Bildung in Nürnberg 2019 Fünfter Bildungsbericht der Stadt Nürnberg
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Bildung in Nürnberg 2019
Fünfter Bildungsbericht der Stadt Nürnberg
CHNIS
INHALTSVERZEI
Vorwort des Oberbürgermeisters ..................................................................................... 10 Einleitung ................................................................................................................................... 13
A Bildung im Spannungsfeld aktueller Rahmenbedingungen ...................... 17
- Einleitung ....................................................................................................................... 18 2. Demografische Entwicklung ................................................................................... 18 2.1 Bevölkerungs- und Altersstruktur ................................................................................ 18 2.2 Wanderungsbewegungen ............................................................................................. 21 3. Qualifikationsstrukturen und Arbeitsmarkt ..................................................... 24 4. Lebenslagen ................................................................................................................... 28 4.1 Lebenslagen und Familie ............................................................................................... 29 4.2 Lebenslagen und Migration .......................................................................................... 31 4.3 Lebenslagen im Sozialraum .......................................................................................... 33
B Grundinformationen zur Bildung in Nürnberg ................................................ 37
- Einleitung ...................................................................................................................... 38 2. Lernen im Lebenslauf ................................................................................................ 39 3. Kommunale Bildungsausgaben ............................................................................ 40 3.1 Bildungskosten im Produkthaushalt der Stadt Nürnberg ..................................... 42 3.2 Bildungsinvestitionen der Stadt Nürnberg ............................................................... 42 4. Bildungsstand und Bildungsabschlüsse ............................................................ 44
C Frühkindliche Bildung ............................................................................................... 47
- Einleitung ...................................................................................................................... 48 2. Aktuelle Befunde für Nürnberg ............................................................................ 50 2.1 Bevölkerungsentwicklung bei Kindern unter sechs Jahren: Geburten und Zuwanderung ....................................................................................... 50 2.2 Lebenslagen ..................................................................................................................... 51 2.3 Bildungsbeteiligung in den Einrichtungen frühkindlicher Bildung und der Tagespflege ...................................................................................................... 53 2.4 Ausbau der Kindertageseinrichtungen und der Tagespflege in Nürnberg ........ 60 3. Qualität der frühkindlichen Bildung ................................................................... 63 3.1 Anstellungsschlüssel und Qualifikation des Personals ............................................ 63 3.2 Qualitativer Ausbau der frühkindlichen Bildung ..................................................... 65 4. Übergang in die Grundschule ............................................................................... 66 5. Schlussbemerkung und Handlungsempfehlungen ........................................ 68
INHALTSVERZEICHNIS
D Allgemeinbildende Schulen .................................................................................... 73
- Einleitung ....................................................................................................................... 74 2. Grundinformationen ................................................................................................. 75 2.1 Kinder und Jugendliche im Schulalter ........................................................................ 75 2.2 Kinder und Jugendliche in Armut ............................................................................... 75 2.3 Befunde der Schuleingangsuntersuchung ................................................................ 76 3. Schulische Rahmeninformationen ........................................................................ 76 3.1 Schulen ............................................................................................................................. 76 3.2 Klassen .............................................................................................................................. 78 3.3 Schülerzahlen .................................................................................................................. 80 3.4 Lehrkräfte ......................................................................................................................... 83
4. Einschulungen, Übergänge, Schulartwechsel und Wiederholungen ...... 84
4.1 Einschulungen ................................................................................................................. 86 4.2 Übergänge vom Primarbereich zum Sekundarbereich I ........................................ 87 4.3 Schulartwechsel im Sekundarbereich I ....................................................................... 89 4.4 Wiederholungen der Jahrgangsstufe ......................................................................... 90 5. Schulabschlüsse ........................................................................................................... 91 5.1 Abgänger/-innen und Absolventen/-innen nach erreichten Schulabschlüssen ............................................................................................................ 91 5.2 Abgänger/-innen und Absolventen/-innen von öffentlichen allgemeinbildenden Schulen und öffentlichen Wirtschaftsschulen .................... 92 5.3 Abgänger/-innen und Absolventen/-innen von öffentlichen Beruflichen Oberschulen ............................................................................................... 95 5.4 Zweiter Bildungsweg und Nachholen von Schulabschlüssen ............................... 96 6. Ganztägige Bildung und Betreuung ................................................................... 97 6.1 Primarstufe ...................................................................................................................... 97 6.2 Sekundarstufe .............................................................................................................. 100
7. Unterrichtsangebote und schülerbezogene Unterstützung
zum Umgang mit Vielfalt ..................................................................................... 101 7.1 Sprachförderung und Integration ............................................................................ 101 7.2 Inklusion ........................................................................................................................ 104 7.3 Individuelle Förderung für leistungsstärkere und leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler .......................................................................................... 106 7.4 Jugendsozialarbeit an Schulen ................................................................................. 107 7.5 Schulbezogene Beratungsangebote ........................................................................ 108 7.6 Lernförderung im Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) ......................................... 109 8. Qualifizierungsangebote für Lehrpersonen und Schulen ........................ 110 9. Schlussbemerkung und Handlungsempfehlungen ..................................... 111
SVERZEICHNIS
INHALT
E Berufliche Bildung ..................................................................................................... 117
- Einleitung ..................................................................................................................... 118 2. Berufliche Bildung in Nürnberg .......................................................................... 118 2.1 Demografische Aspekte .............................................................................................. 118 2.2 Eintritt in das Berufsbildungssystem und seine Teilsysteme ................................ 119
3. Duale Ausbildung – Ausbildungsmarkt, Angebot und Nachfrage ......... 125
- Berufliche Schulen .................................................................................................... 133 4.1 Berufliche Schulen der Erstausbildung ..................................................................... 133 4.2 Berufsvorbereitende Angebote des schulischen Übergangssystems ................. 137 5. Übergangsmanagement Schule – Beruf ........................................................... 139 5.1 Angebote im Nürnberger Modell ............................................................................. 141 5.2 Angebote für weitere Zielgruppen ............................................................................ 147 5.3 Die Jugendberufsagentur und weitere Fördermaßnahmen im Übergang ........ 148 6. Schlussbemerkung und Handlungsempfehlungen ..................................... 151
F Hochschulen ................................................................................................................ 157
- Einleitung ..................................................................................................................... 158 2. Entwicklungen am Hochschulstandort Nürnberg ........................................ 159 2.1 Akteurinnen und Akteure sowie Angebote ............................................................ 159 2.2 Studierende ................................................................................................................... 160 2.3 Regionale Herkunft und Mobilität der Studierenden .......................................... 161 2.4 Studiengänge ................................................................................................................ 163 3. Chancengleichheit und Hochschulzugang ...................................................... 165 3.1 Studierende nach Geschlecht ................................................................................... 165 3.2 Ausländische Studierende und Förderung von studierberechtigten Geflüchteten ................................................................................................................ 165 3.3 Soziale Herkunft und Förderung .............................................................................. 169 3.4 Inklusion ......................................................................................................................... 170 3.5 Studienangebote für beruflich Qualifizierte .......................................................... 170
4. Studiengänge mit beruflicher Praxis und Weiterbildungen
an Hochschulen ........................................................................................................ 171 4.1 Duale Studienangebote ............................................................................................. 171 4.2 Aufstiegsfortbildungen und Weiterbildungen an Hochschulen ........................ 173 5. Studienabschlüsse .................................................................................................. 176 6. Schlussbemerkung und Handlungsempfehlungen ..................................... 177
INHALTSVERZEICHNIS
G Berufsbezogene Weiterbildung .......................................................................... 183
- Einleitung .................................................................................................................... 184
2. Überblick über die berufsbezogene Weiterbildungslandschaft
in Nürnberg ................................................................................................................ 184
3. Geförderte Weiterbildung durch die Bundesagentur für Arbeit ........... 194
- Fort- und Weiterbildung ........................................................................................ 198 4.1 Aufstiegsfortbildungen an Fachschulen und Fachakademien ............................ 198 4.2 Aufstiegsfortbildungen bei den Kammern ............................................................. 201 5. Nachholen und Anerkennung von Berufsabschlüssen .............................. 203 5.1 Umschulungen .............................................................................................................. 203 5.2 Nachqualifizierung ....................................................................................................... 205 5.3 Teilqualifizierungen ....................................................................................................... 206 5.4 Anpassungsqualifizierung zur Berufsanerkennung .............................................. 207 6. Literalisierung und Deutschspracherwerb ..................................................... 208 6.1 Grundbildung ............................................................................................................... 208 6.2 Deutschspracherwerb von Neuzugewanderten .................................................... 210 7. Inklusive Außenarbeitsplätze und berufliche Rehabilitation .................. 214 8. Beratung ...................................................................................................................... 216 8.1 Bildungsberatung im Bildungszentrum ................................................................... 216 8.2 Weiterbildungsberatung bei IHK und Handwerkskammer ................................. 217 8.3 Beratung zur Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsabschlüssen 217 9. Schlussbemerkung und Handlungsempfehlungen ...................................... 219
H Non-formale Bildung .............................................................................................. 223
- Einleitung .................................................................................................................... 224 2. Kinder- und Jugendarbeit ..................................................................................... 225 2.1 Offene Kinder- und Jugendarbeit ............................................................................. 225 2.2 Jugendbildung .............................................................................................................. 230 2.3 Jugendverbandsarbeit ................................................................................................. 230 3. Familienbildung ......................................................................................................... 232 4. Erwachsenenbildung .............................................................................................. 234 4.1 Bildungszentrum .......................................................................................................... 234 4.2 Konfessionell geprägte Erwachsenenbildung ........................................................ 237 5. Bildung im höheren Erwachsenenalter ............................................................ 239 6. Soziokulturelle und spartenübergreifende Zentren ................................... 242 6.1 Kulturläden und Amt für Kultur und Freizeit ......................................................... 242 6.2 KunstKulturQuartier .................................................................................................... 245 6.3 Z-Bau – Haus für Gegenwartskultur ........................................................................ 248
SVERZEICHNIS
INHALT
- Bibliotheken und Archive ..................................................................................... 249 7.1 Stadtbibliothek Nürnberg .......................................................................................... 249 7.2 Archive in Nürnberg .................................................................................................... 252 8. Museen ......................................................................................................................... 254 9. Darstellende Künste ................................................................................................ 259 9.1 Tanz ................................................................................................................................ 259 9.2 Theater ........................................................................................................................... 260 10. Musik ............................................................................................................................. 265 10.1 Musikschulen und überinstitutionelle Musikförderprogramme ........................ 265 10.2 Musikalische Vermittlungsarbeit im Bereich Klassik ............................................. 268 10.3 Förderung und Vermittlungsarbeit in Popularmusik und Jazz ........................... 269 11. Spielen in der Stadt ................................................................................................. 271 11.1 Spiel-Angebote für Kinder und Jugendliche .......................................................... 272 11.2 Spiel und Kultur: Haus des Spielens und Spielzeugmuseum .............................. 275 12. Politik, Geschichte und Menschenrechtsbildung ......................................... 278 12.1 Historisch-politische Bildung ..................................................................................... 278 12.2 Menschenrechtsbildung ............................................................................................. 281 12.3 Demokratie lernen und Partizipation ...................................................................... 283 13. Sport und Bewegung ............................................................................................. 284 13.1 Kommunal organisierter Sport .................................................................................. 285 13.2 Sportangebote für Kindertageseinrichtungen und Schulen ............................... 287 13.3 Vereinssport in Nürnberg ........................................................................................... 288 14. Bürgerschaftliches Engagement ........................................................................ 290 15. Schlussbemerkung und Handlungsempfehlungen ..................................... 293
Schlussbetrachtung ............................................................................................................. 301
Anhang ..................................................................................................................................... 307 Definitionen und methodische Erläuterungen .................................................................. 308
Impressum ............................................................................................................................... 319
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VORWORT
Vorwort des Oberbürgermeisters
Mit „Bildung in Nürnberg 2019“ erscheint der Bildungsbericht der Stadt Nürnberg zum fünften Mal. Im Rückblick auf eine ganze Dekade seit 2009 lassen sich größere Entwicklungslinien erkennen, die in der lokalen Bildungslandschaft und damit auch im Bildungsbericht selbst ihre Spuren hinterlassen haben.
Sowohl im Bund als auch im Land sind im vergangenen Jahr neue Regierungen angetreten. Ein Thema von hoher Priorität für alle Parteien ist zweifelsohne die Digitalisierung. Sie betrifft das Bildungssystem fundamental, bringt vieles in Bewegung und erfordert eine kritische Auseinandersetzung: Für welche Bildungsziele bringt Digitalisierung einen Innovationsschub oder einen Beitrag für mehr Bildungsgerechtigkeit mit sich? Was bedeutet Digitalisierung konkret? Bisher kreisen Diskussionen um wichtige Fragen wie Medieneinsatz und -kompetenz in der frühkindlichen Bildung, digitale Ausstattung von Klassenzimmern, digitale Lehr- und Lernmethoden oder inklusivere Bildung durch den Einsatz von Assistenzsystemen. Der „DigitalPakt Schule“ der Bundesregierung setzt hier an und legt den Fokus zunächst auf die digitale Ausstattung von Schulen. Damit die geplanten Investitionen des Bundes in Höhe von fünf Milliarden Euro fließen können, wurde eine Grundgesetzänderung nötig. Mit der nun vollzogenen Lockerung des Kooperationsverbots von Bund und Ländern verändert sich auch die Zusammenarbeit im Mehrebenensystem der (Bildungs-)Politik, was neue Perspektiven eröffnet.
Die neue Zuwanderung nach Deutschland – im öffentlichen Bewusstsein vor allem durch die Fluchtmigration geprägt, quantitativ aber von der EU-Zuwanderung übertroffen – fordert unsere Gesellschaft im Allgemeinen und unser Bildungssystem im Besonderen heraus. Durchaus positiv fällt die Bilanz der Integration durch Bildung aus, wie erste Studien belegen. Gleichzeitig bleiben strukturelle und institutionelle Hürden bestehen, die die gleichberechtigte Bildungsteilhabe von Zugewanderten erschweren.
Eine im letzten Sommer von der Staatsregierung getroffene Entscheidung wird die Stadt verändern. Mit der Technischen Universität Nürnberg wird erstmals seit 1994 eine neue Universität in Deutschland errichtet. Es sollen Maßstäbe gesetzt werden in Bezug auf Lernen, Lehren, Forschen und Interdisziplinarität. Damit einhergehende Entwicklungen sind auch für die Bildungsberichterstattung von hoher Relevanz.
Den Startschuss für das kommunale Bildungsmanagement und der hiermit verbundenen Berichterstattung gab der Beschluss des Stadtrats im Jahr 2008 zur Einführung eines Bildungsrats. Im Sinne der „Aachener Erklärung“ des Deutschen Städtetages aus dem Jahr 2007, die der Kommune als Gestaltungsraum für Bildung in allen Lebensphasen zentrale Bedeutung zuspricht, wurden in Nürnberg mit den drei Elementen Bildungsbeirat, Bildungskonferenz und Bildungsbüro notwendige Grundlagen gelegt und entsprechende Instrumente eingeführt. Das Bewusstsein einer institutionenübergreifenden Verantwortung für gelingende Bildungsverläufe ist in Nürnberg seitdem spürbar gestiegen.
VORWORT
Deutlich sichtbar wird dies beispielsweise am wegweisenden „Nürnberger Modell zum Übergang Schule – Berufliche Ausbildung“, das der Stadtrat im Jahr 2011 beschloss. Zentrales Anliegen hierbei war und ist, allen jungen Menschen im Anschluss an die Schule den Eintritt in eine berufliche Ausbildung zu ermöglichen und den Übergang unter kommunaler Koordinierung effizient zu fördern. An diese Idee anknüpfend gründeten die Agentur für Arbeit, Jobcenter und die Stadt zusammen mit dem Staatlichen Schulamt im Jahr 2018 in Nürnberg eine Jugendberufsagentur, die seit April 2019 auch über eine gemeinsame Anlaufstelle am Richard-Wagner-Platz verfügt.
Ein weiteres Themenfeld, das in den letzten zehn Jahren intensiv bearbeitet wurde, ist die Weiterentwicklung der Bildungsinfrastruktur. Noch nie wurde so viel Geld in Bildung investiert wie zurzeit: In der frühkindlichen Bildung ist der Ausbau von Betreuungsplätzen und im schulischen Bereich die Planung und Durchführung zahlreicher Schulneubauten zu nennen, darunter Großbauprojekte wie das Schulzentrum Südwest und die Bertolt-Brecht-Schule. Eine herausragende Rolle – auch in Bezug auf die bildungsbereichsübergreifende Kooperation – spielte die Konzeption und Realisierung der Michael- Ende-Schule im Stadtteil St. Leonhard, in der im Sinne der integrierten Ganztagsbildung pädagogische Fachkräfte aus Schule und Kinderhort eng zusammenarbeiten.
Wenige Monate vor den Kommunalwahlen sei ein Blick auf den Beginn der laufenden Stadtratsperiode erlaubt: An erster Stelle der Liste der „entscheidenden Fragen für die Zukunft unserer Stadt“ steht in der derzeitigen Kooperationsvereinbarung zwischen SPD und CSU geschrieben: Bildung. Bei der Integration Neuzugewanderter, am Übergang von der Schule in den Beruf oder der Inklusion wurde hier einiges erreicht, gleichzeitig bleiben diese Punkte weiterhin mit hoher Priorisierung auf der Tagesordnung.
Worin besteht nun die Aufgabe kommunaler Bildungsberichterstattung und was zeichnet gute Bildungsarbeit vor Ort aus? Die konkreten Auswirkungen gesellschaftlicher Veränderungen sind vor Ort zu analysieren, zu reflektieren und anschließend durch bildungspolitische Entscheidungen zu beantworten, Bildungsgerechtigkeit bleibt dabei als handlungsleitendes Motiv stets aktuell. Chancengerechte Bildung überwindet ungleiche Ausgangsbedingungen und befähigt zur Regie im eigenen Leben, sie schafft Freiräume für Engagement und Teilhabe und stärkt so Demokratie und Gemeinwesen. Kommunale Bildungsberichterstattung ist nie Selbstzweck, sondern notwendige Voraussetzung für die Gestaltung einer kommunalen Bildungslandschaft, die selbstbestimmte Bildungs-, Berufs- und Lebenswege ermöglicht. Mein herzlicher Dank gilt allen beteiligten Akteurinnen und Akteuren, die mit großem Engagement an diesem Ziel festhalten und mitwirken, es zu erreichen.
Nürnberg, im Dezember 2019
Dr. Ulrich Maly
Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg
TUNG
EINLEI
Einleitung
In zweijährigem Rhythmus nimmt der Bericht „Bildung in Nürnberg“ die hiesige Bildungslandschaft in den Blick und präsentiert entlang des Lebenslaufes Informationen über Bildungsangebote und deren Nutzung. Diese langfristig angelegte, kontinuierliche Betrachtungsweise des Nürnberger Bildungswesens lässt in der Gesamtschau des nunmehr zehnjährigen Berichtszeitraums zahlreiche Rückschlüsse auf bildungsrelevante Entwicklungen sowie die Identifikation aktueller bildungspolitischer Herausforderungen zu.
Der Berichterstattung zugrunde liegt ein umfassendes und weitreichendes Verständnis von Bildung. Neben der Vermittlung von Wissen und Kompetenzen und der Verwirklichung von Potenzialen und Chancen soll Bildung insbesondere der Persönlichkeitsentwicklung und Wertebildung dienen sowie soziale, wirtschaftliche und politische Teilhabe ermöglichen.
Dementsprechend sollen allen Menschen Bildungsangebote in ausreichender Quantität und hoher Qualität zur Verfügung stehen und diese an individuelle Bedürfnisse angepasst sein. Zu gewährleisten sind gerechte und niedrigschwellige Zugänge ebenso wie die Unterstützung bei Übergängen zwischen den einschlägigen Bereichen der frühkindlichen und schulischen Bildung sowie in Beruf und Hochschule. Das Recht auf Bildung nach Artikel 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte („Jeder Mensch hat das Recht auf Bildung“) und das vierte der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen („Für alle Menschen inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung sowie Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen sicherstellen“) bilden die normative Grundlage hierfür.
Kommunale Bildungsberichterstattung spielt hierbei eine zentrale Rolle, da sie das lokale Bildungsgeschehen sichtbar macht, die Leistungen des Bildungssystems auf den Prüfstand stellt und die erzielten Ergebnisse in verschiedenen Bildungsbereichen im Detail unter die Lupe nimmt: ausgehend von der frühkindlichen über die schulische und berufliche Bildung, über die Hochschul- bis hin zur beruflichen Weiterbildung. Neben der formalen Bildung, die in Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen stattfindet und zu zertifizierten Abschlüssen führt, wird auch die non-formale Bildung betrachtet, die außerhalb staatlicher oder staatlich anerkannter Bildungseinrichtungen erfolgt und nicht auf anerkannte Abschlüsse abzielt. Das informelle Lernen, das nichtorganisiert zumeist in alltäglichen Lebenszusammenhängen stattfindet, entzieht sich dagegen der datengestützten Bildungsberichterstattung und muss daher unberücksichtigt bleiben.
Der vorliegende Bericht stützt sich auf eine Anzahl so genannter Kernindikatoren, die Bildungsprozesse abbilden und damit auch Hinweise auf die Qualität von Bildung in Nürnberg geben können. Durch die langfristig angelegte, indikatorengestützte und kontinuierliche Betrachtungsweise liefert Bildungsberichterstattung die notwendigen Befunde für die Überprüfung dessen, ob und inwieweit bildungspolitische Ziele realisiert werden konnten. Die Bildungsbeteiligung und -qualität zu erhöhen, die Ausbildungs- und
EINLEITUNG
Beschäftigungsfähigkeit zu verbessern, mehr Bildungsgerechtigkeit zu verwirklichen und die demokratische Kultur zu stärken, bleiben als zentrale Bildungsziele bestehen und ihre Verwirklichung eine bildungspolitische Daueraufgabe.
Auch diese Ausgabe folgt mit ihren aktualisierten und fortgeschriebenen Kapiteln A bis H dem Aufbau früherer Berichte (Kapitel A „Bildung im Spannungsfeld aktueller Rahmenbedingungen“, Kapitel B „Grundinformationen zur Bildung in Nürnberg“, Kapitel C „Frühkindliche Bildung“, Kapitel D „Allgemeinbildende Schulen“, Kapitel E „Berufliche Bildung“, Kapitel F „Hochschulen“, Kapitel G „Berufsbezogene Weiterbildung“ und Kapitel H „Non-formale Bildung“). Inhalte früherer Fokuskapitel zu den Themen Inklusion und neuer Zuwanderung finden sich in diesem Bericht in allen Einzelkapiteln.
Dabei ist es Ansinnen von Bildungsberichterstattung, Entwicklungen nicht nur zu beschreiben und zu erklären, sondern durch Handlungsempfehlungen auch konkrete Hinweise auf identifizierte Probleme zu geben. Bildungspolitische Entscheidungen können so auf einer datengestützten Grundlage getroffen werden.
Der Bildungsbericht wendet sich folglich zunächst an Entscheidungsträgerinnen und
- träger aus Politik, Institutionen und Verwaltung, die auf kommunaler Ebene an Planung,
Strukturierung, Steuerung und Gestaltung von Bildung mitwirken sowie an Fachkräfte und Verantwortliche aller Bildungsbereiche, aber auch an die interessierte Öffentlichkeit.
Eine komplexe Verflechtung verschiedener politischer Ebenen (Kommune, Bezirk, Land, Bund) ist kennzeichnend für unser Bildungssystem und das Bildungsgeschehen vor Ort. Prozesse wie Digitalisierung, Zuwanderung oder Inklusion setzen zudem Veränderungsdynamiken in Gang, die sich auf die Bildungsinfrastruktur ebenso auswirken wie auf fachliche Anforderungen. Während entsprechende rechtliche Rahmensetzungen in Bund und Land erfolgen, sind die Kommunen in deren Umsetzung gefordert. Je aktiver eine Kommune ihre bildungspolitische Gestaltungsrolle wahrnimmt – dies gilt sowohl für ihre Einflussmöglichkeiten im politischen Mehrebenensystem als auch für ihre gestaltende Rolle vor Ort – desto besser kann das Bildungssystem in der kommunalen Arena seine Wirkungen im Sinne gelingender Bildungsbiographien entfalten. Der Bildungsbericht will Grundlage sein für einen strukturübergreifenden Diskurs, der ebenjene Gestaltungsspielräume identifiziert, auslotet und nutzbar macht, sei es im Stadtrat oder den jeweiligen Ausschüssen, im Bildungsbeirat, bei Bildungskonferenzen oder in bildungspolitisch relevanten Gremien von Institutionen und Organisationen.
Der Erscheinungstermin des mittlerweile 5. Nürnberger Bildungsberichts wenige Wochen vor den Kommunalwahlen im März 2020 verweist in diesem Kontext einerseits auf einen soliden Erfahrungsschatz – zahlreiche Anträge der Stadtratsfraktionen, Verwaltungsvorlagen und Ratsbeschlüsse nahmen in den vergangenen Jahren Bezug auf Bildungsberichte und bei elf Bildungskonferenzen und achtzehn Sitzungen des Bildungsbeirates wurden verschiedene Befunde und Aspekte vertieft und kontrovers diskutiert. Das gewachsene Netzwerk und die bestehenden Kooperationen im kommunalen Bil-
EINLEITUNG
dungsmanagement in Nürnberg stellen damit eine profunde Basis für die künftige Arbeit des sich im Mai 2020 neu konstituierenden Stadtrats und Bildungsbeirats dar. Politik und Verwaltung sind dann aufgefordert, bildungspolitisch eigene und neue Akzente zu setzen und das oft so dynamische Bildungsgeschehen gleichermaßen aktiv zu gestalten.
Zwei Beispiele sind geeignet, um ein gelungenes Wechselspiel zwischen datengestützter Bildungsberichterstattung und bildungspolitischen Gestaltungsräumen vor Ort aufzuzeigen. Zu nennen sind hier exemplarisch das Nürnberger Modell „Übergangsmanagement Schule – Berufliche Ausbildung“, jeweils ein thematischer Schwerpunkt in Kapitel E der Bildungsberichte, und die „Kommunale Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte“. Mit dem im Jahr 2018 veröffentlichten Teilbericht „Bildung von Neuzugewanderten“ befasste sich zuletzt eine eigene Publikation des Bildungsbüros mit den vielfältigen Bildungsangeboten entlang der gesamten Lebensspanne für diese Zielgruppe.
Durch das bewährte und fortlaufend weiterentwickelte städtische Übergangsmanagement zwischen Schule und Beruf werden junge Nürnbergerinnen und Nürnberger bereits in der Schulzeit dabei unterstützt, nach ihrem Schulabschluss möglichst unmittelbar den Anschluss in eine (berufliche) Ausbildung zu finden. Mit der Gründung einer Jugendberufsagentur wurde in Nürnberg jüngst die institutionenübergreifende Netzwerkarbeit intensiviert. Um einschätzen zu können, inwieweit die strukturellen Neuerungen auch nachhaltige Auswirkungen im System und bei den Nutzerinnen und Nutzern der Angebote entfalten, braucht es datengestützte Analysen, wie sie zum Beispiel gerade durch eine Akteurs- und Zielgruppenanalyse für die Jugendberufsagentur erstellt werden. Zweitens erstellte das Bildungsbüro im Zuge des vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) finanzierten Projektes „Kommunalen Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte“ einen ausführlichen Teilbericht zur Bildungssituation von Neuzugewanderten und führte eine Praxisforschung durch, die das niedrigschwellige Sprachkursangebot in Nürnberg neben dem institutionalisierten Integrationskurssystem des Bundes analysierte und bestehende Lücken dokumentierte. Dem folgte die Konzeption eines Pilotvorhabens für ein Kommunales Programm Deutschspracherwerb, das im Jahr 2020 umgesetzt wird mit dem Ziel, künftig allen Nürnbergerinnen und Nürnbergern mit Zuwanderungsgeschichte ein passendes Kursangebot im Bereich Deutschspracherwerb machen zu können.
Aus empirisch-wissenschaftlicher Sicht bleiben hinsichtlich der Methodik des Bildungsberichts auch für die fünfte Ausgabe die bisherigen Herausforderungen bestehen: Zu nennen sind hier beispielsweise die Abhängigkeit von verfügbaren Quellen, die unterschiedliche Quantität, Qualität und Aktualität existierender Daten, das Wissen um Lücken sowohl im Hinblick auf Datengrundlagen als auch auf die Darstellung des Gegenstandes. Sodann wird Bildungsberichterstattung stets ein fortwährender Prozess sein, für den beständiges Nachfragen und Nachjustieren, fortwährendes Erheben und Analysieren konstitutiv sind.
EINLEITUNG
Der vorliegende Bericht beschreibt im Detail aktuelle bildungspolitische Herausforderungen unter der Maßgabe von Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit und zeigt Entwicklungen und Desiderate in Bereichen wie Inklusion von Menschen mit Handicap oder Integration von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte auf. Für Zukunftsfragen mit hoher Relevanz, beispielsweise der Fragestellung, wie die Digitalisierung in den Dienst unserer Bildungsziele gestellt werden kann, will der Bildungsbericht Informations- und Entscheidungsgrundlage sein.
Abschließend gilt es all denjenigen herzlich Dank zu sagen, die zur Erstellung des fünften Nürnberger Bildungsberichtes beigetragen haben: den Mitgliedern des Bildungsbeirats und des Stadtrates für die intensive Auseinandersetzung und vielfältige Unterstützung, den Bürgermeistern, Referentinnen und Referenten sowie allen Kolleginnen und Kollegen der Stadtverwaltung – insbesondere im Geschäftsbereich Schule und Sport des 3. Bürgermeisters, im Referat für Jugend, Familie und Soziales, im Kultur- und im Wirtschaftsreferat mit ihren Ämtern, stellvertretend seien das Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth, das Amt für Allgemeinbildende und Amt für Berufliche Schulen, das Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt, das Amt für Kultur und Freizeit und der Bildungscampus genannt. Eine große Anzahl von Nürnberger Institutionen, Organisationen und Akteuren hat bei der Erstellung des Bildungsberichts mit dem Bildungsbüro zusammengewirkt: das Staatliche Schulamt und die Ministerialbeauftragten, Arbeitsagentur und Jobcenter, die Hochschulen, Kammern und Bildungsdienstleister, Kultureinrichtungen, Kirchen, Jugendorganisationen, Wohlfahrtverbände und viele mehr. Auskünfte und Daten haben auch die Regierung von Mittelfranken, der Statistik-Service der Bundesagentur für Arbeit, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, das Bayerische Landesamt für Statistik und das Statistische Bundesamt beigetragen. Ihnen allen sei herzlich gedankt.
Das Bundesamt für Bildung und Forschung (BMBF) mit dem Projektträger DLR ermöglicht mit dem gleichnamigen Förderprogramm die beim Bildungsbüro angesiedelte „Kommunale Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte“ als wichtigen Baustein des kommunalen Bildungsmanagements. Der Unterstützung, Förderung und guten Zusammenarbeit gilt ein besonderer Dank.
Allen Leserinnen und Lesern des Bildungsberichtes sei für ihr Interesse am Bildungsgeschehen in Nürnberg gedankt. Am Ende sind Veränderungen zum Positiven immer ein Ergebnis von kritischer Reflexion und konstruktiver Diskussion. Je breiter hier die Beteiligung, desto größer sind die Chancen und Möglichkeiten, Gestaltungsspielräume auszunutzen und Veränderungen anzustoßen.
A
BILDUNG
IM SPANNUNGSFELD
AKTUELLER
RAHMENBEDINGUNGEN
1. Einleitung
Sozioökonomische und -demografische Rahmenbedingungen sind nicht nur wichtige Einflussfaktoren für individuelle Bildungswege und Erfolgsaussichten. Sie bestimmen auch bildungspolitische Handlungs- und Entscheidungsspielräume von Kommunen.
Vereinfachend lässt sich vorwegnehmen, dass Nürnberg weiterhin wächst. Nicht nur seine Bevölkerungszahl nimmt kontinuierlich zu, sondern auch seine Wirtschaftskraft. Die Stadtgesellschaft wird durch innerdeutsche und internationale Zuwanderung größer und bunter, vor allem in den jüngeren Altersjahrgängen. Daneben sorgen gestiegene Geburtenzahlen dafür, dass Nürnberg im Schnitt vergleichsweise jung bleibt. Von der anhaltend positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt können auch Personengruppen profitieren, die tendenziell benachteiligt sind. Dennoch bleiben soziale Ungleichheiten eine präsente Rahmenbedingung für den Bildungsdiskurs in Nürnberg.
2. Demografische Entwicklung
2.1 Bevölkerungs- und Altersstruktur
Abbildung A-1 liefert eine Zusammenschau von Bevölkerungspyramiden, die verschiedene Aspekte des Aufbaus der Nürnberger Bevölkerungsstruktur in den Blick nehmen. Links oben findet sich die Gesamtbevölkerung nach Altersjahren 2018. Es zeigt sich eine typische, tannenbaumförmige Struktur. Zwischen den Altersjahren 17 und 31 steigt die jahrgangsspezifische Bevölkerungszahl mit zunehmendem Alter. Oberhalb dieser Spanne gilt dagegen: Je höher das Lebensalter, desto geringer die jeweilige Bevölkerungszahl. Die auffälligste Ausnahme bilden die Altersjahre 49 bis 56, da es sich hierbei um sehr geburtenstarke Jahrgänge handelt.
Die Alterspyramide rechts oben bildet ausschließlich deutsche Staatsangehörige ohne Migrationshintergrund D ab. Bei diesem Bevölkerungsteil liegt das Durchschnittsalter heute bereits bei 47,8 Jahren. Beinahe jede vierte in Nürnberg lebende Person ohne Migrationshintergrund ist über 65 Jahre alt (24,2%).
Die beiden unten dargestellten Graphiken zeigen links die deutsche Bevölkerung mit Migrationshintergrund und rechts die Bevölkerung mit nichtdeutschem Pass. Diese beiden Gruppen weisen offensichtlich eine deutlich andere Bevölkerungsstruktur auf, als es sich in den beiden oberen Abbildungen zeigt. Die Mitte der 1950er bis Mitte der 1960er Jahre Geborenen, die als geburtenstarke Babyboomer-Jahrgänge bekannt sind, stechen in den beiden migrationsspezifischen Alterspyramiden nicht heraus. Bei den Deutschen mit Migrationshintergrund fällt stattdessen der hohe Anteil der Altersjahrgänge unter 18 Jahren auf. Hier liegt die Vermutung nahe, dass die Änderung des deutschen Staatsbürgerschaftsrechts aus dem Jahr 2000 eine wesentliche Rolle spielt, wonach in Deutschland geborene Kinder unter bestimmten Voraussetzungen die deutsche Staats-
Abb. A-1 : Bevölkerung Nürnbergs nach Migrationshintergrund, Alter und Geschlecht,
Abb. A-1: Alter Nürnberger Bevölkerung Deutsche ohne Migrationshintergrund Bevölkerung Nürnbergs
100 100
nach Migrationshintergrund,
90 männlich weiblich männlich weiblich 90 Alter und Geschlecht, 2018
80 80
70 70
60 60
50 50
40 40
30 30
20 20
10 10
0 0
Deutsche mit Ausländische
Migrationshintergrund Bevölkerung
100 100
90 männlich weiblich männlich weiblich 90
80 80
70 70
60 60
50 50
40 40
30 30
20 20
10 10 Quelle: Amt für Stadt-
forschung und Statistik
0 0
für Nürnberg und Fürth;
4 000 2 000 0 2 000 4 000 4 000 2 000 0 2 000 4 000
Einwohnermelderegister. Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Einwohnermelderegister und Bevölkerungsvorausberechnung 2018 (ohne Geflüchtete). angehörigkeit erhalten. Diese Kinder werden dann bis zu ihrem 18. Lebensjahr nicht der ausländischen Bevölkerung zugerechnet, was wiederum die zahlenmäßig sehr schwachen Altersjahre unter 18 in der Pyramide rechts unten (ausländische Bevölkerung) erklärt.
Von den 535746 in Nürnberg mit Hauptwohnsitz wohnhaften Menschen (Stand 31.12.2018) hatte beinahe ein Viertel (23,7%) eine ausländische Staatsbürgerschaft, das waren 127060 Personen. Etwas weniger als die Hälfte von ihnen (61142) waren EU-Bürgerinnen und -Bürger, der etwas größere Teil kam aus Drittstaaten. 22,6% der Gesamtbevölkerung hatten einen deutschen Pass, wiesen jedoch aufgrund statistischer Merkmale ebenso wie Ausländerinnen und Ausländer einen Migrationshintergrund D auf.
Aus dem Vergleich der Bevölkerungspyramiden in Abbildung A-1 wird ersichtlich, dass die Alterung der Stadtbevölkerung durch den hohen Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund abgedämpft wird. Das Durchschnittsalter der Deutschen mit Migrationshintergrund (37,0 Jahre) und das der ausländischen Bevölkerung (38,8 Jahre) liegt deutlich unter dem Schnitt der Gesamtbevölkerung (43,2 Jahre).
Ergänzend ist festzuhalten, dass aus der Gruppe der Geflüchteten zum 31. Juni 2019 5594 Menschen in städtischen und staatlichen Gemeinschaftsunterkünften lebten. Die Zahl war seit November 2017 kontinuierlich zurückgegangen. Auch die Zahl derjenigen, die aufgrund ihres Aufenthaltsstatus eigentlich schon zum Auszug aus der Gemeinschaftsunterkunft berechtigt gewesen wären, sank kontinuierlich. Sie lag zuletzt bei 1705 Personen. Unbegleitete minderjährige Ausländerinnen und Ausländer, die vom Jugendamt betreut werden, Menschen in der zentralen Aufnahmeeinrichtung Zirndorf mit ihrer Dependance in Nürnberg und Menschen, die bereits selbständig wohnen, sind Abb. A-2: Entwicklung der Nürnberger Bevölkerung nach Altersgruppen, 2008 bis 2018 in diesen Zahlen nicht berücksichtigt.1
Abb. A-2:
Anzahl Personen
Entwicklung der Nürnberger
40 000
Bevölkerung nach Alters-
gruppen, 2008 bis 2018
33 382
35 000
| 32 062 | ||
|---|---|---|
| 20 373 21 901 | ||
| 15 988 17 670 15 836 14 281 | ||
| 12 694 | 12 120 | 13 097 13 074 10 194 9 936 |
30 000
25 000
20 000
15 000
10 000
5 000
Quelle: Amt für Stadtfor- 0 Unter 3 Jahre 3 bis unter 6 bis unter 10 bis unter 15 bis unter 18 bis unter 20 bis unter
schung und Statistik für 6 Jahre 10 Jahre 15 Jahre 18 Jahre 20 Jahre 25 Jahre
Nürnberg und Fürth;
2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Einwohnermelderegister. Quellen: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Einwohnermelderegister.
Der Bevölkerungszuwachs aufgrund der gestiegenen Zuwanderung wird inzwischen kAachusmen bneoscchhrif tduangd uy-rAcchhs eg:e Abnrzeahml Psetr,s odnaesns sich die Bestandsbevölkerung mit der Zeit verringert. Im Jahr 2018 lagen Geburten (5553) und Sterbefälle (5678) beinahe gleichauf. Dies liegt vor allem am Anstieg der Geburtenzahl um 26,0% innerhalb der letzten zehn Berichtsjahre. In der Folge davon und aufgrund der durchschnittlich relativ jungen Zuwanderungsbevölkerung wachsen die jungen Altersjahrgänge spürbar an, wie Abbildung A-2 zeigt. Besonders stark war der Zuwachs innerhalb der letzten zehn Berichtsjahre in den jüngsten Altersgruppen. Die unter Dreijährigen legten in diesem Zeitraum von 12694 auf 15836 (+24,8%) zu, die Drei- bis unter Sechsjährigen von 12120 auf 14281 (+17,8%). Daraus ergibt sich ein wachsender Druck auf die Einrichtungen der frühkindlichen Bildung, dem bereits mit einem starken Ausbau der Betreuungsplätze begegnet wird.
Perspektivisch wird sich dieses verstärkte Bevölkerungswachstum auch auf die allgemeinbildenden Schulen auswirken, die bereits in den vergangenen Jahren mit wachsenden
Schülerzahlen umgehen mussten. Die Gruppe der Sechs- bis unter Zehnjährigen ist von 2008 bis 2018 um 10,5% gestiegen und die der 10- bis unter 15-Jährigen um 7,5%. Die nächstälteren Gruppen sind dagegen minimal rückläufig. Lediglich unter den 20- bis 25-Jährigen ist ein leichter Zuwachs von 4,1% zu verzeichnen.
Will man Aussagen zur Bevölkerung mit Behinderung D oder schwerer chronischer Erkrankung treffen, ist mit einem Blick auf die ausgestellten Schwerbehindertenausweise ein quantitativer Eindruck möglich. Menschen, die trotz eines Handicaps, das die Bildungsteilhabe einschränken kann, keinen solchen Ausweis beantragen oder ihn aufgrund eines Grades der Behinderung unter 50 nicht erhalten, sind hier allerdings nicht erfasst. Insgesamt hatten Ende 2017 61230 Nürnbergerinnen und Nürnberger einen Schwerbehindertenausweis. Das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 11,5%.
Dabei ist der Anteil an der Gesamtbevölkerung je nach Altersgruppe höchst unterschiedlich. Mit 231 Kindern unter sechs Jahren liegt er in dieser Altersgruppe bei 0,8%. Dagegen besitzt unter den Menschen ab 65 Jahren jede beziehungsweise jeder Dritte (33,5%) einen Schwerbehindertenausweis.2
2.2 Wanderungsbewegungen
Im ersten Abschnitt dieses Kapitels wurde ausführlich dargelegt, dass die Bevölkerungsstruktur Nürnbergs stark von Zuwanderung geprägt ist. Abbildung A-3 zeigt den Zuzug von Menschen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit nach Nürnberg im Zeitverlauf. Unterschieden sind die Zuwanderungsgruppen dabei nach dem Land, in dem die jeweilige Person den letzten Wohnsitz hatte, sodass die Herkunft nicht zwingend mit der
Abb. A-3: Zuzüge nicht deutscher Staatsbürger nach Nürnberg, 1994 bis 2018
Staatsbürgerschaft gleichbedeutend ist.
Abb. A-3:
Zuzüge nichtdeutscher
Anzahl Personen
Staatsbürger nach Nürnberg,
14 000 1994 bis 2018
12 000 10 974
10 000
8 000 6 666
6 000
4 478
4 000 Anmerkung: Herkunftsländer mit
sogenannter guter Bleibeper-
2 000 979 spektive waren von 2015 bis
einschließlich Juli 2019 Syrien,
0 Iran, Irak, Eritrea und Somalia
1994 95 96 97 98 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 2018
(TOP-5-Länder). Deutschland Fluchtherkunftsländer mit guter Bleibeperspektive Quelle: Amt für Stadtfor-
schung und Statistik für
EU (ohne Deutschland) Sonstige Nürnberg und Fürth; Einwohnermelderegister. Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik Nürnberg und Fürth, Einwohnermelderegister.
Nachdem die Zuwanderung Nichtdeutscher von der Jahrtausendwende bis etwa 2010 leicht abnahm, stieg sie danach deutlich an. Besonders stark zeigt sich der Anstieg der Zuwanderung aus der Europäischen Union, der seither den Großteil des Zuwachses der ausländischen Bevölkerung in Nürnberg ausmacht. Die am stärksten vertretenen Herkunftsländer waren im Jahr 2018 Rumänien (4657 Personen), Bulgarien (1277), Griechenland (936) und Polen (885). Auch die Ausländerinnen und Ausländer, die bereits vorher ihren Hauptwohnsitz im Bundesgebiet hatten, machen einen gewichtigen und wachsenden Anteil aus.
Bezüglich der Fluchtzuwanderung ist festzustellen, dass sie nur recht kurzzeitig einen deutlichen Ausschlag in der Gesamtbilanz zur Folge hatte, und zwar in den Jahren 2015 und 2016. Zusammengefasst sind hier Menschen mit Nationalitäten, denen bis einschließlich Juli 2019 als Geflüchtete eine sogenannte gute Bleibeperspektive D zugesprochen wird. Aus dieser Zuschreibung ergibt sich im Vergleich mit allen anderen Geflüchteten ein privilegierter Zugang zu Bildung, vor allem zu beruflicher und sprachlicher Bildung. Ab dem 1. August 2019 gilt dies nur noch für Menschen aus Syrien und Eritrea. Gleichzeitig wurden die Integrations- und Berufssprachkurse für einen großen Teil der Gestatteten und Geduldeten geöffnet, die vor dem 1.August 2019 eingereist sind.3
Menschen aus Fluchtherkunftsländern mit sogenannter unklarer Bleibeperspektive D und aus sogenannten sicheren Herkunftsländern finden sich neben Menschen aus sogenannten Drittstaaten, wie beispielsweise aus Indien oder den USA, unter der Kategorie „Sonstige“. Auch hier zeigt sich in den Jahren 2015 und 2016 ein deutlicher Zuwanderungsanstieg, der danach wieder zurückgeht, wenngleich sich weiterhin ein erhöhtes Zuzugsniveau feststellen lässt. Der kurzfristige Peak im Jahr 2015 lässt sich vor allem zurückführen auf Zuwanderung aus der Ukraine, Äthiopien, dem Kosovo, Albanien und Afghanistan. Im Jahr 2018 waren die am stärksten vertretenen Herkunftsländer in der Kategorie „Sonstige“ die Republik Moldau (568), Bosnien und Herzegowina (381) und die Türkei (310).
Auch die Abwanderung aus Nürnberg von Menschen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit verstärkte sich in den letzten Jahren. Am höchsten war sie im Jahr 2016, als insgesamt 21316 Nichtdeutsche Nürnberg verließen. Davon zogen 15034 (70,5%) ins Ausland und 6262 in andere deutsche Städte und Gemeinden. Im Jahr 2018 lag die Gesamtzahl der Fortzüge Nichtdeutscher bei 19531. Mit Abstand am deutlichsten war die Entwicklung unter rumänischen Staatsangehörigen. 4115 Personen zogen im Jahr 2018 nach Rumänien, es waren damit 27 Menschen mehr als im selben Jahr aus Rumänien zuwanderten. Insgesamt bleibt aber für das Jahr 2018, wie schon in den Vorjahren, ein deutlich positiver Wanderungssaldo nichtdeutscher Personen (+3566) zu konstatieren.
Aber nicht allein der Zuzug von Personen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit prägt die Stadt. Es finden Wanderungsbewegungen mit dem Aus- und Inland statt und hier auch und gerade mit dem unmittelbaren Umland von Nürnberg. Diese Wanderungsbewegungen haben insbesondere eine (bildungs-)biographische Relevanz. Abbildung A-4
zeigt für das Jahr 2018 die Wanderungssalden der Stadt Nürnberg mit der Region, mit der übrigen Bundesrepublik und dem Ausland nach Altersjahren. Zu- und Fortzüge sind hier also jeweils bereits miteinander verrechnet. In den ersten fünf Lebensjahren war per Saldo ein starker Fortzug ins Nürnberger Umland zu verzeichnen und
- etwas schwächer – in andere deutsche Kommunen. Der negative Wanderungs-
saldo in den Altersjahren zwischen Anfang Dreißig und Mitte Vierzig hängt zu Teilen damit zusammen, dass es sich mutmaßlich um Abwanderung ganzer Familien kurze Zeit nach der Geburt eines Kindes handelt. Der Wanderungssaldo mit dem Ausland blieb bis zu den Altersjahren Mitte Dreißig deutlich positiv. Insgesamt ist die Zahl der Zu- und Wegzüge aus dem Ausland (Zuzüge: 17355; Wegzüge: 14773) deutlich höher als die aus der Region Nürnberg (Zuzüge: 8331; Wegzüge: 10493) beziehungsweise aus dem
Abb. A-4: Wanderungssalden der Stadt Nürnberg nach Regionen und Alter, 2018
übrigen Deutschland (Zuzüge: 5864; Wegzüge: 5244).
Abb. A-4:
Wanderungssaldo Wanderungssalden der
250 Stadt Nürnberg nach
| Wanderungsgewinne | |
|---|---|
| Wanderungsverluste |
Regionen und Alter, 2018
-50 Anmerkung: Die Region Nürn-
berg beinhaltet zu Analysezwe-
-100 cken die Städte Fürth, Erlangen
und Schwabach sowie die Kreise -150 Nürnberger Land, Fürth Land, Erlangen-Höchstadt und Roth.
-200
0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65 70 75 80 85 90 95 Quelle: Amt für Stadtfor-
schung und Statistik für
Alter
Region Nürnberg Übriges Deutschland Ausland Nürnberg und Fürth; Einwohnermelderegister. Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Einwohnermelderegister. In den für Ausbildung und Studium relevanten Altersjahren von 16 bis 27 gewann Nürn- Anmerkung: Die Region Nürnberg beinhaltet zu Analysezwecken die Städte Fürth, Erlangen und Schwabach sowie berg gegenüber allen drei Gebietsgrößen mehr Einwohnerinnen und Einwohner hinzu die Kreise Nürnberger Land, Fürth Land und Erlangen-Höchstadt und Roth. als es dorthin verlor, besonders deutlich jedoch aus dem übrigen Deutschland. In der typischen Familiengründungsphase Ende Zwanzig beginnt die Abwanderung in das Nürnberger Umland und ins übrige Deutschland zu überwiegen, eine Entwicklung, die etwa bis Anfang, Mitte Vierzig andauert. Ab Mitte Vierzig pendeln sich die Wanderungssalden gegenüber allen drei Gebietsgrößen um den Nullpunkt ein.
In der Summe gewann die Stadt Nürnberg im Jahr 2018 2582 Personen aus dem Ausland und weitere 1491 Personen aus deutschen Kommunen außerhalb der Region Nürnbergs dazu. An die Region Nürnberg gab sie stattdessen 2162 Personen mehr ab, als von dort zuwanderten.
3. Qualifikationsstrukturen und Arbeitsmarkt
Der Nürnberger Arbeitsmarkt entwickelt sich seit Jahren positiv und ist somit nach wie vor sehr aufnahmefähig. Die Zahl der Menschen in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung D wächst weiterhin an und zwar unabhängig von der beruflichen Qualifikation (Abb. A-5). Insgesamt wuchs die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Nürnbergerinnen und Nürnberger zwischen 2013 und 2018 um 31109 (+16,3%). Um ganze 36,7% nahm die Zahl der Beschäftigten mit Hochschulabschluss in diesem Zeitraum zu.
Die wachsende Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ohne Berufsausbildung um 6701 Personen (+24,0%) ist insbesondere auf die berufliche Integration Neuzugewanderter zurückzuführen, die aufgrund fehlender dualer Berufsbildungssysteme D in den meisten nichtdeutschsprachigen Ländern keine hier anerkannte Berufsausbil- Abb. A-5: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort Nürnberg, 2013 bis dung vorweisen können.
Abb. A-5:
Anzahl sozialversicherungspflichtig
Sozialversicherungspflichtig
Beschäftigte
Beschäftigte am Wohnort
Nürnberg nach Berufsab- 250 000
schluss, 2013 bis 2018
| 26 942 | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| 26 823 | |||||
| 27 754 | 27 508 | 27 241 | 26 946 | 43 465 | 46 655 |
| 38 231 | 40 421 | ||||
| 35.884 | |||||
| 34 140 | |||||
| 100 766 | 103 918 | 106 663 | 108 613 | 111 179 | 113 471 |
| 27 865 | 29 745 | 30 788 | 31 853 | 33 245 | 34 566 |
200 000
150 000
100 000
Quelle: Statistik der Bundes-
agentur für Arbeit. Arbeits-
50 000
markt in Zahlen, Sozialver-
sicherungspflichtig Beschäf-
tigte (SvB) am Wohnort (WO) 0
2013 2014 2015 2016 2017 2018
nach Berufsabschluss, Nürn-
berg, Stichtag ist jeweils der Ohne Berufsausbildung Mit Berufsausbildung Hochschulabschluss Ausbildung unbekannt 30.9.; eigene Darstellung.
Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Arbeitsmarkt in Zahlen, Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte S(Sov Bh) aamt sWicohhn dorite ( WZOa)h nl adche Br esruofzsaiabslcvhelursssi,c Nhüerrnubenrgg,s Spicflhitcahg tisitg j ebweesilcs hdeärf 3t0ig.0t9en Ausländerinnen und Ausländer mit Wohnsitz in Nürnberg von 26417 im Jahr 2010 auf 49794 im Jahr 2018 erhöht, was einer Steigerung von 88,5% entspricht. Noch stärker war dieser Zuwachs für die beiden Länder der letzten EU-Osterweiterungsrunde, Bulgarien und Rumänien. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus diesen beiden Ländern hat sich von 1269 auf 8751 beinahe versiebenfacht. Besonders extrem fällt diese Entwicklung in den Wirtschaftszweigen Baugewerbe (circa 33-mal so viele Beschäftigte), Verkehr und Lagerei (circa 24-mal so viele Beschäftigte) sowie der Arbeitnehmerüberlassung (circa 19-mal so viele Beschäftigte) aus.4
Auch bei den außereuropäischen Ländern, deren Zuwanderung nach Deutschland wesentlich von Fluchtmigration geprägt ist, hat die sozialversicherungspflichtige Beschäfti-
Abb. A-6: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte aus außereuropäischen Asylherkunftsländern insgesamt und nach den am stärksten vertretenen Branchen, 2010 bis 2018
Abb. A-6:
Anzahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigte Sozialversicherungspflichtig
3 000 Beschäftigte am Wohnort
Nürnberg aus außereuropä-
2 556 ischen Asylherkunftsländern
insgesamt und nach den am
2 500
stärksten vertretenen Bran-
chen, 2010 bis 2018
| 141 | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 173 | |||||||||
| 1 833 1 368 87 | |||||||||
| 259 | |||||||||
| 286 | |||||||||
| 87 | |||||||||
| 1 200 1 047 1 077 1 114 1 095 1 119 63 40 89 20 21 63 22 29 40 83 112 | 113 | ||||||||
| 155 | 308 | ||||||||
| 89 112 | 211 | ||||||||
| 63 83 131 | 61 106 134 | 116 146 | 60 109 134 | 70 103 134 | 114 138 | 160 168 | 212 251 | 316 377 | |
| 155 | 125 | 143 | 156 | 161 | 161 | ||||
| 165 | 171 | 147 | 152 | 179 | 169 | 182 | 267 | ||
| 182 | |||||||||
| 151 | 168 | 135 | 120 | 121 | 158 | 294 | 381 | ||
| 187 | 190 | 223 | 209 | 183 | 210 | 243 |
2 000
1 500
1 000
Anmerkung: Unter außereuropäische Asylherkunftsländer 0 sind hier subsummiert: Eritrea,
2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Nigeria, Somalia, Afghanistan, Irak, Iran, Pakistan und Syrien.
Handel; Instandhaltung und Arbeitnehmerüberlassung
Baugewerbe Reparatur von Kraftfahrzeugen (ANÜ) Quelle: Bundesagentur für
Arbeit. Sozialversicherungs-
Sonstige wirtschaftliche
Gesundheits- und Sozialwesen Verarbeitendes Gewerbe Dienstleistungen (ohne ANÜ) pflichtig Beschäftigte am
Wohnort, Stichtag ist jeweils
Verkehr und Lagerei Gastgewerbe Insgesamt der 31.12.; eigene Darstel-
lung.
Quelle: Bundesagentur für Arbeit. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort., Stichtag ist jeweils der g31u.n12g., esitgaernke zDuargsteenlluonmg.men und ist innerhalb der letzten acht Jahre von 1047 auf 2556 angewachsen (+144,1%), wie aus Abbildung A-6 hervorgeht. Dabei ist zu beachten, dass je nach individueller Situation und Herkunftsland eine fehlende Arbeitserlaubnis den ZugAannmger kzuunmg: UAnrtebre aiutßsmereaurrkopt äeisicnhsec Ahsryälhnerkkeunnf tkslaänndne.r sDinedr h Aiern ssutbiesugm fmaienrdt: Eimritr eWa, eNsigeenrital,i cSohmeanli aa, b 2015 Afghanistan, Irak, Iran, Pakistan und Syrien. statt und verlief zunehmend steil, was auch künftig eine positive Entwicklung erwarten lässt. Mit einer Versechsfachung verzeichnete das Baugewerbe den größten Zuwachs. In absoluten Zahlen waren die sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen führend, wozu beispielsweise persönliche Dienstleistungen im kosmetischen Bereich gehören oder die Reparatur von Gebrauchsgütern. Danach folgten die Arbeitnehmerüberlassung und das Gastgewerbe. Bezogen auf die entsprechende Teilbevölkerung hatte sich die anteilige Erwerbsquote unter den Asylherkunftsländern 2015 und 2016 erst einmal verschlechtert, um anschließend langsam wieder anzusteigen.5
Eine Betrachtung der Beschäftigung von Menschen mit Schwerbehinderung kann helfen, die Inklusion D auf dem Arbeitsmarkt quantitativ einzuschätzen. Mit leichten Schwankungen ist die Zahl der Beschäftigten mit Schwerbehinderung in Nürnberg von 12688 im Jahr 2012 auf 14404 im Jahr 2017 angewachsen (Abb. A-7). Das entspricht einem Anstieg von 13,5%. Auch Menschen mit Schwerbehinderung profitierten demnach wesentlich von der allgemein guten Arbeitsmarktlage.
Abb. A-7: Beschäftigte mit Schwerbehinderung in Nürnberg nach Wirtschaftszweigen,
2012 bis 2017
Abb. A-7:
Beschäftigte mit Schwer- Beschäftigte
behinderung in Nürnberg 13815
nach Wirtschaftszweigen, 14 000 13320 13309
12688 12472
2012 bis 2017
12 000
Anmerkung: Bei den schwerbehinderten, gleichgestellten oder
10 000
sonstigen anrechnungsfähigen Beschäftigten, die im Anzeige-
| 943 712 880 887 1015 | 987 | 1030 | 1057 | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 712 880 | 887 | 1015 | 1011 | 1030 | 1074 | ||
| 1068 | 944 | 1146 | 1172 | 669 1189 | 1169 | ||
| 2313 | 1118 | 2429 | 2559 | 2372 | 2637 | ||
| 2420 | |||||||
| 4050 | 3300 | 3924 | 3955 | 3776 | 4027 |
8 000
verfahren gemeldet werden, handelt es sich nicht ausschließlich um sozialversicherungs- 6 000 pflichtig Beschäftigte D. Es können ebenso Beamte 4 000 darunter vertreten sein. Auch selbständige Arbeitgeber 2 000 haben sich zu melden und sind daher in der Beschäftigtenzahl 0 enthalten. Personen nach Ort 2012 2013 2014 2015 2016 2017 des Beschäftigungsbetriebes. Information und Kommunikation Gesundheits- und Sozialwesen Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Die eingestellten Werte sind Sozialversicherung, Ext. Organisationen Jahresdurchschnitte.
Verkehr und Lagerei Verarbeitendes Gewerbe Insgesamt
Quelle: Statistik der
Bundesagentur für Arbeit, Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Schwerbehinderte Menschen in Beschäftigung (Anzeigeverfahren Schwerbehinderte Menschen SGB IX), eigene Darstellung. in Beschäftigung (Anzeige- Mit 28,0% (4027) entfiel der größte Anteil der Beschäftigung Schwerbehinderter auf verfahren SGB IX), eigene die Kategorie „Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung, Ext. Organisa- Darstellung. tAionnmeernk“un. gD: ie öffentliche Hand spielte also bei der Inklusion auf dem Arbeitsmarkt eine Bei den schwerbehinderten, gleichgestellten oder sonstigen anrechnungsfähigen Beschäftigten, die im Anzeigeverhfaehrraeun sgreamgeeldnedt we eRrdoenll,e h.a nDdieelts ezs esiicgh tn ischict hau sasuchcliheß laicnh udme sro zBiaelvseertszicuhenrgun gvsopnfli cPhtfligic Bhetscahräbfteigittsep. Eläs tzen. können ebenso Beamte darunter vertreten sein. Auch selbständige Arbeitgeber haben sich zu melden und sind Ab einer Zahl von 20 Beschäftigten sind Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet, mindestens daher in der Beschäftigtenzahl enthalten. Personen nach Ort des Beschäftigungsbetriebes. Die eingestellten Werte fsüinndf J aPhrroezsdeunrcth sihchrneitrt eA. rbeitsplä tze mit s chwerbehinderten Menschen zu besetzen.6 Die öffentlichen Arbeitgeber übererfüllten diese Quote um rund 60%. Dagegen blieben die privaten Arbeitgeber unter dem Soll-Wert und nahmen damit in Kauf, eine monatliche Ausgleichsabgabe von 125 bis 320 Euro zu zahlen. Da die Daten zu den Pflichtarbeitsplätzen ausschließlich in Bezug zum Hauptsitz von Arbeitgebern vorliegen, sind sie nur sehr bedingt aussagekräftig bezüglich der Arbeitsmarktsituation in Nürnberg, verdeutlichen aber dennoch das beschriebene Ungleichgewicht.
Die gute wirtschaftliche Lage sorgte für eine immer weiter sinkende Arbeitslosenquote in Nürnberg (Abb. A-8). Auch für die Unterbeschäftigtenquote war insgesamt und für die Gruppe der unter 25-Jährigen ein konstanter Abwärtstrend zu beobachten. Die Unterbeschäftigtenquote berücksichtigt zusätzlich zu den bei der Bundesagentur für Arbeit als arbeitslos gezählten Personen auch Menschen in Eingliederungs- und Trainingsmaßnahmen, ebenso wie Personen über 58 Jahren, die ohne Angebot einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung D länger als ein Jahr lang Leistungen der Grundsicherung beziehen. Alle drei Quoten erreichten zuletzt einen Tiefststand. Auch die Langzeitarbeitslosigkeit ging bis 2018 auf durchschnittlich 4024 Personen nochmals zurück.7
Gleichzeitig hat sich das Problem der ungedeckten Nachfrage nach Arbeitskräften zunehmend verschärft. Waren im Jahr 2013 noch 3223 offene sozialversicherungspflichti-
Abb. A-8: Arbeitslosen- und Unterbeschäftigungsquote, 2009 bis 2017
Abb. A-8:
Quoten (in %) Arbeitslosen- und
Unterbeschäftigungsquote
16 in Nürnberg, 2009 bis 2018
13,6
12 11,1
8 7,2
8,6 6,7
5,2
2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Quelle: Statistik der Bundes-
Unterbeschäftigungsquote Unterbeschäftigungsquote U25 Arbeitslosenquote agentur für Arbeit; Arbeitsmarktmonitor.
Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; Arbeitsmarktmonitor. ge Stellen in Nürnberg gemeldet, so hat sich diese Zahl bis 2018 auf 6924 bereits mehr Aablsb v. eAr-d9o: Bpepsetlatn (dA abnb o. fAfe-9ne).n D, seor zgiarölvßetresi cZhuewruancghssp ifnli cahbtsigoelunt Aenrb Zeaithssletenl leenn tnfiaeclh d abei auf den WBeirrtescichha fdtsezrw Aeribgeeint,n 2e0h1m3 ebriüs b20e1rl8assung.
Abb. A-9:
Anzahl Arbeitsstellen Bestand an offenen
6 806 6 924 sozialversicherungspflich-
7 000 6 565
tigen Arbeitsstellen in
Nürnberg nach Wirtschafts-
zweigen, 2013 bis 2018
6 000
| 4 8 | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 324 | ||||||
| 347 | 338 | |||||
| 313 3 795 291 | 302 | 402 | ||||
| 313 | 485 | 476 | ||||
| 291 | ||||||
| 3 223 244 240 346 194 | 409 | 531 | 646 | |||
| 244 | 588 | |||||
| 240 | 443 | 740 | ||||
| 346 | ||||||
| 604 | 528 | |||||
| 182 124 | 135 274 | 357 465 | 363 | |||
| 124 | 293 | |||||
| 249 | 356 | 371 | 2 226 | 2 643 | 2 801 | |
| 297 | ||||||
| 337 | ||||||
| 276 | ||||||
| 185 | ||||||
| 1 013 | 1 296 | 1 773 |
5 000
4 000
3 000
2 000
Anmerkung: Jahresdurchschnittswert 2016 im Bereich
1 000
„Öffentliche Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung“ ohne den Monat Mai.
2013 2014 2015 2016 2017 2018 Quelle: Statistik der Bundes-
Erbringung von freiberuflichen, wissen-
Insgesamt Gesundheits- und Sozialwesen agentur für Arbeit, Bestand
schaftlichen und technischen Dienstleistungen
an gemeldeten Arbeitsstellen
Handel; Instandhaltung und
Verarbeitendes Gewerbe Reparatur von Kraftfahrzeugen Arbeitnehmerüberlassung (ANÜ) nach Wirtschaftszweigen,
Nürnberg, Juni 2019; Jahres-
Verkehr und Lagerei Sonstige wirtschaftliche durchschnittswerte; eigene
Dienstleistungen (ohne ANÜ)
Darstellung.
Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Bestand an gemeldeten Arbeitsstellen nach Wirtschaftszweigen, Nürnberg, Juni 2019; Jahresdurchschnittswerte, eigene Darstellung. 27
Anmerkung: Jahresdurchschnittswert 2016 im Bereich „Öffentliche Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung“ ohne den Monat Mai.
4. Lebenslagen
In der Bildungsforschung wurde mehrfach aufgezeigt, dass der sozioökonomische Hintergrund nach wie vor starken Einfluss auf den Bildungserfolg im gesamten Lebenslauf hat.8 Die Berücksichtigung der Lebenslagen verschiedener Bevölkerungsgruppen in den Sozialräumen ist daher unerlässlich, wenn Bildungspolitik die Verbesserung der Chancengleichheit für alle Bürgerinnen und Bürger in den Mittelpunkt rückt.
Die Mindestsicherungsquote betrachtet neben den Personen in SGB II-Bedarfsgemeinschaften D weitere Arten von Transferleistungsbezug, die auf eine prekäre Lebenslage hindeuten, und bezieht diese auf die Gesamtbevölkerung. Dazu gehören die Hilfen zum Lebensunterhalt (SGB XII), die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung sowie Leistungen für Asylbewerber/-innen, also Menschen, die sich im laufenden Asylverfahren befinden.
Zwischen 2010 und 2014 schwankte die Mindestsicherungsquote leicht zwischen 10,7% und 11,4% (Abb. A-10). Dabei lässt sich nur für die Asylbewerberleistungen D und für die Grundsicherung im Alter eine konstante, wenn auch sehr geringe, Steigerung feststellen. Von 2014 auf 2015 stieg die Quote der Asylbewerberleistungsbeziehenden um einen Prozentpunkt. In den Folgejahren sank die Mindestsicherungsquote konstant von 12,2% auf 10,2%. Neben einem Rückgang beim SGB II-Bezug ist dies auch auf einen schnellen Rückgang der Asylbewerberleistungsquote zurückzuführen. Dass beide Teilwerte gleichermaßen zurückgingen, ist deshalb besonders begrüßenswert, weil nicht schulpflichtige Personen, deren Asylverfahren mit einer Anerkennung beendet wurden, zAubnbä. cAh-s1t0 i.n: E anltlewri cRkelugnegl idne dr eMni nSdGeBst sIIi-cBheezruungg msqüunodtee,n 2.0 10 bis 2018
Abb. A-10:
Entwicklung der Mindest- Quoten (in %)
sicherungsquote in Nürnberg,
2010 bis 2018
12,2 11,9
12 11,4 10,8 11,0 11,4 11,2
| 10,7 | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 8,8 | |||||||||
| 9,8 | 9,1 | 8,9 | 9,0 | 9,1 | 9,0 | 8,6 | 7,9 | ||
| 0,2 | 0,2 | 0,2 | 0,2 | 0,2 1,6 | 0,2 1,6 | 0,2 1,6 | 0,2 1,7 | 0,2 1,5 |
0 1,3 0,2 1,4 0,2 1,4 0,2 1,5 0,3 0,5 1,5 1,0 0,8 0,7
2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Quelle: Amt für Stadtfor-
schung und Statistik für Personen in Bedarfsgemeinschaften (SGB II) Insgesamt
Nürnberg und Fürth; Amt für
Existenzsicherung und soziale Leistungsempfänger/-innen von Hilfen zum Lebensunterhalt
Integration; Arbeitsmarkt-
Leistungsempfänger/-innen Grundsicherung i. Alter u. b. Erwerbsminderung a. v. E - 4. Kap. SGB XII
daten und Einwohnermelde-
register. Stand ist jeweils De- Empfänger/-innen von Asylbewerberleistungen
zember; eigene Berechnung. Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Amt für Existenzsicherung und soziale Integration; Arbeitsmarktdaten und Einwohnermelderegister. Stand ist jeweils Dezember. Eigene Berechnung
4.1 Lebenslagen und Familie
Einen ersten Eindruck von der Entwicklung familiärer Lebenslagen in Nürnberg gibt ein Blick auf die Haushaltszusammensetzung. Wie aus Abbildung A-11 hervorgeht, waren Einpersonenhaushalte insgesamt am stärksten vertreten und verzeichneten von 2008 bis 2018 den stärksten Zuwachs von 125540 auf 142823. Das entspricht einem Plus von 13,8%, während die Gesamtzahl der Haushalte im Betrachtungszeitraum um 9,4% anwuchs.
Als einziger Haushaltstypus verzeichneten die Alleinerziehendenhaushalte einen leichten Rückgang um 358 beziehungsweise 3,1%. Dies ist vor allem deshalb relevant, weil Kinder aus Alleinerziehendenhaushalten deutlich öfter in SGB II-Bezug leben.9 In absoluten Zahlen auf niedrigem Niveau verzeichneten den stärksten Anstieg die nichtehelichen Lebensgemeinschaften mit Kindern von 3033 im Jahr 2008 auf 4700 im Jahr 2018
Abb. A-11: Anzahl Haushalte nach Haushaltsart, 2008 bis 2018
(55,0%).
Abb. A-11:
Anzahl Haushalte Haushalte in Nürnberg nach
Haushaltsart, 2008 bis 2018
140 000
125 540 142 823
120 000
100 000 87 876 91 509
80 000
60 000
40 000 32 104 34 269
20 000 11 697 11 339
3 033 4 700
2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Einpersonenhaushalte Alleinerziehende
Quelle: Amt für Stadtfor-
Mehrpersonenhaushalte – ohne Kind(er) Mehrpersonenhaushalte – Ehepaar mit Kind(ern) schung und Statistik für Mehrpersonenhaushalte – nichteheliche Lebensgemeinschaften mit Kind(ern) Nürnberg und Fürth; Haushaltegenerierung. Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Haushaltegenerierung.
Insgesamt war der Anteil von SGB II-Bedarfsgemeinschaften D unter Haushalten mit Kindern höher als unter allen Haushaltsarten. Zuletzt ging angesichts der guten wirtschaftlichen Entwicklung diese Kennzahl mit Blick auf sämtliche Haushaltstypen zurück. Sehr deutlich zeigt sich der nach wie vor bestehende Unterschied zwischen Paarfamilien und Alleinerziehendenhaushalten, deren Risiko, SGB II-Leistungen zu beziehen, rund viermal höher ist. Seit 2014 sank der Anteil erfreulicherweise um 4,4 Prozentpunkte auf zuletzt 36,3% (Abb. A-12).
Abb. A-12: Anteil der Bedarfsgemeinschaften an allen Haushalten nach Familientyp in
Nürnberg, 2010 bis 2018
Abb. A-12:
Anteil (in %) 50 45 42,8 40 36,3 35 30 25 19,1 20 14,8 15 11,1 8,5 10 10,0 5 7,7 0 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 Paarfamilien Alleinerziehende Familien insgesamt Haushalte insgesamt
Anteil der Bedarfsgemein-
schaften an allen Haushalten
in Nürnberg nach Familien-
typ, 2010 bis 2018
Quelle: Amt für Stadtfor-
schung und Statistik für
Nürnberg und Fürth und
Statistik der Bundesagentur
für Arbeit; Arbeitsmarktdaten
und Haushaltegenerierung; Stand ist jeweils der 31.12.
Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth und Statistik der Bundesagentur für Arbeit; In der Vergangenheit konnte für Nürnberg gezeigt werden, dass für Paarfamilien und Arbeitsmarktdaten und Haushaltegenerierung; Stand ist jeweils der 31.12. noch stärker für Alleinerziehendenhaushalte das Risiko für SGB II-Bezug mit jedem weiteren Kind steigt.10 Trotz der positiven Gesamtentwicklung, die sich aus Abb. A-12 ablesen lässt, besteht dieser Zusammenhang nach wie vor.11
Um für Kinder aus einkommensschwachen Familien das soziokulturelle Existenzminimum zu sichern, führte die Bundesregierung im Jahr 2011 das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) D ein. Über Geld- und Sachleistungen werden seither verschiedene Kosten bezuschusst, darunter Posten für Lernmaterialien, Kultur, Sport, „Mitmachen“, Schul- und Kita-Ausflüge, Lernförderung sowie Mittagessen und Schülerbeförderung.12 Verschiedene Transferleistungen berechtigen zum Bezug von Leistungen nach dem BuT. 10161 Kinder und Jugendliche bezogen im Jahr 2018 BuT-Leistungen aufgrund eines SGB II-Anspruchs. Nach dem Kinderzuschlag und Wohngeld waren es 4362, weitere 821 im Asylbewerberleistungsbezug und 119 in der Sozialhilfe gemäß SGB XII. Weitere 740 Kinder erhielten als freiwillige kommunale Leistung einen Zuschuss von der Stadt Nürnberg zum Mittagessen.13
Bei der Einführung des Bildungs- und Teilhabepakets im Jahr 2011 konnte Nürnberg auf die bereits bestehenden Kriterien für den Erhalt des Nürnberg-Passes D zurückgreifen, der bereits 1986 eingeführt wurde, ebenfalls mit dem Ziel, die soziale und kulturelle Teilhabe sozioökonomisch benachteiligter Gruppen zu verbessern. Inhaberinnen und Inhaber des Nürnberg-Passes erhalten bei einer großen Zahl an Kooperationspartnern vergünstigte Preise, darunter Kultur- und Sportstätten, Apotheken und bei der VAG. Die Art und Höhe der Ermäßigung wird dabei von den Partnern individuell bestimmt, die entsprechenden Mindereinnahmen werden allein von ihnen getragen.
Bezugsberechtigt sind zusätzlich zu den Personenkreisen des Bildungs- und Teilhabepakets alle Bezieherinnen und Bezieher der wirtschaftlichen Hilfen nach dem SGB II
oder SGB XII, von Wohngeld sowie der wirtschaftlichen Jugendhilfe. Abbildung A-13 zeigt, dass diejenigen, die SGB II-Leistungen bezogen haben, meistens auch den Nürnberg-Pass besaßen. Es wird sogar eine Überdeckung dieses Teils der Zielgruppe deutlich. In der Summe über die Altersjahre standen 50762 Personen mit Nürnberg-Pass 42131 Personen im SGB II-Bezug gegenüber. Vor allem in den Kindes- und Jugendjahren von vier bis 18 ist diese Überdeckung im Wesentlichen auf die steigende Anzahl von Kindern im Wohngeldbezug zurückzuführen. Mit dem Renteneintritt werden die Leistungen nach SGB II-Leistungen eingestellt, weshalb dieser Wert in den Altersjahrgängen ab Mitte Sechzig abfällt. Der Nürnberg-Pass kann jedoch darüber hinaus beantragt werden. Bezieherinnen und Beziehern der Grundsicherung im Alter wird er sogar automatisch Azubgbe. sAa-n13d:t A.1n4zahl der Personen im SGB-II-Bezug und Anzahl der Nürnberg-Pass-Inhab-
erinnen und -inhaber nach Altersjahren, 2018
Abb. A-13:
Anzahl Personen Personen im SGB II-Bezug
und Anzahl der Nürnberg-
Pass-Inhaberinnen und
1 400
-Inhaber in Nürnberg nach
Altersjahren, 2018
1 200
1 000
Quelle: Stadt Nürnberg, Amt
für Existenzsicherung und so-
ziale Integration – Sozialamt,
Amt für Stadtforschung und
0 Statistik für Nürnberg und
0 2 4 6 8 10 1 2 1 4 1 6 1 8 2 0 2 2 2 4 2 6 2 8 3 0 3 2 3 4 3 6 3 8 4 0 4 2 4 4 4 6 4 8 5 0 5 2 5 4 5 6 5 8 6 0 6 2 6 4 6 6 6 8 7 0 7 2 7 4 7 6 7 8 8 0 8 2 8 4
Fürth; Statistik zum Nürn-
berg-Pass und Arbeitsmarkt-
Personen im SGB II Personen mit Nürnberg-Pass daten, Stichtag ist jeweils
der 31.12. Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Existenzsicherung und soziale Integration – Sozialamt, Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Statistik zum Nürnberg-Pass und Arbeitsmarktdaten, Stichtag jeweils der 31.12.
4.2 Lebenslagen und Migration
Individuelle und kollektive Migrationsgeschichten und die Lebenslagen der entsprechenden Personen beziehungsweise Personengruppen stehen in einem engen Verhältnis. Sprachliche Hürden und die oft fehlende Anerkennung mitgebrachter Qualifikationen sind nuAr znwmeie grekwuinchgti gGer aGprühnidket edaamfür:, yd-aAssc zhusmeinnbdeesst cinh rdiefrt uernsgte:n Phase der Integration Benachteiligungen von Migrantinnen und Migranten eher die Regel sind. Wie stark diese ausgeprägt sind und wie langfristig sich diese auswirken, unterscheidet sich dabei jedoch deutlich zwischen verschiedenen Zuwanderergruppen. Zu den wichtigsten Einflussgrößen zählen die familiäre Struktur und das Bildungs- und Beschäftigungssystem im Herkunftsland.
Abb. A-14: SGB II Quoten ausgewählter Staatsbürgerschaften in der Nürnberger
Bevölkerung, 2010 bis 2018
Abb. A-14:
SGB II-Quoten ausgewählter SGB II-Quote (in %)
Staatsbürgerschaften in der 100
Nürnberger Bevölkerung,
2010 bis 2018 90
73,1
50 51,7
17,8
10 10,9
7,9
Quelle: Amt für Stadtfor-
schung und Statistik für
2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Nürnberg und Fürth; Arbeits-
marktdaten und Einwohner-
Türkei Irak Bulgarien
melderegister. Stand ist
jeweils Dezember; eigene Syrien Rumänien Insgesamt
Berechnung.
Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Arbeitsmarktdaten und Einwohnermelderegister. Stand ist jeweils Dezember. Eigene Berechnung.
Abbildung A-14 zeigt die SGB II-Quoten D in Nürnberg lebender Menschen nach Na-
tionalität sowie für die Gesamtbevölkerung. Die türkische Staatsbürgerschaft war unter den ausländischen Nationalitäten in der Nürnberger Bevölkerung zahlenmäßig am stärksten vertreten. Hier hat sich die SGB II-Quote von 20,5% im Jahr 2010 auf 10,9% im Jahr 2018 beinahe halbiert. Damit profitierte diese Gruppe in besonderem Maße von der positiven Entwicklung der letzten Jahre, die sich beispielsweise am Rückgang der Gesamtquote für Nürnberg von 9,1% im Jahr 2014 auf zuletzt 7,9% ablesen lässt. Ebenfalls zahlenmäßig stark vertreten waren Menschen aus Bulgarien (2018: 5328) und Rumänien (2018: 13362). Die Entwicklung der SGB II-Quote unter den Rumäninnen und Rumänen verlief seit 2015 positiv, sie lag insgesamt nur sehr knapp über der Gesamtquote für Nürnberg. Auch bei Menschen aus Bulgarien war die Quote in der jüngsten Vergangenheit leicht rückläufig, allerdings auf höherem Niveau und erst seit 2016.
Am Beispiel der Länder Irak und Syrien wird deutlich, dass die SGB II-Quote der Bevölkerungsgruppen, die aus den Fluchtherkunftsländern Syrien und Irak stammen, zunächst sank, da die Neuankömmlinge für die Dauer des Asylverfahrens über das Asylbewerberleistungsgesetz versorgt werden. Erst nach der positiven Entscheidung des Asylantrags wechseln die betreffenden Personen in den SGB II-Bezug. So stieg von 2015 auf 2016 die SGB II-Quote der Syrerinnen und Syrer von 27,6% auf 82,3% an, während gleichzeitig die Zahl der syrischen Asylbewerberleistungsempfängerinnen und -empfänger von 2418 auf 36315 sank. Die SGB II-Quote hat also im Falle der Fluchtzuwanderung zumindest kurzfristig nur eine begrenzte Aussagekraft hinsichtlich der Arbeitsmarktintegration.
Für Menschen in Schule, Sprachkurs oder Ausbildung besteht in Gemeinschaftsunterkünften, in denen die Menschen oft auf engstem Raum zusammenleben, nicht immer
die optimale Umgebung für konzentriertes Lernen. Die Zahl der Bewohnerinnen und Bewohner in Nürnberger Gemeinschaftsunterkünften ist seit dem starken Zuzug Geflüchteter zurückgegangen und zwar vom Höchststand 8309 im Dezember 2016 auf 5769 im März 2019 (-30,6%).
Auch die absoluten Zahlen der Frauen und der Minderjährigen in Gemeinschaftsunterkünften waren in diesem Zeitraum rückläufig, allerdings schwächer als die Gesamtzahl. Dies führte dazu, dass der Anteil von Minderjährigen geringfügig und der von Frauen deutlich anstieg (Abb. A-15). Für Frauen, Kinder und Jugendliche scheint es im Vergleich (noch) schwieriger zu sein, auf dem freien Wohnungsmarkt in Nürnberg fündig zu werden. Dies wird gestützt durch den Befund, dass der Anteil weiblicher Geflüchteter unter den sogenannten Fehlbelegern/-innen, also Personen, die eigentlich auszugsberechtigt sind, höher ist (39,2%) als unter den regulären Bewohner/-innen (33,8%) der städti-
Abb. A-15: Anzahl und Anteil weiblicher Bewohnerinnen und Minderjähriger in
schen Gemeinschaftsunterkünfte.16
Nürnberger Gemeinschaftsunterkünften, Dezember 2016 bis Februar 2019
Anzahl Personen Anteil (in %)
Anzahl und Anteil weibli-
cher Bewohnerinnen und
3 000 100
| 2 212 | |
|---|---|
| 1 835 | |
| 38,9% | |
| 32,3% |
Minderjähriger in Nürnberger
Gemeinschaftsunterkünften,
Januar 2016 bis Mai 2019
2 500
2 000
1 500 50
1 000
Anmerkung: Werte für Juli und September 2017 liegen nicht vor. Quelle: Stadt Nürnberg,
0 0
2016 2017 2018 2019
Referat für Jugend, Familie
und Soziales, Datenreport: Flüchtlinge in Nürnberg.
Anzahl weiblich Anteil weiblich Anzahl Minderjährige Anteil Minderjährige
Quelle: Stadt Nürnberg, Referat für Jugend, Familie und Soziales, Datenreport: Flüchtlinge in Nürnberg.
4.3 Lebenslagen im Sozialraum
Anmerkung: Werte für Juli und September 2017 liegen nicht vor. naJ beF zrM rpA iaM nuJ luJ guA peS tkO voN zeD naJ beF zrM rpA iaM nuJ luJ guA peS tkO voN zeD naJ beF zrM rpA iaM nuJ luJ guA peS tkO voN zeD naJ beF zrM rpA iaM Abb. A-15:
Dort, wo sich prekäre Lebensverhältnisse sozialräumlich häufen, besteht in besonderem Maße bildungspolitischer Handlungsbedarf. Wie in Abschnitt 4.1 gezeigt wurde, ist der Nürnberg-Pass D einerseits bereits ein sozial- und bildungspolitisches Instrument mit einer guten Abdeckung der Zielgruppe und andererseits ein Indikator für die sozialräumliche Ballung soziökonomischer Benachteiligung, auch und gerade weil er neben dem SGB II-Bezug weitere Transferleistungen berücksichtigt. Abbildung A-16 zeigt den Anteil der Nürnberg-Pass-Inhaberinnen und -Inhaber an der Nürnberger Bevölkerung, aufgeteilt nach statistischen Bezirken.
Gesamtstädtische Werte: GGrrooßßggrrüünnddllaacchh Städtisches Mittel: 9,5% Anzahl Personen mit Nürnberg-Pass: 50 978 NNeeuunnhhooff BBuucchheennbbüühhll BBuucchh FFlluugghhaaffeenn TThhoonn SScchhaaffhhooff MMaaxxffeelldd MMuuggggeennhhooff LLaauuffaammhhoollzz AAllttssttaaddtt HHööffeenn BBrruunnnn ZZeerrzzaabbeellsshhooff SStt.. LLeeoonnhhaarrdd GGiibbiittzzeennhhooff DDuuttzzeennddtteeiicchh RRöötthheennbbaacchh FFiisscchhbbaacchh LLaannggwwaasssseerr RReeiicchheellssddoorrff KKoorrnnbbuurrgg N nbg pQasuso itne hdaebr eInrh BaBb2e0ri1n9nen und Inhaber PD$.Wmeritt Nürnberg-Pass
Abb. A-16:
Quote der Inhaberinnen und
Inhaber mit Nürnberg-Pass
nach Bezirken, 2018
Quelle: Amt für Stadtfor-
schung und Statistik für
Nürnberg und Fürth; Statistik
zum Nürnberg-Pass und Ein-
wohnermelderegister. Stand
ist jeweils der 31.12.2018.
Es ist ein sozialräumliches Muster zu erkennen, das bereits aus Betrachtungen der SGB II- Quote bekannt ist.17 Besonders stark ist die Nutzung des Nürnberg-Passes D in einem Korridor vom Nürnberger Westen mit den Stadtteilen Eberhardshof, Muggenhof, Gostenhof und St. Leonhard Schweinau über die Südstadt mit Steinbühl und Galgenhof bis Gleißhammer. Außerdem fallen Langwasser im Südosten und Schafhof sowie Marienberg im Norden auf. In den meisten der mehr ländlich geprägten Regionen des Stadtgebiets wie beispielsweise Großgründlach oder Fischbach liegt die Nutzungsdichte des Nürnberg-Passes unter vier Prozent.
1 Quelle: Stadt Nürnberg, Referat für Jugend, 15 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Existenzsiche- Familie und Soziales, Datenreport Flüchtlinge in rung und soziale Integration, Asylbewerberleis- Nürnberg, Stand: 30.6.2019. tungsstatistik, Stichtag ist jeweils der 31.12. 2 Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik, 16 Quelle: Stadt Nürnberg, Referat für Jugend, Statistik der Schwerbehinderten, Stichtag Familie und Soziales. 31.12.2017. 17 Vgl. Stadt Nürnberg (Hg.), Bildung in Nürnberg 3 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2017, Nürnberg 2017, S. 34. (BMAS), Faktenpapier Migrationspaket: Verbesserungen für Gestattete und Geduldete, www. bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Thema- Arbeitsmarkt/faktenpapier-migrationspaket.pdf?__ blob=publicationFile&v=1, letzter Zugriff: 2.10.2019. 4 Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarkt in Zahlen, Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (SvB) am Wohnort (WO). 5 Vgl. Stadt Nürnberg, Referat für Jugend, Familie und Soziales, Die Entwicklung der Arbeitsmarktintegration in Nürnberg mit Schwerpunkt auf nichteuropäische Asylherkunftsländer und EU-Zuwanderung aus osteuropäischen Staaten, 2018, S. 13. 6 Vgl. §154 Abs. 1 SGB IX. 7 Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Langzeitarbeitslosigkeit (Monatszahlen), Jahresdurchschnitt. 8 Vgl. Klaus Klemm u.a., Soziale Herkunft und Bildung im Spiegel neuerer Studien, in: Burkhard Jungkamp, Marei John-Ohnesorg (Hg.), Soziale Herkunft und Bildungserfolg, library.fes.de/pdffiles/studienfoerderung/12727.pdf, letzter Zugriff: 2.10.2019. 9 Vgl. Stadt Nürnberg (Hg.), Bildung in Nürnberg 2017, Nürnberg 2017, Abbildung A-13, S. 33 und Stadt Nürnberg, Referat für Familie, Jugend und Soziales, Bündnis für Familie, Dritter Nürnberger Familienbericht. Familie im Wandel, Nürnberg 2019, Abbildung 16, S. 34. 10 Vgl. Stadt Nürnberg (Hg.), Bildung in Nürnberg 2017, Nürnberg 2017, S. 33. 11 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Arbeitsmarktdaten und Haushaltegenerierung; eigene Berechnung. 12 Stadt Nürnberg, Amt für Existenzsicherung und soziale Integration – Sozialamt, Das Bildungsund Teilhabepaket in Nürnberg – eine Akzeptanzstudie, 2016, S. 19. 13 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Existenzsicherung und soziale Integration – Sozialamt. 14 Quelle: Ebd.
B
GRUNDINFORMATIONEN ZUR
BILDUNG IN NÜRNBERG
1. Einleitung
Das Bildungssystem ist verwoben – Bund, Länder und Kommunen wirken in komplexer Weise bei der Ausgestaltung zusammen. Behörden, öffentliche und private Bildungsträger, Wirtschaftsunternehmen, gemeinnützige und zivilgesellschaftliche Organisationen konstituieren die kommunale Bildungslandschaft und bestimmen die Qualität und Quantität des Angebots. Während einzelne Felder in hohem Maß in der Planungs- und Umsetzungsverantwortung der Kommune liegen, wird über andere Bereiche der Bildung in München, Bonn oder Berlin entschieden. Und so muss die Kommune mit den Rahmenbedingungen umgehen und vor Ort für ihre Bürgerinnen und Bürger eine passende Bildungslandschaft gestalten. Als „zentrales Feld der kommunalen Daseinsvorsorge“1 ist Bildung ein entscheidendes Thema in der Stadt.
Die Einrichtung kommunaler Bildungsbüros, die in Kooperation mit Fachdienststellen und pädagogischen Diensten Fragen des kommunalen Bildungsmanagements bearbeiten, folgt dieser Prämisse. Zu den Aufgaben zählt die Entwicklung von Kooperationen über Ressorts, politische Ebenen und Professionen hinweg, die Erhöhung der Transparenz des Bildungsangebots, die Bereitstellung von Informationen und Daten zum örtlichen Bildungsgeschehen und die Förderung des Dialogs aller Akteurinnen und Akteure über Bildungsangelegenheiten.
Hierfür hat auch das kommunale Bildungsmanagement in Nürnberg seit 2008 Routinen entwickelt und seitdem laufend angepasst. Noch vor dem ersten Bildungsbericht im Jahr 2011 entstanden im Jahr 2008 Bildungsbeirat und im Jahr 2009 Bildungskonferenz als bildungsbereichsübergreifende Formate der Kommunikation und Vernetzung.
Im Themenfeld Übergang Schule – Beruf koordiniert das Bildungsbüro die städtischen Förderangebote, vernetzt verlässlich alle Akteure und Akteurinnen und beteiligt sich seit 2016 maßgeblich am Aufbau einer Jugendberufsagentur, die die Stadt Nürnberg im Jahr 2018 mit der Arbeitsagentur, dem Jobcenter und in Kooperation mit dem Staatlichen Schulamt gegründet hat. Weiterhin ist das Bildungsbüro aktiv im Bereich der Bildung für Neuzugewanderte, wo Transparenz des Angebots, Bildungsmonitoring sowie die Koordination und Zusammenarbeit angesichts der hohen Dynamik in der Veränderung von Bedarfen Grundvoraussetzung für gelingende Bildungsarbeit sind. Außerdem werden weitere Querschnittsthemen bearbeitet, die aktuell auf der städtischen Agenda stehen: Digitalisierung, Inklusion D, Grundbildung und Bildungsberatung.
Das Bildungsgeschehen zu beschreiben und zu analysieren sowie seine Bedingungen zu bestimmen und Wirkungen zu messen, ist ein Anliegen des Nürnberger Bildungsberichts. Bildungspolitik und Bildungsmanagement können auf Basis der Befunde des Bildungsmonitorings eine vielfältige Bildungslandschaft gestalten und deren Funktion, Kohäsion und Wirksamkeit im Sinne von Bildungsqualität, Bildungsgerechtigkeit und sozialer Teilhabe erhöhen.
2. Lernen im Lebenslauf
So komplex Lernvorgänge aus Sicht des Menschen sind, die Betrachtung des Lernens folgt Kategorien: Es wird zwischen dem formalen, non-formalen und informellen Lernen unterschieden. Die Kommission der Europäischen Gemeinschaften defi niert im Memorandum über Lebenslanges Lernen: Formales Lernen D „fi ndet in Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen statt und führt zu anerkannten Abschlüssen und Qualifi kationen“. Non-formales Lernen D erfolgt dagegen „außerhalb der Hauptsysteme der allgemeinen und berufl ichen Bildung“ und führt nicht zwingend zu einem formalen Abschluss.2 Beim informellen Lernen D handelt es sich nicht notwendigerweise um intentionales Lernen, vielmehr fi ndet es „als natürliche Begleiterscheinung des täglichen Lebens“ in Alltag und Lebenswelt statt.3
Abb. B-1:
gsbericht apitel–
G F E D C
Lebenslanges Lernen
- K
in der Stadt
Nachberufl iche Bereiche
Unterschiedliche Lernorte
Bibliotheken
Berufsbezogene Weiterbildung
Grundbildung und sozial- Museen integrative Weiterbildung
Berufsfachliche Berufl ich und privat Weiterbildung verwertbare Weiterbildung
Theater
Tertiär
Hochschule Fachschule Fachakademie
Musik
Sekundär A Gymnasiale Fachoberschule Duale Ausbildung/Schulberufs- Oberstufe Berufsoberschule ausbildung/Übergangssystem *) B Realschule Gymnasium Förderzentrum Mittelschule Wirtschaftsschule
dneguJ
Kunst
nenreL selamroF Lernen im Lebenslauf
Film
Spielen
Primär
tiehdniK tiehdniK ehürF Nürnberger Bildun
Grundschule Förderzentrum
Sport
*) Diese drei Ausbildungsmöglichkeiten bestehen auch an den Berufsschulen zur sonderpädagogischen Förderung.
Elementar
Ehrenamt retlaneneshcawrE serehöH gnudlibneneshcawrE dnu -neilimaF tiebradneguJ dnu -redniK
Kindergarten, Schulvorbereitende Einrichtung (SVE)
Quelle: Bildungsbüro der
Krippe, Tagespfl ege, Frühförderung retlA retlaneneshcawrE
Stadt Nürnberg.
Die Abbildung B-1 „Lebenslanges Lernen in der Stadt“ entwirft ein systematisches Bild der Bildungslandschaft entsprechend des Lebenslaufs. Der Nürnberger Bildungsbericht zeichnet vom Kapitel C zur Frühkindlichen Bildung bis zum Kapitel G zur Weiterbildung den Bildungsweg entlang der Lebensspanne nach. Bildungsprozesse beginnen immer in der Familie und fi nden dann erstmals mit der frühkindlichen Bildung institutionalisiert in nenreL selamrof-noN H
Kindertageseinrichtungen systematisch und in einem verbindlichen Rahmen nach dem Bildungs- und Erziehungsplan statt. Sie sind ab dem schulischen Primarbereich stark geprägt durch zertifikatsgebundenes Lernen in Schulen, Hochschulen, Akademien und bei weiteren Bildungsträgern. Das non-formale Lernen in allen Phasen des Lebens ist dem gegenüber nicht an bestimmte Abfolgen oder formale Aufnahmebedingungen gebunden, sondern wird durch Neigungen und Gelegenheiten bestimmt. Der Bildungsbericht folgt bei der Betrachtung des non-formalen Lernens in Kapitel H nicht ausschließlich der Perspektive des Lebenslaufs, sondern nimmt auch Analysen nach Sparten, Themen und Einrichtungen vor. Entsprechend finden sich Abschnitte über Museen, Bibliotheken, Kunst und Musik. Hier folgt die Nürnberger Bildungsberichterstattung wie in den vergangenen Jahren dem Anspruch, non-formale Bildungspraxis datengestützt darzustellen.
Neben den an Lebensphasen orientierten Berichtsteilen enthält der Bildungsbericht auch übergeordnete Betrachtungen: Kapitel A fasst allgemeine Rahmenbedingungen zusammen und Kapitel B bietet Grundinformationen über das Bildungsgeschehen und dessen Finanzierung.
3. Kommunale Bildungsausgaben
Nach den letzten Angaben der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder im nationalen Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2018“4 kam im Jahr 2015 die Öffentliche Hand (bei einer kleinen Steigerung von 0,2% im Vergleich zu 2013) für 79,3% aller Bildungsausgaben in der Bundesrepublik auf. Im Finanzierungsmix von Bund, Ländern und Kommunen entfielen auf den Bund 10,3% (2013: 10,2%), auf die Länder 52,9% (2013: 53,3%) und auf die Kommunen 16,1% (2013: 15,6%). Während die Bereiche Schule (96,2%) und Hochschule (98,0%) überwiegend öffentlich finanziert werden, ist der private Sektor mit seinen Unternehmen in der Beruflichen Bildung (42,7%) und der Weiterbildung (39,8%) vergleichsweise stärker beteiligt.
Während im Bildungsfinanzbericht – zuletzt im Jahr 20185 – Finanzdaten für den Bildungssektor seit vielen Jahren systematisch von einer zentralen Stelle veröffentlicht werden, unterscheidet sich die kommunale Berichterstattung über Bildungsfinanzen aufgrund fehlender allgemein beachteter Standards weiterhin. Eine einheitliche, systematische Erfassung kommunaler Bildungsausgaben ist zudem erschwert, da in unterschiedlichen Bundesländern, aber auch innerhalb dieser, Kommunen im Bildungssektor unterschiedliche Aufgaben übernehmen: Das kommunale Schulwesen in bayerischen Großstädten oder das in Kommunen unterschiedlich ausgeprägte berufliche Schulsystem seien hier ebenso genannt wie die großen Unterschiede bei der Erfüllung der sogenannten freiwilligen Aufgaben in Kultur und Erwachsenenbildung. Im Bildungsbericht „Bildung in Nürnberg 2015“ begonnen, greift die aktuelle Veröffentlichung bei der Darstellung der städtischen Bildungsausgaben weiterhin auf Angaben des Produkthaushalts der Stadt Nürnberg zurück. Damit steht ein fortschreibungsfähiges Betrachtungssystem zur Verfügung, das in den nächsten Jahren aussagefähige Längsschnittbetrachtungen der Bildungsausgaben für die Stadt Nürnberg ermöglichen wird.
| (in Mio. Euro) | Erträge Zuschüsse, Leistungs- entgelte, u.a. | Aufwendungen | Städtischer Zuschuss- bedarf (= ordent- liches Er- gebnis) | ||
|---|---|---|---|---|---|
| Personal | Sachmittel und Abschrei- bungen | Transfer- leistungen | |||
| Schulen | |||||
| Allgemeinbildende Schulen (inkl. Förderschulen) | 32,23 | 55,78 | 64,72 | 0,06 | 86,43 |
| Berufl iche Schulen | 61,38 | 73,90 | 26,29 | 0,31 | 37,20 |
| Sonstiges (Schulbeförderung, -psychologie, -verwaltung) | 6,55 | 6,60 | 12,69 | 3,28 | 15,97 |
| Kultur und Wissenschaft, Museen | |||||
| Museen, Sammlungen und Ausstellungen | 3,39 | 5,05 | 6,87 | 2,23 | 11,81 |
| Theater | 1,37 | 2,64 | 4,74 | 21,05 | 26,64 |
| Musik | 1,81 | 3,31 | 0,21 | 2,10 | 3,79 |
| Bildungszentrum | 7,57 | 10,28 | 4,52 | 0,00 | 6,96 |
| Stadtbibliothek | 0,96 | 5,29 | 3,19 | 0,01 | 8,65 |
| Stadtarchiv | 0,59 | 2,42 | 0,78 | 0,00 | 2,67 |
| Kulturveranstaltungen und Stadtteilarbeit | 3,58 | 6,54 | 6,04 | 2,52 | 11,04 |
| Kinder, Jugend und Familienhilfe | |||||
| Kinder- und Jugendarbeit | 0,68 | 7,42 | 3,26 | 5,43 | 15,11 |
| Jugendsozialarbeit | 0,92 | 5,00 | 0,18 | 0,00 | 4,25 |
| Kinder in Tageseinrichtungen und Tagespfl ege | 0,15 | 2,24 | 0,15 | 17,01 | 19,26 |
| Tageseinrichtungen für Kinder | |||||
| • Kommunale Kinderkrippen | 3,60 | 4,26 | 0,51 | 0,00 | 1,17 |
| • Kommunale Kindergärten | 15,08 | 22,28 | 7,24 | 0,00 | 14,40 |
| • Kommunale Kinderhorte | 23,13 | 35,11 | 9,16 | 0,01 | 21,18 |
| • Kindertageseinrichtungen freier Träger | 68,97 | 0,82 | 7,91 | 121,17 | 56,90 |
| Tagespfl ege | 4,39 | 0,08 | 5,42 | 0,52 | 1,64 |
| Sonstiges | 3,01 | 6,08 | 2,11 | 3,09 | 8,29 |
| Gesundheit und Sport | |||||
| Gesundheitsdienste | 1,13 | 4,00 | 0,69 | 0,76 | 4,32 |
| Sportförderung | 0,09 | 0,80 | 0,50 | 3,22 | 4,78 |
| Insgesamt | 240,59 | 259,90 | 167,21 | 182,77 | 362,46 |
Tab. B-1:
Bildungsausgaben und
-einnahmen der Stadt
Nürnberg in Mio. Euro, 2018
Anmerkung: Die subsumierten Einzelprodukte im Bereich „Schulen“ D sind im Glossar aufgeführt. Ohne „Sonstiges“ bei „Kultur und Wissenschaft, Museen“. Quelle: Stadt Nürnberg, Stadtkämmerei.
3.1 Bildungskosten im Produkthaushalt der Stadt Nürnberg
Städtische Bildungseinnahmen und Bildungsausgaben des Jahres 2018 lassen sich anhand des Produkthaushalts der Stadt Nürnberg (Tab. B-1) für die Bereiche „Schulen“ D, „Kultur, Wissenschaft und Museen“, „Kinder, Jugend und Familienhilfe“ und „Gesundheit und Sport“ ausweisen und übersichtlich den einschlägigen Verwaltungsgliederungen zuordnen: Schulen und Sportförderung sind dem Geschäftsbereich Schule des 3. Bürgermeisters zuzuordnen, Kultur und Wissenschaft sowie Museen dem Kulturreferat, Kinder-, Jugend- und Familienhilfe dem Sozialreferat und die Gesundheitsdienste dem Umweltreferat.
Die Aufwendungen verschiedener Verwaltungsbereiche werden in der Aufstellung durchgängig den Kategorien „Personal“, „Sachaufwand“ und „Transfer/Zuschüsse“ zugeordnet. Die ausgewiesenen Erträge umfassen unter anderem Zuschüsse des Freistaats Bayern, Teilnahmegebühren und weitere Zuschüsse Dritter an die Stadt Nürnberg. Im „Ordentlichen Ergebnis“ bildet sich im Saldo der städtische Zuschussbedarf für bestimmte Ausgabenbereiche ab. Ein Vergleich der Gesamtsummen dieser Kategorien des Produkthaushalts über alle Bildungsbereiche hinweg zeigt für 2018 im Vergleich mit dem Berichtsjahr 2016, dass sowohl die Erträge: 240,59 Mio. Euro (+16,90 Mio. Euro; +7,6%), die Aufwendungen für Personal: 259,90 Mio. Euro (+13,55 Mio. Euro; +5,5%), für Sachmittel und Abschreibungen: 167,21 Mio. Euro (+15,46 Mio. Euro; +10,2%) und für Transferleistungen: 182,77 Mio. Euro (+17,56 Mio. Euro; +10,6%) sowie der städtische Zuschussbedarf: 362,46 Mio. Euro (+27,93 Mio. Euro; +8,4%) gestiegen sind.
Der städtische Zuschussbedarf (Tab. B-1) erhöhte sich im Vergleich von 2016 und 2018 in den Bereichen Schule sowie Kinder, Jugend und Familienhilfe in ähnlicher Weise: Allgemeinbildende Schulen +6,6%, Berufliche Schulen +8,6%, städtische Kindergärten +7,5%, städtische Kinderhorte +7,6% und Kindertageseinrichtungen freier Träger +8,9%. Im Kulturbereich steigerte sich der Zuschussbedarf bei den Theatern (+4,2%) und bei Kulturveranstaltungen und Stadtteilarbeit (+15,5%).
3.2 Bildungsinvestitionen der Stadt Nürnberg
Ein Blick auf den Mittelfristigen Investitionsplan (MIP) der Stadt Nürnberg 2019 bis 2022 gibt Hinweise auf aktuelle Schwerpunktsetzungen der Kommune und verdeutlicht gleichzeitig, wie hoch die Investitionstätigkeit im Bildungsbereich ausfällt. Der jeweils für ein Planjahr und die drei Folgejahre von der Stadtkämmerei aufgestellte MIP umfasst alle größeren städtischen Investitionen und Pauschalen und zeigt auf, welche Anteile jeweils aus städtischen Eigenmitteln und welche über Drittmittel, insbesondere Förderungen des Freistaats Bayern, finanziert werden.
Der aktuelle MIP umfasst für die Jahre 2019 bis 2022 – bei einem Gesamtvolumen von 1262,09 Mio. Euro – in den „bildungsrelevanten“ Kategorien Schulen, Kindertageseinrichtungen, Grün- und Spielplätze sowie Sport, Freizeit und Kultur geplante Investitionen in Höhe von 331,60 Mio. Euro (Abb. B-2), was einem Anteil von 26,3% an allen Investitionen entspricht. Ein Teil der Investitionen wird durch Zuschüsse und Beiträge Dritter, etwa des Freistaats Bayern oder des Bundes, finanziert, sodass städtische Investitionen in Höhe von 202,02 Mio. Euro in den genannten Kategorien angesetzt werden. Im Verhält- Abb. B-2: Investitionsschwerpunkte 2019 bis 2022 (nur investiv): Bruttoinvestitionen in nis zum Umfang des gesamten städtischen Anteils an den Bruttoinvestitionen in Höhe
Mio. Euro und Anteile städtischer Zuschüsse
von 766,62 Mio. Euro entspricht dies einem Anteil von 26,4%.
Investitionen in Mio. Euro Schulen (Anteil städtischer Zuschüsse in %) 157,7 180,0 Kindertageseinrichtungen (58,4) (60,0) 0,3 Grün- und Spielplätze (100,0) 62,9 (49,9) 23,8 Sport, Freizeit und Kultur (89,9) Sonstige 276,7 64,9 (26,6) (63,7) Allgemeiner Hochbau Brücken Feuerwehr 299,8 Straßenbau, Radwege, Plätze 48,4 143,3 (70,2) (92,2) (96,9) Verwaltungsgebäude ÖPNV 4,7 (100,0)
Abb. B-2:
Investitionsschwerpunkte
2019 bis 2022 (nur investiv): Bruttoinvestitionen in Mio.
Euro und Anteile städtischer
Zuschüsse
Quelle: Stadt Nürnberg,
Finanzreferat; Mittelfristiger
Investitionsplan.
Quelle: Stadt Nürnberg, Finanzreferat; Mittelfristiger Investitionsplan. Im Mittelfristigen Investitionsplan der Stadt Nürnberg für 2019 bis 2022 ist eine Liste einzelner Investitionsvorhaben enthalten, für die neben dem gesamten Investitionsvolumen auch die Beträge für die Jahre 2019 bis 2020 ausgewiesen werden. Eine Auswahl der Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von über fünf Mio. Euro zeigt, welche großen Projekte im Schulbereich sowie in den Ressorts Kultur und Soziales zu realisieren sind (siehe Tab. B-2). Die benannten Einzelvorhaben werden teilweise in eigener Bautätigkeit, zum Teil auch in der Variante als Öffentlich-Private Partnerschaft (ÖPP) durch einen Dritten beziehungsweise als Öffentlich-Öffentliche Partnerschaft (ÖÖP) durch die städtische Tochtergesellschaft wbg-kommunal erstellt und betrieben. Im Zeitraum 2019 bis 2022 kommen Investitionspauschalen für Digitalisierung in den Nürnberger Schulen in Höhe von 38 Mio. Euro sowie die so bezeichnete Kindergartenpauschale in Höhe von 26,89 Mio. Euro hinzu, in der Bauzuschüsse für Einrichtungen freigemeinnütziger Träger zusammengefasst sind.6 Im Kulturbereich sticht der dritte Bauabschnitt des Künstlerhauses heraus.
Tab. B-2:
| Investitionsvorhaben | 2019 bis 2022 | Gesamt- kosten | Referat/ Geschäfts- bereich |
|---|---|---|---|
| Gretel-Bergmann-Schule (ÖÖP) | 8,25 | 40,95 | 3. BM |
| Kopernikusschule (ÖPP) | 4,47 | 34,70 | |
| Michael-Ende-Schule: Neubau Schule/H ort (ÖÖP) | 11,54 | 39,30 | |
| Adalbert-Stifter-Schule (ÖPP) | 5,22 | 40,97 | |
| Schulzentrum Rothenburgerstr. 401 (ÖP P) | 23,88 | 90,90 | |
| Sigena-Gymnasium (ÖPP) | 4,57 | 35,62 | |
| Peter-Vischer-Schule: Aufstockung, Bran dschutz | 3,98 | 8,87 | |
| Bertolt-Brecht-Schule: Neubau (ÖÖP) | 21,80 | 186,67 | |
| Förderzentrum Paul-Moor-Schule: Neub au (ÖPP) | 5,70 | 47,33 | |
| GS und Hort Am Thoner Espan 10 | 20,43 | 35,51 | |
| Neue Hegelstr. 17: Erweiterung | 2,85 | 6,15 | |
| IT-Strategie an Schulen | 38,00 | 85,50 | |
| Gemeinschaftshaus Langwasser: Gener alsanierung 2. BA | 7,91 | 12,82 | Ref. IV |
| Dokuzentrum: abschließender Ausbau | 14,37 | 15,30 | |
| Künstlerhaus: 3. Bauabschnitt | 20,49 | 25,94 | |
| Regionalkindergarten Großreuther Stra ße | 4,93 | 5,00 | Ref. V |
| Regionalkindergarten Zugspitzstraße | 4,93 | 5,00 | |
| Neue Hegelstraße: Neubau Hort | 2,77 | 9,71 |
Investitionsmaßnahmen der
Stadt Nürnberg im Bildungs-
bereich (Auswahl): Mittelfris-
tiger Investitionsplan 2019
bis 2022, Angaben in Mio.
Euro
Anmerkung: Ausgewiesen sind nur Investitionen über 5 Mio. Euro. Quelle: Stadt Nürnberg, Finanzreferat.
4. Bildungsstand und Bildungsabschlüsse
Die Wohnungs- und Haushaltserhebung „Leben in Nürnberg 2017“ des Amts für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth gibt Auskunft über den Stand der formalen Bildung in Nürnberg. Die auf eigenen Angaben der Befragten beruhende Auswertung umfasst sieben Alterskohorten und schließt die allgemeinbildenden und die beruflichen Abschlüsse der Nürnberger Bevölkerung ein (Abb. B-3). Die Aufstellung der Bildungsabschlüsse an allgemeinbildenden Schulen gliedert sich nach vier Ausprägungen: ohne Abschluss, Hauptschulabschluss, Mittlere Reife und Abitur/Hochschulreife. Während sich beim sogenannten Hauptschulabschluss (heute als einfacher oder qualifizierender Abschluss der Mittelschule bezeichnet) gegenüber 2015 kaum Veränderungen ergaben, sind die Anteile der Befragten mit Abitur und Hochschulreife in den Alterskohorten „25 bis 34 Jahre“ (68% im Vergleich zu 62% im Jahr 2015) und „35 bis 44 Jahre“ (57% im Vergleich zu 54% im Jahr 2015) nochmals größer geworden. Der Anteil der Befragten mit mittlerem Schulabschluss blieb mit Ausnahmen der Alterskohorte „18 bis 24 Jahre“ (Erhöhung auf 30% gegenüber 24% im Jahr 2015) und „25 bis 34 Jahre“ (Verringerung auf 20%) in den übrigen Kohorten vergleichbar groß. Bei den allgemeinbildenden Schulabschlüssen verstärkt sich 2017 der Befund, dass mit zunehmendem
Alter der Anteil der Befragten mit Hauptschulabschluss steigt und der mit Abitur sinkt, nochmals. In der Alterskohorte der 25- bis 34-Jährigen gaben 2017 nur noch 10% der Befragten an, über einen Hauptschulabschluss zu verfügen.
Die Aufstellung über die beruflichen Abschlüsse gibt Auskunft anhand folgender Kategorien: ohne Abschluss, Berufs(fach)schule, Fachschulabschluss und Hochschulabschluss/ Fachhochschulabschluss, wobei die erste Alterskohorte zwischen 18 und 24 Jahren wie in den vergangenen Befragungen eine Ausnahme darstellt. Da in diesem Alter höhere berufliche Abschlüsse in der Regel erst noch erworben werden, überwiegt der Anteil der Befragten mit Berufs(fach)schule (42%). Ab dem Alter von 25 Jahren zeigt sich – vergleichbar mit der Entwicklung bei den allgemeinbildenden Abschlüssen – zunächst ein hoher Anteil der Befragten mit Hochschul- oder Fachhochschulabschluss (59% der 25bis 34-Jährigen), der mit zunehmenden Alter der Befragten kleiner wird (21% der über 75-Jährigen). Gegenläufig erhöht sich der Anteil von Befragten mit Berufs(fach)schule von 28% bei den 25- bis 34-Jährigen auf 57% bei den über 75-Jährigen. Im Vergleich zum Jahr 2015 hat sich die hier beschriebene Entwicklung nochmals verstärkt.
Für Nürnberg kann sowohl für die allgemeinbildenden als auch die beruflichen Bildungsabschlüsse festgehalten werden, dass in den jungen Altersgruppen ab 25 Jahren die höchsten Abschlüsse (Abitur/Hochschulabschluss/Fachhochschulabschluss) noch stärker überwiegen als im Befragungsjahr 2015. Die Haushaltsbefragung der Stadt Nürnberg zeigt, dass der Anteil der Menschen mit höheren Bildungsabschlüssen mit zunehmenden Alter sinkt, was bedeutet, dass in den letzten Jahren zunehmend höhere Bildungsab-
Abb. B-3: Allgemeinbildende und berufliche Bildungsabschlüsse der Nürnberger
schlüsse erworben wurden.
Bevölkerung nach Altersgruppen, 2017
Abb. B-3:
Anteil allgemeinbildende Anteil berufliche Allgemeinbildende und be-
Bildungsabschlüsse (in %) Bildungsabschlüsse (in %) rufliche Bildungsabschlüsse
100 100 der Nürnberger Bevölkerung
| 35 | 29 | 24 | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 52 | 45 | |||||
| 68 | 57 | 24 | ||||
| 26 | ||||||
| 27 | 27 | |||||
| 30 | 23 | |||||
| 20 | 33 | 43 | 47 | |||
| 16 | 10 | 16 | 25 |
| 35 | 32 | 27 | 25 | 21 | ||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 46 | ||||||
| 59 | 13 | 13 | 14 | |||
| 10 | 15 | |||||
| 8 | ||||||
| 42 | 8 | 51 | 52 | 57 | ||
| 36 | 47 | |||||
| 28 |
nach Altersgruppen, 2017
90 90
80 80
70 70
60 60
50 50
40 40
30 30
20 20
10 10
0 2 2 4 3 5 3 5 0 12 5 11 7 9 9 7
18 - 24 25 - 34 35 - 44 45 - 54 55 - 64 65 - 74 75 Jahre 18 - 24 25 - 34 35 - 44 45 - 54 55 - 64 65 - 74 75 Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre und älter Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre und älter Quelle: Amt für Stadt-
forschung und Statistik
Abitur, Hochschulreife Hauptschulabschluss Hochschul-/ FH-Abschluss Berufs(fach)schule für Nürnberg und Fürth;
Wohnungs- und Haushalts-
Mittlere Reife Ohne Abschluss Fachschulabschluss Ohne Abschluss erhebung „Leben in Nürnberg 2017“.
Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Wohnungs- und Haushaltserhebung "Leben in Nürnberg 2017".
1 Aachener Erklärung des Deutschen Städtetags, November 2007, www.staedtetag.de/ fachinformationen/bildung/058050/index.html, letzter Zugriff: 2.10.2019. 2 Vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaft, Memorandum über Lebenslanges Lernen, SEK (2000) 1832, Brüssel 2000, S. 9 f. 3 Vgl. ebd. S. 9. 4 Vgl. Autorengruppe Bildungsberichterstattung (Hg.), Bildung in Deutschland 2018, Bielefeld 2018, Abb. B3-3A, S. 269. 5 Statistisches Bundesamt (Destatis) (Hg.), Bildungsfinanzbericht 2018, Wiesbaden 2018. 6 Quelle: Stadt Nürnberg, Haushaltsplan der Stadt Nürnberg 2019, Band 1 Gesamthaushalt, S. 401.
C
FRÜHKINDLICHE BILDUNG
1. Einleitung
In Politik, Öffentlichkeit und Wissenschaft herrscht weitestgehend Einigkeit darüber, dass die vorschulische Lebensphase entscheidend für die Entwicklung von Kindern und deren Kompetenzen ist. Frühkindliche Bildung legt hier Grundlagen für eine gute sprachliche, kognitive und soziale Entwicklung. Vor allem Kinder aus sozial belasteten Familien profitieren von frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung außerhalb der Familie, die gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Vereinbarkeit von Kindererziehung und Berufstätigkeit der Eltern leisten.
Bildungspolitische Bemühungen zielen besonders darauf ab, Kindern den frühen Einstieg in die Einrichtungen der Elementarpädagogik zu ermöglichen und vor allem Familien, die schwer zu erreichen sind, dafür zu gewinnen. Dies zeigt sich auch in den Bestrebungen der Kommunen, Kindertageseinrichtungen, insbesondere für Kinder unter drei Jahren, stetig weiter auszubauen und niedrigschwellige Aufklärungsarbeit zu leisten.
Auch in Nürnberg schreitet der quantitative Ausbau immer weiter voran. Kommunalpolitisches Ziel ist es, bis zum Jahr 2026 für 48% der Kinder unter drei Jahren und für alle Kinder von drei Jahren bis zur Einschulung Plätze zur Verfügung zu stellen. Der gestiegene und immer noch steigende Bedarf an Betreuungsplätzen stellt die Stadt vor die große Herausforderung, mit diesem Schritt zu halten und geeignete Objekte und Standorte für Kita-Neubauten innerhalb des Stadtgebiets ausfindig zu machen. Steigende Kinderzahlen durch Geburtenzuwächse und die Zuwanderung, insbesondere aus dem europäischen Ausland, sind ursächlich für eine steigende Nachfrage. In den vergangenen Jahren wurde durch das städtische Dienstleistungszentrum Kita-Ausbau (DLZ) mit Unterstützung der freigemeinnützigen und privaten Träger von Kindertageseinrichtungen sowie weiteren Investoren eine Vielzahl neuer Plätze geschaffen, 530 allein im Jahr 2018, davon rund 370 in sechs neueröffneten Einrichtungen.1
Um den Eltern den Zugang zu Kita-Plätzen zu vereinfachen, hat das Jugendamt Nürnberg zusammen mit den 172 freien Trägern von insgesamt knapp 500 Nürnberger Kindertageseinrichtungen ein trägerübergreifendes Online-Portal entwickelt, das der Platzsuche, Anmeldung, Vergabe und Verwaltung von Betreuungsplätzen dient. Seit Februar 2019 können Eltern die neue Online-Anmeldemöglichkeit über das „Kita-Portal Nürnberg“ im Krippenbereich in einer Nürnberger Kindertageseinrichtung oder in Tagespflege nutzen. Für Drei- bis Sechsjährige in Kindergärten und Häusern für Kinder begann die Online-Anmeldung ab Herbst 2019. Start für Grundschulkinder in Kinderhorten und Häusern für Kinder ist ab Frühjahr 2020. Unverändert werden Eltern weiterhin von der kommunalen Servicestelle Kitaplatz des Jugendamts bei ihrer Suche unterstützt.
Neben dem quantitativen Ausbau hat die Stadt Nürnberg im Jahr 2007 ein umfangreiches Maßnahmenprogramm zur qualitativen Weiterentwicklung der Bildung, Betreuung und Erziehung in Kindertageseinrichtungen auf den Weg gebracht, welches zuletzt 2018 durch das Jugendamt für die Jahre 2019 und 2020 fortgeschrieben wurde (vergleiche Abschnitt 3.2).
Auch das Land Bayern investiert verstärkt in die frühkindliche Bildung. Seit 1. September 2018 erhalten in Bayern lebende Eltern von ein- und zweijährigen Kindern das sogenannte Bayerische Familiengeld. Es dient der Familienförderung und zielt darauf ab, Eltern und Alleinerziehende mit jüngeren Kindern finanziell zu stärken, um gute Startchancen zu gewährleisten, unabhängig davon, ob das Kind eine Kindertageseinrichtung besucht oder in der Familie betreut wird. Mit dem Familiengeld wurden das bisherige Betreuungsgeld und das Landeserziehungsgeld gebündelt und aufgestockt. Die Eltern werden unabhängig vom Einkommen und einer Erwerbstätigkeit mit 250 Euro pro Monat und Kind, ab dem dritten Kind mit 300 Euro pro Monat, unterstützt. Im Gegensatz zum Bayerischen Betreuungsgeld kann das Bayerische Familiengeld auch zur Finanzierung der Elternbeiträge von Kindertageseinrichtungen eingesetzt werden.
Auf Bundesebene geht es im aktuellen politischen und fachlichen Diskurs insbesondere um die Weiterentwicklung der Qualität in der Kindertagesbetreuung. Bereits im Jahr 2016 wurde auf der Bund-Länder-Konferenz der Entschluss gefasst, dass die Qualitätsentwicklung in Kindertageseinrichtungen und in der Kindertagespflege eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei und gemeinsame Qualitätsentwicklungsziele vereinbart werden müssen. Darauf aufbauend verständigte sich die Jugend- und Familienministerkonferenz 2017 auf Eckpunkte für ein Qualitätsentwicklungsgesetz. Diese bildeten die Grundlage für das am 1. Januar 2019 in Kraft getretene Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität und zur Teilhabe in der Kindertagesbetreuung (Gute-KiTa-Gesetz).2 Mit dem Gute-KiTa-Gesetz unterstützt der Bund die Länder bis 2022 mit insgesamt 5,5 Milliarden Euro bei der Weiterentwicklung der Qualität in der Kindertagesbetreuung und der Gebührenentlastung der Eltern. Die Länder schließen dazu einen Vertrag mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), der ein Handlungs- und Finanzierungskonzept beinhaltet und die umzusetzenden Maßnahmen darlegt. Dabei entscheiden die Länder eigenständig, wie sie die Mittel investieren und wählen aus zehn Handlungsfeldern und Maßnahmen zur Beitragssenkung. Das Bayerische Staatsministerium hat angekündigt, die Gelder gezielt für Maßnahmen einzusetzen, die vor allem der Qualität in Kindertageseinrichtungen und der Beitragsentlastung der Eltern zugutekommen.3
2. Aktuelle Befunde für Nürnberg
2.1 Bevölkerungsentwicklung bei Kindern unter sechs Jahren:
Geburten und Zuwanderung
Die Zahl der Neugeborenen stieg im Jahr 2018 zum siebten Mal in Folge an und betrug zum Jahresende in Summe 5553 Kinder. Betrachtet man die Geburten in Nürnberg nach der Staatsangehörigkeit der Mutter, zeigt sich für das Jahr 2018 folgende Zusammensetzung (Abb. C-1): Von den 5553 Kindern wurden 3406 von deutschen Müttern geboren, 2147 Mütter hatten eine andere Staatsangehörigkeit. Unter den ausländischen Müttern wiesen die rumänischen Frauen die höchste Geburtenzahl (255 Kinder) auf, gefolgt von griechischen Müttern (141 Kinder). Unter den Müttern aus Asylherkunftsländern sind diejenigen aus Syrien (127 Kinder) und dem Irak (100 Kinder) am häufigsten vertreten. Dabei ist zu beachten, dass die Staatsangehörigkeit der Kinder nicht zwangsläufig der
Abb. C-1: Geburten in Nürnberg nach Staatsangehörigkeit der Mutter, 2018
Staatsangehörigkeit der Mütter entspricht.
Abb. C-1:
Geburten in Nürnberg nach Anzahl
Geburten
Staatsangehörigkeit der
Deutschland
Mutter, 2018
Anmerkung: Die Kategorien
1 042
„Neue Zuwanderung – Europa” Neue Zuwanderung – Europa und „Neue Zuwanderung – Flucht” umfassen alle Geburten, bei denen die Staatsangehö- 389 Neue Zuwanderung – Flucht rigkeit der Mutter folgenden Nationalitäten entspricht: Europa: Rumänien, Bulgarien, 3 406 Polen, Griechenland, Kroatien, 716 Sonstige Italien; Flucht: Irak, Syrien, Äthiopien, Iran.
Quelle: Amt für Stadtfor-
schung und Statistik für
Nürnberg und Fürth; Einwohnermelderegister. Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Einwohnermelderegister. Im Stadtgebiet ist die Zahl der Kinder unter sechs Jahren erneut gestiegen. Am 3A1n.m1e2rk.2un0g1: 8Di ele Kbatteegno r3ie0n 1N1eu7e KZuinwdanedre urunntge -r E suerocphas u Jnadh Nreeune iZnu wNaündrnerbunegr gFl.u Icmht uZmefitavsseerng allelei cGhe biustrt esne it bei denen die Staatsangehörigkeit der Mutter folgenden Nationalitäten entspricht: Europa: Rumänien, Bulgarien, dPeomlen ,J Garhierc h2e0nl1an2d ,e Kinroea tiZeun,n Itaahliemn;e F luvcohnt: I2ra6k,0 S0yr ieKni,n Ädtheironpi eunn, Itreanr .drei Jahren und von 1565 Kindern von drei bis unter sechs Jahren zu verzeichnen (Abb. C-2). Bei detaillierter Betrachtung zeigt sich, dass in der Altersgruppe der unter Sechsjährigen zwei Drittel der Kinder einen Migrationshintergrund D aufweisen (65,6%). Der Abbildung C-2 ist ferner zu entnehmen, dass sich die Anzahl der Kinder mit Migrationshintergrund über die Jahre hinweg in Nürnberg stetig erhöht hat, wohingegen die Zahl der Kinder ohne Migrationshintergrund weitestgehend konstant geblieben ist. So stieg im Jahr 2018 die Anzahl der Kinder mit Migrationshintergrund unter sechs Jahren gegenüber 2016 um 1219
Kinder an. Zum Vergleich: Bei Kindern ohne Migrationshintergrund ist im genannten Zeitraum nur bei den Drei- bis unter Sechsjährigen eine Zunahme (+50 Kinder) festzustellen, bei den unter Dreijährigen reduzierte sich die Anzahl um 135 Kinder. Der deutliche Anstieg von Kindern mit Migrationshintergrund ist insbesondere auf den hohen Zuzug von Zuwanderinnen und Zuwanderern aus dem europäischen Ausland sowie der Schutzsuchenden aufgrund von Flucht in den Jahren 2015 und 2016 zurückzuführen Abb. C-2: Kinder unter sechs Jahren in Nürnberg nach Migrationshintergrund, 2012, (vergleiche Kapitel A, Abschnitt 2.1).
2014, 2016 und 2018
Abb. C-2:
Anzahl Kinder Kinder unter sechs Jahren in
16 000 Nürnberg nach Migrations-
| 9 756 | 10 387 | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 7 926 | 8 550 | 7 852 | 8 080 | 8 796 | 9 384 | ||
| 5 310 | 5 461 | 5 584 | 5 449 | 4 864 | 4 845 | 4 847 | 4 897 |
hintergrund, 2012, 2014,
14 000 2016 und 2018
12 000
10 000
8 000
6 000
Anmerkung: Kinder mit Migra-
4 000
tionshintergrund sind sowohl Deutsche mit Migrationshinter-
2 000
grund als auch Ausländerinnen und Ausländer.
2012 2014 2016 2018 2012 2014 2016 2018
Quelle: Amt für Stadtfor-
Unter 3 Jahren 3 bis unter 6 Jahren schung und Statistik für
Nürnberg und Fürth; Ein-
Ohne Migrationshintergrund Mit Migrationshintergrund wohnermelderegister und
MigraPro jeweils am 31.12. Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Einwohnermelderegister und MigraPro jeweils am 31.12. Dem Datenreport „Flüchtlinge in Nürnberg“ des Referats für Jugend, Familie und Soziales ist zu entnehmen, dass zum Stichtag 31.12.2018 im Stadtgebiet insgesamt 818 Kinder unter sechs Jahren mit Fluchthintergrund lebten. Davon waren 594 Kinder jünger Anmerkung: Kinder mit Migrationshintergrund sind sowohl Deutsche mit Migrationshintergrund „D“ als auch aAluss ldänredei rJinanherne u undn dAu 2slä2n4d eKr.inder vier oder fünf Jahre alt.4
2.2 Lebenslagen
Zahlreiche einschlägige Studien thematisierten in den letzten Jahren, dass Bildungschancen mit der sozialen Herkunft zusammenhängen und die materielle Situation von Familienhaushalten die Bildungsbiografie von Kindern beeinflusst. Kinder aus ärmeren Haushalten haben aufgrund weniger verfügbarer finanzieller Mittel geringere Chancen an vielen Bildungsgelegenheiten non-formaler und informeller Art teilzuhaben. Zur Feststellung dessen, wie viele Kinder in Nürnberg von Armut bedroht sind oder in Armut aufwachsen, wurden die Daten zum Bezug von Leistungen nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II) hinzugezogen.
Abbildung C-3 zeigt den Anteil von Kindern unter sechs Jahren in Bedarfsgemeinschaften D mit SGB II-Bezug an allen Kindern am Hauptwohnsitz Nürnberg seit 2010. Abgesehen von leichten Schwankungen im Jahr 2013 geht der Trend nach unten, im Jahr 2018 lebten in Nürnberg insgesamt 4965 Kinder unter sechs Jahren in Bedarfsgemeinschaften mit SGB II-Bezug. Das sind 16,5% aller Kinder dieser Altersgruppe, bei 15,5% (2451) der Kinder unter drei Jahren sowie 17,6% (2514) der Kinder zwischen drei und unter sechs Jahren. Der Anteil von unter Dreijährigen in Bedarfsgemeinschaften im SGB II- Bezug hat sich zwischen den Jahren 2016 und 2018 um 2,6 Prozentpunkte, bei den Drei- bis Sechsjährigen um 3,4 Prozentpunkte reduziert. Dieser Effekt ist auf die positive
Abb. C-3: Kinder unter sechs Jahren in Bedarfsgemeinschaften nach dem SGB II in
Konjunktur am Arbeitsmarkt zurückzuführen (vergleiche Kapitel A, Abschnitt 3).
Nürnberg, 2010 bis 2018
Abb. C-3:
Kinder unter sechs Jahren Anteil Kinder
in Bedarfsgemeinschaften D (in %)
nach SGB II in Nürnberg, 30
2010 bis 2018
24,5
23,8
17,6
15 15,5
Quelle: Amt für Stadtfor-
schung und Statistik für
Nürnberg und Fürth; Einwoh- 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
nermelderegister und Sta-
tistik der Bundesagentur für Unter 3 Jahren 3 bis unter 6 Jahren
Arbeit; eigene Darstellung.
Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Einwohnermelderegister und Statistik der EBiunnwdeosahgnenetruirn fnüre Anr buenit;d e iEgeinnew Doahrsnteellru,n dg.ie Sozialleistungen beziehen, bekommen auf Antrag vom Sozialamt der Stadt Nürnberg den sogenannten Nürnberg-Pass D ausgestellt, der es ermöglicht, Angebote aus den Bereichen Bildung, Kultur, Freizeit und Sport von städtischen Einrichtungen sowie Leistungen von Dritten zu ermäßigten Gebühren in Anspruch zu nehmen. Bedürftige Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene haben zudem Anspruch auf Leistungen nach dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) D, um gleichberechtigt Angebote an Schulen, Kindertageseinrichtungen und in der Freizeit wahrnehmen zu können. Im Vergleich zu anderen Städten ist die Inanspruchnahme in Nürnberg besonders hoch. So zeigte eine Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbands im Bereich Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben, dass im Jahr 2017 in Nürnberg 75,9% der Berechtigten erreicht wurden, bundesweit aber nur knapp 15%.5
5175 Kinder unter sechs Jahren verfügten im Dezember 2018 über einen Nürnberg-Pass, darunter 1577 Kinder im Alter bis unter drei Jahren. Leistungen nach dem BuT nahmen im gleichen Zeitraum 4938 Kinder in Anspruch, darunter 3494 Kinder im Alter von drei bis unter sechs Jahren. Dabei ist zu beachten, dass es für jüngere Kinder, die keine Kindertageseinrichtung besuchen, nur wenige Angebote gibt, die über das Bildungs- und Teilhabepaket gefördert werden.
Die Prävention und Bekämpfung von Armut ist ein wesentlicher Bestandteil der Nürnberger Kinder- und Jugendhilfe und ihres gesetzlichen Handlungsauftrags. Im Rahmen der wirtschaftlichen Jugendhilfe werden demzufolge einkommensschwache Familien durch die Übernahme von Kosten der Kinderbetreuung entlastet. Die Förderung von Bildungsteilhabe und Bildungschancen junger Menschen durch Angebote der Bildung, Betreuung und Erziehung in Kindertageseinrichtungen und die Unterstützung beim Übergang vom Kindergarten in die Schule sind weitere Beispiele.
2.3 Bildungsbeteiligung in den Einrichtungen frühkindlicher
Bildung und der Tagespflege
Bundesweit besuchen immer mehr Kinder bereits vor ihrem dritten Lebensjahr eine Kindertageseinrichtung. Kindertageseinrichtungen sind gemäß des Bayerischen Kinderbildungs- und Betreuungsgesetzes (BayKiBiG) D Kinderkrippen, Kindergärten, Horte und Häuser für Kinder. Im Mittelpunkt der Einrichtungen der frühkindlichen Bildung stehen die Bedürfnisse, die Kinder bis zur Einschulung im Zuge ihrer Entwicklung haben. Gesetzlich gleichgestellt ist die Betreuung in Form der Kindertagespflege durch eine qualifizierte Tagespflegeperson im Umfang von mindestens zehn Wochenstunden pro Kind in geeigneten Räumlichkeiten.
Zum Stichtag 31.12.2018 besuchten in Nürnberg insgesamt 18444 Kinder eine Kindertageseinrichtung im Bereich der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung, darunter 4550 Kinder in Einrichtungen zur Betreuung unter Dreijähriger (Krippen und Häuser für Kinder) und 13894 Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintritt in Einrichtungen im Bereich der Regelförderung (Häuser für Kinder und Kindergärten). Zusätzlich wurden zum gleichen Stichtag 714 Kinder in der Tagespflege betreut, darunter 588 Kinder unter drei Jahren und 126 Kinder ab drei Jahren bis zur Einschulung.6 Während die Anzahl der Kinder unter drei Jahren in der Tagespflege in den letzten Jahren nur leicht gestiegen ist (+6% gegenüber 2013), hat sich die Anzahl der unter Dreijährigen, die in einer Kindertageseinrichtung betreut werden, dagegen deutlich erhöht (+40% gegenüber 2013). Der seit 2013 geltende Rechtsanspruch auf Betreuung für unter Dreijährige sowie steigende Kinderzahlen aufgrund von Geburtenanstieg und Zuwanderung haben die Nachfrage nach Krippenplätzen ansteigen lassen.
Betrachtet man den Anteil der in einer Kindertageseinrichtung betreuten Kinder unter drei Jahren mit Migrationshintergrund D, so zeigt sich, dass sich der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund in Kindertageseinrichtungen in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht hat: seit dem Jahr 2014 um 2,6 Prozentpunkte auf 26,2% im Jahr 2018. Der Anteil an betreuten Kindern mit Migrationshintergrund im Alter zwischen drei und sechs Jahren lag 2018 bei 45,6%, der Anteil an Kindern ohne Migrationshintergrund hingegen bei 54,4%.7 Setzt man diese Anteile (Kinder mit und ohne Migrationshintergrund in Kindertageseinrichtungen) in Relation zur altersgleichen Bevölkerung im Stadtgebiet (dort beträgt der Anteil der unter Dreijährigen sowie der Drei- bis unter Sechsjährigen mit Migrationshintergrund jeweils 65,6%), so ist insbesondere die
Diskrepanz bei den Zahlen für die Kinder im Krippenalter ein Hinweis darauf, dass Kinder mit Migrationshintergrund später und somit auch kürzer Kindertageseinrichtungen besuchen als Kinder ohne Migrationshintergrund.
Eine Aussage darüber, wie viele neuzugewanderte Kinder in Nürnberg Kindertageseinrichtungen besuchen, kann nicht getroffen werden, da die Daten der amtlichen Kinderund Jugendhilfestatistik und des onlinegestützten Abrechnungsportals KiBiG.web lediglich den Migrationshintergrund der Kinder erfassen. Um den Integrationsbeitrag von Kindertageseinrichtungen für neuzugewanderte junge Menschen besser abbilden und steuern zu können, hat das Jugendamt Anfang 2019 eine repräsentative Befragung in Einrichtungen der Regelförderung durchgeführt, deren Auswertung im Dezember 2019 im Jugendhilfeausschuss vorgestellt wird. Künftig soll diese Befragung in regelmäßigen Abständen wiederholt werden.
Trägerschaft der Einrichtungen
Bei differenzierter Betrachtung der Anzahl der in Kindertageseinrichtungen betreuten Kindern bis zur Einschulung nach Trägerschaft und Art der Einrichtung (Abb. C-4) zeigt sich, dass die meisten Kinder in Einrichtungen von kirchlichen Trägern betreut wurden (im Jahr 2018: 8114 Kinder, davon 4326 Kinder in Kindergärten), gefolgt von sonstigen Trägern (im Jahr 2018: 4473 Kinder, davon 2832 Kinder in altersgemischten Einrichtungen D). In den städtischen Einrichtungen wurden insgesamt 3141 Kinder und in Einrich- Abb. C-4: Kinder in Kindertageseinrichtungen in Nürnberg nach Trägerschaft und Art tungen der gemeinnützigen Träger (ohne Kirchen) 2836 Kinder betreut.
der Einrichtung, 2016 und 2018
324 Öffentliche Träger 2 259 425 2016 507 Gemeinn. Träger 814 1 342 (ohne Kirchen) 246 Kirchliche Träger 4 790 3 237 744 Sonstige Träger 899 2 423 331 Öffentliche Träger 2 212 598 2018 430 Gemeinn. Träger 621 1 785 (ohne Kirchen) 248 Kirchliche Träger 4 326 3 540 806 Sonstige Träger 835 2 832 0 1 000 2 000 3 000 4 000 5 000 6 000 7 000 8 000 9 000 Anzahl Krippe Kindergarten Altersgemischte Einrichtung Kinder
Abb. C-4:
Kinder in Kindertagesein-
| 2 259 | 425 | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 507 | 42 | |||||||
| 814 | 1 3 | 42 | ||||||
| 246 | ||||||||
| 4 790 | 3 237 | |||||||
| 744 | ||||||||
| 899 | 2 42 | 3 | ||||||
| 331 | 2018 | |||||||
| 2 212 | 598 | |||||||
| 430 | 5 | |||||||
| 621 | 1 78 | 5 | ||||||
| 248 | ||||||||
| 4 326 | 3 540 | |||||||
| 806 | ||||||||
| 835 | 2 8 | 32 |
richtungen in Nürnberg nach
Trägerschaft und Art der
Einrichtung, 2016 und 2018
Anmerkung: Die Daten geben jeweils den Jahresdurchschnitt an. Quelle: Stadt Nürnberg;
Amt für Kinder, Jugendliche
und Familien – Jugendamt; KiBiG.web. Quelle: Stadt Nürnberg; Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt; KiBiG.web.
Anmerkung: Die Daten geben jeweils den Jahresdurchschnitt an.
Betrachtet man den Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund in Kindergärten nach Trägerschaft (ohne Schulkinder), zeigt sich, dass dieser in städtischen Einrichtungen am höchsten ist (Abb. C-5): Kinder mit Migrationshintergrund stellen dort mit 71,8% beinahe drei Viertel aller Kinder. Am niedrigsten ist ihr Anteil mit 38,6% in den Einrichtungen Adbebr. C„-s5o: nKsintidgeern i“n, Kminedisetr gpärrivteante nna cThrä Tgräegr evresrcthraeftte nde. r Einrichtung und Migrationshintergrund,
Abb. C-5:
Anteil Kinder (in %) Öffentlicher Träger (n=1 969) 71,8 28,2 Gemeinnütziger Träger 65,7 34,3 (ohne Kirchen) (n=626) Kirchlicher Träger (n=4 100) 57,7 42,3 Sonstiger Träger (n=856) 38,6 61,4 Insgesamt (N=7 551) 59,9 40,1 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 Mit Migrationshintergrund Ohne Migrationshintergrund
Kinder in Kindergärten in
Nürnberg nach Trägerschaft
der Einrichtung und Migra-
| 71,8 | 28,2 | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| 6 | 5,7 | 34,3 | |||
| 57, | 7 | 42, | 3 | ||
| 38, | 6 | 61, | 4 | ||
| 59, | 9 | 40 | ,1 |
tionshintergrund, 2018
Anmerkung: Ohne Schulkinder. Der Migrationshintergrund ist hier definiert nach Familiensprache nicht-deutsch und/ oder mindestens ein Elternteil nicht-deutsch.
Quelle: Amt für Stadtfor-
schung und Statistik für
Nürnberg und Fürth; Kinder-
und Jugendhilfestatistik. Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Kinder- und Jugendhilfestatistik.
Angebote zur Förderung des Einstiegs in Einrichtungen der frühkindlichen Bil-
dung
Anmerkungen: Ohne Schulkinder. Der Migrationshintergrund ist hier definiert nach Familiensprache nicht-deutsch und/oder mind. ein Elternteil nicht-deutsch. Um den frühen Einstieg insbesondere von Kindern mit Fluchterfahrung und Migrationshintergrund in die Kindertagesbetreuung zu fördern, nimmt das Jugendamt seit August 2017 am Bundesprogramm „Kita-Einstieg – Brücken bauen in frühe Bildung“ teil. Das auf drei Jahre angelegte Programm8 sieht unter anderem vor, dass in Kooperation mit unterschiedlichen freien Trägern von Kindertageseinrichtungen Angebote entwickelt und erprobt werden, die den Einstieg von Kindern in das System frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung vorbereiten. Ziel ist es, Familien mit besonderen Zugangsschwierigkeiten an das System der frühen Bildung heranzuführen und so die gesellschaftliche Integration und Partizipation dieser Familien zu fördern. Im Rahmen des Programms besuchten im Jahr 2018 beispielsweise 133 Familien 16 Eltern-Kind-Gruppen.9
Ein ähnliches Angebot für Kinder, die noch keine Kindertageseinrichtung besuchen, bietet der Verein DEGRIN – Begegnung und Bildung in Vielfalt e.V. Im November 2017 startete die „DEGRIN Minis Spielgruppe“, die sich an Kinder im Alter von 18 Monaten bis drei Jahren richtet und zur Eingewöhnung in eine Kindertageseinrichtung beitragen
soll. Eltern können ihre Kinder dreimal pro Woche vormittags für drei Stunden durch eine Erzieherin betreuen lassen, um sie so schrittweise auf den Kindergarten vorzubereiten. Im Jahr 2018 wurde das Angebot von zehn Familien aus Syrien, dem Iran, aus Aserbaidschan, Polen und Deutschland genutzt.10
Das Integrationszentrum für Flüchtlinge – First Steps, Johanniter Nürnberg, bietet seit Ende November 2017 einen „Schnupperkindergarten“ für Familien mit Fluchthintergrund an. In Kleingruppen lernen Kinder zwischen drei und sechs Jahren über sechs Wochen hinweg an jeweils zwei Tagen die Abläufe und Inhalte einer Kindertagesbetreuung kennen. Parallel dazu erhalten die Eltern Informationen über Betreuungsmöglichkeiten und die Vorteile, die durch den Kitabesuch für die Kinder entstehen. Außerdem werden die Eltern bei der Suche nach einem Betreuungsplatz unterstützt und auf Wunsch auch beim Einstieg in den Kindergarten begleitet. Im Jahr 2018 besuchten rund 30 neuzugewanderte Kinder, insbesondere mit Fluchthintergrund, den Schnupperkindergarten.11
Kinder mit bestehender oder drohender Behinderung
Im Jahr 2009 trat in Deutschland die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen12 in Kraft, wodurch die Aufgabe bekräftigt wurde, sich auf den Weg zu einem inklusiven Bildungswesen zu machen. Ausgehend vom Prinzip der Gleichberechtigung ist in Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) das Recht von Menschen mit Behinderung auf Bildung festgeschrieben. Darin bestätigen die Vertragsstaaten, sich für ein einbeziehendes Bildungssystem auf allen Ebenen und lebenslanges Lernen einzusetzen.
Kinder mit Behinderung oder drohender Behinderung D können in Regel- und integrativen Einrichtungen betreut werden. Kindertageseinrichtungen haben grundsätzlich den Auftrag, Kinder mit bestehender oder drohender Behinderung nach Möglichkeit gemeinsam mit Kindern ohne Behinderung zu betreuen und zu fördern, um ihnen eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.13 Ziel ist es, jedem Kind mit Behinderung oder drohender Behinderung den Besuch einer wohnortnahen Kindertageseinrichtung zu ermöglichen und es seinen individuellen Bedürfnissen entsprechend bestmöglich zu fördern. Integrative Kindertageseinrichtungen sind Einrichtungen, die von bis zu einem Drittel, mindestens aber von drei Kindern mit Behinderung oder drohender Behinderung besucht werden. Zudem können Einrichtungen, deren räumliche und personelle Voraussetzungen es zulassen, Einzelintegration D anbieten.
Im Jahr 2018 wurden insgesamt 433 Kinder unter sechs Jahren mit einer (drohenden) Behinderung in einer Nürnberger Kindertageseinrichtung betreut, davon 50 Kinder unter drei Jahren. Deren Anzahl ist im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren gestiegen (Vergleich 2016: 346 Kinder).14 Gründe sind die allgemeine Zunahme von diagnostizierten seelischen Störungen bei jungen Menschen, die häufigere Wahrnehmung und Diagnose von Autismus sowie das Inklusionsgebot der UN-Behindertenrechtskonvention.15 Die Anzahl der integrativen Kindertageseinrichtungen stieg im Vergleich zu 2016 um drei Einrichtungen an und lag im Jahr 2018 bei 52 Einrichtungen. Die Anzahl der
Einrichtungen, in denen Kinder mit bestehender oder drohender Behinderung D im Rahmen der Einzelintegration betreut werden, lag im gleichen Jahr bei 127 Einrichtungen. Sowohl die Anzahl der Kinder mit bestehender oder drohender Behinderung in Kindertageseinrichtungen als auch die Anzahl der Einrichtungen, in denen Kinder mit Behinderung oder von Behinderung bedrohte Kinder im Rahmen der Einzelintegration betreut werden, ist im Zeitverlauf gestiegen (im Jahr 2016: 112 Einrichtungen).16
Zur Unterstützung der Fachkräfte in den Einrichtungen soll ab 2020 eine Fachstelle Inklusion mit drei mobilen Teams aufgebaut werden, die vorrangig für die Stadtteile Gibitzenhof, Schoppershof und Schweinau zuständig sein sollen. Betroffene Familien erhalten dann in Kooperation zwischen Kitateams und den mobilen Teams eine fachlich zielgerichtete Beratung und Unterstützung.17
In den letzten drei Jahren vor Beginn der Schulpflicht können Kinder mit (drohender) Behinderung in Schulvorbereitenden Einrichtungen (SVE) D, die zu Förderzentren gehören, gezielt gefördert werden. Im Schuljahr 2018/19 wurden insgesamt 330 Kinder in 37 Gruppen betreut. 103 Kinder wurden vom Schulbesuch zurückgestellt.18 Ergänzend können Förderschulen bei Bedarf Mobile Sonderpädagogische Hilfe (MSH) in der Familie, in den Kindertageseinrichtungen und im Rahmen der Frühförderung D leisten. In Nürnberg wurden von den fünf sonderpädagogischen Förderzentren und den drei Förderzentren mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung 851 Kinder im vorschulischen Bereich durch die MSH betreut (274 Mädchen und 577 Jungen). Dabei reicht die Spanne der Betreuungsdauer von einer kurzfristigen Beratung bis zur längerfristigen Begleitung und Förderung.19
Unter Federführung des Amts für Existenzsicherung und soziale Integration – Sozialamt Nürnberg wird aktuell der „Lokale Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention“ erarbeitet. In acht Arbeitsgruppen wurden mit Akteuren aus Stadtverwaltung und Zivilgesellschaft zu verschiedenen Lebensbereichen Ziele und Maßnahmen zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in der Stadt Nürnberg entwickelt. Die Arbeitsgruppe „Bildung im Lebensverlauf“, die vom Bildungsbüro geleitet wurde, beschäftigte sich in drei Untergruppen mit der Situation der verschiedenen Altersgruppen und formulierte Zielsetzungen und Umsetzungsideen für eine „inklusivere“ Bildung in der Stadt Nürnberg. In einem nächsten Schritt werden die in den Gruppen erarbeiteten Ergebnisse von der Verwaltung geprüft und gebündelt und anschließend dem Stadtrat übergeben. Anschließend sollen konkrete Umsetzungsvorschläge entwickelt werden.
Besuchs- und Betreuungsquoten
Besuchsquoten D geben das Verhältnis der in Kindertageseinrichtungen betreuten Kinder nach Alter zur Anzahl aller Kinder gleichen Alters in Nürnberg wieder. Im Vergleich zum Jahr 2016 war in drei Altersjahrgängen jeweils eine leichte Abnahme zu beobachten (Abb. C-6): am augenfälligsten bei den Dreijährigen, deren Besuchsquoten zum Vergleichsjahr 2016 um 4,2 Prozentpunkte auf 80,7% sank. Eine leichte Zunahme war dagegen bei den zwei-, fünf- und sechsjährigen Kindern zu verzeichnen. Die höchste
Besuchsquote wiesen, wie auch im Jahr zuvor, Kinder im Alter von fünf Jahren auf (94,7%). Da zum Stichtag 1.3. ein großer Teil der Sechsjährigen bereits die Schule besucht, betrug ihr Anteil beim Kindergartenbesuch nur 46,7%; im Vergleich zum Jahr 2016 hat sich dieser um 1,3 Prozentpunkte erhöht.
Die Betreuungsquote setzt hingegen den Anteil aller – auch in Kindertagespflege – betreuten Kinder zur Anzahl aller Kinder gleichen Alters in Nürnberg ins Verhältnis. Insgesamt wurden demnach im Jahr 2018 ein Drittel (33%) aller unter Dreijährigen in Nürnberg in einer Kindertageseinrichtung oder der Kindertagespflege betreut;20 die Quote dAebrb K. Cin-6d:e Bre usuncthesr qduroeti eJna hdreern K, inddiee retiangee sKeiinndriecrhttaugnegsesntä itnt eN übrensbuecrhgt enna,c hb edtermug A 2lt5er,7 d%er .21
Kinder, 2013 bis 2018
Abb. C-6:
Besuchsquoten für Kinder Besuchsquoten (in %)
in Tageseinrichtungen in
Nürnberg nach Alter, 2013 100 92,4 94,7
bis 2018
46,6
29,7
2,0
Anmerkung: Ohne Kindertages- 20 pflege; ohne Schulkinder. Stichtag ist jeweils der 1.3. Quelle: Amt für Stadtfor- Unter 1 Jahr 1 Jahr 2 Jahre 3 Jahre 4 Jahre 5 Jahre 6 Jahre
schung und Statistik für
Nürnberg und Fürth; Kinder-
2013 2014 2015 2016 2017 2018
und Jugendhilfestatistik, Einwohnermelderegister.
Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Kinder- und Jugendhilfestatistik, Einwohnermelderegister.
Besuchsdauer
DAniem eVrekurwngeenil:d Oahunee rK ivnodenr taKgiensdpfelergne ; ionh nKei nScdhuelrktinadgeer.s Setiicnhrtaicgh isttu jenwgeeilns d kera 1n.3n. den Daten der Schuleingangsuntersuchung (SEU) entnommen werden. Die SEU ist für alle Kinder, die im kommenden Schuljahr eingeschult werden, verpflichtend und dient in erster Linie der frühzeitigen Erkennung von gesundheitlichen oder entwicklungsbezogenen Einschränkungen, die für den Schulbesuch von Bedeutung sind. Neben dem Seh- und Hörvermögen des Kindes liegt das Augenmerk auf den motorischen, sprachlichen, geistig-seelischen und sozialen Fähigkeiten. Zudem wird der Impfstatus der Kinder überprüft.
Bei der SEU für das Schuljahr 2018/19 wurde bei 4286 Kindern mit Hauptwohnsitz in Nürnberg und dem Einschulungsjahr 2018 eine Angabe zur Dauer des Besuchs einer Kindertageseinrichtung gemacht. Demzufolge besuchten stadtweit 5,9% dieser Kinder vor der Einschulung weniger als zwei Jahre und weitere 7,8% genau zwei Jahre eine Kindertageseinrichtung. Der Anteil von Kindern mit einem unter zweijährigen Besuch einer
Kindertageseinrichtung ist im Vergleich zum Schuljahr 2016/17 erneut leicht gestiegen (+0,2 Prozentpunkte; im Vergleich zum Schuljahr 2012/13 beträgt diese Steigerung 2,3 Prozentpunkte). Dies könnte auf die starke Zuwanderung in den Jahren 2015 und 2016 zurückzuführen sein. Zum einen kamen Kinder im Krippen- und Kindergartenalter nach Nürnberg, die nicht sofort eine Kindertageseinrichtung besuchten, zum anderen kamen Kinder, die bereits kurz vor der Einschulung standen. Der Anteil von Kindern mit einem dreijährigen Besuch einer Kindertageseinrichtung reduzierte sich im Vergleich zum vorherigen Schuljahr um 10,6 Prozentpunkte und liegt nun bei 48,1%. Ferner ist den Daten zu entnehmen, dass sich der Anteil von Kindern mit einem mindestens vierjährigen Besuch einer Kindertageseinrichtung im Vergleich zu den Vorjahren kontinuierlich erhöht hat und nun bei 38,1% liegt. Abbildung C-7 zeigt, dass hinsichtlich der Verweildauer von Kindern in Kindertageseinrichtungen eine Verschiebung der Besuchsdauer von drei auf vier und mehr Jahre stattfand und Kinder nun früher in Einrichtungen der frühen Bildung, Betreuung und Erziehung eintraten. Entsprechend dem starken Ausbau an Krippenplätzen ist der Anteil der Kinder mit einem mindestens vierjährigen Besuch einer Kindertageseinrichtung in den letzten sechs Jahren um 28,6 Prozentpunkte gestiegen, während sich der Anteil von Kindern mit einem dreijährigen Besuch im genannten Zeit- Abb C-7: Dauer des Besuchs einer Kindertageseinrichtung, Schuleingangsuntersuchunraum um 31,1 Prozentpunkte reduzierte.
gen 2012/13, 2014/15, 2016/17 und 2018/19
Abb. C-7:
Dauer des Besuchs einer
2012/13 Kindertageseinrichtung,
| 3,6 | 7,9 | 7 | 9,2 | 9,5 | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 4,4 | 5,9 | 63,8 | 25,9 | ||||||
| 5,7 | 6,4 | 5 | 8,7 | 29,2 | |||||
| 5,9 | 7, | 8 | 48,1 | 3 | 8,1 |
Schuleingangsuntersu-
chungen 2012/13, 2014/15,
2016/17 und 2018/19
2014/15
Anmerkung: Die Auswertung 2018/19 bezieht sich nur
2016/17 auf untersuchte Kinder mit
Hauptwohnsitz in Nürnberg und Einschulungsjahr 2018, bei
2018/19 denen eine Angabe zur Dauer
des Besuchs einer Kindertages-
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 einrichtung gemacht wurde
(n=4.286).
Anteil Kinder
(in %) Quelle: Amt für Stadtfor-
Unter 2 Jahren 2 Jahre 3 Jahre 4 und mehr Jahre schung und Statistik für
Nürnberg und Fürth; Stadt
Nürnberg, Gesundheitsamt; Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Stadt Nürnberg, Gesundheitsamt; Schulein- Schuleingangsuntersuchung. gBaenig sduinftfeerrseucnhzuinegr.ter Betrachtung zeigt sich, dass Kinder mit Migrationshintergrund D vor Adnemr eErkinunscgehnu: lDuenr gM ihgräautiofingsheirn tüebrgerurn edi nweirnd ükbüerr zdeier Menu tZteersiptrraacuhme b ehidinerw Eeltegr netienilee eKrfianssdt e(mrtita Mgeigsreatiinorni-chsthuinn-gte rgbreunsud:c mhitnednes teanlss eKini nEldteernr teoilh hnate e iMne ingicrhatt-idoenutsshchien Mteurtgterruspnrdac.h eD). eDri e dArueswijäerhturingge 2 0B18e/s1u9 cbhez ieehint er sich nur auf untersuchte Kinder mit Hauptwohnsitz in Nürnberg und Einschulungsjahr 2018, bei denen eine Angabe zKuirn Ddaeuretr adgese Bseesiunchrisc ehinteurn Kgin dleargta gbeseeii nKricinhtdunegr ng emmaicth tM wuigrdrea t(nio=4n.s28h6i)n.tergrund mit 51,3% etwas höher als der Durchschnitt aller untersuchten Kinder von 48,1% (Abb. C-8). Evident ist auch, dass der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund, die weniger als drei Jahre eine Kindertageseinrichtung besuchten, mit 20,9% deutlich über dem Gesamtdurchschnittswert lag. Beim Vergleich der Daten aus dem Schuljahr 2018/19 mit der Auswertung der Schuleingangsuntersuchung aus dem Schuljahr 2016/17 zeigt sich, dass sich
der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund und einer Besuchsdauer von mehr als drei Jahren erhöht hat (in die Auswertung einbezogen sind nur Kinder, bei denen auch Angaben zur Muttersprache der Eltern vorliegen). Dennoch liegt der Anteil der Kinder ohne Migrationshintergrund mit einem mindestens vierjährigen Besuch einer Kindertageseinrichtung (52,7%) weiterhin weit über dem Anteil der Kinder mit Migrationshin- Abb. C-8: Dauer des Besuchs einer Kindertageseinrichtung nach Migrationshintergrund tergrund (27,9%).
der Kinder, Schuleingangsuntersuchung 2018/19
Abb. C-8:
Insgesamt (N=4 171) 5,8 7,8 48,1 38,3 0,7 Ohne Migrations- 43,8 52,7 hintergrund (n=1 746) 2,7 Mit Migrations- 9,5 11,4 51,3 27,9 hintergrund (n=2 425) 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 Anteil Kinder (in %) Unter 2 Jahren 2 Jahre 3 Jahre 4 und mehr Jahre
Dauer des Besuchs einer
Kindertageseinrichtung nach
| 5,8 | 7 | ,8 | 48,1 | 3 | 8,3 | ||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 0,7 | |||||||
| 43,8 | 52,7 | ||||||
| 2,7 | |||||||
| 9,5 | 11,4 | 51,3 | 27,9 |
Migrationshintergrund der
Kinder, Schuleingangsunter-
suchung 2018/19
Anmerkung: Der Migrationshintergrund wird über die Muttersprache beider Elternteile erfasst (mit Migrationshintergrund: mindestens ein Elternteil hat eine nicht-deutsche Muttersprache). Die Auswertung bezieht sich nur auf untersuchte Kinder mit Hauptwohnsitz in Nürnberg und Einschulungsjahr 2018, bei denen eine Angabe zur Dauer des Besuchs einer Kindertageseinrichtung gemacht wurde und Angaben zur Muttersprache der Eltern vorliegen (n=4171). Quelle: Stadt Nürnberg, Gesundheitsamt; Schuleingangsuntersuchung.
2.4 Ausbau der Kindertageseinrichtungen und der Tagespflege
Quelle: Stadt Nürnberg, Gesundheitsamt; Schulein- An m e r k u i n n ge n N : D ü er r M n ig b ra e tio r n g shintergrund wird über die Muttersprache beider Elternteile erfasst (mit Migrationgangsuntersuchung. shintergrund: mindestens ein Elternteil hat eine nicht-deutsche Muttersprache). Die Auswertung bezieht sich nur auf untersuchte Kinder mit Hauptwohnsitz in Nürnberg und Einschulungsjahr 2018, bei denen eine Angabe zur Dauer Jährlich überprüft das Jugendamt mit einer kleinräumigen Bestands- und Bedarfsanalyse, des Besuchs einer Kindertageseinrichtung gemacht wurde und Angaben zur Muttersprache der Eltern vorliegen (n=w4.i1e7 1v).iele Kitaplätze wann und wo geschaffen werden müssen, um ein entsprechendes Kindertagesbetreuungsangebot vorhalten zu können. Aufgrund der wachsenden Bevölkerungszahlen (vergleiche Kapitel A, Abschnitt 2.1) berücksichtigen die Planungen zum Ausbau der Kindertageseinrichtungen die Bevölkerungsbewegungen und -entwicklungen. Zum Stand Dezember 2018 standen in Nürnberg für Kinder unter drei Jahren 5686 Betreuungsplätze zur Verfügung, davon 4600 Plätze in einer Krippe und 1086 Plätze in der Tagespflege (Abb. C-10).22 Die aktuelle Versorgungsquote für die Betreuung von unter Dreijährigen liegt bei 36,0% und konnte trotz des weiteren Anstiegs der Kinderzahl im Vergleich zum Jahr 2017 beinahe gehalten werden (2017: 36,8%). Das Jugendamt geht davon aus, dass bis 2026 im Rahmen der geltenden Rechtsansprüche für 48% aller Kinder unter drei Jahren und für alle Kinder zwischen drei Jahren und der Einschulung Plätze vorgehalten werden müssen. Demnach wären ausgehend vom aktuellen Platzbestand noch rund 1400 bis 1500 Plätze für Kinder unter drei Jahren zu schaffen, von denen rund 800 Plätze bereits in Planung sind. Die Standorte sollen entsprechend der Nachfrage unterschiedlich ausgebaut werden. Die derzeitigen Standorte der Kindertageseinrichtungen zeigt Abbildung C-9.
Abb. C-9:
Standorte der Kindertages-
einrichtungen (ohne Horte)
in Nürnberg nach Art der
Einrichtung, Mai 2019
Amt für Stadtforschung
und Statistik für
Nürnberg und Fürth
N
Quelle: Sachdaten: Referat
für Jugend, Familie und
Soziales; Kartenerstellung
durch das Amt für Stadtfor-
schung und Statistik für
Nürnberg und Fürth.
Abb. C-9: Plätze für Kinder im Alter unter sieben Jahren in Kindertageseinrichtungen
und in der Tagespflege in Nürnberg, 2002, 2007, 2014 bis 2018
Abb. C-10:
Plätze für Kinder im Alter Anzahl Plätze
unter sieben Jahren in Kin- 16 000 14 832 14 892 15 077 15 196
dertageseinrichtungen und in
| 13 203 12 876 | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 5 686 | ||||||
| 4 723 | 5 189 | 5 494 | 5 533 | |||
| 605 | 1 131 |
der Tagespflege in Nürnberg, 14 000
2002, 2007, 2014 bis 2018
12 000
10 000
8 000
6 000
4 000
2 000
Anmerkung: Stichtag ist jeweils der 31.12.
Quelle: Stadt Nürnberg, 2002 2007 2014 2015 2016 2017 2018
Vorlagen zu den Jugendhilfe-
ausschüssen am 24.9.2015,
Plätze für unter Dreijährige Plätze für Drei- bis Sechsjährige
16.2.2017 und 11.4.2019. Quelle: Stadt Nürnberg, Vorlagen zu den Jugendhilfeausschüssen am 24.9.2015, 16.2.2017 und 11.4.2019.
Für Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren stehen aktuell 15196 Plätze zur Verfügung (Abb. C-10). Die Versorgungsquote beträgt im Bereich der Regelförderung Anmerkung: Stichtag ist jeweils der 31.12. 92% (2017 betrug die Versorgungsquote 93%). Insbesondere die in den letzten Jahren stark gewachsenen Jahrgänge der unter Dreijährigen, die zukünftig Kindergartenplätze benötigen, stellen eine besondere Herausforderung für die weitere Ausbauplanung dar.
Um bis 2026 das gewünschte Versorgungsziel von 102%23 für Kinder zwischen drei Jahren und der Einschulung erreichen zu können, will das Jugendamt rund weitere 2050 Plätze schaffen.
Aufgrund der jüngst sprunghaften Zunahme der Kinder im Alter unter drei Jahren stieg der Bedarf an Kindertagesplätzen stark an. Deswegen hat der Jugendhilfeausschuss im April 2018 den kurzfristigen Bau von sogenannten Regionalkindergärten als Sondermaßnahme beschlossen. Mit einem Umfang von bis zu 300 Plätzen und einem räumlich weit gefassten Versorgungskonzept sollen sie so geplant werden, dass sie möglichst schnell realisiert und in der langfristigen Belegung je nach Bedarfsentwicklung auch für unterschiedliche Zielgruppen (Krippen, Kindergärten und Horte) flexibel genutzt werden können. Entsprechend der kleinräumigen Bedarfskonstellationen und des Erfordernisses, lange Anfahrtswege zu vermeiden, wurden als Standorte die Nürnberger Nordstadt und der Stadtteil Langwasser bestimmt. Beide Einrichtungen sollen jeweils 100 Plätze bereitstellen, die Fertigstellung ist für Herbst 2020 vorgesehen.24 Neben den Sofortmaßnahmen wurde unter anderem im Jugendhilfeausschuss vom 18.9.2019 eine Weiterentwicklung des Förderkonzepts Kindertageseinrichtungen (Föko Kitas) und der Zuschussrichtlinie, über die freie und freigemeinnützige Träger beim Bau beziehungsweise der Anmietung von Kindertageseinrichtungen unterstützt werden, beschlossen.25
3. Qualität der frühkindlichen Bildung
3.1 Anstellungsschlüssel und Qualifikation des Personals
Für die Umsetzung des Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsauftrags ist eine ausreichende Anzahl an qualifizierten Fachkräften nötig. In der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik werden der Anstellungsschlüssel D und die Qualifikation des Personals in einer Einrichtung als wesentliche Indikatoren für die Bestimmung der Qualität einer Kindertageseinrichtung angeführt. Die Kinder- und Jugendhilfestatistik wendet beim Anstellungsschlüssel andere Kriterien an als das Bayerische Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz (BayKiBiG) D, da erstere ausschließlich die Arbeits- und Buchungszeiten zugrunde legt. Nach dem BayKiBiG werden bei der Berechnung des Anstellungsschlüssels Kinder unter drei Jahren, Kinder mit Migrationshintergrund D und Kinder mit Behinderung D beziehungsweise Kinder, die von Behinderung bedroht sind, stärker gewichtet als andere Kinder. Der Mindestanstellungsschlüssel in Bayern liegt bei 1:11; empfohlen wird ein Anstellungsschlüssel von 1:10. Ein Vergleich Nürnbergs mit anderen Städten sowie mit den Bundes- und Landeszahlen ist jedoch nur über die Zahlen der Jugendhilfestatistik möglich.
Der Anstellungsschlüssel lag im Jahr 2018 in städtischen Einrichtungen in Krippen bei 1:7,4, in Kindergärten bei 1:9,6 und in altersgemischten Einrichtungen bei 1:8,5. Der nach dem BayKiBiG empfohlene Anstellungsschlüssel konnte auch in den Einrichtungen der freien Träger eingehalten werden und lag in Krippen bei 1:8,9, in Kindergärten bei 1:9,8 und in altersgemischten Einrichtungen bei 1:9,5.26 Dabei reicht es zur Qualitätssicherung in den Kindertageseinrichtungen nicht aus, den Betreuungsschlüssel durch zusätzliche Fachkräfte weiter zu senken. Vielmehr sind zusätzliche Professionen oder Freistellungen notwendig, um es den Fachkräften zu ermöglichen, sich in erster Linie auf pädagogische Aufgaben zu konzentrieren. Die Sicherstellung eines guten Fachkraft-Kind-Schlüssels in Kindertageseinrichtungen und die Gewinnung von qualifizierten Fachkräften in der Kindertagesbetreuung ist auch eines der Ziele des 2019 in Kraft getretenen Gesetzes zur Weiterentwicklung der Qualität und zur Teilhabe in der Kindertagesbetreuung, des sogenannten Gute-KiTa-Gesetzes (vergleiche Einleitung).
Insgesamt arbeiten anteilig immer mehr pädagogische Fachkräfte mit einem Fachhochschul- oder Universitätsabschluss in den Kindertageseinrichtungen in Nürnberg (ohne Horte). Auch eine Zunahme des Personals mit sonstigen sozialen, medizinischen und heilpädagogischen Abschlüssen kann konstatiert werden. Mit 1773 Erzieherinnen und Erziehern und 1296 Kinderpflegerinnen und -pflegern zum Stichtag 1.3.2018 stellten diese Gruppen aber nach wie vor den größten Personalanteil in den Einrichtungen (ihr Gesamtanteil am pädagogischen Personal betrug 82,5%). Auffällig ist, dass in städtischen Einrichtungen der Erzieher/-innen-Anteil im betrachteten Fünfjahreszeitraum seit 2014 ansteigt (ein Plus von 3,6 Prozentpunkten), während alle anderen Träger diesen reduzierten. Insbesondere die gemeinnützigen Träger (ohne die kirchlichen Träger) schei-
nen vermehrt auf Hochschulabsolvierende mit sonstigen sozialen, medizinischen und heilpädagogischen Abschlüssen zu setzen, während die Einrichtungen in sonstiger, meist privater Trägerschaft, vor allem akademisch ausgebildete (Sozial-)Pädagoginnen und Pädagogen beschäftigen. Den höchsten Anteil an Kinderpfl egerinnen und -pfl egern gibt es nach wie vor bei den Einrichtungen kirchlicher Träger (Tab. C-1).
Tab. C-1:
| Öffentliche Träger (in %) | Gemein- nützigeTräger (ohne Kirchen) (in %) | Kirchliche Träger (in %) | Sonstige Träger (in %) | Insgesamt (in %) | |||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 2014 | 2016 | 2018 | 2014 | 2016 | 2018 | 2014 | 2016 | 2018 | 2014 | 2016 | 2018 | 2014 | 2016 | 2018 | |
| Pädagogisches Personal mit Fachhochschul- oder Universitäts- abschluss | 5,1 | 5,1 | 4,9 | 10,9 | 9,9 | 8,5 | 5,2 | 6,6 | 7,3 | 13,0 | 12,5 | 14,6 | 7,7 | 8,2 | 8,8 |
| Erzieher/-in | 52,7 | 53,7 | 56,3 | 46,8 | 43,7 | 41,6 | 51,4 | 49,6 | 47,7 | 47,1 | 47,4 | 45,5 | 50,1 | 48,9 | 47,7 |
| Kinderpfl eger/-in | 35,5 | 35,3 | 32,4 | 35,4 | 35,3 | 33,3 | 38,4 | 39,2 | 39,2 | 29,6 | 30,4 | 30,7 | 35,5 | 35,8 | 34,8 |
| Sonstige soziale, medizinische und heilpädagogische Abschlüsse, Fachlehrer/-in | 2,0 | 0,0 | 2,6 | 5,1 | 8,3 | 14,7 | 3,2 | 2,5 | 3,9 | 5,4 | 7,3 | 6,6 | 3,7 | 4,5 | 6,3 |
| Praktikant/-in im Anerkennungsjahr | 4,7 | 4,0 | 3,9 | 1,9 | 2,8 | 1,9 | 1,7 | 2,1 | 1,8 | 4,8 | 2,4 | 2,6 | 3,0 | 2,7 | 2,4 |
Pädagogisches Personal in
Kindertageseinrichtungen in
Nürnberg nach Ausbildungs-
abschluss und Trägerschaft,
2014, 2016 und 2018
Anmerkungen: Ohne Verwaltungs- oder hauswirtschaftliches Personal. Ohne Horte.
Quelle: Amt für Stadtfor-
schung und Statistik für
Nürnberg und Fürth; Kinder-
und Jugendhilfestatistik.
Die Anzahl der pädagogisch tätigen Personen hat sich im Jahr 2018 nicht nur in den Kindertageseinrichtungen erhöht, auch in der Kindertagespfl ege ist eine geringfügige Zunahme an pädagogischem Personal festzustellen (im Vergleich zu 2016 ein Plus von neun Personen). Zum 31.12.2018 wurden in Nürnberg 714 Kinder von insgesamt 226 Tagespfl egepersonen betreut;27 die Gesamtzahl des pädagogischen Personals in Kindertageseinrichtungen betrug zum Stichtag 1.3.2018 3720 Personen. Zwar ist eine kontinuierliche Zunahme des Personals in der Tagespfl ege zu beobachten, es handelt sich dabei jedoch um einen leichten Anstieg (2013: 203 Personen; 2018: 226 Personen).
Der Anteil an männlichem pädagogischen Personal in allen Kindertageseinrichtungen in Nürnberg lag zum Stichtag 1.3.2018 bei 8,9% und ist somit im Vergleich zu 2016 um 0,8 Prozentpunkte gesunken. In Krippen betrug der Anteil im Jahr 2018 4,9% und in Kindergärten 5,9%.28
In den Schulvorbereitenden Einrichtungen (SVE) D waren am 1.10.2018 an den Förderzentren insgesamt 91 Lehrkräfte, heilpädagogische Unterrichtshilfen und Förderlehrkräfte und andere pädagogische Mitarbeitende eingesetzt und damit drei Personen weniger als noch vor zwei Jahren.29
3.2 Qualitativer Ausbau der frühkindlichen Bildung
Qualitative Weiterentwicklung der Kindertagesbetreuung
Qualität in der Kindertagesbetreuung ist nicht nur ein zentrales Thema im Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan, sondern wird auch gesetzlich geregelt. Gemäß dem Achten Sozialgesetzbuch sind die Träger der öffentlichen Jugendhilfe dafür verantwortlich, die Qualität der Förderung in den eigenen und den Einrichtungen der freien Träger durch geeignete Maßnahmen sicherzustellen und weiterzuentwickeln.30 Auch im „Orientierungsrahmen für eine nachhaltige Jugend-, Familien-, Bildungs- und Sozialpolitik in Nürnberg“ des Referats für Jugend, Familie und Soziales sind Auftrag und Ziele zur Qualitätsentwicklung in Nürnberg benannt.31 Entsprechend investiert die Stadt Nürnberg seit Jahren gezielt in ein umfangreiches Maßnahmenprogramm zur qualitativen Weiterentwicklung der Bildung, Betreuung und Erziehung in Kindertageseinrichtungen. Für die Jahre 2019 und 2020 beschloss der Jugendhilfeausschuss die bewährten Instrumente der letzten Jahre im Wesentlichen beizubehalten und zu ergänzen. Im Mittelpunkt stehen Maßnahmen, die in Regeleinrichtungen die Familienarbeit unterstützen und die Qualifizierung sowie Weiterentwicklung der Fachkräfte fördern.32 Einrichtungen, die aufgrund sozialräumlicher Bedingungen und Herausforderungen belastet sind, werden weiterhin durch den Zuschuss „Kitaförderung Plus“ unterstützt. Vorgesehen ist zudem, sechs neue „Orte für Familien“ im Stadtgebiet zu finanzieren, davon fünf für freie und einen für den städtischen Träger. Aktuell existieren 27 „Orte für Familien“ in unterschiedlichen Trägerschaften.
Qualitative Weiterentwicklung der Tagespflege
In der Tagespflege nimmt die Qualifizierung der Tagespflegepersonen eine wichtige Schlüsselfunktion ein, das Deutsche Jugendinstitut (DJI) hat hierfür bereits im Jahr 2016 ein kompetenzorientiertes Qualifizierungshandbuch (QHB) entwickelt. In Anlehnung an das QHB wurde durch das Jugendamt mit den beiden freien Trägern für Tagespflege, dem fmf Familienbüro gGmbH und der Tagespflegebörse Kinderhaus Nürnberg, ein mehrstufiges, für Nürnberg angepasstes Konzept entwickelt.33 Es beinhaltet unter anderem eine Erhöhung der Grundqualifizierung von 160 auf 300 Unterrichtseinheiten (UE) sowie eine Verzahnung von Theorie und Praxis. Sowohl die beiden Träger als auch das Jugendamt bewerten das neue Konzept als Erfolg. Die zweite Stufe des Nürnberger Konzepts sieht eine Nachqualifizierung aller Tagespflegepersonen vor, die nach bisherigem Curriculum mit 160 Unterrichtseinheiten qualifiziert wurden. Die Träger für Tagespflege entwickelten hierfür ein Konzept, das aus mehreren Modulen zu ausgewählten Themenbereichen besteht. Um den Betreuungsbetrieb ohne Ausfallzeiten aufrechtzuerhalten und eine Teilnahme zu ermöglichen, ist für die Umsetzung ein zeitlicher Rahmen von Mitte 2019 bis Ende 2021 geplant. Das Jugendamt geht davon aus, dass ab Juli 2019 insgesamt bis zu 20 Nachqualifizierungskurse angeboten werden, um den Gesamtbedarf abzudecken. Um einen Anreiz für die Teilnahme zu schaffen, soll allen Tagespflegepersonen mit einer Qualifizierung von insgesamt mindestens 300 UE ab 2022 eine Erhöhung des Tagespflegeentgelts in Aussicht gestellt werden.34
4. Übergang in die Grundschule
Übergänge sind wichtige Lebensabschnitte, die Familien vor neue Herausforderungen stellen. Für Kinder sind sie Lebensereignisse, die mit einem Wechsel des Umfelds, neuen Aufgaben und Erwartungen sowie einem Rollenwechsel verbunden sind und bewältigt werden müssen. Das deutsche Bildungssystem ist von Übergängen zwischen Familie und Bildungseinrichtungen beziehungsweise zwischen Bildungseinrichtungen gekennzeichnet. Für den Elementarbereich zählen insbesondere die Übergänge von der Familie in die Kindertageseinrichtung und von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule. Übergänge gelingen dann am besten, wenn die daran beteiligten Institutionen und Personen die Familien gut vorbereiten und begleiten.
Bereits im Jahr 2011 entstand zur Verbesserung der Übergänge in gemeinsamer Verantwortung des Jugendamts, des Staatlichen Schulamts und des Geschäftsbereichs des 3. Bürgermeisters Schule und Sport unter Beteiligung der freien Träger und des Bildungsbüros der Steuerungskreis „Übergang Kindergarten – Grundschule“. Der Steuerungskreis hatte die Aufgabe, das kommunale Konzept zum Übergang vom Kindergarten in die Grundschule „Gemeinsam leicht starten“ zu verstetigen und flächendeckend sowie systematisch die Zusammenarbeit von Kindergarten und Grundschule im Sprengel zu verbessern. Seit 2006 haben stadtweit 16 Grundschulen jeweils mit den umliegenden Kindergärten am Programm teilgenommen. Im Schuljahr 2016/17 nutzten noch drei Schulstandorte das Programm, im Schuljahr 2017/18 nahm ein Schulstandort daran teil.35 Eine im Herbst 2018 vom Jugendamt durchgeführte Bestandserhebung mit Hilfe eines Fragebogens für Kindertageseinrichtungen und Grundschulen zeigte, dass das Ziel der flächendeckenden Umsetzung des Programms mit dem bestehenden Konzept nur schwer zu erreichen ist und sich auch unabhängig von dem Programm zahlreiche Kooperationen gebildet haben. Die Auswertung ergab, dass in jedem Grundschulsprengel Angebote zur Begleitung des Übergangs bestehen, teils im Sinne des kommunalen Konzepts „Gemeinsam leicht starten“, teils mit eigenen Programmen. Auf Basis der Erhebung wurde der Entschluss gefasst, dass künftig keine Fortbildungen für das Konzept mehr angeboten werden, jedoch eine Art „Tool-Box Übergang Kindergarten-Grundschule“ (Arbeitstitel) entstehen soll, um allen Beteiligten Arbeitshilfen für die Praxis vor Ort mitgeben zu können.36
Vorkurs Deutsch 240
Eineinhalb Jahre vor der Einschulung können Kinder mit eingeschränkten Deutschkenntnissen unabhängig von ihrer Familiensprache den Vorkurs Deutsch 240 besuchen, der in Zusammenarbeit von Kindergarten und Grundschule durchgeführt wird. Die Vorkurse umfassen 240 Stunden und werden im ersten halben Jahr ausschließlich in der Kindertageseinrichtung durch pädagogische Fachkräfte und im Vorschuljahr gemeinsam von Fach- und Lehrkräften sowohl an der Schule als auch in der Kindertageseinrichtung durchgeführt.
Im Schuljahr 2018/19 nahmen 2547 Kinder am Vorkurs Deutsch 240 teil, das sind 14 Kinder weniger als im Vergleichs-Schuljahr 2016/17. Gleichzeitig reduzierten sich die Lehrerstunden um 30,3% von 891 auf 621 (Abb. C-11). Im selben Zeitraum nahm die AAnbzba Ch-l1 d1:e Tre Gilnruephmpeenn dbee Ki finadste rg alemic Dheeru tKsicnhdkeurrzs a2h4l0 v uonnd 2z9u6r Vaeurff ü1g9u6n gu mste 3h3en,8d%e ab.37
Lehrerstunden, 2010/11 bis 2018/19
Abb. C-11:
Teilnehmende Kinder am
| 642 | |||
|---|---|---|---|
| 1 727 | |||
| 666 | |||
| 1 866 | |||
| 651 | |||
| 1 967 | |||
| 663 | 1 847 | ||
| 1 847 | |||
| 744 | |||
| 1 973 | |||
| 948 | |||
| 2 377 | |||
| 891 | |||
| 2 56 | 1 | ||
| 807 | |||
| 2 | 620 | ||
| 621 | |||
| 2 54 | 7 |
2010/11
Vorkurs Deutsch 240 und zur
Verfügung stehende Lehrer-
2011/12
stunden, 2010/11 bis 2018/19
2012/13
2013/14
2014/15
2015/16
2016/17
2017/18
2018/19
0 500 1 000 1 500 2 000 2 500 3 000
Anzahl Stunden
Lehrerstunden Teilnehmende und Teilnehmende Quelle: Staatliches Schulamt
in der Stadt Nürnberg. Quelle: Staatliches Schulamt in der Stadt Nürnberg.
Projekt Schultüte
Zur Vorbereitung auf die Einschulung und zur Vermittlung allgemeiner Informationen zum bayerischen Schulsystem bietet das Jugendamt speziell für neuzugewanderte Vorschulkinder und deren Familien das Angebot „Schultüte“ an. Es findet in Nürnberger Kindertageseinrichtungen in städtischer sowie freier Trägerschaft statt und setzt sich aus drei Einheiten zusammen, die mit Unterstützung von Referierenden und Fachkräften der Kindertageseinrichtungen Themen rund um die Einschulung spielerisch und lebenspraktisch erfahr- und erlebbar machen. Den Familien werden Informationen wie beispielsweise zur Schulanmeldung oder zur Bedeutung des Lesens sowie grundsätzliches Wissen über den Schulalltag vermittelt. Die Kita-Fachkräfte und die Referierenden werden gemeinsam geschult und in die Themen und Materialien eingeführt. Im Jahr 2018 haben 46 Eltern an dem Programm teilgenommen und das Angebot wurde in acht Einrichtungen durchgeführt.38
5. Schlussbemerkung und Handlungsempfehlungen
Die Stadt Nürnberg räumt dem Ausbau der frühkindlichen Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsangebote eine hohe Priorität ein, um Kindern unabhängig von Herkunft, Wohnort und Einkommen gleiche Startchancen zu ermöglichen. Dabei steht die Kommune vor großen Herausforderungen. Nicht zuletzt seit der Rechtsprechung im Jahr 2013, Kindern ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Betreuungsplatz gewährleisten zu müssen, nimmt die Nachfrage nach Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren zu. Perspektivisch steigt durch die Zuwanderung und den Geburtenanstieg in den letzten Jahren auch die Anzahl der Drei- bis Sechsjährigen, für die Plätze in Kindertageseinrichtungen zur Verfügung gestellt werden müssen. Auch eine zunehmende Berufstätigkeit beider Elternteile führt zu einer erhöhten Nachfrage nach Betreuungsplätzen. Es ist davon auszugehen, dass sich die Situation mit dem geplanten neuen Rechtsanspruch für Grundschulkinder weiter verschärfen wird. Zugleich steht neben dem quantitativen Ausbau auch die Qualität in den Einrichtungen im Mittelpunkt der kommunalen Bemühungen.
Aus den oben genannten Befunden lassen sich weitere Schlussfolgerungen ableiten:
Um künftig die steigende Nachfrage nach Kita-Plätzen ausreichend und rechtzeitig bedienen zu können, sind nach wie vor große Anstrengungen notwendig. Dazu braucht es eine enge Zusammenarbeit mit den städtischen Bauträgern und den freien Trägern sowie die Bereitstellung ausreichender Ressourcen.
Der quantitative Ausbau der Kindertagesbetreuung muss auch mit einer Weiterentwicklung der Qualität einhergehen. Wichtige Grundlagen sind ein den unterschiedlichen Herausforderungen der Einrichtungen angemessener Anstellungsschlüssel und entsprechend qualifizierte Fachkräfte. Dabei spielt auch die Sicherung des bisherigen personellen Qualitätsniveaus und die Weiterentwicklung zu multiprofessionellen Teams eine wichtige Rolle. Die Förderung durch das Gute-KiTa-Gesetz eröffnet hier zusätzliche Chancen.
Die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte ist durch geeignete Öffentlichkeitsarbeit und entsprechende Maßnahmen zu flankieren. Im Sinne einer geschlechtersensiblen und interkulturellen Pädagogik braucht es zudem Konzepte zur Erhöhung des Männeranteils und zur Gewinnung von pädagogischen Fachkräften mit Migrationsgeschichte beim frühpädagogischen Personal.
Die steigende Anzahl an Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf erfordert nicht nur den gezielten Ausbau integrativer Einrichtungen, sondern auch eine Erhöhung der Einzelintegrationsplätze.
Dort, wo sich prekäre Lebensverhältnisse sozialräumlich häufen, bedarf es zusätzlicher Personal- und Projektmittelausstattungen für Kindertageseinrichtungen, insbesondere zur Förderung der Sprach-, Gesundheits- und Medienkompetenz. Darüber hinaus gilt es, Angebote des Bildungs- und Teilhabepakets, insbesondere für unter dreijährige Kinder, auszubauen und deren Zugänge zu verbessern.
Auch wenn die Anzahl von Kindern unter drei Jahren mit Migrationshintergrund in Kindertageseinrichtungen gestiegen ist, sind sie dort im Vergleich zu Kindern ohne Migrationshintergrund nach wie vor unterrepräsentiert. Angesichts der positiven Effekte des Besuches einer Kindertageseinrichtung braucht es weiterhin niedrigschwellige Informationen und eine gezielte Ansprache von Familien mit Migrationshintergrund. Mit dem Bundesprogramm „Kita-Einstieg – Brücken bauen in frühe Bildung“ werden hierzu wichtige Erfahrungen gesammelt. Auch die mehrsprachige Broschüre des Jugendamts „Kitas in Nürnberg“ leistet hier einen wichtigen Beitrag.
Das Erlernen der deutschen Sprache ist eine elementare Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration. Um bis zum Schuleintritt ein ausreichendes sprachliches Niveau zu erreichen, benötigen insbesondere neuzugewanderte Kinder und Kinder mit Migrationshintergrund eine intensive sprachliche Förderung. Hierzu gehören der bedarfsgerechte Ausbau der Vorkurse Deutsch 240 und eine qualifizierte Beratung, Begleitung und Professionalisierung der pädagogischen Fachkräfte bei der alltäglichen Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen. Flankierend sollten den Eltern Unterstützungs- und Sprachangebote zur Verfügung gestellt werden. Der vom Jugendhilfeausschuss beschlossene Einsatz von Sprachberaterinnen und -beratern in kommunalen Einrichtungen ab dem Jahr 2020 ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.39
Die Umsetzung der Inklusion nach der UN-Behindertenrechtskonvention, die interkulturelle Öffnung der Kindertageseinrichtungen, die verstärkte sprachliche Förderung sowie die zunehmende Digitalisierung erfordern gezielte Aus- und Weiterbildungsprogramme sowie fach- und themenspezifische Beratungen für pädagogische Fachkräfte.
1 Quelle: Stadt Nürnberg, Jugendhilfeplanung 14 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, 2019, Angebote der Kindertagesbetreuung in Jugendliche und Familien – Jugendamt; Auswer- Nürnberg, Fortschreibung der kleinräumigen tung auf Basis des KiBiG.web. Bedarfsplanung bis 2026, Vorlage zur Sitzung des 15 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendhilfeausschusses vom 11.4.2019. Jugendliche und Familien – Jugendamt. 2 Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, 16 Ebd. Frauen und Jugend. Das Gute-KiTa-Gesetz, 17 Quelle: Stadt Nürnberg, Zuschuss KiTa-Gewww.bmfsfj.de/gute-kita-gesetz, letzter Zugriff: bühren: Verwendung eingesparter Leistungen. 4.10.2019. Beschlussvorlage zum Jugendhilfeausschuss am 3 Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, 18.9.2019. Frauen und Jugend. Pressemitteilung vom 18 Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik: 23.9.2019, www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/ Förderzentren und Schulen für Kranke in Bayern. presse/pressemitteilungen/bayern-und-der-bund- Stand Oktober 2018. sorgen-fuer-vereinbarkeit-von-familie-undberuf/138598, letzter Zugriff: 4.10.2019. 19 Quelle: Regierung von Mittelfranken. 4 Quelle: Stadt Nürnberg, Referat für Jugend, 20 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Familie und Soziales, Datenreport: Flüchtlinge in Jugendliche und Familien – Jugendamt. Nürnberg, Stand: 31.12.2018. 21 Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik 5 Quelle: Der Paritätische. Empirische Befunde für Nürnberg und Fürth; Kinder- und Jugendzum Bildungs- und Teilhabepaket: Teilhabe- hilfestatistik, Einwohnermelderegister; eigene quoten im Fokus. Kurzexpertise Nr.4/2018, Berechnungen. www.paritaetischer.de/uploads/media/Paritaet._ 22 Quelle: Stadt Nürnberg, Jugendhilfeplanung Expertise_4_2018_Bildungs-_und_Teilhabepaket. 2019, Angebote der Kindertagesbetreuung in pdf, letzter Zugriff:11.10.2019. Nürnberg, Fortschreibung der kleinräumigen 6 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Ju- Bedarfsplanung bis 2026, Vorlage zum Jugendgendliche und Familien – Jugendamt; KiBiG.web. hilfeausschuss am 11.4.2019. 7 Quelle: Ebd. 23 Die rechnerische Versorgungsquote von 102% ergibt sich wegen unterjähriger Fluktuationen 8 Bundesweit nehmen 153 Kommunen am Pround Übergängen. gramm teil und erhalten von 2017 bis Dezember 2020 Fördermittel für eine Koordinierungs- und 24 Quelle: Stadt Nürnberg, Jugendhilfeplanung Netzwerkstelle, für Fachkräfte zur Umsetzung der 2019, Angebote der Kindertagesbetreuung in Angebote sowie projektbezogene Personal- und Nürnberg, Fortschreibung der kleinräumigen Sachmittel. Vgl. Bundesprogramm Kita-Einstieg – Bedarfsplanung bis 2026, Vorlage zum Jugend- Brücken bauen in frühe Bildung, www.kita- hilfeausschuss am 11.4.2019. einstieg.fruehe-chancen.de/, letzter Zugriff: 25 Quelle: Stadt Nürnberg, Zuschuss KiTa-Ge- 4.10.2019. bühren: Verwendung eingesparter Leistungen. 9 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Beschlussvorlage zum Jugendhilfeausschuss am Jugendliche und Familien – Jugendamt. 18.9.2019. 10 Quelle: DEGRIN – Begegnung und Bildung in 26 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Vielfalt e.V. Jugendliche und Familien – Jugendamt. 11 Quelle: Johanniter Nürnberg, First Steps. 27 Quelle: Ebd. 12 Vgl. UN-Behindertenrechtskonvention. Über- 28 Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik einkommen über die Rechte von Menschen mit für Nürnberg und Fürth; Kinder- und Jugendhilfe- Behinderungen, www.behindertenrechtskonven- statistik; eigene Berechnungen. tion.info, letzter Zugriff: 4.10.2019. 29 Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik: 13 In Artikel 11 des Bayerischen Kinderbildungs- Förderzentren und Schulen für Kranke in Bayern. und Betreuungsgesetzes steht: Das pädagogische Stand Oktober 2018. Personal in Kindertageseinrichtungen soll alle 30 Vgl. Sozialgesetzbuch (SGB VIII) Achtes Buch Kinder entsprechend der Vielfalt des menschli- Kinder- und Jugendhilfe, § 22 a SGB VIII Fördechen Lebens unterschiedslos in die Bildungs- und rung in Tageseinrichtungen. Erziehungsprozesse einbinden und jedes Kind entsprechend seinen Bedürfnissen individuell fördern.
31 Der Orientierungsrahmen für eine nachhaltige Jugend-, Familien-, Bildungs- und Sozialpolitik in Nürnberg wurde erstmals 2005 vorgelegt und zuletzt im Jahr 2016 überarbeitet. Mit zehn Leitlinien bildet er eine verbindliche Arbeitsgrundlage für kommunale Sozialpolitik in Nürnberg. Das Thema „Qualität“ bildet einen Schwerpunkt in Leitlinie 2 „Bildung fördern, früh beginnen“. Vgl. www.nuernberg.de/imperia/md/sozialreferat/ dokumente/orientierungsrahmen/nbg_folder_ orientierungsrahmen_web.pdf, letzter Zugriff: 11.10.2019. 32 Qualifizierungsförderung von Kinderpfleger/ -innen, Ausbau der Maßnahme Elternbegleiter/ -innen, Ausbau des Hortklassen-Modells, Weiterführung des Fortbildungsangebots „frühstart“ sowie zusätzliche Finanzierung von Fachkräften in Hort und Kindergärten. Vgl. Stadt Nürnberg, Qualitative Weiterentwicklung der Kindertagesbetreuung in Nürnberg – Fortschreibung 2019–2020, Vorlage zum Jugendhilfeausschuss am 4.10.2018. 33 Vgl. Stadt Nürnberg, Tagespflege: Qualitative Weiterentwicklung in Nürnberg, Entscheidungsvorlage zum Jugendhilfeausschuss am 29.9.2016. 34 Vgl. Stadt Nürnberg, Tagespflege in Nürnberg: (Neu)Qualifizierung und Entgelterhöhung, Entscheidungsvorlage zur Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 4.10.2018. 35 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familie – Jugendamt, Bericht Übergang Kindergarten – Grundschule, Vorlage zur Sitzung des gemeinsamen Jugendhilfe- und Schulausschusses vom 27.6.2019. 36 Vgl. Ebd. 37 Quelle: Staatliches Schulamt in der Stadt Nürnberg; eigene Berechnungen. 38 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt. 39 Quelle: Stadt Nürnberg, Zuschuss KiTa-Gebühren: Verwendung eingesparter Leistungen. Beschlussvorlage zum Jugendhilfeausschuss am 18.9.2019.
D
ALLGEMEINBILDENDE
SCHULEN
1. Einleitung
Aktuelle gesellschaftliche und bildungspolitische Diskussionen spiegeln sich in besonderer Weise im schulischen Kontext wider. Beispielhaft zu nennen sind hier die Herausforderungen im Zusammenhang mit Inklusion, Integration, Nachhaltigkeit von ökologischer, ökonomischer und sozialer Entwicklung und politischer Bildung. Auch die digitale Transformation wirkt sich stark auf den schulischen Bereich aus. Um bessere finanzielle Rahmenbedingungen zu erzielen, wurde der DigitalPakt Schule vom Bund beschlossen, für dessen Umsetzung eine Grundgesetzänderung zur Lockerung des Kooperationsverbots zwischen Bund und Ländern vorgenommen wurde. Zu einem Zeitpunkt, als es noch keine entsprechenden Förderprogramme von Bund und Land gab, wurde für die Nürnberger Schulen bereits eine IT-Strategie entwickelt, um dem Thema Digitale Bildung angemessen und zeitgerecht zu begegnen. Das Konzept „Lernen und Lehren an städtischen und staatlichen Schulen in Nürnberg im Digitalen Zeitalter“ beschreibt den Weg der Nürnberger Schulen in die digitale Zukunft. Enthalten sind unterschiedliche Themenschwerpunkte, die über die pädagogisch-fachlichen Inhalte hinaus im kommunalen Rahmen bearbeitet werden können. Dazu zählen die medienpädagogische Schulentwicklung, die Weiterentwicklung der Lehreraus- und Fortbildung, eine Standardisierung von Hard- und Software, flexible Ausstattungskonzepte für die Klassenzimmer, zentrale Datensicherheit und der Ausbau der IT-Infrastruktur durch Vernetzung und Anbindung der Schulstandorte. Bei der Umsetzung wird ämter- und dienststellenübergreifend zusammengearbeitet.
Einige Rahmenbedingungen haben sich im Schulsystem geändert oder sind in Umstellung, mit verschiedenen Auswirkungen für die jeweiligen Schularten. An den Grundschulen wurde ein neuer Einschulungskorridor zum Schuljahr 2019/20 eingeführt. Ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für alle Kinder im Grundschulalter ab 2025 ist im Koalitionsvertrag1 vorgesehen, was zu Handlungsbedarf auf kommunaler Ebene führt. Der LehrplanPLUS, der bei Lerninhalten und -zielen auf Kompetenzorientierung setzt, wurde ab dem Schuljahr 2017/18 zunächst in den 5. Jahrgangsstufen der weiterführenden Schulen implementiert. An den Gymnasien startete zum Schuljahr 2018/19 die Umstellung auf das neunjährige Gymnasium in den Jahrgangsstufen 5 und 6. Sukzessive geht dies mit erhöhten Raumbedarfen einher, die – auch bedingt durch erhöhte Schülerzahlen – Schulneubauten erforderlich machen. Die bisherigen Übergangsklassen entwickelten sich zum Halbjahr des Schuljahres 2018/19 zu Deutschklassen D mit angepasstem Konzept. An den Wirtschaftsschulen können ab dem Schuljahr 2020/21 6. Jahrgangsstufen eingeführt werden.
Diese veränderten Rahmenbedingungen wirken sich auf den allgemeinschulischen Bereich in der Stadt Nürnberg aus, der im vorliegenden Kapitel datenbasiert dargestellt ist. Dabei werden die meisten Indikatoren aus den vorangegangenen Kapiteln zu allgemeinbildenden Schulen der Nürnberger Bildungsberichte weitergeführt. Um Entwick-
lungen darzustellen, wird – sofern möglich – häufig mit Zeitverläufen oder Vergleichen mit den Befunden des letzten Bildungsberichts gearbeitet. Da die Erhebungsstände der genutzten Datenquellen variieren, kann kein einzelnes Schuljahr als einheitliche zeitliche Referenz verwendet werden. Für die Angaben wird jeweils der aktuellste Stand zum Zeitpunkt der Erstellung dargestellt.
2. Grundinformationen
2.1 Kinder und Jugendliche im Schulalter
Zum 31.12.2018 lag die Anzahl der Kinder mit Hauptwohnsitz in Nürnberg im typischen Alter der Primarstufe zwischen sechs und unter zehn Jahren bei 17730, davon hatten 65,3% einen Migrationshintergrund D. Zur Gruppe der Zehn- bis unter 16-Jährigen (Sekundarstufe I D) zählten 26333 Kinder und Jugendliche, davon 65,1% mit Migrationshintergrund. Bei den 13829 Jugendlichen von 16 bis unter 19 Jahren (Sekundarstufe II) lag der Anteil mit Migrationshintergrund bei 57,6%. In allen Altersgruppen liegt ein Zuwachs vor. Auch der Anteil an Personen mit Migrationshintergrund stieg in allen Altersgruppen an, insbesondere aber bei den 16- bis unter 19-Jährigen (um 4,8 Prozentpunkte).2
Die aktuellsten Vorausberechnungen gehen bis ins Schuljahr 2025/26 von weiterhin wachsenden Schülerzahlen aus.3
2.2 Kinder und Jugendliche in Armut
Ein Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und Lebenssituation wird häufig konstatiert. Armut ist vielschichtig. Als Annäherung an die materielle Dimension von Armut werden hier die Zahlen der Bedarfsgemeinschaften D nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II) mit Kindern und Jugendlichen betrachtet, auch wenn dies kein umfassender Indikator für Armut oder Armutsgefährdung ist. Unter den insgesamt 50308 Haushalten mit Kindern unter 18 Jahren in Nürnberg zum 31.12.2018 gab es 7533 Bedarfsgemeinschaften. Der Anteil lag damit bei 15,0%. Die Anzahl der Bedarfsgemeinschaften mit Kindern zwischen sechs und unter 15 Jahren betrug 4601. Hier ist eine merkliche Abnahme um 577 Bedarfsgemeinschaften im Vergleich zu Ende 2016 festzustellen.4
Die Anzahl der Kinder zwischen sechs und 15 Jahren in Bedarfsgemeinschaften beträgt 7461. Dies entspricht einem Anteil von 17,0% an allen Gleichaltrigen in Nürnberg. Auf den Grundschulbereich bezogen sind es 3110 Kinder zwischen sechs und unter zehn Jahren, bei den Zehn- bis 15-Jährigen entsprechend 4351 in Bedarfsgemeinschaften. Die Gesamtzahl und der Anteil an allen Gleichaltrigen hat sich merklich verringert. Ende 2016 lag sie noch bei 8275 (19,3%) und Ende 2017 bei 8093 (18,7%).5
Zu den Unterschieden zwischen diesen und anderen Altersjahren vergleiche auch Kapitel A, Abschnitt 4.1.
2.3 Befunde der Schuleingangsuntersuchung
Die Schuleingangsuntersuchung (SEU) ist die schulmedizinische Untersuchung von Kindern einer kompletten Geburtskohorte im Jahr vor dem Eintritt der Schulpflicht. Neben gesundheitsbezogenen Aspekten spielt die Beurteilung der Schulfähigkeit der Kinder eine zentrale Rolle und gegebenenfalls wird zu Fördermaßnahmen wie dem Besuch des Vorkurses Deutsch 240 D beraten. Das Augenmerk liegt auf motorischen, sprachlichen, geistig-seelischen und sozialen Fähigkeiten. Im Vorlauf zum Einschulungsjahr 2018/19 umfasste die SEU 4436 Kinder mit Hauptwohnsitz in Nürnberg. Bei 1235 der Kinder (27,8%) wurde zusätzlich eine schulärztliche Untersuchung durchgeführt.
Von allen Kindern, die an der SEU teilnahmen, wurde bei 14,1% eine Entwicklungsstörung im Bereich Sprache, bei 8,8% bei der Feinmotorik, bei 6,6% bei der Grobmotorik und bei 4,9% bei der sozialen Entwicklung festgestellt. Teilweise lagen bei einigen Kindern mehrere Defizite vor. Der Anteil der Kinder mit mindestens einer diagnostizierten Entwicklungsstörung betrug 17,5%.
Eine Analyse des Gesundheitsamts ergab, dass Kinder mit einer längeren Besuchsdauer einer Kindertageseinrichtung im Durchschnitt weniger Defizite bei der Sprachentwicklung aufwiesen.6 Weitere Erkenntnisse aus der SEU, die den Übergang in die Grundschule betreffen, finden sich in Kapitel C in den Abschnitten 2.3 und 4.
3. Schulische Rahmeninformationen
3.1 Schulen
In Nürnberg gab es im Schuljahr 2017/18 insgesamt 146 allgemeinbildende Schulen und berufliche Schulen, die zu einem allgemeinbildenden Abschluss führen (Tab. D-1). Unter den 134 allgemeinbildenden Schulen befanden sich 95 in staatlicher, elf in städtischer und 28 in freier oder kirchlicher Trägerschaft. Von den insgesamt zwölf beruflichen Schulen, die zu einem allgemeinbildenden Abschluss führen, sind vier in staatlicher, drei in städtischer und fünf in freier oder kirchlicher Trägerschaft. Bei den beruflichen Schulen kam zum Schuljahr 2017/18 die Staatliche Fachoberschule II hinzu. Die städtische Abendrealschule, das städtische Hermann-Kesten-Kolleg sowie das private Abendgymnasium sind drei Schulen des zweiten Bildungswegs D, auf die in Abschnitt 5.4 im vorliegenden Kapitel näher eingegangen wird.
Im Stadtgebiet gab es (Stand Schuljahr 2017/18) 51 öffentliche Grundschulen und sechs Grundschulen in freier beziehungsweise kirchlicher Trägerschaft. Im Schuljahr 2018/19 kam eine Schule in freikirchlicher Trägerschaft hinzu.
Die 23 staatlichen Mittelschulen sind in sechs Mittelschulverbünden nach Regionen organisiert. In jedem dieser Verbünde werden ein Ganztagsangebot D, mindestens eine Mittlere-Reife-Klasse (M-Zug) D, drei berufsorientierende Zweige (Technik, Wirtschaft,
| Schulart | Trägerschaft | ||
|---|---|---|---|
| Staatlich | Städtisch | Frei | |
| Grundschule | 51 | - | 6 |
| Mittelschule | 23 | - | 5 |
| Förderzentrum | 10 | - | 5 |
| Realschule | 3 | 4 | 5 |
| Wirtschaftsschule | 1 | 1 | 1 |
| Gymnasium | 8 | 5 | 4 |
| Freie Waldorfschule | - | - | 1 |
| Griechisches Lyzeum | - | - | 1 |
| Abendrealschule | - | 1 | - |
| Abendgymnasium | - | - | 1 |
| Kolleg | - | 1 | - |
| Fachoberschule | 2 | 1 | 4 |
| Berufsoberschule | 1 | 1 | - |
| Gesamt | 99 | 14 | 33 |
Tab. D-1:
Schulen nach Trägerschaft in
Nürnberg, Schuljahr 2017/18
Anmerkung: Die Teilhauptschulen der Privaten Volksschule der Republik Griechenland werden in der Statistik bei den Mittelschulen dreifach gezählt.
Quelle: Bayerisches Landes-
amt für Statistik; Schulstatis-
tik; eigene Berechnungen.
Soziales), individuelle, modulare Förderung der Schülerinnen und Schüler sowie Kooperation mit externen Partnerinnen und Partnern für eine systematische Berufsorientierung angeboten. Die Bertolt-Brecht-Mittelschule als Partnerschule des Leistungssports ist ebenso wie die fünf Mittelschulen in freier Trägerschaft ohne Sprengelpfl icht D zu besuchen.
Von den Förderzentren für Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf D sind neun in staatlicher und fünf in privater Trägerschaft mit den Förderschwerpunkten „Lernen“, „Sehen“, „Hören“, „Sprache“, „Körperliche und motorische Entwicklung“, „Geistige Entwicklung (einschließlich Autismus)“ und „Emotionale Entwicklung“. Sie umfassen Primar- und Sekundarstufe. Daneben existiert die sogenannte Schule für Kranke D in staatlicher Trägerschaft, die als eigenständige Schulart gilt.
Bei den Realschulen gibt es drei in staatlicher und vier in städtischer Trägerschaft. Zu den städtischen Realschulen gehört mit der Adam-Kraft-Realschule eine gebundene Ganztagsschule D. Bei dieser Schulart bestehen mit fünf Schulen vergleichsweise viele Schulen in freier Trägerschaft.
An den insgesamt 17 Gymnasien im Stadtgebiet können alle in Bayern angebotenen Ausbildungsrichtungen besucht werden. Dazu zählen das Humanistische, Sprachliche, Naturwissenschaftlich-technologische, Musische, Wirtschaftswissenschaftliche sowie das Sozialwissenschaftliche Gymnasium.
Wirtschaftschulen, Fachoberschulen (FOS) und Berufsoberschulen (BOS) zählen
zu den berufl ichen Schularten. Da sie ausschließlich zu einem allgemeinbildenden Abschluss führen, werden sie im vorliegenden Kapitel betrachtet.
Die bereits erwähnten Schulen in freier und kirchlicher Trägerschaft ergänzen das Angebot der öffentlichen Schulen in Nürnberg. Zu ihnen zählen reformpädagogische, kirchliche und sonstige Ausrichtungen. In der Regel wird ein Schulgeld erhoben. Die verschiedensten Schularten sind vorhanden. Ein Grundschulangebot haben die Jenaplan-Schule Nürnberg, die Maria-Ward-Schule, die Montessori-Schule, die Private Volksschule der Republik Griechenland und die Wilhelm-Löhe-Schule. Seit dem Schuljahr 2018/19 besteht auch die Mose-Schule, eine Adventistische Grundschule der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Bayern. Die Mittelschule kann bei der Privaten Volksschule der Republik Griechenland, der Montessori-Schule und der Wilhelm-Löhe-Schule besucht werden. Die Förderschulen Karl-König-Schule, Regina-Stein-Schule, Martin-Luther-Schule, Jakob-Muth-Schule und das Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte sind in freier Trägerschaft und verfügen über unterschiedliche Förderschwerpunkte. Bei den Realschulen gibt es die Maria-Ward-Schule, die Wilhelm-Löhe-Schule, die Adolf-Reichwein-Schule und die beiden Sabel-Realschulen in freier Trägerschaft. Die Maria-Ward-Schule, die Wilhelm-Löhe-Schule, das Jenaplan-Gymnasium und das Gymnasium der Sabel-Schulen bieten auch die Schulart Gymnasium an. Die Waldorfschule (Rudolf-Steiner-Schule) unterrichtet die Jahrgänge 1 bis 13 und deckt damit die Primarstufe und die Sekundarstufe ab. Die Wirtschaftsschule Sabel ist in privater Trägerschaft. Vier Fachoberschulen in freier Trägerschaft existieren mit der Wilhelm-Löhe-Schule, der Fachoberschule Mesale e.V., der Montessori-Fachoberschule Franken und der Fachoberschule der Sabel-Schulen. Bei den Schulen des zweiten Bildungswegs ist das Abendgymnasium in freier Trägerschaft. Zusätzlich gibt es das griechische Lyzeum D, welches keiner der üblichen deutschen Schularten entspricht.
3.2 Klassen
Durch die Kultusministerkonferenz (KMK) gibt es Vorgaben für die Klassenbildung an öffentlichen Schulen in Bayern.7 Bei den Schularten außer Grund- und Mittelschule wird abhängig von der Schülerzahl ein Gesamtdeputat an Lehrerstunden ermittelt, welches die Klassenbildung steuert. Klassen an Grundschulen sollen maximal 28 Schulkinder umfassen und an Mittelschulen maximal 30 Schülerinnen und Schüler. An diesen beiden Schularten wird eine Klassenteilung vorgenommen, wenn die Schülerzahl von 25 überschritten wird und hiervon mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler einen Migrationshintergrund D hat. An öffentlichen Nürnberger Grundschulen führte dies im Schuljahr 2018/19 zu 72, an den Mittelschulen zu 23 zusätzlichen Klassen. Für die Grundschulen, an denen es in den Vorjahren 49 (Schuljahr 2017/18) und 38 zusätzliche Klassen (Schuljahr 2016/17) gab, stellt dies einen großen Zuwachs dar.8 Auch besondere Schulangebote wie beispielsweise jahrgangskombinierte Klassen und Klassen des gebundenen Ganztags haben maximal 25 Schülerinnen und Schüler.
Neben den Klassenformen, für die höchstens 25 Schülerinnen und Schüler vorgesehen sind, haben im Schuljahr 2019/20 an öffentlichen Grundschulen mehr Klassen über 25 Schülerinnen und Schülern als dies noch in den Jahren zuvor der Fall war. Bei den Grund-
Tab. D-2:
| Schulart | Nürnberg | Bayern |
|---|---|---|
| Anzahl Schüler/-in- Anzahl Anzahl Schüler/ nen je Klas- Schulen Klassen -innen se (in %) | Schüler/-in- nen je Klas- se (in %) | |
| Grundschule | 57 778 16669 21,4 | 21,1 |
| Mittel-/Hauptschule | 28 419 8557 20,4 | 19,4 |
| Förderzentrum | 15 261 2915 11,2 | 10,6 |
| Realschule | 12 254 6442 25,7 | 26,1 |
| Wirtschaftsschule | 3 36 773 21,5 | 21,3 |
| Gymnasium | 17 369 12254 25,1 | 25,1 |
| Freie Walddorfschule | 1 37 951 25,7 | 24,3 |
| Griechisches Lyzeum | 1 6 133 22,2 | - |
| Abendrealschule | 1 8 211 26,4 | 22,8 |
| Abendgymnasium | 1 11 473 26,5 | 23,7 |
| Kolleg | 1 6 222 19,3 | 17,4 |
| Fachoberschule | 7 126 3168 25,1 | 23,5 |
| Berufsoberschule | 2 31 663 21,4 | 20,6 |
| Gesamt | 146 2342 53431 - | - |
Schulen, Klassen und Schü-
ler/-innen in Nürnberg sowie
Klassenstärke in Nürnberg
und Bayern, Schuljahr
2017/18
Anmerkung: Klassen ohne Kursgruppen der Kollegstufe beziehungsweise der Qualifi kationsphase an Gymnasien, Abendgymnasien und Kollegs.
Quelle: Bayerisches Landes-
amt für Statistik; Schulstatis-
tik; eigene Berechnungen.
schulen waren es im Schuljahr 2016/17 33, zwei Jahre später 47 Klassen und im Schuljahr 2019/20 sind es 54 Klassen. Bei den Mittelschulen schwankte die Anzahl der Klassen mit großer Schülerzahl zwischen 19 und 23 und sank dann zum Schuljahr 2019/20 auf 14 Klassen.9
Die durchschnittlichen Klassenstärken in Nürnbergs allgemeinbildenden Schulen liegen dicht bei den Klassenstärken für Gesamtbayern (Tab. D-2). Lediglich die Mittelschulklassen umfassen im Schnitt eine Schülerin oder einen Schüler mehr. Die Schulen des zweiten Bildungswegs D sind aufgrund geringer Größe und sehr unterschiedlicher Strukturen in Bayern nur eingeschränkt vergleichbar.
An 13 staatlichen und vier privaten Grundschulen bestanden im Schuljahr 2018/19 jahrgangskombinierte Klassen. An den staatlichen Grundschulen ist deren Anzahl von 49 Klassen im Schuljahr 2016/17 auf 56 Klassen angestiegen. An den privaten Grundschulen werden teilweise bis zu vier Jahrgangsstufen in einem Klassenverband unterrichtet. Schulen mit dem Profi l „Flexible Grundschule“ D zeichnen sich unter anderem durch fl exiblen Eingangsunterricht von ein bis drei Jahren in den Jahrgangsstufen 1 und 2 aus und arbeiten ebenfalls jahrgangskombiniert. Mit diesem Profi l waren 40 Klassen an sieben staatlichen Grundschulen und vier Klassen an einer freien Grundschule eingerichtet.10 Zum Förderzentrum Paul-Moor-Schule gehören sieben sonderpädagogische Stütz- und Förderklassen D, die zum Stand Oktober 2019 von 56 Schülerinnen und Schülern besucht wurden.11 Auf Klassen mit inklusivem Konzept wird in Abschnitt 7.2 eingegangen.
3.3 Schülerzahlen
Allgemeinbildende und berufliche Schulen mit allgemeinbildenden Abschlüssen
Insgesamt besuchten im Schuljahr 2017/18 46837 Schülerinnen und Schüler eine der allgemeinbildenden Schulen in Nürnberg (ohne Griechisches Lyzeum und Waldorfschule) und 4604 eine der beruflichen Schulen, die zu einem allgemeinbildenden Abschluss führen. Die Gesamtschülerzahl an den allgemeinbildenden Schulen stieg damit im Vergleich zum Vorvorschuljahr um knapp 900 an, die Schülerzahl an den hier ausgewählten beruflichen Schulen blieb nahezu gleich. Nach Schulart differenziert betrachtet, zeigt sich, dass es an den Grundschulen, Mittelschulen und Realschulen zu einem Anstieg kam und auch die Schülerzahlen der Förderzentren leicht stiegen. An den Gymnasien sind die Zahlen leicht rückläufig (Abb. D-1). Durch die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium und die damit verbundene zusätzliche Jahrgangsstufe werden die Schülerzahlen hier Aabnbs.t eDi-g1e: nE.ntwicklung der Schülerzahlen an allgemeinbildenden Schulen in Nürnberg,
Schuljahre 2007/08 bis 2017/18
Anzahl Schüler/-innen 18 000 16 669 16 000 14 000 12 254 12 000 10 000 8 557 8 000 6 442 6 000 4 000 2 915 2 000 0 2007/08 2008/09 2009/10 2010/11 2011/12 2012/13 2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 Grundschule Gymnasium Haupt-/Mittelschule Realschule Förderzentrum
Abb. D-1:
Entwicklung der Schülerzah-
len an allgemeinbildenden
Schulen in Nürnberg, Schul-
jahre 2007/08 bis 2017/18
Quelle: Amt für Stadtfor-
schung und Statistik für
Nürnberg und Fürth; Schul-
statistik.
Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Schulstatistik. Im Schuljahr 2017/18 besuchten 2692 Schülerinnen und Schüler die 1. bis 9. Jahrgangsstufe eines Förderzentrums (Tab. D-3), der größte Anteil davon den Förderschwerpunkt „Lernen“. Im Vergleich zum Schuljahr 2015/16 stellte dies einen Anstieg um insgesamt 75 Schulkinder dar. Dagegen blieb die Förderschulbesuchsquote D konstant bei 6,5%. Die Quote beinhaltet auch die Anzahl an Schülerinnen und Schüler, die nicht in Nürnberg wohnhaft sind. Dies trifft auf die Förderschwerpunkte „Sehen“, „Hören“ sowie die Schule für Kranke D zu. Lässt man diese Förderschwerpunkte außer Acht, betrug die Förderschulbesuchsquote, wie auch im Schuljahr 2015/16, 5,4%.
Tab. D-3:
| Förderschwerpunkt | Schüleranzahl | Förderschul- besuchsquote (in %) | Verteilung auf Förderschwer- punkte (in %) |
|---|---|---|---|
| Lernen | 848 | 2,0 | 31,5 |
| Sehen | 159 | 0,4 | 5,9 |
| Hören | 146 | 0,4 | 5,4 |
| Sprache | 213 | 0,5 | 7,9 |
| Körperliche und motorische Entwicklung | 116 | 0,3 | 4,3 |
| Geistige Entwicklung (einschl. Autismus) | 364 | 0,9 | 13,5 |
| Emotionale und soziale Entwicklung | 195 | 0,5 | 7,2 |
| Keine Zuordnung (Diagnose- und Förderklasse) | 499 | 1,2 | 18,5 |
| Schule für Kranke | 152 | 0,4 | 5,6 |
| Gesamt | 2692 | 6,5 | 100,0 |
Schüleranzahl in den
Jahrgangsstufen 1 bis 9 an
Förderzentren, Förderschul-
besuchsquote und Verteilung
auf Förderschwerpunkte in
Nürnberg, Schuljahr 2017/18
Anmerkung: Ohne 16 Schüler/ -innen ohne sonderpädagogischen Förderbedarf.
Quelle: Amt für Stadtfor-
schung und Statistik für
Nürnberg und Fürth; Schul-
statistik.
Für die berufl ichen Schulen sind Entwicklungstrends der vergangenen Jahre in Abbildung D-2 dargestellt. Die Anzahl der Schülerinnen und Schülern an den Wirtschaftsschulen ist im Schuljahr 2017/18 weiterhin zumindest leicht rückläufi g. Im Schuljahr 2017/18 waren es noch 773 Schülerinnen und Schüler. Nach der geplanten Einführung der 6. Jahrgangsstufe wird es voraussichtlich zu einer Zunahme kommen. An den Fachoberschulen stiegen die Schülerzahlen innerhalb von zwei Jahren um 7,7% auf 3168. Für die Berufsoberschulen D waren die Zahlen zuletzt stark rückläufi g und lagen bei 663 Schülerinnen und Schülern. Dies entspricht, bei kleinen Fallzahlen, einem Rückgang um Abb. D-2: Entwicklung der Schülerzahlen an beruflichen Schulen, die einen allgemeinbil- 20,1%.
denden Abschluss verleihen, in Nürnberg, Schuljahre 2007/08 bis 2017/18
Abb. D-2:
Anzahl Schüler/-innen Entwicklung der Schülerzah-
len an berufl ichen Schulen,
6 000
die einen allgemeinbildenden
Abschluss verleihen, in Nürn-
5 000
berg, Schuljahre 2007/08 bis
2017/18
4 000
3 168
3 000
2 000
1 000 773
0 Quelle: Amt für Stadtfor-
2007/08 2008/09 2009/10 2010/11 2011/12 2012/13 2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 schung und Statistik für
Fachoberschule Wirtschaftsschule Berufsoberschule Nürnberg und Fürth; Schul-
statistik. Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Schulstatistik.
Das Geschlechterverhältnis (Tab. D-5) in der Schülerschaft ist an den Grund- und Realschulen ausgeglichen. Sowohl an den Gymnasien als auch an den Fachoberschulen überwiegen die Schülerinnen (53,7% beziehungsweise 54,4%). Alle weiteren hier dargestellten Schularten werden überproportional von männlichen Schülern besucht. Am deutlichsten zeigt sich der Unterschied bei den Förderzentren (62,6% männliche Schüler).12
Bei den öffentlichen allgemeinbilden Schulen lag der Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund D an den Grundschulen durchschnittlich bei 56,1%. Für die einzelnen Grundschulen ergeben sich drastische Unterschiede mit Werten von 10,3% bis 86,7%. Der Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund bei den Mittelschulen (71,0%) ist besonders hoch, der an Gymnasien (25,2%) besonders niedrig. Zwischen den öffentlichen Gymnasien herrschen dabei ebenfalls große Unterschiede, die von 7,4% bis 47,0% reichen. Bei allen öffentlichen Gymnasien stieg der Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund zwischen den Schuljahren 2016/17 und 2017/18 um 15,2%, dem höchsten Zuwachs bei den allgemeinbildenden Schulen in Nürnberg.13
Gastschulanträge und Bildungspendlerinnen und -pendler
Der Besuch öffentlicher Grundschulen, Mittelschulen und Förderzentren unterliegt der Sprengelpflicht D. Dadurch findet eine Schulzuweisung aufgrund des Wohnorts statt. Zur Entbindung von der Sprengelpflicht können die Erziehungsberechtigten Gastschulanträge stellen, denen in begründeten Fällen stattgegeben wird. Im Schuljahr 2018/19 wurden für Grundschulen innerhalb Nürnbergs 629 Anträge auf Gastschulbesuch gestellt. Ein geringer Teil der Anträge (6,4%) wurde abgelehnt. Die Zahl der Anträge weist eine steigende Tendenz auf (2016/17: 575; 2017/18: 609). Für Mittelschulen wurden 68 Anträge gestellt, von denen 10,3% abgelehnt wurden. Im Vergleich zu den Vorjahren schwankt sowohl die Anzahl an Anträgen als auch der Anteil der ablehnenden Bescheide im Mittelschulbereich.14
Einige Schulen im Stadtgebiet Nürnbergs werden von Schülerinnen und Schülern, die außerhalb der Stadtgrenzen wohnen, besucht. Nürnberger Kinder und Jugendliche besuchen wiederum Schulen, die außerhalb der Stadt liegen. Für sprengelgebundene öffentliche Schularten sind Gastschulanträge erforderlich. Die Bewilligung dieser Anträge über Gemeindegrenzen hinweg findet im gegenseitigen Einvernehmen von abgebender und aufnehmender Gemeinde statt. Im Schuljahr 2018/19 wurden im Grundschulbereich 89 Anträge und im Mittelschulbereich 33 Anträge an Nürnberger Schulen gestellt, die fast alle zu einem positiven Bescheid führten. Für Schülerinnen und Schüler, die in Nürnberg ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, wurden 44 Anträge an Grundschulen und 25 Anträge an Mittelschulen außerhalb Nürnbergs gestellt. Diese wurden alle beziehungsweise nahezu alle genehmigt.15
Im Schuljahr 2018/19 gab es bei den Realschulen und Gymnasien weniger Einpendlerinnen und Einpendler, also Schülerinnen und Schüler, die von außerhalb Nürnbergs kamen und eine Schule in Nürnberg besuchten, als Auspendlerinnen und Auspendler, also in Nürnberg Wohnende, die eine Schule außerhalb des Stadtgebiets besuchen. Bei den Realschulen waren es 344 Einpendlerinnen und Einpendler, die vor allem aus Erlangen-Höchstadt, dem Landkreis und der Stadt Fürth kamen. Die 443 Auspendlerinnen und Auspendler besuchten zum großen Teil Realschulen im Nürnberger Land, Fürth und Schwabach. Demgegenüber sind die Zahlen für die Gymnasien deutlich höher. 833 Einpendlerinnen und Einpendler kamen vor allem aus dem Nürnberger Land, Erlangen-Höchstadt und dem Landkreis Fürth. Die 1283 Auspendlerinnen und Auspendler besuchten überwiegend Gymnasien im Landkreis Fürth, Erlangen oder dem Landkreis Roth. Zu den Einpendlerinnen und Einpendlern zählten auch Schülerinnen und Schüler der Abendrealschule (50) und des Hermann-Kesten-Kollegs (81).
Bei den Fachoberschulen nahmen die Einpendlerinnen und Einpendler zu: Waren es zwei Jahre zuvor noch 1072 Schülerinnen und Schüler, so pendelten im Schuljahr 2018/19 1186 nach Nürnberg ein. Die Anzahl der Auspendlerinnen und Auspendler dieser Schulart verringerte sich dagegen von 99 im Schuljahr 2016/17 weiter auf nunmehr 68. Auch an den Berufsoberschulen herrschte ein beträchtlicher Unterschied zwischen der Anzahl der einpendelnden (319) und der auspendelnden (15) jungen Menschen.
Die Nürnberger Abendrealschule und das Hermann-Kesten-Kolleg als einzige Schulen ihrer Art im Raum Nürnberg wurden von 50 beziehungsweise 81 Personen, die außerhalb von Nürnberg wohnten, besucht.
3.4 Lehrkräfte
Im Schuljahr 2017/18 waren an Nürnbergs allgemeinbildenden Schulen und beruflichen Schulen, die ausschließlich zu einem allgemeinbildenden Abschluss führen, 4110 Lehrkräfte beschäftigt (Tab. D-4) und damit etwa 100 Lehrkräfte mehr als zwei Jahre zuvor. Mit je rund einem Viertel waren die meisten Lehrkräfte an Grundschulen und Gymnasien tätig. Von allen Lehrkräften waren 70,5% weiblich. Ausgesprochen niedrig war der Anteil der männlichen Lehrkräfte an den Grundschulen, dort gehörte durchschnittlich nur ein Mann zum Lehrerkollegium. Bei den allgemeinbildenden Schularten gab es im Vergleich zum Schuljahr 2015/16 keine nennenswerten Veränderungen.
Die 82 ausländischen Lehrkräfte an Nürnbergs öffentlichen Schulen entsprachen einem Anteil von 1,6% aller Lehrkräfte.16
Der Anteil der Lehrkräfte über 50 Jahre variierte zwischen den Schularten. Bei den allgemeinbildenden Schulen lag er im Schuljahr 2017/18 bei knapp einem Drittel, bei den Beruflichen Oberschulen (FOS und BOS) bei einem Viertel. Besonders hoch ist der Anteil an Lehrkräften, die sich in absehbarer Zeit der Pensionierung nähern und dann nicht mehr
| Schulart | Lehrkräfte gesamt | Lehrkräfte männlich | ||
|---|---|---|---|---|
| Anzahl | Anteil (in%) | Anzahl | Anteil (in%) | |
| Grundschule | 1033 | 25,1 | 80 | 7,7% |
| Mittelschule | 739 | 18,0 | 265 | 35,9% |
| Förderzentrum | 455 | 11,1 | 106 | 23,3% |
| Realschule | 480 | 11,7 | 163 | 34,0% |
| Gymnasium | 1067 | 26,0 | 458 | 42,9% |
| Wirtschaftsschule | 69 | 1,7 | 29 | 42,0% |
| Fachoberschule | 199 | 4,8 | 82 | 41,2% |
| Berufsoberschule | 68 | 1,7 | 29 | 42,6% |
| Gesamt | 4110 | 100,0 | 1212 | 29,5% |
Tab. D-4:
Lehrkräfte in Nürnberg nach
Schulart und Geschlecht,
Schuljahr 2017/18
Anmerkung: Einschließlich teilzeitbeschäftigter Lehrkräfte mit mindestens der Hälfte, aber weniger als der vollen Unterrichtspfl ichtzeit sowie der mit Dienstbezügen abwesenden Lehrkräfte.
Quelle: Bayerisches Landes-
amt für Statistik und Daten-
verarbeitung; Schulstatistik.
dem Lehrkörper zur Verfügung stehen, an der Wirtschaftsschule (40,6%) und dem Förderzentrum (43,3%). Insgesamt verjüngte sich die Lehrerschaft kaum. Lediglich an der Wirtschaftsschule und der Berufsoberschule verringerten sich die Anteile der Lehrkräfte über 50 Jahre in etwas größerem Maße um 13,7 beziehungsweise 12,0 Prozentpunkte, wobei bei diesen beiden Schularten die absoluten Fallzahlen gering sind.17
4. Einschulungen, Übergänge, Schulartwechsel und
Wiederholungen
Das Schulgeschehen in Nürnberg enthält einige Dynamiken: Nach der Primarstufe erfolgt der Übertritt, in unterschiedlichen Jahrgangsstufen wird die Schulart gewechselt oder auch eine Klasse wiederholt. Abbildung D-3 gibt einen Überblick für das Schuljahr 2017/18. Für die Primarstufe als Ganzes und für die einzelnen Jahrgangsstufen bis Klasse 10 der weiterführenden Schulen ist jeweils nach Schulart die Anzahl der Schülerinnen und Schüler, die Wiederholungen und der Schulartwechsel D nach Herkunftsschulart dargestellt. Graphisch werden durch die jeweiligen Kreisdurchmesser Größenverhältnisse erfassbar. So lässt sich beispielsweise für die 7. Jahrgangsstufe der Mittelschule ablesen, dass diese von 1431 Schülerinnen und Schülern besucht wurde, von denen 63 diese Jahrgangsstufe wiederholten. Sechs Schülerinnen und Schüler besuchten ein Jahr zuvor noch ein Förderzentrum, 39 eine Realschule und neun ein Gymnasium.
In den folgenden Abschnitten wird intensiver auf die einzelnen Aspekte der Schülerbewegungen eingegangen.
Abb. D-3:
Förderschule Mittelschule Wirtschaftsschule Realschule Gymnasium Wiederholungen Wiederholungen Wiederholungen Wiederholungen Wiederholungen
1480 676 229 1087 JS 10 62 0 75 23 135 183 0 0 0 0 0 0 0 6 1516 0 77 0 9 11 0 / 0 0 17 0 0 0 0 0 SW
2079 1142 1521 91 231 JS 9 / 9 112 65 328 0 / 0 / 0 7 0 8 54 / 0 0 0 0 0 0 5 / 0 42 / / 0 / 0 SW
1542 1126 1468 106 251 JS 8 / 27 72 123 87 0 8 0 0 0 8 0 / 44 / 0 26 0 / / 0 10 / 0 51 0 0 0 0 0 SW
1431 1069 1459 41 250 JS 7 / 8 112 63 48 0 10 0 / 0 6 0 0 39 9 0 26 0 / / 0 25 0 0 78 0 0 0 0 0 SW
1410 1653 1056 215 JS 6 / 105 46 84 0 15 0 0 0 / 0 0 16 / / 21 0 0 23 0 10 0 / 0 SW
1419 962 1698 222 JS 5 / 30 4092 130 77
197 JS 4 / 56
Grundschule JS = Jahrgangsstufe SW = Schulartwechsel
Schülerzahlen, Schulartwech-
sel und Wiederholungen nach
Schulart und Jahrgangsstufe
an Schulen in Nürnberg,
Schuljahr 2017/18
Anmerkung: Schulartwechsel mit Wiederholung sowie Schulartwechsel, bei denen eine Klasse übersprungen wird, sind nicht dargestellt. Für die Förderschule und Wirtschaftsschule beziehen sich die Schülerzahlen, Wiederholungen und Schulartwechsel an diese Schularten nur auf öffentliche Schulen.
Quelle: Amt für Stadtfor-
schung und Statistik für
Nürnberg und Fürth; Schul-
statistik; eigene Berechnun-
gen.
4.1 Einschulungen
Zum Schuljahr 2017/18 wurden 3785 Kinder an öffentlichen Grundschulen, davon 51,8% mit Migrationshintergrund D, und 195 Kinder an privaten Grundschulen eingeschult. An öffentlichen Förderzentren waren dies 204 Kinder, davon 34,8% mit Migrationshintergrund. 77,5% der 204 Kinder begannen ihre Schullaufbahn an den öffentlichen Förderzentren in Diagnose- und Förderklassen, waren also noch keinem Förderschwerpunkt zugeordnet. An privaten Förderzentren ist die Zahl der Einschulungen über die Schulstatistik nicht ermittelbar, als Annäherung dient die Zahl der Kinder in der ersten Jahrgangsstufe, von denen eine unbestimmte Zahl nicht neu eingeschult wurden. Diese umfasste 104 Kinder.18
Waren es an den öffentlichen Grundschulen, verglichen mit dem Schuljahr 2015/16, nun 99 Schulanfängerinnen und -anfänger weniger, blieb die Anzahl an den Grundschulen in privater Trägerschaft konstant. An den öffentlichen Förderzentren waren es 23 Kinder mehr und in der 1. Jahrgangsstufe der privaten Förderzentren hat sich die Anzahl verdoppelt.
Die bisherige Stichtagsregelung für die Einschulung D sah vor, dass Kinder, die bis zum 30. September ihr sechstes Lebensjahr vollendet haben, in dem jeweiligen Jahr schulpflichtig sind. Davon abweichend konnten Kinder unter gewissen Umständen vorzeitig oder verspätet eingeschult werden. Zum Schuljahr 2017/18 wurden in Nürnberg 90,1% entsprechend der Stichtagsregelung regulär an öffentlichen Grundschulen eingeschult. 1,5% begangen ihre Schullaufbahn vorzeitig und 8,4% verspätet. Damit wurden im Vergleich mehr Kinder regulär eingeschult (Schuljahr 2015/16 87,8%) und weniger vorzeitig oder verspätet. Es waren anteilig mehr Mädchen, die die Schule früher besuchten. Bei den Jungen kam es häufiger zu Rückstellungen. Kinder mit Migrationshintergrund wurden seltener vorzeitig eingeschult und der Anteil mit Rückstellungen war hier doppelt so hoch im Vergleich zu Kindern ohne Migrationshintergrund. Diese Tendenzen sind auch aus den Vorjahren bekannt.19 An den privaten Grundschulen gab es mehr Kinder, die früher oder später begannen. Der Anteil an regulär eingeschulten Kindern lag hier bei 83,6%. Ein neuer Einschulungskorridor wurde zum Schuljahr 2019/20 eingeführt. Kinder, die zwischen dem 1. Juli und 30. September sechs Jahre alt werden, zählen nun zu den sogenannten „Kann-Kindern“. Deren Eltern entscheiden nach Beratung und Empfehlung der Schule, ob ihr Kind zum kommenden Schuljahr oder erst ein Jahr später eingeschult wird. Zum Schuljahr 2019/20 wurden 408 der 1133 im entsprechenden Juli, August oder September geborenen Kinder nicht eingeschult, die auch vor der neuen Einschulungsregelung den Hauptteil der Zurückstellungen ausmachten.20 Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Neuerungen weiterhin auswirken.
4.2 Übergänge vom Primarbereich zum Sekundarbereich I
In den Übertrittszeugnissen, die in den vierten Klassen der Grundschulen als Leistungsfeststellung und zur Orientierung für den weiteren Schulweg ausgestellt werden, wurden im Schuljahr 2018/19 17% der insgesamt 3866 Schülerinnen und Schülern eine Eignung für den Besuch einer Realschule (648) ausgesprochen und 48% für das Gymnasium (1864).21 Diese Zahlen sind über die Jahre vergleichsweise stabil. Nicht jeder folgt der Empfehlung und bei einigen Schülerinnen und Schülern führt der erfolgreiche Besuch des Probeunterrichts zur Wahl einer anderen als der empfohlenen Schulart. Hinzu kommen Weg- und Zuzüge, die bei den Übertrittszahlen zu Abweichungen von den Empfehlungen führen.
Zum Schuljahr 2016/17 beabsichtigten 1665 von insgesamt 3862 Schülerinnen und Schülern einen Übertritt auf ein Gymnasium. Davon waren 830 Jungen, was einem Anteil von 42,3% an allen Jungen entsprach. Bei den Mädchen waren es 835, also 43,9% aller Mädchen, bei denen der Übertritt anstand. Die Anteile der Jungen und Mädchen haben sich im Vergleich zum Schuljahr 2014/15 angenähert. Eine Aussage zur Entwicklung der Gesamtzahl beschränkt sich auf die beabsichtigten Übergänge an den öffentlichen Grundschulen, da es diese Angabe im Schuljahr 2014/15 noch nicht für Grundschulen in freier Trägerschaft gab. Im Schuljahr 2016/17 waren es 1576 Schülerinnen und Schüler an öffentlichen Grundschulen, die einen Übertritt auf das Gymnasium beabsichtigten, und damit 74 mehr als zwei Jahre zuvor.22
Unterschiede zeigten sich nach Staatsangehörigkeit beziehungsweise nach Migrationshintergrund D. Der Anteil der deutschen Kinder ohne Migrationshintergrund, die den Besuch eines Gymnasiums beabsichtigten, lag bei 54,1%, der Anteil deutscher Kinder mit Migrationshintergrund bei 37,4% und bei den ausländischen Kindern bei 26,8%.23
Betrachtet man sich die Verteilung in der 5. Jahrgangsstufe (ohne Wiederholende) im bayernweiten Vergleich, fällt auf, dass prozentual weniger Nürnberger Schülerinnen und Schüler diese Jahrgangsstufe an einer Realschule besuchten (Bayern 27,2%; Nürnberg 18,9%). Die Anteile bei den Gymnasien in Nürnberg waren dagegen etwas höher (Bayern 37,7% und Nürnberg 40,2%). Verglichen mit den Anteilen in anderen bayerischen Städten war der Nürnberger Wert jedoch teilweise deutlich niedriger. In Fürth waren es 42,2%, in München waren es 51,9%, in Regensburg 56,3% und in Erlangen sogar 64,1% der Schülerinnen und Schüler, die ein Gymnasium besuchten. Die Anteile der Schülerinnen und Schüler, die auf eine Mittelschule gingen, waren in diesen Städten durchweg niedriger als in Nürnberg (35,0%).24
Im Schuljahr 2016/17 bestanden immense Unterschiede zwischen den Sprengeln der öffentlichen Grundschulen bei den geplanten Übertritten an Gymnasien.25 Lag der niedrigste Wert bei 15,7%, erreichte der höchste Wert 79,1%. Während in fünf Sprengeln mehr als zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler den Übertritt an ein Gymnasium planten, waren es in 14 Sprengeln weniger als ein Drittel.
Abb. D-4:
Verteilung der gemittelten
Übergangsquoten D nach
Quartilen D in Nürnberger
Grundschulsprengeln, Ende
der Schuljahre 2014/15 bis
2016/17
Gemittelte Übergangsquoten aus
Jahrgangsstufe 4 an öffentlichen Nürnberger
Grundschulen auf Gymnasien am Ende der
Schuljahre 2014/15, 2015/16 und 2016/17
1. Quartil: bis unter 31,5%
Anmerkung: Die vorliegende
2. Quartil: 31,5 bis unter 42,4%
Karte wurde durch das Bildungs-
3. Quartil: 42,4 bis unter 54,3%
büro der Stadt Nürnberg grafisch bearbeitet. 4. Quartil: 54,3% und mehr
Quelle: Amt für Stadtfor- Grundschulsprengel
schung und Statistik für
Nürnberg und Fürth; Schul-
statistik.
Die räumliche Betrachtung der über drei Jahre gemittelten und in fünf Gruppen sortierten – in der Sprache der Statistik handelt es sich um Quartile D – geplanten Übertritte auf ein Gymnasium, zeigt gewisse Muster (Abb. D-5). Eher niedrige Quoten finden sich in Gebieten mit höherem Armutsvorkommen und -gefährdung, wie sie sich beispielsweise in der Karte zur Nutzungsdichte des Nürnberg-Pass D in Kapitel A (Abb. A-16) darstellen.
4.3 Schulartwechsel im Sekundarbereich I
Schulartwechsel D verweisen auf die Korrektur vorangegangener individueller Schulwegentscheidungen. Aufwärtsgerichtete Schulartwechsel können von der Mittelschule zur Real-, Wirtschaftsschule oder zum Gymnasium und von einer Real- beziehungsweise Wirtschaftsschule zum Gymnasium stattfinden, sofern gewisse Leistungsbedingungen erfüllt werden. Die neubesuchte Schulart ermöglicht in der Regel einen weiterführenderen Abschluss als die bisher besuchte Schulart. Abwärtsgerichtete Schulartwechsel sind in umgekehrter Richtung ebenfalls zwischen den Schularten möglich. 30,3% aller Wechsel sind mit dem Wiederholen einer Jahrgangsstufe verbunden. Bei den aufwärtsgerichteten Wechseln kam es bei 40,1% zu einer Wiederholung, bei den abwärtsgerichteten bei 23,1%.
Mit insgesamt 811 Schulartwechseln in den Jahrgangsstufen 1 mit 9 an öffentlichen Schulen zwischen den Schuljahren 2016/17 und 2017/18 kam es zu einem deutlichen Anstieg um 137 Wechsel innerhalb von zwei Jahren. Der Anstieg liegt vor allem an einer Zunahme der aufwärtsgerichteten Wechsel, deren Zahl sich um 111 auf 339 steigerte. Die abwärtsgerichteten Wechsel sind aber weiterhin häufiger und kamen 472-mal vor. Dazu kommen noch 22 Wechsel zwischen der Wirtschaftsschule und der Realschule, die im Allgemeinen zu einem gleichwertigen Abschluss führen.
Bei den aufwärtsgerichteten Wechseln aus der 5. und 6. Jahrgangsstufe wird am häufigsten (64,4%) von der Mittelschule auf die Realschule gewechselt. Bei den abwärtsgerichteten Wechseln sind es die vom Gymnasium auf die Realschule (62,0%). In der 7. bis 9. Jahrgangsstufe machen bei den aufwärtsgerichteten die Wechsel von der Mittelschule auf die Wirtschaftsschule den größten Anteil (77,5%) aus. Bei den abwärtsgerichteten Wechseln sind es die vom Gymnasium auf die Realschule (45,5%), dicht gefolgt von den Wechseln von der Realschule auf die Mittelschule (40,6%).
Schulartwechsel zwischen Förderzentren und allgemeinen Schulen geben ebenfalls Auskunft über die Durchlässigkeit des Schulsystems. Im Schuljahr 2017/18 besuchten 160 Schülerinnen und Schüler ein öffentliches Förderzentrum, die im Jahr zuvor auf eine Grundschule (123 Schülerinnen und Schüler) oder Mittelschule (37) gingen,26 zu 61,9% waren dies Jungen und zu 38,8% waren es Schulkinder ohne deutsche Staatsangehörigkeit oder deutsche Schulkinder mit Migrationshintergrund D. Im Schuljahr 2015/16 waren es insgesamt 158 Kinder. Bei den weiteren Schularten waren Wechsel sehr selten.
77 Schülerinnen und Schüler wechselten von einem Förderzentrum an eine öffentliche Grundschule (30) oder eine öffentliche Mittelschule (41). Zwei Jahre zuvor gelang dies lediglich 53 Personen. Bei den Wechselnden waren 71,4% männlich und 42,9% verfügten über einen Migrationshintergrund. Auch hier kam es kaum zu Wechseln in andere Schularten.
Die Übergangsquoten von und an Förderzentren D haben sich verringert: Die Quote der Übergänge von Grundschulen an die 1. bis 4. Jahrgangsstufe öffentlicher Förderzentren betrug im Jahr 2017 7,2%. Zwei Jahre zuvor lag sie noch bei 9,1%. Die Übergangsquote von Grund-, Mittel- sowie Realschulen an die 5. bis 9. Jahrgangsstufe öffentlicher Förderzentren lag bei 6,7% und zwei Jahre zuvor bei 7,8%.
Dagegen erhöhten sich die Übergangsquoten von der Förderschule zu den allgemeinen Schulen. 4,0% betrug die Übergangsquote aus der 1. bis 4. Jahrgangsstufe der Förderzentren an öffentliche Grundschulen sowie ein Gymnasium. Der Wert lag im Jahr 2015 noch bei 2,1%. Bei 2,7% lag die Übergangsquote von der 5. bis 9. Jahrgangsstufe der Förderzentren an öffentliche Grund- und Mittelschulen und ist damit geringfügig angestiegen (2015: 2,3%).27
4.4 Wiederholungen der Jahrgangsstufe
In fast allen Schularten sind Klassenwiederholungen unter bestimmten Bedingungen vorgesehen. Individuell stehen unterschiedliche Gründe hinter der Entscheidung zur Wiederholung. Teilweise kommt diese aufgrund von Nichtversetzung in die nächste Jahrgangsstufe, teils im Zusammenspiel mit einem Schulartwechsel D zustande, teilweise wird eine Wiederholung freiwillig gewählt, um beispielsweise Noten vor einem Abschluss zu verbessern oder größere Lücken des Unterrichtsstoffs vor dem Vorrücken in die nächsthöhere Jahrgangsstufe zu schließen.
Insgesamt haben 2748 Schülerinnen und Schüler an öffentlichen allgemeinbildenden Schulen (ohne Förderzentren) und beruflichen Schulen, die zu einem allgemeinbildenden Schulabschluss führen, im Schuljahr 2017/18 eine Jahrgangsstufe wiederholt (Tab. D-5). Das entspricht einem Anteil von 6,4%. Die Anzahl ist damit höher, der Anteil allerdings niedriger im Vergleich zum Schuljahr 2015/16. An den öffentlichen Grundschulen kann eine deutliche Steigerung konstatiert werden. Im Betrachtungsjahr wiederholten 464 Kinder eine Jahrgangsstufe. Zwei Jahre zuvor waren es lediglich 377 Grundschulkinder. Besonders hoch im Vergleich zu den anderen allgemeinbildenden Schularten sind die Anteile an den Realschulen (11,8%). Noch höher fällt der Wiederholer-Anteil an der Wirtschaftsschule aus (14,2%). Darin enthalten ist die Berufsintegrationsvorklasse an der staatlichen Wirtschaftsschule, deren Wiederholeranteil bei 32,5% lag.
An allen hier untersuchten Schularten mit Ausnahme der BOS sind überdurchschnittlich viele männliche Schüler unter den Wiederholenden. Überproportional unter den Wiederholenden sind Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund an allen Schularten
Tab. D-5:
| Schulart | darunter darunter mit Klassen- mit Migra- Klassen- wieder- Migra- Schüler/ darunter tionshin- wieder- holungen darunter tionshin- -innen männlich tergrund holungen gesamt männlich tergrund gesamt (in %) (in %) gesamt (in %) (in %) (in %) |
|---|---|
| Grundschule | 15844 51,0 56,1 464 2,9 54,3 85,1 |
| Mittelschule | 7673 54,1 71,0 573 7,5 59,7 73,8 |
| Realschule | 5051 53,5 45,2 597 11,8 59,3 52,6 |
| Wirtschaftsschule | 620 55,2 28,1 88 14,2 63,6 30,7 |
| Gymnasium | 10595 48,5 25,2 643 6,1 51,2 31,7 |
| Fachoberschule | 2673 45,1 15,4 327 12,2 49,2 22,6 |
| Berufsoberschule | 436 54,8 12,6 56 12,8 48,2 10,7 |
| Gesamt | 42892 51,0 46,5 2748 6,4 55,3 52,5 |
Klassenwiederholungen an
öffentlichen allgemeinbilden-
den Schulen nach Geschlecht
und Migrationshintergrund,
Schuljahr 2017/18
Anmerkungen: FOS und BOS ohne Vorklasse. Zur Defi nition des Migrationshintergrunds D der einzelnen Schularten siehe Glossar. Bei den Wiederholungen in der 1. Jahrgangsstufe sind auch jene Schülerinnen und Schüler enthalten, die wiederholen nach Zurückstellung gemäß Art. 37, Abs.2, Satz 2 BayEUG.
Quelle: Amt für Stadtfor-
schung und Statistik für
Nürnberg und Fürth; Schul-
statistik. zu fi nden. Wie auch schon in vergangenen Jahren sind die Werte an den Grundschulen besonders prägnant, dort haben 56,1% der gesamten Schülerschaft einen Migrationshintergrund, bei den Wiederholenden sind sie jedoch mit 85,1% vertreten. Hier kann vermutet werden, dass ein Teil dieser Wiederholungen den Zweck haben, die weitere Schullaufbahn mit gesicherten Sprachkenntnissen weiterführen zu können.
Die Gründe und Zeitpunkte für Wiederholungen sind individuell unterschiedlich. In den öffentlichen Grundschulen hielten sich freiwillige und unfreiwillige Wiederholungen die Waage. Die Wiederholungen fi nden hier vor allem in den ersten drei Jahrgangsstufen statt. In der 9. Jahrgangsstufe der Mittelschule – kurz vor dem Abschluss – waren 74,3% der Wiederholungen freiwillig. An den Realschulen wurde in der 5. Jahrgangsstufe zu zwei Drittel aus „sonstigen Gründen“ wiederholt. Hierzu zählen vor allem die Wiederholungen aufgrund von Schulartwechseln. An den Gymnasien ist die Anzahl der Nichtversetzungen insbesondere in der 6. und 8. Jahrgangsstufe erhöht, also nach Einführung der zweiten Fremdsprache und im Anschluss an die Zweigwahl. Am häufi gsten jedoch wird in Jahrgangsstufe 10 wiederholt, dazu zählen allerdings auch 89 Schülerinnen und Schüler in den Eingangsklassen D (vergleiche Abb. D-3).
5. Schulabschlüsse
5.1 Abgänger/-innen und Absolventen/-innen nach erreichten
Schulabschlüssen
Im Schuljahr 2016/17 verließen insgesamt 5252 Absolventinnen und Absolventen D sowie Abgängerinnen und Abgänger D öffentliche allgemeinbildende Schulen (mit Förderzentren) und berufl iche Schulen, die zu allgemeinbildenden Schulabschlüssen führen. Zwei Jahre zuvor waren es 4878.
Unter den Absolventinnen und Absolventen erzielten 389 den erfolgreichen Abschluss der Mittelschule, 618 den qualifizierenden Abschluss der Mittelschule, 1589 den mittleren Schulabschluss, 826 die Fachhochschulreife D und 1458 die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife D. Bei den Abschlüssen der Mittelschule kam es im Vergleich zum Schuljahr 2014/15 zu Zuwächsen, besonders augenfällig ist auch die weitere Zunahme beim mittleren Abschluss um 199 Personen. Die Fachhochschulreife wurde von 113 Personen weniger, die allgemeine und fachgebundene Hochschulreife dagegen von 118 Personen mehr erreicht.
Im Schuljahr 2016/17 verließen 372 Personen öffentliche allgemeinbildende Schulen (mit Förderzentren) und die Wirtschaftsschule ohne Abschluss nach Erfüllung der Vollzeitschulpflicht. Hier ist eine Steigerung um 84 Personen zum Schuljahr 2014/15 zu verzAebicbh. nDe-5n:. Abgänger/-innen und Absolventen/-innen von öffentlichen allgemeinbil-
denden Schulen und beruflichen Schulen, die einen allgemeinbildenden Abschluss
Avebrbmiiltdteulnn,g i nD N-5ü rznebiegrtg e ninaechn eGrfeüslaltmert üVbolelzrbeilticsckh üublpefrli cdhiet bSzcwhu. nlaabcshc Ahblüsscshelu nssa cuhn dS chularten.
Schulart, Ende des Schuljahrs 2016/17
Abb. D-5:
Abgänger/-innen und Anzahl Abgänger/-innen und
Absolvent/-innen
Absolventen/-innen von
öffentlichen allgemeinbilden- 1 800
den Schulen und beruflichen
| 1 | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 189 | |||||||||
| 164 | 183 | ||||||||
| 88 | |||||||||
| 751 | |||||||||
| 27 3 22 5 21 4 | 9 | 608 | 1 187 | ||||||
| 129 212 | 5 24 4 35 | 271 | 54 | 563 | 475 | 218 |
Schulen, die einen allge- 1 600
meinbildenden Abschluss 1 400
vermitteln, in Nürnberg nach
erfüllter Vollzeitschulpflicht 1 200
beziehungsweise nach
1 000
Abschluss und Schulart, Ende
des Schuljahrs 2016/17 800
Anmerkungen: Ohne Nichtschüler/-innen D. Ohne 687 Abgänger/-innen von FOS und 200 BOS, die keinen zusätzlichen allgemeinbildenden Abschluss 0
Erfüllte Erfolgreicher Qualifizierender Mittlerer Fachhoch- Allgemeine und
erworben haben. Vollzeitschulpflicht Abschluss der Abschluss der Schulabschluss schulreife fachgebundene
ohne Schulabschluss Mittelschule Mittelschule Hochschulreife
Quelle: Amt für Stadtfor-
schung und Statistik für Mittelschulen Förderzentren Realschulen Gymnasien
Nürnberg und Fürth; Schul- Wirtschaftsschulen Berufsoberschulen Fachoberschulen
statistik. Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth, Schulstatistik.
5.2 Abgänger/-innen und Absolventen/-innen von öffentlichen
A nm erakulnlggeen: mOhneei Nnicbhtisclhdüleern/-indneenn "D "S. Ochhneu 6l8e7n Ab guänngedr/- inönefnf veonn FtOlSi cunhd eBOnS, dWie kierintesnc zhusäatzflit-schen allgemeinbildenden Abschluss erworben haben.
schulen
Nach dem Schuljahr 2016/17 verließen 5252 junge Menschen und damit 481 mehr als zwei Jahre zuvor nach erfüllter Vollzeitschulpflicht öffentliche allgemeinbildende Schulen (mit Förderzentren) und öffentliche Wirtschaftsschulen. 9,0% von ihnen, das entspricht 372 Personen, erzielten keinen Schulabschluss (Abb. D-6).28 Dies sind die sogenannten Abgängerinnen und Abgänger D. Darunter fallen auch Schülerinnen und Schüler, die
Abb. D-6: Abgänger/innen und Absolventen/-innen von öffentlichen allgemeinbil-
denden Schulen und Wirtschaftsschulen in Nürnberg nach erfüllter Vollzeitschulpflicht
bzw. nach Abschluss, am Ende des Schuljahres 2016/17
Abb. D-6:
Anteile Abgänger/-innen und Absol-
(in %) venten/-innen von öffentli-
Erfüllte Vollzeitschulpflicht
9,0 ohne Schulabschluss chen allgemeinbildenden
(7,8) Schulen und Wirtschafts-
9,4 schulen in Nürnberg nach
28,6 (9,1) Erfolgreicher Abschluss erfüllter Vollzeitschulpflicht
(29,8) der Mittelschule bzw. nach Abschluss, am Ende
des Schuljahres 2016/17
14,9 Qualifizierender Abschluss
(16,0) der Mittelschule
Anmerkung: Ohne Nichtschüler/-innen D. In Klammern
Mittlerer Schulabschluss
finden sich die Werte für das Schuljahr 2014/15.
38,2
(37,3) Quelle: Amt für Stadtfor-
Allgemeine Hochschulreife
schung und Statistik für
Nürnberg und Fürth; Schul-
statistik.
Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth, Schulstatistik. die Förderschwerpunkte „Lernen“ und „Geistige Entwicklung“ besucht haben, in denen das Erreichen eines Regelschulabschlusses gar nicht möglich ist. Wie in den vergangenen Jahren waren es mit 64,0% vor allem junge Männer und mit 44,9% Personen ohne Anmerkung: Ohne Nichtschüler/-innen "D". In Klammern finden sich die Werte für das Schuljahr 2014/15. deutsche Staatsangehörigkeit, die die Schule ohne einen Abschluss verließen. Auch befinden sich 129 Abgängerinnen und Abgänger, also 34,7%, von Förderschulen darunter. Sowohl Anzahl als auch Anteil verringerten sich verglichen mit dem Vorvorschuljahr, wo die Werte bei 153 und 37,2% lagen.
Nachdem sich in den vorangegangenen Jahren der Anteil der Abgängerinnen und Abgänger kontinuierlich verringert hatte (Schuljahr 2008/09: 11,1%, 2011/12: 9,2%, 2012/13 8,2%, 2014/15 7,8%), zeigte sich nun ein leichter Anstieg auf 9,0%. Bei den Schulabschlüssen kam es ebenfalls nur zu leichten Veränderungen. Der Anteil des qualifizierenden Abschlusses hat sich weiterhin leicht reduziert, der Anteil des mittleren Abschlusses erhöht (Abb. D-6).
Wie sich die Anteile der Schulabschlüsse und der Abgängerinnen und Abgänger auf die einzelnen Schularten verteilen, ist Abbildung D-7 zu entnehmen. Besonders an den öffentlichen Mittelschulen besteht eine Vielfalt an Abschlüssen. Von den 1521 Absolventinnen und Absolventen sowie Abgängerinnen und Abgängern erreichte mit 31,2% ein großer Anteil den mittleren Schulabschluss an der Mittelschule. Zwei Jahre zuvor lag dieser Anteil bei 29,4%. Auch der Anteil der Abgängerinnen und Abgänger hat sich von 11,2% auf 13,9% vergrößert. Unter den 782 Personen an den Realschulen erzielten die meisten den mittleren Schulabschluss. Die Verteilung blieb nahezu unverändert im Zeitverlauf. Der Anteil der Personen, die ihre Vollzeitschulpflicht erfüllten und ohne Abschluss die Wirtschaftsschule verließen, erhöhte sich von 5,8% (Schuljahr 2014/15) auf 9,1% von insgesamt 243 Abgängerinnen und Abgängern sowie Absolventinnen und Absolventen. An den Gymnasien spielt der mittlere Schulabschluss mit einem Anteil von 11,6% der insgesamt 1414 Personen eine zunehmend größere Rolle
Abb. D-7: An öffentlichen allgemeinbildenden Schulen und Wirtschaftsschulen erwor-
bene allgemeinbildende Abschlüsse nach Schulart, Ende des Schuljahrs 2016/17
Abb. D-7:
An öffentlichen allgemein- Anteile 0,5 3,1 0,4
Erfüllte Vollzeit-
bildenden Schulen und Wirt- (in %)
schulpflicht ohne
schaftsschulen erworbene 13,9
Schulabschluss
allgemeinbildende Abschlüs-
31,2
se nach Schulart, Ende des
17,8
Schuljahrs 2016/17 Erfolgreicher
Abschluss der
Mittelschule
96,0
37,0
Mittelschulen Realschulen Qualifizierender
0,4 3,8 0,3 Abschluss der
2,1 Mittelschule
9,1
11,6
11,1 Mittlerer
Schulabschluss
Anmerkung: Ohne Nichtschüler/-innen D.
77,8
83,9
Quelle: Amt für Stadtfor-
Allgemeine
schung und Statistik für
Hochschulreife
Nürnberg und Fürth; Schul- Wirtschaftsschulen Gymnasien
statistik. Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth, Schulstatistik. (Schuljahr 2014/15 8,9%). Diese Schulen werden zu 3,8% mit dem erfolgreichen AbsAcnhmluersksu ndge: rO hMnei tNtiechlstcschhuülleer /-vinenrelna s"sDe"n. , dieser Wert hat sich mehr als verdoppelt. Dementsprechend hat sich der Anteil der Personen, die die allgemeine Hochschulreife erreichen, verringert. Diese ist aber unbestritten der dominante Schulabschluss des Gymnasiums.
Absolventen/-innen und Abgänger/-innen von öffentlichen Förderzentren
Nach Erfüllung der Vollzeitschulpflicht verließen im Schuljahr 2016/17 194 Schülerinnen und Schüler öffentliche Förderzentren in Nürnberg. Zwei Drittel (129) waren Abgängerinnen und Abgänger, beendeten diese Schullaufbahn also ohne Abschluss (Abb. D-8). Darunter zählen auch jene, die ein Abschlusszeugnis des Förderzentrums mit dem Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“ oder „Lernen“ erhielten. Die Anteile der jeweiligen erreichten Abschlüsse schwanken – wohl auch bedingt durch die kleinen Fallzahlen
- an dieser Schulart im Lauf der Zeit, so dass sich nur schwer Trends identifizieren lassen.
Im Schuljahr 2016/17 absolvierten 18,0% den erfolgreichen Abschluss der Mittelschule, damit ist dies der am häufigsten erreichte Regelabschluss.
Absolventen/-innen und Abgänger/-innen von privaten Schulen
Die privaten Mittelschulen, Realschulen und Gymnasien wurden nach der Vollschulpflicht nach dem Schuljahr 2016/17 von 647 Personen verlassen. Darunter waren 3,2% ohne Abschluss, 6,6% mit erfolgreichem und 9,1% mit qualifizierendem Abschluss der Mittelschule, 52,2% mit mittlerem Abschluss und 28,7% mit allgemeiner Hochschulreife.29 Die Zahlen lassen sich nur eingeschränkt mit den Angaben für die öffentlichen Schulen vergleichen, da sich die Schüleranteile der verschiedenen Schularten zwischen den Trägerschaften unterscheiden.
Abb. D-8: Abgänger/-innen und Absolventen/-innen von öffentlichen Förderschulen mit erfüllter Vollzeitschulpflicht in Nürnberg nach Abschlussart, Ende des Schuljahrs
2016/17
Abb. D-8:
Anteil Abgänger/-innen und Abgänger/-innen und
Absolventen/-innen (in %)
Absolventen/-innen von
70 öffentlichen Förderschulen
mit erfüllter Vollzeitschul-
| 13,9 | ||
|---|---|---|
| 37,6 | ||
| 14,9 | 18,0 | 10,8 |
60 pflicht in Nürnberg nach
Abschlussart, Ende des
50 Schuljahrs 2016/17
4,6
Erfüllte Vollzeitschulpflicht Erfolgreicher Abschluss Qualifizierender Abschluss Mittlerer
ohne Schulabschluss der Mittelschule der Mittelschule Schulabschluss
Abschlusszeugnis des Förderzentrums, Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“ Quelle: Amt für Stadtfor- Abschluss der Schule zur Lernförderung/des Sonderpädagogischen Förderzentrums (Klassen mit Förderschwerpunkt „Lernen”) schung und Statistik für
Nürnberg und Fürth; Schul-
Ohne Schulabschluss
statistik. Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Schulstatistik
5.3 Abgänger/-innen und Absolventen/-innen von öffentlichen
Beruflichen Oberschulen
Die Berufliche Oberschule, deren Besuch einen vorangegangenen allgemeinbildenden Abschluss erfordert, umfasst die Fachoberschule (FOS) und die Berufsoberschule (BOS). Diese beiden beruflichen Schularten vermitteln ausschließlich allgemeinbildende Abschlüsse. Im Schuljahr 2016/17 verließen insgesamt 1247 Personen die FOS, dies waren deutlich mehr als zwei Jahre zuvor (1078 Personen). Im Schuljahr 2016/17 wurde 608-mal die Fachhochschulreife D erreicht, 31-mal die fachgebundene Hochschulreife D und 152-mal die allgemeine Hochschulreife D. Zusätzlich erlangten zwölf Personen den erfolgreichen Abschluss der Mittelschule in der Integrations-Vorklasse. Mit 444 Personen verließ ein Drittel diese Schulart ohne zusätzlichen Abschluss, darunter die Mehrzahl bereits in der 11. Jahrgangsstufe, womöglich noch während der Probezeit. Zwei Jahre zuvor lag dieser Anteil bei rund einem Viertel. Die BOS verließen insgesamt 550 Personen und damit weniger Personen als noch vor zwei Jahren (619 Personen). Von ihnen wurde einmal der mittlere Schulabschluss, 218-mal die Fachhochschulreife, 35-mal die fachgebundene Hochschulreife und 53-mal die allgemeine Hochschulreife erlangt. 243 Personen und damit 44,2% erreichten keinen zusätzlichen allgemeinbildenden Abschluss. Der Vergleichswert vor zwei Jahren lag bei 32,7%.30
48,0% aller in Nürnberg erworbenen Hochschulreifen (dazu zählen die Fachhochschulreife, fachgebundene sowie allgemeine Hochschulreife) wurden im Schuljahr 2016/17 an FOS oder BOS erreicht. Hier ist ein leichter Abwärtstrend zu spüren, zwei Jahre zuvor lag der Wert bei 52,0%, vier Jahre zuvor bei 54,8%.
5.4 Zweiter Bildungsweg und Nachholen von Schulabschlüssen
In Nürnberg gibt es verschiedene Möglichkeiten des Nachholens von Schulabschlüssen nach Erfüllung der Schulpflicht. Zu den Schulen des zweiten Bildungswegs D zählen die städtische Abendrealschule und das städtische Hermann-Kesten-Kolleg sowie das private Abendgymnasium. Dem Abendgymnasium ist das Online-Gymn@sium Bayern angegliedert. Dort werden Personen mit Beeinträchtigung über den zweiten Bildungsweg auf die allgemeine Hochschulreife vorbereitet. Zum Stand Oktober 2018 (also Schuljahr 2018/19) wurde dieses Angebot von 36 Personen genutzt.
Am Abendgymnasium reduzierte sich die Zahl der Schülerinnen und Schüler auch mit dem Schuljahr 2017/18 (Abb. D-9) weiter. In abgeschwächter Form trifft dies auch auf das Hermann-Kesten-Kolleg zu. Im Gegensatz hierzu fand ein starker Zuwachs an der Abb. D-9: Schülerinnen und Schüler an Schulen des zweiten Bildungswegs nach Schule, Abendrealschule statt.
Schuljahre 2007/08 bis 2017/18
Abb. D-9:
Schülerinnen und Schüler Anzahl Schüler/-innen
an Schulen des zweiten
Bildungswegs D nach
Schule, Schuljahre 2007/08 700 754 735
bis 2017/18 681 696 673
600 632
500 540 551 520
300 287 291 286 267 293 318 302 259 244 242 222
Anmerkung: Abendgymnasium und Hermann-Kesten-Kolleg 200 146 160 157 147 161 135 140 109 116 144 211 inklusive Vorkurse. 100
Quelle: Amt für Stadtfor- 0
schung und Statistik für 2007/08 2008/09 2009/10 2010/11 2011/12 2012/13 2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18
Nürnberg und Fürth; Schul-
Abendrealschule Abendgymnasium Hermann-Kesten-Kolleg
statistik.
Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Schulstatistik. Die Anteile an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund D an den SchuleAnnm dereksu nzgw: Aebietnedng ymBinladsuiunmg usnwd eHgersm aunnnt-Keersstcehn-eKiodlleegn inskilcuhsi ved Veourtkluicrshe. vo neinande r (Abb. D-10). An den Schularten, die zu einer Hochschulreife führen, lag der Anteil mit 21,6% am Hermann-Kesten-Kolleg und mit 35,5% am Abendgymnasium niedriger als der Anteil an der Abendrealschule. Für das Hermann-Kesten-Kolleg liegt seit der Einführung des Besonderen Vorkurses für Geflüchtete und EU-Zugewanderte (siehe Abschnitt 7.1) ein steigender Anteil vor. An der Abendrealschule liegt der Anteil an Personen mit Migrationshintergrund dagegen bei fast zwei Dritteln, wobei es hier seit dem Schuljahr 2015/16 zu einem starken Zuwachs von über 20 Prozentpunkten kam. Dieser Zuwachs geht einher mit dem Anstieg der Schülerzahlen an dieser Schule und dem Angebot der Internationalen Klasse (siehe Abschnitt 7.1).
Abb. D-10: Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund an Schulen des zweiten
Bildungswegs nach Schule, Schuljahre 2007/08 bis 2017/18
Abb. D-10:
Anteil Schüler/-innen Schülerinnen und Schüler
mit Migrationshintergrund (in %) mit Migrationshintergrund
70 65,4
an Schulen des zweiten
Bildungswegs D nach
Schule, Schuljahre 2007/08
50,0
bis 2017/18
50 45,0
40 37,7 39,2 35,2 38,1 35,7 41,5 40,0 42,2 A St n a m dt e f r o k r u sc n h g u e n n g : D u a n d d e S m ta t A is m ti t k f f ü ü r r
| 3 | 6,3 |
|---|
36,0 37,7 38,8 38,9 37,2 36,9 35,5 Nürnberg und Fürth von den
30 34,4
30,6 32,0 privaten Schulen keine Daten
zum Migrationshintergrund vor- 10 16,8 17,6 18,4 18,9 18,2 17,0 15,6 20,2 21,6 l t i e e r g g e r n u , n w d i b rd e i d d e e r n M S i c g h r ü a l t e io ri n n s n h e in n -
11,8 11,7
und Schülern am Abendgym-
0 nasium lediglich durch den
2007/08 2008/09 2009/10 2010/11 2011/12 2012/13 2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 Ausländerstatus abgebildet, Abendrealschule Abendgymnasium Hermann-Kesten-Kolleg d.h. der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund am Abendgymnasium Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Schulstatistik. ist wahrscheinlich noch höher. Neben dem Besuch und dem Ablegen der Prüfungen an den Schulen des ersten und Abendgymnasium und Herzweiten Bildungswegs können Schulabschlüsse auch extern abgelegt werden. In der Sta- mann-Kesten-Kolleg inklusive Anmerkungen: Da dem Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth von den privaten Schulen Vorkurse. t k i e s i t n i e k D w at e en rd z e um n b M e ig i r d at e io r n p sh r i ü nt f e e r n gr d u e nd n v S o c rl h ie u ge le n , d w i i e rd P d r e ü r fl M in ig g ra e ti o a n ls sh N in i t c e h rg t r s u c n h d ü b l e e i r d i e n n n S e ch n ü u le n rin d n e -s n c u h n ü d ler D vScehrüzleerinc hamn eAtb.e nAdlgsy mVnoarsbiuemr eleidtuignlicgh dauurcfh d dieen APurüsläfnudnegrsetantu sb aiebgteebnil dveet,r ds.c hh. ideedr eAnntee ilB dieldr uScnhüglsearinnnbeine ter Quelle: Amt für Stadtforund Schüler mit Migrationshintergrund am Abendgymnasium ist wahrscheinlich noch höher. Abendgymnasium und schung und Statistik für KHeurmrsaen na-Kne.s tAenu-Kcohll eag mink lsutsäivde tVioscrkhuersne. Bildungszentrum im Bildungscampus gibt es entspre- Nürnberg und Fürth; Schulchende Angebote, welche im Schuljahr 2018/19 von 165 Teilnehmerinnen und Teilneh- statistik. mern genutzt wurden und damit von knapp 50 Personen mehr als zwei Jahre zuvor. 65% waren männlich, 24% minderjährig und 35% in Deutschland geboren. 33 von ihnen waren im Vorkurs, 67 nutzten das Angebot zur Erreichung des qualifizierenden Abschlusses der Mittelschule und 65 zur Erreichung des mittleren Abschlusses. Zusätzlich hatte der M-Online-Kurs elf Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die alle die Prüfung bestanden.31
6. Ganztägige Bildung und Betreuung
6.1 Primarstufe
Die ganztägige Bildung, Erziehung und Betreuung von Grundschulkindern und Förderschulkindern der Grundschulstufe umfasst unterschiedliche Organisationsformen wie Ganztagsschulbildung, Tageseinrichtungen und Mittagsbetreuung, zu denen im Folgenden Zahlen dargestellt werden. Anschließend wird auf den „Nürnberger Weg“ eingegangen, der auf ein Zusammenspiel von Schule und Jugendhilfe setzt und bisherige Formen konzeptionell weiterentwickelt.
Ganztagsklassen und -gruppen
Im Schuljahr 2018/19 gab es an Grundschulen 25 gebundene Ganztagsklassen (Tab. D-6). 576 Grundschülerinnen und -schüler besuchten diese an vier Standorten. Einer dieser Standorte ist die Michael-Ende-Schule mit 13 gebundenen Ganztagsklassen. Die Zahl der offenen Ganztagsgruppen belief sich auf zehn (Tab. D-7). An den Grundschulen Georg-Paul-Amberger-Schule und Friedrich-Hegel-Schule nahmen 210 Schulkinder dieses Angebot wahr. An der Thusnelda-Grundschule gab es keine Gruppen des offenen Ganztags mehr.
Tageseinrichtungen für Schülerinnen und Schüler
Zum Stand 31.12.2018 waren 8110 Schulkinder in Tageseinrichtungen (inklusive Schülertreffs), dank des voranschreitenden Ausbaus konnten 377 Kinder mehr als zwei Jahre zuvor betreut werden.32 Beinahe die Hälfte (47,4%) hatte einen Migrationshintergrund. Davon waren drei Viertel in Horten untergebracht, das weitere Viertel verteilte sich auf altersgemischte Einrichtungen D wie Häuser für Kinder, Kindergärten und Netz für Kinder.33
Es bestanden 61 städtische Horte mit 4390 Plätzen und 18 Horte in freier Trägerschaft mit 918 Plätzen. Daneben boten sieben städtische Horte an Förderzentren 287 Plätze und zwei integrative Horte in freier Trägerschaft 130 Plätze an.34
In Nürnberg lagen die Besuchsquoten D in Kindertageseinrichtungen von Kindern zwischen sechs und unter elf Jahren bei 44,8% und bei den Heranwachsenden zwischen elf und unter 14 Jahren bei 2,1% (März 2018). Beide Werte liegen über denen Mittelfrankens, Bayerns und Münchens. Zwei Jahre zuvor lagen sie bei 41,6% beziehungsweise bei 2,5%.35
Mittagsbetreuung
Die Mittagsbetreuung kann als sozial- und freizeitpädagogisch ausgerichtetes Betreuungsangebot im Anschluss an den Vormittagsunterricht im Zusammenwirken mit der Schulleitung bei Bedarf an Grund- und Förderschulen eingerichtet werden.
Im Schuljahr 2018/19 gab es in Nürnberg 251 Gruppen der Mittagsbetreuung mit insgesamt 3614 Schülerinnen und Schülern.36 Diese Zahlen verteilten sich auf die öffentlichen Grundschulen mit 3221 Schülerinnen und Schülern in 225 Gruppen, die privaten Grundschulen mit 377 Schülerinnen und Schüler in 25 Gruppen und ein öffentliches Förderzentrum mit 16 Schülerinnen und Schülern in einer Gruppe. Gut zwei Drittel der Mittagsbetreuungsangebote wurden von der Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration (gfi) getragen.
Die Mittagsbetreuung teilt sich konzeptionell in drei Modelle auf. Die reguläre Mittagsbetreuung dauert in der Regel bis etwa 14 Uhr, die verlängerte Mittagsbetreuung bis mindestens 15.30 Uhr und die verlängerte Mittagsbetreuung mit erhöhter Förderung
bis 16 Uhr. 111 Gruppen der regulären Mittagsbetreuung waren im Schuljahr 2018/19 an den öffentlichen und privaten Grundschulen mit 1674 Schulkindern eingerichtet. Bei der verlängerten Mittagsbetreuung gab es 92 Gruppen mit 1314 Schulkindern und bei der verlängerten Mittagsbetreuung mit erhöhter Förderung 47 Gruppen mit 610 Schulkindern. Bei dem Angebot an einem Förderzentrum handelt es sich um eine Gruppe der verlängerten Mittagsbetreuung.
Im Schuljahr 2018/19 besuchten somit 21,2% der Schülerinnen und Schüler an öffentlichen wie an privaten Grundschulen in Nürnberg die Mittagsbetreuung. Der Anteil lag drei Jahre zuvor bei 24,2%. Verringert haben sich vor allem die Gruppen an privaten Grundschulen von damals 42 auf jetzt 25 Gruppen.
„Nürnberger Weg in der ganztägigen Bildung, Betreuung und Erziehung von
Grundschulkindern“
Nachdem sich die Nachfrage nach ganztägiger Bildung, Betreuung und Erziehung in den letzten Jahren sehr dynamisch entwickelt hatte, stellte die Stadt Nürnberg 2016 einen Masterplan auf, der im Juni 201937 fortgeschrieben wurde. Auf Basis von jährlich aktualisierten Parametern wie Schülerprognosen und Wohnraumentwicklung, und unter Einbeziehung von administrativen Veränderungen wie einem möglichen Rechtsanspruch auf Ganztagsbildung, liegt damit ein Instrumentarium zum systematischen und bedarfsgerechten Ausbau von Kindertageseinrichtungen in Nürnberg vor. Flankiert wird der Masterplan vom Konzept „Nürnberger Weg“38 für Schulneu- und -umbauten, mit dem die ganztägige Bildung, Erziehung und Betreuung von Grundschulkindern ausgebaut und qualitativ weiterentwickelt wird. Kerngedanke ist die gemeinsame Verantwortung und Planung der Geschäftsbereiche Jugendhilfe und Schule. Im Fokus steht zudem eine räumliche Verzahnung an den Schulstandorten sowie eine enge pädagogisch-konzeptionelle Kooperation von Schule und Jugendhilfe auf Arbeitsebene vor Ort. Grundsätzlich wird eine Versorgungsquote D von 80% angestrebt, wobei bei Schulneu- und -umbauten bereits ein Versorgungsziel von 90% oder 100% festgelegt wird. Damit soll eine gute Ausgangsbasis zur Erfüllung des geplanten Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung im Grundschulbereich ab 2025 gelegt werden.
Bestandteile des „Nürnberger Wegs“ sind die Integrierte Ganztagsbildung, das so bezeichnete Kombimodell (Kooperative Ganztagsbildung) und die Hortklassen. Die Integrierte Ganztagsbildung hat sich seit dem Schuljahr 2016/17 an der Grundschule Michael-Ende-Schule etabliert. Dort sind gebundene Ganztagsschule und Hort personell, zeitlich und räumlich integriert. Das Kombimodell ist eine Angebotsform, die ein klassisches Hortangebot der Jugendhilfe mit einem Angebot der Schule im Schulgebäude kombiniert. Beim Neubau der Grundschule Maiach wird dieses Modell bereits im Bau zugrunde gelegt und realisiert. Der Modellversuch Kooperative Ganztagsbildung verbindet als Kombimodell Halbtagsschule und gebundene Ganztagsklassen jeweils mit Hortangeboten der Jugendhilfe in verschiedenen Betreuungsformaten. Des Weiteren liegt der Fokus auf einer Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit den Eltern. Diese
Betreuungsform wird in Nürnberg seit dem Schuljahr 2019/20 an der Grundschule Gretel-Bergmann-Schule mit Hort an der Bertolt-Brecht-Straße angeboten. In Hortklassen werden Kinder einer Jahrgangsstufe zusammengefasst, die gemeinsam als Gruppe in den externen Hort gehen mit dem Ziel einer besseren Verzahnung von Vor- und Nachmittagsangebot. Dieses Angebot bestand in Nürnberg im Schuljahr 2018/19 bereits mit 15 Klassen an fünf Grundschulstandorten jeweils in Kooperation mit einem Kinderhort.
Aufgrund der unterschiedlichen Statistiken kann auf kommunaler Ebene nur im Bereich der staatlichen Grundschulen eine Gesamtversorgungsquote auf Basis von Platzzahlen ermittelt werden. Im Schuljahr 2018/19 standen für rund 15900 Schülerinnen und Schüler 7138 Hortplätze sowie 642 Plätze in Zentralhorten zur Verfügung. In der Mittagsbetreuung wurden 3221 Plätze, in offenen Ganztagsgruppen 210 Plätze und in gebundenen Ganztagsklassen etwa 220 Plätze angeboten. Insgesamt standen somit im Schuljahr 2018/19 für 72% der Schülerinnen und Schüler an öffentlichen Grundschulen Plätze der ganztägigen Bildung, Betreuung und Erziehung zur Verfügung.39 Trotz des stetigen Ausbaus liegt die Anzahl der zur Verfügung stehenden Plätze der ganztägigen Bildung, Betreuung und Erziehung im Grundschulalter noch immer unter den Bedarfen der Familien.
6.2 Sekundarstufe
Ganztagsklassen und -gruppen
In der Sekundarstufe gibt es an allen Schularten gebundene und offene Ganztagsangebote. Die Anzahl der gebundenen Ganztagsklassen in dieser Stufe steigerte sich in den letzten Jahren kontinuierlich, im Schuljahr 2018/19 waren es 154 Klassen (Tab. D-6). An zwölf Mittelschulen besuchten mittlerweile 1586 Schülerinnen und Schüler 76 gebundene Ganztagsklassen. Dazu gehört die Mittelschule Insel Schütt, die ausschließlich Klassen im Ganztag anbietet. Auch die städtische Adam-Kraft-Realschule ist eine reine Ganztagsschule. Bei den anderen Realschulen und den Gymnasien handelt es sich um teilgebundene Ganztagsschulen, das heißt eine bestimmte Anzahl von Klassen, in der Regel in der Unterstufe, wird in gebundener Form geführt. Acht der 76 Klassen im gebundenen Ganztag sind an der Mittelschule Dr. Theo-Schöller-Schule als Deutschklassen D organisiert (vergleiche Abschnitt 7.1 in diesem Kapitel).
Tab. D-6:
| Schulart | 2014/15 | 2015/16 | 2016/17 | 2017/18 | 2018/19 |
|---|---|---|---|---|---|
| Grundschule | 11 | 11 | 22 | 23 | 25 |
| Mittelschule | 69 | 73 | 73 | 74 | 76 |
| Förderzentrum | 8 | 10 | 11 | 12 | 11 |
| Realschule | 31 | 31 | 35 | 37 | 38 |
| Wirtschaftsschule | 1 | 2 | 2 | 2 | 2 |
| Gymnasium | 19 | 20 | 22 | 24 | 27 |
| Gesamt | 139 | 147 | 165 | 172 | 179 |
Gebundene Ganztagsklassen
an öffentlichen Schulen in
Nürnberg, Schuljahre 2014/15
bis 2018/19
Quelle: Stadt Nürnberg, Amt
für Allgemeinbildende Schu-
le; Städtische und Staatliche
Wirtschaftsschule Nürnberg.
In Nürnberg gab es im Schuljahr 2018/19 insgesamt 87, teils schulartübergreifende, offene Ganztagsgruppen in der Sekundarstufe an öffentlichen Schulen (Tab. D-7). Hier kam es zu keiner weiteren Zunahme. An den Mittelschulen verringerte sich die Anzahl an offenen Ganztagsgruppen seit einigen Jahren. Im Schuljahr 2018/19 besuchten dort 455 Schülerinnen und Schüler 25 diese Gruppen.
Tab. D-7:
| Schulart | 2014/15 | 2015/16 | 2016/17 | 2017/18 | 2018/19 |
|---|---|---|---|---|---|
| Grundschule | - | 12 | 13 | 11 | 10 |
| Mittelschule | 34 | 33 | 30 | 26 | 25 |
| Förderzentrum | 5 | 5 | 7 | 7 | 7 |
| Realschule | 20 | 20 | 16 | 16 | 16 |
| Wirtschaftsschule | - | - | - | 1 | 1 |
| Gymnasium | 45 | 46 | 40 | 36 | 38 |
| Gesamt | 104 | 116 | 106 | 97 | 97 |
Offene Ganztagsgruppen an
öffentlichen Schulen in Nürn-
berg, Schuljahre 2014/15 bis
2018/19
Anmerkung: Ohne offene Ganztagsgruppen am Aktivspielplatz Gostenhof, Kinderhaus Maxfeld und Quibble.
Quelle: Stadt Nürnberg, Amt
für Allgemeinbildende Schu-
le; Städtische und Staatliche
Wirtschaftsschule Nürnberg.
Schülertreffs
Neben den dargestellten schulischen Ganztagsangeboten gibt es Schülertreffs. Dies ist ein Angebot der Jugendhilfe gemäß § 22 ff. SGB VIII für Kinder und Jugendliche über zehn Jahren, für das keine Elterngebühren erhoben werden. Im Betriebsjahr 2018 gab es vier Schülertreffs in kommunaler Trägerschaft mit 122 Plätzen. Im Vergleich zu den Zahlen von 2016 des letzten Bildungsberichts waren es nun zwei Schülertreffs weniger. Die entfallenen 50 Plätze wurden in Hortplätze umgewandelt. Zusätzlich bestanden zwei Schülertreffs in freier Trägerschaft, die zusammen 50 Plätze anboten.40
7. Unterrichtsangebote und schülerbezogene
Unterstützung zum Umgang mit Vielfalt
7.1 Sprachförderung und Integration
Die Übergangsklassen wurden weiterentwickelt und heißen nun Deutschklassen D. Zentral ist eine intensive Deutschsprachförderung, ergänzt durch „Kulturelle Bildung und Werteerziehung“ und durch „Sprach- und Lernpraxis“. Zu Beginn des Schuljahrs 2018/19 wurden in Nürnberg 62 Deutschklassen eingerichtet (Abb. D-11), 23 davon an Grundschulen mit 460 Plätzen und 39 davon an Mittelschulen mit 780 Plätzen. An einer Mittelschule bestanden zusätzlich acht Deutschklassen als gebundene Ganztagsklassen, die durch den Europäischen Sozialfond (ESF) fi nanziert werden. Am häufi gsten fand sich unter den Schülerinnen und Schülern der Deutschklassen die rumänische und bulgarische Staatsangehörigkeit. Die Planzahlen für das Schuljahr 2019/20 weisen einen Rückgang der Deutschklassen auf, für die Grundschulen wurden 19 dieser Klassen, für die Mittelschule 36 Klassen geplant.
Abb. D-11: Entwicklung der Anzahl an Übergangs-/Deutschklassen, Schuljahre 2006/07
bis 2018/19
Anzahl Klassen 70 61 62 60 58 50 50 41 40 38 38 37 39 30 29 30 25 21 20 22 23 20 17 17 18 23 23 15 21 21 14 11 12 10 10 11 15 16 10 12 10 8 7 5 6 8 0 2006/07 2007/08 2008/09 2009/10 2010/11 2011/12 2012/13 2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 2018/19 Grundschulen Mittelschulen Gesamtzahl
Abb. D-11:
Entwicklung der Anzahl an
Übergangs-/Deutschklassen,
Schuljahre 2006/07 bis
2018/19
Quelle: Staatliches Schulamt
der Stadt Nürnberg.
Quelle: Staatliches Schulamt der Stadt Nürnberg. Insgesamt wurden für Schüler und Schülerinnen mit nichtdeutscher Erstsprache und bestehenden sprachlichen Defiziten weitere 2243 Lehrerwochenstunden für die sprachliche Förderung an Grund- und Mittelschulen zur Verfügung gestellt. Diese Förderung kommt Schülerinnen und Schülern mit wenig oder keinen Deutschkenntnissen während der gesamten Schulzeit an Grund- und Mittelschulen zugute. Der Umfang dieser Förderung kann bis zu zehn Wochenstunden für ein Schuljahr umfassen. Die Förderstunden wurden für 196 Vorkurse Deutsch 240 D im vorletzten und letzten Kindergartenjahr (siehe auch Kapitel C, Abschnitt 4), 111 DeutschPLUS-Differenzierungen und für die DeutschPLUS-Förderung in kleinen Gruppen aller Jahrgangsstufen eingesetzt. Die DeutschPLUS-Differenzierungen finden in 102 Deutschförderklassen D in den Jahrgangsstufen 1 und 2 an Grundschulen und neun Deutschförderklassen an Mittelschulen in den Jahrgangsstufen 8 und 9 statt. Bei den Deutschförderstunden beträgt die Anzahl 601.
SPRINT „Sprachförderung intensiv“ ist seit dem Schuljahr 2015/16 ein Angebot an Realschulen zur Unterstützung von Jugendlichen mit unzureichenden Deutschkenntnissen. Die Fördermaßnahmen können dabei individuell an die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler angepasst werden. Das Angebot wird in Jahrgangsstufe 6 oder 7 an den staatlichen Schulen Johann-Pachelbel-Realschule und Geschwister-Scholl-Realschule angeboten. Im Schuljahr 2017/18 und 2018/19 betrug die Gruppengröße an beiden genannten Realschulen 14 beziehungsweise 15 Schülerinnen und Schüler. Dabei besuchten 15 Schülerinnen und Schüler an der Johann-Pachelbel-Realschule die 6. Jahrgangsstufe und 14 Schülerinnen und Schüler an der Geschwister-Scholl-Realschule die 7. Jahrgangsstufe. An beiden Realschulen sind Sprachförderung und sprachsensibler Unterricht feste Säulen im Schulprofil, so dass SPRINT eine gute Ergänzung darstellt. Schulleitung und
Lehrkräfte der Realschule arbeiten eng mit den abgebenden Mittelschulen zusammen, es finden gegenseitige Hospitationen der Deutschklassenlehrkräfte und der SPRINT-Lehrkräfte statt. Dabei wird die Schule bei der Elternarbeit durch NEST unterstützt (siehe letzten Absatz dieses Unterkapitels hierzu).
Das Pilotprojekt InGym wurde im Schuljahr 2015/16 am Martin-Behaim-Gymnasium eingerichtet und wendet sich an Schülerinnen und Schüler, die erst in der Altersgruppe der Sekundarstufe nach Deutschland kommen und über eine gymnasiale Vorbildung, nicht aber über ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache verfügen. In eigenen Kursen werden den Jugendlichen der Jahrgangsstufen 6 bis 9 Kenntnisse der deutschen Sprache sowie fachliche und fachsprachliche Inhalte im Bereich MINT und in den Gesellschaftswissenschaften vermittelt. Die Mindestteilnehmerzahl pro Kurs liegt bei acht, die maximale Anzahl bei 15 Schülerinnen und Schülern. Die Kurse, die in Nürnberg zentral am Martin-Behaim-Gymnasium durchgeführt werden, beginnen jeweils im September und im Februar, sind als Ganztagsangebot D konzipiert und auf ein Schulhalbjahr angelegt. Zum zweiten Schulhalbjahr gehen die Jugendlichen an ihr Stammgymnasium über und werden dort zusätzlich zum regulären Unterricht weiter in ihrer Sprachkompetenz gefördert. Bis Ende des Schuljahres 2018/19 wurden insgesamt 16 Kurse am Martin-Behaim-Gymnasium durchgeführt. Der überwiegende Anteil der Jugendlichen stammt aus EU-Staaten, insbesondere aus Osteuropa und aus Russland. Daneben finden sich auch Jugendliche mit Fluchthintergrund in den Klassen, ihr Anteil war bei dem im Februar 2016 gestarteten Kurs mit etwa einem Drittel bisher am höchsten. Nicht alle Schülerinnen und Schüler kommen aus Nürnberg, sondern auch aus umliegenden Kommunen. Insgesamt haben am Martin-Behaim-Gymnasium 204 Schülerinnen und Schüler in den letzten vier Jahren an den Kursen des InGym-Projekts teilgenommen.
Seit dem Schuljahr 2015/16 bietet die städtische Abendrealschule ein spezielles Angebot für Zugewanderte mit geringen Deutschkenntnissen an. Ziel ist es, die Schülerinnen und Schüler in einem Schuljahr an das Niveau der Realschule heranzuführen, damit sie dann am regulären Unterricht der Abendrealschule in den verschiedenen Wahlpflichtfächergruppen teilnehmen können. Für die erste Jahrgangsstufe wurde eine sogenannte Internationale Klasse mit Unterricht in Deutsch als Zweitsprache sowie zusätzlichem Deutschförderunterricht eingerichtet. Daneben werden andere Fächer wie Mathematik, Englisch, Sozialkunde oder auch Lerntechniken unterrichtet. Ab dem zweiten Schuljahr erhalten die Schülerinnen und Schüler neben dem regulären Unterricht weiterhin Unterricht in Deutsch als Zweitsprache. Aufgrund der großen Nachfrage wurden in den Folgeschuljahren je zwei Internationale Eingangsklassen eröffnet. Im Schuljahr 2018/19 befanden sich im Oktober 2018 in den beiden Klassen insgesamt 59 Schülerinnen und Schüler (davon 43 männlich) aus zwölf verschiedenen Herkunftsländern. Abgängerinnen und Abgänger der Internationalen Klasse des Schuljahrs 2016/17 konnten zu etwa 60% in Regelklassen der Abendrealschule eingegliedert werden, im Schuljahr 2017/18 waren es circa 45%. Die anderen Schülerinnen und Schüler wurden in andere Bildungsgänge oder auch in eine Ausbildung vermittelt oder verließen Nürnberg und damit die Schule.
Im Schuljahr 2018/19 besuchten insgesamt 19 Schülerinnen und Schüler die Integrations-Vorklasse an der Staatliche Fachoberschule Lothar-von-Faber-Schule. Zum Schuljahresende hatten 15 von ihnen einen mittleren Schulabschluss, davon drei durch anerkannte Zeugnisse aus den Herkunftsländern. Fast die Hälfte der Schülerinnen und Schüler stammte aus Syrien, wobei der Anteil an osteuropäischen Herkunftsländern im Vergleich zum Vorjahr zunahm. Nahezu alle Schülerinnen und Schüler, die im Anschluss auf der FOS blieben, werden im Schuljahr 2019/20 die reguläre Vorklasse einer Fachoberschule besuchen.41
Das städtischen Hermann-Kesten-Kolleg (HKK) bietet die Möglichkeit für Erwachsene, das Abitur mit Deutsch als Fremdsprache zu erreichen. Der „Besondere Vorkurs“ für Geflüchtete sowie EU-Migrantinnen und -Migranten wurde dort im Schuljahr 2017/18 zum zweiten Mal angeboten. Von den ursprünglich zwölf Schülerinnen und Schülern bestanden acht diesen Vorkurs. Fünf von ihnen schlossen im Jahr darauf die Eingangsklasse am HKK erfolgreich ab, die anderen traten zum Halbjahr in den regulären Vorkurs zurück.
Der islamische Unterricht, bei dem es sich nicht um einen konfessionsgebundenen Religionsunterricht handelt, wurde als Modellprojekt verlängert und soll zum Wahlpflichtfach ausgebaut werden. Im Schuljahr 2018/19 gab es 16 Schulstandorte, an denen 98 Gruppen durch neun Lehrkräfte unterrichtet wurden.42 Daneben bieten Religionsgemeinschaften für Nürnberg über einzelne Schulstandorte hinweg gebündelte Religionsunterrichte an.
Unterstützung für Eltern mit Migrationshintergrund wird durch das städtische Institut für Pädagogik und Schulpsychologie Nürnberg (IPSN) geboten. Die ehrenamtlichen Elternlotsinnen und -lotsen des etablierten Projekts NEST – Nürnberger Elternbüro Schulerfolg und Teilhabe beraten und helfen bei Fragen rund um schulische Belange und unterstützen die Elternarbeit der Schulen. Im Schuljahr 2017/18 engagierten sich 26 Ehrenamtliche mit 25 verschiedenen Sprachen und eigener Migrationsgeschichte an Nürnberger Partnerschulen aller allgemeinbildenden Schularten und auch in Flüchtlingsunterkünften.43
7.2 Inklusion
Für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf D gibt es unterschiedliche Möglichkeiten des Schulbesuchs. In vorangegangenen Abschnitten wurde bereits auf die Förderschule und die Schule für Kranke D eingegangen. Klassen mit inklusivem Unterricht, die Schulen mit dem Profil „Inklusion“ und andere Formen der Einzelinklusion44 werden nachfolgend dargestellt. Angebote im Bereich der beruflichen Schulen werden in Kapitel E, Abschnitt 4.1 benannt.
Es bestehen unterschiedliche Arten von Klassen, in denen Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern ohne Förderbedarf unterrichtet werden.
Im Schuljahr 2018/19 gab es in Nürnberg zehn Kooperationsklassen D, die mit 40 Stunden des Mobilen Sonderpädagogischen Dienstes (MSD) D, der durch Lehrkräfte der Förderzentren geleistet wird, ausgestattet sind.45 Die Klassen, in denen eine kleine Gruppe von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf unterrichtet werden, waren an acht Grundschulen und einer Mittelschule angesiedelt.46 Eine der Grundschulen hatte eine Kooperations-Übergangsklasse D (jetzt Kooperations-Deutschklasse) eingerichtet. Kooperiert wurde mit fünf Förderzentren. Im Vergleich zum Schuljahr 2016/17 hat sich die Anzahl um vier Klassen dieses Modells verringert.
Bei den Partnerklassen D arbeiten je eine Klasse eines Förderzentrums mit einer Klasse einer allgemeinen Schule teilweise mit gemeinsamem Unterricht zusammen. Vier Förderzentren bildeten im Schuljahr 2018/19 insgesamt 15 Partnerklassen, eine Klasse mehr als zwei Jahre zuvor. Davon bestanden zwölf dieser Klassen in Kooperation mit drei Grundschulen, eine mit einer Mittelschule und zwei Klassen mit einer Realschule.47 Darüber hinaus bestanden vier Partnerklassen einer Grundschule, die an einem Förderzentrum angesiedelt waren, unter der Bezeichnung Intensiv-kooperierende Klassen Nürnberg (IKON).48
Alternative schulische Angebote (AsA) werden für Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf im Bereich der emotionalen und der sozialen Entwicklung schulhausintern durchgeführt. Eine Lehrkraft eines Förderzentrums berät dabei Lehrkräfte und Eltern und arbeitet mit den Schülerinnen und Schülern einzeln oder in kleinen Gruppen. Im Schuljahr 2018/19 gab es dieses Angebot an vier Grundschulen, drei Mittelschulen und zwei beruflichen Schulen, somit an zwei Grundschulen und einer Mittelschule mehr als im Schuljahr zuvor. Daneben waren unverändert zwei Grundschulen und vier Mittelschulen Einrichtungen mit AsA in Deutschklassen D. Sowohl AsA als auch AsA in Deutschklassen sind mit fünf Stunden des Mobilen Sonderpädagogischen Dienstes (MSD) und mit Stunden für die Tandempartner an den durchführenden Schulen ausgestattet.49
Zu den Schulen mit dem Schulprofil „Inklusion“ nach Art. 30b BayEUG, bei denen sich das gesamte Lehrerkollegium mit Zustimmung des Elternbeirates für Inklusion einsetzt, gehörten in Nürnberg im Schuljahr 2018/19 vier Grundschulen, eine Mittelschule, eine Realschule und drei Förderzentren.50 Neu ist nun das Profil am Förderzentrum Merianschule mit dem Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“. An den Grundschulen wurden 140 Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf unterrichtet, an der Mittelschule sind es 45. Diese Schularten werden von einer sonderpädagogischen Fachkraft mit je 13 Lehrerstunden unterstützt.51
An vielen anderen Schulen werden Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf an Regelschulen unterrichtet. Mit Unterstützung des MSD waren dies im Schuljahr 2018/19 an Grund-, Mittel- und Realschulen sowie Gymnasien insgesamt 386 Schülerinnen und Schüler.52 Auch der umgekehrte Fall tritt auf: Im Schuljahr 2017/18 besuchten 20 und im Schuljahr 2018/19 22 Schülerinnen und Schüler ohne sonder-
pädagogischen Förderbedarf das Förderzentrum „Sehen“ des Bildungszentrums für Blinde und Sehbehinderte Nürnberg (bbs) in sogenannten offenen Klassen.53
Ein weiteres Unterstützungsangebot für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf sind Schulbegleiterinnen und -begleiter D, auch Integrationshelfer und -helferinnen genannt. In Nürnberg wurde im Schuljahr 2017/18 für insgesamt 128, im Schuljahr 2018/19 für insgesamt 111 leistungsberechtigte Kinder eine Schulbegleitung bewilligt. Im Schuljahr 2017/18 waren es 46 und im Schuljahr 2018/19 42 Personen, denen auf diese Weise eine Teilnahme an Regelschulen ermöglicht wurden. Jeweils zwei Kinder pro Jahr waren an Schulvorbereitenden Einrichtungen (SVE) D. Alle anderen wurden an Förderschulen unterstützt.54 Daneben gibt es Schulbegleiter und -begleiterinnen als Form der Eingliederungshilfe in jugendhilferechtlicher Zuständigkeit für Kinder und Jugendliche, die von seelischer Behinderung betroffen oder von einer solchen Behinderung bedroht sind. Die Anzahl steigt und belief sich im Jahr 2018 auf 128, bis September 2019 bereits auf 144 Begleiterinnen und Begleiter.
Zur personellen Ausstattung an Förderzentren zählen auch die Angebote der Jugendsozialarbeit an Schulen (siehe hierzu Abschnitt 7.4).
7.3 Individuelle Förderung für leistungsstärkere und leistungs-
schwächere Schülerinnen und Schüler
An den Nürnberger Mittelschulen fanden auch im Schuljahr 2018/19 besondere Unterrichtsangebote statt, um leistungsstärkere und -schwächere Schülerinnen und Schüler zu unterstützen. Angebote, die nach zehn Jahrgangsstufen zu einem mittleren Schulabschluss führen, sind zum einen die Mittlere-Reife-Klassen D, von denen es im Schuljahr 2018/19 66 gab. Diese Anzahl blieb stabil. Zum anderen gab es an acht Mittelschulen zwölf Vorbereitungsklassen D, vormals 9+2-Klassen, mit insgesamt 254 Schülerinnen und Schülern. Hier kam es zu einem Rückgang, zwei Jahre zuvor waren es 13 Vorbereitungsklassen, in denen 288 Schülerinnen und Schüler lernten.
Besondere Unterstützung wird in Praxisklassen D und Berufsorientierungsklassen D geboten. Zwei Praxisklassen mit je 32 Schülerinnen und Schülern bestanden an der Johann-Daniel-Preißler-Mittelschule und an der Mittelschule Bismarckschule. Die notwendige sozialpädagogische Betreuung erfolgt in den Praxisklassen durch Fachkräfte des Jugendamts, deren Stellen durch den Europäischen Sozialfonds anteilig gefördert werden. Eine Berufsorientierungsklasse (BO-Klassen) war an der Georg-Holzbauer-Mittelschule in Kooperation mit städtischen Berufsschulen eingerichtet.
Auch an anderen Schularten wird schülerbezogene Förderung angeboten. Im Rahmen des Projekts „Mehr Schulerfolg an Realschulen und Gymnasien“ (MSRG) werden den städtischen Schulen zur Verbesserung der Lernbedingungen weiterhin Personalressourcen im Umfang von etwa acht Planstellen zur Verfügung gestellt. Dabei liegt der Förderschwerpunkt in nahezu allen Schulen im Bereich der Sprachkompetenz. Darüber hinaus werden insgesamt mehr als 20 Maßnahmen zur Verbesserung der Lehr- und Lernmethodik und der individuellen Förderung umgesetzt.55
An den Standorten Johannes-Scharrer-Gymnasium, Peter-Vischer-Schule, Sigmund- Schuckert-Gymnasium und Maria-Ward-Gymnasium gab es weiterhin je eine Einführungsklasse D für Schülerinnen und Schüler mit mittlerem Schulabschluss, die beabsichtigen, ein Gymnasium zu besuchen.
Für Höher- und Hochbegabte existierten am Dürer-Gymnasium spezielle Modellklassen im Bezirk und die Berger-Klassen, in denen begabte, leistungsbereite Schülerinnen und Schüler mit schwierigen Startbedingungen mit einem gebundenen Ganztagsangebot unterstützt werden.56 Auch findet im Rahmen der von Bund und Ländern getragenen Initiative „Leistung macht Schule“ eine besondere Förderung statt. In Nürnberg nehmen drei Grundschulen (Michael-Ende-Schule, Helene-von-Forster-Grundschule, Grundschule Eibach) und drei Gymnasien (Willstätter-Gymnasium, Dürer-Gymnasium, Melanchthon-Gymnasium) teil.57
7.4 Jugendsozialarbeit an Schulen
Bereits seit dem Jahr 2000 fördert der Freistaat Bayern mit dem landesweiten Programm „Jugendsozialarbeit an Schulen“ (JaS) sozialpädagogische Arbeit auch an Nürnberger Schulen.58 JaS ist eine Maßnahme der Jugendhilfe, bei der sozialpädagogische Fachkräfte in der Schule tätig sind und das Ziel verfolgen, junge Menschen in ihrer individuellen, sozialen, schulischen und beruflichen Entwicklung zu fördern sowie dazu beizutragen, Bildungsbenachteiligungen zu vermeiden und abzubauen. Dazu gehört es auch, mit Lehrkräften zu kooperieren, Eltern zu beraten und bei der Gestaltung des Schullebens mitzuwirken.
Durch das Programm konnten in mehreren Etappen das Angebot erweitert und die Personalressourcen ausgebaut und verstetigt werden. Gab es im Schuljahr 2016/17 noch 79 JaS-Fachkräfte des Jugendamts, waren es im Schuljahr 2018/19 bereits 96 JaS-Fachkräfte, die im Umfang von 73,5 Vollzeitstellen beschäftigt waren. Mit einem pauschalen, staatlichen Förderanteil wurden davon 56,0 Vollzeitstellen teilfinanziert. Die restlichen Kosten trägt die Stadt Nürnberg. Eine Bedarfs- und Ausbauplanung wird regelmäßig fortgeschrieben. An 29 Grundschulen waren 34, an 23 Mittelschulen 26 JaS-Fachkräfte eingesetzt. Neun Fachkräfte versorgten sechs Realschulen und ein Gymnasium. Zehn JaS-Kräfte arbeiteten an fünf Sonderpädagogischen Förderzentren (jeweils mit Grundund Mittelschulstufe). An den Berufsschulen gab es 16 Fachkräfte (13,25 Vollzeitstellen) an 13 Standorten.
Seit 2017 wurden die Fachkräfte auf 96 aufgestockt. 13 von ihnen wurden vor allem aufgrund der hohen Anzahl von Migrantinnen und Migranten (zum Beispiel als Flüchtlinge und Zugewanderte in Deutsch- oder Berufsintegrationsklassen D) besetzt. Insgesamt lag der Anteil der Migrantinnen und Migranten in der JaS-Einzelfallarbeit bei 70%.
Angaben zur Jugendsozialarbeit an beruflichen Schulen finden sich unter Abschnitt 4.1 in Kapitel E.
7.5 Schulbezogene Beratungsangebote
In Nürnberg gibt es verschiedene schulbezogene Beratungsangebote, unter anderem von staatlicher und städtischer Seite.
Die Staatliche Schulberatungsstelle für Mittelfranken ist eine zentrale, schulartunabhängige Anlaufstelle für Eltern, Schülerinnen und Schüler. Die häufigsten Beratungsanlässe waren die Wahl der Schullaufbahn, externe Schulabschlüsse, Lern-, Leistungs- und Verhaltensschwierigkeiten, inklusive Beschulung, Entwicklungsstörungen, besondere Begabungen und schulische Krisen. Die Staatliche Schulberatungsstelle stellte in den Themenfeldern Extremismus- und Mobbingprävention im Schuljahr 2018/19 für Nürnberger Schulen zahlreiche Präventions-, Interventions- und Beratungsangebote unter anderem in Form von Lehrerfortbildungen und Einzelfallberatungen zur Verfügung. Exemplarisch sei hier die Fachtagung „Sexuelle Gewalt und Schule: Professionell intervenieren und gezielt vorbeugen“ genannt, welche am 28. März 2019 in Kooperation mit dem IPSN durchgeführt wurde. Das Kriseninterventions- und -bewältigungsteam bayerischer Schulpsychologinnen und Schulpsychologen (KIBBS) in Mittelfranken unterstützte Nürnberger Schulen durch direkten Einsatz bei Krisen und durch Fortbildung schulischer Krisenteams. Im Rahmen des Lehrergesundheitstages im November 2018 im Hans-Sachs-Gymnasium Nürnberg wurden Lehrkräften und schulischen Führungskräften Supervision, Coaching, kollegiale Fallberatung und Fortbildungen vorgestellt.
Das Angebot der Staatlichen Schulberatung wird durch Beratungslehrkräfte und Schulpsychologinnen und -psychologen getragen, die den Schulen in Nürnberg zugeordnet sind. Dazu gehören auch die 36 Beratungslehrkräfte und zehn Schulpsychologinnen und -psychologen des Staatlichen Schulamts in der Stadt Nürnberg, die die umfänglichen Beratungsbedarfe speziell an den Grund- und Mittelschulen aufgreifen.59 Am Staatlichen Schulamt ist seit dem Schuljahr 2013/14 die Beratungsstelle Inklusion zentral eingerichtet. Das unabhängige und kostenlose Beratungsangebot wird von Erziehungsberechtigten, aber auch von Lehrpersonen und Schulleitungen genutzt.
Von städtischer Seite wird durch das Institut für Pädagogik und Schulpsychologie (IPSN) ein schulpsychologisches Angebot zentral für Schülerinnen und Schüler aller Schulen in Nürnberg, insbesondere aber der kommunalen Schulen, vorgehalten, zum Teil dezentral mit Personal vor Ort in den kommunalen Schulen. Im Schuljahr 2017/18 wurden insgesamt 888 Schülerinnen und Schüler beraten und unterstützt, teilweise mit deren Eltern und Lehrkräften. Von den Schülerinnen und Schülern hatten 42% einen Migrationshintergrund. Mit 32,3% kam der größte Teil von beruflichen Schulen, je etwa 30% waren an Realschulen beziehungsweise Gymnasien. Neben der Einzelfallberatung wird auch Unterstützung von Schulen durch die Mitarbeit an Runden Tischen und in Arbeitskreisen geleistet, häufig geht es dabei auch um die Planung und Durchführung präventiver Angebote. Wichtige Aufgaben sind auch die Unterstützung bei akuten Kriseninterventionen und die Qualifizierung der schulischen Kriseninterventionsteams.60
7.6 Lernförderung im Bildungs- und Teilhabepaket (BuT)
Neben weiteren Leistungen umfasst das Bildungs- und Teilhabepaket D die Finanzierung von Lernförderung, die beim Sozialamt beantragt werden kann. Eine Begründung durch die Schule ist notwendig und kann in folgenden Situationen erteilt werden: mangelhafte oder ungenügende Leistungen, Versetzungsgefährdung, Gefährdung des Abschlusses, Teilnahme an externen Prüfungen, zur Unterstützung eines erfolgreichen Wechsels der Schulart oder des Schulzweigs, bei Schulversäumnis in Folge eines Unfalls oder einer Krankheit, zur Sprachförderung für Schülerinnen und Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache und zur Vorbereitung auf eine Nachprüfung. Darüber hinaus bestimmt die Schule das Fach oder die Fächer und, den Vorgaben entsprechend, den Umfang der Lernförderung. Durch das Starke-Familien-Gesetz wurden Zugangserleichterungen geschaffen, so muss beispielsweise die Versetzungsgefährdung nicht mehr zwingend vorliegen.
Im Schuljahr 2017/18 wurden insgesamt 1374 Erstbestätigungen und 432 Folgebestätigungen ausgestellt. Der Trend der steigenden Zahlen setzt sich damit fort. Zwei Jahre zuvor wurden in Nürnberg 1085 Erstbestätigungen und 367 Folgebestätigungen ausgegeben. Die Zunahmen waren vor allem im Grundschul- und Mittelschulbereich, den beiden Schularten mit der intensivsten Nutzung der Lernförderung, festzustellen. Insgesamt werden die Bestätigungen am häufi gsten aufgrund mangelhafter oder ungenügender Leistungen ausgestellt und dies überwiegend in den Fächern Deutsch und Mathematik. Am zweithäufi gsten wird die Lernförderung bei Grundschulen zur Verbesserung des Sprachniveaus empfohlen. An den Mittelschulen und auch an den berufl ichen Schulen steht die Gefährdung des Abschlusses an zweiter Stelle.
Tab. D-8:
| Schulart | Schulnahe Angebote | darunter IPSN |
|---|---|---|
| Mittelschulen | 25 | 19 |
| Realschulen | 11 | 9 |
| Förderschulen | 3 | 1 |
| Gymnasien | 19 | 15 |
| Grundschulen | 58 | 42 |
| Berufl iche Schulen | 6 | 4 |
| Insgesamt | 122 | 90 |
Schulnahe Angebote an den
verschiedenen Schularten
und durch IPSN, Schuljahr
2017/18
Quelle: Stadt Nürnberg, Amt
für Existenzsicherung und so-
ziale Integration – Sozialamt.
Zur Lernförderung arbeiteten im Schuljahr 2017/18 117 Kooperationspartner mit 1236 Schülerinnen und Schülern. Gut die Hälfte der Schülerinnen und Schüler wurden dabei von 28 Kooperationspartnern gefördert, die ein schulnahes Angebot an den verschiedenen Schularten unterbreiteten (Tab. D-8). Besonders die Anzahl an den Grundschulen hat sich erhöht, im Schuljahr 2015/16 gab es an 36 Grundschulen ein solches Angebot, zwei Jahre später bereits an allen Grundschulen. Dort und an anderen Schularten wird unter dem Titel „Lernförderung plus“ ein Teil der schulortnahen Angebote durch
die Fachstelle „Fachkoordination Lernförderung“ (FKo) des städtischen Instituts für Pädagogik und Schulpsychologie Nürnberg (IPSN) organisiert.61 Die FKo eruiert geeignete Lernförderkräfte (vornehmlich Studierende aus den pädagogischen Fakultäten), weist diese ausführlich in die Lernförderung ein, vermittelt sie an die Schulen, begleitet die Angebote (beispielsweise durch Fallsupervision) und sorgt für ihre Weiterbildung, um so die Qualität der Lernförderung an Nürnberger Schulen positiv zu beeinflussen. Die Zahl der vermittelten Lernförderkräfte steigt jährlich um ungefähr 10% an und lag im Schuljahr 2017/18 bei etwa 70. Neben dem eigenen Angebot koordiniert FKo in Zusammenarbeit mit dem Dienstleistungszentrum Bildung und Teilhabe die weiteren schulnahen Lernförderangebote an Nürnberger Schulen.62
8. Qualifizierungsangebote für Lehrpersonen und
Schulen
Angebote zur Lehrerfortbildung von staatlicher Seite werden durch das Staatliche Schulamt in der Stadt Nürnberg, die Ministerialbeauftragten und die Regierung von Mittelfranken sowie dem Freistaat Bayern, wie beispielsweise der Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen, organisiert. Daneben gibt es die Qualifizierungsangebote des städtischen Instituts für Pädagogik und Schulpsychologie Nürnberg (IPSN).
Die durch das IPSN angebotenen Fortbildungen, Fachtage und Austauschtreffen richten sich insbesondere an Nürnberger Lehrkräfte kommunaler Schulen, werden aber auch häufig von Kolleginnen und Kollegen staatlicher Schulen genutzt. Innerhalb des Schuljahrs 2017/18 konnten mit 248 Veranstaltungen des IPSN 8853 Teilnahmen verzeichnet werden. Damit wurden 2209 Personen erreicht, von denen 1694 Lehrkräfte waren. Etwa die Hälfte (858) von ihnen sind Lehrkräfte an städtischen Nürnberger Schulen. Im Vergleich zum Schuljahr 2015/16 waren es rund 100 Veranstaltungen weniger, wobei die Anzahl erreichter Personen und Lehrkräfte nahezu identisch blieb.63
Die thematisch vielfältigen Qualifizierungsangebote richten sich am „Orientierungsrahmen Nürnberger Schulen“ aus. Ein ständiger Fokus liegt auf der allgemeinen Schul- und Unterrichtsentwicklung, wofür konzeptionelle Unterstützung und Begleitung von Schulen angeboten wird. Fächerbezogene Fortbildungen und Qualifizierungsformate wurden im Schuljahr 2017/18 unter anderem zu den Themen Umweltbildung, Menschenrechte, Junge Zugewanderte, Interkulturelles Lernen, Chancengleichheit, Inklusion D und Medienkompetenz durchgeführt.
Ein besonderer Fokus lag auf dem Themenschwerpunkt „Digitale Bildung“. Das IPSN bietet entsprechend dem Handlungsfeld „Lernen und Lehren im Digitalen Zeitalter“ des städtischen Orientierungsrahmens Vermittlungsangebote von Medienkompetenz im Gebäude des IPSN oder in schulinternen Fortbildungen. Mit dem hauseigenen Medienzentrum werden Nürnberger und auch Fürther Schulen mit digitalen Medien versorgt und Prozessberatungen im medienpädagogischen Bereich angeboten. Mit dem Staatlichen Schulamt in der Stadt Nürnberg werden gemeinsame Fortbildungskonzepte erarbeitet.
Das Staatliche Schulamt bietet durch Medien- und Informationstechnische Beraterinnen und Berater, den Fachberaterinnen und -beratern für Informatik und den Koordinatorinnen und Koordinatoren für digitale Bildung Beratungs- und Fortbildungsangebote für Schulen und Lehrpersonen an. Dabei geht es um Fragen der Digitalisierung im Rahmen der Schulentwicklung, Erarbeitung von Medienkonzepten, technische Belange, inhaltliche fachunterrichtliche Nutzung von Anwendungen und Ähnliches. Die Angebote wenden sich an Grund- und Mittelschulen, teilweise werden auch die Förderschulen berücksichtigt. Im Schuljahr 2018/19 fanden insgesamt 96 Fortbildungen im Digitalbereich für Grundschulen und Mittelschulen statt, die von 29 Lehrgangsleiterinnen und -leitern durchgeführt wurden und etwa 1250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erreichten. Die Themen beinhalten beispielsweise die digitale Schulverwaltung, die Erstellung von Medienkonzepten, den Einsatz von Tablets in der Grundschule, den Einstieg ins Programmieren oder auch individuelle Förderung mit Hilfe von Lernprogrammen.
9. Schlussbemerkung und Handlungsempfehlungen
Die Darstellung beschreibt die Situation rund um die schulische Bildung sowie Betreuung und Unterstützung für Kinder und Jugendliche im Kontext der Schule in Nürnberg. Differenziert nach Schulart zeigen sich folgende Befunde:
An den Grundschulen wird der größte Teil der Kinder (90,1%) regulär eingeschult. Der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund liegt durchschnittlich bei 56,1%, wobei es sehr große Unterschiede zwischen den einzelnen Grundschulen gibt (von 10,3% bis 86,3%). Aufgrund des Anteils an Kindern mit Migrationshintergrund wurden mit 72 Klassen deutlich mehr zusätzliche, und damit insgesamt kleinere Klassen eingerichtet. Konzepte, die eine Klassenstärke von maximal 25 Kindern vorsehen, wie beispielsweise jahrgangskombinierte Klassen, nehmen zu. Bei gleichzeitig steigenden Schülerzahlen im Berichtszeitraum erhöhte sich die Anzahl der regulären Klassen mit mehr als 25 Schülerinnen und Schülern. Mehr Schülerinnen und Schüler werden in Kindertageseinrichtungen betreut.
An den Mittelschulen zeigt sich ein leichter Anstieg bei den Schülerzahlen. Mit 71,0% ist der Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund höher als in jeder anderen Schulart. Die Zahl der Deutschklassen (vormals Übergangsklassen) ging unlängst zurück. In Jahrgangsstufe 9 wird auffällig oft die letzte Jahrgangsstufe freiwillig wiederholt. Es gibt nun mehr Abgängerinnen und Abgänger, also junge Menschen, die die Mittelschule ohne Abschluss verlassen (13,9%).
Bei den Realschulen gibt es mit fünf von zwölf Schulen einen besonders hohen Anteil an Schulen in freier Trägerschaft. Der Anteil der Kinder, die nach der 4. Jahrgangsstufe eine Realschule besuchen, liegt unter dem Anteil für ganz Bayern. Insgesamt liegen für diese Schulart steigende Schülerzahlen vor. 11,8% der Realschülerinnen und Realschüler wiederholten eine Jahrgangsstufe im Schuljahr 2017/18, der überwiegende Teil ist männlich. Besondere Angebote sind SPRINT-Klassen zur Unterstützung von Jugendli-
chen, die noch über unzureichende Deutschkenntnisse verfügen sowie Partnerklassen zur Inklusion von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf D an einem Standort.
Die Schülerzahlen an den Gymnasien sind leicht rückläufig. Nicht jedes Kind, welches nach der 4. Jahrgangsstufe eine Empfehlung für diese Schulart erhält, folgt dieser. Im Vergleich mit anderen bayerischen Städten besuchen in Nürnberg anteilig weniger Fünftklässlerinnen und -klässler ein Gymnasium. Mit insgesamt etwa einem Viertel ist der Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund im Vergleich zu anderen Schularten besonders niedrig, wobei hier eine steigende Tendenz zu beobachten ist. Auffällig sind die zahlenmäßig großen Unterschiede beim Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund zwischen den Schulen. Der häufigste abwärtsgerichtete Schulartwechsel findet vom Gymnasium an die Realschule statt.
Die Gesamtschülerzahl an den Förderzentren nahm leicht zu, ebenso wie die Anzahl der Einschulungen. Bei den Einschulungen machen Kinder mit Migrationshintergrund etwa ein Drittel aus und sind somit unterproportional vertreten. Mehr Jungen (62,6%) als Mädchen besuchen ein Förderzentrun unabhängig vom Förderschwerpunkt. Auch wechseln diese häufiger von Regelschulen auf ein Förderzentrum. Zwei Drittel aller Schülerinnen und Schüler verlassen das Förderzentrum ohne Regelabschluss. Durch Klassen mit inklusivem Konzept öffnen sich sowohl die beteiligten Regelschulen als auch die kooperierenden Förderzentren.
Zu den beruflichen Schulen, die hier betrachtet werden, gehören die Wirtschaftsschule, die Fachoberschule (FOS) und die Berufsoberschule (BOS). Für die Wirtschaftsschulen fällt auf, dass 14,2% der Schülerinnen und Schüler wiederholen und 9,1% die Schule ohne Abschluss verlassen. Die Schülerzahl an den FOS ist gestiegen, die Zahl der Einpendlerinnen und Einpendler ebenfalls. An der BOS ist die Schülerzahl rückläufig, 44,2% der Schülerinnen und Schüler verlassen diese Schulart ohne zusätzlichen Abschluss. Fast die Hälfte der in Nürnberg erworbenen Hochschulreifen wurde an einer FOS oder BOS erreicht.
Die Trends in Bezug auf die Schülerzahlen der Schulen des zweiten Bildungswegs setzen sich fort. Das Abendgymnasium verliert Schülerinnen und Schüler, beim Hermann-Kesten-Kolleg kam es auch zu einem leichten Rückgang, wogegen die Zahlen für die Abendrealschule steigen. Letztere wird zu zwei Dritteln von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund besucht, einige von ihnen nutzen das Angebot der Internationalen Klasse.
Folgende Handlungsempfehlungen lassen sich aufgrund der Befunde formulieren:
Die Herausforderungen im Bereich der Inklusion bestehen weiter. Um die Inklusion voranzubringen, sollten verstärkt inklusive Unterrichtsmodelle, wie sie bereits mit den Kooperationsklassen und Partnerklassen vorhanden sind, ausgebaut werden. Die Kooperation von Regelschulen und Förderzentren hat sich bewährt. Auch der bereits von zahlreichen Schulen eingeschlagene Weg der Einzelinklusion sollte weiterverfolgt wer-
den. Im Bereich der Inklusion greifen die Bereiche der inneren und äußeren Schulangelegenheiten mit den jeweiligen Zuständigkeiten ineinander. Wie bei der Erstellung des Nürnberger Aktionsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention derzeit praktiziert, ist daher zur bestmöglichen Erreichung der Ziele die Kooperation aller Beteiligten besonders wichtig.
Gelingende Integration basiert auf Verständigung und Kommunikation. Der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund in der Schülerschaft steigt und damit womöglich auch Bedarfe der sprachlichen Förderung als Grundvoraussetzung für Verständigung. Es zeigt sich, dass Kinder mit Migrationshintergrund häufig nicht die gleichen Bildungserfolge wie Kinder ohne Migrationshintergrund erzielen können (beispielsweise mehr Wiederholungen der Jahrgangsstufe, weniger Übergänge an Gymnasien und Hochschulabschlüsse). Da dies auch an sprachlichen Defiziten liegen könnte, existiert bereits ein Förderinstrumentarium (Vorkurs Deutsch 240, SPRINT, InGym, Deutschklassen, DeutschPLUS). Dieses weiterhin zu stärken ist notwendig, wobei die Ausgestaltung der Angebote nicht zu einer Separation von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund führen sollte.
Sozialräumliche Unterschiede zeigen sich zwischen den Grundschulen sehr deutlich bei den Anteilen an Kindern mit Migrationshintergrund (von 10,3% bis 86,7%) oder auch bei den Übergangsquoten nach der 4. Jahrgangsstufe (von 15,7% bis 79,1%). Unterschiede lassen sich auch bei der sozioökonomischen Situation der Familien vermuten. Eine besondere Unterstützung von Schulen in Vierteln, in denen viele Familien in ökonomisch schwierigen Lebenslagen wohnen, bleibt weiterhin unerlässlich.
Betreuungsangebote im mittleren und älteren Kindesalter werden gut genutzt und entsprechende Bedarfe steigen. Ganztägige Angebote dienen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, erleichtern aber auch den Zugang zu non-formaler Bildung und bieten zudem Raum für individuelle schulische Unterstützung. Um die Bedarfe der Familien zu erfüllen, sollte der Ausbau an Plätzen der ganztägigen Bildung, Betreuung und Erziehung weiterhin forciert werden. Insbesondere mit Blick auf einen Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung im Grundschulbereich ist mit steigenden Zahlen an Schülerinnen und Schülern in Kindertageseinrichtungen zu rechnen. Der Ansatz des so bezeichneten „Nürnberger Weges“ bietet mit seinen flexiblen Angeboten einen guten Ausgangspunkt und sollte wie vorgesehen bei den bevorstehenden Schulneu- und -umbauten umgesetzt werden.
Bei der digitalen Bildung setzen die Förderungen von Bund und Ländern den Rahmen für die Umsetzung der städtischen Digitalstrategie. Der kommunale Handlungsspielraum bei Fragen der Ausstattung und (Weiter-)Qualifikation von Lehrkräften sollte insbesondere genutzt werden, um Benachteiligungen von Schularten, zwischen Schulstandorten und Schulträgern zu vermeiden. Auch in Bezug auf die Schülerschaft, wenn es beispielsweise um die Qualität und Finanzierbarkeit von Endgeräten geht, müssen individuelle Benachteiligungen ausgeschlossen, beziehungsweise ausgeglichen werden. Die IT- Strategie für die Nürnberger Schulen berücksichtigt diese Erfordernisse bereits und enthält passende Ansatzpunkte, um mögliche künftige Benachteiligungen auszugleichen.
1 Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und 21 Quelle: Ebd. SPD (2018), www.bundesregierung.de/resource/ 22 Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik blob/975226/847984/5b8bc23590d4cb2892b für Nürnberg und Fürth; Schulstatistik. 31c987ad672b7/2018-03-14-koalitionsvertrag- 23 Quelle: Ebd. data.pdf?download=1; letzter Zugriff: 11.10.2019. 24 Quelle: Die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder; Schulstatistik, Deutschland, 2 Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik 2019. für Nürnberg und Fürth; Einwohnermelderegister, MigraPro; eigene Berechnungen. 25 Aufgrund einer Änderung der statistischen Grundlage ist ein Vergleich mit den Angaben im 3 Stadt Nürnberg, 3. Bürgermeister/Geschäftsvergangenen Bildungsbericht nur eingeschränkt bereich Schule, Schulraumentwicklungsplanung möglich. für Nürnberg. Fortschreibung 2016, Vorlage zum Schulausschuss am 16.12.2016. 26 Ohne die Kategorien „ohne Zuordnung, Unterricht für Kranke“, ohne „kein Schulbesuch 4 Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, in Deutschland, da Zuzug aus Ausland“, ohne Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II), „keine Schule aus sonstigen Gründen“, ohne Größe und Zusammensetzung von Bedarfsge- „keine Schule, da sie/er zur Beginn des Schuljahmeinschaften (BG), Nürnberg-Stadt, Berichtsres erstmals eingeschult wurde“. monat Dezember 2016; eigene Berechnungen. Diese Datenquelle erlaubt nur die dargestellte 27 Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik Alterseinteilung. für Nürnberg und Fürth; Schulstatistik; eigene Berechnungen. 5 Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Einwohnermelderegister, 28 In dieser Quote sind neben Nürnbergerinnen Grundsicherungsstatistik; eigene Berechnungen. und Nürnbergern auch Bildungseinpendlerinnen und -pendler enthalten, ebenso wie Abgänge- 6 Quelle: Stadt Nürnberg, Gesundheitsamt. rinnen und Abgänger von Förderzentren, deren Eckdaten aus den Schuleingangsuntersuchungen Einzugsgebiet über Nürnberg hinausgeht. für die Schuljahre 2011/12 bis 2015/16 unter sozialräumlichen Aspekten. 29 Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Schulstatistik. 7 Quelle: Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik 30 Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik; Deutschland: Vorgaben für die Klassenbildung, Schulstatistik; eigene Berechnungen. Schuljahr 2018/19. 31 Quelle: Stadt Nürnberg, Bildungszentrum 8 Quelle: Staatliches Schulamt in der Stadt im Bildungscampus Nürnberg, Bereich „Zweite Nürnberg. Chance/Schulabschlüsse“. Der M-Online-Kurs bereitet auf den Mittleren Schulabschluss an 9 Quelle: Ebd. Mittelschulen vor und beinhaltet neben dem 10 Quelle: Ebd. Online-Angebot sechs Präsenzveranstaltungen im 11 Paul-Moor-Schule, Nürnberg. laufenden Schuljahr. 12 Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik 32 Quelle: Amt für Kinder, Jugendliche und Famifür Nürnberg und Fürth; Schulstatistik. lien – Jugendamt; KIBIG.web. 13 Quelle: Ebd. 33 Quelle: Amt für Kinder, Jugendliche und Fami- 14 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Allgemeinbil- lien – Jugendamt. dende Schulen. 34 Quelle: Amt für Kinder, Jugendliche und Fami- 15 Quelle: Ebd. lien – Jugendamt; KitaReg. 16 Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik, 35 Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik, Ausländische Schüler und Lehrkräfte in Bayern, Kindertageseinrichtungen und Kindertagespfle- Stand 2017. ge in Bayern 2018. Ergebnisse nach kreisfreien Städten und Landkreisen, 2018. 17 Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik; Schulstatistik; eigene Berechnungen. 36 Quellen: Stadt Nürnberg, 3. Bürgermeister/Geschäftsbereich Schulen; Regierung von Mittelfran- 18 Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik ken; Quoten eigene Berechnungen. für Nürnberg und Fürth; Schulstatistik. 19 Quelle: Ebd. 20 Quelle: Staatliches Schulamt in der Stadt Nürnberg.
37 Quelle: Stadt Nürnberg, Fortschreibung 2019: 53 Quelle: Förderzentrum Förderschwerpunkt Masterplan „Bedarfs- und Ausbauplanung für „Sehen“, Bildungszentrum für Blinde und Sehbe- Unterricht und ganztägige Schulkinderbetreu- hinderte. ung (Mittagsbetreuung, Hort, Ganztagsschule) 54 Quelle: Bezirk Mittelfranken. für Grundschulkinder in Nürnberg“, Vorlage 55 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Allgemeinbilzur Sitzung des gemeinsamen Jugendhilfe- und dende Schulen. Schulausschusses vom 27.6.2019. 56 Dürer-Gymnasium, Nürnberg. 38 Bericht „Der Nürnberger Weg in der ganztägigen Bildung, Betreuung und Erziehung von 57 Stadt Nürnberg, Leistung macht Schule, Vorla- Grundschulkindern“ im gemeinsamen Schul- und ge zum Schulausschuss vom 3.5.2019. Jugendhilfeausschuss vom 30.11.2017. 58 Quelle: Stadt Nürnberg, Referat für Jugend, 39 Die Berechnung beruht auf der Vorlage zur Familie und Soziales. Sitzung des gemeinsamen Jugendhilfe- und 59 Staatliches Schulamt in der Stadt Nürnberg. Schulausschusses vom 27.6.2019: Fortschreibung 60 Quelle: Institut für Pädagogik und Schul- 2019: Masterplan „Bedarfs- und Ausbauplanung psychologie, Jahresbericht über das Schuljahr für Unterricht und ganztägige Schulkinderbetreu- 2017/18. ung (Mittagsbetreuung, Hort, Ganztagsschule) für Grundschulkinder in Nürnberg“. Diese wurde 61 Quelle: Ebd. ergänzt um die Platzzahlen der erweiterten Mit- 62 Quelle: Ebd. tagsbetreuung mit besonderer Förderung. 63 Quelle: Ebd. 40 Quelle: Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt; KitaReg. 41 Quelle: Staatliche Fachoberschule Lothar-von- Faber-Schule 42 Quelle: Staatliches Schulamt in der Stadt Nürnberg. 43 Quelle: Institut für Pädagogik und Schulpsychologie, Jahresbericht über das Schuljahr 2017/18. 44 Im Inklusionsbericht 2019, der im Schulausschuss am 13.12.2019 vorgestellt wird, beschreibt das Amt für allgemeinbildende Schulen weitere Zahlen zur Einzelinklusion. 45 Quelle: Regierung von Mittelfranken. 46 Quelle: Staatliches Schulamt in der Stadt Nürnberg. 47 Regierung von Mittelfranken. 48 Quelle: Staatliches Schulamt in der Stadt Nürnberg. 49 Regierung von Mittelfranken. 50 Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus, https://www.km.bayern.de/schueler/ schulsuche.html; letzter Zugriff: 11.10.2019. 51 Quelle: Staatliches Schulamt in der Stadt Nürnberg. 52 Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Schulstatistik. Nach zusätzlichen Angaben einzelner Schulen (Schulpsychologinnen und -psychologen sowie Beratungslehrkräfte) werden im Schuljahr 2019/20 weitere Schülerinnen und Schüler vorbehaltlich einer Förderzusage inklusiv beschult, sodass das Staatliche Schulamt in der Stadt Nürnberg derzeit von über 500 Schülerinnen und Schülern ausgeht.
E BERUFLICHE BILDUNG 100 90 80 70 60 50 40 30 20
1. Einleitung
Die Entwicklung im Bereich der Ausbildung bleibt in Deutschland weiterhin zwiespältig: Während auf der einen Seite die wesentlichen Indikatoren ein positives Wachstum aufweisen, verhindern grundlegend bestehende Passungsprobleme, wie sie schon seit 2013 in den Bundesbildungsberichten benannt werden,1 einen ausgeglichenen Ausbildungsmarkt, der alle Jugendlichen bedarfsgerecht versorgen könnte. Das Übergangssystem2 D bleibt deshalb auch künftig relevant, um Jugendliche weiter zu qualifizieren und in Ausbildung zu integrieren. Allerdings ist die Größenordnung des Übergangssektors in den letzten 14 Jahren bundesweit um mehr als ein Drittel (das heißt 35,4% weniger Anfängerinnen und Anfänger im Übergangsbereich3) zurückgegangen.
Der Übergang von der Schule in die Ausbildung ist für bestimmte Gruppen junger Menschen besonders schwierig: So haben männliche Jugendliche grundsätzlich größere Übergangsschwierigkeiten als junge Frauen, Jugendliche mit ausländischer Nationalität verfügen – auch bei Vorliegen des gleichen Schulabschlusses – über deutlich schlechtere Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Junge Neuzugewanderte haben aufgrund nachzuholender Sprach- und Schulbildung sowie schwieriger rechtlicher Rahmenbedingungen oft besondere Herausforderungen im Übergang zu bewältigen. Für junge Menschen, die keinen Haupt- beziehungsweise Mittelschulabschluss vorweisen können, haben sich die Einmündungschancen in den letzten Jahren insgesamt deutlich verringert (von 26% im Jahr 2005 auf 18% im Jahr 2016)4.
Die Entwicklungen, die in Nürnberg teilweise erheblich abgeschwächt ankommen, stellen die Stadt mit ihrem ausdifferenzierten „Nürnberger Modell zum Übergang Schule – Berufliche Ausbildung“ erneut vor die Aufgabe, das System immer wieder kritisch zu beleuchten und auf Schwächen und Lücken hin zu untersuchen, um mit passenden Angeboten möglichst allen jungen Menschen einen schnellen Einstieg in die berufliche (Aus-)Bildung zu ermöglichen.
2. Berufliche Bildung in Nürnberg
2.1 Demografische Aspekte
Nürnberg ist ein wichtiger und attraktiver (Aus-)Bildungsstandort, was sich auch an besonders hohen Zuzugszahlen aus dem In- und Ausland in den ausbildungs- und studienrelevanten Altersjahren von 16 bis 30 ablesen lässt (Abb. A-4). Durch die hohe Anziehungskraft der Stadt ist die demografische Entwicklung in Nürnberg im Gegensatz zum Bundestrend5 immer noch positiv. Aktuell ist weder die Schulabsolventenpopulation6 rückläufig, noch sinken die Geburtenraten.7
Die für den Ausbildungsmarkt besonders relevante Bevölkerungsgruppe der 15- bis 24-Jährigen bleibt, nach einem deutlichen Anstieg im Jahr 2015, der auf die Fluchtzu-
wanderung zurückzuführen war, weitgehend stabil: 2018 lebten 56392 junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren mit Hauptwohnsitz in Nürnberg, 2017 waren es 56962.8 Der Anteil der jungen Menschen mit ausländischer Herkunft stieg in dieser Altersgruppe aufgrund von Zuwanderung von 23,6% im Jahr 2014 auf 27,2% im Jahr 2017 an, im Jahr 2018 waren 27,0% der jungen Menschen unter 25 Jahren ausländischer Herkunft. Die Steigerung bezog sich relativ gleichmäßig auf Nationalitäten aus EU- und aus Nicht- EU-Staaten. Im Jahr 2018 lebten 6778 ausländische Personen dieser Altersgruppe aus EU-Staaten und 8459 aus Nicht-EU-Staaten in Nürnberg. Auch der Anteil der jungen Deutschen zwischen 15 und 25 Jahren mit Migrationshintergrund D wächst stetig: von 22,3% im Jahr 2014 auf 25,8% im Jahr 2018. Aufgrund der Bevölkerungszusammensetzung ist davon auszugehen, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird.
Schülerzahlen und Bedarfslagen im Bereich der beruflichen Bildung sind nicht geradlinig aus demografischen Daten ableitbar. Individuelle Bildungsentscheidungen werden beeinflusst von verschiedenen Faktoren getroffen und in der Summe als Trends wahrgenommen: So ist auch in Nürnberg eine Entwicklung zu formal höherwertigen Bildungsabschlüssen zu sehen, wenn auch erheblich abgeschwächter als im Bundesvergleich9 (vergleiche Kap D, 5.).
2.2 Eintritt in das Berufsbildungssystem und seine Teilsysteme
Im Vergleich zum Vorberichtsjahr (Schuljahr 2014/15) ist die Verteilung der erworbenen Abschlüsse in Nürnberg weitgehend konstant geblieben (Abb. D-7), nur bei einzelnen Abschlüssen gab es leichtere Verschiebungen. Die Quote derjenigen Schülerinnen und Schüler aller Schularten, die die Schule ohne Schulabschluss verlassen, ist nach vormals geringem Rückgängen aktuell wieder auf 9,0% gestiegen.
Bezogen auf die Abgängerinnen und Abgänger D der Nürnberger Mittelschulen stieg die Zahl der Abgänger/-innen ohne Schulabschluss von 11,4% im Schuljahr 2015/16 auf 13,9% im Schuljahr 2016/17. Zum Ende des Schuljahrs 2016/17 haben 212 Jugendliche, davon 44 nach der achten und 126 nach der neunten Jahrgangsstufe nach Erfüllung der Vollzeitschulpflicht die Mittelschule ohne Abschluss verlassen, zu 64% waren diese männlich (Abb. E-1).
Hierbei zeigen sich deutliche Unterschiede nach Schulen: Abhängig von ihrer Schülerzusammensetzung und der Sozialstruktur des Sprengels beträgt der Prozentsatz der Abgänger/-innen ohne Abschluss zwischen 0 und 35,0%. Drei Viertel derjenigen Schulen, bei denen der Anteil höher liegt als 20%, haben Deutschklassen (ehemals „Übergangsklassen“). Deren Schülerinnen und Schüler sind bedingt durch den nachholenden Spracherwerb oft noch nicht in der Lage, den Schulabschluss an der Mittelschule zu erwerben und müssen dies dann meist in den Berufsintegrationsklassen D der beruflichen Schulen nachholen. Allerdings liegt die Quote bei weiteren zehn Mittelschulen, die keine Deutschklassen führen, ebenfalls bei relativ hohen Werten zwischen 10% und 18%.
Empirische Studien zeigen immer wieder, dass Jugendliche, die die Schule ohne Schulabschluss verlassen, deutlich schlechtere Chancen haben, einen Ausbildungsplatz zu finden und danach einer existenzsichernden Beschäftigung nachgehen zu können. Dieses Risi- Abb. E-1: Abgänger/-innen und Absolventen/-innen von Mittelschulen in Nürnberg nach ko betrifft Jugendliche mit ausländischer Nationalität in besonderem Maße.10
Abschluss und Geschlecht, Ende des Schuljahrs 2016/17
Abb. E-1:
Anzahl Abgänger/-innen und
Abgänger/-innen und Absol-
Absolventen/-innen
venten/-innen von Mittel-
schulen in Nürnberg nach
Abschluss und Geschlecht,
Ende des Schuljahrs 2016/17
| 318 | |||
|---|---|---|---|
| 256 | |||
| 135 | 153 | 245 | |
| 118 | 219 | ||
| 77 |
Anmerkung: Ohne private 100 Schulen. Quelle: Amt für Stadtfor- Erfüllte Vollzeitschulpflicht Erfolgreicher Abschluss Qualifizierender Abschluss Mittlerer schung und Statistik für ohne Schulabschluss der Mittelschule der Mittelschule Schulabschluss
Nürnberg und Fürth, Schul- Weiblich Männlich
statistik.
Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth, Schulstatistik. Insgesamt haben nach dem Schuljahr 2016/17 1521 Schülerinnen und Schüler die Nürnberger Mittelschulen verlassen (Abb. E-1). Der Anteil der Mittelschülerinnen und -schüler, die den qualifizierenden Mittschulabschluss („Quali“) erreichen, ist wie in den Anmerkung: Ohne private Schulen. Vorjahren wieder leicht (um 1,7 Prozentpunkte) gesunken, während der Anteil derer mit mittlerem Schulabschluss um 2,4 Prozentpunkte gestiegen ist. Durch die stetige Zunahme erreichten mittlerweile 475 der entlassenen Schülerinnen und Schüler den mittleren Schulabschluss an der Mittelschule und damit 31,2% eine direkte Anschlussmöglichkeit an die weiterführende Fachoberschule. Im Schuljahr 2007/08 waren dies noch lediglich 12,2%11. Betrachtet man die Geschlechtsverteilung, fällt auf, dass die männlichen Schüler bei den niedrigeren Abschlüssen deutlich überrepräsentiert sind. Zahlen zu den Klassenformen M-Zug- und V-Klassen D finden sich in Kapitel D, 7.1, zu den Absolventen/-innen und Abgänger/-innen der Förderzentren in Kapitel D, 3.5.
Im Entlassschuljahr 2016/17 haben 210 Nürnberger Schülerinnen und Schüler,12 das sind 15,7% der Entlassschüler/-innen, die 9. Jahrgangsstufe wiederholt, nach dem Schuljahr 2017/18 wurde mit 179 (13,3%) das niedrigere Niveau des vorherigen Berichtsjahrs wieder erreicht (Abb. E-2, hier sind nur Absolventen/-innen mit Wohnsitz Nürnberg gezählt).
Mit der Berufsorientierungsklasse (BO-Klasse), die an der Mittelschule Bismarckschule in Kooperation mit der Berufsschule (B1/B3) eingerichtet ist, werden Schülerinnen und Schüler im Rahmen der Wiederholung der Jahrgangsstufe 9 bei ihrer beruflichen Entscheidungsfindung intensiv unterstützt.
Während im Jahr 2018 von den aus Nürnberger Mittelschulen entlassenen Schülerinnen und Schülern wieder 20,5% ihren Bildungsweg auf weiterführenden Schulen fortsetzten, konnten 466 zunächst keinen direkten Anschluss finden (Abb. E-2). Damit müssen 34,6% dieser Entlassschüler/-innen zunächst in schulischen oder nichtschulischen Maßnahmen der Berufsvorbereitung weiterqualifiziert werden. Im Vergleich zum Schuljahr 2015/1613 bedeutet dies einen deutlichen Anstieg, der teilweise durch die Ausweitung der Deutschklassen an den Mittelschulen vom Schuljahr 2015/16 zum Schuljahr 2016/17 zu erklären ist. Ein Teil dieser Schüler/-innen wurde im Jahr 2018 aus der Mittelschule entlassen und mündete im Anschluss in eine BI-Klasse, das heißt formal ins Übergangs- Abb. E-2: Einmündung der Nürnberger Mittelschulabsolventen/-innen im Anschluss an system ein.
die 9. Jahrgangsstufe, 2012, 2014, 2016 und 2018
Abb. E-2:
Anteil Absolventen/-innen Einmündung der Nürnberger
Mittelschulabsolventen/-in-
1 600
nen im Anschluss an die 9. 12 Jahrgangsstufe, 2012, 2014,
1 400
| 227 | |||
|---|---|---|---|
| 184 | 179 | ||
| 226 | 226 | ||
| 276 | |||
| 245 | 279 | ||
| 350 | 302 | 387 | 466 |
| 169 | |||
| 170 | |||
| 448 | 153 | 139 | |
| 338 | 315 | 274 |
2016 und 2018
1 200
Anmerkungen: Klassen/Maß-
1 000
nahmen für Jugendliche ohne
800 Ausbildungsplatz/im Übergangs-
system: sowohl schulische 600 (Berufsvorbereitungsklassen, JoA-Klassen, BGJ) als auch
400 nicht-schulische (zum Beispiel
BVB, FSJ, BZ). Entlassschüler/-innen der 9. Jahrgangsstufe Haupt-/Mittelschule (nur Schüler/-innen mit
2012 2014 2016 2018
Wohnsitz Nürnberg; 2012 Betriebl. Ausbildung Berufsfachschule (BFS) Klassen/Maßnahmen für Jugendliche ohne Private Volksschule der
(einschl. EQ) ohne Ausbildungsplatz Republik Griechenland)
Weiterführende Schulen Wiederholung der 9. Klasse MS Sonstiges (z.B. Ende Schulpflicht/ Quelle: Stadt Nürnberg,
(M10, WS, RS) Befreiung/Umzug)
Amt für Berufliche Schulen. Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Berufliche Schulen.
Die Gesamtzahl der Eintritte in die drei Bereiche des Nürnberger Berufsbildungssystems D Anmerkungen: Klassen/Maßnahmen für Jugendliche ohne Ausbildungsplatz/im Übergangssystem: sowohl schulische l(iBeegrut fsivmor bSecrehituulnjgashklra s2se0n1, J6oA/1-K7la smseint, B7G4J)7 a6ls aPuechr snoicnhte-snch ualuisfch eä h(zn.Bl.i cBhVBe,m FS J,N BiZv)e. au wie im V orjahr, im Schuljahr 2015/16 waren es noch 7250 Personen (Abb. E-314). Betrachtet man die Entlassschüler/-innen der 9. Jahrgangsstufe Haupt-/Mittelschule (nur Schüler/-innen mit Wohnsitz Nürnberg; 2012 Voehnrtee Pirliuvantge Vdolekrss cShcuhleü dleerr Rinepnuebnlik uGnriedc hSecnlhaündle) r, die nach de m Schul jahr 2017 /18 neu in das Berufsbildungssystem eingetreten sind, ist ein deutlicher Rückgang beim Eintritt in das Übergangssystem15 zu erkennen, der vor allem auf den Rückgang der BI-Klassen zurückzuführen ist. Die Eintritte in das Duale System haben wieder zugenommen: 5295 Personen haben im Schuljahr 2017/18 eine duale Berufsausbildung begonnen, im Jahr 2015/16 waren dies 4842 Personen.
Abb. E-3: Verteilung der neu eingetretenen Schülerinnen und Schüler auf die drei
Teilbereiche des Berufsbildungssystems "D" in Nürnberg, Schuljahre 2010/11 bis 2017/18
Abb. E-3:
Verteilung der neu einge- Anzahl Schüler/-innen
tretenen Schülerinnen und
Schüler auf die drei Teilberei- 2010/11
| 5 202 | 913 | 977 | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 5 554 | 96 | 6 | 1 0 | 97 | |||
| 5 356 | 938 | 1 009 | |||||
| 837 854 | |||||||
| 4 941 | 1.016 | 837 | |||||
| 5 043 | 974 | 854 | |||||
| 4 842 | 901 | 1 507 | |||||
| 5 079 | 953 | 1 534 | |||||
| 5 295 | 938 | 1 243 |
che des Berufsbildungssys-
2011/12
tems D in Nürnberg, Schul-
jahre 2010/11 bis 2017/18 2012/13
2013/14
2014/15
2015/16
Anmerkung: Ohne private 2016/17 Schulen.
2017/18
Quelle: Kommunale Bildungs-
datenbank der Statistischen 0 1 000 2 000 3 000 4 000 5 000 6 000 7 000 8 000
Ämter des Bundes und der Duales System Schulberufssystem Übergangssystem
Länder; Schulstatistik.
Quelle: Kommunale Bildungsdatenbank der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder; Schulstatistik. Dabei beinhaltet der Übergangsbereich Maßnahmen mit jeweils sehr unterschiedlichen Entwicklungsdynamiken: Vor dem Hintergrund der guten Ausbildungsmarktlage sind Anmerkung: Ohne private Schulen. d ie Berufs vorbereit ungsmaßnahmen für immer weniger Schülerinnen und Schüler eine notwendige Brücke. Hier zeigt sich ein Rückgang seit 2016/17 von 235 Teilnehmer/-innen auf 184 Schüler/-innen im Jahr 2018/19 (Abb. E-9).16 Dagegen sind zunehmend junge Menschen in den Klassen für Jugendliche ohne Ausbildungsplatz („JoA-Klassen“), dem schulischen Angebot für diejenigen Entlassschüler und -schülerinnen, die aufgrund unterschiedlichster (kognitiver, affektiver und sozialer) Problemlagen noch nicht in der Lage sind, einen Ausbildungsplatz zu finden oder eine berufsvorbereitende Maßnahme zu besuchen: Mit 558 Schülerinnen und Schülern in insgesamt zehn Klassen ist die Schülerzahl hier auf dem Höchststand der letzten zehn Jahre angekommen.17 Dies korrespondiert grundsätzlich mit dem Zuwachs der Schüler/-innen, die ohne Schulabschluss die Mittelschule verlassen. Das heißt, dass ein deutlicher Anteil der Entlassschüler/-innen nicht nur nicht in Ausbildung einmündet, sondern auch nicht in eine anschlussorientierte Maßnahme (wie zum Beispiel das Berufsvorbereitungsjahr) vermittelt werden konnte.
Eine erhöhte Nachfrage lässt sich für Angebote zur Nachholung von Schulabschlüssen am Bildungszentrum (BZ/BCN) ablesen: So sind die Kursangebote des Kursbereichs „Zweite Chance“ seit dem Schuljahr 2016/17 gestiegen (vergleiche Kapitel D, 5.4). Die Möglichkeit, den qualifizierenden Mittelschul- oder den mittleren Schulabschluss bei der „Zweiten Chance“ zu erwerben, ist vor allem für neuzugewanderte junge Erwachsene, die die BI-Klassen durchlaufen haben, aber dort noch keinen Schulabschluss erwerben konnten, ein wichtiges Angebot.
Betrachtet man die Geschlechterverteilung in den Teilbereichen des Bildungssystems (Abb. E-4), bleibt das Schulberufssystem der Bereich mit sehr hohem Frauenanteil (71,0%), während umgekehrt dazu das Übergangssystem von männlichen Teilnehmen-
den dominiert ist (64,4%). Mit Rückgang der BI-Klassen nimmt aber sowohl der Anteil der Männer, als auch der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit ausländischer StaatsaAnbgbe. hEö-4r:i gVkeertite i(l5u0n,g9 d%er) nimeu Ü ebinegregtarentgesnseynst Secmhü alebr.i1n8nen und Schüler auf die drei Teilbereiche des Berufsbildungssystems in Nürnberg nach Geschlecht und Staatsange-
hörigkeit, Schuljahr 2017/18
Abb. E-4:
Anteil Schüler/-innen Anteil Schüler/-innen (in %) (in %) 100 100 90 90 80 35,6 80 46,9 48,1 49,1 70 70 71,0 60 60 83,8 80,8 77,7 50 50 40 40 30 64,4 30 53,1 51,9 50,9 20 20 29,0 10 10 16,2 19,2 22,3 0 0 Duale Schul- Über- Insgesamt Duale Schul- Über- Insgesamt Ausbil- berufs- gangs- Ausbil- berufs- gangs- dung system system dung system system Weiblich Deutsch Männlich Ausländisch
Verteilung der neu eingetre-
tenen Schülerinnen und Schü-
ler auf die drei Teilbereiche
| 35,6 | |||
|---|---|---|---|
| 46,9 | 48,1 | ||
| 71,0 | |||
| 64,4 | |||
| 53,1 | 51,9 | ||
| 29,0 |
| 49,1 | |||
|---|---|---|---|
| 83,8 | 80,8 | 77,7 | |
| 50,9 | |||
| 16,2 | 19,2 | 22,3 |
des Berufsbildungssystems
in Nürnberg nach Geschlecht
und Staatsangehörigkeit,
Schuljahr 2017/18
Anmerkung: Ohne private Schulen.
Quelle: Kommunale Bildungs-
datenbank der Statistischen
Ämter des Bundes und der
Länder; Schulstatistik.
Quelle: Kommunale Bildungsdatenbank der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder; Schulstatistik. Im Bereich der dualen Ausbildung ist der Anteil der Ausländer und Ausländerinnen von 13,8% auf 16,2% gestiegen,19 was als erster Hinweis auf eine Integration in AusbildAunnmger kduenrg :e Orhsntee npr iBvaIKte- SAchbusleonl.v enten/-in nen nach 2015 g ewertet w erden kann (vergleiche Abschnitt 3.).
Der bundesweite Trend, dass junge Männer immer häufiger, junge Frauen dagegen immer seltener an der dualen Ausbildung beteiligt sind,20 zeigt sich – vor allem aufgrund der abweichenden demografischen Entwicklung in Nürnberg – abgeschwächt bestätigt:
Im Schuljahr 2015/16 erfolgten noch 50,6% der Eintritte im dualen Bereich von jungen Frauen, 2016/17 waren es 49,7% und 2017/18 lag ihr Anteil bei 46,9%.21
Bezüglich der schulischen Vorbildung (Abb. E-5), mit der die Schülerinnen und Schüler in das Berufsbildungssystem eintreten, zeigen sich im Vergleich zur letzten Berichtsfassung nur geringe Unterschiede. Die deutliche Abnahme der Schülerinnen und Schüler mit „sonstigen“ Abschlüssen (zum Beispiel im Übergangssystem insgesamt von 37,5% im Schuljahr 2015/16 auf 28,9% im Schuljahr 2017/18 und bezogen auf ausländische Schüler/-innen im Übergangssystem von 64,3% auf 56,6%)22 verweist auf die Tatsache, dass die ab 2015 neuzugewanderten jungen Menschen durch Eingliederung in das Bildungssystem zunehmend Schulabschlüsse in Deutschland erwerben.
Abb. E-5: Verteilung der neu eingetretenen Schülerinnen und Schüler auf die drei
Teilbereiche des Berufsbildungssystems in Nürnberg nach schulischer Vorbildung,
Schuljahr 2017/18
Abb. E-5:
Anteil Schüler/-innen (in %)
Verteilung der neu ein-
getretenen Schülerinnen
| 3,7 | 2,7 | |||
|---|---|---|---|---|
| 9,9 | ||||
| 13,3 | 28,9 | |||
| 5,1 | ||||
| 6,7 | ||||
| 43,9 | 0,2 | |||
| 48,1 | ||||
| 34,4 | ||||
| 26,1 | 38,2 | 32,9 | ||
| 2,1 |
und Schüler auf die drei
Teilbereiche des Berufsbil- 90
dungssystems in Nürnberg
nach schulischer Vorbildung,
1,2
2,4
Schuljahr 2017/18 70
0 0,2
Anmerkung: Ohne private Schulen. Duale Ausbildung Schulberufssystem Übergangssystem Quelle: Kommunale Bildungs- Ohne Abschluss Mit erfolgreichem oder qualifizierendem Mit mittlerem Schulabschluss
datenbank der Statistischen Abschluss der Mittelschule
Ämter des Bundes und der Mit Fachhochschulreife Mit Hochschulreife Mit sonstigem Abschluss Länder; Schulstatistik. Quelle: Kommunale Bildungsdatenbank der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder; Schulstatistik.
409 der insgesamt 1243 Schüler/-innen im Übergangssystem verfügten über keinen Anmerkung: Ohne private Schulen. Schulabschluss, das entspricht einem relativen Zuwachs dieser Gruppe von 5,8 Prozentpunkten zum Schuljahr 2016/17. Für diese Gruppe sind – wie bereits benannt – die Klassen und Maßnahmen im Übergangssystem die einzige realistische Anschlussmöglichkeit an die allgemeinbildende Schule. Allerdings sind mehr Schülerinnen und Schüler (427, dies entspricht 34,4%) ins Übergangssystem eingemündet, die einen erfolgreichen oder qualifizierenden Mittelschulabschluss vorweisen können. Diese Gruppe konnte, trotz eines Schulabschlusses, der sie eigentlich für die Ausbildung qualifizieren sollte, keine Ausbildung aufnehmen. Expertinnen und Experten benennen hier meist die fehlende „Ausbildungsreife“ der Jugendlichen als Ursache.23 Im Gegensatz dazu zeigt eine Analyse des WZB auf der Grundlage von NEPS-Daten,24 dass die Gruppe der sogenannten „leistungsschwachen“ Jugendlichen (mit höchstens Hauptschulabschluss25) sehr heterogen ist und dass ein großer Teil derer die gleichen Kompetenzwerte und Ausprägungen in Persönlichkeitsmerkmalen aufweisen wie Schulabgänger und Schulabgängerinnen, die die Schule mit einem mittleren Abschluss verlassen.
3. Duale Ausbildung – Ausbildungsmarkt, Angebot
und Nachfrage
Das Ausbildungsplatzangebot in Deutschland ist zwischen den Jahren 2017 und 2018 leicht gestiegen (+2,9%) und erreichte mit 589068 angebotenen Ausbildungsplätzen insgesamt den Höchststand seit 2009.26 Die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen durch junge Menschen stieg mittlerweile ebenfalls im zweiten Jahr in Folge, was unter anderem an der verstärkten Nachfrage neuzugewanderter Menschen lag. Da das Ausbildungsplatzangebot insgesamt stärker stieg als die Ausbildungsplatznachfrage, verbesserten sich die Marktverhältnisse für die Jugendlichen weiter: Rechnerisch standen 2018 bundesweit 106 Ausbildungsangebote 100 Ausbildungssuchenden gegenüber.27
Trotzdem gelingt es immer weniger gut, das betriebliche Ausbildungsangebot und die Nachfrage der Jugendlichen in Deckung zu bringen, weil Passungsprobleme aufgrund regionaler und beruflicher Marktungleichgewichte vorliegen.
Auch in Nürnberg könnte rechnerisch jeder junge Mensch mehr als einen Ausbildungsplatz besetzen: Für jede beziehungsweise jeden bei der Agentur für Arbeit gemeldete/-n Ausbildungsbewerber/-in stehen theoretisch 1,32 gemeldete Berufsausbildungsstellen zur Verfügung. Mit 4721 gemeldeten Berufsausbildungsstellen für Nürnberg im Berichtsjahr 2017/18 ist das gesamte Ausbildungsplatzangebot im Vergleich zu den Vorjahren geringfügig zurückgegangen, während die Anzahl der Bewerber/-innen für Berufsausbildungsstellen D mit 3572 dem Niveau des Vorjahrs (3585) entspricht (Abb. E-6). Damit hat sich die Nachfrage nach dem deutlichen Zuwachs 2015/16, dem Jahr mit besonders starker Zuwanderung, wieder auf solidem Niveau stabilisiert.
Bei der Ausbildungsnachfrage profitiert die Stadt Nürnberg von Zuzügen aus dem Inund Ausland, insbesondere in der ausbildungsrelevanten Bevölkerungsgruppe, und von der demografischen Entwicklung insgesamt (vergleiche Kapitel A). Darüber hinaus ist der Nürnberger Ausbildungsmarkt von einer starken Verflechtung mit den regionalen Märkten der gesamten Metropolregion geprägt: 6047 junge Menschen pendelten im Ausbildungsjahr 2017/18 für ihre Ausbildung nach Nürnberg ein, 74,7% derer kamen aus dem Regierungsbezirk Mittelfranken, 20,5% aus dem Rest Bayerns.28 In sehr viel geringerem Umfang pendelten Auszubildende mit Wohnort Nürnberg in andere Landkreise und Städte: 2017/18 waren dies 1876, davon absolvierten 80,1% ihre Ausbildung in anderen mittelfränkischen Kommunen.
In Nürnberg hat der Wert der Angebots-Nachfrage-Relation im Jahr 2017 die Gleichgewichtsschwelle von 100 überschritten: Mit einer erweiterten Angebots-Nachfrage-Relation (eANR) D von 104,2 verbesserte sich im Jahr 2018 das Verhältnis von Angebot und Nachfrage zum Vorjahr noch einmal um 2,2 Punkte und liegt damit weit über dem bundesdeutschen Schnitt von 96,6, allerdings auch deutlich unter dem bayerischen Wert von 109,5.
Abb. E-6: Seit Beginn des Berichtsjahrs gemeldete Berufsausbildungsstellen und
Bewerber/-innen für Berufsausbildungsstellen in der Stadt Nürnberg, Berichtsjahre
2010/11 bis 2017/18
Abb. E-6:
| 3 891 | 4 559 |
|---|---|
| 4 559 | |
| 3 385 | |
| 5 010 | |
| 3 422 | 4 844 |
| 4 844 | |
| 3 649 | 4 678 |
| 4 678 | |
| 3 484 | 4 870 |
| 4 870 | |
| 3 801 | 4 883 |
| 4 883 | |
| 3 585 | 4 837 |
| 4 837 | |
| 3 572 | 4 721 |
| 4 721 |
Seit Beginn des Berichtsjahrs
2010/11
gemeldete Berufsausbil-
dungsstellen und
Bewerber/-innen für Berufs- 2011/12
ausbildungsstellen in der
Stadt Nürnberg, Berichtsjahre 2012/13
2010/11 bis 2017/18
2013/14
Anmerkung: Ein Berichtsjahr 2014/15 bezieht sich auf den Zeitraum vom 1. Oktober bis zum 30. 2015/16 September des Folgejahres. Datenrevisionen können zu 2016/17 Abweichungen gegenüber Auswertungen mit früherem
2017/18
Erstellungsdatum führen.
Quelle: Statistik der Bundes- 0 1 000 2 000 3 000 4 000 5 000 6 000
agentur für Arbeit, Bewerber
Gemeldete Bewerber/-innen für Berufsausbildungsstellen Anzahl Bewerber/-innen
und Berufsausbildungsstel-
und Ausbildungsstellen
len, September 2010 bis Gemeldete Berufsausbildungsstellen
2018; eigene Darstellung. Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Bewerber und Berufsausbildungsstellen, September 2010 bis 2017; eigene Darstellung. Während in Gesamtdeutschland die sinkende Ausbildungsbeteiligung junger Frauen mit Sorge betrachtet wird, kann in Nürnberg bei den Bewerberinnen um einen dualen Aus- Anmerkung: Ein Berichtsjahr bezieht sich auf den Zeitraum vom 1. Oktober bis zum 30. September des Folgejahres. bildungsplatz nur ein sehr langsamer, wenn auch stetiger Rückgang des Frauenanteils Datenrevisionen können zu Abweichungen gegenüber Auswertungen mit früherem Erstellungsdatum führen. festgestellt werden: Im Ausbildungsjahr 2013/14 waren noch 42,5% der Bewerber/-innen weiblich, im Ausbildungsjahr 2017/18 betrug deren Anteil 39,5%.29
Vorbildung der Bewerberinnen und Bewerber
Der Trend zu höherwertigen Abschlüssen bei den Schulabsolventen und -absolventinnen schlägt sich in der Bewerberstatistik der Agentur für Arbeit in Nürnberg weniger deutlich nieder als im Bundesdurchschnitt: Von den in der Stadt Nürnberg gemeldeten Bewerberinnen und Bewerbern D um einen Ausbildungsplatz besaßen 2017/18 10,6% die Hochschulreife, weitere 8,9% die Fachhochschulreife, im Bundesschnitt sind dies zusammengenommen 27,0%.30 39,2% der Bewerberinnen und Bewerber in Nürnberg verfügten über einen Abschluss der Mittelschule,31 24,5% über einen Realschulabschluss (mittleren Schulabschluss).32 Bundesweit haben nur noch 27% einen Hauptschulabschluss, während 40% einen Realschulabschluss besitzen.33 Auch mit Blick auf die Neueintritte in das duale System (Abb. E-5) und auf die Anzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge bleibt somit der mittlere Schulabschluss, der allerdings zunehmend auch auf der Mittelschule erworben wird (vergleiche 2.2), der bedeutsamste Abschluss für die Aufnahme einer dualen Ausbildung. Dies zeigt sich auch in der Quote von 24,5% der Bewerber/-innen D mit mittlerem Schulabschluss, die nach dem Stichtag (30.09.) noch als „unversorgt“ galten.34
Ausbildungsplatzangebot
In Nürnberg wurden für das Ausbildungsjahr 2017/18 insgesamt 4721 Ausbildungsplätze bei der Arbeitsagentur gemeldet. Dies entspricht einem leichten Rückgang um 162 Plätze (Abb. E-6). Die Daten der Agentur für Arbeit weisen aber darauf hin, dass der Bestandsverlust an Ausbildungsbetrieben mit dem Wiedererreichen des Niveaus der Jahre 2014 bis 2016 gestoppt sein könnte. Nachdem der Gesamtbestand der Betriebe anstieg, sank die Ausbildungsbetriebsquote D auch in Nürnberg stetig auf 19,7%. Auch die Ausbildungsquote D von 4,5% befindet sich im Jahr 2018 wieder auf einem neuen Tiefstand (Tab. E-1). Eine Recherche der Nürnberger Nachrichten zur Entwicklung der Ausbildungsquoten in Nürnberger Betrieben zeigte auf, dass auch größere Unternehmen in der Region zunehmend weniger ausbilden und weist hier Quoten zwischen 1,3 und 7,6 Prozent aus.35 Auch in Nürnberg verliefen somit seit zehn Jahren Ausbildungsquote und Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten D gegenläufig, das heißt, die Beschäftigungs- und die Ausbildungsentwicklung fallen auseinander: Die Ausbildung profitiert nicht von der guten Beschäftigungsentwicklung.36
Tab. E-1:
| Anzahl der Auszubil- denden in | Anzahl der Betriebe mit Auszubil- | Gesamtzahl der sozial- versiche- rungspflichtig | Gesamtzahl | Ausbil- dungs- quote | Ausbil- dungs- betriebs- quote | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Betrieben | denden | Beschäftigten | der Betriebe | (in %) | (in %) | |
| 2008 | 17259 | 3437 | 268851 | 14008 | 6,4 | 24,5 |
| 2009 | 16976 | 3341 | 265693 | 14132 | 6,4 | 23,6 |
| 2010 | 16327 | 3249 | 268832 | 14126 | 6,1 | 23,0 |
| 2011 | 15782 | 3164 | 274621 | 14262 | 5,7 | 22,2 |
| 2012 | 15629 | 3113 | 278548 | 14333 | 5,6 | 21,7 |
| 2013 | 15154 | 3039 | 281570 | 14447 | 5,4 | 21,0 |
| 2014 | 14786 | 2962 | 284915 | 14518 | 5,2 | 20,4 |
| 2015 | 14227 | 2944 | 293190 | 14697 | 4,9 | 20,0 |
| 2016 | 14278 | 2953 | 300348 | 14879 | 4,8 | 19,8 |
| 2017 | 14135 | 2988 | 308322 | 14989 | 4,6 | 19,9 |
| 2018 | 14114 | 2956 | 313621 | 15038 | 4,5 | 19,7 |
Ausbildungsquote D und
Ausbildungsbetriebsquote D
in der Stadt Nürnberg, 2008
bis 2018
Anmerkungen: Datenrevisionen können zu Abweichungen gegenüber Auswertungen mit früherem Erstellungsdatum führen.
Quelle: Statistik der Bundes-
agentur für Arbeit; Arbeits-
markt in Zahlen, Anzahl
Betriebe mit Auszubildenden
und Anzahl Auszubildende,
Nürnberg; Stichtag jeweils
31.12.; eigene Berechnung
und Darstellung.
Die amtliche Berufsbildungsstatistik benennt für das Jahr 2017 eine Gesamtzahl von 12736 Auszubildenden in der Stadt Nürnberg, davon hatten 12,5% eine ausländische Staatsangehörigkeit. 68,5% der Auszubildenden arbeiteten im Bereich „Industrie und Handel“ und 17,5% waren im Handwerk beschäftigt. Die übrigen 14,0% verteilten sich auf die Bereiche „Öffentlicher Dienst“, „freie Berufe“ und „Landwirtschaft“.37
Abgeschlossene Ausbildungsverträge
Für die Stadt Nürnberg meldete die IHK Nürnberg für Mittelfranken für das Ausbildungsjahr 2018 zum Stichtag 31.12.2018 insgesamt 3583 abgeschlossene Ausbildungsverträge, was einem Zuwachs gegenüber dem Vorjahr von 2,0% entspricht. 64,6% der neuen IHK-Auszubildenden waren männlich, im Bereich der gewerblich-technischen Berufe lag der Anteil weiblicher Auszubildender lediglich bei 13,6% bei rückläufiger Tendenz.38
23,9% der neuen Auszubildenden, die bei der IHK gemeldet sind, verfügten über einen Abschluss der Mittelschule,39 45,1% über einen mittleren Schulabschluss, 26,3% hatten die Hochschulreife erworben. Auszubildende mit höherer Vorbildung sind überproportional in den gewerblich-technischen Berufen vertreten (32,3% Hochschulreife), was das Anspruchsniveau dieser Berufe (wie zum Beispiel im Bereich der Mechatronik oder der Fachinformatik) widerspiegelt. Demgegenüber haben 43,6% der kaufmännischen Auszubildenden einen mittleren Schulabschluss und 28,0% einen Abschluss der Mittelschule.40 In den gewerblich-technischen IHK-Berufen (zum Beispiel Metalltechnik, Elektrotechnik) gab es auch die stärksten Zuwächse. Im kaufmännischen Bereich, der aufgrund von Steigerungen im Bereich Handel insgesamt leicht wächst, hat neben dem Bereich Hotel und Gastronomie vor allem das Banken- und Versicherungswesen starke Rückgänge zu verzeichnen.41
Die Handwerkskammer für Mittelfranken berichtete über 852 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge in der Stadt Nürnberg für das Ausbildungsjahr 2017/18, davon wurden 749 Ausbildungen in den handwerklichen, 58 in den kaufmännischen Berufen und 45 in den sonstigen Berufen (einschließlich den Fachpraktikerausbildungen) der Handwerkskammer abgeschlossen. Traditionell ist die Geschlechterverteilung im Handwerk besonders asymmetrisch: 78,8% der neuen Auszubildenden waren männlich, bei den handwerklichen Ausbildungsberufen sogar 82,1%. Für die Handwerksausbildungen ist der Abschluss der Mittelschule, den 60,4% der neuen Auszubildenden im Handwerk vorweisen können, noch der dominierende Schulabschluss. Nur 9,3% aller neuen Auszubildenden verfügen über eine Hochschulreife, 26,3% haben einen mittleren Schulabschluss. Im Berufsgruppenvergleich bestehen nur geringe Unterschiede zum Vorjahr.42
Lediglich 1,9% (53 Personen) der neuen Auszubildenden in IHK-Berufen und 4,2% (36) der Auszubildenden in Handwerkskammerbetrieben hatten keinen (Mittel-)Schulabschluss. Ein direkter Übergang in den Beruf von Schülerinnen und Schüler ohne Schulabschluss scheitert an den Anforderungen der Betriebe ebenso wie an der Konkurrenz durch die Schülerinnen und Schüler mit teilweise höherwertigen Abschlüssen.
Unbesetzte Ausbildungsplätze
Die Anzahl der gemeldeten Ausbildungsstellen, die laut Berichterstattung der Bundesagentur für Arbeit zum Stichtag 30.9. unbesetzt waren, steigt bundesweit seit Jahren stetig an.43 In Nürnberg waren zum 30.9.2018 694 Ausbildungsstellen unbesetzt, dies entspricht dem Niveau des Vorjahres.44
Bezieht man die Anzahl der unbesetzt gebliebenen Ausbildungsplätze auf die Anzahl der noch nicht versorgten Bewerber/-innen (102), so lag der Indikator in Nürnberg mit 6,8 im Jahr 2017/18 wiederum höher als in den Vorjahren, allerdings noch deutlich unter dem Bundeswert von 10,0 und dem Spitzenwert für Bayern mit 14,7.45
Ein besonders hoher Anteil an unbesetzten Ausbildungsplätzen findet sich in Nürnberg zum einen in den technischen Bereichen „Mechatronik/Automatisierungstechnik“ (31,0), „Elektrotechnik“ (48,0) und zum anderen im Lebensmitteleinzelhandel („Verkauf von Lebensmitteln“ mit 21,0) und der Gastronomie (23,5).46 Die Nichtbesetzung offener Ausbildungsstellen wurde von in der Herbstumfrage der IHK Nürnberg für Mittelfranken befragten Betrieben mit der Nicht-Passung der Bewerberinnen und Bewerber sowie ei- Abb. E-7: Status der seit Beginn des Berichtsjahres gemeldeten Bewerber/-innen für nem Mangel an Bewerbern/-innen generell begründet.47 Berufsausbildungsstellen in der Stadt Nürnberg, Berichtsjahre 2013/14 bis 2017/18
Abb. E-7:
Anzahl Bewerber/-innen Status der seit Beginn des
Berichtsjahres gemeldeten
4 000
114 Bewerber/-innen für
| 533 | 424 | 512 | 432 | 355 |
|---|---|---|---|---|
| 1 369 | 1 440 | 1 528 | 1 421 | 1 503 |
| 1 619 | 1 537 | 1 647 | 1 615 | 1 612 |
Berufsausbildungsstellen in
3 500
der Stadt Nürnberg, Berichts-
3 000 jahre 2013/14 bis 2017/18
2 500
2 000 Anmerkung: Ein Berichtsjahr
bezieht sich auf den Zeitraum 1 500 vom 1. Oktober bis zum 30. September des Folgejahres.
1 000
Datenrevisionen können zu Abweichungen gegenüber Auswertungen mit früherem 0 Erstellungsdatum führen.
2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18
Quelle: Statistik der Bundes-
Einmündende Bewerber/-innen Bewerber/-innen mit Alternative zum 30.9. agentur für Arbeit, Bewerber
und Berufsausbildungsstel-
len, Nürnberg, September
Andere ehemalige Bewerber/-innen Unversorgte Bewerber/-innen
2010 bis 2018; eigene
Darstellung. Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Bewerber und Berufsausbildungsstellen, Nürnberg, September 2010 bis 2018; eigene Darstellung. Insgesamt konnten von den 3572 Bewerberinnen und Bewerbern im Zeitraum vom 1A.n1m0e.r2k0un1g7: E ibn iBse r3ic0ht.s9ja.h2r0 b1ez8ie h4t 5si,c1h %auf deeinn eZe iBtraeurmuf vsoamu 1s.b Oilkdtoubnegr b ias uzufmne 3h0.m Seepnte m(Abebr dbe.s FEo-lg7e)j.a h3re5s5. PDeartseonrneveinsio n(9en,9 kö%nn)e nw zäu hAlbtwenei cheuinngeenn gaelgteenrünbaetri Aveusnw eBrtiuldnugenng msiwt ferügh,e rveomn E rsithenlluenng sdbaetusmuc fhühtreenn. 185 Personen eine weiterführende Schule. Von den 1503 Personen (42,1%), die bei der Arbeitsagentur abgemeldet wurden („andere ehemalige Bewerber“ D ), haben 22,8% (342) ihre Schulausbildung fortgeführt und 3,5% (53) ein Studium aufgenommen. 102 ausbildungssuchende junge Menschen blieben weiterhin „unversorgt“, das waren marginal weniger als im Vorjahr.
Mit der Einmündungsquote EQI D, die den Anteil der einmündenden Ausbildungsbewerber/-innen an allen institutionell erfassten ausbildungsinteressierten Jugendlichen darstellt, können der Beteiligungsgrad der grundsätzlich an Ausbildung interessierten
Jugendlichen und die Schwierigkeit der Stellenbesetzung abgeschätzt werden. Die EQI im Arbeitsagenturbezirk Nürnberg stieg 2018 von 70,3 im Vorjahr auf 71,3. Dies bedeutet, dass von den bei der Arbeitsagentur registrierten Jugendlichen, die grundsätzlich an einer Ausbildung interessiert waren, lediglich 71,3% auch tatsächlich einen Ausbildungsvertrag abschließen konnten. Im Gegensatz zum rein rechnerischen Ausgleich von Angebot und Nachfrage zeigen sich hier ungenutzte Potentiale für die betriebliche Ausbildung:48 Fast ein Drittel der interessierten Jugendlichen wählt einen alternativen Weg zur dualen Ausbildung.
Insgesamt 647 Bewerberinnen und Bewerber, dies entspricht einer Steigerung von 18,1% zum Vorjahr, suchten auch nach dem Stichtag des 30.9.2018 (im sogenannten „Fünften Quartal“ bis zum 31.12.2019), weiterhin, erneut oder erstmalig eine Ausbildungsstelle und sind dazu bei der Agentur für Arbeit gemeldet. Von diesen Ausbildungsbewerbern/-innen sind bis zum Januar 2019 schließlich 87 (13,4%) in eine Ausbildung eingemündet, während 229 (35,4%) ihre „Alternative“ verwirklicht haben: für 44,1% (101) bestand diese im weiteren Schulbesuch oder der Aufnahme eines Studiums, 14,8% haben eine (andere) Ausbildung aufgenommen und 13,5% (31) sind in eine Fördermaßnahme eingetreten. Gleichzeitig blieben auch im Nachvermittlungszeitraum 867 Ausbildungsstellen unbesetzt, 694 davon waren schon am 30.9.18 unbesetzt gewesen.
Auszubildende mit ausländischer Staatsangehörigkeit
20,4% aller im Jahr 2018 gemeldeten Auszubildenden im Bereich der Handwerkskammer in der Stadt Nürnberg hatten eine ausländische Staatsangehörigkeit, dies entspricht einer Steigerung von 2,4 Prozentpunkten zum Vorjahr. Die Quote stieg in den letzten fünf Jahren von 13,3% im Jahr 2013 auf 18,0% im Jahr 2017 an. Weniger deutlich fällt der Zuwachs bei den IHK-Berufen aus, der in den letzten zwei Jahren um 1,5 Prozentpunkte auf 11,6% anstieg. Im Jahr 2018 haben 25,3% der IHK-Betriebe angegeben, „Flüchtlinge“ im Unternehmen als Fachkräfte, Auszubildende oder Hilfskräfte zu beschäftigen, im Vorjahr waren dies 20,7%.49
Der Vergleich50 mit den ausländischen Bewerber/-innen D um Ausbildungsstellen und mit der Quote der unversorgten Bewerber zeigt, dass Ausländer/-innen insgesamt in geringerem Maße direkt in duale Berufsausbildung einmünden: So hatten 30,4% der Bewerberinnen und Bewerber um Ausbildungsstellen eine ausländische Staatsangehörigkeit. Die ausländischen Bewerber waren zu 57,0% männlich und verfügten im Vergleich zur Gesamtheit der Bewerber/-innen weniger häufig über einen mittleren Schulabschluss (22,0% im Vergleich zu 32,4%), dafür häufiger über den Abschluss der Mittelschule (47,6% zu 41,4%). Während 3,7% der ausländischen Bewerber/-innen unversorgt blieben, waren dies in Bezug auf alle Bewerber/-innen lediglich 2,9%.51
Tab. E-2:
| Beruf | Rang | Rang- ände- rung zum Vorjahr | Neue Ausbil- dungs- verträge | Anteil männliche Auszu- bilden- de (in %) | Anteil weibliche Auszu- bilden- de (in %) |
|---|---|---|---|---|---|
| Fachinformatiker/-in | 1 | +2 | 354 | 91,2 | 8,8 |
| Kaufmann/-frau für Büromanagement | 2 | -1 | 345 | 24,6 | 75,4 |
| Zahnmedizinische/-r Fachangestellte/-r | 3 | -1 | 315 | 0,3 | 99,7 |
| Kaufmann/-frau im Einzelhandel | 4 | 0 | 294 | 52,2 | 47,8 |
| Medizinische/-r Fachangestellte/-r | 5 | +1 | 288 | 2,4 | 97,6 |
| Verkäufer/-in | 6 | -1 | 264 | 55,3 | 44,7 |
| Kraftfahrzeugmechatroniker/-in | 7 | 0 | 213 | 98,1 | 1,9 |
| Kaufmann/-frau für Spedition und Logistikdienstleistung | 8 | +1 | 192 | 60,6 | 39,4 |
| Kaufmann/-frau im Groß- und Außenha ndel | 9 | +1 | 180 | 60,8 | 39,2 |
| Industriekaufmann/-frau | 10 | -2 | 168 | 39,6 | 60,4 |
Rangliste der Ausbildungs-
berufe nach Neuabschlüssen
im Agenturbezirk Nürnberg,
Quelle: Bundesinstitut für
Berufsbildung.
Berufswahl
Vergleicht man die Rangliste der Ausbildungsberufe nach Neuabschlüssen im Agenturbezirk Nürnberg 2018 (Tab. E-2) mit der des Vorjahres, bestätigt sich erneut ein Befund, der seit Jahren stabil ist: Die Bewerberinnen und Bewerber um duale Ausbildungsplätze wählen stets die gleichen TOP 10 der Ausbildungsberufe. Im Bundes- und Landesvergleich wird nur der Ausbildungsberuf zur Kauffrau/zum Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistungen in Nürnberg signifikant häufiger gewählt, was als Konsequenz der gewachsenen Attraktivität Nürnbergs als Logistikstandort52 mit einem hohen Fachkräftebedarf53 gesehen werden kann.
Die geschlechtsspezifische Berufswahl bleibt trotz aller Angebote zur klischeefreien Berufsorientierung und geschlechtsspezifischen Förderangebote (wie zum Beispiel Girls‘ und Boys‘ Day und andere Programme) bestehen: Frauen wählen weiterhin tendenziell nicht-technische Berufe, die häufig geringer entlohnt werden. Die bevorzugten Ausbildungsberufe der jungen Männer sind auch im Jahr 2018: Fachinformatiker (321 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge), Kraftfahrzeugmechatroniker, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizung und Klimatechnik, Kaufmann im Einzelhandel und Verkäufer. Dagegen wählen die jungen Frauen bevorzugt Ausbildungen zur (zahn-)medizinischen Fachangestellten (beide zusammen: 597 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge), zur Kauffrau für Büromanagement, zur Kauffrau im Einzelhandel und zur Verkäuferin.54
Bei den Handwerksausbildungen im Kammerbezirk Mittelfranken sind weiterhin die Berufe Friseurin (171 Neueintragungen von Frauen), Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk (74) und Kauffrau für Büromanagement (66) am beliebtesten.55 Dabei hat sich der Frauenanteil bei den Ausbildungsabschlüssen zu Friseurinnen und Friseuren zum Vorjahr
(80,8%) überraschend deutlich auf 69,8% reduziert. Diese Entwicklung ist in Nürnberg eher nicht auf einen Rückzug der Frauen aus der dualen Berufsausbildung, sondern auf den verstärkten Einstieg zugewanderter, vor allem arabischer junger Männer in den Friseurberuf zurückzuführen.56
Auch bei den Ausbildungen in IHK-Berufen dominieren im Bereich Technik („gewerbliche Berufe“) die männlichen Auszubildenden mit einem Anteil von 86,4%, während 45,8% der Neuabschlüsse in kaufmännischen Berufen von Frauen getätigt werden. Die meistgewählten kaufmännischen IHK-Berufe im Kammerbezirk waren im Jahr 2018 der Kaufmann/die Kauffrau im Einzelhandel, der/die Verkäufer/-in und der Kaufmann/die Kauffrau für Büromanagement; bei den männlich dominierten gewerblich-technischen Berufen sind dies der/die Industriemechaniker/-in, der/die Fachinformatiker/-in Systemintegration und der/die Fachinformatiker/-in Anwendungsentwicklung.57
Vertragslösungen
Die Betrachtung der Zahlen zur Auflösung von Ausbildungsverträgen ist methodisch wie inhaltlich komplex. In der Analyse der Lösungsquoten58 ist insbesondere zu beachten, dass eine Vertragslösung nicht mit dem Abbruch der Ausbildung gleichzusetzen ist, da ein Großteil der Jugendlichen zwar entweder den Ausbildungsberuf oder den Ausbildungsbetrieb wechselt, aber nicht grundsätzlich ohne Ausbildung verbleibt. Auch die Aufnahme eines Studiums oder der Besuch einer weiterführenden Schule kann ein Lösungsgrund sein. Insbesondere dann, wenn ein gutes Angebots-Nachfrage-Verhältnis am Ausbildungsmarkt herrscht, steigt die Quote, das heißt es wechseln junge Menschen schneller in ein anderes Ausbildungsverhältnis. Trotzdem sind Vertragslösungen meist für beide Seiten „mit einem Verlust von Zeit und Energie verbunden“59.
Mit insgesamt 22,6% liegt die Vertragslösungsquote in Nürnberg deutlich unterhalb des bundesdeutschen Wertes von 25,8% und damit innerhalb des üblichen Schwankungsbereichs (20–25%).60 Während die Quote im Bereich „Industrie und Handel“ mit 15,1% stabil blieb, ist sie für den Bereich des Handwerks, wo sie grundsätzlich erheblich höher liegt, im Vergleich zum Jahr 2015 etwas angestiegen (von 43,1% auf 46,8%).61 62
Abschluss der beruflichen Bildungsgänge
Im Schuljahr 2016/17 haben insgesamt 12232 Personen in Nürnberg ihre beruflichen Bildungsgänge63 beendet. 58% von ihnen haben ihre berufliche Ausbildung mit Erfolg abgeschlossen, 9% diese ohne Erfolg beendet und 33% den Bildungsgang nicht vollständig durchlaufen.64 Sowohl bei der Abbruchquote als auch beim Abschluss ohne Erfolg sind männliche Personen etwas stärker vertreten. Besonders hoch ist die Quote derjenigen, die den Bildungsgang nicht vollständig durchlaufen haben, das heißt entweder endgültig abgebrochen haben oder in einen anderen Bildungsgang gewechselt sind, bei Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit (51% der ausländischen Absolventen/-innen und Abgänger/-innen).
4. Berufliche Schulen
4.1 Berufliche Schulen der Erstausbildung
Mit 21550 Schülerinnen und Schülern blieb die Gesamtschülerzahl der öffentlichen beruflichen Schulen in Nürnberg im Schuljahr 2017/18 im Vergleich zu den Vorjahren (Schuljahr 2016/17: 22109) relativ stabil (Abb. E-8).65 Von den Berufsschülerinnen und Berufsschülern waren 50,9% männlich, 5017 (19,6%) Schüler/-innen hatten eine an- Adbebre. E a-8ls: dScieh üdleeruintsncehne uSntda aStcshaünlgere ihnö briegrkuefliitc.h66en Schulen in Nürnberg nach Schulart,
Schuljahre 2012/13 bis 2017/18
Abb. E-8:
Anzahl Schüler/-innen Schülerinnen und Schüler in
beruflichen Schulen in Nürn-
25 000
berg nach Schulart,
Schuljahre 2012/13 bis
| 1 783 | 2 081 | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 758 | 1 913 | 1 948 | 2 130 | |||||||
| 2 193 | 2 110 | 1 949 | 1 888 | 1 805 | 1 722 | |||||
| 690 | 685 | 671 | 1 118 | 1 105 | ||||||
| 17 630 | 16 918 | 16 553 | 16 591 | 17 118 | 16 635 |
2017/18
20 000
1 063
15 000
10 000
5 000
2012/13 2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18
Berufsschulen Berufsschulen zur sonderpädagogischen Förderung Quelle: Amt für Stadtfor-
schung und Statistik für
Berufsfachschulen Berufsfachschulen des Gesundheitswesen Nürnberg und Fürth; Schulstatistik. Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Schulstatistik. Das Ungleichgewicht in der Geschlechterverteilung, das in einem dauerhaft höheren Anteil von Schülern in Berufsschulen und Schülerinnen in Berufsfachschulen besteht, war bei den Berufsschulen zur sonderpädagogischen Förderung mit einer Steigerung von 58,8% männlicher Schüler im Schuljahr 2015/16 auf 63,0% im Schuljahr 2016/17 auffällig hoch. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit war in den verschiedenen beruflichen Schularten vergleichbar hoch und bewegte sich 2016/17 zwischen 18,3% (Berufsschulen zur sonderpädagogischen Förderung) und 19,8% (Berufsschulen).
Korrespondierend zum Ausbildungsmarkt (vergleiche Abschnitt 3) waren die Schülerzahlen der dualen Ausbildung an den Berufsschulen im Vergleich zum Vorjahr (Schuljahr 2016/17) leicht rückläufig (2017/18: 16635 Schülerinnen), was sich im Schuljahr 2018/19 (16401 Schülerinnen und Schüler)67 fortsetzte. Stark gesunken ist die Klassenund Schülerzahl der Berufsintegrationsklassen D, die im Schuljahr 2016/17 aufgrund der Zuwanderungszahlen seit 2015 ihren Höhepunkt erreicht hatte (Abb. E-9).
Abb. E-9: Schülerinnen und Schüler der Berufsvorbereitung in Nürnberg, Schuljahre
2009/10 bis 2018/19
Abb. E-9:
Schülerinnen und Schüler Anzahl Schüler/-innen
der Berufsvorbereitung in
1 600
Nürnberg, Schuljahre
2009/10 bis 2018/19 1 400
| 1 203 | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 912 | |||||||||
| 111 | 280 | 330 | 303 | 344 | 517 | 603 | |||
| 480 | 463 | 376 | 313 | 273 | 254 | 255 | 235 | 198 | 184 |
1 200
Anmerkungen: Berufsgrundaus- 1 000 bildungsjahr (BGA) wird schulstatistisch als BVJ/s geführt; Berufseinstiegsjahr (BEJ) 600 wurde zum Schuljahr 2013/14 abgeschafft; Kooperatives Berufsintegrationsjahr für be- 200 rufsschulpflichtige Asylbewerber und Flüchtlinge (BIJ) bis 2010 2009/10 2010/11 2011/12 2012/13 2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 2018/19 ohne Deutsch-Spracherwerb.
Schüler/-innen in Berufsintegrationsklassen (1./2. Jahr einschl. Sonderformen)
Quelle: Stadt Nürnberg, Amt Schüler/-innen im Berufsvorbereitungsjahr (einschl. Sonderformen) für Berufliche Schulen. Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Berufliche Schulen. Branchenkonjunkturelle Effekte des Ausbildungsmarkts finden sich zum Beispiel deutlich bei der sinkenden Anzahl der Auszubildenden im Beruf „Bankkaufmann/-frau“ (-30% Anmerkungen: Berufsgrundausbildungsjahr (BGA) wird schulstatistisch als BVJ/s geführt; Berufseinstiegsjahr (BEJ) zwuumrd eS zcuhmu Slcjhauhljra h2r0 210183//1149 a bimge s5ch-aJfafth; Kreoso-pVereartgivlees iBcehr)u fwsinätehgrreantiodn sdjaahsr fwüra bcehrusfessnchduelp fKliochmtigpee Atseylnbzewfeelrdber und Flüchtlinge (BIJ) bis 2010 ohne Deutsch-Spracherwerb. „Logistik“ profitiert und verstärkt Auszubildende einstellt.68
Das seit 2016/17 bestehende Angebot der „Berufsschule Plus“, das parallel zur beruflichen Ausbildung leistungsstarken Auszubildenden die Fachhochschulreife D als Zusatzqualifikation zum Berufsabschluss ermöglicht, ist mit einer Schülerzahl von 154 in sieben Klassen mittlerweile vollständig ausgebaut. Mit diesem Angebot soll die duale Berufsausbildung als sinnvolle Alternative zum weiteren Schulbesuch für motivierte Schülerinnen und Schüler mit mittlerem Schulabschluss hervorgehoben werden.
Die Berufsfachschulen verloren zum Schuljahr 2017/18 eine geringfügige Anzahl an Schülerinnen und Schülern (-83). Für das Schuljahr 2018/19 zeigte sich dagegen eine deutliche Steigerung der Schülerzahlen an den Berufsfachschulen,69 die sich ebenfalls als Sondereffekt aus dem Zuwanderungshoch im Jahr 2015 darstellen lässt: Im Sommer 2018 schloss der bislang größte Schülerjahrgang die Berufsintegrationsklasse ab. Für viele dieser BIK-Absolventen/-innen ist vor allem die Ausbildung in den zweijährigen Berufsfachschulen eine wichtige Anschlussmöglichkeit.
Bei den Berufsfachschulen des Gesundheitswesens setzte sich die Zunahme der letzten Jahre fort: Im Schuljahr 2017/18 waren im Vergleich zum letzten Berichtsjahr 2015/16 182 Schülerinnen und Schüler mehr angemeldet.70
Die Beruflichen Schulen müssen sich auf die Aufgabe die „Digitalkompetenz“ zu stärken, einstellen: sowohl in Bezug auf die digitale Infrastruktur als auch im Bereich der didaktischen Konzepte und der Lehrkräftefortbildung. Das „Nürnberger Kompetenzraster für digitale Bildung“ liefert hier ein Instrumentarium zur schulindividuell fortschreibbaren Strukturierung.
Förderprogramme des Freistaates Bayern (wie zum Beispiel „Industrie 4.0“ vom 13.10.2017 oder „Exzellenzzentren an Berufsschulen“ vom 14.9.2018) ermöglichen erste Modellprojekte wie die Lernfabrik an der Beruflichen Schule 1 oder das an der Beruflichen Schule 2 eingerichtete Roboterlabor, das in Kooperation mit der Beruflichen Schule 4 im Rahmen der Initiative „Industrie 4.0“ berufsschulübergreifend genutzt wird.
Die Ausbildung an beruflichen Schulen71 ermöglicht Schülerinnen und Schülern, auch einen allgemeinbildenden Schulabschluss zu erwerben beziehungsweise nachzuholen. In erster Linie ist dies der erfolgreiche oder der qualifizierende Mittelschulabschluss, den 2016/17 442 Schülerinnen und Schüler bestanden. 86,9% derer hatten eine ausländische Staatsangehörigkeit. Die hohe Zahl der BIK-Schülerinnen und Schüler hat diese Anzahl seit 2015/16 sehr stark ansteigen lassen (Abb. E-9). Weitere 313 Schülerinnen und Schüler konnten, durch einen Notenschnitt von mindestens 3,0 im Abschlusszeugnis und nachgewiesenen ausreichenden Englisch-Kenntnissen, den mittleren Schulabschluss erwerben. Diese Zahl ist nach einem Höhepunkt 2014/15 wieder deutlich gesunken.72
Angebote für junge Menschen mit Beeinträchtigungen
Das Augenmerk der beruflichen Schulen der Stadt Nürnberg liegt beim Thema Inklusion D aktuell darauf, über Projekte und Aktivitäten zu einer Netzwerkbildung innerhalb der Stadt Nürnberg beizutragen. Im Rahmen der Einzelinklusion können für Schüler/-innen mit besonderem Förderbedarf Budget- und/oder Anrechnungsstunden bei der zuständigen Bezirksregierung beantragt werden. Anrechnungsstunden führen dabei zu einer Reduzierung der Unterrichtspflichtzeit der unterrichtendenden Lehrkraft, Budgetstunden ermöglichen behinderungsspezifische Unterstützungsmaßnahmen in Form von Einzelmaßnahmen, die dem/der Lernenden direkt zugutekommen. Sowohl die zentral beantragten als auch die für die Einzelinklusion zu verwendenden, genehmigten Stunden sind in den letzten drei Schuljahren deutlich gestiegen:
Tab. E-3:
| 2016/17 | 2017/18 | 2018/19 |
|---|---|---|
| beantragt bewilligt | beantragt bewilligt | beantragt bewilligt |
| 25 20 | 30 27 | 35 33 |
Stundenanzahl für Einzel-
inklusion an beruflichen
Schulen, Schuljahre 2016/17
bis 2018/19
Anmerkung: Keine Unterscheidung zwischen Anrechnungs- Die Anzahl der Schülerinnen und Schüler, die aufgrund eines diagnostizierten sonder- und Budgetstunden. pädagogischen Förderbedarfs D eine Berufsschule zur sonderpädagogischen Förderung Quelle: Stadt Nürnberg, besuchen, blieb seit 2015 weitgehend stabil: 2016/17 besuchten 1063 Schülerinnen Amt für Berufliche Schulen. und Schüler die Berufsschulen zur sonderpädagogischen Förderung mit den unterschiedlichen Förderbedarfen. Leichte Rückgänge gab es im Förderschwerpunkt „Hören und Sprache“ (248 im Jahr 2016/17 auf 220 im Jahr 2017/18) und im Förderschwerpunkt „Lernen“ (Gesamtzahl der kommunalen und der staatlichen Berufsschule: 811 im Jahr 2016/17 auf 792 im Jahr 2017/18), während der Förderschwerpunkt „Sehen“ 16 Schüler/-innen mehr betreute.73
Mit dem neu gegründeten „BBW Hören Sprache Lernen“ (BBW HSL), das in Trägerschaft des Bezirks Mittelfranken steht, wurde das BAW Berufsausbildungswerk und mit ihm auch die kommunale Berufsschule für sonderpädagogische Förderung aufgelöst. Deren Aufgaben wurden von der staatlichen Berufsschule für sonderpädagogische Förderung (seit Januar 2018: „Alfred-Welker-Berufsschule“) mit übernommen. Daher stieg dort die Schülerzahl im Schuljahr 2018/19 auf 812. Auszubildende mit dem Förderschwerpunkt Lernen werden nun in sieben Fachbereichen und 13 Ausbildungsberufen nach § 66 BBiG (Fachpraktiker-Ausbildungen) und § 4 BBiG von regionalen Bildungsträgern (wie zum Beispiel cjd, SOS, BBW, Kolping) betreut und besuchen die Alfred-Welker-Berufsschule.
Das BBW HSL bietet in acht Berufsbereichen Ausbildungen in anerkannten Ausbildungsberufen und nach den Fachpraktiker-Regelungen (§ 4 BBiG und § 66 BBiG/§ 42m HwO) an. In den Förderschwerpunkten Hören, Sprache und Lernen können insgesamt 31 Ausbildungsberufe erlernt werden. Die außerbetrieblichen Ausbildungen werden von der Agentur für Arbeit im Rahmen der Leistungen zur beruflichen Ersteingliederung gefördert und bieten durch umfangreiche Praktika sowie die Möglichkeit des Übergangs in betriebliche Ausbildung hohe Praxisnähe (TINA-Modell). Im Schuljahr 2018/19 wurden insgesamt 260 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, davon 76 in vorberuflichen Maßnahmen, im BBW betreut.
Die Berufsfachschulen des privaten Bildungszentrums für Blinde und Sehbehinderte (bbs) bieten Ausbildungen, die auch für Schülerinnen und Schüler ohne Sehbehinderung geöffnet sind, in sechs Berufsbranchen. Im Schuljahr 2018/19 waren 127 Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf in den sechs Berufsfachschulen und der Berufsschule des bbs angemeldet.74
Jugendsozialarbeit an städtischen beruflichen Schulen
Analog zum Angebot der Jugendsozialarbeit an allgemeinbildenden Schulen (JaS, vergleiche Kapitel D, 7.2) unterstützen Fachkräfte der Jugendsozialarbeit an beruflichen Schulen der Stadt Nürnberg junge Erwachsene vor allem in Einzelfallberatungen bei persönlichen, familiären und sozialen Schwierigkeiten sowie Problemen innerhalb der Ausbildung und im Übergang von der Schule in den Beruf. Insbesondere für die Schülerinnen und Schüler in den (vollschulischen) Berufsintegrationsklassen D und im Bereich der Berufsvorbereitung sind die Jugendsozialarbeiter/-innen wichtige Bezugspersonen für die Bewältigung der lebenspraktischen Aufgaben. Darüber hinaus benötigen auch die Schülerinnen und Schüler in den Berufsfachschulen Unterstützung und Begleitung durch die JaS.
Im Schuljahr 2018/19 arbeitete an allen Berufsschulen der Stadt Nürnberg sozialpädagogisches Fachpersonal im Umfang von 13,25 Vollzeitstellen. Die Aufstockungen seit 2017 von zwölf auf insgesamt 16 Fachkräfte wurden aufgrund des gewachsenen Bedarfs (u.a. durch die gestiegene Anzahl von Migrantinnen und Migranten und von Schülerinnen und Schülern mit erschwerter beruflicher Integration und besonderen Unterstützungsbedarfen) notwendig.75 Im Kalenderjahr 2018 haben 830 junge Menschen an beruflichen Schulen einzelfallbezogene Angebote der JaS in Anspruch genommen.
4.2 Berufsvorbereitende Angebote des schulischen Übergangs-
systems
Auch bei einer rechnerisch guten Ausbildungsmarktlage brauchen zahlreiche Jugendliche nach dem Absolvieren der allgemeinbildenden Schule eine Brücke in die Ausbildung. Angebote des schulischen Übergangsbereichs geben dieser Zielgruppe die Chance, sich weiter zu orientieren, ausbildungsrelevante Kompetenzen zu stärken, einen Einblick in die zu ihren Kompetenzen und Interessen passenden Berufsfelder zu erhalten und bei Bedarf den Mittelschulabschluss nachzuholen. Das Angebot des schulischen Berufsvorbereitungsjahrs (BVJ/s) an den verschiedenen beruflichen Schulen (B1, B3, B5, B6, B7, B14) wurde im Schuljahr 2017/18 von 198 jungen Menschen wahrgenommen. Im Verlauf der letzten fünf Jahre ist hier ein leichter Rückgang zu erkennen: Im Schuljahr 2018/19 waren lediglich 184 BVJ-Schülerinnen und Schüler angemeldet und damit wurde ein Tiefstand in der Klassenanzahl (8) seit dem Jahr 2000 erreicht.76
Das kommunale Konzept der Berufsintegrationsklassen (BIK) D in Nürnberg, das seit 2010 systematisch und bedarfsgerecht aufgebaut wurde, war Vorbild für das aktuelle bayerische Regelsystem der Berufsintegration. Seit 2015 hat sich das Angebot stark ausdifferenziert, um unterschiedliche Voraussetzungen hinsichtlich des individuellen Lernstands und der Leistungsfähigkeit sowie (im zweiten BI-Schuljahr) der Interessen hinsichtlich des Berufsfelds berücksichtigen zu können. Neben den Berufsintegrationsvorklassen (BIK/V), die an die B5 angebunden sind, bestehen Sonderformen an der Wirtschaftsschule (VWS1) und der Berufsoberschule (BOS/V). Im zweiten BI-Jahr sind Angebote in neun Berufsfeldern und zwei Klassen für das Erreichen höherer Schulabschlüsse installiert. Seit dem Schuljahr 2017/18 ist eine Wiederholungsmöglichkeit für beide BI-Jahre möglich, wodurch den sehr heterogenen Ausgangsbedingungen bezüglich des Lernstands besser Rechnung getragen werden kann.
Im Schuljahr 2018/19 besuchten 603 Schülerinnen und Schüler 36 Berufsintegrationsklassen einschließlich der Sonderformen an der Wirtschaftsschule und einer unterjährigen Klasse, davon waren 17 BIK/V. Dies ist ein Rückgang von 309 zum Vorjahr und im Vergleich zum Schuljahr 2016/17 eine Halbierung der Schülerzahl und spiegelt wiederum den reduzierten Zuzug aus Fluchtländern.77 Die Schülerinnen und Schüler stammten aus 56 Ländern. Die Hauptherkunftsländer haben sich nicht verändert, allerdings nehmen die klassischen Fluchtländer prozentual ab, während die Anteile der Schülerinnen und Schüler aus EU-Ländern aufgrund des hohen Zuzugs weiter ansteigt. 2018/19 kamen 35% der Schülerinnen und Schüler des ersten BI-Schuljahres aus einem EU-Land, 2016/17 waren dies noch zehn Prozent.78 Vermehrt kommen auch Schülerinnen und Schüler, die vorher eine Mittelschule beziehungsweise die griechische Schule in Nürnberg besucht haben, in die BI-Klasse, weil Lehrkräfte noch deutlichen sprachlichen Förderbedarf sehen: 2017/18 waren dies 69 Schülerinnen und Schüler, im Vorjahr 2016/17 noch 50.79
Rund 41% der Jugendlichen hatten aufgrund ihrer Herkunftsländer (Syrien, Irak, Iran, Somalia, Eritrea) eine sogenannte gute Bleibeperspektive D und damit rechtlich die Mög-
lichkeit, im Anschluss eine duale Ausbildung anzutreten. Ab dem 1.8.2019 wurde die sogenannte gute Bleibeperspektive allerdings nur noch Asylbewerbern/-innen aus den Herkunftsländern Syrien und Eritrea zugesprochen. Ob für junge Menschen aus anderen Nicht-EU-Herkunftsländern ein den BI-Klassen anschließender Einstieg in eine Berufsausbildung möglich ist, bleibt in der Praxis davon abhängig, inwieweit sich die Vergabepraxis von Ausbildungserlaubnissen mit den Vollzugshinweisen vom 4. März 2019 zur Aufnahme einer Berufsausbildung von Asylbewerbern/-innen und Geduldeten des Bayerisches Staatsministerium des Innern ändern wird.
Von den 402 Schülern und Schülerinnen, die ihre BI-Klasse im Jahr 2017/18 beendeten, konnte die überwiegende Mehrheit Schulabschlüsse als wichtige Grundlage für ihre weitere berufliche Bildung ablegen: Im Jahr 2018 erwarben 66,2% (278 Schüler/-innen) den erfolgreichen Abschluss der Mittelschule und weitere 11,4% den qualifizierenden Mittelschulabschluss. Bezogen auf den erfolgreichen Mittelschulabschluss stellt dies eine deutliche Steigerung (+13% beziehungsweise +14%) im Vergleich zu den beiden Vorjahren dar. Damit ist die Zahl der Absolventen/-innen ohne Abschluss deutlich gesunken: 22,4% verließen die BI-Klasse ohne Schulabschluss (32,3% im Schuljahr 2016/17 und 37,0% im Schuljahr 2015/16).
Die BI-Klassen sind mehrheitlich darauf ausgerichtet, die Schülerinnen und Schüler sprachlich, sozial und fachlich so zu qualifizieren, dass sie nach Abschluss in eine duale oder schulische Ausbildung eintreten können – auch wenn bei vielen vor allem im Be-
Abb. E-10: Einmündung der BIK-Entlassschülerinnen und -schüler nach dem zweiten
reich der Sprachkompetenz weiterhin Lernbedarf besteht.
Jahr, 2015 bis 2018
Abb. E-10:
Anteil (in %)
Einmündung der BIK-Entlass-
schülerinnen und -schüler 100
| 22 | 37 | 21 | 22 | |
|---|---|---|---|---|
| 15 | ||||
| 24 | 27 | |||
| 11 | 13 | |||
| 19 | 10 | 18 | 13 | |
| 28 | ||||
| 12 | ||||
| 9 | 12 | |||
| 7 19 | 21 | 3 | 21 | |
| 14 |
nach dem zweiten Jahr, 2015 Duale Ausbildung/
EQ / BGJ
bis 2018
Berufsfachschule
Weiterführende Schulen/
Abschlüsse
Agentur für Arbeit/
Jobcenter
Ungelernte Arbeit
20 Klassenwiederholung
Anmerkungen: Die Kategorie „Duale Ausbildung/EQ/BGJ“ Sonstiges/ beinhaltet 2018 keine EQ. 0 Verbleib unbekannt
2015 2016 2017 2018
Quelle: Stadt Nürnberg, Amt
für Berufliche Schulen. Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Berufliche Schulen.
Anmerkung: Die Kategorie "Duale Ausbildung/EQ/BGJ" beinhaltet 2018 keine EQ.
Nach dem Schuljahr 2017/18 blieb die Einmündung der BIK-Absolventen und -Absolventinnen in die duale Ausbildung (Abb. E-10) gegenüber dem Vorjahr – nach dem starken Rückgang von 2016 auf 2017 – relativ konstant: Lediglich 21,8% begannen eine duale Ausbildung, eine Einstiegsqualifizierung oder ein Berufsgrundschuljahr (2016 waren dies noch 37%). Gleichzeitig stieg die Einmündung in Berufsfachschulen erheblich an: 27,5% der Absolventen/-innen begannen eine vollschulische Ausbildung. Vor allem für diejenigen Schülerinnen und Schüler, denen aufgrund ihres Aufenthaltsstatus keine Ausbildungserlaubnis zur dualen Ausbildung erteilt wird, ist die Berufsfachschule oft der einzige Weg, die berufliche Qualifizierung fortzusetzen. Weiterhin ist die Quote der Absolventen/-innen mit unklarem Verbleib nach den BIK hoch, auch weil eine intensive Nachverfolgung ihres weiteren Weges aufgrund der erfüllten Schulpflicht nicht erfolgt. Nach Einführung der Wiederholungsmöglichkeit im Schuljahr 2017/18 wurden 2018 die Notengrenzen zum Bestehen des zweiten BI-Jahres gesenkt, was zu deutlich niedrigeren Wiederholerzahlen (3% statt 12%) führte.
Speziell für die Zielgruppe der neuzugewanderten Jugendlichen werden bei SCHLAU Übergangsmanagement (vergleiche Abschnitt 5) Ausbildungsakquisiteure/-innen eingesetzt, die die BI-Schüler/-innen bei der Berufsorientierung und Berufswahl individuell begleiten. Im letzten Schuljahr 2017/18 wurden 69 Jugendliche aus elf Nationen beraten. Nahezu drei Viertel kamen aus den Herkunftsländern Syrien (51%) und Irak (22%). Durch die Begleitung schafften 47,8% einen Anschluss in eine duale (30,4% incl. EQ) oder schulische Ausbildung (17,4%).
Inklusive Unterstützungsangebote für junge Menschen mit sonderpädagogischem Förderbedarf D sind im Bereich der Berufsintegration eher noch modellhaft: So arbeiten die Berufsschulen 3 und 5 im Rahmen des AsA-Modells (vergleiche Kapitel D, 7.2) eng mit der staatlichen Berufsschule zur sonderpädagogischen Förderung Nürnberg (Alfred-Welker-Berufsschule) zusammen. Jedoch ist nach wie vor keine professionelle Förderdiagnostik für BI-Schülerinnen und Schüler gegeben. Berufsvorbereitende Maßnahmen, wie sie vormals auch im Berufsausbildungswerk BAW angeboten wurden, werden – wie oben beschrieben – jetzt von Bildungsträgern in enger Kooperation mit der staatlichen Alfred-Welker-Berufsschule und der Arbeitsagentur durchgeführt.
5. Übergangsmanagement Schule – Beruf
Die Systematisierung der Angebote im „Nürnberger Modell Übergangsmanagement Schule – Berufliche Ausbildung“, die Mittelschülerinnen und Mittelschülern einen gelingenden Übergang in Ausbildung und Beruf ermöglichen sollen, bleibt auch weiterhin erprobte Grundlage für die Aktivitäten des Übergangsmanagements. Während der Ausbildungsmarkt quantitativ umfassende Möglichkeiten bietet, brauchen junge Menschen im Übergang weiterhin und noch zielgerichteter Orientierungs- und Entscheidungshilfen, damit sie den für sie passenden Berufsweg finden können. Die Maßnahmen aus dem BMBF-Programm „Bildungskette“, die Angebote der Berufsberatung der Agentur
für Arbeit und die Modulangebote zur Berufsorientierung des Kultusministeriums stehen standardmäßig allen Schülerinnen und Schülern der Nürnberger Mittelschulen zur Verfügung. Die anschlussorientierten, städtisch (mit-)finanzierten Maßnahmen „SCHLAU“, „Quapo“ und „Perspektiven im Quartier“ sowie das Angebot der „Berufseinstiegsbegleitung“ fokussieren mit individuellen Beratungsansätzen auf die Zielgruppe der Jugendlichen, die aufgrund unterschiedlicher Bedarfslagen besonderen Unterstützungsbedarf im Übergang haben. Auch die im Jahr 2018 gegründete Nürnberger Jugendberufsagentur hat diese Zielgruppe besonders im Blick.
Das Bildungsbüro der Stadt Nürnberg übernimmt in enger Abstimmung mit den zuständigen Geschäftsbereichen und ihren jeweiligen Ämtern die Bildungsberichterstattung auch im Bereich Übergang, organisiert Vernetzung und Koordinierung und sorgt für Transparenz und Übersichtlichkeit im Übergangsgeschehen. So wurde die Angebotsdatenbank (www.uebergangsmanagement.nuernberg.de) 2017 redaktionell und technisch umfassend überarbeitet und unter Beteiligung aller Partner als erstes gemeinsames Produkt der Jugendberufsagentur veröffentlicht.
Nürnberger Modell Bildungsbüro dungs-
Agentur für Arbeit Nürnberg
Übergangsmanagement büro
Schule – Berufliche Ausbil- BMBF-Berufsorientierungsprogramm: Potenzialanalyse
- Jg.- Stufe
dung
Koordinierung
BMBF-Berufsorientierungsprogramm: Werkstatttage Berufs- Vernetzung
einstiegs- begleitung
Monitoring Berufsorientierungsmodule (§ 48 SBG III) Bildungsbericht- erstattung
- Jg.- Stufe
- tiebrA
rüf rutnegasednuB Schuljahr
Transparenz
Quapo
Qualitätssicherung SCHLAU Konzept- und Projektberatung
- und 10. Jg.- Stufe
Perspektiven im Quartier gnutarebsfureB
- bis 13. Jg.- Stufe ”gnudlibsuA ruz geW med fuA„ oiloftroP regrebnrüN ed.grebnreun.tnemeganamsgnagrebeu.www knabnetadstobegnA Abb. E-11: Bil-
Übergangsmanagement Team Berufsschulberatung SCHLAU-Ausbildungsakquisition
Quelle: Bildungsbüro der Berufliche Schulen
Stadt Nürnberg
Das Modellprojekt „13+8“, das die institutionen- und rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit zwischen Jobcenter und Jugendamt/ASD in Bezug auf die Zielgruppe der jungen Menschen erprobte, wurde Ende 2017 abgeschlossen. Die Ergebnisse sind in die Konzeption der Jugendberufsagentur Nürnberg eingeflossen (vergleiche Abschnitt 5.3).
5.1 Angebote im Nürnberger Modell
Nürnberger Portfolio
Der Berufsorientierungs- und Berufswahlprozess der Schülerinnen und Schüler vollzieht sich über mehrere Jahre. Die zahlreichen schulischen und außerschulischen Aktivitäten und Angebote sind für die einzelne Schülerin/den einzelnen Schüler oft nicht einfach zu überblicken. Berufswahlpässe sollen daher Ordnung schaffen und Orientierung bieten. In Nürnberg ist das Portfolio „Mein Weg zur Ausbildung“ verbindlich an allen Mittelschulen eingeführt und ersetzt andere Berufswahlpässe. Die jedem Mittelschüler und jeder Mittelschülerin zur Verfügung gestellten Portfolio-Ordner werden mithilfe von Stiftungsmitteln hergestellt.
Berufsberatung der Agentur für Arbeit
Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit Nürnberg bietet ein flächendeckendes Angebot an Berufsorientierung, Beratung, Ausbildungsstellenvermittlung und Ausbildungsförderung für Schülerinnen und Schüler aller Schularten. Mit der Einführung des Projektes „Lebensbegleitende Berufsberatung vor dem Erwerbsleben“ ab dem Schuljahr 2019/20 wird das Angebot nochmals intensiviert und zum Beispiel die Präsenz an den Schulen ausgeweitet. Die Unterstützung bei der Berufs- und Studienwahl beginnt an allgemeinbildenden Schulen künftig bereits in den Vor-Vorentlassklassen, in der Mittelschule also in der Jahrgangstufe 7.
BMBF-Programm „Bildungskette“: Berufsorientierungsprogramm BOP
Die Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung „Abschluss und Anschluss – Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss“ will die bestehenden Maßnahmen weiter bündeln und diese in Zusammenarbeit mit den Ländern zu einem ganzheitlichen, bundesweit gültigen und in sich stimmigen Fördersystem zur Berufsorientierung und im Übergangsbereich verzahnen. Dazu wurde im August mit dem Land Bayern – als einem der letzten Bundesländer – eine sogenannte Bund-Länder-Vereinbarung abgeschlossen.
Die Angebote des Berufsorientierungsprogramms BOP, die zweitägige „Potenzialanalyse“ und die zweiwöchigen „Werkstatt-Tage“, stellen die ersten Glieder der Bildungskette dar. Mit der Potenzialanalyse, die in der siebten Jahrgangsstufe durchgeführt wird, sollen die Schülerinnen und Schüler ihre persönlichen Potenziale und Interessen erkunden. Im Rahmen der in der achten Jahrgangsstufe anschließenden Werkstatttage, die in überbetrieblichen Berufsbildungsstätten stattfinden, haben die Jugendlichen die Möglichkeit, berufliche Tätigkeiten selbst auszuprobieren.
In Nürnberg wird das Programm seit 2011 vom „Berufsorientierungs-Kooperationsverbund Nürnberg (BKN)” umgesetzt, dem aktuell die Noris Arbeit gGmbH (federführend) sowie die bfz gGmbH angehören und der an zwei Schulen eng mit der Handwerkskammer für Mittelfranken kooperiert (Tab. E-4). Für das Schuljahr 2018/19 wurde die 2016/17 eingeführte Differenzierung der Potenzialanalyse an Schulen mit und ohne Berufseinstiegsbegleitung (PA/PA-BerEB) wieder aufgehoben.
Das Berufsorientierungsprogramm wird in Nürnberg an allen 23 öffentlichen Mittelschulen, den privaten Schulen Mittelschule Wilhelm-Löhe und Montessori-Schule M-Zweig sowie an sechs Förderzentren und dem privaten Förderzentrum der bbs durchgeführt.
| Teilnehmende | Schuljahr 2017/18 | Schuljahr 2018/19 | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Potenzial- analyse an Schulen ohne Berufsein- stiegsbeglei- tung | Potenzial- analyse an Schulen mit Berufsein- stiegsbeglei- tung | Werkstatt- Tage | Potenzial- analyse | Werkstatt- Tage | |
| Teilnehmende bei NoA | 102 | 587 | 685 | 963 | 774 |
| Teilnehmende bei bfz | 61 | 328 | 299 | 195 | 207 |
| Gesamt | 163 | 915 | 984 | 1158 | 981 |
Tab. E-4:
Teilnehmende Mittelschüler/
-innen am Berufsorientie-
rungsprogramm BOP, Schul-
jahre 2017/18 und 2018/19
Quelle: NorisArbeit gGmbH, bfz gGmbH.
Zusätzlich zu den über tausend Mittelschülerinnen und Mittelschülern der Regelklassen (8./9. Jahrgangsstufe) sind auch Schüler/-innen des M-Zweigs beim BOP vertreten (2017/18: 179, davon 61 bfz und 118 NoA, 2018/19: 169 gesamt, davon 45 bfz und 124 NoA).
Die Angebote des BOP werden nach Trägerangaben zunehmend auch von Realschulen und Gymnasien nachgefragt, für die sodann abgestimmte Programme durchgeführt werden. So betreute das bfz 2018/19 weitere 207 Schülerinnen und Schüler aus drei Realund Wirtschaftsschulen bei Potenzialanalysen und 260 bei Werkstatt-Tagen.
Berufsorientierungsmodule (§ 48 SGB III)
Als Standardangebot zur Berufsorientierung können die Mittelschulen beim Staatlichen Schulamt Berufsorientierungsmodule buchen, die vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus in Zusammenarbeit mit der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit entwickelt und fi nanziert werden. Hier stehen neun Module zur Verfügung, in der Praxis spielt vor allem das Berufsorientierungscamp eine wichtige Rolle, in dem die berufsorientierenden Inhalte mit einem mehrtägigen Aufenthalt an außerschulischen Lernorten (Schullandheimen) verknüpft werden: 2017/18 wurde zu 59% dieses Modul F Berufsorientierungs-Camp gebucht (Tab. E-5).
Im Vergleich des Schuljahrs 2017/18 mit der Planung des Schuljahrs 2018/19 ist insgesamt ein Rückgang des Volumens der Berufsorientierungsmodule zu verzeichnen, wobei sich innerhalb der Module eine deutliche Verschiebung zugunsten des Moduls H zeigt. Dieses zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es eine kontinuierliche Begleitung über einen längeren Zeitraum ermöglicht und dadurch eine erhöhte Nachhaltigkeit entfalten kann.
Als Baustein zur Überwindung geschlechtsspezifi sch beeinfl usster Berufswahlverhalten (vergleiche 3. Berufswahl) steht ab dem Schuljahr 2019Z20 zusätzlich noch ein sogenanntes MINT-Modul zur Verfügung.
Zusätzlich stehen insgesamt 604 Plätze für die Angebote IBOS (intensivierte berufl iche Orientierung an den Mittelschulen Hummelsteiner Weg und Scharrerschule) und SCHLAU zur Verfügung, die ebenfalls als Modul H beantragt und abgerechnet werden.
Tab. E-5:
| Berufsorientierungsmodule des Freistaats Bayern | Schuljahr 2017/18 | Schuljahr 2018/19 | ||
|---|---|---|---|---|
| Anzahl | Anteil (in %) | Anzahl | Anteil (in %) | |
| Modul A: Schülerpraxiscenter integrativ | 0 | 0,0 | 0 | 0,0 |
| Modul B: Schülerpraxiscenter kooperativ | 97 | 7,9 | 23 | 2,9 |
| Modul C und D: Schülerübungsfi rma | 25 | 2,0 | 20 | 2,5 |
| Modul E: Soziokulturelle Berufsorientierung | 0 | 0,0 | 0 | 0,0 |
| Modul F: Berufsorientierungscamp | 728 | 59,0 | 419 | 52,8 |
| Modul G: Bewerbung | 97 | 7,9 | 0 | 0,0 |
| Modul H: Begleitung | 222 | 18,0 | 268 | 33,8 |
| Modul I: Flüchtlingsintegration | 64 | 5,2 | 64 | 8,1 |
| Gesamt | 1233 | 100 | 794 | 100,0 |
Teilnehmende Mittelschüler/
-innen an den Berufsorientie-
rungsmodulen des Freistaats
Bayern und der Arbeitsagen-
tur Nürnberg, Schuljahre
2017/18 und 2018/19
Anmerkung: Schuljahr 2018/19 Planzahl nach „eingekauften Teilnehmerplätzen“. Laufzeit des Moduls I bis Ende 2018
Quelle: Arbeitsagentur Nürn-
berg; eigene Berechnung und
Darstellung.
Förderschulen haben die Möglichkeit, über die Regierung von Mittelfranken aus vier förderschulspezifi schen Berufsorientierungsmodulen zu wählen, die die sonstigen schulischen Maßnahmen ergänzen.80
Berufseinstiegsbegleitung
Die Berufseinstiegsbegleitung ist, wie das Berufsorientierungsprogramm BOP, inhaltlich ebenfalls Teil der BMBF-Initiative Bildungsketten. Sie ist zentrales Element der Übergangsbegleitung für Schülerinnen und Schüler mit besonderem Unterstützungsbedarf.
Berufseinstiegsbegleiter/-innen betreuen die Jugendlichen persönlich und können dank eines angemessenen Betreuungsverhältnisses auf die Bedarfe individuell eingehen. Die Begleitung, die in der achten Jahrgangsstufe beginnt, erstreckt sich bis sechs Monate nach Ausbildungsbeginn. Damit besteht die Möglichkeit, die ersten Schwierigkeiten und Unsicherheiten in der Ausbildung zu refl ektieren und entsprechende Unterstützung zu organisieren, um diese zu überwinden.
Die Bundesfinanzierung der Berufseinstiegsbegleitung, die in Nürnberg im Jahr 2010 eingeführt wurde und seit 2012 als Regelinstrument nach § 49 SGB III durchgeführt wird, ist bis zum Schuljahr 2018/19 gesichert, danach sind die Bundesländer angehalten, Regelungen zur Weiterführung zu treffen. Für Bayern steht die Fortführung mit hälftiger Kofinanzierung durch die Agentur für Arbeit bereits fest: Diese wird ab 2019/20 aus ESF-Landesmitteln erfolgen und ist damit zunächst für die Durchführung von zwei Jahrgängen mit gleichbleibender Teilnehmerzahl gesichert. Als Träger wird entsprechend des Ausschreibungsergebnisses in Nürnberg der Bildungsträger IB – Internationale Bund für die Durchführung beauftragt.
Für die Nürnberger Mittelschulen stehen für die Schuljahre 2018/19 und 2019/20 weiterhin 225 Plätze zur Verfügung, weitere 25 Plätze sind für die Förderzentren vorgesehen. Aktuell konnte das Staatliche Schulamt bedarfsgerecht aus Restmitteln weitere je 80 Plätze für beide Schuljahre nachbestellen und auf die Mittelschulverbünde aufteilen. Für die Förderzentren konnten je 20 zusätzliche Plätze für beide Schuljahre nachbestellt werden.
Städtische anschlussorientierte Maßnahmen
Um möglichst allen Schülerinnen und Schülern den erfolgreichen Übergang in eine Ausbildung zu ermöglichen, bietet die Stadt Nürnberg drei Fördermaßnahmen an, die die Übergangsphase der Mittelschüler/-innen ab der Vor-Abschlussklasse begleiten: SCHLAU, Quapo und Perspektiven im Quartier (PQ). Eine Empfehlung für SCHLAU oder Quapo erfolgt direkt durch die Schule, das projektfinanzierte Beratungsangebot Perspektiven im Quartier steht dann für diejenigen Jugendlichen (in und außerhalb der Schule) zur Verfügung, die in keiner anderen Maßnahme betreut werden (Tab. E-6).
Tab. E-6:
| 2016/17 | 2017/18 | 2018/19 | |
|---|---|---|---|
| QUAPO | 168 | 226 | 186 |
| SCHLAU (für Mittelschulen) | 515 | 513 | 510 |
| Perspektiven im Quartier | 247 | 235 | 140 |
Teilnehmer/-innen an an-
schlussorientierten Maßnah-
men im Übergang, Schuljahre
2016/17 bis 2018/19
Anmerkungen: Bei den Zahlen für 2018/19 handelt es sich um Planungszahlen zum Stand Juni 2019. Im Gegensatz zu SCHLAU den schuljahresbezogenen Zahlen von SCHLAU und Quapo SCHLAU Übergangsmanagement – als Abteilung angesiedelt im Amt für Berufliche bestehen bei PQ laufende Einund Austritte. Die hier genannte Schulen der Stadt Nürnberg – hält ein ausdifferenziertes Förderangebot für unterschied- Teilnehmendenzahl bezieht liche Zielgruppen bereit: Das Team Berufsschulberatung informiert alle Nürnberger Mitsich auf die Neueintritte in den telschülerinnen und -schüler der neunten Jahrgangsstufen über das Bildungsangebot der Gesamtjahren 2016, 2017 und 2018. Beruflichen Schulen und mögliche Übergänge. 1232, das sind 86% aller gemeldeten Schüler/-innen, haben im Schuljahr 2017/18 teilgenommen. Quelle: Stadt Nürnberg,
Amt für Berufliche Schulen/
SCHLAU, Amt für Kinder, SCHLAU für Mittelschulen bietet als zentrales Angebot für 510 Mittelschüler/-innen pro- Jugendliche und Familien – zessorientierte Begleitung im Übergang. Rund 70% der im Schuljahr 2017/18 beglei-
Jugendamt/Jugendberufshil-
teten Schülerinnen und Schüler hatten einen Migrationshintergrund, sie beziehungsfe; Noris Arbeit gGmbH.
weise ihre Herkunftsfamilien kamen aus 47 verschiedenen Nationen. Zielgruppe sind grundsätzlich auch Schüler/-innen der M- und V-Klassen D: Im letzten Schuljahr 2017/18 waren hieraus 130 Schülerinnen und Schüler bei SCHLAU angemeldet (2016/17: 145 Schüler/-innen). Die Aufnahme von M-Schüler/-innen bei SCHLAU ist allerdings durch die Vorgaben des Finanzierungspartners Arbeitsagentur begrenzt.
Rund 40% der SCHLAU-Schülerinnen und -schüler mündeten in den letzten Jahren in eine duale Ausbildung ein (2016/17: 40,0%, 2017/18: 39,4%), weitere 14 bis 15% (2016/17: 15,0%, 2017/18: 14,2%) nahmen ihre Ausbildung an einer Berufsfachschule auf und ein Anteil von rund einem Viertel der Schülerinnen und Schüler setzte auf den Erwerb eines höheren allgemeinbildenden Schulabschlusses (2016/17: 24,3%; 2017/18: 24,4%).81
Die SCHLAU Ausbildungsakquisition betreute im Schuljahr 2017/18 139 Schülerinnen und Schüler aus Klassen der Berufsvorbereitungsjahre beziehungsweise aus den Klassen für Jugendliche ohne Ausbildungsplatz, von denen 81,3% einen Migrationshintergrund hatten. Mehr als die Hälfte dieser Teilnehmenden (50,3%) konnte im Anschluss eine duale Ausbildung aufnehmen. Das Beratungsangebot SCHLAU Ausbildungsakquisition für Flüchtlinge, das neben den BIK-Schülern/-innen auch Mittelschülern/-innen mit Fluchthintergrund offensteht, wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums des Innern, für Sport und Integration gefördert, die SCHLAU Ausbildungsakquisition aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales. Die übrigen SCHLAU-Angebote werden durch Mittel der Agentur für Arbeit, des bayerischen Kultusministeriums und der Stadt Nürnberg finanziert.
Das Angebot IBOS (intensivierte berufliche Orientierung für Schüler), das an der Mittelschule Hummelsteiner Weg sowie an der Mittelschule Scharrerschule durchgeführt wird, ist ein Partnerprojekt von SCHLAU. Durch die enge sozialpädagogische Begleitung in den Schulen und die passende Verzahnung mit Praktikumsbetrieben gelang hier mehr als der Hälfte der teilnehmenden 43 IBOS-Schüler/-innen des Schuljahres 2017/18 ein direkter Anschluss in die duale Ausbildung (2017/18: 55,8% Einmündung in duale Ausbildung, weitere 25,6% in Berufsfachschulen, 11,6% in weiterführende Schulen).
QUAPO (Qualibegleitende Hilfen und Ausbildungsplatzoffensive für Nürn-
berger Jugendliche)
Das Angebot der städtischen Beschäftigungsgesellschaft Noris Arbeit gGmbH (NoA) ist für diejenigen Schülerinnen und Schüler konzipiert, bei denen aufgrund ihrer schulischen Leistungen in der achten Jahrgangsstufe davon auszugehen ist, dass sie den qualifizierenden Mittelschulabschluss nur mit besonderer Förderung erreichen können. Die Schülerinnen erhalten wöchentlichen Stützunterricht in Deutsch und Mathematik und weiteren prüfungsrelevanten Fächern und werden beim Erwerb von Lernstrategien und der Prüfungsvorbereitung unterstützt. Daneben erhalten sie Begleitung bei der Berufsorientierung, trainieren Bewerbungen und verbessern ihre sozialen Kompetenzen, zum Beispiel in Bezug auf Selbstorganisation und Eigenverantwortung.
Für das Schuljahr 2018/19 waren 186 Schülerinnen und Schüler angemeldet.82 Im Schuljahr 2017/18 hatten 120 Schülerinnen und 106 Schüler aus 20 Nürnberger Mittelschulen, der privaten Montessori-Schule sowie aus einer Berufsintegrationsklasse an Quapo teilgenommen. 83,3% der Teilnehmerinnen hatten einen Migrationshintergrund, im Jahr 2012 waren dies noch 77,1%83.
Auf die deutliche Zunahme von Jugendlichen mit erheblichem Sprachförderbedarf hat Quapo mit dem Angebot Quapo DaZ reagiert, in dem vor allem neuzugewanderte Jugendliche intensive Förderung beim Deutschspracherwerb erhalten. Sprachliche Defizite sind nach Aussage der Mitarbeitenden aber auch in den anderen Gruppen ein häufiges Problem bei der Durchführung des Förderunterrichts.
Im Jahr 2018 konnten 24,5% der 143 Teilnehmer/-innen, die an den Quapo-Kursen bis zum Ende teilnahmen, nach Abschluss in eine duale Ausbildung84 vermittelt werden (2017: 28,1%). Ebenfalls 24,5% begannen eine Ausbildung an einer Berufsfachschule (2017: 22,0%), 23,8% gingen in weiterführende Schulen (2017: 29,5%). Den qualifizierenden Mittelschulabschluss bestanden haben im Jahr 2018 60% der Schülerinnen und Schüler (2017: 64%).
Perspektiven im Quartier
Das Angebot Perspektiven im Quartier aus dem Arbeitsfeld der Jugendberufshilfe versteht sich als einzelfallbezogene, langfristig angelegte Unterstützung und Begleitung junger Menschen auf dem Weg zur beruflichen Integration. Die niedrigschwellige und bedarfsorientierte Beratung wendet sich an Jugendliche bis zu 27 Jahren, die sich weder in Ausbildung, einer berufsvorbereitenden Maßnahme oder Beschäftigung befinden, deren schulische oder berufliche Ausbildung zu scheitern droht oder schon abgebrochen wurde, die schulabsent sind oder aufgrund individueller multipler Problemlagen der Einstieg in die Berufsausbildung oder Arbeitswelt nicht nachhaltig gelingt. Die Teilnahme ist freiwillig, das Beratungsangebot sanktionsfrei. Perspektiven im Quartier wird von Fachkräften der Noris-Arbeit gGmbH durchgeführt, vom Jugendamt koordiniert und seit 2015 mit Bundes-ESF-Mitteln des Programms „JUGEND STÄRKEN im Quartier“ gefördert. Seit Januar 2019 befindet sich das Projekt mit unverändertem Inhalt in der zweiten Förderperiode und kann somit bis Juni 2022 fortgesetzt werden.
In der ersten Förderperiode von 2015 bis 2018 nahmen insgesamt 767 Jugendliche und junge Erwachsene teil, damit wurde die anvisierte Zielgröße von 800 Teilnehmenden nahezu erreicht. Zu 36% waren dies junge Menschen zwischen 18 und 21 Jahren, 23% der Projektteilnehmenden waren älter als 21 Jahre. In den vier Jahren Projektlaufzeit konnten 405 junge Menschen (52,8%) in ein schulisches oder berufliches (Aus-)Bildungsangebot oder in eine Beschäftigung vermittelt werden. Die Projektteilnahme im Projekt kann bis zu 18 Monate andauern. Bezogen auf das Jahr 2018, das heißt dem Abschlussjahr der ersten vierjährigen Förderperiode, wurden noch einmal 140 junge Menschen neu in das Projekt aufgenommen (2017 waren dies 235), 57,9% waren männlich, der Anteil der jungen Menschen mit Migrationshintergrund lag insgesamt bei 83,6% (2017: 90,1%).
Die Eingliederungsquoten lagen unterhalb derer der oben genannten Angebote für Schülerinnen und Schüler. Dies kann auf die besondere Zielgruppe (zum Beispiel systemferne und sonstige schwer erreichbare Jugendliche) und dem meist späteren Zeitpunkt der Intervention (mehr als die Hälfte der Teilnehmenden sind nicht mehr in allgemeinbildenden Schulen) zurückgeführt werden. 28,3% der insgesamt 286 gemeldeten Teilnehmenden konnten 2018 in eine schulische oder duale Ausbildung vermittelt werden, bei 9,4% schloss sich ein weiterer Schulbesuch an, 7,0% stiegen in ein Angebot des Übergangsbereichs ein und weitere 11,5% nahmen direkt eine Beschäftigung auf.
5.2 Angebote für weitere Zielgruppen
Die Angebote zur Berufsorientierung und das Unterstützungssystem im Übergang sind für die Zielgruppe der Mittelschülerinnen und Mittelschüler seit vielen Jahren umfangreich eingeführt und evaluiert, auch wenn Maßnahmen und Angebote immer wieder auf Passgenauigkeit und Bedarfsgerechtigkeit überprüft werden müssen. Dagegen sind die Angebote, die für Schülerinnen und Schüler der Realschulen und Gymnasien bestehen, quantitativ geringer und noch kaum schulübergreifend systematisiert.
In der Realschule ist die berufliche Orientierung per se Leitthema des Lehrplans, die schulspezifischen Bemühungen werden von der Berufsberatung der Arbeitsagentur unterstützt, externe Angebote (zum Beispiel die Teilnahme am BOP, siehe 5.1) werden von einzelnen Schulen und insgesamt in eher geringem Umfang genutzt.
Im Bereich der Gymnasien wurde mit der Einführung der „Koordinator/-innen für Berufliche Orientierung (KBO)“ im Jahr 2017 eine neue Schlüsselfunktion geschaffen, die berufsorientierende Angebote strukturieren und an das Schulkonzept anpassen soll, um den Schülerinnen und Schülern Orientierungshilfe geben zu können. Die Angebote sollen vor allem in Jahrgangsstufe 9 und 11 stattfinden. Eine zusammenfassende Berichterstattung der Aktivitäten für Nürnberg liegt schulübergreifend nicht vor,85 da eine Vernetzung und Systematisierung der schulspezifischen Angebote noch aussteht.
Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf D profitieren von einem angepassten System zur Berufsorientierung mit ähnlichen Elementen wie in der Mittelschule. Im Förderschwerpunkt Lernen werden diese im Lernbereich „Berufs- und Lebensorientierung“ angeboten. Die Maßnahme Übergang Förderschule – Beruf, die im Jahr 2016 für zunächst drei Durchgänge zwischen dem Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales (StMAS), dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus (StMUK) und der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit vereinbart wurde, bietet Schülern/-innen im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung eine am individuellen Förderbedarf ausgerichtete Begleitung durch die Integrationsfachdienste (IFD) an.86
Neben Angeboten zur Abklärung der beruflichen Eignung und der Arbeitserprobung im Wunschberuf, die bereits in den letzten beiden Schuljahren erfolgen kann, können
Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf in acht Berufsbereichen am Berufsbildungswerk Hören – Sprache – Lernen, das in Trägerschaft des Bezirks Mittelfranken steht, sowie in weiteren Berufen außerhalb des BBWs eine rehaspezifische BvB (berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme) absolvieren, in der ausbildungs- und arbeitsplatzbezogene Qualifikationen vermittelt werden (vergleiche 4.). Im Jahr 2018 absolvierten insgesamt 76 Teilnehmer/-innen entsprechende vorberufliche Maßnahmen.
In den berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen des bbs (Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte) nahmen im Schuljahr 2017/18 20 blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schüler an einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme teil, im Vorjahr (2016/17) war die Nachfrage mit einer Teilnehmendenzahl von 36 außergewöhnlich hoch.87
Für die Gruppe der neuzugewanderten Jugendlichen stehen grundsätzlich alle Regelangebote des Übergangsmanagements zur Verfügung. Bei SCHLAU (vergleiche 5.1) und der Handwerkskammer für Mittelfranken beraten insgesamt drei Ausbildungsakquisiteure/-innen Flüchtlinge auf dem Weg in die berufliche Ausbildung. Das Sonderprojekt „HEAD Gemeinschaftsunterkunft 18+“ (HEAD = Heranführung und Eingliederung in Ausbildung und Dauerbeschäftigung), das vom Jugendamt getragen und rechtskreisübergreifend (SGB VIII und SGB XII/SGB II) finanziert wird, zielt speziell auf die berufliche Eingliederung junger volljähriger Geflüchteter.
5.3 Die Jugendberufsagentur und weitere Fördermaßnahmen
im Übergang
Die Vereinbarung zur engeren Vernetzung der drei Rechtskreise SGB II, III und VIII (in der institutionellen Zuständigkeit von Jobcenter, Arbeitsagentur und Jugendhilfe) aus dem Koalitionsvertrag der Bundesregierung im Jahr 2013 sorgte für eine bundesweite Diskussion zum koordinierten, rechtskreisübergreifenden Zusammenwirken. Auf Grundlage der guten Zusammenarbeit im Nürnberger Modell wurden auch in der Stadt seit 2014 Überlegungen angestellt, das bestehende Netzwerk in einer Jugendberufsagentur noch verbindlicher zu gestalten.
Im März 2018 wurde eine Jugendberufsagentur in Nürnberg von Arbeitsagentur Nürnberg, Jobcenter Nürnberg-Stadt und Stadt Nürnberg mit dem Staatlichen Schulamt in der Stadt Nürnberg als Kooperationspartner durch den Abschluss einer Kooperationsvereinbarung auch formal gegründet. Nach einer gemeinsamen Planung der Partner konstituierte sich das Produktionsnetzwerk der Beteiligten damit auch rechtlich. Die Jugendberufsagentur will als Netzwerk zu einem zentralen Ort der beruflichen Integration von Jugendlichen werden, dabei aber keineswegs die bestehenden Angebote und Netzwerke und deren Ausbau beziehungsweise Fortschreibung ersetzen.
Neben einer Anzahl laufender und bereits abgeschlossener Modellprojekte der Jugendberufsagentur wurde im April 2019 die gemeinsame Anlaufstelle der Jugendberufsagentur in den Räumen der Arbeitsagentur Nürnberg eröffnet. Arbeitsagentur, Jobcenter und
Jugendamt betreiben dort eine gemeinsame Anlaufstelle mit dem Ziel, Anliegen von Jugendliche bis 25 Jahren auch ohne vorherige Terminabsprache schnell und unabhängig von der rechtlich-institutionellen Zuständigkeit zu klären und damit eine Lotsenfunktion zu erfüllen.
In der Anlaufstelle sind insgesamt fünf Mitarbeitende für die Anliegen der jungen Menschen zuständig: zwei Mitarbeitende am Empfang, ein/-e Berufsberater/-in der Arbeitsagentur, eine Integrationsfachkraft SGB II des Jobcenters und (seit 1.9.19) ein Mitarbeiter des Jugendamts (ASD) für die Beratung.
Seit der Eröffnung im April 2019 haben (zum Stand 28. August) nach dem Empfang in der gemeinsamen Eingangszone 544 junge Menschen im Bereich des Clearing SGB III (Berufsberatung) vorgesprochen, 276 sind zum Clearing des SGB II geleitet worden.88
Die häufigsten Anliegen im Clearing SGB III waren hierbei: grundsätzlicher Beratungsbedarf von Schülerinnen und Schülern (oder sogenannten „Altbewerbern/-innen“) bezüglich Schule, Ausbildung und Förderangeboten, Neuorientierung und Suche nach Ausbildungsplätzen bei drohendem Schul- oder Ausbildungsabbruch sowie die Nachfrage an Sprachförderangeboten (wie zum Beispiel Integrationskursen, DeuFöV oder BvB-Sprache) von Neuzugewanderten.
Im Clearing des SGB II erhalten sowohl alle sogenannten „SGB II Neukunden“ wie Personen, die (zunächst) keinen Leistungsantrag stellen wollen, das Angebot zu einem Erstgespräch. Häufige Beratungsanliegen waren hier Fragen zur Existenzsicherung und der Wohnsituation sowie Überschuldungsproblematiken, Unterstützungsmöglichkeiten während des Erwerbs eines höheren Bildungsabschlusses, wiederum der drohende Abbruch des Ausbildungs- beziehungsweise Arbeitsverhältnisses und auch die Klärung von Unterstützungsmöglichkeiten für EU-Neuzugewanderte.
In der Beratung können die Mitarbeitenden der Anlaufstelle auf das umfangreiche Portfolio von Unterstützungsmaßnahmen und -angeboten von Arbeitsagentur, Jobcenter und Jugendamt zurückgreifen und, falls notwendig, zu weiteren Kooperationspartnern vermitteln (insbesondere waren das: Jugendmigrationsdienste, Schuldenberatung, Agentur für Familie und Beruf, Fachstelle für Wohnungsfragen und Obdachlosigkeit, Kammern, SCHLAU, Perspektiven im Quartier).
Für Jugendliche, deren Übergang in die Ausbildung noch nicht gelungen ist, bietet das Jobcenter die Aktivierungshilfen für Jüngere an, bei denen junge Menschen sich in verschiedenen Berufsfeldern erproben und ihre beruflichen Vorstellungen entwickeln und konkretisieren können. Praktika und produktionsorientierte Ansätze (wie zum Beispiel in „Pro Aktiv“, der „Werkstattschule 2.0“ und das „Jugend-Aktiv-Café“) sollen reale Einblicke in die Arbeitswelt gewähren. Für die Aktivierungshilfen stehen 150 und weitere acht von der Agentur finanzierte Plätze zur Verfügung, im Jahr 2018 haben insgesamt 335 junge Menschen an den Maßnahmen teilgenommen. Neben den bewährten Maßnahmen wurden für 2019 neue Ansätze konzipiert, so zum Beispiel die Praktikumsmaßnahme „Do it“, die im Oktober 2019 startete.
Auch das Jugendamt trägt, mit Kofinanzierung durch Mittel des Europäischen Sozialfonds, eine Maßnahme für Jugendliche und junge Erwachsene, die aufgrund von besonderen Problemlagen noch nicht erfolgreich in eine Ausbildung einsteigen oder diese abschließen konnten: „Mit Erfolg zum Ausbildungsziel“ wird vom SOS-Kinderdorf Nürnberg durchgeführt, Partner für die Beratung und Vermittlung sind die Agentur für Arbeit und das Jobcenter Nürnberg-Stadt.
Als gezielte Vorbereitung auf eine Berufsausbildung stehen die Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen BvB zur Verfügung, die die Agentur für Arbeit finanziert. In den BvBs sollen die Teilnehmer/-innen Kompetenzen erwerben, die für eine Ausbildung notwendig sind, sie können praktische Erfahrungen machen und gegebenenfalls den Schulabschluss nachholen. Für das Schuljahr 2018/19 wurden 311 Plätze angeboten, davon 179 für die Maßnahmen BvB Kombi und BvB Sprachintegration, in die junge Menschen mit intensiven Sprachförderbedarf aufgenommen werden. Die produktionsorientierte BvB nimmt 20 Teilnehmende auf.
Für den direkten Einstieg können Jugendliche mit persönlichen oder sozialen Beeinträchtigungen eine betriebliche Einstiegsqualifzierung (EQ), ein Langzeitpraktikum im Betrieb, absolvieren. Im Schuljahr 2017/18 wurden 123 EQ für Teilnehmer/-innen aus Nürnberg gefördert, im Schuljahr 2018/19 waren es 77.89
Die bewährten ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) unterstützen Jugendliche während einer betrieblichen Erstausbildung (oder in einer EQ) bei der Bewältigung von Fachtheorie und Praxis und der Vorbereitung auf Prüfungen. Durch zusätzliche sozialpädagogische Begleitung sollen die Auszubildenden ihre Ausbildung erfolgreich abschließen können. Das Angebot für Nürnberg umfasst hier weiterhin 250 Plätze und kann bei Bedarf noch ausgeweitet werden.
Die assistierte Ausbildung (AsA) setzt mit ihrer ersten Phase noch früher an und will Jugendliche mit Förderbedarf bereits während der Ausbildungsplatzsuche und bei Bedarf auch darüber hinaus unterstützen. Die „AsA Phase II“, die sich an Jugendliche richtet, die bereits eine betriebliche Ausbildung begonnen haben, bietet ähnliche Unterstützungsleistungen wie die abH an, das heißt Sprach- und Förderunterricht, Nachhilfe und Begleitung sowie Unterstützungsangebote für die beteiligten Betriebe. In den Jahren 2017 und 2018 standen von der Arbeitsagentur 67 AsA-Plätze zur Verfügung, aufgrund der stark zurückgegangenen Nachfrage wurden ab 1.9.2019 lediglich noch 25 Plätze (nur noch für Phase II) bestellt. Die vom Jobcenter angebotenen Plätze zur Unterstützung und Stabilisierung während der dualen Ausbildung (abH und AsA) wurden aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach abH von regulär 36 auf aktuell 51 Plätze für 2019 angehoben, für die AsA (Phase I und II) stehen pro Ausbildungsjahrgang 12 Plätze für SGB II-Kunden zur Verfügung.
Um Auszubildende in der Ausbildung zu begleiten und Ausbildungsabbrüche zu vermeiden, bieten auch die Kammern umfangreiche Unterstützungsmaßnahmen an: So sollen die Ausbildungsberater/-innen der Handwerkskammer für Mittelfranken und
der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken Ansprechpartner/-innen bei allen Fragen während der Ausbildung sein und mittels eines niedrigschwelligen Beschwerdemanagements Jugendliche und Betriebe bei Problemen im Bereich der Ausbildungsqualität unterstützen.90 In Projekten wie dem „Kollegen Coaching“ werden Auszubildende, die in manchen Bereichen Nachholbedarf haben, von erfahrenen Auszubildenden als Mentor/-innen auf Augenhöhe begleitet.91
Die IHK Nürnberg für Mittelfranken hat darüber hinaus ein Beratungsangebot für Jugendliche, die die Ausbildung abgebrochen haben (oder deren Ausbildungsverhältnis vom Betrieb beendet wurde) sowie für Auszubildende, die die Abschlussprüfung nicht bestanden haben, aufgebaut. Im Ausbildungsjahr 2018/19 wurden 124 Azubis persönlich und telefonisch beraten. Insbesondere durch Nachbesetzungen von offenen Ausbildungsstellen konnten insgesamt 78 Auszubildende in einen neuen Betrieb vermittelt werden.93 Nach der umfassenden Beratung der Auszubildenden, die die Abschlussprüfung zweimal nicht bestanden hatten, bestand für 2018 eine Erfolgsquote von 60 % für den Drittversuch, d.h. eine Verdopplung der durchschnittlichen Bestehensquote.93
6. Schlussbemerkung und Handlungsempfehlungen
Auch in Nürnberg ist der Ausbildungsmarkt – analog zum Bundestrend – zunehmend von der positiven wirtschaftlichen Entwicklung entkoppelt: Umfassende berufliche Passungsprobleme führen zu Ungleichgewichten am Ausbildungsmarkt und zur weiter nachlassenden Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen. Das Berufswahlspektrum der Jugendlichen bleibt weiterhin stark eingeschränkt und geschlechtsorientiert, was die Besetzungsprobleme insbesondere von Ausbildungsberufen mit gesellschaftlich eher niedrigem Image weiter verfestigt.
Der im Hinblick auf die Bildungskarriere grundsätzlich förderliche Trend zum Erwerb eines möglichst hochwertigen Bildungsabschlusses führt zu Verschiebungen bei den erworbenen Schulabschlüssen: Der mittlere Schulabschluss, der immer häufiger auch an der Mittelschule erworben wird, löst den qualifizierenden Abschluss der Mittelschule als Qualifikation für eine duale Ausbildung zunehmend ab. Der Besuch einer weiterführenden Schule im Nachgang ist für ein Fünftel der Mittelschulabsolventen und -absolventinnen die erste Wahl. Auch die Schülerinnen und Schüler, die erfolgreich an Übergangsangeboten wie SCHLAU und Quapo teilnehmen, entscheiden sich zu jeweils rund einem Viertel für den Besuch einer weiterführenden Schule.
Demgegenüber stehen Jugendliche, die nach dem Mittelschulbesuch keinen direkten Anschluss finden und notwendigerweise in den Übergangsbereich einmünden. Als Gruppe mit dem hierfür größten Risiko können junge Männer mit ausländischer Staatsangehörigkeit ohne Schulabschluss identifiziert werden. Die sozialraumspezifisch stark abweichenden und teilweise hohen Quoten von Schulabsolventinnen und -absolventen ohne Abschluss sind dabei besorgniserregende Früh-Indikatoren für erhöhte Armutsrisiken und eingeschränkte Teilhabechancen im weiteren Lebensverlauf.
Mit der Installation der gemeinsamen Anlaufstelle von Agentur für Arbeit, Jobcenter Nürnberg-Stadt sowie dem Jugendamt der Stadt Nürnberg hat die Jugendberufsagentur Nürnberg eine Adresse bekommen, bei der junge Menschen im Übergang Schule – Beruf eine weitere Möglichkeit für eine unkomplizierte Beratung erhalten.
Aus den vorliegenden Befunden können für die gemeinsame Arbeit der Akteure in der Stadt Nürnberg Handlungsempfehlungen abgeleitet werden:
Die Qualität des Nürnberger Übergangssystems muss weiter befördert werden: Anschluss- und Abschlussorientierung sind zentrale Kriterien für den Erfolg von Übergangsmaßnahmen. Deshalb müssen Fördermaßnahmen, die in großem Umfang bestehen, noch besser miteinander vernetzt und aufeinander abgestimmt werden. Die gemeinsame Jugendberufsagentur bietet hier die ideale, rechtskreisübergreifende Plattform für die inhaltliche Abstimmung entlang der Bildungskette (zum Beispiel: Mittelschule – Berufsvorbereitende Maßnahme – Ausbildung/Berufsschule).
Auch die städtischen Angebote des Übergangsmanagements, das heißt die kommunal mitfinanzierten anschlussorientierten Angebote im Übergang, müssen den veränderten Strukturen angepasst werden: Um im Gesamtportfolio der Jugendberufsagentur effektiv agieren zu können, braucht es klare Aufgabenverteilungen und transparente Prozesse in der Kooperation. Im Zusammenspiel der Angebote des Nürnberger Modells – das mittelfristig auch in Richtung weiterer Schularten geöffnet werden sollte – sind die Zusammenarbeit und gute Abstimmung der städtischen Angebote essenziell.
Um validere Aussagen zum nachhaltigen Erfolg der jungen Menschen machen zu können, sind umfassendere Verbleibstatistiken zum Übergang notwendig. So sollten zum Beispiel die Bildungswege der Mittelschülerinnen und Mittelschüler, die den mittleren Abschluss erreichen, genauer untersucht werden, um zu klären, inwieweit der längere Schulbesuch mit höherem Abschluss tatsächlich einen erfolgreicheren Berufseinstieg ermöglicht. Auch zum Berufseinstieg von Schülern/-innen der Berufsvorbereitungsjahre und der Zielgruppe der neuzugewanderten Absolventen/-innen der Berufsintegrationsklassen liegen keine Daten zur Einmündung vor (für letztere nicht mehr ab 2019).
Die Schülerinnen und -schüler des M-Zugs (beziehungsweise der Vorbereitungsklassen) der Mittelschule, für die die berufliche Orientierung ebenso eine Entwicklungsaufgabe darstellt, bedürfen nach Einschätzung der Experten/-innen genauso einer Übergangsbegleitung wie die übrigen Mittelschüler/-innen. Zu prüfen ist daher, ob sich die kommunalen Angebote noch weiter für diese Zielgruppe öffnen lassen, um mithilfe passender Beratung die Perspektiven der Schüler/-innen auch auf eine duale Ausbildung richten zu können.
Kompetenzorientierte Berufsorientierung, unter anderem durch die Stärkung personaler und methodischer Kompetenzen zur Informationsverarbeitung und Entscheidungsfindung, ist eine notwendige schulische Aufgabe, die zunehmend auch in den weiterführenden Schularten der Realschule und des Gymnasiums intensiviert wird. Die Erfahrungen der Mittelschulen, die im Netzwerk der Akteure im Nürnberger Modell seit Jahren enga-
giert agieren, zeigen, dass systematische Verknüpfung und Vernetzung nicht zu unterschätzende Erfolgsfaktoren sind. Als erster Schritt könnte hierzu ein engerer Austausch auf der Ebene der städtischen weiterführenden Schulen erfolgen, um best practice zu übertragen und Erfolge evaluieren zu können. Das kommunale Nürnberger Schulwesen bietet hier auch ideale Bedingungen für schulartübergreifende Projekte (beispielhaft das preisgekrönte „Kooperationsmodell Mittel-, Real- und Berufsschule“ der Beruflichen Schule 2, der Veit-Stoß-Realschule und der Johann-Daniel-Preißler-Mittelschule).
Die erfolgreich gestartete Initiative „Qualifizierte Praktika“ des AK Schule – Wirtschaft Nürnberg braucht zur weiteren Umsetzung umfassende ideelle und materielle Unterstützung zahlreicher Partner: Nach einer Pilotphase im Schuljahr 2019/20 sollen ab 2020 möglichst viele Nürnberger Mittelschulen und Betriebe gemeinsam an der Qualität der Schülerpraktika arbeiten. Für Unternehmen bietet sich hier die Möglichkeit, das Ausbildungssystem sozial zu öffnen und – gesteuert und begleitet – praxisbegabten Jugendlichen eine Chance auf Ausbildung zu geben. Betriebe brauchen dann einfach abrufbare Unterstützungsleistungen, wie zum Beispiel Lernunterstützung im Theoriebereich.
Die Gruppe der nicht-erreichten (auch als „entkoppelt“ bezeichneten) Jugendlichen, die aufgrund multipler Problem- und Bedarfslagen keine Chance am allgemeinen Ausbildungsmarkt haben, braucht besondere, maßgeschneiderte Angebote zur (Re-)Integration: Auf der einen Seite müssen zum Beispiel für „schulmüde“ Jugendliche sehr frühzeitige Präventionsmaßnahmen an und in der Schule greifen, bevor das Sanktionssystem einsetzt, auf der anderen Seite braucht es niedrigschwellige Angebote jenseits der Schule, wie sie zum Beispiel im rechtskreisübergreifenden Konzept einer Produktionsschule verwirklicht werden sollen, in denen junge Menschen ihre Fähigkeit zur Autonomie stärken und sich selbstwirksam erleben können.
Für die Gruppe junger Zuwanderinnen und Zuwanderer mit sogenannter unklarer Bleibeperspektive sind neben den Berufsfachschulen weitere passende Anschlüsse an die Berufsintegrationsklassen, die eine Perspektive zur weiteren beruflichen Qualifikation bieten können, notwendig.
Für die Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Berufsintegrationsklassen fehlt weiterhin die Möglichkeit, durch professionelle Förderdiagnostik bedarfsgerechte Übergange in die Angebote der sonderpädagogischen Berufsschulen verwirklichen zu können. Hier müssen in Kooperation mit dem Bezirk Mittelfranken Ressourcen verstärkt und vorhandene Netzwerke der Zusammenarbeit gestärkt werden.
Ein inklusives Übergangsmanagement stellt sich grundsätzlich auf die Bedürfnisse aller Zielgruppen ein. Für junge Menschen mit Behinderung braucht es dabei aber noch bessere, strukturell eingebettete Unterstützungsangebote für den Übergang und die Ausbildung jenseits einzelner Modellprojekte. Eine professionelle Übergangsbegleitung durch Coaches für junge Menschen mit Behinderung und eine neutrale Beratungsmöglichkeit für deren Eltern könnte Unsicherheiten abbauen und individuelle Lösungen zur Teilhabe an Ausbildung auch außerhalb des sonderpädagogischen Fördersystems finden.
1 Bundesministerium für Bildung und Forschung 16 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Berufliche (Hg.): Berufsbildungsbericht 2013, Bonn 2013. Schulen. 2 Siehe Glossar „Teilbereiche des Berufsbildungs- 17 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Berufliche systems“. Schulen, 2019; Zu beachten ist die hohe Fluktu- 3 Bundesministerium für Bildung und Forschung ationsquote im JoA-Bereich über das Schuljahr (Hg.): Berufsbildungsbericht 2018, Bonn 2018, hinweg. S. 25; (Daten der integrierten Ausbildungsbericht- 18 Quelle: Kommunale Bildungsdatenbank der erstattung (iABE), d.h. es liegt eine Unterschei- Statistischen Ämter des Bundes und der Länder; dung nach vier Bildungssektoren vor. Die Sekto- Schulstatistik. ren können deshalb nicht direkt mit denen im 19 Ebd. Nationalen Bildungsbericht verglichen werden). 20 Vgl. Regina Dionisius, Stephan Kroll, Joachim 4 Autorengruppe Bildungsberichterstattung: Gerd Ulrich: „Wo bleiben die jungen Frauen?“, „Nationaler Bildungsbericht – Bildung in Deutsch- BiBB, BWP 6/2018; Bundesministerium für Billand“, Bundesministerium für Bildung und dung und Forschung (Hg.), Berufsbildungsbericht Forschung, Bielefeld 2017, S. 130. 2018, Bonn 2018, S.11, 17 f. 5 Vgl. ebd., S. 127. 21 Quelle: Kommunale Bildungsdatenbank der 6 Vgl. Kapitel D, 5.1. Statistischen Ämter des Bundes und der Länder; 7 Vgl. Kapitel A, 2.1. Schulstatistik. 8 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung 22 Ebd. und Statistik für Nürnberg und Fürth; Einwohner- 23 Quelle: Wissenschaftszentrum Berlin für Sozimeldestatistik. alforschung, Die Präsidentin (Hg.), Bericht 2017, 9 Vgl. Bundesministerium für Bildung und For- Berlin, S. 17 sowie: Anne Christine Holmann, schung (Hg.): Berufsbildungsbericht 2019, Bonn Laura Menze, Heike Solga: Unentdeckte Kompe- 2019, S. 29. tenzen. Jugendliche ohne Schulabschluss finden schwer einen Ausbildungsplatz, WZBrief Bildung 10 Vgl. Mathias Albert, Klaus Hurrelmann, 36, Berlin 2018. Gudrun Quenzel, TNS Infratest, Sozialforschung: Jugend 2015. 17. Shell Jugendstudie. Frankfurt 24 Nationales Bildungspanel, siehe 2015; Statistisches Bundesamt, Statistisches www.neps-data.de/de-de/datenzentrum/ Jahrbuch 2015, Kapitel 3, Bildung; Bundesminis- datenunddokumentation.aspx, letzter Zugriff: terium für Bildung und Forschung (Hg.): Berufsbil- 22.7.2019. dungsbericht 2019, Bonn 2019, S. 45. 25 In Bayern: Mittelschulabschluss. 11 Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik, 26 Stephanie Matthes, Joachim Gerd Ulrich, Schulstatistik. Simone Flemming, Ralf-Olaf Granath, Bettina 12 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Berufliche Milde, Bundesinstitut für Berufsbildung (Hg.): Schulen. Die Entwicklung des Ausbildungsmarktes 2018 – Analysen auf Basis der BiBB-Erhebung über neu 13 Auf den Vergleich mit dem Schuljahr 2016/17 abgeschlossene Ausbildungsverträge und der wird in dieser Berichtsfassung verzichtet, da Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für durch einen deutlich zeitlich verschobenen Erhe- Arbeit (Fassung vom 17.1.2019), Bonn, 2019. bungszeitpunkt bei der Auswertung durch das Amt für Berufliche Schulen die Datengrundlage 27 Ebd., S. 2 Tabelle 1. nicht sinnvoll vergleichbar ist. 28 Bundesagentur für Arbeit, Statistik, Pendler- 14 Im Unterschied zur Abb. E-2, in der die verflechtungen der sozialversicherungspflichtig Einmündung der Schüler/-innen aus Nürnberger Beschäftigten nach Kreisen, Stichtag 30.6.2018. Mittelschulen dargestellt ist, zeigt diese Grafik die 29 Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Statistik, Gesamtheit der Schüler/-innen aus allen Schular- Berufsausbildungsstellen und Bewerber für ten und aus dem Einzugsgebiet. Berufsausbildungsstellen, Kreis Nürnberg Stadt, 15 Zum Übergangssektor zählen in der amtlichen September 2015, 2017, 2019. Statistik Bildungsgänge, in denen junge Men- 30 Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Berichte schen auf eine Teilnahme an der Berufsausbil- Blickpunkt Arbeitsmarkt, Situation am Ausbildung vorbereitet werden, dabei auch Bildungs- dungsmarkt, November 2018. gänge zur Nachholung eines allgemeinbildenden 31 Die BA-Statistik benutzt aus Vergleichsgründen Schulabschlusses. auch für Bayern den Begriff des „Hauptschulabschlusses“.
32 Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Statistik, 49 IHK Nürnberg für Mittelfranken, Herbstumfra- Berufsausbildungsstellen und Bewerber für ge 2017 und 2018. Berufsausbildungsstellen, Kreis Nürnberg Stadt, 50 Dieser kann nur als Annäherung gesehen wer- September 2019. den, da nicht alle neuen Auszubildenden vorher 33 Ebd. auch bei der Arbeitsagentur als ausbildungssu- 34 Ebd. chend gemeldet sind. 35 „Wollen Unternehmen keine Azubis mehr?“, 51 Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Statistik, Kilian Trabert, Nürnberger Nachrichten vom Berufsausbildungsstellen und Bewerber für 12.1.2019; Quelle der Daten: eigene Recher- Berufsausbildungsstellen, Kreis Nürnberg Stadt, che der NN und Auswertung des Handelsblatts September 2019. (Artikel vom 28.12.2019; www.handelsblatt.com/ 52 Alexander Nehm, Uwe Veres-Homm, 2009, politik/deutschland/ausbildung-in-dax-konzernen- Logistikstandort Nürnberg, Fraunhofer ATL, die-neuen-leer-stellen/23801344.html?ticket= Endbericht November 2008 „Tue Gutes und rede ST-15018244-bdaiR1R7Pmtf2L72IVby-ap3, letzter darüber!“, https://www.scs.fraunhofer.de/ Zugriff: 25.7.19). content/dam/scs/DE/publikationen/studien/ 36 Vgl. Dieter Euler, Reinhold Nickolaus: Das maerkte-standorte-logistik/Logistikstandort_ Übergangssystem – ein bildungspolitisches Nuernberg_ExecutiveSummary_FraunhoferSCS. Dauerprovisorium oder ein Ort der Chancenver- pdf, letzter Zugriff: 2.10.2019. besserung und Integration? in: BWP 114, 2018/4, 53 Fachkräfte-Monitoring, Start Forschungsgesell- S. 527-547. schaft im Auftrag der Wirtschaftsförderung der 37 Quelle: Statistische Ämter des Bundes und Stadt Nürnberg, Dortmund, März 2017. der Länder, Kommunale Bildungsdatenbank, 54 Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung, 2018. Schulstatistik. 55 Quelle: Daten, Fakten, Zahlen 2017. Hand- 38 Quelle: IHK Nürnberg für Mittelfranken, 2019. werkskammer für Mittelfranken, Nürnberg 2017; 39 Die IHK-Statistik spricht, wie auch die BA-Sta- Daten, Fakten, Zahlen 2018. Handwerkskammer tistik, von „Hauptschule“; der Begriff wird im für Mittelfranken, Nürnberg, 2018. Bildungsbericht jeweils mit „Abschluss der Mittel- 56 Quelle: Handwerkskammer für Mittelfranken, schule“ übersetzt. 2019. 40 Quelle: IHK Nürnberg für Mittelfranken, 2019. 57 Quelle: IHK Nürnberg für Mittelfranken, 2018; 41 Quelle: IHK Nürnberg für Mittelfranken, Bil- Die Rangliste bezieht sich auf den gesamten dungsbericht 2018, Zahlen beziehen sich hier auf Kammerbezirk. den gesamten IHK-Bezirk Mittelfranken. 58 Quelle: Landesamt für Statistik; Lösungsquoten 42 Quelle: Handwerkskammer für Mittelfranken, berechnet nach dem Schichtmodell des BiBB, Daten Fakten Zahlen 2018. www.bibb.de/de/4355.php. 43 Bundesministerium für Bildung und Forschung 59 Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hg.), 2017, S. 15. (Hg.): Berufsbildungsbericht 2019, Bonn 2019, S.89. 44 Bundesagentur für Arbeit, Statistik, Berufsausbildungsstellen und Bewerber für Berufsausbil- 60 Quelle: Berufsbildungsbericht 2018, BiBB, dungsstellen, Kreis Nürnberg Stadt, September S. 89; Statistische Ämter der Länder (bildungsmo- 2019. nitoring.de), Berufsbildungsstatistik. 45 Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung, Aus- 61 Quelle: Statistische Ämter der Länder, Berufsbildungsmarkt 2018, S. 28 und Tabelle A1, S. 37. bildungsstatistik; Aufgrund technischer Probleme bei der Datenerfassung ist das Jahr 2016 nicht 46 Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Statistik, gut vergleichbar, das Bayerische Landesamt für Berufsausbildungsstellen und Bewerber für Statistik geht für 2016 von einer deutlichen „Un- Berufsausbildungsstellen, Kreis Nürnberg Stadt, tererfassung“ aus. September 2019. 62 Vgl. Stadt Nürnberg, Bildung in Nürnberg 47 IHK Nürnberg für Mittelfranken, Herbstumfra- 2015, Nürnberg 2015; Oliver Thoma, Katharina ge 2017 und 2018 laut IHK-Bildungsbericht 2017 Wedel: Vorzeitig gelöste Ausbildungsverträge in und 2018. der dualen Ausbildung in Baden-Württemberg im 48 Zum Beispiel nach Einschätzung der IG Metall: Jahr 2014; IAB-Regional. IAB Baden-Württemberg Ausbildungsbilanz 2018, Eine Analyse der IG Nr. 01/2016, Nürnberg 2016. Metall; IG Metall Vorstand März 2019
63 Hier sind alle beruflichen Schularten enthalten, 81 Quelle: Bayerisches Staatsministerium für die einen beruflichen Bildungsgang vermitteln. Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst: Im Einzelnen sind dies: Berufsschulen, Berufs- Berufs- und Studienorientierung an bayerischen schulen zur sonderpädagogischen Förderung, Be- Schulen, 2015. rufsfachschulen, Berufsfachschulen des Gesund- 82 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Berufliche heitswesens, Fachschulen (einschl. Fachschulen Schulen/SCHLAU (Tätigkeitsberichte und interne im Geschäftsbereich des StMELF) und Fachakade- Auswertungen). mien; Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik, 83 Stand Mai 2019; Quelle für alle Angaben: Schulstatistik. Noris-Arbeit gGmbH, 2019 64 Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik. 84 Vgl. Stadt Nürnberg, Bildung in Nürnberg 65 Die aktuellen Zahlen zum Schuljahr 2018/19 2013, Nürnberg 2013. des Amts für Berufliche Schulen (Vorlage im 85 Inklusive BGJ und EQ. Schulausschuss am 14.12.18) zeigen, dass dies auch im aktuellen Schuljahr der Fall ist. 86 Nach Aussagen der Dienststelle des Ministerialbeauftragten für Gymnasien werden Informati- 66 Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik. onen nicht schulübergreifend gesammelt, da es 67 Quelle für Zahlen des aktuellen Schuljahrs keinen „Fachreferenten“ für den Bereich gibt. 2018/19: Stadt Nürnberg, Klassen- und Schüler- 87 Quelle: ISB, Leitfaden Übergang Förderschule zahlen im Schuljahr 2018/19 an beruflichen Schu-
- Beruf, Förderschwerpunkt Geistige Entwick-
len in Nürnberg, Vorlage zum Schulausschuss am lung, 2018; www.isb.bayern.de/foerderschulen/ 14.12.18. Die Gesamtsicht aus der Landesstatistik foerderschwerpunkte/geistige-entwicklung/ lag zum Zeitpunkt der Berichtserstellung leider uebergang-foerderschule-beruf, letzter Zugriff: nur bis zum Schuljahr 2016/17 vor. 2.10.19. 68 Ebd. 88 Quelle: bbs, Bildungszentrum für Blinde und 69 Ebd. Sehbehinderte, 2019. 70 Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik; 89 Quelle: Jobcenter Nürnberg Stadt, Arbeits- Schulstatistik. agentur Nürnberg; Stand Ende KW 34. 71 Gemeint sind hier weiterhin nur die berufli- 90 Nach Angaben der IHK Nürnberg für Mittelchen Schularten: Berufsschule, Berufsschule zur franken führten 80% der dort eingetragenen Sonderpädagogischen Förderung, Berufsfach- EQ-Verträge zu einem anschließenden Ausbilschule und Berufsfachschule des Gesundheitswe- dungsvertrag (IHK Bildungsbericht 2018). sens. Die Anzahl der Abschlüsse in den berufli- 91 Quelle: Handwerkskammer Mittelfranken, chen Schulen, die zu einem allgemeinbildenden www.hwk-mittelfranken.de/artikel/gemeinsam- Abschluss führen, finden sich in Kapitel D. durch-die-ausbildung-wir-sind-fuer-sie-da- 72 Quelle: Kommunale Bildungsdatenbank der 75,0,4277.html, letzter Zugriff: 2.10.2019 sowie Länder, Schulstatistik. IHK Nürnberg für Mittelfranken, www.ihk- 73 Quelle: BBW HSL i.V.m. den sonderpädagogi- nuernberg.de/de/Geschaeftsbereiche/ schen Berufsschulen. Berufsbildung/Ausbildung/schwierigkeiten-in-der- 74 Quelle: bbs, Bildungszentrum für Blinde und ausbildung, letzter Zugriff: 2.10.2019. Sehbehinderte, Stand: Oktober 2018. 92 Quelle: IHK Nürnberg für Mittelfranken, IHK 75 Quelle: Stadt Nürnberg – Amt für Kinder, Ju- Bildungsbericht 2018. gendliche und Familien – Jugendamt, Jugendsozi- 93 Quelle: IHK Nürnberg für Mittelfranken, Stand: alarbeit an Schulen. 1.7.2019. 76 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Berufliche 94 Ebd. Schulen, 2019. 77 Stadt Nürnberg, Berufsintegrationsklassen an städtischen beruflichen Schulen, Vorlage zum Schulausschuss am 19.10.2018. 78 Ebd. 79 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Berufliche Schulen, Team BIK.
F
HOCHSCHULEN
1. Einleitung
Der Hochschulstandort Nürnberg kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Im Jahr 2019 feierte der Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Nürnberg (WiSo) als Teil der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät sein 100-jähriges Jubiläum mit über das Jahr verteilten Programmpunkten gemeinsam mit der Nürnberger Stadtgesellschaft.1
Im besonderen Fokus sowohl der Fachöffentlichkeit als auch der Bevölkerung steht die Hochschule für Musik Nürnberg, die 2019 erstmals Austragungsort des Deutschen Musikwettbewerbs war. Auch die Sommertagung der Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen (RKM) fand im Frühjahr 2019 zum ersten Mal hier statt. Zudem wurde die Lange Nacht der Wissenschaften in diesem Jahr an der Nürnberger Musikhochschule eröffnet. Im Jahr zuvor tagte hier der Nürnberger Bildungsbeirat.
Bundesweite Aufmerksamkeit erfährt die Planung der neuen Technischen Universität Nürnberg (TUN) – der ersten Universitätsneugründung in Deutschland seit 1994. Beabsichtigt ist, dass ab dem Jahr 2025 6000 Studierende in einem Betreuungsschlüssel von 1:25 an der Campus-Universität auf dem Areal an der Brunecker Straße – dem ehemaligen Gelände des Südbahnhofs – ihr Studium aufnehmen werden. Hier sollen konsequent interdisziplinär technische mit geistes- und sozialwissenschaftlichen Modulen verknüpft werden. In der Forschung, der Lehre und auch der Verwaltung sollen durchgängig digitale Methoden eingesetzt werden.
Eine in Deutschland bislang einzigartige hochschulübergreifende Kooperation, bei der Hochschulen mit technischer, sozial- und wirtschaftswissenschaftlicher sowie künstlerischer Ausrichtung zusammenarbeiten, stellt das Projekt LEONARDO – Zentrum für Kreativität und Innovation dar. Gefördert wird das Projekt für eine fünfjährige Laufzeit von 2018 bis Ende 2022 im Rahmen des Programms „Innovative Hochschule“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Das Projekt LEONARDO wurde von der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm (TH Nürnberg) in Kooperation mit der Akademie der Bildenden Künste (AdBK) und der Hochschule für Musik Nürnberg (HfM) gegründet. Ziel ist, interdisziplinäre und transferorientierte Innovationsprojekte zwischen den drei Hochschulen, den Fakultäten an der TH Nürnberg sowie Partnerinnen und Partnern aus Wirtschaft und Gesellschaft zu initiieren, Prozesse zu optimieren und Ermöglichungsstrukturen des gemeinsamen Arbeitens und wechselseitigen Austauschs zu schaffen. Zielgruppe sind Studierende und Lehrende der drei Hochschulen sowie Akteurinnen und Akteure aus Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur aus der Europäischen Metropolregion Nürnberg. Aktuell werden in diesem Kontext 22 Projekte gefördert.2
Neben Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften werden auch Fachschulen und Fachakademien dem tertiären Bildungsbereich zugeordnet. In Kapitel G „Berufsbezogene Weiterbildung“ werden diese ausführlich dargestellt.
2. Entwicklungen am Hochschulstandort Nürnberg
2.1 Akteurinnen und Akteure sowie Angebote
Am Standort Nürnberg bieten vier staatliche, darüber hinaus eine Hochschule der Evangelisch-Lutherischen Kirche sowie eine Vielzahl von privaten Hochschulen klassische Vollzeitstudiengänge, aber auch berufsbegleitende, weiterbildende oder duale Studiengänge mit einem vielfältigen Fächerprofil an. Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) unterhält am Standort Nürnberg den Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der städteübergreifenden Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät sowie die Institute für Erziehungswissenschaft und Grundschulforschung der ebenfalls städteübergreifenden Fakultät Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie.3 Die Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm (TH Nürnberg) bietet Studienangebote in den Bereichen Ingenieurwissenschaften, Mathematik und Naturwissenschaften, Informatik und Medien, Architektur und Design sowie in den Sozialund Wirtschaftswissenschaften an.4 An der Evangelischen Hochschule Nürnberg (EVHN), einer staatlich anerkannten Hochschule der Evangelisch-Lutherischen Kirche, werden Studiengänge aus dem sozialen, (religions-)pädagogischen und gesundheitlich-pflegerischen Bereich angeboten.5 Die Hochschule für Musik (HfM), die ihren Lehrbetrieb nach einer vierjährigen Sanierungsphase zum Sommersemester 2018 wieder in ihrem Stammhaus, dem ehemaligen Sebastianspital an der Veilhofstraße, aufnehmen konnte, ist auf künstlerisch-pädagogische Studiengänge der Musikausbildung spezialisiert.6 Die freien und angewandten Künste bilden die zentralen Lerninhalte an der Akademie der Bildenden Künste (AdBK), der ältesten Kunsthochschule im deutschsprachigen Raum.7
Weitere Studienmöglichkeiten in Nürnberg bieten die privaten Hochschulen: Am Studienzentrum Nürnberg des Campus M21, an der gemeinnützigen Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) am städtischen Klinikum Nürnberg, an der ICN Business School am Campus Nürnberg sowie an der International Business School Nürnberg kann ein Studium in Vollzeit absolviert werden (siehe Abschnitt 2.2). Die beiden privaten Hochschulen International University of Applied Sciences (IUBH) und Internationale Berufsakademie (IBA) sind wiederum auf ein duales Studienangebot ausgerichtet (siehe Abschnitt 4.1). Berufsbegleitende Studiengänge bieten die private FOM Hochschule für Oekonomie & Management8, die WiSo-Führungskräfteakademie (WFA) sowie die Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie (VWA) an (siehe Abschnitt 4.2).
Ergänzt wird das Angebot der öffentlichen und privaten Hochschulen mit Standort in Nürnberg um das Studienangebot der Fernhochschulen. Die staatliche FernUniversität in Hagen unterhält in Nürnberg ein Regional- und Studienzentrum.9 Die Hamburger Fern- Hochschule HFH ist mit zwei Regionalzentren in Nürnberg vertreten.10 Die Europäische Fernhochschule Hamburg Euro-FH bietet im monatlichen Turnus die Möglichkeit an, die Präsenzprüfungen in Räumlichkeiten der TH Nürnberg abzulegen.11 Die Prüfungen der Fernstudiengänge der AKAD University können im AKAD-Prüfungszentrum in den Räumlichkeiten der Berlitz Sprachschule in Nürnberg abgelegt werden.12
2.2 Studierende
Vorrangiges Ziel des im Jahr 2007 vereinbarten Hochschulpakts zwischen Bund und Ländern ist es, allen Studieninteressierten ein Studium zu ermöglichen und den Hochschulausbau voranzutreiben. In der dritten Programmphase des Hochschulpakts 2020 (2016 bis 2020) werden für die steigende Anzahl der Studieninteressierten bundesweit Mittel für bis zu 760033 zusätzliche Studienplätze zur Verfügung gestellt.13
Auch in Nürnberg liegt die Anzahl der Studierenden seit Jahren auf Rekordniveau (Abb. F-1). Seit dem Wintersemester 2012/13, also einem Jahr nach dem doppelten Abiturjahrgang, liegt die Anzahl der Studierenden, die an der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm (TH Nürnberg), der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) am Standort Nürnberg, der Evangelischen Hochschule Nürnberg (EVHN), der Hochschule für Musik (HfM) oder der Akademie der Bildenden Künste (AdBK) eingeschrieben sind, über der Marke von 20000; in den letzten vier Wintersemestern jeweils sogar über 24000. Im Wintersemester 2017/18 wurden 24347 Studierende gezählt, womit die Studierendenzahl erstmals seit knapp einer Dekade nicht zugenommen hat. Dies bedeutet allerdings nicht, dass die Nachfrage zurückgegangen ist, sondern lediglich, dass die meisten Hochschulen in Nürnberg derzeit nicht in der Lage sind, weitere Studienplätze zu schaffen. So konnten beispielsweise an der EVHN im Wintersemester 2018/19 von 1440 Bewerberinnen und Bewerbern nur 393 Studierende angenommen werden, das sind deutlich weniger als ein Drittel der Interessierten (27,3%).14
Einzig die Studierendenzahlen der FAU am Standort Nürnberg wachsen kontinuierlich an, im Vorjahresvergleich um 1,3% auf 9644 Studierende. Auch an der HfM waren im Wintersemester 2017/18 mit 401 Personen mehr Studierende immatrikuliert als noch in den Vorjahren.
Im Vorjahresvergleich sind die Studierendenzahlen an der TH Nürnberg mit 12498 Studierenden leicht zurückgegangen (-1,6%). Insgesamt unterliegt die Studierendenzahl leichten Schwankungen, liegt aber im von der TH Nürnberg angestrebten Zielkorridor.15 Nach wie vor sind die meisten Studentinnen und Studenten in Nürnberg in einem Studiengang an der TH Nürnberg eingeschrieben (51,3%). 1502 Personen waren im Wintersemester 2017/18 an der EVHN immatrikuliert – auch hier kam es erstmals zu einer Abnahme der Anzahl Studierender seit über einem Jahrzehnt. Mit 302 Studierenden hatte auch die AdBK eine geringere Studierendenzahl zu verzeichnen, allerdings unterliegt diese hier größeren Schwankungen ohne einen eindeutigen Trend in die eine oder andere Richtung.
Auch private Hochschulen halten in Nürnberg ein Angebot an Vollzeitstudiengängen bereit. Am Studienzentrum Nürnberg des Campus M21 kann seit 2011 in Kooperation mit der staatlichen Hochschule Mittweida ein staatlicher Bachelor-Abschluss erworben werden. Im Wintersemester 2018/19 studierten dort insgesamt 307 Personen.16 Die gemeinnützige Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) mit Stammsitz in Salzburg
Abb. F-1: Studierende an Hochschulen in Nürnberg nach einzelnen Hochschulen,
Wintersemester 2002/03 bis 2017/18
Abb. F-1:
Anzahl Studierende Studierende an Hochschulen
25 000 in Nürnberg nach einzelnen
Hochschulen, Wintersemester
2002/03 bis 2017/18
20 000
Anmerkungen: Studierendenzahlen: Kopfzahlen, ohne Gasthörer, ohne Beurlaubte.
15 000
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg: Am Standort Nürnberg eingeschriebene Stu-
10 000
dierende; Hochschule für Musik Nürnberg: Bis einschließlich Studienjahr 2007/08 Hochschule
5 000
für Musik Nürnberg-Augsburg, für diesen Zeitraum werden nur Studierende am Standort Nürn- WS WS WS WS WS WS WS WS WS WS WS WS WS WS WS WS berg dargestellt. Ohne FOM. 02/03 03/04 04/05 05/06 06/07 07/08 08/09 09/10 10/11 11/12 12/13 13/14 14/15 15/16 16/17 17/18
Quelle: Kommunale Bildungs-
Evangelische Hochschule Nürnberg Technische Hochschule Georg Simon Ohm
datenbank der Statistischen
Akademie der Bildenden Künste Hochschule für Musik Ämter des Bundes und
Friedrich-Alexander-Universität (Standort Nürnberg) der Länder; Bayerisches
Landesamt für Statistik; Quelle: Kommunale Bildungsdatenbank der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder; Bayerisches Landesamt Hochschulstatistik; Friedfür Statistik; Hochschulstatistik; Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. rich-Alexander-Universität bietet am städtischen Klinikum Nürnberg den Diplomstudiengang Humanmedizin an, Erlangen-Nürnberg. der in fünf Studienjahren zum Titel „Dr. med. univ.“ führt. Ein Teil der Lehrveranstaltun- Anmerkungen: Studierendenzahlen: Kopfzahlen, ohne Gasthörer, ohne Beurlaubte. Friedrich-Alexander-Universität Egrelanng ienn -dNeürnn bNeragt: uArmw Sitsasnednorstc Nhüarnftbeenrg fieinngdeescnh riimeb eenres Stteundi eSrteunddei;e Hnojcahhscrh aulne fdüre Mr uTsHik NNüürnrbnebrge:r Bgis statt. einschließlich Studienjahr 2007/08 Hochschule für Musik Nürnberg-Augsburg, für diesen Zeitraum werden nur Jedes Jahr werden 50 Studierende aufgenommen, zum Herbst 2018 waren 250 Studen- Studierende am Standort Nürnberg dargestellt. Ohne FOM. tinnen un d Studenten eingeschrieben.17 Die ICN Business School am Campus Nürnberg führt in drei Jahren zum Bachelor of Business Administration mit der Möglichkeit, einen Doppel-Abschluss an einer der internationalen Partnerhochschulen abzulegen. Knapp 120 Studentinnen und Studenten waren im Wintersemester 2018/19 in Nürnberg immatrikuliert.18 Nach 15 Jahren am Standort Nürnberg wird hingegen die International Business School Nürnberg GmbH (IBS) ihren Lehrbetrieb aufgrund stetig rückläufiger Studierendenzahlen und mit dem Brexit einhergehender Unsicherheiten 2021 einstellen; bereits seit dem Sommersemester 2018 nimmt sie keine neuen Studierenden mehr auf. Zum Wintersemester 2018/19 verzeichnete die IBS noch 42 immatrikulierte Studierende.19
2.3 Regionale Herkunft und Mobilität der Studierenden
Nürnberg ist ein attraktiver Studienort für Studierende aus den unterschiedlichsten Regionen. Die regionale Herkunft der Studierenden lässt sich über den Ort, an dem die Hochschulzugangsberechtigung (HZB) erworben wurde, herleiten (Abb. F-2). Im Wintersemester 2017/18 hatten 5333 der 24347 Studierenden (= 21,9%) ihre HZB in Nürnberg erworben. Damit nahm die Anzahl von Studierenden aus Nürnberg an den hiesigen Hochschulen ab. Auch bei den Studierenden aus den übrigen Regionen Bayerns, ohne das Einzugsgebiet der Europäischen Metropolregion Nürnberg (EMN), setzte sich der Negativtrend fort.
Abb. F-2: Herkunft der Studierenden an Hochschulen in Nürnberg, Wintersemester
2013/14 bis 2017/18
Abb. F-2:
Herkunft der Studierenden Anteil Studierende
an Hochschulen in Nürnberg, (in %)
45 42,1 41,8
Wintersemester 2013/14 bis
23,1
21,9
2017/18 40
Anmerkungen: Herkunft nach 15 Ort des Erwerbs der Hochschul- 10 7 zugangsberechtigung. EMN: Europäische Metropolregion 5 Nürnberg. Ohne FOM.
Quelle: Kommunale Bildungs- Nürnberg EMN In Bayern Übriges Ausland
datenbank der Statistischen (ohne Nürnberg) (ohne Nürnberg Deutschland
Ämter des Bundes und der und EMN)
Länder; Bayerisches Landes-
amt für Statistik; Hochschul- WS 2013/14 WS 2014/15 WS 2015/16 WS 2016/17 WS 2017/18 statistik. Quelle: Kommunale Bildungsdatenbank der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder; Bayerisches Landesamt für Statistik; Hochschulstatistik. Die Studierenden aus der EMN (ohne die kreisfreie Stadt Nürnberg) stellten mit 41,8% den weiterhin größten Studierendenanteil an den Hochschulen in Nürnberg. Nach Nürn- Anmerkungen: Herkunft nach Ort des Erwerbs der Hochschulzugangsberechtigung. EMN: Europäische Metropolregbioenr gN ührnabtetreg.n O hdniee FOmMe.isten hier Studierenden ihre HZB in der Stadt Erlangen erworben (1188 Personen), gefolgt von 1146 Personen, die sie in der Stadt Fürth erworben hatten. In Summe mit den Studierenden aus Nürnberg ergibt sich ein Anteil von knapp zwei Dritteln der Studierenden an Nürnberger Hochschulen.
Betrachtet man die Anzahl der Personen, die ihre HZB entweder in einem anderen Bundesland oder dem Ausland erwarben, zeigt sich eine stetige Zunahme. 3457 Personen aus dem übrigen Deutschland entschieden sich im Wintersemester 2017/18 für ein Hochschulstudium in Nürnberg, ebenso 1873 Personen aus dem Ausland.
Wichtig für Studierende in spe ist neben Faktoren wie der Qualität des Studienangebots oder den internationalen Beziehungen mit Hochschulen im Ausland auch das hiesige Angebot an bezahlbarem Wohnraum und Freizeitmöglichkeiten. Insgesamt gibt es in der Kommune zwölf staatlich geförderte Studentenwohnheime. Zum Wintersemester 2018/19 hielten diese 2302 staatlich geförderte Studentenwohnheimplätze (zwei für Studierende mit Rollstuhl) vor, darunter 1593 beim Studentenwerk Erlangen-Nürnberg. 450 dieser Wohnplätze wurden von Studierenden aus dem Ausland belegt. Im Studentenwohnheim St. Peter gibt es vier ausgewiesene Plätze für Studierende mit Behinderung D. Die Wohnplatzquote, also der Anteil der in geförderten Wohnheimen untergebrachten Studierenden an allen Studierenden, hat sich vom Wintersemester 2014/15 zum Wintersemester 2018/19 von 8,2% auf 9,5% erhöht. Dies ist auf zwei Neubauten in der Fürther Straße und der Allersberger Straße sowie die gleichbleibenden Studierendenzahlen an den öffentlichen Hochschulen und der Evangelischen Hochschule in Nürnberg zurückzuführen.20
Neben bezahlbarem Wohnraum ist auch erschwingliche Mobilität ein wichtiger Faktor für Studierende. Die große Zahl Studierender aus dem Einzugsgebiet der EMN lässt vermuten, dass viele während ihres Studiums einpendeln. Im Wintersemester 2015/16 wurde für Studierende der FAU, der TH Nürnberg, der EVHN und der HfM das Semesterticket für alle Verkehrsmittel des Öffentlichen Personennahverkehrs im gesamten Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) eingeführt, welches den größten Geltungsbereich Bayerns hat. Mit Immatrikulation an einer der teilnehmenden Hochschulen erwerben Studierende die Basiskarte, die abends und am Wochenende im gesamten VGN gilt. Mit einer zum Preis von 208,40 Euro optional erwerbbaren Zusatzkarte kann das Semesterticket rund um die Uhr genutzt werden. Im Wintersemester 2018/19 haben von den 53064 Studierenden in Erlangen und Nürnberg 24829 ein Zusatzticket erworben, was fast der Hälfte aller Studierenden entspricht (46,8%).21
Umgekehrt lässt der Studienort, den die Personen wählen, die in Nürnberg ihre Hochschulzugangsberechtigung (HZB) erworben haben, Rückschlüsse auf die Mobilität der Nürnberger Studienanfängerinnen und -anfänger zu. Im Wintersemester 2017/18 nahmen 5333 Personen, die ihre HZB in Nürnberg erworben hatten, hier auch ihr Studium auf. Das entspricht einem Anteil von 30,5%. Im Zehnjahresvergleich zeigt sich, dass stets um die 30 Prozent dem Standort Nürnberg auch bei der Studienwahl treu bleiben. 43,7% der aus Nürnberg stammenden Studierenden (7643) entschieden sich für ein Studium an einer Hochschule im restlichen Bayern (zum Beispiel dem Erlanger Standort der FAU Erlangen-Nürnberg) und 25,8% (4507) gingen an eine Hochschule im übrigen Bundesgebiet.22
2.4 Studiengänge
Im Wintersemester 2017/18 waren mit 12466 Personen mehr als die Hälfte der Studierenden (51,2%) in Nürnberg in ihrem ersten Hauptfach in einem Studiengang aus der Fächergruppe Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften eingeschrieben (Abb. F-3). Insbesondere das breitgefächerte Angebot des Fachbereichs Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der FAU sowie der an der EVHN und der TH Nürnberg angebotenen Studiengänge tragen zu diesem dominierenden Fächerprofil des Hochschulstandorts Nürnberg bei.
29,8% der Studierenden (7260) waren im Wintersemester 2017/18 in einem ingenieurwissenschaftlichen Fach immatrikuliert. Mit einem leichten Anstieg um 0,6 Prozentpunkte im Vergleich zum Wintersemester 2015/16 stellten die Ingenieurwissenschaften weiterhin die zweitgrößte Fächergruppe. Die Studierendenanzahl in diesem Fach wird stark zunehmen, wenn die Technische Universität Nürnberg (TUN) 2025 ihren Lehrbetrieb mit Fächern aus den Bereichen „Mechatronic Engineering”, „Quantum Engineering”, „Biological Engineering”, „Computer Science and Engineering”, „Humanities and Social Sciences” sowie „Natural Sciences und Mathematics“ aufnehmen wird.
Abb. F-3: Studierende in Nürnberg nach Fächergruppen, Wintersemester 2017/18
Abb. F-3:
Studierende an Hochschulen Anteil Studierende
in Nürnberg nach Fächer- (in %) 0,7
Rechts-, Wirtschafts- und
gruppen, Wintersemester
Sozialwissenschaften
2017/18 5,0
5,2 Mathematik/Naturwissenschaften
Humanmedizin/
Gesundheitswissenschaften
Ingenieurwissenschaften
29,8 51,2
Kunst, Kunstwissenschaften
Geisteswissenschaften
Anmerkung: Ohne FOM.
5,6 Sport
Quelle: Bayerisches Landes-
2,6
amt für Statistik; Hochschul-
statistik. Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik; Hochschulstatistik.
Bei den Geisteswissenschaften bleibt der seit Wintersemester 2015/16 unveränderliche Anmerkung: Ohne FOM. Anteilswert von fünf Prozent (1217 Studierende) auch im Wintersemester 2017/18 vergleichsweise niedrig. Dies lässt sich auf die vorwiegende Ansiedelung der Geisteswissenschaften am Erlanger Standort der FAU zurückführen (in Nürnberg erfolgt die geisteswissenschaftliche Lehre am Nürnberger Standort der FAU und der EVHN).
Ein ähnliches Bild zeigt sich für die Fächergruppe Mathematik/Naturwissenschaften, die im Gegensatz zu den anwendungsorientierten ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen ebenfalls schwerpunktmäßig an den Universitäten gelehrt wird. Der Anteil der Studierenden in dieser Fächergruppe machte im Wintersemester 2017/18 in Nürnberg 5,6% (1357 Studierende) aus.
In Nürnberg betrug der Anteil Studierender der Fächergruppe Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften im Wintersemester 2017/18 lediglich 2,6% (627 Studierende), zwei Jahre zuvor lag er mit 1138 Personen und 4,7% noch deutlich höher. Dieser Rückgang ist darauf zurückzuführen, dass die FAU im Wintersemester 2016/17 Studiengänge in Nürnberg von der Fächergruppe Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften auf Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften umgewidmet hat. Aus diesem Grund liegt auch der Anteil der Studierenden der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften im betrachteten Wintersemester über 50%.
Der Anteil Studierender in den Fächergruppen Kunst, Kunstwissenschaften (5,2%; 1257 Studierende) und Sport (0,7%; 163 Studierende) ist in etwa gleich geblieben.
Einen starken Einfluss auf das Fächerangebot an den Hochschulen haben die digitalen Transformationsprozesse in den Unternehmen und der Verwaltung. So haben vor allem private Hochschulen ihr Studienangebot um Fächer aus dem Themenfeld der Digitalisierung erweitert, wie beispielsweise die FOM, die zum Wintersemester 2019/20 den Bachelorstudiengang „Management & Digitalisierung“ neu einrichtete.23
3. Chancengleichheit und Hochschulzugang
3.1 Studierende nach Geschlecht
Bei der Betrachtung der Studierenden am Hochschulstandort Nürnberg nach Geschlecht zeigen sich zum Wintersemester 2017/18 im Vergleich zu den Vorjahren keine merklichen Veränderungen. Der Anteil der weiblichen Studierenden an den drei staatlichen Nürnberger Hochschulen, der Evangelischen Hochschule Nürnberg (EVHN) und den in Nürnberg angebotenen Studiengängen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) betrug im Wintersemester 2017/18 50,2% (Wintersemester 2013/14: 49,7%).24
Mit einem Anteil von 81,0% zog im Wintersemester 2017/18 erneut die EVHN am stärksten Studentinnen an, während an der Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm (TH Nürnberg) 40,3% der Studierenden weiblich waren. Auch an der Hochschule für Musik (HfM) (55,9%) und der Akademie der Bildenden Künste (AdBK) (57,9%) sind weiterhin mehr als die Hälfte der Studierenden weiblich. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den in Nürnberg immatrikulierten FAU-Studentinnen mit einer Mehrheit von 57,8%.25
Sowohl die Geisteswissenschaften als auch die Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften sind mit 80,9% beziehungsweise 80,4% weiterhin deutlich in weiblicher Hand. Aber auch die folgenden Fächergruppen werden überproportional von Frauen belegt: Der Anteil weiblicher Studierender betrug in Kunst, Kunstwissenschaft 60,8%, in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften 59,4% und in der Fächergruppe Sport 58,3%. Mit einem Anteil von 57,8% sticht die Mehrheit von Studentinnen in Studiengängen der Fächergruppe Mathematik/Naturwissenschaften hervor. Bei den Ingenieurwissenschaften sind hingegen mit 23,2% weniger als ein Viertel der Studierenden weiblich.26
Insgesamt bleiben Studentinnen an den Hochschulen Nürnbergs, außer an der von ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen dominierten TH Nürnberg, überrepräsentiert. Dies ist auf die offensichtlich stabilen genderabhängigen Fächervorlieben der weiblichen und männlichen Studierenden zurückzuführen. Wobei es nicht so ist, dass sich Frauen generell nicht für die sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) interessieren: So sind zwar nur 22,7% der TH-Studierenden der Fächergruppe Ingenieurwissenschaften weiblich, allerdings sind Studentinnen beim Lehramtsstudium mit naturwissenschaftlichem Hauptfach an der FAU in Nürnberg (Fächergruppe Mathematik, Naturwissenschaften) mit 71,5% in der deutlichen Mehrheit.27
3.2 Ausländische Studierende und Förderung von studienbe-
rechtigten Geflüchteten
Mit einer Gesamtzahl von insgesamt 2577 ausländischen Studierenden hatte im Wintersemester 2017/18 im Durchschnitt jede/r zehnte (10,6%) an einer der in der amtlichen Statistik betrachteten fünf Hochschulen in Nürnberg Studierende keine deutsche
Staatsangehörigkeit (Wintersemester 2015/16: 9,4%)28.29 Am geringsten war der Anteil ausländischer Studierender im Wintersemester 2017/18 mit 2,3% an der EVHN, gefolgt von 10,2% am Nürnberger Standort der FAU und 10,6% an der TH Nürnberg. 17,2% der Studierenden an der AdBK hatten keine deutsche Staatsangehörigkeit. Mit 43,9% wies die HfM den höchsten Anteil ausländischer Studierender auf. Wie in Abschnitt 2.3 dargestellt, sind unter der Gesamtzahl der 2577 Studierenden 1873, die ihre Hochschulzugangsberechtigung im Ausland erworben und vermutlich dort auch ihre gesamte allgemeinbildende Schullaufbahn absolviert haben. Ebenso in der Gesamtzahl enthalten sind aber auch sogenannte Bildungsinländerinnen und -inländer, also Studierende mit ausländischer Staatsangehörigkeit, die seit Jahren in Deutschland leben. Eine Betrachtung von Studierendenzahlen unter alleiniger Berücksichtigung der Staatsangehörigkeit sagt deshalb nur eingeschränkt etwas darüber aus, inwieweit sich die zunehmende Diversität D der Bevölkerung auch an den Nürnberger Hochschulen widerspiegelt, da der Migrationshintergrund D bei Deutschen durch die amtliche Hochschulstatistik bisher nicht erfasst wird. Die einzelnen Hochschulen setzen sich seit Jahren für Chancengerechtigkeit für (zukünftige) Studierende ein. So hält beispielsweise die FAU mit der Kontaktund Kompetenzstelle Interkultur für Studierende mit Migrationshintergrund Schulungsangebote zu wissenschaftlichen, sprachlichen und interkulturellen Kompetenzen sowie Angebote zu interkulturellen Kontakten und Netzwerken vor.30
Vorbereitung von Geflüchteten und Neuzugewanderten auf ein Hochschul-
studium
Zugangsvoraussetzung für ein Hochschulstudium in Deutschland ist für ausländische Studierende und Geflüchtete, ebenso wie für Deutsche, zunächst eine Hochschulzugangsberechtigung (HZB). Für Studienbewerberinnen und -bewerber, die fluchtbedingt ihre Unterlagen den Hochschulen nicht vorlegen können, gibt es nach dem Beschluss der Kultusministerkonferenz vom Dezember 2015 ein dreistufiges Verfahren zur sogenannten Beweispflichterleichterung. Demnach können Hochschulen auch auf Grundlage von Einstufungstests oder durch Vorbereitungskurse Zugang zum Studium gewähren.
Ausgestattet mit zusätzlichen Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) soll der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) mit dem Programm „Integration von Flüchtlingen ins Fachstudium“ (Integra) die Hochschulen in den kommenden Jahren gezielt bei der langfristigen Integration von Geflüchteten unterstützen und dabei insbesondere das Erlernen von Fachsprache und fachspezifischen Grundkenntnissen ermöglichen sowie auf die erforderliche Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang (DSH-Prüfung) vorbereiten.31 In Nürnberg bewarben sich die FAU, die TH Nürnberg und die EVHN erfolgreich für das Programm „Integra“. Finanzielle Mittel aus dem BMBF-Förderprogramm „Welcome – Studierende engagieren sich für Flüchtlinge“ erhalten die FAU und die TH Nürnberg.
Die FAU baute das bereits seit 2015 bestehende Programm „Studienorientierung für Geflüchtete“ aus und erweiterte es um das Programm „FAU Integra: Forum für Integration und interkulturellen Dialog“. Bis zum Ende des Sommersemesters 2017 nahmen
408 Geflüchtete daran teil. Im Wintersemester 2018/19 und Sommersemester 2019 besuchten insgesamt 187 Personen die Sprachkurse, darunter 88 Frauen und Männer aus Syrien (47,1%) und 28 aus dem Iran (15,0%) (Abb. F-4). Der Anteil der Teilnehmerinnen betrug 28,9%. Von den 187 Teilnehmenden hatten 109 bereits einen konkreten Studienwunsch: Mehr als ein Drittel (35,8%) beabsichtigte die Studienaufnahme an der Technischen Fakultät der FAU, rund ein Viertel der Teilnehmenden (26,6%) hatte vor, sich an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät einzuschreiben. Die restlichen Teilnehmenden interessierten sich für ein Studium an der Philosophischen (18,3%), der MAbebd.i zFi-n4i:s Tcehilenne h(2m6e,r6in%ne) ns ouwndie T edielnre Nhamteurr wamis sInentesgcrhaa-Pftrloicghraemn mFa aknu ldtäert F(1A0U, 1%).32
Erlangen-Nürnberg nach Herkunftsland, Wintersemester 2018/19 bis Sommersemester
Abb. F-4:
Anzahl Teilnehmerinnen und Teilneh-
Teilnehmende mer am Integra-Programm
Syrien
an der FAU Erlangen-Nürn-
16 berg nach Herkunftsland,
Iran Wintersemester 2018/19 bis
Sommersemester 2019
Irak
Ukraine
16 Äthiopien
9 Aserbaidschan
Sonstige Herkunftsländer
Quelle: Friedrich-Alexander-
Universität Erlangen-Nürn-
berg.
Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Durch die „Welcome“-Förderung konnte unter anderem die „Refugee Law Clinic“ finanziell unterstützt werden, in der Jurastudierende der FAU Geflüchteten ehrenamtlich Rechtsberatung anbieten.33
Das Integra-Programm an der TH Nürnberg startete im Sommersemester 2016. Insgesamt wurden bis zum Wintersemester 2018/19 1121 Beratungsgespräche geführt und es sind 305 Bewerbungen für die Teilnahme (159 zwischen dem Wintersemester 2017/18 und dem Wintersemester 2018/19) am Programm eingegangen, von denen etwas weniger als die Hälfte von Personen aus Nürnberg stammte.
Auch an der TH Nürnberg sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einem Großteil syrischer Herkunft (Abb. F-5) und interessieren sich nahezu alle für ein technisches oder naturwissenschaftliches Studium. Von den 44 Teilnehmenden im Sommersemester 2018 und Wintersemester 2018/19 waren 35 männlich. Die Studienwünsche der neun Teilnehmerinnen bezogen sich auf die beiden Felder Architektur und Betriebswirtschaftslehre. Zusätzlich engagierten sich im Förderprogramm „Welcome“ (mit Stand Juni 2019) 26 Studierende der TH Nürnberg für die soziale Integration der Geflüchteten. Dies geschieht unter anderem im Rahmen eines von studentischen Hilfskräften organisierten Kulturund Freizeitprogramms sowie in Form von Buddy-Partnerschaften.34
Abb. F-5: Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Integra-Programm an der TH Nürnberg
nach Herkunftsland, Sommersemester 2016 bis Wintersemester 2018/19
Abb. F-5:
Teilnehmerinnen und Teilneh- Anzahl
mer am Integra-Programm an Teilnehmende
Syrien
der TH Nürnberg nach Her-
5 2
kunftsland, Sommersemester
2016 bis Wintersemester
2018/19 Irak
Iran
Ukraine
Armenien
Quelle:
Technische Hochschule Nürn-
berg Georg Simon Ohm.
Quelle: Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm. Das Integra-Programm der EVHN finanzierte fünf Geflüchteten, die aus einem Orientierungskurs kamen, je einen Platz in den DSH-Vorbereitungskursen der TH Nürnberg. Dadurch wird kulturelles und fachliches Grundwissen aus dem Orientierungskurs von Spracherwerb flankiert. Mit zusätzlichen Mitteln der Evangelischen Landeskirche wurden weitere fünf Studieninteressierte gefördert. Zum Stichtag 31.5.2019 stammten die Teilnehmenden aus den Ländern Afghanistan, Äthiopien, Iran, Sri Lanka und Syrien und haben Studienwünsche in technischen und sozialwissenschaftlichen Fächern.35
Zusätzlich zu den Programmen des DAAD existieren in Nürnberg weitere Angebote, die sich speziell an studieninteressierte Zugewanderte richten, wie zum Beispiel die Bildungsberatung Garantiefonds Hochschule (GF-H). Diese unterstützt junge Zuwanderinnen und Zuwanderer, die in Deutschland eine akademische Laufbahn anstreben oder ihr im Ausland begonnenes Studium weiterführen möchten. Im Jahr 2018 nahmen 390 Personen die Beratung der Bildungsberatungsstelle GF-H in Nürnberg in Anspruch. Insgesamt wurden 1029 Einzelberatungsgespräche geführt, die dazu dienten, zusammen mit den Ratsuchenden einen individuellen Ausbildungsplan bis zum Erwerb eines Studienplatzes zu entwickeln und umzusetzen. 21% der Ratsuchenden erfüllten die Voraussetzungen für eine Förderung nach den genannten Richtlinien. Die zugelassenen Personen kamen aus den Ländern: Syrien (57%), Russland (24%) und Ukraine (8%). Insgesamt wurden Personen aus 63 verschiedenen Herkunftsländern beraten.
An den geförderten studienvorbereitenden Sprachkursen, die von der Bildungsberatungsstelle GF-H in Nürnberg betreut werden, nahmen 115 Personen teil. 46 Absolventinnen und Absolventen dieser Sprachkurse konnten bereits im Jahr 2018 ein Studium aufnehmen, 23 Personen erhielten einen Platz an einem Studienkolleg und vier Personen besuchten einen Sonderlehrgang zum Erwerb der deutschen Hochschulreife.36
3.3 Soziale Herkunft und Förderung
Aus der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks geht hervor, dass im Sommersemester 2016 48% der Studierenden in Deutschland aus einem nicht-akademischen Elternhaus stammten.37 Aufgezeigt wird zudem, dass für mehr als drei Viertel der nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) geförderten Studierenden dieser Leistungsbezug ein Studium überhaupt erst ermöglicht.38 Neben finanzieller Leistung durch das BAföG stehen Studierenden aus nicht-akademischen Familien weitere Unterstützungsangebote durch die Hochschulen offen. Die FAU hat mit dem Büro für Gender und Diversity eine zentrale Anlaufstelle rund um das Thema Chancengleichheit geschaffen. Hierbei wird auch die Diversitätsdimension D soziale Herkunft und Bildung berücksichtigt. Eine Veranstaltung, die sich gezielt an Studierende ohne familiären akademischen Hintergrund richtet, ist der theaterpädagogische Workshop „Heimliche Begleiter“, an dem im Wintersemester 2018/19 15 Studierende teilgenommen haben und der im Wintersemester 2019/20 erneut angeboten wird.39 An der TH Nürnberg werden Studierende aus Familien ohne Hochschulerfahrung durch das von der Stiftung Mercator und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft mit zusätzlichen Mitteln geförderte Projekt „Mut zum Studium“ im Vorfeld und während ihres Studiums begleitet und beraten. Im akademischen Jahr 2018/19 gab es an der TH Nürnberg im Rahmen des Projekts 166 Studienbegleiterinnen und -begleiter: Studierende aus höheren Semestern, die sich als Tandempartner/-innen für 202 Studierende im Erst- oder Zweitsemester zur Verfügung stellten. Im Rahmen des Diversity Audits „Vielfalt gestalten“ des Stifterverbands wurde das Programm für alle Studieninteressierten, die sich unsicher sind und eine spezielle Begleitung im Tandem wünschen, geöffnet.40
Eine weitere Fördermöglichkeit ist das Deutschlandstipendium nach dem Stipendienprogramm-Gesetz (StipG), mit dem seit Sommersemester 2011 begabte Studierende mit 300 Euro monatlich gefördert werden (hälftig finanziert von Bund und privaten Stiftern). Im Auswahlverfahren soll unter anderem der Aspekt der sozialen Herkunft berücksichtigt werden. Im Studienjahr 2017 wurden an der HfM 42 Studierende, an der TH Nürnberg 132 Studierende und an der gesamten FAU 348 Studierende mit einem Deutschlandstipendium gefördert.41 Initiativen wie ArbeiterKind.de unterstützen Schülerinnen und Schüler aus Familien, in denen noch niemand oder kaum jemand studiert hat, beim Einstieg und erfolgreichem Studienverlauf. Zum Wintersemester 2018/19 waren in der Ortsgruppe Nürnberg sechs ehrenamtliche Mentorinnen und Mentoren für die Initiative tätig.42
3.4 Inklusion
Die 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks kommt für das Sommersemester 2016 zu dem Ergebnis, dass elf Prozent der Studierenden eine studienerschwerende Beeinträchtigung aufweisen. Fast jede/-r neunte Befragte der bundesweiten Studie „beeinträchtigt studieren – best2“ vom Wintersemester 2016/17, an der Studierende mit Behinderungen D und chronischen Erkrankungen teilgenommen haben, gab beeinträchtigungsbezogene Schwierigkeiten beim Studium an. Dabei zeigte sich, dass weniger als ein Drittel dieser Betroffenen Möglichkeiten der individuellen Nachteilskompensation nutzten.43
Bei der TH Nürnberg gingen im Jahr 2018 48 Anträge auf Nachteilsausgleich ein. 35 wurden bewilligt, das entspricht 72,9% der Anträge. In den drei Vorjahren gingen in etwa gleich viele Anträge bei der TH Nürnberg ein, allerdings lagen die Bewilligungsquoten stets über der Zahl von 2018.44 Mit dem Ziel der Barrierefreiheit in allen Gebäuden hat die TH Nürnberg die bauliche barrierefreie Erschließung wichtiger Einrichtungen vorangetrieben und beispielsweise mehrere Gebäude mit zusätzlichen Rettungshilfen (sogenannten Evac-Chairs) ausgestattet, die eine unkomplizierte Rettung von mobilitätseingeschränkten Personen im Brandfall ermöglichen.45
Im Jahr 2018 wurden von der FAU 108 Nachteilsausgleiche für Studierende mit Behinderung oder einer chronischen Erkrankung bewilligt (eine Unterscheidung nach Studienstandort ist hier nicht möglich). Insgesamt 160 Beratungsgespräche oder Kontakte mit Ratsuchenden fanden im gleichen Jahr an der Anlauf- und Kontaktstelle für Studierende mit Behinderung statt.46 Am kostenfreien Schulungsangebot „Beeinträchtigt Studieren an der FAU“ des Fortbildungszentrums Hochschullehre und des Büros für Gender und Diversity, das sich an das Lehrpersonal bayerischer Universitäten richtet, nahmen neun Personen teil.47 Seit dem Wintersemester 2011/12 betreibt die FAU zudem ein Projekt zur Inklusion D sehbeeinträchtigter Studierender und bietet in diesem Rahmen eigens entwickelte Kurse und Module speziell für blinde und sehbehinderte Studierende an.48
3.5 Studienangebote für beruflich Qualifizierte
1403 Personen mit beruflicher Qualifikation (beispielsweise Meister- oder Gesellenprüfung sowie Berufspraxis) ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung nahmen im Jahr 2016 ein Studium in Bayern auf, im Jahr 2005 waren es noch 88.49 Um diese Steigerung zu erreichen, wurde 2009 zunächst der Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte durch Änderungen des Bayerischen Hochschulgesetzes (BayHSchG) ausgedehnt und im Jahr 2011 wurden neue Studienformate (berufsbegleitende Studiengänge, Modulstudien) eingeführt. Zusätzlich wurden im Jahr darauf die Anrechnungsmöglichkeiten für Kompetenzen, die außerhalb des Studiums erworben wurden, ausgebaut.50 Auch an der TH Nürnberg zeigen beruflich Qualifizierte ein enormes Interesse an einer Studienaufnahme: Konnten im Wintersemester 2016/17 noch 495 Personen an der TH Nürnberg als beruflich Qualifizierte verzeichnet werden, waren es 2017/18 716 und im Wintersemester 2018/19 bereits 770 Personen (+55,6%).51
Im Jahr 2017 wurden an der FAU 169 Beratungsgespräche mit beruflich qualifizierten Bewerberinnen und Bewerbern durch das Informations- und Beratungszentrum für Studiengestaltung und Career Service (IBZ) durchgeführt, was eine Voraussetzung für deren Immatrikulation darstellt. Von diesen Gesprächen entfielen 26 auf die Studiengänge des am Nürnberger Standort angesiedelten Fachbereichs der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (WiSo) sowie zwei auf das Grundschullehramt und sechs auf das Mittelschullehramt. 2018 waren es 151 Beratungsgespräche, davon entfielen 41 auf Studiengänge der WiSo und je zwei auf das Studium für Lehramt an Grundschulen beziehungsweise Mittelschulen.52
An der EVHN studierten im Wintersemester 2018/19 insgesamt 123 Personen, die beispielsweise durch ihre Berufspraxis als Erzieherinnen und Erzieher oder Pflegefachkräfte Zugang zum Hochschulstudium erhielten. Hervorzuheben ist hier der Studiengang „Health: Angewandte Pflegewissenschaften“, ein berufsbegleitender Studiengang für Personen, die in der Pflege arbeiten, bei dem 20% der Studienplätze an beruflich Qualifizierte vergeben werden (siehe auch Abschnitt 4.2).53
4. Studiengänge mit beruflicher Praxis und Weiter-
bildungen an Hochschulen
4.1 Duale Studienangebote
Duale Studiengänge werden sowohl von staatlichen als auch privaten Hochschulen angeboten. Dabei gibt es drei Typen von dualen Studiengängen: Ausbildungsintegrierende Studiengänge sind für die berufliche Erstausbildung geeignet und setzen eine (Fach-) Hochschulreife D voraus. Sie verbinden das Studium mit einer regulären Berufsausbildung. Auch praxisintegrierende Studiengänge bieten sich für Studienberechtigte an und verknüpfen das Studium mit intensiven Praxisphasen in einem Unternehmen oder einer beruflichen Teilzeittätigkeit. Für die berufliche Weiterbildung gibt es berufsintegrierende duale Studiengänge, die sich an Studieninteressierte mit abgeschlossener Berufsausbildung und Berufserfahrung auch ohne (Fach-)Hochschulreife richten und das Studium mit einer beruflichen Tätigkeit verbinden.54
An der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm (TH Nürnberg) studierten im Wintersemester 2018/19 925 Personen (darunter 173 Erstsemester) in 20 dualen Bachelor- sowie zehn dualen Masterstudiengängen, das sind 21,9% mehr als noch im Wintersemester 2015/16.55
Der Studiengang „Pflege Dual“ der Evangelischen Hochschule Nürnberg (EVHN) kombiniert eine berufsqualifizierende Ausbildung mit einem Abschluss zum Bachelor of Science. Im Wintersemester 2018/19 waren hier 209 Studierende immatrikuliert. 139 Personen belegten im gleichen Semester den Studiengang „Erziehung, Bildung und Gesundheit im Kindesalter“. Dieser ist so konzipiert, dass er auch zu einem geringen Anteil von ausgebildeten Erzieherinnen und Erziehern berufsbegleitend studiert werden kann.
Im auslaufenden dualen Bachelorstudium „Heilpädagogik Dual“ waren im Wintersemester 2018/19 noch 46 Personen eingeschrieben.56
Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) kann als bundesweites Alleinstellungsmerkmal das flächendeckende duale Angebot von Bachelorstudiengängen aus fast allen Disziplinen für sich beanspruchen, die mit rund 200 Ausbildungsberufen der Industrie- und Handelskammer (IHK) beziehungsweise rund 130 Ausbildungsberufen der Handwerkskammer kombiniert werden können. Im Sommersemester 2019 waren 246 Verbundstudierende in neun Studiengängen an der FAU immatrikuliert, die während ihres Studiums eine betriebliche Ausbildung absolvierten. Der Großteil aller Verbundstudierenden war im Studiengang Wirtschaftswissenschaften des Fachbereichs Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (WiSo) eingeschrieben.57
Die Hochschule für Musik (HfM) bietet in Kooperation mit der Akademie der Staatsphilharmonie Nürnberg einen spezifisch auf die Ausbildung zur Orchestermusikerin beziehungsweise zum Orchestermusiker ausgelegten Masterstudiengang mit vertiefter Praxis an. Hinzu kommt der Masterstudiengang „Internationales Opernstudio“ in Kooperation mit dem Staatstheater Nürnberg. In beiden Masterstudiengängen mit vertiefter Praxis waren im Wintersemester 2018/19 jeweils zwei Studierende eingeschrieben.58
Deutschlands größte staatlich anerkannte private Berufsakademie, die Internationale Berufsakademie (iba), bietet seit 2011/12 auch in Nürnberg duale Bachelorstudiengänge in den Bereichen „Sozialpädagogik & Management“ sowie „Betriebswirtschaftslehre“ an. Zum Wintersemester 2011/12 startete die iba am Nürnberger Standort mit 13 Studierenden, zum Wintersemester 2018/19 waren dort bereits 150 Studierende eingeschrieben. Im Studienmodell „der geteilten Woche“ wird an zwei festen Studientagen an der iba studiert und an drei Tagen in einem der derzeit circa 100 Unternehmen der Metropolregion der praktische Teil des praxisintegrierenden dualen Studiums absolviert.59
Auch die bundesweit größte private Hochschule FOM Hochschule für Oekonomie & Management (FOM) bietet in Nürnberg die Möglichkeit eines dualen Studiums an.60 Zum Stand Oktober 2018 kooperierte die FOM hinsichtlich des dualen Studiums mit rund 75 Unternehmen.61
Die staatlich anerkannte private IUBH Internationale Hochschule (IUBH) startete in Nürnberg erstmalig zum Wintersemester 2017/18. Zum Sommersemester 2019 waren 200 Studierende eingeschrieben. Weitere 150 Studierende nahmen zum Wintersemester 2019/20 in einem von sechs Studiengängen mit individueller Vertiefungsrichtung ihr duales Studium an der IUBH auf. Die Praxis- und Theoriephasen finden im wöchentlichen Wechsel oder in „der geteilten Woche“ statt. Für die Studieninteressierten, die sich dort zunächst ohne Praxispartner bewerben, bietet die IUBH kostenlose Bewerbungstrainings an.62
4.2 Aufstiegsfortbildungen und Weiterbildungen an Hoch-
schulen
„Hochschulen als Orte des lebenslangen Lernens zu stärken“, empfiehlt der Wissenschaftsrat vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des Fachkräftebedarfs.63 Er stellt fest, dass neben den als Weiterbildung konzipierten, in der Regel kostenpflichtig angebotenen Studiengängen, Modulen und Kursen häufig meist gebührenfreie grundständige oder konsekutive Studienmodelle in Teilzeit oder auch berufsbegleitende Studiengänge zur Weiterbildung genutzt werden und rät den Hochschulen, ihr Weiterbildungsangebot deutlich zu erweitern.64 In Nürnberg halten öffentliche und private Hochschulen Weiterbildungsstudiengänge vor.
Am Nürnberger Standort der FAU werden seit dem Wintersemester 2014/15 im Bereich der wissenschaftlichen Weiterbildung insgesamt fünf weiterbildende Masterstudiengänge angeboten. Diese sind alle entgeltpflichtig und setzen ein abgeschlossenes Ersthochschulstudium sowie Berufserfahrung voraus. Der erste weiterbildende Studiengang „Business Management (MBA)“ startete bereits im Herbst 2004 an der FAU. Der stetige Anstieg der Studienanfängerzahlen setzte sich auch zum Wintersemester 2018/19 mit einer Höchstzahl von 431 neu eingeschriebenen Studierenden fort, die mehrheitlich, konkret mit einem Anteil von 76,3%, im Studiengang „Master of Health Business Administration“ immatrikuliert sind.65
Die OHM Professional School (OPS) bietet an der TH Nürnberg berufsbegleitende Weiterbildung an. Das Angebot umfasst modular aufgebaute Bachelor- und Masterstudiengänge, Zertifikatslehrgänge, Seminare und Kolloquien. Hinsichtlich zukunftsweisender Trends erweiterte die OPS mit dem neuen Studienschwerpunkt „Digitalisierung“ im Masterstudiengang Software Engineering im Herbst 2019 ihr Weiterbildungsangebot. Außerdem wird es erstmals zum Sommersemester 2020 einen Zertifikatslehrgang „Digitalisierung“ geben. Nach einem starken Anstieg der Studierendenzahlen in den Weiterbildungsstudiengängen bis zum Wintersemester 2015/16 auf 388 Personen sind die Zahlen seither rückläufig und lagen im Wintersemester 2018/19 bei 350 Studierenden.66
Für die berufsbegleitenden Studiengänge im Bereich der Sozialwissenschaften ist an der TH Nürnberg die Fakultät Sozialwissenschaften zuständig. Der berufsbegleitende Bachelorstudiengang „Erziehung und Bildung im Lebenslauf“, der für die fachliche Weiterqualifizierung von Erzieherinnen und Erziehern konzipiert wurde, ist sehr gefragt. Erstmals wurde dieser im Wintersemester 2010/11 angeboten. Damals schrieben sich 38 Personen ein – im Wintersemester 2018/19 waren es insgesamt 185 Studierende.67 Daneben konnten im Jahr 2018 74 Teilnehmende an Einzelseminaren und Seminarreihen sowie 35 Teilnehmende an Hochschulzertifikatskursen des Fortbildungsprogramms der Fakultät Sozialwissenschaften verzeichnet werden. Das Institut für E-Beratung der Fakultät Sozialwissenschaften der TH Nürnberg bot darüber hinaus Kurse zu verschiedenen Konzepten und Methoden der Onlineberatung an, die entweder als reine Online-Kurse (31 Teilnehmende) stattfanden oder im Blended Learning-Format (32 Teilnehmende), bei dem Präsenzphasen mit E-Learning kombiniert werden.68
Auch die EVHN hat verschiedene Aufstiegsfortbildungen und Weiterbildungsstudiengänge im Angebot (Abb. F-6). Im klassischen Weiterbildungs-Masterstudiengang „Sozialmanagement“ nahm die Anzahl der Studierenden weiterhin nahezu kontinuierlich zu und betrug im Wintersemester 2018/19 90 Studierende, während der Weiterbildungsstudiengang „Erwachsenenbildung“ ausläuft. Am zweithäufigsten belegt wurde im Wintersemester 2018/19 mit 73 Studierenden der berufsbegleitende Bachelor-Studiengang „Health: Angewandte Pflegewissenschaften“, der speziell als Aufstiegsfortbildung für Pflegefachkräfte konzipiert ist (siehe auch Abschnitt 3.5). Daneben bietet die EVHN durch das zur Hochschule gehörende Institut für Fort- und Weiterbildung, Innovation und Transfer (IFIT) eine große Anzahl an Lehrgängen und Seminaren an, wie zum Beispiel „Certified Reha Professional – Reha-Management (CRP)“ in Kooperation mit dem Berufsförderungswerk Nürnberg. Insgesamt nahmen im Wintersemester 2018/19 123 Personen an Zertifikatslehrgängen und Einzelseminaren teil. Außerdem gehört der Wei- Abb. F-6: Studierende in Aufstiegsfortbildungen und Weiterbildungsstudiengängen an terbildungs-Masterstudiengang Sozialmanagement zum IFIT.69
der Evangelischen Hochschule Nürnberg, Wintersemester 2009/10 bis 2018/19
Abb. F-6:
Anzahl Studierende
Studierende in Aufstiegs-
fortbildungen und Weiterbil- 100
dungsstudiengängen an 90 90
der Evangelischen Hochschu-
le Nürnberg, Wintersemester 80
2009/10 bis 2018/19 70 73
45 45
| 41 | |
|---|---|
| 16 18 |
20 22
10 11
8 6
WS WS WS WS WS WS WS WS WS WS
09/10 10/11 11/12 12/13 13/14 14/15 15/16 16/17 17/18 18/19
Advanced Nursing Practice (Master) Erwachsenenbildung (Master)
Health: Angewandte Pflegewissenschaften (Bachelor) Wirtschaftswissenschaften im Sozial- und
Quelle: Evangelische Hoch- Gesundheitswesen (Master)
Sozialmanagement (Master) Angewandte Bildungswissenschaften (Master)
schule Nürnberg. Quelle: Evangelische Hochschule Nürnberg.
In Nürnberg kann an der „Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Nürnberg – Der Weiterbilder der Metropolregion“ berufsbegleitend in Abendkursen ein Diplom als Betriebswirt beziehungsweise Betriebswirtin mit dem Schwerpunkt Industrie/Dienstleistung erworben werden, mit dem gleichzeitig auch die allgemeine Hochschulreife erlangt wird. Seit ihrer Neugründung im Jahr 1950 hat die VWA Nürnberg mit ihren Zweigakademien 15199 Studierende und 8616 erfolgreiche Absolventinnen und Absolventen zu verzeichnen. Allerdings ist die Nachfrage nach den Studiengängen zum Erwerb eines VWA-Diploms mit Öffnung der Hochschulen für beruflich Qualifizierte und der Umstellung auf Bachelor- und Masterabschlüsse in den letzten Jahren stark zurückgegangen
und so lag die Studienanfängerzahl im Wintersemester 2018/19 lediglich bei 28. Um ebenfalls berufsbegleitende Bachelor-Studiengänge durchführen zu können, kooperiert die VWA Nürnberg seit dem Wintersemester 2011/12 mit der Hochschule Hof (Abb. F-7). Seit dem Sommersemester 2019 studieren insgesamt zehn Beschäftigte der Stadt Nürnberg im neuen berufsbegleitenden Bachelor-Studiengang „Digitale Verwaltung“, den die VWA Nürnberg in Zusammenarbeit mit der Hochschule Hof anbietet. Angeregt wurde dieses bedarfsorientierte Weiterbildungsangebot von Vertreterinnen und Vertretern der Städte Nürnberg, Fürth, Erlangen und Schwabach. Ziel des Studiengangs ist die Ausbildung von Mitarbeitenden, die die digitale Transformation der Verwaltung in dAebrb M. Fe-7t:r oSptuodlrieengaionnfä vnogrearnintnreeinb eunn ds o-allnefnä.n7g0er an der VWA Nürnberg, Wintersemester
2010/11 bis 2018/19
Abb. F-7:
Anzahl Studienanfänger/-innen 200 179 176 180 160 140 127 135 120 104 100 86 80 57 60 35 40 31 30 20 20 22 16 20 15 20 28 0 WS WS WS WS WS WS WS WS WS 10/11 11/12 12/13 13/14 14/15 15/16 16/17 17/18 18/19 Betriebswirt/in (VWA) Bachelor-Studiengang in Kooperation mit Hochschule Hof
Studienanfängerinnen und
-anfänger an der VWA Nürn-
berg, Wintersemester
2010/11 bis 2018/19
Anmerkung: Ohne 94 Studienanfängerinnen und -anfänger, die über eine Kooperation mit der Steinbeis Hochschule Berlin vom Wintersemester 2010/11 bis einschließlich Wintersemester 2017/18 ein Bachelor-Studium an der VWA Nürnberg belegten.
Quelle: VWA Nürnberg − der
Weiterbilder der Metropol-
region.
Quelle: VWA Nürnberg − der Weiterbilder der Metropolregion. Die private FOM unterhält am Standort Nürnberg das iap Institut für Arbeit & Personal und bietet Bachelor- und Masterstudiengänge in den Bereichen „Wirtschaft & Management“, „Wirtschaft & Psychologie“, „Wirtschaft & Recht“, „IT-Management“, „In- Anmerkung: Ohne 94 Studienanfängerinnen und -anfänger, die über eine Kooperation mit der Steinbeis Hochschule gBeernlinie vuormw Weisnetenr“se mseoswteri e2 0„10G/1e1 sbuisn edinhscehiltie ß&li chS oWziniatelersse“m eastne.r 2S0i1e7 /1k8a eninn B faüchre liohrr-S tduudiaumle sa n( vdeerr VgWleAic he Nürnberg belegten. Abschnitt 4.1) und berufsbegleitendes Studienangebot weiterhin eine steigende Studierendenzahl verzeichnen. So stieg die Anzahl der an der FOM Immatrikulierten vom Wintersemester 2016/17 von 1591 auf 1747 im Wintersemester 2018/19. Seit dem Wintersemester 2018/19 haben Abiturientinnen und Abiturienten oder bereits im sozialen Bereich Tätige die Möglichkeit, ausbildungs- oder berufsbegleitend den Bachelorabschluss im Studiengang „Soziale Arbeit“ sowie die staatliche Anerkennung als Sozialpädagoge beziehungsweise Sozialpädagogin zu erwerben (etwa 20% der Studierenden kommen direkt nach dem Abitur, etwa 20% haben den beruflichen Hintergrund Erzieher/-in oder Heilerziehungspfleger/-in, etwa 60% sind ohne entsprechende Ausbildung
im sozialen Bereich tätig). Dabei ist festzuhalten, dass der gesamte Hochschulbereich „Gesundheit & Soziales“ ein enormes Wachstum vorweist und sich die Anmeldezahlen mit 54 Anmeldungen im Vergleich zum Wintersemester 2017/18 mehr als verdoppelt haben.71
Die WiSo-Führungskräfte-Akademie Nürnberg (WFA) bietet berufsbegleitende Weiterbildungen mit Hochschul- oder WFA-Abschluss. Daneben betreut sie als Dienstleister die berufsbegleitenden Studiengänge „Business Management (MBA)“ und „Master of Marketing Management“ der FAU. Neu ist der Lehrgang „Digital Business Management“. Im Wintersemester 2018/19 konnten 46 Teilnehmende in fünf Kursen verzeichnet werden.72
Modulstudium
Durch Modulstudien können berufliche oder akademische Teilkompetenzen erworben werden. Hierzu können einzelne Module aus dem Angebot grundständiger oder postgradualer Studiengänge besucht und Leistungspunkte erworben werden. An der TH Nürnberg belegten im Wintersemester 2018/19 16 Studierende Module in sechs verschiedenen Fakultäten.73 An der FAU besuchten seit dem Wintersemester 2017/18 bis einschließlich Wintersemester 2018/19 670 Studienanfängerinnen und -anfänger die „Modulstudien Naturale“ an der Naturwissenschaftlichen Fakultät.74
5. Studienabschlüsse
Absolventinnen und Absolventen
Insgesamt schlossen im Wintersemester 2017/18 2343 Studierende ihr Studium an einer der in der amtlichen Statistik geführten fünf Nürnberger Hochschulen (ohne FOM) ab, davon waren 50,7% weiblich und 49,3% männlich. Mehr als vier Fünftel der Abschlüsse in Nürnberg wurden entweder in der Fächergruppe der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (58,3%) oder der Ingenieurwissenschaften (26,6%) erlangt. Die restlichen Abschlüsse verteilten sich auf die anderen fünf Fächergruppen: Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften (4,4%), Geisteswissenschaften (3,5%), Kunst, Kunstwissenschaft (3,3%), Mathematik, Naturwissenschaft (3,2%) und Sport (0,8%).75
Studienabbrüche und Perspektiven
An der Evangelischen Hochschule Nürnberg exmatrikulierten sich im Jahr 2018 insgesamt 233 Studierende, darunter waren vier Studierende, die ihr Studium endgültig nicht bestanden. Wie im Sommersemester 2016 machte ihr Anteil damit nur 1,7% aus. 75,1% schlossen ihr Studium erfolgreich ab, 23,1% nannten sonstige Gründe für die Exmatrikulation.76 An der Hochschule für Musik (HfM) haben zum Wintersemester 2018/19 insgesamt 16 Studierende ihr Studium abgebrochen beziehungsweise an der HfM nicht erfolgreich zu Ende geführt.77 Ergebnisse des Studierendenpanels der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm (TH Nürnberg) zum Studienerfolg
der Studienanfängerinnen und -anfänger in Bachelor-Studiengängen im Wintersemester 2015/16 zeigen, dass der Anteil der Studierenden, die überlegen das Studium abzubrechen, über den Studienverlauf hinweg zunimmt (von 19,0% in der ersten zu 22,4% in der zweiten Befragungswelle).78
Wenn Zweifel hinsichtlich der Studienfortsetzung aufkommen, bieten die Nürnberger Hochschulen mit ihren Beratungsangeboten Studierenden eine erste Anlaufstelle. Darüber hinaus gibt es weitere Einrichtungen und Projekte, die Beratung anbieten. So informiert das Projekt „Akquisiteure für Studienabbrecher“ der Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) gGmbH am Standort Nürnberg Ratsuchende, die über einen Studienabbruch nachdenken oder ihr Studium bereits abgebrochen haben. Von Anfang Februar 2015 bis Ende Februar 2019 kam es zu 1150 Kontakten mit insgesamt 218 Ratsuchenden (darunter 155 von der TH Nürnberg und 42 von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg). Dabei gelang es 79 Studienabbrecherinnen und -abbrechern, einen Vertrag für eine duale Ausbildung abzuschließen, 32 haben eine qualifizierte sozialversicherungspflichtige Beschäftigung D mit der Perspektive eines Berufsabschlusses aufgenommen. 77 Ratsuchende haben sich hingegen dafür entschieden, den Studiengang zu wechseln oder das begonnene Studium fortzusetzen und sieben begannen eine schulische Ausbildung. Im gleichen Zeitraum nahm das bfz 1002 Kontakte zu 224 Unternehmen auf, um Ausbildungsplätze für Studienabbrecherinnen und -abbrecher zu akquirieren.79
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nürnberg für Mittelfranken führt jährlich rund 200 Beratungsgespräche mit Studierenden durch, die über einen Studienabbruch nachdenken oder diesen bereits vollzogen haben. Etwa die Hälfte der beratenen Studienabbrecherinnen und -abbrecher nimmt danach eine duale Ausbildung im Kammerbezirk der IHK Nürnberg für Mittelfranken auf. Über die anderen Ratsuchenden liegen zum Teil keine Informationen über den Verbleib vor, sie studieren weiter, münden direkt in eine Weiterbildung der IHK oder machen eine Ausbildung bei einer anderen Kammer oder in einem anderen Kammerbezirk.80
6. Schlussbemerkung und Handlungsempfehlungen
Mit der kontinuierlichen Profilierung der ansässigen Hochschulen und nicht zuletzt den Diskussionen um die Standortfrage einzelner Einrichtungen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der finalen Entscheidung für die Neugründung einer eigenen Universität fand und findet das Thema Hochschule in Nürnberg stetig steigende Aufmerksamkeit. Im Vorfeld der Eröffnung der Technischen Universität Nürnberg gibt es zwar noch viele Fragen zu klären (nicht wenige beziehen sich auf die finanzielle Unterstützung und Stärkung der bestehenden Universität und Hochschulen), sicher ist man sich aber, dass sie mit ihrer konsequent interdisziplinären, internationalen und an den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts orientierten Ausrichtung auch über die Stadt und auch Landesgrenzen hinaus neue High Potentials und junge Gründerinnen und Gründer an-
ziehen wird. Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept „Hochschul- und Forschungsstadt Nürnberg“ erarbeitet flankierend geeignete Maßnahmen des Standortmarketings, um die Hochschullandschaft Nürnbergs noch sichtbarer zu machen. Auch soll ein Bericht Handlungsempfehlungen und konkrete Maßnahmen für die weitere Entwicklung Nürnbergs im Spektrum von Hochschule und Forschung benennen.
Der Trend zur beruflichen Weiterbildung an Hochschulen bleibt für die Hochschulentwicklung sehr wichtig. Dabei fällt ein enormes Wachstum der Studierendenzahlen an privaten Hochschulen ins Auge. Ungebremst ist die Nachfrage nach einer Verschränkung von beruflicher und akademischer Ausbildung durch ein duales Studium. Auch das Interesse von beruflich Qualifizierten an einem Hochschulstudium nimmt weiter zu.
Das Fächerprofil an Nürnbergs Hochschulen ist vielfältig. Trotz einer Vielzahl an Informationsangeboten und Programmen gibt es allerdings immer noch deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede in den verschiedenen Studiengängen. Wobei sich für Nürnberg zeigt, dass Frauen vor allem dann Interesse an MINT-Fächern zeigen, wenn sie mit pädagogischen Inhalten verknüpft sind.
Die Hochschulen bemühen sich, teils mit eigens eingerichteten Anlaufstellen, um die Gruppe der Erststudierenden sowie der Studierenden mit Migrationshintergrund. Das Programm Integra ist ein geeigneter Ansatz, um studienberechtigten Neuzugewanderten den Studieneinstieg zu erleichtern und wird von den Studieninteressierten gut angenommen.
Das Studium an einer Hochschule ist grundsätzlich für jede Person mit entsprechender Qualifikation möglich. Die Hochschulen unterstützen Studierende mit chronischer Erkrankung oder Behinderung individuell zum Beispiel durch Nachteilsausgleiche und investieren in bauliche Maßnahmen für körperbehinderte Studierende sowie Dozentinnen und Dozenten.
Insbesondere vor dem Hintergrund einer immer weiter steigenden Nachfrage nach hochschulischer (Weiter-)Bildung und den Bemühungen einer verstärkten Ansiedlung von Unternehmen der High-Tech- und Kreativszene, ist es für die Stadt von Interesse, den Hochschul- und Forschungsstandort Nürnberg weiter auszubauen.
Von Seiten der Hochschulen sollten – auch für flexible und berufsbegleitende Studienformate – weitere Kapazitäten geschaffen (wofür die versprochenen Landesmittel zur Verfügung gestellt werden müssen) und die Studienplanung durch Kooperationen zwischen den Hochschulen sowie Kammern, Unternehmen, Berufs- und Meisterschulen weiter erleichtert werden. Insbesondere Einrichtungen der Sozial-, Gesundheits- und Pflegebranche sollten verstärkt auf die Ausbildung in Kombination mit einer akademischen Qualifizierung setzen, um in Zeiten des Fachkräftemangels die Attraktivität dieser Berufe für junge Menschen zu steigern. Eine geeignete Möglichkeit hierfür bietet die Umsetzung der hochschulischen Pflegeausbildung im Rahmen des Pflegeberufegesetzes. Ein entsprechender Antrag der Evangelischen Hochschule Nürnberg wurde mit Unterstützung durch die Kommune angestoßen und muss weiterverfolgt werden.
Die Ergebnisse machen einerseits deutlich, dass die Bemühungen, Frauen für ingenieurwissenschaftliche Studiengänge zu gewinnen, weiter vorangetrieben werden sollten. Andererseits sollten weiterhin gezielte Strategien zur Gewinnung von Männern für erzieherische und soziale Berufe entwickelt und passgenau umgesetzt werden.
Die Bemühungen um die Chancengleichheit bei der Hochschulaufnahme von Erststudierenden und Studierenden mit Migrationshintergrund müssen weiter gestärkt und entsprechende Ansätze wie das Programm Integra fortgeführt werden. Lehrkräfte sollten besonders Schülerinnen und Schülern ohne akademischen Familienhintergrund bei der Berufs- und Studienwahl unterstützend zur Seite stehen.
Durch gezielte Maßnahmen bereits vor dem Studium und während der ersten Semester sollten Studienabbrüche gesenkt werden. In Kooperation mit Bildungsträgern und Kammern bieten die Nürnberger Hochschulen Beratungsangebote für an der Studienfortsetzung Zweifelnde sowie Studienabbrecherinnen und -abbrecher, die alternative Karriereoptionen wie eine duale Berufsausbildung aufzeigen. Auch die Berufs- und Studienorientierung an weiterführenden Schulen ist in diesem Sinne zu stärken, um frühzeitig Ausbildungsalternativen zum Hochschulstudium in den Blick nehmen zu können.
Von der Technischen Universität Nürnberg ist bislang bekannt, dass neue digitale Lehrund Lernmethoden eingesetzt werden sollen, die andere Hochschulen so (noch) kaum praktizieren. Äußerst wünschenswert ist es, dass diese auch den Zugang zu akademischer Bildung für Menschen mit Beeinträchtigung erleichtern und die Bedingungen für ein erfolgreiches Studium verbessern. Umgekehrt kann die Hochschulforschung selbst auch dazu beitragen, neue Technologien und Dienstleistungen zu entwickeln, welche die Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen am Leben in der Gesellschaft fördern sollen.
1 100 Jahre WiSo Nürnberg, www.wiso100.fau. 21 Quelle: Verkehrsverbund Großraum Nürnberg de/historischer-abriss, letzter Zugriff: 23.9.2019. GmbH, Jahrespressekonferenz vom 18.3.2019, 2 Quelle: LEONARDO – Zentrum für Kreativität Stand verkaufter Zusatzkarten im Wintersemester und Innovation. 2018/19: 16.1.2019, Stand Anzahl Studierende: Info vom Studentenwerk Erlangen-Nürnberg vom 3 Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürn- 23.10.2018. berg, www.fau.de, letzter Zugriff: 23.9.2019. 22 Quelle: Kommunale Bildungsdatenbank der 4 Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Statistischen Ämter des Bundes und der Länder; Ohm, www.th-nuernberg.de, letzter Zugriff: Bayerisches Landesamt für Statistik; Hochschul- 23.9.2019. statistik; eigene Berechnungen. Studierende 5 Evangelische Hochschule Nürnberg, www.evhn. an Hochschulen mit Standorten in mehreren de, letzter Zugriff: 23.9.2019. Bundesländern werden am jeweiligen Hochschul- 6 Hochschule für Musik Nürnberg, www.hfm- standort und nicht am Hauptsitz der Hochschule nuernberg.de, letzter Zugriff: 23.9.2019. und Studierende im Fernstudium werden im Kreis 7 Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, des Hochschul-Hauptsitzes nachgewiesen; in Nürnberg ohne FOM. Studierende, für die kein www.adbk-nuernberg.de, letzter Zugriff: Kreis des Erwerbs der HZB vorliegt, werden nur 23.9.2019. im Landesergebnis ausgewiesen. 8 Die FOM stellt in methodischer Hinsicht eine 23 FOM Hochschule für Oekonomie & Manage- Besonderheit dar: Nach der Umsetzung der Reviment gemeinnützige Gesellschaft mbh. sion der Hochschulstatistik im Sommersemester 2017, in der das Standortprinzip der Hochschulen 24 Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik; eingeführt wurde, wird diese, auch da sie die Hochschulstatistik, eigene Berechnungen. Voraussetzung von mehr als 100 Semesterwo- 25 Quelle: Ebd. chenstunde Lehre die Woche umfasst, nun auch 26 Quelle: Ebd.
- neben FAU, TH Nürnberg, EVHN, HfM und
AdBK – in der amtlichen Statistik des Bayerischen 27 Quelle: Ebd. Landesamts für Statistik geführt. Im vorliegenden 28 Quelle: Kommunale Bildungsdatenbank der Bericht wird aus Gründen der Vergleichbarkeit Statistischen Ämter des Bundes und der Länder; mit den Vorgängerberichten die FOM allerdings Hochschulstatistik; eigene Berechnung. nicht in dieser Gesamtschau, sondern einzeln bei 29 Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik; den privaten Hochschulen dargestellt. Hochschulstatistik, eigene Berechnung. 9 FernUniversität in Hagen, www.fernuni-hagen. 30 Kontakt-und Kompetenzstelle Interkultur der de, letzter Zugriff: 23.9.2019. Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürn- 10 HFH Hamburger Fern-Hochschule gemein- berg, www.gender-und-diversity.fau.de/diversity/ nützige GmbH Studienberatung, www.hfh- diversitaetsdimensionen/migrationshintergrund/, fernstudium.de, letzter Zugriff: 23.9.2019. letzter Zugriff: 23.9.2019. 11 Euro-FH Europäische Fernhochschule Hamburg 31 Vgl. Deutscher Akademischer Austausch- GmbH. dienst, www.daad.de/der-daad/fluechtlinge/infos/ 12 AKAD Bildungsgesellschaft mbH, www.akad. de/43153-fluechtlinge-an-hochschulen-sode, letzter Zugriff: 23.9.2019. engagiert-sich-der-daad, letzter Zugriff: 23.9.2019. 13 Quelle: Wissenschaftsrat (WR), Hochschulbildung im Anschluss an den Hochschulpakt 2020. 32 Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlan- Positionspapier, Trier 2018, S. 6. gen-Nürnberg. 14 Quelle: Evangelische Hochschule Nürnberg. 33 Quelle: Ebd. 15 Quelle: Technische Hochschule Nürnberg 34 Quelle: Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm. Georg Simon Ohm. 16 Quelle: Campus M21, Studienzentrum Nürn- 35 Quelle: Evangelische Hochschule Nürnberg. berg. 36 Quelle: Bildungsberatung Garantiefonds Hoch- 17 Quelle: Paracelsus Medizinische Privatuniver- schule beim CJD Nürnberg. sität. 37 Quelle: Elke Middendorff u.a., Die wirt- 18 Quelle: ICN Business School. schaftliche und soziale Lage der Studierenden in Deutschland 2016. 21. Sozialerhebung des 19 Quelle: IBS International Business School Deutschen Studentenwerks durchgeführt vom GmbH. Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissen- 20 Quelle: Studentenwerk Erlangen-Nürnberg. schaftsforschung, Berlin 2017, S. 27.
38 Quelle: Ebd., S. 53. 61 Quelle: FOM Hochschule für Oekonomie & 39 Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlan- Management gemeinnützige Gesellschaft mbh gen-Nürnberg. gGmbH. 40 Quelle: Technische Hochschule Nürnberg 62 Quelle: IUBH Internationale Hochschule. Georg Simon Ohm. 63 Vgl. Wissenschaftsrat, Empfehlungen zu 41 Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik; hochschulischer Weiterbildung als Teil des Statistik über die „Förderung nach dem Stipen- lebenslangen Lernens. Vierter Teil der Empfehlundienprogrammgesetz“ in Bayern. gen zur Qualifizierung von Fachkräften vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Berlin 42 Quelle: ArbeiterKind.de 25.1.2019, S. 11. 43 Quelle: Middendorf u.a., 2017, S. 36; Jonas 64 Vgl. Ebd. Poskowsky u.a., beeinträchtigt studieren – best2. Datenerhebung zur Situation Studierender mit 65 Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlan- Behinderung und chronischer Krankheit 2016/17, gen-Nürnberg. Berlin 2018, S. 123, 178. 66 Quelle: OHM Professional School. 44 Quelle: Technische Hochschule Nürnberg 67 Quelle: Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm. Georg Simon Ohm. 45 Quelle: Ebd. 68 Quelle: Technische Hochschule Nürnberg Ge- 46 Quelle: Behindertenbeauftragter für Studieren- org Simon Ohm, Fakultät Sozialwissenschaften. de der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen- Nicht enthalten sind hier die 180 Teilnehmenden Nürnberg. des Fachforums Onlineberatung. 47 Quelle: Fortbildungszentrum Hochschullehre, 69 Quelle: Evangelische Hochschule Nürnberg. Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürn- 70 Quelle: Stadt Nürnberg, Personalamt; Verberg. waltungs- und Wirtschafts-Akademie Nürnberg 48 Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlan- gGmbH. gen-Nürnberg, Zentralinstitut für Wissenschafts- 71 Quelle: FOM Hochschule für Oekonomie & reflexion und Schlüsselqualifikationen (ZiWiS). Management gemeinnützige Gesellschaft mbh. 49 Quelle: Gemeinsame Wissenschaftskonferenz 72 Quelle: WiSo-Führungskräfte-Akademie (GWK): Hochschulpakt 2020. Bericht zur Umset- Nürnberg (WFA), An-Institut der Friedrich-Alexanzung im Jahr 2016. Heft 59, Bonn 2018, S. 27. der-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). 50 Vgl. Ebd., S. 29. 73 Quelle: Technische Hochschule Nürnberg 51 Quelle: Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm. Georg Simon Ohm. 74 Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlan- 52 Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlan- gen-Nürnberg, Informations- und Beratungszengen-Nürnberg, Informations- und Beratungszen- trum für Studiengestaltung und Career Service. trum für Studiengestaltung und Career Service. 75 Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik; 53 Quelle: Evangelische Hochschule Nürnberg. Hochschulstatistik; eigene Berechnungen. 54 Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), 76 Quelle: Evangelische Hochschule Nürnberg. www.bibb.de/ausbildungplus/de/34707.php# 77 Quelle: Hochschule für Musik Nürnberg. module36233, letzter Zugriff: 23.9.2019. 78 Quelle: Sabine Fromm, Melanie Weindl, Ergeb- 55 Quelle: Technische Hochschule Nürnberg nisse des Studierendenpanels der TH Nürnberg. Georg Simon Ohm. Erster Zwischenbericht: Studieneinmündung und 56 Quelle: Evangelische Hochschule Nürnberg. erste Prüfungserfahrungen, Nürnberg 2016, S. 36 f. 57 Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. 79 Quelle: Berufliche Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) gGmbH. 58 Quelle: Hochschule für Musik Nürnberg. 80 Quelle: Industrie- und Handelskammer Nürn- 59 Quelle: iba – Internationale Berufsakademie berg für Mittelfranken. der F+U Unternehmensgruppe gGmbH. 60 Da die Studierenden an der FOM keine Angabe über die Art der Anstellung vorlegen müssen, liegt die exakte Anzahl der dual Studierenden nicht vor.
G
BERUFSBEZOGENE
WEITERBILDUNG
1. Einleitung
Vor dem Hintergrund immer schneller voranschreitender technischer Entwicklungen und dem digitalen Wandel gewinnt die berufliche Weiterbildung zunehmend an Bedeutung. Im Juni 2019 wurde zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland eine Nationale Weiterbildungsstrategie verabschiedet. Bund, Länder, Wirtschaft und Gewerkschaften bündeln ihre Anstrengungen für Weiterbildung und Qualifizierung. Mit dem Fokus auf berufliche Weiterbildung sollen Weiterbildungsangebote sowie Fördermöglichkeiten für alle erweitert, transparenter und leichter zugänglich gemacht werden und Personengruppen mit einer unterdurchschnittlichen Weiterbildungsbeteiligung sowie kleine und mittlere Unternehmen besonders unterstützt werden.1 Die bayerische Staatsregierung will mit dem „Pakt für berufliche Weiterbildung 4.0“ die Weiterbildungsbeteiligung vor allem von unterrepräsentierten Personengruppen mit Blick auf die Digitalisierung der Arbeitswelt nachhaltig steigern. Partner sind der Bayerische Handwerkstag, der Bayerische Industrie- und Handelskammertag, die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V., der Deutsche Gewerkschaftsbund Bayern und die Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit.2 In der Bildungsberichterstattung nimmt die Stadt Nürnberg auf kommunaler Ebene die regionale Weiterbildungssituation in den Blick, mit dem Ziel, die soziale Teilhabe und Chancengleichheit aller Bürgerinnen und Bürger zu ermöglichen und den Wirtschaftsstandort zu stärken.
Im vorliegenden Kapitel zur berufsbezogenen Weiterbildung werden zunächst die Ergebnisse einer Umfrage des Bildungsbüros unter 115 lokalen Weiterbildungsdienstleistern vorgestellt, die einen Überblick über die Nürnberger Bildungslandschaft gibt. Im Anschluss wird die geförderte Weiterbildung von Arbeitsagentur und Jobcenter in den Blick genommen. Danach werden die klassischen Aufstiegsfortbildungen von Fachschulen und Kammern dargestellt,3 bevor auf Maßnahmen zum Nachholen und zur Anerkennung von Berufsabschlüssen eingegangen wird. Im Anschluss werden Literalisierung sowie der Deutschspracherwerb von Neuzugewanderten beleuchtet, beides fundamentale Voraussetzungen für eine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt. Schließlich stehen berufliche Rehabilitation sowie die Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Beeinträchtigungen im Mittelpunkt. Der letzte Abschnitt vor den Handlungsempfehlungen widmet sich der Beratung zu Weiterbildung, Fördermöglichkeiten und Berufsanerkennung.
2. Überblick über die berufsbezogene
Weiterbildungslandschaft in Nürnberg
Für einen aktuellen Einblick in die Nürnberger Bildungslandschaft hat das Bildungsbüro von Juli bis Oktober 2018 eine Online-Befragung der Akteure auf dem Weiterbildungsmarkt durchgeführt. Die Befragung setzte auf eine vorhergehende aus dem Jahr 2013
auf, die um einige Themen erweitert wurde. Erhoben wurden unter anderem Informationen zu Personal- und Angebotsstruktur, Netzwerkarbeit, Beratungsangeboten, Qualitätssicherung und Finanzierung. Zudem wurden die Weiterbildungsakteure nach aktuellen Entwicklungen im eigenen Bildungsbereich gefragt. Erstmalig wurde die Befragung in Zusammenarbeit mit der Stadt Fürth durchgeführt. Im Vorfeld der Befragung wurden neun Interviews mit Expertinnen und Experten auf dem Feld der Weiterbildung aus der Region geführt.
Sitz der Einrichtungen
Von insgesamt 167 angeschriebenen Einrichtungen wurden 115 als berufsbezogene Bildungsdienstleister mit Sitz in Nürnberg identifiziert. Bei den anderen Einrichtungen zeigte sich, dass sie keine Bildungsangebote bereitstellen, sondern zum Beispiel eher Coaching oder IT-Dienstleistungen anbieten. Nicht angeschrieben wurden die großen Einrichtungen der Erwachsenenbildung wie die katholische Akademie im Caritas-Pirckheimer-Haus und die evangelische Stadtakademie im eckstein, deren Schwerpunkt auf der non-formalen Bildung liegt.4 Insgesamt haben 85 Bildungsdienstleister den Fragebogen ausgefüllt.5 Von den in Nürnberg aktiven Einrichtungen haben 66 auch ihren Hauptsitz hier, zwei haben diesen in Fürth und 14 in anderen deutschen Städten. Die Karte zeigt, dass sowohl die Nürnberger als auch die Fürther Bildungsdienstleister verstärkt im weiteren Innenstadtgürtel der jeweiligen Stadt angesiedelt sind (Abb. G-1).
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Einrichtungen
Die Nürnberger Bildungsdienstleister sind bedeutende Arbeitgeber. Allein die 71 Einrichtungen, die Angaben zu ihrem Personal machten, hatten im Jahr 2017 (umgerechnet in Vollzeitäquivalente) 3187 Stellen mit hauptamtlichem Personal besetzt. 48,6% dieser Mitarbeitenden hatte eine pädagogische Ausbildung. Zusätzlich arbeiteten bei diesen Einrichtungen 4413 Honorarkräfte mit unterschiedlichen Stundenkontingenten. 39 Einrichtungen beschäftigten weniger als zehn Personen, 21 zwischen zehn und 50, elf stellten 50 und mehr Arbeitsplätze.
Bei der Personalentwicklung zeigte sich zwischen 2016 und 2017 insgesamt ein Wachstum. So arbeiteten im Jahr 2017 durchschnittlich sowohl mehr hauptamtliche Personen als auch mehr Honorarkräfte bei Nürnberger Weiterbildungseinrichtungen als im Jahr zuvor. Trotz der im Durchschnitt positiven Gesamtentwicklung haben 15,9% der Einrichtungen hauptamtliches Personal abgebaut, allerdings maximal um vier Personalstellen. Bei 44,9% der Dienstleister hat sich die Anzahl der hauptamtlichen Mitarbeitenden nicht verändert, bei 39,1% war im Jahr 2017 mehr Personal angestellt als im Vorjahr. Bei den Honorarkräften haben 16,4% der Einrichtungen Personal abgebaut, während für die meisten Einrichtungen (49,3%) keine Veränderung zwischen 2016 und 2017 festgestellt wurde. 34,3% der Bildungsdienstleister erhöhten die Anzahl ihrer Honorarkräfte zum Teil deutlich (Abb. G-2).
Abb. G-1:
Standorte der für die Online-
Befragung ermittelten Bil-
dungsdienstleister der berufs-
bezogenen Weiterbildung in
Nürnberg und Fürth
Quelle: Amt für Stadtfor-
schung und Statistik für
Nürnberg und Fürth; Sachda-
ten: Bildungsbüro der Stadt
Nürnberg, 2019.
Veränderung der Anzahl des Personals von Bildungsdienstleistern in Nürnberg
zwischen 2016 und 2017
Abb. G-2:
Honorarkräfte 16,4 49,3 34,3 Pädagogisches 6,0 64,2 29,9 Personal Hauptamtliches 15,9 44,9 39,1 Personal 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 Anteil (in %) Anzahl Personal gesunken Anzahl Personal gleich Anzahl Personal gestiegen
Veränderung der Anzahl
des Personals von Bildungs-
| 16, | 4 | 4 | 9,3 | 34,3 | |
|---|---|---|---|---|---|
| 6,0 | 64,2 | 29,9 | |||
| 15,9 | 44, | 9 | 3 | 9,1 |
dienstleistern in Nürnberg
zwischen 2016 und 2017
Anmerkung: Eingeschlossen in die Auswertung sind 69 Bildungsdienstleister.
Quelle: Bildungsbüro der
Stadt Nürnberg; Online-Be-
fragung der Bildungsdienst-
leister in Nürnberg, 2018/19.
Quelle: Bildungsbüro der Stadt Nürnberg; Online-Befragung der Bildungsdienstleister in Nürnberg, 2018/19. Betrachtet man die Personalentwicklung im Zusammenhang mit der hauptsächlichen Finanzierungsquelle der Einrichtungen, zeigte sich im Jahr 2017 ein leichter Trend: Bei den Bildungsanbietern mit vorwiegend geförderten Angeboten war eine positive Ent- Anmerkung: Eingeschlossen in die Auswertung sind 69 Bildungsdienstleister. wicklung beim hauptamtlichen Personal festzustellen, Honorarkräfte hingegen bauten eher diejenigen Einrichtungen auf, die sich durch offene Angebote finanzierten. Einrichtungen, die Deutsch als Zweitsprache anbieten, konnten im Jahr 2017 sowohl beim hauptamtlichen Personal als auch bei den Honorarkräften einen vergleichsweise hohen Mitarbeiterzuwachs verzeichnen. Hier spiegelt sich der große Bedarf an Sprachkursen aufgrund der starken Fluchtzuwanderung in den Jahren 2015 und 2016 deutlich wider.
Angebotsbereiche und Teilnehmende nach Angebotsbereichen
Nürnberger Bildungsdienstleister stellen ein sehr breites Angebot an Weiterbildungen zur Verfügung. Für die Befragung wurden die Angebote kategorisiert in die drei Bereiche „Persönliche Entfaltung und soziale Teilhabe“, „Beruflich und privat verwertbare Kompetenzen“ sowie „Berufsfachliche Kompetenzen“. Berücksichtigt man das Angebot des Bildungszentrums, das auch eine wichtige Einrichtung der non-formalen Erwachsenenbildung in Nürnberg darstellt und viele Tages- und Abendveranstaltungen anbietet, zeigt sich, dass persönliche Entfaltung und soziale Teilhabe mit einem Anteil von 60,9% an allen Teilnahmen einen hohen Stellenwert in Nürnberg haben. Hier wurden neben der Grundbildung, dem Deutschspracherwerb und dem Nachholen von Schulabschlüssen auch Angebote zur politischen und kulturellen Bildung, Gesundheitsbildung sowie der Familienbildung und Lebensgestaltung erhoben. Angebote, die die Erweiterung von sowohl beruflich als auch privat verwertbaren Kompetenzen zum Ziel haben, wie zum Beispiel das Erlernen von Fremdsprachen oder die Stärkung von Soft Skills, wurden von 25,1% der Teilnehmenden besucht und 14,0% der Teilnehmenden erwarben mit dem Kursbesuch berufsfachliche Kompetenzen, zum Beispiel im gewerblich-technischen oder kaufmännischen Bereich (Abb. G-3).
Abb. G-3: Teilnahmen an Weiterbildungsangeboten von Bildungsdienstleistern in
Nürnberg nach Themenbereichen, 2017
Abb. G-3:
Anzahl Teilnahmen Persönliche Entfaltung und soziale Teilhabe 37 023 Berufliche und privat verwertbare Kompetenzen 66 340 161 224 Berufsfachliche Kompetenzen
Teilnahmen an Weiter-
bildungsangeboten von
Bildungsdienstleistern in
Nürnberg nach Themen-
bereichen, 2017
Anmerkung: Einschließlich Bildungszentrum im Bildungscampus Nürnberg. Eingeschlossen in die Auswertung sind 62 Bildungsdienstleister.
Quelle: Bildungsbüro der
Stadt Nürnberg; Online-Be-
fragung der Bildungsdienst-
leister in Nürnberg, 2018/19.
BQueezlilee:h Btil dmunagnsb üdroa sd eBr Siltdadutn Ngüsrnzbeenrgtr; uOmnli nne-iBcehfrta ginun gd diee r ABiludsuwngesdriteunnstgle iseteinr i,n eNnürtnfibeerleg,n 2 0n18u/1r 9.29,3% auf Angebote zur persönlichen Entfaltung und sozialen Teilhabe, 40,2% auf diejenigen zur Erweiterung von sowohl beruflich als auch privat verwertbaren Kompetenzen und 3An0m,5er%kun ag:u Efi nWscheliietßelricbhi lBdiludunnggeszne nbtreurmu ifmsf Baicldhulnicgshcaemr pKuos mNüprnebteergn. zEeinng.eschlossen in die Auswertung sind 62 Bildungsdienstleister. Betrachtet man alle Einrichtungen (inklusive Bildungszentrum) im Hinblick auf ihr Angebot an Fort- und Weiterbildungen, die über 200 Stunden andauern, die also langfristig und damit nachhaltig angelegt sind, so entfiel im Jahr 2017 fast die Hälfte (47,1%) auf Angebote zur persönlichen Entfaltung und sozialen Teilhabe, 17,1% auf diejenigen zur Erweiterung von sowohl beruflich als auch privat verwertbaren Kompetenzen und
Abb. G-4: Teilnahmen an Weiterbildungsangeboten von Bildungsdienstleistern in
35,8% auf Weiterbildungen berufsfachlicher Kompetenzen (Abb. G-4).
Nürnberg nach Themenbereichen mit Qualifizierungen über 200 Stunden, 2017
Abb. G-4:
Teilnahmen an Weiter- Anzahl
bildungsangeboten von Teilnahmen
Bildungsdienstleistern in Persönliche Entfaltung
Nürnberg nach Themenbe- und soziale Teilhabe
reichen mit Qualifizierungen
über 200 Stunden, 2017
12 207 Berufliche und privat
verwertbare Kompetenzen
16 075
Anmerkung: Eingeschlossen
Berufsfachliche Kompetenzen
in die Auswertung sind 62 Bildungsdienstleister.
Quelle: Bildungsbüro der 5 833
Stadt Nürnberg; Online-Be-
fragung der Bildungsdienst-
leister in Nürnberg, 2018/19.
Quelle: Bildungsbüro der Stadt Nürnberg; Online-Befragung der Bildungsdienstleister in Nürnberg, 2018/19.
Anmerkung: Eingeschlossen in die Auswertung sind 62 Bildungsdienstleister.
Teilnahmen im Bereich „Persönliche Entfaltung und soziale Teilhabe“
Bei den Bildungsangeboten zur Förderung der persönlichen Entfaltung und sozialen Teilhabe gab es mit Abstand die meisten Teilnahmen bei den Angeboten zur kulturellen Bildung (79863), gefolgt von der Gesundheitsbildung (19090) und den Deutschsprachkursen (18956). Den weitaus größten Anteil hatte hier die Vielzahl an Veranstaltungen des Bildungszentrums. Mit Ausnahme der Kurse zum Deutschspracherwerb handelte es sich aber oft um Tages- oder Abendveranstaltungen.
Betrachtet man nur diejenigen Angebote, die länger als 200 Stunden dauern, zeigt sich ein völlig anderes Bild, die kulturelle Bildung spielt dann keine Rolle mehr. Kurse zum Deutschspracherwerb verzeichneten mit Abstand die meisten Teilnehmenden (7241), häufig besucht wurden zudem Angebote zur Gesundheitsbildung (1918). Auch Grundbildung und die Vorbereitung auf Schulabschlüsse spielten eine wichtige Rolle. Allerdings wurde Alphabetisierung für Personen, die Deutsch als Muttersprache erlernt haben, nur von zwei Einrichtungen angeboten. Kurse zu Eltern- und Familienbildung sowie Lebensgestaltung, die über 200 Stunden dauern, wurden von den befragten Einrichtungen
Abb. G-5: Teilnahmen an Weiterbildungsangeboten von Bildungsdienstleistern in
nicht angeboten (Abb. G-5). Nürnberg im Bereich persönliche Entfaltung und soziale Teilhabe mit Qualifizierungen
über 200 Stunden, 2017
Abb. G-5:
Anzahl Teilnahmen 0 1 000 2 000 3 000 4 000 5 000 6 000 7 000 8 000 Deutsch als Fremdsprache/Deutsch als Zweitsprache 7 241 (ohne Alphabetisierungskurse) Sonstiges 4 731 Gesundheitsbildung 1 918 Grundbildung (Alphabetisierung) 785 Vorbereitung auf Schulabschlüsse: 605 Mittelschulabschluss Vorbereitung auf Schulabschlüsse: 421 Hochschulreife Lebensgestaltung/Werte/Normen/Existenzfragen 151 Vorbereitung auf Schulabschlüsse: 111 Mittlerer Schulabschluss Grundbildung (außer Alphabetisierung, 109 z.B. Rechnen, finanzielle Grundbildung, etc.) Politische Bildung 3 Kulturelle Bildung 0 Eltern- und Familienbildung/Erziehungsfragen 0 Vorbereitung auf Schulabschlüsse: 0 Fachhochschulreife
Teilnahmen an Weiter-
| 7 241 | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 4 | 731 | ||||||
| 1 918 | |||||||
| 7 | 85 | ||||||
| 60 | 5 | ||||||
| 421 | |||||||
| 151 | |||||||
| 111 | |||||||
| 109 | |||||||
| 3 | |||||||
| 0 | |||||||
| 0 | |||||||
| 0 |
bildungsangeboten von
Bildungsdienstleistern in
Nürnberg im Bereich persön-
liche Entfaltung und soziale
Teilhabe mit Qualifizierungen
über 200 Stunden, 2017
Anmerkung: Eingeschlossen in die Auswertung sind 62 Bildungsdienstleister.
Quelle: Bildungsbüro der
Stadt Nürnberg; Online-Be-
fragung der Bildungsdienst-
leister in Nürnberg, 2018/19. Quelle: Bildungsbüro der Stadt Nürnberg; Online-Befragung der Bildungsdienstleister in Nürnberg, 2018/19.
Anmerkung: Eingeschlossen in die Auswertung sind 62 Bildungsdienstleister.
Teilnahmefälle im Bereich Vermittlung von beruflich und privat verwertbaren
Kompetenzen
Abbildung G-6 zeigt die Angebote zur Vermittlung von sowohl beruflich als auch privat verwertbaren Kompetenzen. Hier hatten die Kurse zum Erwerb von „Sonstigen Schlüsselkompetenzen“ (Soft Skills) 23260 Teilnahmen zu verzeichnen, gefolgt von den EDV-Kur-
Abb. G-6: Teilnahmen an Weiterbildungsangeboten von Bildungsdienstleistern in
sen (17858) und den Angeboten zum Fremdspracherwerb (12210, außer Deutsch). Nürnberg im Bereich Vermittlung von beruflichen und privat verwertbaren Kompeten-
zen, 2017
Abb. G-6:
Teilnahmen an Weiter- Anzahl Teilnahmen
bildungsangeboten von 0 5 000 10 000 15 000 20 000
Bildungsdienstleistern in
| 967 | 22 293 | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| 22 293 | |||||
| 180 | 17 678 | ||||
| 17 678 | |||||
| 1 30 | 8 | 10 902 | |||
| 10 902 | |||||
| 83 | |||||
| 2 421 | 3 3 | 83 | |||
| 138 | |||||
| 3 355 | |||||
| 789 | |||||
| 2 266 | |||||
| 30 630 | |||||
| 630 |
Sonstige Schlüssel-
Nürnberg im Bereich
kompetenzen
Vermittlung von beruflichen
und privat verwertbaren EDV/Computer/Internet
Kompetenzen, 2017
Sprachen (ohne Deutsch
als Fremdsprache)
Führung/Management
Anmerkung: Eingeschlossen Rhetorik/Moderation in die Auswertung sind 62 Bildungsdienstleister. Wirtschaft und Recht
Existenz-/Unternehmens-
Quelle: Bildungsbüro der
gründung
Stadt Nürnberg; Online-Be-
fragung der Bildungsdienst- Teilnahmefälle mit Qualifizierungen über 200h Teilnahmefälle mit Qualifizierungen unter 200h leister in Nürnberg, 2018/19.
Quelle: Bildungsbüro der Stadt Nürnberg; Online-Befragung der Bildungsdienstleister in Nürnberg, 2018/19.
Teilnahmen im Bereich Vermittlung von berufsfachlichen Kompetenzen
Bei den Angeboten zur Vermittlung berufsfachlicher Kompetenzen (Abb. G-7) wurden Anmerkung: Eingeschlossen in die Auswertung sind 62 Bildungsdienstleister. in Nürnberg vor allem gewerblich-technische Qualifizierungen (9944), Angebote im Bereich Medien und IT (9435) sowie Fort- und Weiterbildungen im Bereich Gesundheit und Sozialwesen (7571) besucht. Bei den Angeboten über 200 Stunden waren allerdings nur noch wenige Angebote aus dem IT- und Medienbereich (250) zu finden, die meisten Teilnahmen erfolgten im Bereich Gesundheit und Sozialwesen (3759), im gewerblich-technischen (2833) sowie im kaufmännisch-verwaltenden Bereich (2407). Es ist davon auszugehen, dass es sich hier häufig um gesetzlich geregelte Aufstiegsfortbildungen handelt, da bei diesen in der Regel mindestens 200 Stunden Präsenzzeit erforderlich sind.
18 der befragten Einrichtungen unterstützten auch beim Nachholen von Berufsabschlüssen, elf in Form von Umschulungen, zehn bereiteten auf eine Externenprüfung D vor (vergleiche Abschnitt 5.2) und acht boten abschlussorientierte Teilqualifizierungen (vergleiche Abschnitt 5.3) an.
Abb. G-7: Teilnahmen an Weiterbildungsangeboten von Bildungsdienstleistern in
Nürnberg im Bereich Vermittlung von berufsfachlichen Kompetenzen, 2017
Abb. G-7:
Anzahl Teilnahmen an Qualifizierungen in den Bereichen Teilnahmen an Weiter-
0 2 000 4 000 6 000 8 000 10 000 bildungsangeboten von
Bildungsdienstleistern in
| 2 833 | 7 111 | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 250 | 9 185 | |||||
| 9 185 | ||||||
| 3 812 | ||||||
| 3 759 | 3 812 | |||||
| 5 | ||||||
| 1 392 | 2 89 | 5 | ||||
| 07 353 | ||||||
| 24 | 07 | |||||
| 5 | ||||||
| 941 | 1 30 | 5 | ||||
| 470 | ||||||
| 55 |
Gewerblich-technisch
Nürnberg im Bereich Vermitt-
Medien/IT lung von berufsfachlichen
Kompetenzen, 2017
Gesundheit/Sozialwesen
Sonstige
Kaufmännisch-verwaltend
Bildung Anmerkung: Eingeschlossen
in die Auswertung sind 62
Transport/Verkehr/Logistik
Bildungsdienstleister.
155
100
Handel/Hotel/Gaststätten
Quelle: Bildungsbüro der
Stadt Nürnberg; Online-Be-
Teilnahmefälle mit Qualifizierungen über 200h Teilnahmefälle mit Qualifizierungen unter 200h fragung der Bildungsdienstleister in Nürnberg, 2018/19.
Netzwerke und Kooperationen
VQiueellele :B Biilldduunnggsbsüdroie dnesr tSlteaidstt eNrü rtnabuersgc;h Oennlin sei-cBhef rraegguenglm deärß Biigld uinn gNsdeietnzswtleeisrtkeer nin aNuürsn buenrgd, 2t0re18f/f1e9n. dabei oft auch Absprachen. So kommen beispielsweise die Sprachkursträger, die Integrationskurse anbieten, regelmäßig mit den Regionalkoordinatoren und -koordinatorinnen des BAunmnedrekusnagm: Etiengs esfcührlo sMsenig inra dtieio Anu swuenrdtu nFgl üsincdh t6l2i nBgildeu n(gBsAdieMnsFtl)e,i stdeer.n Migrationsberatungsstellen, der Arbeitsverwaltung sowie mit Vertretenden städtischer Dienststellen zusammen, um konkrete Verfahren abzustimmen. Allein elf der Befragten gaben an, in diesem Netzwerk vertreten zu sein. Zwölf waren Mitglied im Bildungsfairbund, einem Zusammenschluss regionaler Bildungsanbieter mit den Zielen Qualitätssicherung, regionale Entwicklung in der Weiterbildung, Öffentlichkeitsarbeit sowie Schaffung von Transparenz zu Bildungsangeboten.
Insgesamt nahm die Netzwerkarbeit einen höchst unterschiedlichen Stellenwert ein, je größer die Einrichtungen, desto aktiver war in der Regel der Austausch. Über 80% der Einrichtungen mit zehn oder mehr Mitarbeitenden waren in drei oder mehr Netzwerke eingebunden und 44,4% sogar in mehr als zehn. Über 62% der kleinen Einrichtungen mit weniger als zehn hauptamtlichen Beschäftigten waren dagegen in weniger als zwei Netzwerken vertreten, 31,3% verzichten sogar ganz auf Netzwerkarbeit.
Neben der mehr oder weniger intensiven Netzwerkarbeit spielen auf dem Weiterbildungsmarkt verbindliche Kooperationen eine immer wichtigere Rolle. So finden sich beispielsweise vermehrt Bietergemeinschaften im Bereich der geförderten Weiterbildung. Zusammenschlüsse von Bildungsdienstleistern untereinander, mit Hochschulen oder Unternehmen ermöglichen es, auch sehr spezifische Weiterbildungsanforderungen zu erfüllen. Fast ein Viertel (21) der antwortenden Nürnberger Einrichtungen arbeitete alleine, 27 Bildungsdienstleister hatten verbindliche Verträge miteinander geschlossen, neun mit Hochschulen, sechs mit Kommunen und neun mit weiteren Kooperationspartnern, zum Beispiel Unternehmen oder Verbänden.
Zielgruppen und Unterrichtsformen
Die Nürnberger Bildungsdienstleister der beruflichen Weiterbildung sprechen unterschiedliche Zielgruppen an. Von den 72 Einrichtungen, die dazu Auskunft gaben, stellten 46 Angebote für Fachkräfte, 35 für Akademikerinnen und Akademiker sowie 30 für Anund Ungelernte bereit. Dabei konnten die Teilnehmenden aller drei Zielgruppen aus einer breiten Palette an Unterrichtsformen auswählen, die meist berufsbegleitend angeboten wurden. So gab es die Möglichkeit, die Fort- und Weiterbildungen im Blockunterricht, als Voll- oder Teilzeitkurse sowie im Blended Learning Format zu besuchen, bei dem Präsenzphasen mit E-Learning kombiniert werden.
Bei fast der Hälfte der Einrichtungen (44,4%) war die Herkunft der Teilnehmerschaft gemischt, am häufigsten kamen sie dort aber aus Nürnberg oder dem Umland. Bei einem Viertel (24,4%) stammten die Teilnehmenden aus Nürnberg und 31,1% der Einrichtungen gaben an, dass hauptsächlich „Nicht-Nürnberger/-innen“ ihre Weiterbildungen in Anspruch nahmen, aber auch hier kamen die meisten aus der Region. Nur fünf Bildungsdienstleister rekrutierten ihre Teilnehmerschaft überwiegend aus dem restlichen Bayern und aus Gesamtdeutschland.
Angebote für Menschen mit Behinderung D
Im Jahr 2017 waren 9,4% der Bevölkerung in Deutschland schwerbehindert.6 Bei 88% der Personen war die Behinderungen durch eine Krankheit verursacht, nur bei einem Prozent durch einen Unfall oder eine Berufskrankheit. 39,8% der schwerbehinderten Personen waren zwischen 25 und 60 Jahren alt, also in einem Alter, in dem Weiterbildung eine wichtige Rolle spielt.7 Betrachtet man das Angebot der befragten Einrichtungen, fällt auf, dass sich in Nürnberg im Jahr 2017 nur vier Bildungsdienstleister explizit mit speziellen Angeboten an Menschen mit Behinderung gerichtet hatten. Bei 30 weiteren hatten Menschen mit Behinderung am allgemeinen Angebot teilgenommen. Sechs Einrichtungen hatten gezielt Werbeaktivitäten darauf ausgerichtet, Menschen mit Behinderung für eine Weiterbildungsteilnahme zu gewinnen.
Beratungsangebote
Die Nürnberger Einrichtungen leisten einen wichtigen Beitrag zur Bildungsberatung der Bürgerinnen und Bürger. So gaben 83,3% der Dienstleister an, mindestens eine Beratungs- und Unterstützungsleistung anzubieten. Von diesen nannten 86,7% die (Weiter-)Bildungsberatung als eine Form der Beratungs- und Unterstützungsleistung. 62,2% führten Kompetenzfeststellungen durch, 57,8% berieten zu Fördermöglichkeiten, 46,7% machten Lern-, 40,0% Einstufungs- und 33,3% Laufbahnberatung (Abb. G-8).
Die tatsächliche Arbeitszeit des hauptberuflichen pädagogischen Personals im Jahr 2017 für die Beratung- und Unterstützungsleistungen fiel dabei sehr unterschiedlich aus und reichte von einer Einrichtung, bei der die Beratungsleistung nur von Honorarkräften erbracht wurde bis zu einer Einrichtung, bei der 80% der Beratungen Hauptamtliche
Abb. G-8: Art der Beratungsstrukturen bei den Bildungsdienstleistern in Nürnberg, 2017
Abb. G-8:
Anzahl Bildungsdienstleister Beratungsleistungen der
0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 Bildungsdienstleister in
Nürnberg, 2017
| 39 | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| 2 | 8 | ||||
| 26 | |||||
| 21 | |||||
| 1 | 8 | ||||
| 15 | |||||
| 6 | |||||
| 6 | |||||
| 6 |
(Weiter-)Bildungsberatung
(in Einzel- und Gruppenform)
Kompetenzfeststellung
Beratung zu Fördermöglichkeiten
(z.B. Weiterbildungsstipendium,
Bildungsprämie)
Lernberatung
Einstufungsberatung
Laufbahnberatung
Anmerkung: Eingeschlossen
Schullaufbahnberatung in die Auswertung sind 54
Bildungsdienstleister.
Selbstlernzentrum
Quelle: Bildungsbüro der
Stadt Nürnberg; Online-Be-
Sonstiges
fragung der Bildungsdienst-
leister in Nürnberg, 2018/19.
Quelle: Bildungsbüro der Stadt Nürnberg; Online-Befragung der Bildungsdienstleister in Nürnberg, 2018/19. übernahmen. Bei der Hälfte der Bildungsdienstleister, deren hauptamtliche pädagogische Fachkräfte beratend tätig waren, wendete dieses Personal mindestens ein Fünftel Asnemineerkru nAgr: bEienigtesszcehliot ssfeünr inB deirea Atuusnwgerstluenigs tsuinndg 5e4 nBi laduunfg, sdbieeni setlienisetemr. Drittel der Einrichtungen zwischen 20 und 40 Prozent.
Zusammensetzung der Einnahmen und Entwicklungen
Für einen Einblick in die wirtschaftliche Situation der Bildungsdienstleister in Nürnberg wurde zunächst nach ihrer Finanzierungsstruktur gefragt, 49 gaben hierzu Auskunft. 21 Einrichtungen (42,9%) hatten sich auf offene Angebote, zum Beispiel für Selbstzahlende spezialisiert, 18 (36,7%) auf geförderte Angebote und sechs (12,2%) boten vor allem interne Weiterbildungen für Unternehmen an. Nur vier Bildungsdienstleister (8,2%) hatten mehrere Finanzierungsquellen.
Finanzielle Entwicklung
Die finanzielle Entwicklung der Einrichtungen war überwiegend positiv, bei den meisten sind die Einnahmen zwischen 2016 und 2017 gestiegen (40,0%) oder gleichgeblieben (42,5%). Nur sieben Einrichtungen (17,5%) gaben sinkende Einnahmen an. Betrachtet man die Einnahmenentwicklung im Zusammenhang mit der Finanzierungsstruktur, zeigt sich, dass insbesondere diejenigen Bildungsdienstleister, die sich durch die Zusammenarbeit mit Unternehmen sowie durch Kommunen, Bund, Länder oder EU geförderte Angebote finanzierten, eine Erhöhung der Einnahmen angaben. Rückläufige Einnahmen verzeichneten vor allem diejenigen, deren Umsatz sich überwiegend aus Förderungen der Agentur für Arbeit zusammensetzte.
Betrachtet man die Personal- in Abhängigkeit von der finanziellen Entwicklung, zeigt sich, dass insbesondere Einrichtungen, deren Angebote gefördert wurden, Personalstellen geschaffen haben. Dabei bauten Einrichtungen, die Deutsch als Fremdsprache unterrichten, häufiger hauptamtliche Stellen aus als andere.
Die Bildungsdienstleister wurden zudem um eine Einschätzung gebeten, wie sich ihre Einnahmen in den nächsten ein bis zwei Jahren entwickeln würden. Hier zeigten sich die betrieblich finanzierten Bildungsdienstleister eher optimistisch, diejenigen, die überwiegend durch die Arbeitsagentur oder die öffentliche Hand finanziert werden, schätzten dagegen ihre Geschäftsentwicklung etwas zurückhaltender ein. Dies liegt sicherlich auch daran, dass im Jahr 2017 die Fluchtzuwanderung bereits spürbar zurückgegangen war und die Einrichtungen in diesem Bereich weniger geförderte Maßnahmen erwarteten.
Zum Abschluss äußerten sich einige Bildungsanbieter in offenen Fragen zu positiven (33 Einrichtungen) und negativen (25 Einrichtungen) Entwicklungen. Es wurde insbesondere auf die verbesserte Förderlandschaft (ein Fünftel aller Antworten) sowie die Bildung von vertrauensvollen Kooperationen und die Etablierung neuer Angebotsformate (jeweils 12,5%) hingewiesen. 36,5% der Bildungsdienstleister kritisierten die Ausschreibungspraxis von öffentlichen Stellen, ein Drittel klagte über einen Rückgang der Teilnehmendenzahlen.
3. Geförderte Weiterbildung durch die
Bundesagentur für Arbeit
Berufliche Weiterbildung kann von den Teilnehmenden selbst, von Unternehmen oder durch Förderprogramme von Bund und Land finanziert werden. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) und das Jobcenter unterstützen mit der Förderung der beruflichen Weiterbildung (FbW) Arbeitslose und Arbeitsuchende sowie Beschäftigte, wenn sie von Arbeitslosigkeit bedroht sind oder keinen Berufsabschluss haben. Mit den Programmen IFlaS (Initiative zur Flankierung des Strukturwandels) und WeGebAU (Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter Älterer in Unternehmen) und der Qualifizierungsberatung des Arbeitgeberservice, insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen, sollte zudem der regionale Fachkräftebedarf gesichert werden. Das abschlussorientierte Sonderprogramm IFlaS, das Umschulungen, Teilqualifizierungen und Externenprüfungen, später auch Wiedereinsteiger/-innen und Berufsrückkehrer/-innen nach einer Erziehungs- oder Pflegezeit förderte, wurde zum 1.1.2018 eingestellt. Diese Maßnahmen werden seitdem als reguläre FbW des Dritten Sozialgesetzbuches (SGB III) angeboten. Seit dem 1. Januar 2019 gilt zudem das Gesetz zur Stärkung der Chancen für Qualifizierung und für mehr Schutz in der Arbeitslosenversicherung, das eine Erweiterung des Programms WeGebAU darstellt und die Weiterbildungsförderung von Beschäftigten und Arbeitsuchenden zum Ziel hat. Das Jobcenter Nürnberg plant hier vor allem ungelernte Personen mit spezifischen Maßnahmen dahingehend zu unterstützen, dass sie eine Qualifizierung erfolgreich bestehen, der Fokus soll auf dem Erwerb von Berufsabschlüssen
liegen.8 Aktuell wird bei der Arbeitsagentur Nürnberg zudem die „Lebensbegleitende Berufsberatung (LBB)“ etabliert, die digitale Angebote sowie Präsenzberatung entlang des gesamten Berufslebens macht – beginnend bei den Schülerinnen und Schülern in der Sekundarstufe I und durch das gesamte Erwerbsleben hindurch.
Förderung der beruflichen Weiterbildung durch Agentur für Arbeit und Jobcenter
Die arbeitsmarktpolitischen Instrumente zur Förderung der beruflichen Weiterbildung (FbW) unterstützen durch Anpassungsqualifizierungen oder durch Maßnahmen zum Nachholen von Berufsabschlüssen arbeitsuchende Personen dabei, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Die Weiterbildungsförderung orientiert sich an den Bedarfen des regionalen Arbeitsmarkts. Inhalte und Anzahl der Maßnahmen werden jährlich mit Arbeitsmarktexpertinnen und -experten vor Ort abgestimmt und in der Bildungszielplanung festgelegt. In Nürnberg lag der Schwerpunkt im Jahr 2019 auf den Bereichen Lager/Logistik, Pflege, Metall, digitale Kompetenzen sowie kaufmännische Anpassungsqualifizierungen. Die Grundlagen der Arbeitsagentur sind im Dritten Sozialgesetzbuch (SGB III – Arbeitsförderung), die des Jobcenters im Zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II – Grundsicherung für Arbeitsuchende) geregelt.
Die steigende Bedeutung der Weiterbildung zeigt sich in der stetigen Zunahme der Förderungen der beruflichen Weiterbildung bis zum leichten Rückgang im Jahr 2018 (Abb. G-9), obwohl die Anzahl der arbeitslosen Menschen in Nürnberg in den letzten Jahren stark rückläufig ist (2014: 21125 Personen; 2018: 15757)9. Der Anteil der geförderten Menschen mit Schwerbehinderung schwankte auf niedrigem Niveau. Insgesamt haben etwas mehr als zwölf Prozent aller in Nürnberg als arbeitslos gemeldeten Personen im JAabhbr. 2G0-91:9 E ienitnreit tFeb vWon b Jeosbuccehntt.e1r0kunden/-innen (SGB II) und Agenturkunden/-innen
(SGB III) in FbW-Maßnahmen (einschl. Reha-aMW „D“) in Nürnberg nach Schwerbehin-
dertenstatus, 2013 bis 2018
Abb. G-9:
Anzahl Eintritte Eintritte von Jobcenter-
kunden/-innen (SGB II) und
2 500 Agenturkunden/-innen
(SGB III) in FbW-Maßnahmen
(einschl. Reha-aMW D) in
2 000
Nürnberg nach Schwerbehin-
| 994 | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 885 | 842 | 889 | 963 | 21 | 1 027 24 | |
| 41 | 41 | 29 | 31 | 925 | 871 | |
| 577 34 | 529 39 | 599 28 | 618 24 | 32 | 29 |
dertenstatus, 2013 bis 2018
1 500
1 000
500 Quelle: Statistik der Bundes-
agentur für Arbeit; Tabellen,
Eintritte und Austritte von
Teilnehmenden in Maßnah-
2013 2014 2015 2016 2017 2018
men zur Förderung der be-
ruflichen Weiterbildung nach
ausgewählten Merkmalen,
SGB II Personen mit Schwerbehinderung SGB II Personen ohne Schwerbehinderung
Nürnberg, April 2019; Daten-
SGB III Personen mit Schwerbehinderung SGB III Personen ohne Schwerbehinderung stand: März 2019; eigene Darstellung. Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; Tabellen, Eintritte und Austritte von Teilnehmenden in Maßnahmen zur Förderung der beruflichen Weiterbildung nach ausgewählten Merkmalen, Nürnberg, April 2019; Datenstand: März 2019; eigene Darstellung.
Dabei besuchten Teilnehmende aus dem Jobcenter im Vergleich zu denjenigen, die bei der Agentur gemeldet sind, etwas häufiger längere FbW, die oft auch abschlussorientiert angelegt sind (Abb. G-10). So waren im Jahr 2018 21,7% der Teilnehmenden des Jobcenters in einer Weiterbildung, die zwischen sechs und zwölf Monate dauerte, bei der Agentur waren es 17,5%. Maßnahmen, die zwölf Monate und länger dauerten wurden Avobbn. 1G8-1,10:% Ei ndterirt tAe gveonnt Juor-b cuenndte vrkounn 2d0en,1/-%inn deenr ( SJoGbBc IeI)n utenrd- TAegilennethumrkeunnddeenn/ b-iensnuecnh t. (SGB III) in FbW-Maßnahmen in Nürnberg nach der geplanten Teilnahmedauer, 2014,
2016, 2018
Abb. G-10:
Eintritte von Jobcenterkun- Anzahl Eintritte
den/-innen (SGB II) und Agen-
| 524 | 560 | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 352 331 | ||||||
| 195 181 | 204 | 184 | ||||
| 143 94 | 137 153 | 119 | 132 |
turkunden/-innen (SGB III)
in FbW-Maßnahmen in 700
Nürnberg nach der geplanten
Teilnahmedauer, 2014, 2016, 600
Quelle: Statistik der Bundes-
agentur für Arbeit; Tabellen, 100
Eintritte und Austritte von
Teilnehmenden in Maßnah-
2014 2016 2018 2014 2016 2018
men zur Förderung der be-
ruflichen Weiterbildung nach
SGB II SGB III
ausgewählten Merkmalen,
Nürnberg, April 2019; Daten-
Unter 6 Monaten 6 bis unter 12 Monaten 12 Monate und mehr
stand: März 2019; eigene
Darstellung. Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; Tabellen, Eintritte und Austritte von Teilnehmenden in Maßnahmen zur Förderung der beruflichen Weiterbildung nach ausgewählten Merkmalen, Nürnberg, April 2019; Datenstand: MDäierz 2A0g19e; neitguern ef Düarr stAelrlubnegi.t nutzt für abschlussorientierte Maßnahmen insbesondere das Programm WeGebAU, das die Weiterbildung von geringqualifizierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und von Beschäftigten in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) finanziert. Geringqualifizierte können damit einen anerkannten Berufsabschluss beziehungsweise eine berufsanschlussfähige Teilqualifikation erwerben, Beschäftigte in KMU erhalten eine auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt anerkannte Anpassungsqualifizierung. Die Zahl der Teilnehmenden an Maßnahmen im Rahmen von WeGebAU nahm in den letzten Jahren kontinuierlich zu. Waren es im Jahr 2015 noch 58 Personen (2016: 62; 2017:102), wurden im Jahr 2018 bereits 199 Menschen über WeGebAU gefördert (Abb. G-11).
Insgesamt wurden im Jahr 2018 vom Jobcenter Nürnberg 249 abschlussorientierte Maßnahmen bewilligt, das sind 28% aller FbW. 130 der Maßnahmen entfielen auf Männer, 119 auf Frauen. Die häufigsten Bildungsziele waren Externenprüfungen D (siehe Abschnitt 5.2) zur/-m Kinderpfleger/-in in Vollzeit oder Teilzeit sowie Grundqualifizierungen zum Beispiel zur Hauspflegkraft oder zum/-r Betreuungsassistenten/-in. In den Segmenten Erziehung und Pflege, die einen großen Fachkräftebedarf haben, wurden 248 Förderungen bewilligt, von denen 66 zu einem Berufsabschluss führten.11
Abb. G-11: Eintritte von Agenturkunden/-innen (SGB III) in Maßnahmen zur Förderung der beruflichen Weiterbildung (einschließlich Reha-aMW "D") in Nürnberg, 2012 bis
Anzahl Eintritte 1 200 1 000 199 239 240 800 255 330 294 62 102 600 266 58 71 74 400 85 852 693 673 605 525 515 200 399 0 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 Sonstige FbW-Maßnahmen WeGebAU IFlaS
Abb. G-11:
Eintritte von Agenturkunden/
-innen (SGB III) in Maß-
nahmen zur Förderung der
beruflichen Weiterbildung
| 239 | 240 | 199 | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 266 | 330 | 294 | 255 | ||||
| 266 | 62 | 102 | |||||
| 58 | |||||||
| 71 | 74 | 852 | |||||
| 85 | |||||||
| 525 | 515 | 605 | 693 | 673 | |||
| 399 |
(einschließlich Reha-aMW D)
in Nürnberg, 2012 bis 2018
Anmerkung: 2018 wurden zudem noch wenige Maßnahmen über das ausgelaufene Sonderprogramm IFlaS gefördert, diese sind aus datenschutztechnischen Gründen (da nur drei oder weniger Teilnehmende) nicht in der Grafik enthalten.
Quelle: Statistik der Bundes-
agentur für Arbeit; Tabellen,
Eintritte und Austritte von
Teilnehmenden in Maßnah-
men zur Förderung der be-
ruflichen Weiterbildung nach
ausgewählten Merkmalen,
Nürnberg, April 2019; Daten-
stand: März 2019; eigene
Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; Tabellen, Eintritte und Austritte von Teilnehmenden in Maßnahmen Darstellung. zur Förderung der beruflichen Weiterbildung nach ausgewählten Merkmalen, Nürnberg, April 2019; Datenstand: Die Agentur für Arbeit Nürnberg finanzierte 249 Personen eine abschlussorientierte Qua- März 2019; eigene Darstellung. lifizierungsmaßnahme. Von diesen wurden 35 im Rahmen von berufsanschlussfähigen TAenimlqeurkaulnifigz: 2ie0r1u8 nwgurednen gzuedfeömr dneocrht .w eDniieg e FMöarßdneahrsmcehnw übeerrp duans akutseg elbauefie ndee Snon daebrpsrcohglruamssmo IrFileanS tierten gefördert, diese sind aus datenschutztechnischen Gründen (da nur drei oder weniger Teilnehmende) nicht in der QGruaafikli fienztihearlutenng. en la gen in d en Bereic hen Indu striemec hanik, M aschinen - und Anlagenführung, Fachlagerist/-in, Fachinformatik. In Vorbereitungskursen für die Externenprüfung zur Kinderpflegerin wurden 30 Personen gefördert und zum/zur Erzieher/Erzieherin neun. Die Umschulung zur Erzieherin wurde fünf Teilnehmerinnen finanziert.12
Arbeitsmarktintegration nach Maßnahmen von Agentur und Jobcenter
Ungefähr zwei Drittel der Arbeitslosen der Agentur fanden nach Beendigung einer geförderten Weiterbildungsmaßnahme eine sozialversicherungspflichtige Arbeitsstelle (Abb. G-12). Die Quoten erfolgreicher Eingliederungen schwankten in den letzten Jahren leicht, bei den Männern lagen diese im Durchschnitt bei 63,8%, bei den Frauen bei 64,4%. Nach den vom Jobcenter finanzierten Maßnahmen war die Eingliederung in den Arbeitsmarkt weniger erfolgreich, so fassten durchschnittlich 41,9% der Männer und 39,6% der Frauen nach einer Weiterbildung Fuß auf dem Arbeitsmarkt. Die Eingliederungsquote D ist im Rechtskreis des SGB II zwischen 2016 und 2017 bei beiden Geschlechtern deutlich gesunken (Abb. G-12). Der Hauptgrund dafür ist, dass viele Teilnehmende des Jobcenters Nürnberg zunächst eine vorbereitende Qualifizierungsmaßnahme besuchten, die hauptsächlich dem Erlernen der deutschen Sprache, der Berufsorientierung oder einer Auffrischung der Grundkompetenzen in Mathematik, EDV oder dem „Lernen lernen“ diente. Sie wurden nach dieser Maßnahme nicht in eine sozialversicherungspflichtige Arbeit vermittelt, sondern traten sodann die eigentliche Weiterbildung oder Umschulung an. Diese Vorbereitungsmaßnahmen nehmen beim Jobcenter stark
an Bedeutung zu und sollen eine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt gewährleisten. Die Daten zu Teilnehmenden mit Schwerbehinderung sind aufgrund niedriger AFbabll.z Gah-1le2n: E ninicghlite daeursusnaggseqkuroätfeting .nach sechs Monaten in Förderung der beruflichen
Weiterbildung (einschl. Reha-aMW "D") von Jobcenterkunden/-innen (SGB II) und
Agenturkunden/-innen (SGB III) in Nürnberg nach Geschlecht, 2012 bis 2017
Abb. G-12:
Eingliederungsquote (in %) 80 68,1 70 66,0 60 56,4 53,8 50 41,9 39,4 40 30 20 10 0 SGB insgesamt, SGB insgesamt, SGB III, SGB III, SGB II, SGB II, Frauen Männer Frauen Männer Frauen Männer 2012 2013 2014 2015 2016 2017
Eingliederungsquoten nach
sechs Monaten in Förderung
| 66,0 | 68,1 | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 53,8 | 56, | 4 | ||||
| 39, | 4 | 41, |
der beruflichen Weiterbil-
dung (einschl. Reha-aMW D)
von Jobcenterkunden/-innen
(SGB II) und Agenturkunden/
-innen (SGB III) in Nürnberg
nach Geschlecht, 2012 bis
Anmerkung: Die Eingliederungsquote D bezieht sich auf die Eingliederung in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.
Quelle: Statistik der Bundes-
agentur für Arbeit; Tabellen,
Eintritte und Austritte von
Teilnehmenden in Maß-
nahmen zur Förderung der
beruflichen Weiterbildung
nach ausgewählten Merk-
malen, Nürnberg, April 2017;
Datenstand bis einschließlich
2013: Juli 2015, Datenstand
Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit; Tabellen, Eintritte und Austritte von Teilnehmenden in Maßnahmen
ab 2014: März 2019; eigene
zur Förderung der beruflichen Weiterbildung nach ausgewählten Merkmalen, Nürnberg, April 2017; Datenstand bis Darstellung. e 4 ins . c hl F ieß o lic r h t 20 - 1 3 u : Ju n li 2 d 015 , W Date e ns i ta t n e d a r b b 201 i 4 l : d Mä u rz n 201 g 9; e eig n ene Darstellung.
AFnomret-rk uunngde nW: Deiei tEeinrgbliielddeurnunggesqnu oqtue a"Dlifi" zbieezrieehnt sEicrhw auefr bdiset Eäintigglieed neraucnhg iinh sroezria Blveerrsuicfhsearuunsgbspilfdlicuhntigge oder Baekscahdäfetimguinsgc.hen Erstausbildung. Die berufliche Weiterbildung stellt eine Fortsetzung oder Wiederaufnahme des Lernens nach Abschluss einer ersten Berufsphase oder nach einer Phase der Erwerbstätigkeit dar. Die berufliche Fortbildung setzt in der Regel eine abgeschlossene Berufsausbildung voraus und baut auf eine anschließend erworbene Berufspraxis auf. Sie soll die berufliche Handlungsfähigkeit erhalten und an die sich stetig ändernden Anforderungen anpassen (Anpassungsfortbildung) oder auf einen beruflichen Aufstieg vorbereiten (Aufstiegsfortbildung).
4.1 Aufstiegsfortbildungen an Fachschulen und Fachakademien
Fachschulen
Nach einer beruflichen Erstausbildung oder Berufstätigkeit führen Fachschulen zu einer beruflichen Höherqualifikation. Nach dem erfolgreichen Besuch einer mindestens einjährigen Fachschule mit staatlicher Abschlussprüfung erreicht man zudem den mittleren Schulabschluss. Außerdem können Absolventinnen und Absolventen von Fachschulen an einer Ergänzungsprüfung teilnehmen, um die Fachhochschulreife D oder bei sehr guten Leistungen die fachgebundene Hochschulreife D zu erlangen.13
In Nürnberg gab es im Schuljahr 2017/18 zehn Fachschulen im Fachbereich Technik und Meisterschulen, die in der Regel mit einer staatlichen Prüfung beziehungsweise einer Meisterprüfung abschließen. Neu etabliert wurden im Schuljahr 2016/17 zwei Fachschulen für Heilerziehungspflege durch Diakoneo (Zusammenschluss der Diakoniewerke Neuendettelsau und Schwäbisch Hall) und die Gemeinnützige Gesellschaft für soziale Dienste mbH (GGSD) sowie die Fachschule für Heilerziehungspflegehilfe (Diakoneo). Von den insgesamt zehn Fachschulen waren fünf in städtischer und drei in privater Trägerschaft. Besucht wurden diese von insgesamt 1072 Schülerinnen und Schülern. Auffällig ist der deutliche Rückgang der Schülerinnen und Schüler an den Technischen Fachschulen. Waren es an der Städtischen Rudolf-Diesel-Fachschule für Techniker im Schuljahr 2013/14 noch 491 Schülerinnen und Schüler, so besuchten diese im Schuljahr 2017/18 nur noch 392. An der Fachschule für Technik der Grundig-Akademie sank die Schülerzahl im selben Zeitraum von 750 auf 488 (Abb. G-13). Hier zeigt sich deutlich die Konkurrenz der Hochschulen, die immer mehr Fort- und Weiterbildungsangebote für Abb. G-13: Schülerinnen und Schüler an Fachschulen in Nürnberg nach Schulen, Berufstätige bereitstellen (vergleiche dazu Kapitel F).
Schuljahre 2009/10, 2011/12, 2013/14, 2015/16 und 2017/18
Abb. G-13:
Anzahl Schüler/-innen Schülerinnen und Schüler
900 an Fachschulen in Nürnberg
nach Schulen, Schuljahre
2009/10, 2011/12, 2013/14,
| 519 | |
|---|---|
| 392 |
700 2015/16, 2017/18
Städtische Fachschule Fachschule Fachschule Städtische Städtische Städtische Fachschule Städtische Fachschule Fachschule für Heil- für Heil- für Heil- Fachschule Meister- Meister- für Umwelt- Rudolf- für Technik für Druck- erziehungs- erziehungs- erziehungs- für schule schule für schutz-, Diesel- (Grundigund pflegehilfe pflege pflege Bekleidungs- für das das Galvano- Fachschule Akademie)
Medien- (Diakonie) (Diakonie) (GGSD) technik Sanitär- Maler- und und für
technik Installateur- Lackierer- Biotechnik Techniker Quelle: Amt für Stadtfor-
Handwerk Handwerk
schung und Statistik für
2009/10 2011/12 2013/14 2015/16 2017/18 Nürnberg und Fürth; Schul-
statistik. Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Schulstatistik.
Fachakademien
Bundesweit einmalig ist das Angebot schulischer Fortbildungen durch Fachakademien (FAK) in Bayern. Voraussetzung für die Aufnahme ist eine berufliche Vorbildung und ein mittlerer Schulabschluss. Fachakademien bereiten auf den Eintritt in eine gehobene Berufslaufbahn in verschiedenen Ausbildungsrichtungen vor. Absolventinnen und Absolventen können an einer Ergänzungsprüfung teilnehmen, die zum Studium an einer Fachhochschule berechtigt. Mit der Gesamtnote „sehr gut“ erwirbt man zudem die
fachgebundene Hochschulreife D, die den Besuch bestimmter Studiengänge an Universitäten ermöglicht.14
In Nürnberg boten 2017/18 sechs Fachakademien schulische Fortbildungen in verschieden Bereichen an. Neben drei Fachakademien für Sozialpädagogik – der städtischen Fachakademie für Sozialpädagogik, der Fachakademie für Sozialpädagogik Nürnberg der Evangelischen Schulstiftung und der Fachakademie für Sozialpädagogik der GGSD – gab es drei Fachakademien anderer Ausrichtung: die städtische Fachakademie für Ernährungs- und Versorgungsmanagement, die städtische Fachakademie für Wirtschaft und
Abb. G-14: Schülerinnen und Schüler an Fachakademien in Nürnberg, Schuljahre
die Fachakademie für Wirtschaft der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA).
2007/08 bis 2017/18
Abb. G-14:
Anzahl Schüler/-innen
Schülerinnen und Schüler an
Fachakademien in Nürnberg, 350
Schuljahre 2007/08 bis
2017/18 300
150 146
90 91
66 75
50 55 59
2007/08 2008/09 2009/10 2010/11 2011/12 2012/13 2013/14 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 Städtische Fachakademie für Sozialpädagogik Städt. Fachakademie für Wirtschaft Nürnberg
Nürnberg Fachakademie für Sozialpädagogik (Gesellschaft
Quelle: Amt für Stadtfor-
Evangelische Fachakademie für Sozialpädagogik für soziale Dienste)
schung und Statistik für
Fachakademie für Wirtschaft der Städtische Fachakademie für Ernährung und
Nürnberg und Fürth; Schul-
Deutschen Angestellten-Akademie Versorgungsmanagement Nürnberg
statistik. Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Schulstatistik.
Insgesamt wurden im Schuljahr 2017/18 in Nürnberg 694 Schülerinnen und Schüler in Fachakademien fortgebildet (Abb. G-14). Während die Schülerzahlen der Akademien für Wirtschaft und für Versorgungsmanagement abnahmen, haben die Fachakademien für Sozialpädagogik der Stadt und der GGSD in den letzten Jahren ihre Schulplätze deutlich ausgebaut, um dem großen Bedarf an Erzieherinnen und Erziehern nachzukommen.
Modellversuch OptiPrax
Beide Akademien beteiligten sich zudem an dem vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus geförderten Modellversuch „Erzieherausbildung mit optimierten Praxisphasen“ (OptiPrax). OptiPrax ist eine vergütete und auf drei Jahre verkürzte Ausbildung zur Erzieherin und zum Erzieher, die in verschiedenen Varianten angeboten wird.
Voraussetzungen sind entweder ein guter mittlerer Schulabschluss und ein einjähriger Vorkurs oder eine abgeschlossene Kinderpflegeausbildung (Variante 1), ein (Fach-)Abitur sowie ein Nachweis über eine sechswöchige praktische Tätigkeit in einer sozialpädagogischen Einrichtung (Variante 2) oder eine fachfremde Berufsausbildung (Variante 3).
An der städtischen Fachakademie für Sozialpädagogik starteten seit dem Schuljahr 2016/17 40 Frauen und acht Männer in der Variante 1 sowie 47 Frauen und 14 Männer in der Variante 3. Kooperationspartner/-innen sind die Städte Nürnberg und Erlangen, Pari Kita (Der Paritätische), der Markt Schnaittach, Diakoneo, Johanniter Nürnberg, Caritas Kinder- und Jugendhaus Stapf, Kinder- und Jugendhilfezentrum Fürth, Evangelische Kirchengemeinde Kalchreuth, Arbeiterwohlfahrt Roth-Schwabach und der Markt Buttenheim. Dabei bewerben sich die Schülerinnen und Schüler wie bei einer dualen Ausbildung bei der jeweiligen Einrichtung, die dann mit der Fachakademie kooperiert. Das Modell trägt zur Personalgewinnung und -bindung bei, in der Abschlussklasse der Variante 3 hatte im Juli 2019 bereits die Hälfte der Schülerinnen und Schüler eine Übernahmezusage. Bei der GGSD starteten in der Variante 2 seit dem Schuljahr 2016/17 55 Schülerinnen und 16 Schüler. Kooperationspartner/-innen waren unter anderen die AWO Kreisverbände, die Gemeinnützige Paritätische Kindertagesbetreuung GmbH Nordbayern, ekin – evangelische Kindertagesstätten gGmbH Nürnberg sowie der Humanistische Verband Deutschlands.
4.2 Aufstiegsfortbildungen bei den Kammern
Berufliche Aufstiegsfortbildungen gelten als wichtige Grundlage für ein berufliches Fortkommen und sind bei Unternehmen insbesondere wegen ihrer hohen Praxisrelevanz gefragt. Die bekanntesten Fortbildungsabschlüsse sind „Meister/-in“ und „Fachwirt/-in“. Aufstiegsfortbildungen für Berufe des dualen Systems sind nach § 53 Berufsbildungsgesetz und § 42 Handwerksordnung geregelt.
Meister- und Fortbildungsprüfungen bei der Handwerkskammer für Mittelfranken
Wer die Meisterprüfung in einem zulassungspflichtigen Handwerk D ablegen will, muss eine bestandene Gesellenprüfung oder eine mehrjährige Berufspraxis im entsprechenden oder einem verwandten Handwerk nachweisen. Daneben können Meisterprüfungen in nicht mehr zulassungspflichtigen Handwerksberufen abgelegt werden.
Die stetige Abnahme der erfolgreichen Teilnahmen an Meisterprüfungen bei der Handwerkskammer für Mittelfranken ist vorerst gebremst: Konnten im Jahr 2017 noch 341 bestandene Prüfungen verzeichnet werden, so gab es bis 2018 eine Zunahme um 22 erfolgreiche Meisterprüfungen (Abb. G-15). Auch die Zahl der erfolgreichen Fort- und Weiterbildungen bei der Handwerkskammer für Mittelfranken nahm nach jahrelangem Rückgang im letzten Jahr deutlich zu. Waren es im Jahr 2017 lediglich 82 erfolgreiche Absolventinnen und Absolventen, bestanden im Jahr 2018 108 Personen ihre Fort- oder Weiterbildungsprüfung.
Abb. G-15: Erfolgreich bestandene Fort- und Weiterbildungsprüfungen sowie erfolgre-
ich bestandene Meisterprüfungen bei der Handwerkskammer für Mittelfranken, 2006
bis 2018
Abb. G-15:
Erfolgreich bestandene Anzahl bestandener Prüfungen
Fort- und Weiterbildungs- 500
prüfungen sowie erfolgreich 450 418 430
bestandene Meisterprüfun- 395 405 406 396 388
gen bei der Handwerkskam- 400 371 375 361 375 363
mer für Mittelfranken, 2006 350
bis 2018
250 212
184 197 176 190
200 61
161
150 102 94 108
2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Quelle: Handwerkskammer
Erfolgreich bestandene Meisterprüfungen Erfolgreich bestandene Fort- und Weiterbildungsprüfungen für Mittelfranken.
Quelle: Handwerkskammer für Mittelfranken.
Fortbildungsprüfungen der höherqualifizierenden Berufsbildung bei der IHK
Nürnberg für Mittelfranken
Bei der IHK Nürnberg für Mittelfranken ist die Anzahl der Teilnehmenden an Meisterprüfungen sowie an Fachkraftprüfungen in den letzten beiden Jahren gesunken, bestanden haben etwa 90% aller Teilnehmenden (Fachkraft 95,2%, Fachmeister/-in 89,8%, Industriemeister/-in 92,7%)15. Bei den Betriebswirten/-innen schwankte die Teilnahme Abb. G-16: Teilnehmende an Prüfungen der beruflichen Fortbildung der IHK Nürnberg auf hohem Niveau, im Jahr 2018 haben 405 Personen an der Prüfung teilgenommen, al-
für Mittelfranken, 2007 bis 2018
Abb. G-16:
Teilnehmende an Prüfungen Anzahl Teilnehmende
der beruflichen Fortbildung 2 000
der IHK Nürnberg für Mittel-
franken, 2007 bis 2018 1 800
1 600
1 520
1 400
1 053
1 200
1 000
400 379 405
328 315
200 202
221 167
86 73
2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Quelle: IHK Nürnberg für Fachkaufmann/-frau Fachwirt/-in Fachkraft
Mittelfranken, Fachbereich Betriebswirt/-in Industriemeister/-in Fachmeister/-in
Weiterbildung.
Quelle: IHK Nürnberg für Mittelfranken, Fachbereich Weiterbildung.
lerdings hat von ihnen lediglich etwas über die Hälfte (54,7%) bestanden.16 Die meisten Teilnehmenden (1520) waren nach wie vor bei den Fachwirten/-innen zu verzeichnen, die Anzahl der Prüfungen sank aber zwischen 2017 und 2018 um 13,2% (Abb. G-16). Hier haben 60,1% der Teilnehmenden die Prüfung bestanden.17
5. Nachholen und Anerkennung von
Berufsabschlüssen
Auf dem deutschen Arbeitsmarkt haben formale Berufsabschlüsse eine sehr hohe Bedeutung. Personen ohne Berufsausbildung oder -abschluss sind in Deutschland in besonderer Weise von prekärer Beschäftigung oder Arbeitslosigkeit betroffen.18 Auch wenn diese heute häufiger an Weiterbildungen teilnehmen als früher, so nutzen sie Angebote noch immer weniger oft als andere Qualifikationsgruppen.19 Andererseits birgt gerade die Gruppe derjenigen, die zwar keine formale Qualifikation besitzen, aber oft über erhebliches Praxiswissen verfügen, ein großes Potenzial, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Dazu gehören auch Erwerbsfähige, die einen Abschluss im Ausland erworben haben, der in Deutschland nicht anerkannt wird. Es gibt verschiedene Wege, als Erwachsener einen Berufsabschluss zu erwerben: Umschulungen, Nachqualifizierungen oder abschlussorientierte Teilqualifizierungen. Für Personen, die einen Abschluss im Ausland erworben haben, der in Deutschland nicht als gleichwertig anerkannt ist, gibt es zudem die Möglichkeit, fehlende Kompetenzen in Anpassungsqualifizierungen nachzuholen.
5.1 Umschulungen
Die berufliche Umschulung soll nach Berufsbildungsgesetz und Handwerksordnung zu einer beruflichen Neuorientierung führen. Eine vorherige Berufsausbildung wird nicht vorausgesetzt, die Umschüler/-innen können auch als Ungelernte gearbeitet haben. Eine abschließende Umschulungsprüfung dient dem Nachweis der erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten. Eine Umschulung kann durch die Agentur für Arbeit mittels Bildungsgutschein gefördert werden, wenn dadurch drohende Arbeitslosigkeit vermieden oder die Chancen auf Arbeitsmarktintegration verbessert werden kann. Voraussetzung ist eine bereits abgeschlossene Berufsausbildung oder Berufserfahrung von etwa drei Jahren.
Umschulungsverhältnisse bei der Handwerkskammer für Mittelfranken
Bei der Handwerkskammer für Mittelfranken stieg die Anzahl der Umschulungen kontinuierlich von 45 im Jahr 2011 bis 99 im Jahr 2014; seit 2016 nahm sie jedoch stetig ab (Abb. G-17). Expertinnen und Experten erklären dies mit der derzeit guten Konjunktur im Handwerk, in der auch An- und Ungelernte am Arbeitsmarkt dringend gebraucht werden und demnach nicht für Umschulungen zur Verfügung stehen.
Abb. G-17: Umschulungsverhältnisse bei der Handwerkskammer für Mittelfranken, 2009
bis 2018
Abb. G-17:
Umschulungen bei der Hand- Anzahl Umschulungen
werkskammer für Mittelfran- 120
ken, 2009 bis 2018
| 80 | |
|---|---|
| 5 | 5 |
80 0 74
Quelle: Handwerkskammer 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
für Mittelfranken.
Quelle: Handwerkskammer für Mittelfranken.
Umschulungen bei der IHK Nürnberg für Mittelfranken
Bei den IHK-Berufen in Mittelfranken waren im kaufmännischen Bereich zunächst Schwankungen zu beobachten, seit 2014 nahm die Anzahl der Umschulungen stetig ab. Hier förderte die Arbeitsagentur nicht mehr gezielt, da auf dem Arbeitsmarkt in diesem Sektor kaum mehr Fachkräfte nachgefragt werden. Bei den technischen Berufen hingegen erhöhte sich die Zahl der Umschulungen kontinuierlich von 2009 bis 2017, sank aber im Jahr 2018 um 7,5% (36 Umschulungen). Mittlerweile entscheiden sich Agenturkundinnen und -kunden bei technischen Berufen immer öfter für abschlussorientierte Teilqualifizierungen statt für Umschulungen, insbesondere in den Bereichen Metall und Elektro (siehe Abschnitt 5.3).20 Insgesamt nahmen im Jahr 2018 in Mittelfranken 773
Abb. G-18: Umschülerinnen und Umschüler in IHK-Berufen in Mittelfranken nach
Personen an Umschulungen in IHK-Berufen teil (Abb. G-18).
technischen und kaufmännischen Berufen, 2009 bis 2018
Abb. G-18:
Umschulungen bei der IHK Anzahl Umschulungen
N na ü c r h n b t e e r c g h n f i ü s r c h M e i n tt u e n lf d ra k n a k u e f n - 900 843 810 861 795 828 856
742 71
männischen Berufen, 2009 6 773
bis 2018 700
500 451 460 439 482
396 373 402 446
400 393
300 266 327 346 343 359 401 393 389 374 327
2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Quelle: IHK Nürnberg für
Technisch Kaufmännisch Gesamt
Mittelfranken. Quelle: Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken.
5.2 Nachqualifizierung
An- und ungelernte Erwachsene, die über keinen oder keinen anerkannten Berufsabschluss verfügen, aber Praxiserfahrungen in einem Beruf gesammelt haben, können mit einer Externenprüfung D die formale Facharbeiterqualifikation erwerben. Oft sind es auch Erwachsene, die ihren erlernten Beruf nicht mehr ausüben können oder eine Ausbildung abgebrochen haben. Für bundesrechtlich geregelte Berufe ist die Zulassung zur Externenprüfung im Berufsbildungsgesetz (BBiG) § 45 (2) und in der Handwerksordnung (HwO) § 37 (2) geregelt. Über die Prüfungszulassung entscheidet die zuständige Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer beziehungsweise der jeweilige Prüfungsausschuss. Zur Vorbereitung auf eine Externenprüfung bieten Bildungsdienstleister aufbauend auf die bisherigen beruflichen Tätigkeiten spezielle Nachqualifizierungen an, die sowohl in Praxis als auch Theorie fehlende berufliche Handlungskompetenzen ergänzen. Auch abschlussorientierte Teilqualifizierungen (siehe Abschnitt 5.3) bereiten in der Summe auf eine externe Prüfung vor.
Externenprüfungen bei der IHK Nürnberg für Mittelfranken
Bei der IHK Nürnberg für Mittelfranken nehmen entsprechend der üblichen Aufteilung zwischen kaufmännischen und technischen Auszubildenden deutlich mehr Personen an Externenprüfungen in kaufmännischen Berufen teil als in technischen Berufen. Allerdings nahmen die Prüfungszahlen in den letzten Jahren im technischen Bereich stark zu, im kaufmännischen Bereich dagegen ab. So traten im Jahr 2018 438 Personen zur Prüfung in einem kaufmännischen Beruf und 259 in einem technischen Beruf an (Abb. G-19). Der starke Anstieg bei den technischen Berufen ist ein deutliches Zeichen, dass IHK und Agentur für Arbeit immer stärker auf abschlussorientierte Maßnahmen setzen. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass vermehrt Teilnehmende von TeilqualifizierAubnbg.e Gn- 1(9v:e Tregilleniechhme eAribnnscehnn uitntd 5Te.3il)n enhamche r earnf oElxgtreerincehnepmrü fAubnsgoelnv iienr eIHnK d-Beerr uvfeerns cinh iedenen
Mittelfranken nach technischen und kaufmännischen Berufen, 2008 bis 2018
Abb. G-19:
Anzahl Prüfungsteilnehmer/-innen Teilnehmerinnen und Teilneh-
mer an Externenprüfungen in
599 IHK-Berufen in Mittelfranken
600 nach technischen und kauf-
451 452 447 451 4 341
männischen Berufen, 2008
509 491
500 01 442 438 bis 2018
300 259
200 183 148 191 129 139
153 123 118 98
2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Kaufmännische Berufe Technische Berufe Quelle: IHK Nürnberg für
Mittelfranken.
Quelle: Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken.
Module eine externe Prüfung ablegen. In den letzten Jahren ist die Nachfrage aus den Betrieben nach Qualifizierung an- und ungelernter Beschäftigter gestiegen. Nach- und Teilqualifizierungen finden insbesondere in den technischen Berufen Maschinenanlagenführer/-in und Fachkraft für Metalltechnik statt und werden von der Arbeitsagentur häufig über das Förderprogramm WeGebAU finanziert.21 Die Handwerkskammer für Mittelfranken vermerkt die Zahlen zu den Externenprüfungen nicht.
5.3 Teilqualifizierungen
Für Personen, die es nicht mehr gewohnt sind, sich mit fachtheoretischen Fragen auseinanderzusetzen und/oder ohne Abschluss beziehungsweise mit Abschluss fachfremd beschäftigt sind, sowie für Menschen, die neu in Deutschland sind und noch Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben, stellt die Teilnahme an einer Externenprüfung D eine große Hürde dar. Deswegen setzten Industrie- und Handelskammer sowie die Arbeitsverwaltung in den letzten Jahren verstärkt auf Teilqualifizierungen. Diese stellen Qualifizierungseinheiten aus einem Berufsbild dar, die einzeln zertifizierbar und auf dem Arbeitsmarkt verwertbar sind. Durch ihre Aufsummierung kann gegebenenfalls die Zulassung zur Externenprüfung erreicht werden und bei Bestehen ein vollwertiger Berufsabschluss. Teilqualifizierungen werden in der Regel von Jobcenter oder Arbeitsagentur mittels Bildungsgutscheinen finanziert. Im Jahr 2018 bewilligte das Jobcenter 40 Teilqualifizierungen,22 die Agentur 35.23 Die IHK Nürnberg für Mittelfranken unterstützt seit langem insbesondere Teilqualifizierungen zum/-r Maschinen- und Anlagenführer/-in sowie Industriemechaniker/-in, aktuell auch zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit. Allerdings zeigte die IHK-Onlineumfrage zur Aus- und Weiterbildung im Jahr 2019, dass dennoch 59% der befragten Unternehmen Teilqualifikationen als Möglichkeit zum nachträglichen Erwerb eines Berufsabschlusses nicht kennen.24
Beispielhaft soll hier auf die Teilqualifizierungen des Bildungsträgers co-check GmbH eingegangen werden. In der „Teilqualifizierung zum/-r Industriemechaniker/-in inklusive fachspezifische Deutschkenntnisse“ durchlaufen die Teilnehmenden die ersten beiden Bausteine der Ausbildung zum/-r Industriemechaniker/-in. Zielgruppe sind Geflüchtete und Migranten/-innen, die älter als 24 Jahre sind und mindestens ein B1-Sprachniveau vorweisen. Die Teilnehmenden lernen die Unternehmenskultur in einem Betrieb kennen, erlernen fachspezifische Deutschkenntnisse und erarbeiten die Grundlagen des Berufsbildes. Das Erlernte vertiefen sie anschließend in Praxisphasen in einem Unternehmen. Bei erfolgreichem Abschluss der zehnmonatigen Vollzeitmaßnahme erhalten die Teilnehmenden ein IHK-Zertifikat, ein Deutsch-B2-Zertifikat, ein Trägerzertifikat sowie ein Praktikumszeugnis. Seit dem Start des Pilotkurses im Juni 2017 haben bei co-check 84 Teilnehmende die Maßnahme begonnen, von denen sich im Juli 2019 noch 20 in einer Qualifizierung befanden. Die Teilnehmenden kamen aus Syrien (30), der ehemaligen Sowjetunion (12), aus dem Iran (12), verschiedenen afrikanischen Ländern (10), dem Irak (8), der Türkei (5) sowie verschiedenen europäischen Ländern (7). Von 44 Absolventinnen
und Absolventen25 konnten 40 im Anschluss an die Teilqualifizierung über (verkürzte) Ausbildung, Direktanstellung oder Arbeitnehmerüberlassung in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden. Zwei Teilnehmer aus dem Pilotkurs (Start 2.5.2017) haben im Sommer 2019 ihren Facharbeiterbrief erhalten.26
5.4 Anpassungsqualifizierung zur Berufsanerkennung
Mit dem Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen (BQFG) – kurz Anerkennungsgesetz – können Personen seit 2012 mit einem im Ausland erworbenen Berufsabschluss prüfen lassen, ob und inwieweit dieser einem vergleichbaren deutschen Abschluss entspricht. Dies erleichtert Unternehmen die Einschätzung der ausländischen Berufsqualifikation und erhöht für Zugewanderte die Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Seit 2013 gilt zudem das „Bayerische Gesetz über die Feststellung der Gleichwertigkeit ausländischer Berufsqualifikationen (BayBQFG)“, das eine Anerkennung einzelner landesrechtlich geregelter Berufe, zum Beispiel im sozialpflegerischen und sozialpädagogischen Bereich, regelt.
Anerkennung von Handwerksberufen
Die Handwerkskammer für Mittelfranken als zuständige Stelle für die Anerkennung von Handwerksberufen in Mittelfranken hat seit Inkrafttreten des Gesetzes bis zum 31.12.2018 insgesamt 257 Anträge erhalten und 57 volle Gleichwertigkeiten sowie 50 Teilanerkennungen ausgesprochen. Die häufigsten Referenzqualifikationen waren die Berufe Elektroniker/-in, Kfz-Mechatroniker/-in und Friseur/-in. In den letzten beiden Jahren stammte die Mehrheit der Antragstellenden aus Syrien (21), Rumänien (17), Kroatien (6) und Ungarn (3).27
Anerkennung von IHK-Berufen
Im Gegensatz zur dezentralen, regional gegliederten Organisation bei der Anerkennung von Handwerksberufen prüft eine zentrale Stelle, die IHK FOSA (Foreign Skills Approval) mit Sitz in Nürnberg, ausländische Berufsabschlüsse aus Industrie und Handel.
Seit dem Inkrafttreten des Anerkennungsgesetzes im April 2012 bis heute stellten 647 Personen (davon 97 im Jahr 2018) mit Wohnsitz in Nürnberg einen Antrag auf Gleichwertigkeitsfeststellung ihres im Ausland erworbenen Berufsabschlusses bei der IHK FOSA. Sie erteilte 298 Bescheide (2018: 42) über eine volle und 188 Bescheide (2018: 54) über eine teilweise Gleichwertigkeit. Die wichtigsten Berufsgruppen waren die Elektronik-Berufe und die kaufmännischen Berufe vor den Metallberufen.
6. Literalisierung und Deutschspracherwerb
6.1 Grundbildung
Alphabetisierung und Grundbildung sind elementare Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben und gesellschaftliche Teilhabe. Nach der aktuellen Studie „LEO 2018
- Leben mit geringer Literalität“ sind deutschlandweit 12,1% der Deutsch sprechen-
den Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren gering literalisiert. Das bedeutet, dass sie in der Regel zwar Buchstaben, Wörter und einzelne Sätze lesen und schreiben können, jedoch Schwierigkeiten haben, einen längeren zusammenhängenden Text zu verstehen. Die LEO-Studie macht dabei keine Unterscheidung, ob es sich um Personen handelt, die Deutsch als Zweitsprache erlernt haben oder um Muttersprachler/-innen. Überträgt man diese Ergebnisse auf Nürnberg, wären hier fast 65000 Personen gering literalisiert. Die Weiterbildungsquote gering literalisierter Erwachsener ist laut der Studie wesentlich geringer als die anderer Personen.28 Daher gilt es, durch Angebote zur Alphabetisierung nicht nur die soziale Integration der Betroffenen zu erreichen, sondern auch die Voraussetzungen zu schaffen, dass sie gleichberechtigt an weiterbildenden Maßnahmen für ein berufliches Fortkommen teilnehmen können.
In Nürnberg engagieren sich insbesondere das Bildungszentrum im Bildungscampus und die städtische Tochtergesellschaft Noris-Arbeit gGmbH für Alphabetisierung und Grundbildung.
Alphawerkstätten im Bildungszentrum
Das Bildungszentrum bietet seit dem Jahr 2007 sogenannte Alphawerkstätten zum Erlernen von Lesen, Schreiben und Rechnen an. Die Werkstätten sind gefördert durch das Programm „Alpha+ besser lesen und schreiben“ des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus. Sie dauern je nach individuellem Bedarf der Lernenden 100, 150 oder 200 Unterrichtsstunden und kosten unabhängig von der Dauer 25 Euro. Es gibt keine Ermäßigung, aber die Kosten werden zum Großteil von Jobcentern und anderen Organisationen (zum Beispiel privaten Spendern/-innen oder kirchlichen Trägern) übernommen. Besonders Lerninteressierte können zudem kostenlos im Lernzentrum des Bildungszentrums allein oder mit Unterstützung eines Lerncoachs weiter üben und das Gelernte verfestigen. Bis 2016 gab es zusätzlich Deutschwerkstätten für Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die nicht alphabetisiert waren und noch keine Deutschkenntnisse hatten. Diese besuchen seither reguläre Alphabetisierungskurse für Deutsch als Fremdsprache, für den Besuch der Alphawerkstätten werden B1-Sprachkenntnisse vorausgesetzt.
Im Jahr 2018 besuchten 336 Personen Alphawerkstätten am Bildungszentrum, das waren etwas weniger als noch im Jahr zuvor, jedoch ein Drittel mehr als 2016, als es noch die Deutschwerkstätten gab (Tab. G-1). Im Jahr 2017 waren mit 56,4% über die Hälfte Frauen, im Jahr 2018 mit 67,8% über zwei Drittel Männer. Die hohe Anzahl an männlichen Teilnehmern ist darauf zurückzuführen, dass fünf Kurse in der Justizvollzugsanstalt
Tab. G-1:
| Teilnahmen | Unterrichtseinheiten | Veranstaltungen | |
|---|---|---|---|
| 2016 | 233 | 1954 | 18 |
| 2017 | 353 | 3883 | 29 |
| 2018 | 336 | 3081 | 28 |
Teilnahmen, Unterrichtsein-
heiten und Veranstaltungen
(Alphawerkstätten) zur Al-
phabetisierung am Bildungs-
zentrum im Bildungscampus
Nürnberg, 2016 bis 2018
Quelle: Stadt Nürnberg, Bil-
durchgeführt wurden.29 Im Jahr 2018 wurden die Werkstätten von 78 Deutschen, 51 dungszentrum im Bildungscampus Nürnberg. EU-Bürgern/-innen, 63 anerkannten Asylbewerbern/-innen, 20 nicht anerkannten Asylbewerbern/-innen und zehn Personen aus dem Familiennachzug besucht.
Grundbildung bei der Noris-Arbeit (NOA) gGmbh
Die Noris-Arbeit30 führte im Jahr 2018 im Rahmen von „Alpha Asyl“, gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration (StMAS), sechs Grundbildungskurse mit 300 Unterrichtseinheiten (UE) sowie vier Kurse mit 200 UE durch. Dort wurde entsprechend des ermittelten Alpha Levels an der Verbesserung der Lese- und Schreibkompetenz gearbeitet. Die Kurse schlossen mit einer Lernstandbeobachtung ab, die Teilnehmenden erhielten eine Bescheinigung über ihre Kenntnisse. Im Jahr 2018 nahmen 155 Personen teil, 93 (60,0%) waren Männer. Ein Großteil der Teilnehmenden stammte aus Äthiopien (81,3%), die meisten (58,7%) waren unter 30 Jahre, fast ein Drittel (27,1%) zwischen 30 und 40 Jahre alt. Über die Hälfte (85 Personen) waren bereits länger als seit 2016 in Deutschland, das heißt sie konnten teilweise bereits Deutsch sprechen, waren aber nicht alphabetisiert.
Daneben nahmen seit 2016 30 Personen, die in Arbeitsgelegenheiten (AGH) tätig waren, an zwölf Unterrichtseinheiten pro Woche an der Maßnahme „Sprache und Arbeit für Migranten“ (SAM) teil, in der arbeitsweltbezogene Grundbildung und Basiskompetenzen für Teilnehmende mit Deutsch als Zweitsprache im Fokus standen. Darauf aufbauend wurde im Jahr 2019 die Maßnahme „Erfolgreiches Lernen von Basiskompetenzen für den Arbeitsplatz“ (ELBA) entwickelt, in der die Teilnehmenden individuell über ein halbes Jahr in wöchentlich zwölf Unterrichtseinheiten begleitet werden.
Im Februar 2019 startete die Noris-Arbeit zudem das Projekt „Lernangebote für Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte“ (LeMi), das sehr niederschwellig angelegt ist und in dessen Rahmen unter anderem Kompetenzfeststellung und Grundbildung angeboten werden. Bei tiefergehendem Grundbildungsbedarf und Interesse werden die Teilnehmenden des Projekts in Alphakurse oder in ELBA weitergeleitet. Die Teilnehmerschaft von LeMi nimmt seit Beginn der Maßnahme stetig zu. Kamen im März 2019 durchschnittlich 16 Personen pro Tag in die offenen Angebote des Projekts, waren es im April knapp 24 und im Juni bereits 37 Personen. Dabei stammten die Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsnationen, bei Abfragen in der letzten Juniwoche 2019 hatte ein Großteil syrische oder irakische Wurzeln.31
6.2 Deutschspracherwerb von Neuzugewanderten
Integrationskurse
Die Integrationskurse sind das wichtigste Instrument des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zur sprachlichen Bildung von Zugewanderten. Mit dem Asylverfahrensbeschleunigungsgesetz von 2015 haben Geflüchtete mit sogenannter guter Bleibeperspektive D (seit 1.8.2019 trifft dies nur noch auf die Herkunftsländer Eritrea und Syrien zu) erstmals bereits während des Verfahrens vollen Zugang zum Kursangebot. Mit dem Ausländerbeschäftigungsfördergesetz dürfen seit dem 1.8.2019 auch alle anderen Geflüchteten im Anerkennungsverfahren, die vor dem 1.8.2019 eingereist sind, an den Kursen teilnehmen, wenn sie eine Aufenthaltsgestattung von mindestens drei Monaten besitzen, als arbeitsmarktnah32 gelten oder nicht schulpflichtige Kinder haben. Alle anderen Geflüchteten sind ausgeschlossen, solange sie noch keinen Aufenthaltstitel haben.
Neben den allgemeinen Integrationskursen gibt es spezielle Kursformate (Integrationskurse mit Alphabetisierung, für junge Erwachsene, für Frauen, für Eltern, für Zweitschriftlernende und Intensivkurse), die die besonderen Bedarfe und das Lernniveau der jeweiligen Zielgruppe berücksichtigen. Der Integrationskurs ist in einen Sprach- und einen Orientierungskurs unterteilt. Der Sprachkurs soll Deutschsprachkenntnisse bis zum Niveau B1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) D vermitteln und umfasst 600 Unterrichtseinheiten (UE) beim allgemeinen Integrationskurs, bei den speziellen Integrationskursformaten je nach Zielgruppe 400 oder 900 UE. Bei Nicht-Bestehen des B1-Niveaus kann ein Antrag auf Zulassung zur einmaligen Wiederholung von 300 UE des Sprachkurses gestellt werden. Der Orientierungskurs vermittelt in 100 Unterrichtseinheiten Kenntnisse zur deutschen Rechtsordnung, Geschichte und Kultur Deutschlands sowie zu Aspekten des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Der Integrationskurs endet bundeseinheitlich mit zwei Prüfungen: Der Sprachkurs endet mit dem „Deutsch-Test für Zuwanderer“ (DTZ), der Orientierungskurs mit dem Test „Leben in Deutschland“ (LiD). Erfolgreich Teilnehmende erhalten das „Zertifikat Integrationskurs“. In Nürnberg hat das BAMF 22 Sprachkursträger zugelassen (Stand: September 2019), die Integrationskurse anbieten.
Von 2011 bis einschließlich 2018 wurden in Nürnberg insgesamt 26277 Personen zu einem Integrationskurs zugelassen, entweder per Berechtigung durch das BAMF oder per Verpflichtung durch das Jobcenter, die Ausländerbehörde und ab 2017 auch durch das Sozialamt als Träger der Asylbewerberleistungen D. Im gleichen Zeitraum begannen 18602 Personen einen Integrationskurs in Nürnberg.
Abbildung G-20 zeigt die quantitative Entwicklung aller Kurseintritte und unterscheidet zusätzlich die Typen allgemeiner Integrationskurs und Integrationskurs mit Alphabetisierung. Die Differenz zur Gesamtzahl ergibt sich jeweils aus weiteren Sonderformen, die häufigste Form stellen Eltern- und Frauenintegrationskurse dar. Es wird deutlich, dass nach einem anhaltenden Anstieg die Kursteilnehmerzahlen im Jahr 2015 zunächst leicht
zurückgingen und dann 2016 stark zunahmen. Dieser Anstieg der Gesamtzahlen, insbesondere bei den Alphabetisierungskursen, ist offensichtlich auf die verstärkte Fluchtzuwanderung zurückzuführen. Im November 2015 wurden die Integrationskurse für Geflüchtete mit guter Bleibeperspektive geöffnet. In den Folgejahren gingen die Zahlen iAnbsgbe. sGa-m20t: Asonwzaieh lb neeiu Keur rTseeilnn emhmit eAnldpehra abne tInistieegrurantgio wnsikeudresre nd einu tNliücrhn bzuerrgü,c 2k0.11 bis
Abb. G-20:
Anteil Teilnehmende Anzahl neuer Teilnehmender
an Integrationskursen in
4 500 Nürnberg, 2011 bis 2018
4 186
4 000
| 2 247 1 9 1 972 | 77 |
|---|---|
| 1 610 1 484 |
3 500
3 000
2 500
2 000
1 500
1 000
2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Insgesamt Integrationskurs mit Alphabetisierung Allgemeiner Integrationskurs
Quelle: Bundesamt für Migra-
tion und Flüchtlinge.
Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.
Pilotprojekt Test-und Meldestelle (TuM) für Integrationskurse
In der Test- und Meldestelle (TuM) des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wird seit März 2019 die zentrale Testung der zur Teilnahme am Integrationskurs verpflichteten Personen aus der Stadt Nürnberg und dem Nürnberger Land durchgeführt. Mit der Durchführung der Testungen wurde das Bildungszentrum Nürnberg beauftragt. Entsprechend der Einstufungsergebnisse weisen BAMF-Mitarbeiter/-innen den getesteten Personen einen konkreten Kursplatz zu. Seit Beginn des Betriebs am 4. März bis zum 31. August 2019 wurden 378 Personen aus der Stadt Nürnberg getestet, die Mehrheit davon war weiblich (55,3%). 51,3% starteten in einem A1-Modul, bei weiteren 12,2% wurde Alphabetisierungsbedarf festgestellt. Aber auch die höheren Sprachniveaus A2 (25,4%) und B1 (9,5%) spielten eine relevante Rolle.33
Berufsbezogene Deutschsprachförderung (DeuFöV) des Bundesamts für Migra-
tion und Flüchtlinge
Mit dem Ziel einer erfolgreichen Arbeitsmarktintegration finanziert das BAMF berufsbezogene Deutschsprachförderung, die über das Sprachniveau B1 hinausgeht. Teilnahmeberechtigt ist der Personenkreis, der auch für Integrationskurse zugelassen ist.
Mit dem Ausländerbeschäftigungsförderungsgesetz erhalten nun zudem arbeitsmarktnahe Geduldete nach sechs Monaten Vorduldungszeit Zutritt zur berufsbezogenen Deutschsprachförderung. Die Berufssprachkurse verbinden den Deutschunterricht mit Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit. Sogenannte Basismodule dienen der Erreichung des Niveaus B2 (ausgehend vom Niveau B1) oder des Sprachniveaus C1 (ausgehend von B2) des GER D. Daneben gibt es Berufssprachkurse für Personen, die sich im Berufsanerkennungsverfahren befinden (akademische Heilberufe und Gesundheitsfachberufe) sowie Spezialkurse, die in verschiedenen Fachrichtungen gezielt fachspezifische Inhalte vermitteln, beispielsweise im Bereich Gewerbe-Technik und Einzelhandel. Zudem werden Spezialkurse für Teilnehmende aus Integrationskursen angeboten, die das Niveau A2 beziehungsweise B1 nicht erreicht haben.
Insgesamt 3362 Personen erhielten im Jahr 2018 eine Berechtigung für einen berufsbezogenen Sprachkurs und 2616 begannen im selben Jahr einen DeuFöV-Kurs. Damit überstieg die Zahl der Kursanfänger/-innen im Bereich DeuFöV die der von Integrationskursen (2372). Knapp die Hälfte (49,5%) der Kursanfänger/-innen im DeuFöV-Bereich stammten aus den Fluchtherkunftsländern Syrien, Irak und Iran. Die Menschen mit Zugang zu Integrationskursen fanden also den Weg in den weiterführenden und arbeitsmarktorientierten Sektor der DeuFöV-Kurse. Dabei begannen 38,8% einen berufsbezogenen Sprachkurs mit Zielsprachniveau A2 oder B1.34
Einstieg Deutsch
Das Projekt „Einstieg Deutsch“ diente der sprachlichen Erstförderung als Überbrückung zwischen der Ankunft in Deutschland und der Teilnahme an einem Integrationskurs. Es richtete sich an Geflüchtete mit guter Bleibeperspektive D. Sofern es im jeweiligen Kurs freie Plätze gab, konnten auch Geflüchtete mit unklarer Bleibeperspektive D teilnehmen, diejenigen aus sicheren Herkunftsstaaten blieben jedoch ausgeschlossen. Einstieg Deutsch beruhte auf einem bundesweit einheitlichen Konzept, das vom Deutschen Volkshochschulverband e.V. (DVV) entwickelt und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert wurde. Die Einstieg-Deutsch-Kurse wurden von Maximum Nachhilfe- & Sprachschule und der städtischen Tochtergesellschaft Noris-Arbeit (NOA) angeboten, die Förderung wurde allerdings Ende 2018 eingestellt, sodass 2019 keine Kurse mehr durchgeführt werden konnten.
Bei der Noris-Arbeit nahmen im Jahr 2018 188 Personen an Einstieg-Deutsch-Kursen teil, davon stammte ein Großteil (128 Personen) aus Äthiopien und Aserbeidschan (29). 131 Personen, das entspricht mehr als zwei Dritteln oder 69,7%, waren männlich, 57 Personen weiblich. Über die Hälfte (54,8%) der Teilnehmenden war unter 30, ein Drittel (32,5%) zwischen 30 und 40 Jahre alt. Daneben führte die NOA Einstieg-Deutsch-Kurse mit dem Schwerpunkt Alphabetisierung durch. Im Jahr 2018 nahmen dort 27 Männer und 24 Frauen aus den Ländern Äthiopien (35), Syrien (8) und Irak (4) teil. Über die Hälfte (54,9%) der Teilnehmenden war unter 30, fast ein Drittel (29,4%) zwischen 30 und 40 Jahre alt.
Bei der Maximum-Sprachschule haben im Jahr 2018 112 Frauen und 193 Männer an Einstieg-Deutsch-Kursen teilgenommen. Fast die Hälfte (135) von ihnen stammte aus dem Iran, 49 Teilnehmende kamen aus Kuba, 47 aus Tadschikistan, 23 aus dem Irak, 14 aus Aserbaidschan, jeweils elf aus Weißrussland sowie fünf aus Afghanistan.
Um Personen mit unklarer Bleibeperspektive nach Beendigung der Finanzierung der Einstieg-Deutsch-Kurse dennoch ein Sprachkursangebot machen zu können, stellte die NOA seit Juli 2019 für diese Zielgruppe 60 Plätze für Deutsch als Fremdsprache sowie Alphabetisierung im Projekt SPOK Sprache – Orientierung – Kulturelle Werte bereit, das durch den Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds des BAMF und die Stadt Nürnberg finanziert wird.
Erstorientierungskurse
Ebenfalls offen für Geflüchtete mit unklarer Bleibeperspektive sind die Deutschkurse zur sprachlichen Erstorientierung für Asylsuchende, kurz Erstorientierungskurse. Neben grundlegenden Deutschkenntnissen wird Grundwissen zu Alltagsfragen und kulturellen Besonderheiten in Deutschland vermittelt. Als niedrigschwelliges Sprachlernangebot haben die Erstorientierungskurse weder ein festes Curriculum noch ein definiertes und zertifiziertes Zielsprachniveau. Ursprünglich vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration ins Leben gerufen, wurde dieses Angebot auf das Bundesgebiet ausgeweitet und wird seither durch das BAMF gefördert.35 In Nürnberg bot das Bildungszentrum 2017 letztmalig zwei Kurse an.36 Nach wie vor aktiv als Anbieter ist First Steps – Integrationszentrum für Flüchtlinge der Johanniter. In Nürnberg begann First Steps vier Kurse im Jahr 2017 und weitere sieben im Jahr 2018.37
Kommunales Programm Deutschspracherwerb
Im Fokuskapitel zur neuen Zuwanderung im Bildungsbericht 2017 sowie im nachfolgenden Teilbericht zu diesem Thema 2018 hat das Bildungsbüro Lücken im Sprachbildungsangebot in der Stadt Nürnberg benannt: Einige Gruppen Zugewanderter mit Sprachförderbedarf haben keinen Zugang zu kostengünstigen Sprachkursen oder sie finden aufgrund fehlender Beratung nicht in Kurse, die zu ihren individuellen Lebensverhältnissen passen. Für die Integrationskurse konnte überdies gezeigt werden, dass zuletzt nur gut die Hälfte beim abschließenden Deutschtest für Zuwanderer (DTZ) das Zielsprachniveau B1 erreichten.
Angesichts der Tatsache, dass Reglementierung und Steuerung der Integrationskurse im Kompetenzbereich des Bundes liegen, wurde in einer Praxisforschung die Vielzahl an niedrigschwelligen Sprachkursen, die in Nürnberg von den unterschiedlichsten Institutionen angeboten werden, in den Blick genommen. In einer Ausschussvorlage für die Kommission für Integration wurden der Ist-Stand der bestehenden Sprachförderung sowie Lücken und offene Bedarfe in Nürnberg dargestellt und Handlungsempfehlungen formuliert. Im Mittelpunkt stand neben dem konkreten Kursangebot insbesondere die systematische Begleitung von Personen mit Sprachbildungsbedarf in ein für sie passendes Sprachkursangebot.38
Auf dieser Basis beauftragte die Kommission die Stadtverwaltung, ein Umsetzungs- und Finanzierungskonzept für ein kommunales Programm Deutschspracherwerb vorzulegen. In Abstimmung mit den zuständigen Referaten (Sozialreferat, Kulturreferat) entwickelte das Bildungsbüro ein Konzept für eine Pilotphase für solch ein Programm. Durch eine intensive Beratung der Kurssuchenden sowie eine bessere Bewerbung und Koordinierung der vorhandenen Sprachbildungsangebote soll mehr Menschen ein strukturierter und erfolgreicher Deutschspracherwerb ermöglicht werden. Dort, wo Lücken im Angebot nicht anderweitig gedeckt werden können, sollen außerdem städtisch finanzierte Sprachlernangebote vorgehalten werden.
7. Inklusive Außenarbeitsplätze und berufliche
Rehabilitation
Unterstützte Beschäftigung mit Hilfe der ACCESS Inklusion im Arbeitsleben
gGmbH
Der Fachdienst ACCESS Inklusion im Arbeitsleben gemeinnützige GmbH mit Standorten in Nürnberg, Bamberg und Erlangen setzt sich für die berufliche Inklusion von Menschen mit Behinderung ein. Menschen mit Handicap und besonderem Unterstützungsbedarf erproben sich unter Begleitung im ersten Arbeitsmarkt und integrieren sich Schritt für Schritt in einen für sie passenden Arbeitsplatz. ACCESS arbeitet nach dem Konzept der „Unterstützten Beschäftigung“. Die besonderen Bedürfnisse der Zielgruppe werden mit der Arbeitswelt in Einklang gebracht, um eine reguläre betriebliche Beschäftigung zu ermöglichen. Qualifizierungstrainerinnen und -trainer arbeiten mit den Teilnehmenden deren Stärken und Unterstützungsbedarfe heraus und akquirieren passende betriebliche Praktika zur beruflichen Orientierung und Qualifizierung. Dort begleiten sie die Teilnehmenden engmaschig bei der Einarbeitung, um eine Passung zwischen den betrieblichen Anforderungen und den Fähigkeiten des Teilnehmenden zu erreichen. Begleitend findet wöchentlich ein Projekttag bei ACCESS statt. In der Gruppe werden Themen rund um die Arbeitswelt behandelt, um die persönliche und die berufliche Reife zu fördern. Ziel der Maßnahmen ist der Abschluss eines Arbeitsvertrags. Auch nach Arbeitsaufnahme kann eine Berufsbegleitung zur dauerhaften Stabilisierung der beruflichen Inklusion erfolgen, sofern dies gewünscht wird.
Die Arbeitsmarktintegration erfolgt bei ACCESS in verschiedenen Maßnahmen, die bis zu zwei Jahre dauern. Im Bereich „Berufsstart“ werden Schülerinnen und Schüler der Abgangsklassen von Förderschulen begleitet, die sich so frühzeitig beruflich orientieren können. Hier kooperiert ACCESS mit zwölf Schulen der Region. Daneben können sich Menschen, die bereits in einer Werkstatt beschäftigt sind, im Rahmen des „Betrieblichen Arbeitstrainings“ auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt erproben. Qualifizierungspraktika werden zum Beispiel in folgenden Bereichen durchgeführt: Produktion/Montage, Lager/ Versand, Küche/Lebensmittelverarbeitung, Tierpflege, Büro, Pflege, Garten-/Landschaftsbau/Hausmeistertätigkeit, Reinigung, Gastronomie, Wäscherei/Zimmerservice, Verkauf/
Einzelhandel, Tankstelle/KFZ, Kinder-/Jugend-/Seniorenbetreuung. Insgesamt nahmen im Jahr 2017 39 und im Jahr 2018 27 Teilnehmende nach ihren Maßnahmen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung D im allgemeinen Arbeitsmarkt auf. Die Erfolgsquote liegt jährlich zwischen 60 und 70%.39
noris inklusion gGmbH
Die noris inklusion gGmbH bietet als städtisches Tochterunternehmen derzeit über 500 Arbeitsplätze in sechs Produktionsstätten, 50 Plätze zur beruflichen Bildung sowie 200 Wohnplätze. In den Programmen „Einzel-Außenarbeitsplätze“ und „Begleiteter Übergang Werkstatt – Allgemeiner Arbeitsmarkt“, die vom Bezirk Mittelfranken unterstützt werden, lernen Menschen mit Beeinträchtigungen verschiedene Arbeitsfelder kennen und gehen im Idealfall nach einem Praktikum ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis ein. Mitarbeitende der noris inklusion fördern sie dabei in ihrer Selbstständigkeit und strukturieren die Tätigkeitsbereiche so, dass die Teilnehmenden aus den Werkstätten den allgemeinen Arbeitsmarkt kennenlernen und sich langfristig dort einbringen können. Dabei müssen sie nicht auf den rechtlichen Schutzraum und die Begleitung der Werkstatt verzichten. Sie absolvieren zu Beginn ein Praktikum und werden dabei von einer Fachkraft für berufliche Integration begleitet. Sind Unternehmen und Beschäftigte zufrieden, kann ein dauerhafter Einzelarbeitsplatz geschaffen werden. Dabei bleibt der/ die Beschäftigte bei der noris inklusion kranken-, sozial- und unfallversichert, erhält von dort seinen/ihren Lohn und wird weiterhin durch die Fachkraft unterstützt. Die Außenarbeitsplätze der noris inklusion nehmen stetig zu. Waren im Jahr 2011 erst vier Personen außerhalb der Werkstatt tätig, waren es im Jahr 2016 bereits 16. Im Jahr 2018 gab es 24 Außenarbeitsplätze, zum Beispiel in den Bereichen Fahrdienst, Hausmeisterhilfe, Büro, Bauhof, Einzelhandel, Kinderbetreuung/Kindertagesstätte, Seniorenbetreuung, Reinigungsdienst, Lager sowie Produktion. Seit der Einführung im Jahr 2015 konnten außerdem insgesamt sechs Personen in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis vermittelt werden.
Berufsförderungswerk Nürnberg
Das Berufsförderungswerk (BFW) unterstützt Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei ihrem Wiedereinstieg ins Arbeitsleben. Rehabilitandinnen und Rehabilitanden können in praxisnahen technischen und kaufmännischen Lernbetrieben einen von insgesamt 25 staatlich anerkannten Ausbildungsberufen erlernen und werden dabei durch medizinisches, psychologisches und sozialpädagogisches Fachpersonal begleitet. Das Reha-Zentrum bietet neben stationären Umschulungen auch individuelle Teilqualifizierungen und wohnortnahe Reha durch die insgesamt 17 Geschäftsstellen. Nach einer Qualifizierungsphase in einer regionalen BFW-Geschäftsstelle wechseln die Teilnehmenden in einen regionalen Betrieb. Daneben begleitet das BFW auch betriebliche Umschulungen. Im Reha-Zentrum in Nürnberg absolvierten seit 2006 jährlich zwischen 427 und 623 Rehabilitandinnen und Rehabilitanden eine Vollzeitausbildung. Mit einer durchschnittlichen Arbeitsmarktintegrationsquote von 83,9% sind die Qualifizierungsmaßnahmen sehr erfolgreich.
8. Beratung
8.1 Bildungsberatung im Bildungszentrum
Im August 2017 eröffnete das Bildungszentrum Nürnberg eine Bildungsberatungsstelle, die unabhängig und trägerneutral zu allgemeinen Bildungsfragen, Berufsorientierung, Jobbegleitung, Ausbildungsmöglichkeiten, Weiterbildungsangeboten, Finanzierungsmöglichkeiten und Studienangeboten informiert. Zudem ist sie auch für die Ausstellung der Prämiengutscheine des staatlichen Förderprogramms Bildungsprämie zuständig. Neuzugewanderte werden auch zu spezifischen Fragen wie Anerkennung von ausländischen Abschlüssen, Spracherwerb oder Kompetenzfeststellung beraten. Die ausführliche und neutrale Basisberatung ist entgeltfrei. Im Zeitraum von August 2017 bis einschließlich Mai 2019 wurden mit steigender Tendenz 837 Erstberatungen und weitere 120 Folgeberatungen durchgeführt.40 Von den insgesamt 957 Beratungsgesprächen wurden 230 zur Bildungsprämie geführt und 185 Prämiengutscheine ausgegeben. Zwei Drittel (64,5%) der Ratsuchenden waren Frauen, davon die meisten im Alter zwischen 25 und 35 Jahren (Abb. G-21). 65,0% der Ratsuchenden hatten einen Migrationshintergrund
Abb. G-21: Teilnehmende der Bildungsberatungsstelle des Bildungscampus Nürnberg
angegeben, 23,5% keinen, zu 11,5% gibt es keine Angaben.
nach Altersgruppe und Geschlecht, August 2017 bis Mai 2019
Abb. G-21:
Teilnehmende der Bildungs- Anzahl Teilnehmende
beratungsstelle im Bildungs- 350
zentrum Nürnberg nach
Altersgruppe und Geschlecht, 300
| 178 | ||||
|---|---|---|---|---|
| 72 | ||||
| 115 | 105 | 86 | ||
| 83 | 49 | |||
| 11 |
August 2017 bis Mai 2019
Quelle: Stadt Nürnberg, Unter 18 Jahre 18 bis 24 Jahre 25 bis 34 Jahre 35 bis 44 Jahre 45 bis 54 Jahre Über 54 Jahre Bildungsberatungsstelle;
Bildungszentrum im Bil- Männlich Weiblich
dungscampus Nürnberg.
Quelle: Stadt Nürnberg, Bildungsberatung des Bildungscampus Nürnberg. Die wichtigsten Beratungsinhalte waren Berufswegplanung und Berufsorientierung (21,6%), Fragen zu Stellensuche und Bewerbung (13,7%), die Anerkennung von ausländischen Abschlüssen (8,2%) sowie Fragen zur Studienwahl (4,7%) und zu einer beruflichen Umorientierung (4,3%).41 Dabei versteht sich die Beratungsstelle auch als Verweisberatung zu Fachberatungsstellen. Insgesamt lässt eine kontinuierlich zunehmende Anzahl an Ratsuchenden (2017: 108 Personen in fünf Monaten von August bis Dezember; 2018: 477 Personen; 2019: 252 Personen in den ersten fünf Monaten) auf einen großen Bedarf in Nürnberg an trägerneutraler Bildungsberatung schließen.42
8.2 Weiterbildungsberatung bei IHK und Handwerkskammer
Seit Januar 2019 unterstützt eine „Weiterbildungsinitiatorin” bei der IHK Betriebe und deren Beschäftigte dabei, den Bedarf an Weiterbildung, insbesondere im Bereich der digitalen Transformation, zu ermitteln und geeignete Qualifizierungsangebote zu finden. Begleitend informiert sie über Finanzierungsmöglichkeiten, insbesondere über die neue Fördermöglichkeit des Bayerischen Bildungsschecks für digitale Bildung. Seit Einrichtung der Beratungsstelle wurden 204 Beratungsgespräche mit Beschäftigten und 37 mit Unternehmen geführt (Stand Juli 2019). Auch die Handwerkskammer für Mittelfranken hat seit August 2019 einen Weiterbildungsinitiator. Die Finanzierung erfolgt durch das Bayerische Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales im Rahmen des Arbeitsmarktfonds und des Europäischen Sozialfonds.43
8.3 Beratung zur Anerkennung von im Ausland erworbenen
Berufsabschlüssen
Am Bildungszentrum im Bildungscampus der Stadt Nürnberg bietet bereits seit 2012 die Zentrale Servicestelle zur Anerkennung ausländischer Qualifikationen in der Metropolregion Nürnberg (ZAQ) kostenfreie Beratung zur Berufsanerkennung. Die ZAQ ist eingebunden in das Netzwerk „Integration durch Qualifizierung“ (IQ) MigraNet, das im Auftrag des Bundes die Arbeitsmarktintegration von Migranten/-innen unterstützt. Neben Personen mit ausländischen Abschlüssen steht die ZAQ auch verschiedenen Arbeitsmarktakteuren, Migrationsberatungsstellen sowie Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern beratend zur Seite.
Anerkennungsberatung
Die ZAQ bietet in der Anerkennungsberatung Informationen zu den Grundlagen und Verfahren der beruflichen Anerkennung, arbeitet den Referenzberuf heraus, vermittelt die Antragstellenden an die entsprechende Stelle und begleitet den Anerkennungsprozess.
Die Anzahl der Ratsuchenden und der Beratungsgespräche in der Anerkennungsberatung der ZAQ stieg in den letzten Jahren kontinuierlich an. Waren es im Jahr 2013 noch 702 Ratsuchende und 960 Gespräche, so waren es im Jahr 2018 bereits 1255 Ratsuchende und 2281 Beratungen (Abb. G-22).
Fast zwei Drittel (63%) der Ratsuchenden der ZAQ im Jahr 2018 waren Frauen, die Hauptherkunftsländer waren Rumänien und Moldawien (11,3%), Syrien (9,8%), die Ukraine (6,9%) und Russland (5,6%).44 70% aller Ratsuchenden hatten einen akademischen Abschluss, 21% aus dem Bereich BWL und Ökonomie, 18% waren Lehrkräfte und 16% Ingenieurinnen und Ingenieure. Von den Kundinnen und Kunden mit Ausbildungsberufen hatten viele einen Berufsabschluss in Bereichen, in denen in Deutschland Fachkräftemangel besteht: 30% in einem Gesundheitsberuf, 30% in einem technischen und 11% in einem pädagogischen Fachberuf (Abb. G-23).
Abb. G-22: Anzahl der Ratsuchenden und Beratungsgespräche der ZAQ, 2013 bis 2018
Abb. G-22:
Anzahl der Ratsuchenden Anzahl Personen bzw. Gespräche
und Beratungsgespräche der 2 500
Anerkennungsberatung der
| 2 281 | ||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 2 078 | ||||||||||||||||
| 1 362 1 363 | 1 504 | 1 169 | 1 255 | |||||||||||||
| 1 362 | 1 363 | |||||||||||||||
| 1 255 | ||||||||||||||||
| 1 169 | ||||||||||||||||
| 702 | 960 | 832 | 810 | 948 | ||||||||||||
| 832 | 810 | |||||||||||||||
| 702 |
ZAQ, 2013 bis 2018
2 000
1 500
1 000
Quelle: Stadt Nürnberg, Bil- 500
dungszentrum im Bildungs-
campus Nürnberg; Zentrale
Servicestelle zur Erschließung
2013 2014 2015 2016 2017 2018
ausländischer Qualifikatio-
nen in der Metropolregion Abb. G-23: KunRdaitnsuncehne nudned KundeBne rdaetur nAgnsgeerskpernäcnhuen gsberatung der ZAQ Nürnberg Nürnberg (ZAQ).
nach Berufsabschluss, 2018
Quelle: Stadt Nürnberg, Bildungszentrum im Bildungscampus Nürnberg; Zentrale Servicestelle zur Erschließung ausländischer Qualifikationen in der Metropolregion Nürnberg (ZAQ). Abb. G-23:
Kundinnen und Kunden der Anteil Kunden/-innen (in %)
Anerkennungsberatung der
ZAQ Nürnberg nach Berufs-
abschluss, 2018 22 18 15
8 16
10 11
5 21 30
Akademische Berufe Ausbildungsberufe
Quelle: Stadt Nürnberg, Bil- Lehrer/-innen Erziehungswissen- Technische Berufe Verkauf
dungszentrum im Bildungs- schaftler/-innen
campus Nürnberg; Zentrale Ingenieure/-innen Gesundheitsfachberufe Gastronomie
Servicestelle zur Erschließung BWL, Ökonomie, Ärzte/-innen
Pädagogische Fachberufe Sonstige Berufe
ausländischer Qualifikatio- Management, Finanzen
nen in der Metropolregion Juristen/-innen Sonstige Berufe Büroberufe
Nürnberg (ZAQ). Quelle: Stadt Nürnberg, Bildungszentrum im Bildungscampus Nürnberg; Zentrale Servicestelle zur Erschließung ausländischer Qualifikationen in der Metropolregion Nürnberg (ZAQ).
Q ualifizi erungsb eratung
Seit 2015 berät die ZAQ zudem zu Anpassungsqualifizierungen und fördert Maßnahmen, die zur beruflichen Gleichwertigkeit führen beziehungsweise zu einer Tätigkeit, die der im Herkunftsland erworbenen Qualifikation entspricht. Die Zahl der Ratsuchenden und der Beratungsgespräche der Qualifizierungsberatung ist seit Einführung im Jahr 2015 etwa gleichgeblieben, im Jahr 2018 waren es 119 neue Ratsuchende und 222 Beratungen. Für einen Teil der Kunden und Kundinnen konnten Anpassungsmaßnahmen bei Bildungsdienstleistern finanziert werden, im Jahr 2017 erreichten dadurch 42 und im Jahr 2018 36 Personen die volle berufliche Gleichwertigkeit.
Neben der ZAQ beraten auch die IHK Nürnberg für Mittelfranken und die Handwerkskammer für Mittelfranken zu den jeweiligen Abschlüssen im dualen System sowie die Agentur für Arbeit und das Jobcenter Nürnberg ihre Kundinnen und Kunden mit im Ausland erworbenen Abschlüssen.
9. Schlussbemerkung und Handlungsempfehlungen
In den vorbereitenden Interviews für die Onlinebefragung der Nürnberger Weiterbildungsdienstleister wurde deutlich, dass Abweichungen zwischen den festgelegten Lerninhalten der verschiedenen Berufsbilder und Anforderungen in der Berufsrealität nicht nur verstärkt zu beobachten sind, sondern auch immer größer werden. Dadurch nimmt die Bedeutung einer kontinuierlichen beruflichen Weiterbildung zu. Der Nürnberger Weiterbildungsmarkt trägt diesem Umstand mit über 100 Bildungsdienstleistern Rechnung. Er ist äußerst vielfältig und bietet den verschiedenen Zielgruppen weit über Nürnberg hinaus ein großes Angebot mit breitem inhaltlichen Spektrum. Dabei nehmen Kooperationen und verbindliche Absprachen bei der Angebotsgestaltung einen immer größeren Stellenwert ein. Expertinnen und Experten wünschen sich allerdings mehr Transparenz im Weiterbildungssektor, nicht nur zum Angebot, sondern auch zu finanziellen Fördermöglichkeiten.
Die Zahlen zeigen, dass Weiterbildung und Qualifizierung für Arbeitsagentur und Jobcenter auch bei guter Konjunktur eine wichtige Rolle spielen. Dabei steht der Erwerb von Berufsabschlüssen immer mehr im Fokus und es wird verstärkt mit Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern in der Region zusammengearbeitet. Insgesamt tragen die Weiterbildungsmaßnahmen zum deutlichen Abbau der Arbeitslosenzahlen beziehungsweise dem Rückgang der erwerbsfähigen Leistungsbeziehenden bei. Dabei setzen Agentur und Jobcenter immer mehr auf abschlussorientierte Maßnahmen, mit dem Ziel einer dauerhaften Integration in den Arbeitsmarkt. Vermehrt werden auch spezielle Vorkurse eingesetzt, um Menschen mit Lern- oder Sprachschwierigkeiten für anspruchsvollere Weiterbildungen zu befähigen.
Bei den Aufstiegsfortbildungen spüren sowohl die technischen Fachschulen und die Fachakademien für Wirtschaft und für Versorgungsmanagement als auch die Kammern die zunehmende Konkurrenz der Hochschulen. Die Fachakademien für Sozialpädagogik dagegen haben in den letzten Jahren gezielt expandiert, um dem großen Bedarf an Erzieherinnen und Erziehern nachzukommen. Auch das Modell Optiprax trägt zur Personalgewinnung und -bindung der Nürnberger Kindertagesstätten bei.
Während die Zahl der Umschulungen sinkt, nimmt die Bedeutung von Teilqualifizierungen zu. Die Erfolgsquoten zeigen, dass diese Qualifizierungsform nicht nur Entwicklungsmöglichkeiten für Personen eröffnet, die sich eine Externenprüfung oder Umschulung nicht sofort zutrauen, sondern ihnen dabei auch perspektivisch den Weg zur Fachkraft ebnet. Allerdings ist die Teilqualifizierung als Qualifizierungsmaßnahme von An- und Ungelernten bei vielen Arbeitgebern/-innen noch nicht bekannt.
Nur wenige Bildungsdienstleister stellen Angebote der Grundbildung bereit, bislang gibt es zudem kaum Angebote zur arbeitsweltorientierten Grundbildung.
Im Deutschspracherwerb hält nach wie vor das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ein breit gefächertes Angebot bereit, zu dem aber nicht alle Neuzugewanderten Zugang haben. Ein durch die Stadt Nürnberg entwickeltes Konzept will dazu beitragen, dass alle Neuzugewanderten systematisch beraten und in ein passendes Sprachlernangebot integriert sowie identifizierte Angebotslücken geschlossen werden.
Für Menschen mit Beeinträchtigungen stehen in der Stadt Nürnberg inklusive Außenarbeitsplätze und berufliche Rehabilitationsmöglichkeiten bei spezialisierten Bildungsdienstleistern zur Verfügung. Ansonsten wenden sich nur wenige Dienstleister gezielt mit inklusiven Angeboten an Menschen mit Behinderung.
Die kontinuierlich zunehmende Anzahl an Ratsuchenden sowohl der Bildungsberatungsstelle als auch der Zentralen Servicestelle zur Anerkennung ausländischer Qualifikationen weist auf einen großen Bedarf in Nürnberg an trägerneutraler Beratung hin.
Aufgrund seiner Befunde kommt der Bildungsbericht 2019 für die berufsbezogene Weiterbildung zu folgenden Handlungsempfehlungen:
Die Transparenz im breit gefächerten Nürnberger Weiterbildungssektor könnte durch ein trägerübergreifendes, neutrales Verweissystem, etwa einer Datenbank, erheblich erhöht werden.
Da die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ohne Berufsabschluss stark zugenommen hat (vergleiche Kapitel A), sollte das Angebot an abschlussorientierten Maßnahmen noch weiter ausgebaut werden. Neben arbeitslosen Menschen sollten auch Beschäftigte und Unternehmen gezielt angesprochen werden.
Der bewährte Einsatz von Vorqualifizierungen für berufliche Weiterbildungen durch das Jobcenter Nürnberg sollte ebenso fortgeführt werden wie der Ausbau von abschlussorientierten Teilqualifizierungen. Dabei muss das Angebot über die ersten Module hinaus bis hin zur Vorbereitung einer Externenprüfung vorgehalten werden, damit ein Berufsabschluss über diese Qualifizierungsform in absehbarer Zeit möglich ist.
Modellprojekte zur Fachkraftgewinnung in Branchen mit hohem Fachkräftebedarf, wie beispielsweise Optiprax, sollten in den Blick genommen und unterstützt werden.
Der Mehrwert praxisnaher Fort- und Weiterbildungen wie Aufstiegsfortbildungen an Kammern und Fachschulen im Vergleich zu akademischen Weiterbildungen sollte öffentlichkeitswirksam dargestellt werden.
Im Bereich der Grundbildung muss das Angebot weiter ausgebaut werden, insbesondere auch, um die Gruppe der Erwerbstätigen besser zu erreichen. Auch Geflüchtete, die vor 2016 eingereist sind, und EU-Bürger/-innen müssen verstärkt angesprochen werden. Dazu braucht es ein kohärentes Gesamtkonzept für die Stadt Nürnberg und den Aufbau tragfähiger Kooperationen aller Akteure. Um gezielt die im Niedriglohnsektor Beschäftigten zu erreichen, sollte eine Zusammenarbeit mit Unternehmen aus der Region und deren Verbänden angestrebt werden.
Die Bemühungen der Stadt Nürnberg für eine zentrale, systematische und bedarfsorientierte Begleitung von Neuzuwanderten in passende Sprachangebote sollten fortgesetzt werden. Dabei müssen existierende Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten durch Bundes- und Landesprogramme ausgeschöpft werden.
Das inklusive Weiterbildungsangebot für Menschen mit Beeinträchtigen muss ausgebaut und beworben werden. Auch hier sind ein städtisches Gesamtkonzept und der Ausbau von Kooperationen sinnvoll.
Die trägerneutralen Angebote der Bildungsberatung sollten ausgebaut, verzahnt und aufeinander abgestimmt werden. Wichtig ist dabei auch die Beratung zu Fördermöglichkeiten.
1 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales 22 Quelle: Jobcenter Nürnberg-Stadt. und Bundesministerium für Bildung und For- 23 Quelle: Arbeitsagentur Nürnberg. schung (Hg.), Nationale Weiterbildungsstrategie 24 Quelle: IHK Nürnberg für Mittelfranken:
- Strategiepapier. Stand: Juni 2019.
IHK-Onlineumfrage zur Aus- und Weiterbildung 2 Vgl. Bayerische Staatsregierung, Pakt für berufli- 2019. che Weiterbildung 4.0. Juni 2018. 25 20 Personen haben die Maßnahme aus ver- 3 Zur Weiterbildung an Hochschulen siehe schiedenen Gründen (zum Beispiel Arbeitsmarkt- Kapitel F. integration) nicht beendet. 4 Das Bildungszentrum im Bildungscampus hat 26 Quelle: co-check GmbH. sich an der Onlinebefragung beteiligt, da dort, 27 Quelle: Handwerkskammer für Mittelfranken. insbesondere in den Bereichen Beruf und Karriere sowie Sprachen, Kurse zur beruflichen Weiterbil- 28 Anke Grotlüschen u.a.: Leo 2018 – Leben mit dung angeboten werden. geringer Literalität. Hamburg 2019. 5 Dies entspricht einer Rücklaufquote von 73,9%. 29 Quelle: Stadt Nürnberg, Bildungszentrum im Bildungscampus Nürnberg. 6 Als schwerbehindert gelten Personen, denen die Versorgungsämter einen Grad der Behinde- 30 Die Noris-Arbeit ist eine Tochtergesellschaft der rung von mindestens 50 Prozent zuerkannt sowie Stadt Nürnberg, die Aktivitäten zur Minderung einen gültigen Ausweis ausgehändigt haben. der Arbeitslosigkeit in Nürnberg initiiert und durchführt. 7 Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung Nr. 228 vom 25. Juni 2018, eigene 31 Quelle: Noris-Arbeit. Berechnungen. 32 Als „arbeitsmarktnah“ gelten Asylbewerbe- 8 Vgl. Jobcenter Nürnberg-Stadt, Arbeitsmarkt- rinnen und Asylbewerber, die arbeitslos, arbeitsund Integrationsprogramm 2019, S. 28. oder ausbildungssuchend gemeldet sind, sich in Ausbildung oder Beschäftigung befinden oder 9 Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, an Berufsvorbereitungsmaßnahmen oder an der Langzeitarbeitslosigkeit Monatszahlen, März ausbildungsvorbereitenden Phase der Assistierten 2019. Ausbildung teilnehmen. 10 Insgesamt gab es 2018 15757 arbeitslose 33 Quelle: Stadt Nürnberg, Bildungszentrum im Personen und 1951 FbW-Teilnahmen, dabei kön- Bildungscampus Nürnberg. nen einzelne Teilnehmende auch nacheinander mehrere Maßnahmen besucht haben. 34 Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. 11 Quelle: Jobcenter Nürnberg. 35 Vgl. Stadt Nürnberg, Bildungsbüro (2017): Teil- 12 Quelle: Arbeitsagentur Nürnberg. bericht I: Bildung von Neuzugewanderten, S. 94f. 13 Quelle: Bayerisches Staatsministerium für 36 Quelle: Stadt Nürnberg, Bildungszentrum. Unterricht und Kultus. 37 Quelle: Johanniter e.V., First Steps – Integra- 14 Quelle: Ebd. tionszentrum für Flüchtlinge. 15 Quelle: IHK Nürnberg für Mittelfranken. 38 Stadt Nürnberg, Bürgermeisteramt | Bildungs- 16 Quelle: Ebd. büro, Praxisforschung zum Antragsbeschluss des 17 Quelle: Ebd. Nürnberger Rats für Integration und Zuwande- 18 Vgl. Stefan Stuth, Brigitte Schels, Markus rung vom 17.4.2018 für eine Integrations- und Promberger, Kerstin Jahn, Jutta Allmendinger, Sprachoffensive, Beschlussvorlage der Kommissi- Prekarität in Deutschland?! Discussion Paper on für Integration vom 21.3.2019. P 2018–004. Wissenschaftszentrum Berlin für 39 Quelle: Access gGmbH. Sozialforschung, Berlin 2019. 40 Quelle: Stadt Nürnberg, Bildungszentrum im 19 Vgl. Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. Bildungscampus Nürnberg. (Hg.), Susanne Seyda, Luisa Wallossek, Michael 41 Quelle: Ebd. Zibrowius, Forschungsberichte aus dem Institut 42 Quelle: Ebd. der deutschen Wirtschaft. IW-Analysen 122. Keine Ausbildung – keine Weiterbildung? Ein- 43 Quelle: IHK Nürnberg für Mittelfranken. flussfaktoren auf die Weiterbildungsbeteiligung 44 Quelle: Stadt Nürnberg, Bildungszentrum im von An- und Ungelernten, Köln 2018, S. 56. Bildungscampus Nürnberg; Zentrale Servicestelle 20 Quelle: Agentur für Arbeit Nürnberg. zur Erschließung ausländischer Qualifikationen in der Metropolregion Nürnberg (ZAQ). 21 Quellen: IHK Nürnberg für Mittelfranken und Agentur für Arbeit Nürnberg.
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|---|---|
| G | G |
H
NON-FORMALE BILDUNG
1. Einleitung
Für eine gelingende Bildungsbiographie sind neben dem erfolgreichen Durchlaufen frühkindlicher, schulischer und beruflicher Bildungsphasen Prozesse non-formalen und informellen Lernens D von entscheidender Bedeutung. Findet non-formales Lernen zwar mit einer mehr oder weniger deutlich artikulierten Bildungsabsicht, aber in der Regel außerhalb der klassischen Bildungsinstitutionen und zumeist ohne staatlich anerkannte Abschlüsse und Zertifikate statt, erfolgt informelles Lernen unbeabsichtigt in Familie, Freundeskreis, Freizeit- und Alltagssituationen.
Die im Folgenden betrachtete non-formale Bildung zeigt sich in Form und Inhalt sehr unterschiedlich. Dementsprechend folgt der Aufbau des Kapitels keinem einheitlichen Schema, sondern orientiert sich in der Regel am Angebot und dem Informationsstand zur Angebotsnutzung. Die Gliederung erfolgt zunächst nach der Lebensspanne von der Kinder- und Jugendarbeit bis ins höhere Erwachsenenalter. Betrachtet werden auch einzelne Themen und Sparten – erstmals findet sich im Bildungsbericht ein Abschnitt zum „Spielen“. Themen- und spartenübergreifenden Einrichtungen wie den Kulturläden, dem KunstKulturQuartier oder dem Z-Bau – Haus für Gegenwartskultur ist zudem ein eigener Abschnitt gewidmet. Aufgrund der gegebenen kommunalen Handlungsspielräume im Bereich der non-formalen Bildung bemüht sich das vorliegende Kapitel um eine angemessene Darstellung der Bildungspraxis vor Ort, bei der sich die Vielfalt der Bildungsprozesse in Nürnberg zeigt. Weitere Studien und Untersuchungen wie die im September 2019 vom Bewerbungsbüro Kulturhauptstadt Nürnberg veröffentlichte „Netzwerkanalyse zu regionalen und internationalen Kulturkontakten“1 oder der von einer städtischen Arbeitsgruppe erstellte „Werkstattbericht zur Lern- und Bildungslandschaft Nürnberger Westen“2 wählen eigene Fragestellungen und Methoden und leisten damit ebenfalls Beiträge zur Diskussion non-formaler Bildung in Nürnberg. So wird etwa im besagten Werkstattbericht für den Nürnberger Westen ausgehend von der Nutzerperspektive junger Menschen der Versuch unternommen, non-formale Bildungsangebote in der Logik von Lernfeldern zu systematisieren.3
Welche Entwicklungen und Baustellen gab es in den beiden letzten Jahren im Bereich der non-formalen Bildung in Nürnberg? Zu nennen sind hier strategische, institutionelle und konzeptionelle Entwicklungen: Die Stadt entwickelte unter Beteiligung zahlreicher Kulturschaffender und Akteure der freien Szene eine eigene Kulturstrategie, die unabhängig von der Bewerbung Nürnbergs um den Titel Kulturhauptstadt Europa 2025 langfristige Perspektiven der Kulturpolitik aufzeigt und konkrete kulturpolitische Maßnahmen benennt. Die Nürnberger Kulturhauptstadtbewerbung beflügelt diesen Prozess. Insbesondere die Auswahl der für die Bewerbung zentralen Themen („Menschlichkeit als Maß“, „Welt als Aufgabe“ und „Miteinander als Ziel“) erfolgte in einem partizipativen Prozess. Auch das Motto der Nürnberger Bewerbung steht mittlerweile fest: „Past Forward“. Dieses Wortspiel bringt sehr frei übersetzt die Aussage: „Mit der Vergangenheit vor Augen
die Zukunft gestalten“ zum Ausdruck. In der konzeptionellen Planung befindet sich ein „Haus des Spielens“, das sich bis 2025 im Pellerhaus räumlich etablieren soll. Hier ist die inhaltliche Diskussion über analoge und digitale Spielfelder in vollem Gange. Konzeptionelle Baustellen bestehen aktuell auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände mit der Erneuerung der Ausstellung des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände und dem Instandsetzungskonzept zur Bestanderhaltung Zeppelintribüne/Zeppelinfeld. Die Kulturläden stehen am Beginn eines Prozesses der inhaltlichen Neupositionierung. Ähnlich wie das Gemeinschaftshaus Langwasser befindet sich auch das Künstlerhaus gerade in der Generalsanierung, so dass Gruppen und Akteure zur Zwischennutzung in alternativen Räumlichkeiten arbeiten. Im Oktober 2019 konnte dagegen nach einer 18-monatigen Schließung die Kunsthalle den Ausstellungsbetrieb wiederaufnehmen. Währenddessen setzten im Berichtszeitraum dieses Bildungsberichts frisch bezogene Häuser wie die Kulturwerkstatt Auf AEG oder der Z-Bau neue Impulse und entwickelten erste Routinen, die das folgende Kapitel zu analysieren versucht.
2. Kinder- und Jugendarbeit
Die Kinder- und Jugendarbeit schafft wichtige Orte und Anlässe des non-formalen und informellen Lernens D für junge Menschen. Der gesetzliche Auftrag nach dem Kinderund Jugendhilfegesetz weist ihr insbesondere die Aufgabe zu, zur Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen beizutragen, indem sie in einem dezidiert von Freiwilligkeit geprägten Umfeld Entfaltung, Selbstbestimmung des/der Einzelnen und das Erkennen und Vertreten eigener Interessen innerhalb der Gruppe nach demokratischen Spielregeln fördert.4 Dabei folgt die Offene Kinder- und Jugendarbeit in Nürnberg mit ihrer Vielfalt an Themen und Angebotsformen dem 2008 formulierten Leitbild „viele Angebote für Viele, statt ein Angebot für Alle“ zu machen.5 Zugleich ist sie durch ihren grundsätzlich voraussetzungslosen Zugang besonders in der Lage, Herkunftsnachteilen von Kindern und Jugendlichen entgegenzuwirken.
2.1 Offene Kinder- und Jugendarbeit
Die Offene Kinder- und Jugendarbeit in Nürnberg6 richtet sich an Heranwachsende von sechs bis 27 Jahren. Mit einem spezifischen Set an Einrichtungen und Angeboten werden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in ihrer Nachbarschaft und Lebenswelt angesprochen. Grundlegend bei der Ausgestaltung des Angebotsportfolios sind sozialräumliche Gegebenheiten wie die vorherrschenden sozioökonomischen Lebenslagen, die Wohnsituation, aber auch andere vor Ort bestehende Bildungs- und Freizeiteinrichtungen. Berücksichtigung finden zudem spezielle soziale und kulturelle Ausprägungen der im Einzugsbereich lebenden Zielgruppen: Existierende Peer-Groups und Cliquen, aber auch Alters- und Geschlechterdifferenzierung, jugendkulturelle Zugehörigkeiten sowie Migrationshintergrund wären hier zu nennen.
Kinder- und Jugendhäuser, Jugendtreffs, Aktivspielplätze und mobile Angebote wenden sich entlang der Lebensspanne an unterschiedliche Zielgruppen wie Kinder ab sechs Jahren oder Teenager und junge Erwachsene bis 27 Jahre. Im Jahr 2018 betrieb die Stadt Nürnberg im Stadtgebiet 16 Kinder- und Jugendhäuser, zehn Jugendtreffs, das Jugendbüro Altstadt, das Stadtteilbüro FiSch in Schniegling, drei Streetwork-Projekte sowie zwei Spielmobile und die Mobile Jugendarbeit. Zudem existierten 15 „Aktiv-, Abenteuer-, Bau- und Naturspielplätze“ mit ausdifferenziertem Profil, deren Angebot in diesem Kapitel im Abschnitt 11 „Spielen in der Stadt“ näher erläutert wird.
Die Einrichtungen und Angebote der Kinder- und Jugendarbeit (Abb. H-1) liegen in der Planungs- und Gesamtverantwortung des Jugendamts und werden in städtischer Regie oder entsprechend des Subsidiaritätsprinzips durch freie Träger betrieben. Kinder- und Jugendhäuser wenden sich in einem von Erwachsenen abgegrenzten Raum an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von circa sechs bis 21 Jahren. Es existiert in jedem Kinder- und Jugendhaus einerseits eine spezifische Angebotspalette non-formaler Bildung, andererseits multiple Anlässe des ungerichteten Lernens auf alltäglicher und informeller Ebene. Die Themenfelder der Angebote wie Musik, Kunst, Medien oder Sport sind vielfältig und Schwerpunktsetzungen einem dauernden Wandel unterworfen. Kinder- und Jugendhäuser sind auch der Ort für Beziehungsarbeit und Beratung hinsichtlich einschlägiger Fragestellungen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen wie Familie und Psychosoziales, Schule und Ausbildung sowie Politik und Gesellschaft.
Jugendtreffs, die sich hauptsächlich an ein älteres Publikum bis 27 Jahren wenden, arbeiten teilweise ähnlich wie Kinder- und Jugendhäuser und offerieren zusätzlich Jugendgruppen die Möglichkeit, mit pädagogischer Unterstützung selbstverantwortlich in Eigenregie tätig zu werden. Zudem wird die kommunale Streetwork-Arbeit meist ausgehend von den Jugendtreffs eingesetzt.7 Im aufsuchenden Modus arbeiten die Streetworkerinnen und Streetworker im Quartier und bieten Beratung und Unterstützung an, die auf kontinuierlicher Arbeit mit dem Personenkreis der jungen Menschen im öffentlichen Raum basiert.
In Ergänzung zu den fest verankerten Kinder- und Jugendhäusern, Jugendtreffs und Aktivspielplätzen existieren Angebote mobiler Kinder- und Jugendarbeit (zum Beispiel in Form eines zum rollenden Jugendtreff ausgebauten Reisebusses), die in Nachbarschaften ohne entsprechende Einrichtungen präsent sind. Dazu gehören auch die beiden Spielmobile der Stadt, die für Kinder, schwerpunktmäßig im Grundschulalter, Spielaktionen und Projekte mit handwerklicher, kultureller, erlebnis- oder theaterpädagogischer sowie sportlicher Ausrichtung anbieten. Die in der Regel an drei aufeinander folgenden Nachmittagen durchgeführten Aktionen finden im Sommer im öffentlichen Raum, im Winter in Schulen, Horten oder Kinder- und Jugendhäusern statt.
Abb. H-1:
Angebote der Offenen
Kinder- und Jugendarbeit
in Nürnberg, 2019
GGrrooßßggrrüünnddllaacchh
NNeeuunnhhooff
BBuucchheennbbüühhll
BBuucchh FFlluugghhaaffeenn
TThhoonn SScchhaaffhhooff
MMaaxxffeelldd
MMuuggggeennhhooff LLaauuffaammhhoollzz
AAllttssttaaddtt HHööffeenn
ZZeerrzzaabbeellsshhooff BBrruunnnn
SStt.. LLeeoonnhhaarrdd
GGiibbiittzzeennhhooff DDuuttzzeennddtteeiicchh
RRöötthheennbbaacchh FFiisscchhbbaacchh
LLaannggwwaasssseerr
RReeiicchheellssddoorrff
Legende
Stadtteil
KKoorrnnbbuurrgg
Bewohnte Fläche
Kinder- und Jugendarbeit
Kinder- und Jugendhaus (städtisch)
Kinder- und Jugendhaus (freier Träger)
Jugendtreff (städtisch) Quelle: Sachdaten: Stadt
Jugendtreff (freier Träger) Nürnberg, Amt für Kinder,
Streetwork (städtisch) Jugendliche und Familien –
Aktivspielplatz (städtisch und freier Träger) Jugendamt; Kartenerstellung:
Aktivspielplatz (freier Träger) Amt für Stadtforschung und
Statistik für Nürnberg und
Fürth.
Die Längsschnittbetrachtung der Nutzungen der Jahre 2012 bis 2018 (Abb. H-2) zeigt einen kontinuierlichen Anstieg der Teilnahmen in den Kinder- und Jugendhäusern. Auch die Jugendtreffs verzeichnen nach einem Rückgang bis ins Jahr 2016 (81920 Nutzungen) wieder einen Zuwachs. Die steigenden Nutzungszahlen resultieren aus der Orientierung an aktuellen soziodemografischen Entwicklungen bei der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Angebots. So besuchen junge Geflüchtete, die seit 2015 neu in Nürnberg Alebbbe. nH,- 2z:w Biescsuhcehnez edietrli csthä ddtieis cEhinenri cAhntguenbgoetne ddeerr OOffffeenneenn K Kinindedre- r- und Jugendarbeit.
und Jugendarbeit in Nürnberg nach Einrichtungen, 2012 bis 2018
Abb. H-2:
Besuche der städtischen Anzahl Besuche
Angebote der Offenen
500 000
Kinder- und Jugendarbeit in
Nürnberg nach Einrichtungen, 450 000 17 852 13 701
| 20 457 24 185 24 358 23 722 | 2 | 0 62 | 8 | 16 276 | ||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 7 21 | 2 | 10 867 | 2 | 2 05 | 1 | 20 722 | 17 569 | 100 312 | |||||
| 94 091 | 18 102 | 88 974 | 89 394 | 81 920 | 91 931 | |||||||||
| 91 891 | ||||||||||||||
| 319 682 | 323 026 | |||||||||||||
| 266 602 | 249 456 | 267 980 | 291 769 | 299 405 |
2012 bis 2018
400 000
350 000
300 000
250 000
200 000
150 000
100 000
50 000
Anmerkung: Ohne Aktivspielplätze. 0
2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Quelle: Stadt Nürnberg, Amt
für Kinder, Jugendliche und Kinder- und Jugendhäuser Jugendtreffs Streetwork Mobile Angebote Familien – Jugendamt. Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt. Das Spektrum der Offenen Kinder- und Jugendarbeit der Stadt Nürnberg kann in verschiedene Angebotsformen und Arbeitsfelder gegliedert werden, deren Verteilung im Jahr 2018 hier exemplarisch gezeigt wird (Abb. H-3). Anmerkung: Ohne Aktivspielplätze. Hinsichtlich der Besuche und Teilnahmen an Angeboten der Offenen Kinder- und Jugendarbeit stehen Offene Treffs für Kinder (78101 Teilnahmen) sowie für Jugendliche und junge Erwachsene (111712 Teilnahmen) in den Häusern im Mittelpunkt. Hierzu zählen auch sogenannte zusätzliche betreute Angebote für Kleingruppen, die kurzfristig stattfinden. Bei Streetwork und mobilen Angeboten (15184 Teilnahmen) handelt es sich, wie oben beschrieben, um aufsuchende Gesprächs-, Beratungs- und Kontaktangebote sowie um aufsuchende und betreute Freizeit-, Spiel- oder Sportangebote an oft informellen Treffpunkten oder in den Jugendtreffs. Zum Gesamtspektrum zählen zudem gruppenpädagogische Angebote und Kurse (20431 Teilnahmen), besondere, zeitlich begrenzte Projekte (17087 Teilnahmen) und die gezielte Beratung und Einzelfallhilfe (26550 Teilnahmen). Hohe Frequenzen ergeben sich mit der externen Nutzung durch Familien, Initiativen, Gruppen aus den Stadtteilen (78046) und den selbstverwalteten
Abb. H-3: Angebotsspektrum der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Nürnberg, 2018
Abb. H-3:
Anzahl Angebotsspektrum der
Teilnahmen Offenes Programm für Kinder Offenen Kinder- und Jugend-
arbeit in Nürnberg, 2018
42 079 Offenes Programm für Jugendliche
78 101
Streetwork und Mobile Angebote
25 207
Gruppenangebote und Kurse
Projekte
78 045
Beratung und Einzelfallhilfe
111 712 Ausflüge und Fahrten
Ferienprogramme
6 423 26 550
Externe Nutzergruppen
2 967
Selbstverwaltung und Partizipation
17 087
20 431 15 164 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt
Veranstaltungen für Kinder, Jugendliche und
Familien – Jugendamt.
Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt. Zeiten (25207 Teilnahmen) in den städtischen Einrichtungen auch außerhalb der pädagogisch betreuten Angebotszeiten. Einen weiteren wesentlichen Typ im Angebotsspektrum stellen die Veranstaltungen dar (42079 Teilnahmen).
Wiederholte Befragungen der Besucherinnen und Besucher (2010/11 und 2016)8 ergaben, dass mehrheitliches Interesse am offenen Programm der Einrichtungen besteht. Hier sind es unter anderem der ungerichtete Kontakt zur Peer-Group oder der Austausch über persönliche Fragestellungen mit dem pädagogischen Personal, die als besonders wichtig erachtet wurden.
Die Evangelische Jugend Nürnberg (ejn), die auch in den 46 evangelischen Kirchengemeinden mit Angeboten wie Kinder- und Jugendgruppen aktiv ist, unterhält fünf Kinder- und Jugendhäuser in Nürnberg: in den Stadtteilen Schoppershof (Kinder- und Jugendhaus Mammut), St. Leonhard (Stadtteilhaus Leo), Langwasser-Nord (Kinder- und Jugendhaus Martin Niemöller, Jugendhaus Phönix) und Nordostbahnhof (Kinder- und Jugendhaus nob) sowie den Aktivspielplatz Mammut. Im Jahr 2018 besuchten insgesamt 34021 Kinder und Jugendliche die Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit der Evangelischen Jugend Nürnberg. Hiervon waren 34% weiblich und 66% männlich. 73% hatten einen Migrationshintergrund und bei 8% lag eine Fluchterfahrung vor.9
Der Kreisjugendring Nürnberg-Stadt ist selbst Träger von sechs Einrichtungen,10 die sich mit spezifischer Zielsetzung an Kinder und Jugendliche wenden. Neben dem Informationszentrum „Jugend Information Nürnberg“ in den Räumen des KunstKulturQuartiers existieren mit „Luise - The Cultfactoy“ und dem „Quibble“ zwei Häuser der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Das Jugendkinderkulturzentrum Quibble richtet sich dabei
mit seinem Angebot auch gezielt an Schulen. Im Jahr 2018 fanden Schulprojekttage zu Themen wie Berufsorientierung oder Gewaltprävention sowie Qualikurse zur Prüfungsvorbereitung statt.
2.2 Jugendbildung
Ein besonderes Angebot des Kreisjugendrings stellt die rund 50 Kilometer westlich von Nürnberg gelegene Jugendbildungsstätte Burg Hoheneck dar. Das mit 80 Schlafgelegenheiten ausgestattete Tagungs- und Seminarhaus widmet sich seit 1984 bei seiner Bildungsarbeit im Schwerpunkt der politischen Bildung, der Entwicklung von Schlüsselkompetenzen und der kulturellen Bildung. Die Besucherinnen und Besucher der Jugendbildungsstätte kamen 2018 zu 95 Prozent aus Bayern. In den letzten zehn Jahren variierte das Verhältnis der Teilnehmenden aus Nürnberg, Mittelfranken und Bayern in den Berichtsjahren geringfügig, zuletzt kamen im Jahr 2018 24,4% aus Nürnberg, 59,0% aus Mittelfranken und 12,4% aus anderen bayerischen Regierungsbezirken. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen aus Schule, Ausbildung und Studium hat sich seit 2008 leicht verringert und entsprach 2018 mit 37,6% etwa dem Anteil der Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der Jugendverbandsarbeit. Beispielhaft sind hier die Seminare zur Gruppenleitergrundausbildung (Juleica) zu nennen. Die absoluten Zahlen der Teilnahmen auf der Burg Hoheneck waren zuletzt jährlichen Schwankungen unterworfen: Nach einem allmählichen Rückgang von 2011 (7175 Teilnahmen) bis 2016 (5943 Teilnahmen), stiegen die jährlichen Teilnahmen seitdem wieder (2018: 6247 Teilnahmen).11
In Nürnberg hat die Akademie des Caritas-Pirckheimer-Hauses die Jugendbildung stark ausgeweitet, unter anderem mit den neugeschaffenen Räumlichkeiten der Jugendlounge, und bietet für Auswärtige mehrtägige Seminare und Workshops zu politischen Themen mit spezifischem Nürnberg-Bezug wie dem Nationalsozialismus oder den Menschenrechten an. Hier waren im Jahr 2018 4166 Teilnehmertage zu verzeichnen.12
2.3 Jugendverbandsarbeit
Als Arbeitsgemeinschaft von Jugendverbänden13 vertritt der Kreisjugendring Nürnberg- Stadt ein breites Spektrum ortsansässiger Jugendorganisationen und leistet in diesem Netzwerk auch Bildungsarbeit für seine Mitglieder. An Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene richtet sich der Kreisjugendring auch direkt mit sechs eigenen Angeboten und Einrichtungen in Nürnberg14 und kooperiert dabei in der Praxis häufig mit städtischen und nicht-städtischen Akteurinnen und Akteuren. Die 64 Jugendverbände und -gemeinschaften, die 2018 im Kreisjugendring Nürnberg-Stadt organisiert waren, unterscheiden sich in Größe, personeller Besetzung und Arbeitsweise erheblich. Der Kreisjugendring, der die Mitgliedsverbände in politischen und fachlichen Gremien und Netzwerken vertritt, rubriziert die Einzelverbände in neun Bereiche (Abb. H-4). In der Aufstellung zeigt sich das breite Spektrum der Jugendarbeit in Nürnberg, wo zunehmend auch internationale Jugendverbände vertreten sind.
Abb. H-4:
Internationale Natur und Umwelt Gesellschaftspolitik
Mitgliedsverbände des Kreis-
Jugendverbände
jugendrings Nürnberg-Stadt
Deutsche Wanderjugend altanet | jungenetzkultur
nach Themenbereichen, 2018
AFS Komitee Nürnberg e.V. Fischerjugend im EAV Gleißhammer GSN – Gemeinsame Initiative von Deutsch-Türkisches Jugendwerk Jugend BUND Naturschutz (JBN) und für SchülerInnen und StudentInnen in Nürnberg e.V. Deutsche Jugend in Europa – djo Jugend des Deutschen Alpenvereins Jugendinitiative junge Lesben und Jugendgemeinschaft Eisbrecher (JDAV) Schwule bei Fliederlich e.V. Jugendgemeinschaft Lajkonik NaturFreundeJugend Junge HumanistInnen – JuHu Nürnberg Jugendtreff International – Naturschutzjugend (NAJU) SJD – Die Falken Begegnungsstube Medina Stadt SV Nürnberg Union der eritreischen Jugend Konfessionelle Vietnamesisch-Buddhistischer Jugendverbände Kinder- und Jugendtreff Adventjugend Nürnberg
Beruf und Politik
Bund der Alevitischen Jugend Wohlfahrt und Hilfe Bund der Deutschen Katholischen Bund der Kaufmannsjugend im DHV Arbeiter-Samariter-Jugend Jugend – BDKJ Deutsche Beamtenbundjugend Nürnberg-Fürth Christliche Jugendgemeinschaft DGB-Jugend Langwasser DLRG-Jugend Jugendgruppe Özgür Genclik DITIB Nürnberg e.V. im LV Nordbayern Johanniter-Jugend Junge Stimme e.V. Evangelisch-methodistische Jugend Jugendfeuerwehr Nürnberg Kreisjugendwerk (KJW) Nürnberg e.V. Nürnberg Jugendrotkreuz Nürnberg Evangelisch-reformierte Jugend Malteser Jugend Nürnberg e.V. Evangelische Jugend Nürnberg – ejn THW-Jugend Nürnberg Jugendkultur Jugend der Baptistengemeinde Jugend der Ecclesia Gemeinde Nürnberg Alternative Kultur Nürnberg e.V.
Pfadfinder
Jugend der Freien Christengemeinde Bayerische Trachtenjugend – SV Tracht Nürnberg BdP – Stamm Sigena Fränkische Fastnachtsjugend Jugend der Freien evangelischen Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg Gründlacher Kinderchor Gemeinde (DPSG) Jugend des Trachtenverbandes Nehemia team e.V. Pfadfinderbund Weltenbummler e.V. Mittelfranken – SV Tracht Pfadfinderinnenschaft St. Georg (PSG) Jugend im Fränkischen
Sport Harmonikaverband
Royal Rangers Panne e.V. Verband Christlicher Pfadfinderinnen Bayerische Sportjugend im BLSV e.V. und Pfadfinder (VCP) Rapid Ei Movement Schützenjugend Nürnberg Quelle: Kreisjugendring Vineyard Nürnberg Jugend Solidaritätsjugend Nürnberg-Stadt, Jahresbericht 2018.
3. Familienbildung
Familienbildung gibt Familien Orientierungshilfe und Unterstützung bei der Bewältigung ihres Alltags. Sie basiert auf den gesetzlichen Grundlagen des bundesweiten Kinder- und Jugendhilfegesetzes (§ 16) unter der Überschrift „Allgemeine Förderung der Erziehung in der Familie“. Dort ist gesetzlich festgelegt, Familien durch spezielle, gezielte Leistungen und Hilfestellungen beim Erlernen neuer Kompetenzen zu fördern und zu unterstützen, um so das Familienleben zu erleichtern.15 Dabei wird eine präventive, bedarfsgerechte und niedrigschwellige Familienbildung gefordert, um möglichst viele Familien, und vor allem auch solche mit schwierigen Rahmenbedingungen, erreichen zu können.
In Nürnberg werden zahlreiche Bildungsangebote durch verschiedene Träger bereitgestellt, die sich hinsichtlich ihrer formalen Organisation sowie des Grades der Spezialisierung auf Familienbildung unterscheiden. Die Koordination hat der Stab Familienbildung des Jugendamts inne. Er führt Bestandsaufnahmen und Bedarfsanalysen durch, vernetzt bestehende Angebote und konzipiert neue.16 Im Jahr 2011 wurde gemäß § 78 SGB VIII17 eine Arbeitsgemeinschaft Familienbildung gegründet, welche die partnerschaftliche Zusammenarbeit der Nürnberger Träger, Initiativen und Projekte in diesem Bereich fördert. Die Geschäftsführung dieser Arbeitsgemeinschaft obliegt ebenfalls dem Stab Familienbildung im Jugendamt.
Im Stadtgebiet gibt es zehn Familienbildungsstellen verschiedener Träger,18 darunter sowohl klassische Familienbildungsstätten als auch Beratungsstellen, die Informationen, Beratung, Kurse und Familienaktionen anbieten.19 Sieben Familienbildungsstellen werden zudem als Familienstützpunkte vom Freistaat Bayern bezuschusst und bieten zusätzlich zu ihren Programmen Information und Beratung zu Fragen der Erziehung und Angeboten der Familienbildung in Nürnberg.20
Die Familienbildung in Nürnberg gestaltet sich sehr vielfältig und findet meist in gruppenpädagogischen Angeboten, Einzelberatungen, Seminaren, Vorträgen und Familienfreizeiten statt. Die Angebote sind kostengünstig, teilweise gebührenfrei sowie freiwillig. Ausländerrechtliche Aspekte spielen bei den Programmen keine Rolle, sodass eine Teilnahme für jede interessierte Familie möglich ist. Die Familienbildungsstellen in Nürnberg haben in der Vergangenheit auf den starken Zuzug von Neuzugewanderten reagiert und die bestehenden Angebote ausgeweitet und angepasst.21
Exemplarisch für die Familienbildung in Nürnberg soll hier das Angebot der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Nürnberg e.V. (AWO) vorgestellt werden. Als einer der sieben Familienstützpunkte in Nürnberg bietet die AWO über den Nürnberger Kreisverband eine Vielzahl von Elternbildungsprogrammen für Eltern von der Schwangerschaft bis zur Einschulung der Kinder. Durch gezielte Angebote sollen der Lernort Familie gestärkt und die Chancen auf einen erfolgreichen Schulstart der Kinder verbessert werden. Dabei handelt es sich um niedrigschwellige Präventions- und Integrationsprogramme, die sich speziell an sozial benachteiligte Familien sowie an Familien mit Zuwanderungsgeschichte richten
und überwiegend durch Hausbesuche sowie Gruppentreffen umgesetzt werden. Mit proaktiver und aufsuchender Elternarbeit sollen mögliche Benachteiligungen der Kinder zu Beginn ihrer Bildungsbiographien ausgeglichen und gleichzeitig die Integrationsbemühungen der Familien unterstützt werden.
Die AWO erreichte im Jahr 2018 insgesamt 511 Familien mit ihren Elternbildungsprogrammen. Davon besuchten 42,3% (216) das Programm „PAT – Mit Eltern Lernen“ (Parents as Teachers) und 37,8% (193) das Programm HIPPY (Home Instruction for Parents of Preschool Youngsters). Jede fünfte teilnehmende Familie (20,0%, 102 Familien) nahm am Programm „Nürnberger Elternbegleiterinnen“ teil (Abb. H-5). Der starke Anstieg der Teilnehmendenzahl im Programm PAT im Jahr 2016 von 142 auf 204 Personen lässt sich auf zusätzliche PAT-Gruppen für Geflüchtete zurückführen, die mittels eingeworbener Drittmittel eingerichtet werden konnten. Im Programm HIPPY führte die Aufnahme von geflüchteten Familien zwischen 2017 und 2018 zu einem leichten Teilnehmerrückgang, da bei den Hausbesuchen wegen der notwendigen Übersetzungen
Abb. H-5: Teilnehmende an den Elternbildungsprogrammen PAT, HIPPY und Nürnberger
eine längere Dauer eingeplant werden musste.
Elternbegleiterinnen der AWO Nürnberg, 2015 bis 2018
Abb. H-5:
Teilnehmende an den Eltern-
116 142
Nürnberger
bildungsprogrammen PAT,
Elternbegleiterinnen
HIPPY und Nürnberger Eltern-
begleiterinnen der AWO
Nürnberg, 2015 bis 2018
HIPPY
PAT
Insgesamt 549
0 100 200 300 400 500 600
2015 2016 2017 2018 Anzahl Teilnehmende Quelle: AWO Kreisverband
Nürnberg e.V. Quelle: AWO Kreisverband Nürnberg e.V. Im Jahr 2018 kamen die teilnehmenden Familien aus über 50 Ländern, wobei ein Fünftel der Familien türkische Wurzeln (22,1%) hatte. Familien aus Äthiopien und Syrien waren mit 12,9% und 12,1% die nächstgrößten Gruppen, gefolgt von den Familien aus dem Irak (9,4%) und aus Aserbaidschan (5,3%). Zwei Drittel der Teilnehmenden (66,3%) der drei Elternbildungsprogramme waren 2018 im Besitz eines Nürnberg-Passes D. Vor allem im PAT-Programm kommt die Förderung weitgehend Familien mit geringen finanziellen zugute.22 Somit erreichen die Programme sowohl Familien mit Migrationshintergrund D als auch Familien in prekären Lebenslagen. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag, Bildungsbenachteiligung bereits im frühkindlichen beziehungsweise vorschulischen Lebensalter abzubauen.
Neben den Familienstützpunkten und den zehn zentralen Familienbildungsstellen der Arbeitsgemeinschaft Familienbildung nach § 78 SGB VIII gibt es in Nürnberg weitere Einrichtungen, die familienbildende Angebote unterbreiten: Der Allgemeine Sozialdienst des Jugendamts der Stadt Nürnberg, das Modellprojekt „Perspektiven für Familien“, die Abteilung Frühe Hilfen des Jugendamts, die Erziehungsberatung sowie weitere individuelle Ansätze von Kindertageseinrichtungen, Jugendtreffs und Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, die das Angebot abrunden.23
4. Erwachsenenbildung
Der Begriff Erwachsenenbildung ist nicht trennscharf und wird oft synonym mit dem der Weiterbildung verwendet. Während die berufliche und auf den Beruf bezogene Weiterbildung im Bildungsbericht in Kapitel G behandelt wird, enthält der vorliegende Abschnitt Informationen zu Bildung, die nach dem im Juni 2018 novellierten Erwachsenenbildungsgesetz (BayEBFöG) gefördert wird. In Bayern existieren mit der Arbeitsgemeinschaft für Evangelische Erwachsenenbildung (AEEB), dem Bayerischen Volkshochschulverband (bvv), der Katholischen Landesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung und dem Bildungswerk des Bayerischen Bauernverbandes (BBV-BW) staatlich anerkannte Landesorganisationen, die vom Freistaat geförderte Maßnahmen der Erwachsenenbildung durchführen. Unter den derzeit 14 vom Bayerischen Kultusministerium genannten Themenbereichen der Erwachsenenbildung summierten sich 2016 die vier größten Bereiche „Sprachen“ (38,0%), „Gesundheitsbildung“ (21,7%), „Lebens- und Erziehungsfragen“ (10,4%) sowie „Kunst“ (9,8%) auf einen Anteil von circa 80 Prozent an Teilnahmen.24
In Nürnberg machen die Volkshochschule Bildungszentrum, das (evangelische) Forum Erwachsenenbildung (feb), die Katholische Erwachsenenbildung Nürnberg (KEB), die Evangelische Stadtakademie und die Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus ein umfassendes Angebot organisierten Lernens für Erwachsene.
4.1 Bildungszentrum
Das Bildungszentrum verfügt als städtische Volkshochschule seit 1997 am Gewerbemuseumsplatz über ein zentrales Seminargebäude in bester Innenstadtlage im Ensemble mehrerer benachbarter städtischer Kultureinrichtungen wie Stadtbibliothek, Stadtarchiv und Kunst- und Kulturquartier KuKuQ. Neben diesem zentralen Lernort, dessen Nutzung im Jahr 2019 durch einen Beschluss des Stadtrats bestätigt wurde,25 existiert mit dem südpunkt in der Nürnberger Südstadt seit 1999 ein weiteres, für den Betrieb des Bildungszentrums prägendes Gebäude, das in Kooperation mit der Stadtbibliothek und dem Amt für Kultur und Freizeit betrieben wird. Zudem nutzt das Bildungszentrum für Lehrveranstaltungen im Stadtgebiet verteilt verschiedene Schulhäuser und Mietobjekte, ohne eine den Kulturläden in Nürnberg vergleichbare, eigene Infrastruktur vorweisen zu können. Organisatorisch zählt seit 1994 das Nicolaus-Copernicus-Planetarium zum Bildungszentrum, das den Bereich der MINT-Angebote (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) mit seinen Vorführungen und Vortragsangeboten abdeckt. Die Veranstaltungen im Planetarium wurden 2018 von 68709 Personen besucht.26
Das von Fachteams organisierte Programm des Bildungszentrums gliedert sich in fünf Bereiche, die an Bayerischen Volkshochschulen einschlägig sind: Beruf und Karriere, Gesellschaft und Kultur, Gesundheit, Grundbildung und Sprachen. Zudem bestehen (zusätzlich zum Planetarium) einige besondere Angebote wie eine Bildungsberatungsstelle (vergleiche Kapitel G, Abschnitt 8.1) sowie ein offenes Lernzentrum für selbstgesteuertes Lernen.
Das Kursprogramm des Bildungszentrums verzeichnete im Jahr 2017 719810 Teilnehmerdoppelstunden und im darauffolgenden Jahr 815515.27 Damit ergibt sich eine Steigerung gegenüber dem Jahr 2016 (804061), die im Verhältnis zum Jahr 2015 (714775) noch deutlicher ausfällt. Eine Ausweitung der Sprach- und Integrationskurse sowie der berufsbezogenen Deutschförderkurse (vergleiche Kapitel G, Abschnitt 6.2) und der Ausbau des Gesundheitskursangebots durch neue Kooperationen und Projekte waren hierfür maßgeblich.
Die bis zum Jahr 2016 beobachtbare Entwicklung einer zunehmend älteren Teilnehmerschaft (16 bis 35 Jahre: 26,4%, 35 bis 55 Jahre: 42,2% und über 55 Jahren: 31,4%)28 hat sich in den beiden Berichtsjahren nicht fortgesetzt. Vor allem die Sprach- und Integrationskurse mit ihrem jüngeren Publikum trugen dazu bei, dass die Teilnehmerschaft des Bildungszentrums im Jahr 2018 wieder etwas jünger wurde. Ein Blick auf die Altersverteilung innerhalb der fünf Fachteams offenbart Unterschiede innerhalb der Abteilungen (Abb. H-6). Während die Grundbildung auf Basis ihres spezifischen Kursangebots (Zweite Chance/nachzuholende Schulabschlüsse; Alphabetisierung für Jugendliche etc.) mit 83,2 Prozent Teilnahmen bis 35 Jahren eine Sonderstellung einnimmt, ist fast jede/r zweite Teilnehmerin und Teilnehmer am Kursangebot im Bereich „Gesellschaft und KultAubrb“., He-in6:e Tmei lknlaahssmisecqhueont ePnu ibmli kBuilmdusnagnsgzeebnotrtu, mda ims f rBeilidwuinlliggs cbaemsupcuhs tN würirndb,e ürgb enra 5ch5 Jahre alt.
Fachteams und Altersgruppen, 2018
Abb. H-6:
Teilnahmequoten (in %) 100 3,4 90 24,2 13,4 24,6 49,2 32,6 32,3 80 70 60 36,2 51,5 50 36,1 47,3 83,2 40 30,3 30 20 39,2 31,7 10 24,2 20,5 20,1 0 Beruf und Gesellschaft Gesundheit Grundbildung Sprachen Insgesamt Karriere und Kultur 16 bis unter 35 Jahre 35 bis unter 55 Jahre Über 55 Jahre
Teilnahmequoten D im
Bildungszentrum im
| 3,4 | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 24,2 | 49,2 | 32,6 | 13,4 | 24,6 | 32,3 | |
| 51,5 | 36,2 | |||||
| 47,3 | 83,2 | 36,1 | ||||
| 30,3 | ||||||
| 24,2 | 20,1 | 39,2 | 31,7 | |||
| 20,5 |
Bildungscampus Nürnberg
nach Fachteams und Alters-
gruppen, 2018
Anmerkung: Ohne Planetarium. Gesellschaft und Kultur einschließlich Fachgruppe „barrierefrei Lernen“. Quelle: Stadt Nürnberg,
Bildungszentrum im Bil-
dungscampus Nürnberg.
Quelle: Stadt Nürnberg, Bildungszentrum im Bildungscampus Nürnberg.
Anmerkung: Ohne Planetarium. Gesellschaft und Kultur einschließlich Fachgruppe "barrierefrei lernen".
Die Veränderungen im Verhältnis der Geschlechter wirkten sich auch auf die Belegung von Sprach- und Integrationskursen aus. In den Jahren 2017 (32,2%) und 2018 (32,3%) nahmen insgesamt mehr Männer als 2016 (31,6% Prozent) am Kursprogramm des Bildungszentrums teil.
Von 2015 bis 2018 erhöhten sich die Teilnahmen in allen fünf Fachteams des Bildungszentrums (Abb. H-7). In den Bereichen „Gesundheit“ und „Sprachen“ sind Zuwächse aufgrund zusätzlicher Sprach- und Integrationskurse und Kooperationen in der Gesundheitsbildung zu verzeichnen. Im Fachteam „Gesellschaft und Kultur“ ist zwar eine Verringerung festzustellen, die jedoch rein technischer Natur ist, da in den Berichtsjahren 2017
Abb. H-7: Teilnahmen an Angeboten des Bildungszentrums im Bildungscampus
und 2018 einzelne Arbeitsbereiche aus dem Fachteam ausgegliedert wurden.
Nürnberg nach Fachteams, 2015 bis 2018
Abb. H-7:
Anzahl Teilnahmen
Teilnahmen an Angeboten
des Bildungszentrums im Bil- 30 000
dungscampus Nürnberg nach
Fachteams, 2015 bis 2018
25 000 23 936
23 259
| 18 070 18 294 16 658 15 716 16 644 14 729 | |||
|---|---|---|---|
| 11 620 | |||
| 8 726 7 319 6 657 7 944 | 5 963 | ||
| 4397 2 047 |
20 000 2
15 000
10 000
5 000
Anmerkung: Ohne Planetarium. Gesellschaft und Kultur einschließlich Fachgruppe 0 „barrierefrei Lernen“. Beruf und Karriere Gesundheit Grundbildung Sprachen Gesellschaft
und Kultur
Quelle: Stadt Nürnberg,
2015 2016 2017 2018
Bildungszentrum im
Bildungscampus Nürnberg. Quelle: Stadt Nürnberg, Bildungszentrum im Bildungscampus Nürnberg.
Die Fachgruppe „barrierefrei Lernen“ im Bildungszentrum richtet sich mit ihren Bil- Anmerkung: Ohne Planetarium. Gesellschaft und Kultur einschließlich "barrierefrei lernen". dungsangeboten an Menschen mit und ohne Behinderungen D. Das Kursprogramm berücksichtigt die Lernbedürfnisse von Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen, wodurch sich inhaltliche, auf unterschiedliche Zielgruppen bezogene Akzentuierungen, aber auch organisatorische Besonderheiten, wie der Einsatz einer zusätzlichen Kursassistenz, ergeben. Kurse finden auch in Kooperation mit (oder in) Werkstätten für Menschen mit Behinderung, als projektförmige Bildungsarbeit wie beim Kulturpreisträger 2019, dem Theater Dreamteam, oder als mehrtägige Studienfahrten mit jährlich wechselnden Zielen statt.
Die Teilnahmen schwanken von Jahr zu Jahr leicht, oft sind organisatorische Gründe maßgeblich, bleiben in den Betrachtungsjahren bis 2018 insgesamt aber relativ stabil
Abb. H-8: Teilnahmen in den Kursen der Fachgruppe "barrierefrei Lernen" am Bildungsz-
entrum im Bildungscampus Nürnberg, 2015 bis 2018
Abb. H-8:
Anzahl Teilnahmen Teilnahmen in den Kursen
der Fachgruppe „barrierefrei
3 000 Lernen“ am Bildungszentrum
im Bildungscampus Nürn-
2 500 berg, 2015 bis 2018
| 2 420 | 2 373 | ||
|---|---|---|---|
| 2 285 | |||
| 2 200 |
2 000
1 500
1 000
0 Quelle: Stadt Nürnberg,
2015 2016 2017 2018 Bildungszentrum im
Bildungscampus Nürnberg.
Quelle: Stadt Nürnberg, Bildungszentrum im Bildungscampus Nürnberg. (Abb. H-8). Die Fachgruppe „barrierefrei Lernen“ verfolgt weiterhin das Ziel, mit dem Kursprogramm auch Menschen ohne Behinderungen anzusprechen: im Jahr 2018 rund ein Fünftel gemessen am gesamten Kursbetrieb der Abteilung.29
Die Fachgruppe wirkt dabei nicht nur mit eigenem Kursprogramm, sondern fungiert auch als Multiplikator der Bildungsarbeit für Menschen mit Handicap, indem sie innerhalb des Bildungszentrums (und darüber hinaus) Beratung und Expertise zu einschlägigen Fragestellungen zur Verfügung stellt.
4.2 Konfessionell geprägte Erwachsenenbildung
Die über die staatlich anerkannten Landesarbeitsgemeinschaften geförderte konfessionelle Bildungsarbeit findet in Nürnberg einerseits in den zentralen Bildungseinrichtungen Haus eckstein der Evangelischen Stadtakademie und in der Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus (CPH) statt, andererseits in den Kirchengemeinden selbst. Organisatorisch wird diese durch das „forum erwachsenenbildung – Evangelisches Bildungswerk Nürnberg“ (feb) und die „Katholische Erwachsenenbildung – Stadtbildungswerk Nürnberg“ (KEB) zusammengefasst.
Sowohl das vom evangelischen Dekanat Nürnberg getragene Haus eckstein als auch die katholische Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus prägen durch ihre Tätigkeit die Erwachsenenbildungsarbeit in Nürnberg. Einerseits bieten sie ein vielfältiges Bildungsprogramm mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten, andererseits fungieren sie auch für externe Gäste als Tagungs- und Konferenzstätte, im Falle des CPH auch mit angeschlossener Hotellerie. Beide Einrichtungen sind vielfach vernetzt mit weiteren Akteuren der Erwachsenenbildung in Nürnberg: Kommune, Verbände, Initiativen, Freiwilligenorganisationen und auch Angehörige anderer Konfessionen sind hier zu nennen. Zudem beteiligen sich eckstein und CPH an Projekten für bestimmte Zielgruppen
(Geflüchtete, Menschen mit Handicap) und zu aktuellen Themen der Integration und Inklusion. Die gesellschaftspolitische Ausrichtung des CPH zeigt sich in der kontinuierlichen Arbeit an Aspekten der Menschenrechtsbildung sowie der historischen und politischen Bildung in Nürnberg. Seit 2018 ist die Akademie auch eine von zwei „Kompetenzzentren für Demokratie und Menschenwürde“ in Bayern und versteht sich als Bindeglied katholischer Organisationen in Bayern, die sich rechtsextremen, rassistischen und menschenverachtenden Tendenzen durch Bildungs- und Vernetzungsarbeit entgegenstellen.
Unverändert findet die konfessionell geprägte Bildungsarbeit in Nürnberg überwiegend dezentral in den evangelischen und katholischen Kirchgemeinden unter der Administration der Bildungswerke feb und KEB statt (Abb. H-9). Die für feb, KEB, Caritas-Pirckheimer-Haus und Evangelische Stadtakademie dokumentierten Teilnahmen der Jahre 2012 bis 2018 veränderten sich im Verhältnis der Einrichtungen zueinander in der Größenordnung wenig, wiesen jedoch im Jahr 2018 fördertechnisch bedingt gravierende
Abb. H-9: Teilnahmen an zentralen und dezentralen Bildungsangeboten kirchlicher
Veränderungen auf.30
Träger in Nürnberg, 2012, 2014, 2016, 2018
Abb. H-9:
Teilnahmen an zentralen und Anzahl Teilnahmen
dezentralen Bildungsange-
boten kirchlicher Träger in 50 000
Nürnberg, 2012, 2014, 2016 45 000
und 2018
40 000
35 000
30 000
25 000
20 000
15 000
10 000
5 000
forum Katholische Katholische Akademie Evangelische
Erwachsenen- Erwachsenen- Caritas- Stadtakademie
bildung bildung Pirckheimer-Haus
Evangelisches Stadtbildungswerk
Bildungswerk Nürnberg
Nürnberg
Quelle: CPH, Evangelische 2012 2014 2016 2018
Stadtakademie, feb, KEB.
Quelle: CPH, Evangelische Stadtakademie, feb, KEB. Nach wie vor sind in Nürnberg auch andere Religionsgemeinschaften wie der Verein Begegnungsstube Medina, die Israelitische Kultusgemeinde oder das Begegnungszentrum Brücke – Köprü in der Bildungsarbeit aktiv.
Wichtig: CPH bittet um Kenntnisnahme durch CPH vor Gesamtveröffen-
tlichung des Bildungsberichts (Frau Katheder)
5. Bildung im höheren Erwachsenenalter
Mit dem Eintritt in die nachberufl iche Phase tritt für Menschen ab etwa 65 Jahren das Angebot non-formaler Bildung noch stärker in den Vordergrund. Zu dieser sehr heterogenen Bevölkerungsgruppe zählen die sogenannten aktiven Ruheständlerinnen und Ruheständler ebenso wie die Hochbetagten im Alter von über 85 Jahren.
Im Jahr 2018 war jede/r fünfte mit Hauptwohnsitz in Nürnberg Gemeldete (106694) 65 Jahre oder älter. Der Anteil der Bevölkerung über 65 Jahren an der Gesamtbevölkerung ist seit 2008 von 20,8% auf 19,9% leicht gesunken (Tab. H-1). Der Frauenanteil in der Altersgruppe über 65 Jahren verminderte sich in diesem Zeitraum ebenfalls leicht und lag 2018 bei 58,1%.
Tab. H-1:
| Bevölkerungsstand | 2008 | 2010 | 2012 | 2014 | 2016 | 2018 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Bevölkerung ab 65 Jahre insgesamt | 103034 | 103376 | 104694 | 105484 | 106136 | 106694 |
| darunter weiblich (in %) | 59,4 | 58,9 | 58,6 | 58,1 | 58,2 | 58,1 |
| Anteil der Bevölkerung ab 65 Jahre an der Gesamt- bevölkerung (in %) | 20,8 | 20,8 | 20,6 | 20,4 | 20,0 | 19,9 |
Bevölkerung im Alter von
65 Jahren und älter mit
Hauptwohnsitz in Nürnberg,
2008, 2010, 2012, 2014, 2016
und 2018
Quelle: Amt für Stadtfor-
schung und Statistik für
Nürnberg und Fürth; Einwoh-
nermelderegister, jeweils
31.12. Die Angebote der non-formalen Bildung in Nürnberg richten sich einerseits nach den Bildungsinteressen von älteren Menschen, wobei häufi g Bildungs- und Freizeitangebote miteinander verbunden werden. Andererseits zielen Bildungsangebote darauf ab, Menschen im höheren Erwachsenenalter zu ermutigen und zu befähigen, ihre vielfältigen Kenntnisse und Erfahrungen weiterzugeben. Die Teilhabe an non-formaler Bildung bietet älteren Menschen die Chance, sich in nachfamiliären oder nachberufl ichen Phasen neu zu orientieren und individuelle Möglichkeiten bei der eigenen Lebensgestaltung und bei gesellschaftlichem Engagement zu fi nden.
Zu den wichtigen Anbietern von Bildung für Menschen im höheren Erwachsenenalter in Nürnberg gehören das Seniorenamt der Stadt Nürnberg, das Bildungszentrum (BZ) mit eigenen Angeboten sowie der dort angeschlossene Verein Alten-Akademie Nürnberg e.V., der Computer Club Nürnberg 50 plus e.V. (CCN 50 plus) und Wohlfahrtsverbände wie die Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Nürnberg e.V. (AWO) sowie Kirchengemeinden. Weiterhin nutzen Seniorinnen und Senioren reguläre Angebote kultureller Bildung in Theatern, Museen, Bibliotheken oder Kulturläden.
In städtischer Trägerschaft befi nden sich zwei Seniorentreffs, die Bildungs- und Freizeitangebote für Menschen im höheren Erwachsenenalter anbieten und vermitteln. Die beiden Seniorentreffs Bleiweiß in der Südstadt und Heilig-Geist in der Innenstadt boten 2018 mit jeweils eigenen Schwerpunkten insgesamt 73 Kurse in den Bereichen „Geist und Körper“, „Aktiv in Bewegung“, „Sprachen“ und „Kreativ“ mit insgesamt
909 Teilnahmen an. Im Jahr 2017 waren es 79 Kurse mit 1026 Teilnahmen. Im Jahr 2018 waren im Seniorentreff Heilig-Geist wie bereits in den Vorjahren vor allem Teilnahmen im Bereich „Sprachen“ zu verzeichnen, während im Seniorentreff Bleiweiß der Bereich „Gesundheit“ die höchsten Teilnehmerzahlen aufwies. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden in den beiden Seniorentreffs lag 2018 mit 75,6 Jahren höher als im Vorjahr (2017: 74,7 Jahre).31
In Nürnberg gibt es 15 stadtteilbezogene Seniorennetzwerke, in denen Träger, Einrichtungen, Organisationen, Initiativen sowie ehrenamtlich Engagierte im Stadtteil zusammenarbeiten. Damit ältere Menschen auch bei Hilfs- und Pflegebedürftigkeit im angestammten Wohnumfeld verbleiben und niedrigschwellige Angebote wahrnehmen können, ist ein Angebotsmix in den Stadtvierteln notwendig, um den verschiedenen Lebenslagen gerecht zu werden. Wichtig dabei sind Information und Beratung, alltagsbezogene Unterstützung, die Ermöglichung sozialer und gesellschaftlicher Teilhabe sowie präventiv wirkende Gesundheitsangebote.32 Die Seniorennetzwerke wurden seit 2006 stufenweise auf- und ausgebaut und sollen um bisher nicht einbezogene statistische Bezirke und Stadtteile ergänzt werden. Ziel ist es, die Netzwerke der quartiersorientierten Seniorenarbeit entsprechend der Bedarfe und Ressourcen im jeweiligen Stadtteil weiter zu stärken.33
Weitere Bildungsangebote für Menschen im höheren Alter
Die Fachgruppe „Kompetenzen für das Alter“ im städtischen Bildungszentrum nimmt verschiedene Aufgaben in der Bildungsarbeit mit Älteren wahr und offeriert im Fachteam „Gesellschaft und Kultur“ ein vielfältiges Angebot, das sich an den besonderen Bedürfnissen der Zielgruppe orientiert. Darüber hinaus versucht die Fachgruppe das allgemeine Kursprogramm der Volkshochschule für die Zielgruppe der Seniorinnen und Senioren besser zugänglich zu machen, wozu auch spezifische Angebote für diese Zielgruppe in anderen Fachteams beitragen. Die regelmäßigen Teilnahmen am spezifischen Programm des Fachteams „Kompetenzen für das Alter“ betrugen im Jahr 2018 703.34 Unabhängig davon sind die Teilnehmenden im Alter von über 65 Jahren am Gesamtprogramm des Bildungszentrum sehr gut und mit der Altersgruppe der 65- bis unter 75-Jährigen insgesamt am häufigsten vertreten.35
Verbände der freien Wohlfahrtspflege und Kirchen betreiben ebenfalls Seniorentreffs. So unterhält das Bayerische Rote Kreuz (BRK) Kreisverband Nürnberg-Stadt einen Seniorentreff in der Nunnenbeckstraße, in dem unter anderem Kurse, Seniorengymnastik, Gedächtnistraining, Mittagstisch und Beratung angeboten werden. Im Jahr 2018 waren 11248 Teilnahmen zu verzeichnen.36
Die Stadtmission Nürnberg e.V. unterhielt bis Ende 2018 eine Seniorenbegegnungsstätte in der Burgschmietstraße mit den Schwerpunkten Begegnung, Bildung und Beratung mit etwa 13000 Kontakten pro Jahr. Auf Grund deutlicher Zuschusskürzungen musste Ende 2018 das Angebot der Begegnung und Bildung im Seniorenzentrum selbst eingestellt
werden. Weite Teile der Bildungsangebote werden jedoch mit Kooperationspartnern wie den Kirchengemeinden oder Seniorennetzwerken dezentral fortgeführt, alle Beratungsangebote für Seniorinnen und Senioren sowie Angehörige konnten erhalten werden.37
Die Alten-Akademie arbeitet in enger Kooperation mit städtischen Partnern, vor allem dem Bildungszentrum, zusammen und nutzt auch Unterrichtsräume und andere Ressourcen der Volkshochschule. Im Studienjahr 2018/19 konnte die Altenakademie 17169 Teilnahmen verzeichnen. Am häufigsten wurden dabei Kurse der Bereiche „Leben im Alter, Gesundheit, Bewegung“ (20,7% aller Teilnahmen), „Sprachen“ (18,9%) und „Musik, Klassik, Jazz, Chor“ (16,0%) genutzt (Abb. H-10).
Für die Nutzung der Angebote ist der Besitz eines Akademiepasses und die Bezahlung der Studiengebühr notwendig. Im Studienjahr 2018/19 wurden für circa 1500 Akademiepässe die Studiengebühren bezahlt (2012/13: 1109 Akademiepässe). Die hohen Teilnahmezahlen resultieren also im Wesentlichen aus mehrmaligen Veranstaltungsbesu- Abb. H-10: Teilnahmen in der Alten-Akademie nach Themenfeldern, Studienjahr 2018/19 chen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
Abb. H-10:
Leben im Alter, Gesundheit, Bewegung Teilnahmen in der Alten-
Sprachen Akademie Nürnberg nach
Musik, Klassik, Jazz, Chor Themenfeldern, Studienjahr
Reiseberichte 2018/19
Spiele
Geschichte, Politik, Zeitgeschehen
Natur & Wissenschaft
Kunst, Kultur, Kunstgeschichte
Literatur
Führungen
Psychologie, Religion, Philosophie
Fahrten
Medien
Sonstiges
0 500 1 000 1 500 2 000 2 500 3 000 3 500 4 000
Quelle: Alten-Akademie
Anzahl Teilnahmen
Nürnberg e.V.
Quelle: Altenakademie e.V. Der Computer Club Nürnberg 50 plus e.V. (CCN 50 plus) verfolgt die Aufgabe, ältere Bürgerinnen und Bürger an neue Medien heranzuführen. Er stellt sein Kursangebot im Verbund mit dem Seniorentreff Heilig-Geist bereit und geht ursprünglich auf eine Initiative des Seniorenamts zurück. Der Verein hat mehr als 1800 Mitglieder, wobei der Frauenanteil bei etwa 60 Prozent liegt. Das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt bei circa 73 Jahren. Zwischen 2013 und 2018 stieg die Anzahl an Teilnehmenden von 2038 auf 2800. Im Jahr 2018 wurden insgesamt 1810 Kursteilnahmen und 990 Teilnahmen bei Vorträgen dokumentiert. Die höchsten Teilnahmeanteile konnten dabei die Kurse zu den Themen Smartphone, Tablet und iPhone erreichen, während die klassischen Kurse zu den Themen Internet, Excel und Word rückläufig waren.38
6. Soziokulturelle und spartenübergreifende
Zentren
Die Betrachtung non-formaler Bildung entlang der Lebensspanne oder nach Sparten wie Musik, Theater und Kunst ist nur bedingt geeignet, die Bildungspraxis in spartenübergreifenden Einrichtungen abzubilden. Zweifelsohne machen das Amt für Kultur und Freizeit mit seinen Kulturläden, das KunstKulturQuartier und der Z-Bau wichtige Angebote der kulturellen Bildung und werden dementsprechend in einem eigenen Abschnitt betrachtet.
6.1 Kulturläden und Amt für Kultur und Freizeit
Das Nürnberger Amt für Kultur und Freizeit (KUF) steht in der Tradition eines in den 1970er Jahren entwickelten Konzepts von Soziokultur und versammelt unter seinem Dach aktuell elf Kulturläden. Neben diesem soziokulturellen Kern, der gerade im Kontext der städtischen Kulturstrategie auch, aber nicht nur im Hinblick auf die laufende Bewerbung Nürnbergs zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025 weiterentwickelt wird, prägen eine Vielzahl unterschiedlicher Einrichtungen, Themen und Aktivitäten das Profil des KUF. Entsprechend existieren Abteilungen, die individuell und zielgruppengenau Bildungsangebote erarbeiten. Dabei variieren Organisation und Arbeitsweisen im Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne, im Inter-Kultur-Büro, im KinderKunstRaum und der Deutschen Akademie für Fußballkultur. Seit 2008 gehört zum KUF zudem auch die städtische Musikschule mit ihrem Regelangebot musikalischer Bildung und ihrer Beteiligung an übergreifenden Projekten wie zum Beispiel MUBIKIN.
Die Kulturläden vermitteln der Stadtbevölkerung wohnortnah und unabhängig von der Lebenslage niedrigschwellige Zugänge zu kulturellen Angeboten. Neben der Herstellung kultureller Teilhabe und der Unterstützung von Eigeninitiative sollen dadurch Begegnungen und Diskurs unter den Bürgerinnen und Bürgern – besonders auch unter interkulturellen Gesichtspunkten – gefördert werden. Im Profil und den Arbeitsweisen unterscheiden sich die Kulturläden je nach Stadtteil stark, immer jedoch machen sie ein sozialraumorientiertes, wohnortnahes Angebot in unterschiedlichen künstlerischen Genres zu aktuellen gesellschaftspolitischen und kulturellen Themen. Das breit gefächerte Programm umfasst Workshops und Kurse in allen künstlerischen Bereichen sowie Sprachen, Sport und Handwerk, Theater, Konzerte, Ausstellungen und Diskussionsveranstaltungen für die allgemeine Öffentlichkeit, aber auch Schul- und Kooperationsprojekte sowie Angebote für spezifische Zielgruppen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Alters.
Im Jahr 2017 verzeichneten alle Kulturläden bei 21845 Veranstaltungen 554078 Teilnahmen und damit einen mit den Vorjahren vergleichbaren Zuspruch des Publikums (Abb. H-11). Im Berichtsjahr 2018 nahmen 461234 Besucherinnen und Besucher am
Angebot der Kulturläden teil. Alleine ursächlich für den Rückgang ist die laufende Generalsanierung des besucherstarken Gemeinschaftshauses Langwasser, das von 2018 bis 2020 geschlossen bleibt. Die Besuchszahlen der meisten Kulturläden schwanken im Berichtszeitraum oftmals von Jahr zu Jahr, regelmäßige Zuwächse verzeichneten der südpunkt und die Kulturwerkstatt Auf AEG, die Ende 2016 den Betrieb aufnahm. Die Anzahl der Teilnahmen und Besuche lässt Rückschlüsse auf den Geschäftsbetrieb der einzelnen Kulturläden zu. Da der Besuch eines Sprachkurses, einer Ausstellung oder eines Konzerts unterschiedlich zu bewertende Bildungsakte darstellen, ist bei der Interpretation von Teilnahmen jedoch immer auch das Angebotsprofil der Einrichtung zu berücksichtigen.
Einen vertieften Aufschluss über die Struktur der Besucherschaft im Hinblick auf Alter, Geschlecht, Bildungsgrad und Lebenslage gibt die sogenannte Kulturladenumfrage des Amts für Stadtforschung und Statistik, die im Jahr 2021 wieder durchgeführt werden
Abb. H-11: Besucherzahlen der Kulturläden in Nürnberg, 2014 bis 2018
wird.
Abb. H-11:
Anzahl Besucher/-innen
Besucherzahlen der Kultur-
600 000 läden in Nürnberg, 2014 bis
500 000
400 000
300 000
200 000
100 000
2014 2015 2016 2017 2018
KUF im südpunkt Kulturladen Zeltnerschloss Kulturladen Ziegelstein
Vischers Kulturladen Kulturladen Röthenbach Kulturbüro Muggenhof/
Quelle: Stadt Nürnberg, Loni-Übler-Haus Kulturladen Schloss Almoshof Kulturwerkstatt Auf AEG Amt für Stadtforschung und Villa Leon Kulturladen Gartenstadt Gemeinschaftshaus Langwasser Statistik Nürnberg und Fürth, Statistisches Jahrbuch.
Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung und Statistik Nürnberg und Fürth, Statistisches Jahrbuch. Im Umfeld des Kinderkulturzentrums im Kachelbau ab 2008 entwickelt, zog der vom KUF betriebene KinderKunstRaum in die 2016 eröffnete Kulturwerkstatt Auf AEG. Eintägige Workshops für Schulen zu variablen Themen rund um Kunst, Gestaltung und MatAenrima.l Jbohieatnenne s:v Dieielf äBeltsiugceh,e riznathelerdn ilsiezgipelnin aäurfe e inLeerr n(aguesgleebgleenndheeteitne)n E bmeniet .Medien und darstellen-
In der Exceldatei wurden mir nur die Werte für zwei Spalten angezeigt -
den Kunstformen. Mit dem Kooperationspartner Schule richtet sich das Angebot der vielleicht sollen die auch leer sein. MIT Zahlen ist die Grafik aber m.E. nuonnle-sfeorlricmh aulnedn z uB ivlodlulgnegpa acknt meiint r eRdeugnedlasnytsetre Imnfo urmnadt ioenrr. eGiechhet adbaerm imit Teilnehmerinnen und Teil- Zweifelsfall natürlich nochmal ran. nehmer unabhängig von Lebenslage und Herkunft in verbindlicher Weise.
Neben dem Regelbetrieb laufender Workshops finden immer wieder Sonderprojekte wie das „Kulturhauptstadtbewerbungsbuch der Kinder“ oder Beteiligungen an Stadtteilveranstaltungen und Festen wie dem Tag der offenen Tür, „Boulevard Babel“ oder den jährlich stattfindenden Kulturtagen der Grund-, Mittelschulen und Förderzentren statt. Das Programm wird laufend weiterentwickelt, zum Beispiel auch in die Richtung der Freiund Ferienzeit von Kindern und Jugendlichen. Bei Ferienprogrammen werden prioritär Kinder aus dem Stadtteil angesprochen. Die im Jahr 2018 verzeichnete Steigerung der Besuchszahlen (Abb. H-12) rührt vor allem von der zunehmenden Teilnahme an Großveranstaltungen und Festen her, wo das Publikum spontan und oft im öffentlichen Raum Aanbgbe. Hsp-1ro2:c hBeesnu cwhierdrz.ahlen und Veranstaltungen des KinderKunstRaum, 2016 bis 2018
Abb. H-12: Besucherzahlen und Ver- Anzahl Schulklassen/Gruppen/Veranstaltungen Anzahl Besucher/-innen
anstaltungen des Kinder- 500 7 000
| 6 338 | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 4 678 | ||||||
| 4 453 | ||||||
| 196 | 215 | 216 | 232 | 239 | ||
| 173 |
KunstRaums, 2016 bis 2018
6 000
350 5 000
4 000
3 000
150 2 000
1 000
0 0
2016 2017 2018
Schulklassen und Gruppen
Quelle: Stadt Nürnberg, Amt
Veranstaltungen Besucherinnen und Besucher
für Kultur und Freizeit.
Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kultur und Freizeit. Eine Variante des KinderKunstRaums stellt die Schülerbaustelle in Kooperation mit der Handwerkskammer Nürnberg für Mittelfranken dar. Sie findet einmal jährlich für drei Wochen an einer Nürnberger Mittel- oder Förderschule statt und vermittelt Schülerinnen und Schülern Handwerk und Kunst beim Verschönern ihrer Schulhöfe.
Das KUF betreibt entlang der Wöhrder Wiese außerdem das „Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne“, das 2019 zum 25. Mal durchgeführt wurde. Über 100 pädagogisch betreute Stationen bieten den Besucherinnen und Besuchern vielfältige Erfahrungsmöglichkeiten zu verschiedenen Aspekten des alljährlich wechselnden Schwerpunktthemas. Auf dem Aktionsparcours am Pegnitzufer können spielerisch Einsichten in die Gesetze der Natur, in die Sinne des Menschen und in das Miteinander von Mensch und Umwelt gewonnen werden. Im Jahr 2019 verzeichnete das Erfahrungsfeld 78627 Besuche, wo-
von etwa die Hälfte (49,1%) Einzelbesuche waren. Als Außenveranstaltung schwanken die Besuchszahlen von Jahr zu Jahr wetterabhängig (2017: 81562 Besuche, 2016: 86251). Das Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne zieht dabei vor allem Kinder im Alter zwischen drei und zehn Jahren an. Den größten Anteil an den Besuchergruppen hatten 2018 Kindergärten (22,7%), gefolgt von Grundschulen (21,6%).39
6.2 KunstKulturQuartier
Das KunstKulturQuartier (KuKuQ) vereinigt als städtische Dienststelle verschiedene kulturelle Einrichtungen und -sparten unter mehreren Dächern. Abgesehen von der Tafelhalle im Osten der Stadt befinden sich die Kulturorte des KuKuQ zwischen der Pegnitz und der Bahnlinie im Ostteil der Innenstadt. Ihr Zusammenspiel ist in Abbildung H-13 schematisch illustriert.
Abb. H-13:
KunstKulturQuartier (KuKuQ) Aufbau des
KunstKulturQuartiers
(KuKuQ)
Tafelhalle
Kunstvilla Kunsthalle
mit Katharinenruine
Sammlung, Erforschung Ausstellungshaus Spielort für freie Tanz- und und Vermittlung regionaler für internationale Theatergruppen bildender Kunst Gegenwartskunst und Musikveranstaltungen
Kunsthaus Filmhaus
Internationale Gegenwartskunst, Filmfestivals und Ausstellungen und Filmprogramm interaktive Veranstaltungen
Künstlerhaus
Spartenübergreifende und partizipative Kulturangebote
Kultur Information Freie Kunst- und
Kreativgruppen
Ticketing und Beratung sowie für Kulturinteressierte Veranstaltungsreihen Quelle: Stadt Nürnberg,
KunstKulturQuartier; eigene
Darstellung.
Insgesamt verzeichneten die verschiedenen Häuser des KuKuQ im Jahr 2017 354735 Besucherinnen und Besucher (Abb. H-14). Das entspricht einem Zuwachs von 10,2% seit 2013, wobei der Zuwachs mit der Eröffnung der Kunstvilla im Jahr 2014 einhergeht.
Abb. H-14: Besucherzahlen in einzelnen Häusern des KunstKulturQuartiers (KuKuQ),
2013 bis 2017
Abb. H-14:
Besucherzahlen in Anzahl Besucher/-innen
einzelnen Häusern des
KunstKulturQuartiers 400 000
(KuKuQ), 2013 bis 2017 7 766
9 901
350 000 10 581 11 259
12 393
| 36 316 | 11 340 | 22 499 35 811 | 9 723 | 37 865 | 10 784 | 32 412 27 177 | 39 497 31 499 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 33 867 | 31 839 | 28 618 | 24 092 | ||||
| 29 483 | 31 201 | 23 618 | 48 919 | 50 028 | |||
| 24 014 | |||||||
| 44 867 | 37 023 | 45 344 | |||||
| 170 089 | 169 486 | 170 321 | 191 661 | 198 904 |
300 000
250 000
200 000
150 000
100 000
50 000
2013 2014 2015 2016 2017
Quelle: Stadt Nürnberg, Amt
für Stadtforschung und Sta-
Künstlerhaus Filmhaus Kunsthaus Kultur Information Tafelhalle Kunsthalle Kunstvilla tistik für Nürnberg und Fürth; Statistisches Jahrbuch.
QUELLE FEHLT Das Künstlerhaus beherbergt bereits für sich genommen mehrere Institutionen und Kultursparten sowie die Kultur Information, die zentrale Stelle für Beratung und Ticketvertrieb im KuKuQ. Daneben hat das Filmhaus seinen Sitz im Künstlerhaus, ebenso wie das Kunsthaus, verschiedene freie Kunst- und Kreativgruppen und Gastronomie. Darüber hinaus bestehen Kulturinitiativen, die mitunter der Selbstverwaltungsbewegung aus jener Zeit entspringen, als das Gebäude noch unter dem Namen KOMM firmierte. Das Künstlerhaus verfügt mit dem Werkstattbereich über zehn offene Werkstätten (Schreinerei, Steinmetz, Fotolabor, Schmiede, Computergruppe, Siebdruck, Porträtzeichnen, Keramik, Pixelwerkstatt, Fahrradwerkstatt). Hier können sich Bürgerinnen und Bürger für eine geringe Gebühr unter Anleitung selbst handwerklich und künstlerisch betätigen.
Darüber hinaus verfügt die private Schule „Werkbund Werkstatt Nürnberg“ über vier weitere Werkstätten. Das Angebot eines Werkstattjahres richtet sich vor allem an junge Menschen, die für ihre Berufs- beziehungsweise Studienwahl im gestalterisch-künstlerischen Bereich Orientierung suchen und darüber hinaus Basisqualifikationen und erste Arbeitserfahrungen sammeln wollen. Die Teilnehmerzahlen schwankten in den letzten acht Jahren zwischen 36 und 80. In diesem Zeitraum strebten insgesamt rund zwei Drittel der Teilnehmenden (68,8%) ein Studium im Bereich Design und Kunst an, 13,8% einen anderen Studiengang. Weitere 8,5% planten eine handwerklich-gestalterische Ausbildung.40 Das Künstlerhaus mit seinen Gruppen verzeichnete im Jahr 2017 insgesamt 198904 Besucherinnen und Besucher (Abb. H-14).
Das Filmhaus begleitet das Programm des zugehörigen Filmhauskinos pädagogisch und wissenschaftlich. Der Schwerpunkt liegt dabei eindeutig auf Filmen mit Bildungsanspruch, Erstaufführungen und (sub-)kultureller Brisanz jenseits vom Blockbuster-Kino. Im Jahr 2018 wurde dem Filmhaus Nürnberg erneut der Kinopreis des Kinemathekenverbunds – die höchste bundesweite Auszeichnung für kommunale Kinos – in der Kategorie „Kino, das zurückblickt“ verliehen. Bei insgesamt 2360 Veranstaltungen im Jahr 2018 verzeichnete es 49136 Besucher/-innen.41 Das Filmhauskino ist außerdem Austragungsort des Filmfestivals Türkei Deutschland sowie des Internationalen Menschenrechtsfilmfestivals (NIHRFF) und des damit verbundenen Schulkinoprojekts Open Eyes, die in Abschnitt 12.2 beleuchtet werden.
Mit dem Kunsthaus verfügt das Künstlerhaus auch über einen Bereich, der als Plattform für die regionale und internationale Kunst- und Ausstellungsszene fungiert. Die Kunstvermittlungsangebote werden ständig weiterentwickelt. So existiert unter dem Titel „Nachgefragt“ ein Format speziell für Seniorinnen und Senioren. In Kooperation mit dem Kunst- und Kulturpädagogischen Zentrum der Museen in Nürnberg (KPZ) wurden zudem Formate für Gehörlose und Hörgeschädigte entwickelt sowie das Vor- und Grundschulangebot ausgebaut.
Die Kunstvilla, das Museum für regionale Kunst in und aus Nürnberg, besitzt als einziges Ausstellungshaus im KuKuQ eine eigene Sammlung. Präsentiert wird sie in einer Dauerausstellung, die seit der Eröffnung bereits zweimal neu konzipiert wurde. Das Angebot fußt im Wesentlichen auf zwei Säulen: Die Geschichte des Hauses und die Dauerausstellung sind Inhalt eines feststehenden Angebots mit sonntäglichen Überblicksführungen.
Die Kunsthalle Nürnberg zeigt pro Jahr durchschnittlich vier internationale zeitgenössische Kunstausstellungen. Dabei wechselt das Programm zwischen herausragenden künstlerischen Einzelpositionen und Themenausstellungen zu aktuellen Fragen. Nach anderthalbjähriger, sanierungsbedingter Schließung eröffnete die Kunsthalle im Oktober 2019 neu. Zur Wiedereröffnung wird der neu konzipierte „Projektraum“ zu einer festen Station für die Museumspädagogik im Haus.
Die Tafelhalle versteht sich als Partnerin der freien Tanz- und Theaterszene Nürnbergs. Häufig in Koproduktion bietet sie Nachwuchskünstlerinnen und -künstlern eine Bühne und ist somit immer auch an der Entwicklung neuer und unkonventioneller Veranstaltungsformate beteiligt. Auch international renommierte Gastspiele und Festivals finden in der Tafelhalle statt, wie die Tanzplattform Deutschland oder das internationale Figurentheaterfestival. Im Sommer ist die Open-Air-Bühne der historischen Katharinenruine unter anderem Austragungsort des Tafelhallen-Programms. Im Jahr 2017 besuchten 39497 Menschen das Programm der Tafelhalle, was einem Zuwachs von 8,8% gegenüber 2013 entspricht (vergleiche Abb. H-14).42 In jedem der ungeraden Jahre sind in den Zahlen zur Tafelhalle auch die Besucherinnen und Besucher des zweijährig stattfindenden, internationalen Figurentheaterfestivals enthalten. 3496 Personen wohnten 2017 den Vorstellungen bei.
Alle Häuser mit Ausnahme der Kunstvilla befanden oder befinden sich 2018/19 und in den Folgejahren im Umbau, Ausbau oder Sanierungszustand. Die Kunsthalle Nürnberg wurde für energetische, vor allem Dachsanierungsmaßnahmen bis zur Wiedereröffnung im Oktober 2019 geschlossen. Das Künstlerhaus wurde zum Oktober 2018 in den Bereichen freigemacht, die vom dritten Bauabschnitt betroffen sind (geplante Wiedereröffnung: 2021/22). Für insgesamt 17 Gruppen und Musikveranstalter mussten Zwischennutzungsmöglichkeiten gefunden werden, weitere zehn Gruppen sind auch während des dritten Bauabschnitts im Künstlerhaus tätig. In der Katharinenruine laufen umfangreiche Sanierungsmaßnahmen, die den Veranstaltungsort so weit ertüchtigen, dass er bis zur geplanten Generalsanierung bespielbar bleibt.43
6.3 Z-Bau – Haus für Gegenwartskultur
Das ehemalige Kasernengebäude des Z-Baus in der Frankenstraße wird seit Oktober 2015 als „Haus für Gegenwartskultur“ von der „Gesellschaft für Kulturelle Freiräume mbH“ betrieben, deren Gesellschafter die Stadt Nürnberg, die Musikzentrale Nürnberg (MUZ)44 und der Kunstverein Hintere Cramersgasse (KV) sind. Im Jahr 2018 konnten 84921 Besucherinnen und Besucher zu 799 Veranstaltungen unterschiedlichsten Charakters begrüßt werden.
Den insgesamt größten Anteil haben musikalische Veranstaltungen mit Live-Konzerten, Disco-, Party-, und Clubveranstaltungen sowie DJ-Veranstaltungen (2018: 59,1%). Neben weiteren Kunstformen wie Performance, Theater, Literatur, Film und bildender Kunst (Ausstellungen) haben auch Aktivitäten ihren Platz, die unter einem klassischen Kulturbegriff betrachtet durch das Raster fallen würden wie (Floh-)Märkte sowie Spiel- und Sportveranstaltungen. Unter letzteres fällt beispielsweise das jährlich stattfindende „Kinderrad-Parcours 16 Inch Race“, initiiert vom Verein für Fahrradkultur „Schleudergang“, der selbst im Haus ansässig ist und etwa durch sein Angebot einer Selbsthilfe-Fahrradwerkstatt die Do-it-yourself-Kultur verkörpert. Im Haus untergebracht sind außerdem zahlreiche Ateliers und Künstlergruppen, aber auch handwerkliche Einrichtungen wie beispielsweise zwei Mikrobrauereien sowie das Urban Lab, das aus der FabLab-Bewegung kommend als offene Werkstatt Bürgerinnen und Bürger dazu einladen möchte, die eigene Stadt kreativ und mithilfe moderner Produktionstechnologie zu gestalten.
Diesem Grundgedanken folgt auch die Neugestaltung des Nordgartens auf dem Grundstück des Z-Baus. Im Rahmen des EU-Programms Forget Heritage, das sich mit der nachhaltigen und kreativen Umnutzung historischer Brachflächen und -Gebäude befasst, wird der Garten unter Beteiligung zahlreicher Partnerinnen und Partner aus der Kreativwirtschaft sowie Ehrenamtlichen zu einem Begegnungsort, an dem Platz ist für ökologische und soziokulturelle Experimente.45
7. Bibliotheken und Archive
Bibliotheken und Archive sind Einrichtungen, die Besucherinnen und Besucher während geregelter Öffnungszeiten gezielt ansteuern. Während in Bibliotheken das Sammeln, Bewahren und Bereitstellen von Büchern und Medien im Mittelpunkt steht, dienen Archive als Orte für Dokumente und Zeugnisse der Zeit, die dort geordnet und Interessierten zugänglich gemacht werden. Nürnberg kann ein breites Spektrum an Bibliotheken in öffentlicher und privater Trägerschaft vorweisen. Neben der Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg sind beispielsweise die Bibliotheken der Universität Erlangen-Nürnberg, des Germanischen Nationalmuseums sowie des Deutsch-Amerikanischen Instituts Nürnberg zu nennen, die allen Interessierten Zugang zu gedruckter oder digitaler Information gewähren.46 In Nürnberg finden sich weiterhin sieben Archive, darunter vier Museumsarchive. Gemeinsam mit den Museen bewahren die Bibliotheken und Archive im Stadtgebiet das kulturelle Erbe und ermöglichen Zugang zu Bildung für Menschen aller Generationen und jeder Herkunft.
7.1 Stadtbibliothek Nürnberg
Die Stadtbibliothek stellt die größte Einrichtung ihrer Art in Nürnberg dar. Neben der Bewahrung, Bereitstellung und Vermittlung von Medien ist eine ihrer wesentlichen Aufgaben die Stärkung von Lese-, Medien- und digitaler Kompetenz. Seit vielen Jahren zählen Leseförderung, die Zusammenarbeit mit Nürnberger Schulen und transkulturelle Bibliotheksarbeit zu den Aufgabenschwerpunkten der Nürnberger Stadtbibliothek. Inzwischen ist sie auch in ihrer Funktion als Lernort und Treffpunkt von großer Bedeutung.47
Seit dem Jahr 2011 ist die Stadtbibliothek Teil des Bildungscampus Nürnberg, dem organisatorischen Zusammenschluss von Bildungszentrum, Stadtbibliothek und Planetarium. Neben der Zentralbibliothek im Nürnberger Stadtzentrum, die auch die Historisch-Wissenschaftliche Stadtbibliothek und die Musikbibliothek beinhaltet, umfasst die Stadtbibliothek sechs Stadtteilbibliotheken, vier Schulbibliotheken und zwei Bibliotheksbusse, die ein mobiles Angebot bereithalten. Die Stadtbibliothek Nürnberg zählt jährlich knapp eine Million Besucherinnen und Besucher. Davon entfielen im Jahr 2018 157397 (18,3%) auf Stadtteilbibliotheken und 86800 (10,1%) auf Fahrbibliotheken sowie 107143 (12,4%) auf die Schulbibliotheken.48 Die Anzahl der aktiven Nutzerinnen und Nutzer, das heißt derjenigen Personen, die im Berichtsjahr mindestens einmal physische oder virtuelle Medien entliehen hatten, ist in den vergangenen zehn Jahren von 45325 im Jahr 2008 auf 63303 im Jahr 2018 gestiegen (+57,1%).49
Die Stadtbibliothek Nürnberg stellt eine große Auswahl an Medien bereit, die in gedruckter und digitaler Form sowie im Internet bereitstehen. In den Bibliotheken selbst stehen Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Hörbücher, Filme, Noten und Informationsmaterialien als Freihandbestand zur Verfügung, die vor Ort genutzt und zum Großteil auch ausgeliehen werden können. Zum Medienangebot der Stadtbibliothek gehörten im Jahr 2018 auch 1797 Konsolen- und 378 Brettspiele (vergleiche Abschnitt 11).
Das Mediennutzungsverhalten der Menschen wandelt sich zunehmend.50 Als Informationsträger werden „klassische“ Medien wie Bücher, Zeitungen, Fernsehen, DVDs und CDs zunehmend durch neue Angebotsformen im Internet, beispielsweise Streamingdienste, ergänzt beziehungsweise teilweise auch ersetzt. Auch in der Stadtbibliothek Nürnberg lassen sich diese Veränderungen im Nutzungsverhalten der Kundinnen und Kunden beobachten: Die Ausleihe von physischen Medien als wichtigste Form der Bibliotheksnutzung ist rückläufig, während immer häufiger (auch) virtuelle Medien genutzt werden, die die Möglichkeit einer ständig verfügbaren, öffnungszeitenunabhängigen Dienstleistung bieten. Zwischen 2014 und 2018 hat sich die Anzahl der Entleihungen aus dem „virtuellen Bestand“ von 101392 auf 204693 mehr als verdoppelt.51 Zu den Angeboten des virtuellen Bestands in der Stadtbibliothek Nürnberg gehören neben der „Onleihe“ seit 2017 auch ein Musikstreamingdienst und verschiedene Datenbanken. Mit ihren virtuellen Angeboten und dessen Vermittlung nimmt die Stadtbibliothek Nürn- Abb. H-15: Aktive Benutzer/-innen „D“ der Stadtbibliothek Nürnberg im Bildungscamberg eine gestaltende Rolle für den gesellschaftlichen Wandel wahr.
pus Nürnberg und Neuanmeldungen, 2008 bis 2018
Abb. H-15:
Aktive Benutzer/-innen D Anzahl Benutzer/-innen und
der Stadtbibliothek Nürnberg Neuanmeldungen
im Bildungscampus Nürnberg 100 000
und Neuanmeldungen, 2008
bis 2018 90 000
80 000
71 656 71 210
67 259
70 000
62 598 63 227
60 000
51 211 51 327 49 330 50 077 63 303
50 000
40 000 45 325
30 000
20 000 13 157 11 956 11 225 13 085 20 329 18 699 19 462 19 912 18 402 13 841
10 000 12 966
2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Quelle: Deutsche Bibliotheks- Aktive Benutzer/-innen Neuanmeldungen
statistik. Quelle: Deutsche Bibliotheksstatistik. Die Deutsche Bibliotheksstatistik ermöglicht einen Überblick über die Nutzungszahlen in Bibliotheken (Abb. H-15). Zwischen 2008 und 2012 verzeichnete die Stadtbibliothek Nürnberg relativ konstante Nutzerzahlen. Mit dem Bezug eines modernen Neubaus am alten Bibliotheksstandort am Gewerbemuseumsplatz im Jahr 2012 konnte die Stadtbibliothek ihre Attraktivität für Besucherinnen und Besucher deutlich steigern. Zwischen 2012 und 2013 erhöhte sich die Anzahl an aktiven Benutzerinnen und Benutzern um ein Viertel (25,0%) von 50077 auf 62598. Im Vergleich zum Vorjahr verbuchte die Stadtbibliothek im Jahr 2013 über 55,4% mehr Neuanmeldungen. Neben einem neuen Service-Konzept mit erweiterten Öffnungszeiten wurde zum 1. Januar 2013 ein neues
Gebührenmodell eingeführt, das eine Abschaffung der bisherigen Jahresgebühr beinhaltete. Im Gegenzug wurden Gebühren für die Leihfristverlängerung eingeführt.
Im Folgenden stiegen die Nutzerzahlen weiter deutlich an und erreichten 2016 mit 71656 aktiven Nutzerinnen und Nutzern ihren bislang höchsten Wert. Die Anzahl der jährlichen Neuanmeldungen pendelte sich seit 2013 bis 2017 bei etwa 20000 ein.
Nachdem der Stadtrat im Jahr 201752 für eine Wiedereinführung der Jahresgebühr als Haushaltskonsolidierungsmaßnahme gestimmt hatte, erhebt die Stadtbibliothek Nürnberg seit dem 1. Januar 2018 wieder eine Jahresgebühr in Höhe von 15 Euro (7,50 Euro für Schülerinnen und Schüler, Studierende oder Personen mit Nürnberg-Pass D). Kinder und Jugendliche können weiterhin kostenfrei Medien ausleihen.
Bis zum Ende des Jahres 2018 ging die Anzahl der Neuanmeldungen um 24,8% auf 13841 zurück. Die Anzahl der aktiven Bibliotheksnutzerinnen und -nutzer sank zwischen 2017 und 2018 von 71210 auf 63303, was einem Rückgang von 11,1% entspricht. Im gleichen Zeitraum gingen die Entleihungen in den Bereichen Print, Digitale Medien und virtueller Bestand um insgesamt 10,8% zurück, wobei der Bereich der digitalen Medien bei etwa gleichbleibendem Bestand am meisten Einbußen verzeichnete (-16,0%). Obwohl die Anzahl der Medien im virtuellen Bestand um 9,7% zunahm, sank die Anzahl der Entleihungen um 4,9%.53
Die Altersstruktur der aktiven Bibliotheksnutzerinnen und -nutzer entwickelte sich in den vergangenen Jahren unterschiedlich (Abb. H-16). Während die Anzahl der Erwachsenen, die mindestens einmal pro Jahr ein Medium ausleihen, von 2012/13 bis 2016/17 in allen betrachteten Altersgruppen anstieg, sanken die Ausleihzahlen nach Einführung der Jahresgebühr durchgängig. Besonders starke Verluste waren bei den jungen Erwachsenen unter 35 Jahren und der Altersgruppe von 45 bis 55 Jahren zu verzeichnen. Gleichzeitig verdoppelte sich die Anzahl der aktiven Nutzerinnen und Nutzer unter sechs Jahren. Hier nutzen Eltern die Möglichkeit der Leseförderung und lassen für ihr Kind einen Ausweis ausstellen, während sie selbst auf einen Ausweis verzichten.
Einen Schwerpunkt der Bibliotheksarbeit bildet nach wie vor die Leseförderung von Kindern, die durch den passenden Medienbestand sowie entsprechende Veranstaltungen und Kooperationen mit Bildungseinrichtungen wie Kindergärten und Schulen gewährleistet wird. Im Jahr 2018 wurden in der Altersgruppe bis zwölf Jahre 114920 Teilnehmende an Veranstaltungen erfasst. Die Verteilung auf die Altersgruppen spiegelt dabei deutlich den Schwerpunkt der Kooperationen mit dem schulischen Bereich: 5089 Veranstaltungen entfielen auf die Altersgruppe der Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren. Weitere 726 Veranstaltungen richteten sich an Kinder zwischen null und sechs Jahren (11751 Teilnehmende). Seit 2013, mit Beginn der bundesweiten Initiative „Lesestart“, baute die Bibliothek zudem Angebote zur Leseförderung im Kindergarten aus und seit 2018 gibt es in einzelnen Stadtteilbibliotheken auch Veranstaltungen, die sich an Kleinkinder und ihre Bezugsperson wenden („Bücherzwerge“).54
Abb. H-16: Aktive Bibliotheksbenutzer/-innen „D“ in der Stadtbibliothek Nürnberg nach
Altersgruppen, 2012/13 bis 2018/19
Abb. H-16:
Anzahl
Aktive Bibliotheksbenutzer/
Benutzer/-innen
-innen D in der Stadtbiblio-
thek Nürnberg nach Alters- 14 000
gruppen, 2012/13, 2014/15,
2016/17 und 2018/19
12 000
10 000
8 000
6 000
4 000
Anmerkung: Auf Grund organisatorischer Bedingungen variiert 2 000 der Stichtag zur Erhebung von Jahr zu Jahr (13.6.2013, 0 0 bis unter 6 bis unter 12 bis unter 18 bis unter 25 bis unter 35 bis unter 45 bis unter 55 bis unter 65 Jahre 17.6.2015, 14.6.2017, 1.7.2018). 6 Jahren 12 Jahren 18 Jahren 25 Jahren 35 Jahren 45 Jahren 55 Jahren 65 Jahren und älter Quelle: Stadt Nürnberg,
Stadtbibliothek im Bildungs- 2012/13 2014/15 2016/17 2018/19
campus Nürnberg. Quelle: Stadt Nürnberg, Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg.
Mit der Zentral- und den sechs Stadtteilbibliotheken stellt die Stadtbibliothek niedrigschwellige Lernorte bereit, die gleichzeitig soziale Treffpunkte darstellen. Die Stadt- Anmerkung: Auf Grund organisatorischer Bedingungen variiert der Stichtag zur Erhebung von Jahr zu Jahr b(1ib3.l6io.2t0h13e, k1 7b.6ie.2t0e1t5 ,s 1p4e.6z.2ie01ll7e, 1F.7ü.h20r1u8n).gen für Neuzugewanderte an, um über die breite Angebotspalette der Stadtbibliothek zu informieren. Im Jahr 2018 wurden 36 Führungen für erwachsene Deutschlernende, 13 Führungen für Deutschklassen D und vier Führungen für jugendliche Deutschlernende durchgeführt. Zusätzlich besuchen Deutschkurs-Gruppen die Bibliothek unter der selbständigen Regie der Kursleiterinnen und Kursleiter.55
Die Stadtbibliothek hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich ihre interkulturellen Angebote erweitert. So baute die Stadtbibliothek in den letzten Jahren beispielsweise ihr Angebot an Deutschlernmaterialien für Erwachsene (zum Beispiel Sprachkurse, Wörterbücher, Leichte Texte) aus, in der Stadtbibliothek Zentrum von 2138 im Jahr 2014 auf 3269 im Jahr 2017. Ein Jahr später sank die Anzahl an Deutschlernmedien jedoch auf 2967. Insbesondere bei den Entleihungen von Deutschlernmaterialien ist zwischen 2017 und 2018 ein erheblicher Rückgang zu beobachten: Diese sanken von 18256 auf 13862 im Jahr 2018. Lediglich bei den Materialien zur Vorbereitung auf die verschiedenen Deutschprüfungen wurde kein deutlicher Umsatzrückgang verzeichnet.56
7.2 Archive in Nürnberg
Archive übernahmen in den letzten Jahren verstärkt auch Bildungsaufgaben. Zum einen öffnen sie sich als Orte des forschenden oder entdeckenden Lernens für neue Zielgruppen, zum anderen treten sie verstärkt mit Publikationen, Ausstellungen und Vortragsreihen an die Öffentlichkeit.
In Nürnberg gibt es insgesamt sieben Archive: Zu den vier Museumsarchiven zählt das Deutsche Kunstarchiv des Germanischen Nationalmuseums, das Historische Archiv des Germanischen Nationalmuseums, die Dokumentationsstelle im DB Museum sowie das Archiv im Museum für Kommunikation. Hinzu kommen das Staatsarchiv Nürnberg, das Stadtarchiv Nürnberg und das Landeskirchliche Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, die ebenfalls alle drei ein breites archivpädagogisches Programm für Schulklassen und Interessierte anbieten.57 Zu den didaktischen Angeboten in den drei Häusern zählen Archivführungen, Vorträge und Seminare, Workshops und Tagungen, Fortbildungen sowie weitere Projekte und Veranstaltungen zu ausgewählten Themen.
Veränderungen im Selbstverständnis von Archiven sorgen dafür, dass sich diese neben der fachgerechten Verwahrung und Erforschung historischer Dokumente zunehmend der pädagogischen Arbeit mit Schulklassen und der Gestaltung von Ausstellungen widmen. Unter den Nürnberger Archiven setzt unter anderem das Stadtarchiv diesen Anspruch mit einem umfangreichen archivpädagogischen Programm für verschiedene Schularten um. Nach dem hohen Zuspruch an Führungen im Jahr 2015, in dem das 150. Jubiläum des Stadtarchivs gefeiert wurde, nahm die Anzahl an Führungsteilnahmen im Stadtarchiv wieder etwas ab. Im Jahr 2018 konnte ein erneuter Anstieg auf 780 Teilnahmen festgestellt werden, was vor allem auf das große Besucherinteresse an der Ausstellung Abb. H-17: Teilnahmen an Führungen in Stadtarchiv, Staatsarchiv (ohne Außenstelle „WELCOME HOME – Stadt.Bild.Nürnberg“ zurückgeführt werden kann (Abb. H-17).
Lichtenau) und Landeskirchlichem Archiv, 2013 bis 2018
Abb. H-17:
Anzahl
Teilnahmen an Führungen in
Teilnahmen
Stadtarchiv, Staatsarchiv und
3 000 Landeskirchlichem Archiv,
2013 bis 2018
2 500
| 769 | 971 | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| 771 | 819 | 861 | 548 | ||
| 645 | |||||
| 983 | 615 | 237 | |||
| 351 | 381 | ||||
| 425 | 490 | 785 | 570 | 490 | 780 |
2 000
1 500
1 000
Anmerkung: Staatsarchiv ohne Außenstelle Lichtenau. 2013 2014 2015 2016 2017 2018 Quelle: Stadtarchiv,
Stadtarchiv Staatsarchiv Landeskirchliches Archiv Staatsarchiv, Landeskirch-
liches Archiv. Quelle: Stadtarchiv, Staatsarchiv, Landeskirchliches Archiv. Das Landeskirchliche Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern konnte nach dem Einzug im Jahr 2013 in ein neues Gebäude in der Veilhofstraße in den ersten Jahren steigende Besucherzahlen verzeichnen, seit 2015 sanken diese Besuche wieder. Das Staatsarchiv nahm in den Jahren 2013, 2015 und 2017 an der Langen Nacht der Wissenschaft teil, was sich vor allem in den beiden erstgenannten Jahren positiv auf die Teilnahmezahlen ausgewirkt hatte.
Das Staatsarchiv, das Stadtarchiv und das Landeskirchliche Archiv bieten neben Archivführungen auch Ausstellungen, Vorträge und besondere Aktionen für Schulen an.
8. Museen
Museen verstehen das Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln als ihre Kernaufgaben. Sie stehen den Besucherinnen und Besuchern als Orte zum Entdecken, Erkunden und Erleben offen, bieten durch Führungen und museumspädagogische Angebote aber auch strukturierte Zugänge zum Sammlungsgut. In Nürnberg übernimmt das Kunst- und Kulturpädagogische Zentrum der Museen in Nürnberg (KPZ) diese Aufgaben für eine Vielzahl von Museen.
Die Museumslandschaft in Nürnberg ist von zahlreichen kommunalen, staatlichen und privaten Einrichtungen geprägt und zeichnet sich durch ein breites thematisches Spektrum aus. Dabei spiegelt sich die Geschichte der Stadt und ihrer Bürgerinnen und Bürger in den Schwerpunkten vieler der erfassten Einrichtungen wider. Im Jahr 2017 erfasste das Berliner Institut für Museumsforschung (IfM) insgesamt 1,9 Millionen Besuche in 35 Museen in Nürnberg. Zum Vergleich: Im Jahr 2002 wurden 1,6 Millionen Besuche in 25 Nürnberger Museen gezählt.58
In städtischer Trägerschaft befinden sich das Albrecht-Dürer-Haus, das Museum Tucherschloss, das Stadtmuseum Fembohaus, das Spielzeugmuseum, das Museum Industriekultur, die mittelalterlichen Lochgefängnisse, der historische Kunstbunker, das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände und das Memorium Nürnberger Prozesse. Die Museen der Stadt Nürnberg konnten seit 2010 insgesamt steigende Besucherzahlen verzeichnen. Während im Jahr 2013 643733 Personen eines der städtischen Museen besuchten, waren es im Jahr 2018 bereits 723512 (Abb. H-18). Damit blieb die Besucher-
Abb. H-18: Besucher/-innen in ausgewählten Museen in Nürnberg, 2010 bis 2018
zahl mit 723512 trotz der fast ganzjährigen Schließung der Lochgefängnisse aufgrund
Abb. H-18:
Anzahl
Besucherinnen und Besucher
Besucher/-innen
in ausgewählten Museen in
Nürnberg, 2010 bis 2018 800 000
700 000
600 000
500 000
400 000
300 000
200 000
100 000
2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Quelle: Amt für Stadtfor- Museen der Stadt Nürnberg Museum für Kommunikation
schung und Statistik für Germanisches Nationalmuseum Neues Museum
Nürnberg und Fürth, DB Museum im Verkehrsmuseum Kaiserburg-Museum und Burg
Statistisches Jahrbuch. Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth; Statistisches Jahrbuch; eigene Berechnungen.
von Renovierungsarbeiten in der Ehrenhalle des Rathauses in etwa auf dem gleichen Stand wie im Vorjahr (725394).59 Hervorzuheben ist der anhaltende Anstieg der Besucherzahlen im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände und im Memorium Nürnberger Prozesse (vergleiche Abschnitt 12). Im Jahr 2018 machten diese beiden Einrichtungen über die Hälfte (54,1%, entspricht 391231 Personen) aller Besucherinnen und Besucher der städtischen Museen aus.
Das Germanische Nationalmuseum (GNM) bewahrt und erforscht Zeugnisse der Geschichte, Kultur und Kunst des gesamten deutschen Sprachraums von den Anfängen bis zur Gegenwart und macht diese der Öffentlichkeit zugänglich. Die steigenden Besucherzahlen fanden im Jahr 2017 mit 261338 ihren Höhepunkt. In diesem Jahr trug neben der Sonderausstellung zum Reformationsjubiläum „Luther, Kolumbus und die Folgen“ insbesondere die bayerisch-tschechische Ausstellung des Hauses der Bayerischen Geschichte über Karl IV. zu hohen Besucherzahlen bei. Darüber hinaus übernimmt die Bildungsarbeit im GNM das Kunst- und Kulturpädagogische Zentrum der Museen in Nürnberg.
Naturwissenschaftliche und technische Vermittlungsangebote
Der Bedeutung Nürnbergs als Technik-, Industrie- und Arbeiterstadt widmet sich eine Vielzahl von Einrichtungen, die naturwissenschaftliche und technische Vermittlungsangebote präsentieren. Dazu gehören unter anderem die Umweltstation Nürnberg und das Museum Industriekultur als Einrichtungen der Stadt Nürnberg, das Naturhistorische Museum der privaten Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg e.V. sowie das ScienceCenter turmdersinne.
Das DB Museum in Nürnberg mit seinen zwei Außenstellen in Koblenz und Halle (Saale) – seit 2013 Teil der Deutsche Bahn Stiftung – ist das älteste Eisenbahnmuseum der Welt. Im Jahr 2018 kamen 161810 Besucherinnen und Besucher in das DB Museum Nürnberg (Abb. H-18). Mit Angeboten für Kinder, Familien, Kindergärten, Schulklassen und Erwachsene sowie mittels Sonderausstellungen, Fahrzeugschauen, Sonderführungen und Vorträgen wird Wissen über Eisenbahntechnik und Eisenbahngeschichte anschaulich vermittelt. Im Jahr 2018 war ein Drittel der Besucherinnen und Besucher Kinder und Jugendliche (33,8%). Im Jahr 2017 feierte das Museum sein 135-jähriges Bestehen und bot verschiedene Sonderschauen an, beispielsweise „135 Jahre DB Museum – 135 Liebeserklärungen“.60
Das Museum für Kommunikation Nürnberg befindet sich im Gebäude des früheren „Königlich Bayerischen Verkehrsmuseums“ direkt neben dem DB Museum. Im Mittelpunkt der Dauerausstellung steht der Mensch und seine Kommunikation. Das Angebotsspektrum beinhaltet Angebote für Erwachsene wie Medienworkshops für Personen über 50 Jahren, für Kinder und Familien, wie zum Beispiel die Sonntags-Werkstatt, für Kindergartengruppen und Schulklassen, für Lehrkräfte sowie Freizeitgruppen. Sonderausstellungen rund um die vielen Aspekte des Themas Kommunikation sind ein weiterer Schwerpunkt der Museumsarbeit. Im Jahr 2018 konnte das Museum für Kommunikation 113836 Besucherinnen und Besucher verzeichnen (Abb. H-18).61
Außerdem erhält die Nürnberger Museumslandschaft im Jahr 2020 mit dem Deutschen Museum Nürnberg auf dem Augustinerhof-Areal Zuwachs. Die Errichtung dieser Außenstelle des Deutschen Museums in Nürnberg wurde von der Bayerischen Staatsregierung im Rahmen der Nordbayern-Initiative geplant und in der Kabinettssitzung der Bayerischen Staatsregierung am 5. August 2014 beschlossen.62 Das Museum am Augustinerhof wird Technologien und ihre möglichen Auswirkungen auf die Gesellschaft präsentieren. Eine interaktive Entdeckungsreise soll sich mit Themen- und Phantasiewelten rund um Mobilität, Energie, Gesundheit, Automatisierung und Kommunikation befassen. Mitmachlabore, eine virtuelle Arena und Begleitprogramme für alle Altersstufen ergänzen die Ausstellung. Zwei Gymnasien und zwei Mittelschulen aus Nürnberg sind aktiv in die Gestaltung eingebunden.63
Neben den Museen bieten sich weitere naturkundliche Bildungseinrichtungen in Nürnberg zur Erkundung an. Der Tiergarten Nürnberg stellt einen wichtigen außerschulischen Lernort dar und erreicht jährlich über eine Million Besucherinnen und Besucher. Als Angebot zur Bildung für nachhaltige Entwicklung finden Führungen der Zooschule und der Zoobegleiterinnen und -begleiter statt. Insgesamt wurden 2017 von der Abteilung Zoopädagogik 15638 Teilnehmende in 1407 Führungen über Zoothemen informiert. Zwischen 2016 und 2017 stieg die Anzahl der betreuten Kindergartenkinder von 583 auf 1074 und hat sich damit nahezu verdoppelt. Die Anzahl der betreuten Schülerinnen und Schülern sank im Vergleich zum Vorjahr leicht und lag im Jahr 2018 bei 3998 (2017: 4138).64 Das 2014 eröffnete, vom Freistaat Bayern geförderte Besucherzentrum „Bionicum Ideenreich Natur“ im Naturkundehaus des Tiergartens vermittelt Zusammenhänge zwischen Natur und Technik.
Kunst- und Kulturpädagogisches Zentrum der Museen in Nürnberg (KPZ)
Das umfassendste museumspädagogische Angebot in der Stadt Nürnberg hält das Kunstund Kulturpädagogische Zentrum der Museen in Nürnberg (KPZ) vor, das im Jahr 2018 sein 50-jähriges Jubiläum feierte. Es bietet einen methodisch-didaktischen Zugang zum Sammlungsgut des Germanischen Nationalmuseums und der Museen der Stadt Nürnberg und versteht sich als Dienstleister für Nürnberger Museen und Ausstellungshäuser, wie zum Beispiel das KuKuQ. Das KPZ konzipiert ein umfangreiches Vermittlungsprogramm, das auf zahlreiche Zielgruppen zugeschnitten ist, von Kindergärten über Schulen bis hin zu Erwachsenengruppen und Senioren. Außerdem bestehen in verschiedenen museumspädagogischen Projekten Kooperationen mit verwandten Einrichtungen, Schulen und Hochschulen.
Im Jahr 2018 koordinierte die Abteilung „Schulen und Jugendliche“ insgesamt 1456 Veranstaltungen für 27096 Teilnehmende (Abb. H-19). Im Jahr 2017 verbuchte das KPZ in dieser Abteilung 2992 Besucherinnen und Besucher weniger als im Jahr zuvor (-9,2%). In diese Zeit fiel allerdings auch die Kündigung des Kooperationsvertrags durch die Museumsstiftung Post und Telekommunikation für das Museum für Kommunikation Nürnberg zum September 2016. Zwischen 2017 und 2018 sanken die Teilnehmerzahlen
bei Schulveranstaltungen um 2590 (-8,7%), was laut Arbeitsbericht 2018 des KPZ im Wesentlichen auf den Rückgang von Schulbuchungen im Germanischen Nationalmuseum zurückzuführen ist.65 Wie bereits in den drei Vorjahren nahmen 2018 am häufigsten Grundschulen das Angebot des KPZ wahr. Dabei entfielen 31,9% (8648 Teilnehmende) auf Grundschulen, 22,4% (6083 Teilnehmende) auf Gymnasien und 19,2% (5212 Teilnehmende) auf Mittelschulen, wobei sich die Rückgänge gegenüber dem Vorjahr vor allem auf Kindergärten (-34,9%), Freizeitgruppen (-31,5%) und (Fach-)Hochschulen (-28,0%) konzentrierten. Gleichzeitig wurden die museumspädagogischen Angebote im Jahr 2018 deutlich häufiger von Förderzentren gebucht als im Vorjahr (2018: 837 TAebilnb.e Hh-m19e:n Tdeeil,n e2h0m17er: in2n5e3n). und Teilnehmer an Angeboten der Abteilung Schulen und
Jugendliche des KPZ nach Einrichtungsart, 2012 bis 2018
Abb. H-19:
Anzahl Teilnehmer/-innen Teilnehmerinnen und Teilneh-
35 000 mer an Angeboten der Abtei-
lung Schulen und Jugendliche
30 000 des KPZ nach Einrichtungsart,
2012 bis 2018
25 000
20 000
15 000
10 000
5 000
2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Kindergärten Förderzentren Berufliche Schulen Freizeitgruppen
Quelle: Stadt Nürnberg, Grundschulen Realschulen Fachoberschulen, Berufsoberschulen, Fachakademien Kunst- und Kulturpädagogi-
Mittelschulen Gymnasien Hochschulen, Fachhochschulen sches Zentrum der Museen in
Nürnberg. Quelle: Stadt Nürnberg, Kunst- und Kulturpädagogisches Zentrum der Museen in Nürnberg. Zusätzliche Aktivitäten wie im Fall des vom KPZ entwickelten Museumscurriculums für Grundschulen werden durch Drittmittel und Sponsoring ermöglicht. Beim Nürnberger Museumscurriculum für Grundschulen konnten im Schuljahr 2018/19 56 Grundschulklassen mit rund 1200 Schülerinnen und Schülern fünf ausgewählte Veranstaltungen im Neuen Museum, im DB Museum Nürnberg und in den vom KPZ betreuten Museen und Ausstellungshäusern kostenfrei besuchen.66 Das Angebot für Deutschklassen D und Berufsintegrationsklassen D wurde 2018/19 von 138 Gruppen in Anspruch genommen und ging im Vergleich zu den Vorjahren wieder etwas zurück (2017: 173 Gruppen, 2016: 199).67
In der Abteilung Erwachsene und Familie führte das KPZ im Jahr 2018 insgesamt 2753 Veranstaltungen mit 37821 Besucherinnen und Besuchern durch, mit einer deutlichen Mehrheit von 1924 Veranstaltungen und 26756 Besucherinnen und Besuchern im Ger-
manischen Nationalmuseum. Zu den vielfältigen Vermittlungsangeboten im Bereich der Erwachsenenbildung in den verschiedenen Museen zählen Führungen in Sonder- und Dauerausstellungen, Kunstbetrachtungen, Gesprächs- und Kreativkurse, Führungen in Fremdsprachen, Führungen für Seniorinnen und Senioren, Führungen für Menschen mit Handicap sowie Seminare für Multiplikatoren und Studierende.
Inklusion D und Teilhabe
Um eine Teilhabe für möglichst viele Besucherinnen und Besucher zu erreichen, organisieren viele Museen in Nürnberg barrierefreie Angebote. Wichtige Gesichtspunkte sind hier neben der (räumlichen und virtuellen) Zugänglichkeit des Museums ein zielgruppenorientierter Service (zum Beispiel Beratung über Serviceleistung am Empfang, Hinweise auf Umfang der Barrierefreiheit in der Einrichtung), verständliche Texte (zum Beispiel auf Hinweistafeln), eine barrierefreie Konzeption und Gestaltung der Ausstellung sowie Bildungs- und Vermittlungsangebote, die sich an alle Besucherinnen und Besucher richten.68
Um die Zugänglichkeit und die Nutzung ihres Angebots für alle zu ermöglichen, bieten beispielsweise die Museen der Stadt Nürnberg Rundgänge in Leichter Sprache und Führungen mit Tastmöglichkeiten für Blinde an. In einigen Häusern werden Rollstühle für Menschen mit Gehbehinderung bereitgehalten und der Zugang zu den Häusern selbst ist – mit Ausnahme des Albrecht-Dürer-Hauses und des Museums Tucherschloss aufgrund ihrer historischen Bauweise – barrierefrei. Im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände beispielsweise kann ein inklusives Begleitprogramm zur Ausstellung in Leichter Sprache gebucht werden. Darüber hinaus stehen für Besucherinnen und Besucher mit Sehbehinderung ein Ausstellungsplan in Brailleschrift sowie für gehörlose und schwerhörige Besucherinnen und Besucher deutschsprachige Texte zu den Filmen der Ausstellung in Schriftform zur Verfügung.69 Erweitert wurde das inklusive Angebot der städtischen Museen im Bereich der medialen Vermittlung um elektronisch vor Ort abrufbare Führungen in Leichter Sprache (Führung per Medienguide durch die Mittelalterlichen Lochgefängnisse) und in Gebärdensprache (Medienguide im Memorium Nürnberger Prozesse).70
Das KPZ führt in verschiedenen Museen in Nürnberg Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Behinderung durch, die von speziell geschulten Museumspädagogen und -pädagoginnen geleitet werden. Die Anzahl der Teilnehmenden an vom KPZ durchgeführten Angeboten für Menschen mit Handicap in Nürnberger Museen stieg zwischen 201771 und 2018 um 85,7% von 70 auf 130 Personen an. Im Jahr 2018 nahmen 62 Personen im Germanischen Nationalmuseum an Veranstaltungen für Menschen mit kognitiven Einschränkungen sowie für blinde und sehbehinderte Menschen, 28 im Stadtmuseum Fembo-Haus an Veranstaltungen für Menschen mit kognitiven Einschränkungen und 40 im Museum Industriekultur an Veranstaltungen für Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder Sehbehinderung teil.72 73
9. Darstellende Künste
Darstellende Künste wie Tanz und Theater bieten ein hohes Maß an kulturellen Vermittlungs- und Bildungsmöglichkeiten. Unabhängig von Alter, Geschlecht, sozialem und kulturellem Hintergrund können individuelle Theater- und Tanzangebote die emotionale und körperliche Wahrnehmung schulen, als Kommunikationsinstrument dienen, Interaktion ermöglichen und die Kreativität anregen. Mit Amateurtheatern und Laienspielgruppen ebenso wie mit Vereinen, Tanzschulen und -kreisen bestehen vielzählige Möglichkeiten zum aktiven Erlernen. Bei den großen, professionellen Theater- und Tanzbühnen gewinnt die Theaterpädagogik als „Vermittlungskunst mit performativem Charakter“74 an Bedeutung.
9.1 Tanz
In Nürnberg gibt es derzeit etwa 30 Tanzschulen, davon sind die Tanzschule dance MaxX, das Tanzstudio eMOtion (vormals Tanzstudio Pfeiffer), das Tanzstudio Schlegl, die Tanzschule Streng, das TanzZentrum Krebs und die Tanzschule Köpke Rupprecht Mitglied im Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverband.75 Weiterhin hervorzuheben ist eine Vielzahl an Tanzvereinen unterschiedlicher Migrantengruppen. Außerdem finden Tanzprojekte in schulischen sowie außerschulischen Einrichtungen statt. Tanz als Teil kultureller Bildung liefert vielfältige Gelegenheiten für die Erprobung individueller Möglichkeitsräume und die Entdeckung neuer Themen.76 Exemplarisch für die Angebotsvielfalt im Bereich Tanz werden im Folgenden TanzPartner e.V. und die Tanzschule Tanzfabrik Nürnberg dargestellt.
Die Tanzfabrik Nürnberg richtet sich an alle Tanzinteressierten und hält ein breites Angebot mit etwa 75 Wochenkursen bereit. Im Zentrum des tanzpädagogischen Konzepts der Tanzfabrik steht das gemeinschaftliche Tanzerlebnis, zudem sind die Sprachbarrieren sehr niedrig. Die Tanzfabrik bietet Kurse für Anfängerinnen und Anfänger sowie Fortgeschrittene. Im Jahr 2018 nahmen 403 Personen am Kursprogramm der Tanzfabrik teil, wobei Kinder und Jugendliche zwischen zehn und unter 20 Jahren (24,3%) die größte Zielgruppe bildeten. Neun von zehn Teilnehmenden waren weiblich. Geflüchtete können kostenfrei an den Tanzangeboten teilnehmen. Durch die Gebührenermäßigung für Inhaberinnen und Inhaber des Nürnberg-Passes D konnten im Jahr 2018 etwa fünf Prozent der Teilnehmenden den Tanzunterricht mit einem Bildungsgutschein bezahlen. Zusätzlich bietet die Tanzfabrik Nürnberg seit 2004 Stipendien für tanzbegeisterte Kinder, Jugendliche und zum Teil auch Erwachsene an (2018: 14), bei denen die Kursgebühren erlassen werden.
Seit 2017 gehört der Verein TanzPartner zu den fest geförderten Projekten der Stadt Nürnberg. TanzPartner hat das Ziel, Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft, Alter und Geschlecht zeitgenössischen Tanz näherzubringen. Darüber hinaus vermittelt TanzPartner qualifizierte Fachkräfte aus den Bereichen Tanzpädagogik und Choreo-
grafie an Schulen, berät Lehrkräfte über Schulprojekte und bietet Einführungsworkshops und Nachbesprechungen für Vorstellungen an. In enger Kooperation mit der Tafelhalle und dem Künstlerhaus des KunstKulturQuartiers (KuKuQ) vermittelte der Verein im Jahr 2018 etwa 600 jungen Menschen in Schulen sowie in Kinder- und Jugendeinrichtungen zeitgenössischen Tanz. Im Jahr 2018 waren die Tanzkünstler/-innen von TanzPartner e.V. mit 24 Tanzprojekten im schulischen sowie außerschulischen Bereich tätig. Im Jahr 2018 wurden in Kooperation mit dem Theater Mummpitz mit 1519 Kindern aus 75 Nürnberger Schulklassen Tanz-Workshops im Rahmen des Kulturrucksacks (vergleiche Abschnitt 9.2) durchgeführt.77
9.2 Theater
Nürnberg weist ein vielfältiges Theaterangebot in unterschiedlichen Sparten auf und verfügt damit über einen kulturellen Anziehungspunkt für Menschen aus der ganzen Region. Das Staatstheater Nürnberg mit den Sparten Oper, Schauspiel, Ballett und Konzert ist die größte Theaterinstitution in Nürnberg. Darüber hinaus gibt es in Nürnberg zahlreiche etablierte Privattheater mit fester Spielstätte wie das Gostner Hoftheater und das Nürnberger Burgtheater. Hervorzuheben ist außerdem das umfangreiche Theaterangebot für Kinder und Jugendliche in Nürnberg. Mit den Kindertheatern Mummpitz, Pfütze, Rootslöffel, dem Kinderprogramm des Figurentheaters Salz+Pfeffer sowie der Jugendsparte des Gostner Hoftheaters im Hubertussaal bestehen fünf etablierte Kinderund Jugendtheaterangebote mit festen Spielstätten.
Die Nürnberger Theaterszene wird darüber hinaus ergänzt durch verschiedene Festivals und Theaterwochen: LIMINALE, Kindertheaterfestival „panoptikum“ und das Jugendtheaterfestival „Licht.Blicke“ dienen als Beispiele. Ein fester Bestandteil der Theaterszene mit langjähriger Tradition ist die Nürnberger Kindertheaterreihe unter dem Motto „Kindertheater ums Eck“, bei der Kinder ab drei Jahren im Stadtteil niedrigschwellig Zugang zu Theaterangeboten erhalten. Bis 2017 wurde diese Theaterwoche, die jährlich mit circa 100 Veranstaltungen in 21 Stadtteilen stattfindet, gemeinsam vom Amt für Kultur und Freizeit (KUF) und dem Jugendamt der Stadt Nürnberg veranstaltet. Seit 2018 übernimmt das KUF mit dem Format weiterhin die stadtweite Grundversorgung mit Vorstellungen für das jüngste Theaterpublikum, während das Jugendamt im jeweiligen Stadtteil unterschiedliche, auf Situation und Bedarfe abgestimmte Theater-Formate für Kinder und Jugendliche entwickelt.78
Aus dem Bereich der freien Theater erfasst der Deutsche Bühnenverein für Nürnberg mit fünf Theatern nur einen kleinen Teil des bestehenden Angebots der Theaterszene (Tab. H-2). In der Spielzeit 2016/17 wurden insgesamt 709 Veranstaltungen gemeldet. Diese Zahl lässt bereits die Bedeutung der freien Theater und Bühnen in Nürnberg erkennen, obgleich die tatsächliche Anzahl der Veranstaltungen aller freien Theater in Nürnberg deutlich höher liegt. Allein in der Tafelhalle fanden im Jahr 2018 177 Veranstaltungen mit insgesamt 28735 Besucherinnen und Besuchern statt (vergleiche Abschnitt 6.2), an denen freie Theater maßgeblich beteiligt waren.79
Tab. H-2:
| Theaterunternehmen | 2010/11 | 2012/13 | 2014/15 | 2016/17 |
|---|---|---|---|---|
| Gostner Hoftheater | 16720 | 21629 | 23121 | 21975 |
| nürnberger burgtheater | 16840 | 21309 | 15302 | 13964 |
| Theater Mummpitz | 11583 | 14142 | 13177 | 12745 |
| Theater Pfütze | 25818 | 25041 | 25651 | 24563 |
| Theater Salz+Pfeffer | 10613 | 10164 | 9723 | 9382 |
| Nürnberger Staatstheater | 279003 | 293964 | 278006 | 271356 |
Besuche ausgewählter
Theaterunternehmen in
Nürnberg, Spielzeiten
2010/11, 2012/13, 2014/15
und 2016/17
Anmerkung: Die Jahresstatistik des Theater Mummpitz bezieht sich jeweils auf das Kalenderjahr und nicht auf die Spielzeit. Die Statistik des Staatstheaters bezieht sich ab der Spielzeit 2015/16 nur auf die theatereige- In der Spielzeit 2016/17 erfasste die deutsche Theaterstatistik für das Nürnberger Staats- nen Veranstaltungen und nicht theater 271356 Besuche (Tab. H-2) in 597 Vorstellungen in den Sparten Oper, Tanz, auf externe Veranstaltungen (zum Beispiel das Senioren- Operette, Musical, Schauspiel, Kinder- und Jugendtheater und Konzert sowie in 44 theater). „Sonstigen Veranstaltungen“ (zum Beispiel Lesungen, Liederabende). In der darauf fol-
Quelle: Deutscher Bühnen-
genden Spielzeit stiegen die Besucherzahlen auf 283215 an.80 verein, Theaterstatistik.
Es ist Anspruch der Theaterpädagogik im Staatstheater, spartenübergreifende, inklusive, intergenerationelle und transkulturelle Angebote zu gestalten. Die Angebote reichen von einmaligen, überwiegend rezeptiv angelegten Programmen wie den Kinderkonzerten über interaktive Konzepte für Führungen, Workshops, Vor- und Nachbereitungen, P- und W-Seminare für Gymnasien bis hin zu mehrere Monate andauernden Angeboten, bei denen die Teilnehmenden selbst Theater spielen. Ein regelmäßig probendes Bürgerinnen- und Bürgerensemble steht entweder zusammen mit den Künstlerinnen und Künstlern des Staatstheaters oder ohne diese auf den Bühnen des Staatstheaters. Dazu gehört beispielsweise das Seniorentheater Tempo 100, bei dem etwa 20 aktive Spielerinnen und Spieler eigene Produktionen erarbeiten (Spielzeit 2017/18: 1495 Besucherinnen und Besucher in insgesamt elf Vorstellungen). Geflüchtete können in den Theaterclubs „Freunde&Feste“ und „Land&Leute“ (circa 25 Teilnehmende) gemeinsam mit einer Theaterpädagogin die deutsche Sprache, die Stadt und das Theater entdecken. In Kooperation mit der Lebenshilfe e.V. findet mit dem Samstagsklub 2 wöchentlich eine inklusive Theatergruppe mit 16 bis 20 Teilnehmenden statt.81
Einen großen Teil der jüngeren Besucherschaft gewinnt das Staatstheater mit der Schulplatzmiete für Jugendliche ab der 9. Jahrgangsstufe (Abb. H-20). Diese Abonnements können mit vier bis sechs Vorstellungen je Spielzeit zu einem Preis von 9,50 Euro pro Eintritt gebucht werden. Vom Bildungszentrum kommen in fünf Vorstellungen jährlich jeweils etwa 30 bis 50 Menschen mit Behinderungen D oder psychischen Erkrankungen. Weiterhin nutzen über die arbewe (Firma der Werkstätten der Arbeiterwohlfahrt Nürnberg) etwa 15 Personen mit psychischer Erkrankung mit den ermäßigten Konditionen der Schulplatzmiete das Angebot des Staatstheaters.82
Abb. H-20: Schulplatzmiete im Staatstheater Nürnberg, 2013/14 bis 2017/18
Abb. H-20:
Anzahl Besucher/-innen 45 000 Sonstige 345 1 050 40 000 626 730 1 812 825 Universitäten 5 999 5 837 1 090 796 35 000 4 783 1 825 1 406 1 922 1 615 Realschulen 1 865 4 329 4 484 30 000 2 111 1 942 Haupt-/ 25 000 Mittelschulen 20 000 21 179 21 357 20 689 Gymnasien 18 424 19 058 15 000 Förderschulen 10 000 140 64 64 Berufsschulen 5 000 6 804 7 110 6 198 5 659 16 5 789 33 Berufsoberschulen/ Fachoberschulen 3 614 3 728 3 553 3 105 2 746 0 2013/2014 2014/2015 2015/2016 2016/2017 2017/2018
Schulplatzmiete im Staats-
theater Nürnberg, 2013/14
bis 2017/18
| 5 999 | 626 | 5 837 | 730 | 1 812 | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 4 783 1 865 | 1 825 | 1 406 | ||||||
| 1 922 | 1 615 | 4 329 | 4 484 | |||||
| 2 111 | 1 942 | |||||||
| 21 179 | 21 357 | |||||||
| 20 689 | 18 424 | 19 058 | ||||||
| 140 | 64 | |||||||
| 6 804 | 7 110 | 6 198 | 64 | 5 659 | 16 | 5 789 | ||
| 3 614 | 3 728 | 3 553 | 3 105 | 2 746 |
Quelle: Staatstheater Nürnberg.
Quelle: Staatstheater Nürnberg. In der Spielzeit 2017/18 nahmen insgesamt 36254 Jugendliche die Schulplatzmiete in Anspruch, im Vorjahr waren es 36559 (-0,8%). Nach den Gymnasien mit 19058 Besucherinnen und Besuchern (52,6%) stellen die Berufsschulen die zweitgrößte (16,0%) und die Realschulen die drittgrößte Besuchergruppe (12,4%) dar. Alle drei Schularten konnten gegenüber der Spielzeit 2016/17 steigende Besucherzahlen verzeichnen. Bei den Mittelschulen (5,4%) nahmen die Besucherzahlen um acht Prozent ab. Ein deutlicher Rückgang um 23,0% zeigt sich bei den Universitäten, der sich mit der Beendigung individueller Initiativen von Studierenden an der Hochschule erklären lässt.83 Nachdem auch die Besucherzahlen aus Förderschulen im Zeitverlauf abgenommen hatten, stiegen diese zwischen den Spielzeiten 2016/17 und 2017/18 wieder an von 16 auf 33 Besuche.
Zugänge zu Kinder- und Jugendtheatern schaffen insbesondere formale Bildungseinrichtungen. Während die frei besuchbaren Veranstaltungen im Angebot für Erwachsene überwiegen, werden bei den Kinder- und Jugendtheatern viele Vorstellungen von formalen Bildungseinrichtungen wie Kindertageseinrichtungen und Schulen im Voraus gebucht. Beim Theater Mummpitz beispielsweise machten die so gebuchten Vorstellungen (ohne Gastspiele) im Jahr 2018 mit 8416 Besucherinnen und Besucher deutlich mehr als die Hälfte (64,5%) aus. Neben den Vorstellungen beteiligt sich das Theater Mummpitz in zunehmendem Ausmaß an Workshops und ähnlichen theaterpädagogischen Angeboten. Wurden im Jahr 2013 4264 Zuschauerinnen und Zuschauer in 190 dieser Veranstaltungen erreicht, waren es im Jahr 2018 mit 8537 etwa doppelt so viele Zuschauerinnen und Zuschauer in 158 Veranstaltungen. Das Theater Mummpitz beteiligt sich auch am Kulturlotsenprogramm84, das von der Villa Leon aufgelegt wurde, mit dem Ziel, Geflüchtete und Einheimische einander näherzubringen. Über das Programm
erhalten Geflüchtete im Theater Mummpitz freien Zugang zu einem Großteil der Familienvorstellungen am Wochenende.85
Während die beiden Kindertheater Mummpitz und Rootslöffel ihre Stücke vor allem für Kinder im Vorschul- und Grundschulalter inszenieren, richtet sich das Angebot des freien Theaters Pfütze neben Grundschulen tendenziell an ein etwas älteres Publikum A(Abbb.b H. -H21-:2 B1e)s. uche in gebuchten Vorstellungen im Theater Pfütze nach Einrichtungsart,
2013 bis 2018
Abb. H-21:
Anteil Besuche Besuche in gebuchten Vor-
(in %) stellungen im Theater Pfütze
100 2,9 5,7 2,6 3,9 2 0 , , 5 9 8,0 3,6 1 2 , , 1 4 6,2 Sonstige n b a is c h 2 0 E 1 in 8 richtungsart, 2013
| 5,7 12,7 | 1,4 | 1,0 | 21,5 | 0,4 | 3,3 | 2,6 2,3 | 2,0 | 5,4 | ||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 24,3 | 20,3 | 26,4 | 20,9 | |||||||
| 7,9 | ||||||||||
| 12,1 | 16,6 | |||||||||
| 9,5 | 9,6 | |||||||||
| 12,0 | 16,8 | 15,7 | ||||||||
| 21,8 | 18,9 | |||||||||
| 56,8 | 43,4 | 14,0 | 16,1 | |||||||
| 0,4 | 1,5 | 32,4 | 33,0 | 2,0 | 33,4 | 0,4 | 31,3 |
3,2
Sonderpädagogische
1,2 Einrichtungen
Berufsschule
60 Hort
Gymnasium
Realschule
Mittelschule
Grundschule
2013 2014 2015 2016 2017 2018 Kindergarten
Quelle: Theater Pfütze. QQuueellllee:: TThheeaatteerr PPffüüttzzee.. Im Jahr 2018 kamen insgesamt 9098 Besucherinnen und Besucher in Besuchergruppen ins Theater Pfütze. Nach wie vor bilden Kinder aus der Grundschule mit einer Anzahl von 2850 die größte Besuchergruppe, allerdings ist der Anteil an allen Besuchergruppen im Zeitvergleich deutlich gesunken: Stammte 2013 fast die Hälfte die Besuchergruppen mit einem Anteil von 46,8% aus Grundschulen, lag der entsprechende Anteil fünf Jahre später bei 31,3%. Gleichzeitig gewann das Theater Pfütze im gleichen Zeitraum mehr Besucherinnen und Besucher aus Mittelschulen (+6,8%) und vor allem aus Realschulen (+60,7%) und aus Gymnasien (+32,6%) hinzu. Im Schuljahr 2017/18 nahmen 21 Jugendliche beziehungsweise junge Erwachsene an dem integrativen Theaterkurs „komm!unication“ teil, davon waren zehn Teilnehmende männliche Geflüchtete.86
Das Gostner Hoftheater erreichte im Jahr 2018 in gebuchten Vorstellungen insgesamt 2774 Schülerinnen und Schüler. Davon kam fast die Hälfte (46,4%) aus Mittelschulen und etwa jede/r Fünfte (19,5%) aus Gymnasien. Damit sank der Anteil der Besucherinnen und Besucher aus Gymnasien im Vergleich zu 2016 von 39,6% auf 19,5%, während der Besucheranteil aus Mittelschulen von 31,0% auf 46,4% stieg. Dies ist vor
allem auf die wachsende Nachfrage nach Angeboten des KulturRucksacks zurückzuführen. Schülerinnen und Schüler aus Realschulen stellten 2018 die drittgrößte Besuchergruppe (12,6%), gefolgt von Schülerinnen und Schülern aus Schulen zur sonderpädagogischen Förderung (5,2%). Neben den regulären Vorstellungen bietet das Gostner Hoftheater verschiedene theaterpädagogische Angebote vor allem für Jugendliche, wie der Jugendclub „GostAct“ in Kooperation mit dem Jugendhaus GOST.87
Das Figurentheater Salz+Pfeffer bietet neben den regulären Aufführungen Workshops und Aktivangebote für Lehrkräfte, Kinder und Erwachsene an. So fanden im Jahr 2018 figurentheaterpädagogische Workshops für Grundschulen, Förderschulen sowie für eine Erwachsenengruppe der Lebenshilfe Nürnberg statt. Im Jahr 2018 konnte das Figurentheater Salz+Pfeffer erstmals über 10000 Besucherinnen und Besucher erreichen. Dabei entfielen über drei Viertel der Besucherinnen und Besucher (9104) auf Vorstellungen für Kinder und etwa ein Viertel auf Vorstellungen für Erwachsene (2621). Um Schülerinnen und Schüler sowie Studierende besser zu erreichen, entwickelte das Figurentheater Salz+Pfeffer 2018 das Abonnement „SCHAUplatz“, mit dem das Abendprogramm zu einem ermäßigten Preis besucht werden kann.88
Im Kontext der Nürnberger Theaterangebote bestehen vielfältige Bemühungen, die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Lebenslagen an non-formalen Bildungsprozessen zu verbessern. Hervorzuheben ist an dieser Stelle der 2009 vom Kindertheater Mummpitz ins Leben gerufene KulturRucksack, bei dessen Angeboten Kinder von einem Kinder-Kultur-Abonnement profitieren und eine Auswahl aus Theater-, Museums-, Konzert-, Ausstellungs-, Lesungs- und Tanzveranstaltungen besuchen können. Im Schuljahr 2018/19 beteiligten sich das Neue Museum, der turmdersinne, das Germanische Nationalmuseum, das Kunst- und Kulturpädagogische Zentrum der Museen in Nürnberg (KPZ), das Theater Mummpitz, die Tafelhalle und das Staatstheater Nürnberg mit der Staatsphilharmonie Nürnberg am KulturRucksack. Im Schuljahr 2018/19 partizipierten 1520 Drittklässlerinnen und Drittklässler aus 18 Grund- und Förderschulen.89
Seit dem Jahr 2010 wird vom Gostner Hoftheater ein entsprechendes Angebot für Mittelschulen organisiert. Im Schuljahr 2018/19 nahmen 1338 Mittelschülerinnen und Mittelschüler aus der Klassenstufe 5 bis 8 an dem Projekt teil.90
Seit 1998 zeigt das Theater Dreamteam, dass es keiner Unterscheidung zwischen „behindert“ und „nicht behindert“ bedarf. Das inklusive Theaterprojekt entstand aus einer Kooperation zwischen Bildungszentrum, noris inklusion und Gostner Hoftheater und präsentiert seine Stücke öffentlich. Im Jahr 2019 erhielt das Theater Dreamteam den Kulturpreis der Stadt Nürnberg.
Das Projekt „Kulturfreunde für Kindergartenkinder“ wird in Kooperation mit dem Referat für Jugend, Familie und Soziales der Stadt Nürnberg, dem Jugendamt und 30 Nürnberger Kindertagesstätten durchgeführt. Die professionelle Begleitung im Feld des Frei-
willigenmanagements übernimmt das „Zentrum Aktiver Bürger“ (ZAB). Ab Herbst 2018 wird es von der Nürnberger Stiftung „Triumph für Kinder“ gefördert. Mehr als 11000 Kinder und Eltern waren über die „Kulturfreunde“ in Museen, im Kindertheater, bei Stadtrundgängen oder Konzerten.91
10. Musik
Musikalische Bildung versetzt das Individuum in die Lage, einerseits Musik bewusst wahrzunehmen und zu begreifen, andererseits sich selbst musikalisch auszudrücken. Sie fördert insofern den Nachwuchs für professionelle, aber auch Laienmusik. Aufgrund des kommunikativen Charakters von Musik als Ausdrucksform und des Musikschaffens als gemeinsames Tun wirkt musikalische Bildung gemeinschaftsstiftend und fördert soziales Lernen.
Im Folgenden wird zunächst ein Blick auf die Musikschullandschaft Nürnbergs geworfen und auf diejenigen Programme, die musikalische Bildung auf besondere Weise mit formalen Bildungsinstitutionen verknüpfen. Anschließend wird die Vermittlungsarbeit im Bereich der klassischen Musik beleuchtet mit besonderem Fokus auf die Arbeit der beiden großen Nürnberger Orchester. Zuletzt werden zwei Beispiele charakterisiert, die im wenig institutionalisierten Feld der Popularmusik- und Jazzförderung aktiv sind.
10.1 Musikschulen und überinstitutionelle
Musikförderprogramme
Die Musikschule Nürnberg verzeichnete von 2010 (2107) bis 2016 (4968) einen konstanten Anstieg der Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer D, wie sich aus Abbildung H-22 ergibt. In den beiden Folgejahren pendelten sich die Zahlen bei etwas über 4500 ein. Dieser Anstieg erklärt sich praktisch vollständig durch den Auf- und Ausbau des Projekts MUBIKIN, „Musikalische Bildung für Kinder und Jugendliche in Nürnberg“, welches in Kooperation mit Schulen und Kindergärten durchgeführt wird. Ohne die MUBIKIN-Kinder wäre die Zahl der Musikschülerinnen und -schüler leicht rückläufig. Im Jahr 2018 kamen 60,7% der insgesamt 4671 Schülerinnen und Schüler der Musikschule Nürnberg durch MUBIKIN.92
Die vier privaten Musikschulen, die im Landesverband der Freien Musikinstitute Bayern e.V. organisiert sind, kamen im Jahr 2018 auf insgesamt 1511 Schülerinnen und Schüler. Knapp ein Drittel davon sind Erwachsene (30,3%).93 Die Musikschule Nürnberg weist dagegen ohne MUBIKIN nur einen Erwachsenenanteil von 15,9% auf.
Beim Klassenmusizieren unterrichten Musikschullehrkräfte an Regelschulen in Bläser-, Streicher-, Blockflöten- oder Chorklassen. Die Gesamtzahl der Kinder, die außerhalb von MUBIKIN am Klassenmusizieren teilnehmen, ist in den letzten Jahren ebenfalls leicht rückläufig und lag zuletzt bei 295 Kindern (Abb. H-22).
Abb. H-22: Schülerinnen und Schüler der Musikschule Nürnberg nach Altersgruppe,
2007 bis 2018
Abb. H-22:
Schülerinnen und Schüler der Anzahl Schüler/-innen
Musikschule Nürnberg nach
Altersgruppen, 2007 bis 2018 6 000
5 000
4 000
3 000
2 000
1 000
2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Quelle: Amt für Stadtfor- Erwachsene Schüler/-innen im Projekt MUBIKIN
schung und Statistik für
Jugendliche Klassenmusizieren außerhalb von MUBIKIN
Nürnberg und Fürth,
Statistisches Jahrbuch der Kinder
Stadt Nürnberg. Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik Nürnberg und Fürth, Einwohnermelderegister. Gleichzeitig stieg die Anzahl der Wartelistenplätze der Musikschule Nürnberg von 179 im Jahr 2014 auf 296 im Jahr 2017. Allerdings konnte diese Nachfrage, die sich insbesondere in den Fächern Klavier, Gitarre und Schlagzeug konzentrierte, mit den vorhandenen Kapazitäten nicht gedeckt werden.
Die städtische Musikschule ermöglicht ermäßigte Beiträge für verschiedene Personengruppen über das Bildungs- und Teilhabepaket D, den Nürnberg-Pass D und die Geschwisterermäßigung. Am häufigsten erfolgte eine Förderung via Nürnberg-Pass. Etwa jede/r Achte (2018: 12,7%) wird beim Besuch der Musikschule auf diese Weise finanziell unterstützt.94
Das Konzept der Musikalischen Grundschule verfolgt den Ansatz, Musik in den gesamten Fächerkanon und in den Schulalltag hineinwirken zu lassen und sie somit zum Motor von Schulentwicklung zu machen. In einem zweijährigen Prozess entwickelt jede Schule in diesem Sinne ihr eigenes Profil und konzipiert entsprechende Projekte und Aktionen. Als Schlüsselfiguren werden durch mehrere Fortbildungsveranstaltungen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg an jeder Projektschule Musikkoordinatorinnen und -koordinatoren ausgebildet, die einerseits den Entwicklungsprozess ihrer Schule in die Hand nehmen und andererseits die musikfachliche Expertise der jeweiligen Schule erhöhen.95 Aktuell sind in Nürnberg 13 Musikalische Grundschulen zertifiziert, neu hinzugekommen sind zuletzt die Martin-Luther-King-Schule in Kornburg und die Friedrich-Wanderer-Schule in Eberhardshof.96
Abb. H-23: Musikförderprogramme in Nürnberg, 2019
Abb. H-23:
Musikförderprogramme in
Nürnberg, 2019
5522 3377
5544 3344 1177
0011 1100 3333
5566 4422 6622 5533
2255 1133
1111 4499 6644 1155 4477
6655 2211
6611 5511
4444 3322 4411
6600 4455
1144 1188
2266 1166
Musikförderprogramme
klasse.im.puls (n=16) Musikalische Grundschule (n=13) Musikschule (n=29)
2288 MUBIKIN Standort (n=49)
Wachsen mit Musik (n=22) Quelle: Stadt Nürnberg, Grundschulsprengel
Amt für Kinder, Jugendliche
und Familien – Jugendamt; Amt für Kultur und Freizeit, Regiestelle MUBIKIN.
Auf Mittel- und Realschulen zugeschnitten ist das Projekt klasse.im.puls. Ab der 5. Klasse lernen die Kinder in instrumentenspezifischen Musikklassen ein Instrument oder erfahren Stimmbildung in Chorklassen. Über Drittmittel können Instrumente angeschafft werden, sodass das Erlernen eines Instruments sehr kostengünstig ermöglicht wird. Schulübergreifende Musikveranstaltungen ermöglichen den Schülerinnen und Schülern, das Erlernte vorzutragen.97 Sechs Realschulen und zehn Mittelschulen nehmen in Nürnberg an dem Projekt teil.
Wachsen mit Musik ist ein Projekt, das seit 2009 existiert und als Kooperation zwischen Stiftungen, dem Jugendamt der Stadt Nürnberg und der Hochschule für Musik Nürnberg durchgeführt wird. Es richtet sich an Kindertageseinrichtungen, die sich über das Jugendamt für eine Teilnahme bewerben können. Drei Säulen prägen das Konzept: Eine achtteilige, einjährige Fortbildungsreihe für das pädagogische Personal, die Ausstattung der Kindertageseinrichtung mit einer Grundausstattung von Musikinstrumenten und moderierte und interaktive Kinderkonzerte.98
Das Programm MUBIKIN nutzt musikalische Bildung als Brücke beim Übergang von der Kindertagesstätte in die Grundschule und verbindet diesen Gedanken zugleich mit einem sozialräumlichen Ansatz. Eigens für dieses Programm angestellte Lehrkräfte der städtischen Musikschule unterrichten gemeinsam mit pädagogischen Fachkräften in der Kindertagesstätte beziehungsweise mit Grundschullehrkräften im Tandem. Dieser Arbeitsmodus trägt zu gegenseitigen Lernprozessen und zur weiteren Professionalisierung der musikalischen Bildung in den Kindergärten und Schulen bei.99 Auch der Gruppenzusammenhalt unter den Kindern konnte gestärkt werden,100 was insbesondere im Kontext des Übergangs von der frühkindlichen zur schulischen Bildung nicht zu unterschätzen ist.
Es bewerben sich jeweils alle Kindergärten und die Grundschule eines Sprengels zusammen für die Programmförderung, sodass innerhalb der entsprechenden Sprengel dann immer mehrere MUBIKIN-Standorte beteiligt sind (Abb. H-23). Seit der letzten Erweiterung 2014 handelt es sich um acht Sprengel. Die Zahl der beteiligten Kinder schwankt dabei zwischen 191 im Sprengel Georg-Ledebour-Schule in Langwasser (Nr. 16) und 599 im Sprengel der Friedrich-Wanderer-Grundschule (Nr. 56).
10.2 Musikalische Vermittlungsarbeit im Bereich Klassik
Die beiden Orchester Nürnbergs engagieren sich auf vielfältige Weise bei der Kulturvermittlung an junge Leute, unter anderem in Kooperation mit Schulen beziehungsweise Schulklassen. Die Nürnberger Symphoniker geben jedes Jahr eine Reihe von Kinderkonzerten, die sich aufteilen in Schulkonzerte einerseits, an denen Klassenverbünde teilnehmen, und offene Familienkonzerte andererseits. Die Staatsphilharmonie bietet ihrerseits ebenfalls Kinderkonzerte sowie eine Reihe von Kinderopern an. Die Gesamtbesucherzahl dieser Angebote der beiden Orchester stieg in den letzten Jahren an, war jedoch im Jahr 2018 stark rückläufig. Ein Grund dafür ist, dass im Staatstheater 2018 keine Kinderoper aufgeführt wurde. Auch die Anzahl der Kinderkonzerte musste in der Spielzeit 2017/18 aufgrund der zahlreichen Umstellungen reduziert werden, die mit dem Inten-
dantenwechsel einhergingen.101 Aus Förderschulen waren im Jahr 2018 271 Schülerinnen und Schüler bei den Kinderkonzerten des Staatstheaters vertreten (2017: 220), in der Kinderoper waren es 105 im Jahr 2017.102
Mit dem Programm „Symphoniker im Klassenzimmer“ besteht für Kindergärten und Schulen außerdem die Möglichkeit, einzelne Orchestermusikerinnen und -musiker direkt in der Bildungseinrichtung zu erleben und sich spielerisch mit den jeweiligen Instrumenten und klassischer Musik auseinanderzusetzen. 60 Schulklassen und 14 Kindergartengruppen nahmen dieses Angebot im Jahr 2018 in Anspruch.103 Das Pendant der Staatsphilharmonie trägt den Namen Orchesterpaten. Daneben bietet die Staatsphilharmonie sogenannte „Sit-In-Konzerte“ an, bei denen die Kinder mit im Orchestergraben sitzen, sowie verschiedene Konzertreihen, die an Kindergärten und Schulen stattfinden. Für Grundschulen ist das Format der Ton-Angeber entwickelt worden, bei dem die Schülerinnen und Schüler spielerisch den Klang und das Zusammenspiel der Instrumente einer Gruppe wie Bläser oder Streicher erkunden. Rund 400 Kinder nahmen allein im Jahr 2018 an diesem Format teil.
Auch jenseits der beiden großen Orchester findet in Nürnberg kulturelle Vermittlungsarbeit im Bereich Klassik statt. Die Kinderoper Nürnberg wurde im Jahr 2003 mit dem Ziel gegründet, Kindern klassische Musik zu vermitteln und zu diesem Zweck bekannte Opern kindgerecht aufzubereiten. Seit 2015 wurde von ehrenamtlich engagierten Ensemblemitgliedern der Verein Kulturkiste e.V. gegründet. Seit 13 Jahren absolviert die Kinderoper Nürnberg im Sternenhaus jährlich sechs bis sieben Aufführungen. Pro Aufführung werden etwa 300 Kinder erreicht – im Vormittagsprogramm wird die Kinderoper vorwiegend von Schulklassen, im Nachmittagsprogramm von Familien besucht. Daneben kommt die Kinderoper Nürnberg auch direkt an Schulen.104
Ein Jahreshöhepunkt der Nürnberger Ereigniskultur ist das Klassik Open Air, bei dem die Staatsphilharmonie und die Symphoniker mit drei Konzerten zu kostenfreien Konzerten in den Luitpoldhain einladen. Vor einem der beiden Abendtermine findet dabei ein Familienkonzert am Nachmittag statt. Im Jahr 2018 waren es rund 119000 Besucherinnen und Besucher.105
10.3 Förderung und Vermittlungsarbeit in Popularmusik
und Jazz
Die MUZ – Musikzentrale Nürnberg e.V. betreibt in Nürnberg und Umgebung Popularmusikförderung als Netzwerkknotenpunkt in engem Kontakt mit der regionalen Szene und institutionellen Partnern. Das geschieht etwa in Form von Infrastrukturleistungen, die im Sinne einer Breitenförderung lokaler und regionaler Musikgruppen bei Bedarf in Anspruch genommen werden können. Für professionelle Aufnahmen steht beispielsweise das MUZ-Tonstudio zur Verfügung, das von 2014 bis 2018 an 325 Tagen gebucht war. Daneben bietet die MUZ als freier Träger der Jugendhilfe weitere Unterstützung durch Infrastruktur wie beispielsweise Proberäume sowie die Vermietung von Bühnentechnik oder eines Tourbusses.
Mit dem MUZclub steht im Erdgeschoss eine Spielstätte zur Verfügung, die regionalen Bands Gelegenheit bietet, sich einem breiten Publikum zu präsentieren, häufig auch in Verbindung mit national und international bekannten Künstlerinnen und Künstlern. Abbildung H-24 zeigt eine bis 2017 steigende Entwicklung der Publikumszahlen und einen relativ konstanten Anteil regionaler Musikgruppen, die etwa zwei Drittel der insgesamt 1A0b5b0. HB-a2n4d: Psu abuliskmumacshzaehnl,e fnü ur nddie A vnoteni l2 r0eg1i4o nbaisle 2r 0M1u8s iAkgurfutpriptteen viemr aMnUstZaclltuebt , w20u1r4d ebnis.
Anzahl Personen Anteil regionaler Musikgruppen (in %) 20 000 100 18 000 90 16 000 80 14 000 70 12 000 60 18 025 10 000 17 221 50 16 503 8 000 40 14 374 14 384 6 000 30 4 000 20 2 000 10 0 0 2014 2015 2016 2017 2018 Besucherinnen und Besucher Anteil regionaler Musikgruppen
Abb. H-24:
Publikumszahlen und Anteil
regionaler Musikgruppen im
MUZclub, 2014 bis 2018
| 18 025 | ||||
|---|---|---|---|---|
| 16 503 | 17 221 | |||
| 14 374 | 14 384 |
Quelle: MUZ – Musikzentrale
Nürnberg e.V.
Quelle: MUZ – Musikzentrale Nürnberg e.V. Darüber hinaus übernimmt die Musikzentrale als Kooperationspartner eine vermittelnde Funktion für mehrere Großveranstaltungen in Mittelfranken und kann somit einer Auswahl regionaler Gruppen eine überregionale Plattform bieten. Von 2014 bis 2018 konnten auf diesem Weg 229 regionalen Musikgruppen Auftrittsmöglichkeiten auf dem Bardentreffen, dem Weinturm Open Air, der NN-Rockbühne und bis 2017 dem Klüpfel Open Air geboten werden.106 Letzteres kann aufgrund von baulichen Veränderungen rund um das Jugendhaus Klüpfel nicht mehr wie gewohnt stattfinden. Die Nürnberger Einrichtungen der Offenen Jugendarbeit sind wichtige Kooperationspartner für die Musikzentrale und bieten ihrerseits in kleinerem Maßstab vergleichbare Unterstützungsleistungen für junge Künstlerinnen und Künstler wie beispielsweise Aufnahmestudios, Proberäume und Auftrittsmöglichkeiten.
Auch im Bereich des Jazz ist in den letzten Jahren eine Vermittlungsstruktur gewachsen, die im direkten Kontakt mit Einrichtungen formaler Bildung Berührungspunkte schafft. Aus dem Netzwerk rund um das NUEJAZZ-Festival haben sich verschiedene Formate entwickelt, die sich speziell an Kinder und ihre Eltern richten. Unter dem Namen NUEJAZZ for Kids finden Konzerte im geschlossenen Rahmen in Kindertagesstätten statt, die über
das Jugendamt vermittelt und häufig von den Stadtteilpaten D unterstützt werden. Dass neben dem pädagogischen Personal und den Kindern die Eltern mit eingeladen sind, soll dazu beitragen, die Auseinandersetzung mit Musik im Allgemeinen und Jazz im Besonderen auch in den Familienalltag zu bringen. 1025 Kinder und Eltern nahmen 2018 in 14 Kindergärten und Horten sowie auf dem Aktivspielplatz Gostenhof an NUEJAZZ for Kids teil. Sozusagen als Vertiefung wird in der Kulturwerkstatt Auf AEG einmal pro Jahr ein öffentliches Kinderkonzert angeboten, das sich explizit an Familien richtet. Ebenfalls Auf AEG wurde seit 2017 außerdem ein Schulkonzert für die umliegenden Schulen eingeführt.107 Im Jahr 2018 nahmen daran 165 Kinder aus der Knauer-, Friedrich-Wanderer-, Regine-von-Stein- und Birkenwaldschule teil sowie 18 Betreuerinnen und Betreuer.108
11. Spielen in der Stadt
Das Spielen zählt zu den zentralen Formen menschlichen Handelns und beschäftigt Menschen entlang der kompletten Lebensspanne von der frühen Kindheit bis ins hohe Erwachsenenalter. Zielt Platons Aphorismus „Beim Spiel kann man einen Menschen in einer Stunde besser kennenlernen, als im Gespräch in einem Jahr“ auf die sozialpsychologische Dimension des Spielens, machten in der Neuzeit Pädagogen wie Johann Comenius oder wie im 19. Jahrhundert Friedrich Fröbel das Spiel auch für intendierte pädagogische Prozesse in Kindergarten und Schule nutzbar.
Definitorisch steht ein weitgefasster kultureller Spielbegriff einem enggefassten pädagogischen Konzept des Spielens gegenüber. Der Homo Ludens betätigt sich intrinsisch motiviert im zweckfreien Spiel, während das didaktische Spiel zweckgebunden und zielgerichtet verläuft. Entsprechend entwickelte sich das Lernspiel in der formalen, durch Institutionen vermittelte Bildung. In der Tradition Fröbels und Heinrich Pestalozzis entstanden Ende des 19. Jahrhunderts Kindertagesstätten und Schulen, in denen das Spielen im Zentrum der Pädagogik stand. Reformpädagogisch geprägte Einrichtungen der formalen Bildung (zum Beispiel nach Maria Montessori) nahmen den Gedanken im 20. Jahrhundert wieder auf und integrierten das Spiel in ihre Curricula.
Im Feld des non-formalen Lernens D entwickelte sich (in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts) die Spielpädagogik. In Verwandtschaft zur Erlebnis- und Sozialpädagogik wurde in die Jugendarbeit das Spiel, zum Beispiel durch Aktivspielplätze und Spielmobile integriert. Die Grenzen zwischen den Sphären des Spiels und des Sports sind oft fließend. Körperliche Betätigung – individuell oder in Mannschaften – innerhalb und außerhalb von Vereinen und Organisationen sind als Sport zu verstehen, kooperative Spiele im Sinne der New-Games-Bewegung der 1970er Jahre beziehen sich stark auf Ausdrucksformen des freien Spiels.
Nürnberg verfügt über einen spezifischen Bezug zum Thema Spielen. Historisch entwickelte sich die Stadt durch ihre Handwerkstraditionen zur Hochburg des Spielzeugs. Im 18. Jahrhundert wurde insbesondere Holzspielzeug – Puppen, Tiere, etc. – und Zinnspiel-
zeug gefertigt, später standen Blechspielzeug und Modelleisenbahnen im Mittelpunkt. Anfang des 20. Jahrhunderts war das Spielzeug zum Markenzeichen Nürnbergs geworden, dessen allgegenwärtiger Ausdruck die jährlich stattfindende Nürnberger Spielwarenmesse ist.
Spielerisches Lernen – ob in formalen oder non-formalen Kontexten – findet immer häufiger auch digital statt: Bei selbstgesteuerter Beratung und Nachhilfe sehen Jugendliche und Erwachsene Tutorials auf Youtube und mit Smartphones, E-Book-Reader und Pads stehen Lernenden neben gedruckten Ratgebern und Quellen zunehmend auch als digitale Maschinen zur Verfügung. Akteure der non-formalen Bildung, gleich ob städtische Kulturdienststellen oder Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, stellen sich aktiv dem Prozess der Digitalisierung. Tangiert sind einerseits Rahmenbedingungen des Lernens wie Information durch Datenbanken und Veranstaltungskalender, Aspekte des Vertriebs und der Verwaltung von Angeboten sowie die Besucheransprache über soziale Netzwerke. Die Digitalisierung verändert jedoch auch die Kultur (des Spielens) selbst und wird in diesem Sinn auch zum Thema pädagogischer Arbeit. Aus medienpädagogischer Perspektive setzen hier in Nürnberg die Arbeit des Medienzentrums Parabol e.V. und die Medienfachberatung des Jugendamts an.
11.1 Spiel-Angebote für Kinder und Jugendliche
Die Bedeutung des Spielens für die sozialpsychologische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen steht außer Frage und bildet sich entsprechend auch in der städtischen Jugendhilfeplanung ab. Erstmals wurde 1989 ein Rahmenplan „Spielen in der Stadt“ erarbeitet und seitdem mehrfach aktualisiert und fortgeschrieben. Damit steht der Stadt Nürnberg ein verbindliches Dokument der Jugendhilfeplanung zur Verfügung, das die Bedeutung des Spielens für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen hervorhebt und über die rechtlichen Regelungen und die politischen Zuständigkeiten aufklärt. Neben einer aussagekräftigen Bestands- und Bedarfsanalyse werden auch konkrete Maßnahmen und notwendige Schritte zur Erreichung der formulierten Ziele benannt. Im jüngsten Werkstattbericht „Spielen in der Stadt“, der im Februar 2019 dem Jugendhilfeausschuss vorgelegt wurde, erfolgte eine Aktualisierung der quantitativen Bestandund Bedarfsberechnungen der Spielflächen in den 57 städtischen Planungsbereichen.109 Neben einem Beschluss über die weitere Fortschreibung der Spielflächenplanung in den nächsten drei Jahren wurde eine Prüfung der Frage vereinbart, inwieweit Informationen zu Spielflächen Bürgerinnen und Bürgern mittels eines onlinegestützten Spielplatzführers öffentlich und einfach zugänglich gemacht werden können.
Die Jugendhilfeplanung „Spielen in der Stadt“ verfolgt das Ziel, eine kinder-, jugendund familienfreundliche Stadt Nürnberg zu realisieren. Eine solche Stadt bietet Kindern und Jugendlichen vielfältige, alters- und bedarfsgerechte Freiräume zum Spielen und Treffen, zur Entfaltung von Kreativität und zur Aneignung der Lebenswelt. Und dies nicht ausschließlich auf den reservierten Flächen von Spielplätzen, sondern auf Plätzen, Grün- und Brachflächen im öffentlichen Raum sowie auf zu Spielhöfen umgewandel-
ten Schulhöfen. Entsprechend werden in Nürnberg unbetreute öffentliche Spielplätze bedarfsorientiert neu geschaffen, ausgebaut und die bestehenden Anlagen erhalten. Zu diesen gehören (Klein-)Kinderspielplätze, Bolzplätze, Ballspielflächen, Streetball- und Skate-Anlagen, Flächen für Trendsportarten oder Parcours, zu Spielhöfen umgewandelte Schulhöfe sowie Spielplätze in Kleingartenanlagen.
Die projektbezogene Beteiligung potenzieller Nutzer und Nutzerinnen an der Spielflächenplanung ist von zentraler Bedeutung. Diese praxisbezogene Form der Partizipation von Kindern und Jugendlichen wird bei sämtlichen Planungen von Spielflächen in Nürnberg konsequent durchgeführt. Die kooperative Planung erfolgt im Zusammenspiel von Kindertageseinrichtungen, Schulen, Kirchengemeinden, Initiativen und Vereinen, Trägern der Offenen Kinder- und Jugendarbeit und dem in Nürnberg seit 2012 aktiven Partizipationsmodell laut!. Die durch laut! artikulierten Anliegen Jugendlicher bezogen sich zuletzt in erster Linie auf die Verbesserung der Ausstattung, der Aufenthaltsqualität, der Nutzungszeiten und -möglichkeiten, der Beleuchtung sowie der Pflege und auf den Unterhalt von öffentlichen Grünanlagen, Wegen, Spiel- und Aktionsflächen, Sportflächen und Spielhöfen.110
Im Fokus der Betrachtung non-formalen D Lernens von Kindern und Jugendlichen stehen in diesem Abschnitt pädagogisch betreute Spielangebote. Hierzu sind unter anderem die Aktivspielplätze und Spielmobile, aber auch organisierte Spielaktionen und Feste ebenso wie regelmäßige Spielangebote in den Stadtteilbibliotheken zu zählen. Die pädagogisch betreuten Aktiv-, Abenteuer-, Bau- und Naturspielplätze garantieren in verschiedenen Nürnberger Stadtteilen organisierte Spielgelegenheiten und damit Anlässe non-formalen Lernens in unterschiedlichsten Bereichen. Dabei stellen die Aktivspielplätze mit ihrem qualitativ hochwertigen Angebot auch eine Reaktion auf das Defizit an Spielflächen in Stadtteilen dar und können zudem einen Beitrag zur handwerklichen, kulturellen und sozialen Bildung von Kindern und Jugendlichen leisten. Die Verwaltung ermittelt laufend Fehlbedarfe an Spielflächen für die Planungsbereiche, die Einrichtung von Aktivspielplätzen hängt jedoch maßgeblich von der Verfügbarkeit von freien Flächen ab.
Während die Aktivspielplätze auf der Nürnberger Bildungslandkarte feste Plätze einnehmen, finden sich Spielmobilangebote zeitlich begrenzt im Stadtgebiet. Diese mobilen, pädagogisch betreuten Spielaktionen finden bevorzugt in solchen Quartieren statt, die nicht ausreichend mit betreuten Spielgelegenheiten versorgt sind oder in Stadtteilen mit hoher Bebauungsdichte und/oder allgemein schwieriger Lebenslage. Das Regelangebot betreuter Spielgelegenheiten wird ergänzt durch spezielle (wiederkehrende) Aktionen, Projekte und Veranstaltungen.
So existieren in Nürnberg Feste und Sonderveranstaltungen, die in langer Tradition pädagogisch begleitete Spielangebote organisieren und ermöglichen. Beispielhaft werden im Folgenden „Sommernachtstraum“ und „Nürnberg spielt!“ vorgestellt. Das Familienfest „Sommernachtstraum“ wurde im Jahr 2016 vom Jugendamt der Stadt gemeinsam mit den Aktivspielplätzen und Spielmobilen zum 30. Mal veranstaltet. Das nicht
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Abb. H-25:
Aktivspielplätze in Nürnberg, TTTTTTTTTTThhhhhhhhhhhooooooooooonnnnnnnnnnn NN
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Quelle: Sachdaten: Stadt DDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDDuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuutttttttttttttttttttttttttttzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeennnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnndddddddddddddddddddddddddddttttttttttttttttttttttttttteeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiccccccccccccccccccccccccccchhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh Nürnberg, Amt für Kinder,
Jugendliche und Familien –
Jugendamt; Kartenerstellung: Amt für Stadtforschung und RRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRöööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööötttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttthhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhheeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeennnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbbaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaacccccccccccccccccccccccccccccccccccccccccccccccccccccccccccccccccccccccccccccccccccccccccccccchhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh
Statistik für Nürnberg und
Fürth; grafi sche Überarbei-
tung durch das Bildungsbüro LLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLLaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaannnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnngggggggggggggggggggggggggggggggggggggggwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaasssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssssseeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeerrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr der Stadt Nürnberg.
kommerzielle Kinderfest hat sich in den Jahren der Durchführung laufend weiterentwickelt, basiert aber dennoch auf der täglichen Arbeit der Aktivspielplätze, die bei die-
Legende
sem Anlass anhand von gemeinsamen Mitmachaktionen und Vorführungen konzer-
Stadtteil
tiert von den Kindern präsentiert wird. GenreunabhänBegwioghn tew Fleäcrhdeen an einem zentralen „Festort“ Tanz, Musik und Theater präsentiert. So naAkhtivmspieelnplä ztzuem 30-jährigen Jubiläum im RReeiicchheellssddoorrff Aktivspielplatz (Nürnberger Modell/städtisch) Jahr 2016 rund 7000 Menschen an der Jubiläumsveranstaltung am Wasserspielplatz am
Aktivspielplatz (freier Träger)
Wöhrder See teil.
Ein weiteres Format, das über einen hohen Bekanntheitsgrad, starke Publikumsresonanz in den Stadtteilen und ein fein gesponnenes Netz an Akteurinnen und Akteuren ver- KKoorrnnbbuurrgg fügt, ist das seit 2002 im zweijährigen Rhythmus als Kooperationsveranstaltung von Jugendamt und Amt für Kultur und Freizeit durchgeführte Festival „Nürnberg spielt!“. Bis zu 80 Partnerinnen und Partner beteiligen sich jeweils. Das Festival, das seit 2014 als Tagesveranstaltung an einem Sonntag durchgeführt wird, erreichte 2019 an elf dezentralen, über die Stadt verteilten Spielstätten rund 7500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Im engeren waren dies Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren, die oft fußläufig in ihren Nachbarschaften an „Nürnberg spielt!“ teilnahmen. Alltägliche Spielangebote der beteiligten Kooperationspartner werden beim Festival besonders sichtbar, sodass Kinder (und deren Eltern) infolgedessen durch Regelangebote leichter adressiert werden können.
11.2 Spiel und Kultur: Haus des Spielens und Spielzeugmuseum
Nach Beschlüssen des Nürnberger Stadtrats 2018111 erarbeitet eine referatsübergreifende Arbeitsgruppe der Stadtverwaltung aktuell für das Nürnberger Pellerhaus ein Nutzungskonzept unter dem Titel „Haus des Spielens für alle Generationen“, das 2025 eröffnet werden soll. Komplementär zum traditionsreichen Spielzeugmuseum entsteht ein Kompetenzzentrum des Spiels, das verschiedene Funktionen, Angebote und Zielgruppen unter einem Dach zusammenbringt.
Voraussetzungen
In der in Auftrag gegebenen Voruntersuchung zur formativen Kraft des Spielens für die Kultur112 benennt der Autor Christian Schmidt spezifische (auch kommunale) Voraussetzungen im Nürnberger Kulturleben, die für die Einrichtung eines „Haus des Spielens“ in Nürnberg vorliegen: So kuratiert das Deutsche Spielearchiv im Pellerhaus mehr als 30000 Gesellschaftsspiele und organisiert regelmäßig Spiele-Abende und Aktionen. Während sowohl im städtischen Spielzeugmuseum, als auch im Germanischen Nationalmuseum umfangreiche Sammlungen historischer Spiele existieren, verfügt das städtische Museum Industriekultur über eine große Sammlung an Video- und Computerspielen mit diesbezüglicher Hard- und Software. Zudem wurde im städtischen Künstlerhaus eine Sparte für digitale Spiele eingerichtet, die Ausstellungen, öffentliche Aktionen und praktische Bildungsarbeit durchführt. Gleichzeitig sind in Nürnberg zahlreiche Organisationen wie der Verband SpieleGilde, der Ali Baba Spieleclub, der Verein Spieler, Abenteurer und Phantasten oder die Gruppe Indie Outpost regelmäßig und öffentlichkeitswirksam mit Aspekten des Spielens befasst. Im Exposé zum „Haus des Spielens“ wird ein Ort skizziert, „…an dem alle Arten von Spielen zusammenkommen, unabhängig von ihren Erscheinungsformen, der kommerzielle, kulturelle und pädagogische Wert von Spielen gleichermaßen herausgestellt wird, Spiele Bedeutung für unser Leben und unsere Zukunft entfalten (und) Spiele für jeden Menschen unmittelbar erfahr- und nutzbar werden…“.113
Zielsetzung und inhaltliche Annäherung
Erste konzeptionelle Überlegungen hinsichtlich der Funktionen und Zielgruppen für das „Haus des Spielens“ gehen davon aus, dass die Einrichtung vier Spielfelder abdecken wird.114
Abb. H-26:
Spielfelder des Haus des
Spielens
Erprobungsort, Ort der Begegnung Labor,
und Unterhaltung Beratungs- und
Kompetenzzentrum
Interdisziplinäre
Digitaler und
(wissenschaftliche)
analoger Kulturort
Netzwerk-Plattform
Quelle: Bericht im Kulturaus-
schuss mit Jugendhilfe-
ausschuss am 28.6.2018; eigene Darstellung.
An einem Ort der Begegnung und Unterhaltung sollen sich Menschen jeden Alters und Herkunft im „Haus des Spielens“ zum Spielen treffen. Ein offenes Spiele-Café, aber auch thematisch gefasste Ort für Veranstaltungen und Festivals kommen als Angebot in Frage. Spezifische pädagogische Vermittlungsformate können am Angebot anknüpfen. In einem Spielelabor besteht die Möglichkeit, Spiele zu entwickeln und zu programmieren, aber auch mit bestimmten Zielgruppen und Multiplikatoren ins Gespräch zu kommen über die kulturellen, pädagogischen und wirtschaftlichen Implikationen des Spielens. Gleichzeitig könnte das „Haus des Spielens“ Plattform und Netzwerkknoten für den fachlichen und wissenschaftlichen Diskurs sein und Raum für Kongresse, Konferenzen und Foren bieten. Und als digitaler und analoger Kulturort würde das Haus mit dem dazugehörigen Pellerhof nicht nur als Ort für Veranstaltungen unterschiedlichster Art fungieren, die Graphische Sammlung der Stadt Nürnberg und das Stadtarchiv könnten zudem Teile ihres Bestands digital zugänglich machen.
Kooperationsverbund
An der schrittweisen Planung des „Haus des Spielens“ arbeitet eine interdisziplinäre Gruppe bestehend aus Fachleuten Nürnberger Kultureinrichtungen, Akteuren aus dem Arbeitsfeld der Offenen Kinder- und Jugendarbeit des Jugendamts und des Kreisjugendrings sowie Angehörigen des Medienzentrums Parabol als Kooperationspartner. Als weitere mögliche Kooperationspartner stehen die Hochschulen der Metropolregion und Partner aus der Wirtschaft, insbesondere die Spielebranche, auf der Agenda. Intensiv eingebunden in Planung und Entwicklung sind das Deutsche Spielearchiv und der Spieleclub Alibaba, die seit Jahren im Pellerhaus aktiv sind.
Das seit 1985 aufgebaute Deutsche Spielearchiv residiert nach dem Ankauf durch die Stadt Nürnberg im Jahr 2010 seit 2013 im Pellerhaus und agiert dort in Kooperation mit dem Spieleclub Alibaba mit einem ausdifferenzierten Angebot an Veranstaltungen rund
ums Spiel. Im Kontext der Planungen zum „Haus des Spielens“ erfolgte im Jahr 2018 eine Intensivierung der Veranstaltungstätigkeit (Abb. H-27). Im Dezember 2018 wurde im Pellerhaus zudem die Veranstaltungsreihe „Testspiel“ gestartet, die bis einschließlich Juli 2019 ein vielfältiges und konzentriertes Programm zu analogen und digitalen Spiel- Abb. H-27: Besucherzahlen im Deutschen Spielearchiv und Haus des Spiels, 2015 bis formen unterbreitete.
Abb. H-27:
Anzahl Besucherzahlen im Deutschen
Besucher/-innen Spielearchiv und Haus des
Spielens, 2015 bis 2018
12 000
| 5 641 | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 849 | ||||||
| 849 | ||||||
| 492 608 | 3 860 | 5 354 | ||||
| 608 | ||||||
| 2 515 | 323 | 2 077 | 429 | |||
| 844 | 1 091 |
10 000
8 000
6 000
4 000
Anmerkung: Weitere Besucherzahlen ergeben sich beispiels-
2 000
weise bei der wissenschaftlichen Nutzung/Bibliothek,Veranstal-
0 tungen außer Haus (zum Beispiel
2015 2016 2017 2018 Consumenta oder Spielecafé)
sowie weiteren Veranstaltungen
Spielenachmittage, Vereinsabende, Spielangebote außer Haus
im Haus (zum Beispiel Foyeraus- Veranstaltungen stellung Pellerhaus).
Führungen/Seminare/Schulklassen Quelle: Deutsches Spiele-
archiv, Haus des Spiels. Quelle: Deutsches Spielearchiv, Haus des Spiels. Der Spieleclub Alibaba Nürnberg/Erlangen übernimmt seit seinem Einzug im Jahr 2013 bAensmoenrkduengre: W Feuitnerket Bioesnuechne rizmah lSenp ieerglbebeetnr iseicbh bdeeissp iPeleswlleeirshe abeui sdeesr :w Eisisnen oscfhfaeftnliechre Sn pNiuetlzturnegf/fB i(bzliwotehie kM, al Veranstaltungen außer Haus (z.B. Consumenta, SWM16/Spielecafé) sowie weiteren Veranstaltungen im Haus (z.B. pForoye rWauossctehlleu nmg Pite lGlerehsaeusll)s. chaft s-, Brett- und Kartenspielen sowie Tabletop- und Rollenspiele), Spielberatung (in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt) und Sonderveranstaltungen gehören zum regelmäßigen Programm des Vereins. Fest an den Nürnberger Messekalender gebunden ist das jährlich stattfindende Nürnberger Spiele-Fest, dessen 32. Ausgabe 2019 während der Nürnberger Spielwarenmesse von einem Netzwerk einschlägiger Partner – darunter auch der Spieleclub Alibaba – organisiert und überwiegend im Pellerhaus veranstaltet wurde. Dabei spricht das Spielefest mit seinen Spielgelegenheiten und Workshops nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Erwachsene an.
Das 1971 in Nürnberg eröffnete Spielzeugmuseum baute zunächst auf die Sammlung der Familie Bayer auf und umfasst über 80000 Objekte, die vollständig inventarisiert sind. Die hohe Qualität der Exponate, weithin beachtete Sonderausstellungen und eine wissenschaftlich fundierte Schriftenreihe stellen das Haus in die erste Reihe der Fachmuseen weltweit. Als Museum präsentiert die Einrichtung historisches Spielzeug wie Puppen und Puppenstuben, Kaufläden, Holz- und Blechspielzeug, aber auch Spiele und Kinderbücher. Sonderausstellungen, wie die Schau „Nürnberg hat das Zeug zum Spie-
len!“, die mit der Frage „Warum spielst Du?“ die Motivationslage für das Spielen in den Mittelpunkt rückte, ergänzen die Präsentation der Museumssammlung und sorgen dafür, dass die jährlichen Besuchszahlen in den letzten zehn Jahren in einem Korridor von 106056 bis 125483 schwankten. Zudem verzeichnete das Kunst- und Kulturpädagogische Zentrum der Stadt Nürnberg im Jahr 2018 bei Gruppenführungen und Familienangeboten insgesamt 518 Besuche und 807 Besucherinnen und Besucher anlässlich organisierter Kindergeburtstage, wo beispielsweise die Mottoveranstaltung „Spuk im Spielzeugmuseum“ mit einer abschließenden Schatzsuche im historischen Gewölbekeller des Museums endet.
12. Politik, Geschichte und Menschenrechtsbildung
Politischer Bildung wurde nicht zuletzt aufgrund zunehmender gesellschaftlicher Spaltungs- und politischer Radikalisierungstendenzen in den letzten Jahren wachsende Bedeutung und vermehrte öffentliche Aufmerksamkeit zuteil. Aufgrund ihrer besonderen geschichtlichen Verantwortung als Stadt der Reichsparteitage während des Nationalsozialismus einerseits und als Stadt des Friedens und der Menschenrechte andererseits, die mit dem Saal 600 im Justizpalast über einen Ort verfügt, der als Austragungsort der Nürnberger Prozesse als Geburtsstätte des modernen Völkerrechts gilt, ist die Stadt ein geeigneter Ort für historische und politische Bildung. Zahlreiche authentische Lernorte bieten Anlass, sich mit der deutschen Geschichte und ihren Verwerfungen auseinanderzusetzen.
Daran anknüpfend hat die Menschenrechtsbildung als Bildung über, durch und für die Menschenrechte einen besonderen Platz in der Bildungslandschaft ebenso wie im Stadtbild. Neben diesen beiden Aspekten politischer Bildung geht dieser Abschnitt auf Programme und Initiativen ein, welche Demokratie durch praktisches Tun und aktive Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger fördern.
12.1 Historisch-politische Bildung
Das ehemalige Reichsparteitagsgelände in Nürnberg ist heute ein Ort für die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Die Zeppelintribüne ist das einzige fertiggestellte und noch erhaltene Bauwerk auf dem Reichsparteitagsgelände. Mit dem Ziel, die Begehbarkeit zu sichern beziehungsweise wieder herzustellen und das Bauwerk damit für erinnerungskulturelle Vermittlungsarbeit zu öffnen, werden in den nächsten acht bis zwölf Jahren insgesamt 85,1 Millionen Euro investiert. Die Hälfte der Summe wird der Bund übernehmen, rund ein Viertel der Freistaat.115
Im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände arbeiten verschiedene Bildungsträger im sogenannten Studienforum zusammen und bieten in der Ausstellung und auf dem Reichsparteitagsgelände Rundgänge, Diskussionen und Workshops an. Die Gesamtbesucherzahlen stiegen konstant von 181263 im Jahr 2009 auf 284872 in 2018 (+57,2%) (Abb. H-28).
Abb. H-28: Besucherzahlen im Dokumentationszentrum Reichparteitagsgelände
Nürnberg, 2008 bis 2018
Abb. H-28:
Anzahl Besucher/-innen Besucherinnen und Besucher
im Dokumentationszentrum
300 000 284 827 Reichparteitagsgelände
Nürnberg, 2008 bis 2018
234 824 220 444 208 998 200 592 191 478
186 371 181 362
250 000
200 000
150 000
100 000
50 000
0 Quelle: Besucherstatistik der
2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 einzelnen Museen der Stadt Nürnberg. Quelle: Besucherstatistik der einzelnen Museen der Stadt Nürnberg Um dem immer weiter steigenden Besucherandrang, aber auch gestiegenen Ansprüchen an Museen gerecht zu werden, wird das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände ertüchtigt und ausgebaut. Der Ausbau beinhaltet neue Ausstellungsflächen und eigene Archiv- und Depotflächen sowie ein Lernlabor als modernes Recherchezentrum und die Erweiterung und Modernisierung des Veranstaltungsbereichs. Besonderes Augenmerk soll dabei auf Barrierefreiheit gelegt werden. Die Bauarbeiten sollen 2020 starten und sind mit einem Gesamtvolumen von 15,3 Millionen Euro veranschlagt.116 In diesem Zuge ist auch eine stärkere Bezugnahme der historischen Inhalte auf aktuelle Fragestellungen geplant, was sich in der Umbenennung des Studienforums zum Forum für Geschichte und Gegenwart niederschlagen wird.
Das Kunst- und Kulturpädagogische Zentrum der Museen der Stadt Nürnberg (KPZ) entwickelt als zentraler museumspädagogischer Dienst für zahlreiche Museen und Ausstellungsorte in Nürnberg Führungen und Workshops und setzt diese um. Im Falle des Studienforums zählt dazu auch ein moderiertes Programm, das sich mit den baulichen Überresten des Reichsparteitagsgeländes und dem zeitgenössischen Umgang damit kreativ auseinandersetzt. Im Jahr 2017 nahmen 2003 Menschen an 106 Veranstaltungen des KPZ auf dem Reichsparteitagsgelände teil. Seit 2010 schwankte die Teilnehmerzahl zwischen 1489 und 3528.
Das Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg bietet in Kooperation mit dem Nürnberger Menschenrechtszentrum (NMRZ) verschiedene Bildungsformate im Dokuzentrum an. Der Studientag „Diskriminierung trifft uns alle!“ richtet sich an Schulklassen, Studierende und interessierte Gruppen, für die Auszubildenden der Stadt Nürnberg ist er
obligatorisch. 22 Gruppen mit insgesamt 550 Personen nahmen im Jahr 2018 an diesem Angebot teil. Das Portfolio des Menschenrechtsbüros wurde 2018 um einen neuen Bereich erweitert. Das Angebot „Ordnungshüter und Massenmörder – die Ahndung der Polizeiverbrechen in den Nürnberger Prozessen“ richtet sich an Polizeibedienstete und thematisiert unter anderem Auftrag und Selbstbild der Polizei damals und heute.117
Geschichte Für Alle e.V. – Institut für Regionalgeschichte (GFA) bietet neben zahlreichen anderen historischen Ausstellungsführungen und Rundgängen seit über dreißig Jahren auch Führungen auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände an. Dort verzeichnete Geschichte Für Alle allein für das Jahr 2018 insgesamt 5485 (2017: 5439) Veranstaltungen, an denen 162685 Personen aus dem In- und Ausland teilnahmen (2017: 161618 Teilnehmende). Dabei bezogen sich 1360 der Veranstaltungen auf Programme, die GFA sowohl im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände als auch in Kombination mit Geländebegehungen durchführte. Für die Gäste aus dem Flusskreuzfahrt-Bereich führte GFA 3419 Bildungsangebote (2017: 3408) mit 119665 Teilnehmenden (2017: 119280) durch.
Als Einrichtung des Kreisjugendrings Nürnberg-Stadt macht DoKuPäd („Pädagogik rund um das Dokumentationszentrum“) historisch-politische Bildungsangebote speziell für junge Menschen. Das Reichsparteitagsgelände und das Dokumentationszentrum dienen dabei als Grundlage und Ausgangspunkt der pädagogischen Arbeit. Zudem spielt der Gegenwartsbezug eine herausgehobene Rolle, wie sich zum Beispiel am Workshop „EU und DU“ zeigt. Auf dem Reichsparteitagsgelände gibt es neben Geländebegehungen (2018: 1622 Teilnehmende) auch innovative Kooperationsprojekte wie den medienpädagogischen Workshop „Inszenierung der Macht“ (2018: 50 Teilnehmende) in Kooperation mit dem Medienzentrum Parabol. Dabei erkunden die Jugendlichen das Gelände und erstellen mithilfe verschiedener Aufnahmetechniken selbständig eine Sendung.
Abbildung H-29 zeigt die Gesamtzahl der Teilnehmenden an allen DoKuPäd-Veran-
staltungen im Zeitverlauf unterteilt nach der Bildungsinstitution, aus der die jeweiligen Gruppen stammen. Nach einem Anstieg bis 2010 pendeln sich die Gesamtnutzerzahlen mit einigen Schwankungen zwischen 5000 und 6500 ein. Dabei spielen die Mittelschulen in den letzten Jahren eine zahlenmäßig immer wichtigere Rolle. Die Zahl der Real- und Wirtschaftsschülerinnen und -schüler geht stattdessen zurück. Grundschulen gehören erst seit 2013 zur Zielgruppe von DoKuPäd.
Das Themenfeld des Nationalsozialismus hat für Menschen mit Behinderung D oder chronischer Erkrankung eine ganz besondere Relevanz und stößt dementsprechend auf besonderes Interesse. Die Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus hat zum Thema eine Handreichung und Lernmaterialien für inklusive Bildungsangebote in leichter Sprache entwickelt und bietet dazu Workshops an, die in den Jahren 2017 und 2018 42-mal durchgeführt wurden.118
Abb. H-29: Teilnehmende an Veranstaltungen politischer Bildung von DoKuPäd nach
Bildungsinstitution, 2001 bis 2018
Abb. H-29:
Anzahl Teilnehmende Teilnehmende an Veranstal-
tungen politischer Bildung
7 000 von DoKuPäd nach Bildungs-
institution, 2001 bis 2018
6 000
5 000
4 000
3 000
2 000
1 000
2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Grundschulen Real- und Wirtschaftsschulen Förderschulen Studierende
Hauptschulen/
Gymnasien/FOS/BOS Berufsschulen Sonstige Gruppen
Mittelschulen Quelle: Kreisjugendring
Nürnberg-Stadt, DoKuPäd. Quelle: Kreisjugendring Nürnberg-Stadt, DoKuPäd. Das Memorium Nürnberger Prozesse existiert seit 2010 in seiner jetzigen Form als feste Institution der Nürnberger Museen mit seiner Dauerausstellung und dem „Saal 600“, in dem nach Ende des Zweiten Weltkriegs die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse stattfanden. Seither wachsen die Besucherzahlen kontinuierlich an von 56530 im ersten vollen Betriebsjahr 2011 auf 106404 im Jahr 2018.119 Nicht Deutsch, sondern Englisch ist die unter Besucherinnen und Besuchern am häufigsten gesprochene Sprache.120
Die Vermittlung der musealen Inhalte an Menschen mit Behinderung spielt im Memorium eine wichtige Rolle. Auf Anfrage werden zielgruppenspezifische Führungen angeboten, speziell für blinde und sehbehinderte Menschen gibt es die Führung „Hören
- Fühlen – Erfassen“. Eine Tastkopie macht die Positionen der Angeklagten, Verteidiger,
Ankläger, Richter und anderen Akteurinnen und Akteure im Saal 600 mit den Händen erfassbar. In der Ausstellung werden zeitgenössische Tondokumente gemeinsam angehört und diskutiert. Für Gehörlose und Schwerhörige steht ein Videoguide in Gebärdensprache zur Verfügung.
12.2 Menschenrechtsbildung
Gemäß ihrem Selbstverständnis als Stadt des Friedens und der Menschenrechte gibt es in Nürnberg zahlreiche Einrichtungen, Initiativen und Aktionen im Zeichen der Menschenrechte und der Menschenrechtsbildung. Zu nennen sind hier beispielsweise die Bäume für die Menschenrechte,121 die alle zwei Jahre stattfindende Verleihung des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises sowie die jeweils daran anschließende Friedenstafel, bei der Tausende Bürgerinnen und Bürger gemeinsam unter freiem Himmel in der Straße der Menschenrechte speisen und so ein Zeichen für Frieden und Toleranz setzen.
Analog zur Straße der Menschenrechte sind in der Straße der Kinderrechte einzelne Artikel der UN-Kinderrechtskonvention im öffentlichen Raum, konkret in Form eines Skulpturenparks im Stadtpark, verankert. Die einzelnen Kinderrechte werden in Spielstationen und Skulpturen spielerisch erfahrbar gemacht. Inzwischen hat sie sich als fester außerschulischer Lernort etabliert und wird regelmäßig von Schulklassen und Kindergarten-Gruppen besucht, ebenso wie von Kindern und Erwachsenen in der Freizeit. Darüber hinaus bieten einige Träger non-formaler Bildung Führungen an. Allein DoKuPäd machte von 2012 bis einschließlich 2018 Rundgänge durch die Straße der Kinderrechte mit insgesamt 2349 Personen.122
Im Angebot des Menschenrechtsbüros befinden sich verschiedene Seminare und Workshops, die Menschenrechtsbildung speziell für verschiedene Zielgruppen und in Bezug auf unterschiedliche, teils sehr spezifische Lebensbereiche aufbereiten. Hauptsächlich von Schulklassen gebucht wurden die Menschenrechtsseminare mit Exkursion in die Straße der Menschenrechte. 652 Personen setzten sich 2018 mit unterschiedlichen Methoden wie Kurzvorträgen, Gruppenarbeit und Diskussionen mit den Inhalten der Menschenrechte, mit Institutionen und Mechanismen des Menschenrechtsschutzes und mit aktuellen menschenrechtlichen Fragen auseinander. 175 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung nahmen außerdem im speziell für diese Zielgruppe entwickelten Workshop teil, in dem sie die Menschenrechte auf ihre tägliche Arbeit beziehen und daraus Handlungsoptionen und -leitlinien für ihren beruflichen Alltag entwickeln. Zweimal wurde außerdem ein spezielles Angebot zu Menschenrechten in der Altenpflege mit insgesamt 42 Personen durchgeführt. Das Seminar „Freiheit und Würde – Werte für alle“ richtet sich speziell an Geflüchtete und behandelt Themen wie Rechtsstaatlichkeit, Religionsfreiheit, Gleichheit und sexuelle Selbstbestimmung.123
Alle zwei Jahre findet das Nürnberger Internationale Menschenrechtsfilmfestival statt. Die Vorführungen beleuchten historische und aktuelle Menschenrechtsfragen und liefern damit wichtige Impulse für die pädagogische Menschenrechtsarbeit vor Ort. In diesem Kontext wird auch der Menschenrechtsfilmpreis verliehen. Das Schulfilmprojekt „Open Eyes“ gehört organisatorisch zum Menschenrechtsfilmfestival und knüpft daran inhaltlich an, indem es Schulklassen über eine zielgruppengerechte Filmauswahl einen niederschwelligen Zugang zur Auseinandersetzung mit dem Thema bietet. Im Jahr 2018 nahmen 1769 Schülerinnen und Schüler aus sieben Mittelschulen, sechs Realschulen, elf Gymnasien und acht Fachober- und Berufsoberschulen an dem Schulfilmprojekt teil. Open Eyes findet jährlich statt, genießt aber in den Jahren tendenziell mehr Publikumszulauf, in denen es parallel zum Festival stattfindet.124
Auf Dauer angelegt ist das Projekt „KICKFAIR für Menschenrechte“ an der Scharrerschule, die zugleich „Schule für Menschenrechte“ ist. Durch dieses Projekt hat sich in Schule und Stadtteil eine Straßenfußballkultur entwickelt, bei der Fairness ebenso über das Spielergebnis entscheidet wie Tore. Jedes Jahr werden an der Scharrerschule in den Klassenstufen 6 bis 8 zehn bis zwölf neue Teamerinnen und Teamer ausgebildet, die sich um das Fußballprojekt kümmern.125
12.3 Demokratie lernen und Partizipation
Alle zwei Jahre tritt der Oberbürgermeister im Rahmen von Bürgerversammlungen vor Ort im Stadtteil in direkten Dialog mit der Bevölkerung. Im Vorfeld finden unter Schirmherrschaft der Kinderkommission und organisiert vom Jugendamt Kinderversammlungen statt, in denen Kinder und Jugendliche als Expertinnen und Experten für ihre Lebenswelt Forderungen und Wünsche artikulieren und sie in Form von Anträgen in den politischen Prozess einspeisen können.
Die Zahl der beteiligten Kinder schwankt jährlich zwischen 385 und 732, insgesamt wurden von 2011 bis 2018 4766 Kinder erreicht. Die Anzahl der Kinder variierte zudem sehr stark zwischen den verschiedenen Bürgerversammlungsgebieten, oft abhängig vom Einsatz einzelner Personen wie Lehrkräften oder Eltern vor Ort.126
Die Nürnberger Partnerschaft für Demokratie ist als eine von 300 Partnerschaften des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ beim Menschenrechtsbüro der Stadt angesiedelt und wird durch eine Koordinations- und Fachstelle betreut. Ziel ist es, auf lokaler Ebene Projekte zu unterstützen, die sich für ein vielfältiges und demokratisches Miteinander einsetzen. Im Jahr 2018 wurden 17 Einzelprojekte gefördert, wie beispielsweise „Gemeinsam gegen Antiziganismus“ des Verbands Deutscher Sinti und Roma. Mit einer weiteren Förderlinie wurden 2018 elf Einzelprojekte von und für Jugendliche unterstützt. Für die Partnerschaft für Demokratie standen in Nürnberg aus dem Programm „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2017 bis einschließlich 2019 Finanzmittel in Höhe von 100000 Euro zur Verfügung.127
Im Kontext des Nürnberger Präventions-Netzwerks gegen religiös begründete Radikalisierung bietet das Menschenrechtsbüro außerdem in Kooperation mit dem Verein UFUQ den Workshop „Wie wollen wir leben?“ an, bei dem die kritisch-konstruktive Auseinandersetzung mit Religion, Wertvorstellungen, gesellschaftlichen Rollenbildern und Diskriminierung im Mittelpunkt stehen.128
Das Projekt „Respekt Coaches“, gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, führt mit Trägern der politischen Kinder- und Jugendbildung gemeinsam entwickelte Maßnahmen an Schulen durch.129 In Nürnberg arbeitete die AWO im Jahr 2018 mit fünf Klassen einer Berufsschule zusammen und nahm im Jahr 2019 weitere sieben Klassen aus einer Mittel- und einer Realschule hinzu.130 Die Caritas führte an zwei Mittelschulen fast dreißig Gruppenangebote durch.131 Beispielhaft kann auch das Projekt „Heroes – Gegen Unterdrückung im Namen der Ehre“ des Vereins Degrin genannt werden, das in verschiedenen Klassen durchgeführt wurde. In Form einer Peer-to-Peer-Pädagogik reflektieren dabei männliche Jugendliche und junge Erwachsene mit Schülern über Fragen der Identität, geschlechtlicher Rollenbilder, Rassismus, den Ehrbegriff in unterschiedlichen Kulturen und weitere Themen.132
Als Kooperation zwischen dem Jugendamt der Stadt Nürnberg, dem Kreisjugendring Nürnberg-Stadt und dem Medienzentrum Parabol bietet das Partizipationsmodell „laut!“ Diskursplattformen und Beteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche im kommunalpolitischen Kontext. Seit 2012 werden in diesem Rahmen immer neue Dialog- und Engagement-Formate entwickelt und erprobt. Abbildung H-30 zeigt die Summe der Teilnehmenden an den verschiedenen Teilprojekten. Dabei wird die Vielzahl der Formate und die quantitative Beteiligung der Jugendlichen ersichtlich. „laut! Vor Ort!“ findet in Einrichtungen der Offenen Jugendarbeit und anderen sozialräumlich eingebetteten Veranstaltungsorten statt und bietet im Kontext der konkreten Lebenswelt der Jugendlichen die Möglichkeit, Anliegen, Ideen und Meinungen zu artikulieren. „laut! Forum live“ ist das jährlich stattfindende Diskussionsevent mit Stadträtinnen und Stadträten und dem Oberbürgermeister. „laut! Cash“ ermöglicht die Finanzierung von Vorhaben Jugendlicher bis zu 400 Euro. Mit 523 Teilnehmenden stark nachgefragt ist CityVee, ein Youtube-Kanal über den Jugendliche, wie im Falle des Formats „eNgagement“, aus ih- Arebnb .E Hrf-a30h:r uTeniglneenh mbeernidche tbeeni loaduet!r neainche nF oerimgeanteenn, 2V0lo1g8 (Blog im Video-Format) produzieren können.
Abb. H-30:
Teilnehmende bei laut! nach Anzahl Teilnehmende laut! Vor Ort
Formaten, 2018
laut! Forum live
laut! Cash
Workshops und Barcamps
Cityvee
130 167
laut! TV
Quelle: Stadt Nürnberg, Amt 523 Sonstige Veranstaltungen
für Kinder, Jugendliche und und Maßnahmen
Familien – Jugendamt.
Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt.
13. Sport und Bewegung
Bildung im und durch Sport ist ein vielfältiger und reflexiver Prozess, der es ermöglicht, bewusst und unbewusst kulturelle, motorische und soziale Kompetenzen zu entwickeln.
Ein Großteil der sportlichen Aktivitäten findet weitgehend selbstorganisiert in der Freizeit statt. Die freizeitorientierten Sportmöglichkeiten und die damit verbundenen Lernprozesse sind dabei vielfältig und datengestützt auf kommunaler Ebene nur mit erheblichem Aufwand zu erfassen. Aus einer bundesweiten Befragung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sowie des Bundesinstituts für Sportwissenschaften lassen sich
allerdings einige Aussagen zum freizeitorientierten Sportverhalten treffen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass deutschlandweit 72% der Sportlerinnen und Sportler ausschließlich selbstorganisierten Sport betreiben, also nicht in einem Verein aktiv sind. Zu den beliebtesten Sportarten gehören dabei der Radsport, gefolgt von Schwimmen, Fitness, Laufen und Wandern.133
Viele Sportarten können dabei kostenfrei im öffentlichen Raum stattfinden, so etwa auf ausgeschilderten Laufstrecken oder in öffentlich zugänglichen Bewegungsparks. Insbesondere bei Indoor-Sportarten haben sich in Nürnberg aber auch zahlreiche kommerzielle Sportangebote, so etwa Fitnessstudios, Boulder-, Tennis- oder Fußballhallen etabliert, die es ermöglichen, Sportarten auch außerhalb von Vereinsstrukturen selbstorganisiert auszuführen. Zusätzlich existieren Kursangebote von privaten Fitness- und Yogastudios sowie vom städtischen Bildungszentrum oder den Krankenkassen, häufig aus den Bereichen Fitness sowie Kraft-, Gesundheits- oder Rehasport.
Neben den hier umrissenen Angeboten des Freizeitsports besteht in Nürnberg eine breite Palette von Vereinen und der Kommune organisierter Sportangebote, die im Folgenden thematisiert werden.
13.1 Kommunal organisierter Sport
SportService
Der SportService der Stadt Nürnberg, angesiedelt im Geschäftsbereich Schule und Sport, ist der kommunale Anlaufpunkt für verschiedenste Sportakteure und deren Belange. Für sportinteressierte Bürgerinnen und Bürger stellt er Informationsangebote bereit. So gibt es zum Beispiel eine umfangreiche Datenbank mit Angeboten und Ansprechpersonen zu zahlreichen Sportarten und die Broschüre „Kids aktiv“, die Kindern und ihren Eltern stadteilbezogen und altersgerecht Informationen zu Sport- und Bewegungsmöglichkeiten bietet.
Ein weiteres zentrales Element des SportService ist die Sportförderung mit dem Ziel, den Breiten- und Spitzensport in Nürnberg zu unterstützen. Finanziell gefördert werden dabei neben Investitionen in Sportanlagen unter anderem auch der laufende Betrieb von Vereinen, etwa durch Zuschüsse, die sich zum Beispiel an der Anzahl und Größe der Sportanlagen, an der Anzahl der Mitglieder oder Übungsleiterlizenzen orientieren. Aber auch anlassbezogene Unterstützungsleistungen können abgerufen werden, so etwa für spezielle Sportveranstaltungen, Stadtmeisterschaften oder die Vereinsentwicklung. Die Anzahl der förderfähigen Vereine ist seit 2010 von 156 auf 121 im Jahr 2018 sowohl absolut als auch anteilig zurückgegangen.134 Zusätzlich führt der SportService eigene Veranstaltungen durch und unterstützt verschiedene Akteure bei der Durchführung.
Insbesondere im Bereich der Integration ist der SportService aktiv und initiierte im Jahr 2015 auf dem Höhepunkt der Fluchtzuwanderung das Projekt „Sport integrativ“, um die Integration der Neuzugewanderten in den Vereinssport zu fördern. Durch gezielte
Koordination und Kommunikation der Integrationsbeauftragten beim SportService konnten gemeinsam mit den Nürnberger Vereinen vielfältige Angebote für Geflüchtete entworfen werden und diese auch dauerhaft in den Vereinssport integriert werden (vergleiche Abschnitt 1.3).135
Neben der Sportförderung ist der SportService auch für den Betrieb und die Bereitstellung der Nürnberger Sportanlagen zuständig. So wird beispielsweise die Nutzung von Sporthallen sowie von Freisportanlagen koordiniert und organisiert. Zum Stichtag Ende 2017 betrieben die Stadt Nürnberg und die Vereine in Nürnberg insgesamt 891 Sportanlagen, von denen sich etwa ein Drittel in öffentlicher Hand befinden. Abgedeckt werden dabei eine Vielzahl von Sportmöglichkeiten wie Schwimmbäder, Leichtathletikanlagen und Sporthallen. Aber auch Sportarten, die weniger im Fokus der breiten Öffentlichkeit stehen, werden bedient. So gibt es beispielsweise auch Stockbahnen, Rollsport- oder Schießanlagen. Insbesondere im Bereich der Sporthallen und Sporträume besteht allerdings trotz der Einrichtung von sieben zusätzlichen Sportstätten zwischen 2015 und 2017 weiterhin großer Bedarf.136
Neben dem Vereinssport engagiert sich der SportService auch für Sportlerinnen und Sportler im Bereich des selbst organisierten Sports und in Trendsportarten, deren Bedeutung aktuell einer Analyse unterzogen wird.
Gesundheitsamt
Auch das Gesundheitsamt der Stadt Nürnberg engagiert sich im Sportbereich. Die Organisation von Sport- und Bewegungsspielen wird dabei vor allem unter dem Aspekt von Gesundheitsförderung und -bildung angeboten. So findet beispielsweise das Programm Rücken- und Bewegungsturnen (RüBe) für Kinder im Vor- und Grundschulalter statt. Angesprochen werden dabei insbesondere Kinder mit Gewichts-, Haltungs- oder Koordinationsproblemen. Insgesamt umfasste das Angebot im zweiten Halbjahr 2018/19 86 Kurse in 20 Kindertageseinrichtungen und 17 Grundschulen, an denen circa 1500 Kinder teilnahmen. Zusätzlich wurden acht Schwimmkurse an drei Standorten angeboten.137 Außerdem existierten das Programm „Gesunde KiTa – Jolinchen Kids“ (vergleiche Abschnitt 11.2) und stadtteilorientierte Bewegungsangebote für alle Altersgruppen im Projekt „Gesundheit für alle im Stadtteil“.
Bildungszentrum
Das Fachteam Gesundheit im Bildungszentrum bietet eine breite Palette an Angeboten zur Ernährungs- und Bewegungsbildung. Darüber hinaus engagiert sich das Bildungszentrum mit dem Projekt „Gesunde Südstadt“, das von der AOK Bayern im Rahmen des Programms „Gesunde Kommune“ gefördert wird, in der Gesundheitsförderung sozial benachteiligter Zielgruppen. Gemeinsam mit relevanten Zielgruppen (zum Beispiel Menschen mit Migrationshintergrund, Alleinerziehenden, Arbeitslosen) und Akteuren werden in einem partizipativen Prozess passgenaue Angebote der Gesundheitsförderung und Prävention für mehr gesundheitliche Chancengleichheit entwickelt.
Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt
Auch das Jugendamt unterbreitet in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit zahlreiche Sportangebote. Neben den fest etablierten Sportveranstaltungen wie dem jährlich ausgetragenen Street-Soccer-Cup finden auch im Rahmen des Ferienprogramms verschiedenste Sportangebote für eine breite Zielgruppe statt. Für Jugendliche ab 16 Jahren ist an Freitagen in unregelmäßigen Abständen die Möglichkeit der Ausübung verschiedenster Sportarten (Basketball, Fußball, Bouldern, Schlittschuhlaufen) beim Mitternachtssport gegeben.138 Zusätzlich gibt es zielgruppenorientierte Programme, zum Beispiel erlebnispädagogisch orientierte Angebote für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die auch körperliche Bewegung beinhalten. Einen Schwerpunkt bildet seit Jahren das Jugger-Angebot, hauptsächlich organisiert vom Kinder- und Jugendhaus MIKADO.139
13.2 Sportangebote für Kindertageseinrichtungen und Schulen
Im Regelbetrieb von Kindertageseinrichtungen und Schulen ist Sport integraler Bestandteil. So sind unterschiedlichste Bewegungs- und Sportspiele und der damit verbundene motorische und soziale Kompetenzerwerb nicht nur im Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan festgeschrieben,140 sondern diese finden sich auch explizit in vielen pädagogischen Konzepten von Kindertageseinrichtungen wieder. In den Schulen ist der Sportunterricht Bestandteil aller Curricula.
Der non-formalen Bildung sind die Angebote zuzuordnen, die zusätzlich zum Regelbetrieb mit unterschiedlichen Kooperationspartnern stattfinden. Über Einrichtungen formaler Bildung können hier unabhängig vom sozialen oder ökonomischen Status nahezu alle Kinder eines bestimmten Alters erreicht werden. So wird beispielsweise im Rahmen des Kooperationsmodells „Sport-nach-1“ in Schule und Verein die Möglichkeit eines qualifizierten freiwilligen Nachmittagsangebotes in über 70 Sportarten eröffnet. Im Schuljahr 2018/19 wurden 376 Wochenstunden durch Nürnberger Vereine und Verbände vorwiegend an Nürnberger Schulen durchgeführt.141 Darüber hinaus engagieren sich Sportvereine auch als Kooperationspartner für sportliches Angebot im offenen als auch im gebundenen Ganztag.142
Das Programm „Bewegte KiTa – Wachsen mit Bewegung“ zielt auf eine langfristige Einbindung in den Betrieb der beteiligten Einrichtungen ab. Es werden also nicht nur über neun Monate hinweg nach einem festen Curriculum bewegungspädagogische Angebote durchgeführt, sondern die teilnehmenden Kindertageseinrichtungen werden auch mit umfangreichen Informationsmaterialien ausgestattet und das beteiligte Kita-Personal durch mehrtägige Fortbildungen geschult. Im Vordergrund stehen hierbei konkrete Maßnahmen zur Weiterentwicklung der eigenen Einrichtung und die feste Verankerung von Bewegungsangeboten im Jahreslauf. Im Kindergartenjahr 2018/19 konnten sechs Kindergärten und fünf Kinderkrippen am Programm teilnehmen, das maßgeblich auch durch Mittel aus privaten Stiftungen gefördert wird. Insgesamt partizipierten seit Projektbeginn 2008 über 4600 Kinder am Angebot.143
Einen ähnlichen Ansatzpunkt – allerdings mit zusätzlichem Fokus auf Gesundheitsbildung
- hat das gemeinsam von Gesundheitsamt, AOK-Krankenkasse und Kindertagesstätten
durchgeführte Programm „Gesunde-Kita – JolinchenKids“, wo Bewegung, Ernährung, seelisches Wohlbefinden und die Aktivierung der Eltern auf dem Programm stehen. Fünf der 385 Kindertageseinrichtungen in Nürnberg partizipieren jährlich am Programm, das auch die Fortbildung von Erzieherinnen und Erziehern in den Fokus nimmt.144
An Grund- und Mittelschulen findet seit dem Schuljahr 2011/12 das Projekt Seepferdchen in Kooperation zwischen dem SportService und dem städtischen sowie staatlichen Schulamt statt. Die Schulen erhalten dabei Unterstützung im Schwimmunterricht durch eine Teilnehmerin beziehungsweise einen Teilnehmer am Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) mit Rettungs- oder Übungsleiterlizenz. Im Schuljahr 2017/18 konnten 937 Schülerinnen und Schüler aus acht Grundschulen und fünf Mittelschulen in 41 Klassen der Jahrgangsstufen 3 bis 6 am Projekt teilnehmen. Die Anzahl der Nichtschwimmerinnen und Nichtschwimmer konnte dabei von 356 auf 75 reduziert werden. Es wurden 175 Seepferdchen-Abzeichen sowie 130 bronzene und 27 silberne Schwimmabzeichen erworben.
13.3 Vereinssport in Nürnberg
Ein großer Teil der sportlichen Betätigung aller Altersgruppen findet nach wie vor in den 287 Nürnberger Vereinen statt (Stand 2018). Hatten Vereine in den 90ern und 2000ern Jahren allgemein mit sinkenden Mitgliederzahlen zu kämpfen, stabilisieren sich die Zahlen und verzeichnen seit 2014 sogar wieder einen deutlichen Anstieg von 105681 auf 113457 Mitglieder, von dem sowohl große als auch kleine Vereine profitieren. Ausschlaggebend hierfür war das starke Bevölkerungswachstum der Stadt. Der Organisationsgrad, also der Anteil der Vereinsmitglieder an der Bevölkerung, ist daher trotz steigender absoluter Zahlen im Zeitverlauf weitgehend stabil und liegt im Jahr 2018 bei 21,2% (Abb. H-31).
Während die Anzahl der zahlreichen Ehrenamtlichen, die sich in Nürnberger Vereinen engagieren, nicht erfasst wird, gibt die Statistik des SportService über die bezuschussten Übungsleiterlizenzen über das geleistete Engagement indirekt Auskunft. Hierbei ist weiterhin ein Anstieg zu beobachten. So stieg die Anzahl der Lizenzen seit 2013 konstant von 1512 auf 1660, die der Zusatzlizenzen von 309 auf 394.145
Um Kindern und Jugendlichen aus Familien in sozial schwierigen Lebenslagen die Teilhabe an Sportangeboten zu ermöglichen, besteht auch im Jahr 2018 die Möglichkeit, Vereinsmitgliedschaften über das vom Bund aufgelegte und durch das Amt für Existenzsicherung und soziale Integration – Sozialamt administrierte „Bildungs- und Teilhabepaket“ (BuT) D finanziell zu unterstützen. Insgesamt nutzten im Jahr 2018 1766 Nürnberger Kinder und Jugendliche BuT-Gutscheine für eine Vereinsmitgliedschaft. Dabei rechneten 98 Sportvereine146 insgesamt 156245 Euro ab. Neben der Vereinsmitgliedschaft können auch Kursgebühren bezuschusst werden, so etwa für Schwimm-, Kampfsport- oder Fußballkurse, die zumeist von kommerziellen Anbietern offeriert werden. 668 Kinder- und Jugendliche nutzten dies und wurden mit insgesamt 67453 Euro unterstützt.147
Abb. H-31: Entwicklung der Mitgliederzahlen in Vereinen in Nürnberg im Verhältnis zur
Einwohnerzahl (Organisationsgrad), 1997 bis 2018
Abb. H-31:
Anzahl Mitglieder Organisationsgrad (in %) Entwicklung der Mitglie-
derzahlen in Vereinen in
140 000 35
Nürnberg im Verhältnis zur
Einwohnerzahl (Organisa-
120 000 30 tionsgrad), 1997, 2002, 2007
bis 2018
100 000 25
80 000 20
60 000 15
40 000 10
20 000 5
0 0
1997 2002 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Anzahl Mitglieder Organisationsgrad Quelle: Stadt Nürnberg, Sportservice. Quelle: Stadt Nürnberg, Sportservice
Zudem beteiligen sich Nürnberger Sportvereine an sozialen, integrativen und inklusiven Angeboten. So nahmen im Jahr 2018 37 Vereine am Projekt „Hinein in den Sportverein“ teil, in dem gefördert durch den SportService der Stadt Nürnberg Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien bei Anschaffungen und Gebühren unterstützt werden, die über den Mitgliedsbeitrag hinausgehen.
Nürnberger Sportvereine beteiligen sich ebenso aktiv an der Integration von Neuzugewanderten. Im Rahmen des vom SportService initiierten und koordinierten Maßnahmenpakets „Sport integrativ“ konnten rund 3200 Geflüchtete mit verschiedenen Sportangeboten erreicht werden.148 Insgesamt 14 verschiedene offene Angebote ermöglichten dabei einen möglichst niedrigschwelligen Zugang zum Vereinssport, der in vielen Fällen auch zu einer langfristigen Integration in die Vereine führt. So konnten im Jahr 2018 412 Geflüchtete in insgesamt 38 Vereine integriert werden. Hervorzuheben ist dabei auch das Teilprojekt „Kein Abseits im Fußball“, bei dem Jugendliche nicht nur in Sportvereine integriert, sondern auch bei der Alltagsbewältigung, beispielsweise bei den Themen Wohnen, Schule und Ausbildung, unterstützt werden.
Mithilfe des Freizeitnetzwerks Sport des Vereins für Lebenshilfe Nürnberg e.V. konnten seit 2015 über 260 Sportlerinnen und Sportler mit Einschränkung in Sportangebote von Nürnberger Sportvereinen vermittelt werden. Das Freizeitnetzwerk half nicht nur bei der Vermittlung von Sportlerinnen und Sportlern in inklusive Angebote, sondern informierte auch Sportanbieter, wie ihre Angebote für Sportlerinnen und Sportler mit Beeinträchtigung geöffnet werden können. In der Projektlaufzeit konnte Kontakt zu über 55 Sportorganisationen aufgebaut werden, die sich im Bereich der Inklusion D im Sport engagie-
ren wollen. Nichtsdestotrotz übersteigen das Interesse und die Nachfrage das Angebot deutlich, so dass Wartelisten für neue sportinteressierte Menschen mit Behinderung D existieren. Nach Auslauf der Förderung durch die Aktion Mensch kann das Projekt mit städtischen Mitteln und Mitteln der Lebenshilfe, allerdings in deutlich reduziertem Umfang, weitergeführt werden.
14. Bürgerschaftliches Engagement
Bürgerschaftliches Engagement ergänzt einerseits die Arbeit von Bildungseinrichtungen und schafft andererseits Möglichkeitsstrukturen für Bildungsprozesse bei ehrenamtlich Tätigen. Es macht non-formale Bildungsangebote vielfach erst möglich und stützt oft individuelle Bildungsanstrengungen durch Patenschaften und Mentoring. Andererseits durchlaufen Menschen im Ehrenamt selbst Bildungsprozesse, die zu besonders nachhaltigen Lernerfahrungen führen. So können bei allen ehrenamtlichen Tätigkeiten soziale und kommunikative Kompetenzen sowie Fachwissen erworben werden.
Die Stabsstelle für Bürgerschaftliches Engagement im Referat für Jugend, Familie und Soziales unterstützt das Engagement der Bürgerinnen und Bürger durch Vernetzung, Information und die Schaffung einer Anerkennungskultur und bündelt die zahlreichen Aktivitäten. So wird die Administration der bayerischen Ehrenamtskarte, die von der Einführung 2016 bis Mitte 2018 rund 1500-mal ausgegeben wurde, durch die Stabsstelle für Bürgerschaftliches Engagement übernommen. Im Jahr 2018 wurde erstmals der Preis für junges Engagement vergeben, der ehrenamtliches Engagement unter 30-Jähriger in den Mittelpunkt rückt.149 Diese Ansätze wurden 2018 mit dem Bayerischen Innovationspreis Ehrenamt ausgezeichnet. Einen Rekord von 230 Teilnehmenden aus 14 Unternehmen konnte der Corporate Volunteering Tag 2019 verzeichnen. An diesem Tag arbeiten Mitarbeitende aus Privatunternehmen ehrenamtlich für die Umsetzung konkreter Aktionen und Projekte in gemeinnützigen Einrichtungen.150 Erstmals seit 2016 fand im Jahr 2019 auch wieder der Nürnberger Stiftertag statt, der ebenfalls als Vernetzungs- und Austauschplattform der Stiftungslandschaft in der Metropolregion Nürnberg dient und bei dem der Nürnberger Stifterpreis verliehen wird. 230 Teilnehmende konnten beim diesjährigen siebten Stiftertag gezählt werden.151 Über die Bürgernetz-Datenbank, welche die Stabsstelle gemeinsam mit dem Zentrum Aktiver Bürger (ZAB) betreibt, wird außerdem an der passgenauen Vermittlung zwischen Engagement und Nachfrage vermittelt.
Auch der Bereich der Fortbildung Engagierter spielt für die Tätigkeit der Stabsstelle eine wichtige Rolle. Mit dem Programm „Nürnberg engagiert“ wurde 2019 erstmals ein gebündeltes Fortbildungsprogramm für ehrenamtlich Engagierte geschaffen, das die Angebote unterschiedlicher Träger bündelt. Darin enthalten sind unterschiedliche Bildungsformate wie Workshops, Vorträge und Diskussionen, aber auch Großveranstaltungen mit Vernetzungscharakter.152
Seit 2015 hat ehrenamtliches Engagement im Kontext von Fluchtmigration eine besondere Rolle eingenommen. Diesem Thema wendet sich daher die Stabsstelle für Bürgerschaftliches Engagement und „Corporate Citizenship“ in besonderer Weise zu. Dazu gehören regelmäßige Austauschtreffen mit Vertreterinnen und Vertretern der Helferkreise. Im Jahr 2017 wurden acht solcher Treffen organisiert, an denen insgesamt 234 Personen teilnahmen.153 Darüber hinaus bietet die Stabsstelle eine Reihe von Fortbildungs- und Qualifizierungsveranstaltungen an, die praxisrelevantes Hintergrundwissen beispielsweise zum Aufenthaltsrecht oder zum Umgang mit Traumatisierung zum Gegenstand haben. 711 Personen nahmen im Jahr 2017 teil.154 2019 fand das inzwischen vierte Forum Willkommenskultur statt, eine Austausch- und Vernetzungsplattform für Engagierte mit und ohne Fluchterfahrung. Zahlreiche Integrationsprojekte werden unter Einbezug der Beteiligten vorgestellt, diskutiert und gewürdigt. Zuletzt konnten 270 Teilnehmende ge- Abb. H-32: Ehrenamtliche in der Stadtmission Nürnberg e.V. nach Altersgruppen, 2015 zählt werden, darunter 87 mit eigener Fluchterfahrung.
bis 2018
Abb. H-32:
Anteil Ehrenamtliche
Ehrenamtliche in der Stadt-
(in %)
mission Nürnberg e.V. nach
100 Altersgruppen, 2015 bis 2018
| 1,2 | 0,4 | 0,6 | 1,1 | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 19,1 | 2,2 | 19,3 | 1,8 | 18,0 | 3,0 | 4,4 19,0 | |
| 26,8 | 25,9 | 24,5 | 24,8 | ||||
| 15,6 | 16,9 | 17,1 | 18,6 | ||||
| 9,8 | 10,0 | 9,7 | |||||
| 8,0 | |||||||
| 8,9 | 8,0 | 9,5 | 11,0 | ||||
| 13,6 | 2,9 | 16,2 | 1,6 | 16,2 | 1,3 | ||
| 12,4 |
2015 2016 2017 2018
18 bis 20 Jahre 21 bis 30 Jahre 31 bis 40 Jahre
41 bis 50 Jahre 51 bis 60 Jahre 61 bis 70 Jahre
71 bis 80 Jahre 81 bis 90 Jahre Ohne Angaben Quelle: Stadtmission Nürn-
berg e.V. Quelle: Stadtmission Nürnberg e.V.
Im Kern sind es die zahlreichen mit Ehrenamtlichen arbeitenden Vereine und Organisationen, die der ehrenamtlichen Arbeit in Nürnberg ihren Stellenwert geben. Unabhängig von aktuellen gesellschaftlichen Veränderungen ist die ehrenamtliche Arbeit historisch gewachsen und findet sich in verschiedenen Organisationen unterschiedlich ausgeprägt. So ist die Stadtmission Nürnberg ein Verein, der sich in der evangelisch-lutherischen Diakonie organisiert. Zwischen 2003 und 2018 stieg die Anzahl der ehrenamtlich Tätigen um 85,5% von 235 auf 436 Personen an. Im Jahr 2018 waren drei Viertel der Ehrenamtlichen (74,6%) weiblich. Vor allem die Altersgruppe der über 60- bis 80-Jährigen ist sehr aktiv, der entsprechende Anteil an allen Ehrenamtlichen bei der Stadtmission lag 2018 bei 43,8% (Abb. H-32). Die Altersverteilung der ehrenamtlich
Aktiven schwankte im Zeitraum von 2015 bis 2017 in einigen Alterskohorten, veränderte sich aber nicht grundlegend. Im Jahr 2018 zeigt sich dagegen eine Änderung, nach der ein Rückgang bei den 21- bis 30-Jährigen und ein Zuwachs bei den Ehrenamtlichen von 71 bis 80 Jahren erkennbar ist.
Beim Kreisverband Nürnberg des Bayerischen Roten Kreuzes ist die Mehrheit der Ehrenamtlichen in Bereitschaften, im Jugendrotkreuz, in der Migrations- und Flüchtlingshilfe und bei der Tafel aktiv. Die Caritas legt ihren Schwerpunkt auf die Alten- und Gesundheitshilfe sowie auf die Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und Menschen in schwierigen Lebenslagen.
Um die Gewinnung und Ansprache junger Menschen kümmert sich die eigens gegründete Abteilung youngcaritas. Beim Kreisverband Nürnberg der AWO engagieren sich Mitglieder wiederum langfristig in den Ortsvereinen, durch die im Jahr 2006 gegründete AWOthek versucht der Kreisverband aber auch neue Wege der Ehrenamtsarbeit zu etablieren, indem projektförmige Kooperationen mit Dritten eingegangen werden. Zudem schaffte die AWO im Jahr 2014 durch die Gründung eines eigenen Referats die organisatorischen Voraussetzungen für eine aktive Ehrenamtsarbeit, zu der auch die regelmäßige Qualifizierung von Ehrenamtlichen zählt. Auf Betreuung und Qualifizierung von Ehrenamtlichen legt traditionell auch das Zentrum Aktiver Bürger wert, das sich darauf spezialisiert hat, Freiwillige systematisch in verschiedene Tätigkeitsfelder zu vermitteln.155 Rund 590 Ehrenamtliche sind hier aktiv, allein rund 120 „Kulturerklärer“156, welche in insgesamt 36 Sprachen Personen bei Behördengängen oder bei Kontakten mit Bildungsinstitutionen begleiten. Die „Kulturerklärer“ verbinden dabei die Tätigkeit als
Abb. H-33: Engagement in Nachbarschaft und Stadtteil, 2017
Dolmetscher mit der als Vermittler zwischen den Kulturen.157
Abb. H-33:
Engagement in Nachbar- Anteil (in %)
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100
schaft und Stadtteil in
Nürnberg, 2017
| 56 | 38 | 5 | ||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Engagement in Nachbars | chaft u | nd St | adtteil | nach | Wohn | viertel | bindu | ng | ||
| 69 | 26 | 5 | ||||||||
| 63 | 3 | 3 | 4 | |||||||
| 50 | 45 | 5 | ||||||||
| 37 | 57 | 6 |
Anmerkung: n=4.330; Der Index „Engagement im Stadtteil“ setzt sich aus fünf Einzelfragen zur Beteiligung in Nachbarschaft oder Stadtteil zusammen.
Quelle: Amt für Stadt-
forschung und Statistik
für Nürnberg und Fürth,
Wohnungs- und Haushalts-
erhebung Leben in Nürnberg Ja Nein Weiß nicht/Keine Angabe
- Quelle: Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth, Wohnungs- und Haushaltserhebung Leben in Nürnberg 2017.
292 Anmerkung: n=4.330; Der Index "Engagement im Stadtteil" setzt sich aus fünf Einzelfragen zur Beteiligung in Nachbarschaft oder Stadtteil zusammen.
Anmerkung an Grafiker: Bitte den
Text im grauen Kasten "Engage-
ment in Nachbarschaft und
Stadtteil nach Wohnviertelbind-
ung" grafisch etwas hervorheben,
das bezieht sich auf die vier
Balken sehr stark, stark, weniger
stark und kaum unten.
Auch unabhängig von organisierten Strukturen sind ehrenamtliche Tätigkeiten in vielfältiger Ausprägung und häufig direkt im sozialen Nahraum zu finden, aufgrund des geringen Organisationsgrads aber schwer zu messen. In der städtischen Wohnungs- und Haushaltsbefragung 2017 wurde dieses Thema aufgegriffen. Somit lässt sich feststellen, dass sich 56% der Nürnbergerinnen und Nürnberger ehrenamtlich in der Nachbarschaft oder im Stadtteil engagieren. Dazu gehört beispielsweise die Organisation von oder die Mitarbeit bei Stadtteilfesten sowie die Unterstützung von Menschen in der Nachbarschaft. Es zeigt sich, dass Menschen sich umso häufiger in der Nachbarschaft engagieren, je mehr sie sich mit ihrer direkten sozialen Umgebung verbunden sehen. Unter denjenigen, die sich dem eigenen Wohnviertel sehr stark verbunden fühlen, engagieren sich dort über zwei Drittel (69%), während es unter denjenigen ohne nennenswerte Bindung an das eigene Wohnviertel nur gut ein Drittel (37%) ist (Abb. H-33).
15. Schlussbemerkung und Handlungs-
empfehlungen
Wie in den vergangenen Berichten unterstreicht die Darstellung non-formaler Bildung im vorangegangenen Abschnitt das breite Angebot in Nürnberg und dokumentiert, sofern messbar, dessen Nutzung. Genauere Befunde ergeben sich häufig dort, wo non-formales Lernen im Zusammenspiel mit Einrichtungen der formalen Bildung erfolgt. Über die Beteiligung von Kindertagesstätten und Schulen ergibt sich oft ein Bild über das Teilnahmeverhalten und die Herkunft der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Methodische Herausforderungen des Monitorings non-formaler Bildung, aber auch Potenziale bestehen jedoch weiterhin.
Aussagekräftige Analysen: Es gibt noch zu wenig fortschreibungsfähige Indikatoren im Bereich der non-formalen Bildung. Geschäftsstatistiken von Institutionen der öffentlichen Hand oder privater Einrichtungen geben oft keine Auskunft über Merkmale der Teilnehmenden wie Alter, Geschlecht oder soziale Herkunft.
Sozialräumliches Monitoring: Kleinräumigen Betrachtungen gelingt es leichter, Menschen und deren Lebenslage treffend in den Blick zu nehmen. Der im Jahr 2019 fertiggestellte erste Werkstattbericht zur Bildung im Nürnberger Westen stellt in diesem Sinn einen gelungenen Versuch dar. Eine detaillierte und integrierte Beschreibung und Analyse von Bildungslandschaft und Bildungspraxis in Quartieren sollte für möglichst viele Stadtteile unternommen werden.
Zugänge und Vermittlungsangebote: Spezielle Angebote für bestimmte Zielgruppen sind in Nürnberg vielfach vorhanden (KulturRucksack, Museumscurriculum, Kinder- KunstRaum, Kulturlotsenprogramm, KulturTicketNürnberg) und oft arbeiten Einrichtungen, wie im Fall der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, per se niedrigschwellig. Folgerichtig ist zu fragen, welche der bewährten Angebote und Programme in bestimmten Stadtteilen angeboten werden. Vor allem in Stadtteilen mit hohen Integrationsanforderungen ist es wichtig, vielfältige Zugangswege für alle Kinder und Jugendliche zu eröffnen.
Inklusion: Bei neuen und bestehenden Angeboten ist auch auf die Umsetzung inklusiver Bildungsansätze zu achten. Die Nürnberger Inklusionskonferenz hat zahlreiche konkrete Umsetzungsvorschläge im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention zur Diskussion gestellt. Weitere Impulse wird hier auch eine Befragung zum Thema Inklusion geben, die von der Landesstelle für die nicht-staatlichen Museen und durch den Bezirk Mittelfranken im Jahr 2019 durchgeführt wird.
Eine von Diversität geprägte Stadt wie Nürnberg sollte auch im Bereich des non-formalen Lernens über passgenaue Angebote und entsprechend niedrigschwellige Zugänge für verschiedenste Zielgruppen verfügen. Angehörige bestimmter Zielgruppen sind selbst als Akteurinnen und Akteure gefragt und einzubinden, einerseits als Kulturmittlerinnen und -mittler beziehungsweise Lehrende, andererseits als Kulturschaffende, wie zum Beispiel im Theater Dreamteam, im KUNSTRAUM in der WerkStadt Lebenshilfe Nürnberg und im Theaterprojekt International im Loni Übler Haus.
Digitalisierung: Das non-formale Lernen ist auf ganz unterschiedlichen Ebenen vom Prozess der Digitalisierung tangiert. Kulturgüter können digital vermittelt und Teilnehmerinnen und Teilnehmer über soziale Netzwerke und das Web angesprochen werden. Jenseits dieser technischen Potenziale setzt die Digitalisierung, wie das Beispiel Gamification zeigt, aber auch neue Kulturtechniken und Lernfelder auf die Agenda der non-formalen Bildung. Für gegenwärtige und zukünftige Generationen ist es zentral, dass sie die Grundlagen der digitalen Welt verstehen, in derselben verantwortungsvoll agieren und sie aktiv mitgestalten können. Neben digitaler Denkweise und technischen Fähigkeiten sind insbesondere auch Sozialkompetenzen, Kreativität, Flexibilität und kritisches Denken im Umgang mit der Digitalisierung auszubilden. Non-formalen Settings und Akteuren kommt bei der Vermittlung von digitalen Kompetenzen eine ebenso wichtige Rolle zu wie den Schulen.
Für einzelne Sparten können einige Beobachtungen formuliert werden: Im Bereich der musikalischen Bildung existiert ein sehr vielfältiges Angebot für Kindertagesstätten und Schulen mit einem hohen Vernetzungsgrad der Akteure. MUBIKIN, das 2011 gestartet und seitdem auf acht Schulsprengel erweitert wurde, sticht hier heraus. Durch die bewusste Auswahl von Schulsprengeln kann in bestimmten Stadteilen und Quartieren allen Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter ein zusätzliches musikalisches Bildungsangebot gemacht werden. In der Familienbildung gibt es mit Programmen wie HIPPY und PAT in Nürnberg seit langer Zeit gute Erfahrungen mit aufsuchender Arbeit und Empowerment insbesondere sozial benachteiligter Familien und Familien mit Zuwanderungsgeschichte. Über die frühkindliche Bildung ergeben sich hier gute Gelegenheiten für mehrsprachige Information und kultursensible Beratung der Eltern, die sonst nur schwer erreicht werden. In der Erwachsenenbildung führen im Bildungszentrum zusätzliche Angebote an Sprach- und Integrationskursen sowie Projekte in der Gesundheitsbildung zu einer messbaren Verjüngung des Publikums. Wichtig ist im Zuge dessen die Bindung neu gewonnener, jüngerer Teilnehmerkreise zum Beispiel durch geeignete Anschlussangebote. Hierbei sollte jedoch nicht übersehen werden, dass es bundesweit allen
Erwachsenenbildungsträgern schwerer fällt, Menschen unter 35 Jahren für freiwillige Bildungsangebote in der Freizeit zu gewinnen. Gerade im Zuge von Digitalisierung und veränderten Lernarrangements sollte aktuell auf die Gewinnung einer jungen Teilnehmerschaft, die dann in Zukunft der Erwachsenbildung dauerhaft und nachhaltig aufgeschlossen gegenüberstünde, geachtet werden. Eine mögliche Entwicklung, auf die im letzten Bildungsbericht 2017 hingewiesen wurde, hat sich bewahrheitet: Seitdem 2018 die Jahresgebühr in der Stadtbibliothek Nürnberg wieder eingeführt wurde, ist ein Rückgang bei der Anzahl der aktiven Nutzerinnen und Nutzer zu verzeichnen. Insbesondere die Anzahl der Neuanmeldungen in der Stadtbibliothek nahm merklich ab.
Künftige Entwicklungen: Es gilt, das Potenzial der Kulturhauptstadtbewerbung für Prozesse non-formales Lernens mitzudenken, einzubeziehen und auszuschöpfen. Erfolgversprechende Ansätze gibt es in diesem Kontext bereits, zum Beispiel die beiden sogenannten „open calls“158, Projekte wie „Kulturhauptstädla“159, N2025 „Kinoclip“: Jugendfilmprojekt mit Ljubljana, N2025 Schülerprojekt „bE U – Share Democracy“ und andere. Die aus der Projektarbeit resultierenden Impulse sind unabhängig vom Ausgang des Bewerbungsverfahrens zu nutzen und weiterzuentwickeln. Gleiches gilt für die geplanten Großbauprojekte im Bereich Kultur (Neubau Konzerthaus, Sanierung Opernhaus und Meistersingerhalle) und in ganz besonderem Maße für die laufenden Arbeiten an der Zeppelintribüne, wo am historischen Ort ein hohes Potenzial für zukunftsweisende geschichtsdidaktische und politische Bildung besteht.
1 Vgl. Stadt Nürnberg, Bewerbungsbüro Kultur- 12 Quelle: Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus. hauptstadt Europas Nürnberg 2025, Nürnberg 13 Vgl. Kreisjugendring Nürnberg-Stadt, Jahresbe- 2019. richt 2018, S.5. 2 Vgl. Stadt Nürnberg, Beiträge zur Lern- und 14 Jugend Information Nürnberg, Luise – The Bildungslandschaft in der Nürnberger West- Cultfactory, Jugendbildungsstätte Burg Hohenstadt. Werkstattbericht – Teil 1. Frühkindliche eck, Jugend-Kinder-Kultur Quibble, DoKuPäd – Bildung, Betreuung und Erziehung und non-for- Pädagogik rund ums Dokuzentrum, JiG – Jugendmale Bildung junger Menschen, Vorlage zum arbeit in Ganztagsschulen. gemeinsamen Schul- und Jugendhilfeausschuss 15 Vgl. Achtes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VIII), am 28.11.2019. Kinder- und Jugendhilfegesetz, https://dejure. 3 Die im ersten Schritt betrachteten Lernfelder org/ge-setze/SGB_VIII/16.html, letzter Zugriff: sind: kulturelle Bildung, Sprache und Literacy, 11.10.2019. gesundheitliche Bildung. Weitere Lernfelder sind 16 Vgl. Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Ju- Partizipation und Demokratie, Emotionen und gendliche und Familien – Jugendamt, Konzept soziale Beziehungen, Naturwissenschaft und Familienbildung in Nürnberg (Eltern- und Technik sowie Digitalisierung. Familienbildungskonzept der Stadt Nürnberg). 4 Vgl. SGB VIII, insb. § 11. Zu den Schwerpunk- Fortschreibung 2015. ten der Jugendarbeit gehören demnach die 17 Vgl. Bundesministerium der Justiz und für außerschulische Jugendbildung, die Jugendarbeit Verbraucherschutz, Achtes Buch Sozialgesetzin Sport, Spiel und Geselligkeit, die arbeitswelt-, buch (SGB VIII), Kinder- und Jugendhilfe, www. schul- und familienbezogene Jugendarbeit, die gesetze-im-internet.de/sgb_8/__78.html, letzter internationale Jugendarbeit, die Kinder- und Zugriff: 11.10.2019. Jugenderholung sowie die Jugendberatung. 18 AWO Kreisverband Nürnberg e.V. Eltern- 5 Vgl. Stadt Nürnberg, Amt für Kinder Jugendbildungsprogramme, Bayerisches Rotes Kreuz liche und Familien – Jugendamt, Leitbild der Kreisverband Nürnberg-Stadt, Deutscher Offenen Kinder- und Jugendarbeit, 2008, S. 5. Kinderschutzbund e.V. Nürnberg, Evangelische 6 Die Ausführungen dieses Abschnitts orientie- Familien-Bildungsstätte Nürnberg, Frauen & ren sich an der Jugendhilfeplanung der Stadt Mädchen Gesundheitszentrum Nürnberg, Nürnberg, die im Jahr 2017 aktualisiert wurde: forum erwachsenenbildung vom evangelischen Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugendliche und bildungswerk nürnberg e.V., pro familia Nürnberg Familien – Jugendamt, Jugendhilfeplanung Of- e.V., Treffpunkt e.V., Zentrum Kobergerstraße, fene Kinder- und Jugendarbeit, Band 1 Fachliche Zoff + Harmonie. Planung und Weiterentwicklung, S. 40ff. 19 Vgl. Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, 7 Es gibt auch Ausnahmen: So ist das „Street- Jugendliche und Familien – Jugendamt, www. workprojekt Schniegling“ räumlich am Stadtteil- nuernberg.de/internet/familienbildung/ haus FiSch angebunden, die Kinder- und Jugend- familienbildungsstaetten.html, letzter Zugriff: häuser Nordlicht und Tetrix haben zusätzliche 11.10.2019. Streetwork-Stellen. 20 Vgl. Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, 8 Vgl. Gerhard Frank/Werner Wüstendörfer: Jugendliche und Familien – Jugendamt, Jugendliche in kommunalen Einrichtungen der www.nuernberg.de/internet/familienbildung/ Offenen Jugendarbeit in Nürnberg. Eine Befra- familienstuetzpunkte.html, letzter Zugriff: gung von Nutzerinnen und Nutzern, Nürnberg 11.10.2019. 2011; Gerhard Frank/Werner Wüstendörfer: 21 Vgl. Bildungsberichterstattung der Stadt Nürn- Jugendliche in kommunalen Einrichtungen der berg 2018, Teilbericht I: Bildung von Neuzugwan- Offenen Jugendarbeit in Nürnberg. Eine wiederderten, online abrufbar unter www.nuernberg. holte Befragung von Nutzerinnen und Nutzern, de/imperia/md/bildungsbuero/dokumente/ Nürnberg 2018. teilbericht_i_zuwanderung.pdf. 9 Quelle: Evangelische Jugend Nürnberg (ejn) 22 Quelle: AWO Kreisverband Nürnberg e.V., Jahresbericht 2017–2018. Jahresbericht Elternbildungsprogramme 2018. 10 Jugend Information Nürnberg, Luise – The 23 Vgl. Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Ju- Cultfactory, Jugendbildungsstätte Burg Hohengendliche und Familien – Jugendamt, Konzept eck, Jugend-Kinder-Kultur Quibble, DoKuPäd – Familienbildung in Nürnberg (Eltern- und Pädagogik rund ums Dokuzentrum, JiG – Jugend- Familienbildungskonzept der Stadt Nürnberg). arbeit in Ganztagsschulen. Fortschreibung 2015. 11 Quelle: Kreisjugendring Nürnberg-Stadt, Burg Hoheneck.
24 Quelle: Bayerisches Staatsministerium für 42 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Stadtfor- Unterricht und Kultus, www.km.bayern.de/ schung und Statistik für Nürnberg und Fürth. ministerium/erwachsenenbildung.html, letzter 43 Quelle: Stadt Nürnberg, KunstKulturQuartier. Zugriff: 11.10.2019. 44 Vgl. auch Kapitel H, Abschnitt Musik. 25 Stadtrat am 10.4.2019. 45 Vgl. Z-Bau – Haus für Gegenwartskultur 26 Quelle: Stadt Nürnberg, Bildungszentrum im (2019): Jahresbericht 2018. Bildungscampus Nürnberg. Für die kommenden 46 Vgl. Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung Jahre ist über das Planetarium hinaus ein weiterer und Statistik für Nürnberg und Fürth, Statistisches Ausbau des MINT-Bereichs im Bildungszentrum Jahrbuch der Stadt Nürnberg 2018. geplant, u.a. durch eine enge Kooperation mit der neuen Dependance des Deutschen Museums, 47 Vgl. Stadt Nürnberg, Stadtbibliothek im Bildie Ende 2020 eröffnet werden soll. dungscampus Nürnberg. 27 Einschließlich Planetarium. 48 Quelle: Ebd. 28 Quelle: Stadt Nürnberg, Bildungszentrum im 49 Quelle: Deutsche Bibliotheksstatistik. Bildungscampus Nürnberg; Stadt Nürnberg (Hg.), 50 Vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Bildung in Nürnberg 2017, S. 203. Südwest 2018, JIM Studie 2018, Jugend, Infor- 29 Quelle: Stadt Nürnberg, Bildungszentrum im mation, Medien. S. 2. Bildungscampus Nürnberg. 51 Quelle: Deutsche Bibliotheksstatistik. 30 Nach einem Bericht des Bayerischen Obersten 52 Sitzung des Kulturausschusses am 6.10.2017. Rechnungshofs im Jahr 2014 ergaben sich Ände- 53 Quelle: Deutsche Bibliotheksstatistik. rungen in den Förderrichtlinien des bayerischen Erwachsenenbildungsgesetzes, so dass sich 54 Quelle: Stadt Nürnberg, Stadtbibliothek im die Angaben zu den Teilnahmen im Jahr 2018 Bildungscampus Nürnberg. stark veränderten, beziehungsweise im Fall der 55 Quelle: Ebd. evangelischen Stadtakademie im Vergleich zu den 56 Quelle: Ebd. Vorjahren nicht vergleichbar waren. Bayerischer 57 Vgl. Stadt Nürnberg, Amt für Stadtforschung Oberster Rechnungshof, Jahresbericht 2014, und Statistik für Nürnberg und Fürth, Statistisches Erwachsenenbildung: Förderung ohne Kontrolle Jahrbuch der Stadt Nürnberg 2018. (TNr. 15). 58 Quelle: Institut für Museumsforschung. 31 Quelle: Stadt Nürnberg, Seniorenamt. 59 Quelle: Stadt Nürnberg, Museen der Stadt 32 Vgl. Stadt Nürnberg, Seniorenamt, Senioren- Nürnberg, Jahrespressekonferenz 2018/19, netzwerke Nürnberg, www.nuernberg.de/ 14.5.2019. internet/seniorenamt/seniorennetzwerke.html, letzter Zugriff: 11.10.2019. 60 Quelle: DB Museum Nürnberg. 33 Vgl. Stadt Nürnberg, Seniorenamt, Ausbau der 61 Quelle: Museum für Kommunikation Nürnquartiersorientierten Altenhilfe in Nürnberg: berg. Zwischenbericht 2018 und Eckpunkte für die 62 Vgl. Deutsches Museum, www. Förderung sozialräumlich organisierter sozialer deutsches-museum.de/nuernberg/projekt/, letzter Treffpunkte, Vorlage zum Sozialausschuss am Zugriff: 15.5.2019. 20.12.2018. 63 Vgl. Bayerischer Rundfunk, https://www.br.de/ 34 Quelle: Stadt Nürnberg, Bildungszentrum im nachrichten/bayern/nuernberger- Bildungscampus Nürnberg. zukunftsmuseum-macht-technologie-erlebbar, 35 Quelle: Ebd. QvOygxa, letzter Zugriff: 15.5.19. 36 Quelle: Bayerisches Rotes Kreuz Kreisverband 64 Quelle: Stadt Nürnberg, Tiergartenmitteilung Nürnberg-Stadt. 1/2019, 3.6.2019. 37 Quelle: Stadtmission Nürnberg. 65 Stadt Nürnberg, Kunst- und Kulturpädagogisches Zentrum der Museen in Nürnberg, Jahres- 38 Quelle: Computerclub Nürnberg 50+ e.V. bericht 2017, Jahresbericht 2018. 39 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kultur und 66 Stadt Nürnberg, 3. Bürgermeister/Geschäftsbe- Freizeit, Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne. reich Schule, Sachstandsbericht zum Museums- 40 Quelle: Werkbund Werkstatt Nürnberg curriculum für Grundschulen, Vorlage zum SchulgGmbH und e.V. ausschuss am 3.5.2019. 41 Quelle: Stadt Nürnberg, KunstKulturQuartier.
67 Quelle: Stadt Nürnberg, Kunst- und Kulturpä- 84 Vgl. Bildungsberichterstattung der Stadt Nürndagogisches Zentrum der Museen in Nürnberg, berg 2018, Teilbericht I: Bildung von Neuzugwan- Jahresbericht 2018. derten, online abrufbar unter www.nuernberg. 68 Vgl. Deutscher Museumsbund e.V., Bundes- de/imperia/md/bildungsbuero/dokumente/ verband Museumspädagogik e.V., Bundeskom- teilbericht_i_zuwanderung.pdf. petenzzentrum Barrierefreiheit e.V. 2013, Das 85 Vgl. Theater Mummpitz. inklusive Museum – Ein Leitfaden zu Barrierefrei- 86 Quelle: Theater Pfütze. heit und Inklusion. http://museumsbund.de/wp- 87 Quelle: Gostner Hoftheater. content/uploads/2017/03/dmb-barrierefreiheitdigital-160728.pdf, letzter Zugriff: 3.7.2019. 88 Quelle: Theater Salz+Pfeffer. 69 Vgl. Stadt Nürnberg, Dokumentationszen- 89 Quelle: Theater Mummpitz. trum Reichsparteitagsgelände, www.museen. 90 Quelle: Gostner Hoftheater. nuernberg.de/dokuzentrum/besucherinformation/ 91 Vgl. Zentrum Aktiver Bürger, www.iskainformationen-fuer-menschen-mit-behinderung/, nuernberg.de/zab/foerdkfreunde.html, letzter letzter Zugriff: 4.7.2019. Zugriff: 2.10.2019; Ramona Löffler, Ingrid Wild- 70 Vgl. Stadt Nürnberg, Museen der Stadt Nürn- Kreuch, Kulturfreunde – Ein Ehrenamtsprojekt zur berg, Jahrespressekonferenz 2016/17, 17.1.2017; kulturellen Teilhabe von Kindern aus Kinderta- Stadt Nürnberg, Museen der Stadt Nürnberg, geseinrichtungen strukturschwacher Stadtteile in Jahrespressekonferenz 2018/19, 14.5.2019. Nürnberg, Nürnberger Arbeitspapiere zu sozialer 71 Im Jahr 2017 fanden vom KPZ durchgeführte Teilhabe, bürgerschaftlichem Engagement und Veranstaltungen für Menschen mit Behinderung „Good Governance“, Nr. 29, Nürnberg 2014. im Germanischen Nationalmuseum, im Stadtmu- 92 Quelle: Musikschule Nürnberg. seum Fembo-Haus und im Museum Tucherschloss 93 Quelle: Landesverband der Freien Musikinstitustatt. te Bayern e.V. 72 Quelle: Stadt Nürnberg, Kunst- und Kulturpä- 94 Quelle: Musikschule Nürnberg. dagogisches Zentrum der Museen in Nürnberg, Jahresbericht 2017, Jahresbericht 2018. 95 Vgl. Musikalische Grundschule, www.musikalische-grundschule-bayern.de/, 73 Vgl. Stadt Nürnberg, Kunst- und Kulturpädaletzter Zugriff: 8.7.2019. gogisches Zentrum der Museen in Nürnberg, http://www.kpz-nuernberg.de/kpz/_angebote_ 96 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kultur und schulen_besucher_mit_behinderung.shtml, letzter Freizeit, Stabsstelle Kinderkultur. Zugriff: 16.5.2019. 97 Vgl. klasse.im.puls, www.klasse-im-puls.de/, 74 Vgl. Gerd Taube, Theater und Kulturelle Bil- letzter Zugriff: 8.7.2019. dung, 2012, in: Bockhorst, Reinwand, Zacharias 98 Vgl. Wachsen mit Musik, www.wachsen- (Hg.), Handbuch, S. 616–621, hier: S. 619. mit-musik.de/, letzter Zugriff: 8.7.2019. 75 Quelle: Eigene Recherche des Bildungsbüros 99 Vgl. Lehmann-Wermser, Andreas et al. (2019): Nürnberg, Stand Juni 2019; Allgemeiner Deut- Evaluation des Programms MUBIKIN im Auftrag scher Tanzlehrerverband (ADTV). der Stadt Nürnberg, S. 29ff. 76 Vgl. Bundeszentrale für Politische Bildung, 100 Vgl. Lehmann-Wermser, Andreas et al. Kulturelle Bildung und Tanz, https://www.bpb. (2014): Evaluation des Programms MUBIKIN in de/gesellschaft/bildung/kulturelle-bildung/60254/ der Stadt Nürnberg: S. 28. tanz?p=0, letzter Zugriff: 6.6.19. 101 Quelle: Staatstheater Nürnberg. 77 Quelle: TanzPartner e.V. 102 Quelle: Ebd. 78 Weiterentwicklung von Kindertheaterangebo- 103 Quelle: Nürnberger Symphoniker. ten in Nürnberg ab 2018. 104 Quelle: Die Kinderoper Nürnberg – Opern für 79 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Stadtfor- Kinder. schung und Statistik für Nürnberg und Fürth, 105 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kultur und Statistisches Jahrbuch. Freizeit, Kulturreferat/Projektbüro. 80 Quelle: Staatstheater Nürnberg. 106 Quelle: MUZ – Musikzentrale Nürnberg e.V. 81 Quelle: Ebd. 107 Quelle: Nürnberger Jazzmusiker e.V. 82 Quelle: Ebd. 108 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kultur und 83 Quelle: Ebd. Freizeit.
109 Vgl. Jugendhilfeplanung: Spielen in der Stadt, 129 Vgl. Respekt Coaches, www.jmd-respekt- Vorlage im Jugendhilfeausschuss, 14.2.2019. coaches.de/programm, letzter Zugriff: 1.8.2019. 110 Vgl. Beilage 1.3 des Jugendhilfeausschusses 130 Quelle: Arbeiterwohlfahrt, Kreisverband vom 14.2.2019: Spielplatz- und Spielhofmaßnah- Nürnberg e.V. men 2019–2022, S.10. 131 Quelle: Caritasverband Nürnberg e.V. 111 Vgl. Sitzungen des Kulturausschusses am 132 Vgl. Degrin – Begegnung und Bildung in 9.3.2018 sowie des Jugendhilfeausschusses und Vielfalt e.V., www.degrin.de/index.php/projekte/ Kulturausschusses am 28.6.2018. heroes, letzter Zugriff 1.8.2019. 112 Vgl. Christian Schmidt, Vom Würfeln zu 133 Quelle: Sven Repenning, Frank Meyrahn, Iris World of Minecraft. Spielen als formative Kraft an der Heiden, Gerd Ahlert, Holger Preuß, Sport der Kultur, Vorlage im Kulturausschuss am inner- oder außerhalb des Sportvereins: Sportak- 9.3.2018. tivität und Sportkonsum nach Organisationsform. 113 Vgl. Ebd., S.2. Aktuelle Daten zur Sportwirtschaft, Berlin, 2019. 114 Vgl. Projektentwicklung Haus des Spiels, 134 Quelle: Stadt Nürnberg, SportService, Sport in Vorlage im Jugendhilfeausschuss und Kulturaus- Nürnberg. Bericht zum Sportjahr 2018, S. 36ff. schuss, 28.6.2018, S. 1–3. www.nuernberg.de/imperia/md/sportservice_nbg/ 115 Vgl. Stadt Nürnberg, Presse- und Informati- dokumente/berichte_protokolle/sportbericht2018 onsamt, Nachrichten aus dem Rathaus Nr. 456, _mitpressespiegel_final.pdf, letzter Zugriff: 4.5.2019. 15.10.2019. 116 Vgl. Stadt Nürnberg, Baureferat, Stadtpla- 135 Vgl. Stadt Nürnberg, SportService, Sport in nungsamt (2019): Nürnberg Lebenswert Erhalten. Nürnberg. Bericht zum Sportjahr 2018, S. 26ff. Gestalten. Entwickeln. Stadterneuerung in Nürn- 136 Vgl. Stadt Nürnberg, SportService, Sport in berg 2014–2019, S. 78ff. Nürnberg. Bericht zum Sportjahr 2018, S. 11. 117 Quelle: Nürnberger Menschenrechtszentrum. 137 Quelle: Stadt Nürnberg, Gesundheitsamt. 118 Quelle: Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus. 138 Vgl. Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, 119 Quelle: Stadt Nürnberg, Museen der Stadt Jugendliche und Familien – Jugendamt, Nürnberg. www.nuernberg.de/internet/kinder_und_ jugendliche/mitternachtssport.html, letzter Zugriff: 120 Quelle: Stadt Nürnberg, Memorium Nürn- 15.10.2019. berger Prozesse: Die Herkunftssprache wird an der Kasse bei Eintritt erfragt und erfasst. 139 Vgl. Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, Jugend- Abweichungen der Summe der hier dargestellten liche und Familien – Jugendamt. Zahlen zur Gesamtsumme der Besucherinnen und 140 Vgl. Bayerisches Staatsministerium für Arbeit, Besucher pro Jahr im Text oben ergeben sich aus Sozialordnung, Familie und Frauen; Der Bayeriunterschiedlichen Zeiträumen der Zählungen. Die sche Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder in Sprachen werden vom 1.1. bis 31.12. erfasst (52- Tageseinrichtungen bis zu Einschulung, Abschnitt mal Montag bis Sonntag), die Gesamtzahlen pro 7.10 „Bewegung, Rhythmik, Tanz und Sport“. Kalenderwoche. 141 Quelle: Bayerisches Landesamt für Schule, 121 Vgl. Stadt Nürnberg (Hg.), Bildung in Nürn- Landesstelle für den Schulsport (LASPO), unter berg 2017, Nürnberg 2017, S. 246. www.sportnach1.de/, letzter Zugriff: 15.10.2019. 122 Quelle: Kreisjugendring Nürnberg-Stadt / 142 Im Unterschied zu Sport-nach-1 werden die DokuPäd. Kooperationen im schulischen Ganztag nicht zen- 123 Quelle: Stadt Nürnberg, Stabsstelle Men- tral gesteuert, es liegen deshalb keine Zahlen vor. schenrechtsbüro und Frauenbeauftragte. 143 Quelle: Stadt Nürnberg, SportService, Sport in 124 Quelle: Stadt Nürnberg, Filmhauskino im Nürnberg. Bericht zum Sportjahr 2018, S. 23. KunstKulturQuartier. 144 Quelle: Stadt Nürnberg, Gesundheitsamt, 125 Quelle: Scharrer-Mittelschule, Nürnberg. www.nuernberg.de/internet/gesundheitsamt/ gesundheit_kita.html#29, letzter Zugriff: 126 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Kinder, 15.10.2019; Stand Anzahl Kindertagesstätten Jugendliche und Familien – Jugendamt. zum 31.12.2018, Quelle: Stadt Nürnberg, 127 Quelle: Kreisjugendring Nürnberg-Stadt/Do- Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – KuPäd, Koordinierungs- und Fachstelle „Demo- Jugendamt. kratie leben!“. 145 Quelle: Stadt Nürnberg, SportService, Sport in 128 Vgl. Stadt Nürnberg, Stabsstelle Menschen- Nürnberg. Bericht zum Sportjahr 2018. rechtsbüro und Frauenbeauftragte.
146 Hierunter auch Sportvereine außerhalb Nürnbergs. 147 Quelle: Stadt Nürnberg, Amt für Existenzsicherung und soziale Integration – Sozialamt. 148 Quelle: Stadt Nürnberg, SportService, Sport in Nürnberg. Bericht zum Sportjahr 2018. 149 Vgl. Stadt Nürnberg, Referat für Jugend, Familie und Soziales (2018): 10 Jahre Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement und „Corporate Citizenship“ im Referat für Jugend, Familie und Soziales der Stadt Nürnberg in: Nürnberger Arbeitspapiere zu sozialer Teilhabe, bürgerschaftlichem Engagement und „Good Governance“, Nr. 70, August 2018. 150 Quelle: Stadt Nürnberg, Referat für Jugend, Familie und Soziales, www.nuernberg.de/ internet/csr_nuernberg/corporatevolunteering. html#27, letzter Zugriff: 3.9.2019. 151 Quelle: Stadt Nürnberg, Referat für Jugend, Familie und Soziales, Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement. 152 Vgl. Stadt Nürnberg, Referat für Jugend, Familie und Soziales (2019): Nürnberg Engagiert. Programm 2019, https://www.nuernberg.de/ imperia/md/sozialreferat/dokumente/2019-03-28_ stn_1902_online-pdf_nuernbergengagiert_ maerz2019_ly06.pdf, letzter Zugriff: 4.9.2019. 153 Quelle: Stadt Nürnberg, Referat für Jugend, Familie und Soziales (2019): Koordination ehrenamtlicher Flüchtlingshilfe in Nürnberg 2017 in: Nürnberger Arbeitspapiere zu sozialer Teilhabe, bürgerschaftlichem Engagement und „Good Governance“, Nr. 79, Juni 2019, S. 12f. 154 Quelle: Ebd., S. 10f. 155 Vgl. Stadt Nürnberg (Hg.), Bildung in Nürnberg 2017, Nürnberg 2017, S. 256. 156 Quelle: Stadt Nürnberg, Referat für Jugend, Familie und Soziales, Stabsstelle für Bürgerschaftliches Engagement. 157 Zentrum Aktiver Bürger: www.iskanuernberg.de/zab/kulturerklaerer.html, letzter Zugriff: 4.9.2019. 158 Vgl. www.opencall.n2025.de 159 Vgl. www.gameon2025.de/
TUNG
SCHLUSSBETRACH
Schlussbetrachtung
Befunde und Trends der Fachkapitel
Nürnberg ist eine (weiter) wachsende Stadt und als attraktiver Bildungs-, Ausbildungsund Studienort ein regionaler wie überregionaler Anziehungspunkt. Das Wachstum betrifft sowohl die Bevölkerung als auch die Wirtschaftskraft. Durch Geburtenanstieg und Zuwanderung wird die Stadtgesellschaft größer (rund 40000 Einwohnerinnen und Einwohner mehr innerhalb von zehn Jahren) und diverser (46,3% der Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund) – mit unmittelbaren und weitreichenden, quantitativen und qualitativen Auswirkungen auf den Bildungsbereich: So muss sowohl die Bildungsinfrastruktur angepasst als auch die fachliche Weiterentwicklung vorangetrieben werden.
Mit dem Wirtschaftswachstum ging zuletzt eine anhaltend positive Entwicklung am Arbeitsmarkt einher, von der auch tendenziell benachteiligte Gruppen profitierten. Zu nennen ist hier beispielsweise die vermehrte sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von Personen ohne (anerkannten) Berufsabschluss. Gleichzeitig ist der Anteil der Personen mit Sozialleistungsbezug zurückgegangen. Trotzdem häufen sich auch weiterhin prekäre Lebenslagen in bestimmten Sozialräumen.
Das Bevölkerungswachstum insbesondere in jüngeren Altersjahrgängen wirkt sich unmittelbar auf den Bildungsbereich aus und spiegelt sich in weiter steigenden Bildungskosten und -investitionen wider. Die geplanten Bildungsinvestitionen erreichen mit 331,6 Millionen Euro im städtischen mittelfristigen Investitionsplan 2019 bis 2022 einen neuen Spitzenwert.
Unter anderem betreffen diese Investitionen den weiteren Ausbau der frühkindlichen Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsangebote, dem die Stadt hohe Priorität beimisst, um allen Kindern bestmögliche Startchancen zu ermöglichen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Kommunalpolitisches Ziel ist es, allen Kindern bedarfsgerecht und flächendeckend Betreuungsplätze zur Verfügung zu stellen. Dabei soll der quantitative Ausbau immer auch mit einer qualitativen Weiterentwicklung der frühkindlichen Bildung einhergehen, für die ausreichend und entsprechend qualifizierte pädagogische Fachkräfte notwendig sind.
Die anwachsende Stadtbevölkerung führt zu steigenden Schüler- und Klassenzahlen: Die Schülerzahlen an Grund-, Mittel- und Realschulen nahmen im Vergleich zum Vorberichtsjahr weiter zu, die Umstellung auf das neunjährige Gymnasium und die Einrichtung der 6. Jahrgangsstufe an Wirtschaftsschulen lassen auch hier Wachstum und damit erhöhte Raumbedarfe erwarten. Dem versucht die Stadt Nürnberg durch zahlreiche Neuund Ergänzungsbauten Rechnung zu tragen.
Als ein für Bildungserfolg im Zusammenhang mit Bildungsgerechtigkeit bedeutsamer Indikator wird die Übertrittsquote von der Grundschule auf das Gymnasium sowie deren sozialräumliche Ausprägung angesehen. Zum Schuljahr 2016/17 beabsichtigten
43,1% der Grundschülerinnen und -schüler auf das Gymnasium zu wechseln. Bei der Zusammensetzung der Schülerschaft in der fünften Jahrgangsstufe nach Schularten liegt Nürnberg hinsichtlich des Anteils an Schülerinnen und Schülern im Gymnasium über dem bayerischen Durchschnitt, jedoch unterhalb der Städte München und Regensburg, aber wiederum etwas höher als Augsburg. In der sozialräumlichen Analyse deutet sich dabei erneut ein negativer Zusammenhang zwischen Armutsgefährdung und (geringen) Übertrittsquoten auf das Gymnasium an. Nach wie vor variieren die Übertrittsquoten zwischen den Grundschulen deutlich und liegen je nach Schulsprengel zwischen 15,7% und 79,1%: In manchen Schulsprengeln wechseln mehr als zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler auf das Gymnasium, in anderen weniger als ein Drittel. Alle bisherigen, breit getragenen und engagiert verfolgten Bemühungen konnten hier noch nicht die gewünschte Wirkung entfalten und müssen weiter verstärkt und mit Nachdruck verfolgt werden.
Mehr als zwei Drittel aller Schülerinnen und Schüler, die die Schule verließen, erreichten einen mittleren oder höheren Bildungsabschluss, im Vergleich zum letzten Bericht mit einer leichten Verschiebung hin zum mittleren Schulabschluss. Der Anteil der mittleren Schulabschlüsse nahm auch bei den Absolventinnen und Absolventen der Mittelschulen weiter zu, hier zu Lasten des qualifizierenden Abschlusses. Schülerinnen und Schüler mit mittlerem Schulabschluss entschieden sich anschließend zu rund 20% für den Besuch weiterführender Schulen. Der Anteil der Abgängerinnen und Abgänger, die die Schule ohne Abschluss verließen, stieg nach einem Rückgang wieder um 1,2 Prozentpunkte auf nunmehr neun Prozent an. Bei Betrachtung der Abgängerinnen und Abgänger von Mittelschulen, die im Fokus des Übergangsmanagements stehen, zeigen sich wiederum deutliche, sozialräumlich geprägte Unterschiede. Das Übergangssystem bleibt daher weiterhin notwendige Zwischenstation zur vorberuflichen Qualifizierung, vor allem für benachteiligte Jugendliche ohne Schulabschluss.
Trotz positiver wirtschaftlicher Entwicklung und einem stabilen dualen Ausbildungsmarkt bleiben die grundlegenden Herausforderungen der beruflichen Bildung bestehen: Berufliche Passungsprobleme und ein eingeschränktes Berufswahlspektrum der Jugendlichen verfestigen Besetzungsprobleme in bestimmten Ausbildungsberufen. In Bezug auf die Integration neuzugewanderter junger Menschen in den Ausbildungsmarkt zeigen sich erste positive Hinweise.
Dank einer vielfältigen Hochschullandschaft bleibt Nürnberg ein attraktiver Studienort, der allerdings an Kapazitätsgrenzen stößt. Die geplante Errichtung der Technischen Universität Nürnberg ist in diesem Zusammenhang als Stärkung des Hochschulstandorts zu sehen, von der mit ihrer konsequent interdisziplinären Ausrichtung und der durchgängigen Anwendung digitaler Methoden in Lehre, Forschung und Verwaltung auch über die Stadt hinaus Impulse ausgehen werden. Dabei entwickeln sich Hochschulen im Kontext sich verändernder beruflicher Anforderungen immer mehr zu Orten des lebenslangen Lernens: So nimmt nicht nur das Interesse von beruflich Qualifizierten an einem Hochschulstudium weiter zu, auch der Trend zur häufig berufsbegleitenden beruflichen Weiterbildung an Hochschulen hält an.
BETRACHTUNG
SCHLUSS
Der Ausbau von abschlussorientierten Weiterbildungsmaßnahmen trug zum deutlichen Abbau der Arbeitslosenzahlen beziehungsweise dem Rückgang der erwerbsfähigen Leistungsbeziehenden bei. Aufstiegsfortbildungen stoßen zunehmend auf Konkurrenz hochschulischer Angebote. Die Fachakademien für Sozialpädagogik haben in den letzten Jahren gezielt expandiert, um dem großen Bedarf an Erzieherinnen und Erziehern nachzukommen. Eine zunehmend wichtige Rolle spielt die Beratung zu Angeboten und Fördermöglichkeiten der Weiterbildung.
Non-formales Lernen stellt einen elementaren Bestandteil der Bildungspraxis dar und nimmt entsprechend großen Raum im Nürnberger Bildungsbericht ein. Besonders niedrigschwellig agiert hier die Kinder- und Jugendarbeit. Zugänge werden auch über Einrichtungen der formalen Bildung (Kindertagesstätten und Schulen) in Kombination mit bestimmten Förderprogrammen oder Projekten wie KulturRucksack und MUBIKIN gewährleistet. Zudem sind Theater, Museen und weitere Kulturträger mehr denn je aktiv in der Vermittlung ihres Angebots an bestimmte Zielgruppen. Durch neue Einrichtungen wie dem Z-Bau, der Kulturwerkstatt Auf AEG oder dem sich im Aufbau befindenden „Haus des Spielens“ erweiterte sich in den letzten Jahren das Bildungsangebot in Nürnberg zusätzlich. Der Prozess der Digitalisierung wirkt sich in der non-formalen Bildung in besonderem Maße sowohl auf Angebotsformate und -inhalte als auch auf die Rezeptionsweisen des Publikums aus. So sehen sich beispielsweise Bibliotheken, Archive und Museen mit großen Veränderungen im Nutzungsverhalten konfrontiert und müssen laufend passende Angebote entwickeln. Bei Neuplanung und -konzeption von Einrichtungen sowie Angeboten wie dem „Haus des Spielens“ können alle Aspekte der Digitalisierung von vornherein berücksichtigt und pädagogisch nutzbar gemacht werden.
Bildungsteilhabe aus Sicht verschiedener Zielgruppen
Die Herausforderungen der Wissensgesellschaft im digitalen Zeitalter können nur mithilfe von und durch Bildung gemeistert werden. Handlungsleitende Motive kommunaler Bildungspolitik und deren Umsetzung vor Ort sind dabei die Überwindung ungleicher Startchancen durch eine verbesserte Bildungsteilhabe und die kontinuierliche Förderung und Unterstützung insbesondere von sozial benachteiligten Menschen. Obwohl das Spektrum an Maßnahmen in allen Bildungsbereichen vielfältig und ausdifferenziert ist, wird die Bildungsbeteiligung nach wie vor viel zu stark durch die sozioökonomische Stellung oder den Hintergrund der Familie beeinflusst. Diesen Zusammenhang zu überwinden bleibt als Daueraufgabe bestehen.
Neben der sozioökonomischen Dimension liefert der Diversity-Ansatz mit Merkmalen wie Geschlecht, ethnische oder kulturelle Herkunft und fehlende beziehungsweise vorhandene Behinderung einen Maßstab für die Beurteilung der Bildungsteilhabe bestimmter Zielgruppen.
Das Geschlecht – im Sinne von Gender – ist nach wie vor relevant für den Bildungserfolg: So überwiegen an Förderzentren und Mittelschulen zum Beispiel männliche Schüler,
während Mädchen an Fachoberschulen und Gymnasien dominieren. Gleichzeitig kommen bei der Berufswahl sowohl in der dualen als auch der (hoch-)schulischen Ausbildung immer noch geschlechtsbezogene Stereotype zum Tragen, die langfristig zu geschlechtsspezifischen Einkommensungleichheiten führen – und dies trotz umfangreicher Gegenmaßnahmen wie zum Beispiel der Förderung von Mädchen und Frauen in MINT-Berufen.
Im Hinblick auf den Aspekt „Integration durch Bildung“ ist der weiter wachsende Anteil insbesondere junger Menschen mit Migrationshintergrund ebenso zu konstatieren wie das Fortbestehen bekannter Befunde: So besuchen Kinder mit Migrationshintergrund nach wie vor vergleichsweise seltener, später und kürzer Einrichtungen der frühkindlichen Bildung, auch wenn hier ergriffene Maßnahmen erste Verbesserungen bewirkten. Der Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund ist weiterhin an Mittelschulen am höchsten und an Gymnasien am niedrigsten, auch wenn am Gymnasium eine steigende Tendenz zu beobachten ist. Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund können häufig nicht die gleichen Bildungserfolge wie diejenigen ohne Migrationshintergrund erzielen, so wiederholen sie beispielsweise öfter die Jahrgangsstufe, treten weniger häufig aufs Gymnasium über und sind bei Hochschulabschlüssen unterrepräsentiert. Um Benachteiligung durch sprachliche Defizite auszugleichen, existiert ein ausdifferenziertes Förderinstrumentarium zum Beispiel der Vorkurs Deutsch 240, SPRINT, InGym, Deutschklassen und DeutschPLUS. Mit den Berufsintegrationsklassen verfügt Nürnberg zudem über ein umfassendes System zur berufsschulischen Integration junger Neuzugewanderter, das deutliche Erfolge zeigt.
Durch das Bundesteilhabegesetz und die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK), zu deren Umsetzung im Rahmen der Inklusionskonferenzen der Stadt Nürnberg ein Aktionsplan entwickelt wird, erfahren die Inklusionsbemühungen im Bildungsbereich eine neue Dynamik. Für Kinder und Jugendliche mit Behinderung gibt es verschiedene Möglichkeiten inklusiver frühkindlicher und schulischer Bildung, die schrittweise ausgebaut werden, wie Partner- und Kooperationsklassen oder Angebote der Einzelinklusion. Für Menschen mit Beeinträchtigungen stehen in Nürnberg spezielle Ausbildungsplätze, Außenarbeitsplätze und berufliche Rehabilitationsmöglichkeiten bei spezialisierten Bildungsdienstleistern sowie ein großes Spektrum an Maßnahmen der Erwachsenenbildung zur Verfügung. Inklusive Angebote innerhalb der Regelsysteme stellen aber weiterhin die Ausnahme dar und müssen als selbstverständliche Angebote zur Teilhabe noch sehr viel stärker ins Blickfeld der Bildungsanbieter rücken.
Die genannten Merkmale entfalten ihre Wirksamkeit in der Regel nicht isoliert voneinander, sondern überlagern sich, so dass sich mehrfache Betroffenheit gegenseitig verstärken kann. Damit stehen alle Bildungsakteurinnen und -akteure vor der Herausforderung, individuell passgenaue Angebote und Maßnahmen zu gestalten. Der vorgelegte Bildungsbericht zeigt, wie umfassend und engagiert dies bereits getan wird – und wo bleibende Aufgaben liegen.
BETRACHTUNG
SCHLUSS
Herausforderungen und Perspektiven für die kommunale Bildungslandschaft
Auf der individuellen Ebene kann und soll Bildung jede Bürgerin und jeden Bürger wirkungsvoll dabei unterstützen, den eigenen Platz in der Gesellschaft einzunehmen. Durch die Inanspruchnahme von Bildungsangeboten und -gelegenheiten – ob formal, non-formal oder informell – lernt der oder die Einzelne, die eigenen Talente und Potenziale auszuschöpfen und entwickelt sich in seiner beziehungsweise ihrer Persönlichkeit weiter. Ökonomisch begründet bleibt die Gewinnung von qualifizierten Fachkräften zur Sicherung des regionalen Wirtschaftsstandorts die Hauptaufgabe, für die intensive Anstrengungen auf allen Ebenen der Aus-, Fort- und Weiterbildung zu leisten sind.
Bildungspolitisch sind hierbei immer beide Zielvorgaben auszubalancieren: einerseits die Stärkung der individuellen Persönlichkeitsentwicklung sowie die Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten, die zur vollen gesellschaftlichen Teilhabe des und der Einzelnen befähigen, und andererseits die anwendungsorientierte, praxisbezogene Kompetenzentwicklung durch Aus-, Fort- und Weiterbildung zur Erhöhung der gesamtwirtschaftlichen Produktivität und des gesellschaftlichen Wohlstands. Bildung ist demnach sowohl grundlegend für gesellschaftliche Teilhabe, gesellschaftlichen Zusammenhalt und das Funktionieren des Gemeinwesens als auch Basis für wirtschaftliches Wohlergehen und sozialen Fortschritt.
Nürnberg bietet mit seiner vielfältigen Bildungslandschaft hierfür eine beträchtliche Anzahl an ausdifferenzierten Bildungs- und Beratungsangeboten. Damit alle Bürgerinnen und Bürger von diesem breit gefächerten Angebot profitieren können, braucht es insbesondere Transparenz und gezielte Koordinierung, beispielsweise in den Bereichen berufliche Aus- und Weiterbildung, Alphabetisierung oder Sprachbildung von Neuzugewanderten. Wichtige Schritte sind hier bereits getan: So ist die vom Bildungsbüro etablierte Übersichtsdatenbank zu Angeboten im Übergang von der Schule in den Beruf zum zentralen Informations- und Beratungsinstrument für die Akteure der Jugendberufsagentur geworden. Das von der kommunalen Koordinierung für Bildungsangebote von Neuzugewanderten konzipierte Pilotvorhaben Kommunales Programm Deutschspracherwerb ist ein wichtiger Schritt hin zu einer nachhaltigen Begleitung aller Zugewanderten in passgenaue Sprachangebote.
Die zunehmende Durchlässigkeit des Bildungssystems und die Flexibilisierung der Bildungswege bieten nicht nur große Chancen, sondern erfordern eine weitere Individualisierung von Unterstützungsangeboten sowie zusätzliche Informations- und Beratungsangebote. So ist es beispielsweise sinnvoll, die Ansprache und Beratung von Unternehmen und deren Beschäftigten zu verstärken, um Formate zum Nachholen von Berufsabschlüssen bekannter zu machen. Auch braucht es umfangreiche Beratungs- und Unterstützungsleistungen bei zunächst ausbleibendem Bildungserfolg wie Ausbildungsoder Studienabbruch.
Die non-formale Bildung ist ein Feld mit großem kommunalen Gestaltungsspielraum. Hier gilt es weiterhin, Zugang und Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger unabhängig von ihrer (sozialen) Herkunft und ihren finanziellen Spielräumen zu ermöglichen. Das bewährte Zusammenspiel formaler und non-formaler Bildungsangebote, zum Beispiel von Schulen und kulturellen Einrichtungen, muss insbesondere in Stadtteilen, in denen viele Familien in sozioökonomisch schwierigen Lebenslagen wohnen, nachhaltig gestaltet werden. Auch die Kinder- und Jugendarbeit leistet einen wichtigen Beitrag, um Benachteiligungen entgegenzuwirken.
Die Bedeutung von Bildung als ein zentrales Element der kommunalen Daseinsvorsorge wird angesichts anspruchsvoller gesellschaftlicher Aufgaben wie Digitalisierung, Integration oder Inklusion in Zukunft wohl noch zunehmen. Es herrscht weitestgehende Übereinstimmung darin, dass hochkomplexe Herausforderungen wie zum Beispiel die Bewältigung des Klimawandels ohne den mannigfachen Beitrag von Bildung nicht zu meistern sein werden. Bildung für nachhaltige Entwicklung sei hier als ein Stichwort genannt. Gesamtgesellschaftliche Entwicklungen wie zunehmende Spaltungstendenzen und ein Erstarken demokratiefeindlicher Kräfte erfordern ebenfalls umfangreiche Anstrengungen aller Bildungsakteure. Unabhängig dieser allgemeinen Entwicklungen und Trends stehen bestimmte Bildungsthemen auch sehr konkret im Zentrum lokaler Entwicklungen und Ereignisse. Genannt seien hier die Bewerbung Nürnbergs für den Titel „Kulturhauptstadt Europa 2025“ oder die bevorstehende Neugründung der Technischen Universität Nürnberg.
Grundsätzlich sind kommunale Bildungspolitik und Bildungspraxis im politischen Mehrebenensystem mit Entscheidungen und Vorgaben konfrontiert, die von der Europäischen Union, dem Bund und den Ländern getroffen wurden. Vor Ort ist demzufolge eine kommunale Bildungspolitik weiterzuentwickeln, die bestehende Gestaltungsräume erkennt und entsprechend der regionalen Anforderungen bestmöglich nutzt. Für Akzentuierungen in der anstehenden Stadtratsperiode soll dieser Bildungsbericht gemeinsam mit den Empfehlungen des neu einzuberufenden Bildungsbeirats eine fundierte Informationsund Entscheidungsgrundlage für Politik, Verwaltung sowie die Bildungsakteurinnen und -akteure in der Stadt Nürnberg sein.
A N H A N G
DEFINITIONEN UND
METHODISCHE ERLÄUTERUNGEN
Definitionen und methodische Erläuterungen
Abgänger/-innen und Im allgemeinbildenden Schulwesen werden Personen, die die Schule mit mindestens dem erfolgreichen Absolventen/-innen Abschluss der Mittelschule verlassen, als Absolventinnen und Absolventen bezeichnet. S. 91, 92, 94, 95, 103, 111, 114, Abgängerinnen und Abgänger sind Personen, die die allgemeinbildende Schule nach Vollendung der 119, 120, 122, 123, 126, 132, Vollzeitschulpflicht ohne zumindest den erfolgreichen Abschluss der Mittelschule verlassen und nicht auf 134, 135, 151, 152, 168, 174 eine andere allgemeinbildende Schulart gewechselt sind. Dies schließt auch Jugendliche ein mit einem spezifischen Abschluss der Sonderpädagogischer Förderzentren mit den Förderschwerpunkten „Lernen“ und „Geistige Entwicklung“.
Aktive Benutzer/-innen, Die Benutzerinnen und Benutzer der Stadtbibliothek, die im Berichtsjahr mindestens einmal Medien ent- Aktive Nutzer/-innen liehen haben. S. 249, 250, 251
Altersgemischte bzw. Die amtliche Kinder- und Jugendhilfestatistik kennt neben den klassischen Einrichtungen Krippe, Kinderaltersübergreifende garten und Hort folgende Einrichtungsarten:
Einrichtungen
- Altersgemischte Einrichtungen mit alterseinheitlichen Gruppen. Solche Einrichtungen betreuen Kinder
S. 98 nach Altersgruppen (Krippen-, Kindergarten- und Hortalter) in getrennten Gruppen.
- Altersgemischte Einrichtungen mit altersgemischten Gruppen. Solche Einrichtungen betreuen Kinder in
Gruppen, die mindestens zwei Altersgruppen umfassen, wie zum Beispiel Krippen- und Kindergartenkinder oder Kindergarten- und Hortkinder.
Angebots-Nachfrage-Relation In der sogenannten klassischen Berechnung der ANR werden zu den „suchenden Personen“ (und damit (ANR), „erfolglosen Nachfrager/-innen“) nur jene Bewerber/-innen gerechnet, für die zum Stichtag 30.9. kein Angebots-Nachfrage-Relation, alternativer Verbleib wie zum Beispiel der Beginn einer berufsvorbereitenden Maßnahme, die Aufnahme erweiterte (eANR) eines Praktikums, die Aufnahme einer Beschäftigung oder ein erneuter Schulbesuch festgestellt werden S. 125 konnte. Bewerber/-innen, die aus einem dieser alternativen Verbleibe heraus weitersuchen, bleiben trotz ihres unvermindert aufrechterhaltenen Ausbildungsinteresses unberücksichtigt. Rechnerisch gibt die ANR wieder, wie viele Angebote auf 100 Bewerber/-innen entfallen. Die eANR berücksichtigt dagegen auch jene Ausbildungsstellenbewerber/-innen, die trotz alternativen Verbleibs weiterhin an der Aufnahme einer Berufsausbildung interessiert sind („Bewerber/-innen mit Alternative zum 30.9.“).
Anstellungsschlüssel Der Anstellungsschlüssel nach dem BayKiBiG D legt die Zahl und die Qualifikation des erforderlichen S. 63, 68 Personals in Abhängigkeit von den betreuten Kindern fest. Einbezogen in die Berechnung werden die Buchungszeiten der Kinder, die Gewichtung nach Alter, Migrationshintergrund D und (drohender) Behinderung. Diese werden ins Verhältnis gesetzt zu den von den Fachkräften erbrachten Arbeitsstunden, die auf Vollzeitäquivalente aufaddiert werden. Vgl. BayKiBiG mit AVBayKiBiG, § 17, veröffentlicht vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, 2005.
Asylbewerberleistungen Asylbewerberleistungen dienen der materiellen Grundsicherung von bedürftigen Asylbewerberinnen und S. 210 -bewerbern während des Verfahrens, von Geduldeten und vollziehbar Ausreisepflichtigen. Sie werden vom Träger der Grundsicherung ausgezahlt, in Nürnberg das Sozialamt. Gesetzliche Grundlage ist das Asylbewerberleistungsgesetz.
Ausbildungsbetriebsquote Die Ausbildungsbetriebsquote ist definiert als Anteil der ausbildenden Betriebe an allen Betrieben mit S. 127 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten D (differenzierbar für unterschiedliche Betriebsgrößenklassen, Wirtschaftszweige und Berufsgruppen).
Ausbildungsquote Die Ausbildungsquote ist definiert als Anteil der sozialversicherungspflichtigen Auszubildenden an den S. 127 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten D insgesamt (differenzierbar für unterschiedliche Betriebsgrößenklassen und Wirtschaftszweige).
BayKiBiG Das Bayerische Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz bildet seit Mitte 2005 eine einheitliche Grund- S. 53, 63 lage für die Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern in allen Formen der Kindertagesbetreuung in Kindertageseinrichtungen und in der Tagespflege.
Bedarfsgemeinschaften Eine Bedarfsgemeinschaft (BG) bezeichnet nach SGB II, Art. 7, Satz 3 eine Konstellation von Personen, die S. 28, 29, 30, 52, 75 im selben Haushalt leben und gemeinsam wirtschaften. Eine BG (nach § 7 SGB II) umfasst mindestens einen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (eLb).
Behinderung, Menschen sind nach §2 Abs. 1 SGB IX von Behinderungen betroffen, „wenn ihre körperliche Funktion, drohende Behinderung geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von S. 21, 25, 26, 56, 57, 63, 106, dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesell- 135, 136, 153, 162, 170, 178, schaft beeinträchtigt ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn eine derartige Beeinträchtigung zu 192, 195, 198, 214, 220, 236, erwarten ist“. 237, 258, 261, 280, 281, 290 Vgl. www.inklusion-gelingt.de/behinderung-was-bedeutet-das.html, letzter Zugriff: 21.10.2019.
Berufsbildungssystem, Das Duale Berufsausbildungssystem umfasst die in Betrieben und Berufsschulen stattfindende Berufsaus- Teilbereiche bildung in Berufen, die nach dem Berufsbildungsgesetz beziehungsweise der Handwerksordnung ge- S. 24, 119, 121, 122, 123, 124 regelt ist. Zum Schulberufssystem zählen schulische Bildungsgänge, die einen qualifizierenden beruflichen Abschluss vermitteln. Unter das Übergangssystem fallen Maßnahmen außerschulischer Träger und schulische Bildungsgänge, die keinen Berufsabschluss vermitteln.
Berufsintegrationsklassen (BIK) Berufsintegrationsklassen sind spezielle Klassen für neuzugewanderte Jugendliche ohne ausreichende S. 107, 119, 123, 133, 134, 135, Sprachkenntnisse an Berufsschulen. In zwei Schuljahren, gegliedert in Vorklasse (BIK/V) und Berufsinte- 136, 137, 138, 139, 145, 152, grationsjahr, lernen die Schülerinnen und Schüler (berufsbezogenes) Deutsch, Mathematik sowie (inter-) 153, 257 kulturelle Inhalte. Sie erhalten eine gezielte Berufsvorbereitung, bei der ihre Potentiale und persönlichen Berufsvorstellungen eine wichtige Rolle spielen. Bei erfolgreichem Bestehen schließen sie die Berufsschule nach zwei Jahren mit dem erfolgreichen Abschluss der Mittelschule ab.
Besuchsquoten in Zur Berechnung der Besuchsquoten in Kapitel C wird die Anzahl der in Kindertageseinrichtungen betreu- Kindertageseinrichtungen ten Kinder nach dem Alter am Stichtag 1. März auf die altersentsprechende Anzahl der Kinder mit S. 57, 58, 98 Hauptwohnsitz in Nürnberg zum gleichen Stichtag bezogen. In Kapitel D beruhen die bei der Quotenberechnung verwendeten Einwohnerzahlen auf den Ergebnissen der Bevölkerungsfortschreibung zum 31. Dezember 2017 auf Basis des Zensus 2011.
Bewerber/-innen für Als Bewerber/-innen für Berufsausbildungsstellen zählen in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit Berufsausbildungsstellen diejenigen gemeldeten Personen, die im Berichtsjahr individuelle Vermittlung in eine betriebliche oder S. 125, 126, 129, 130, 131, 149 außerbetriebliche Berufsausbildungsstelle in anerkannten Ausbildungsberufen nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) wünschen und deren Eignung dafür geklärt ist beziehungsweise deren Voraussetzung dafür gegeben ist. Hierzu zählen auch Bewerber/-innen für eine Berufsausbildungsstelle in einem Berufsbildungswerk oder in einer sonstigen Einrichtung, die Ausbildungsmaßnahmen für behinderte Menschen durchführt. In der Statistik werden folgende Statusgruppen zur Ausbildungssuche unterschieden: Als einmündende/-r Bewerber/-in wird berücksichtigt, wer im Laufe des Berichtsjahres oder später eine Ausbildung aufnimmt. Andere ehemalige Bewerber/-innen haben keine weitere aktive Hilfe bei der Ausbildungssuche nachgefragt, ohne dass der Grund explizit bekannt ist.
Wird die Ausbildungssuche fortgesetzt, obwohl der Bewerber/die Bewerberin bereits eine alternative Möglichkeit zur Ausbildung hat, wird dieser Kunde der Gruppe Bewerber/-innen mit Alternative zum 30. September zugeordnet. Zu den Alternativen gehören zum Beispiel Schulbildung, Berufsgrundschuljahr, Berufsvorbereitungsjahr, Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen, Einstiegsqualifizierung Jugendlicher oder freiwillige soziale Dienste. Zu den unversorgten Bewerbern/-innen zählen Kundinnen und Kunden, für die weder die Einmündung in eine Berufsausbildung, noch ein weiterer Schulbesuch, eine Teilnahme an einer Fördermaßnahme oder eine andere Alternative zum 30. September bekannt ist und für die Vermittlungsbemühungen laufen.
Bildungs- und Teilhabepaket Das BuT unterstützt Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die selbst oder deren Eltern nach dem (BuT) SGB II leistungsberechtigt sind, Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, Sozialhilfe, Kinder- S. 30, 52, 68, 109, 266, 288 zuschlag oder Wohngeld beziehen. Es umfasst Leistungen zur sozialen und kulturellen Teilhabe, Leistungen für den persönlichen Schulbedarf, Leistungen für Aktivitäten der Kindertagesstätte und Schule, Mittagessen, Schülerbeförderung und Lernförderung bei Gefährdung der Versetzung.
Bleibeperspektive Die Bleibeperspektive wurde als Orientierungshilfe beziehungsweise Ermessenskriterium im Kontext S. 22, 137, 138, 153, 210, 211, behördlicher Bestimmungen 2015 definiert, um den Zugang zu bestimmten Leistungen und Bildungs- 212, 213 angeboten für bestimmte Zielgruppen zu regeln. Dabei wird Asylbewerbern pauschal nach ihrem Herkunftsland eine gute oder unklare Bleibeperspektive zugeschrieben. Maßgeblicher Indikator, der über eine gute oder unklare Bleibeperspektive entscheidet, ist die unbereinigte Anerkennungsquote der Personen aus dem jeweiligen Herkunftsland im Vorjahr. Zu den Herkunftsländern, die eine gute Bleibeperspektive begründen, zählten bis Ende Juli 2019 Somalia, Eritrea, Iran, Irak und Syrien. Seither gilt dies (Stand September 2019) nur noch für Syrien und Eritrea.
Deutschförderklassen „In einer Deutschförderklasse werden Schülerinnen und Schüler aus der Regelklasse (Stammklasse) S. 102 zusammengefasst, die keine oder sehr geringe Deutschkenntnisse haben. Deutschförderklassen können in allen Jahrgangsstufen der Grund- und Mittelschulen eingerichtet werden. Sie umfassen circa zwölf Schülerinnen und Schüler, die in ausgewählten Fächern den Unterricht getrennt von ihrer Stammklasse erhalten, in den übrigen Fächern nehmen sie am Unterricht ihrer Stammklasse teil. Der gemeinsame Unterricht dient insbesondere der Integration.” Vgl. www.km.bayern.de/ministerium/schule-und-ausbildung/foerderung/sprachfoerderung.html, letzter Zugriff: 25.9.2017.
Deutschklassen, Deutschklassen werden für Schülerinnen und Schüler an Grund- und Mittelschule angeboten, die als vormals: Übergangsklassen Quereinsteiger/-innen in das bayerische Schulsystem eintreten und nur rudimentäre oder keine Deutsch- S. 74, 100, 101, 102, 103, 105, kenntnisse haben. Grundlage für die intensive Deutschförderung stellt der Lehrplan Deutsch als Zweit- 111, 113, 119, 121, 252, 257 sprache dar. Die Deutschsprachförderung wird ergänzt durch „Kulturelle Bildung und Werteerziehung“ und „Sprach- und Lernpraxis“. Bei entsprechendem Lernfortschritt sollen die Schülerinnen und Schüler nach etwa einem Jahr in die entsprechende Jahrgangsstufe der Regelklasse wechseln.
Diversität Diversität, gleichbedeutend mit dem englischen Begriff „diversity“, bezeichnet die „Vielfalt in der sozia- S. 166, 169, 294 len Zusammensetzung von Gruppen, Organisationen und Gesellschaften“ hinsichtlich unterschiedlicher sozial konstruierter Merkmale (wie zum Beispiel Geschlecht, Alter, sexuelle Orientierung, Beeinträchtigung, Migrationshintergrund D, Elternschaft, Bildungshintergrund, Nationalität). Vgl. Catherine Müller, Gudrun Sander, Innovativ führen mit Diversity-Kompetenz – Vielfalt als Chance, Bern 2011, S. 72.
Einführungsklassen Einführungsklassen werden an Gymnasien für geeignete Absolventen/-innen eingerichtet, die am 30. Juni S. 107 noch nicht 18 Jahre alt sind und einen mittleren Schulabschluss sowie ein entsprechendes pädagogisches Gutachten vorweisen können. Der erfolgreiche Besuch der Einführungsklasse berechtigt zum Eintritt in die Jahrgangsstufe 11 des Gymnasiums.
Eingliederungsquote Die Eingliederungsquote von ehemaligen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einer Maßnahme der För- S. 197, 198 derung beruflicher Weiterbildung (FbW) gibt an, wie viele Personen nach dem Austritt aus der Maßnahme nach einer bestimmten Zeitspanne (betrachtet werden hier die Zeiträume ein Monat und sechs Monate) in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung D untergekommen sind. Hierzu zählen auch Eintritte in geförderte Beschäftigungsverhältnisse. Die Berechnung lautet folgendermaßen: Eingliederungsquote = „sozialversicherungspflichtig beschäftigt“ dividiert durch „Austritte insgesamt“ multipliziert mit 100.
Einmündungsquote der Die EQI gibt an, wie hoch der Anteil unter den institutionell erfassten ausbildungsinteressierten Personen Ausbildungsinteressierten (EQI) eines Berichtsjahrs ist, der in eine Berufsausbildung einmündet. Dabei wird die Zahl der neu abgeschlos- S. 129, 130 senen Ausbildungsverträge zum 30. September in Relation zu der Zahl aller institutionell erfassten ausbildungsinteressierten Personen gesetzt. Diese wird rechnerisch ermittelt, indem zu der Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge jene registrierten Ausbildungsstellenbewerber hinzugerechnet werden, die nach der Statistik der BA nicht in eine Berufsausbildung eingemündet sind.
Einzelintegration Die Einzelintegration in Kindertagesstätten und Schulen bezeichnet die Betreuung beziehungsweise Be- S. 56, 57, 68 schulung von einzelnen Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf D in Kindertageseinrichtungen ohne das Profil „Inklusiv“ und in Klassen allgemeiner Schulen.
Externenprüfung Berufsbildungsgesetz (§ 45 Abs. 2) und Handwerksordnung (§ 37 Abs. 2) eröffnen explizit die Möglich- S. 190, 194, 196, 197, 205, 206, keit, an einer Abschlussprüfung in einem Ausbildungsberuf teilzunehmen, ohne dass ein Berufsausbil- 219, 220 dungsverhältnis zugrunde liegt. Entscheidend zur Prüfungszulassung ist einer der folgenden Punkte:
- Die Dauer der einschlägigen beruflichen Tätigkeit muss nachgewiesenermaßen mindestens das Einein-
halbfache der Ausbildungszeit betragen oder
- durch Zeugnisse oder auf andere Weise muss glaubhaft dargelegt werden, dass die berufliche Hand-
lungsfähigkeit in dem angestrebten Beruf erworben wurde. Im Ausland erworbene berufliche Abschlüsse oder Berufserfahrung werden berücksichtigt.
Fachhochschulreife, Die Fachhochschulreife eröffnet den Zugang zu Fachhochschulen beziehungsweise Hochschulen für fachgebundene Hochschulreife, angewandte Wissenschaften. Die fachgebundene Hochschulreife befähigt zum Studium bestimmter einallgemeine Hochschulreife schlägiger Studiengänge an Universitäten. Die Fachhochschulreife beziehungsweise die fachgebundene S. 92, 93, 94, 95, 96, 124, 126, Hochschulreife können an FOS und BOS erworben werden. Die allgemeine Hochschulreife berech- 134, 174, 198, 200 tigt sowohl zum Studium an Fachhochschulen als auch an Universitäten. Sie kann an Gymnasien, Abendgymnasien, FOS, BOS sowie Kollegs erworben werden. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die allgemeine Hochschulreife über eine Begabtenprüfung oder die Abiturprüfung für andere Bewerber/-innen (Nichtschüler/-innen D) zu erreichen.
Flexible Grundschule Ausgehend von den in Nürnberg bereits seit Jahren erfolgreich durchgeführten flexiblen oder jahrgangs- S. 79 übergreifenden Eingangsklassen an öffentlichen Grundschulen, in denen die Jahrgangsstufen 1 und 2 zusammengefasst und unterrichtet wurden, hat das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus gemeinsam mit der Stiftung Bildungspakt Bayern den Modellversuch „Flexible Grundschule“ im Schuljahr 2010/11 aufgelegt. Die Flexible Grundschule soll für jedes Kind ein passgenaues und individualisierendes Lernangebot für die „Eingangsstufe“, das heißt die bisherigen Jahrgangsstufen 1 und 2, machen. Eine Verweildauer von drei Jahren in den ersten beiden Jahrgangsstufen wird nicht als Nichtversetzung gewertet. Nach und nach führten weitere Schulen die flexible Eingangsstufe ein. Im Schuljahr 2018/19 unterrichteten 268 Schulen nach dem Konzept der Flexiblen Grundschule.
Förderschulbesuchsquote Die Förderschulbesuchsquote entspricht dem Anteil der Schülerinnen und Schüler in Förderzentren an S. 80, 81 Schülerinnen und Schülern mit Vollzeitschulpflicht der Jahrgangsstufen 1 bis einschließlich 9 der allgemeinen Schulen und der Förderzentren (abweichend vom Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2014“, der die 10. Jahrgangsstufe in die Berechnung einschließt).
Formales, non-formales, Entsprechend der von der Kommission der Europäischen Gemeinschaften im Memorandum über lebensinformelles Lernen langes Lernen verwendeten Definitionen findet formales Lernen in „Bildungs- und Ausbildungseinrich- S. 13, 39, 51, 224, 225, 226, tungen statt und führt zu anerkannten Abschlüssen und Qualifikationen“. Nicht-formales Lernen hinge- 293, 295 gen ist „außerhalb der Hauptsysteme der allgemeinen und beruflichen Bildung“ verortet und führt nicht unbedingt zum Erwerb eines formalen Abschlusses. Nicht-formales Lernen kann am Arbeitsplatz und im Rahmen von Aktivitäten der Organisationen und Gruppierungen der Zivilgesellschaft (wie Verbänden oder Parteien) stattfinden oder von Organisationen und Diensten angeboten werden, die zur Ergänzung der formalen Systeme eingerichtet wurden (zum Beispiel Kunst-, Musik- und Sportkurse). Informelles Lernen hingegen ist die „natürliche Begleiterscheinung des täglichen Lebens. Anders als beim formalen und nicht-formalen Lernen handelt es sich beim informellen Lernen nicht notwendigerweise um ein intentionales Lernen, weshalb es auch von den Lernenden selbst unter Umständen gar nicht als Erweiterung ihres Wissens und ihrer Fähigkeiten wahrgenommen wird.“ Kommission der Europäischen Gemeinschaften, Memorandum über Lebenslanges Lernen, Brüssel 2000, S. 9 f.
Frühförderung Die Frühförderung ist ein System von Hilfen für kleine Kinder, deren Entwicklung auffällig verläuft oder S. 39, 57 die eine Behinderung D haben, und für deren Eltern und Familien. Die entsprechenden Hilfen werden von den Frühförderstellen angeboten.
Ganztagsschule, Gebundene Ganztagsschulen sollen einen durchgehend strukturierten Schulaufenthalt von täglich min- Ganztagsangebot destens sieben Zeitstunden in der Schule an mindestens vier Wochentagen sicherstellen. Die vormit- S. 11, 76, 77, 78, 97, 98, 99, 100, täglichen und nachmittäglichen Tätigkeiten der Schülerinnen und Schüler sollen dabei in einem kon- 101, 103, 107, 113, 115, 287, zeptionellen Zusammenhang stehen. Der Unterricht findet in einer Ganztagsklasse statt, wobei Unter- 296, 299 richtsstunden in der Regel über den Tag hinweg mit Übungs- und Studierzeiten sowie sportlichen, musischen und künstlerisch orientierten Fördermaßnahmen wechseln. Offene Ganztagsschulen sind ein schulisches Angebot der ganztägigen Förderung und Betreuung von Schülerinnen und Schülern in den Jahrgangsstufen 5 bis 10. Der Unterricht findet überwiegend vormittags im Klassenverband statt. Auf Wunsch der Eltern können die Schülerinnen und Schüler nach dem stundenplanmäßigen Unterricht die jeweiligen Ganztagsangebote nutzen, welche meist jahrgangsübergreifend gruppenweise organisiert werden. Das Angebot an offenen Ganztagsschulen umfasst u.a. Mittagsverpflegung, Hausaufgabenbetreuung, Fördermaßnahmen und Freizeitangebote mit sportlichen, musischen und gestalterischen Aktivitäten. Eine offene Ganztagsschule bietet an mindestens vier von fünf Wochentagen zwischen Unterrichtsende und mindestens 16 Uhr Bildungs- und Betreuungsangebote im Umfang von mindestens zwölf Wochenstunden.
Gemeinsamer Europäischer Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen befasst sich mit der Beurteilung von Fortschritten in den Referenzrahmen für Sprachen Lernerfolgen bezüglich einer Fremdsprache. Ziel ist, die verschiedenen europäischen Sprachzertifikate (GER) untereinander vergleichbar zu machen und einen Maßstab für den Erwerb von Sprachkenntnissen zu S. 210 schaffen. Es werden sechs aufeinander aufbauende Sprachkenntnisstufen unterschieden: A1 Anfänger, A2 Grundlegende Kenntnisse, B1 Fortgeschrittene Sprachverwendung, B2 Selbständige Sprachverwendung, C1 Fachkundige Sprachkenntnisse, C2 Annähernd muttersprachliche Kenntnisse.
Griechisches Lyzeum Das griechische Lyzeum umfasst nach griechischem Recht die Klassenstufen 10 bis 12 und ist in Deutsch- S. 77, 78, 80 land nicht als Ersatzschule anerkannt. Während des Besuchs dieser Schule sind die Schülerinnen und Schüler allerdings von der Berufsschulpflicht befreit. Die Schule vermittelt nicht das deutsche Abitur. Für den Hochschulzugang in Deutschland ist zusätzlich zur bestandenen Abschlussprüfung mit einer Mindestnote die Bescheinigung über die Teilnahme an den Allgemeinen Prüfungen für Auslandsgriechen in der geistes- oder naturwissenschaftlichen Fachrichtung erforderlich.
Informelles Lernen Siehe formales Lernen. S. 224
Inklusion „In der Behindertenrechtskonvention geht es nicht mehr um die Integration von ‚Ausgegrenzten‘ S. 11, 14, 16, 25, 26, 38, 56, 57, sondern darum, von vornherein allen Menschen die uneingeschränkte Teilnahme an allen Aktivitäten 69, 74, 104, 105, 108, 110, 112, möglich zu machen. Nicht das von vornherein negative Verständnis von Behinderung soll Normalität 113, 115, 135, 170, 214, 215, sein, sondern ein gemeinsames Leben aller Menschen mit und ohne Behinderungen. Folglich hat sich 238, 258, 264, 289, 294, 298 nicht der Mensch mit Behinderung zur Wahrung seiner Rechte anzupassen, sondern das gesellschaftliche Leben Aller muss von vornherein für alle Menschen (inklusive der Menschen mit Behinderungen) ermöglicht werden.“ www.behindertenrechtskonvention.info/inklusion-3693/, letzter Zugriff: 19.9.2019.
Kooperationsklassen Kooperationsklassen nach Art. 30 Abs. 1 Satz 4 ff. BayEUG sind Klassen von Grund- und Mittelschulen, S. 105, 112 die eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf D aufnehmen, insofern dieser nicht so umfangreich ist, dass er nur an einer Förderschule erfüllt werden kann. Darüber hinaus werden Kooperationsklassen von Kindern besucht, die aus einer Förderschule in eine Klasse der allgemeinen Schule zurückgewechselt sind und noch einen individuellen Förderbedarf haben.
Migrationshintergrund Der Migrationshintergrund wird in verschiedenen Datenquellen unterschiedlich definiert: S. 18, 19, 50, 51, 53, 54, 55, 59, • Bei den Auswertungen aus dem Einwohnermelderegister bekommen alle Personen einen Migra- 60, 63, 69, 75, 78, 82, 86, 87, 89, tionshintergrund zugeschrieben, die aus dem Ausland zugewandert sind oder deren Eltern in erster 90, 91, 96, 97, 98, 104, 108, 111, Generation zugewandert sind. Hierzu werden die Merkmale Staatsangehörigkeit, Geburtsort, Herkunfts- 112, 113, 119, 144, 145, 146, land, Jahr des Zuzugs sowie die Art der deutschen Staatsangehörigkeit (zum Beispiel Eingebürgerte) 166, 178, 179, 180, 216, 225, genutzt. Kindern unter 18 Jahren ohne eigenen Migrationshintergrund wird der Migrationshintergrund 229, 233, 286 der Eltern zugeordnet insofern sie im Haushalt der Eltern wohnen.
- In der amtlichen Schulstatistik wird der Migrationshintergrund bei den allgemeinbildenden Schulen
(einschl. Wirtschaftsschulen) über die Staatsangehörigkeit, die Verkehrssprache in der Familie und das Geburtsland hergeleitet. Da für die beruflichen Schulen die Familiensprache nicht erfasst wird, setzt sich der Migrationshintergrund dort nur aus den Merkmalen Staatsangehörigkeit und Geburtsland zusammen.
- In der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik wird der Migrationshintergrund durch die Merk-
male Familiensprache und die Staatsangehörigkeit der Eltern ermittelt.
- Für die Gewichtung nach dem BayKiBiG D und das darauf basierende onlinegestützte Abrechnungs-
und Auswerteverfahren KiBiG.web wird ein Migrationshintergrund für Kinder, deren Eltern beide nicht-deutschsprachiger Herkunft sind, angenommen. Dabei kommt es nicht auf die Staatsangehörigkeit des Kindes oder seiner Eltern an.
- Bei der Schuleingangsuntersuchung (SEU) wird ein Migrationshintergrund zugeschrieben, sobald
ein Elternteil keine deutsche Muttersprache hat.
Mittlere-Reife-Klassen, Seit dem Schuljahr 1999/2000 haben Mittelschüler/-innen mit guten Leistungen die Möglichkeit, inner- M-Klassen halb eines vierjährigen Bildungsgangs den mittleren Schulabschluss („Mittlere Reife“) zu erlangen. Die S. 76, 106 Mittlere-Reife-Klassen (M-Züge) beginnen in der 7. Jahrgangsstufe und schließen in der 10. Jahrgangsstufe mit der Abschlussprüfung ab.
Mobile Sonderpädagogische Die Mobilen Sonderpädagogischen Dienste (MSD) betreuen und beraten Eltern, Lehrkräfte und inklusiv Dienste, MSD beschulte Schüler/-innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf D an allgemeinbildenden und berufli- S. 105 chen Schulen und sind für die Diagnostik des konkreten sonderpädagogischen Förderbedarfs und die Koordination der Förderung zuständig. Die MSD werden von den Lehrkräften der Förderzentren geleistet. Diese führen auch Fortbildungen für die Lehrkräfte an allgemeinen Schulen durch. Für noch nicht schulpflichtige Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die zur Entwicklung ihrer Fähigkeiten, ihrer Gesamtpersönlichkeit und für ein selbständiges Lernen und Handeln auch im Hinblick auf die Schulreife spezielle sonderpädagogische Anleitung und Unterstützung benötigen, können die fachlich zuständigen Förderschulen bei anderweitig nicht gedecktem Bedarf Mobile Sonderpädagogische Hilfen (MSH) in der Familie, in den Kindertageseinrichtungen und im Rahmen der interdisziplinären Frühförderung D (zum Beispiel Frühförderstellen) leisten. Vgl. BayEUG, Art. 22.
Nichtschüler/-innen Nichtschüler/-innen sind Personen, die bei Erlangung des Abschlusses an keiner Schule im Sinne des S. 92, 93, 94, 97 BayEUG als Schüler/-innen eingeschrieben waren und folglich keinen Schülerstatus hatten. Eine Ausnahme bildet lediglich der qualifizierende berufliche Bildungsabschluss (Quabi) gemäß Art. 7 Abs. 8 BayEUG. Die ein solches Zeugnis ausstellende Mittelschule meldet die entsprechenden Personen auch dann als Nichtschüler/-innen, wenn diese zum betreffenden Zeitpunkt Schüler/-innen einer beruflichen Schule waren.
Non-formales Lernen Siehe formales Lernen. S. 39, 224, 293, 295
Nürnberg-Pass Mit dem Nürnberg-Pass können Nürnberger Bürger/-innen, die Sozialleistungen beziehen, Angebote in S. 30, 31, 33, 34, 35, 52, 89, 223, den Bereichen Bildung, Kultur, Freizeit und Sport zu ermäßigten Preisen in Anspruch nehmen. Anspruch 251, 259, 266 auf den Nürnberg-Pass haben unter anderem die Bezieher/-innen von Hilfe zum Lebensunterhalt und zur Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, von Arbeitslosengeld II beziehungsweise Sozialgeld nach SGB II, von Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, von Wohngeld und eines Kinderzuschlags nach dem Bundeskindergeldgesetz.
Partnerklassen Beim Konzept der Partnerklassen bilden zwei Klassen eine Partnerschaft. Kinder und Jugendliche mit und S. 105, 112 ohne sonderpädagogischem Förderbedarf D werden größtenteils gemeinsam unterrichtet, indem eine sonderpädagogisch ausgebildete Lehrkraft und die Lehrkraft der allgemeinbildenden Schule zusammenarbeiten. Partnerklassen werden vor allem von Förderzentren mit dem Schwerpunkt „Geistige Entwicklung“ angeboten. Dabei kann entweder die Klasse der allgemeinbildenden Schule ein Klassenzimmer am Förderzentrum haben oder umgekehrt. Auch zwei Förderzentren können miteinander Partnerklassen bilden.
Praxisklassen Die Praxisklasse (P-Klasse) an Mittelschulen ist ein Modell der Förderung von Schülerinnen und Schülern S. 106 mit spezifischen Lern- und Leistungsrückständen. Sie richtet sich an Schüler/-innen der Jahrgangsstufen 8 und darunter, die vor dem letzten Jahr ihres neunjährigen Schulbesuchs stehen und keine Aussicht haben, in der Regelklasse den Mittelschulabschluss zu erreichen und die durch eine spezifische Förderung mit hohen berufsbezogenen Praxisanteilen zu einer positiven Lern- und Arbeitshaltung geführt werden können.
Produkthaushalt – Schulen Der Produkthaushalt der Stadt Nürnberg ermöglicht Detailbetrachtungen der kommunalen Bildungsaus- S. 40, 41, 42 gaben über die tiefergehende Auswertung von Produktgruppen bis hin auf die Ebene von Produkten und Leistungen. Im vorliegenden Bericht wurde wie in den Jahren 2015 und 2017 ein Set an Produkten und Leistungen bei der Darstellung der Bildungsausgaben berücksichtigt. Im Bereich der Allgemeinbildenden Schulen werden u.a. das Zentrale Gebäudemanagement und der Sachaufwand einbezogen. Bei den Berufliche Schulen wird der Schulaufwand für städtische berufliche Schulen und der Sachaufwand für staatliche berufliche Schulen, zudem die Schülerbeförderung sowie schulartenübergreifende Maßnahmen wie schulpsychologische und pädagogische Dienste, Bibliotheken und Angelegenheiten der staatlichen Schulaufsicht einbezogen.
Quartile Mithilfe von Quartilen werden Daten, die sich in eine Rangfolge sortieren lassen, in vier Teilmengen ge- S. 88, 89 gliedert. Zur Berechnung von Quartilen in Bezug auf die Übergangsquoten D wurden die Schulsprengel entsprechend der erreichten Übergangsquote in eine aufsteigende Rangfolge gebracht und anschließend in vier Teile mit jeweils gleich vielen Sprengeln geteilt. Diese vier Gruppen bilden jeweils das 1., 2., 3. und 4. Quartil. Im 1. Quartil sind demnach 25% aller Schulsprengel mit der geringsten Übergangsquote zusammengefasst.
Reha-aMW Die allgemeinen Maßnahmen zur Weiterbildung behinderter Menschen zählen zu den allgemeinen S. 195, 197, 198 Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben D nach § 115 SGB III. Sie dienen der Förderung der beruflichen Rehabilitation.
Schulartwechsel Die im vorliegenden Bericht untersuchten Schulartwechsel in der Sekundarstufe I berücksichtigen Wech- S. 84, 85, 89, 90, 91, 112 sel innerhalb der Jahrgangsstufen 5 bis einschließlich 9/9A und werden der jeweils aufnehmenden Schule und dort besuchten Jahrgangsstufe zugerechnet. Das heißt, dass zum Beispiel Wechsel von der 6. Jahrgangsstufe in die 7. Jahrgangsstufe zu den Schulartwechseln in der 7. Jahrgangsstufe gezählt werden. Schulartwechsel während des Schuljahres werden dem jeweils darauf folgenden Schuljahr zugerechnet. Da Wechsel zwischen Real- und Wirtschaftsschule weder einem Auf- noch einem Abstieg zugeordnet werden können, bleiben die Wechsel zwischen diesen Schulformen unberücksichtigt und es werden Real- und Wirtschaftsschule in der Analyse zusammengefasst. Führt der Wechsel der Schulart zu einer Wiederholung der Jahrgangsstufe (zum Beispiel von der 5. Jahrgangsstufe der Mittelschule in die 5. Jahrgangsstufe der Realschule), so werden diese Schüler/-innen in der Schülerstatistik der aufnehmenden Schule als „Wiederholer/-innen aus sonstigen Gründen“ gezählt. Die aktuell gültigen Regelungen finden sich unter www.km.bayern.de/schueler/schularten/ uebertritt-schulartwechsel.html , letzter Zugriff: 19.9.2019.
Schulbegleiter/-innen Hauptaufgabe der Schulbegleiter/-innen, auch Integrationshelfer/-innen genannt, ist die Unterstützung S. 106 von Schülerinnen und Schülern mit Beeinträchtigung im Unterricht an allgemeinbildenden oder an beruflichen Schulen. Die rechtliche Zuständigkeit ist abhängig von der Form der Behinderung D und zählt zu den Leistungen der Eingliederungshilfe. Während für Kinder und Jugendliche mit seelischer Behinderung die Jugendhilfe nach § 35 a SGB VIII Kostenträger ist, so sind für Kinder und Jugendliche mit Körper-, Geistiger-, Sprach-, Seh- und Hörbehinderung die Bezirke nach § 54 SGB XII im Rahmen der Eingliederungshilfe nach SGB XII zuständig.
Schule für Kranke Schülerinnen und Schüler aller Schularten und Ausbildungsrichtungen, die sich im Krankenhaus oder Nürnberg-Fürth einer entsprechenden Einrichtung befinden und am Unterricht in der vor der Erkrankung besuchten S. 77, 80, 81, 104 Stammschule voraussichtlich länger als sechs Wochen nicht teilnehmen können oder aufgrund einer chronischen Erkrankung immer wieder in einer Klinik behandelt werden müssen, können eine Schule für Kranke besuchen. Auch Schülerinnen und Schüler, die weniger als sechs Wochen krankheitsbedingt dem Unterricht der Stammschule fernbleiben müssen, können Unterricht durch die Schule für Kranke erhalten, wenn es pädagogisch oder medizinisch geboten ist. Die Schule für Kranke ist eine eigene Schulart, wird aber in der amtlichen Schulstatistik unter den Förderschulen aufgeführt.
Schulvorbereitende Einrichtung Schulvorbereitende Einrichtungen zielen darauf ab, Kinder schon im Vorschulalter ihrem sonderpäda- (SVE) gogischen Förderbedarf D entsprechend zu fördern und sie gezielt auf den Schulbesuch und ein erfolg- S. 39, 57, 64, 106 reiches schulisches Lernen vorzubereiten, sofern sie die notwendige Förderung nicht in anderen, außerschulischen Einrichtungen (zum Beispiel Kindergärten) erhalten. Schulvorbereitende Einrichtungen (SVE) sind organisatorisch den Förderschulen angegliedert. Zuständig ist jeweils die SVE an einer Förderschule, die den entsprechenden Förderschwerpunkt anbietet. Im Anschluss an die SVE kann das Kind an der Grundschule oder einer entsprechenden Fördereinrichtung eingeschult werden.
Sekundarstufe I und II Die Sekundarstufe I umfasst an den allgemeinbildenden Schulen (außer dem achtjährigen Gymnasium) S. 75, 77, 78, 100, 101, 103, 195, und den Wirtschaftsschulen die Schuljahrgangsstufen 5 bis 10, die Sekundarstufe II die Schuljahrgangs- 315 stufen 11 bis 13. Beim achtjährigen Gymnasium umfasst die Sekundarstufe I die Schuljahrgangsstufen 5 bis 9, die Sekundarstufe II die gymnasiale Oberstufe mit einjähriger Einführungsphase und zweijähriger Qualifikationsphase. In der Sekundarstufe I werden der erfolgreiche und der qualifizierende Abschluss der Mittelschule und der Mittlere Schulabschluss vergeben, in der Sekundarstufe II die allgemeine und die fachgebundene Hochschulreife D sowie die Fachhochschulreife D.
SGB II-Quote Die SGB II-Quote gibt den Anteil aller Personen in Bedarfsgemeinschaften an allen in Nürnberg mit S. 32, 35 Hauptwohnsitz gemeldeten Personen an. Als Datenquelle wird neben den Daten der Bundesagentur für Arbeit das Einwohnermelderegister herangezogen.
Sonderpädagogischer Sonderpädagogischer Förderbedarf kann dann vorliegen, wenn wegen einer Behinderung D oder einer Förderbedarf anderen Beeinträchtigung besondere Förderung in Kindergarten, Schule oder Ausbildung notwendig ist. S. 68, 77, 104, 105, 106, 112, Sonderpädagogische Förderung gibt es für folgende Schwerpunkte: Geistige Entwicklung, Körperliche 135, 139, 147, 148, 153, 311, und motorische Entwicklung, Lernen, Sprache, Emotionale und soziale Entwicklung, Hören, Sehen, lang 313, 314 andauernde Krankheit. Festgestellt wird der sonderpädagogische Förderbedarf zum Beispiel vom Ärztlichen Dienst des Gesundheitsamts oder von den jeweils fachlich zuständigen Förderzentren und deren Mobilen Sonderpädagogischen Diensten.
Sonderpädagogische Stütz- Sonderpädagogische Stütz- und Förderklassen stellen eine Form der schulischen Förderung von Stützund Förderklassen und Förderklassenschülerinnen und Schülern der Sonderpädagogischen Förderzentren in Nürnberg dar. S. 79 Dort werden schulpflichtige Kinder und Jugendliche der 5. bis zur 7. Jahrgangsstufe ganztägig beschult und betreut, deren Förderbedarf in der emotionalen und sozialen Entwicklung sowie im Lernbereich so hoch ist, dass sie das herkömmliche Schulangebot der Sonderpädagogischen Förderzentren derzeit nicht wahrnehmen können. In den Stütz- und Förderklassen erhalten sie – zum Teil in Kleingruppen – eine spezifische und individuelle Betreuung und Beschulung. Pädagoginnen und Pädagogen der Schule und der Jugendhilfe arbeiten eng zusammen. Die rechtlichen Grundlagen der Stütz- und Förderklassen sind im § 21 Abs. 2 Satz 3 VSO-F (Schulordnung für die Volksschulen zur sonderpädagogischen Förderung) in Verbindung mit Art. 19 ff. BayEUG und für den Bereich Jugendhilfe im SGB VIII geregelt.
Sozialversicherungspflichtig In die Statistik der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (am Arbeitsort) sind Arbeitnehmer/-innen Beschäftigte, sozialversiche- einschließlich der zu ihrer Berufsausbildung Beschäftigten erfasst, die kranken-, renten- und/oder rungspflichtige Beschäftigung pflegeversicherungspflichtig oder beitragspflichtig nach dem Arbeitsförderungsgesetz sind oder für die S. 24, 25, 26, 127, 177, 215, Beitragsanteile zur Rentenversicherung zu entrichten sind. Nicht dazu zählen Selbständige, mithelfende 220, 308, 309, 311 Familienangehörige sowie Beamte.
Sprengelpflicht „Schülerinnen und Schüler einer Volksschule erfüllen ihre Schulpflicht in der Schule, in deren Schulspren- S. 77, 82 gel sie ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben.“ (BayEUG Art.42, Satz 1.)
Stadtteilpaten In sechs strukturschwachen Stadtteilen haben Unternehmen und Stiftungen Stadtteilpatenschaften über- S. 271 nommen. Diese fungieren als „Ansprechpartner/innen für die Belange des Stadtteils, (Mit-) Konzeptentwickler für den Stadtteil, Multiplikator gegenüber Medien und Öffentlichkeit, aktiver Partner bei einzelnen Projekten und als finanzieller Förderer von Programmen für den Stadtteil bei Projekten und Mikroprojekten.“ (Referat für Jugend, Familie und Soziales (2019), „Stadtteilpatenschaften in Nürnberg“ in: Nürnberger Arbeitspapiere zu sozialer Teilhabe, bürgerschaftlichem Engagement und „Good Governance“, Nr. 71, Januar 2019, S. 6)
Stichtagsregelung für die Am 18.1.2005 wurde eine geänderte Stichtagsregelung für Bayern beschlossen. Diese sah vor, dass der Einschulung Stichtag beginnend mit dem Schuljahr 2005/06 um jeweils einen Monat vorrückt, bis mit dem Schuljahr S. 86 2010/11 der 31.12. als endgültiger Stichtagstermin erreicht wird. Aufgrund eines erheblichen Anstiegs an Rückstellungsanträgen wurde zwischenzeitlich von dieser Zielsetzung Abstand genommen und als Stichtag mit Beginn des Schuljahrs 2010/11 der 30.9. festgelegt. Vgl. Art. 37 BayEUG in der Fassung von 31.5.2000, zuletzt geändert durch Gesetz vom 20.5.2010.
Teilnahmequote Die Teilnahmequote bezieht die Summe aller Teilnahmefälle einer Bevölkerungsgruppe auf die Gesamt- S. 235 zahl aller Teilnahmefälle in einer Bildungseinrichtung.
Übergangsquoten an Die Übergangsquote an weiterführende Schulen gibt an, wie sich die Abgänger/-innen der 4. Jahrgangsweiterführende Schulen stufe der Grundschulen auf die 5. Jahrgangsstufen der weiterführenden Schulen (Mittelschulen, S. 88, 113 Realschulen, Gymnasien) verteilen. Sie ist der Quotient aus der Anzahl der neu in die 5. Jahrgangsstufen der verschiedenen weiterführenden Schularten eingetretenen Schülerinnen und Schüler bezogen auf die Gesamtzahl der Abgängerinnen und Abgänger der 4. Jahrgangsstufen der Grundschulen. Die Übergangsquote an das Gymnasium gibt zum Beispiel den Anteil der neu in die 5. Jahrgangsstufe der Gymnasien eingetretenen Schülerinnen und Schüler an der Gesamtzahl der Grundschulabgängerinnen und -abgänger der Jahrgangsstufe 4 an.
Übergangsquoten von und Bei der Berechnung der Quote der Übergänge von Förderzentren (ohne Schule für Kranke D) wird die an Förderzentren Anzahl der Übergänge auf allgemeine Schulen auf die Anzahl der Schülerinnen und Schüler von Förder- S. 90 zentren des vorangegangenen Schuljahres bezogen. Bei der Berechnung der Quote der Übergänge an Förderschulen wird die Anzahl der Übergänge von allgemeinen Schulen auf Förderzentren zu der Anzahl der Schülerinnen und Schüler von Förderzentren des betrachteten Schuljahres in Bezug gesetzt. Die Übergänge sind nur für folgende allgemeinbildende Schularten in staatlicher oder städtischer Trägerschaft berechnet: Grund- und Mittelschulen, Förderzentren, Realschulen, Gymnasien und Wirtschaftsschulen (als berufliche Schule, die zu einem allgemeinbildenden Abschluss führt).
Vorbereitungsklassen, Durch die Vorbereitungsklassen haben Schülerinnen und Schüler an Mittelschulen, die die Vorausset- V-Klassen (vormals 9+2-Klassen) zungen für den Wechsel in eine M-Klasse D nicht besaßen, jedoch später für einen mittleren Schulab- S. 106, 120, 145, 152 schluss geeignet sind, die Möglichkeit, die Mittlere Reife nach dem Besuch dieser zweijährigen Vorbereitungsklassen abzulegen.
Vorkurs Deutsch 240 Eineinhalb Jahre vor der Einschulung können Kinder mit eingeschränkten Deutschkenntnissen unabhän- S. 66, 67, 69, 76, 102, 113 gig von ihrer Familiensprache den Vorkurs Deutsch 240 besuchen, der in Zusammenarbeit von Kindergarten und Grundschule durchgeführt wird. Die Vorkurse umfassen 240 Stunden und werden im ersten halben Jahr ausschließlich in der Kindertageseinrichtung durch pädagogische Fachkräfte und im Vorschuljahr gemeinsam von Fach- und Lehrkräften sowohl an der Schule als auch in der Kindertageseinrichtung durchgeführt.
Zulassungspflichtiges Handwerk Für den Betrieb eines zulassungspflichtigen Handwerks ist laut Handwerksordnung ein Eintrag in die S. 201 Handwerksrolle bei der zuständigen Kammer notwendig. Voraussetzung für die Eintragung ist der Nachweis der Qualifikation, in der Regel der Meisterbrief. Der Betrieb eines zulassungsfreien Handwerks oder eines handwerksähnlichen Gewerbes muss der zuständigen Handwerkskammer nur angezeigt werden. Diese führt ein Verzeichnis der in ihrem Kammerbezirk ansässigen Betriebe.
Zweiter Bildungsweg Der Zweite Bildungsweg bietet Bildungsangebote für Menschen, die nach ihrer eigentlichen Schulzeit S. 76, 78, 79, 96, 97, 112 weitere Abschlüsse machen wollen oder die den angestrebten Schulabschluss nicht im Normaldurchlauf an der Regelschule erworben haben. In Bayern zählen zum Zweiten Bildungsweg die Abendrealschulen, Abendgymnasien, Kollegs und das Telekolleg sowie die Begabtenprüfung.
Abbildungen und Tabellen wurden für den vorliegenden Bildungsbericht eigens erstellt, die dargestellten Quoten und Anteilswerte sind meist eigene Berechnungen.
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Impressum
Nürnberg, Dezember 2019
Herausgeberin
Stadt Nürnberg Bürgermeisteramt/Bildungsbüro Unschlittplatz 7a, 90403 Nürnberg Telefon: 0911 - 231 14565 bildungsbuero@stadt.nuernberg.de www.bildungsbuero.nuernberg.de
Team Bildungsbüro:
Dr. Martin Bauer-Stiasny (Fachliche Leitung), Serpil Dursun, Marc Hümpfner, Thomas Kießlich, Dr. Andrea Knecht, Clarissa Aileen Krüger, Claudia Lehnerer, Andrea Müller, Martina Schuster, Martina Seel, Derya Yildirim, Bettina Zauhar (Leitung)
Grafik-Design: Brigitte Behr, Johannes Knöspel, Hubert Kollinger
Druck: Wünsch Druck GmbH, Ursensollen
ISSN: 2193-0546
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