Stadtentwässerung und Umweltanalytik Nürnberg
Schadstoffe in der Außenluft: Stickstoffdioxid und Feinstaub. Ein Überblick zur Situation in Nürnberg.
Luftgüte-Messstationen im Sta dtgebiet Nürnberg Die Luftmessstationen im Nürnberger Stadt- gebiet: Es handelt sich hier um Stationen des Lufthygienischen Landesüberwachungs- systems Bayern (Bayerisches Landesamt für Umwelt) und der Stadt Nürnberg. Die gewählten Standorte ermöglichen die Beurteilung der Belastungssituation, sowie eine Unterscheidung zwischen der Hinter- grundbelastung und Belastungen aus dem lokalen Verkehr. Kartengrundlage: Stadt Nürnberg, geografi- sches Informationssystem. Standort Betreiber Stationsumgebung / Art Flughafen Nürnberg Stadt Nürnberg ländlich-stadtnah / Hintergrund Jakobsplatz Stadt Nürnberg städtisch / Hintergrund Muggenhof Landesamt für Umwelt + Stadt Nürnberg städtisch / Hintergrund Bahnhof Landesamt für Umwelt städtisch / Verkehr Von-der-Tann-Straße Landesamt für Umwelt städtisch / Verkehr 1
| Standort | Betreiber | Stationsumgebung / Art |
|---|---|---|
| Flughafen Nürnberg | Stadt Nürnberg | ländlich-stadtnah / Hintergrund |
| Jakobsplatz | Stadt Nürnberg | städtisch / Hintergrund |
| Muggenhof | Landesamt für Umwelt + Stadt Nürnberg | städtisch / Hintergrund |
| Bahnhof | Landesamt für Umwelt | städtisch / Verkehr |
| Von-der-Tann-Straße | Landesamt für Umwelt | städtisch / Verkehr |
Stickstoffdioxid (NO )
Stickstoffdioxid ist ein chlorähnlich riechendes Gesundheitliche Auswirkungen Gas, das als Spurengas in der Atmosphäre mit • Kurzzeitwirkung: den höchsten Werten in Bodennähe vorkommt. Verschlechterung der Lungenfunktion. Es entsteht bei der Verbrennung fossiler Ener- • Langzeitwirkungen: gieträger (Gas, Kohle, Öl) und ist daher unter - chronische Atemwegserkrankungen anderem Bestandteil der Abgase von Kraft- (Asthma, Bronchitis), fahrzeugen, Öl- und Gas-Heizkesseln sowie - Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gas- und Kohlekraftwerken. - Häufung von Lungenkrebs,
- Erhöhung der Gesamtsterblichkeit.
Als Reizgas mit stechend-stickigem Geruch wird NO bereits in geringen Konzentrationen Grenzwerte für Stickstoffdioxid (39. BImSchV) wahrgenommen. Die Inhalation ist der einzig relevante Aufnahmeweg. Die geringe Wasserlöslichkeit von NO bedingt, dass der Schadstoff nicht in den oberen Atemwegen gebunden wird, sondern auch in tiefere Bereiche des Atemtrakts (Bronchiolen, Alveolen) eindringt.
| Mittelwert über eine Stunde | 200 µg/m³ | zulässig: 18 Überschreitungen je Kalenderjahr |
|---|---|---|
| Mittelwert über eine Stunde | 400 µg/m³ | Alarmschwelle bei Über- schreitungen an drei aufeinander folgenden Stunden |
| Mittelwert im Kalenderjahr | 40 µg/m³ | - |
Situation im Stadtgebiet
Die Belastung mit Stickstoffdioxid liegt an Die Messstationen für den städtischen Hinterder verkehrsnahen Luftgüte-Messstation grund (Jakobsplatz, Muggenhof), für den des Bayerischen Landesamtes für Umwelt regionalen Hintergrund (Flughafen) und die in der Von-der-Tann-Straße über dem als Messstation am Bahnhof halten hingegen alle Jahresmittelwert festgelegten Grenzwert Immissionsgrenzwerte sicher ein. von 40 µg/m³.
Ursachen
Als Hauptursache der Stickstoffdioxid-Belastungen an verkehrsreichen Straßenabschnitten ist eindeutig der lokale Straßenverkehr auszuweisen (ca. 51%), gefolgt von Emissionen aus dem gesamtstädtischen Verkehrsaufkommen (ca. 28%).
Bei den verkehrsbedingten Emissionen werden fast 80% durch den Passagiertransport verursacht, nur ca. 20% entfallen auf den Frachtverkehr. Der mit Abstand größte Anteil der
Stadtgebiet Nürnberg Lokaler Verkehr
Stickstoffdioxid-Emissionen wird
als NO -Quelle
dabei durch private Pkw mit 2 Quelle: Siemens CyPT-Air Dieselantrieb verursacht (60%).
Vor diesem Hintergrund stellt sich der Gestaltungsspielraum der Kommunen bei der Bemühung um gesunde Lebensbedingungen für ihre Bürgerinnen und Bürger als sehr begrenzt dar. Nachhaltige Veränderungen wären an dieser Stelle nur durch drastische Verkehrsbeschränkungen oder durch einen deutlich niedrigeren Schadstoffausstoß der motorbetriebenen Fahrzeuge zu erreichen.
Die Diskussionen der letzten Monate zeigen, dass in Bezug auf die erhoffte Verringerung des Stickstoffdioxid-Ausstoßes von neueren Personenkraftwagen (Euro 5- bzw. Euro 6-Norm) die hochgesteck- Konzentrationsentwicklung für Stickstoffditen Erwartungen an die Modernisierung des oxid zwar ersichtlich, eine weitere deutliche Fahrzeugbestands bisher nicht erfüllt oder für Verbesserung der Ist-Situation ist durch kom- Stickstoffdioxid sogar konterkariert werden. munale Maßnahmenpakete aber kaum mehr Ein anfänglicher Erfolg der aus den Luftrein- zu leisten oder schlicht nicht verhältnismäßig. halteplänen umgesetzten Minderungsmaß- Hier sind aktuell die europäische und die Bunnahmen ist deshalb bei der Betrachtung der desgesetzgebung gefordert.
Feinstaub PM und PM 10 2,5 Als Feinstaub werden Partikel mit geringem Gesundheitliche Auswirkungen Durchmesser bezeichnet, die sich in der Atmo- • Langzeitwirkungen: sphäre befinden. Feinstaub entsteht: - chronische Atemwegserkrankungen • aus natürlichen Quellen (Asthma, Bronchitis), (zum Beispiel Bodenabwehungen, - Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Saharastaub, Blütenpollen), - Atemwegs-Infekte. • vom Menschen verursacht • Feinstaub ist Träger von weiteren Schad- (zum Beispiel Dieselruß, Holzfeuerungen, stoffen, diese können zusätzliche schädli- Bauarbeiten). che Auswirkungen hervorrufen. • Je kleiner die Staubpartikel sind, desto Für Feinstaub (englisch „Particulate Matter“- tiefer können sie in den Atemtrakt ein- PM) gibt es zwei unterschiedliche, mit Grenz- dringen. werten belegte Parameter, unterschieden nach den hydraulischen Partikeldurchmessern Grenzwerte für Feinstaub (39. BImSchV) von 10 µm (PM ) bzw. 2,5 µm (PM ). 10 2,5 Feinstaub PM10 Mittelwert über einen Tag 50 µg/m³ zulässig: 35 Überschreitungen je Kalenderjahr Situation im Stadtgebiet Mittelwert im Kalenderjahr 40 µg/m³ - Feinstaub PM2,5 Im Stadtgebiet Nürnberg werden Mittelwert im Kalenderjahr 25 µg/m³ - an allen Luftgüte-Messstationen die Immissionsgrenzwerte für die Feinstaubfraktionen PM und 10 PM sicher eingehalten. Dies gilt 2,5 auch für die verkehrsnahe Mess- station in der Von-der-Tann-Straße. Die Anzahl der Tage mit Über- schreitungen des zulässigen Tages- mittelwertes für Feinstaub PM 10 wird ebenfalls eingehalten. Stabile Inversionswetterlagen in den Wintermonaten können auf- grund des fehlenden Luft- austausches im Stadtgebiet periodisch zu erhöhten Feinstaub- belastungen und damit zu einer Häufung von Überschreitungen des Tagesgrenzwertes für PM 10 führen, ohne dass dabei der Jahresgrenzwert überschritten wird. Rechts: Messwerte für Feinstaub PM 10 4
| Feinstaub PM10 | ||
|---|---|---|
| Mittelwert über einen Tag | 50 µg/m³ | zulässig: 35 Überschreitungen je Kalenderjahr |
| Mittelwert im Kalenderjahr | 40 µg/m³ | - |
| Feinstaub PM2,5 | ||
| Mittelwert im Kalenderjahr | 25 µg/m³ | - |
E ine Sonderstellung nimmt dabei die im Januar 2017 auf- getretene Wetterlage mit insgesamt 16 Überschreitungs- tagen ein, wie die neben- stehende Grafik mit den entsprechenden Daten seit 2011 verdeutlicht. Unten: Messwerte für Feinstaub PM 2,5 Oben: Überschreitungstage Feinstaub PM 10 Messstation Von-der-Tann-Straße Ursachen Anders als beim Stickstoffdioxid stammt der Großteil der Emissionen selbst an der ver- kehrsnahen Messstelle in der Von-der-Tann-Straße aus dem regionalen Hintergrund (63%). Der lokale Straßenverkehr trägt insgesamt ca. 30% zur Be- lastungssituation bei. Dabei stammen aber nur ca. 8% direkt aus den Abgasen der Fahrzeuge, während ca. 24% durch Reifen- abrieb und Aufwirbelungen sedimentierter Stäube verursacht werden. Bei den verkehrsbedingten Feinstaub-Emissio- einen höheren Beitrag leisten, ist die Bilanz nen im Stadtgebiet entfallen ca. 70% auf beim Feinstaub PM zwischen Diesel- und 2,5 den motorisierten Individualverkehr. Während Benzin-Pkw in etwa ausgeglichen. beim Feinstaub PM die Benzinmotoren 10 5
Verkehr als
PM -Quelle 10 Stadtgebiet Nürnberg Quelle: Siemens CyPT-Air
Stadtgebiet Nürnberg Verkehr als
PM -Quelle
2,5 Quelle: Siemens CyPT-Air
Status und Ausblick
Insgesamt waren die Schadstoffbelastungen in den letzten 50 Jahren noch nie so niedrig wie heute – so paradox dies angesichts der heftigen Auseinandersetzungen um die Einhaltung der Grenzwerte auch klingen mag. Es ist allerdings noch nicht dasjenige Niveau erreicht, das im Sinne einer guten urbanen Lebensqualität zu fordern ist.
Die Messstationen für den städtischen Hintergrund (Jakobsplatz, Muggenhof), die verkehrs- Auch für die nächste Dekade stellen sich orientierte Messstation am Bahnhof, und die damit erhebliche Herausforderungen im Messstation für den regionalen Hintergrund Immissionsschutz und in der Luftgüteüberwa- (Flughafen) halten alle Immissionsgrenzwer- chung. Denn der die Stadtgrenzen überschreite sicher ein. Die Belastung mit Stickstoff- tende Verkehr wächst zumindest in Nürnberg dioxid liegt in einigen Streckenabschnitten nach wie vor, während das innerstädtische der Ringstraße allerdings noch über dem als Verkehrsaufkommen ganz allmählich sinkt Jahresmittelwert festgelegten Grenzwert für Stickstoffdioxid von 40 μg/m³. Als Beleg dafür Der Schlüssel zur Lösung der lufthygienischen dienen die Messergebnisse der verkehrsnahen Probleme in Großstädten liegt in der Entwick- Luftgüte-Messstation „Von-der-Tann-Straße“ lung eines nachhaltigen, verbrauchsarmen des Bayerischen Landesamtes für Umwelt und schadstoffminimierten Mobilitätskonzepts sowie Modellrechnungen. für Stadt und Land. musserpmI ,)NUS( grebnrüN kitylanatlewmU dnu gnuressäwtnetdatS ,grebnrüN tdatS grebnrüN
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