Beschulung von innovativen Ausbildungsberufen in Nürnberg
Beschulung im neuen Ausbildungsberuf Kaufmann/-frau im E-Commerce
(Antrag der FDP vom 10.12.2018)
Beschulung von Ausbildungsberufen in Nürnberg
(Antrag der FDP vom 05.02.2019)
hier: Sachverhalt
Wirtschaft im Wandel = Ausbildungsberufe im Wandel
Die Ausbildungsinhalte der staatlich anerkannten Ausbildungsberufe (nach BBiG/HWO) sind bundesweit geregelt. Die für den jeweiligen Beruf einschlägigen Ausbildungsordnungen (mit den jeweiligen Ausbildungsrahmenplänen als Anlagen umfassen die zeitliche und sachliche Gliederung der betrieblichen Ausbildung) gelten in allen Bundesländern. Für den schulischen Teil der Ausbildung werden auf der Basis der Ausbildungsordnung Rahmenlehrpläne von der KMK verfasst. Diese dienen den Kultusministerien der Länder als Basis für die Ausarbeitung eigener Lehrpläne.
Der Motor für die regelmäßige Überarbeitung der Berufsbilder ist der wirtschaftliche Wandel. Durchschnittlich alle zehn Jahre werden die Ausbildungsberufe auf der Ebene des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) neugeordnet, d. h. grundlegend überarbeitet. Darüber hinaus schlagen Veränderungen in der Realwirtschaft unmittelbar auf das duale Ausbildungssystem durch: Berufe mit bundesweit nur noch sehr wenigen Auszubildenden werden aufgehoben bzw. neue Berufsbilder in Wachstumsbranchen geschaffen.
Die Schülerzahlen an den Berufsschulen hängen unmittelbar von der Beschäftigungssituation und den Fachkräftebedarfen der Ausbildungsunternehmen in den jeweiligen Branchen am Standort ab. Strukturelle und konjunkturelle Veränderungen in der Wirtschaft beeinflussen die Schülerzahlen in der dualen Ausbildung sofort.
Die Entscheidungen darüber, welcher Ausbildungsberuf an welchem Berufsschulstandort beschult wird, obliegt dem StMUK. Je nach (erwarteter) Auszubildendenzahl werden in der Regel über-/regionale Sprengel (sog. Fachsprengel) eingerichtet oder Grundsprengel vorgesehen, d. h. der Ausbildungsberuf wird an jeder Berufsschule beschult. Städte und Landkreise können sich mit ihren Berufsschulen für die Fachsprengel neuer Berufe bewerben.
Nachfolgend wird zunächst ein Überblick über die aktuellen Ausbildungsberufe an Nürnbergs Berufsschulen sowie die dafür erforderlichen langfristigen Investitionen (u. a. Schulbau) aus Sicht des Schulbereichs gegeben. Der Standortfaktor berufliche Erstausbildung wird von Seiten des Wirtschaftsreferats beschrieben. Ref. VII gibt Einblick in Zukunftsbranchen und Ausbildungsneigung Nürnberger Betriebe. Im Anschluss wird die Vergabepraxis von Ausbildungsberufen an Berufsschulen beleuchtet und abschließend speziell die Attraktivität des Ausbildungsberufs E-Commerce-Kaufmann/-frau für Nürnberg eingeordnet.
ÜBERBLICK DUALE AUSBILDUNG IN NÜRNBERG
Ausbildungsberufe und Kompetenzzentren an den städtischen Berufsschulen in Nürnberg
Die Zahl der anerkannten oder als anerkannt geltenden Ausbildungsberufe (nach BBiG/HWO) betrug im Jahr 2018 deutschlandweit 326. Davon werden an den Berufsschulen der Stadt Nürnberg
aktuell 102 Berufe ausgebildet, darunter sechs Berufe mit unterschiedlichen Schwerpunkten1 und fünf Berufe mit verschiedenen Fachrichtungen2 (s. Anlage 1: Flyer „Berufsschulen“).
In den Jahren 2010 bis 2015 wurde in der Stadt Nürnberg das Ziel verfolgt, die beruflichen Schulen als Kompetenzzentren neu auszurichten. Im Ergebnis konnte eine klare fachliche Gliederung in Kompetenzzentren erreicht werden mit Schulgrößen, die die Leitung der jeweiligen Institution hinsichtlich der Aufgabenbewältigung sicherstellen und die Komplexität der Direktorate im Rahmen halten bzw. begrenzen3.
Schülerzahlenentwicklung (duale Ausbildung) in Nürnberg und Bayern (gesamt)
Die Schüler/-innen in der dualen Ausbildung in Nürnberg liegen aktuell4 bei 15.091 und nahmen im Vergleich zum Schuljahr 2017/18 um 0,46% ab (Schuljahr 2017/18: 15.160 Schüler/-innen). Bayernweit verbleibt die Schülerzahl an den Berufsschulen (ohne Berücksichtigung der Berufsintegrationsklassen) relativ konstant: Im Schuljahr 2018/19 verzeichnete das StMUK ein Plus von 0,3% im Vergleich zum Vorjahr.5
Damit bestätigt sich ein Trend, der bereits in den letzten fünf Jahren zu beobachten war: Der Anteil der mittelfränkischen Schüler/-innen in Fachklassen blieb mit einem 14%-Anteil an den bayernweiten Ausbildungszahlen stabil. Jedoch ist innerhalb Mittelfrankens ein Umverteilungseffekt zugunsten staatlicher Berufsschulen festzustellen: Die kommunalen Berufsschulen Nürnbergs beschulten
1 z. B. an der B2: Kfz-Mechatroniker mit den Schwerpunkten Karosserietechnik, Motorradtechnik, Nutzfahrzeugtechnik, Pkw-Technik sowie System- und Hochvolttechnik (DBFH) 2 z. B. an der B1: Elektroniker mit den Fachrichtungen (FT) Energie-/Gebäudetechnik, FT Informations- und Telekommunikationstechnik, FT Automatisierungstechnik, FT Betriebstechnik, FT Gebäude- und Infrastrukturtechnik, FT Geräte und Systeme, FT Maschinen- und Antriebstechnik 3 vgl. dazu Schulausschuss vom 19.10.2012 4 Stand: 20.10.2018 5 Schülerzahlen an Berufsschulen in Bayern (ohne BIK) im Schuljahr 2018/19 insgesamt 251.394 (vorläufige Zahlen)
im Schuljahr 2013/14 noch einen Anteil von 49% der Auszubildenden in Fachklassen, im Schuljahr 2017/18 waren es nur noch 45% (s. nachstehende Tabelle).6
| SCHÜLERZAHLEN in Fachklassen | SJ 2017/18 | SJ 2016/17 | SJ 2015/16 | SJ 2014/15 | SJ 2013/14 |
|---|---|---|---|---|---|
| BY MFR - staatl. Berufsschulen MFR - komm. Berufsschulen | 236.212 18.032 14.915 | 191.206 14.258 12.695 | 189.227 13.892 12.878 | 191.912 14.026 13.370 | 197.315 14.456 13.855 |
| MFR – staatl. + komm. BS 32.947 26.953 26.770 27.396 28.311 |
| in % in % in % in % in % | |
|---|---|
| Anteil der mfr. BS an bay. BS Anteil der komm. BS in MFR an mfr. BS | 14% 14% 14% 14% 14% 45% 47% 48% 49% 49% |
Auszubildende der Nürnberger Betriebe an auswärtigen Berufsschulen
In Abhängigkeit von den Grund- und Fachsprengeln für die jeweiligen Ausbildungsberufe besuchen Berufsschüler/-innen der Nürnberger Unternehmen entweder die städtischen Berufsschulen vor Ort oder Berufsschulen anderer Städte bzw. Landkreise. Ein finanzieller Ausgleich für die Beschulung der Auszubildenden wird in Form von Gastschulbeiträgen durch die Kommunen und Landkreise geleistet. Im Schuljahr 2017/18 meldeten die Landkreise und kreisfreien Städte insgesamt 2.191 Berufsschüler/-innen7 an den Geschäftsbereich Schule in Nürnberg. Die endgültige Zahl der auswärtig beschulten Auszubildenden aus den Nürnberger Betrieben für das laufende Schuljahr liegt noch nicht vor.
Investitionen: Neu-/Umbauten sowie Generalsanierungen an den beruflichen Schulen
Investitionsentscheidungen für Schulhausneubauten bzw. -sanierungen haben einen besonders langen Planungshorizont. Gleichzeitig sind adäquat ausgestattete Unterrichtsräume notwendige Bedingung für professionelles Unterrichten.
Schulhausneubauten/-umbauten – Meilensteine für Nürnberger Berufsschulen:
| Berufs- schule | Standorte | Maßnahmen | Bemerkungen Zeitraum/Bezug/Fertigstellung |
|---|---|---|---|
| B9 | BBZ | Neubau „Bürowirtschaftliches Zentrum“ | 2013 |
| B3 | BBZ | Umbau der Fachräume für Bäcker/Kondito- ren sowie Fleischer, Fleischereifachverkauf | 2018 |
| B10 | Hansapark | Neue Räumlichkeiten im Mietgebäude nach Auszug der Johann-Pachelbel-Realschule | 2018 |
| B7 | Äußere Bayreuther Straße 61 | Sanierung des Mietgebäudes nach Auszug der B10 | 2019 |
| B5 | offen | Neue Räumlichkeiten | in Planung |
| B14 | offen | Neue Räumlichkeiten | in Planung |
| B8 | Sulzbacher Straße 102 | Generalsanierung | in Planung |
| B13 | Pilotystraße 4 | Generalsanierung nach Interimsnutzung | in Planung |
6 Quelle: "Berufliche Schulen in Bayern", Landesamt für Statistik Bayern. Für das SJ 2018/19 liegen noch keine endgültigen Zahlen vor. 7 Die Zahl der auswärtig beschulten Auszubildenden aus Nürnberg hielt sich über die letzten Schuljahre relativ konstant bei durchschnittlich 2.112 Berufsschülern/-innen.
Moderne Schulhäuser bzw. Fachräume wurden entweder bereits bezogen (B3, B9, B10) oder sind in Planung (B5, B7, B14, B8, B13). Unabhängig von anstehenden Neu-/Umbauten wird die Modernisierung von Fachunterrichtsräumen, insbesondere auch hinsichtlich der IT-Ausstattung an allen Direktoraten mit großem Einsatz finanzieller Mittel von der Stadt Nürnberg vorangetrieben. Parallel dazu qualifizieren sich Lehrkräfte mit viel Engagement. Medienkonzepte und Curricula werden von den Berufsschulen erstellt und umgesetzt.
Diese Anstrengungen werden von der Stadt Nürnberg unternommen, um die Berufsausbildung an den städtischen Berufsschulen stets aktuell, auf einem fachlich hohen wie auch pädagogisch sehr kompetenten Niveau zu platzieren.
Auch die Strukturen der staatlichen beruflichen Schulen in Mittelfranken wurden in den letzten Jahren weiterentwickelt. Beispielsweise entstand neu das Berufliche Schulzentrum Bad Windsheim. Staatliche Berufsschulen wurden aber auch zu beruflichen Schulzentren ausgebaut, z. B. das Berufliche Schulzentrum Lauf.
ZUKUNFTSBRANCHEN UND AUSBILDUNGSNEIGUNG
Die duale Ausbildung als Standortfaktor für die Stadt Nürnberg
Voraussetzung für eine dem Wirtschaftsstandort Nürnberg adäquate berufliche Erstausbildung von Fachkräften ist die Verbindung von Tradition und Innovation. Dazu gehören neben etablierten Ausbildungsangeboten, moderne und innovative Berufe in jenen Branchen und Beschäftigungszweigen, die den Fachkräftebedarf in der Stadt in den nächsten Dekaden sichert.
Folgende Aspekte der in der Stellungnahme von Ref. VII dargelegten Sachverhalte seien an dieser Stelle herausgegriffen und betont (s. Anlage 2):
Berufsschulen wirken gleicherweise wie Hochschulen als strategischer Standortfaktor und beeinflussen die Entscheidung, ob sich Betriebe neu ansiedeln (S. 1). Im Fachkräfte-Monitor 2016 – befragt wurden Nürnberger Betriebe in Zukunftsbranchen – zeigte sich, dass sich die Branchen Verkehr- und Logistik, die Informations- und Kommunikationswirtschaft sowie der Sektor Energie und Umwelt in Nürnberg vom Fachkräftemangel betroffen fühlen bzw. bereits nachweisbare Engpässe vorliegen (S. 3). Die Ausbildungsquote Nürnberger Unternehmen liegt höher als die durchschnittliche Ausbildungsquote vergleichbar großer Städte (mit mehr als 350.000 Einwohnern) im Inland (S. 4).
Neu geschaffene Ausbildungsberufe, Neuordnungen sowie Fachsprengeländerungen
Alle innovativen, neuen Ausbildungsberufe wie sie auf Seite 3 der Stellungnahme von Ref. VII aufgeführt werden (Ausbildungsberufe: Kaufmann/-frau im E-Commerce, IT-Ausbildungsberufe, Personaldienstleistungskaufmann/-frau, Dialog-Kaufmann/-frau), wurden in den letzten Jahren an staatlichen Berufsschulen außerhalb Nürnbergs eingerichtet, obwohl sich die Nürnberger Berufsschulen für diese neuen Berufe interessierten und dafür bewarben.
Aktuell liegen der Schulverwaltung keine Schreiben bzw. Mitteilungen der Regierung von Mittelfranken bezüglich Sprengeländerungen vor. Die letzte Sprengeländerung brachte 2018 die Teilung des Fachsprengels für Automobilkaufleute mit sich. Bis dahin hatte die B4 den mittelfränkischen Fachsprengel ab Jahrgangsstufe 11 inne. Die neue Regelung bringt eine Fachsprengelbildung ab Jahrgangsstufe 10 durchgängig an der Staatlichen Berufsschule 1 in Ansbach für die Landkreise Ansbach, Neustadt an der Aisch und Schwabach mit sich. Für alle weiteren Landkreise und Städte in Mittelfranken ist weiterhin die B4 Nürnberg zuständig.
Neue Ausbildungsberufe und Neuordnungen
Neuordnungen von Ausbildungsberufen stellen einerseits eine Routine der Anpassung der Ausbildungsinhalte an sich wandelnde Branchenprozesse dar. Andererseits sind sie gleichzeitig Zeitpunkte, zu welchen bei starken Veränderungen der Schülerzahlen überprüft wird, ob die Berufsschulstandorte erweitert oder reduziert werden sollten.
In folgenden Ausbildungsberufen stehen in den nächsten Jahren Neuordnungen an:
| Ausbildungsberufe | Zeitrahmen | Änderungen in den Ausbildungsinhalten |
|---|---|---|
| Kaufmann/-frau im Groß- und Außenhandel (B4) | Inkrafttreten zum 01.08.2020 | Künftige Anforderungen: Fortschreitende Digitali- sierung und wachsende Bedeutung des E-Com- merce, Projektmanagement, Beruf mit Ausdifferenzierung in die Fachrichtungen „Großhandel“ und „Außenhandel“ |
| Bankkaufmann/-frau (B4) | Inkrafttreten zum 01.08.2020 | Künftige Anforderungen: Digitalisierung, Kommuni- kationskompetenz, Handlungsfeld Kundenbezie- hungen, veränderte rechtliche Rahmenbedingun- gen, neues Lernfeld „Versicherungen“ geplant |
| Steuerfachangestellte/-r (B4) | Inkrafttreten zum 01.08.2021 | Künftige Anforderungen: Digitalisierung, betriebs- wirtschaftliche Auswertungen und Analysen, Selbstorganisation, Projektmanagement, Kommu- nikationskompetenz |
| IT-Berufe: Informations- und Telekom- munikationssystem-Elektro- niker/-in, Fachinformatiker/-in, Informations- und Telekom- munikationssystem-Kauf- mann/-frau, Informatikkaufmann/-frau (derzeit nicht in Nürnberg angeboten) | Änderungsverordnung (Stufe 1 der Novellie- rung der IT-Berufe zum 01.08.2018) | In allen vier Berufen: Berufsbildposition 3.1 „Informieren und Kommuni- zieren“: Erweiterung mit Bezug auf digitale Medien Berufsbildposition 5.4: Ergänzung um „IT-Sicher- heit“ und Erweiterung der Richtlernziele sowie Ergänzung der Prüfungsanforderungen zur IT-Sicherheit IT-System-Elektroniker/-in: Erweiterung Berufsbild- position 7.4 „Netzwerke“ Fachinformatiker/-in: Ergänzung Berufsbildposition 6.2 „Programmerstellung und –dokumentation“ Fachinformatiker/-in (FR Systemintegration): Er- gänzung Berufsbildposition 8.2 „Netzwerke“ IT-Systemkaufmann/-frau: Erweiterung der Berufs- bildposition 8.2 „Konzeption“ |
| Neuordnung ange- kündigt zum 01.08.2020 aber bis- lang noch offen | Inhaltliche und strukturelle Überarbeitung, insbe- sondere bezüglich: IT-Security, Virtualisierung, Cloud-Computing, Big Data, Mobil Computing |
Zurückliegend betrachtet hatten sich Nürnberger Berufsschulen stets darum bemüht, duale Partner in der Ausbildung neuer Berufe für die Ausbildungsunternehmen zu werden: Beispielhaft seien hier die Bewerbungen der B14 für den Ausbildungsberuf Personaldienstleistungskaufmann/-frau, die der B4 für den Ausbildungsberuf Kaufmann/-frau für Dialogmarketing und die Bewerbung der B6 für den innovativen Ausbildungsberuf Kaufmann/-frau im E-Commerce genannt. An allen beruflichen Direktoraten hätten diese Ausbildungsberufe sehr gut in das „Portfolio“ des jeweiligen Kompetenzzentrums gepasst.
Auch Neuordnungen in den zurückliegenden Jahren zogen Fachsprengeländerungen nach sich, die die Nürnberger Berufsschulen betrafen. Hierzu wird auf die Übersicht in der Anlage verwiesen.8
8 Das Gesamtverzeichnis der Ausbildungsberufe wird beim BiBB geführt, vgl. dazu https://www.bibb.de/de/65925.php
AUSBILDUNGSBERUF KAUFMANN/-FRAU IM E-COMMERCE
Der neue und innovative Ausbildungsberuf: Kaufmann/-frau im E-Commerce
Die "Digitalisierung der Wirtschaft" bringt weitreichende Veränderungen für alle Bereiche und Branchen mit sich. Vertriebskanäle ändern sich. Einzel-/Groß- und Außenhandel in klassischer Form und der Online-Handel werden von vielen Unternehmen parallel als „Multi-Channel“ betrieben.
Der deutsche Onlinehandel wuchs im Jahr 2018 auf ein Volumen von 53,4 Mrd. Euro und damit im Vergleich zum Vorjahr um 4,7 Mrd. Euro. Eine weitere Zunahme des Online-Handels wird für viele Produktgruppen im Handel mit Unternehmen und Endverbrauchern prognostiziert.
Neben den aktuell laufenden Anpassungen der Lerninhalte in den klassischen Handelsberufen sowie in den IT-Berufen trat zum 01.08.2018 der speziell für den Online-Handel konzipierte Ausbildungsberuf Kaufmann/-frau im E-Commerce in Kraft. Neue Tätigkeitsfelder mit wertschöpfungsstufenüberschreitenden Prozessen und Geschäftsmodellen bildeten sich im Bereich Online-Handel heraus. Die klassischen Ausbildungsberufe passten nur noch sehr bedingt zu den erforderlichen neuen Anforderungen, Inhalten und Arbeitsweisen. Deshalb wird die dynamische Expansion des E-Commerce auch über neue berufliche Entwicklungswege in der Aus- und Fortbildung abgebildet. Mit dem Ausbildungsberuf Kaufmann/-frau im E-Commerce erwerben Auszubildende in Unternehmen des Einzel-, Groß- und Außenhandels eine auf digitale Geschäftsmodelle ausgerichtete kaufmännische Qualifikation. Aber auch für andere Branchen, wie z. B. Touristik-Unternehmen, Dienstleistungsanbieter oder Hersteller, die ihre Angebote online vertreiben, kann der neue Beruf infrage kommen. Die Ausbildungsinhalte umfassen:
Neue und modernisierte Ausbildungsberufe können jahrgangsbezogen abgerufen werden unter: https://www.bibb.de/de/berufeinfo.php/new_modernised_occupations_by_year/2018
Vertriebskanäle des E-Commerce beurteilen, auswählen und einsetzen: z. B.: Online- Vertriebskanäle auswählen, Prozessabläufe analysieren, Nutzerverhalten auswerten, Wettbewerbsrecht, Urheberrecht und Datenschutz beachten, Kooperation mit Dienstleistern Waren- oder Dienstleistungssortimente für den E-Commerce konzipieren, online bewirtschaften und weiterentwickeln: z. B.: Produktdaten beschaffen, Produkte kategorisieren und einstellen, Angebotsregeln festlegen, Bezahlsysteme auswählen, Testmethoden anwenden und auswerten. Projektorientierte Arbeitsweisen im E-Commerce anwenden: z. B.: Projekte planen, umsetzen und auswerten, IuK-Strukturen nutzen, Projektabläufe und -ergebnisse dokumentieren, englischsprachige Infos auswerten, in agilen Strukturen arbeiten. Kundenkommunikation gestalten: z. B.: Situationsgerecht und zielorientiert kommunizieren, Kommunikationskanäle beurteilen und auswählen, Kundenanliegen aufnehmen und bearbeiten, Datenschutz beachten. Kennzahlenbasierte Instrumente der kaufmännischen Steuerung im E-Commerce einsetzen: z. B.: KLR-Ergebnisse analysieren, Sortimentskennzahlen ermitteln und bewerten, Statistiken auswerten, Kundenwertanalysen durchführen, Kennzahlenanalyse bei Reklamationen durchführen. Maßnahmen des Onlinemarketings vorbereiten und durchführen: z. B.: Zielgruppenund produktgruppengerechte Maßnahmen entwickeln, Online-Instrumente nutzen und Werbung ausspielen, Customer Journey planen und optimieren, Wettbewerber beobachten. Online-Waren- und Dienstleistungsverträge anbahnen: z. B.: Kundendaten und Zahlungsdaten benutzerfreundlich erheben, Zahlungsausfälle vermeiden, Bezahlverfahren bereitstellen, Kunden die Auftragsdaten übersichtlich darstellen. Online-Waren- und Dienstleistungsverträge abwickeln: z. B.: Kunden über das Zustandekommen des Vertrags informieren, bei Störungen Maßnahmen für die Vertragserfüllung ergreifen, Rückabwicklungsprozesse organisieren
Die schulischen Lernfelder spiegeln die Kompetenzen, die die Auszubildenden in Handelsunternehmen erwerben, um als Fachkräfte nach ihrer Erstausbildung in den entsprechenden Abteilungen der Betriebe einsetzbar zu sein:
Schulische Lernfelder:
Sehr lange schon hatten Unternehmen und Verbände deshalb einen neuen Ausbildungsberuf gefordert, der diesem Trend folgt. Im August 2018 trat die am 13.12.2017 veröffentlichte Verordnung für den neuen Ausbildungsberuf Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce in Kraft. In Bayern wurde der neue Ausbildungsberuf an folgenden Berufsschulstandorten in jedem Regierungsbezirk neu eingerichtet: Neuburg an der Donau, Dachau, Regen, Sulzbach-Rosenberg, Lichtenfels, Fürth, Karlstadt und Lauingen an der Donau.
Auch die B6 hatte sich als Kompetenzzentrum für Handel, Medien und Marketing mit Schreiben vom 03.08.2016 für die Ausbildung der E-Commerce-Kaufleute beworben (vgl. Anlage 4) und die Mitarbeit sowohl bei der Ausarbeitung des KMK-Rahmenlehrplans als auch die Besetzung des bayerischen Lehrplanausschusses mit einer Lehrkraft mit höchster Expertise aus der B6 angeboten. Gleichzeitig verfügt die Schule über eine Fachraumausstattung, die den Ansprüchen des Ausbildungsberufs Kaufmann/-frau im E-Commerce in hohem Maße gerecht wird. Dennoch erhielt die B6 mit KMS vom 12.04.2018 eine Absage des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus. Die Standortauswahl Fürth (für Mittelfranken) wurde von Seiten des StMUK gegenüber der Stadt Nürnberg nicht begründet. Im kultusministeriellen Schreiben vom 12.04.2018 wurde allerdings herausgestellt, dass bei steigenden Schülerzahlen im Ausbildungsberuf Kaufmann/-frau im E-Commerce eine Ausweitung der Berufsschulstandorte vorgesehen sei.
Nach Auskunft der Regierung von Mittelfranken vom 28.05.2019 ist die Ausweitung der Berufsschulstandorte von Seiten des StMUK derzeit allerdings nicht geplant.
Im laufenden Schuljahr sind bei der IHK Nürnberg für Mittelfranken insgesamt 28 Ausbildungsverhältnisse registriert, davon sieben aus Nürnberger Unternehmen (Stand 01.02.2019). Die IHK Mittelfranken rechnet für das kommende Ausbildungsjahr mit einer steigenden Auszubildendenzahl: Bereits bis zum 16.05.2019 wurden 17 neue Ausbildungsverträge registriert, neun davon angemeldet von Nürnberger Ausbildungsbetrieben. Erfahrungsgemäß sind bis Mitte Mai etwa ein Drittel der Neuverträge bei der zuständigen Stelle erfasst. Es kann also mit einer steigenden Zahl von Ausbildungsplätzen insgesamt und in Nürnberger Betrieben im nächsten Ausbildungsjahr gerechnet werden. Der neue Ausbildungsberuf hat ein hohes Potenzial, weitere Zuwächse werden in den kommenden Jahren erwartet.
Bundesweit spricht man von einem gelungenen Start des neuen Ausbildungsberufs. Bereits im ersten Ausbildungsjahr wurden 1.300 Ausbildungsverträge geschlossen. Erwartet waren etwa 300 Neuverträge. Damit „landete“ der neue Beruf auf Anhieb auf Platz 78 von derzeit 326 Ausbildungsberufen. Allein in Bayern starteten 288 Auszubildende ihre duale Ausbildung.
FAZIT
In der Gesamtschau bleibt festzuhalten:
Die Neuordnungen von Ausbildungsberufen stellen eine Routine der Anpassung der Ausbildungsinhalte an sich wandelnde Branchenprozesse dar. Sie sind für eine qualitativ gute Ausbildung unabdingbar. Neuordnungen von Ausbildungsberufsbildern sind gleichzeitig Zeitpunkte, zu welchen bei starken Veränderungen der Ausbildungszahlen überprüft wird, ob die Zahl der Berufsschulstandorte reduziert bzw. erhöht werden sollte. Über Veränderungen bei den Beschulungsstandorten entscheidet das StMUK. Berufsschulen werden von Unternehmen wie auch von den Städten und Landkreise selbst als strategischer Standortfaktor wahrgenommen. Die Frage, welche Berufe vor Ort ausgebildet werden, spielt für die Gebietskörperschaften eine beutende Rolle. Die Berufsschulen der Landkreise und Städte stehen deshalb mitunter in direktem Wettbewerb, wenn es um die Zuteilung und Veränderung von Fachsprengeln geht. Die Berufsschulen in Nürnberg sind mit einem Angebot von 102 Ausbildungsberufen gut aufgestellt. Aktuell passen Fachkräftebedarfe (s. Stellungnahme Ref. VII) und die Angebote der Berufsschulen gut zueinander. Innerhalb Mittelfrankens ist eine Umverteilung der Anzahl an Auszubildenden in Fachklassen zu beobachten. Innerhalb von fünf Jahren ist der Anteil der in Nürnberg beschulten „Lehrlinge“ von 49% auf 45% gesunken. Städtische Berufsschulen haben sich in den letzten Jahren wiederholt um die Beschulung neuer Ausbildungsberufe beworben, die bestens zum Profil des jeweiligen beruflichen Kompetenzzentrums passen. Sie kamen jedoch meist nicht zum Zug. Die beigefügte Übersicht „Neue/ neu geordnete Berufe, Fachsprengel/Fachsprengeländerungen – Berücksichtigung/Auswirkungen auf Nürnberger Berufsschulen“ informiert dazu im Detail.
Anlagen Anlage 1: Flyer "Berufsschulen", SchB Anlage 2: Stellungnahme Ref. VII „Duales Ausbildungssystem in Nürnberg“ v. 28.05.2019 Anlage 3: Tabelle: Neue/neu geordnete Berufe Fachsprengel/Fachsprengeländerungen mit Auswirkungen auf Nürnberger Berufsschulen Anlage 4: E-Commerce-Kaufmann/-frau - Schreiben SchB an die Reg. v. MFR vom 03.08.2016 Anlage 5: E-Commerce-Kaufmann/-frau - Schreiben der Reg. v. MFR vom 13.09.2016 Anlage 6: E-Commerce-Kaufmann/-frau - Schreiben des StMUK vom 12.04.2018