Institut für Pädagogik und Schulpsychologie IPSN:
NEST Elternlotsinnen und –lotsen für schulische Bildung
Bericht über die gesamte Laufzeit ab 2009 mit Schwerpunkt Schuljahr 2016/17
Mit ihren Erfahrungen aus Schulsystemen anderer Länder und ihrer interkulturellen Kompetenz unterstützen die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des IPSN die Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule. Vor allem eingewanderte Eltern
bekommen durch die Elternlotsinnen und -lotsen Informationen zur Schule ihres
Kindes und zum Schulsystem in Bayern. Sie können in ihnen vertrauten Sprachen
Fragen stellen und so ihre Kinder besser durch das Schulsystem begleiten.
Lehrerinnen und Lehrer werden für die Bedürfnisse eingewanderter Familien
sensibilisiert. Im Folgenden wird ein Überblick über die bisherige Entwicklung
gegeben und über das Schuljahr 2016/17 berichtet, in dem eine zweite
wissenschaftliche Evaluation durchgeführt wurde.
1. Die Projektphase
NEST startete unter der Bezeichnung „Nürnberger Elternbüro für Schulerfolg und Teilhabe“ im Jahr 2009 als vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördertes Projekt und wurde bis Herbst 2012 vom BAMF finanziert. In dieser Zeit wurden zwei Gruppen von Personen, die aus unterschiedlichen Ländern stammen, zu ehrenamtlichen Lotsinnen bzw. Lotsen1 ausgebildet.
1.1 Die Ausbildung der Lotsinnen
Voraussetzung für den Einsatz als Lotsin war und ist die erfolgreiche Teilnahme an einem Qualifizierungskurs. Neben grundlegenden Themen - wie Lebenswelten ethnischer Gruppen in Nürnberg, die Bedeutung frühkindlicher Erziehung und pädagogisch-psychologischer Fragen wie Legasthenie oder ADS/ADHS - steht das Bildungs- und Schulsystem in Bayern auf dem Programm. Eine zentrale Rolle bei der Beratung spielen die Übergänge zwischen den Bildungsstufen, woraus sich auch das Thema Zweiter Bildungsweg ergibt. Ebenso wichtig ist das Wissen über Anlauf- und Beratungsstellen im Schulwesen und bei der Stadtverwaltung sowie von sozialen und politischen Unterstützungssystemen. Im Hinblick auf das Tätigkeitsprofil ist auch das Thema Ehrenamt von Bedeutung.
1.2 Der Aufbau des Elternbüros
Zu Beginn des Schuljahres 2010/2011 wurde beim Sitz des IPSN das Elternbüro eingerichtet, in dem eine pädagogische Mitarbeiterin in Teilzeit ratsuchenden Eltern zu regelmäßigen Sprechzeiten für Beratungen rund um Schule zur Verfügung steht. Sie begleitet und koordiniert auch den Einsatz an den Schulen und steht den Schulleitungen, Lehrkräften und sozialpädagogischen Fachkräften bei Fragen zur interkulturellen Elternarbeit zur Seite. Seit Oktober 2017 ist – auf einer im Rahmen des Flüchtlingspakets geschaffenen
1 Da es sich überwiegend um Frauen handelt, wird in diesem Bericht die weibliche Form Elternlotsinnen verwendet.
halben Stelle - eine weitere pädagogische Mitarbeiterin speziell für die Arbeit mit Geflüchteten zuständig. Sie kümmert sich auch um den Einsatz von Elternlotsinnen in den Flüchtlingsunterkünften, was durch zusätzliche Gelder für die Jahre 2016 bis 2018 finanziert werden konnte.
1.3 Die Entwicklung der Partnerschaft mit den Schulen
Die erste Phase kann man als Erprobungsphase bezeichnen. Die Elternlotsinnen standen in Teams einer Schule als Ansprechpartnerinnen von NEST zur Verfügung. Die Aufgabe der Teams bestand u.a. darin, sich dem Elternbeirat sowie den Eltern in den neuen Klassen am Anfang des Schuljahres vorzustellen, Planungsgespräche mit der Schulleitung zu führen, Kontakte mit dem Ansprechpartner/der Ansprechpartnerin zu pflegen oder auch diverse Projekte nach Absprachen durchzuführen. In der Anfangsphase stieß das Projekt auf einige Vorbehalte. Manche Elternbeiräte empfanden die Elternlotsinnen als „Personen von außerhalb“ und befürchteten Konkurrenz; einige Schulleitungen waren sich nicht sicher, ob sie sich auf ein neues Projekt einlassen sollten, oder hatten Bedenken wegen des möglichen Zeitaufwands bei der Betreuung der Elternlotsinnen. Doch das Elternbüro und die Lotsinnen konnten durch die Regelmäßigkeit der Schulbesuche das Vertrauen der Leitungen, Lehrkräfte und Elternvertretungen gewinnen. Auch die Anbindung an den Geschäftsbereich Schule der Stadt hat sich als vorteilhaft erwiesen.
Inzwischen gibt es ein Netzwerk mit 29 Partnerschulen, die in unterschiedlichen Modellen mit NEST zusammenarbeiten, die Nachfrage steigt wesentlich schneller als die Angebote (siehe Beilage 2)
2. NEST als dauerhafte Arbeitsstelle
Im Herbst 2011 beschloss der Stadtrat, das Projekt zu verstetigen, in dem eine Koordinationsstelle mit halbem Deputat geschaffen und Mittel für die Aufwandsentschädigungen für ehrenamtliche Arbeit in den Haushalt eingestellt wurden.
2.1 Die Arbeit der Lotsinnen
Die ausgebildeten Elternlotsinnen zeichnen sich durch hohe soziale und kommunikative Kompetenz aus, fördern die Kommunikation zwischen Eltern und Lehrkräften ggfs. in den Familiensprachen, stärken Eltern in ihrer Erziehungskompetenz im Hinblick auf den Schulerfolg, wirken als Sprach- und Kulturmittlerinnen und bauen Brücken zwischen den Eltern, Lehrkräften und Institutionen. Sie beantworten Fragen der Eltern rund um die Schule und das bayerische Schulsystem, gestalten Informationsveranstaltungen für Eltern, organisieren Elterncafés an Schulen und unterstützen das interkulturelle Schulleben mit Angeboten bei Schulfesten wie „Spiele rund um die Welt“.
2.2 Das Elternbüro als Koordinationsstelle
Die Koordinationsstelle ist das Bindeglied zwischen den Schulen und den Elternlotsinnen.
Lehrkräfte haben in der hauptamtlichen Betreuung zwei Ansprechpartnerinnen, mit denen sie die Angelegenheiten rund um den Einsatz der Lotsinnen besprechen können. Die Elternlotsinnen bekommen professionelle Unterstützung bei komplizierteren Fragen. Des Weiteren führen die Koordinatorinnen selbst Beratungen in den Sprechstunden im Elternbüro durch, sowohl telefonisch als auch persönlich.
Die andere wichtige Aufgabe ist die Durchführung regelmäßiger Schulleitertreffen der Partnerschulen, um Erfahrungen untereinander auszutauschen und Bedarfe der Schulen aufzunehmen. Einzelne Anfragen mit Bitten um Unterstützung von anderen Schulen werden je nach Kapazität bearbeitet, dort werden jedoch keine Elternabende oder Elterncafés durchgeführt.
2.3 Institutionelle Anbindung
Die Anbindung von NEST an das Institut für Pädagogik und Schulpsychologie Nürnberg hat sich bei der Zusammenarbeit mit Schulen und Eltern als sehr wichtig erwiesen. Schulleitungen und Lehrkräfte entwickeln schneller Vertrauen in die Arbeit der Ehrenamtlichen, da sie durch das Institut qualifiziert wurden und bei ihrer Arbeit von einer hauptamtlichen Pädagogin des IPSN betreut werden. Die Lotsinnen fühlen sich durch die Anbindung an das IPSN sicher, da sie sich bei den meisten Fragen direkt an kompetente pädagogische und psychologische Fachkräfte wenden können. Auch besteht das Angebot für die Lotsinnen regelmäßig an kostenlosen Supervisionssitzungen der Abteilung Schulpsychologie teilzunehmen.
Eine wichtige Aufgabe des IPSN besteht in der Teamentwicklung und Weiterqualifizierung der NEST-Elternlotsinnen. Die Lotsinnen treffen sich ca. alle zwei Monate als ganze Gruppe, um ihre Erfahrungen aus der Arbeit an den Schulen auszutauschen. Einzelne Teams der Partnerschulen sowie einzelne Elternlotsinnen treffen sich mit den NEST- Koordinatorinnen zur Besprechung von komplizierteren Fragestellungen. Wichtige Fragen und neue Entwicklungen werden regelmäßig in Fortbildungen vertieft.
2.4 Voraussetzungen für erfolgreiche Kooperation mit den Schulen
Trotz des individuellen Verlaufs an jeder einzelnen Schule lassen sich bei der Zusammenarbeit einige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit feststellen:
Benennen eines Ansprechpartners/einer Ansprechpartnerin an der Schule Regelmäßige Planungstreffen mit der Schule (1. Treffen: Ziele und Planung für das Schuljahr, 2. Treffen: Auswertung, Verbesserungsvorschläge und Ideen für das kommende Schuljahr) Erstellen einer Liste der Veranstaltungen, die an der Schule angeboten werden (wie z.B. Themenelternabende, Fortbildungen für die Lehrkräfte in interkultureller Elternarbeit) Informationen für das Kollegium zu Beginn eines jeden Schuljahres, ggfs. persönliche Vorstellung der Elternlotsinnen der Lehrerkonferenz
Vorstellung der Elternlotsinnen der Elternbeiratssitzung und Überlegungen zur Zusammenarbeit mit dem Elternbeirat Gelegenheit zur persönlichen Vorstellung der Elternlotsinnen bei den ersten Elternabenden (besonders in Eingangs- und Übertrittsklassen) Vereinbarungen über die Überlassung der Räumlichkeiten für das Elterncafé, beim Druck und der Verteilung von Einladungen zum Elterncafé
Besonders wichtig sind Informationen, mit welchen anderen Organisationen die Schule bereits kooperiert, um Überschneidungen zu vermeiden und Kooperationen zu entwickeln.
2.5 Qualitätssicherung
Im Schuljahr 2011/2012 wurde von Prof. Dr. Gudrun Cyprian, Universität Bamberg, eine erste Evaluation durchgeführt, deren Kurzfassung auf www.ipsn.nuernberg.de einzusehen ist.
2.6 Finanzielle Lage
Der NEST- Projektstart im Jahr 2009 wurde möglich durch eine Anschubfinanzierung des BAMF für die Dauer des Projekts bis Herbst 2011. Im Jahr 2011 schuf die Stadt Nürnberg eine halbe Stelle für die Leitung von NEST und bewilligte 8000 Euro /Jahr für Aufwandsentschädigungen für die ehrenamtlichen Lots/inn/en. In den Jahren 2014 bis 2017 konnte die Arbeit durch die großzügige Unterstützung des LIONS Clubs Nürnberg – Franken ausgebaut und intensiviert werden. 2015 wurden die jährlichen Zuwendungen der Stadt Nürnberg auf 23.000 EUR aufgestockt. Sie allein reichen aber bei weitem nicht aus, die erforderlichen Ausgaben, vor allem die Aufwendungen für die ehrenamtlichen Tätigkeiten der Elternlotsinnen, abzudecken. Es ist daher zwingend erforderlich, weitere Mittel einzuwerben, was IPSN 2014 durch verschiedene Spender mit kleineren Beträgen gelang. Da die Schulen zurzeit für das Schuljahr 2017/18 einen immer größer werdenden Bedarf an Beratung und Unterstützung durch die NEST-Elternlotsinnen anmelden, kann dieser bei bestehender Finanzierungslage voraussichtlich nicht mehr abgedeckt werden. Seit Oktober 2016 gibt es aufgrund einer Kooperation mit dem Referat für Jugend, Familie und Soziales der Stadt Nürnberg eine Projektförderung durch die Zukunftsstiftung der Sparkasse für den Bereich NEST-Elternarbeit in den Flüchtlingsunterkünften. Diese Arbeit ist nur bis Ende September 2018 finanziell abgesichert.
3. Das Schuljahr 2016/17
3.1 Zweite wissenschaftliche Evaluation
Mit Unterstützung durch Prof. Dr. Gudrun Cyprian, Universität Bamberg, wurde ein Konzept für eine zweite Evaluationsstudie entwickelt. Zielsetzungen waren: Überprüfung der Nachfrage nach NEST-Leistungen und der Akzeptanz des Projekts an den Schulen, die
Beurteilung der Leistungen von NEST allgemein und insbesondere bei den Anforderungen durch die Flüchtlingswelle im Jahr 2015 sowie die Einschätzung des künftigen Bedarfs.
Die Evaluation umfasste Telefoninterviews mit 23 Rektor/innen und acht Lehrkräften, Interviews mit 15 Elternlots/innen und ein Interview mit den Programmverantwortlichen im IPSN und den schriftlichen Ergebnisbericht über die Evaluationsergebnisse. Eine Zusammenfassung des Evaluationsberichts findet sich in Beilage 3.
3.2 Bilden des sog. „Flüchtlingsteams“ und Durchführung der Workshops an den
Flüchtlingsunterkünften
Die Veranstaltungen, an denen über 190 Erwachsene und ca. 100 Jugendliche teilnahmen, vermittelten vor allem Kenntnisse im Bildungssystem und gingen dann insbesondere auf die Besonderheiten der schulischen Bildung von Geflüchteten ein (Ü-Klassen, SI-Klassen an den beruflichen Schulen, Möglichkeiten des Wechsels an Gymnasien und Realschulen u.a.).
Außerdem wurden Informationen zu bestimmten Themen wie Schullandheimaufenthalte, Schwimmunterricht, schulische Sexualerziehung gegeben Die Fragen der Teilnehmenden wurden aufgegriffen und bei Bedarf weitere Veranstaltungen zur Vertiefung der Themen geplant bzw. durchgeführt. Die Veranstaltungen fanden immer unter der Teilnahme von mehreren Lotsinnen und in mehreren Sprachen statt (Deutsch, Englisch, Türkisch, Arabisch, Persisch, Kurdisch, Russisch u.a.). Im Nachgang zu den Veranstaltungen gab es jeweils Einzelgespräche zur Beratung in Bezug auf die konkrete Situation der Betroffenen.
Fragen der Teilnehmenden bezogen sich häufig auf gewaltfreie Erziehung, gesundes Frühstück und Pausenbrot und Entschuldigungen bei Krankheit. Den Lotsinnen fiel auf, dass viele Eltern die Schulen ihrer Kinder nicht kennen. Den vor Ort zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurde empfohlen, in den Unterkünften eine Liste mit Schulen und Telefonnummern der Sekretariate auszuhängen. Es gab viele Fragen zu den Gutscheinen im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets, die meist schnell geklärt werden konnten. Der Kontakt über Helferkreise erwies sich als sehr zielführend. Bei der Kontaktaufnahme mit den Unterkünften war des Öfteren zunächst eine sehr zögerliche Haltung der Verantwortlichen in Bezug auf die Veranstaltungen zu beobachten.
3.3 Ausbildung und Einführung der neuen Gruppe von Elternlotsinnen
Auf die große Nachfrage der Schulen, insbesondere hinsichtlich der Begleitung bei Gesprächen und der Betreuung der arabischsprachigen Familien, wurden im Schuljahr 2016/17 zwölf weitere Elternlotsinnen ausgebildet, die im April 2017 ihre Tätigkeit aufnahmen. Zu den Inhalten der Ausbildung zählten folgende thematische Module: Das Schulsystem in Bayern; Schulsysteme der Herkunftsländer von Zugewanderten; Mobiler sonderpädagogischer Dienst und seine Aufgaben; Struktur und Aufgabe der Förderzentren in Nürnberg; Ausländergesetze und deren Bedeutung für den Schulalltag; Elternbeiräte in Bayern und in Nürnberg; Jugendsozialarbeit an Schulen – Aufgaben und Struktur; Duales Ausbildungssystem in Deutschland; Einstiegsklassen für Neuzugewanderte; Besonderheiten
der Arbeit mit Geflüchteten/Traumata; Deutschförderung an Grundschulen; Leistungen Bildung und Teilhabe für Familien; Schulische Anlauf- und Beratungsstellen in Nürnberg; Wertschätzende Gesprächsführung; Gewaltfreie und Interkulturelle Kommunikation; Ehrenamt: Einsatzmöglichkeiten, Schweigepflicht, Verträge
Die Weiterbildung beinhaltete außerdem die Teilnahme an einer Hospitation im Unterricht eines Förderzentrums und einer Übergangsklasse sowie Hospitationen bei Einsätzen der Elternlotsinnen, die schon länger im Einsatz sind.
3.4 Tätigkeit der Elternlotsinnen im Schuljahr 2016/17
Ab dem zweiten Halbjahr waren 35 ehrenamtlich tätige aktive Elternlots/innen mit eigener Migrationsgeschichte mit insgesamt 28 Sprachen an Nürnberger Partnerschulen (15 Grund-, 5 Mittel-, 3 Realschulen, 2 Gymnasien und 1 Förderschule) tätig. Die Leitung war bis September 2017 mit einer halben Pädagoginnen-Stelle besetzt, im September 2017 nahm eine weitere Mitarbeiterin die Arbeit auf; diese halbe Stelle ist im Rahmen des „Flüchtlingspakets“ vom Stadtrat befristet geschaffen worden.
Im Schuljahr 2016/17 fanden im Durchschnitt über 2400 Einsätze der Lots/innen an Nürnberger Schulen und Unterkünften statt2, darunter zahlreiche Beratungen und Eltern- Lehrkräfte-Gespräche an Schulen sowie interkulturelle und sprachliche Unterstützung bei diversen Elternabenden. Elternlots/innen begleiteten Eltern mit ihren Kindern zur Schulanmeldung in die Übergangsklassen und führten Elterninformationstreffen an den Flüchtlingsunterkünften durch. An neun Schulen haben von den Elternlots/innen (mit)organisierte Elterncafés stattgefunden. Daran nahmen ca. 400 Frauen und Männer teil. Über ihre Mitarbeit bei Elternabenden, Lernentwicklungsgesprächen, Elterncafés, Schulfesten, Exkursionen usw. stellten sie ein „vertrautes“ niederschwelliges Beratungsangebot dar.
3.5 Tätigkeit des Elternbüros im Schuljahr 2016/17
Ca. alle sechs Wochen fanden für die Elternlotsinnen Supervisionen, Austauschtreffen sowie Fortbildungen statt. Das Hauptthema der Fortbildungen in diesem Schuljahr war das Thema: „Sexualerziehung“ inklusive der Auseinandersetzung mit den neuen Richtlinien für die Familien- und Sexualerziehung in den bayerischen Schulen, die im Dezember 2016 erlassen wurden. Außerdem wurde auch das aktuelle Thema „Trauma bei Kindern und Jugendlichen“ behandelt. Es gab zwei Treffen der Elternlotsinnen mit den Schulleitungen und Ansprechpartner/innen der Partnerschulen im Stadtteil St. Leonhard/ Schweinau. Die Tätigkeit der Elternlotsinnen wurde bei der Dienstbesprechung der Lehrkräfte aus den Übergangsklassen der Grund- und Mittelschulen sowie der Fachberater/innen Migration vorgestellt. NEST war auch vertreten bei der Bildungskonferenz „Bildung für Neuzugewanderte in Nürnberg“, der Integrationskonferenz, dem Forum Willkommenskultur (beim Schwerpunkt „Bildung und Arbeit“ mit Erfahrungen der Elternlotsinnen) sowie dem Fachtag „Bildung begleiten“ – mit dem Workshop „Eltern einbeziehen: Warum? Wie?“).
2 Die hohe Zahl ergibt sich daraus, dass meiste mehrere Lots/inn/en gemeinsam im Einsatz waren.
Drei Gespräche haben zwischen der NEST- Koordinatorin und den Leitungen der Schulen, die sich um die Partnerschaft mit NEST ab dem Schuljahr 2017/18 bemühen, stattgefunden. Dabei stellten sich die neu zusammengestellten Teams der Elternlost/innen vor.
Vernetzungen bestehen u.a. mit dem Integrationsrat der Stadt Nürnberg, dem Bündnis für Familie, dem Kinderschutzbund und den Sprachkursen „Mama lernt Deutsch“.
Es gab 218 Anfragen an das Elternbüro, davon 176 aus Schulen (Lehrkräfte, Schulleitungen, Sozialpädagog/innen); 17 von anderen Institutionen und Projekten (z.B. ffs, „musik integriert“, Institut für Talententwicklung, MSD, Evangelische Jugend Nürnberg, Erziehungsund Beratungsstelle, Migrationsberatung, Horte wegen Anmeldung und Vernetzung, Flüchtlingsunterkünfte, Schulvorbereitende Einrichtungen, Staatliche Schulberatung); 11 von Elternseite; drei Anfragen aus anderen Städten (Erfahrungen zum Aufbau der Elternarbeit) sowie 11 sonstige Anfragen.
Ausblick
NEST hat sich zu einem wichtigen Unterstützungsangebot für die Schulen in Nürnberg entwickelt, wobei die Arbeit auf noch mehr Schulen ausgeweitet und die Intensität wesentlich erhöht werden könnte. Eine quantitative Ausweitung ist zurzeit aber nicht sinnvoll, da die finanziellen und auch personellen Kapazitäten nicht ausreichen. Die Arbeitszeit der zurzeit zwei halbtägig beschäftigten NEST-Koordinatorinnen wird in vollem Umfang benötigt, um die Arbeit auf dem gewünschten Niveau gewährleisten. Auch ist die im Rahmen des Flüchtlingspakets geschaffene Stellenkapazität zeitlich befristet. Da es sich bei der Arbeit der Elternlotsinnen um eine ehrenamtliche Tätigkeit handelt, bleibt es nicht aus, dass sich einzelne Personen aus der Arbeit zurückziehen, wenn sie sie z. B. eine Vollzeitstelle gefunden haben. So kommt es immer wieder zu Engpässen bei der Unterstützung in bestimmten Sprachen. Daher ist geplant, 2018 eine weitere Gruppe auszubilden.
Grundsätzlich sind folgende Aspekte anzumerken:
Es ist wünschenswert, dass sich die Stadt Nürnberg für eine Verlängerung der unter 2.6 angesprochenen Projektförderung der Flüchtlingsarbeit durch die Zukunftsstiftung der Sparkasse einsetzt.
Mit NEST erbringt die Stadt Nürnberg eine wichtige Leistung sowohl für Nürnberger Familien als auch für die staatlichen Schulen. Daher sollte die Stadt Nürnberg eine Beteiligung des Freistaats Bayern an der Finanzierung von NEST zu erreichen suchen.
Die Arbeit von NEST bezieht sich auch die Unterstützung von Schulen und Familien. Es wäre sinnvoll, dies durch ein Programm zur individuellen Begleitung für Schülerinnen und Schüler zu ergänzen.