Fortführung der Inklusion mit Partnerklassen der Merianschule und der Konrad-Groß-
Mittelschule
hier: Antrag der CSU-Stadtratsfraktion vom 11.06.2018
1) Erfahrungsbericht
Im Schuljahr 2017/18 wurde an der Konrad-Groß-Mittelschule eine Partnerklasse fest installiert und damit die bestehende, erfolgreiche Kooperation mit der Merianschule, einem Förderzentrum mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung, erweitert.
Derzeit arbeiten eine Klasse der Merianschule und eine Klasse der Konrad-Groß-Schule an vier Tagen in der Woche in zwei nebeneinanderliegenden Klassenzimmern mit ihren Lehrerinnen zusammen.
Die Lehrkräfte erstellen in enger Absprache Pläne und Unterrichtskonzepte, planen die Arbeit in wechselnden Sozialformen und erarbeiten gemeinsam Projekte und Unterrichtsgänge. Der regelmäßig stattfindende Unterricht in Natur und Technik, Kunst, Musik und Ethik bietet allen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich kennenzulernen sowie miteinander und voneinander zu lernen.
Über zwei Schuljahre hinweg (5. und 6. Jahrgangsstufe) lernen, singen, malen und basteln die Schüler beider Schularten zusammen und verbringen auch gemeinsam ihre Pausen. Zu Konflikten während der Pausen kommt es sehr selten. Alle Vorkommnisse konnten bislang durch Gespräche und Begegnungen gut gelöst werden. Die Zusammenarbeit der beteiligten Lehrkräfte und der Schulleitungen war stets von Offenheit, Vertrauen, Unterstützung, Interesse und Freude an der gemeinsamen Sache geprägt. Ausschließlich auf dieser Basis konnte das Projekt gelingen.
Vorausgegangen war eine zweijährige Testphase mit einer 5. und 6. Klasse, in der die beiden Lehrkräfte Erfahrungen sammeln und die Besonderheiten der jeweils anderen Schulart kennenlernen konnten. Der gemeinsame Unterricht fand an einem Tag in der Woche statt und wurde durch diverse Unterrichtsgänge und Ausflüge ergänzt. In dieser Zeit war es möglich, sich aufeinander einzustellen, Dinge auszuprobieren und die Akzeptanz bei Schülern, Eltern und Lehrkräften zu fördern. So gelang es, ein funktionierendes, tragendes und allseits akzeptiertes Konzept zu entwickeln.
Da die beiden Lehrkräfte sehr gut und engagiert zusammenarbeiten und durchweg über positive Erfahrungen berichten, wäre es natürlich sehr wünschenswert, dass zusätzlich zur Weiterführung dieser Partnerklasse eine zweite Klasse (5. Schulbesuchsjahr) der Merianschule ebenfalls vor- und nachmittags in dem bewährten inklusiven Setting unterrichtet und betreut werden könnte.
So könnten Schülerinnen und Schüler wesentlich nachhaltiger von der schulischen Zusammenarbeit profitieren und auch jedes Schuljahr wieder eine neue Klasse in die Partnerklassenarbeit mit der Mittelschule „eingefädelt“ werden.
2) Schulrechtliche Verankerung
Die Partnerklasse ist gesetzlich und schulrechtlich in Art. 30a Abs.7 Bay EUG (Zusammenarbeit von Schulen, kooperatives Lernen) sowie in der Schulordnung für die Volksschulen zur sonderpädagogischen Förderung, § 38 VSO-F, verankert.
Partnerklassen von Seiten der Förderschulen werden überwiegend für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung (und Mehrfachbehinderung) gebildet. Eine Förderschule kooperiert dabei mit einer allgemeinen Schule, indem zwei (schulorganisatorisch und –rechtlich getrennte) Klassen (evtl. auf derselben Klassenstufe) miteinander eine Partnerschaft eingehen.
Das Modell hat zentrale Bedeutung für die Umsetzung des bayerischen Weges von Integration und Inklusion. Es bietet vielfältige Gelegenheiten integrativ wirksam zu werden und verwirklicht die Forderung auf gleichberechtigte Teilhabe (UN-Menschenrechts-Konvention 2008).
Historisch wurde diese Konzeption in der Grundschule entwickelt. Seit vielen Jahren ist die Partnerklasse jedoch auch in weiterführenden Schulen wie Gymnasien, Realschulen und Mittelschulen eine Chance, sich der Herausforderung kooperativen Lernens in heterogenen Lerngruppen zu stellen. (www.isb-bayern.de) In Nürnberg gibt es bislang die Geschwister-Scholl-Realschule sowie die Konrad-Groß-Mittelschule als Angebot kooperativen Lernens in der Sekundarstufe.
3) Herausforderungen und Grenzen
Trotz der oben beschriebenen positiven Entwicklung gilt es natürlich Herausforderungen zu bewältigen. Zum einen zählt dazu der Bedarf an intensiver pädagogischer Begleitung der Kinder und Jugendlichen in der Phase des Übertritts auf eine weiterführende Schule, durch den Eintritt der Pubertät und die zunehmende Diskrepanz bzgl. Lernvoraussetzungen, Interessen und individuellen Reifeprozessen. Zum anderen ist die Anpassung der organisatorischen Bedingungen gemäß den Strukturen der Sekundarschulen ein bedenkenswerter Aspekt.
An Grenzen stößt man hinsichtlich der momentan verfügbaren Klassenräume. Eine Ausweitung des Projekts ist aufgrund der fehlenden räumlichen Kapazitäten der Konrad-Groß-Schule zum jetzigen Zeitpunkt ohne geeigneten Erweiterungsbau nicht möglich.
4) Ausblick
Fortschritte gibt es allerdings trotzdem: Die genutzten Klassenzimmer der derzeitigen Partnerklassen werden im nächsten Jahr am Nachmittag der Tagesstätte der Merianschule für zwei Klassen zur Verfügung stehen, sodass eine weitere Gruppe von Schülerinnen und Schülern mittags von der Merianschule zur Konrad-Groß-Schule in die HPT (Lebenshilfe) befördert werden soll. Diese Maßnahme im Rahmen der Betreuung bewirkt einerseits eine Entlastung der Raumsituation an der Merianschule. Andererseits ist die angewachsene Gruppengröße am Nachmittag ausreichend, genügend Betreuungspersonen zur Verfügung stellen zu können, wodurch nicht mehr nur eine Lehrkraft die Verantwortung für die Schülerinnen und Schüler trägt. Schließlich ergibt sich so die Möglichkeit, dass Kinder der Merianschule und Kinder der Konrad-Groß-Schule nicht nur am Vormittag gemeinsam lernen, sondern auch am Nachmittag durch gemeinsame Zeit und Spiele in Kontakt sind und sich austauschen. Auf diese Weise lernen sie auch alltägliche Situationen außerhalb der Lernzeit zu bewältigen und können die Beziehungen untereinander stärken.
Es ist weiterhin durch Umschichtung gelungen, der Lebenshilfe im Pavillon I der Konrad-Groß-Schule einen Büro- und Besprechungsraum für die erwähnte Nachmittagsbetreuung anbieten zu können.
Durch die Bereitschaft von SchB konnten zudem zwei Räume für Berufsschulklassen im Tempohaus für die Merianschule für das kommende Schuljahr bereitgestellt werden. Dadurch kann die angespannte Raumsituation an der Merianschule entlastet werden. Schulleitung und Team der Berufsschulstufe begrüßen dies sehr und sind interessiert an einer langfristigen Zusammenarbeit mit den beruflichen Schulen, wenn irgend möglich in räumlicher Nähe zur Stammschule.
Außerdem wurden mit dem Masterplan 2018 Maßnahmen beschlossen, die einen Schulerweiterungsbau für den Mittelschulbereich der Konrad-Groß-Schule vorsehen – explizit auch im Hinblick auf Raumbedarfe für die Kooperation mit der Merianschule und damit für die Partnerklassen.
In der gemeinsamen Sitzung von Jugendhilfe- und Schulausschuss am 28.06.2018 wurde diesbezüglich folgender Beschluss gefasst, der die geplanten bautechnischen Maßnahmen begrüßt:
„Die Verwaltung wird beauftragt, die fortgeschriebene A-Maßnahmenliste in das BIC- bzw. MIP- Verfahren einzuspeisen. Eine weitere Fortschreibung soll auf Basis einer aktualisierten
kleinräumigen Bevölkerungs- und Schülerprognose 2019 mit Bericht im gemeinsamen Jugendhilfe- und Schulausschuss erfolgen.“
Grundsätzlich besteht seitens der Schulfamilie (Elternschaft, Lehrkräfte und Schulleitungen) ein großes Interesse daran, Partnerklassen einzurichten und die Bereitschaft, diese stetig fortzuentwickeln, ist sehr hoch. Denn damit wurde der Grundstein für eine weitere positive Entwicklung im Schulbereich der Stadt Nürnberg gelegt, die, sobald die räumlichen Gegebenheiten geschaffen worden sind, weiter ausgebaut werden kann.