.1 Bestandserhebung zu Angeboten non-formaler Bildung im Stadtteil –

eine schrittweise Annäherung

Ausgangslage und Problemstellung Bildung im ganzheitlichen Sinne ist der umfassende Prozess der Entwicklung und Entfaltung derjenigen Fähigkeiten, die Menschen in die Lage versetzen, zu lernen, Leistungspotenziale zu entwickeln, zu handeln, Probleme zu lösen und Beziehungen zu gestalten. Dies umfasst die eigenständige Lebensführung mit Blick auf die berufliche Existenz ebenso wie mit Blick auf Partnerschaft, eigene Kinder, aber auch mit Blick auf soziale Teilhabe, gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit. Junge Menschen in diesem Sinne zu bilden, ist nicht alleinige Aufgabe des formalen Bildungswesens im Elementar-, Primar- und Sekundarbereich. Für eine gelingende Lebensführung und soziale Integration sind ebenso non-formale und informelle Bildungsprozesse außerhalb des formalen Bildungssystems von besonderer Bedeutung.39 Unter non-formaler Bildung ist jede Form organisierter Bildung zu verstehen, die freiwillig ist und Angebotscharakter hat. Non-formales Lernen findet primär nicht in den formalen Settings der Bildungseinrichtungen statt und führt nicht unbedingt zum Erwerb eines formalen Abschlusses. Gleichwohl hat es in Bezug auf die Lernziele, Lerndauer und Lernmittel systematischen Charakter. Non-formales Lernen kann in unterschiedlichen Settings wie z.B. der Aktivitäten von Organisationen und Gruppierungen der Zivilgesellschaft, in Kunst- und Kultureinrichtungen oder Einrichtungen der Kinderund Jugendarbeit stattfinden, die neben den formalen Bildungsinstitutionen mit ihren Angeboten (wie z.B. Kunst-, Musik- und Sportaktivitäten) einen eigenständigen und wichtigen Beitrag zur ganzheitlichen Bildung junger Menschen leisten.40 Im Unterschied zum non-formalen Lernen erfolgt informelles Lernen unbeabsichtigt in Familie, Freundeskreis, Freizeit- und Alltagssituationen. Eine trennscharfe Abgrenzung ist nicht immer möglich, da auch informelles Lernen im räumlichen und inhaltlichen Kontext von formalen oder non-formalen Bildungssettings geschieht.41 Dabei kann indessen auch beobachtet werden, dass formales und non-formales Lernen zunehmend ineinander übergehen. So wird Lernen in Kindertageseinrichtungen und Schulen im Zuge der zunehmenden Ganztagsorientierung mehr und mehr mit Angebotsformen und -inhalten verzahnt, die bislang der non-formalen Bildung außerhalb der formalen Bildungseinrichtungen zugerechnet wurden. Entsprechend der hier dargelegten Bedeutung der non-formalen Bildung für die kommunale Lernund Bildungslandschaft hat die Stadt Nürnberg in bislang vier kommunalen Bildungsberichten versucht, für die Gesamtstadt die Vielfalt der Bildungsangebote im non-formalen Sektor darzustellen und dabei auch zu zeigen, wie öffentliche, private und zivilgesellschaftliche Akteure zusammenwirken.42 Teilnahmezahlen und (die spärlich vorhandenen) Informationen über die Sozialstruktur der

39 Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hg.), Bildungsreform Band 6: Konzeptionelle Grundlagen für einen Nationalen Bildungsbericht – Non-formale und informelle Bildung im Kindes- und Jugendalter, Berlin 2004, S. 21 40 Vgl. Bundesjugendkuratorium (Hg.), Streitschrift „Zukunftsfähigkeit sichern! Für ein neues Verhältnis von Bildung und Jugendhilfe, Bonn/Berlin 2001, S. 23; Kommission der Europäischen Gemeinschaften, Memorandum über Lebenslanges Lernen, Brüssel 2000, S. 9 f.; Kommission der Europäischen Gemeinschaften, Ein europäischer Raum des lebenslangen Lernens, Luxemburg 2001, S. 33-35. 41 Aus den genannten Gründen ist die informelle Bildung auch schwer zugänglich sowohl für eine datengestützte und kleinräumige Bildungsberichterstattung als auch für kommunale Steuerungsprozesse zur Weiterentwicklung der Lern- und Bildungslandschaft. Aus diesen Gründen ist der Bereich des informellen Lernens nicht Gegenstand des vorliegenden Werkstattberichtes – wohl wissend, dass auch dieser einen wichtigen Stellenwert für die Entwicklung junger Menschen einnimmt. 42 Vgl. Stadt Nürnberg (Hg.), Bildung in Nürnberg 2011, Erster Bildungsbericht der Stadt Nürnberg, Nürnberg 2011, S. 111- 128; Stadt Nürnberg (Hg.), Bildung in Nürnberg 2013, Nürnberg 2013, S. 189-242; Stadt Nürnberg (Hg.), Bildung in Nürnberg 2015, Nürnberg 2015, S. 205-266; Stadt Nürnberg (Hg.), Bildung in Nürnberg 2017, Nürnberg 2017, S. 189-263.

Teilnehmenden gaben erste Anhaltspunkte zum Nutzungsverhalten und zur Reichweite einzelner Angebote. Im Folgenden wird nun der Versuch unternommen, sich der deskriptiv-analytischen Bestandserhebung non-formaler Bildung in der Gesamtstadt aus der Perspektive des sozialräumlichen Bildungsmonitoring anzunähern. Erkenntnisleitendes Interesse hierbei ist, Stärken und Lücken im Stadtteilangebot zu erkennen und Hinweise zu bekommen, ob Angebote und Kooperationen ausreichend und bedarfsgerecht sind, ob die Angebote ihre Zielgruppe erreichen und wie das künftig noch besser gelingen könnte. Auf entsprechende Hinweise kann die Kommune reagieren: bestimmte nonformale Bildungsangebote fördern und unterstützen, ausbauen oder eben einstellen, sie weiterentwickeln, probeweise einsetzen oder bedarfsbezogen zur Verfügung stellen. Aber: Was zählt eigentlich alles zur non-formalen Bildung im Stadtteil? Und wie lassen sich Ansätze non-formalen Lernens auf Quartiersebene systematisch am besten erfassen, um dem oben beschriebenem Erkenntnis- und Steuerungsinteresse zur Weiterentwicklung der Lern- und Bildungslandschaft für die Nürnberger Weststadt am besten gerecht werden zu können? Die existierende Bildungsberichterstattung liefert bislang kein etabliertes Konzept, das für diesen Bericht herangezogen werden könnte. So betonte die bundesweite Bildungsberichterstattung in der Veröffentlichung „Bildung in Deutschland 2012“ in einer speziellen Betrachtung der kulturellen-musisch-ästhetischen Bildung zwar die besondere Bedeutung von Einrichtungen non-formaler Bildung in diesem Feld.43 Die gesamte Analyse der Autorengruppe stützte sich allein auf Umfragedaten und bezog Geschäftsdaten zur Nutzung von Angeboten nicht mit ein. Die kommunale Bildungsberichterstattung beschreitet einen anderen Weg und stellt sich seit 2010 der Frage der Erfassung und Analyse non-formaler Bildung im Stadtraum. Am Beispiel der bislang vier Nürnberger Bildungsberichte ist gut erkennbar, wie Angebote und deren Nutzung auf Ebene der Gesamtstadt dargestellt werden können. Entsprechend der Bedeutung und auch der Vielfalt des Angebots nahmen die Berichtsteile im Nürnberger Bildungsbericht jeweils großen Raum ein und orientierten sich dabei an der Akteurslandschaft und der Angebotsstruktur. Als Nadelöhr für die Darstellung erwies sich immer wieder die (manchmal schüttere) Datenlage. Eine Betrachtung des non-formalen Lernens im Stadtteil und Quartier birgt nun hingegen die Chance, in die Tiefe zu gehen, alternative Perspektiven einzunehmen und unter veränderten Voraussetzungen systematische Betrachtungen vorzunehmen. Prämissen zur sozialräumlichen Bestandserhebung in der Nürnberger Weststadt Um aus der Vielzahl von möglichen Zugangswegen einen modellhaften und auch praktikablen Referenzrahmen zur Bestandserhebung non-formaler Bildungsangebote in der Nürnberger Weststadt zu entwickeln, galt es zunächst einmal die Prämissen für dieses Vorhaben basierend auf den zentralen Erkenntnis- und Steuerungsinteressen zu bestimmen.  Definition non-formaler Bildung als Ausgangspunkt zur Bestimmung der zu erhebenden Angebote im Stadtteil: Wir orientieren uns hier an der oben genannten Definition, wonach sich folgende Prüfkriterien für zu erfassende Angebote ableiten lassen: Sie finden nicht in den formalen (curricularen) Settings allgemeiner oder beruflicher Bildung statt, sie dienen nicht zur Zertifizierung im Sinne einer Bildungsberechtigung, sie sind organisiert und strukturiert und mit konkreten Lernzielen verbunden. Jedes zu erfassende Angebot sollte weitestgehend den genannten Unterpunkten dieser Definition entsprechen.

43 Vgl. Autorengruppe Bildungsberichterstattung (Hg.), Bildung in Deutschland 2012, Bielefeld 2012, S.11

 Stringente Orientierung an der Nutzerperspektive: Wenn wir wissen wollen, wie die Lern- und Bildungslandschaft für die Menschen ausgebaut und optimiert werden sollte, dürfen wir nicht von der einzelnen Einrichtung oder aus der Perspektive des Trägers denken, sondern wir müssen vom Lernenden und von seinen im Lebensverlauf sich ändernden Entwicklungsanforderungen und Bildungsbedürfnissen ausgehen. Mit dem Blick auf die Nutzenden lautet die zentrale Frage: Welche non-formalen Angebote stehen im Stadtteil den Menschen in den unterschiedlichen Lebensabschnittsphasen zur Verfügung?  Fokussierung auf non-formale Bildung im Kindes- und Jugendalter: Non-formale Bildung ist unbestrittener Maßen ein zentraler Bestandteil lebenslangen Lernens, beginnend mit dem frühen Kindesalter, über das Schulalter in die Phase der beruflichen Bildung, während der aktiven Phase der Erwerbstätigkeit bis hin zum Seniorenalter in der Nacherwerbsphase. Bereits im Integrierten Stadtteilentwicklungskonzept Weststadt44 wurde mit Bezug zur Teilnahme am Forschungsprojekt „Educational governance“45 die strategische Leitlinie einer Lern- und Bildungslandschaft formuliert, die so gestaltet sein soll, damit „insbesondere jungen Menschen bessere Bildungs-, Lebens- und Berufsperspektiven“46 eröffnet werden können. Mit dieser Selbstverpflichtung trugen die Geschäftsbereiche Schule & Sport, Kultur sowie Jugend, Familie und Soziales dem Umstand Rechnung, dass in den ersten Lebensjahren die Grundlagen für die Persönlichkeitsentwicklung gelegt werden und eine frühe Förderung deshalb besonders gewinnbringend ist.47 Dies gilt insbesondere für den Bereich der non-formalen Bildung, deren Schwerpunkt im Kindes- und Jugendalter die Vermittlung sozialer und personaler Kompetenzen sowie die Beteiligung an gesellschaftlichen und politischen Prozessen ist. Ein anregungsreiches Umfeld und ein gutes Bildungsangebot leisten zudem einen wichtigen Beitrag, um Kindern aus sozial benachteiligten Familien Wege aus der Armutsspirale zu ermöglichen. Die Analyse der sozialstrukturellen Rahmendaten für die Nürnberger Weststadt verweisen hier auf besondere Handlungsbedarfe. Um Bildungsbenachteiligung entgegenzuwirken ist es erforderlich, Chancengerechtigkeit beim Zugang zu den verschiedenen Bildungsformen und -angeboten, formalen ebenso wie non–formalen, für alle insbesondere junge Menschen gleichermaßen zu ermöglichen. Nur wenn Kinder in allen diesen Feldern lernen und ihre Persönlichkeit entwickeln, erwerben sie das, was man allgemeine Lebensführungskompetenz nennt“.48 Die non-formale Bildung im Kindes- und Jugendalter ist zentrales Element der Arbeit von Kindertagesstätten, Jugendeinrichtungen und Jugendorganisationen, Vereinen, Kunst- und Kultureinrichtungen sowie auch der Schulen. In diesen Bereichen hat die Kommune als Gestaltungsakteur der lokalen Lern- und Bildungslandschaft großen Einfluss. Dies gilt im Besonderen für das Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendhilfe, welchem der gesetzliche Handlungsauftrag zugrunde liegt, auf der kommunalen Ebene außerschulische Bildungs-, Erziehung-, Betreuungs- und Förderangebote für junge Menschen bedarfsgerecht zur Verfügung zu stellen.49

44 Integriertes Stadtteilentwicklungskonzept (INSEK) Weststadt DYNAMIK, Stadt Nürnberg 2012 45 Educational governance – kommunale Bildungslandschaften, Forschungsprojekt von Prof. Olk, Universität Halle-Wittenberg, 2010 - 2014 46 Educational governance: Fragestellungen der Geschäftsbereiche Schule und Sport, Kultur sowie Jugend, Familie und Soziales an die wissenschaftliche Begleitung; internes Papier, 2010 47 siehe auch, Orientierungsrahmen für eine nachhaltige Jugend-, Familien-, Bildungs- und Sozialpolitik in Nürnberg, Referat für Jugend, Familie und Soziales der Stadt Nürnberg, 2016 – darin: Leitlinie 2 „Bildung fördern, früh beginnen“, Seite 8 ff 48 Sachverständigenkommission für den 14. Kinder- und Jugendbericht (2013): Kinder- und Jugendhilfe in neuer Verantwortung – Zentrale Aspekte, S. 3 49 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hg.) (2005): 12. Kinder- und Jugendbericht, S. 338

Wenn auch mit dem vorliegenden Bericht der sozial- und bildungspolitische Fokus mit guter Begründung auf die non-formale Bildung im Kindes- und Jugendalter gerichtet wird, ist dennoch wünschenswert, im Rahmen nachfolgender Betrachtungen sukzessive auch die Stadtteilangebote für weitere Lebensphasen in den Blick zunehmen.50  Verständliche Strukturierung in zentrale Lernfelder: Der Bereich der non-formalen Bildung wird im vorliegenden Bericht in „Lernfelder“ untergliedert, welche auf Basis der wissenschaftlichen Diskussion und der bildungs- wie sozialpolitischen Debatte als relevant für die Entwicklungserfordernisse und außerschulischen Bildungsbedürfnisse im Kindes- und Jugendalter angesehen werden.51 Der Begriff Lernfeld hat sich im Bereich beruflicher Bildung etabliert und geht zurück auf einen Beschluss der Kultusministerkonferenz aus dem Jahr 1996: Der Berufsschulunterricht soll handlungsorientiert sein und sich an den späteren Aufgabenbereichen ausrichten. In Lernfeldern sollen Handlungskompetenzen – verstanden als Fachkompetenz, Humankompetenz sowie soziale Kompetenz – zur Bewältigung künftiger Aufgaben erworben werden. Mittlerweile hat sich dieser Begriff von seiner ursprünglichen Verwendung gelöst und wird in verschiedenen Bildungszusammenhängen – wie eben auch dem der non-formalen Bildung – gebraucht. Durch die hier zugrunde gelegte lernfeldgestützte Binnendifferenzierung soll jedoch weder eine umfassende Nomenklatur der non-formalen Bildung angestrebt noch eine Strukturierungssystematik mit dem Anspruch einer möglichst vollständigen Erfassung aller Angebote ins Feld geführt werden. Vielmehr geht es darum, im Rahmen der gewählten Darstellung den Blick auf die Handlungsfelder zu richten, die einen wesentlichen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung und sozialen Inklusion junger Menschen leisten können und die in der Weiterentwicklung von Lern- und Bildungslandschaften von der Kommune beinflussbar sind.

LERNFELDER

Für die angestrebte Bestandserhebung der Angebote im Bereich non-formaler Bildung wurde in

Anlehnung an den Nationalen Rahmenplan zur non-formalen Bildung im Kindes- und Jugendalter

des Landes Luxemburg sowie zentraler Lern- und Erfahrungsfelder aus der Kinder- und Jugend-

hilfe sowie der kulturellen Bildung in Nürnberg folgende Unterteilung in Lernfelder festgelegt:

 Kulturelle Bildung: Im Mittelpunkt steht „die Entwicklung von Kreativität und eigenem sub-

jektiven Ausdrucksvermögen… Kulturelle Bildung folgt einem ganzheitlichen Lernansatz mit

Kopf, Herz, Hand und allen Sinnen.“52 Mit ihren Mitteln und Zugängen kann kulturelle Bildung

die Erfahrungen in anderen Lernfeldern erweitern und verstärken und steht aber auch eigen-

ständig, im Sinne von Selbstermächtigung der Individuen. Als Schwerpunkte sind zu nennen

das musische Lernen, das bildnerisches Lernen und Gestalten, Lernen im darstellenden

Spiel sowie Förderung von Zugängen zur kulturellen Bildung unterschiedlicher Sparten.

 Partizipation und Demokratie: Im Mittelpunkt steht hier die Herausbildung einer Werteori-

entierung, die für die verantwortungsvolle Gestaltung der eigenen Biografie, für das Zusam-

menleben in einer Gemeinschaft sowie für die Mitgestaltung an gesellschaftlichen Fragen

und der eigenen Umwelt relevant sind. Besondere Schwerpunkte stellen hier die jugendpoliti-

sche Bildung sowie Formate zur Beteiligung und Selbstbestimmung dar.

50 Aufgrund der Beschränkung auf Kinder und Jugendliche fallen beispielsweise ein Großteil der Angebote des Kulturbüros Muggenhof in der Kulturwerkstatt Auf AEG aus dem Raster. 51 Ministère de l’Éducation nationale, de l’Enfance et de la Jeunesse & Service National de la Jeunesse Luxembourg (2018): Nationaler Rahmenplan zur non-formalen Bildung im Kindes- und Jugendalter 52 Bundesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. v., homepage bkj.de

 Sprachbildung und Literacy: Im Mittelpunkt steht die Förderung der außerschulischen

Sprachbildung und der Sprachkompetenz in der zwischenmenschlichen Kommunikation so-

wie der bildungssprachlichen Kompetenzen als auch die Förderung der Kompetenzen im

Umgang mit Buch-, Erzähl- und Schriftkultur (die sog. „Literacy“). Auch der Umgang mit

Mehrsprachigkeit gewinnt für ein gelingendes Zusammenleben in einer pluralistischen Ge-

sellschaft an Bedeutung.

 Emotionen, soziale Beziehungen: Im Mittelpunkt steht hier die Förderung emotionaler und

sozialer Fähigkeiten, die zum Aufbau und der Pflege von Beziehungen und der Gestaltung

von Interaktionen notwendig sind. Besondere Schwerpunkte stellen hier die Förderung von

Selbstwert, Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit, Sexualität und Geschlechtsidentität als

auch die Konfliktfähigkeit dar.

 Gesundheitliche Bildung: Im Mittelpunkt steht hier die Förderung von Kompetenzen und

Verhaltensweisen, die einen positiven Beitrag für ein gesundes Aufwachsen junger Men-

schen leisten. Besondere Schwerpunkte stellen hier die Bereiche gesunde Ernährung, Bewe-

gung, Aufklärung und Prävention sowie allgemeine Gesundheitsförderung.

 Naturwissenschaft und Technik: Im Mittelpunkt steht die Förderung von Alltagskompeten-

zen und -kenntnissen, wie die materielle/dingliche Welt funktioniert, welche Zusammenhänge

bestehen und wie man sich diese am besten aktiv aneignen kann. Besondere Schwerpunkte

sind hier die Förderung mathematischen Denkens, die forschende Auseinandersetzung mit

der belebten und unbelebten Natur sowie die Aneignung basaler technischer Erfahrungen im

Umgang mit Materialien und Werkzeugen.

 Digitalisierung: Digitalisierung hat als Querschnittsthema Relevanz für alle oben beschrie-

benen Lernfelder. Der Einsatz digitaler Medien sowie die Förderung der Medienkompetenz

junger Menschen ist längst zentraler Bestandteil der Bildungsarbeit formaler und non-forma-

ler Einrichtungen. Doch als eigenständiges Lernfeld wird der Digitalisierung sowohl im bil-

dungstheoretischen Diskurs als auch in der praktischen Bildungsarbeit zu wenig Beachtung

geschenkt. Die Stimmen mehren sich, dass sich dies künftig ändern muss und Digitalisierung

als eigenständiges Lernfeld zu konturieren sei. Mit der Digitalisierung gehen besondere Bil-

dungsbedarfe für junge Menschen einher. Für zukünftige Generationen ist es zentral, dass

sie die Grundlagen der digitalen Welt verstehen, in derselben verantwortungsvoll agieren und

sie aktiv mitgestalten können. Fit sein für die Digitalisierung heißt, dass Kinder und Jugendli-

che neben digitaler Denkweise und technischen Fähigkeiten insbesondere auch Sozialkom-

petenzen, Kreativität, Flexibilität und kritisches Denken im Umgang mit der Digitalisierung er-

lernen. Außerschulischen und vorschulischen Settings und Akteuren kommt bei der Vermitt-

lung von digitalen Kompetenzen eine ebenso wichtige Rolle zu wie der Schule. Ein Diskurs

darüber, welchen Stellenwert die Digitalisierung als eigenständiges Lernfeld in der kommuna-

len Bildungslandschaft künftig einnehmen und wie das Zusammenwirken der Bildungsak-

teure vor Ort ausgestaltet werden soll, erscheint aus Sicht der Kinder- und Jugendhilfe drin-

gend geboten.

An dieser Stelle muss noch betont werden, dass sehr viele Angebote der non-formalen Bildung in der Regel zwar einem Lernfeld vorrangig zugeordnet werden können, aber durchaus Beiträge zu mehreren Lernfeldern leisten. So ist zum Beispiel kulturelle Bildung ohne Berücksichtigung von Emotionen und sozialen Beziehungen nicht denkbar. Eine Strukturierung nach Lernfeldern muss also damit leben, dass sie eine idealtypische Betrachtung abbildet.

Referenzrahmen zur Bestandserhebung non-formaler Bildungsangebote im Stadtteil Folgende Abbildung gibt eine Übersicht zum Gegenstand der vorgenommenen Bestandserhebung und versteht sich als Referenzrahmen zum zugrundeliegenden Erarbeitungsprozess. Abbildung 18: Referenzrahmen zur kleinräumigen Bestandserhebung non-formaler Bildung

Abbildung 7

Quelle: eigene Darstellung Im Eingeständnis dessen, dass ein vollständiges Abbilden des non-formalen Bildungsgeschehens im Stadtteil auf Anhieb kaum gelingen kann, haben sich das Bildungsbüro und die Vertretungen der drei Geschäftsbereiche Schule & Sport, Kultur sowie Jugend, Familie und Soziales darauf verständigt, in diesem ersten sozialraumbezogenen Bildungsbericht zunächst einmal den Fokus auf ausgewählte Lernfelder für die nähere Analyse zu richten. Dementsprechend konzentriert sich der vorliegende Bericht auf die drei Lernfelder, die von den Netzwerkakteuren vor Ort als derzeit besonders relevant für die Förderung von Kindern und Jugendlichen im Stadtteil angesehen werden (siehe auch Kapitel 5). Diese sind die kulturelle Bildung, Sprachbildung und Literacy sowie die gesundheitliche Bildung. Dies bedeutet aber nicht, dass die übrigen Lernfelder in ihrer Relevanz für eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung und Identitätsbildung junger Menschen von geringerer Bedeutung sind. Wohlwissend, dass mit der hier vorgenommenen Auswahl zunächst nur einen Teilausschnitt der Lern- und Bildungslandschaft für junge Menschen im Stadtteil näher betrachtet wird, soll anhand dieser drei Lernfelder exemplarisch die Praxistauglichkeit des oben skizzierten Referenzrahmens getestet werden. Dieser soll dem Zweck dienen, mittels einer strukturierten Bestandserhebung Stärken und Lücken in der Lern- und Bildungslandschaft zu beschreiben und Hinweise zu deren Weiterentwicklung ableiten zu können. Auswahlkriterien für die zu erhebenden Angebote sind zum einen die bereits dargestellten Definitionsmerkmale non-formaler Bildung, zum anderen Kriterien der Relevanz von Angeboten für den Stadtteil. Während die Definitionsmerkmale non-formaler Bildung „Muss-Kriterien“ für die Auswahl darstellen, können Aussagen zur Stadtteilrelevanz von Angeboten als „Kann-Kriterien“ ergänzend hinzugezogen werden.

Allen am Bericht Beteiligten ist bewusst, dass mit einer daraus resultierenden Sammlung von Angeboten nur eine Auswahl getroffen ist. Ziel kann und soll auch nicht eine allumfassende Abbildung aller Angebote in den jeweiligen Lernfeldern sein. Vielmehr geht es um die Darstellung und Offenlegung von Strukturen und Schwerpunkten in den Angebotsbereichen, die aus kommunaler Sicht tragende Säulen non-formaler Bildung im Stadtteil darstellen und auch seitens der Kommune im Sinne der Weiterentwicklung der Lern- und Bildungslandschaft konkret beeinflussbar sind. Folgend werden die Befunde der Bestandserhebung zu den drei ausgewählten Lernfeldern vorgestellt.

4.2 Ergebnisse zur Bestandserhebung in den ausgewählten Lernfeldern

Die Darstellung und Bewertung der Lern- und Bildungslandschaft hinsichtlich ihrer Stärken und Lücken im Angebotsbestand und notwendiger Weiterentwicklungsbedarfe kann nicht losgelöst von der Frage diskutiert werden, welchen zentralen Bildungsbedürfnissen aus Sicht der Kinder und Jugendlichen die jeweiligen Lernfelder eigentlich genügen müssen. Der Blick auf den hierzu geführten wissenschaftlichen Diskurs macht deutlich, dass die Anforderungen an Bildungsprozesse in engem Zusammenhang mit der Bewältigung altersspezifischer Entwicklungsaufgaben stehen. Bezüglich der Frage, wie die Kompetenzentwicklung von Kindern und Jugendlichen entsprechend ihrer altersspezifischen Entwicklungsbedürfnisse gezielt zu unterstützen und zu fördern sind, wird zwischen Anforderungen in der frühen Kindheit, der mittleren Kindheit und der Jugendphase bzw. Adoleszenz unterschieden:53  In keiner anderen Lebensphase wie in der „Frühen Kindheit“ (sprich im Alter von 0 bis 6 Jahren) sind Entwicklungs- und Bildungsprozesse so eng miteinander verflochten. Die im bildungspolitischen Kontext viel zitierte Formel „Auf den Anfang kommt es an“ bringt die besondere Verantwortung zum Ausdruck, die der frühkindlichen Bildung in dieser Lebensphase zugeschrieben wird. Denn in den ersten Lebensjahren werden die Grundsteine für die motorische, kognitive, sprachliche und sozial-emotionale Entwicklung gelegt und wichtige Vorläuferfähigkeiten für das schulische Lernen (wie numerische Kompetenzen und phonologische Bewusstheit) erworben.  Für die „Lebensphase der mittleren Kindheit“, also grob die Zeitspanne im Grundschulalter ergeben sich folgende Entwicklungsaufgaben: Entwicklung grundlegender Fertigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen, Erlernen körperlicher Geschicklichkeit, Aufbau einer positiven Einstellung zu sich als einem wachsenden Organismus, Erreichen persönlicher Unabhängigkeit, Entwicklung von Alltagsbewältigungskompetenzen, Umgang mit Gleichaltrigen, Entwicklung von Einstellungen gegenüber sozialen Gruppen und Institutionen, Entwicklung von Gewissen, Moral und einer Werteskala sowie das Erlernen männlichen und weiblichen Rollenverhaltens.  In der „klassischen Jugendphase“ also der sogenannten „Adoleszenz“, die sich weitgehend mit der Zeitspanne des Verbleibs junger Menschen im weiterführenden Schulsystem überschneidet, beziehen sich die Entwicklungsaufgaben schwerpunktmäßig auf folgende Herausforderungen: Bewältigung biologischer bzw. psychischer Veränderungen (hier sind insbesondere zu nennen die Themen Körperbewusstheit, Sexualität, Identitätsbildung), der Umbau und Aufbau sozialer Beziehungen zu den Eltern, Gleichaltrigen und Liebespartnern, der Umgang mit schulischen Leistungsanforderungen sowie die Erarbeitung einer Berufsperspektive als auch der Aufbau von kulturellen Orientierungen.

53 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2013): 14. Kinder- und Jugendbericht, Berlin S. 103 ff

Aufgrund der unterschiedlichen Bedürfnisse und Entwicklungsschwerpunkte im Kindes- und Jugendalter sowie der je nach Altersphase unterschiedlichen institutionell verorteten Zugänge zu Bildungsangeboten erfolgt die Ergebnisdarstellung zur Bestandserhebung in den jeweiligen Lernfeldern getrennt für die Lebensphase der frühen und mittleren Kindheit sowie der Jugendphase. Als Grundlage zur Bewertung des Ist-Standes der Angebotsstruktur werden zudem pro Lernfeld vorab zentrale Soll-Anforderungen im Sinne von Bildungszielen gemäß den oben skizzierten Entwicklungsanforderungen in den unterschiedlichen Altersgruppen benannt. Im Vergleich vom Ist- Stand (lernfeldbezogene Angebotssituation) mit den Soll-Anforderungen (altersspezifische Bildungsziele) können dann Stärken und Schwächen in der Lern- und Bildungslandschaft beschrieben und Entwicklungserfordernisse abgeleitet werden. Die darauf basierenden Schlussfolgerungen und Empfehlungen in diesem Bericht sollen als Diskussionsgrundlage für Weiterentwicklungsprozesse im Stadtteil dienen. Dabei wird zwischen folgenden Optimierungsstrategien unterschieden: 1. Bestand sichern, 2. Stärken stärken und 3. Lücken schließen.

4.2.1 Lernfeld „Kulturelle Bildung“

Gründe zur Förderung der kulturellen Bildung „Kulturelle Bildung soll Kinder und Jugendliche befähigen, sich mit Kunst, Kultur und Alltag fantasievoll auseinanderzusetzen. Sie soll das gestalterisch-ästhetische Handeln in den Bereichen bildende Kunst, Film, Fotografie, Literatur, elektronische Medien, Musik, Rhythmik, Spiel, Tanz, Theater, Video und andere fördern. Kulturelle Bildung soll die Wahrnehmungsfähigkeit für komplexe soziale Zusammenhänge entwickeln, das Urteilsvermögen junger Menschen stärken und zur aktiven und verantwortlichen Mitgestaltung der Gesellschaft ermutigen“54. Pädagogik und Neurobiologie weisen unisono darauf hin, dass sowohl bei Aktivitäten wie Tanzen, Gestalten, Zeichnen und Musizieren als auch bei der Rezeption kultureller Angebote wie Buch, Film, Theaterstück und Bild die kommunikativen Fähigkeiten, die kulturelle und soziale Kreativität sowie die Konzentrationsfähigkeit in besonderem Maße gefördert werden55. Kulturelle Partizipation hat für Kinder und Jugendliche zudem den Effekt einer positiven Wechselwirkung zwischen kultureller und schulischer Bildung, denn kulturell interessierte junge Menschen lesen in ihrer Freizeit mehr, haben anteilig mehr Interesse an schulischen Unterrichtsfächern, wissen tendenziell eher, was sie später einmal beruflich machen wollen und interessieren sich eher für Politik und Zeitgeschichte56. Kulturangebote sind zudem eine wichtige Plattform um Vielfalt in unserer Gesellschaft kennenlernen und erleben zu können sowie in der Auseinandersetzung mit anderen Traditionen, Wertevorstellungen und Perspektiven Toleranz und Akzeptanz gegenüber diesen entwickeln zu können.57

Altersspezifische Anforderungen / Förderschwerpunkte Bezogen auf die frühe Kindheit: Differenzierung der inneren Bilderlandschaft und Erweiterung des Spektrums ästhetischer Erfahrungen und Ausdrucksmöglichkeiten durch pädagogisch begleitete Prozesse des Kunsterlebens, Entwicklung der Feinmotorik und Auge-Hand-Koordination sowie Erwerb von Fachkompetenz durch Angebote zum bildnerischen und plastischen Gestalten, Training des Gehörs und Verfeinerung der

54 Bielenberg, I.: Datenlage in der kulturellen Bildung. In: Deutsches Jugendinstitut (Hrsg.): Non-formale und informelle Bildung in der Kinder- und Jugendhilfe. Band 2: Expertisen. München, 2003, S. 147-178 55 Mollenhauer, K. (1996): Grundfragen ästhetischer Bildung. Theoretische und empirische Befunde zur ästhetischen Erfahrung von Kindern. Weinheim, München. 56 Zentrum für Kulturforschung (2004): Zusammenfassung von Ergebnissen des Jugend-KulturBarometers 2004 – Zwischen Eminem und Picasso. Bonn. 57 Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V. (2011): Kulturelle Bildung. Stark im Leben mit Kind und Kultur. Remscheid. Online verfügbar unter: www.bjk.de (letzter Abruf am 16.07.2019)

Koordination und kognitiven Entwicklung durch Musik- und Tanzangebote, Erprobung sozialer Rollen und fantasievoller Ausdrucksformen durch Angebote zum darstellenden Spiel (wie z.B. Rollenspiele oder Theaterprojekte).58

Bezogen auf die mittlere Kindheit:

In den Vordergrund rückt nun das Erleben von Kultur in der Peergruppe und der damit verbundene

Prozess der kritischen Auseinandersetzung mit anderen Meinungen und Vorstellungen. Durch krea-

tive Ausdrucksformen und Kunsterleben gilt es in dieser Alters- und Entwicklungsstufe auch das

selbstbestimmte Lernen zu fördern. Beim bildnerischen Lernen und Gestalten steht weniger die Ent-

wicklung der Feinmotorik und Auge-Hand-Koordination im Mittelpunkt, sondern vielmehr die Ermög-

lichung von Selbsterprobung und Freude am Tun durch offene Themenstellungen und freien Zu-

gang zu vielfältigen Materialien. Musik- und Tanzangebote sollen aktivierend die Kinder auffordern

sich mit unterschiedlichen Formen und Stilen der Musik auseinanderzusetzen und so das eigene

musikalische Spektrum zu erweitern sowie die Bewegungsbereitschaft und die Gemeinschaftsbil-

dung in der Peergruppe zu fördern. Angebote zum darstellenden Spiel sollen einen Beitrag zur Ver-

besserung der Körperbeherrschung, einem differenzierten Umgang mit Emotionen sowie der Festi-

gung des eigenen Sprachenrepertoires leisten. Durch das Auftreten und Sprechen vor Publikum ge-

winnen die Kinder zudem mehr Selbstsicherheit, was ihnen im Kontext unterschiedlichster Lebens-

bereiche später zu Gute kommen kann 59.

Bezogen auf die Jugendphase:

Für diese Altersphase gilt es Lern- und Erfahrungsräume zu schaffen, in denen Jugendliche sowohl

ihre jugendkulturellen Ausdrucksformen ausleben und teilen können, als auch Kultur als einen Pro-

zess kreativ-künstlerischer Gestaltungsmöglichkeit kennen lernen60. Zur Förderung der eigenständi-

gen jugendkulturellen Entfaltung sind entsprechende Lern- und Erfahrungsräume vorzuhalten. Dies

sollten sowohl pädagogisch begleitete Angebote im Bereich des künstlerischen Gestaltens, der Mu-

sik und dem Tanz sein, als auch selbstverwaltete Angebote, in denen Jugendliche ihre eigenen Mu-

sik- und Szenevorlieben erproben können. Einen hohen Stellenwert haben für Jugendliche auch

Live-Events, wo sie jugendkulturelle Ausdrucksformen öffentlich präsentieren können61.

Beschreibung der Angebotssituation in der Nürnberger Weststadt

Frühe Kindheit:

Große Reichweite im Stadtteil entfalten die Angebote der musikalischen Früherziehung in den

Settings von Kindertageseinrichtungen (und auch Grundschulen): Einige Kitas arbeiten nach dem

Konzept „Wachsen mit Musik“, das von der Hochschule für Musik in Kooperation mit dem Jugend-

amt entwickelt wurde und von der Bouhon-Stiftung unterstützt wird. Dieses setzt auf eine nachhal-

tige Angebotsentwicklung in den Kitas durch eine Fortbildungsreihe für Erzieherinnen und Erzieher

im Bereich des elementaren Musizierens und mit einer Grundausstattung an hochwertigen elemen-

taren Instrumenten zum Verbleib in der Kita. Darüber hinaus finden moderierte Veranstaltungen von

interaktiven Kinderkonzerten statt.

Zentrales Programm musikalischer Früherziehung für Kinder im Elementar- und darauf aufbauend

im Grundschulbereich ist MUBIKIN. Das Programm umfasst ebenfalls neben der Ausstattung mit

58 Ministère de l’Éducation nationale, de l’Enfance et de la Jeunesse & Service National de la Jeunesse Luxembourg (2018): a. a. O. 59 ebd. 60 ebd. 61 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2006): 12. Kinder- und Jugendbericht. Berlin. + Stadt Nürnberg – Jugendamt, Bereich 2 (2018): Jugendhilfeplanung Offene Kinder- und Jugendarbeit. Band 1, Fachliche Planung und Weiterentwicklung. Nürnberg. Online verfügbar unter: www.nuernberg.de (letzter Abruf 16.07.2019)

Musikinstrumenten eine Qualifizierung der Kindergärten im Bereich Musikpädagogik, bietet Tan-

dem-Unterricht mit Lehrkräften der Musikschule und veranstaltet Mitmachkonzerte in den Kinderta-

geseinrichtungen. MUBIKIN ist ein Kooperationsprojekt der Stadt Nürnberg und der Stiftung Persön-

lichkeit und der Bouhon-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Alexander-Universität, der

Hochschule für Musik und der Musikschule sowie den lokalen Grundschulen und Kindertagesein-

richtungen. Sprengelweise koordiniert wird MUBIKIN von der Musikschule im Amt für Kultur und

Freizeit. Ziel ist es, die Kinder eines Sprengels in dem Zeitraum vom vorletzten Kindergartenjahr bis

zur 2. Grundschulklasse kontinuierlich und aufeinander aufbauend musikalisch zu fördern. Im Stadt-

teil profitieren alle Kinder in den Sprengeln der Grundschule Friedrich-Wanderer und Grundschule

Knauerstrasse von MUBIKIN.

Ein gutes Beispiel, um Kindern Spaß und Freude im Erleben von Musik zu vermitteln, geben die

Jazz-Concertinos von Frank Wuppinger und Mitgliedern seiner Band bei Sonntagsfrühstücken für

die ganze Familie in ausgewählten Kindertageseinrichtungen. Ermöglicht werden diese musikali-

schen Gemeinschaftserlebnisse über die Stadtteilpaten – Alexander Brochier in Gostenhof und dem

Rotary Club Nürnberg/Fürth in Muggenhof und Eberhardshof. Diese Concertinos werden ergänzt

durch ein großes Kinderkonzert im Rahmen von NUEJAZZ, einem Kooperationsprojekt des Vereins

mit und in den Räumen der Kulturwerkstatt Auf AEG, zu dem auch Kita-Kinder aus dem Stadtteil mit

ihren Eltern eingeladen sind.

Die vielfältigen Angebote musikalischer Früherziehung der Musikschule Nürnberg wenden sich in-

dessen an einen stadtweiten Kreis von Nutzenden. Im Stadtteil werden diese Angebote nur verein-

zelt angenommen. Eine Ausweitung wäre aber nicht zwingend erfolgversprechend. Wichtig für eine

möglichst weitreichende musikalische Früherziehung im Stadtteil ist die strukturgebende Koordina-

tion und Angebotsbereitstellung im Rahmen von MUBIKIN.

Angebote des bildnerischen Gestaltens und Ausprobierens sind fest im BayKiBiG sowie im Baye-

rischen Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder in Tageseinrichtungen bis zur Einschulung veran-

kert und selbstverständlicher Bestandteil im Bildungsangebot der Kindertageseinrichtungen. Weitere

Kreativangebote, bildnerische Programme mit großer Reichweite im Stadtteil gibt es für diese Alters-

gruppe nicht.

Hingegen haben Kinder in der Nürnberger Weststadt bislang frühzeitig Gelegenheit Theater zu erle-

ben: Veranstaltungen im Rahmen der Kindertheaterreihe bzw. -wochen des Amtes für Kultur und

Freizeit sind im Stadtteil gut vertreten und erreichen pro Jahr etwa ein Drittel der 3- bis 6-Jährigen

im Stadtteil.

Vor allem die Programme zur musikalischen Früherziehung und ein gutes Kindertheaterangebot un-

terstützen Kitas dabei ihren Kindern von früh an Zugänge zur Kultur zu öffnen. Spaß an und Aus-

einandersetzung mit kulturellen Ausdrucksformen vermitteln auch Ehrenamtliche, die als Kultur-

freunde Kita-Kinder zu kulturellen Veranstaltungen begleiten.

Mittlere Kindheit:

Im Programm MUBIKIN zur musikalischen Erziehung wird in der Grundschule Friedrich Wanderer

und in der Grundschule Knauerstraße das Engagement der Kindergärten im Sprengel fortgeführt.

So kann mit dem Programm auch ein Beitrag zum gelingenden Übergang vom Kindergarten in die

Grundschule geleistet werden.

Durch die Ansiedlung des KinderKunstRaum Auf AEG gibt es insgesamt ein breites, stadtweit konzipiertes Kreativangebot für Kinder. Die ausgeschriebenen Workshopangebote für Schulklassen stehen allen Nürnberger Schulen offen, so auch denen in der Nürnberger Weststadt. Begehrte Formate sind auch die Schülerbaustelle, die allerdings jeweils nur in einem Stadtteil pro Jahr angeboten werden kann. Der letzte Auftritt im Stadtteil liegt bereits fünf Jahre zurück. Begrenzte Kapazitäten hat

auch die stadtweit konzipierte „Mobile Buchwerkstatt“ des KinderKunstRaums, die aber auch in der Nürnberger Weststadt zum Einsatz kommen kann.

Als Freizeitangebot steht das „Kreativ Labor KLOPS“ jeden Samstag auch Stadteilkindern offen.

Gleiches gilt für den Familienkreativtag der jeden letzten Sonntag im Monat, außerhalb der Som-

merferien und Weihnachtsferien angeboten wird.

Kindgerechte Wissensvermittlung: Seit November 2016 veranstaltet die KinderUNI Nürnberg, die

von der Stabsstelle Kinderkultur organisiert wird, jährlich am Buß-und Bettag den KinderUNI Horttag

in der Kulturwerkstatt Auf AEG. Durch das Angebot sollen die Angebote der KinderUNI auch für Kin-

der aus bildungsferneren Milieus zugänglich gemacht werden. Hier werden auch die Horte in der

Nürnberger Weststadt angesprochen.

An der Grundschule Friedrich-Wanderer hatten im Schuljahr 2017/2018 die Kinder zweier Klassen

die Chance, in Kooperation mit dem KinderKunstRaum in einer Kreativklasse unterrichtet zu wer-

den. Das heißt, an bis zu 12 Projekttagen im Schuljahr haben sie zusammen mit Künstlern und

Künstlerinnen gearbeitet und dabei verschiedene Techniken und Materialien erprobt.

An der Friedrich-Wanderer-Grundschule ist, unterstützt vom Kulturbüro Muggenhof, auch eine

Schultheatergruppe aktiv.

Alle Grundschulkinder im Stadtteil werden in der 3. Klasse mit einem Kulturrucksack ausgestattet:

pro Schuljahr werden vier Kulturausflüge – in Museen, zu Konzerten oder Theateraufführungen -

kulturpädagogisch vorbereitet und begleitet. Damit werden Zugänge zur Kultur eröffnet und die

Möglichkeit gegeben, die Vielfalt kultureller Einrichtungen zu entdecken und eigene Neigungen aus-

zubilden.

Kinder der Grundschulen Knauerstraße und Wandererstraße nehmen im Schuljahr 2018/19 zudem

im Klassenverband am Förderprojekt Museumscurriculum des Kunst- und Kulturpädagogischen

Zentrums teil.

Die beiden Aktivspielplätze Fuchsbau und Gostenhof bieten den Kindern in der Nürnberger

Weststadt langfristig abgesicherte und regelmäßig (auch in den Ferien) stattfindende Angebote mit

großer Breitenwirkung im Lernfeld der kulturellen Bildung. Dies umfasst Musikangebote wie z.B. die

Trommelgruppe im Spielhaus des Aktivspielplatzes Gostenhof als auch diverse Theaterprojekte. So

erproben z.B. die Kinder auf dem Aktivspielplatz Gostenhof einmal im Jahr gemeinsam ein Theater-

stück, welches dann auf der Bühne im Kindertheater Mummpitz aufgeführt wird. Eine Theaterpäda-

gogin arbeitet mit den Kindern einmal in der Woche an Text, Spiel und Bewegung und motiviert die

Kinder zum freien Spiel. Und seit 2017 gibt es auf dem Aktivspielplatz Fuchsbau eine sog. „LARP-

Gruppe“ (LARP steht für „Live Action Role Play“), welche vom Bildungsträger bfz Nürnberg unter-

stützt wird. Die Förderung dieses Angebots fußt auf dem Projekt „Wir im Quartier“, das wiederum

vom Bundesministerium des Inneren gefördert wird. Ziel des Projektes ist die Förderung der Aner-

kennungskultur und der Toleranz über kulturelle und gemeinnützige Angebote für alle Menschen in

Muggenhof und Eberhardshof. Im monatlichen Rhythmus trifft sich die Gruppe, um gemeinsam Kos-

tüme und Ausrüstung zu basteln. Spielerisch werden dann gemeinsam an Wochenendterminen

über den Rollen- und Perspektivwechsel des theaternahen Ansatzes Themen wie Interkultur, ge-

genseitige Anerkennung sowie Gruppen- und Selbstkompetenzen altersgemäß vermittelt. Das Pro-

jekt konnte im Jahr 2018 mit dem bfz Nürnberg fortgeführt werden. Eine Vielzahl weiterer pädago-

gisch angeleiteter Kreativangebote insbesondere im Bereich des bildnerischen Lernens und Gestal-

tens gehören ebenfalls zum Standardrepertoire der Aktivspielplätze.

Eine weitere wichtige Säule im Stadtteil sind die Angebote der Kinder- und Jugendhäuser zum

musischen Lernen, dem darstellenden Spiel, dem bildnerischen Lernen und Gestalten sowie weitere

Projekte und Angebote im Kreativbereich. Diese richten sich an Kinder, Jugendliche und junge Er-

wachsene im Alter von 10 bis 26 Jahren und umspannen somit sowohl die Phase der mittleren Kind-

heit als auch der Jugendphase. Entsprechende Beispiele werden deshalb im Folgenden bei der Be-

standsaufnahme zur Jugendphase vorgestellt. Analog der Aktivspielspielplätze handelt es sich auch

hierbei ebenfalls um ein dauerhaft verstetigtes Angebot der Kinder- und Jugendhilfe im Stadtteil mit

großer Breitenwirkung.

Jugendalter:

Die beiden Kinder- und Jugendhäuser – TetriX und GOST – sind mit Bandräumen und Tonstudios gut ausgestattet und bieten damit Jugendlichen einen dauerhaft zugänglichen Lern- und Erfahrungsraum für angeleitete Angebote sowie zur Selbstorganisation von Bandproben und Musikevents. In wenigen Jahren haben sich die Muggenhofer Jugend Kulturtage bereits als Höhepunktveranstaltung etabliert, die den jungen Musikerinnen und Musikern Auftritts- und Bühnenerfahrungen ermöglicht. Die MuZ – Musikzentrale e.V. leistet in der lokalen Kooperation mit dem Kinder- und Jugendhaus GOST wichtige Beiträge zur Förderung der Jugendmusikkultur im Stadtteil. In Kooperation mit den Kinder- und Jugendhäusern GOST und TetriX erarbeitet die Theaterpädagogin des Gostner Hoftheater eigene Stücke mit Jugendtheatergruppen und bringt diese zur Aufführung. Auch an den weiterführenden Schulen im Stadtteil wird intensiv Theater gespielt: Schultheatergruppen erhalten über das Kulturbüro Muggenhof günstige Konditionen und wertvolle Unterstützung bei Erarbeitung, Proben und Aufführung von Theaterstücken. Darüber hinaus gibt es weitere Theaterprojekte in unterschiedlichen Kooperationszusammenhängen, wie die Theaterprojekte vom Kinder- und Jugendhaus TetriX mit der Geschwister-Scholl-Realschule. Eindeutiger Schwerpunkt im darstellenden Bereich des jugendkulturellen Angebots ist aber das Tanzen. Mit vielfältigen angeleiteten oder selbstorganisierten Angeboten wird Tanzen als jugendkulturelle Ausdrucksform erprobt und als traditionelle Kulturform mit einer Vielzahl von Volkstanzgruppen im Stadtteil gepflegt. Die Tanzgruppenarbeit in den beiden Kinder- und Jugendhäusern ist fester Bestandteil der Jugendkulturarbeit und sportliche Aktivität zugleich. Neben gesundheitlichen und kulturellen Aspekten werden hier auch soziale Kompetenzen gefördert. Tanzgruppen werden über Honorarkräfte, die selbst der Tanzszene angehören, angeleitet. Teilweise werden Gruppen auch über Ehrenamtliche trainiert. Der Hip-Hop- und Streetdance-Contest „Dance Deluxe“ ist in diesem Zusammenhang ein Highlight der lokalen Tanzszene in Nürnberg, an welchem sich auch das Kinder- und Jugendhaus TetriX beteiligt. Für ältere Kinder und Jugendliche gibt es in den Kinder- und Jugendhäusern regelmäßige Angebote zum kreativen Gestalten, wie z.B. die Ton- und Keramikwerkstatt im GOST oder Comic-Projekte im TetriX, oft ergänzt durch Projekte und Projekttage zum bildnerischen und künstlerischen Gestalten wie z.B. der StreetArt-Weekender.

Schlussfolgerungen und Empfehlungen für die weitere Diskussion

Eine große Reichweite kultureller Bildungsangebote wird in der Verzahnung mit formaler Bildung in

Kita und Schule erzielt. Die Kulturwerkstatt „Auf AEG“ ist als Zentrum kultureller Bildung mit gesamt-

städtischem Auftrag konzipiert, ihr Standort im Stadtteil indessen mit Hinweis auf die hohe Armuts-

betroffenheit von Familien gut begründet: Mit dem Ziel, die im Stadtteil aufwachsenden Kinder mit

kreativen Angeboten, kulturellen Erfahrungen und künstlerischen Auseinandersetzungen in ihrer

Persönlichkeitsentwicklung zu stärken, muss es gelingen, gut abgestimmt mit Kitas und Schulen im

Stadtteil, die Angebote der Kulturwerkstatt für die Stadtteilkinder zu erschließen. Die Einrichtungen

der Kulturwerkstatt, die mit Ausnahme des Kulturbüros Muggenhof einen stadtweiten Auftrag haben,

werden sich im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten auf den Stadtteil und seine Bedarfe einstel-

len. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der Stabsstelle Kinderkultur zu, die seit kurzem ihren

Sitz in der Kulturwerkstatt genommen hat. Die Akteure kultureller Bildung werden dabei auf eine auf-

geschlossene Kooperationslandschaft engagierter Kitas und Schulen treffen. Zudem wird die enge

Kooperation zwischen dem Kinder- und Jugendhaus TetriX und der Geschwister-Scholl-Schule und

deren Musikklassen weiter fortgeführt und vertieft.

Empfehlungen im Einzelnen:

 Bestand sichern: Musische Erziehung und musikalische Förderung – aufeinander aufbau-

end, einander ergänzend, kooperativ umgesetzt – sind ein großes Pfund im Stadtteil. Der Ein-

satz von MUBIKIN in zwei von drei Grundschulsprengeln schafft dabei eine gute Basis. Im

Schuljahr 2019/20 wird der aktuell geltende Vertrag zwischen den Kooperationspartnern aus-

laufen. Ziel muss es sein, sehr bald die Weichen dafür zu stellen, damit aufbauend auf dem bis-

her erreichten Niveau auch künftig eine qualitativ gute musikalische Früherziehung für die Kin-

der im Stadtteil sichergestellt ist. Das Projekt Muggenhofer Jugendkultur (MuJuKu) soll weiter-

hin die jugendkulturellen musikalischen Aktivitäten zwischen der Offenen Kinder- und Jugendar-

beit und den Schulen im Stadtteil verstetigen.

 Stärken stärken + Lücken schließen: Kreatives Arbeiten und bildnerisches Gestalten sind

regelhafte Angebote in Kindertageseinrichtungen und Schulen sowie den Einrichtungen der Of-

fenen Kinder- und Jugendarbeit. Ausgelotet werden soll, unter welchen Voraussetzungen diese

Regelarbeit durch Projekte des KinderKunstRaum sinnvoll ergänzt werden kann. Auch soll ge-

prüft werden, ob weitere Klassen, ggf. an weiteren Grundschulen im Stadtteil als Kreativklasse

gefördert werden könnten. Attraktive Projektarbeit in der Schülerbaustelle oder der mobilen

Buchwerkstatt sollen künftig wieder im Stadtteil zum Einsatz kommen. Bedarf besteht im Stadt-

teil auch an Kreativangeboten in der Ferienzeit. Zwar gibt es bereits Ferienangebote vom Kin-

derKunstRaum, diese sollten aber noch mehr Zugänge für den Stadtteil öffnen.

 Stärken stärken im Bereich darstellendes Spiel und Kunst: Im Schnitt kann jedes Kind im

Stadtteil in seiner Kindergartenzeit mindestens einmal eine Theateraufführung im Rahmen der

Kindertheaterreihe oder -wochen erleben. Die hohe Breitenwirkung des qualitativ guten Pro-

gramms wird aktuell durch eine Bezuschussung der Eintrittsgelder aus Mitteln der sog. "Maurer-

Spende" möglich und ist bis Jahresende 2021 gesichert. Danach wird über eine Kompensation

durch kommunale Mittel oder andere Fördermöglichkeiten nachzudenken sein.

Schultheater ist in der Grundschule Friedrich-Wanderer sowie in weiterführenden Schulen in der Nürnberger Weststadt ein vom KUF-Kulturbüro unterstütztes, festes Angebot. Verstärkte Kooperationen mit der in der Kulturwerkstatt auf AEG angesiedelten Akademie für Schultheater und performative Bildung sind in Planung. Derzeit steht das Fortbildungsangebot der Akademie allen bayerischen Lehrkräften offen. Die vorhandenen Angebote werden zukünftig stärker in die betreffenden Kollegien in der Weststadt kommuniziert. In Absprache mit der Geschäftsstelle können die Akademieräume auch von Schultheatergruppen genutzt werden.

 Frühe Zugänge zur Kultur werden in einzelnen Sparten über Programme mit großer Reich-

weite im Stadtteil angebahnt – so etwa über MUBIKIN oder über die Kindertheaterreihen. Mit

dem Kulturrucksack wurde vom Theater Mummpitz ein Programm geschaffen, mit dem Kinder

der 3. Grundschulklasse systematisch an kulturelle Einrichtungen und Auseinandersetzungen

mit künstlerischen Ausdrucksformen herangeführt werden. Das sind wichtige Maßnahmen auf

dem Weg, jedem Kind im Stadtteil Zugänge zur Kultur zu eröffnen und „im sozialräumlichen Zu-

sammenspiel aller Einrichtungen kulturelle Bildung und künstlerische Betätigung zu einer das

Aufwachsen begleitenden Erfahrung für Kinder in der Weststadt … werden zu lassen“.62 Diese

Ansatzpunkte zur Förderung von Zugängen zur kulturellen Bildung müssen auch zukünftig zent-

rale Bestandteile im Stadtteil sein.

62 Vorlage „Kulturwerkstatt Auf AEG“ im Kulturausschuss vom 25.02.2011, darin: Stellungnahme des Sozialreferats

4.2.2 Lernfeld „Sprachbildung und Literacy“

Gründe zur Förderung der Sprachbildung und Literacy

Sprache gilt als Voraussetzung für Bildungserfolg und Chancengleichheit. Sprache als zentrales

Kommunikationsmittel ermöglicht es, Bedürfnisse, Emotionen und Gedanken auszudrücken. Durch

Sprache werden soziale Beziehungen gestaltet, Informationen verarbeitet und Wissen erworben.

Die sprachliche Förderung muss früh ansetzen und alle Kinder gleichermaßen erfassen, sprich: so-

wohl die, die sprachlich schon sehr gut entwickelt sind und ihren Hunger nach sprachlicher Betäti-

gung stillen müssen, als auch Kinder deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Durch die Globalisie-

rung und die Internationalisierung von Lebensverhältnissen gewinnt zudem die Sprachenvielfalt an

Bedeutung. Beruflicher Erfolg und gesellschaftliche Teilhabe hängen zunehmend von der Fähigkeit

ab, in mehreren Sprachen kommunizieren zu können.

Altersspezifische Anforderungen / Förderschwerpunkte

Bezogen auf die frühe Kindheit:

Der frühen Förderung von Sprach- und Literacy-Entwicklung wird aus bildungs- und entwicklungs-

psychologischer Perspektive ein hoher Stellenwert beigemessen. Bildungspläne und Förderpro-

gramme fokussieren hier auf den Ausbau von Förderansätzen insbesondere im Elementarbereich.

Sprachförderung in der frühen Kindheit umfasst insbesondere Angebote zur Wortschatzerweiterung,

der Entwicklung der Satzbildungsfähigkeit (grammatische Kompetenz) sowie die Bereitschaft und

Fähigkeit, Sprache sinnvoll einsetzen und nutzen zu können (kommunikative Kompetenz)63. Bei Kin-

dern mit einer anderen Herkunftssprache gilt es, den Erwerb von Deutsch als Zweitsprache syste-

matisch zu fördern. Vielfältige frühe Literacy-Erfahrungen (sprich der Zugang und Umgang mit

Buch-, Erzähl- und Schriftkultur vor dem eigentlichen Lesen- und Scheibenlernen) sind zudem wich-

tige Bestandteile einer ganzheitlichen sprachlichen Bildung und begünstigen nachhaltig den Prozess

des Schriftspracherwerbs. Die möglichst frühe Förderung im Bereich der Literacy ist vor allem für

Kinder aus bildungsfernen Familien bedeutsam64.

Bezogen auf die mittlere Kindheit:

Mit dem Schuleintritt gewinnt vor allem der Erwerb bildungssprachlicher Kompetenzen an Bedeu-

tung.65 Bildungssprache ist das Medium, mittels dessen im schulischen Unterricht die Vermittlung

komplexer Wissensinhalte stattfindet. Sie unterscheidet sich maßgeblich von der Alltagssprache,

zeichnet sich durch ein hohes kognitives Niveau aus und ist weitgehend separiert von kommunikati-

ven und situativen Kontexten. Im Vordergrund stehen das Beschreiben, Erklären, Analysieren und

Erörtern von Texten im Kontext schulischer Lern- und Lehrprozesse Die Beherrschung der Bil-

dungssprache korreliert nachweisweislich mit dem Schulerfolg (s. PISA-Studie 2015). Kinder aus

bildungsfernen Familien sowie mit Migrationshintergrund weisen am Start der Schullaufbahn hierzu

deutlich schlechtere Ausgangsbedingungen aus und bedürfen besonderer Förderung66. Für Kinder

aus Zuwandererfamilien spielt ebenso der Erwerb von Deutsch als Zweitsprache eine bedeutsame

Rolle. Mit dem Eintritt ins Schulalter werden auch die ersten Grundsteine zur Förderung der Mehr-

sprachigkeit gelegt. Der Erwerb weiterer Sprachen wirkt sich positiv auf die kognitive Entwicklung

63 Niedersächsisches Kulturministerium (Hsrg.): Sprachbildung und Sprachförderung. Handlungsempfehlungen zum Orientierungsplan für Bildung und Erziehung im Elementarbereich niedersächsischer Tageseinrichtungen für Kinder. Hannover. Online verfügbar unter: www.mk.niedersachsen.de (letzter Abruf 16.07.2019) + Wirts, C / Sauerland N. (2018); Sprachliche Bildung im Kita-Alltag gut umsetzen. In: Jungmann et al (Hrsg.): Sprach- und Bildungshorizonte. Wahrnehmen-Beschreiben- Erweitern. Idstein, Se. 89-95 64 Ministère de l’Éducation nationale, de l’Enfance et de la Jeunesse & Service National de la Jeunesse Luxembourg (2018): a. a. O. 65 Ministère de l’Éducation nationale, de l’Enfance et de la Jeunesse & Service National de la Jeunesse Luxembourg (2018): a. a. O. 66 Feilke, H. (2012): Bildungsprachliche Kompetenzen fördern und entwickeln. In: Praxis Deutsch, 39 (2012) 233, S. 4-13. Onilne verfgbar unter: www.fachportal-paedagogik.de (letzter Abruf 16.07.2019).

aus, da unter anderem analytisches Denken und meta-sprachliche Fähigkeiten gefördert werden.67

Die weitere Förderung von Literacy-Erfahrungen spielt auch im Schulalter eine wichtige Rolle, da sie

zum einen dazu beiträgt die Lese- und Schreibfreude insgesamt zu erhalten und den Prozess des

Schriftspracherwerbs insbesondere von Kindern aus bildungsfernen Familien unterstützt.

Bezogen auf die Jugendphase:

Hier gelten grundsätzlich alle Anforderungen und Entwicklungsschwerpunkte, wie sie bereits zuvor

für die Phase der mittleren Kindheit beschrieben wurden. Für neu zugewanderte Jugendliche steht

vor allem die Sprachförderung in Deutsch im Vordergrund, damit die soziale, schulische und berufli-

che Integration gelingen kann.

Beschreibung der Angebotssituation in der Nürnberger Weststadt

Frühe Kindheit: Im Stadtteil findet in allen Einrichtungen eine alltagsintegrierte Sprachbildung statt, unterstützt durch unterschiedliche Förderprogramme und Methoden: ein Großteil der Kitas in freier Trägerschaft sind im Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ aktiv (Laufzeit bis 2020); kommunale Einrichtungen arbeiten mit dem Programm „Sprachliche Bildung in Kindertagesstätten (Spiki)“ – sie trainieren auf spielerische Weise eine phonologische Bewusstheit des Kindes, laden Lesefreunde und -freundinnen ein, gestalten Literacy-Center zu Themen aus der kindlichen Lebenswelt. Wichtige Partnerin der lokalen Kindertagesstätten im Lernfeld „Sprachbildung und Literacy“ ist die Stadtteilbibliothek Gostenhof. Mit 21 örtlichen Kitas unterhält sie regelmäßige Kooperationskontakte. Im Jahr 2018 wurden mit 145 Veranstaltungen für Kita-Gruppen gut 2.000 Bibliotheksbesuche von Kindern erreicht – rein rechnerisch hat damit etwa jedes Kind im Stadtteil unter 6 Jahren in diesem Jahr eine Veranstaltung in der Stadtteilbibliothek besuchen können. Das niedrigschwellige Angebot der Stadtteilbibliothek eröffnet Zugänge zu Buch- Erzähl- und Schriftkultur: neben dem Angebot einer Medienausleihe oder Mediennutzung vor Ort werden offene Veranstaltungen für Kinder sowie Leseförderprogramme als Angebote für Kitas gestaltet. Für Kitas stehen zudem Medienkisten zur Ausleihe zur Verfügung, die zu 22 verschiedenen am Erziehungsund Bildungsplan der Kitas orientierten Themen zusammengestellt sind. Mittlere Kindheit: Sprach- und Lernförderangebote mehrerer Integrationseinrichtungen (vor allem: Internationales Frauen- und Mädchenzentrum (IFMZ), Treffpunkt e. V., Nachbarschaftshaus Gostenhof und DEGRIN e.V.) sind im Stadtteil mit Einrichtungen formaler Bildung und deren Angeboten gut vernetzt. Neben Kursen und Programmen zum Spracherwerb „Deutsch als zweite Sprache“ werden hier oft auch Hausaufgabenbetreuung, Beratung in schulischen Fragen sowie im Sinne einer ganzheitlichen Bildung Orientierung und Unterstützung in der Alltagsbewältigung geleistet. Die Angebote der Stadtteilbibliothek Gostenhof unterstützen beim Erwerb der Lesekompetenz, eröffnen Zugänge zur selbstgesteuerten Informations- und Wissensaneignung und vermitteln Medienkompetenz. Mit diesem Ziel kooperiert die Stadtteilbibliothek regelmäßig mit vier Schulen im Stadtteil. Am Lesefestival – einer stadtweiten Aktion zur Leseförderung – beteiligten sich etwa alle vier Schulen. 2018 erreichte die Stadtteilbibliothek in 83 schulbezogenen Veranstaltungen knapp 1.700 Teilnahmen von Schulkindern aus der Nürnberger Weststadt – rein rechnerisch hat im vergangenen Jahr jedes Grundschulkind mindestens einmal an einer Veranstaltung in der Stadtteilbibliothek teilnehmen können.

67 Ministère de l’Éducation nationale, de l’Enfance et de la Jeunesse & Service National de la Jeunesse Luxembourg (2018): a. a. O.

Das Angebot der Schreibwerkstatt des Aktivspielplatzes Gostenhof richtet sich an Kinder zwischen 10 und 14 Jahren, in welchem verschiedene Schreibspiele zum Austesten verschiedener Arten des Schreibens anregen sollen. Die Kinder werden motiviert und angeleitet ihre eigenen Ideen umzusetzen, ob als Kurzgeschichte, Comic, Sachgeschichte, Drehbuch für Theaterstück oder Hörspiel. Neben dem klassischen Niederschreiben mit dem Stift auf Papier wird auch das Schreiben mit den PC spielerisch erlernt. Im Jahr 2017 wurden mit dem Angebot 240 Kinder im Stadtteil erreicht. Regelmäßig alle 14 Tage hält vormittags der Bücherbus vor der Grundschule Friedrich-Wanderer und bringt neben dem Zugriff auf ein aktuelles und qualifiziertes Angebot von bis zu 50.000 Medien (Bücher, DVDs, CDs, Zeitschriften) auch Beratung und Veranstaltungen zur Leseförderung und Medienkompetenz. Im Rahmen des „Vertrages für Fantasie und Wissen“ kann auch Unterricht in der Bibliothek gestaltet werden. Alle 22 Klassen an der Grundschule sind Nutzende des Bücherbusses. Mit der jährlichen Aktion „Anstoß – ein Buch für jeden Schulanfänger“, wird die Schlüsselqualifikation Lesen gefördert. Alle der im Stadtteil beschulten Erstklässler bekommen Anfang der zweiten Hälfte des Einschulungsjahres ein Erstlesebuch zur Stärkung der Lesemotivation geschenkt. Die Eltern erhalten gleichzeitig eine mehrsprachige Broschüre mit Informationen über die Bedeutung des Lesens und eine Anmeldekarte für den kostenlosen Bibliotheksausweis für Kinder. Darüber hinaus findet an einem Samstag ein Lesefest für die Kinder und ihre Familien statt. Jugendphase: Weiterhin wichtig sind die bereits im mittleren Kindesalter relevanten Integrationseinrichtungen und ihre Angebote zur Sprach- und Lernförderung, für das Jugendalter zuweilen ergänzt um Hilfestellungen im Übergang von der Schule in den Beruf (etwa IFMZ). In diesem Bereich unterstützen auch die alltagsbegleitenden Angebote zur Sprachförderung in den Kinder- und Jugendhäusern und Aktivspielplätzen vor allem benachteiligte Jugendliche, oft mit Migrationshintergrund.

Schlussfolgerungen und Empfehlungen für die weitere Diskussion

 Stärken stärken: Sprachbildung in Kindertageseinrichtungen weiterentwickeln In sämtlichen Kindertageseinrichtungen – unabhängig von der Trägerschaft – ist die Sprachbildung ein wichtiges Handlungsfeld. Doch trotz der vielfältigen Angebote und Maßnahmen besteht nach in den Kindertageseinrichtungen Unterstützungsbedarf im Sinne einer qualifizierten Beratung, Begleitung und Professionalisierung der pädagogischen Fachkräfte bei der alltäglichen Sprachbildung in Kindertageseinrichtungen (siehe auch Kapitel 3 – Befunde aus der Befragung Kapitel „Migration und Integration in der Kita“). Ein wichtiger Baustein stellt in diesem Zusammenhang das im Jugendhilfeausschuss vom 18.09.2019 beschlossene Projekt zum Einsatz von Sprachberatern in kommunalen Einrichtungen dar. Dort sollen ab Herbst 2020 zusätzliche Fachkräfte zur Entwicklung eines einrichtungsspezifischen Sprachförderkonzepts und zur Sprachförderung in ausgewählten Einrichtungen für einen Zeitraum von 36 Monaten zum Einsatz kommen. Im Mittelpunkt steht dabei die fachliche Weiterentwicklung der Kita- Teams, die Zusammenarbeit mit den Eltern und die gezielte sprachpädagogische Arbeit mit den Kindern. Einrichtungen aus der Nürnberger Weststadt sollten unbedingt im Rahmen des Projektes Berücksichtigung finden.  Stärken stärken: Kooperationsverbund von Stadtteilbibliothek, Kitas und Schulen aus-

bauen

Unterstützende Partnerin der Kitas ist die Stadtteilbibliothek Gostenhof, die ihre Angebote am Bildungs- und Erziehungsplan der Kindertageseinrichtungen ebenso ausrichtet wie am Lehrplan und an häufig behandelten Themen in der Schule. Wenn jedes Kind im Stadtteil statistisch einmal im Jahr Gelegenheit hat, eine Veranstaltung in der Stadtteilbibliothek zu besuchen, ist das gut – aber sicher nicht ausreichend. Eine Stärkung der Zugänge zu den Bibliotheksangeboten der in der Nürnberger Weststadt aufwachsenden Kinder über Kita und Schule

wird empfohlen. Bestehende Kooperationen sind eine gute Basis – allerdings ist dafür auch eine adäquate räumliche und personelle Ausstattung der Stadtteilbibliothek Voraussetzung. Zur besseren Versorgung ist der Aufbau einer weiteren (kombinierten Schul-) und Stadtteilbibliothek weiter im Westen wünschenswert. Die mobile Buchwerkstatt des KinderKunstRaum realisiert Projekttage an allen Nürnberger Schulen, welche die oben genannten Zielkonstellationen bedienen. Verstärkt muss darüber nachgedacht werden, wie dieses Angebot den Schulen im Stadtteil zugutekommen kann.  Lücken schließen: Sprachförderbedarfe der Kinder und Jugendlichen prüfen

und Angebote anpassen

Vor Ort arbeiten Integrationseinrichtungen (wie IFMZ, DEGRIN e. V., Treffpunkt e. V.) und Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit kooperativ untereinander und gut vernetzt mit Schulen und weiteren Jugendhilfeeinrichtungen zusammen und gestalten Angebote zum Erwerb der deutschen Sprache, zur Lernförderung und zu schulischen Hilfen. Die lokale Vernetzung wird von allen Partnern als besonderes Pfund hochgeschätzt. Gute Vernetzung allein kann aber nicht auffangen, dass immer mehr Kinder im Stadtteil einen hohen Unterstützungsbedarf mitbringen. Neben der allgemeinen Sprachbildung und insbesondere beim Erwerb von Deutsch als 2. Sprache für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund gilt es der Förderung der Bildungssprache an den Schnittstellen formaler und non-formaler Bildungsangebote eine stärkere Bedeutung beizumessen. Entwicklungsbedarf im Sinne des Prinzips einer „durchgängigen Sprachbildung“ in der lokalen Lern- und Bildungslandschaft besteht zu folgenden Punkten: a) Auseinandersetzung mit der Wirkung von und Überprüfung der Weiterentwicklungsmöglichkeiten konzeptioneller Grundlagen zur Sprachförderung im Rahmen von Vorkurs Deutsch 240 und den schulvorbereitenden Konzepten der alltagsintegrierten Sprachbildung in den Kindertageseinrichtungen sowie den Deutschklassen/DeutschPLUS-Klassen, b) Förderung eines sprachsensiblen Unterrichts in Grundschulen unter besonderer Berücksichtigung bildungssprachlicher Kompetenzanforderungen sowie c) Identifikation von Möglichkeiten zur Weiterentwicklung additiver Sprachbildungsangebote schulbegleitend in den Horten wie auch ergänzend in Integrationseinrichtungen und Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit.  Bestand sichern: Integrationseinrichtungen und ihre Angebote absichern Integrationseinrichtungen im Stadtteil und ihre ganzheitlich am Menschen orientierten und gut im Sozialraum verankerten Angebote haben eine hohe Bedeutung und Wirksamkeit für die jungen Menschen vor Ort. Diese Angebote sind vor allem vom hohen Engagement der Mitarbeitenden getragen. Viel Energie wird dabei allerdings oftmals allein für das kreative Stopfen von Finanzierungslücken gebraucht. So werden zum Beispiel die Angebote vom Treffpunkt e. V. über einen Flickenteppich an Einzelprojektförderungen ermöglicht und bräuchten eine verlässliche Perspektive. Gemeinsam mit den Integrationseinrichtungen sollten deshalb ein entsprechendes Förderkonzept erarbeitet und Unterstützungsmöglichkeiten ausgelotet werden.

4.2.3 Lernfeld „Gesundheitliche Bildung“

Gründe zur Förderung der gesundheitlichen Bildung Die Grundlagen für ein gesundes Leben werden bereits im Kindes- und Jugendalter gelegt. In dieser Lebensphase bilden sich wesentliche gesundheitsrelevante Verhaltensweisen heraus, die für das Erwachsenenalter bestimmend sind. Gesundheitliche Belastungen von Kindern und Jugendlichen führen dazu, dass sie in ihren Entwicklungs- und damit in ihren gesellschaftlichen Teilhabechancen

eingeschränkt sind.68 Betroffen sind davon insbesondere junge Menschen, die durch soziale, kulturelle und materielle Mängellagen benachteiligt sind. Das Risiko für einen nur mittelmäßigen bis sehr schlechten allgemeinen Gesundheitszustand ist bei Jungen und Mädchen mit niedrigem sozioökonomischen Status um das 3,4-bzw. 3,7-Fache erhöht im Vergleich zu Kindern mit einem hohen sozioökonomischen Status. Sozioökonomisch benachteiligte Kinder und Jugendliche essen zudem seltener frisches Obst und trinken häufiger zuckerhaltige Erfrischungsgetränke, treiben in ihrer Freizeit weniger Sport und rauchen häufiger. Fehlsteuerungen des Immunsystems, der Nahrungsaufnahme und des Ernährungsverhaltens, der Sinneskoordination sowie in der Bewältigung von psychischen Beanspruchungen, sozialen Anforderungen und altersspezifischen Entwicklungsaufgaben sind mitunter die Folgen. Ausdruck hierfür sind somatische und psychische Krankheitsbilder wie Allergien, Asthma, Diabetes, Über- und Untergewicht, Verhaltensstörungen sowie risikobehaftetes Konsumverhalten (Alkohol-, Nikotin- und Drogenkonsum) und psychische Leiden, die in den letzten Jahren bei jungen Menschen zugenommen haben.69 Die Förderung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ist somit für die persönliche, soziale und ökonomische Entwicklung sowie Selbstverwirklichung und soziale Teilhabe eine vorrangige Aufgabe von weitreichender Bedeutung. Angebote der lokalen Lern- und Bildungslandschaft sollten dabei folgende Schwerpunkte im Blick haben: 1.) Vermeidung und präventiver Abbau von Faktoren, die das Risiko erhöhen krank zu werden sowie Schaffung gesundheitsförderlicher Lern- und Lebenswelten; 2.) Vermittlung von psychosozialen Schutzfaktoren, von Erfahrungen der Selbstwirksamkeit und Entwicklung von Bewältigungskompetenzen, um sich gesund zu erhalten. Stärkung der Wahrnehmung eigener gesundheitsbezogener Einstellungen und Interessen und des Bewusstseins für das eigene Wohlbefinden sind wichtige Voraussetzungen für Resilienz in der Lebenshaltung. Die Förderung von Bewegung und Sport, einer gesunden Ernährung sowie die Entwicklung eines gesundheitsbewussten Lebensstils durch Präventions- und Aufklärungsangebote sind im Bereich der non-formalen-Bildung von besonderer Bedeutung. Bezogen auf die frühe Kindheit: In dieser Altersphase liegt der Fokus auf den Bereichen Bewegung und Ernährung. Die körperlichmotorische sowie die emotionale und soziale Entwicklung von Kindern sind eng verknüpft mit ihren Bewegungs- und Sinneserfahrungen. Bewegungsmöglichkeiten und Bewegungsfreiräume unterstützen das Training von Muskulatur, Koordination, Ausdauer und Geschicklichkeit. Der Wechsel von Bewegung und Entspannung fördert zudem das Körperbewusstsein und die Kompetenz mit dem eigenen Körper umzugehen und die eigene Gesundheit zu fördern. Sport- und Bewegungsangebote sollten deshalb in ausreichendem Maße allen Kindern im Stadtteil zur Verfügung stehen und zugänglich sein. Gemeinsame, ausgewogene Mahlzeiten bilden eine wichtige Basis für die Entwicklung der Ess- und Tischkultur sowie für ein gesundes Ernährungsverhalten. Gleichzeitig werden auf diese Weise die Sinneswahrnehmungen verbessert sowie feinmotorische, kognitive und soziale Lernmöglichkeiten durch das Essen in der Gruppe geschaffen.70 Außerdem ist dies insbesondere für Familien in Armutslagen relevant. Eine gemeinsame, warme/gesunde Mahlzeit am Tag ist hier

68 Prölß, R. (2018): Eröffnung und fachliche Einführung zum Nürnberger Forum der Kinder- und Jugendarbeit 2018. In: Kammerer, B. (Hrsg.): „Alles fit? Chancen für ein gesundes Aufwachsen von jungen Menschen in der Kinder- und Jugendarbeit“. Nürnberg, S. 15-22; Hurrelmann, K./Quenzel, G. (2012): Lebensphase Jugend. Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung. Weinheim und Basel 69 AWO (2012): „Von alleine wächst sich nichts aus …“ Lebenslagen von (armen) Kindern und Jugendlichen und gesellschaftliches Handeln bis zum Ende der Sekundarstufe I. Berlin; WHO (2016): Ungleich aufgewachsen: Geschlechtsbedingte und sozioökonomische Unterschiede in Bezug auf Gesundheit und Wohlbefinden junger Menschen. Studie über das Gesundheitsverhalten von Kindern im schulpflichtigen Alter (HBSC): Bericht zur internationalen Erhebung 2013/2014. Kopenhagen. Robert-Koch-Institut (2018): Ergebnisse zur KiGGS-Studie – Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. 2. Welle. 2018 70 Plattform Ernährung und Bewegung e.V. (Hrsg.) (2011): Gesunde Kita - starke Kinder! Methoden, Alltagshilfen und Praxistipps für die Gesundheitsförderung in Kindertageseinrichtungen. Berlin; Ministère de l’Éducation nationale, de l’Enfance et de la Jeunesse & Service National de la Jeunesse Luxembourg (2018): a. a. O.

nicht immer selbstverständlich. Hier ist es wichtig, sowohl in formalen (Kitas/Schulen) als auch nonformalen Bildungsorten (Kinder- und Jugendhäuser, Aktivspielplätze) Ersatzmöglichkeiten zu bieten (wie z.B. im Rahmen der Einführung einer flächendeckenden Mittagsverpflegung in kommunalen Kitas oder durch die Beitragsbefreiung von Schulessen). Bezogen auf die mittlere Kindheit: Mit Eintritt in die Schule werden Kinder verstärkt mit Anforderungen an ihre Konzentration und Ausdauer, mit der Bewältigung von Leistungsdruck und mit Erfahrungen von Misserfolg konfrontiert. Einrichtungen der non-formalen Bildung können Kindern hierzu einen Ausgleich bieten, indem sie ihnen Raum und Gelegenheit geben, sich zu erholen, attraktiven Freizeitangeboten nachzugehen und durch ausreichende Bewegung Erfolgserlebnisse zu erfahren und Spannungen abzubauen. Als Ausgleich zum Sitzen in der Schule und einer meist bewegungsarmen Lebenswelt sind Einrichtungen der non-formalen Bildung gefordert, selbst organisierte Bewegungserfahrungen und einen niederschwelligen Zugang zu attraktiven Bewegungsangeboten zu ermöglichen. An Bedeutung gewinnen in dieser Altersphase Angebote, die sich in der Peergruppe realisieren lassen. Im Bereich Ernährung und Esskultur gilt es durch das Erleben von Partizipation und Eigenverantwortung den Erwerb von Fachkompetenz für das persönliche Ernährungsverhalten weiter auszubauen. Kinder lernen in diesem Alter zwischen Nahrungs- und Genussmitteln zu unterscheiden und entwickeln dadurch eine differenzierte Genussfähigkeit. Über non-formale Lernsettings können Kinder lernen die Qualität von Nahrungsmitteln zu beurteilen und diese auch selbst zu verarbeiten. Durch den direkten Kontakt mit der Natur beim Anbauen, Pflegen und Ernten von Nahrungsmitteln können sich Kinder zu verantwortungsbewussten Konsumentinnen und Konsumenten entwickeln.71

Bezogen auf die Jugendphase: Der Umgang mit körperlichen und emotionalen Veränderungen im Zuge der Pubertät stellt in der Jugendphase eine besondere Herausforderung dar. Themen rund um die Gesundheit und die körperliche Entwicklung im Rahmen der sexuellen Bildung und der Prävention gewinnen in diesem Zusammenhang an Bedeutung. An non-formalen Bildungsorten wie der Offenen Kinder- und Jugendarbeit können Jugendliche dahingehend sensibilisiert und unterstützt werden, ein positives Körperbewusstsein zu entwickeln, die motorischen und sensorischen Fähigkeiten des Körpers wahrzunehmen und den verantwortlichen Umgang mit dem eigenen Körper zu üben. Ziel ist es, Jungen und Mädchen im Prozess der Entwicklung einer verantwortungsvollen sexuellen Selbstbestimmung und geschlechtlichen Identität zu unterstützen und zu begleiten. Weitere wichtige Bestandteile der Gesundheitsentwicklung und Gesundheitsförderung im Jugendalter sind non-formale Settings rund um die Themenbereiche des Jugend- und Gewaltschutz, der gesunden Ernährung sowie der Suchtprävention.72 Große Bedeutung haben in dieser Phase der beruflichen und - ganz allgemein - der lebensweltlichen Orientierung Maßnahmen zum Umgang mit Stresssituationen und zum Abbau von Stress.

71 Ministère de l’Éducation nationale, de l’Enfance et de la Jeunesse & Service National de la Jeunesse Luxembourg (2018): Nationaler Rahmenplan zur non-formalen Bildung im Kindes- und Jugendalter 72 Ministère de l’Éducation nationale, de l’Enfance et de la Jeunesse & Service National de la Jeunesse Luxembourg (2018): Nationaler Rahmenplan zur non-formalen Bildung im Kindes- und Jugendalter; Stadt Nürnberg/Jugendamt (2018) : Jugendhilfeplanung. Offene Kinder- und Jugendarbeit. Band 1. Fachliche Planung und Weiterentwicklung. Nürnberg.

Beschreibung der Angebotssituation in der Nürnberger Weststadt Frühe Kindheit:

Gesundheitsförderung ist im Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan der Kindertageseinrichtun-

gen fest verankert, die Entwicklung und Übernahme von Eigenverantwortung für Körper und Ge-

sundheit sind als wichtiges Bildungsziel in Kindertageseinrichtungen gesetzt.

Im hochverdichteten Stadtteil, in dem viele Kinder in beengten Wohnverhältnissen aufwachsen, sind

Angebote und Gelegenheit zur Bewegungsförderung besonders dringlich. Ein gutes Viertel aller

Kitas im Stadtteil haben in den letzten Jahren an dem von Gesundheitsamt, Jugendamt und

SportService getragenen und von der Bouhon-Stiftung geförderten Programm „Bewegte Kita -

Wachsen mit Bewegung“ teilgenommen. Dieses Programm ist auf nachhaltige strukturelle Verände-

rungen angelegt: in einer einjährigen Projektphase werden Bewegungsräume in der Kita geschaf-

fen, bewegungsfördernde Angebote ausprobiert, Erzieherinnen und Eltern geschult sowie förderli-

che Kooperationen im Umfeld angebahnt. Gute Breitenwirkung kann auch das Projekt Rotary aktiv

kids erzielen: ermöglicht durch den Stadtteilpaten, den Rotary Club Nürnberg Fürth, werden von

Tornados Franken wöchentliche Ballspieleinheiten in mittlerweile acht Kindergärten vermittelt.

Gut 15 % der Kinder in der Nürnberger Weststadt und damit deutlich mehr als in der gesamten

Stadt sind nach Angabe der beiden Schuleingangsuntersuchungen von 2011/12 und 2015/16 über-

gewichtig. Neben dem Mangel an Bewegung gilt eine falsche Ernährung als eine der Hauptursa-

chen. So ist eine gesunde Essensversorgung der Kinder Anliegen in allen Kindertageseinrichtun-

gen. Viele Kitas haben dazu Spender von frischem Obst und Gemüse gefunden, fördernde Kontakte

aufgebaut, Ehrenamtliche für die Bereitung eines gesunden Frühstücks gewonnen oder nehmen an

Projekten wie „Brotzeit - gesundes Frühstück“ teil. Das ist gut und wichtig und oftmals für Kinder die

einzige Möglichkeit eines gesunden Essens. Viele Einrichtungen aber werden in der Organisation

und Absicherung ihres Essensangebotes immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. In den

kommunalen Kindertageseinrichtungen wird bis Ende 2019 eine einheitlich vom Jugendamt organ-

sierte Essensversorgung umgesetzt sein.

Ein maßgeschneidertes Angebot von Gesundheitsamt und AOK für Kindertageseinrichtungen ist das

Programm „gesunde Kita“, das während einer dreijährigen Projektphase Einrichtungen mit didaktisch

aufbereiteten Materialien, mit Schulungen und Beratungen zu den Gesundheitsthemen Ernährung,

Bewegung, Entspannung, ErzieherInnengesundheit, seelisches Wohlbefinden und Elternarbeit be-

gleitet. Dieses umfassende Programm ist bislang allerdings noch nicht im Stadtteil angekommen.

Mittlere Kindheit:

Sportunterricht ist integraler Bestandteil des schulischen Angebots; Bewegungsförderung wichtiges

Anliegen in den Kinderhorten. Als Ausgleich zum langen Sitzen in der Schule und einem eher wenig

zu Bewegung anregenden Umfeld werden in den Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe gezielt

sportliche Angebote – oft als Gruppenangebote – initiiert. So werden durch die Einrichtungen der

Offenen Kinder- und Jugendarbeit (Kinder- und Jugendhäuser sowie Aktivspielplätze) eine Vielzahl

von unterschiedlichen pädagogischen angeleiteten Sport- und Bewegungsangeboten erbracht (z.B.

Fußball, Basketball, Tischtennis, Hockey, Einradfahren, Inline- und Longboarding sowie Slacklining

im Sommer angeboten), die den Kindern über das ganze Jahr hinweg im Stadtteil zugänglich sind

und in der Summe umfangreiche Nutzerzahlen ausweisen.

An der Grundschule Reutersbrunnenstraße gibt es Schachgruppen in dem Projektformat der Sport-

arbeitsgemeinschaften (SAG). An den Grundschulen Knauerstraße und Friedrich-Wanderer-Straße

sowie im Schülertreff Preißlerstraße gestaltet der Post-Sport-Verein SAG-Basketball-Angebote und

an der Knauerschule bietet der Verein darüber hinaus ein nach Altersgruppen gestaffeltes Basket-

ball-Training. Alle Grundschulen im Stadtteil nehmen an dem vom SportService vermittelten Pro-

gramm Seepferdchen teil. Im Schuljahr können dabei 60 bis 80 Kinder beim Schwimmen lernen in-

dividuell unterstützt werden.

Die zahlreichen Tanzangebote - Gardetanz, Volkstanz, Ausdruckstanz - in verschiedenen Stadttei-

leinrichtungen leisten ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Bewegungsförderung. Einen besonderen

Stellenwert haben hier die Angebote der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, welche bereits in der

Bestandserhebung zum Lernfeld „Kulturelle Bildung“ als Bestandteil jugendkultureller Ausdrucksfor-

men beschrieben sind.

Koch- und Ernährungsprojekte gehören zum regelmäßigen Programm der Aktivspielplätze. So kocht der Aktivspielplatz Gostenhof täglich mit seinen Kindern eine warme Mahlzeit aus regionalen und saisonalen Lebensmitteln. Die Kinder sind eifrig bei der Essenszubereitung dabei. Auch beim Aktivspielplatz Fuchsbau gibt es regelmäßige Essensangebote. Dabei kann oft selbstgeerntetes Obst und Gemüse zubereitet werden, denn der Aktivspielplatz bewirtschaftet mit seinen Kindern unter anderem ein Hochbeet und ein Tomatenhaus zur Selbstversorgung. So lernen die Kinder auch gleich etwas über die Herkunft der Nahrungsmittel und erfahren, was es bedeutet, sich regelmäßig zu kümmern – um schließlich den Erfolg des Erntens zu feiern. Die Nutzungsdaten (z.B. weit über 10.000 im Jahr 2017) zu den gemeinsamen Koch- und Mittagessensangebote bei den Aktivspielplätzen belegen eine große Breitenwirkung im Stadtteil. Gemeinsame Kochangebote sowie Beratungen zum Thema gesunde Ernährung sind darüber hinaus auch fester Bestandteil der Arbeit in den Kinder- und Jugendhäusern. In Kooperation von Quartiersmanagement, Stadtteilkoordination und Gesundheitskoordination wurden unter anderem in mehreren Kinder- und Jugendeinrichtungen Hochbeete eingerichtet. Diese werden gemeinsam bepflanzt, gepflegt und abgepflückt und geerntetes Gemüse und Obst in einer Kochschule für Eltern und Kinder weiterverarbeitet.

Jugendalter:

Zu den zahlreichen offenen Sportangeboten in den Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit kom-

men im Jugendalter kostenlose und niedrigschwellige Angebote des Mitternachtssports hinzu. In den

Wintermonaten laden die Jugendeinrichtungen im Stadtteil in Kooperation mit der Geschwister-Scholl-

Realschule zweimal im Monat in die dortige Schulsporthalle ein. Mittlerweile gibt es auch Mitternachts-

sportangebote mit Eislaufen und Bouldern.

Angeleitete Kochangebote finden in den Kinder- und Jugendhäusern während der Offenen-Treff-Zei-

ten sowie auch als zusätzliches pädagogisches Angebot oder als separates Gruppenangebot statt.

So z.B. das Kochprojekt T-CooK, an welchem sich von der Planung, über die Vor- und Zubereitung

bis hin zur Bewirtung von Gästen mit einem mehrgängigen Menü Jugendlichen wie Gäste gleicher-

maßen erfreuen. Unterschiedliche Beratungsangebote zu den Themen Gesundheit und Ernährung

(wie z.B. zur Fehlernährung, den Folgen mangelnder Bewegung, Sucht, Selbstgefährdung usw.) run-

den das Angebot in den Kinder- und Jugendhäusern ab.

Mit „Verrückt – na und?“ bietet das Gesundheitsamt für Schulklassen ab der 8. Jahrgangsstufe eine

spielerische Heranführung an Themen von psychischer Gesundheit und gibt Gelegenheit, psychische

Probleme im Erwachsen Werden zu besprechen.

Schlussfolgerungen und Empfehlungen für die weitere Diskussion

 Stärken stärken und damit Lücken schließen

Zugänge zu den Angeboten des Gesundheitsamtes ausbauen

Gesundheitsförderung ist in den Kindertageseinrichtungen in der Nürnberger Weststadt ein

wichtiges Anliegen. Alle Kitas haben ihre eigenen Angebote, das Engagement ist groß, es pas-

siert viel. Und doch ist die einhellige Meinung der Stadtteilaktiven: es braucht noch mehr! Vom

Gesundheitsamt wird mit der „gesunden Kita“ ein Programm angeboten, das Unterstützung und

Begleitung bei der gesundheitsfördernden Ausrichtung des Kita-Alltags offeriert. Hinterfragt wer-

den muss, warum dieses Angebot bislang nicht im Stadtteil ankommt, ob es gegebenenfalls be-

darfsbezogen eine Anpassung bräuchte, welche Zugangsschwierigkeiten bestehen und wie

diese aufgelöst werden können.

Dieselben Fragen gelten für den Einsatz des pädagogisch entwickelten Sportförderprogrammes

Rücken- und Bewegungsturnen (RüBe-Turnen) sowie für die vielfältigen Medienpakete des Ge-

sundheitsamtes zu gesundheitsrelevanten Themen. Eine breitere Nutzung dieser Programme

entspricht auch einer Forderung im „Arbeitsprogramm gegen Kinder- und Jugendarmut“: im

Handlungsfeld „gesundes Aufwachsen“ heißt es unter anderem, bewährte, niederschwellige

Gesundheitsangebote sollen im Sozialraum ausgebaut werden. Denn: Es gibt viele gute und

bewährte Programme. Ansporn muss es sein, diese überall dort zum Einsatz zu bringen, wo sie

gebraucht werden.

Eine besondere Chance bieten die Gesundheitskoordinatorinnen, die seit 2017 im Rahmen des

vom Gesundheitsamt getragenen und von der AOK geförderten Projektes „Gesundheit für alle

im Stadtteil“ Angebote und Maßnahmen für eine gesundheitsfördernde Lebensweise nah an

den Bedarfen der im Stadtteil lebenden Menschen entwickeln und anpassen.

 Stärken stärken: Angebote der Gesundheitsbildung in Treffpunkten für Kinder und Ju-

gendliche im Stadtteil erhalten und weiterentwickeln

Angebote der Offenen Kinder- und Jugendarbeit stellen im Stadtteil wichtige Freizeit-, Erfahrungs- und Lernorte gerade für benachteiligte Kinder und Jugendliche dar und zielen auf die Stärkung ihrer Resilienz ab. Durch ihre niedrigschwellige und langfristig verstetigte Angebotsstruktur findet die Offene Kinder- und Jugendarbeit Zugänge zu jungen Menschen, die anderweitig nur noch schwer oder gar nicht mehr erreicht werden. In diesen Einrichtungen erhalten Kinder und Jugendliche Zugänge zu Beratungs- und Alltagsbildungsangeboten. Jugendliche mit fehlenden familiären Unterstützungsnetzwerken erfahren hier Zuwendung und Hilfestellung. Als wichtige Bezugsinstanz für junge Menschen aus dem Stadtteil sollten Kinder- und Jugendeinrichtungen ihre gesundheitsfördernden Angebote beibehalten und diese bedarfsgerecht und partizipativ mit den Nutzerinnen und Nutzern weiterentwickeln. Kooperationen im Stadtteil sind auch zukünftig bei diesen Angeboten anzustreben. Es muss wiederholt werden, was über die Absicherung von Integrationseinrichtungen im Stadtteil gesagt wurde. Sie sind wichtige Treffpunkte vor Ort; vertrauensvolle Adressen, die Rat und Orientierung auch in gesundheitlichen Fragen anbieten oder vermitteln können.

4.2.4 Portraits ausgewählter Einrichtungen non-formaler Bildung in der Nürnberger

Weststadt

Bereits der erste Einblick in Angebote und Angebotsstrukturen einzelner Lernfelder gibt einen Eindruck von der Vielfalt der Bildungsanbieter im non-formalen Bereich. Einige dieser Einrichtungen werden mit Angaben zu ihrem Bildungsauftrag und Konzept, zu Organisationsform und charakteristischen Beispielen ihres non-formalen Bildungsangebotes kurz vorgestellt (siehe Anhang). Mit Blick auf die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen wurden ausgewählt:  Kinder- und Jugendeinrichtungen  Kultureinrichtungen mit einem Bildungsangebot für Kinder und Jugendliche  Stadtteiltreffpunkte mit einem Bildungsangebot für Kinder und Jugendliche Aufschlussreich sind die Angaben zu den Zugängen zur adressierten Zielgruppe. Immer genannt wurde die gute Vernetzung und Kooperation im Stadtteil. Klassische Printwerbung mit Programmheften und Flyern wendet sich vor allem an Netzwerkpartner, verbunden mit der Bitte, die Informationen gezielt weiterzugeben.

4.3 Fazit und Empfehlungen

Mit dem vorgestellten Vorgehen zum kleinräumigen Bildungsmonitoring kann (und will auch gar) nicht die komplette Landschaft des non-formalen Bildungsgeschehen abgebildet werden. Wichtig ist die Fokussierung auf kommunale bzw. kommunal geförderte Angebote, also auf die Angebote und Programme, die im kommunalen Handlungsspielraum veränderbar sind. Stadtteilangebote – auf Entwicklungserfordernisse und Unterstützungsbedarfe beziehen Ein ganz neuer Blick wird eröffnet, indem Angebote nicht isoliert aus sich heraus begründet und befürwortet werden, sondern in einen Begründungszusammenhang aus den altersspezifischen Entwicklungserfordernissen einerseits und Unterstützungsbedarfen andererseits gestellt sind. Meist überraschend – im Positiven wie im Negativen – ist der Hinweis auf die jeweilige Reichweite selbst von längst gut bewährten Angeboten und Programmen. Diese Befunde geben Anlass zu Diskussionen von Transfermöglichkeiten auch in die Nürnberger Weststadt. Wie viele Stadtteilkinder werden von einem Angebot erreicht? Noch schwierige Datenlage. Die Reichweite von Programmen und Angeboten – ein schwieriges Thema. Der vorliegende erste Testlauf hat deutlich gemacht, dass es viele Fragen gibt, auf die wir bei derzeitiger Datenlage noch keine fundierten Antworten geben können. Jeder Anbieter erfasst Nutzungsdaten – oder auch nicht. Diese sind oft geeignet, Nachweis über die Nutzung von einzelnen Einrichtungen zu geben, aber weniger aussagefähig, was die Nutzung aus einem bestimmten Stadtteil betrifft. Hier gilt es, Absprachen zur Datenerfassung zu treffen, damit eine stadtteilbezogene Auswertung künftig möglich wird. Eine Annäherung könnte z.B. darüber erreicht werden, wenn künftig zu zentralen Angeboten bei der Erfassung der Nutzerdaten zusätzlich eine qualifizierte Schätzung zum Anteil der regelmäßigen und gelegentlichen Besucherinnen und Besucher vorliegen würde. Diese Mühe scheint nach erstem Testlauf lohnenswert: Mit dem vorhandenen Datenset sozialer Belastungsindikatoren einerseits und mit stadtteilbezogenen Nutzungsdaten zu Angeboten in relevanten Lernfeldern andererseits könnte auch eine Übertrag- und Vergleichbarkeit mit Angebotsstrukturen in anderen Stadtteilen leichter gelingen – auch hier sind Überraschungen nicht ausgeschlossen. Auswertung und Bewertung der Ergebnisse im Werkstattbericht erfolgen vor Ort. Die Praxistauglichkeit des gesamten Verfahrens kann erst nach Auswertung und Rückkopplung erster Empfehlungen mit den Bildungsakteuren vor Ort beurteilt werden. Folgendes Verfahren wird vorgeschlagen:

Stufe 1: Der Werkstattbericht wird den Akteuren im Stadteil zur Verfügung gestellt. In den Stadt-

teilgremien STARK Gostenhof Ost, STARK Gostenhof West, STARK Muggeley sowie im AK

Kita West werden die Ergebnisse kompakt präsentiert und diskutiert. Ziel ist es, in diesem ers-

ten Schritt Schwerpunkte zu setzen, Themen zu priorisieren, Klärungsbedarfe und potentielle

Unterstützer zu benennen.

Stufe 2: Nach Priorisierung von Themen wird zu moderierten Fachdialogen eingeladen. Deren

Ergebnis sollten verbindliche Zielvereinbarungen zwischen örtlichen themenorientierten

Arbeitsgruppen, Stadtverwaltung und Unterstützern sein.

Nach dem zweiten Werkstattbericht und zwischenzeitlichen Fachdialogen soll bewertet werden, inwieweit sich das hier erprobte Verfahren und der Referenzrahmen „Beschreibung und Erfassung der non-formalen Bildungsangebote“ für ein kleinräumiges Bildungsmonitoring eignet und auf andere Kontexte der kommunalen Bildungsdebatte übertragen werden kann und welche weiteren Analysen/Verfahren (für weitere Lernfelder/Zielgruppen) für den Stadtteil empfohlen werden.

5 Vernetzung der Bildungseinrichtungen

5.1 Netzwerkmonitoring – ein Feedbackinstrument zur lokalen Netzwerkarbeit

Funktionierende Netzwerke sind eine wichtige Voraussetzung, damit vor Ort eine bedarfsgerechte Förderstruktur aufgebaut werden kann. Das war das zentrale Ergebnis der wissenschaftlichen Begleitung durch das Institut für europäische Migrationsstudien an der Universität Bamberg (efms) im Modellprojekt „Spielend lernen in Familie und Stadtteil“.73 Erklärtes Ziel war es damals, das Aufwachsen von Kindern in sozial benachteiligten Stadtteilen fördernd zu begleiten und ihnen möglichst frühzeitig Bildungschancen zu eröffnen. Mit gleicher Zielsetzung wird auch heute die Weiterqualifizierung von Stadtteilen und ihren Einrichtungen zur Lern- und Bildungslandschaft vorangebracht. Folgerichtig also, dass das efms mit der Erstellung eines Feedback-Instrumentariums für lokale Netzwerke beauftragt worden ist und dieses Instrumentarium jetzt auch im Rahmen des sozialraumbezogenen Bildungsmonitoring für die Nürnberger Weststadt Beachtung findet. Denn in Gostenhof und etwas später in Muggenhof/Eberhardshof hatten sich die Stadtteilakteure bereits sehr frühzeitig dazu bekannt, Bildung und Bildungsteilhabe als ihre zentralen Stadtteilthemen zu bearbeiten. Künftig sollen in regelmäßigen Abständen Qualität und Effektivität in der Zusammenarbeit im Netzwerk überprüft werden können. Statistische Ergebnisse sollen vor Ort zum Gesprächsanlass dienen und Diskussionen über Verbesserungspotentiale und Schwerpunktsetzungen in der lokalen Netzwerkarbeit anstoßen. Zu diesem Zweck wurde eine Onlinebefragung in zwei unterschiedlichen Teilen konzipiert: einem Fragebogen zu Inhalten und Qualität der Netzwerkkooperation sowie einer Abfrage von Kontakthäufigkeit und -stärke der Stadtteilakteure untereinander. Das Feedbackinstrument wurde erstmals 2017/2018 in allen Stadtteilen mit Stadtteilkoordination eingesetzt. Nachfolgende Ausführungen beziehen sich allerdings ausschließlich auf die beiden im Stadtteil koordinierten Stadtteile Gostenhof und Muggenhof/Eberhardshof. Die ansonsten gleichlautenden Fragebögen enthielten jeweils eine stadtteilbezogene Frage, bei der die Mitgliedschaft zu namentlich aufgeführten Netzwerken abgefragt worden ist. Mehrfachnennungen waren selbstverständlich möglich, ebenso die Angabe weiterer Netzwerkzugehörigkeiten. Neben allen Schulen und allen Kindertageseinrichtungen im Untersuchungsgebiet waren diejenigen Einrichtungen und Organisationen zur Teilnahme aufgefordert, die in den vorausgegangenen anderthalb Jahren mindestens einmal an einem der lokalen Netzwerktreffen teilgenommen hatten. In Gostenhof wurden insgesamt 100 Einrichtungen/Organisationen befragt. Mit 52 ausgefüllten Fragebögen liegt der Rücklauf bei 52 %. In Muggenhof/Eberhardshof haben von 51 Einrichtungen/Organisationen 27 an der Befragung teilgenommen, das entspricht einem Rücklauf von 53 %. Das heißt, in beiden westlichen Stadtteilen liegt der Rücklauf – vergleichbar mit Akteursbefragungen in anderen Städten - bei gut 50 %. Das ist recht akzeptabel, bedeutet aber auch, dass nahezu die Hälfte der für eine Lern- und Bildungslandschaft relevanten Einrichtungen nicht an der Befragung teilgenommen hat. Die Gründe dafür mögen verschieden sein: zum Teil wurden uns - insbesondere aus Kindertageseinrichtungen - technische Probleme bei der Onlinebefragung zurückgemeldet, zum Teil gab es verspätete Entschuldigungen wegen Arbeitsüberlastung, wegen Häufung von Krankheiten, unbesetzten Stellen etc. Einige dieser Kollegen und Kolleginnen haben sich dann später sehr engagiert in den Auswertungsworkshops einbringen können.

73 Evaluationsbericht Spielend lernen, efms 2007: Spielend lernen in Familie und Stadtteil war ein von der Stadt Nürnberg gemeinsam mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge entwickeltes Modellprojekt, gefördert in den Jahren 2004 -

5.2 Netzwerkmonitoring Gostenhof und Muggenhof/Eberhardshof 2017

Einrichtungen/Organisationen nach Bildungsbereichen Einrichtungen/Organisationen, die sich an der Befragung beteiligt haben, lassen sich wie folgt den fünf verschiedenen Bildungsbereichen zuordnen. Dabei werden die Einschätzungen von Regionalund Projektverantwortlichen aus den Ämtern und Dienststellen der Stadt Nürnberg wie auch von Koordinationsbeauftragten im Stadtteil unter der Bezeichnung „Koordinations- und Steuerungsfunktionen“ zusammengefasst. Tabelle 7: Einrichtungen nach Bildungsbereichen

Bildungsbereich Einrichtungen Muggenhof/Eberhardshof Einrichtungen Gostenhof
Frühkindliche Bildung, Betreuung, Erziehung 4 7
Bildung, Betreuung, Erziehung im Schulalter 2 10
Berufliche Bildung 0 1
Hochschulbildung 1 1
Non-formale Bildung 10 26
Koordinations- und Steuerungsfunktionen 10 12
Summe 27 57

Quelle: efms/Regiestelle für Sozialraumentwicklung Empfundene Einbindung Auf einer Skala zwischen 1 (sehr schlecht) und 5 (sehr gut) antworteten die Einrichtungen in Muggenhof/Eberhardshof und Gostenhof mit einem Mittelwert von jeweils ca. 4,1. Beide Werte liegen also deutlich im positiven Bereich und sprechen dafür, dass sich die Stadtteilakteure überwiegend in die Stadtteilprozesse gut eingebunden fühlen. Nutzung verschiedener Kooperationsformen Gefragt war nach der Nutzung verschiedener, auch unterschiedlich intensiver Formen der Kooperation. Am allermeisten wird in beiden Stadtteilen Kooperation als Erfahrungsaustausch genutzt und wertgeschätzt. Im Folgenden werden zuerst für jeden Stadtteil die drei Aussagen mit der größten Zustimmung aufgeführt: Tabelle 8: Nutzung von Kooperationsformen

Wie intensiv nutzt Ihre Einrichtung die folgenden Kooperati- onsformen mit anderen Einrichtungen im Stadtteil? Einrichtungen Muggenhof/Eberhardshof Einrichtungen Gostenhof
… Erfahrungsaustausch  3,7  4,0
… Informationsmaterial auslegen  4,0
… gegenseitiges Kennenlernen  3,9
… gegenseitige Berichterstattung  3,6
… Mitwirkung bei öffentlichen Veranstaltungen und Festen  3,6
… gemeinsame Planung … 3,2 3,1
… gemeinsame Projekte 3,2 3,3
… Abstimmung der Angebote 2,8 2,9
… gemeinsame Fortbildungen 2,0 2,3

Quelle: efms/Regiestelle für Sozialraumentwicklung Seltener wird Kooperation in gemeinsamen Projekten und als gemeinsame Planung erlebt. Eine „Abstimmung von Angeboten“ wird noch seltener bestätigt. Die Gespräche in den Auswertungsworkshops bekräftigen aber, dass in diesen Bereichen eine Weiterentwicklung durchaus gewünscht ist. Bedauerlich ist, dass das Angebot gemeinsamer Fortbildungen – oft aus Zeitgründen – zu wenig wahrgenommen werden kann. Qualität der Netzwerkkooperation Hier wurde nach dem Grad der Zustimmung zu einzelnen Aussagen gefragt, die auf verschiedene Dimensionen einer gut funktionierenden Netzwerkarbeit hinweisen. Auf einer Skala zwischen 1 (stimme gar nicht zu) und 5 (stimme voll zu) zeigen Werte über 4 ein hohes Maß an Zustimmung. Der Austausch mit Netzwerkpartnern wird in beiden Stadtteilen als sehr hilfreich für die eigene Einrichtung eingeschätzt. Eine Wertschätzung, die sich auch darin ausdrückt, dass Informationen aus

dem Netzwerk in der Regel im eigenen Team weiterkommuniziert werden. Die größte Zustimmung (> = 4) bezieht sich auf folgende Aussagen: Tabelle 9: Bewertung Netzwerkqualität

Inwieweit stimmen Sie den einzelnen Aussagen zur Netzwerkqualität zu? Einrichtungen Muggenhof/Eberhardshof Einrichtungen Gostenhof
„Der Austausch mit anderen Netzwerkpartnern ist hilfreich für meine Einrichtung.“  4,1  4,2
„Die aus dem Stadtteilnetzwerk resultierenden Informationen werden an mehrere Vertretungen meiner Einrichtung weitergegeben.“  4,2  4,1
„Die Kontakte zu unseren Netzwerkpartnern überstehen auch Unstim- migkeiten und Konflikte.“  4,1
„Ich bin sehr motiviert am Netzwerk mitzuarbeiten.“  4,1
„Durch die Zusammenarbeit im Stadtteilnetzwerk ergeben sich Syner- gien, die für unsere Arbeit nützlich sind.“  4,0

Quelle: efms/Regiestelle für Sozialraumentwicklung In den Diskussionen der Auswertungsworkshops wird hervorgehoben, wie wichtig es ist, in der Netzwerkarbeit thematische Schwerpunkte zu setzen und über mehrere Netzwerktreffen an diesen Themen „dran zu bleiben“. Diese Einschätzung formuliert eine wichtige Voraussetzung, um künftig an einer gemeinsamen Zielorientierung und einer abgestimmten Maßnahmenplanung im Stadtteil zu arbeiten. Bislang findet dies in beiden Stadtteilen aus Sicht der Stadtteilakteure nur bedingt statt. In einer offenen Frage war nach den drei wesentlichsten Zielen des Stadtteilnetzwerks gefragt. Die Antworten wurden gebündelt. Die Aussagen und Gewichtungen in beiden Stadtteilen ähneln sich sehr stark. Mehrheitlich verweisen die Formulierungen auf einzelne grundlegende Aspekte eines zu verabredenden strategischen Vorgehens, wie z. B. „Vernetzung“, „Bedarfe erkennen“, „Informationsplattform“ – allesamt wichtige Voraussetzungen, auf der inhaltliche Zieldiskussionen aufbauen können. Tabelle 10: Kooperationsziele im Stadtteil

Was sind die drei wesentlichsten Ziele im Stadtteil?
Muggenhof/Eberhardshof Gostenhof
 Vernetzung: Plattform für Austausch und Kooperation (29)  Vernetzung und Informationsaustausch zu gemeinsamen Themen (51)
 Synergieeffekte schaffen - Ressourcen optimal nutzen (11)  Kooperation und Bündelung von Ressourcen (35) dabei 1 x genannt: in den Handlungsfeldern Aufwachsen, Armut, Altern
 Entwicklung von Zielen und bedarfsge- rechten Angeboten (11)  Bedarfe im Stadtteil erkennen, Entwicklungen anstoßen (20)

Quelle: efms/Regiestelle für Sozialraumentwicklung

Effektivität der Netzwerkarbeit Hier sollen Aussagen getroffen werden, inwieweit sich örtliche Netzwerkarbeit auch durch Veränderungen in der eigenen Einrichtung zeigt. Mit gutem Abstand wird in beiden Stadtteilen der bessere Überblick über bestehende Angebote als Erfolg der funktionierenden Netzwerkarbeit genannt. Folgende Aussagen zur Netzwerkeffektivität erhielten die meiste Zustimmung: Tabelle 11: Veränderungen durch Netzwerkarbeit

Inwieweit stimmen Sie den folgenden Aussagen zu Veränderungen in ihrer Einrich- tung/Organisation durch die Teilnahme am Stadtteilnetzwerk zu? Einrichtungen Muggenhof/ Eberhardshof Einrichtungen Gostenhof
„Unsere Einrichtung hat durch das Stadtteilnetzwerk einen besseren Überblick über die Angebote im Stadtteil.“  4,2  4,4
“Die Qualität der Angebote im Stadtteil hat sich durch die Vernetzung verbessert.“  4,1
„Durch das Stadtteilnetzwerk hat unsere Einrichtung einen besseren Überblick, welche Förderangebote in unserem Stadtteil noch fehlen.“  3,9
„Durch die Kooperationen im Stadtteil konnten Ressourcen aktiviert werden.“  3,8
„Durch das Stadtteilnetzwerk arbeitet unsere Einrichtung intensiver mit anderen Einrichtungen zusammen.“  3,8

Quelle: efms/Regiestelle für Sozialraumentwicklung

Nach Ansicht der Befragten in beiden Stadtteilen hat lokale Netzwerkarbeit viele positive Auswirkungen. In offenen Fragen wurde um Einschätzungen gebeten, was die Zusammenarbeit so erfolgreich macht, aber auch was die Zusammenarbeit erschwert. Die mit Abstand häufigste Nennung bei förderlichen Bedingungen bezieht sich auf die Regelmäßigkeit, Verlässlichkeit und Stabilität des lokalen Netzwerkes. Damit sind gute Grundlagen geschaffen – so die Rückmeldungen – um ein gemeinsames Handeln in Projekten, Aktionen und Veranstaltungen auf- und auszubauen. Bei den erschwerenden Bedingungen sind die Aussagen noch eindeutiger: „Zeitmangel“ und „personelle Engpässe“ werden als Hinderungsgründe genannt. Sehr vereinzelt werden „Konkurrenzdenken“ oder „mangelnde Kooperationsbereitschaft“ angeführt. Zusammenbetrachtet können die Einschätzungen zu förderlichen bzw. erschwerenden Faktoren als Plädoyer für eine klare Netzwerkstruktur, für eine straffe Organisation und zielorientierte Moderation der Netzwerktreffen verstanden werden. Ganz nach dem Motto: so wenig Treffen wie möglich, so viel Treffen wie nötig. Bedeutung einzelner Themen für den Stadtteil und praktizierte Kooperation Die Frage nach der Bedeutung von Themen soll eine Diskussion über die jeweilige thematische Schwerpunktsetzung im Stadtteil anstoßen. Werden für den schnellen Überblick alle Angaben „sehr bedeutsam“ und „bedeutsam“ zusammengezählt, dann zeichnen sich vor allem folgende Schwerpunktthemen für Gostenhof sowie Muggenhof / Eberhardshof ab:

 Sprach- und Lernförderung  Armutsprävention  Kulturelle Bildung  Aufwachsen im Stadtteil  Gesundheit, Bewegung, Ernährung  Aufwertung des Stadtteils

Auch die weiteren abgefragten Themen sind wichtig und Angebote in allen genannten Handlungsfeldern sind unverzichtbar für die Nürnberger Weststadt – das zeigen auch die insgesamt sehr häufigen Nennungen.74 Dennoch können die von den Netzwerkakteuren vorgenommenen Priorisierungen wichtige Hinweise geben, welche Themen in der nächsten Zeit gemeinsam im Fokus der lokalen Netzwerkarbeit stehen sollten. Die Stadtteilthemen, denen die höchste Relevanz für den Stadtteil beigemessen wird - Sprach- und Lernförderung, kulturelle Bildung, Gesundheit, Bewegung und Ernährung - sind allesamt wichtige Handlungsfelder einer Armutsprävention. Selbstredend, dass entsprechende Angebote und Maßnahmen auch die Eltern miteinbeziehen sollten und ein anregungsreiches Wohnumfeld zum Ziel haben müssen. Abschließend wurde nach Ansätzen für eine Verbesserung der Zusammenarbeit im lokalen Netzwerk gefragt. Darauf haben vergleichsweise wenige Einrichtungen geantwortet. Deren Aussagen konzentrieren sich aber auf drei unterschiedliche Forderungen, die – im Zusammenspiel - eine Weiterentwicklung versprechen: 1. wird ein stringenter Zielfindungsprozess sowie eine regelmäßige Zielüberprüfung gewünscht (n = 8) 2. wird eine der Wichtigkeit von Netzwerkarbeit angemessene Ausstattung mit personellen und zeitlichen Ressourcen genannt (n = 6) 3. soll eine funktionierende Netzwerkstruktur nachhaltig entwickelt sein (n = 3)

74 Weitere abgefragte Themen waren: Alt werden im Stadtteil, Angebote für Geflüchtete, Angebote für Menschen mit Behinderung, Bürgerschaftliches Engagement, Elternarbeit, Infrastruktur & Wohnen

In den Auswertungsworkshops wurden viele Vorschläge zur weiteren Qualifizierung der Netzwerkarbeit gesammelt, zum Teil auch ganz konkrete Maßnahmenvorschläge zur Verbesserung der Angebotsstruktur im Stadtteil gemacht. Dabei steht ganz oben der Wunsch, eine Übersicht zu verlässlich im Stadtteil vorgehaltenen Angeboten zu erhalten – vorzugsweise in den auch und vor allem „bildungsrelevanten“ Feldern Bewegung und Ernährung, kulturelle Angebote und Sprachförderangebote. Auf Basis einer solchen soliden Bestandsaufnahme könnte dann der Einstieg in eine Zielediskussion erfolgen.

5.3 Fazit und Empfehlungen

Funktionierende lokale Netzwerkstrukturen sind Voraussetzung für eine bedarfsgerechte Förderstruktur im Stadtteil (Spielend Lernen in Familie und Stadtteil, 2007). Qualität und Effektivität: hohe Zufriedenheit der lokalen Netzwerkakteure Befragung der Stadtteilakteure zu Qualität und Effektivität der lokalen Netzwerkarbeit zeigte folgendes Bild: o Mehrheitlich sehen sich die Einrichtungen sehr gut/gut ins Stadtteilnetzwerk eingebunden. o Die Netzwerke werden vor allem für Erfahrungsaustausch genutzt, bislang noch eher wenig für gemeinsame Planung und Projekte. o Erfahrungsaustausch wird als hauptsächliches Ziel des Stadtteilnetzwerkes angegeben, eine gemeinsame inhaltliche Zielrichtung ist noch wenig präsent, aber durchaus erwünscht. o Nach Ansicht der Stadtteilakteure gibt es viele positive Effekte der Netzwerkarbeit: besseren Überblick, Qualitätsverbesserungen, Erkennen von Förderlücken, Erschließung von Ressourcen etc. o Gewünscht wird weiterhin eine Stabilität in den Netzwerkstrukturen sowie mehr und mehr ein gemeinsames Handeln in Projekten und Aktionen. o Thematische Schwerpunkte werden vor allem in den Bereichen „kulturelle Bildung“, „Sprachund Lernförderung“ sowie „Gesundheit, Bewegung und Ernährung“ gesetzt – allesamt wichtige Handlungsfelder im Sinne von Armutsprävention Bereitschaft und Wunsch nach Absprache im Stadtteil gewachsen Im vorliegenden Werkstattbericht wurden diese Priorisierungen von Themen bewusst aufgegriffen. Verstanden wurde auch, dass nicht nur die Bereitschaft, sondern der Wunsch nach einem gemeinsamen zielorientierten Handeln gewachsen ist. So will der Bericht in den lokalen Netzwerken vor allem als fundiertes Gesprächsangebot aufgenommen werden und zu strukturierten Fachdialogen mit Verantwortlichen und Unterstützenden einladen.

6 Zusammenfassung

Erster sozialraumbezogener Bildungsbericht in Nürnberg

Mit dem Werkstattbericht zur Lern- und Bildungslandschaft der Nürnberger Weststadt wird erstmals eine Bildungsberichterstattung auf Stadtteilebene vorgelegt. Diese soll auf dem gemeinsamen Weg, die Bildungs- und Teilhabechancen der Menschen vor Ort zu verbessern, als Steuerungs- und Entscheidungsgrundlage dienen. Für die Nürnberger Weststadt galt es ausgehend von den Projekten „koopstadt“ und „educational governance“ die Lern- und Bildungslandschaft für Kinder und Jugendliche näher in den Blick zu nehmen und Optimierungshinweise auszuarbeiten. Unter Berücksichtigung der soziodemografischen und sozioökonomischen Rahmenbedingungen liefert der Bericht eine Beschreibung der Bildungslandschaft, fokussiert auf die Bereiche der Frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung sowie der non-formalen Bildung für junge Menschen im Stadtteil. Im Sinne eines kleinräumigen Bildungsmonitorings wird für beide Bildungsbereiche aufgezeigt, welche Angebote Kindern und Jugendlichen in der Nürnberger Weststadt zur Verfügung stehen und wie diese vor Ort genutzt werden. Insbesondere für den immer wichtiger werdenden Bereich der nonformalen Bildung eröffnet der Bericht mit einer Strukturierung nach Lernfeldern eine neue Perspektive zur Erfassung und Bewertung der Angebotsstrukturen. Darüber hinaus werden Einschätzungen der lokalen Bildungsakteure zur praktizierten Vernetzung und Kooperation vor Ort wiedergegeben.

Werkstattbericht ist ein Diskussionsangebot für Weiterentwicklungsprozesse im Stadtteil Stadtteilbezogene Bildungsberichterstattung soll zum einen die spezifischen Bildungsherausforderungen für Kinder und Jugendliche im Stadtteil aufzuzeigen und zum anderen Stärken und Lücken im Stadtteilangebot sichtbar zu machen, um daraus drittens Ansätze zur Weiterentwicklung der Lern- und Bildungslandschaft abzuleiten. Diese sollen sowohl den Akteuren vor Ort wie auch den Planenden und Verantwortlichen in Politik und Verwaltung zur Diskussion gestellt werden. Darüber hinaus stellt der Werkstattbericht einen methodischen Beitrag zur kleinräumigen Bildungsberichterstattung dar, auf den Analysen anderer Stadtteile und Quartiere aufbauen können.

Zentrale Befunde zu demografischen und sozioökonomischen Herausforderungen

im Stadtteil

Die Bevölkerungsentwicklung in der Nürnberger Weststadt führt zu einer weiter steigenden Nachfrage nach Bildungsangeboten. Der Ausbau entsprechender Bildungsinfrastrukturen muss weiter vorangetrieben werden. Der hohe Anteil junger Menschen mit Migrationshintergrund stellt zudem besondere Anforderungen an die sprachliche, soziale und kulturelle Integration, denen formale wie non-formale Bildungsangebote Rechnung tragen müssen. Eine überdurchschnittliche hohe Armutsbetroffenheit der jungen Stadtteilbevölkerung macht es notwendig, etwaige Teilhabebarrieren für Bildung abzubauen sowie Bildungswege zu begleiten, damit sich Armutskarrieren nicht dauerhaft verfestigen. Die Stadtteilakteure sind mit Recht stolz auf die Veränderungen in ihrem Stadtteil, die sie in den vergangenen zehn Jahren intensiv begleitet haben. Sie sorgen sich aber auch darum, ob der weitere Ausbau notwendiger Bildungsinfrastrukturen mit dem dynamischen Bevölkerungswachstum Schritt halten kann, ohne dass die Qualität darunter leidet. Transparenz in Planung und Umsetzung werden vor Ort sehr geschätzt. Offenheit und gute Kommunikation müssen auch die weiteren Entwicklungen begleiten. Insbesondere muss im Auge behalten werden, ob und in welcher Form sich aus den laufenden Entwicklungen in der Weststadt (vor allem rund um das Quelle- und AEG-Nord Areal) Gentrifizierungs- und Segregationseffekte zu Lasten angrenzender Quartiere ergeben können.

Zentrale Befunde zur frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung im Stadtteil Die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung hat als Bestandteil der kommunalen Bildungslandschaft in den vergangenen Jahrzehnten enorm an Bedeutung gewonnen. Der Ausbau eines bedarfsgerechten und qualitativ hochwertigen Angebots an Kindertagesbetreuung ist seit Jahren auch ein vorrangiges kommunalpolitisches Ziel in Nürnberg. Durch Sprach- und Wissensvermittlung, verschiedene Angebote von Musik-, Kunst- und Bewegungserziehung sowie eine qualitativ hochwertige Betreuung wird nachweislich ein positiver Beitrag für eine gute sprachliche, kognitive und soziale Entwicklung von Kindern geleistet. Insbesondere Kinder aus sozial belasteten Familien profitieren von frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung außerhalb der Familie. Demnach kommt diesen Angeboten in Stadtteilen wie der Nürnberger Weststadt eine besondere Funktion der Förderung und Begleitung junger Menschen zu und stellt eine wichtige Investition in unser aller Zukunft dar. Für einen bedarfsgerechten Ausbau der Kindertageseinrichtungen sind im Stadtteil derzeit die notwendigen Planungen aufgesetzt. Mit der Inbetriebnahme des neuen Familienzentrums in der Rothenburger Straße konnte jüngst ein weiterer wichtiger Beitrag zur Unterstützung benachteiligter Kinder und Familien im Stadtteil geleistet werden. Mit dem geplanten Haus für Kinder auf dem Quelle- Areal wird eine weitere große Einrichtung im Stadtteil entstehen. Perspektivisch werden auch auf dem AEG-Nord Areal entsprechende Planungen erforderlich. Auf Grund der sozioökonomischen Lebenslagen der Familien vor Ort wird empfohlen, mindestens eine der neuen Einrichtungen als Familienzentren zu konzipieren. Wenn Kitas das Aufwachsen der Kinder im Stadtteil in den ersten Jahren gut begleiten und unterstützen sollen, wenn Frühe Bildung für alle Kinder gelingen soll, wenn von Benachteiligung bedrohte Kinder spürbar besser gefördert werden sollen, muss der Ausbau von Kita-Plätzen Hand in Hand mit der Weiterentwicklung der Qualität in der Kindertagesbetreuung einhergehen. Wenn es darum geht die Familienarbeit in den Einrichtungen zu unterstützen und die Qualifizierung sowie Weiterentwicklung der Fachkräfte zu fördern, wird aktuell wie auch künftig das städtische Maßnahmenprogramm zur qualitativen Weiterentwicklung der Bildung, Betreuung und Erziehung in Kindertageseinrichtungen eine wichtige Rolle spiele. Neue Förderschwerpunkte wie die „Elternbegleiterinnen und Elternbegleiter“ und das Projekt „frühstart“ sowie das jüngst verabschiedete „Gute-Kita-Gesetz“ eröffnen hierzu vor Ort zusätzliche Perspektiven. Die Kindertageseinrichtungen in der Nürnberger Weststadt sind überdurchschnittlich stark mit Integrationserfordernissen im Kontext von Flucht- und Arbeitsmarktmigration konfrontiert und brauchen dafür geeignete Ausstattung und Unterstützung. Die Arbeit mit Kindern verschiedener kultureller Herkunft ist längst Alltag in den Einrichtungen. Neben einem besonderen pädagogischen Förderbedarf spielt die Sprachbildung eine zentrale Rolle. Auch wenn hier schon vieles passiert, besteht aus Sicht der Einrichtungen noch weiterer Handlungsbedarf. Die Befunde zur Bildungsbeteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund verweisen zudem darauf, dass diese die Angebote der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung deutlich später und somit auch deutlich kürzer in Anspruch nehmen als Kinder ohne Migrationshintergrund. Im Sinne von Sprachbildung und sozialer Integration im Vorschulalter sind also Strategien zur Erhöhung der Besuchsdauer von Nöten. Ein Schlüssel dazu stellt die Förderung niedrigschwelliger Zugänge für Neuzugewanderte in Kindertageseinrichtungen dar. Mit dem Bundesprogramm „Kita-Einstieg – Brücken bauen in frühe Bildung“ werden hierzu wichtige Erfahrungen im Stadtteil gesammelt. Die Befunde zu den sozioökonomischen Lebenslagen junger Menschen in der Nürnberger Weststadt verweisen zudem darauf, dass eine nicht unerhebliche Anzahl der dort lebenden Kinder aus sozial belasteten Familien stammt und besonderer Unterstützung bedarf. Erforderlich sind hier zusätzliche Personal- und Projektmittelausstattungen für Kindertageseinrichtungen zur Förderung von Projekten und Maßnahmen mit dem Fokus auf Bildung, insbesondere zur Förderung der Sprach-, Medien- und Gesundheitskompetenz. Fachkräfte müssen für diese Aufgaben auch entsprechend

qualifiziert werden. Darüber hinaus gilt es, die Zugänge zu Angeboten des Bildungs- und Teilhabepakets insbesondere für unter 3-jährige Kinder zu verbessern. Die etablierten und gut funktionierenden Strukturen und Angebote zur Förderung von Vorschulkindern beim Übergang Kindergarten- Schule stellen eine weitere wichtige Säule zur Unterstützung von Kindern aus bildungsfernen Familien dar und müssen aufrecht erhalten bleiben. Ein in Zukunft immer wichtiger werdendes Thema ist die Inklusion in Kitas, denn die Anzahl der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf nimmt stetig zu. Dementsprechend gilt es auch in der Nürnberger Weststadt, die Schaffung integrativer Einrichtungen und den Ausbau von Einzelintegrationsplätzen voranzutreiben. Ungeklärt ist noch die Frage zum Umgang mit Kindern, die zwar einen erhöhten Förderbedarf haben, aber keine entsprechenden Diagnosen vorweisen. Die Einrichtungen können für diese Kinder keine zusätzlichen Fördermittel nach dem BayKiBiG abrufen und bedürfen deshalb einer zusätzlichen Unterstützung.

Zentrale Befunde zur non-formalen Bildung für junge Menschen im Stadtteil

Im Sinne einer ganzheitlichen Bildung ist die Bedeutung und zunehmende Relevanz der non-formalen Bildung unbestritten. Non-formale Bildung im Kindes- und Jugendalter ist längst zentrales Element der Arbeit von Kindertagesstätten, Jugendeinrichtungen und Jugendorganisationen, Vereinen, Kunst- und Kultureinrichtungen sowie auch der Schulen. In diesen Bereichen hat die Kommune als Gestaltungsakteur der lokalen Lern- und Bildungslandschaft großen Einfluss. Mit dem vorliegenden Bericht wurde der Versuch unternommen, sich der Bestandserhebung nonformaler Bildung im Sinne eines sozialräumlichen Zugangs anzunähern und dabei konsequent die Nutzerperspektive einzunehmen. Auf etablierte Konzepte im Rahmen existierender Berichterstattung konnte dabei nicht zurückgegriffen werden. Der beschrittene Weg stellt somit auch einen Methodenbeitrag zu kleinräumiger Bildungsberichterstattung im Bereich der non-formalen Bildung dar. Der Bereich der non-formalen Bildung wird im vorliegenden Bericht in Lernfelder untergliedert, welche auf Basis der wissenschaftlichen Diskussion und der bildungs- wie sozialpolitischen Debatte als relevant für die Entwicklungserfordernisse und außerschulischen Bildungsbedürfnisse im Kindesund Jugendalter angesehen werden. Diese sind a) kulturelle Bildung, b) Partizipation und Demokratie, c) Sprachbildung und Literacy, d) Emotionen und soziale Beziehungen, e) Naturwissenschaften und Technik, f) Gesundheitliche Bildung und als Querschnittsthema die Digitalisierung. Durch eine lern-feldorientierte Strukturierung der Bestandserhebung und Bewertung des non-formalen Bildungsgeschehens im Stadtteil wird ein ganz neuer Blick eröffnet: Angebote werden nicht isoliert aus sich heraus begründet und befürwortet, sondern in einen sozialräumlichen Begründungszusammenhang aus Entwicklungserfordernissen und Unterstützungsbedarfen junger Menschen gestellt. Ein vollständiges Abbilden des non-formalen Bildungsgeschehens in der Nürnberger Weststadt kann auf Anhieb kaum gelingen. Daher erfolgt in diesem ersten sozialraumbezogenen Bildungsbericht für die nähere Analyse zunächst eine Fokussierung auf drei ausgewählte Lernfelder (die kulturelle Bildung, Sprachbildung und Literacy sowie die gesundheitliche Bildung), weil diese von den Netzwerkakteuren vor Ort als derzeit besonders relevant für die Förderung von Kindern und Jugendlichen im Stadtteil angesehen werden. Dies bedeutet aber nicht, dass die übrigen Lernfelder in ihrer Relevanz für eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung und Identitätsbildung junger Menschen von geringerer Bedeutung sind. Mittels einer strukturierten Bestandserhebung werden mit Blick auf die drei ausgewählten Lernfelder Stärken und Lücken in der Lern- und Bildungslandschaft beschrieben und Hinweise zu deren Weiterentwicklung abgeleitet. Wichtig ist dabei die Fokussierung auf kommunale bzw. kommunal geförderte Angebote, also auf die Angebote und Programme, die im kommunalen Handlungsspielraum auch veränderbar sind.

Die zentralen Befunde zu den Weiterentwicklungsperspektiven in den drei Lernfeldern lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Lernfeld „Kulturelle Bildung“

Die Kulturwerkstatt „Auf AEG“ ist als Zentrum kultureller Bildung mit gesamtstädtischem Auftrag konzipiert, ihr Standort in der Nürnberger Weststadt indessen mit Hinweis auf die hohe Armutsbetroffenheit gut begründet: Mit dem Ziel, die im Stadtteil aufwachsenden Kinder mit kreativen Angeboten, kulturellen Erfahrungen und künstlerischen Auseinandersetzungen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu stärken, muss es gelingen, gut abgestimmt mit Kitas und Schulen im Stadtteil, die Angebote der Kulturwerkstatt für die Stadtteilkinder zu erschließen. Ein großes Pfund im Stadtteil stellt die „Musische Erziehung und musikalische Förderung“ von Kindern insbesondere durch den Einsatz von MUBIKIN dar. Im Schuljahr 2019/20 wird der geltende Vertrag zwischen den Kooperationspartnern auslaufen. Ziel muss es sein, sehr bald die Weichen dafür zu stellen, damit aufbauend auf dem bisher erreichten Niveau auch künftig eine qualitativ gute musikalische Früherziehung für Kindern im Stadtteil sichergestellt ist. Und über das Projekt Muggenhofer Jugendkultur (MuJuKu) sollen weiterhin die jugendkulturellen musikalischen Aktivitäten zwischen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit und den Schulen im Stadtteil verstetigt werden. Entwicklungspotenziale im Bereich „Kreatives Arbeiten und bildnerisches Gestalten“ werden im Ausbau der Kooperation von Kindertageseinrichtungen und Schulen sowie den Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit mit Projekten des KinderKunstRaums gesehen. Eine mögliche Ausweitung des Angebots von Kreativklassen an den Grundschulen in der Weststadt, ein Einsatz der Schülerbaustelle und der mobilen Buchwerkstatt im Stadtteil sowie ein Ausbau von Kreativangeboten in der Ferienzeit sollen geprüft werden. Im Bereich „Darstellendes Spiel und Kunst“ besteht in der Kindergartenzeit mit den „Kindertheaterreihen oder -wochen“ ein Programm mit guter Breitenwirkung und Qualität, allerdings nur mit einer finanziellen Absicherung durch Spendengelder bis Ende 2021. Verstärkte Kooperationen mit der in der Kulturwerkstatt auf AEG angesiedelten Akademie für Schultheater und performative Bildung sind in Planung und bieten weiteres Entwicklungspotenzial in diesem Bereich. Frühe Zugänge zur Kultur werden in einzelnen Sparten über Programme mit großer Reichweite im Stadtteil angebahnt – etwa über MUBIKIN oder über die Kindertheaterreihen. Mit dem Kulturrucksack wurde vom Theater Mummpitz ein Programm geschaffen, das Kinder in der 3. Grundschulklasse systematisch an kulturelle Einrichtungen und Auseinandersetzungen mit künstlerischen Ausdrucksformen heranführt. Das alles sind wichtige Maßnahmen auf dem Weg, jedem Kind im Stadtteil Zugänge zu Kultur zu eröffnen. Diese Ansatzpunkte müssen auch zukünftig zentrale Bestandteile im Stadtteil sein. Nicht vergessen werden darf der zentrale Stellenwert der Angebote der Offenen Kinder- und Jugendarbeit im Stadtteil. Diese entfalten eine große Breitenwirkung, sind niedrigschwellig und ganzjährig für Kinder und Jugendliche im Stadtteil erreichbar, vor Ort gut vernetzt und prägen durch vielfältige Veranstaltungen das kulturelle Leben im Stadtteil maßgeblich mit. Die dauerhafte Absicherung dieser Angebote hat deshalb eine hohe Priorität.

Lernfeld „Sprachbildung und Literacy“

Im Bereich der Sprachbildung sind vor Ort neben den Kitas und Schulen auch Integrationseinrichtungen (wie IFMZ, DEGRIN e. V., Treffpunkt e. V.) sowie Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit aktiv. In guter Kooperation mit Schulen und Jugendhilfeeinrichtungen gestalten sie Angebote zum Erwerb der deutschen Sprache, zur Lernförderung und zu schulischen Hilfen. Die lokale Vernetzung wird von allen Partnern als besonderes Pfund hochgeschätzt. Gute Vernetzung allein kann aber nicht auffangen, dass immer mehr Kinder im Stadtteil einen hohen Unterstützungsbedarf in diesem Lernfeld mitbringen. Neben allgemeiner Sprachförderung und dem Erwerb von Deutsch

als zweiter Sprache wird für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund vor allem Handlungsbedarf in der Förderung der Bildungssprache gesehen. Trotz der vielfältigen Angebote und Maßnahmen besteht auch nach wie Unterstützungsbedarf im Sinne einer qualifizierten Beratung, Begleitung und Professionalisierung der pädagogischen Fachkräfte bei der alltagsintegrierten Sprachbildung in Kindertageseinrichtungen. Ein wichtiger Baustein stellt in diesem Zusammenhang das im Jugendhilfeausschuss vom 18.09.2019 beschlossene Projekt zum Einsatz von Sprachberatern in kommunalen Einrichtungen dar, wovon auch Einrichtungen aus der Nürnberger Weststadt künftig profitieren sollen. Unterstützende Partnerin im Bereich der Sprachbildung ist auch die Stadtteilbibliothek Gostenhof, die ihre Angebote am Bildungs- und Erziehungsplan der Kindertageseinrichtungen ebenso ausrichtet wie am Lehrplan und an häufig behandelten Themen in der Schule. Eine weitere Stärkung der Zugänge zu den Bibliotheksangeboten der im Stadtteil aufwachsenden Kinder über Kita und Schule wird empfohlen. Dafür sollte die Stadtteilbibliothek räumlich und personell gut ausgestattet werden. Integrationseinrichtungen im Stadtteil und ihre gut im Sozialraum verankerten Angebote haben eine hohe Bedeutung und Wirksamkeit für die jungen Menschen. Diese Angebote sind vor allem vom hohen Engagement der Mitarbeitenden getragen. Viel Energie wird dabei allerdings oftmals allein für das kreative Stopfen von Finanzierungslücken mittels Einzelprojektförderungen benötigt. Dringend gebraucht wird eine verlässliche Perspektive: Gemeinsam mit den Integrationseinrichtungen sollten deshalb ein entsprechendes Förderkonzept erarbeitet und Unterstützungsmöglichkeiten ausgelotet werden.

Lernfeld „Gesundheitliche Bildung“

Gesundheitsförderung ist in den Kindertageseinrichtungen in der Nürnberger Weststadt ein wichtiges Anliegen. Alle Kitas haben ihre eigenen Angebote, das Engagement ist groß, es passiert viel. Und doch ist die einhellige Meinung der Stadtteilaktiven: Es braucht noch mehr! Optimierungsbedarf besteht in Bezug auf die breitere Nutzung bereits bestehender und bewährter Programme. Ansporn muss es sein, diese verstärkt im Stadtteil zum Einsatz zu bringen. Dies betrifft z.B. das vom Gesundheitsamt angebotene Programm „gesunde Kita“, den Einsatz des pädagogisch entwickelten Sportförderprogrammes Rücken- und Bewegungsturnen (RüBe-Turnen) sowie die vielfältigen Medienpakete des Gesundheitsamtes zu gesundheitsrelevanten Themen. Eine besondere Chance bieten die Gesundheitskoordinatorinnen, die seit 2017 im Rahmen des vom Gesundheitsamt getragenen und von der AOK geförderten Projektes „Gesundheit für alle im Stadtteil“ Angebote und Maßnahmen für eine gesundheitsfördernde Lebensweise nah an den Bedarfen der im Stadtteil lebenden Menschen entwickeln und anpassen. Angebote der Offenen Kinder- und Jugendarbeit stellen im Stadtteil wichtige Freizeit-, Erfahrungsund Lernorte gerade für benachteiligte Kinder und Jugendliche dar und zielen auf die Stärkung ihrer Resilienz ab. Als wichtige Bezugsinstanz für junge Menschen aus dem Stadtteil sollten die Kinderund Jugendeinrichtungen ihre gesundheitsfördernden Angebote beibehalten und diese bedarfsgerecht und partizipativ mit den Nutzerinnen und Nutzern weiterentwickeln. Und auch an dieser Stelle muss wiederholt werden, was über die Absicherung von Integrationseinrichtungen im Stadtteil gesagt wurde. Sie sind wichtige Treffpunkte vor Ort; vertrauensvolle Adressen, die Rat und Orientierung auch in gesundheitlichen Fragen anbieten oder vermitteln können.

Zentrale Befunde zur Vernetzung der Bildungseinrichtungen im Stadtteil

Die Vernetzung von Stadtteileinrichtungen und -initiativen wird in der Nürnberger Weststadt von Akteuren und Partnern gleichermaßen hochgeschätzt. Eine Befragung der Stadtteilakteure zur Netzwerkarbeit bestätigte viele positive Effekte: allen voran einen besseren Angebotsüberblick, aber

auch das Sichtbarwerden von Förderlücken, Qualitätsverbesserungen durch Kooperationen und das Erschließen von weiteren Ressourcen zu Gunsten des Stadtteils. Eine funktionierende Vernetzung im Stadtteil ist die beste Voraussetzung um Fähigkeiten, Wissen, bestehende Ressourcen und gute Kontakte im Sinne einer bedarfsbezogenen Förderung zusammen zu bringen bzw. um weitere Unterstützungsbedarfe gezielt einfordern zu können. Denn: Stadtteilakteure sind Stadtteilexperten und eine gut funktionierende Netzwerkstruktur bietet die große Chance, dieses Wissen und diese Erfahrungen lösungsorientiert einzusetzen. Entsprechend wird von den Akteuren immer wieder darauf hingewiesen, dass Stadtteilvernetzung keine nette Zusatzbeschäftigung in üppigen Zeiten darstellt, sondern Grundlage jeder guten Stadtteilarbeit ist, die sich an den Bedarfen der Menschen vor Ort orientiert. Deshalb braucht lokale Vernetzung auch personelle Kapazitäten in den Stadtteileinrichtungen. Gewünscht werden weiterhin eine Stabilität in den Netzwerkstrukturen sowie mehr und mehr ein gemeinsames Handeln in Projekten und Aktionen. Thematische Schwerpunkte werden dabei in den Bereichen „kulturelle Bildung“, „Sprach- und Lernförderung“ sowie „Gesundheit, Bewegung und Ernährung“ gesetzt. Der vorliegende Werkstattbericht reagiert auf diese Prioritätensetzung und bietet eine Vorlage, um in den genannten Lernfeldern in einen fachlichen Weiterentwicklungsdialog einzusteigen.

Ausblick zum weiteren Vorgehen

Der vorliegende erste Werkstattbericht bildet den Auftakt für die kleinräumige Bildungsberichterstattung in der Nürnberger Weststadt. Folgen soll ein zweiter Werkstattbericht mit dem Schwerpunktthema „Bildung im Schulalter“. Im Fokus dieses Berichtes werden die Entwicklungen rund um die Ganztagsbildung im Grundschulalter stehen. Die Erstellung des zweiten Teilberichtes ist ab 2020 geplant. Die Ergebnisse des ersten Werkstattberichtes werden in einem nächsten Schritt mit den lokalen Netzwerken in themenbezogenen Fachdialogen diskutiert und bewertet werden. Die Umsetzung dazu soll in einem zweistufigen Verfahren erfolgen: Stufe 1: In den Stadtteilgremien STARK Gostenhof Ost, STARK Gostenhof West, STARK Muggeley sowie im Regionalen Arbeitskreis Nürnberg West „Kooperation Kindergärten - Grundschulen – Horte“ werden die Ergebnisse kompakt präsentiert und diskutiert. Ziel ist es, in diesem ersten Schritt Schwerpunktthemen für die Weitentwicklung der Lern- und Bildungslandschaft zu priorisieren, Klärungsbedarfe und potentielle Unterstützer für den weiteren Prozess zu benennen. Stufe 2: Nach Priorisierung der Schwerpunktthemen werden die davon betroffenen Bildungsakteure und Planungsverantwortlichen der Verwaltung zu moderierten Fachdialogen eingeladen. Ergebnis dieser Fachdialoge sollten verbindliche Zielvereinbarungen zwischen örtlichen themenorientierten Arbeitsgruppen, Stadtverwaltung und Unterstützern für die weitere Entwicklungsarbeit im Stadtteil sein. Der vorliegende Werkstattbericht will vor allem fachlich fundiert als Gesprächsanlass und Diskussionsgrundlage dienen, um das Bildungsangebot im Stadtteil weiter zu entwickeln. Das sozialraumbezogene Bildungsmonitoring und die Bildungsberichterstattung sollen nach erstem Probelauf kritisch überprüft werden, um mögliche Übertragungen auf andere Stadtgebiete ggf. zu vereinfachen. Wichtige Voraussetzung wird dabei sein, die Anforderungen an eine aussagekräftige Datengrundlage zu klären, die sowohl Nutzerdaten als auch Wirkungsdaten für ein kleinräumiges Bildungsmonitoring bereitstellt.

Anhang

Portraits ausgewählter Einrichtungen non-formaler Bildung in der Nürnberger Weststadt

Name der Einrichtung
A ktivspielplatz Fuchsbau
Lernfeld(er)
In sbesondere:  Kulturelle Bildung  Gesundheitliche Bildung  Sprachliche Bildung und Literacy
 Emotionen und soziale Beziehungen
 Naturwissenschaft und Technik
 Partizipation und Demokratie
Bildungsauftrag / Ziele
In der Jugendhilfeplanung werden mit Verweis auf §11 SGBVIII für die Offene Kinder- und Jugendarbeit drei
elementare Ziele formuliert:
 Gesellschaftliche Teilhabe und Mitwirkung ermöglichen
 Soziale Begegnung, soziales Lernen, Persönlichkeitsentwicklung unterstützen
 Neue Erfahrungen begleiten
Organisation
D er Aktivspielplatz Fuchsbau ist eine Einrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit des Amts für Kinder,
Jugendliche und Familien – Jugendamt der Stadt Nürnberg. Der Verein Muggenhofer Fuchsbau e.V. unterstützt
als Partner den Betrieb des Aktivspielplatzes durch Beratung und aktive Mitwirkung. Eine Kooperationsverein-
barung regelt die Zusammenarbeit zwischen dem Verein und der Stadt Nürnberg.
Konzept
D er Aktivspielplatz Fuchsbau hat in seiner Konzeption folgende drei Schwerpunktziele genannt:
 der Aktivspielplatz als naturnaher Spiel- und Entwicklungsraum
mit großer Freispielfläche mit Wiese, Hügeln, Wasserlauf und Feuerstelle, eigenem Garten …
 Partizipation und Mitbestimmung durch aktive Teilhabe und Gestaltung in der Einrichtung sowie
Einmischung im Stadtteil …
 Förderung individueller und sozialer Kompetenzen an einem außerschulischen Bildungsort mit Anregungen
für ein ganzheitliches spielerisches Lernen
Zielgruppe(n)
K inder und Jugendliche im Alter von 6-14 Jahren aus den Stadtteilen Muggenhof, Eberhardshof, Seeleinsbühl,
Doos und Leyh
Non-formales Bildungsangebot für Kinder und Jugendliche
D as non-formale Bildungsangebot für Kinder und Ju-  Angebote zur gesunden Ernährung, Hauswirtschaft  Gartenbau  Bewegungsangebote  Fahrten und Ausflüge, auch in den Ferienzeiten  Politische Teilhabe/Demokratieerziehung
gendliche umfasst insbesondere:  Angebote zur gesunden Ernährung, Hauswirtschaft
 Gartenbau
 Angebote zum handwerklich/textilem/künstleri-
 Bewegungsangebote
schen Gestalten
 Fahrten und Ausflüge, auch in den Ferienzeiten
 Theater- und Musikangebote
 Politische Teilhabe/Demokratieerziehung
 Medienangebote
Zugänge
Ö ffentlichkeitsarbeit: Angebotspalette und Einzelangebote werden über Flyer, über die Aki-Homepage und
über Aushänge am Spielehaus bekannt gemacht.
Über Stadtteilvernetzung: Werbung wird zielgerichtet über Multiplikatoren und Multiplikatorinnen (z.B. in der
Schulsozialarbeit, in der Schule oder im Hort). weitergegeben und bei Veranstaltungen und Festen im Stadtteil
verteilt.
Mund-zu-Mund-Propaganda: ist besonders wirkungsvoll.

In sbesondere:

 Kulturelle Bildung

 Gesundheitliche Bildung

 Sprachliche Bildung und Literacy

Name der Einrichtung
Aktivspielplatz Gostenhof
Lernfeld(er)
In sbesondere:  Kulturelle Bildung  Gesundheitliche Bildung  Sprachbildung und Literacy
 Emotionen, soziale Beziehungen
 Naturwissenschaften und Technik
 Partizipation und Demokratie
Bildungsauftrag / Ziele
In der Jugendhilfeplanung werden mit Verweis auf §11 SGBVIII für die Offene Kinder- und Jugendarbeit drei ele-
mentare Ziele formuliert:
 Gesellschaftliche Teilhabe und Mitwirkung ermöglichen
 Soziale Begegnung, soziales Lernen, Persönlichkeitsentwicklung unterstützen
 Neue Erfahrungen begleiten
Organisation
D er Aktivspielplatz Gostenhof wird seit 1976 in der Trägerschaft des gemeinnützigen Vereins Aktivspielplatz Gos-
tenhof e.V. nach dem Nürnberger Modell betrieben: Die Stadt Nürnberg stellt die Liegenschaft und das Fachper-
sonal, leistet einen Betriebskostenzuschuss und unterstützt in fachlichen Fragen. Der Vorstand des Aktivspielplatz
Gostenhof e.V. engagiert sich bei inhaltlichen Schwerpunkten sowie in der Öffentlichkeitsarbeit, in der Spendenak-
quise und Sponsorenpflege.
Konzept
Der Aktivspielplatz ist eine familienergänzende und bildungsorientierte Einrichtung. Kostenlose Freizeitangebote
werden an den Bedürfnissen und Interessen der Kinder im Einzugsgebiet orientiert. Der Aktivspielplatz gibt ihnen
einen eigenen Erlebensraum und ermöglicht Naturerfahrung in einem mit Spielangeboten unterversorgten Stadt-
gebiet. Der AKI Gostenhof wird pädagogisch betreut; in vielfältiger Weise werden Bildungs- und Lernerfahrungen
angeregt und Kinder in ihrer persönlichen, sozialen und körperlichen Entwicklung gefördert. Sie lernen einander
zu achten und tolerant miteinander umzugehen.
Zielgruppe(n)
Kinder und Jugendliche im Alter von 6-14 Jahren aus dem Stadtteil Gostenhof Kinder und Jugendliche im Alter von 6-14 Jahren aus dem Stadtteil Gostenhof
Non-formales Bildungsangebot für Kinder und Jugendliche
R egelangebote des Aktivspielplatzes werden um spezifische Bildungsprojekte ergänzt, z. Beispiel
 Angebote zum handwerklichen, textilen,  Theater- und Musikangebote
künstlerischen Gestalten
 Lese- und Schreibwerkstatt  Angebote zur gesunden Ernährung
 Bewegungsangebote und Schwimmkurse  Fahrten und Ausflüge, auch in Ferienzeiten
Zugänge
Ö ffentlichkeitsarbeit: Angebotspalette und Einzelangebote werden über Flyer, über die Aki-Homepage und über
Aushänge am Spielehaus bekannt gemacht.
Über Stadtteilvernetzung: Werbung wird zielgerichtet über Multiplikatoren und Multiplikatorinnen (z.B. in der
Schulsozialarbeit, in der Schule oder in anderen Stadtteilinstitutionen). weitergegeben und bei Veranstaltungen
und Festen im Stadtteil verteilt.
Mund-zu-Mund-Propaganda: ist besonders wirkungsvoll.
Besonderheiten
Es wird eine kostenlose Nachmittagsverpflegung angeboten. Es wird eine kostenlose Nachmittagsverpflegung angeboten.

In sbesondere:

 Kulturelle Bildung

 Gesundheitliche Bildung

 Sprachbildung und Literacy

Name der Einrichtung
Kinder- und Jugendhaus TetriX
Lernfeld(er)
 Kulturelle Bildung  Gesundheitliche Bildung  Sprache/literacy  Emotionen/soziale Beziehungen  Naturwissenschaft/Technik  Politische Teilhabe/ Demokratieerziehung  Emotionen/soziale Beziehungen
 Naturwissenschaft/Technik
 Politische Teilhabe/ Demokratieerziehung
Bildungsauftrag / Ziele
Insbesondere:
 Persönlichkeitsbildung
 Mitbestimmung und Mitgestaltung der Angebote, der räumlichen Ausstattung und Nutzung
 Förderung von Eigeninitiative und Eigenverantwortung
 Förderung kinder- und jugendkultureller Ausdrucksformen
 Förderung der Integration und gleichberechtigten Teilhabe von Kindern, Jugendl. und jungen Erwachsenen
Organisation
Das Kinder- und Jugendhaus TetriX ist eine Einrichtung Jugendamts der Stadt Nürnberg. Personell ist das Haus mit vier Planstellen ausgestattet, wobei eine Planstelle den Schwerpunkt Streetwork und mobile Angebote ab- deckt. Zu unterschiedlichen Öffnungszeiten nachmittags, abends und am Wochenende richten sich die Ange- bote an Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Familien aus dem Einzugsgebiet. Die Öffnung des Hauses findet in enger Abstimmung mit dem angegliederten Aktivspielplatz Fuchsbau statt, ebenfalls in Trägerschaft der Stadt Nürnberg. Der Verein Muggenhofer Fuchsbau e.V. ist am Betrieb des Aktivspielplatzes als Partner aktiv mitwirkend, beratend und unterstützend beteiligt. Das Kinder- und Jugendhaus TetriX ist eine Einrichtung Jugendamts der Stadt Nürnberg. Personell ist das Haus
mit vier Planstellen ausgestattet, wobei eine Planstelle den Schwerpunkt Streetwork und mobile Angebote ab-
deckt. Zu unterschiedlichen Öffnungszeiten nachmittags, abends und am Wochenende richten sich die Ange-
bote an Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Familien aus dem Einzugsgebiet. Die Öffnung des Hauses
findet in enger Abstimmung mit dem angegliederten Aktivspielplatz Fuchsbau statt, ebenfalls in Trägerschaft der
Stadt Nürnberg. Der Verein Muggenhofer Fuchsbau e.V. ist am Betrieb des Aktivspielplatzes als Partner aktiv
Konzept
Folgende Arbeitsprinzipien sind konzeptionell fest verankert:
 Lebenswelt- und Alltagsorientierung  Bedürfnis- und Interessenorientierung
 Offenheit und Niederschwelligkeit  Freiwilligkeit
 Parteilichkeit  Partizipation
 Akzeptierendes Arbeiten  Diversität
 Sozialraumorientierung
Zielgruppe(n)
Die Angebote des Hauses richten sich an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 10 bis 26 Jah- ren sowie teilweise auch an Familien, die in den Stadtteilen Muggenhof, Eberhardshof, Seeleinsbühl und Doos wohnen oder aufgrund des Freundeskreises, der besuchten Schule oder Arbeitsstätte einen starken Bezug zu den genannten Stadtteilen haben. Der Aktivspielplatz Fuchsbau bedient die Zielgruppe der 6 bis 13 Jährigen. Die Angebote des Hauses richten sich an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 10 bis 26 Jah-
ren sowie teilweise auch an Familien, die in den Stadtteilen Muggenhof, Eberhardshof, Seeleinsbühl und Doos
wohnen oder aufgrund des Freundeskreises, der besuchten Schule oder Arbeitsstätte einen starken Bezug zu
den genannten Stadtteilen haben. Der Aktivspielplatz Fuchsbau bedient die Zielgruppe der 6 bis 13 Jährigen.
Non-formales Bildungsangebot für Kinder und Jugendliche
Das non-formale Bildungsangebot umfasst für die drei ausgewählten Lernfelder der Bestandserhebung insb.: Bereich Kulturelle Bildung (a) Musisches Lernen durch Tonstudio-Arbeit, Bandproberäume und MuJuKu-Mixetape (b) Darstellende Kunst/Spiel durch DanceDeluxe, Tanzgruppenangebote, Theaterprojekte (c) Bildnerisches Lernen/Gestalten durch Comic-Projekt Bereich Gesundheitliche Bildung (a) Bewegung durch Sportangebote wie Tischtennis im Winter, Fussball, Basketball, Slacklinekurse (b) Ernährung durch Kochangebote/-Projekte (c) Aufklärung/Prävention durch Beratungsangebote zum Thema gesunde Ernährung Bereich Sprache/literacy (a) Schulische Hilfen insb. für Jugendliche mit Sprachdefiziten (b) Bewerbungshilfen für Jugendliche mit Sprachdefiziten Das non-formale Bildungsangebot umfasst für die drei ausgewählten Lernfelder der Bestandserhebung insb.:
Bereich Kulturelle Bildung
(a) Musisches Lernen durch Tonstudio-Arbeit, Bandproberäume und MuJuKu-Mixetape
(b) Darstellende Kunst/Spiel durch DanceDeluxe, Tanzgruppenangebote, Theaterprojekte
(c) Bildnerisches Lernen/Gestalten durch Comic-Projekt
Bereich Gesundheitliche Bildung
(a) Bewegung durch Sportangebote wie Tischtennis im Winter, Fussball, Basketball, Slacklinekurse
(b) Ernährung durch Kochangebote/-Projekte
(c) Aufklärung/Prävention durch Beratungsangebote zum Thema gesunde Ernährung
Bereich Sprache/literacy
(a) Schulische Hilfen insb. für Jugendliche mit Sprachdefiziten
(b) Bewerbungshilfen für Jugendliche mit Sprachdefiziten
Zugänge
 Bewerbung von Angeboten über Flyer, Miniweb-Auftritt und Social-Media-Kanäle sowie Messengerdiensten
 Bekanntmachung über feste Kooperationsstrukturen mit Schulen, Horten, Vereinen und weiteren Institutio-
nen
 Mund-zu-Mund-Propaganda
 Geh-Struktur über Streetwork und mobile Angebote
Besonderheiten
 Aktivspielplatz Fuchsbau (für Kinder von 6 bis 13 Jahren) und Kinder- und Jugendhaus TetriX (ab 10 Jahre) unter einem Dach für Zielgruppen im Alter von 6 bis 26 Jahren  angegliederte Planstelle für Streetwork und mobile Angebote  Aktivspielplatz Fuchsbau (für Kinder von 6 bis 13 Jahren) und Kinder- und Jugendhaus TetriX (ab 10 Jahre)
unter einem Dach für Zielgruppen im Alter von 6 bis 26 Jahren
 angegliederte Planstelle für Streetwork und mobile Angebote

 Kulturelle Bildung

 Gesundheitliche Bildung

 Sprache/literacy

Name der Einrichtung
Kinder- und Jugendhaus GOST
Lernfeld(er)
 Kulturelle Bildung  Gesundheitliche Bildung  Sprache/literacy  Emotionen/soziale Beziehungen  Naturwissenschaft/Technik  Politische Teilhabe/Demokratieerziehung
Bildungsauftrag / Ziele
Insbesondere:  Förderung jugendkultureller Ausdrucksformen  Prävention/Gesundheit und Sport  Förderung im Bereich Sprache  Emotionen/Soziale Beziehungen  Naturwissenschaft/Technik  Politische Teilhabe/Demokratieerziehung  Persönlichkeitsbildung
Organisation
Das Kinder- und Jugendhaus GOST ist eine Einrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit des Jugendamts der Stadt Nürnberg. Derzeit sind dreieinhalb Planstellen im Kinder- und Jugendhaus GOST mit einer Diplom-Sozialpä- dagogin (FH) in Vollzeit, zwei Erziehern in Vollzeit und einer Erzieherin in Teilzeit besetzt. Daneben arbeiten ein BFD und ein/e SPS-Praktikant/in in der Einrichtung. Zusätzlich bildet die Einrichtung eine/n Optiprax-Praktikanten/Praktikantin aus sowie diverse Kurzzeit-Praktikanten und-praktikantinnen. Das Kinder- und Jugendhaus GOST ist eine Einrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit des Jugendamts der
Stadt Nürnberg. Derzeit sind dreieinhalb Planstellen im Kinder- und Jugendhaus GOST mit einer Diplom-Sozialpä-
dagogin (FH) in Vollzeit, zwei Erziehern in Vollzeit und einer Erzieherin in Teilzeit besetzt.
Daneben arbeiten ein BFD und ein/e SPS-Praktikant/in in der Einrichtung. Zusätzlich bildet die Einrichtung eine/n
Optiprax-Praktikanten/Praktikantin aus sowie diverse Kurzzeit-Praktikanten und-praktikantinnen.
Konzept
Folgende Arbeitsprinzipien sind konzeptionell fest verankert:
 Lebenswelt- und Alltagsorientierung  Bedürfnisorientierung  Offenheit und Niederschwelligkeit  Freiwilligkeit  Parteilichkeit  Partizipation  Akzeptierendes Arbeiten  Wertschätzung  Anonymität und Vertraulichkeit  Transparenz  Gender Mainstream  Sozialraumorientierung
Zielgruppe(n)
Die Angebote des Hauses richten sich an Kinder und Jugendlichen, die im Alter von 6 bis 27 Jahren sind und aus dem Einzugsgebiet Gostenhof, Bärenschanze und Himpfelshof stammen. Aufgrund der schwierigen Ausgangslage von zahlreichen Kindern und Jugendlichen des Einzugsgebietes, wird der Fokus bei der Alltagsarbeit primär auf Jungen und Mädchen bildungsferner Schichten gelegt, die aus unterschiedlichen Gründen von keinen anderen An- geboten der Jugendhilfe erreicht werden oder diese nicht annehmen. Das GOST wird zu einem sehr hohen Anteil von jungen Menschen mit Migrationshintergrund besucht. Diese oder deren Eltern bilden eine heterogene Gruppe, die unterschiedliche Nationen und Herkünfte repräsentiert. Die Angebote des Hauses richten sich an Kinder und Jugendlichen, die im Alter von 6 bis 27 Jahren sind und aus
dem Einzugsgebiet Gostenhof, Bärenschanze und Himpfelshof stammen. Aufgrund der schwierigen Ausgangslage
von zahlreichen Kindern und Jugendlichen des Einzugsgebietes, wird der Fokus bei der Alltagsarbeit primär auf
Jungen und Mädchen bildungsferner Schichten gelegt, die aus unterschiedlichen Gründen von keinen anderen An-
geboten der Jugendhilfe erreicht werden oder diese nicht annehmen. Das GOST wird zu einem sehr hohen Anteil
von jungen Menschen mit Migrationshintergrund besucht. Diese oder deren Eltern bilden eine heterogene Gruppe,
Non-formales Bildungsangebot für Kinder und Jugendliche
Das non-formale Bildungsangebot umfasst für die drei ausgewählten Lernfelder der Bestandserhebung insb.:
Bereich Kulturelle Bildung
(a) Musisches Lernen durch Tonstudio-Arbeit, GoMaD, Angebote Veranstaltungstechnik, Shaolin HipHop Season,
Auftritte bei Stadtteilfesten etc.
(b) Darstellende Kunst/Spiel durch Tanzgruppenangebote, „Gost Act“, Praxistage
(c) Bildnerisches Lernen/Gestalten durch Ton- und Keramikwerkstatt, StreetArt-Weekender und weitere Projekte/
Angebote im Kreativbereich
Bereich Gesundheitliche Bildung
(a) Bewegung durch Sportangebote wie Juggern, Mitternachtssport, Ausflüge z.B. Kickfabrik, Bowling, o.ä.,
Turniere und Sportangebote im Offenen Treff, Bau eines Fußballbillards, Fitness-Wochen
(b) Ernährung durch Kochangebote/-Projekte, Praxistage-Modul, Fitness-Wochen
(c) Aufklärung/Prävention durch Beratungsangebote zu unterschiedl. Themen, Mädchentag mit spez. Angeboten
Bereich Sprache/literacy
(a) Schulische Hilfen insb. für Jugendliche mit Sprachdefiziten
(b) Bewerbungshilfen für Jugendliche mit Sprachdefiziten
(c) Lesenacht
(d) Spiele im Offenen Treff zum Thema Sprache
(e) Go Mad-Workshop (Lyrics beim Rappen)
Zugänge
Die Zugänge sind so niederschwellig wie möglich. Um Angebote des Hauses nutzen zu können, müssen keine Vo-
raussetzungen erfüllt werden. Die Angebotspalette ist so aufgestellt, dass möglichst viele Kinder und Jugendliche
durch möglichst viele verschiedene Angebote erreicht werden.
Besonderheiten
Die Besonderheit im Kinder- und Jugendhaus GOST ist die starke Kooperationsarbeit und Vernetzung im und mit
anderen Einrichtungen im Stadtteil. Durch die besondere räumliche Nähe zur Musikzentrale e.V. und damit zum
Muz-Club sind auch enge Kooperationsstrukturen entstanden.
Name der Einrichtung
DEGRIN - Begegnung und Bildung in Vielfalt e. V.
Lernfeld(er)
Insbesondere:  Lernfeld Sprachliche Bildung und Literacy  Lernfeld Partizipation und Demokratie  Lernfeld Emotionen und soziale Beziehungen Insbesondere:
 Lernfeld Sprachliche Bildung und Literacy
 Lernfeld Partizipation und Demokratie
Bildungsauftrag / Ziele
 Förderung der Integration und gleichberechtigten Teilhabe von Kindern, Jugendlichen und Erwachse- nen mit Zuwanderungsgeschichte in Schule, Arbeit, Gesellschaft  Förderung eines friedlichen Zusammenlebens in Vielfalt  Förderung des bürgerschaftlichen Engagements  Förderung der Integration und gleichberechtigten Teilhabe von Kindern, Jugendlichen und Erwachse-
nen mit Zuwanderungsgeschichte in Schule, Arbeit, Gesellschaft
 Förderung eines friedlichen Zusammenlebens in Vielfalt
 Förderung des bürgerschaftlichen Engagements
Organisation
Seit 1977 bestehende gemeinnützige Integrationseinrichtung.
DEGRIN e.V. ist anerkannter Träger der freien Jugendhilfe. DEGRIN e.V. verantwortet den Hort Gostini und
den DEGRIN- Schülertreff sowie eine Reihe non-formaler Bildungsangebote.
Konzept
Folgende Grundsätze von DEGRIN e.V. sind konzeptionell verankert und prägen die Regeleinrichtungen
wie auch die einzelnen Bildungsangebote:
 Lebensweltorientierung  Interkulturelle Ansätze
 Stadtteilorientierter Bezug  Hilfe zur Selbsthilfe
 Partizipation  Bürgerschaftliches Engagement
 Ganzheitliche Betrachtung  Ganzheitliche Betrachtung
Zielgruppe(n)
Kinder, Jugendliche, Erwachsene mit und ohne Zuwanderungsgeschichte Kinder, Jugendliche, Erwachsene mit und ohne Zuwanderungsgeschichte
Non-formale Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche
 DEGRIN Minis – Spielegruppe für Anderthalb- bis Dreijährige in Vorbereitung des Kindergartenbe-
suchs.
 HEROES – Gegen Unterdrückung im Namen der Ehre
Ein Gleichberechtigungsprojekt für 15- bis 21-jährige junge Männer mit Migrationsgeschichte.
 Bildungspatenschaften für Schülerinnen und Schüler der 1. bis 10. Klasse aller allgemeinbildenden
Schulen.
Zugänge
 Einzelne Angebote werden über Flyer beworben.
 Werbung ebenso über Internet- und Facebook-Seite sowie über INSTAGRAM.
 Dank guter Vernetzung im Stadtteil wird Werbung über Multiplikatoren (z.B. Schulsozialarbeiter und -
arbeiterinnen) gezielt weitergegeben.
 Oft auch Mund-zu-Mund-Propaganda von zufriedenen Nutzern.
 Es gibt Gebührenermäßigung mit Nürnberg-Pass.
Besonderheiten
 In der Minis-Spielegruppe sind zwei Plätze spendenfinanziert und für Flüchtlingsfamilien reserviert.  In der Minis-Spielegruppe sind zwei Plätze spendenfinanziert und für Flüchtlingsfamilien reserviert.
Name der Einrichtung
Internationales Frauen- und Mädchenzentrum e. V. (kurz: IFMZ)
Lernfeld(er)
Insbesondere:
 Lernfeld Sprachbildung und Literacy
 Lernfeld Emotionen und soziale Beziehungen
 Lernfeld Partizipation und Demokratie
Bildungsauftrag / Ziele
Das IFMZ verfolgt in seiner Arbeit insbesondere folgende Ziele:
 die Gesamtpersönlichkeit von Frauen und Mädchen zu stärken
 die Integration in unserer Gesellschaft zu fördern
 Frauen und Mädchen zur aktiven gesellschaftlichen Teilhabe zu befähigen
Organisation
Das Internationale Frauen- und Mädchenzentrum e. V. ist ein gemeinnütziger Verein, der seit mehr als 35
Jahren im Stadtteil Gostenhof tätig ist.
Konzept
Mit oben genannter Zielsetzung bietet das IFMZ Frauen und Mädchen mit und ohne Zuwanderungsge-
schichte ein breites, bedarfsbezogenes Angebot in den Bereichen Bildung, Beratung sowie Freizeit und
Kommunikation.
Zielgruppe(n)
Frauen und Mädchen mit und ohne Migrationshintergrund Frauen und Mädchen mit und ohne Migrationshintergrund
Non-formales Bildungsangebot für Kinder und Jugendliche
Das non-formale Bildungsangebot für Mädchen und junge Frauen umfasst insbesondere
 Deutschkurse (für verschiedene Altersstufen)
 Deutsch- und Lernförderangebote als regelmäßige Angebote wie auch als Ferienprogramm: z. B.
„Clever lernen in Gostenhof“, „Schulfit“, Hausaufgabenbetreuung
 Tanz-Workshop
Zugänge
 Öffentlichkeitsarbeit: Jahresprogramm des IFMZ wird zu Semesterbeginn an alle Einrichtungen in
Nürnberg versandt, die mit Mädchen, Frauen, Migrantinnen arbeiten.
 Gebühren: Die Angebote sind niedrigschwellig und kostengünstig bzw. kostenfrei.
 Angebote der Lernförderung können mit BuT-Scheinen abgerechnet werden.
 Geschwisterkinder erhalten Ermäßigungen.
 Bei Kindern aus Familien von Geringverdienern ohne Anspruch auf BuT-Förderung werden Lösungen
gesucht, die Teilnahme zu ermöglichen.
 Über Stadtteilvernetzung: Die Schulförderangebote des IFMZ werden über die Lehrkräfte der örtli-
chen Schulen in den Klassen beworben. Einzelne Schülerinnen werden über die Jugendsozialarbeite-
rin oder über Lehrkräfte direkt an das IFMZ verwiesen.
Besonderheiten
Es besteht eine sehr enge Kooperation mit dem Nachbarschaftshaus Gostenhof. Kurse und
Förderprogramme werden nahezu ausschließlich von den Kindern aus der Nürnberger West-
stadt wahrgenommen.
Name der Einrichtung
KinderKunstRaum in der Kulturwerkstatt Auf AEG
Lernfeld(er)
Insbesondere:
 Lernfeld kulturelle Bildung
 Lernfeld Emotionen und soziale Beziehungen
 Lernfeld Sprachbildung und Literacy
Bildungsauftrag / Ziele
Stärkung der Identitäten, Persönlichkeiten und Sozialkompetenz durch Kunst und Kultur:
 Entwicklung von kunst- und kulturpädagogischen Projekten für Kinder und Jugendliche.
 Förderung der kreativen Selbsttätigkeit.
 Zugänge schaffen: Umgang mit Materialien, künstlerischen Ideen, verschiedenen Sparten
Organisation
Der KinderKunstRaum ist eine Einrichtung des Amtes für Kultur und Freizeit. Die kommunale Kinder-
und Jugendkunstschule ist beheimatet in der Kulturwerkstatt Auf AEG. Der KinderKunstRaum ist Mit-
glied im Landesverband der Jugendkunstschulen und kulturpädagogischen Einrichtungen Bayern
e.V. (LJKE Bayern e. V.)
Konzept
 Anregung für Kinder und Jugendliche zur kreativen Selbsttätigkeit durch einen niedrigschwelli-
gen Zugang zu Kunst und Kultur. In der Kooperation mit Schulen, Kitas und anderen Einrichtun-
gen soll möglichst vielen Kindern - unabhängig von deren sozialen Herkunft - dieser Zugang er-
möglicht werden.
 Entwicklung eines kreativen Freizeitprogramms für Kinder, Jugendliche, deren Familien
Zielgruppe(n)
 Kinder und Jugendliche von 6 bis 18 Jahren und deren Familien  Kinder und Jugendliche von 6 bis 18 Jahren und deren Familien
Non-formales Bildungsangebot für Kinder und Jugendliche
 kunst- und kulturpädagogische Projekte für Schulklassen aller Schularten (Gesamtstadt).
 „Kreativklassen“ - als längerfristiges Angebot für nahegelegene Stadtteil(Grund-)Schulen.
 Betrieb einer „Mobilen Buchwerkstatt“ als aufsuchendes Kulturangebot für Schulen.
 wöchentlich offene Kreativwerkstatt für Kinder von 6 bis 12 Jahren.
 Durchführung von fachspezifischen Kursangeboten (Zeichnen, Comicworkshop …).
 Durchführung von Aktionstagen im Stadtteil.
 monatlicher Familien-Kreativtag mit Kunstangeboten für alle Altersgruppen.
 Durchführung von Ketten- und Reihenveranstaltungen wie zum Beispiel „Wortlust“, „Weltreise“,
„Schülerbaustelle“, Schulkulturtage.
 Durchführung von Ferienprogrammen und „KinderKunstNacht“.
 spezifische Projekte mit einer Ü-Klasse von jungen Geflüchteten.
 Aktivitäten im Rahmen der Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas
Zugänge
 Öffentlichkeitsarbeit: Jahresprogramm in Broschüre und Leporello (Kurzform)
 Über Stadtteilvernetzung: Kooperationsprojekte im Stadtteil wie zum Beispiel „Nürnberg spielt“
aber auch Einzelkooperationen mit Einrichtungen und Schulen.
Besonderheiten
Neben den institutionellen Kooperationen geht es um die Schaffung „kreativer Freiräume“ für selbsttätiges
Gestalten.
Name der Einrichtung
Kulturbüro Muggenhof in der Kulturwerkstatt Auf AEG
Lernfeld(er)
Insbesondere:
 Lernfeld kulturelle Bildung
 Lernfeld Partizipation und Demokratie
 Lernfeld Emotionen und soziale Beziehungen
 Lernfeld Sprache und Kommunikation
 Lernfeld Gesundheit
Bildungsauftrag / Ziele
 Teilhabegerechtigkeit
 kulturelle Bildung (künstlerisch-ästhetisch-musische Bildung)
 interkulturelle Verständigung
 politische Bildung – Demokratiekompetenz
 Selfempowerment
Organisation
Das Amt für Kultur und Freizeit verfügt über elf Kulturläden, einer davon ist das Kulturbüro Muggenhof in der
Kulturwerkstatt Auf AEG. Das Kulturbüro bietet dort ein breites Angebot an Kultur und Freizeitveranstaltungen,
Gruppen, Kursen, Konzerten, Vorträgen und vielem mehr zum Zuschauen oder Selbermachen.
Konzept
Das Kulturbüro Muggenhof initiiert, organisiert, ermöglicht und vernetzt Kunst, Kultur und Freizeitangebote. Es
fördert Selbstinitiative und schöpferische Tätigkeit, kulturelle und politische Bildung. Dabei will es die Teilhabe mög-
lichst aller Bevölkerungsgruppen an allen kulturellen Angeboten ermöglichen.
Zielgruppe(n)
 Menschen aus dem Stadtteil
 Menschen mit Migrationshintergrund
 Seniorinnen und Senioren
 Vereine, Gruppe, Initiativen aus dem Stadtteil, aber auch stadtweit
 Künstler und Künstlerinnen
 Kunst- und Kulturinteressierte Menschen
 Bürgerschaftlich engagierte Menschen
Non-formales Bildungsangebot für Kinder und Jugendliche
 Theater- und Musikangebote
 Bewegungsangebote
 Demokratieerziehung
 Medienangebote
Zugänge
 Das Kulturbüro Muggenhof arbeitet vernetzt im Stadtteil und mit Fachstellen, anderen Institutionen (z.B.
Schulen aus dem Stadtteil) und anderen kulturellen Initiativen und Kulturschaffenden zusammen.
 Flyer, Plakate, Homepage und soziale Medien
 Aushänge in Schaukästen und in anderen Einrichtungen im Stadtteil
 Vereine bieten im Haus Kurse für ihre Mitglieder und Interessenten an.
 Kooperationsprojekte mit Kindertageseinrichtungen und Schulen
Besonderheiten
Als stadtteilorientierte Einrichtung ist das Kulturbüro Muggenhof Partner für Schulen aus dem Stadtteil für di-
verse Schulprojekte (Theater, Kunst, Geschichts- oder P-Seminare).
Name der Einrichtung
M usikschule Nürnberg in der Kulturwerkstatt Auf AEG
Lernfeld(er)
Insbesondere:
 Lernfeld kulturelle Bildung
 Lernfeld Emotionen und soziale Beziehungen
Bildungsauftrag / Ziele
D ie Musikschule Nürnberg ist eine städtische Bildungseinrichtung und hat die Aufgabe, Kinder und Jugendliche
sowie Erwachsene an die Musik und das eigene Musizieren heranzuführen und durch kontinuierlichen Unterricht
die individuellen instrumentalen und vokalen Fähigkeiten und Fertigkeiten ihrer Schülerinnen und Schüler auszu-
bilden. Auf diese Weise werden die Grundlagen für ein eigenes, selbstständiges Musizieren und eine individuell
befriedigende Teilhabe an einem kulturellen Leben gelegt.
Im Bedarfsfall bereitet die Musikschule Schülerinnen und Schüler in ihrer Förderklasse auf ein Musikstudium vor,
animiert zur Mitwirkung an den „Freiwilligen Leistungsprüfungen“ sowie am Wettbewerb „Jugend musiziert“.
Als öffentliche Bildungseinrichtung ist die Musikschule auch finanziell einem niederschwelligen Angebot verpflichtet
und ist somit Bestandteil der kulturellen Daseinsvorsorge der Stadt.
Organisation
D ie Musikschule ist eine Einrichtung des Amtes für Kultur und Freizeit. Sie ist dezentral im Stadtgebiet aufgestellt,
ihre Zentrale mit Schulleitung und Verwaltung befindet sich in der Kulturwerkstatt Auf AEG.
Konzept
D ie inhaltliche Konzeption der Musikschule wird durch den Strukturplan des Verbandes deutscher Musikschulen
(VdM) und die darauf bezogenen, für alle Mitgliedsschulen verbindlichen Lehrpläne des Verbandes bestimmt.
Großes Gewicht legt die Musikschule auf das frühzeitige Zusammenspiel in unterschiedlichsten, auch freien For-
men, um den Schülerinnen und Schülern das kommunikative Wesen der Musik nahe zu bringen. Gerade in diesem
frühen Zusammenspiel liegt die starke persönlichkeitsbildende Kraft durch den Erwerb und die Stärkung sozialer
Kompetenzen bei einem vertiefenden instrumentalen oder vokalen Unterricht.
Die Musikschule Nürnberg gilt nach den Richtlinien des Verbandes deutscher Musikschulen als vollausgebaut.
Zielgruppe(n)
Kinder ab 18 Monaten, Jugendliche und Erwachsene Kinder ab 18 Monaten, Jugendliche und Erwachsene
Zugänge
c u s G ebühren: Gebührenpflichtiger Angebotsunterricht mit engmaschiger Ermäßigungsstruktur; Nürnberg–Pass so-
wie Bildungs- und Teilhabegutscheine werden anerkannt.
Öffentlichkeitsarbeit:
Publikation des Jahresveranstaltungsprogramms sowie Informationsmaterial zu den Angeboten nach Fachberei-
hen
Punktuell plakatiert MN in großem Umfang durch die Stadtreklame, auch Presseartikel schaffen Aufmerksamkeit
nd akquirieren neue Schülerinnen und Schüler.
Eine übermäßig aktive Bewerbung des Angebotes geschieht aber nicht: das Gesamtstundenbudget der MN ist
ehr begrenzt. Hierdurch kommt es in allen Fächern zu unterschiedlich langen Wartezeiten für Interessierte.
Besonderheiten
M UBIKIN – Musikalische Bildung für Kinder und Jugendliche in Nürnberg: Das ist ein Stifter initiiertes und im We-
sentlichen Stifter getragenes Projekt mit der Beteiligung der Stadt Nürnberg. Die Musikschule leistet den kosten-
freien Unterricht und dessen inhaltliche Ausgestaltung für Kinder von vier bis sieben Jahren in momentan acht
Schulsprengeln in Nürnberg.
Name der Einrichtung
C lub MuZ - Musikzentrale Nürnberg e.V.
Lernfeld(er)
K ulturelle Bildung: Musisches Lernen K ulturelle Bildung: Musisches Lernen
Bildungsauftrag / Ziele
F örderung der regionalen Musikszene (Bezirk Mittelfranken)
Szenenetzwerk für Musikschaffende und andere Institutionen der regionalen Popmusikförderung
Förderstruktur für populäre Musik entwickeln
Projekte und Workshops zur Musikförderung initiieren
Organisation
F reier Träger (Verein mit über 370 Mitgliedern)
Eigene Finanzierung (2/3) / weitere Mittel durch Bezirk Mittelfranken/Kulturreferat und Jugendamt
Kooperationen mit Bezirk Mittelfranken, Kulturreferat und Jugendamt, Projektbüro der Stadt Nürnberg, Klüpfel O-
pen Air, Brückenfestival, Südstadtfest, Radio Z, Kulturzentrum E-Werk, Medienzentrum Parabol, Weinturm Open
Air, Kammerspiele Ansbach uvm.
Konzept
b reit gefächerte Projektarbeit, spezifische Serviceleistungen sowie zielgerichtete Netzwerkarbeit, Beratung, Unter-
stützung und Fortbildung von Musikern und Musikinteressierten (Bandberatung, Veranstaltungsberatung (z.B. Or-
ganisation Stadtteilfeste), Weitergabe von technischem Know-How)
Verwaltung Proberäume und Betreiben „offener Proberaum“, der einzige Musikclub in Gostenhof,
Verleih von technischem Equipment und Tourbus
Zielgruppe(n)
In stitutionen (im Sozialraum): Anzahl, Merkmale, ggf. Ausschöpfung
Musikschaffende und Musiknteressierte aller Altersstufen
Zugänge
K ontakt Aufbau über unterschiedlichste Projekte mit Schulen, Jugendzentren sowie Jugendamt (z.B. NN-Rock-
klassen, Le Flatsch, MuJuKu-Studioprojekt)
Veranstaltungen für Newcomer
Kostenfreie Beratungen
Besonderheiten
Ä lteste und größte Musikinitiative Bayerns (seit 1984)
2017 ausgezeichnet mit dem bundesweiten Spielstättenprogrammpreis „APPLAUS“ der Initiative Musik (dotiert mit
20.000 €)
Name der Einrichtung
Nachbarschaftshaus Gostenhof
Lernfeld(er)
Insbesondere:
 Lernfeld Partizipation und Demokratie
 Lernfeld Emotionen und soziale Beziehungen
Bildungsauftrag / Ziele
Auftrag: Möglichst vielen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen aus dem gesamten Stadtgebiet Gelegenheit
geben, ihre sozialen, kulturellen und ethnischen Anliegen mit dem Ziel des gegenseitigen Kennenlernens und der
Völkerverständigung umzusetzen.
Organisation
Das Nachbarschaftshaus Gostenhof ist eine bürgerorientierte, interkulturell-integrative Einrichtung des Sozialam-
tes der Stadt Nürnberg mit sozialpolitischer Zielsetzung.
Konzept
Wesentliche Aufgaben des Nachbarschaftshauses sind soziale Beratung, Integration und Förderung interkulturel-
ler Begegnung, Förderung von Selbsthilfe und Bürgerengagement sowie die politische Informations- und Bil-
dungsarbeit.
Zielgruppe(n)
 Familien, Mütter, Väter, Kinder
 Seniorinnen und Senioren,
 Frauen,
 Menschen mit Migrationshintergrund
 Menschen mit Behinderung
 Vereine, Gruppe, Initiativen,
 Ehrenamtliche
 Künstler und Künstlerinnen
…
Non-formales Bildungsangebot für Kinder und Jugendliche
D as non-formale Bildungsangebot für Kinder und Jugendliche umfasst folgende Bausteine:
 Eltern-Kind-Gruppen
 Deutsch als Fremdsprache, Deutsch- und andere Muttersprachkurse
 Internationales Kochen
 Schulische Unterstützung
 Tänze der Welt und verschiedene Volkstanzkurse
…
Zugänge
 Öffentlichkeitsarbeit: Die Angebote werden per Post und in den digitalen Medien beworben.
 Gebühren: BuT-Gutscheine werden abgerechnet, Ermäßigungen nach Nürnberg-Pass gegeben.
 Über Vernetzung: Das Nachbarschaftshaus Gostenhof arbeitet vernetzt im Stadtteil und mit Fachstellen
zusammen.
 Vereine bieten Kurse für ihre Mitglieder und Interessenten an.
 Wichtig: Bedarfsorientierte Angebotsplanung.
Besonderheiten
Selbstverständnis: Angebote nicht für die Menschen planen, sondern ermöglichen, dass Angebote von den Men-
schen gestaltet werden können.
Name des Angebots
Stadtteilbibliothek Gostenhof
Lernfeld(er)
Insbesondere:
 Lernfeld Sprachbildung und Literacy
 Lernfeld kulturelle Bildung
 Lernfeld Partizipation und Demokratie
Bildungsauftrag / Ziele
 Förderung der Teilhabe an Kultur- und Bildungsangeboten,
 Schaffen von Zugängen zu Informationen, Büchern und Medien (auch digital)
 Leseförderung
 Unterstützung von Integration und Sprachbildung
Organisation
Einrichtung der Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg / Stadt Nürnberg. Einrichtung der Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg / Stadt Nürnberg.
Konzept
Qualifizierte und aktuelle Auswahl und Bereitstellung von Medien sowie Vermittlung von Medienkompetenz:
 In der Auswahl: 9.400 Bücher, DVDs, CDs und Zeitschriften.
 Zugang zu Datenbanken, Streamingdiensten und zur Onleihe.
 Beratung und Medienausleihe für Institutionen sowie Bürger und Bürgerinnen.
 Führungen, Veranstaltungen zur Leseförderung und Medienkompetenz.
 Unterricht in der Bibliothek,
 Zusammenstellung von Medienkisten (zielgruppenspezifisch, lernzielorientiert).
 Veranstaltung von Autorenlesungen.
 Aktiver Kooperationspartner im Stadtteilarbeitskreis und bei Stadtteilaktivitäten wie zum Beispiel Bil-
dungstag, Stadtteilfest, Sparbörse.
 Netzwerkpartner in der kulturellen Bildung
 Bibliotheksausweis und Veranstaltungen zur Leseförderung sind für Kinder und Jugendliche bis 18
Jahre kostenfrei
Zielgruppe(n)
Zielgruppe: alle Bürgerinnen und Bürger im Stadtteil, unabhängig von Alter oder kulturellem Hintergrund,
insbesondere Kinder sowie Eltern und Erziehende
2018 erreichte Institutionen (im Sozialraum):
4 Schulen, 21 Kindertagesstätten, 46 aktive Institutionenausweise
2018 erreichte Bürgerinnen und Bürger (im Sozialraum:
1.225 aktive Leser und Leserinnen, 11.835 Besuche
Zugänge
Öffnungszeiten: Freier öffentlicher Zugang: Di und Do 14.00 bis 18.00 Uhr.
Termine für Kindertageseinrichtungen und Schulen nach Vereinbarung an 3-4 Tagen pro Woche.
Gebühren: Die Medienausleihe für Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr ist kostenfrei.
Schülerinnen und Schüler ab 18 Jahren, Studierende und Nürnberg-Pass-Inhaber. zahlen eine ermäßigte
Gebühr von 7,50 Euro. Erwachsene zahlen eine Jahresgebühr in Höhe von 15 Euro.
Internet: Homepage (Gesamtinformation).
OPAC (interaktive Medienrecherche und Benutzerkontenverwaltung.
Onleihe und Streamingdienste.
freies öffentliches WLAN in den Bibliotheksräumen
Besonderheiten
Treffpunkt im Stadtteil mit guter Verkehrsanbindung zum einen und persönlicher Atmosphäre zum anderen.
Schwerpunkte im Medienangebot sind Belletristik und Kindermedien.
Name der Einrichtung
Treffpunkt e. V. Treffpunkt e. V.
Lernfeld(er)
In sbesondere:
 Lernfeld Partizipation und Demokratie
 Lernfeld Emotionen und soziale Beziehungen
Bildungsauftrag / Ziele
 Brückenfunktion zwischen Rat- und Hilfesuchenden und übergeordneten Instanzen
 Förderung einer selbstbestimmten und gelingenden Lebensführung mit Teilhabe an der Gesellschaft und
im Erwerbsleben
 Gelingende Integration durch aktives Miteinander und Vermittlung interkultureller Kompetenzen
 Prävention durch Hilfe und Unterstützung
 Stärkung von Familien - niederschwellig und sozialraumorientiert
Organisation
T reffpunkt e. V. ist ein anerkannter Träger der Familienbildung, der Jugendhilfe sowie der Straffälligenhilfe in
Nürnberg. Seit 2011 als Familienstützpunkt anerkannt.
Konzept
T reffpunkt e.V. bietet ein breites Spektrum an Beratungs- und Bildungs-, Trainings- und Gruppenangeboten. Kon-
zepte und Methoden reichen dabei von systemischer Beratung, verhaltenstherapeutischer oder erlebnispädago-
gischer Gruppenarbeit bis hin zum sozialraumorientierten Peeransatz.
Zielgruppe(n)
 Familien in der Nürnberger Weststadt, unabhängig von Familienform, Religion, Nationalität
 Geflüchtete Frauen mit/ohne Kinder
 Angehörige (Kinder) von Inhaftierten sowie deren Eltern
 Straffällig gewordene Jugendliche.
 Schüler und Schülerinnen, die zur Arrestvermeidung am Programm „Tuwas!“ teilnehmen
 Jugendliche, die als Beschuldigte oder Geschädigte ihren Konflikt mit einem Täter-Opfer-Ausgleich beile-
gen möchten
Non-formales Bildungsangebot für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene
 Programm im Familienstützpunkt für Eltern und Kinder – vor allem Kreativangebote, Bewegungsangebote
 Im Stadtteil unterwegs: Orte für die ganze Familie im Stadtteil kennenlernen
 Hausaufgabenhilfe für geflüchtete Familien mit Anleitungen zum selbständigen Lernen
 MUT – Frühstückstreff für junge Mütter bis 25 Jahren zu allen Themen rund um das Leben mit Kind
 KogA-Jugendliche und Einsatzstellen im Stadtteil: Durchführung begleiteter Arbeitsprojekte
 Tu was! KogA-Angebot für Schülerinnen und Schüler – Erarbeitung von schulischen und beruflichen Zielen
sowie Umsetzungsbegleitung
 Mamma mia – soziales Gruppentraining für junge Schwangere und junge Mütter unter 21 Jahren
Zugänge
V iele Teilnehmende und Besuchende werden durch Fachdienste vermittelt. Informationen erfolgen über Gremien,
Infomaterialien und Flyer.
Wichtige Voraussetzungen, um Zugänge zu eröffnen, sind …
 intensive Vernetzung mit lokalen Einrichtungen: insbesondere Zusammenarbeit mit Kitas und Schulen, mit
TetriX und Gost, mit sozialen Diensten und kulturellen Einrichtungen im Stadtteil
 Präsenz in vielen Gremien und Fachgruppen
 enge Zusammenarbeit mit dem Jugendamt, dem Referat für Jugend, Familie und Soziales , mit Trägern
sowie Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe
Besonderheiten
D er Familienstützpunkt des Treffpunkt e.V. ist im stets wachsenden Stadtgebiet im äußeren Westen mit steigen-
der Nachfrage konfrontiert. Das Programm wird über einen Flickenteppich an Projektzuschüssen ermöglicht. Eine
Erweiterung von Räumlichkeiten und Funktionen wären dringend erforderlich; allerdings ist selbst die Basisfinan-
zierung für derzeit bezogene Räume sowie Personal ab 2020 in Frage gestellt.

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Übersicht zur Bevölkerungsstruktur im Stadtteil, 2017 ...................................................... 9 Tabelle 2: Übersicht zur Bevölkerungsstruktur in der Nürnberger Weststadt, 2017 ......................... 15 Tabelle 3: Leistungsberechtigte Bildungs- und Teilhabepaket in der Nürnberger Weststadt ............ 21 Tabelle 4: Versorgungssituation in Nürnberg (12/2017) ................................................................... 25 Tabelle 5: Angebote Übergang Kindergarten - Grundschule ........................................................... 32 Tabelle 6: Ausbauplanung Nürnberger Weststadt ........................................................................... 33 Tabelle 7: Einrichtungen nach Bildungsbereichen ........................................................................... 61 Tabelle 8: Nutzung von Kooperationsformen ................................................................................... 61 Tabelle 9: Bewertung Netzwerkqualität ........................................................................................... 62 Tabelle 10: Kooperationsziele im Stadtteil ....................................................................................... 62 Tabelle 11: Veränderungen durch Netzwerkarbeit ........................................................................... 62

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Ausländische Bevölkerung nach ausgewählten Nationalitätengruppen im Stadtteil, 2017 ................................................................................................................................................ 10 Abbildung 2: Geburten und Sterbefälle in der Nürnberger Weststadt, 2007 bis 2017 ...................... 10 Abbildung 3: Außer- und innerstädtische Zu- und Wegzüge in der Nürnberger Weststadt, 2007 bis 2017 ................................................................................................................................................ 11 Abbildung 4: Bevölkerung in der Nürnberger Weststadt nach Migrationshintergrund, 2008 bis 2017 ........................................................................................................................................................ 12 Abbildung 5: Entwicklung der Altersgruppen im Kindes- und Jugendalter im Stadtteil, 2007-2017 .. 13 Abbildung 6: Bevölkerungsvorausberechnung Nürnberger Weststadt (ausgewählte Altersgruppen)14 Abbildung 7: Bildungsstand der Bevölkerung, 2017 ......................................................................... 16 Abbildung 8: Anteil Arbeitslose an Einwohner/-innen von 15 bis unter 65 Jahren (je Jahresende) .. 17 Abbildung 9: Anteil Arbeitslose unter 25 Jahren an Einwohner/-innen von 15 bis unter 25 Jahren .. 18 Abbildung 10: Anteil arbeitslose Ausländer/innen an allen ausländischen Einwohner/innen von 15 bis unter 65 Jahren .......................................................................................................................... 18 Abbildung 11: Entwicklung der Mindestsicherungsquote 2010-2017* .............................................. 19 Abbildung 12: Anteil der Kinder und Jugendlichen bis unter 21 Jahren in Bedarfsgemeinschaften (SGB II) an allen Kindern und Jugendlichen der Altersgruppe ......................................................... 20 Abbildung 13: Trägerstruktur nach Einrichtungen ............................................................................ 24 Abbildung 14: Trägerstruktur nach Altersgruppen (Verteilung der Plätze in %) ................................ 26 Abbildung 15: Anteile Kinder mit Migrationshintergrund in Kindertageseinrichtungen ...................... 27 Abbildung 16: Bewertung bildungsrelevanter Herausforderungen im Arbeitsalltag .......................... 29 Abbildung 17: Besuchsdauer von Kindern in Kindertageseinrichtungen .......................................... 30 Abbildung 18: Referenzrahmen zur kleinräumigen Bestandserhebung non-formaler Bildung .......... 42

Download ↓