Deutscher Lehrerpreis 2017: Auszeichnung der Städtischen Berufsschule 2, der Veit-Stoß- Realschule und der Johann-Daniel-Preißler Schule im Bereich "Unterricht Innovativ"
Bericht
1. Deutscher Lehrerpreis
Der „Deutsche Lehrerpreis“ wird seit 2009 jährlich von der Vodafone Stiftung Deutschland und dem Deutschen Philologenverband in zwei Kategorien verliehen. Insgesamt wurden 2017 fünfzehn Lehrkräfte und sechs Pädagogen-Teams aus neun Bundesländern geehrt. Über 4.800 Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte haben sich 2017 am Wettbewerb beteiligt. In der Kategorie "Lehrer: Unterricht innovativ" können sich Lehrkräfte mit fächerübergreifenden und teamorientierten Unterrichtsprojekten um einen der drei Haupt- und drei Sonderpreise bewerben. Den Sonderpreis des Cornelsen-Verlag erhielt in diesem Jahr das eingereichte Konzept der Städtischen Berufsschule 2, der städtischen Veit-Stoß-Realschule und der Johann-Daniel-Preißler Schule.
2. Konzept
Die Besonderheit und Preiswürdigkeit des Konzepts besteht in dem beispielhaften schulartübergreifenden Ansatz, Schülerinnen und Schüler aus dem allgemeinbildenden Bereich, nämlich aus einer Mittelschule und einer Realschule, durch eine Zusammenarbeit mit einer Berufsschule bzw. Berufsfachschule an den Ausbildungs- und die Arbeitswelt heranzuführen. Im Rahmen zweier Kooperationen, die vor fünf Jahren initiiert worden sind, besuchen an mehreren Tagen die Schüler/innen der Veit-Stoß-Realschule und der Johann-Daniel-Preißler- Mittelschule die Berufliche Schule 2 für Fertigungstechnik. In der Berufsschule können sie ihr Vorwissen in Bezug auf die Fächer Physik, Technik und Werken erweitern sowie vertiefen. Dabei setzen die Schüler/innen der Realschule und Mittelschule aktiv und in Zusammenarbeit mit den Berufsschüler/innen theoretische Inhalte in die Praxis um, experimentieren an diversen Stationen und erwerben Fähigkeiten bzw. Fertigkeiten vor allem in Hinblick auf berufliche bzw. praktische Anwendungen. Zusätzlich erhalten die Schülerinnen und Schüler Informationen über Ausbildungsbetriebe, Berufsschulen, Berufsausbildung, -weiterbildung (bspw. Meister oder Technikerausbildung) sowie Berufsschule Plus (Fachabitur).
3. Innovatives am „Unterricht Innovativ“
Das Unterrichtskonzept „Kooperation MS-RS-BS“ ist nicht nur fächerübergreifend, sondern auch schulartübergreifend. Die Schüler/innen lernen gemeinsam in Teams und müssen bei der Bearbeitung der Aufgaben Fächer- und Unterrichtsinhalte verbinden. Das Unterrichtskonzept ist so aufgebaut, dass die Schüler/innen bzw. Teams aktiv und eigenständig arbeiten. Die Lehrkräfte sind in den Arbeitsphasen als Berater tätig und greifen nur ganz selten ein. Die Berufs(fach)schüler/innen erhalten eine „neue“ Rolle: Sie sind nicht mehr nur „Schüler/in“, sondern sind „Fachmann/-frau“ oder „Spezialist/in“. Die Mittelschulschüler/innen bzw. Realschüler/innen erhalten einen Einblick in die Berufs- und Arbeitswelt, in dem sie komplexe Aufgaben oder Beispiele aus der Praxis kennenlernen und bearbeiten. Theorie und Praxis werden miteinander verzahnt, Kompetenzen erweitert und vertieft, sowie vernetztes Denken und Handeln gefördert. Die Nachhaltigkeit der Unterrichtsinhalte wird durch die Praxisorientierung unterstützt und durch die Vor- und Nachbereitungen der Veranstaltungstage erreicht. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Mittelschul- oder Realschüler/innen Informationen über Berufsausbildung und -weiterbildung von verschiedenen Personen (Berufsschüler/innen, -lehrer und Ausbildungsmeister) erhalten. Dadurch haben sie einen differenzierten Einblick, der bei der späteren Berufsauswahl von großem Vorteil ist. In dieser Kooperation arbeiten neben den Schüler/innen auch die Lehrkräfte der verschiedenen Schularten eng zusammen, was zu professionellen Lerngemeinschaften (Netzwerk) und Synergieeffekten führt.
Durch das Kooperationsprojekt MS-RS-BS werden den Schülern/innen Fachkompetenz (z. B. Inhalte aus den Fächer Physik, Werken, Technik), Sozialkompetenz (z.B. Kommunikation, Konfliktbewälti-
gung), Personalkompetenz (z.B. Eigenständigkeit, Selbstreflexion), Methodenkompetenz (z.B. Fertigungsverfahren, Anwendung von Formeln) sowie Problemkompetenz (z.B. komplexe Aufgaben und Transferaufgaben) vermittelt.
4.Würdigung
Für das schulartübergreifende, innovative Kooperationsmodell wurden die beteiligten Lehrkräfte Jürgen Asam, Chris Aulinger, Hasan Gencel (Projektverantwortlicher), Kerstin Jonczyk-Buch und Michael Ziebell mit dem Deutschen Lehrerpreis 2017 ausgezeichnet. Gewürdigt wurde insbesondere die Praxisrelevanz des Projekts, weil es den Schülerinnen und Schülern einen nachhaltigen Einblick in die zukünftige Berufs- und Arbeitswelt ermöglicht. In einem persönlichen Brief an die Verantwortlichen dankt Herr Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle sowie Herr Staatssekretär Georg Eisenreich dafür, dass das schulartübergreifende beindruckende Projekt „Kooperationsmodell“ als „Vorbild für viele bayerische Schulen“ gelten kann, und stellt die „gewinnbringende Zusammenarbeit verschiedener Schularten“ heraus. Berichte in den Nürnberger Nachrichten vom 16.01.2018 sowie der Süddeutschen Zeitung vom 15.01.2018 berichteten über die Preisverleihung und stellten das Kooperationsmodell vor.